Zu Primus Trubers 400jahrigem Geburtstag (8. Juni 1508) Dr. O. Hegemann evang. Pfarrer in Laibach. Sonderabdruck aus dem »Jahrbuch der Geseilschaft fiir die Geschichte des Protestantismus in Osterreich«, XXIX. Jahrgang. WIEN 1908. Im Verlage des Verfassers. Zu Primus Trubers 400jahrigem Geburtstag (8. Juni 1508) Von Dr. O. Hegemann evang. Pfarrer zu Laibach. Sonderabdruck aus dem »Jahrbuch der Gesellschaft fiir die Geschichte des Protestantismus in Osterreich«, XXIX. Jahrgang. WIEN 1908. Im Verlage des Verfassers. O^trOSLOlb • • W. Hamburger, Wien VI. — 08 1236 I. Zur C h a r a k te r i s t i k Trubers. Dr. Theodor Elze, der erste Fortsetzer des Truberschen Lebenswerkes in Krain nach der Gegenreformation, hat eine aus- fuhrliche Biographie zwar verheiften, aber leider nicht mehr bieten konnen 2 ). Seine ausgezeichneten Einzelstudien, vor allem seine mustergultige Ausgabe der »Briefe« 3 ) und seine zahlreichen Aufsatze im »Jahrbuch« bieten eine notwendige Vorarbeit, eine Sichtung des vorhandenen Materiales, aber nicht das Gebaude, das noch des Kunstlers harrt. Kenntnis der slowenischen Sprache und tiefes Eindringen nicht bloft in die lokalgeschichtlichen, sondern auch in die allgemeinen Verhaltnisse, waren Bedingungen zur Losung einer solchen Aufgabe. Der Verfasser des vorliegenden Aufsatzes ist sich des Mangels dieser beiden Voraussetzungen bev/ufit, halt es aber doch fiir angezeigt, auf die einer abschlieftenden Bearbeitung harrenden Fragen anlaftlich des Truber-Jubilaums hinzuweisen, um so mehr, da aus dem ungedruckten Werke Theodor Elzes: »Die krainische Literatur im 16. Jahrhundert. Biographische und ’ ') Mit Beniitzung der ungedruckten Hinterlassenschaft von Dr. Th. Elze. 2 ) Aus alterer Zeit ist redit brauchbar: W. Sil lem, Pr. Truber, der Reformator Krains, 1861. In dem grofien Artikel Truber in der »Real- enzyklopadie fiir protestantische Theologie und Kirche«, 3. Aufl. Bd. 20 (1908), 136—143, konnte Elze seine Forschungen zusammenfassen; die ausfiihrlichen, wenn auch nicht erschopfenden Literaturangaben sind hier bis auf die Gegen- wart fortgefuhrt. Von slowenischer Seite erschien liber Truber folgendes: In »Ljubljanski Zvon«: 1884, Črtica o Primošjo Trubarja, Lovro Žvab, S. 41 bis 45; 1886, O poutkih slov. Književnosti, A. Fekonja, S. 42ff.; 1887, Ivan baron Ungnad, A. Raič, S. 18 ff.; 1890, Reformacija v Slovenci, A. Fekonja S. 477 ff.; 1892, Jurij Juričič, S. 732. 3 ) 1894; von mir zitiert mit: Elze. 1 * 4 bibliographische Studien zur Literatur-, Kultur- und Reformations- geschichte« 1 ) bedeutsame Beitrage zu entnehmen sind. Elze schildert Truber in der genannten ungedruckten Schrift so (S. 26): »Was Truber von friihen Jahren an bis in seine Sterbe- stunde erfullt und beseelt hat, das war Liebe zum Evangelium, fur welches er Vaterland, Freunde, Ehre und zeitliches Vermogen dahinten liefi; Liebe zu seinem Vaterlande, welche Entfernung und Verbannung nicht zu vermindern vermochten; Liebe zu den Armen und Bedrangten, deren schwere Lage er in fruher Jugend selber erprobt hatte. Er war ein scharfer, logischer Denker, dabei treu- herzigen, aufrichtigen Gemutes, konsequent im Handeln, aber argios im Umgang, ernst und milde zugleich. In seinem reformatorischen Wirken ging er ohne Engherzigkeit langsam und schonend zu Werke, fur das Gelingen seines literarischen Unternehmens war er angstlich, fast mifitrauisch besorgt. Wenn er auf diesem Gebiete gereizt wurde, konnte er fur Augenblicke heftig werden und sich Worte bedienen, welche nur der allgemeine Gebrauch des 16. Jahr- hunderts entschuldigt. Doch trat die urspriingliche Milde und GUte seines Herzens, welchem andauernder Groll und nachtragende Gehassigkeit, Feindseligkeit und Rachsucht unbekannt waren, bald wieder hervor. AIs Schriftsteller war Truber weniger schopferischen Geistes, aber er war auch kein gewohnlicher sklavischer Ubersetzer; wo er blofJ Ubersetzer sein wollte und mulite, war er hochst treu und gewissenhaft; in anderen Fallen war er ein eigenttimlicher und geistreich kombinierender Bearbeiter. Dies tadelt Ungnad an ihm. Sein Stil ist mehr einfach als schwunghaft, der Gegenstand gilt ihm mehr als die Darstellung. Sprache und Literatur waren ihm stets nur ein Mittel, seine Gedanken und Uberzeugungen in moglichst weiten Kreisen zu verbreiten. Er hat nie, auch nicht als Schriftsteller, seinen personlichen Ruhm gesucht, sondern das Wohl der Menschen; das trieb ihn zum ersten Beginn der slowenischen Literatur, das tritt uns aus ali seinen Schriften entgegen. Seine Lieder sind herzlich und erhebend, einfach und klangvoll und konnten zum Teil bei geringen sprachlichen Anderungen noch heute ') Vorrede, datiert Venedig, Herbst 1871; spater vielfach erganzt. Im Besitze des Herrn Hofrates Prof. A. Luschin v. Ebengreuth in Graz, dem fur die giitige Oberlassung dieses und der anderen auf Truber bezug- lichen Manuskripte herzlicher Dank gebuhrt. 5 von seinen Glaubensgenossen slowenischen Stammes mit Erbauung und Segen gesungen werden.« Diese Kennzeichnung des tiefgrabenden Forschers laftt aber leider ganzlich eine Beurteilung Trubers auf dem Gebiete vermissen, auf dem der eigentliche Schwerpunkt seines Wesens zu suchen ist. Truber war als Kirchengrunder und grundlegender Theologe hineingestellt in den wilden Meinungskampf jener Tage. Irgendwie mufite er Stellung nehmen zu den Gegensatzen von Luthertum und Calvinismus, Flazianismus und Synergismus, von denen alle theologischen Erorterungen jener Tage widerhallen. Die tiefste Eigen- art des sudosterreichischen Reformators wird sich erst aus einer Prufung seines Verhaltens zu diesen Fragen erschliefien lassen, die nun einmal seinen Zeitgenossen als die wichtigsten erschienen. Erst von hier aus wird sich eine Antwort auf die Hauptfrage ergeben, worin eigentlich die Bedeutung dieses Mannes besteht. Aufgabe einer Truber-Biographie wird es aber noch sein miissen, in noch eindringenderer Weise die Gemutsbeschaffenheit, wie sie bei ihm als Glied des slawischen Stammes, als Gatten, Haus- vater, in Trubsal und Krankheit sich auftert, einer Beurteilung zu unterwerfen. 1 ) ') Zur Beleuchtung rein menschlicher Ziige des krainischen Reforma¬ tors, deren eingehendere Darstellung einer kommenden Biographie vorbehalten bleiben mufi, diene hier nur folgendes: Seine aufierordentliche Herzensgute, z. B. gegeniiber dem kroatischen Bibeliibersetzer Stephan Consul: »Ich unnd mein Weib haben ime in unnsern arm unnd nothwendigen (notdiirftigen) Ellendt zu Rottenburg unnd Kempta allso halb krankhen bei drei viertel Jar bei unnserm Tisch, uff unnserm Bett trewlich gehalten, vil Gelts geben vnnd gelihen, darfur er unns nie nichts. Ich hab in in Stetten, bei guetten Herren unnd Landleuthen, unnd bei anndern Christen an vilen Orten befiirdert unnd angebracht, dabei er allvvegen besser gehabt unnd mer erobert alls ich, wie an seinem Haussraath unnd Claidern wol zusehen. . . . Mein Weib hatt er allhie durch sein Weib allhie unnd zu Tubingen ussgericht, daz sie unnder die Leuthe nit darff. Er hatts auch schlahen willen.« (Elze, S. 150, 331 f.) U n ers ch ro ck e n h e i t, an Luthers bekanntes Wort vor Worms er- innernd. Als Truber am 25. Juni 1561 vor Laibach hielt, um dort nach 13jahriger Abwesenheit seine Wirksamkeit neu zu beginnen und von .den Drohungen der vveltlichen und geistlichen Behorden horte: »ist er anfanglich etvvas betrubt vvorden, geseufzt und gesagt: Wollen die Krainer das Evange- lium haben, so miissen sie das Kreuz auch helfen tragen.« »Wenn ich heute nit gen Laibach kame, wurden die gutherzigen Christen betrubt und sagen: 6 Wir versuchen im nachfolgenden, mit Benutzung der Elzeschen Arbeiten, einiges Licht uber diese Fragen zu werfen. Truber sagt von sich: »dieweil griechisch noch hebraisch nicht khan« 1 ). Vom Italienischen aber: »cum peroptime sicuti germa- nicam vel latinam intelligo«. 2 ) Seinen Bildungsgang schildert er mit den Worten: »Tergesti ab episcopo Petro Bonomo docto et viro piissimo sum a teneris annis educatus. . . Ulic Tergesti didiceram linguam italicam; licet eam nune difficulter loquor attamen cum illam lego sive audio intelligo facillime«. 3 ) In demselben an Bullinger gerichteten Schreiben bekennt freilich Truber auch seine ungeniigende Kenntnis selbst des Lateinischen. 4 ) Es sind dies die einzigen eigenen authentischen Angaben die wir uber Trubers Bildungsgang besitzen. Sie bestatigen in ihrer ich fiirchte und fliehe das Kreuz und die Gottlosen wiirden gestarkt in irem bosen Furnehmen wider mich.« (Elze, S. 115.) Humor: »Dem Herrn Stephano Consul hab ich unter anderm ge- schrieben, dafi weder seine crobatische, cyrulische, noch meine crainerische Bucher nit abgehen, zu besorgen, wir werden aus unsern Buchern Skarnitzl machen, und die scombros, wie der Persins sagt, einwickein. Denn wie in aller Welt, also auch in diesen Landen (Krain) ist der Glaub, Lieb, Gottes- furcht, Frag nach evvigem Leben schier gar erloschen usw.« (Elze, S. 433 f.) Ge id no te: »E. G. klag ich armer Khnecht, ich hab kein Geld, kein Khorn und spekh, schmoltz hab ich auff halb Jar. Der Forestin bin ich 12 Thaller schuldig, dem Hm. Buechhalter auf diese Quotemer und auff khunfftige hab ich 24 Gulden entlehnt. Nun wifie ich nicht wo aus, taglich k.humen frembd Leut, wo ich Geld auffpringen soli usw.« (ddo. Laibach, 29. Oktober 1564, Elze, S. 423.) Kranklichkeit: »Nach Ostern wolt gern auch 14 Tag in Sawr prun (Bad Teinach in Wurttemberg) von wegen meiner Krangkheit und Krebzen paden, dan also krangkh mit posen geschwolnen FiiGen, kretzig, unlustig, bin niemant zu nutz; mich verdreust warlich gar offt zu- leben.« (ddo. Urach, 10. Februar 1562, Elze, S. 165); »wie mich der All- machtige das nachst verschienene Jahr von Mai an bis auf Dezember mit schwerer, todtlicher und langvvieriger Krankheit, mit der colica passione und continua febri heimgesucht, und wiewol die Doctores und Apotheker viel Muhe und Unkostens mit mir gebraucht, auch in das Wi!dbad geschickt, aber gemeldte Krankheiten haben von mir nit setzen vvollen, bis sie in die auswendige Glieder geschlagen, und mich also an Handen lahm und contract gemacht, dafi ich nicht schreiben kann.« (ddo. Derendingen, 16. Januar 1572, Elze, S. 502 f.) ’) Elze, S. 20. 3 ) Ebenda, S. 27. 3 ) Ebenda. *) Ebenda, S. 26. 7 Weise das, was Freiherr Hans Ungnad hohnisch von ihm sagt: »die Bauern wissen wohI, dali er ein guter gemeiner Dorfpfarrer gewest, nie auf keine Universitat kommen, aber gar ein frommerMann ist«. 1 ) AIs 13jahriger Knabe besuchte Truber die Schule in Fiume, dann, wohl als fahrender Schiller, die in Salzburg und Wien. In letztgenannter Stadt wurde Bischof Bonomo von Triest — wohl wahrend seiner Administration des Wiener Bistums 1523 — auf den jungen 15jahrigen Kurrendeschiiler aufmerksam, den er als Diskantisten in seinen Domchor aufnahm, wo er 1526 als »servitor episcopi« erscheint, jedenfalls eine theologische Vorbereitung zum Priester erhielt. 2 ) Am 13. September 1555 schreibt Truber aus Reutlingen, 3 ) als damaliger Kemptner Pfarrer, an Zwinglis Nachfolger am Frauen- munster in Zurich, Heinrich Bullinger: »leh hab in der Warheit in villen Jaren Gelegenheit gesucht, E. E. zu schreiben, den ich mich derselbigen vnd dem Herrn Pellicano neben andern Theologen nicht wenig schuldig erkhen. Den on alle Heuchlerei zu reden, ich hab aus euren vnd des Herrn Pellicani Commentariis, Gott lob, vili erlernt, und aus denselbigen 17. Jar nacheinander in Windisch- land gepredigt, darumb mir der Teuffl villmals hefftig zugesetzt vnd tecglich in Gefangnus pringen wollen. Aber der Allmechtig hat mich wunderglich us seinem Halls gerissen. Und wiewoll Ir und Eures gleichen mit Euren Biichern Ursacher seit, das ich im Ellend sein muefi vnd meines Vatterlands vnd dreier guetter faister Pfruendt beraubt, so bin ich euch darumb nicht feind, sonder hold, von Herzen euch ehere, observire vnd bitt Gott fur euch alls fur meine Vatter vnd Praeceptores.« 4 ) Mit diesem iiberraschenden Tone setzt Trubers Briefstellerei ein. Stets in rein lutherischer Luft wirkend, bekennt er hier, die nachhaltigsten Einwirkungen gerade von reformierter Seite her erhalten zu haben. Elze meint woh! mit Recht: »Diese (oben genannten) Auslegungen der biblischen Bucher, namentlich die- jenigen Bullingers, zeichneten sich durch Einfachheit, Klarheit und praktische Richtung aus und mufiten daher einem Manne ') E1 z e, S. 282. 2 ) Ebenda, S. 5, 1. 3 ) Wo Truber zum Zwecke der Drucklegung seiner slowenischen Ubersetzung des Matthaus weilte. (Elze, S. 21.) 4 ) Elze, S. 19 f. — 8 — von Trubers Bildungs- und Lebensgange ganz besonders ent- sprechen.« 1 ) Truber war in der Tat eine rein auf das Praktische gerichtete Natur. Durch Schultheologie weder hochgebildet noch verbildet, scheint er anderseits doch von lebhaftem Bildungsstreben erfullt geblieben zu sein, auch seitdem er von 1530 an als Priester in Untersteiermark wirkte. Von 1532 an erschienen die obenerwahnten Kommentare, die er schon in den ersten Jahren seiner praktischen Amtstatigkeit eifrig studiert haben mufi. Der ganze Truber tritt uns aus diesen ersten Worten seines ersten erhaltenen Briefes entgegen: die nuchterne Art, die ftir erkannte offenkundige Schaden eine moglichst einfache Medizin aufsucht, der sittliche Ernst, mit dem er diesen Schaden nachgeht, die Unbefangenheit und Selbstandigkeit, mit der er, ohne Ruck- sicht auf die ihn umgebenden Stromungen, seine eigene Bahn zieht, die OpferwilIigkeit, mit der er das Erkannte festhalt, die Sachlichkeit, die das selbstandig Errungene doch nur als Mittel, nicht als Zweck wertet. Es war eben keine Verleugnung von Jugenduberzeugungen, wenn Truber 1582 in der Vorrede zu »Das neue Testament in 2 Teilen in Windischer Sprache mit lateinischen Buchstaben, Tubingen 1582« ruhmt: »Es ist bey jnen (den Windischen) bifi- her Gott lob, kein Sect oder Schisma, Caluinisten noch Flaccianisten, noch andere, wie bey den Teutschen entstanden, allein miissen sie das grobe Bapstumb neben jnen sehen, dulden vnd von jenen Verfolgung leiden.« Oder wenn er ebenda als seine Lehrmeister nur lutherische Autoren aufzahlt: »Ich hab von der gnaden Gottes, aufi vielen alten vnd newen Scribenten, sonderlich aufi D. Lutheri, Herrn Brentii, Melanthonis, Urbani Regii, des Herrn Georgi Fursten von Anhalt vnd iresgleichen Commentariis liber der Propheten vnd Apostel Geschrifften, Catechismum vnd ex eorum locis Theologicis, das best verstendigist genommen vnd gestolen, verdolmetscht vnd in die obgemelte Windische Biicher eingesezt vnd furnemlich mich beflissen, die hochsten vnd zur Seligkeit nothigsten Geheimnisse Gottes vnd Articul des Glaubens, als vom gottlichen Wesen in der heiligen Dreifeltigkeit, seinem vvillen gegen vns, von der Person Christi, seinem Ampt vnd Wol- thaten, wie man seines verdienstes sich theilhafftig mache, von ') Elze, S. 19, 3. 9 den rechten Gottgefelligen Werken vnd Gottesdinsten, von dem rechten brauch der Heiligen Sacrament etc. griindlich, lauter vnd verstendig auEzulegen, auff dafi sie in iren Gev/issen vergewiftt sind, daft ihr Glaub in allen Articuln in der heiligen Schrifft ge- grundet vnd darauf urtheilen mogen, welches der allte rechte Glaub sey vnd wissen, wie ein jeder in seinem Beruff Gott dienen mag vnd soli.« Es kam Truber nicht darauf an, sich zu irgend einer der streitenden protestantischen Richtungen zu bekennen, sondern die hochsten »zur Seligkeit notigsten Geheimnisse« mog- lichst schlicht, mit moglichster Schoniing der mannigfachen Emp- findlichkeiten darzubieten. »Wir streiten mit den Pabstischen nicht von wegen des Chorrocks oder adiaphorischen Ceremonien, sunder wie der Mensch widerumb vor Gott mag frum, gerecht vnd selig werden, wie man Gott recht anrueffen, ime dienen, die h. sacrament prauchen sol etc. In diesen Stiicken haben vns mit den Papisten bisher nicht mugen vergleichen,« schreibt Truber 1569. 1 ) Auf diese Dinge legt er den alleinigen Nachdruck. Der Biene gleich, die auch aus giftigen Bluten reinen Honig saugt, entnimmt er der wusten Kampfesschriftstellerei jener Tage das praktisch fur ihn Brauchbare, liber und zwischen den Parteien stehend, sucht er im einzelnen zu lavieren, nicht ohne rechts und links anzustofien, aber die Gesinnung, die uberall den Kern aus der Schale zu losen sucht, ist jedenfalls zu loben. In das Buchlein seines Amtsnachfolgers SSbastian Kreil, eines Flacianers, »Christlich Bedencken, | ob vnd wie fern ein | jglicher Christ, die Rotten und | Secten j auch a!lerley offentliche ir- thumen vnd Religionsstreite, beide von rechts | wegen vnd auch mit der Tat, zu rich- | ten und zu anathematisiren | schuldig sey 1562 | « schrieb Truber folgendes Verschen: »Gott die Ehr allein, Der Kirchen Lehr rein, Den Glaubigen Christi Gnade gemein.« (Exemplar der konigl. Bibliothek in Berlin.) Wahrend Krell in jenem Buchlein scharf gegen die »Noministen, Nullisten, Neutralisten, Adiaphoristen, Synergisten, Majoristen, Schwenckfeldisten, Osian- dristen, Sacramentierer, Nullartsbriider, Verrether und Epicurer« polemisiert, hebt Truber hervor, dafi »den Glaubigen Christi Gnade gemein« sei, dies war ihm die Hauptsache. 2 ) Jener Sebastian Krell, neben Truber, Dalmatin und Bohoritsch >) Elze, S. 484. 2 ) Ebenda, S. 437. 10 der namhafteste Begrunder der slowenischen Schriftsprache, wird von Elze gekennzeichnet als »ein stiller, zuruckgezogener und wissenschaftlicher Beschaftigung hingegebener Mann, den jeder- mann hochachtete und liebte«. Leider herrscht (iber ihn ziemliches Dunkel. Er war personlicher Schiller und Amanuensis des Mat h. Flacius lllyricus gewesen, dem er auf der Flucht von Jena nach Regensburg folgte. Aus dem Jahre 1562 besitzen wir ein Schreiben Krells aus Jena 1 ) an Leopold Durnpacher, in dem es heiftt, daft der Sohn des Adressaten »die Wahrheit wider alle Sekten vnd vnsere Synergisten alhie redlichen bekandt hat, das Im nicht vil nach gethan haben«, Wie so ganz anders spiegelte sich also in diesem Truber so nahe stehenden Kopte der »alle Entwicklung der evangelischen Kirche und Schule in Krain hindernde« Gegensatz zwischen Fla- cianern und Synergisten, als in Trubers Geiste. Eduard Bohi 2 ) hat darauf hingevviesen, dafl Trubers Geistes- richtung bestimmend vvurde tur die Gestaltung des Protestantismus in Krain im 16. Jahrhundert: »Bei den Krainern war von Anfang an durch Primus Truber die melanchthonische Richtung, wo nicht gar zwinglische O pi n ion en, vertreten. Der alte Klombner in einem Schreiben an Nik. Gallus in Regensburg klagt bitter uber Trubers schadlichen EinflulS, der sich in der Verhinderung der Anstellung Melissanders in Krain kundgetan. Gott werde ihm seinen Lohn geben. Wie er jetzt die Kirche store, also habe er allerwege getan. Er hoffe nur, dafi Trubers Mangel bei dieser Gelegenheit an den Tag kommen wurden und dringt auf Rechtfertigung ihrer Handlungsweise seitens der Theologen in Tiibingen. Man soli, so wiinscht er in einer Nachschrift, den Truber befragen, warum Herr Krell seinen, Trubers, Katechismus aus der Kirche getan; ihm vorhalten, dali er das Sakrament allein Signa oder Zeichen sein lasse; endlich ihn auf eine windische Vorrede (iber das Neue Testament weisen, was er da von Werken, Justifikation, freiem Willen, Majorismus und des mehr gehandelt; so miisse er widerrufen oder verketzert sein. Damit wurde die Kirche reiner werden. In der Tat hatte Truber Kopi ') Staatsbibliothek in Miinchen, Cot. Germ. 1318, fol. 136 f., nach einer e in Eizes Nachlafi. 2 ) Beitrage zur Geschichte der Reformation in Osterreich, 1902, S. 98 ff. 11 in jener langen Vorrede zum Neuen Testament die Loči Melanch- thons zur Herstellung einer norma doctrinae benutzt.« 1 ) Aus einem anderen Schreiben Klombners fuhrt Bohi die Worte an: »Wolt gern erleben, von den Crainerischen mit den schwabischen Teufeln, Sie werden (d. h. \viirden) uneins« (1568), und bemerkt dazu richtig: »Letztere Worte zeigen, wie grofi die Animositat der »be- standigen« Lutheraner gegen Trubers Anhang in Tubingen war«, und weiter: »Klombner tadeit Truber wegen anderer in der win- dischen Vorrede zum Neuen Testament nachweisbarer Irrtiimer Ober Werke, Rechtfertigung, freien Willen usw. Truber war Vertreter einer freieren Richtung und nach seiner Vertreibung aus Krain (Ende Juli 1565), wie Elze sagt, besonders Gegner der flazianischen Richtung. Man ging so weit, ihn bei den Standen in Krain zu verklagen, als sei er nicht der Augsburger Konfession gemafi, und seine Kirchenordnung beim Erzherzog Karl anzuschwarzen, 2 ) eine Beschuldigung, die aber die Stande als unbegriindet ablehnten, indem sie in ihrem Entschuldigungsschreiben an den Erzherzog sich darauf beriefen, dafi sie ihn nie anders als gemafi der augs- burgischen Konfession gemafi befunden.« 3 ) In verhangnisvoller Weise haben aber dennoch jene Beschuldi- gungen »zwinglischer Opinionen« in Trubers Lebenswerk und die Entwicklung des krainischen Protestantismus eingegriffen, indem sie die Drucklegung der windischen Kirchenordnung in Tubingen zum Stillstande brachten. Als sie dann endlich doch 1564 erscheinen durfte, da war der gunstige Zeitpunkt verpafit, der neue Landes- herr Erzherzog Karl nahm nunmehr das Erscheinen jener Kirchen¬ ordnung zum erwunschten Vorwand, um Truber fur immer aus seinem Heimatlande zu verjagen. Den Anlafi hiezu hatte folgende Stelle aus einem Briefe Trubers an den wurttembergischen Obervogt Nikolaus v. Graveneck geboten: »— Von der Uneinigkeit zwischen den hochgelehrten Theologen von wegen des Nachtmahles, und dafi sich das Volk durch die gottseligen Predigten wenig bessere, ist zu erbarmen und ich hore nicht gern. In unserer Kirche, die die evangelische Lehre ange- nommen, ist noch (gott lob) von keiner Sekte noch Zwiespalt zu horen. Wir lehren und glauben einhelliglich den Worten Christi ’) »Jahrbuch« 1894, S. 138. 2 ) Dimitz, Geschichte Krains, lil, 1875, S. 4. 3 ) Bohi, a. a. O., S. 137 ff. 12 beim Abendmahle, dali wir allda den wahren Leib und das wahre Blut Christi des Herrn im Geist und im Glauben empfahen, und uns wahrhaftig des Leibs und Bluts Christi, das ist seines Verdiensts theilhaftig machen, nach dem Wort Pauli 1. Cor. 10.« 1 ) Darin fand nun Herzog Christoph »den rechten Verstand des Zwinglianismus« und schrieb unter J. Andreas Denunziations- schreiben: »da (d. h. wenn) dem also (namlich, wenn Truber zwinglisch) war, dali er solches der rom. Mt. (Maximilian) zu- schreiben wolle, damit das Land derselben Enden durch E. E. nicht vergiftet wiirden.« 2 ) Wir sehen also, dafi Trubers, tatsachlich liber den damaligen innerprotestantischen Parteien angestrebter, Standpunkt trotz aller Anbequemung doch durchleuchtete, was zu den verhangnisvollsten Weiterungen Anlaft gab. Es ist sehr schade, dali Trubers Verantvvortung uber den ihm gemachten Vorwurf des Zwinglianismus sich nicht erhalten hat. Aus dem verlorenen Schriftstiicke der Erklarung Trubers vor den krainischen Verordneten ist nur bekannt, daft er darauf hin- wies, dafi er die beanstandeten Worte nur briefweise und in der Eile, somit naturlich auch ohne weitere dogmatische Erwagu'ng und Absicht geschrieben habe. 3 ) Wir konnen nun aber doch nachfolgende Beurteilung durch Elze nicht fur einwandfrei halten: »Primus Truber war stets ein aufrichtiger Anhanger der Augsburgischen Konfession, aber in dem milden, versohnlichen Geist und Sinn ihres Verfassers, Melanchthons. Daher miftfielen ihm die Streitigkeiten der protestan- tischen gelehrten Theologen Deutschlands liber das Abendmahl, und diese fanden in der jungen evangelischen Kirche Krains so wenig Eingang, als die flazianischen. Was hatte auch die slawische evangelische Kirche mit dem dogmatischen Schulgezank der deutschen Theologen anfangen sollen? Spater hatte Truber auch die Konkordienformel unterzeichnet.« 4 ) Allerdings hat Truber 1560 auf die Anklage, »da13 in meinen auftgegangenen getruckhten windischen Buechern unrechte Dol- metschungen, grofte Irthumben, falsche AulSlegungen, schwerme- ‘) Elze, S. 358. -’) Ebenda, S. 362. 3 ) Ebenda, S. 388. 4 ) Ebenda, S. 388. 13 rische und zwinglische Opinionen von der Tauffe, des Herrn Nacht- mal, und von der Justifikation sein sollen,« 1 ) dies als »falsche Bezichtigung und Angebung« zuruckgewiesen 2 ) und sich damals von den krainischen Verordneten das Zeugnis ausstellen lassen: »das in meinen gedruckhten windischen Buecher. . . alle christliche Artickell der augspurgischen Confession gemaft vnnd irer Verstand nach werden trewlich gelernt vnnd aufigefuert etc.« 3 ) Aber es ist doch wohl anderseits der Finger darauf zu legen, dali Truber nur drei Jahre friiher gegenuber einem der bedeutendsten Vertreter des Zwinglianismus sich als langjahrigen Schuler des Bullinger und Pellican bekennt, die er als seine »Vatter vnd Preceptores« bezeichnet. Im gleichen Jahre 1557 hat er gegenuber Heinrich Bullinger folgendes denkwiirdige Bekenntnis abgelegt (Kempten, 13. Marž 1557); »Obgnantes buechlein (Bullingers »Apologeticae expositiones«) . . . ist mir lieb vnd werd, kann auch nichts, alls vil ich Urtails hab, unrechts oder ketzerisch darin finden noch vermerckhen. Und ich kan euch hiemit nicht verhalten, das mir auff Zeit, seit ich allhie bin, ist fiirkomen, das etlich zu Ravenspurg vnd zu Memmingen von mir ausgeben haben, alls ich alhie offenlich von der Cantzel alle Zwinglischen verdambt vnd Ketzer gescholten solt haben; vnd sover (sofern) dise Rede auch euch oder den andern Ministris ecclesiarum helveticarum ware von mir zukumen, ir wollet das keinswegs glauben vnd mich entschuldigen; dan solches hab ich weder in windischen Landen, noch zu Rotenburg an der Thauber, vil weniger alhie, weder von der Cantzel, noch in privatis colloquiis nie gedacht noch gered; es wird auch kein kemptisch Mensch von mir mit der Wahrheit nicht sagen mugen. Wie ich erstlich vor 4. Jaren hie er (hieher) kam, vnd von etlichen hab alls pald vernom men, wie die vorigen Prediger schier alle allhie fur und fur wider einander von wegen des Sacraments vvaren. Und als die Zeit kam, das wir coenam muesten halten, da that ich 3. predig nacheinander von Sacramenten, vnd wie ich kam, das ich muest de substantia sacramenti reden vnd mich gegen beiden Parteien erklaren, da thet ein Exclamation wider ’) Elze, S. 36; siehe auch S. 6. 2 ) Ebenda, S. 44. 3 ) Ebenda, S. 44, 53. 14 den Teuffl, der solche Zwitracht vnd Uneinigkheit von dises Artikls vvegen in den christlichen Kirchen zum grofien Hindernus des Evangelii Lauffs hat angericht. Und vndtern anderen saget ich, was niitzt den gotseligen ainfeltigen Christen solche hohe Disputationen de reali, corporali, substantiali et spirituali corporis Christi presentia, dieweil beide Teyll, die Zwinglischen und die Lutherischen bekennen, es sind nicht nuda signa, sondern es wird ain Nachtmal warhafftig der Leib Christi vnd sein Bluet den Christen ausgetailt; dabei sol mans vnd wir wollens auch beleiben lassen, vnd citirt darzu Augustini dictum: quod sacramentis non est adhibenda verborum argumentatio sed fides, Christus hab das prot in seinem Abendmal, wo mans recht haltet, consecrirt zu seinem Leib vnd den Wein zu seinem Bluet, sinen Worten wollen wir ainfaltiglich glauben und davon nicht weiter disputiren. Es ist ein Mysterium. Auff dise Meinung hab ich, wo ich geprediget hab, in 27. Jahren gered, und Gott Lob, man hat an meinen Predigen vom Sacrament noch anderen Articulen kein zbinglischer noch lutherischer, alls vil ich hab verstanden kein Mififallen gehabt, oder uneins mit mir worden. Aber mit den Suenkfeldischen hab ich keines Wegs mogen stymen, noch sie mit mir. Sie haben meinen Gesellen, ein neophytum, ein jungs kurtz Mandel, hat eine aigensynig Kopfel, wie euer Grebelius, Denggius, Hetzer, Balthasar Hubmair, alls Vadianus von inen schreibt, last sich keineswegs von suenkfeldischen Irrthumb abweisen. Ich hab ime Vadiani, Specker, Illirici, Galli, Georgii Majoris, euer Zuricher Prediger scripta contra Suenkfeldium vnd euere Vorred liber das Buechl Summa christlicher Religion zugestellt vnd gebeten, das ers lese, aber hilfft an ime gar nichts, sagt, der Vadianus, wie er hatt sterben woIlen, hab ein grofie Anfechtung gehabt von des Buechl wegen; es hab in grofilich gereuen, das er hab wider den Man Gottes den Suenckfeldium geschriben, ir Tigurini seit nur philosophi et non theologi, Lutherus sei ime selbst in villen Sachen wider. In Summa, seit man ime den Dienst hat abkant . . . ist alles an ime verloren; morgen werde ich etwas deutlicher wider ihn reden mussen.« 1 ) Soviel lafit sich doch gewifi sagen: Wenn Trubers Schreiben an Nikolaus v. Graveneck vom 1. Dezember 1563 einen solchen Sturm h e r au f b e s c h w 6 re n konnte, ’) Elze, S. 23 ff. 15 welchen Eindruck wurde es erst gemacht haben, wenn die eben angefiihrten Worte den Zeitgenossen bekannt geworden waren. Von jenem Schreiben habe Herzog Christoph an Truber geschrieben, dafi die darin enthaltenen Worte iiber das Abendmahl, »wiewol sie an ihnen selbst recht vnd christlich, so sind sie doch zu dieser Zeit so general, dafi auch die Zwinglischen und Calvinischen ihre meinung darein ,wegen‘ (vvagen) vnd damit verkaufen konnden.« Er hatte gemahnt, nicht »in diesem wichtigen Zwiespalt also ambigua et flexiloqua vocabula« zu gebrauchen, »so andern Ursach geben, ihren Irrthum darin zu beschonen,« »damit ihr nicht aus andern Verdacht vnd der Kirche verbrechenlich in Irrtum gefiihrt« werdet. 1 ) Was hatten nun die Eiferer vom Schlage Andreas, die Truber diesen Handel anhingen, erst gesagt, wenn sie in Erfahrung ge- bracht hatten, dafi Truber dem unmittelbaren Nachfolger Zwinglis in ausfuhrlicher Weise seine Ubereinstimmung mit der zwinglischen Abendmahlslehre ausgesprochen hatte? Es ist wohl gewifi, dali Trubers Lebensgang eine andere Wendung genommen, dalj er aus seiner Bahn als krainischer Reformator herausgedrangt und vielleicht vollig ins reformierte Lager getrieben vvorden ware. Wurden doch zwinglische Prediger in Krain im Jahre 1560 ernstlich verfolgt, 2 ) Man mufi angesichts des bedeutungsvollen Briefes an Bullinger entweder auf vollige theologische Unbildung bei Truber erkennen, die ihn uberhaupt nicht in den Stand gesetzt hatte, den Streitpunkt klar zu erfassen, oder aber in ihm einen vollig liber den Parteien stehenden Friedensgeist im Stile des Comenius sehen. Aus der Zwinglischen Abendmahlslehre entnahm er das gemeinchristliche Bekenntnis, »dafi der Herr im heiligen Abendmahl seinen Leib und Blut, d. i. sich selber, den Seinen wahrlich anbietet« (Conf. Helv. prior Art. 22), alles andere, was diesen Satz wieder aufhob, liefi er stillschweigend beiseite; auf lutherischer Seite interessierte ihn das, was er »hohe Disputationen de reali, corporali, substantiali et spirituali corporis Christi presentia« nannte, nicht im geringsten. Gewifi, es ist der Standpunkt des kulturarmen Grenzvolkchens, wie Elze richtig sagt, der im harten Kampfe um ein Stiickchen ‘) Elze, S. 391 ff. 2 ) Dimitz, Geschichte Krains, II, 1875, S. 226. 16 Daseinsrecht »dogmatisches Schulgezank«, wie iiberhaupt die theo- retische Vertiefung ganz beiseite lassen muftte. Aber es ist doch anderseits dieser Standpunkt eine Weissagung gewesen auf eine ferne Zukunft, welche das rein Theoretisch-Verstandesmafiige in der Religion noch unendlich mehr in den Hintergrund rucken solite, als es die tiefsten Geister des Reformationszeitalters schon getan. Damit steht es dann aber in gevvissem Widerspruche, wenn Elze Truber »einen aufrichtigen Anhanger der Augsburgischen Konfession« nennt. Fur Truber war die Augsburgische Konfession nichts anderes als das ihm sich darbietende unumgangliche Vehikel, um sein Ziel zu erreichen, sein windisches Volk von romischem Aberglauben loszulosen. Wohl in ganz ahnlicher Weise wie heute die »Modernisten« oder Reformkatholiken lieft er sich die mannig- fachen Lehrgestaltungen des Kirchengebietes, in das er durch Geburt und Lebensgang hineingestellt war, widerspruchslos ge- fallen; sein Ziel aber war ein anderes, als es in jenen Lehrschriften aufgestellt war. Zweifellos hatte er, ware er auf reformierten Boden verschlagen worden, die reformierten Bekenntnisbucher mit derselben Unbefangenheit unterschrieben, mit der er, der Schiller Bullingers, die Konkordienformel unterschrieb. Seine eigentliche Gesinnung verleugnete er dabei nicht. So hat er noch 1582 in seiner Vorrede zur windischen Ubersetzung des ganzen Neuen Testamentes folgende Erklarung iiber das Abend- mahl gegeben: »Vom Nachtmahl des Herrn halten vnd glauben sie (die ivindischen Protestanten) einfeltig den worten Christi, wie vor vnseren Zeitten alle Gottselige Christen, Lehrer vnnd Marterer geglaubt, gelehrt vnd geschrieben haben, geben Christo seine Ehr, dafi er warhafftig vnd Allmechtig sey, vnderwerffen jre Vernunfft dem Allmechtigen vvarhafftigen Wort Gottes, disputieren nicht vil davon, nach der Lehr Augustini, da er also schreibt lib. 2, cap. 11 de visitatione infirmorum: Sacramentis divinis non est adhibenda verborum argumentatio, sed fides, vnd Chrysostomus sagt: oportet Dei dictis credere et non curiose inquirere, etiamsi rationem eorum ignoremus vnd Thomas Aquinas in sua prosa et hymno de corpore Christi sic canit: »Quod non sapis, quod non vides Animosa firmat fides Praeter rerum ordinem.« Item 17 »Verbum caro panem verum Verbo čarnem efficit, Fitque sanguis Christi merum Etsi sensus deficit Ad firmandum cor syncerum Sola fides sufficit« Darnach sagt er: »Praestet fides supplementum sensuum defectui« und zuvor sagt er: »Cibum turbae duodenae, se dat suis manibus.« (Folgt Ubersetzung.) Bey disen Worten, Lehr vnd Glauben bleiben sie bestendig.« Diese Worte richten sich an den gewift streng lutherischen Herzog Ludwig von VVurttemberg. Es ist doch zu beachten, dal3 Truber, der hier seine Rechtglaubigkeit dartun will, es dennoch vollig vermeidet, sich auf eine genauere Formulierung im Sinne des zeitgenossischen Luthertums festzulegen, vielmehr sich mit Ausdriicken begnugt, die wohl auch ein Calvinist unterschreiben konnte, weil es eben »ambigua et flexiloqua vocabula« sind. Gewift, es ist nur ein wenig umfangreiches Material, auf dem wir die Auffassung aufbauen konnen, dafi Primus Truber im Zeitalter der protestantischen Lehrstreitigkeiten ein modern empfindender, seiner Zeit vorauseilender Geist gewesen sei. Ver- gessen wir nicht, daft Trubers Personlichkeit uberhaupt stark vom Dunkel umhullt ist. Als Schriftsteller war er, nach Elz es angefuhrtem Worte, »weniger schopferischen Geistes«, im wesentlichen doch nur Vermittler deutscher Kulturwerte an das Slowenentum. Der von Elze edierte Briefwechsel wirft nur auf einen zehn Jahre um- fassenden Zeitraum seines 78jahrigen Lebens helleres Licht, da er erst 1560 einsetzt (abgesehen von den vier Schreiben an Bullinger aus den Jahren 1555 und 1557) und nach dem Jahre 1570 nur noch funf Schreiben Trubers bringt. Jugend und eigentliches Mannes- alter sind, abgesehen von wenigen aufteren Daten, unbekannt. Nur drei Jahre — von 1562—1565 — durfte Truber im vollen Besitze seiner erst im deutschen Reiche fester begrundeten refor- matorischen Erkenntnisse in Krain wirken. Was vorher liegt und nachher kommt, ist doch nur Vorbereitung und Ausklang. Also sein Wirken ein Torso, sowohl wenn wir die tatsachliche Gestaltung als wenn wir die Beurkundung dieses Lebenswerkes ins Auge fassen. Truber aber vollbrachte es: »Das Neue Testament und die Psalmen in die Sprache seines Volkes zu ubersetzen, bei diesem 2 18 die Reformation einzufuhren, die evangelische Kirche in Krain zu errichten, eine Literatur in seiner eigenen Sprache zu begrunden.« 1 ) »Die Reformation, die wie ein glanzendes Meteor auch uber Krain geleuchtet«, in ihrer nur allzu fluchtigen Erscheinung unter den Slowenen, sie findet in Primus Trubers Gestalt ihre vollkommenste Verkorperung. Mutatis mutandis lassen sich auf ihn Dollingers Worte iiber Luther anwenden: »Er gab seinem Volke Sprache, Volkslehrbuch, Bibel, Kirchenlied«. Bei dieser Sachlage ist es gev/ift berechtigt, wenn wir nachdriicklich und mit ausreichender Be- grundung darauf hinweisen, daft Truber auch darin eine ganz ungewohnliche Erscheinung war, weil in seiner Brust eine Synthese von Gegensatzen sich vollzogen hatte, die im aUgemeinen Rahmen des Protestantismus sich erst viele Menschenalter nach ihm an- bahnen solite. Wir erkennen aber in dieser im edelsten Sinne modernen Seite des Wesens Trubers nur eine Seite, welche erganzt wird durch seine sonst echt konservative Charakterrichtung. Es ist eine eigenartige Verkennung der Natur Trubers, wenn der slovvenische Dichter Aškerc 2 ) diesen in seiner Dichtung »Primoš Trubar« als modernen Freigeist feiert. Ubrigens die erste und einzige Huldigung an den Reformator von slovvenischer Seite seit der Gegenreformation. Oben fuhrten wir bereits die Beurteilung Schwenckfelds durch Truber aus dem Jahre 1557 an. Aus der wiederholt zitierten Vorrede zum Neuen Testament 1582 sehen wir, wie Truber 25 Jahre spater uber die Wiedertaufer, die Vorlaufer des modernen Sub- jektivismus im Reformationszeitalter, gedacht hat. Es heifit da: »Gleichvvohl vor der Zeit, da man das Evangelium so rein vnd offentlich bey jnen (den Windischen) nicht gepredigt, hat die Widertaufferey vast vberhand genommen, aber seitmals hir ein Widertauffer welcher sich zuuor mit geberden, reden vnd allem thun, ganz andechtig gestellet, in der Graueschaft Čili, bey Reichen- burg vnd Drackenb.erg seinen eigenen frommen Herrn vnd Doctor, des Bischoffen zu Salzburg gewesenem Hoffmarschalk, der des Herrn Georgen von Reichenburg seligen gelassne Wittiben zur Ehe genommen, greulich . ermordet, mit dem furgeben, der Geist hab jme solches befolhen, denn seines Herrn Weib sey jme vnd ’) Elze, S. 286. 2 ) Vgl. »Jahrbuch« 23, 1902, S. 1101. 1.9 nicht dem Doctor von Gott geordnet vnd gegeben etc, den hat man zu Graz in Steir im etc 35. Jar mit dem Rad gericht, dardurch vnnd zuforderst durch die Lehr des heiligen Evangeliis ist diese bose Sect auch bey den Windischen zugangen.« Gewift, Truber stand jenen Erscheinungen des Protestantis- mus genau so verstandnislos gegenuber wie andere Vertreter des damaligen kirchlichen Protestantismus. Hierfur geben folgende Satze ein geradezu klassisches Zeugnis: 1 ) »Da aber auff ermelte weifi ein kurtze einfeltige vnd besten- dige bekanntnuft von den furnembsten Artickeln Christlicher Religion vorhanden vnd sich ein jeder allein vnd blofi, gleichwohl eigner vnd tuckischer meinung, auff die Biicher alts vnd newen Testaments oder (wie sie reden) auff Gottes Wort ziehen will, gibt die erfarung, was schedlicher jrrthumb, vnder disem scheinbaren deckmantel, fiirgeben vnd aufigebreit worden. Es ziehen sich die Juden auff die Bibel Gottes Worts, es thuns die Wiedertauffer, es thuns ander Rotten vnnd Secten auch. Weil aber von allen Artickeln der Ghristlichen Lehr (deren gleichvvohl vvenig) gantz weitleuffig in der heiligen Schrifft gehandelt, auft v/olcher Weitleuffigkeit einer dise, einer ein andere verkerte meinung schopfen mag, so man jnen ermelte Artickel kurtzlich furhelt, also bald geben sie zuuer- stehen, das sie aufi mangel des verstands, weit ein andern sinn vnd meinung vorhaben, dann der heilig Geist in den Buchern alts vnd newen Testaments seiner Kirchen beuolhen vnd Christus sampt seinen Aposteln hinderlassen.« Es kann wohl gar nicht deutlicher bezeugt werden, daft der Protestantismus des 16. Jahrhunderts (im an und fur sich be- rechtigten Bestreben, im Kampfe gegen zwei Fronten die evange- lisch-kirchlichen Errungenschaften zu behaupten) das Prinzip der freien Schriftforschung, auf das er sich doch ausschlieClich stutzen mufite, groblichst verleugnete. Der eigentlich schopferische Gedanke war langst versiegt, es galt, die Quellen, die sich uber das Land ergossen hatten, zu fassen. Diese Aufgabe hatte sich auch Truber in seiner Mission am Slowenenvolkchen in des Reiches sudlichster Grenzmark gestellt. Wie er es selbst einmal ausdriickt: 2 ) ') Aus »Confessio oder Bekenntnufi des Glaubens etc. in crobatische Sprach verdolmetscht vnd mit Cirulischen Buchstaben getruckt. Tubingen 1562. Vorrede d. d. Urach, 20. Oktober 1562, an Landgraf Philipp von Hessen.« 2 ) Aus der Vorrede in: »Die furnampsten Hauptartickel Christlicher Lehre aufi der iateinischen, teutschen und Windischen Sprach, in die Cro- 2 * 20 »Ich Primus Truber hab bifiher, on rhumb zu melden, in den zwey vnd dreyfiig Jaren, seidt ich durch ordenlichen Beruff ein Diener der Kirchen Christi worden, in den Windischen vnd Teutschen Kirchen, da ich angefangen zu predigen, allweg am ersten den Catechismum dem gemeinen Mann furgehalten vnd aufigelegt vnd jezo in dieser vnser Crainerischen Kirche, da ich jungst angefangen zu predigen, zum anfang das Symbolum Apo- stolorum in der form predige wie jn die rechtgeschaffenen Heilige von Gott Hocherleuchte, beides, neue vnd alte, der Christlichen Kirchen Lehrer, vermog der Heiligen Gottlichen Schrifft vnd Augs- purgischen Confession, aufigelegt vnd gepredigt, dardurch vnser Kirchen in disen Landen von tag zu tag gebessert vnd gemehrt wurdt, Christo sey lob in ewigkeit.« »Unser Bucher sein nicht schwermerisch, zanckisch oder vnnotig, davor vns Gott Gnadiglich behtiten wole, sonder recht vnd fleifiig aus den approbirten lateinischen vnd teutschen Dol- metschern der Bibel in ermelte Sprachen gebracht, dann wir gottlob wol wissen, das der Lieb Gnadig Gott sein heilig seligmachendt Wort rein vnd lauter allein aus der Heiligen Biblischen schrifften, die er selbst durch seinen Heiligen Geist vnd den Mund seiner lieben Propheten vnd Apostel geredt, verfassen vnd offenbaren lassen, gleichformig beschrieben will haben, vnd wir sampt vnserer Mitgehulffen, bey disem vnd der Augspurgischen Confession mit verhutung gottlicher Gnad steiff vnd vnwandelbar zu bleiben ge- sinnet, \volches auch bifiher geschehen vnd ob Gott will kunfftiglich nichts anderfi alls die einig allmachtige Wahrheit durch vns in den Truck verfertigt werden soli. Und mogen derhalben wol mit dem seligen Luthero vnsere Hand vnd Augen zu Gott vnserm Himmlischen Vatter mit gutem frolichem Gewissen aufheben jm dancken, loben vnd sagen, das wir bishero niendert nichts neus, Sectisch, Schwermerisch oder ergerlichs, zweiffelhaftigs oder hoch disputierlichs gelehrt, geprediget oder geschrieben haben, sonder je vnd allweg schlecht bey dem Biblischen Text im rechten wahren Catholischen Verstand bey dem Catechismo, Locis Theologicis Melanthonis vnd bey der augspurgerischen Confession beliben, geprediget vnd geschriben, auch dermafien hiefur mit der Gnad vnd Hiilff des Allmachtigen bifi in vnser Gruben es gehe vns batische jezund zum erstenmal verdolmetscht vnd mit Crobatischen Buch- staben gebracht« an Kurfurst August von Sachsen: d. d. Laibach, 20. Juli 1562. 21 dariiber wol oder ubel, darbey bleiben vnd predigen, schreiben vnd vor jedermann offenlich bekennen vvollen.« Trubers Vorreden, die ja fast alle den e in e n apologetischen Zweck verfolgen, die Evangelisation unter den Slovvenen, deren Mittelpunkt er bildete, gegen die Verdachtigurrg zu verteidigen, als sei sie der »reinen Lehre« nicht gemafi, geben damit zugleich auch Belege fur Trubers konservative, mit den herrschenden Machten rechnende Haltung. Aber nicht blofS im Dogma, sondern auch in Kultus und Verfassung hat Truber eine ftir seine nachsten Mitkampfer manch- mal befremdliche Praxis befolgt. Ein Schreiben Hans Ungnads wirft hierauf interessantes Licht auch um deswillen, weil Trubers Verhaltnis zu Bullinger hier zur Sprache kommt. 1 ) Wir lesen hier: »Wiewol her Primus alzeit seinen heim- lichen hochfertigen Geist hat imertzue scheinen lassen, das er alles wesen der truckherey drinnen mocht haben vnd die schrifften dess heiligen wort gottes, so mit vnd neben der augspurgischen confession aussgangen, seines gfallens hinzuzusetzen, wie er dannen noch zue Vrach sich vnderstanden drei confessionen inn einander zu mischen vnd auch den llliricus imertzue herein mischen vvollen vnd aus dessen schrifften vil taubenwerckh hinein sezen, wie er allweg auch dess Bullingers schrifften auffs hochste geruempt, das khein Gelerterer inn reich sei vnd vil guets inn denselben schrifften zu geprauchen, wie er auch wol inn abhorung seiner gestellten vorreden die mueter gottes auch einfurren vvollen vnd andere mehr papistische punctlen, 2 ) so ich im dieselbigen vvider- ’) Schreiben des Hans Freiherr von Ungnad S. I. e. d. (Urach, Novem¬ ber 1562) an Stephanus Consul, Anton Dalmata und Philipp Gugger. (Kostrenčič, Urkundliche Beitrage zur Geschichte der protestantischen Literatur der Siidslavven von 1559—1565. 1874, S. 131.) 2 ) Bemerkt darf wohl werden, dafi die hier Truber vorgevvorfenen »papistischen punctlen« denselben keinesvvegs etwa als Kryptokatholiken charakterisieren konnen. Als Kind seiner Zeit hat er mit nicht mifizuver- stehender Deutlichkeit uber die romische Kirche geurteilt. Zum Beispiel: Es sind »noch Leut auf Erden, die dem Antichrist zu Rom die Fuefi nicht vvollen kussen, sonder in sambt seinem Anhang verfluchen und verdamen, wie er das werd ist« (Elze, S. 108), »wenn ihr der Munch gleich vil weren, so sein sie doch kein nutz, sein auch nicht von Gott, sonder von Teuffel, wie in einem alten Mefibuch zu Gortz gemalet ist«. (Elze, S. 167.) »Das Concilium zu Trient hat nichts beschlossen; die Bischove sein uneins, thuen nichts den panckhetiren und Unzucht treiben. Die babilonische romische Hur muefi vor allen Leuten in der Weld aufgedeckt und zu Schanden vverden.« (Elze, S. 173.) 22 sprochen, es werde ergernuss geben, er solle gestrackhs bei der augspurgischen confession vnd der wiirtembergischen kirchen vnd lehr vnd von demselben rain vnd lauter anhenngt, bleiben, welches er also gar vbl angesehen vnd auch dariiber etwas vnlustig worden. Ich hab es aber sambt den anndern herren beim truckh nie zulassen wollen dess lllirici vnd anderer diputatorn ainige meldung zuthuen, wie er dann inn den teutschen registern meldung daruber gethan. Sich also angenomen alle ding seins gefallens khurtzen vnd lennger zumachen, wie er auch jetzt inn seiner crainerischen Kirchenordnung 5 oder sechserlei vermannungen vor dess hern nachtmal gestellt, welches ich vnnsern g. fursten vnd Herrn zugeschickht, der es dann nit hat fur notturftig angesehen vnd allein die sachen auff weg geordent, wie es der loblich cantzler der vniversitat zue Tubingen her D. Jakob nun des wissen hat etc.« Wir gelangen hiemit zu der fesselnden Frage des Verhalt- nisses Trubers zum Flazianismus, jener Richtung, die als Radika- lismus in Sachen des Kultus und Dogmas gerade den inneroster- reichischen Protestantismus heftig erregte. Wir haben bereits ge- sehen, dafi Truber dem Versuche dieser Richtung, nach dem Tode Seb. Krells durch Ablegung des Chorrockes beim Gottesdienste praktisch hervorzutreten, entschieden abweisend entgegentrat. »Man sol mit den ceremoniis bei der wirtemberg. Kirchenordnung bleiben.« 1 ) Wie Elze sagt, war es aber schon lange vorher »gelungen, unter den Istriern und Krobaten eine formliche Trubern feindliche Partei zustande zu bringen«. 2 ) Die Seele dieser Partei war Matthias Klombner, der hochverdiente Hauptmitbegrunder der Reformation in Laibach. Wir besitzen aus dem ungedruckten Nachlasse Elzes eine eingehende Schilderung dieser Verhaltnisse, die wir im nach- folgenden abdrucken, da sie Trubers Charakterart schlagend be- leuchtet. Auch im Hohlspiegel zeigt sich ja noch das Gesicht eines Menschen und wenn wir kein normales, genaues Spiegelbild be¬ sitzen, wie dies bei Truber leider der Fali ist, so mufi auch ein solches Zerrbild zu Hilfe genommen werden, zumal der Hafi des Gegners oft scharfer sieht als die Liebe des Freundes. Bohi, in seinem Versuche, den Flazianismus als die eigent- lich legitime Richtung des osterreichischen Protestantismus im >) Elze, S. 474, 484. 2 ) Ebenda, S. 323 f. 23 16. Jahrhunderte darzustellen, hat ja auch allen Ernstes versucht, die Gestalt Trubers mit den Augen seines Gegners Klombner zu betrachten. Um so mehr ist es vonnoten, den Prozefi Truber contra Klombner in moglichst helles Licht zu stellen, wie dies Elze u. E. in nachfolgenden Erorterungen abschliefiend getan hat: »Schon bei Trubers kurzer Anwesenheit in Laibach wahrend des Sommers 1561 war in Klombners Seele manche MiiSstimmung gegen denselben aufgekeimt. Die dreizehnjahrige Trennung hatte die beiden friiher so eng verbundenen und innig befreundeten Manner um so mehr geistig getrennt, als sie schon von Natur sehr verschiedenen Charakters waren. Truber, ruhig und maftvoll, hatte seither in den friedlichen und geordneten Verhaltnissen der evangelischen Kirche Oberdeutschlands und im Verkehre mit den bedeutendsten Mannern von grundlicher Bildung und Wissenschaft gelebt. Von dort in die Heimat zuriickgekehrt, ging er nicht nur bei der Aufrichtung der evangelischen Kirche in Krain und der Konstituierung der bis dahin latenten evangelischen Gemeinden dieses Landes vorsichtig, schrittweise und schonend zu Werke, sondern er stellte auch an den Charakter, die Leistungen der Manner, die hiebei seine Mitarbeiter sein sollten, nach dem mit- gebrachten Mafistabe hohere Anforderungen, als man hier bisher gevvohnt gewesen war. Klombner dagegen, von Natur unruhig und sturmisch vorvvarts drangend, war inzwischen aus seiner fruheren Umgebung nicht herausgetreten und hatte gevvufit, das Ungestum auch im hoheren Lebensalter bewahrend, in seinem heimatlichen Kreise seine eigentumlichen Anschauungen und seinen VVillen zu tiefgehender Geltung zu bringen. 1 ) Auf diesem Wege trat ihm nun die Erscheinung des heimgekehrten Freundes ent- gegen, dessen Wesen er nicht mehr begriff, mit dessen Wirken er nicht mehr harmonierte. Hatte es ihm personlich geschirferzt und vielleicht verletzt, daft Truber, mit Geschaften uberladen, die Schularbeit von Klombners jungem Sohn, der unter Anton Dal- matas Leitung die Hauspostille Luthers ins Slowenische ubersetzte, ') Merkvviirdig ist z. B., was Klombnfer an Ungnad, 12. Dezember 1561, schreibt: »Wenn E. Gn. dahin sich bemilht, daC die andern evangelischen Stande im Reich auch die Wilrtembergische (Kirchen-)Ordnung annehmen, so war es ein eintrachtiger Weg. Aber man mufi einen obersten Bischof haben, sonst wird man an allen Orten eine besondere Ordnung haltenj.das giebt Spaltung und ist dem evangelischen Lauf eine grofie Verhinderung.« (Tub. Univ.-Bibl.) 24 nicht korrigiert .hatte, 1 ) so war ihm anderes in Trubers Benehmen ganz unverstandlich und Ursache zur Unzufriedenheit. Klombner und seine Freunde hatten die beiden uskokischen Priester besorgt, welche mit nach Urach ziehen sollten — Truber war von den- selben nicht befriedigt. (»Herr Primus will ihnen zu klug sein.«) Jene wollten Truber auf ihre Kosten zvvei Hilfsprediger unter- halten; Truber schlug das ab und erhielt auf eigene Kosten einen Stellvertreter wahrend seiner Abwesenheit. (»Wir haben wollen Herrn Primusen noch zwei Priester vnterhalten aus vnseren Dar- legen vnd Sammlungen, damit wir auch das Vnsere darthaten, vnd nit eine jede Ausgabe auf E. Landschaft rinn; das ist vns abgeschlagen vnd haben kaum so viel erhalten, dafi er einen Prediger der Zeit seines Ausbleibens stellt vnd aus seinem Sackel vnterhalt. Er hat nichts vnd sperrt die Ort, davon dem Werk geholfen wurde.«) Ubrigens waren es dann doch zwei Prediger, die wahrend Trubers Abwesenheit das Amt besorgten. 2 ) Manche zur evangelischen Kirche iibergetretene Geistliche wurden von Truber nicht in Stellungen untergebracht; andere v/ollten heruber- treten, er eroffnete ihnen keinen Weg dazu; etliche wollten gern heiraten und darum evangelische Prediger werden — Truber wies sie zuruck. (»Die andern Prediger sind nit vntergebracht. Es v/ollten noch mehr zu diesem Werk stehen vnd ihr altes Pabstwesen ver- laugnen, mangelt ihnen allein der Weg. Etliche wollten ehelich werden, Etliche wollten sich ordinieren lassen. Da steckts. Man besorgt, wir wurden den Kaiser erzurnen.«) Klombner und seine Genossen hatten slowenische Kirchenlieder fabriziert und gesammelt, Truber fand sie vielfach ungereimt und unbrauchbar und wollte sich daher lieber einstv/eilen noch mit lateinischen Kirchengesangen behelfen. (»Es vermeint Herr Primus, noch lateinische Gesange einzubringen. Mag er doch nit einen Priester neben ihm halten; wie will er sondere Schulen einrichten. Die verstockten Dompfaffen lassen ihn nit ein [in die Domschule] vnd nehmen das Evangelium nit an, denn sie haben zu viel am Robisch, mogen nimmer be- kehrt werden; mag er nur keine Raitung, er mag sich wohl an ihnen beflecken; sie haben noch zu vollauf in ihrem Urbar, sie lassen von ihrer Bosheit nit, das mufi gestraft werden. E. Gn. sehen, die groBen Stifter im Reich thun kein gut, bis sie gesturzt ’) Klombner an Ungnad, ohne Datum, September 1561. (Tub. Univ.-Bibl.) 2 ) Elze, Superintendenten, S. 12f. 25 vverden, wie der Tempel zu Jerusalem. Darum wird der lateinische Gesang noch wol eine Weil anstehn. Konnten wir mit vnsern windischen Kirchenliedern recht aufkommen, bis es besser wird. Herr Primus will vnsere windischen Kirchenlieder nit annehmen, vermeint, §ie seind nit gereimt. Nun konnen wir’s nit alles reimen, die Zeit wird’s erst bringen vnd laut machen. Sollten wir dann mittlerzeit sitzen wie die Stummen? Die Lieder bessern so viel in der Gemeine, als eine schlechte Predigt.« — »Wir bediirften, daft man Herrn Primusen [aus dessen erstem Katechismus von 1550] vnd vnsere zusammengezogene windischen Lieder druckte. So nahm man Ursach, dafi die auch in die Glagula und Tschi- rulikha kommen vnd durch die Tiirkei gesungen werden. Die Lieder bessern vili.« Vgl. hiezu Luthers Unterricht der Visitatoren etc. 1528: »Etliche singen deutsch, etliche lateinische Messen, welches wir lassen geschehen, doch wird ftir nutzlich vnd gut angesehen, wo das meiste Volk des Lateins vnverstandig, das- selbe deutsche Messen zu halten. Vnd ob man schon deutsche Gesange will machen, dafi sich das nicht ein jeglicher ermesse, ohne die Gnade dazu zu haben.«) Man wiinschte mehr slowenische und dalmatisch-illyrische Biicher, insbesondere die Vollendung der slowenischen Obersetzung des Neuen Testamentes — es war nicht moglich, dafi Truber alles auf einmal tat. (»Vor allen Dingen ist von Noten, dafi Herr Primus das Obrige, so noch am Neuen Testament abgeht, vollzuech, damit das Neue Testament gar [ganz] an Statt gerichtet werde. Es ist nichts mit dem Flickwerk vnd nur eine halbe Sache.«) Klombner empfahl ihm den Zwetzitsch als Ubersetzer ins Dalmatisch-lllyrische und Hilfsarbeiter in Urach — Truber mochte ihn aus gewissen Griinden nicht. (»Ich hab ihm [Herrn Primusen] auch angezeigt vom Schwetschitsch, der die augs- burgische Konfession vertiert [ins Krobatische]; er mag sein nit« [aus Rucksicht auf dessen Charakter, wie sich spater zeigen wird].) Jener hatte ihm von Mathes Sintschitsch in Mitterburg, als geeignet fur krobatische Ubersetzungen, gesprochen — es hatte noch keinen Erfolg gehabt. (»Hab ihm auch angezeigt von Herrn Mathesen in Mitterburg, der vertiert den Spangenberg [krobatisch], ist gelehrt vnd kann die Sprachen. Also steckts.«) Alle diese Klagen schrieb Klombner an Herrn Ungnad in einem Briefe, den er Truber selbst mitgab, als dieser im Septem¬ ber 1561 mit den beiden Uskokenpriestern wieder nach Urach 26 reiste. Anderseits war Truber nicht zufrieden, dafi Klombner die wiirttembergische Kirchenordnung (in Krain) eingefuhrt hatte, wahrend er (wohl wegen der reicheren Liturgie) lieber die sachsi- sche gesehen hatte, es aber nicht mehr andern konnte, und diesem war es hinwieder ein Argernis, dafi Truber, langsam reformierend, den Geistlichen vorderhand die Beibehaltung des Mefigewandes gestattete. (Klombner an Ungnad, 28. November 1562: »Er [Truber] hat mich an mehr Orten verunglimpft, ich hatte die wurtem- bergische Kirchenordnung angerichtet; wie er kommen, hatte er’s nit konnen verandern. Er hat sonst wollen die Sachsische an- richten vnd hat ihrer viel Pfarrer getrostet, sie sollten nur im Mefigewand bleiben vnd Mefi lesen, allein den Canon auslassen. Damit fallt keiner zu vns vnd die vnsrigen Priester kommen nit tort.« [Es darf nicht (ibersehen werden, daft dieser Brief Klombners spater in heftiger Aufregung gegen Truber geschrieben ist.]) Die Gegenuberstellung des eigenen Wollens und des Nicht- daraufeingehens von der anderen Seite zeugt bereits von ziemlich gereizter Stimmung Klombners und man fiihlt, daft es nur einer geringen Veranlassung bedurfte, um dieselbe in offene Feindschaft ausbrechen zu lassen. Die Ereignisse des folgenden Jahres (1562) gaben dazu Gelegenheit. Auf die geheime Anklage und Bitte des Laibacher Bischofs Peter von Seebach 1 ) erlieft Kaiser Ferdi¬ nand von Podiebrad 30. Juli 1562 Befehle, Truber nebst funt anderen evangelischen Predigern und Matthes Klombner gefang- lich einzuziehen. Klombner erschrak und dachte, wie vor 14 Jahren sich dem durch Entfernung zu entziehen, aber dagegen erhob sich die allgemeine Stimme. (Klombner an Ungnad, 16. November 1562: »Dazu komme des Kaisers Ungnade, wobei er [Klombner] an- gegeben, als ob er sich des Predigtamts vnd der Sakramente vnterstanden, was sich aber nicht befinden werde; er habe es bisher nicht getan, denn er habe sich nicht von den Priestern sondern wollen etc. Herr Primus werde keine Not Ieiden, die Herren werden ihm helfen, aber wir Armen werden Ieiden mtissen.« — »Ich hab mich seiner gar entschlagen; so schreit er allenthalben stark wider mich, er hat mich bei den Meisten sehr stinkend gemacht. Ich wollt gern mich von dannen ziehen, so ist es zu spat, sie schreien alle, ich fliehe die Verfolgung.« Was er sonst habe, wolle er Sr. Gn. zu Handen ordnen. [Tub. Univ.-Bibl.]) Nicht ') Elze, S. 196. 27 Truber allein tadelte seine Feigherzigkeit, sondern der ganze Kreis seiner bisherigen Laibacher Freunde wandte sich von ihm ab und er verlor, wie fruher seine Stellen, so jetzt die angesehene Stellung, die er bisher sich zu bewahren gewu6t hatte. (Klombner an Ungnad, 11. Jan. 1563: »Ich darf nit reden vnd gelte nichts bei den Herren Verordneten; wol!t Gott, sie folgeten mir. Nu mufi das angenommen sein, wie es kommt, bis es Gott besser schickt. Ich wollt mich gern von dannen ziehen, dafi ich nur mit Herrn Primus nit hadern durft. Wenn es wohl gerath, so wird er den Zorn an mir auslassen, vnd wird manniglich eingebildet, ich flieh die Verfolgung.« [Tub. Univ.-Bibl.]) Von nun an erfullte tiefe Ge- hassigkeit gegen Truber seine Seele, die sich insbesondere in seinen Briefen an Herrn Ungnad aussprach. (So in den Briefen vom 16. Nov. 1562, 28. Nov. 1562, 11. Jan. 1563, 25. Jan. 1563, 13. Marž 1563, 28. Marž 1563, 24. Juni 1563; samtlich in der Tub. Univ.-Bibl.) Er hatte ohne Trubers Wissen und gegen seinen aus- drucklichen Willen die gesammelten windischen Kirchenlieder durch Georg Juritschitsch riach Tubingen zum Druck geschickt, um seinen Willen durchzusetzen, was naturlich nur um so boseres Blut machte. Er beschuldigte Truber, wenn er ihn auch nicht offent- lich einen Lugner hiefi, doch in seinen Briefen der Unwahrheit. (Klombner an Ungnad, 25. Jan. 1563. [Tub. Univ.-Bibl.]) Er riet Herrn Ungnad nun, Truber, dessen er sich ganz entschlagen, bei- seite zu lassen (ebenda und im folgenden Briefe, Anmerkung). Er drohte wenigstens, offentliche Schriften gegen Truber ausgehen zu lassen. (Klombner an Ungnad, 13. Marž 1563: »Ich auftere mich sein [Trubers] vnd will in diesern Handel Gottes Beistand vnd sein Widersacher sein vnd wills offentlich erklaren, hab mich gegen ihrer vielen lassen vernehmen: lati er nit ab, so werde es dazu kommen, dali man offentlich wider ihn schreiben vnd drucken werd; woll er nichts Gutes tun, so hab er seine Ruhe, woll er zum Besten helfen, das wollen wir annehmen. Bitt E. Gn. woll bei ihm weiter nit anhalten, vnd sich stellen, als wo man sein gerathen mocht. Will ers doch also haben.« [Tub. Univ.-Bibl.] Derselbe an Ungnad, 28. Juli 1563: »Der Monch ist verreckt, niemand tadelt das Werk, so lafi es E. Gn. nu gehn. Wollt ihn (Trubern) gleich weiter nit anhalten; will er seine Ehr bewahren, so tue ers; will er wieder rumoren, das er nit tun wird, so mag man ihm starker an die Nase klopfen.« [Tub. Univ.-Bibl.]) 28 So mufi also noch gar Truber der Angreifer und Ruhestorer sein, doch will man seine Mitwirkung noch annehmen und der ehrliche alte Herr Ungnad soli sich wenigstens so stellen, als ob er seiner entraten konne. Klombner verband sich enger mitMannern wie Consul, Zwetzitsch und Vlachowitsch und suchte sich unter den mit den dalmatisch-illyrischen Obersetzungen Beschaftigten eine Partei zu schaffen, wahrend er alle Schritte Trubers in seinen Briefen zum ubelsten deutet und diesen geradezu verleumdet. (Klombner an Ungnad, 28. Marž 1563 [und ofter]): »Ob Herr Primus meint, er wollt das Wesen (die evangelische Kirche) einziehen vnd verhoffet Linderung, das ist ein teuflischer Rat. Wer stili steht, der geht hinter sich. Es ist zu spat. Herr Gregor (Vlachov/itsch) steht oder sieht nit mehr hinter sich, allein man martre ihn tot. Herr Primus mufi nach ihm, er wiil oder nit, oder mufi aus dem Feld, oder fliichtig abziehn. Wir haben schon gesilndigt vnd vm den Teufel den Tod verdient. So ist Gott zu Ehr ein solcher Anfang gemacht, der nit ausgeloscht wird, vnd wenn der Kaiser ali sein Macht daran setzt, wir sind bereit von des Namens Jesu wegen zu sterben vnd biten vm Bestandigkeit vnd Verharrung. Se. Gn. moge fur dieser armen Kirche Christi Bestandigkeit durch seinen Pfarrer zu Urach beten lassen.« [Tub. Univ.-Bibl.] (So schreibt der, welcber einige Monate fruher sich der Gefangenschaft durch die Flucht entziehen wollte!) Und obgleich Truber ihn im Jahre 1563 freundlich anredete, so betrieb er die literarischen Arbeiten im Lande doch heimlich und hinter dessen Riicken, in vollem Bewufitsein, dafi dies Truber verletzen und argern werde, unter der Beschonigung, dadurch Truber und die Landschaft zu grofierem Eifer anzutreiben. (Ebenda und sonst: »[Truber] Hat angefangen feindlich mit mir zu reden [am Rand: ,vnd dieser Handel hat ihn dazu bracht 1 ]. ich hab ihm gesagt: Herr, wir mussen anderst zu der Sache vnd mehr Prediger haben, oder Gott wird vns strafen. Sagt er: Wo nehmen? Wer unterhalts? Ihr miifit betteln vnd lassen sammeln, Freund vnd Feind anrufen, Gott wirds geben. — Er weifi nicht vm des Zvvetzitsch Arbeit [Ubersetzung], es gefall ihm oder nit, so will ichs mit der Hilf Gottes treiben, so weit Gott Gnade giebt. So er nun sieht, dafi Herr Gregor also stark arbeitet, so mufi er auch daran. — Weil nun Herr Primus den Ernst sehen wird, verhoff ich, .er werd murber. Ich hab Gott treulich gebeten, dafi er ihm einen andern Sinn gab, damit wir einiger wurden vnd starker 29 arbeiteten. Man mufi nur bei sondern Personen anhalten, bei Ehr- samer Landschaft geht es langsam; sie sind nit alle aus einem Dorf. Wenn sie aber sehen, dafi Burger vnd Bauern zugreifen, so zeucht man sie gemachs auch darin. Was man aufier Herrn Primus druckt, das wird ihm nit gefallen.«) Denn das war ihm endlich noch als das einzige Gebiet seiner Tatigkeit geblieben, dafi er in lebhaftem brieflichen Verkehr mit Herrn Ungnad fur dessen Druckanstalt literarisches Material in Krain zu beschaffen suchte. Da spielt er denn gewissermafien als dessen Faktor den Dirigenten, der den Arbeitern ihre Aufgaben zuteilt. Dem Zwetzitsch gibt er die dalmatisch-illyrische Ubersetzung bald von Spangenbergs Postille, bald von Luthers Hauspostille auf (Klombner an Ungnad, 13. Marž 1563. — Zwetzitsch an Ungnad, von VVolfpurg, 6. April 1563 fbeide in der Tub. Univ.-Bibl.],) Dem Herrn Ungnad versichert er, man habe fur das laufende Jahr (1563) genug zu tun, doch wollten sie versuchen, noch etwas anzugreifen, die krobatische Ubersetzung entweder der Bucher der Richter, der Konige und der Chronik, oder die der zwolf kleinen Propheten. (Klombner an Ungnad, 28. Marž 1563 [Tub. Univ.-Bibl.], bald darauf projektiert er eine baldige krobatische Ubersetzung der ganzen Bibel durch Teilung der Arbeit in drei Teile, deren einer in Mitter- burg [Sintschitsch, Fabianitsch und Zwetzitsch], der andere in Mottling [Vlachowitsch und Genossen], der dritte beim Ban von Kroatien [»da etlich gelehrte Personen sind«] ausgefuhrt werden sollen [Zwetzitsch an Ungnad, 6. April 1563; Tub. Univ.-Bibl.]; — dann verhandelt er mit Surculus in Graz, ohne jedoch viel zustande zu bringen [Klombner an Ungnad, 28. Juli 1563; Tub. Univ.-Bibl.].) Dem Bohoritsch in Gurkfeld legt er zur Probe eine slowenische Ubersetzung des Psalters auf, bei Tulschak betreibt er die Voll- endung der slowenischen Ubersetzung von Veit Dietrichs kleiner Postille, vom jungen kaum in Laibach angekommenen Krell erprefit er eine slowenische »Summe christlicher Lehre«. (Klombner an Ungnad, 28. Juli 1563; Tub. Univ.-Bibl.) Als Truber davon Kenntnis erhielt, schrieb er [in einem nicht mehr vorhandenen Briefe vom 8. Mai 1564; Elze, S. 402] dariiber an Herrn Ungnad, dem er mehrmals die baldige Vollendung seiner Psalmenubersetzung ge- meldet hatte. Herr Ungnad antwortete darauf [6. Juni 1564; Elze, S. 413]: Klombners Abmachung mit Bohoritsch sei ohne seinen Befehl geschehen, er habe auch nicht gewufit, dafi Truber den 30 Psalter verdolmetscht, welcher ja auch mehrfach iibersetzt und gedruckt werden konne. — Klombners Einflufi auf Krell scheint nicht von langer Dauer gewesen žu sein; wenigstens ist keine Špur vorhanden, daft er, als dieser 1565 Trubers Nachfolger und Superintendent der evangelischen Kirche in Krain geworden war, bei dessen Lebzeiten noch irgend eine Rolle gespielt habe; — darauf berichtet er wieder an Ungnads Sekretar das Unternehmen einer slowenischen Obersetzung von Luthers Hauspostille durch den Schulmeister in Mottling und die Beendigung der dalmatisch- illyriscben Obersetzung der Wurttembergischen Kirchenordnung durch Juritschitsch; sobald die letztere korrigiert und abgeschrieben sei, wolle dieser stracks an das erste Buch Moše und wenn Zwetzitsch aus Istrien komme, wollen sie ihm das andere Buch einteilen, und was sie fur »Zeug« dazu haben. (Klombner an Ph. Gugger, 24. Sept. 1563. [Tiib. Univ.-Bibl.]) Gleichzeitig wirkte Klombner in seinen Briefen bei Herrn Ungnad dahin, dafi diese Manner fur ihre literarische Tatigkeit Jahresgehalte oder sonstige Belohnungen erhielten. Dennoch blieben alle diese Auslagen, diese Worte und Briefe, diese Plane und Unter- nehmungen ohne wirkliche Frucht, denn mit Ungnads Tode (27. De- zember 1564) hatte alle diese Tatigkeit ein Ende und fur mehrere Jahre fehlt uns jede weitere Nachricht iiber Klombner. Nur noch einmal taucht sein Name bei einer sonderbaren Geschichte wieder auf. Als namlich nach Krells Tode (25. Dezember 1567) die Stelle eines Super- intendenten der evangelischen Kirche in Krain langere Zeit bis zum Amtsantritte Christoph Spindlers (19. April 1569) unbesetzt war, begannen mittlerzeit die beiden Laibacher Prediger Hans Tulschak und Kaspar Kumperger auf Klombners und seiner Ge- sinnungsgenossen Antreiben den Chorrock auch beim Gottesdienste ganzlich abzulegen. (Truber an die Herren und Landleute in Krain von Derendingen, 19. Marž 1569: »Ich hab vernumen, das Hr Hans vnd Hr Caspar Im predigen auff anhalten, etlicher aigensinniger Kopff, den Corockh nimmer prauchen vvollen.« Derselbe an Landes- hauptmann, Landesverweser und Verordnete in Krain, von Deren¬ dingen, 17. Juni 1569: »Von .E. gn. vnd Hrn. geschicht dem Herren Hansen Tulschackh, dieweil er sich von seiner vnd Klombners narischer aigensinigkeit nicht wil abweisen (lassen), nicht vnrecht.« (Elze, S. 473 und 483 f.) Eine spatere Špur von Klombner war bisher nicht aufzufinden. 31 Klombner war kein unbedeutender Mensch. Von reichbegabtem und vielseitigem Geiste, wenn auch ohne eigentlich wissenschaft- liche Bildung, erfaGte er leicht und schnell die groGen Fragen, welche seine Zeit und sein Volk bewegten. Aber indem er alles in die Hand nebmen, mit allem sich beschaftigen, uberall an die Spitze treten, alles nach seinem Sinne leiten und alles mit sich fortreiGen wollte, war er einer gesunden Entwicklung der Dinge oft mehr hinderlich als forderlich. Das erste und das letzte, was wir von ihm horen, sind fur sein ganzes Leben charakteristisch. Er war eine jener unruhigen Naturen, 1 ) wie sie in aufgeregten Zeiten der Geschichte unseres Geschlechtes nicht selten erscheinen, welchen sturmisches Vorwartsdrangen und Agitieren sozum Lebens- elemente werden, daG sie in eine ruhige Entwicklung sich nicht mehr finden konnen und nicht mehr taugen, bis sie in ihren leiden- schaftlichen Unternehmungen, sich selbst ubersturzend, zugrunde- gehen. Dabei stellte er uberall sich in den Vordergrund. Zu den bereits friiher mitgeteilten Beispielen hievon mag hier nur noch eines hinzugefugt werden. Als Truber, von Georg Grafen Thurn nach Gorz berufen, im Herbste 1563 sich dorthin begab und in Gorz, Rubia und Kreuz predigte, schrieb Klombner kurz vorher an Phil. Gugger, 24. Sept. 1563: »Glaubt mir, wenn wir’s stark getrieben hatten, es war langst anders gangen. Der Krell ist kommen, (wir) wollen mit Gottes Hilf zum ,Kreutz‘ in der Grafschaft Gorz eine Kirche anrichten« [Tub. Univ.-Bibl.] und alles solite nach seinen Anschauungen, Meinungen und Planen sich entwickeln. Geschah das nicht, so kehrte sich seine Tatigkeit gegen diejenigen, mit denen er jahrelang gemeinschaftlich gearbeitet hatte. Nun be- durfte es nur noch eines auGeren AnstoGes, durch den er sich personlich verletzt und von der beanspruchten ersten Stelle ver- drangt fiihlte, und seine fruhere Freundschaft verwandelte sich in bitteren HaG. So arbeitet er nun gegen Truber, verleumdet ihn, versucht, ihn moralisch zu vernichten. Aber in die Grube, die er diesem bereitete, fiel er selbst, und nachdem er die Achtung der Edleren und Gebildeteren verloren, wuhlt er im geheimen, um sich eine Partei gegen jenen zu bilden; nur zu dem auGersten kommt ') Durch ein eigentumliches Spiel des Zufalles stand Elze selbst in einem ahnlichen Verhaltnisse zu dem hochverdienten Hauptbegrunder der jetzigen evangelischen Laibacher Gemeinde, Gustav Heymann, gestorben 1870, wie einst Truber zu Klombner. Hierauf mag er hier anspielen. 32 er nicht, dafi er das Werk nun zu zerstoren sucht, das er einst mitdem ehemaligen Freundegemeinsam betrieben. Dagegen entwickelt er nun, als literarischer Agent und Handlanger Ungnads, eine rast- lose und doch wenig fruchtbringende Tatigkeit. Aber so wenig Gefuhl und Begriff von schriftstellerischem Eigentum und Schriftstellerrecht besafi der alte Landschreiber, daft er die windischen Lieder gegen Trubers Willen unter dessen Namen zum Drucke bringen liefi, dafi er Herrn Ungnad zumutete, gegen Trubers Willen dessen slowenische Auslegung des Vaterunsers drucken zu lassen, und eine von Klombner selbst veranstaltete neue Ausgabe von Trubers beiden Katechismen ohne dessen Wissen und Willen zu veroffentlichen. GewilJ hat Klombner gerade durch seinen Charakter dem Beginne der evangelischen Kirche in Krain, dem Beginne der slo- wenischen und dem Fortgange der dalmatisch-illyrischen Literatur, uberhaupt dem literarischen Leben in seiner Heimat erspriefiliche Dienste geleistet; aber er ist gestorben, ohne im Leben selbst etwas Rechtes geleistet zu haben, weil es ihm an der Durchbildung des Geistes und Charakters, an dem festen inneren Halt fehlte, welche allein den Menschen befahigen, etwas Grofies in der Welt zu voll- bringen. Es ist das um so mehr zu bedauern, als sich sonst von Klombners bedeutenden Anlagen auch Bedeutendes hatte erv/arten lassen, Zur Charakteristik Klombners hat Elze nachtraglich noch folgende beiden Zusatze beigefugt: »Math, Klombner war (wie Flacius) [s. Sixt, P. Eber, S. 172] ein unruhiger Kopf, dem es Be- diirfnis war, offentlich zu agitieren, und er konnte die untergeordnete Rolle nicht ertragen, in die er, der Laie, gegenuber dem Theologen Truber kam, seitdem dieser mit uberlegenem Geiste und tiefer wurzelnder Frommigkeit ausgeriistete Mann an die Spitze der reformatorischen Bewegung in Krain getreten war, welche er sanft und mild, schonend und vorsichtig in langsamer Entwicklung zu ge- deihlichem Fortschritte v/eiterfiihrte. Hatte Klombner fruher an der Spitze der reformatorischen Agitation gestanden, so wurde es seinem ehrgeizigen Gefuhle unmoglich, sich nun, da es galt, positiv und organisatorisch aufzubauen, durch den (jungeren?) Freund in eine Stellung versetzt zu sehen, in welcher er nicht mehr nach eigenem Gutdunken wirken konnte, sondern als einer der vielen Gehilfen an dem groflen Werke arbeiten solite, dessen Leiter Truber geworden 33 war. Und wahrend Klombner gemeint hatte, diesen leiten zu konnen, zeigte Truber einen viel zu grofien und selbstandigen Geist, um den Ansichten und Ratschlagen jenes mehr Gewicht beizulegen, als sie wirklich verdienten. Dabei genilgte Trubers besonnenes und allmahliches Fortschreiten dem ungeduldigen und sturmischen Vorwartsdrangen Klombners nicht, der eher in Carlstadtischem Eifer als in Melanchthonischer Sanftmut alles zu uberstiirzen geneigt war. Truber wollte Bestehendes nicht friiher abschaffen, bis er nicht wahrhaftig Gutes an dessen Stelle setzen konnte, (So die Lieder.)« Wir geben hiezu aus Elze s Nachlafi noch eine ausfuhrlichere Kopie eines Schreibens Klombners an Ungnad (Laibach, 28. No¬ vember 1562), welches die mafilose Erbitterung des alten Land- schreibers gegen Primus Truber wohI besonders scharf beleuchtet. (Act. Univers. Slawischer Biicherdruck, 1, 69 [1559— 1564], Tubingen.) »Die vorig Kundschafft lautt vnd wird jetzo auch lauten, dafi der Druck christlich gerecht, gut in der Substanz. Sie wissen nit, was sie zeugen, der Catechismus ist des Luters, es kann der Vater vnser, die 10 Gebote, der Glauben vnd die Taufe nit vn- christlich sein. Aber seine Hauptartikel vnd die drei Confessionen in der einen, seine jetzige Kirchenordnung vnd die Postili mogen angefochten werden in der ,Substants‘. So das geschieht, so hat er ihm selbs Steine in Garten getragen. ist die Substanz nichts, so i'st es nit christlich, viel wenger gerecht vnd gut, man mufi des Werks erschauen (?), dafi er nit Argernifi geb. Er hats vor angeschrieen fur falsch. 1 ) So mufi nu sein Werk nichts falsches vnd heillos sein, denn man ist mit der Version ihm nachgegangen. Das Neue Testament kann in der Substanz nit falsch sein, darum mufi es gerecht vnd gut sein. Was wollen sie sagen, dafi es in der Substanz christlich vnd gerecht sei. Haben sie es doch nie proben lassen vnd sie verstehen es selb nit. War der Monch nit gestorben, so hatten wir einen . schonen Grund gehabt, der hatt ihm seine Hauptartikel, Postili vnd alles seins eigen Gedicht ver- worfen vnd fur kezerisch gehalten.« Weiter heifit es hier: »Die vertierte Wirtenbergische Kirchen¬ ordnung ist weit besser, als was Hr Primus aus vielen ein Ding macht. Seine geht nit fern, bleibt in dieser Landart, aber die ’) Gemeint ist das Urteil Trubers uber die krobatischen Ubersetzungen der Ungnadschen Bibelanstalt. (Elze, S. 263 f.) 3 34 Dalmatiner vnd Crobaten konnen sich daraus nit behelfen. Darum rath ich, e. Gn. lassen es fort gehen vnd drucken, wollen mehr mit schaffen, als er mit seinem Quodlibet. Er hat mich an mehr Orten verunglimpft, ich hatt die Wirttenwergsche Kirchenordnung angerichtt, wie er kommen, hatt ers nit konnen verandern, er hatt sonst wollen die ,Saxische‘ anrichten vnd hat ihrer viel Pfarrer getrost, sie sollten nur im Mefigewand bleiben vnd Messe lesen, aber den Canon auslassen. Damit fallt keiner zu vns vnd die vnsrige Priester kommen nit fort.« Wieder spater: »Man giebt fiir, ich gonne Herrn Primus die Ehren nit, such meine Ehr. Das ist wahrlich nit. Wollt Gott, dali er die Sorg triig vnd lieB ihm sagen, bruderlich vnd christlich, bisher ist es nit gewesen. Darum haben wir wenig (ge)baut; vnd wollt ,er‘ (eher) begehren von Gott eine selige Stund vnd ,Abschied‘, als da6 ich mich gegen ihm vergreifen solit. Die Lieb will aber nit wider Gottes Wort, das mir zu anderer Verfolgung grofien Kampf giebt vnd ist ,waiger‘ [weniger?] die Menschen als Gott erzurnt. Bitt, e. Gn. wollens bedenken, was e. Gn. fiir rathlich achtet, will von Herzen gern schweigen vnd mich aller Sachen entschlagen.« — »Verflucht sei der, der Gottes Werk falschlich fiihrt,« sagt Jeremias. Ungewollt beleuchtet die Kontroverse Truber-Klombner, die fiir ersteren eine glanzende Rechtfertigung bedeutet, die im besten Sinne konservative Haltung des Reformators, seine besonnene, vornehme Ruhe, durch die er das gottgesandte Werkzeug wurde, um in den unendlich verworrenen Verhaltnissen Krains dem Evange- lium eine Statte zu bereiten. Der Versuch Boh ls, einen Mann wie Klombner als gewichtigen Zeugen gegen Truber zu bentitzen, ist damit jedenfalls als ganzlich irrefuhrend bewiesen. Wenn durch irgend etwas, dann wird durch die gehassigen Beschuldigungen Klombners Trubers Charakter gerechtfertigt. 1 ) Das Charakterbild Trubers erfahrt durch die heftigen Angriffe Klombners keine Trubung. Milden und in den Verhaltnissen seiner Zeit weitherzigen Geistes stand er uber den unter sich streitenden protestantischen Parteien. Es war aber nur eine andere Aufierungsweise einer ein- heitlichen Geislesrichtung, wenn derselbe Mann, welcher seiner Zeit an innerer Freiheit weit voraus war, anderseits hinter ihren ') Vgl. auch die Worte, die ihm sein spaterer eifriger Gegner, Freiherr Hans von Ungnad, in einem Schreiben an Konig Maximilian aus Urach vom 2. April 1567 widmet. Abgedruckt bei Kostrenčič, a. a. O., S. 15 f. 35 vorwartsstrebenden Geistern scheinbar zuruckblieb, indem er sich schonender und bedachtiger, wie sie, dem Alten anbequemte. Aufiert sich doch in beidem, in der Aneignung des Neuen, wie in der Beibehaitung des Alten, der vorwiegend praktische Zug, die Ab- wendung von der unfruchtbaren Theorie. In beidem dieselbe innere Freiheit, dieselbe Unbekummertheit um die blofte Form, wie Luther in weit grofiartigerer Weise in seinen besten Jahren sie besessen und bewiesen. So konnte es geschehen, da6 er gelegentlich selbst des Flazianismus beschuidigt wurde, obgleich seine ganze Geistesart vielmehr geradezu den Gegenpol zu der erregten, leidenschaft- lichen, spekulativ tiefsinnigen Weise seines groften sildslawischen Stammesgenossen bildete. Zusammen mit P. P. Vergerio bilden diese drei im sudlichsten Osterreich geborene Manner vielleicht die charakteristischsten Erscheinungen der ersten nachlutherischen Generation. Fur die eigentumliche Aufgabe Trubers, ein Reformator der Slowenen zu sein, konnten seine Charakteranlagen gewifi nicht glucklicher und harmonischer zusammenklingen. Daft spater sein ganzes Wirken fast spurlos wieder vernichtet wurde, kann die Bedeutung seiner Erscheinung nicht aufheben. Anhang. I. Bei dem fast volligen Mangel an zeitgenossischen Nach- richten iiber Primus Truber gewinrien die Briefe Matthias Klombners an Hans Ungnad als einzige ausftihrliche Quelle eine hohere Be¬ deutung, als diesen verworrenen Kundgebungen an und fur sich zukommt. Wir geben daher aus diesen Briefen (nach den Originalen der Tubinger Universitats-Bibliothek) im nachfolgenden samtliche Stellen, die sich auf Primus Truber beziehen. Da die Handschrift schwer leserlich ist, konnten wir trotz der gutigen Beihilfe des Herrn Musealkustos Dr. Šmid in Laibach manches nicht ent- ziffern oder nur kollationieren. Bei Kostrenčič, a. a. O., finden sich nur Regesten dieser Briefe. Aus Klombners Brief vom 18. Marž 1562 (Kostren¬ čič, S. 71): »Ich het e. Gn. vil zuschreiben, wils got peuelhen. Wil Herrh Primusen machn lassen. Weil ers von mir im pessten nit annimbt. Es wird dennoch gotes Wort gehen und pesteen. Thus auch E. gn. meinem alten gn. Herrn peuelhen. Ich pin recht gedrueckt vnd siech dapei, das es alles mit kummerlichen 3 * 36 schmertzen gearbeit vnd geschvezt sein mues, sonderlichen in diser gotes sach vnd die hrn Christi gelangendt. Ich mag e. gn. vor rechter traurigkeit nit mer schreiben. Wier werden mit Herrn Primusen das Zill nit erreichen, dahin es solt. Er hat sich lassen vernemen, Er wol noch in ein mefigewand schlieffen. Da wird ali sein Arbeit verderbt, vnd die andern priester auf vnser seiten werden in scheuche. Er sorgt nit vmb sy; Er pringt sy nit vnter, Haben gar ein kalt hertz zu Im.« 7. Mai 1562 (Kostrenčič, S. 75): »Ich rath Herrn Primusen, das er mit weib vnd Kindl vnd seinem Plunder auf die Tonauv/ fueg vnd sich zu Regenspurg bey dem Herrn Illirico Albono an- zaigen vnd freundentlich mach vnd volgundts herab auf Lintz far vnd daselbs ausgee, so mag er gemachs mit weib vnd Kinden herein, was sicherer vnd vvenigeren gefhar, so er sich thailet, ziehen. Es wer eine grofie hilff, wo sy sein ali einig, vnd sich einer defi andern noth annemen.« 11. Januar 1563: »Die Verhinderung H. Trubers ist der Kirche nutz vnd e. gn. soli es dafur halten, das es gotes sunder verhengnufi ist. Denn Herr Primufi hat mit seiner molestion mer genutzt. Villeicht will In got nit haben zu disem werk vnd zwar er wirdt in dem godlichen wort auch nit vil pauen. Weil er das schrifftlich wort mit fufien trit . . . wir wolln beten, das er die versaumbnifj herwider pring wie paulufi. Es ist mehr denn ein Arbeit nit guet, die ich schon gesegen hab. Aber also rat ich, weil mit diesem Fali nit auch das mundlich wort fallen mocht vnd veracht wurd, das gar leichtlich geschehen mag. Das e. gn. die sach in ein geduld nemb vnd tracht die Landschafft nit aus- zuschliefien. Denn sy meinens recht. Aber sy sehens nit. Solten sy es wissen etc., so fielen sy ab von im vnd wurde ein mach- tiges argernufi. Wier haben sonst genueg zwietracht. Ich darf nit reden vnd gelt nichts pey den Herrn Verordneten. Wolt got, sy volgeten mier. Nu muft das angenomen sein, wie es kumpt, piO. es got pesser schickt. Ich wolt mich gern von dannen ziehen, das ich nur mit H. pri. nit Hadern dorfft. Wann es wol gerat, so wird er den Zorn an mir aufilassen. Vnd wird meniglich eingepildt, Ich flieh die Verfolgung. Warlich Herr pri. ist kindisch mit seinen vorreden, wier waren nit pestanden, sonderlich weill er nit will vertiren, sondern aufi aignem kopf schreiben. Ich wolt das seine vorreden, darin er diser Landart erzelt vnd sonderlich von Krabaten weg- 37 geworfen wurde. Wie Ich Im In seinenn windischen werk darin er von Im selbst sein anfang erzelt, dieselb Vorred auch weg warf. Mit dem vertirn wolln wier vil sicherer geen vnd mer nutz schaffen« . . . »gedenkte Im nur Herr pri. nit, das diz werk etlich Errata halb erligen soli, entweder er thuets aufi stolz oder eergeitz oder aufi verzweyflung, das er Im nit traut zu vertieren oder got will In sonderlich fallen lassen. Das got verhuet. Darumb wolt Ich nichts weiter an Im noten (?) Wurd er was guets wollen thuen, das woIln wier annemen vnd vleifiig peten, das in got nit fallen lafi, damit das miindlich wort nit geergert oder einen fall (er)leid. Es haben die andern prediger gar kain hertz zw im, er druckts vnd verachts vnd ist vasst im Land stil worden.« 25. Januar 1563: »Das die personen zu schlecht vngelert. Weifi got, wan Herr P., gelert wurde, ob er vernunfft ja glauben vnd lieb hat, vnd ob er Cristum liebt vnd kennt. Ich pesorg, Cristus wirdt von Im weichen. Es ist ja Her Stefan nit genueg. Herr P. noch weniger, Zvezig arm vnd angefochten. Herr Anton alt vnd vor der welt nichts. Aber got gefelt, (dafi) es er durch ainfeltige grofie wunderthaten richtet vnd dem teuffl trutzt. Sonst hets die kunst than. Wier haben’s ya nit pesser der Zeit. Got wirdt wo!l mit der Zeit Leut erwecken zu seinem werk. Wie auch yezo, dardurch er die Hochweisen zu schanden macht vnd reizt, das sy es pessern solten. Das Herr P. sein grollen oder zorn nit lasst fallen ist sein fall. Cristus wird mit dem schrifftlichen wort von jm weichen vnd wirdt zuthuen haben das er das mundlich wort statlich fur . . . er sondert sich von vns armen. Es wird in der not vnd angst woll gefunden, wer jm recht rat vnd will. Die Verfolgung štet wie e. gn. waifi, ob er sich recht an vnfi helt, das wird sich pefinden. Die Einigkeit war ein grofier nutz. Wir mugen nit anderst wier werden vnd ich sonderlich fur ein grofien Zerstorer des fridens geachtet. Geb mir got keinen andern friden als in Christo. Ich sterb vnd grofi weiter mag Ich nit. Herr Christe die sach ist dein, du magst helffen. Es gibt vns dieser Zwispalt nit klain tentationem. Was wird der wan (Banus) sagen, (ferner) die triester, gortzer Landschafft, so er ablafit vnd das werk vernicht on alle not! Treibt in doch niemant. Auch sein vnd unsere Wider- sacher nit. Was not, im ein solchen Larmen zu machen vnd die 38 leut abfellig zu machen von disem werk, das e. gn. mued werden vnd dafi werk verlassen. Was werden die filrsten sagen zu dem aufigangen geschrey vnd zorn darlegen, weill er selbst die personen anficht fur verlass(nen) kirchendienst, unkundige, ja die mit falschen sachen. Wolln wier diesen gerichtshandl fueren, haben wir vnser lebtag zuethuen vnd haben darin kain rechtes auf erden, grofie ergernufi felt auf vnfi sampt des teufels geschmaifi. Deshalb rat ich vnd pit e. gn. woll H. Primus nit weiter er- suechen oder premieren vnd die armen ainfeltigen arbeiten lassen so lang es got gefelt.« . . . »Souil antrifft das verlangt Notorium oder kundschafft, die herr Stefan felschlich erlangt vnd herr pri: petrogen sey worden etc. — E. gn. weifi mein armuth von vili Jaren vnd mein schwere verfolgung. Warumb wollt ich erst mit falschen prieffen vmbgeen. Das aber das werk nit falsch sonder gerecht ob es gleich schwach sein mocht, ist es genug zu einem anfang. Alle frommen hertzen sollen got loben vmb souil wie es yez steet. Aber die klueglin vnd die nichts als Irrung verwirrung vnd spaltung suechen, denen wirdt mans nit genueg machen. Das werk wirdt nimmermer vollkomen genueg sein als wenig mein armer Madensack, got wirdt sy richten. ... So ist herr gregor Bochoritsch ain aufrichtiger priester, der vil mer gearbeit hat; Den Herrn wan (Banus) derselb ort vnd vili aufi Krobaten pekert. E. Gn. wirdt von Herrn Steffan vernemen, wie er arbeit on ainige pesoldung in armut, gefar vnd angst, das Herr pri: nit thuet. Ich weifi nit welche er pekert hat(!) Warumb wolt er auch mit falsch vmbgeen.« Am Schlusse heiftt es liber Primus Truber: »Wi 11 er nit helffen, laft er andere mit Friden. Aintweder er thuets auft pofihait vnd zuunderhinderung des werks oder auft verzweiflung vnd unglaub. . . . Herr pri: wird sich wolln entschuldigen etc. Wie er mit diser kundschaft thuet vnd vns ali zw spot pringen. Darumb rat Ich, wier geen sein muessig, pifiher hat e. gn. auf in gewart etc. wirdt er die clainen sehn vnd den spangenbergen sehen, er wirdt hoch gestrafft, an seiner Existimation ernidert. E. gn. wirdt pefinden das wier armen Steiner (?) das vnsrig thuen wolln. Ich het gern gesechen, das ers gethan. Villeicht will in got nit haben zw disem werk. . . . Will Herr pri: helffen, das nemb e. gn. an. Will er nit, laft in E. gn. farn. Wolt in weiter nit anlangen, damit die Land- schafft nit vnwirsch vnd der Lauf des Evang. verhindert oder das 39 man vns die schuld geb. Wurd ein Landschaft sein thorheit wissen, So geb es dem Evang. ain Abfall.« Am 13. Marž 1563 schreibt Klombner an Ungnad uber dessen Obersetzungswerk: »Es ist viel lauterer ordenlich vnd ortographischer als Hern Primusen arbeit. Villeicht ist er weder der eren vnd pelonung vor got nit wirdig. glaub mir e. gn., das ist jm ein vorgang zw ainem grossen fall, den der almechtig verhueten woll. Ich eusser mich sein. Vnd will in diesem handl gotes peistand vnd sein wider- sacher sein. Vnd wills offentlich erclarn. Hab mich gegen Ir willen lassen vernemen. Lafi er nit ab, so werd es darzw komen, das man offentlich wider in schreiben vnd drucken werd. WoII er nichts guetes thun. So hab er sein Rw. Woll er zum pessten helffen Das wolln wier annehmen. pit e. gn. woil pei Im weiter nit anhalten. Vnd sich stelln, als wo man sein geraten mocht. Weil 'ers doch also habn will.« 28. Marž 1563: »Die von der metling haben ainen aignen gesanten zu Herrn pri: geschickt. pitn In vmb ain priesster, hat In Herrn Hansen pewilligen muessen. Herr Sauer pegert Herrn Herrn Cristof. Des mag er nit geraten. Also giengs von stat. Hat angefangen friedlich mit mier zw reden. Vnd diser Handl hat in darzw pracht. Ich hab Im gesagt: Herr, wier muessen anderst zw der sachen vnd mer prediger haben oder got wird vns straffen. Sagt er: Wo nemen? Wer vnderhelts? Ier muesst petlen vnd lassen sowol freund vnd feind anruefen. got wirds geben. Er weift nichts vmb des Zwetschiz arbeit, es gefall Im oder nit, so will Ichs mit der hilf gotes treiben, so weit got genad gibt. So er nu sieht, das Her gregor also stark arbeit, so mues er auch daran. Vmb vnser verfolgung štet es stili, gedenk, der kaiser hat des Landtags verschont. Darnach hilf got weiter. Weil nu Herr Primufi den ernst sehen wirdt, verhof ich, er wird muerber. Ich hab got treu- Iich gepeten das er Im ain andern sin gab, damit wir ainiger wurden vnd sterker arbeiteten.« »Ob Herr Primus mainet, er wolt das wesen einziechen vnd verhoffet Linderung. Das ist ain teuflischer rat. Wer stil štet, der get hinter sich. Wir kamen gar von der gnad vnd muessten mit poesem gewissen sterben, es ist zw spat.« 24. Juni 1563: »Das E. gn. pegert ain weitern pueben, den man paim Druk abrichten mocht, clag ich E. gn., das vnser schuel 40 gar nichts sein. Der pischof hat nichts guets vnd leidet nichts guets. Der Landkomenthur desgleichen. die Landschafftschuel ist laider gar nichts. Budina, mein Schwager, wirdt ain grofie Ver- antwortung habn. Herr pri: helt ob Im, sonst war sy gepessert vnd mit guetn leutn ersezt, Die vnserer arbait anhengig waren gewesst. Ain Landschafft hat Im pewilligt 50 gld. auf ainen taug- lichen gehulfen, Surculus war allenthalben angenumen. Aber dem Wudina vnd Herrn pri: gefiel er nit. So hat budina gar keinen vnd nimbt dennocht die 50 gld. lch hab gehandelt, dali er Im kais. spital spitlmeister solt sein. Landshaubtmann vnd vizdomb waren zufrieden. Aber der pischof mecht in nit leiden. Also muest er wegz-iehen, denn herr pri: hueb in meinem haufi mit Im ain hader an.« »Wir haben ain walschen pischof hie, der hat das parfufter closster Ine, er ist des pabsts Inquisitor, es mangeln Im nur schergen vnd henker. Herr Illiricus ist oben durch den Canal auf Venedig stili durchzogen. Den Krellium hat er hieher geschickt. Hat zwo predig hie gethan, die werden Herrn pri: abrichten. Soli pald wieder hiedurch. Herr pri. vermaint, er woIt krelium hie auf- nemen. Sy werden nit lang peieinander pleiben.« 28. Juli 1563: »Herr pri: hat gegen mir gemeldt, er het ain windische kirchenordnung. Vnd wie mir Krell sagt: sy (be)derfft vbersehens. Nu lasst er sich nit korrigiren oder dafi er prueder- liche weisung annamb. Hab also geschwiegen. Es hat zuuor sich lassen horn, er wels zu wien lassen drucken. Es hat got der Herr vns wider ain hilf geschickt. Wie die pischoff am pessten in Handlung, kompt Herr Illiricus vnd schickt zwei studenten vorherr. Der ain ist ain wipacher, der ander ain Laker. Die steen auf vnd predigen. Ain Landschafft wird den Krelln meins erachtens neben Hern Primus annemen, der ist guet glert. Vnd hat die sprach zimblich ist auch erpitig, vnserm werk zuhelffen vnd wird warlich ain guete Hilff sein aus vil vrsachen wie e. gn. hernach vernemen werden. Der ander wirdt sein anstand haben in der ydria (Randbemerkung: Der hat ge- schrieben, dafi man diser buecher halber mit dem illirico nichts zuthun soli haben); mit dem herrn Illirico hab ich ain langefi gesprech vertraulich gehabt, er kan zimblich windisch, ist geburtig zwo meil wegs von miterburg, kam pald wider zw der rechten sprach. Erpeut sich dahin. Wan man in der Bibl ain stiik oder 41 mer transferieren wirdt, soli ime E. Gn. mit ainer vertrauten person vertraulich zuschicken. Er wolle helffen vbersehen vnnd seinen getreuen Rat, was die . . . sprache antrifft, mit tailln vnnd traut jm niitzlich zusein vnd woll darin kain wort habn. Darauf rat ich, mit dem psalter den anfang zu machen. aint- : weder den zwetschitz oder Herrn Antonj vertraulich zu jm zu¬ schicken. So nimbt man pald ab, was er disem werck mag nutz sein. Ich hab auch weiter mit jm tractiert, weill der pischof von Salzpurg im 48. Jar ain Sinode gehalten. Zuwider demselben haben die St. 1 ) von Land Ire Pekantnusse gethan. Aber nit mit noturfft dawider geschrieben. Das er statlich nachlenggs dagegen schrib, Damit erlangten die Land im friden, das der pischof nit alles seines gefallens in der Christen pluet tobn dorfft vnd ob solches E. Gn. gefiell, mags E. Gn. derselben Gefallen noch handeln lassen.« 6. Dezember 1563: »E. Gn. schreiben, das diese arbait zuuor Herrn Pri. zw vbersehen geben solt werden. Das achten wier nit fuer guet. Waifi got, wan wirs wider von Im pekamen oder was er tur gotloft leut darOber stellet. Uber das pieten wier, Wan wier conferieren woIln, das in der metling vnd nit hie geschehn soli. Soli Herr Primuft darzw peschieden werden, er kum oder nit, das man nichts destovveniger fort arbeit.« »Sein Gn. (Herr von Thurn) beualh, auch e. gn. zu schreiben mit grofier peschwar der windischen lieder, das E. Gn. dergleichen nit mehr drucken solt. Vnd Herr Pri. fuer fur . . . mit Zorn. Sprach ich, er solt anzaigen, welche lieder so ungeschickt oder vncristlich warn. Wier hetens ee gesungen, ee er nie gedacht hat in das Land zukumen. Sprach der Herr vom Thurn, man soli soleh sachen zuuor Herrn Pri: geben zw vbersechen. Ich saget: wier heten In offt gepeten. Aber vnser pit het kain ansechen, er verachtets alles . . . Herr Pri: man het seine Lieder andern zu- geaignet. Als namblich ain Weinachtslied. Saget ich, dasselb het Herr Hans mit Im gen Laibach pracht main, sein (es) war auch darinnen. Ich noch er heten des nit pegert. Aber seiner arbeit scham er sich nit. Er solt nur anzaigen, was er fur mengl daran hab, er werds verantwurten. Woll er H. pri : nit singen, so lafi er ander leut singen. Ich peschuldigt In, er verhindert den Druck. Vnd Ich het auch das gegen den Zweckel, Seyrl, Herrn Sauer peschwart. er soli anzaigen, pat ich, wie er in gefurdert het. er ') N.-o. Stande. 42 that nichts als greinen (?) draufien vnd sinnen. Er solt fein friedlich sein vnd die gehulfen, die Im got geben hat, in Irer schwachheit vnd Unkundigkeit, darfiir ers helt vnd verachtet, mit geduld tragen vnd pessern, so wurd er vil pawen vnd den Druck furdern vnd got wurd sein segn geben. Er hets mit seinen vor- reden dahin pracht, das die hilff eruolgt ware. Warumb woll er wider storn. Es gieng vil cosstens auf. Sagt Ich: mit peti gets her. So lafi mans gotes namen wieder in Peti hangen. es werd wol sein \vurkung habn, wans gleich nit von stundan geschieht. man thue auch schlecht darzw. man solt prediger anstelln gen Zeng vnd Wihitsch 1 ) vnd in die andern ortflecken, die Hauptleut pegertens. E. Gn. werd leicht pewegt, vom werk zusteen etc., sehe man nur, wan vnd wie mans wider heb. Herr Pri: beschwart sich, man schrib allerlay hinaus vnd gab vrsach zw disem zank. Was ich schreib, das wolt ich verantwurten. Nur wurd es ein grofter schmertzn sein, Solt das werk erligen vnd die personen vnd ge- hulffen so vns got geben, verachten. Wo woll man andere pekumen. es lig an mier nichts. e. gn. solit mir nit volgen. Het ich gelegenhait, das Ich mein peti mocht verkauffen, wolt mich von dannen ziehen. Damit Herr Pri. nur nit vrsach het, mit mier zu ziirnen. Ich het In gleichwol vor 20 Jaren gewarnt vnd ain potn geschickt. Aber des potens halb war er wol in fanknuft kumen, wo der Zweckl nit war gewesst. Sagt ich, er hets mirs etlichmal vorhebt. Aber war Seyrl vnd ich nit gwesst. Zweckl sey auf vnser antreibn dem poten nachzogen, damit er ain topite posst het. er het woll gesehen, wer in gewarnt. Wir warn dazumall in ambtern vnd habn mer gev/ufit als Zweckl vnd ander. Ich versach mich nit andres, Ich het an Im vnd an Hern Paulsen 2 ) treulich gethan. Im war sein guet alles zuehauffen gangen. Sagt Ich: Ier habt mir nichts peuolhen. Aber Herrn Paulin ist sein sach gar in die Herbenstadt (Herman- stadt) on allen abgang zuekumen. Hab auch darob vil gelitten vnd sey die maist vrsach meiner verfolgung. Het Ich Hern Paulussens Guet dem pischof vberantwurt, het Ich mir frid kaufft. Aber ich habs nit thuen, ehe darob mein Leib vnd guet in gefar segn wolIn. Wie nun Zweckl meinen poten erritn, hab er die prief von Im genumen vnd Im wieder hintersich lassn geen. Ich het In pei dem Herrn graffn angebn, wie er zwinglisch war. Das hab ich vermaint >) Fiume(?). = ) Paulus Wiener, der Mitdomherr und Mitkampfer Primus Trubers. 43 vnd Ich woil seiner Gn. defihalb schreiben. Wan ich wiisst das er zwinglisch, wolt das Sacrament von jm nit empfahn. Ich het in wol entschuldigt peim Herrn graffen. Und gar nit angebn. es wurd sich pefinden. Vor het er mich auch pei meinem gn. Hern verunglimpft, als het ich mit den puechern vbl gehausst, das ich mich nit wenig peschwaret. er het daraufi ob 200 gld. empfangen. .... Pit E. Gn. woll Im soleh lang anzaigen nit verdriefilich sein lassen Aber daraufi abnemen, das wier kain frieden habn vverden noch kein hilff oder furderung. Im apo: štet wie das weib mit schmertzen gepar. es geht freilich mit kumer vnd schmertzen, das ainer tausent mal dauon stuend. Aber, Herr, ist es doch dein ere, forders du etc. Und ich waifi, das er gerecht ist vnd wan es nit mer wurket, so ist doch der Herr Wan(us) vnd dieselb Refier dar- durch auch ain grofier tail Krobaten, vskoken, windischmark, metling vnd andere orten pekert worden vnd herr gregor hab im Land frei offentlich mit gefar den anfang gemacht. man vernemb, das man von wien auf den Rahnmarkt vnd offen (Ofen) Etliche dieser puecher gefurt, die auf Konstantinopel kumen. Nun sey die sag, das etlich des Kaisers Gelerten fur den kaiser treten vnd lauter pekent, dafi Ier glaub nichts, sondern der christlich glaub sey der gerecht seligmachend glaub. 1 ) Kumen nu die puecher darzu, man wirdt wol sechn, war es thuen vnd wurken wirdt. On pluet gets nit ab. Selig, die in dem herrn sterben. Vnd wan es die stend recht gedachten, weill der moscovit hieuor den glauben vnd Leer gesuecht vnd sich grosses erpoten, das man veracht. man schicket jm das neu testament vnd andres in der tschirulitza. Vielleicht hat es got darumb in Teutschland drucken lassen vnd ist nit on vrsach geschehn. Will mans aber verachten, der schad vnser. Hie- her schickt er aber die crobatisch vnd die tschirulitza, daraufJ der turk mag abgewendt gemildert vnd pekert werden. wir verachtens. VVarlich wir haben dise Jar ain schonen gnadigen fried. Niemdt wills dermassen peherzigen. Nu wirdt die straff angen, seh ein jeder zw jm selbs, es wirdt nit aufipleiben vnd in disem ist niemdt so hoch zu wieder als vnser herr pri:; wan er die herren vnder- ’) Hierzu ist am Rand mit roter Tinte von seiten des Empfangers (Freiherr Ungnad) die Bemerkung gemacht: »Klombner zuschreiben, dafi er aigentlich bericht thue, wie jm dise zeitung zukommen.« Da der voriiegende Brief der letzte Klombnerbrief der Sammlung ist, besitzen wir Klombners Auskunft nicht. 44 richtet, so giengs nach allem wunsch, Sy werden durch jn gefuert. Und meinen, sy thuen recht. Vor Zeiten hab ich woll ain vertrauen gehabt. Vnd man ist mier in grossen noten peigefallen. Aber eyzt mag Ich nichts habn. Ich kumb zw Ir keinem. Das sy nur nit vrsach habn zw reden. Und dies hab ich gethan, das Herr pri. kain vnlusst het vnd er die gnad pey jnen nit verlier. Geschieht das, ist sein predigen gefallen vnd ain grofie ergernus am tag, das got verhueten woll. Ain mali ist dises werk allain gotes vnd sonst kaines menschen. der wirdts woI fiirn. . . .« »E. gn. sehen, wie Herr pri. tobt vnd ruefft meine wolthaten zw argem vnd wolt mir vnglimpf machen. Da sieht man seinen geist. Wan der krell die clain pestallung het oder dali er ersuecht wtird zum conferieren, werd villeicht ain linderung sain. Ob er jm etwas auli dem sin redet. Ich rat, das e. gn. mit den herrn ver- ordneten in kain streit wachst, noch mit Herrn pri: allain weill herr pri. vil hat zu thuen, Sy zu erpiten, das sy auf hern Jorgen ersuechen hilff vnd rat gebn vnd verhulflich warn. Sy thuens oder nit, das wesen will nit genot sondern gepeten sein, Sy vverden sonst vngliick genueg habn. wir wolln jn kaines aufladen. Und wan e. gn. lang mit jnen strit, so muessten wirs entgelten vnd die arbait wurd desto mer verhindert. Er schreit vber mich, Ich gun jm der ehrn nit vnd woll mich ruemblich machen. Kent doch got mein gemuet, gunet jm die sorg vnd purd. . . .« »Herr pri: war gewililich dazumall in ponhauli kumen; mich deucht, er soli meine woltaten nit verkern, er hat nie windisch geschriben noch gedruckt, wan ich jn nit darzu getrieben het. doch got hat es gethan. Er hat viel mehr verdienst furpracht, wan er werdt wesst.« II. Laibach zu Trubers Zeit. — Die evangelische Matrik. Wahrend heute in Laibach, wie Oberall sonst in Osterreich, eine romische Trutzburg nach der anderen sich erhebt, berichtete Krains Gegenreformator Bischof Thomas Chron am 22. Juli 1616 an Papst Paul V.: »Im Jahre 1597, beim Antritte meines Bistums, befanden sich in Laibach neun oder mehr lutherische Prediger (aulier jenen, welche in den Schulen lehrten) und verfuhrten das Volk, dali sich kaum der zwanzigste Teil der Bewohner, und 45 zwar dieser nur aus dem niedrigsten Stande, zum katholischen Glauben bekannte. 1 ) Als der Bischof 1598 an die Erzherzogin Maria schrieb, es moge den Laibachern verboten werden, Akatholiken in den Rat oder Magistrat zu wahlen, da ubersah er, dati es noch nicht genug Katholiken gab, welche geeignet waren, die Stadtgeschafte zu ver- walten, weshalb verfiigt werden mufite, es sollten im inneren Rate vier, im aufieren sechs sektische Burger belassen werden. 2 ) Daher sagt Dimitz: »In Krain war seit Kaiser Ferdinands Tode die evangelische Kirche zur Herrschaft gelangt, sie hatte auf dem Brucker Landtage von 1578 eine rechtliche Grundlage ge- wonnen, die ganze Verwaltung des Landes, sein ganzes Kulturleben beruhte auf der Initiative der protestantischen Bevolkerung; jede Anregung zu geistiger und materieller Entwicklung ging von dieser Seite aus, neben ihr gab es kein selbstandiges katholisches Leben und Streben, und es talit daher der Kulturgang der Reformation in unserem Vaterlande in Erzherzog Karls Regierungszeit (1564—1590) mit dem gesamten Kulturleben desselben zusammen.« (Geschichte Krains, III, S. 145.) Wir besitzen eine hochinteressante Schilderung der slowenisch- religiosen Zustande nach der Mitte des 16. Jahrhunderts aus der Feder des Primus Truber selbst, die noch nicht wieder abgedruckt ist. Sie stammt aus dem Buche: »Der erst Theil des neuen Testa- ments, darinn sein die vierEvangelisten, vnd der Apostel Geschicht, jetzt zum erstenmal in die Crobatische Sprach verdolmetscht vnd mit Glagolischen Buchstaben getruckt«. Vorrede datiert Vrach am zvvolfften tag Januarii Anno etc 1562. Diese Vorrede richtet sich an den Protektor des kroatischen evangelischen Bucherdruckes, den spateren Kaiser Maximilian II., gewidmet »Maximilian, Konig zu Boheim«. Hier heifit es: ». . . Ist ein gut, erbar, trew, warhafft, gehorsam, Gastfrey vnd miltes Volek, das sich gegen allen Frembden vnd jedermann freundtlich vnd wol haltet vnd erzeigt. Aber zu viel vnd zu grofi Abergleubisch, dann dieses Creynerisch vnd Ober- vvindisch gutherzig Volek, wollen alle jer Sachen bey Gott, bey der Jungfrawen Maria vnd bey den Heiligen, nur mit vil Mefilesen horen, stifften, mit Begengnussen, opffern, Rosenkranzen, mit vil 1 ) Dimitz, Geschichte Krains, II, S. 368. F. »Mitt. des hist. Vereines fur Krain«, 1854, S. 45 f. 2 ) Ebenda, II, S. 284. 46 feyren, kerzen brennen, mit Creuzen umgehn, mit geweichten wasser, Salz, Palmen, mit reuchen, mit sprengen, mit weiten wall- farten, vnd mit newen Kirchen bawen auftrichten vnd alles Ungluck, alle Straffen Gottes, allerley Kranckheiten, Tewrung, Krieg, Ungwitter abwenden. Item, die Teuffel aufi den Wolcken, auft dem Veld, vom Hoff, vom Vieh, vom HauB vnd vom Beth vertreiben vnd guete Jar, vi! Fraid, Wein, Vieh, Frid vor dem Ttircken, vnd lang leben, damitt vnd dardurch uberkommen. Ja auch den verstorbenen auft dem Fegfewr gehn Himmel helffen, vnd die ewige Seligkeit erlangen. Und wann etwan eins in einem Haufi kranck wiirdt, so thut der kranck, oder ein anders, als Vatter oder Mutter, an des krancken statt, ein GelObt, ein groft Opffer der Jungfrawen Maria, oder einem andern Heiligen, bey der oder jener Kirchen, zubringen vnd zugeben, es sey ein Rind, Ochs, Kalb, Schaff, etlich pfund Wachs oder so vil Gelts oder des krancken bosst, schonest Kleid, oder ein weitte Wallfart zu vollbringen. Defiwegen wallfarten sie gar offt gehn Rom, gehn Loreto, gehn Otting (Altotting), gehn sanct Wolffgang ins Beyerland vnd allweg uber siben Jar bis gehn Aach ins Nider- landt. Und haben gebawt vnd bawen noch, neben jren Pfarrkirchen schier auff allen Hoffen, Bergen vnd schonen Ebenen, in Walden vnd Holzern grofie Kirchen, offt zwei beyeinander das in vilen Pfarren bey vier vnd zwanzig vnd mehr neben Kirchen vnd Capellen erbawt seind, vnd noch taglich erbawt werden. Und solche grofte Abgottische vnd unnuze Gebew, thun vnd vollbringen sie nur aufi angeben, geheifi vnd bevelch der leichtfertigen, wahnsinnigen vnd ehrlosen Leutten, die jenen also fiirgeben vnd sagen, die Jungfrav/ Maria oder sonst ein anderer Heilig oder Heiligen seind jnen im Trawm oder Schlaff oder sonst in der Nacht erschienen. Etlich fallen nider bey Tag vor den Leutten, als sie den Hinfallenden Siechtag hetten vnd nach langem Zittern vnd Zappeln, heben sie an zu sagen, die Jungfravv Maria, oder sonst ein ander Heilig oder, Heiligen, hab sie dermaften niedergeworffen, mit jnen geredt vnd bevolhen, das man jezund an disem, jezund an jhenem Berg, Thal oder Wald, ein Kirchen bawen, vnd dahin mit Creuzen gehn Opffern, Meftlesen vnd VVallfarten soli, vnd wo mans nicht thun werde, als- dann die jnen erscheinte Maria, Heilig oder Heiligen, wolIen alles Getreid im Feld vnd Weinberg mit dem Hagel oder Schawer er- schlagen, vnd ein solchen grossen Sterben uber die Menschen vnd Vieh schicken, dali der dritte Theil nicht soli bey dem leben uberbleiben. 47 Im nachsten Sommer des 1561. Jarš verschinen, ist ein jung unziichtig, hurisch Weib bey Obernburg, in vndern Steyer, vier Meil von Labach (Laibach) aufferstanden, die tragt jer baide Hand vor den Leuten, am Rucken zusammengeschlossen, henckt den Kopff vnd Angesicht zur Erden, die sagt vnd gibt aus vor manigklich, wie das die Jungfrav/ Maria nun hiefur in der Kirchen auf dem Berg bey Gorz vnd Salcon (wolche Kirchen erst vor zwanzig Jaren aus Angebung einer alten Zauberin, die in jrer Jungfrav/schaft drey Kinder solt verthon haben, angefangen v/orden) nimmer wohnen wolle, vrsach sagt sie, die Pfaffen nemen die boftten Rock, Klaider vnd die schonsten Schlayer, wolche man jr der Jungfrawen Maria zubringt vnd opffert vnd gebens jren Kochinnen. Item man verbrennet das Wachs vnd Kerzen, die man jr zubringt vnd opffert, bey spielen, weintrincken, fluchen, schelten vnd schworen, Item die zechleut, jre Heilgenpfleger stelen jr Gelt vnd verthuns unnuzlich. Darumb woIl sie ein andere Kirchen haben, bey Obernburg. Auff sollich jr fiirgeben vnd das man am selbigen ort, das sie gezeigt hat, bey der Nacht vil brinnende Liechter gesehen (dann sie hat daselbst vmb die Mitternacht vil Hacklen oder Windtliechter von zerspaltenem Holz rundweift umbgesteckt, davon man am Morgen die Koleri vnd Locher von VVindtliechtern daselbst gefunden). Haben die betorichten vnd einfaltigen Bauren am selbigen Bihel (Bilhl), alfibald ein Cappeln von Holz gebawet, vnd etlich Pfaffen dahin beruffen, das sie darinn auff jerem Altar- stein Meft lesen. Darzu seind sie gern kommen vnd in diesem newen Gebev/ vnd Stifft redlich geholffen, dann solliche newe Kirchen vnd Wallfarten, geben jnen, wie sie selbst sagen, vil vnd gute Sold vmb jer MefS vnd gut Fleisch in jr Kiichen, vnd haben an die hiilzin new Capeln also geschriben: Locus iste sanctus non ab hominibus est inventus, sed a Deo optimo maximo mirabiliter per ignem et lucern et flammam ignis est electus, demonstratus et illustratus propter vocatur locus iste ad salvatorem nostrum Jesum Christum et beatam virginem matrem eius. In summa, das nie- mandtnuz, ehrlofi Weib mit jren Baals Pfaffen hat mit jrem er- logenen fiirgeben vnd sagen so vil aufigericht, das im nachst verschinen Monat Augusti des 1561. Jarš vnser Frawen Schidungs- tag (15.) zu obgemelter Cappeln vil Tausendt Windisch Bawren vnd Beurin kommen sein, vil groft vnd klein Vieh, Klaider, Gelt, Wachs, Kerzen, Kaft, Woll vnd Flachs auch anders gebracht vnd der 48 Jungfrawen Maria, die in derselbigen Cappellen jr Wonung soli haben, geopffert. Und disem armen einfeltigen groften Volek, so in funff Theil oder Hauffen abgeteilt, haben dazumal jr funff Pfaffen miteinander geprediget. Und der ein Pfaff war uber die Bauren sehr zornig, hat sie bestien gescholten, darumb dafi sie jre Schuh nit abzogen hetten, sagende, die Stadt vnd Erden darauff sie gesteen, seind heilig, die Jungfraw Maria gehe darauff umb etc. etc. Von sollichen vnd dergleichen Abgottischen Narrischen Gotsdiensten wiste ich ein ganz Buch zu schreiben, dises hetten die alten, Gott- seligen vnd gelehrten Bischoffen nicht gestattet, šonder von stund an, als ein grobe Abgotterey vnd Kezerey, wie es dann ist, ver- bannet, verdampt vnd abgeschafft. Und dises arm Volek alles fur- namlich, das im Land Crain vnd am Karst wohnet, wiirdt so wol als die Crobaten vnd Bessiacken, von den Turcken offt im Jar uberfallen, gefangen, weck gefuret, von einander verkaufft, zu ewiger erbarmlicher Dienstbarkeit vnd zum schamlichen Gebrauch, jre Heuser vnd Hoff abgebrennet.« Aus dieser SchilderungTrubers, von der man ausrufen mochte: »Alles wie heutel«, ist jedenfalls das eine ersichtlich, daft der Katholizismus im eigentlichen Landvolk Krains aufterordentlich tief gewurzelt war und wohl nur sehr allmahlich vollig dem Lichte evan- gelischer Wahrheit erlegen ware, auch wenn die politische Obrigkeit sich nicht so gewaltsam dem Protestantismus entgegengestellt hatte. Immerhin ist neben jene Schilderung aus dem Jahre 1562 die Beschreibung zu halten, die Truber 1582 seiner windischen Ausgabe des ganzen Neuen Testamentes vorausschickte: »Meniglich ist bewufit, das vor vier vnd dreiftig Jaren kein Brieff, viel weniger ein Buch in vnserer VVindischen Sprache zu finden war, denn mann hielts darfur, die Windische vnd ,Ungarische‘ Sprachen weren so grob vnd barbarisch, daft man sie weder schreiben noch lesen konne.« Nach einer Schilderung der groftartigen Entwicklung der protestantischen Literatur in slowenischer Sprache heiftt es: »Diese Bucher werden nicht allein in Stetten, da man gemeine Schulen helt, sondern auch in Dorffern von Bauren vnd iren Kindern wider des Papstes verbott mit grofter Begier vnd Frolocken gelesen, darauft sie dann neben den Evangelischen Predigten, durch die Gnad vnd Wurckung des heiligen Geistes, den rechten Verstand aller seligmachenden Artickel des Christlichen Glaubens wie die- selbigen in den lauteren Spruchen der Heiligen Biblischen Geschrifft, 49 im Catechismo vnd in der augspurgischen Confession begriffen vnd erklart seind, haben erlangt vnd uberkommen. Also vnd der- mafien, das sie auch dieselbigen gegen ihren widerwertigen, den Papisten zu verantworten vnd verthadigen wissen.« Nicht minder ergreifend und anerkennend hat sich Primus Truber in einem Schreiben aus Derendingen, 5. Mai 1575, an Landeshauptmann, Landesverweser, Verordnete usw. in Krain uber den damaligen Zustand des evangelischen Bekenntnisses in seinem Heimatlande ausgesprochen, das der Wahrheit doch nicht ganz wiedersprochen haben kann. »Bedenkt, ihr meine lieben Herren, was der Allmachtige euch Creinern fur eine grofje Gnade vnd Wohlthat vor andern Nationen umsonst, allein vm Christi willen gegeben, daft er euch das h. seligmachende Evangelium so lauter laftt predigen, die h. Sacramente austheilen vnd zu empfangen, eure Gebete vnd ailen Gottesdienst frei offentlich, wider des Teufels vnd Antichrists Toben vnd Wuthen, arglistige Anschlage vnd bose Practiken, verrichten vnd zu voll- bringen, dadurch viele Seelen werden erhaiten zum ewigen Leben. Und das ist auch eine grofie Gnade Gottes, Kraft vnd Wirkung des h. Geistes, dafi a 11e Herren, die Ritter vnd vom Adel, auch der meiste, verstandigste Theii der Burgerschaft, mit ihren Ehegemahlen, Sohnen vnd T 6 c h te rn, was die Religion vnd den rechten christlichen Glauben belangt, so einig, gleichgesinnt, eines Verstands vnd Willens nun lange Zeit sind vnd blieben im ganzen Furstenthum Crein. Dergleichen vnter den Predigern, welches in keinem Furstenthum im Reich, auch in diesem wOrtembergischen, noch in den Reichsstadten nicht geschieht vnd gefunden wird; denn in ailen Furstenthumern vnd Reichsstadten werden aberglaubische, papstliche Grafen, Freiherren, Edelleute, sonderlich die Patrizier, die vornehmsten im Rath in den Reichs¬ stadten, gefunden vnd viele Eheleute, Eltern, Bruder vnd Schwestern sind im Glauben nicht eins, verachten vnd anfeinden einer den andern des Glaubens halben. Darum sollen wir Creiner von wegen der groiJen Gnade vns dankbar erzeigen, ihn anrufen vnd bitten, daft er solche Einigkeit des Glaubens auch in ailen weltlichen, politischen vnd btirgerlichen Handlungen herzliche Liebe, Treue, Wahrheit, Gerechtigkeit erhalte, vermehre vnd erweitere.« 1 ) ') Elze, S. 520ff. * * * 4 50 Ein Matrikenbuch der evangelischen Gemeinde Laibach aus den Jahren 1578—1596, welches vor wenigen Jahren noch vor- handen war (im Besitze des katholischen Dechanten Hitzinger in Adelsberg), gewahrt einen Einblick in die Zustande des Pro- testantismus zu einer Zeit, wo derselbe in Krain und besonders in Laibach herrschend war. Hitzinger teilte 1863 aus demselben mit, dafi die Laibacher evangelische Gemeinde verzeichnete: Ge- tauft (1578—1596) 2051; getraut (1578—1596) 658; beerdigt (1578—1589) 570; Kommunikanten (1578—1593) 8583 Windische, 4311 Deutsche. Die letztgenannten Zahlen sind iibrigens ganz falsch, wie nachher mitzuteilen sein wird. Das Matrikenbuch, welches eine unschatzbare Quelle fur die Geschichte des Laibacher Protestantismus hatte sein konnen, ist leider in schmachvoller Weise dem Untergange preisgegeben worden. Die Oberreste sind jetzt im krainischen Landesmuseum »Rudolfinum«. Pfarrer Jaquemar liefi die Blatter teilweise photo- graphisch nachbilden, das Ganze durch den krainischen Geschichts- schreiber P. v. Radics diplomatisch getreu kopieren, um es so dem evangelischen Pfarrarchiv in Laibach einzuverleiben. Vorhanden ist noch die Sterbematrik von 1578—1587 und das Kommunikantenverzeichnis von 1580—1593. Auch in diesem geringen Uberreste lafit das Dokument eine Reihe interessanter Schlusse und Beobachtungen zu, die von allgemeiner Bedeutung sein durften. Es fand in jenen Jahren in Laibach, wie auch sonst, nach jedem Sonntagvormittags-Gottesdienste eine Abendmahlsfeier statt. War ja doch diese gemeinschaftliche Abendmahlsfeier der evange¬ lische Ersatz fur die nur vom Priester gefeierte Messe. Die Teil- nehmerzahl an gewohnlichen Sonntagen betragt in der Regel 20—50, selten unter 10, manchmal auch mehr wie 50. In regel- mafiigem Turnus wechseln deutsche und windische Kommunionen, die Beteiligung von »vvindischer« Seite ist mindestens doppelt so grofi wie die von deutscher Seite. An den hohen Feiertagen, Weihnachten, Ostern, Pfingsten, steigt die Beteiligung auf mehrere Hundert Kommunikanten. Der erste Feiertag ist immer den »Windi- schen« vorbehalten, die eben den eigentlichen Grundstock der Laibacher Gemeinde ausmachten. Aufier dem Tage der Beschneidung Christi (Neujahr) und Drei Konige oder Epiphanias (6. Januar) treten keine vveiteren Feiertage auf, ein Beweis fur den puritani- 51 schen Charakter des innerosterreichischen Protestantismus, 1 ) der schon damals die Gottesdiensttage auf das Mafi herabgedruckt hatte, das auch heute noch eingehalten wird. Wir zahlen an Kommunikanten in den Jahren 1581: 3848; 1582: 2909; 1583: 2650; 1584: 2750; 1585: 4564; 1592: 2631; 1593: 2442. Die letztgenannte Zahl fuhrt uns bis funf Jahre vor den Zusammenbruch des Protestantismus in Krain in den Oktober- tagen 1598. Gewift ein Beweis, welch reiches kultisches Leben damals mit einem einzigen Gewaltakte des Landesfursten plotzlich vernichtet wurde. Wenn man aber die Bevolkerung Laibachs Ende des 16. Jahrhunderts auf etwa 7000 schatzt, so lafSt sich die Angabe des Bischofs Chron, dafi 95% der Bevolkerung zu jener Zeit pro- testantisch gewesen seien, auf Grund jener Zahlen schwerlich aufrechterhalten. Die genannten Kommunikantenziffern lassen hochstens auf eine protestantische Bevolkerung von 3000 Seelen schlieften, worauf auch die Angabe Hitzingers von 2051-Taufen' wahrend 19 Jahren fuhrt. Genauere Kenntnis dieser Zahlenverhaltnisse vermochten wir aus der Tauf- und Trauungsmatrik zu schopfen, falls dieselbe nicht als Makulatur zu Einheizungszwecken verwendet worden ware. Erhalten geblieben ist nur die Sterbematrik von 1578—1587, also der Zeit, in welcher Christoph Špindler als Superintendent in Laibach wirkte. Es sind hier Sterbefalle verzeichnet aus den Jahren 1578: 54; 1579 (das letzte Vierteljahr ist ausgeschnitten): 45; 1580: 88; 1581: 85; 1582: 60; 1583: 30; 1584: 78; 1585: 29, 1586: 85; 1587 (erste Halfte des Jahres): 19. Hitzingers Zahlungen, die mit den unsrigen unbedeutend differieren, geben weiter 1587: 25; 1588: 14; 1589: 29. (»Mitt.« 1863, S. 84.) Unter Berucksichtigung des Umstandes, daft unter diesen Leichen auch solche sind, die von auswarts nach Laibach gefuhrt wurden, und bei der viel starkeren Sterblichkeitsfrequenz jener Zeit scheint eine Bevolkerung von 3000 Evangelischen das Hochst- ma13 zu sein, das wir annehmen durfen. Fraglich bleibt ja, ob nicht viele evangelisch Gesinnte sich katholisch beerdigen lieften. Waren doch die Konfessionsschranken damals noch so viel be- weglicher als jetzt. 2 ) Dafur gibt vorliegende Sterbematrik sprechende ') Bischof Chron vermerkt dies sehr bitter um 1600. »Mitt. des hist Vereines fur Krain«, 1864, S. 3. 2 ) Belege hiefur auch bei Elze, S. 116 ff. 4 * 52 Belege. Die evangelischen Beerdigungen fanden damals in der Regel »zu St. Peter« statt, einer katholischen Pfarrkirche. Selten heifit es: »Bei St. Niklas in der Kirchen, im Kloster, auf dem Kloster freithof zu St. Jakob im Hofspital begraben«, sehr selten »in vnser Burgerspitalskirchen begraben«. Die »Leichpredigt« wurde ganz unbefangen in dieser katholischen Kirche durch die evangelischen Pradikanten »getan« und die Grablieder gesungen. Es wird daher folgendes Vorkommnis als aufiergevvohnlich empfunden, wenn Špindler am 16. Oktober 1582 schreibt: »Ist bey S. Peter in der Kurchen begraben worden Weikhardt, Franzen Horners Kind, dem lch Špindler in vnser Spitalkurchen die Leichpredig gethan. Aber als wir hernach dasselb hinab gen S. Peter gebracht, ist Mert Sittich Gesellpfaff vnder der Kurchen Thiir gestanden vnd in der Kurchen nit wollen die christliche Grablieder singen lassen auch vermelt hinfuro zupredigen nit zuegestatten so dem lch gebuhrlich mit Andtwort begegnet.« Aus diesen Zeilen spricht noch nicht die Stimmung einer zu Boden getretenen, rechtlosen Sekte, sondern vielmehr die Stimmung einer im Bevvufttsein ihres gutes Rechtes auf den Schutz der »Stande« gesttitzten Genossenschaft. Aus den vernichteten Partien unserer Matrik hat Hitzinger folgende Ausbruche eines konfessionellen Fanatismus, der uns fremdartig erscheint, wiedergegeben. Im Trauungsbuche schrieb Sup. Špindler: »Quem angelum Dei solitae sunt vocare nobiles feminae« nach Bischof Chrons grimmiger Notiz (»Mitt.« 1864, S. 2), also dieser »engelhafte« Prediger, er habe bei der Kopulation des Pradikanten Benedikt Pyroter 12. September 1587 uber Hebr. 13, 4 gepredigt: »De conjugio sacerdotum, qui impudice et sodomitice antichristianum diabolicum coelibatum tenent ut pseudopetrini« und weiter folgende Stelle: »Am 1. Juni 1595 hab ich M. Georgius Clemens berufener Diener der Kirchen allhie mein allererste Predig aus 1. Sam. 15, wider Abgotterei vnd Gotzendienst gehalten, auf welchen Tag die Papisten ihr Octavam, in der sie mit ihren ermeldten vnd eingeschlossenen Gottesleichnam herumgezogen, celebriert vnd gefeiert haben.« (»Mitt.« 1864, S. 53.) Ahnlich heifit es in folgendem Matrikeneintrag: »Den 2. Juny (1580) an der papisten Gottslastertag ist fraw Barbara, ain geborne von Berneck Hrn. Michael Tschetschkers haufifrav/ im Closter begraben worden, deren ich Špindler in vnser Burger Spitalkurchen 53 die Leuchpredig gethan. Als man die Leuch zum Closter gebracht, hatt der Arme Stollbrueder die Schueler vnd christliche Predicanten (damit die Leuch nit entheiligt wurde) nit hinein gehen auch die Grab Lieder nit singen wollen laften.« Oder der folgende aus dem gleichen Jahre: »Den 26. Aprili abends vmb mitnacht ist gestorben Scolastica, die Alt Straussin Mezkherin, welche hernach den 28. die Gott- losen Pfaffen muetv/illiger weift durch anrichtung Ires Sons M. Alexius mit Iren Ceremonien (ob woll sy sich zw vnserer khirchen bekendt vnd biti ans end gehalten) beclaitet vnd be- graben worden.« Noch drastischer ist folgender Eintrag, der einen noch ener- gischeren Widerstand der katholischen Domgeistlichkeit gegen protestantische Beerdigungen in der katholischen Domkirche ver- zeichnet, ein Widerstand, der aber von den Stadtbehorden kurzer- hand niedergeschlagen wird: »Den 3. Januarij 1580 hett man hieher Pracht Fraw Elisabeth Raschauerin von Gortz ein gebore von Rain, zuuor Georg Warls gewesten Buechhalters Einer landtschafft in Crain hausfraw, welche zuuor den 30. December zu Gortz verschiden. Aber da man Ir das grab ln der S. Niclaft Khirchen hatt machen wollen, da haben sich die verzweifelten Pfaffen vnnutz gemacht, die Khirchen gesperrt vnd das grab nit machen lassen, bifi dafi ein Ersamer Magistratt, Burgermeister, Richter vnd Rath dahin, In die Khirchen gangen, vnd da Sich die Pfaffen die Khirchen zu offnen vervvidert, haben Sij dieselb durch den Schlosser aufflassen thuen vnd das grab machen lassen, daruber die Pfaffen erzurnt vnd Baum aufireissen wollen. was darauG wirt, gibt die Zeit, der Teuffel wuettet ln Pfaffen des sij sich, noch Gottes nicht furchten. M. Georgius Dalmatinus hatt in der Spitalkhirchen die leichpredig getan.« Von unserem Standpunkte aus war die Vornahme pro- testantischer Kultushandlungen im Dom ein Ubergriff und der Widerstand dagegen ein berechtigter. Der Unwille, den man von protestantischerSeite daruber empfindet, beweist die sichere Stellung, die dem Protestantismus damals in Krain gegonnt vvar. 1 ) ') Dimitz berichtet (3,80) liber den Vorgang und seine iiblen Folgen. Auf diesen Vorfall spielt auch ein scheinbar bisher noch nicht beachtetes eigenhandig gezeichnetes Mandat des Erzherzogs Carl vom 15. November 1581 (Original im krainischen Landesmuseum »Rudolfinum«) an. 54 Als im Jahre 1581 in die Kirche S. Peter dem protestantischen Leichenzuge der Eintritt verwebrt wurde, bequemte man sich ubrigens zu einem weniger gewalttatigen Verfahren wie im Vor- jahre, wie folgender Eintrag beweist: »Den 19. Marty am Palm- sontag ist Walpurga, Christoff Trexlers weib bey S. Peter begraben, die Ich Špindler beclaitet vnd auf dem freythoff (weil der Pfaff in der Kiirchen damals gepredigt) ain kurze vermanung gethan.« Eine heute uobekannte Sitte, wohl eine Nachv/irkung romischer Gebrauche, bei evangelischen Beerdigungen war die Aufstellung des Sarges wahrend des Gemeindegottesdienstes. Mehrfach wird bemerkt: »Ist zur windischen (oder teutschen) Predig vnd darnach gehn S. Peter etc. getragen vnd begraben worden.« Eine Reihe namhafter krainischer Adelsgeschlechter treten in unserer Sterbematrik auf. Mit besonderer Feierlichkeit unter An- fohrung aller Titel wird genannt der 1581 verstorbene »Obrist auff der Crobatischen Meer Granzen« Weikhardt Freyherr zu Auersperg; im vorangehenden Jahre 1580 verstarben zwei andere Glieder desselben Geschlechtes und wurden evangelisch bestattet, ein Kindlein Hanfi Bernhardt und ein Brautvater Hanfi von Auers¬ perg. Ferner finden wir eine »Frau Schnitzenpaumerin geborene Freyhin von Dietrichstain«, Joseph Haller zu der Alben, Hans von Gallenberg zu Landtspreift, Maximilian von Lamberg und andere Vertreter des Adels. 1 ) Bedeutsam fur die Presbyteriologie erscheinen die Eintrage liber das Ableben evangelischer Pradikanten. An solchen finden sich folgende: »Den 26. Octob. (1578) ist herr Georg Juritschitsch Feld- predicant zu S. Peter begraben worden, welcher im Anfang vnd hernach der Crainerischen Kiirchen sambt seinen Mitgehilffen viel gedient, indem er die Pabstische Mefi, Abgotterey vnd lrthumb gestrafft vnd den rechten weg zur ewigen Saligkeit vnd waren Gottesdienst gezaigt. dem Ich Christoff Špindler die Leichpredig gethan. Er ist gestorben an deren Leberflufi, welchen er auft dem Feld vnd Crabaten heimbracht. Gott geb Im ain froliche Auff- erstehung vnd vnfi allen ain saligs End.« — Dieser Juritschitsch ist unter dem Namen Cobila Juri (Stutenjorg) zu besonderer Be~ riihmtheit gelangt. ’) Die diesbeziiglichen Eintrage sind abgedruckt in Schiviz, Adel in den Matriken Krains. Gorz, 1905, S. 453. 55 »Den 21.february (1585) nach dem Newen Calender vnd dem 11. nach dem Alten Cal. ist an morgens bald nach zehen Uhr sanfft in Christo eingeschlaffen weilland der Ehrwurdig vnd Christlich Herr Hans Schweiger aufi der Gottschee burtig, einer E. Land- schaft in Crain gewester Euangelischer windischer Prediger alhie zu Laybach, dem Herr Christoph Špindler den tag hernach die Leichpredig gethan auE 2 Reg : 4 vnd die Leich zu S. Peter am Kirchhoff bestatigt worden. 8 Uhr.« Wahrend hier Špindler mit dem neuen Kalender sich bereits abgefunden.hat, lautet ein Eintrag des vorangehenden Jahresl584 noch: »den 25 January nach dem Anti Cristischen Callender«. Noch scharfer ist folgender Eintrag aus dem zerstorten Tauf- buche, aus dem P. Hitzinger (»Mitt.« 1864, S. 52ff.) ebenso wie aus dem zerstorten Trauungsbuche Auszuge gegeben hat: »Anno 1584 den 8. Januarii nach des Antichrists geanderten verworrenen Kalender, den wir Prediger mit vorgehender ernstlicher Protestation wider den Pabst vnd Antichrist zu Rom, allein vnserer vorgesetzten Obrigkeit zu Gefallen als ein vveltlich Robott angenommen haben, habe ich Felicianus Truber ein Kind in der Kirch getauft.« Ein weiterer Pradikantentodesfall ist der folgende: »Den 29. decemb 1585 am Sontag intra Nativitatem Christi et Circum- cisionis Dnj ist der fromme Alte bestendige vnd eiferige Prediger des hailigen Euangeliums am Karst vnd Ysterreich herr MattheE Siutschitsch salig, welcher zu Raunach gestorben vnd Ime dort kein Stattle zur begrebnuE vergunstigt hatte wellen werden, hieher auff Labach gebracht, dem Ich Špindler die leichpredig ex 2 Timoth. 4; Nune immolar etc. gethan vnd hernach gen S. Peter getragen, vnd daselbst ehrlich begraben worden.« Auch der Name des Gegenreformators und Leichenschanders Bischof Chron kommt vor; stammte er doch aus einer evangelischen Familie: »Den 5. December 1575 ist in S. Peterskiirchen begraben herr Leonhart Kreen salig, dem Ich Špindler die Leichpredig gethan. Genes. 5 vom Enoch.« Dimitz erwahnt diesen Leonhardt Kreen mit den Worten: »Thomas Chron (Kreen), der Sohn des evangelischen Laibacher Rathsherrn Lienhard Kreen, welcher mehr als einmal die Biirger- meisterstelle bekleidet hatte.« Eine Kreengasse wird an anderer Stelle in unserer Matrik ervvahnt; nach der Meinung des krainischen 56 Historikers P. v. Radi c s ist diese heute noch in Laibach be- stehende Gasse nicht nach dem herrschgewaltigen Bischof, sondern nach dem einfluflreichen Biirgermeister Leonhardt benannt. Das »evangelische Laibach« ist zerstort worden durch die hauptsachliche Mitwirkung Bischof Chrons. Chron hat seiner Kirche die groftten Dienste geleistet, indem er durch Nieder- werfung des Protestantismus in diesen Grenzmarken Italien vor dem Gifte der Ketzerei schutzte; aber er hat Krain in geistige und politische Knechtschaft zuriickgevvorfen und es wirtschaftlich aufs tiefste geschadigt. 1 ) ') Dimitz, 3, 377ff. NARODNR IN UNIVERZITETNA KNJIŽNICA 00000476228 £>KL Druck von W. Hamburger, Wien VI. Mollardgasse 41. C