Wohin? „Mein Missionsproblem ist die Stimme" So meinte Pater P. Taschler MFSC, Radiosprecher des Senders Tarma in Peru, als er während seines Heimaturlaubes bei uns in Ellwangen weilte. Die Radioansprachen machen ihm keine Schwierigkeiten, aber seine über 5000 Schüler, die er wöchentlich zu unterrichten hat, oft in Gruppen zu 200 bis 1000 Schülern in einem Raum. Hier kann er nur noch mit seinem elektrisch verstärkten Sprachrohr durchdringen, das er mit sich führt. Prälat A. Kühner 25 Jahre Priester Am 29. Juni waren es 25 Jahre, daß Mons. Kühner im Dom zu Brixen zum Priester geweiht wurde. Sein Jubiläum feierte er mit einem Pontifikalamt am Abend in der am gleichen Tag morgens eingeweihten Kirche von Huanuco. Seine Heimatgemeinde Bachenau ehrte ihn und beging in einem schönen Fest am 15. September seinen Festtag, als Prälat Kühner sich auf der Durchreise zum Konzil befand. Missionare sollen „freiwillig-gezwungen" gehen Combonianerpater Pierluigi Vignocdii war vom 5. August bis 3. September von den Behörden im Südsudan eingesperrt gewesen, weil er sich weigerte, ein Dokument zu unterschreiben, das bestätigen sollte, er verlasse das Land auf eigenen Antrieb. Die Regierung von Khartum bräuchte nämlich derartige Erklärungen um nachweisen zu können, daß die Missionare und Schwestern vom Sudan nicht vertrieben würden, sondern freiwillig das Land verließen. Lateinamerika ist eine bren nende Aufgabe der Kirche jn der ganzen Welt geworden die jeden Christen angeht. Dy deutschen Katholiken antwor. ten durch die Adveniat-Hi|fs1 aktion für Lateinamerika. |ü Ziel: Heranbildung tüchtiger Priester für eine wirksame Überwindung der Seelsorgs. not und sozialen Probleme, ^ vielleicht in letzter Stunde. Der Bevölkerungszuwachs von Südamerika ist der stärkste der Welt. Im Jahre 2000 wer-den es über 600 Millionen sein, In 40 Jahren also hat das Christentum 400 Millionen Men-sehen zu gewinnen, — oder einen Kontinent zu verlieren. efern cferTsleger ZEITSCHRIFT DER MISSIONARE SÖHNE DES HLST. HERZENS JESU November/Dezember 1963 Jährlicher Bezugspreis: DM 3.— S. 15 Lire 500 Einzahlung: Missionshaus Josefstal Postscheckkonto Stuttgart 540 66 Scheckkonto 862 11 Stern der Neger Herz-Jesu-Missionshaus Milland Bressanone/Brixen C. C. P. 14 7392 Trento Bestellung: Missionshaus Josefstal 709 Ellwangen/Jagst Postfach 28 — Missionshaus Maria Fatima Unterpremstätten bei Graz — Herz-Jesu-Missionshaus Milland Brixen Herausgeber und Verleger: Kongregation der Missionare Söhne des Hist. Herzens Jesu Ellwangen/Jagst Josefstal Schriftleitung: P. Udo Baumüller MFSC Missionsseminar St. Josef 709 Ellwangen/Jagst Postfach 28 Druck: Schwabenverlag AG Zweigniederlassung Ellwangen/Jagst Mit kirchl. Druckbewilligung und Erlaubnis des Generalobern Unsere Bilder: Klose 6; Lang 9; Oberstaller 3; Steyl 3; Pezzei 2; Kohnle 2; Fides 1; Hurler 1. ein staatliches Schul-es reicht bei wei-aus. Nur jeder zweite Bewohner Lateinamerikas kann eine Schule besuchen. Die Kinder verkümmern geistig und religiös. Eine geord-Seelsorge in Lateinamerika erforderte 160 000 Priester. Nur 30 000 stehen zur Verfügung. Sechsmal so viel müßten es sein. Infolge des Priestermangels vermischen sich altes heidnisches Brauchtum und Christentum immer mehr. „Ma-cumba“ z. B. ist eine typische Form des südamerikanischen Spiritismus, der sich vor allem unter den Negersklaven Brasiliens ausbreitet. „Sind die Wassergöttin Jemanja und die heilige Jungfrau nicht eins? — und Ogun, der Geist aus der afrikanischen Steppe, und St. Antonius nicht derselbe?“ (Continent in der Krise Das niedere Volk muß um geringen Lohn für die Großgrundbesitzer arbeiten. Die Hälfte aller Einwohner Lateinamerikas kann sich nicht satt essen. 80 Prozent des gesamten Landes ist im Besitz einiger Millionäre. Moderne Luxusbauten in den Großstädten, Elendsviertel am Rande. Wie lange erträgt das der Indio noch? Revolutionen und Regierungs, krisen scheinen in Lateiname. rika an der Tagesordnung 2u sein. In Europa lächelten viele bisher über die Putsche der Generäle und den Sturz von Diktatoren. Heute ist Latein, amerika ein brodelnder Vulkan. Das zeigen uns die Vor. gänge auf Kuba, das zeigen uns die Sympathien für Fidel Castro in allen südamerikani-sehen Ländern. Der Ausbruch dieses Vulkans kann die Welt in Brand stecken. \ Die Kommunisten warten darauf, ja versuchen, den Ausbruch herbeizuführen. Was tun wir? Was tut die Kirche dagegen? Heute fordern immer mehr Bischöfe beschwörend einen grundlegenden sozialen Strukturwandel für den Subkontinent: Landreform, Wohnungsbau, Arbeit und gerechten Lohn für alle. Was unternehmen die Missionare unserer Kongregation? Das lesen Sie auf den folgenden Seiten. Seminar and tvatechetenschule in Tarma Von P. Lang Im März 1961 tagten in Lima die verantwortlichen Berufswerber aus 40 Diözesen und Prälaturen Perus unter Leitung des mexikanischen Jesuiten P. Bortoni. Bisher hatte Lima praktisch das einzige, große Weltpriesterseminar in Peru, einem Land, das größer ist als Deutschland, Frankreich und Italien zusammen. Die wenigen Knabenseminare schienen, wenn sie nicht in den Händen von Ausländern waren, unrentabel. Nun hat man, mit Hilfe aller in Peru arbeitenden Orden und Kongregationen neue Wege gesucht. Während dieser einwöchigen Tagung wurde besprochen, erarbeitet und geplant, was für die Zukunft des Klerus im Lande getan werden muß. Noch wissen wir nicht, was in den vergangenen zwei Jahren durchgeführt wurde. Doch wurde allerorts in Peru viel unternommen. Die Erzdiözese Lima erhielt in diesem Jahr ein 300 Schüler fassendes Knabenseminar, das mit Hilfe von Kardinal Cushing in Boston (USA) in einem Jahr erstellt wurde. Ganz in der Nähe bauten die deutschen Patres von Hiltrup zur gleichen Zeit für ihren eigenen Nachwuchs ein sehr nettes Seminar, das bereits eröffnet ist. Bauplan und Leitung beider Seminare lagen in den erfahrenen Händen des deutschen Architekten Paul Linder aus Lima, der auch für unsere viel bewunderte Kirche und den Konvent von Huanuco die Pläne lieferte. Ihm konnten wir daher auch die Anfertigung der Baupläne des neu zu erstellenden Seminars in Tarma anvertrauen. Prälat Anton Kühner legte am 1. Juni 1962 hierzu den Grundstein. Der Neubau ersteht Es wäre nun einfach gewesen, auf das herrlich am Stadtrand gelegene, 10 000 Quadratmeter große Gelände den ganzen Baukomplex zu erstellen, wenn Gelder und Baufirmen vorhanden gewesen wären. Aber weder in dem 15 000 Einwohner zählenden Tarma noch in der Umgebung bis zu dem 250 Kilometer entfernten Lima existiert ein Bauunternehmen. So blieb keine andere Möglichkeit, als eine eigene Baufirma zu gründen. Der Prälat rief sich seine Leute, die ihm in allen größeren Dörfern die Krankenstuben und Caritasheime gemauert hatten, zusammen. Ebenso wurden aus Tarma Hilfsarbeiter und „Spezialisten" geholt, so daß wir bald mit 30 bis 40 Männern auf Hochtouren schaffen konnten. Monsenor Kühner stand nun selbst oft von morgens bis abends auf der Baustelle, um die Arbeiten zu beaufsichtigen und wenigstens die Grundmauern gesichert zu wissen. Als er dann im September zum Konzil abreiste, wurde er zum ersten, feierlichen Fußballspiel seiner Arbeiter eingeladen, die auf dem Seminargelände bereits einen schönen Fußballplatz für sich selbst eingerichtet hatten. Seitdem steht ihre Mannschaft auf der „internationalen Liste" und spielt Sonntag für Sonntag in ihrem blauweißen Dress unter dem Namen „Seminario Tarma". Mit seiner Abreise übergab nun Prälat Kühner die Bauleitung an Bruder Kuno Stößer, der als praktischer Arbeiter und Handwerker sich bald in die Pläne eingelesen hatte und seitdem täglich die Bauarbeiten überwacht und leitet. Er fühlt sich auch so in seiner neuen missionarischen Aufgabe noch wohler als bisher. Seine Sorgen sind jetzt Sand und Backsteine, Zement, Eisen und Bauholz rechtzeitig und billig beizubringen. Für sanitäre Anlagen und Fußböden reist er nach Lima, um an Ort und Stelle das Notwendige auszusuchen und zu bestellen. Er steht an der Zementmischmaschine wie auf dem Gerüst, gibt Anweisungen für den Treppenhausbau wie für den Dachstuhl. Nach seiner Berechnung wird der erste Bauabschnitt des für 150 Schüler geplanten Seminars dieses Jahr fertig und am 1. April 1964 kann das dreistöckige Hauptgebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Allzweckbau Das Gebiet der Prälatur Tarma mit seinen 225 000 Katholiken hat die Größe Württembergs. Mit dem Seminar wollen wir nun einen Bau erstellen, der allen unseren Zwecken dienlich ist. Er hat die Aufgaben: 1. Seminar: Seit zwei Jahren besteht im Hause des Herrn Prälaten ein kleines Knabenseminar mit zehn Studenten. Fünf davon kommen aus der deutschen Kolonie von Pozuzo. Da wir nun durch unsere Schulaktion ständigen Kontakt mit allen Buben der Provinz haben, konnten wir etliche Bewerbun- gen für dieses Jahr nicht an-nehmen, weil die Räumlichkeiten fehlten. Mit dem neuen Seminar wird nun Platz genug sein, um gerade künftige Seminaristen bevorzugt aufzunehmen. 2. Internat: Doch die Zahl der Seminaristen wird noch beschränkt bleiben, da es noch Jahre braucht, bis wir durch Familien- und Schulerziehung die notwendige Reife zum Priestertum erreichen können. Nun ist es für viele im Lande schwer, zum Studium zu gelangen, weil in der Prälatur kein einziges Internat für Buben existiert. Lehrer und Ingenieure ersuchten bereits um Aufnahme ihrer KJr, der, damit sie unter štreno» Aufsicht und deutscher Diszipi^ die nötige Erziehung erhalten Um daher allen sozialen Schieb ten des Landes zu helfen, hat sich Monsenor Kühner entschloß sen, diese Gruppen aufzuneh-men, um so die spätere führen-de Schicht des Landes mitzufor. men. 3. Katechetenschule: Das soll ein wesentlicher Zweig des Sem;, nars werden. Minister Dr. Weis erkannte in seinem weitblickenden Artikel ganz klar: „Eine vorläufige Lösung des Priester-mangels in Südamerika ist die sofortige Lösung des Kateche- Der Neubau des Seminars schreitet fort. Von links nach rechts: Br. Kuno, Prälat Kühner, P. Lechner, P. Lang. tenproblems". Das Volk erwacht immer mehr, überall entstehen Schulen, auch für Erwachsene (Analphabeten). Verlieren unsere Leute Glauben und Führung, so verlieren sie jeden Halt und sind morgen dem atheistischen Bolschewismus ausgeliefert. Den 60 000 kommunistischen Propagandisten in Südamerika müssen wir geschulte Männer entgegenstellen. Zudem können wir ja auf die Dauer nie in den Indiodörfern in 3000 bis 5000 Meter Höhe leben. Überwachung und zeitweise Besuche sind leichter möglich. Der Katechet aus diesen Orten kann uns vieles abnehmen. Deshalb wollen wir jährlich zwei Katechetenkurse abhalten, bei denen geeignete Männer aus allen Dörfern geschult werden, die dann die verantwortlichen Hirten in ihren Gemeinden sein sollen. Die Ausbildung hat folgende Punkte: a) Intensiver Unterricht in der Glaubenslehre, (Credo, Gebote, Sakramente). b) Liturgie (Meßdienst und Nottaufe) c) Leitung des sonntäglichen Gebetsgottesdienstes (Gebete, Rosenkranz, Lieder) d) Mithilfe in Caritas und Krankenpflege e) Stete Verbindung zur Pfarrei und Prälatur (Ehen, Krankenölung). Der halbjährige Beisuch der Katechetenschule ist kostenlos. Jeder Kurs wird abgeschlossen mit einer Prüfung über den gesamten Stoff, Aushändigung des Diploms und feierliche Sendung durch den Prälaten. Die besten Katecheten werden dann als Direktoren eines ganzen Distriktes eingesetzt. Freilich müssen wir diesen dann eine monatliche Entschädigung von 30 bis 50 DM geben. Bruder Kuno Stößer inspektiert als Bauleiter den Fortgang der Arbeiten am seminarbau. Das Dach wurde von ihm selbst entworfen. Hier zeigt sich wieder einmal, wie vielseitig begabt ein Brudermissionar sein sollte. 4. Exerzitienhaus: Soweit es zeitlich und räumlich möglich ist, soll im Seminar außer für Priester auch für Lehrer und Angestellte, Jugendliche und Erwachsene Gelegenheit für Exerzitien gegeben werden, um so durch religiöse Vertiefung eine gewisse Elite im Lande zu schaffen. Freunde des Seminars Tarma Ein für uns großes Problem war und ist die Finanzierung des ganzen Vorhabens, sein Aufbau und seine Erhaltung. Dank der deutschen Katholiken konnten wir bisher aus der Adveniat-sammlung 1961 den halben Rohbau erstellen und hoffen, mit der weiteren Zuwendung von 1962, das Haus vollends unter Dach zu bringen. Diese Euere hochherzigen materiellen Opfer werden sicherlich auch vom ständigen Gebet begleitet sein, denn wir wissen, daß letztlich der Herr dieses Haus segnen und unser Werk erhalten muß. Ich kam nach Tarma Von Fri. Holder Nach fünfwöchiger Seefahrt landeten wir in Callao-Lima. Im Hafen erwarteten mich meine Tante, Pater Berger, Pater Lang und Sr. Corona. Zusammen fuhren wir in das Kolleg „Maria Goretti". Es gehört den deutschen Schwestern. Ich fühlte mich wie zu Hause. Abends saßen wir beisammen und tauschten Reiseerlebnisse aus. Meine ersten Eindrücke von Peru? Der Verkehr in Lima ist für einen Europäer etwas Unmögliches. Jeder fährt kreuz und quer, wie er am besten vorwärts kommt. Dabei soll es verhältnismäßig wenig Unfälle geben. Die Leute, die einem auf der Straße begegnen sind meistens untersetzt. Alle Schattierungen der Gesichtsfarbe, von schwarz-braun bis weiß, sieht man. Ich bin noch unsicher, denn ich weiß nicht, wie man sich zu diesen Menschen verhalten soll. Bald machten wir uns auf den Weg nach Tarma. Tarma sei schön, sagten die Schwestern, in meinem neuen Wirkungsbereich würde es mir sicher gefallen. Mein Onkel, Prälat Kühner, rief mich zu sich nach Peru, um seine Seminaristen zu betreuen. Lima lag bald hinter uns. Eine schöne Asphaltstraße führte uns schnell in die Welt der gewaltigen Berge, die Anden, Von der Schweiz her war ich kahle Felsen gewohnt, doch der Großteil der Berge ist bewaldet. Diese hier sind kahl, kein Baum oder Strauch. Man gewöhnt sich aber schnell daran. Die Fahrt ging immer höher hinauf, es wurde kälter und bald fing es an zu schneien. Der Ticliopaß, den wir überquerten, liegt 4843 Meter über dem Meeresspiegel. Die höchste Autostraße der Welt. Ringsum sah man Häuser und Menschen, die darin wohnen, und hier in den Minen arbeiten. Dasselbe Bild in Oroya. Die Karwoche hatte begonnen, als wir in Tarma eintrafen. Von all den umliegenden Dörfern kamen die Indios. Am Straßenrand oder auf dem Kirchplatz kampierten sie. Nachts wurde es empfindlich kalt. Die armen Menschen. Abend für Abend fand eine Prozession ihren Weg durch die Stadt. Jedesmal wurden herrliche Blumenteppiche gelegt. Die ganze Stadt war bis tief in die Nacht hinein auf den Beinen. Nach den Kartagen ging alles wieder seinen gewöhnlichen, ruhigeren Gang. Tarma ist tatsächlich ein schönes Städtdien. Es liegt 3000 Meter hoch, sein Klima ist angenehm. Während des Tages scheint meistens die Sonne. In der Nacht wird es ziemlich kühl, ja manchmal sehr kalt. Meine Aufgabe hier im Hause meines Onkels besteht darin, für seine neun Seminaristen zu sorgen. Das besorgte bisher meine Tante. Für diese Buben kochen und waschen ist gerade keine Kunst, wenn man die nötigen Dinge dazu hat. Fünf der Buben sind im letzten Jahr der Grundschule, die hier fünf Jahre dauert. Vier gehen in die Mittelschule. Da geschah es manchmal, daß ich vor ihnen stand und nach spanischen Ausdrücken suchte. Sagte ich welche, die nicht zutrafen für das, was ich sagen oder fragen wollte, demonstrierte ich es mit Gesten oder Zeichen. Glücklicherweise stammen einige aus der deutschen Kolonie Pozuzo, die noch etwas deutsch können. Sie waren meine ersten Helfer. Das Einkäufen auf dem Markt ist auch eine Sache für sich. Es muß immer gefeilscht werden, selbst um einen Hosenknopf. Tut man nicht mit, so ist das dem Verkäufer nicht einmal recht. Eine große Erleichterung für den Haushalt besteht darin, daß man das ganze Jahr über frisches Gemüse und Obst haben kann. Das Gemüse aus Tarma soll in vielen Teilen Perus bevorzugt werden. Ich hoffe mit meiner bescheidenen Arbeit auch mithelfen zu können, dem erschreckenden Priestermangel in Peru abhelfen zu können. Prälat Kühner vor seinem Palais, mit seiner Schwester und seiner Nichte. Schwester Martha Sie lag krank im Bett, als der menküche, Nähstube und Arzt- des Katecheten, aufgebaut wer-H. H. Prälat A. Kühner bei ihr zimmer. Zwölf solcher Häuser den." eintrat. Auf der Durchreise zum sind fertig. Aus der Misereor- Schwester Martha, bereits 77 Konzil wollte er seine treue Aktion der deutschen Katholi- Jahre alt, weiß nun, daß mit Missionshelferinbesuchen. Schon ken wird mir ein Arzt und eine allen Mitteln diesen ärmsten über acht Jahre lang schneidert Krankenschwester bezahlt. Et- Menschen geholfen wird. Sie und strickt Schwester Martha, wa 23 000 Arme habe ich zu ver- selbst hat sich all die Jahre in aus der Gemeinschaft der St.- sorgen, aber die Indios sollen bewundernswerter Weise in den Anna-Schwestern in Ellwangen, sich allmählich selbst helfen. Ge- Dienst der Weltmission gestellt, für die ärmsten Kindern in Pe- legenheit und Mittel dazu sol- Sie wird einmal in den Indio-ru und Südafrika. Sie freute sich len gegeben werden. Mit den kindern, von denen viele ein sehr über den Besuch des Herrn zwölf Komitees de carita's ist Wolljäckchen oder ein warmes Prälaten. ein verheißungsvoller Anfang Häubchen von ihrer Hand ver- „Idi bin gerade daran, in jedem gemacht. Zunächst sollen 50 sol- fertigt tragen, große Fürsprecher Dorf meiner Prälatur Caritas- eher Hilfsgruppen zu je sechs haben im Himmel. Zentren zu errichten, mit Ar- bis zehn Leuten, unter Führung Der Jünger, der beim letzten Abendmahl an der Brust des Herrn ruhte, hat mehr als die meisten anderen die Glut der Liebe Jesu erfahren dürfen. Das fromme Mittelalter hat die Szene besonders geliebt, und in seiner symbolfreudigen Kunst wird aus der „Jesus-Johannes-Gruppe" eine der schönsten Herz-Jesu-Darstellungen aller Zeiten. Zugleich wird Johannes aber auch zum Vorbild für all die Menschen, die sich in vertrauensvoller Innigkeit in der Liebe des Herzens Jesu geborgen wissen und mit dem Psalmisten sprechen: „Ich werde immer bei Dir sein: Du hast ja meine rechte Hand ergriffen, Du leitest mich nach Deinem Plan und wirst einmal zur Herrlichkeit mich führen. Wen hab' ich denn im Himmel außer Dir? Und wenn ich bei Dir bin, so freut mich nichts auf Erden. Mag auch mein Fleisch und Herz mir schwinden, Du bleibst doch meines Herzens Fels, mein Erbteil jetzt und immer ... Denn Deine Nähe ist mir Seligkeit, auf Dich, den Herrn, setz ich all mein Vertrauen." (Ps 72,23—28) „Jesus und Johannes", 14. Jahrh. Heiligkreuztal bei Riedlingen Nach achtjähriger Bauzeit dürfen wir voller Freude und Genugtuung auf das vollendete Werk schauen: die neue Pfarrkirche St. Peter in Huanuco, Peru. Spätere Generationen werden unter dem 29. Juni 1963 folgenden Vermerk in der Pfarrchro-nik finden: „Am 29. Juni 1963, Fest des Heil Petrus und Paulus, wurde die neue Kirche St. Peter vom Hwst. Herrn Bischof von Huanuco, Mons. Ignacio Arbulu Pineda feierlich konse-kriert und eingeweiht. An der eindrucksvollen Zeremonie nahm neben dem Klerus aus Huanuco und zahlreichen Gläubigen auch St. Peter in Huanuco Von P. G. Klose Bischof Ignacio Arbulu bei der Konsekration der Apostelkreuze. jer Hwst. Herr Prälat aus Tar-jja, Mons. Antonio Kühner, teil'“ piese beiden Daten, 13. Februar j|955 Baubeginn und 29. Juni )963 Abschluß, sind gleichsam [der große Rahmen, in den sich jie Baugeschichte unserer neuen ipfarrkirche einfügt. Es waren 3cht arbeitsreiche und sorgenvolle Jahre. Alle in Peru arbeitenden Patres und Brüder unterer Kongregation haben di-rekt an diesem Bau mitgeholfen; so mancher hat selber mit fland angelegt. Indirekt haben juch unsere Mitbrüder und Wohltäter in der Heimat mit zu diesem Werk beigetragen. Al- len sei an dieser Stelle ein recht herzliches Vergelts Gott gesagt. Wir können mit Zufriedenheit sagen: Die Kirche ist ein gelungenes Werk. Herr Architekt Linder aus Lima, ein Deutscher, hat den Plan entworfen. In ihren einfachen oder modernen Linien gefällt die Kirche doch den meisten Gläubigen, wenn auch noch nicht allen, denn eine Kirche in diesem etwas neuen Stil, vor allem ohne viele Nischen, Altäre und Winkelchen, um alle Heiligen der Allerheiligenlitanei unterzubringen, ist für hiesige Verhältnisse etwas völlig Neues. Anfangs konnte man deshalb auch verschiedent- lich hören: „Esta eglesia es muy alemana!" d. h. diese Kirche ist sehr deutsch. Aber allmählich sehen auch die hiesigen Bewohner ein, daß die erhabene Schlichtheit unserer Kirche ihren tieferen Sinn und Zweck hat. Das Kreuz mit dem fast überlebensgroßen Christus über dem Hochaltar lenkt sofort die Aufmerksamkeit auf sich und damit auch auf den Tabernakel, dem wesentlichen Mittelpunkt einer jeden katholischen Kirche. In diesem Gotteshaus wird der Gläubige nicht durch so viele Heiligenstatuen und Bilder abgelenkt wie es in den hiesigen Kirchen sooft der Fall ist. Einem ißischof Ignacio Arbulu bei der Ansprache. beliebigen Heiligen wird oft mehr Verehrung dargebracht als dem allerheiligsten Altarsakra, ment. In unserer Kirche dürfte dieser Wertverkehrung ein Rie gel vorgeschoben sein. heißt natürlich nicht, daß sämtliche Heilige aus dem Got. teshaus verbannt hätten, kei. ne s wegs! über dem jeweiligen Altar iö den beiden Seitennischen ste-hen die beiden Apostelstatuen des Heiligen Petrus und Paulus Ihre schlanken und eindrucks- vollen Gestalten regen die Gläubigen jedenfalls zu einer echten Andacht und Verehrung an. Beide Statuen stammen aus der Holzschnitzerwerkstatt Mersa in Brixen, wie auch die etwas kleinere Statue des Heiligen Josef, dargestellt als Patron der Arbeiter mit seinen Handwerkszeugen Hammer und Hobel, etwas ganz Neues für die Indios, die den Heiligen Josef gewöhnlich nur mit dem Jesuskind und der Lilie dargestellt kennen. Für den inzwischen weltbekannten peruanischen Heiligen San Wir finden auch in der neuen Pfarrkirche eine eigene Muttergotteskapelle, ebenfalls mit bunten symboltragenden Glasfenstern ausgeschmückt. Die vier marianischen Symbole stellen dar die Verkündigung des Erzengels an Maria, die Geburt Christi, die Aufnahme Mariens in den Himmel und ihre Krönung unter dem Jubel der Engel und Heiligen, über dem Altar dieser Kapelle thront die fast zwei Meter hohe Statue der Gottesmutter, dargestellt als „Maria Auxiliadora". Im ganzen gesehen ist die neue Pfarrkirche aus einem Guß. Formen und Farben stehen in wohltuendem Einklang. - Ein Werk, das unserer Kongregation Ehre macht. Vielleicht ist es kein reiner Zufall, daß wir in diesem Jahr die neue Kirche vollenden konnten, denn es werden heuer 25 Jahre, daß die ersten drei Patres unserer Kon-regation zum erstenmal peruanischen Boden betraten. Ein ganz ehrliches Deo gratias sei Gott gesagt! Uartin de Porras haben wir im Lchten Seitenschaff einen kleinen Seitenaltar gleich von Anfang an eingerichtet. Dieser liebenswürdige, dunkelhäutige San vlartin ist wohl unter den peru-jiiischen Katholiken der beliebtste Heilige, zu dem sie ein grenzenloses Vertrauen haben, per besondere Schmuck und ganze Stolz der neuen Kirche 5ind die bunten Glasfenster mit ihren sinnreichen Symbolen. Der Leitgedanke, der uns bewog, diesen Schmuck auszuwählen ist folgender: Jedes Gotteshaus ist gleichsam ein Abbild der von Jesus Christus gegründeten Kirche, die sich als die eine, heilige, katholische und apostolische von allen übrigen Religionsgemeinschaften unterscheidet. Und nur in dieser Kirche, die diese vier Wesensmerkmale an sich trägt, fließen die Gnadenquellen der sieben Sakramente. Der Besucher von San Pedro wird deshalb in den künstlerisch sehr gut ausgeiführten Glasfenstern die Symbole der vier Hauptmerkmale der katholischen Kirche finden. Außerdem wird er die sieben Sakramente in ihrer einfachen und klaren bildlichen Darstellung sehr leicht erkennen. Da Sankt Petrus der erste Papst der von Christus gestifteten Kirche war und zugleich auch Patron unserer Kirche und Pfarrei ist, erscheint er im Hauptfenster der Fassade auf der Ka-thedra sitzend, welche ihrerseits auf einem Felsen ruht, gegen den die Wogen des Meeres branden, über Sankt Petrus schwebt der Heilige Geist und in den beiden begleitenden Sei-tenfenstem erinnern uns Fischmotive daran, daß Petrus einst seine Netze im See Genesareth auswarf, dann aber von Christus zum großen Menschenfischer berufen wurde. Diese drei Fassadenfenster mit dem blaugrünen Grundton bilden eine harmonische Einheit und sind der schönste Schmuck in der neuen Kirche. Das Leben der Gottesmutter ist nicht zu trennen von dem des Gottessohnes. Unsere Sternsinger Von P. J. Kohnle Fast ein Jahr ist vergangenen, seitdem eine kleine Gruppe von Studenten aus unserem Herz-Jesu-Missionshaus in Milland den Plan gefaßt hatte, während der Weihnachtsferien als Sternsinger für die Mission zu sammeln. Bald wurde der Plan Wirklichkeit. H. Pater Rektor kaufte den Stoff für die Gewänder der „Drei Könige". Unsere Schwester Oberin schneiderte sie. Weihnachten rückte näher. Die Studenten übten fleißig ihre Lieder, mit denen sie von Dorf zu Dorf, von Haus zu Haus ziehen wollten. Die Weihnachtsferien dauerten für die Sternsinger nur wenige Tage. Am Fest des Heiligen Stephanus kehrten sie wieder in das Missionshaus zurück. Sie verzichteten auf die schönsten Ferien des ganzen Jahres. Ein anerkennenswertes Missionsopfer. Sie brachten dieses Opfer mit Freude. So zogen die sechs Jungen am 27. Dezember 1962 unter Führung von Frater Schmidpeter, unserem Chorleiter, los. Bei Schnee und Kälte durchwanderten sie das Pustertal, besuchten die Dörfer Niederrasen, Gais, Die beiden Apostelstatuen für St. Peter in Huanuco. Uttenheim, St. Johann, St. Jakob und St. Peter im Ahmtal, Abtei im Gadertal, sowie Vinti und Mittenwald, überall wurden sie von den Seelsorgern und den guten Leuten, die ihnen Quartier boten, gastfreundlich auf-genommen. In jedem Haus sangen sie neben ihrem Stemsingerlied einige ihrer dreistimmigen Lieder und gaben in wenigen Worten den Zweck ihres Kommens an. Die Leute haben unsere Sternsinger nicht enttäuscht. Sie gaben oft von dem Wenigen, das sie besaßen, reichlich. Allen diesen großzügigen Spendern ein herzliches Vergelts Gott! Und das Ergebnis? Sicher wird dies viele unserer Leser interessieren: 640 000 Lire (ungefähr 4250 DM) waren zusammengekommen, über die genaue Verwendung der Spenden war man sich bald einig. Nach Rücksprache mit H. Pater Rektor bestellten wir bei dem bekannten Bildhauer Mer-sa in Brixen zwei Statuen und zwei Altarkreuze in Lebensgröße. Die beiden Statuen, Petrus und Paulus, wurden für unsere neue Kirche in Huanuco (Peru) bestimmt, die beiden Altarkreuze für unsere Mission in Südafrika. Unser Hochw. Missionsbischof Anton Reiterer hat schon zu Beginn dieses Jahres durch einen herzlich gehaltenen Brief und ein schönes Buch unseren Stern-singern seinen aufrichtigen Dank und seine Anerkennung ausgesprochen. Er lobte besonders ihre Opferbereitschaft für die Sache der Weltmission. Es ist wohl bestimmt im Sinne unseres Bischofs, wenn wir diesen Dank und diese Anerkennung weitergeben an alle, die durch ihr Opfer auf diese Weise unseren Missionaren geholfen haben. Sicher werden in den kommenden Weihnachtsferien unsere Sternsinger wieder überall von opferbereiten Missionsfreunden tatkräftig unterstützt werden. Sie helfen Christi Reich ausbreiten. Vielmals grüßen die Sternsinger aus Milland! Bedrohung der Mission Von P. Pereira S. J. Der Materialismus Man hat einmal gesagt, der Kommunismus lehre den Materialismus, und die westlichen Völker praktizierten ihn. Ist es nicht tatsächlich praktischer Materialismus, wenn im Westen anscheinend alles dem Lebensstandart zu dienen hat und die ganze Zivilisation auf unser leibliches Wohl abgestimmt ist? Kraftloses Christentum Die katholische Kirche ist zweifellos die stärkste und geschlossenste religiöse Gemeinschaft und hat die größte moralische Autorität. Wir zählen rund 500 Millionen Katholiken auf der Erde - aber wie viele sind wirklich ganze Katholiken? Wenn wir den Besuch der Sonntagsmesse als Maßstab nehmen: In Frankreich sind es 12 Prozent, in Österreich 33 Prozent, in Italien 40 Prozent, und bei uns 48 Prozent, die ihre Sonntagspflicht erfüllen. Im ganz katholischen, aber überaus priesterarmen Südamerika sind nach Aussage der dortigen Bischöfe nur 10 Prozent der Frauen und 3 bis 4 Prozent der Männer als praktizierende Christen anzusprechen. Nüchtern betrachtet wird man wohl die Zahl der Christen auf etwa 110 Millionen praktizierende Orthodoxe und Protestanten und auf höchstens 200 Millionen praktizierende Katholiken reduzieren müssen. Dieses kraftlose Christentum des Westens wirkt sich natürlich auch in Asien und Afrika aus. Was die Europäer dort in den letzten Jahrhunderten an Ärgernissen auf sittlichem und religiösem Gebiet sich geleistet haben, ist ein Kapitel für sich. Hinzu kommt das soziale Ärgernis, daß man nämlich die Eingeborenen zu spottbilligen Löhnen arbeiten ließ, ihnen nur mit Rücksicht auf den Geldgewinn Alkohol verkaufte und alle Schundfilme vorführte, die den Asiaten und Afrikanern eine Lebenshaltung aufzwingen, die zum geistigen Ruin führt. Der Westen weist gegenüber dem kommunistischen Zwangssystem gern auf seine Freiheit hin. Aber was versteht er unter Freiheit? Ist es nicht oft nur die Freiheit zu Ungebundenheit und Ausschweifung? In gewissem Sinne ist der westliche Materialismus noch schlimmer als der östliche. Nehru sagte einmal zu Abbe Pierre: „Unsere Studenten, die von westlichen Universitäten heimkehren, erkennen keine höhere Idee mehr an und sind der Überzeugung, daß der Westen im Materialismus versunken ist. Zerfallendes Heidentum Durch den Einbruch der westlichen materialistischen Lebensauffassung geht eine große Auflösung des alten Heidentums vor sich. In ihrer Bewun- pause im kleinen Seminar in Kongolo. derung der technischen Überlegenheit des Westens übernehmen die Völker auch dessen geistige Einstellung. Das primitive Heidentum zerfällt zusehends. Die Jugendlichen haben in den Schulen gehört, daß nicht die Geister die Krankheiten erregen, sondern die verschiedenen Bazillen; daß nicht die Geister das Wetter bedingen, sondern die atmosphärischen Veränderungen; daß nicht die Geister die Welt und das Leben regeln, sondern die Naturgesetze. So fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen und sie zählen sich stolz zu den „Aufgeklärten". Aber was wird nun aus diesen Jungen und Mädchen? Wenn sie im Christentum eine neue und sichere Religion finden, die Wissenschaft und Glauben ver- eint, dann ist es gut. Andernfalls vermehren sie den Block derer, die jede Religion über Bord geworfen haben und vom Missionar nicht mehr ansprechbar sind. Bei ihnen gilt nur noch Geld, Fortschritt, Wohlstand. Es ist erschreckend, wie diese Lebensauffassung um sich greift. Die einzige Macht, die das Angesicht der modernen Welt zu prägen scheint, ist für sie der Materialismus. Notlage und Aufgabe der Mission Die Mission leidet unter dem Materialismus von innen und von außen. Von innen: Der Eifer unter den Neuchristen schwindet, weil viele vom Materialismus angenagt sind und den Sinn für das Jenseitige ver- lieren. Von außen: Der Materialismus sucht die Mission zu isolieren und ertötet in den Heiden den ohne Zweifel vorhandenen, oft sehr tiefen religiösen Sinn. Es besteht keine Nachfrage mehr nach Religion! Und doch muß erst recht die Mission das Licht des wahren Glaubens leuchten lassen, und die frohe Botschaft, die allen das Heil bringt, in die Welt hinausrufen. Diese Botschaft ist nie überholt. Der Materialismus kommt vom Westen, der von Gott die Sendung hätte, der Welt das Christentum zu schenken. Die Mission hat das echte Erbe des Abendlandes übernommen und muß die heilsgeschichtliche Sendung des Westens ausführen. In diesem ihrem Auftrag können wir sie nie genug unterstützen. In einem Mixto, halb Omnibus, halb Lastwagen, konnten Pater Georg Klose und seine Schwester Stefanie die romantische Straße von Huanuco nach Llata mit all ihren Schönheiten, Hindernissen und Gefahren erleben. Sie hatten Reifenpanne, aßen und tranken' heißen Tee in einem überfüllten Wirtshaus. Eine ganze Nacht mußten sie auf der Strecke warten, weil ein Erdrutsch die Straße verschüttet hatte. Die Menschen hier in den Bergen haben nun Jahr für Jahr mit diesen Schwierigkeiten zu kämpfen und wissen genau, welche Gefahren sie bedrohen. Aber sie halten aus. In den folgenden Stunden, die wir durch das Marontal fuhren, habe ich Todesängste ausgestanden. Der Weg ist so schmal, daß nicht einmal ein Fußgänger am Wege Vorbeigehen könnte; rechts führt es steil den Berg hinauf, und links fällt der Berg steil ab, direkt in den Fluß. Es gibt weder Baum noch Strauch, der den Wagen aufhalten könnte. Nicht die ganze Strecke ist so gefährlich, aber bestimmt ein Drittel des Weges, der nach Tingo führt. Die Räder schlitterten nur noch und griffen nicht mehr an. An einigen Stellen, wo eigentlich eine Brücke sein müßte, fuhr der Wagen durch Gebirgsbäche, und das in Haarnadelkurven, die nur mit Zurückstoßen genommen werden konnten. Georg sagte zwar nichts, war aber manchmal sehr still und ziemlich blaß. Die Frauen schrien oft entsetzt auf, denn sie spürten ja nur das Rutschen des Wagens und konnten die Gefahr nicht beurteilen, da man durch die kleinen Fenster nur einen winzigen Auschnitt des Weges sieht. Fahrer, die wir in der nächsten Ortschaft trafen, und die uns aus Tingo entgegenkamen, bereiteten uns dar- auf vor, daß wir von Tingo aus wahrscheinlich nicht weiter kämen, da die Brücke wegen Hoch-Wasser gesperrt sei. In Tingo, einem Knotenpunkt, von dem eine Straße nach La Union und eine weitere nach Culquish abzweigt, beide aber über den Fluß führen, kamen wir um 6 Uhr abends an, d. h. also nach 17 Stunden Fahrt. In dieser Zeit hatten wir nur 80 Kilometer zurückgelegt, aber eine Höhe von 1500 Metern überwunden. Normalerweise fährt man mit dem Auto nach Culquish, das am Ende des Tales liegt und von Tingo durch einen Nebenfluß des Maranon getrennt ist, der ungefähr acht Kilometer hinter Tingo in den Maranon mündet. Da keine Brücke über diesen Fluß führt, müssen die Wagen durch das Wasser fahren. Im Sommer ist das kein Problem, da dieser Nebenfluß kaum Wasser führt. Aber in der Regenzeit ist es sehr schwierig, durchzukommen und in diesem Jahr war es ganz besonders schlimm. Das Hochwasser hatte bereits einige Gehöfte erfaßt und niedergerissen. Die Straße zwischen Culquish und Tingo hatte sich an einigen Stellen zum Fluß hin gesenkt oder war ganz abgerutscht, so daß kaum ein Pferd passieren konnte. In Culquish endet die Straße. Man überquert dann eine geländerlose Baumstammbrücke und zu Pferd gelangt man auf einem schmalen Pfad in die Berge. Das ist also der Postweg, der das ganze Jahr über in irgendeiner Weise freigehalten werden muß, In der schweren Regenzeit sind die pueblos in der Sierra oft wochenlang abgeschnitten; es kommt weder Post nach oben, noch kann Obst und Gemüse von Huanuco in die Berge transportiert werden. Diesmal war es wieder so, daß wegen des reißenden Hochwassers die Baumbrücke nicht passierbar war, nicht einmal zu Fuß. Die Wagen bleiben alle in Tingo, von wo sie am nächsten Morgen wieder Richtung Huanuco abfahren. Da saßen wir also. Auch nach La Union war die Straße durch Erdrutsch unterbrochen. Tingo ist nur Durchgangsstation und für Übernachtungen nicht eingerichtet. Was tun? - Erst einmal ordentlich essen. Es gab Spiegeleier mit Bratkartoffeln und einen vorzüglichen Tee, der im Urwald wächst und einen ganz feinen Zimtgeschmack hat. Von Tingo aus sieht man hoch oben in den Bergen, jenseits des Maranon, ein kleines Dorf liegen mit dem Namen Pichgas. Es sah so einladend aus, daß wir uns entschlossen, noch am selben Abend aufzusteigen. Es gab ja nur zwei Möglichkeiten, entweder zu Fuß weiter nach Culquish aber mit der Gewißheit, daß wir den Fluß nicht über- queren konnten wegen des Hochwassers, oder mit demMix-to wieder zurück nach Huanuco fahren. Ich wäre aber lieber durch Hochwasser geschwommen als gewillt gewesen, noch-einmal diese Ängste mitzumachen. Da das Wetter tagsüber gut gewesen war und in jenen Rächten der Mond schien, entschlossen wir uns also kurzer tfand, in die Berge zu gehen. Wir fragten nađi dem Weg und bekamen drei verschiedene Auskünfte mit ebenso verschiedenen Zeitangaben für die Entfernung Tingo - Pichgas. Zum Heulen! Georg machte seinem Unmut über die Unwissenheit der Indios ein wenig Luft. Aber wir mußten dođi wieder lachen. Nachdem wir die ersten 100 Meter gestiegen waren, riefen uns Einheimische zurück und deuteten uns an, daß wir den falschen Weg eingeschlagen hätten und daß es außerdem auf dieser Seite des Berges viele Schlangen gäbe. Auch das noch! Also wieder auf die Straße zurück, ein Stück um den Berg herum und dann auf einem kleinen Eselspfad allmählich den Berg hinan. Georg trug den großen Rucksack, ich den kleinenWeek-endbeutel. Der Anstieg an diesem leicht dunstigen Märzabend war sehr schön und die augenblicklich prächtige Berglandschaft der Anden entschädigte uns für die ausgetandenen Ängste im Mixto und durchwachten Nächte. Langsam, sehr langsam ging es bergauf, da der Weg immer steiler wurde. Wegweiser waren uns getrocknete und frische Pferde- und Eselslosung. Gott sei Dank kam bald der Mond. Es war bereits dunkel. Nach einer Stunde kamen wir auf die erste Anhöhe und glaubten, daß man von hier aus Pich- gas sehen müßte. Aber nichts. Vor uns eine Senke und dann wieder ein Anstieg. Komisch, wir hätten schwören können, daß man jetzt Pichgas hätte sehen müssen. Nach der Senke führte der Weg in Richtung eines Bauernhofes. Wir überlegten, ob wir dort vielleicht bleiben könnten. Aber beim Näherkommen sahen wir, daß da nur noch zerfallene Lehmmauern standen. Von jetzt ab wurde die Orientierung immer schwieriger, da verschiedene ausgetretene Pfade in alle Richtungen abzweigten. Wir entschieden uns nicht über die Höhe zu gehen, sondern den Berg in halber Höhe zu umlaufen, um möglichst schnell auf die andere Seite zu kommen. Das Gelände wurde immer schlechter, Löcher, sumpfige Weiden, kleine Einschnitte im Berg mit lockerem Gestein, auf dem man völlig haltlos herumtorkelte. Und müde waren wir auch schon. Ein Pfad war nicht mehr zu sehen. Der Mara-non schien plötzlich eine ganz andere Richtung eingeschlagen zu haben. Langsam wurde uns unheimlich zu Mute. „Wären wir doch lieber in Tingo geblieben! Du mit deinen romantischen Ideen! Die Leute schlafen jetzt bestimmt schon alle und keiner wird uns mehr die Tür aufmachen. Was du so für Vorstellungen von einem Sierradorf hast!" „Na, Mensch, war's nicht auch deine Idee, hier raufzulatschen?" „Hast eigentlich redit! Also weiter!“ Da plötzlich sehe ich etwas Helles sich seitlich auf uns zubewegen und bei jeder Bewegung blitzt es silbrig auf. „Du, Georg, da kommt jemand!“ Meine Stimme muß fremd geklungen haben wie die eines Menschen, der vor Angst überlaut spricht. Georg sah jetzt auch die Gestalt, die in raschen Schritten auf uns zukam und in der rechten Hand eine blankgezogene Machete (Buschmesser) hielt, die bei jedem Schritt im Mondschein blinkte. Der Mann trug handgewebte Bauernkleidung und einen hellen Filzhut. Um diese Zeit in dieser Einsamkeit ein Mensch, wir waren fassungslos. Es stellte sich aber gleich heraus, daß der junge Mann auch mit unserem Mixto gefahren war und nun auf dem Weg zu seinem pueblo war. Er kannte jeden Pfad über die Berge und war für uns der rettende Engel. Wir mußten nun doch lachen; wenige Schritte vor uns lag die Bergkuppe, von der aus Pichgas zu sehen war, einige hundert Meter vor uns in einer Senke. Georg stapfte voran, an seiner Seite etwas hinter ihm der Serrano und ich hinterher. So ganz wohl war uns beiden ja nicht. Ich behielt die Machete starr im Auge. Wir waren auf alles gefaßt. Georg wußte, daß man hier allerorts die Geistlichen - und noch dazu einen Gringo - für reiche Leute hielt, und daß es da von Zeit zu Zeit einmal Vorkommen kann, daß ein Mensch in den Bergen überfallen wird. Einen Kilometer vor dem Dorf verließ uns der Retter mit der Machete, schwenkte links ein, nachdem er uns etwas undeutlich den Weg in den Ort gewiesen hatte. Vor dem Dorf empfingen uns streunende Hunde. Georg stieß mit einem Knüppel nach ihnen. Ich war ziemlich am Ende meiner Kraft. Aber jetzt Quartiersuche. Im Dorf kein einziges Licht. Wir mußten das Haus des „temente", des Polizeioberhauptes finden. (Fortsetzung folgt) Bruder Vinzenz liebt die Jagd, weil sie viele Freude macht und den Fleischbestand vermehrt und so manches Mahl beschert. Daß die Buben ihre Zeit gut verwenden, nimmt er heut erstmals auch die beiden mit; und so gehen sie zu dritt. Poko stürmt voraus ins Weite. Koko bleibt an seiner Seite, damit, falls er etwas jage, er alsdann das Wildbret trage. Auch die Schwester Kunigunde wandelt just zur gleichen Stunde durch den Wald, um ganz verstohlen sich ein wenig zu erholen. Plötzlich stürzt der Poko an, läuft, so schnell er laufen kann; Dort, wo jene Hecken stehn, hat er grad ein Tier gesehn. Ein ganz schwarzes, dickes Tier, und es graut ihm für und für. Bruder Vinzenz macht ihm Mut: Heute wird das Jagen gut. Und drei Augenpaare spähn. Doch noch können sie nichts Sehn. Da! Dort hinter jener Hecken können sie das Tier entdecken. Langsam schleicht es durch den Wald hin und wieder macht es halt. Koko aber fragt und zittert: „Ob das Tier uns wohl schon wittert?" Vinzenz legt die Flinte an, und er zielt, so gut er kann.— wenn es nicht so dunkel wär! — man erkennt das Tier nur schwer. Doch nun hat er es genau, und daher zielt er nun schlau dorthin, wo es kommen muß, und alsbald kracht auch der Schuß. Doch sogleich ertönt dabei gellend ein Entsetzensschrei. Und nun sehen sie verzagt, welch ein Wildbret sie erjagt. Arme Schwester Kunigunde! — Doch nicht tödlich ist die Wunde. Und die Schwester weint und lallt: „Nie mehr geh ich in den Wald." ADAM Bruder Josef Müller verstorben Er war der markante 83jährige Ordensmann, der 23 Jahre lang im langen Talar, mit dem schwarzen Fez und dem orientalischen Spitzbart den Domberg in Bamberg hin-abwanderte, um in der Bischofsstadt und in der Umgebung für die Sache der Weltmission zu werben, — bis sein Herz versagte. In das Missionshaus Milland bei Brixen war der in Ungarn geborene Schuhmachergeselle 1905 eingetreten. 1911 sandten ihn seine Oberen in die afrikanische Mission im Sudan. Dort machte er sich unter Bischof Geyer, dem späteren Gründer der Gemeinschaft von den heiligen Engeln in Banz, nützlich, bis er 1916 in Kriegsgefangenschaft geriet und drei Jahre lang in Ägypten interniert wurde. Nach seiner Entlassung wirkte er noch vier Jahre in Gesirah und Heluan (Unterägypten). Ab 1923 war er in Europa in verschiedenen Häusern tätig. Zuletzt 23 Jahre in Bamberg. Wegen seines freundlichen Wesens und seines Erzählertalentes erfreute er sich allgemeiner Beliebtheit. Gern unterhielt man sich mit dem allzeit heiteren und humorvollen Bruder, der seine Missionserlebnisse so anschaulich und lebensnah schildern konnte — und zugleich ein so frommer und so innerlicher Mensch war. Eine seiner letzten Worte waren: „Wenn ich den Heiland zum erstenmal sehen werde, werde ich ihm Zulächeln." Die Schriftleitung des „Stern der Neger” wünscht ihren Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest Um Weihnachten fällt die intscheidung ... ob Du im Frühjahr mit Zustimmung Deiner Eltern den Beruf eines Priestermissionars anstreben willst. Wenn ja, dann komme zu uns ins Josefinum nach Ellwangen. ... ob Du als ausgebildeter Brudermissionar Deine Kraft in den Dienst Christi stellen willst. Wenn ja, dann komme zu uns nach Josefstal bei Ellwangen % Deine Eltern werden nichts dagegen einwenden, da Du ja für sie kein Besitz bist, sondern nur ein Geschenk Gottes, das man weiterschenken muß. Wende Dich an das: Missionsseminar St. Josef oder an das Missionshaus Josefstal 709 Ellwangen (Jagst)