Nr. ?. Olli 1899. II. Jahrgang. kr-°-«s,-gkb°° ■»• Gebet für Bekehrung der Ungläubigen, Irrgläubigen und verstockten Sünöer. Vom heiligen Franz ämtier. Allmächtiger, ewiger Gott, Du Schöpfer aller Dinge: gedenke, dass die Seelen der Ungläubigen, Irrgläubigen und Sünder von Dir, und zwar nach Deinem Ebenbilde erschaffen worden. Sieh', o Herr, wie zu Deiner Schmach die Hölle mit denselben angefüllt wird. Gedenke, dass Dein lieber Sohn Jesus Christus für ihr Heil den schmerzlichsten Tod erduldet hat. Lass, o Herr, nicht ferner zu, dass Dein Sohn von ihnen verachtet und verschmäht werde, sondern lass Dich durch das Gebet Deiner Heiligen und durch das Flehen der Kirche, der Braut Deines Sohnes, versöhnen. Sei eingedenk Deiner Barmherzigkeit, vergiss ihrer Abgötterei, ihrer Hartnäckigkeit und all ihrer Bosheit und lass auch sie einmal erkennen, fürchten und lieben den Herrn Jesus Christus, welchen Du gesandt hast, und der da ist unser Heil, unser Leben und unsere AuferstehungJ durch den wir erlöset und gerettet woiden sind. Ihm sei Ehre in alle Ewigkeit. Amen. ^orrefponöertg der Expedition. Eingegangene Gaben. (35om 1. bis einschließlich 31. Juli). Dr. Max Paregger, Bach im Lechthale, für den Neubau 5 sl; Peter Stang, Klepsau (Baden), 80 M. Messstip., 20 M. für das Missionshaus; Professor W., Brixen, 10 sl ; Ludwig Brunner, Cooperator, Fügen, sl. 1.50; Dr. Franz Stettner, Arzt, Windisch Landsberg, für den Neubau 5 fl.: Emilie Czaia, Körnitz (Oberschlesienl, 21 M.; Karl Conunenda, Linz a. d. D., 3.15 fl.; Veronika Sobotta, Deschowitz (Oberschlesienh 6 M.; von mehreren aus Wien zum Neubaue 14 sl.; Anna Meckert, Oppeln, 120 M ; Caplan Hummel, Ravensburg, 70 60 M ; Johann Godec, Caplan, Ober-Görjach, 10 sl ; Ungenannt, Brixen, 1 ft Messstip; Hubertine Stiftern, Ahrweiler, 20 M. für ein Heidenkind Francisca, 37 M. Messstip.: Pfarramt Groß-Rondorf (Niederösterreich), 6 fl.; Se. Excellenz Hochwst. Bischof von Steinamanger, für den Neubau 15 fl.; durch das Pfarramt Weiz (Steiermark) 60 fl; Dr. Karl Riedlinger, Attnang-Puchheim, 0.75 ft; Jakob Hinkelbein, Neckarhausen, 5 M.; Michael Hinkelbein, Mannheini, 3 M ; Mathaus Schweiger, Hinterstoder lOberöst), 5 ft ; Leopold Haidl, Pfarrer, Kühnering (Niedcröst.), 3 fl.; Ungenannt aus Steiermark 5 ft.; aus der Pfarre St.-Audrä 3.50; P. Halusa, Heiligen-kreuz bei Baden, 1 ft.: H. Steher, Psarrverweser, Laupheim, 65 M.; Ungenannt, Wien 1.50 ft.; M K., Wien, 5 ft. picfcu und allen übrigen Wohlthätern sagen wir ein herzliches „Ztergelt's Gott!" und bitten um weitere milde Zzeiträgc zum Alane unseres Missionshauses. fttwimrfe fir k jEfriktt. Organ bed Mjsionshauses der ,Höhne bes s;si). Herzens 3$e|uu. Erscheint am Ende jeden Monats. Wr. 7. Juli 1899. II. Jahrgang. Inhalt: Jur gefälligen Beachtung. — Congregation der Böhne des hlst. Herzens. — ©, zeig' mir dein Angesicht, o Milde! (Gedicht.) — Maria Himmelfahrt (Gedicht). Marienverein für Afrika. — Der Marienverein (Gedicht). — Die Bischarinen. — Don Kairo nach Chartum. — Iusef Abdallah. — Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. Hur itfiiip Sriiiiitimp! ie Wummern 1—5 dieses Jahrganges sind völlig vergriffen nnd Können den neuen Abonnenten leider nicht nachgeliefert werden. Wm nun denselben doch etwas Ganzes zu bieten, schloffen wir mit der Juni-Wnmmcr das erste Kalvzahr nnd beginnen mit dieser Wummcr ein neues Kalbjahr. Wnsere neuen Abnehmer werden also die Wummern des zweiten Kalbjahres, d. h. vom Juli liis December, um den Wreis von 75 kr. erhalten. Wir bitten alle unsere geehrten Abnehmer und Leser, in ihrem Bekannten- und Krenndeskreise für die stete Werbreitung unserer Zeitschrift wirken zu wollen, überzeugt, dadurch eine echt christliche Sache in verdienstvoller Weise zu fördern. Da eben eine Wntcrnehmung unserer Missionäre nach dem Sudan vorbereitet und in allernächster Zeit ausgesnhrt wird, so werden wir in der Lage sein, unseren Lesern anregende Mittheilungen über neue Aortschrilte des Bekehrungswerkes, sowie über neue Länder und Wölker zu bieten. Wahl eines Generaloberen. Im Herz Jesu-Monat versammelte sich zu Verona das erste Generalcapitel der Congregation der Söhne des heiligsten Herzens zur Wahl eines Generaloberen und seiner Assistenten. Am 21. Juni wurde der hochm. P. Angelus Colombo roli, F. S. C., zum Generaloberen gewählt, und die Propaganda bestätigte diese Wahl. Der neue Generalobere ist geboren am 9. Mai 1863 zu Dolcö, Bisthum Verona, und zum Priester geweiht am 7. August 1887. In die Congregation trat er ein am 28. October 1885. Klugheit und Entschlossenheit, Erfahrung und Seeleneifer zeichnen den neuen Generaloberen aus, der den Vortheil hat, unsere deutsche Sprache zu sprechen. Wir freuen uns über seine Wahl und wünschen ihm reichsten Erfolg seiner Amtsthätigkeit zur Ehre Gottes und zum Heile der ganzen Congregation. Ilnfev Missionshaus. Unsere geehrten Leser werden Nachrichten über den Stand unseres Missionshauses erwarten. Der Neubau geht eben in diesen Tagen seiner Vollendung entgegen. Voraussichtlich Werder wir in der Lage sein, in der nächsten Nummer den Neubau im Bilde vorzuführen. Trotzdem die Arbeit am Baue zu Ende geht, müssen mir unsere Freunde und Leser nochmals recht herzlich um Beiträge zu diesem Zwecke Bitten. Abgesehen davon, dass die Einrichtung des Gebäudes noch mehrere Ausgaben verursacht, ist auch der Bau selbst noch lange nicht gänzlich bezahlt, und mussten wir, um den dringendsten Verpflichtungen nachzukommen, eine Schuld auf uns lasten. Wir bitten also innig um milde Beiträge jeder Größe für unseren Bau! Gott wird alles mit irdischem und himmlischem Segen reichlich vergelten! Aber noch etwas! Das neue Missionshaus steht da, wenigstens zum Theile! Wenigstens 50 Personen haben darin Platz! Andererseits steht in Afrika das ungeheuere Missionsgebiet mit seinen vielen Millionen Heiden offen! Für hunderte von Glaubensboten wäre da sofort üb erreich l i che Arbeit vorhanden! Es ist eine Arbeit, welche auch jene Geister, die nach dem Idealsten streben, in hohem Grade befriedigen kann! Es handelt sich um die Zukunft, um das zeitliche und ewige Los von Millionen bildungsfähiger Menschen! Was sind im Vergleiche mit so weltbewegenden Fragen so viele andere, welche die Menschen beschäftigen! Wahrlich eine Aufgabe, auch der großmüthigsten Seele und des hochherzigsten Geistes würdig, eine so hilfsbedürftige Race, wie die der Neger ist, den Klauen des Verderbens zu entreißen und zum Lichte des wahren Glaubens zu führen! Berufene Priester, Studenten und Laien finden da ein Feld ausgedehntester Wirksamkeit! Also wer Beruf zum Ordens- und Missionsstande hat, der komme und wende sich ganz vertrauensvoll an den Pater Oberen unseres Missionshauses! Auf nach Mühland bei Brixen, auf nach Afrika! Die Fahne ist entfaltet! Der „Stern der Neger" und unsere Missionäre werden alles einsetzen, was sie vermögen, für Afrika, das Land unseres Berufes und unserer Hoffnung! Wir werden treu bleiben der Fahne, auf der geschrieben steht: „DasLicht des wahren Glaubens, der Freiheit und der Bildung den Negern Afrikas, oder den Tod!" S, !«!)’ mit bod) bei» Nlgesllht, 0 Milbe! Ss will die gold'ne Abendsonne sinken, Zum letztenmal grüßt freundlich sie die Erde, Und heimwärts ziehet ruhig schon die fjerbe; Im (Dsten seh' ich schon zwei Sterne blinken. Zwei große perlen über meine Wangen Zur Srbe niederrollen, und es malen In ihnen sich die letzten Sonnenstrahlen. Nur eins, o Mutter, eins ist mein verlangen: „©, zeig' mir doch dein Angesicht, o Milde!" Denn schöner ist es als die schönste Sonne, (D Rose roth, auf Jerichos Gefilde. Die Sonne sinkt, es gehen bald zu Sude Die Tage meiner Wanderschaft! © Wonne Des Himmels, deine Augen zu mir wende! Bernhard Zorn, S. d. h. y. Bittia Kmmklflchrl. Ss öffnen sich des Himmels ew'ge Pforten, ! Schon steht für sie beim lieben Sohne Begrüßt von tausend seligen Tohorten, j Sin gold'ner Thron mit einerDemantskrone, Zieht freudig ein in ihr erkornes Reich, / Die schmücken soll ihr Haupt für alle Zeit, Maria, schön, der Morgenröthe gleich. ^ vergelten ihr der Srde bitt'res Leid. Sind auch dein Los, o Mensch, hier Kreuz und Leiden, verzage nicht! Gott wird in lauter Freuden Sie wandeln dir einst dort im Vaterland, Und trocknen jede Thrän' mit milder Hand. Stef. 111. Docken Huber, F. S. C. vrgruppe von „Ja vorn ten". SCXHe Pfarrgruppe von Favoriten des „Marien-Vereines für Afrika" hielt am j||| Donnerstag, den 29. d. M., um 6 Nhr abends ihre constituierende Versammlung ab. Dieselbe wurde im großen Gemeindesaale des X. Bezirkes veranstaltet. Der Besuch war ein zufriedenstellender, denn um 1/26 Uhr war der Saal vollständig gefüllt. Trotz der afrikanischen Hitze, welche im Saale herrschte, hielten die Anwesenden doch bis zum Schlüsse, dirs war um 1li9 Uhr, aus. Den Vorsitz führte der Viceprüses des Wiener Diöcesan-Ansschusses, Se. Gnaden 148 Der Maricnverein. Msgr. Anton Schöpfteuthner. Als Redner fungierte Se. Hochw. Herr Karl Krasa, Cooperator in Altlerchenfeld. Die Musik besorgte die Vereinscapelle des katholischen Jiinglingsvereines vom „heiligsten Herzen" im X. Bezirke. Der Verlauf der Versammlung war ein äußerst günstiger. Zum Präsidenten der Pfarr-gruppe wurde Se. Hochw. Herr Peter Sie, Cooperator zu St. Johann Ev. im X. Bezirke, ernannt. In den Pfarr-Ausschuss wurden folgende Herren gewählt: Als Vicepräsident: Herr Franz Mattkey, X., Columbusgasse 7. Secretär: Herr Alexander Jünger, X., Landgutgasse 13. kassier: Herr Emanuel Schwestka, X., Landgntgasse 12. Als Beiräthe: Herr Anton Daum, X., Landgutgasse 3; Herr Leopold Hruza, X., Himbergerstraße 33; Herr Johann Schachert, X., Kepplergasse 7; Herr Johann Cymbal, X., Triesterstraße 3. Die Pfarrgruppe zählt gegenwärtig nahe an 200 Mitglieder. Als Mitgliedsbeitrag ist monatlich das Minimum von 5 Kreuzern zu entrichten, ein Betrag, den jedermann gewiss leicht entbehren kann, umsomehr, da es ja doch gewiss keinen schöneren und edleren Zweck gibt als den, welchen der „Marien-Verein für Afrika" verfolgt: die Unterstützung der Missionen und die Sclavenbefreiung in Afrika. Es wird deshalb die Bevölkerung von Favoriten dringend ersucht, den Verein nach besten Kräften zu unterstützen. Mitglieder werden jederzeit bei einem jeden Ausschuss-mitgliede aufgennommen. Maria blickt com Himmel Herab auf das Gewimmel Der Weltencölker all; Sic sieht mit stillem Grausen Der Völker wildes Hausen 3in weiten Erdenthal. Den Feind der Menschheit thronen Sieht sie in jenen Zonen, Die schwer Ehams Fluch einst traf; lind zahlt' doch mit dem Blute, Der Preise höchstem Gute, 3hr Sohn die Schuld und Straf. Des Fluches tiefe Munden Hat schmerzlich auch empfunden Dies milde Mutterherz; D'rum sucht im Erdenrunds Sie Hilfe nun zum Bunde, Zu heilen Mund' und Schmerz. Fast alles schafft und waltet Und wirkt und strebt und schaltet Und hascht nach eitlem Schein; Doch wahres Gold zu werben. Das nie wird zum verderben, Das fällt gar Wenigen ein. Ihr Auge schaut so trübe — Jetzt strahlt's voll Trost und Liebe Herab zur Kaiserstadt; Denn was sie sucht, das findet Sie hier; die sich cerbiindet Mit ihr in Wort und That. > Nicht gilt's den Sturm zu brechen, Nicht gilt es sich zu rächen ; Am stolzen Tiirkenheer, Das drohend cor den Thoren Dem Kreuz den Tod geschworen. Wohl gilt es heute mehr. Die „Helferin der Lhristen" s Zerstreute, was mit Listen Geplant des Halbmonds Macht; i Doch Satansthron zerschellen '/ Will heut' sie und erhellen 1 Des Irrthums wüste Nacht. Mb Türkenwaffen klirren, Mb Satans Pfeile schwirren, Nicht schrecket sie zurück; > Die blut'gen Schwerter splittern, Die Höllengeister zittern vor ihrem — milden Blick. ; Im ständ'gen Sturm des Krieges Sind sicher stets des Sieges, Die sich mit ihr cereint; Doch wird kein Fried' gegeben, Mag's kosten Blut und Leben, / Bis hell der Sieg'sstern scheint! Marien-Verein! Dich leitet, Dich stärket und begleitet / Die holde Siegerin; s Heil dir! Zu deinem Ziele Sind auch der Kreuze ciele. Führt sie dich sicher hin. Bernhard Rohnen, F. 8. (J. Die Mirine». Von P. Hik» Kliöcr, F. S. C. apostolischer Missionär. jsie folgende Abhandlung gierig uns vom Verfasser aus Assuan den 29. Juni zu. Wer die ry,l Abgeschlossenheit und Verschlossenheit des Volkes kennt, wird leicht einsehen, dass die Ab-Handlung dem Verfasser, wie er selbst sagt, viele Mühe kostete. Unsere Leser werden den ebenso gehaltvollen als interessanten Aufsatz, der sehr dankenswertes geographisches, ethnographisches und linguistisches Material enthält, mit Vergnügen lesen. Das ausgedehnte Land zwischen dem Nil und dem rothen Meer von Esneh bis nach den Gegenden von Abu-Hamed d. h. vom 25. bis ungefähr zum 20. Grad nördlicher Breite ist vom Volksstamme der Bischarinen bewohnt. Sie nennen sich in ihrer Sprache Bischnri d. h. die Bischarinen, Abkürzung des Wortes Bischanba d. h. Bischarinen. Sie bilden mit den übrigen Stämmen der Wüstenbewohner die sich bis gegen Abyssinien hin erstrecken, ein einziges großes Volk. Auf der Landkarte findet man die Namen von Bischarinen, Amrab, Amarara, Fugara, Betranne, Hadendoa u. s. to. Jedoch unter allen diesen Völkern findet sich kein wesentlicher Unterschied. Alle haben eins und dieselbe Sprache, gleiche Kleidung, gleiche Gebräuche und Sitten. — Das vom Bischarinenstamme bewohnte Land heißt etbai b. h das Gebirge, Abkürzung von etbäitu d. h. Gebirge. Wer sich diese Gegend als ein trostloses vollständig dürres Land vorstellte, würde sich täuschen. Es ist nämlich mit vielen Cisternen und Brunnen versehen, deren sich bisweilen mehrere ganz nahe zusammen finden. Mit Ausnahme weniger Brunnen, die schlechtes Wasser enthalten und einiger anderer längs dem rothen Meer, deren Wasser salzig und bitter ist, liefern diese Brunnen ein gutes Trinkwasser. Ferner gibt es auch auf den Bergen große Steinbecken, in denen sich das Wasser auf längere Zeit erhält. Dort gibt es auch Rasenflächen und geringen Holzbestand. Rings um die Brunnen dehnen sich weite Grasflüchen aus und mitunter auch stundenlange Wälder. Die Bäume sind verschiedenartig. Unter ihnen befinden sich zwei Bäume, welche der längs des Nil wachsenden Sunta ähnlich sind mit dem Unterschied, dass der eine rothe und der andere weiße wohlriechende Blüten hat, während diejenigen der Sunta gelb sind. Die bisweilen auch zu ansehnlicher Dicke auswachsenden Bäume trifft man nur selten in weiterer Entfernung von den Brunnen. Da die Einwohner kein Bau- und Nutzholz brauchen, so fällen sie auch nicht die ausgewachsenen Bäume, sondern lassen sie ruhig vom Sturmwind umwehen. Die am Boden liegenden Stämme werden angezündet, mit Erde bedeckt und später als Holzkohle dem Nil entlang verkauft. Hausthiere des Bischarinen sind das Kameel (ölcam), das Schaf t’äna*), die Ziege (tön’ai) und der Hund (öias). In den Bergen lebt der Löwe (uhäda.) Ferner ein dem Panter ähnliches Thier (öriam), das sich jedoch von Gras und Leichen nähren soll. Dieses Thier kenne ich nur ans der Beschreibung der Bischarinen, seine hier in Assuan auf dem Markte ausgestellte Haut ist wie ein Panterfell. In den Bergen ferner findet sich der Steinbock (robä’äna) und ein dem Steinbock ähnliches Thier (öeu) mit nach seitwärts gebogenen Hörnern, die wilde Ziege, das wilde Schaf, der wilde Esel (ömec), der an Größe und Stärke dem Maulesel gleichkommt, der Fuchs (abul-hossen) u. s. w. In den um die Wasserbrunnen gelegenen Wäldern finden sich die Gazelle fegänai), der Hase (uhelei), das Stinkthier (teb’äscha) u. s. to. In den Grassteppen trifft man neben der gewöhnlichen Maus (gobu) auch die Pyramidenmaus *) Der Apostroph auf einem Buchstaben deutet an, dass dieser Buchstabe getrennt voin folgenden gesprochen wird. 150 Die Bischarinen. (dypus aegyptius), in der bischarinischm Sprache oslda genannt; dieselbe hat einen sehr langen in einen Haarbüschel endigenden Schwanz und Hinterbeine, die sechsmal so lang als die Vorderbeine sind. In der Wüste lebt der Schakal (ödib) und die Hyäne (okärai.) Es gibt auch verschiedenartige Vögel. Von den Raubvögeln erwähne ich den Adler (ob’äna) und den Habicht (tebiü’ai.) Von den Aasvögeln eine Geierart (vultur fulvus) in der bischarinischen Sprache üede genannt; den ägyptischen Aasgeier (teeke) und den Raben (kik’ai). Hansvögel wie z. B. Hühner, Tauben, kennt der Bischarine keine. Wilde Tauben aber finden sich in großen Schwärmen. In den Ebenen lebt der Vogel Strauß. Die Bischarinen erjagen ihn auf ihren Kameelen, tobten ihn mit Lanzen, essen mit Vorliebe sein Fleisch und verkaufen seine Federn in den Städten längs des Ufers des Nil. Endlich trifft man auch die gewöhnlich überall vorkommenden Vögel wie den Widehopf (duluendit), die Eule (tobou), den Sperling, die Schwalbe u. s. w. Beide letztere werden mit dem gemeinsamen Namen t’hamischkelei bezeichnet. Auch die europäischen Schwalben schlagen im Bischarinenlande ihr Winterquartier ans. Die Jnsectenwelt ist spärlich vertreten. Deshalb kennt auch der Bischarin keine andere Jnsecten als die Fliege (Ufa), einige schwarze und rothe Käfer (gandid’abasch), die Ameise (hongäna), die Spinne (Hierher), die Heuschrecke (tiana), den Scorpion (otal’äna), und andere wenige. Gegen den Scorpionenstich gebraucht der Bischarine eine gewisse Wurzel, die er fest auf die gebissene Stelle aufbindet. Diese Wurzel zieht das Gift zusammen, dann wird die Wurzel abgenommen, die Wundestelle mit einem Messer geöffnet und das Gift entfernt. Das Verfahren ist ebenso wirksam als einfach. Unter den Amphibien sind neben der gewöhnlichen Eidechse zwei sehr große Eidechsenarten zu erwähnen. Die eine (togmatiä) wird bis 40 crn lang. Die andere (däbo’ab) hat eine Körperlänge von ungefähr 20 cm, eine Höhe und Breite von 10 cm. Der Schwanz allein misst gegen 45 cm und ist auch die Vertheidigungswaffe dieser Eidechse. Aus ihrer sehr zähen Haut verfertigt der Bischarine Geldbeutel. Ferner findet sich auch das Chamäleon. (kamd’äscha). Sehr zahlreich ist die Schlange (quöquor) vertreten, jedoch trifft man keine über einen Meter laug. Viele unter den Schlangen sind giftig. Wie gegen den Scorpionenstich so findet auch gegen den Schlangenbiss eine andere Wurzel Anwendung, jedoch nicht immer mit gleich gutem Erfolg. Das Bischarinenland erfreut sich zweimal im Jahre des Regens. Der erste Regen beginnt im.Juni und dauert bis in den August hinein. Am Anfange regnet es spärlich. Darauf aber folgen starke, alle paar Tage sich wiederholende Regenschauer, welche das ausgetrocknete Erdreich durchnässen und darauf die zahlreichen Brunnen und Wasserbecken bis zum Überlaufen füllen. Ein großer Theil dieses Regenwassers rinnt in vielen Bächen westlich dem Nil, hauptsächlich aber östlich dem rothen Meer zu. Der Regen bringt dem Bischarinen alles in Hülle und Fülle. Seine zahlreichen Kameel-, Schaf- und Ziegenherden finden in den ausgedehnten, grünenden Grasflüchen Überfluss an Nahrung. Gazellen, wilde Esel, Hasen u. s. to. finden im dichten, manneshohen Gras reichliche Nahrung und sicheren Versteck, in dem sie jedoch zuweilen von Löwen unangenehm überrascht werden. Der Bischarine begrüßt den Regen mit Sang und Klang, es ist für ihn die Freudezeit. Es werden häusige gemeinsame Mahlzeiten gehalten, an denen Klein und Groß beiderlei Geschlechtes theilnimmt, Mahlzeiten, die sich oft zweimal in der Folge wiederholen. An einem Orte sitzen die Männer, getrennt von ihnen befinden sich die Weiber und auch die Kinder haben ihren besonderen Platz. Man genießt Fleisch und Fett, süße und sauere Milch in reichstem Maße. Nachdem sich alle wohl angesättigt haben, beginnt der Gesang. Die Männer singen aus voller Kehle : Die Mscharmm. 151 „Wir sind die Wüstensöhne. Unser ist der Berg. Wir sind stark und muthig. Wir lobten den Löwen. Wir sind frei. Wir thun was wir wollen. Keinem Herrn gehorchen wir." Darauf folgen ein stürmischer Beifall und ein gewaltiges Händeklopfen. Von neuem beginnt der Mannerchor und schreit mit noch stärkerer Stimme: „Wir sind die Wüstensöhne u. s. to." Auch die Weiber haben indessen ihre Männer nachgeahmt, jedwede lobt die Ihrigen; sie singen: Meine Lente sind gut, sie sind stark und tapfer, niemand ist ihnen gleich." Worte, die sie wer treiß wie oft wiederholen. Die Kinder hören mit gespannten Ohren dem Gesänge 31t Darauf kommt der Tanz. Männer und Weiber vollführen gewaltige Sprünge, dermaßen, dass unter ihren Füßen der Boden dröhnt. Auch die Kinder springen und hüpfen gemäß es ihnen ihre Kräfte gestatten. Mitunter führen die Männer anstatt des gewöhnlichen Tanzes den Waffentanz auf, wobei sie sich mit Schilden, Schwertern und Lanzen begegnen. Der zweite Regen füllt im December bis in den Januar hinein, er ist spärlicher und für den Pflanzenwuchs von geringerer Bedeutung. Nach der Regenzeit gedeiht im Bischarinenland eine Kleeart (tosuna.) Sie erreicht eine Höhe von ungefähr zwei Fuß und hat gelbe Blüten. Sie wird geschnitten und getrocknet nach den Nilorten verkauft. Die Blätter finden mannigfache Verwendung Haupt- 152 Die Bischarinen. sächlich zu Arzneimitteln und Farbestoffen. Während der Zeit zwischen den beiden Regenperioden regnet es sehr selten. Der Boden trocknet allmählich mehr und mehr aus. Alsdann müssen sich die Thiere mit dem dürren Grase begnügen bis zum folgenden Regenfall. Regnet es nur in ganz geringem Maße, so entsteht ein förmlicher Futtermangel und vieles Vieh geht infolge dessen zugrunde. Wie sich schon aus der Beschreibung des Landes ergibt, ist die Hauptbeschäftigung des Bischarinen die Viehzucht. Von seinen Herden gewinnt er Milch, Fleisch und Fett. Diese Dinge bilden seine Hauptnahrungsmittel. Aus den Häuten der geschlachteten Thiere verfertigt er sich Schläuche, Beutel u. s. w. Nur eine einzige Getreideart wird angebaut, b. h. die Durra und auch diese nur in geringem Maße. Den Weizen kauft er sich in den Orten längs des Nil. Eine andere Beschäftigung des Bischarinen ist die Verfertigung von Matten, welche Arbeit hauptsächlich den Weibern obliegt. Bisweilen durchstreift er Wald und Berge und jagt das Wild. Viele von ihnen geben sich dem Karawanenleben hin und vermitteln den Handel zwischen Oberägypten und Nubien, dem rothen Meer und dem Nil. Hier und dort lassen sie sich in der Nähe der fremden Örtlichkeiten nieder, woselbst sie Straußfedern, Kameele, Ziegen, Schafe, Häute, Holzkohlen u. s. w. verkaufen. Als eine nicht sehr saubere Nebenbeschäftigung betreiben sie gelegentlich auch den Raub von Negerkindern. Wie alle Nomadenvvlker so findet auch der Bischarine im Herumstreichen sein Hauptvergnügen, wobei er aber nie die Anhänglichkeit an sein Heimatland verliert. Von Zeit zu Zeit muss er dasselbe wiedersehen und dazu benutzt er die Regenzeit. Der Bischarine wohnt in Hütten, die sehr einfach hergestellt sind. Der innere Raum hat eine ovale Form und ist ungefähr einen Fuß über den Erdboden erhöht. Um denselben ist eine Reihe zwei Fuß hoher Pfähle eingeschlagen. Jeder derselben ist mit dem gegenüberstehenden durch gebogene Stäbe verbunden, welche die Dachconstruction ausmachen Über diese sind Matten gespannt, welche aus den Blättern der Dumpalme angefertigt sind. Darüber werden andere gröbere Matten gelegt, welche durch eine zweite Reihe kurzer in die Erde getriebener Pfähle festgehalten werden. Der Eingang ist auf der breiten Seite und ist so niedrig, dass man nur kriechend hineingelangen kann Der innere Raum, der wie erwähnt vom Fußboden des Zeltes etwas erhöht ist, ist mit einer Matte belegt, welche den Insassen als Schlafstätte dient. Außer dem alleruöthigsten Hausgeräth befinden sich im Inneren nur einige Waffen. Vor der Hütte lagern während der Nacht die Herden, die von Hunden bewacht werden. Der Bischarine schlägt seine Hütte entweder in der unmittelbaren Nähe des Wassers auf oder wenigstens nicht weit entfernt, so dass er mit geringer Mühe sich dasselbe verschaffen kann. Sind die Steinbecken der Berge und die Cisterneu ausgetrocknet, so verlässt er jenen Ort und lässt sich bei den Brunnen nieder. Die Entfernung zwischen den einzelnen Niederlassungen beträgt eine oder mehrere Stunden, öfters auch eine oder mehrere Tagesreisen. Diese Niederlassungen heißen in bischarinischer Sprache gauäba d. h. Häuser. Jede Niederlassung der Bischarinen hat ihr Oberhaupt, dem die einzelnen gehorchen und dem sie von ihren Erzeugnissen einen geringen Theil abgeben. Außer den einzelnen Localvorstehern haben die Bischarinen andere höhere Oberhäupter, welche hauptsächlich dadurch ihre Oberhoheitsrechte bethätigen, dass sie bei ihren Durchreisen von den verschiedenen Stämmen Gaben entgegennehmen. Der Bischarine zahlt der ägyptischen Regierung nichts, weder in Geld noch in Erzeugnissen. Er schaltet und waltet in seinem Lande nach völligem eigenen Belieben. Er bietet seine Dienste demjenigen an, von dem er den größten Nutzen zieht. Bei Gelegenheit der Feindseligkeiten zwischen Ägypten und dem Sudan diente er der ägyptischen Regierung und den Derwischen zu gleicher Zeit. Von seiten Die Bischarinen. 153 Ägyptens.bekam er Geld und vom Chalifa Geld und schwarze Knaben nebenbei. Er kaufte das Getreide hier zu Assuan und verkaufte es den Derwischen zu Om-durman, bis endlich die Regierung dieses Doppelspiel entdeckte und verbot, an die Bischarinen fernerhin Getreide zu verkaufen. Die äußere Erscheinung des Bischarinen ist angenehm. Seine Gesichtszüge sind fast kaukasisch, seine Haut ist dunkel wie Bronze. Das Haar ist üppig, sein Körperwuchs mittelgroß, hager imb ebenmäßig. In der Kleidung ist der Bischarine sehr anspruchslos. Die Mannertragen nur eine kurze Hose (scheruäbu) und ein großes Tuch (halakaba), das sie bei etwaiger Kälte über den ganzen Oberkörper schlagen, sonst aber nur auf dem Rücken und den Schultern tragen. Die Frauen tragen statt der Hose einen über den Hüften befestigten und bis zu den Knöcheln herabreichenden Rock (garentu), und mit dem großen Umschlage-Tuch verhüllen sie ihren Oberkörper bis zu den Schultern. Die kleinen Kinder sind entweder völlig nackt oder nur mit einem leichten Hemdchen bekleidet. Der Bischarine wäscht seine von Schmutz und Fett besudelten Kleider nie Er liebt ja das Fett. Gesicht und Hände wäscht er sich in Etbai sehr selten. Die Finger seiner Hände sind mit langen Nägeln versehen; er bedient sich deren als Vertheidiqnnqswaffe im Falle, dass ihm nichts besseres unter die Hände kommt. Es ist allgemeiner Brauch bei den Bischarinen sich den ganzen Körper wiederholt mit Ziegen- und Hammelfett einzureiben, weil dies nach ihrer Meinung den Körper kräftigt und gegen die brennenden Sonnenstrahlen schützt. Auch die Haare beschmieren sie mit Fett, um dadurch deren Dichtigkeit und Fülle zu befördern. Die Männer stecken entweder über oder hinter den Kopf einen bis 20 cm langen zugespitzten hölzernen Stiel (helälu) als Zierart und auch zum Gebrauch gegen lästiges Ungeziefer. Die Weiber flechten sich in die Haare Glasperlen, glänzende Muscheln und andere blinkende Sachen. Der Bischarine ist von wilden, trotzigen Charakter; daher gibt es bei jeder Gelegenheit Zank und Streit zwischen den einzelnen Stämmen, bisweilen auch zwischen Leuten desselben Stammes und derselben Niederlassung. Als Kampfeswaffe dienen ihnen Stock, Messer, Schwerter, Steine, die sie zuweilen mit tödt-lichem Erfolge handhaben. Um die erhaltenen Wunden zu heilen, gebraucht man heißes flüssiges Fett, das in die Wunden hineingegossen wird. Das verursacht natürlich Schmerz, den der Bischarine verbeißt, ohne einen Klagelaut auszustoßen, denn das wäre für ihn eine Schande. Im Falle, dass einer der Streitenden seinen Gegner erlegt, so verurtheilt das Oberhaupt den Mörder zum Tode. Die Vollziehung des Urtheils liegt den Verwandten des Ermordeten ob. Bei der ersten Gelegenheit, wo ihnen der Mörder unter die Augen kommt, erschlagen sie denselben. Gewöhnlich flieht der Mörder in eine andere Niederlassung oder zu einem anderen Stamme, woselbst er in Schutz genommen wird Die Verwandten des Ermordeten suchen zwar nach ihm, aber er wird ihnen nicht überliefert, sondern unter sicherem Geleite an einen andern Ort überführt. Die rachsüchtigen Verwandten geben sich nicht zufrieden. Sie üben ihre Rache an einem Verwandten des Mörders. Wenn einer der Streitenden seinen Gegner verwundet, so wird er vom Oberhaupt zu einem Schadenersatz verurtheilt. Dieser Schadenersatz ist ziemlich schwer. Der Übelthäter sucht sich auf alle mögliche Weise zu entschuldigen. Er wirft die Schuld auf den Teufel und sagt: „O der verfluchte Teufel, der mich zum Streit aufgeregt hat!" Jedoch alles dies hilft ihm nichts. Er muss sich eben darein fügen und zahlen. Wer seinen Nächsten schlägt, wird ebenfalls geschlagen werden, wofern dieser seinem Gegner gleich ist; sonst wird ein Verwandter des Beleidigten daran denken. Kommt aber das Oberhaupt, um die beiden Theile zu versöhnen, so ist dem Beleidigten nicht mehr erlaubt, seinen Beleidiger zu schlagen. 154 Dic Bischarmm. Bricht Streit zwischen Leuten verschiedener Stämme aus, so kommt es unter ihnen zum Krieg. Waffen der Bischarinen sind das Schwert (m’äda), die Lanze (töfena), das Dolchmesser (Vschängal) und der Schild (ögoba.) Der Bogen (kelläb) ist bei ihnen wenig in Gebrauch. Diebstahl kommt unter Leuten derselben Niederlassung selten vor. Der Bischarine nämlich erkennt mit seinem scharfen Auge mit Leichtigkeit die Fußstapfen. Der Schuldige wird ergriffen, an den Thatort geschleppt und leicht seiner Missethat überführt. Jedoch zwischen verschiedenen Niederlassungen und Stämmen kommen Diebstähle mitunter vor, in welchem Falle der beschädigte Theil sich auf Kosten des anderen auch öffentlichen Schadenersatz nimmt. Der Bischarine ist gastfreundlich. Kommt ein Fremder durch sein Land gezogen, so behelligt er ihn nicht, gibt ihm gegen Geschenke die nöthigen Lebensmittel, duldet aber nicht, dass er sich in seinem Lande niederlässt. Er hat nämlich eine starke Abneigung gegen jedes fremde Element. Jeder junge Bischarine wühlt sich seine Lebensgefährtin; er kann aber mit der Erwählten nicht reden. Seine Wünsche theilt er dem eigenen Vater mit. Ist dieser mit dem Plane einverstanden, so bespricht er sich mit dem Vater der Erwählten. Dieser antwortet ihm ja oder nein, gemäß er darin seinen Vortheil findet. Antwortet er ja, so bestimmt man den Tag der Hochzeit. Der Vater sagt hierauf seinem Mädchen: ich will, dass du jenen Jüngling heiratest. Das Mädchen kann dem väterlichen Willen keinen Widerstand leisten. Es muss den von seinem Vater bestimmten Jüngling heiraten, wenn auch derselbe ihm nicht gefällt. Am festgesetzten Tage erscheint das Oberhaupt umgeben von den Einflussreichsten des Ortes. Es kommen alsdann der Jüngling mit seinem Vater und Verwandten, ebenso das Mädchen mit Vater und Verwandten. Der Vater des Jünglings beginnt und sagt: ich habe beschlossen meinem Sohne jenes Mädchen als Frau zu geben, und als Geschenk gebe ich ihrem Vater so und so viele Thaler, so und so viele Stück Kameele, Ziegen und Schafe. Ist der Vater des Mädchens zufrieden, so schweigt er und nimmt das Geschenk in Gegenwart des Oberhauptes. Die eine Hälfte des Geschenkes fällt dem Vater des Mädchens zu, die andere Hälfte bereit Verwandten. Im allgemeinen aber erklärt sich der Vater des Mädchens mit dem ihm angebotenen Geschenke nicht zufrieden. Weigert sich nun der Vater des Jünglings andere Gaben hinzuzufügen, so wird er vom Oberhaupt dazu verpflichtet. Ist er aber zu ferneren Spenden nicht imstande, so leisten diese seine Verwandten. Sollte der Vater des Mädchens in seinen Ansprüchen zu weit gehen, so befiehlt ihm das Oberhaupt sich mit einem zukömmlichen Geschenke zu begnügen. Im Falle, dass der Jüngling oder das Mädchen elternlos sind, so liegt die Heiratsvermittelung den nächsten Verwandten ob. Nachdem man sich über die Geschenke verständigt hat, ist die Ehe geschlossen. Hierauf beginnt die Hochzeitsfeier. Sie dauert sieben Tage. Eine üppige Mahlzeit findet statt, an der das Oberhaupt mit seinen Begleitern, ferner die beiderseitigen Verwandten, Klein und Groß beiderlei Geschlechtes theilnehmen. Die Gäste werden mit Kameel-, Ziegen und Hammelfleisch reichlich bedient. Ihren Durst löschen sie mit süßer und sauerer Milch. Das Gazellenfleisch aber ist bei den Hochzeitsfesten verboten. Sowohl der Bräutigam wie feine Braut müssen sich einen Monat lang vom Essen des Gazellenfleisches enthalten. Hasenfleisch können sie ein ganzes Jahr lang keines genießen. So verlangt es der Brauch, der in keinem Aberglauben gegründet zu sein scheint. Nach der Mahlzeit bringen alle dem Bräutigam und dessen Braut ihre Glückwünsche dar. Auch das Oberhaupt hat für sie gute Worte. Fasset Muth, sagt er ihnen, lebet beisammen in Einigkeit und Frieden. Hierauf folgen Gesang und Tanz und wann die Tänzer müde sind, so gehen sie nach Hause um auszuruhen. Der Bräutigam indessen führt seine Braut Die Bischariimi. 155 in bie, neuerbaute Hütte. Am anderen Tage wiederholt sich dasselbe Festmahl mit denselben Güsten und so geht es weiter bis zum siebenten Tage, mit welchem auch das Hochzeitsfest ein Ende nimmt. Die Ausgaben sind auf Kosten des Bräutigams, dessen Vaters und seiner Verwandten. Die Eltern des Bräutigams und diejenigen der Braut haben nun innigste Freundschaft geschlossen, ebenso sind die beiderseitigen Verwandten Freunde geworden. Sie leisten sich gegenseitig Unterstützung. Im Falle dass der Bräutigam seine Braut verstoßt, entsteht keine Feindschaft. Er hat seine Hochzeitsgeschenke Knaben 5er Wischarinen. verloren und die Braut kehrt zu ihrem Vater zurück. Wenn aber die Braut entflieht, so brechen Feindseligkeiten aus. Verpflichtet der Vater sein Mädchen zu ihrem Bräutigam zurückzukehren, so sind alle wieder versöhnt. Erlaubt er aber seinem Mädchen zu Hause zu bleiben, so dauern auch die Feindseligkeiten fort. Hierauf müssen die Verwandten der Braut die Hälfte oder wenigstens ein Drittel der empfangenen Geschenke zurückerstatten. Wenn ein Jüngling die Einwilligung seines Vaters nicht findet oder wenn seine Verwandten in zu großer Armut leben, so muss er warten bis diese Hindernisse überwunden sind. Den ledigen Stand kennt der Bischarine nicht. Alle heiraten. Der Bischarine gemäß der Größe seines Vermögens heiratet eine und auch mehrere Frauen. Die Lilie der freiwilligen Jung- 156 Die Wscharlnen. fräulichkeit, welche vom göttlichen Heilande auf diese Erde herabgebracht wurde, gedeiht nur im Garten der katholischen Kirche. Die Geburt eines Knabens ist bei den Bischarinen ein fröhliches Ereignis. Sämmtliche Verwandte gratulieren der Mutter und dem Vater des Knaben. Gott möge es euch verleihen ihn groß und gut zu sehen, sagen sie. Möge er euch beglücken und euch viele Kameele ins Haus bringen, und zu gleicher Zeit legen sie ihr mitgebrachtes Geschenk nieder. Darauf findet ein großer Freudenschmaus statt. Am achten Tage nach der Geburt wiederholen die Verwandten ihre Glückwünsche ohne ein neues Geschenk darzubieten. Der Vater legt dem Knaben den Namen bei und hält ein neues Festmahl. Die Geburt eines Mädchens bringt wenig Freude ins Haus. Es kommen einige Verwandte den Eltern des Mädchens zu gratulieren. Hierauf folgt ein nüchternes Essen. Auch bei Gelegenheit der Namensauflegung feiert man nur wenig. Nach der Geburt eines Kindes muss die Mutter ungefähr zwei Monate in der Hütte bleiben. Der Mann selbst lebt von seiner Frau getrennt in einem besonderen Raum. Letztere wird während dieser Zeit von ihren Verwandten besucht und beigestanden. Bei Eintritt eines Todesfalles wird ein großes Weinen und Klagegeschrei aufgeführt. Der Gestorbene wird in seine Gewänder gehüllt und zum Begräbnisplatze getragen. Darauf folgt ein großer Todtenschmaus. Ist der Verstorbene ein Mann, so muss die Witwe ein Jahr beim Vater oder bei den Verwandten ihres todten Mannes zubringen. Während dieser Zeit herrscht unter den Verwandten Trauer, die sie in ihrem äußeren Erscheinen offenbaren. Sie beschmieren sich nicht mit Fett, enthalten sich ferner von jedwedem Festmahle, von Gesang, Tanz und Spiel. Nach Verfluss eines Jahres wiederholt sich das Weinen und Klagegeschrei. Hierauf folgt eine andere Mahlzeit, welche die Trauer schließt. Das gilt für die Verwandten. Die Witwe des Verstorbenen jedoch muss noch ein halbes Jahr im Trauer verbleiben, welche Zeit sie nach Gefallen entweder bei den Verwandten ihres todten Mannes oder bei den eigenen Verwandten verbringen kann. Darnach ist sie frei sich wieder zu verheiraten. Im Falle, dass die Verstorbene eine Frau ist, so ist der Witwer zu einer jahrlangen Trauer verpflichtet. Es folgen daraus neues Weinen und Klagegeschrei und eine neue Mahlzeit, und der Witwer kann sich hierauf eine andere Lebensgehilfin suchen. Stirbt ein erwachsenes Mädchen oder ein Jüngling, so dauert die Trauer der Eltern und der Verwandten ent Jahr. Nach Verfluss dieser Zeit wiederholt man das Weinen und ein neues Mahl beendigt die Trauer. Stirbt ein 8 oder 10 jähriger Knabe oder Mädchen, so trauern die Eltern und Verwandten ungefähr 6 Monate. Hierauf endigt die Trauer ohne andere Weheklagen noch anderes Mahl. Stirbt ein kleines Kind, so trauern einzig die Eltern ungefähr einen halben Monat. Die Bischarinen, die westlich mit den mohammedanischen Ägyptern in Berührung stehen und östlich von ihrem Gebiete Arabien, die Geburtsstätte des Islam haben, sind selbst dieser falschen Religion ergeben. (Schluss folgt.) |oii Koko noch Gortino. Weiseskizzen aus Ägypten mtö Suöan. Von P. F. Tav. Gey er, F. S. C. (Fortsetzung.) IV. Lhartum, die einstige Hauptstadt des ägyptischen Sudan. <^j^Wrsprung der Stadt. Chartums Ursprung datiert sich von Mohammed Ali. Die Motive dieses kriegerischen Begründers der modernen ägyptischen Dynastie bei der Eroberung des Sudan waren höchst selbstsüchtig; nicht die Idee der Civilisierung der Neger, nicht Eifer für die Erweiterung der geographischen Kenntnisse bewogen ihn hiezu; er unternahm einen Krieg gegen die Nubier und Sudanneger, einerseits um die ihm lästigen albanesischen Söldner zu beschäftigen, anderseits um in den gehofften Goldschätzen des Sudan und in neu zu formierenden Negerarmeen eine Stütze für die Aufrechterhaltung und größtmögliche Verherrlichung seines Thrones zu erhalten. So sandte er 1820 unter dem Oberbefehl seines Sohnes Ismail eine Expedition nach dem Sudan; die Herrscher von Dongola und Berber unterwarfen sich ohne Schwertstreich, und die Kanonen siegten über die Lanzen der Könige von Schendy, Sennar und Kordofan. Die übergroßen Contributionen, die den Eingeborenen mit Siegerübermuth auferlegt wurden, machten die Stämme vom Anfang an unwillig. Von seinem Siegeszug aus Sennar zurückgekehrt, wurde Ismail int Jahre 1822 in Schendy vom König Nimr meuchlerisch lebendig verbrannt. Dieser Act war das erste Zeichen jener Unzufriedenheit der bedrückten Eingeborenen gegen die Türken- und Kairener-Herrschaft, die bei verschiedenen Gelegenheiten später sich in Revolutionen äußerte und die zuletzt mehrere Jahre lang die Stämme des Sudan in einmüthigem Aufstande gegen das ungerechte Joch vereint hielt. Defterdar Bey rächte die Verbrennung Ismails und unterwarf unter Blutvergießen die Stämme von Neuem. Eine Stadt nach der anderen erhielt ihre Garnison, um die unzufriedenen Eingeborenen in Furcht zu halten. Diese Garnisonen waren meistens aus Baschi-Bozuks gebildet, dem Abschaum der Taglöhner in der Levante und am Bosporus, gemischt mit albanesischen und tscherkessischen Abenteurern. In jene Zeit fällt auch die Entstehung Chartums. — Die ägyptischen Feldherren fanden auf der Landzunge zwischen den beiden Flüssen eine natürliche Festung gegen Landstürme und schlugen dort ihr Lager auf. Noch heutzutage sind am Ufer des blauen Flusses Spuren von den Lagern der einzelnen Truppenabtheilungen erkennbar. Zur Sicherheit gegen Lanzen und Pfeile wurden Mauern errichtet. Die Garnison bezog die Lebensmittel von den umliegenden Dörfern. Zur bequemeren Ausübung des Handels siedelten sich die Eingeborenen der Dörfer, besonders von Halfay, auf der Landzunge an, indem sie sich neben dem Lager Hütten bauten. Die Niederlassung des Pascha auf der Landzunge bildete den Schlussstein zur Begründung einer großartigen Ortschaft. Die weiteren Expeditionen Mohammed Alt's zur Unterwerfung der Stämme im oberen Nilgebiet erhöhten rasch die Bedeutung der neuen Ansiedelung. In den Monaten Januar und Februar 1839 führte er selbst eine Expedition auf dem blauen Fluss, dessen Goldminen seine Habsucht erregten. Caillaud und Rußegger suchten jedoch vergeblich in den Goldwäschereien. Damals erhielten Famaka, Benischangol und Sennar Garnisonen. Drei andere Expeditionen (1829 bis 1841) ordnete er auf den weißen Fluss ab; dieselben drangen bis zu den Schilluk und Bari vor. Nachdem Ali den Weg geöffnet, begann sofort ein bedeutender Handel mit den Prodncten der 158 Sßon Kairo nach Chartmn. neueroberten Gebiete, der seinen Weg über Chartum nehmen musste. Der Vice-könig Ismail Pascha mit seinen modernen Ideen „und Plänen trug nicht wenig zur Hebung Chartums bei. Wie er das eigentliche Ägypten mit Europäern regierte, so suchte er auch in den fernsten Gebieten des Reiches mit Hilfe von Europäern zu regieren. In den Jahren 1871 bis 1883 führte Sir Samuel Baker eine denkwürdige Expedition auf dem weißen Flusse aus, unterwarf die Bari und eroberte Fatiko, die Hauptstation der Sclavenjäger. Fast zu gleicher Zeit fiel Darfur an Ägypten. Der mächtige Unternehmer und Sclavenhändler Ziber hatte im Jahre 1871 die politischen Präsidenten Fourien im Dar-Fertit besiegt. Derselbe Ziber zog am 16. August 1874 mit Jsmail-Ayoub Pascha von El-Obeid gegen Darfur und vereinigte sich bei El-Fascher, Darfnrs Hauptstadt, mit der von Dongola gekommenen Armee unter Purdy Bey; der Sultan von Darfur wurde gelobtet, das Land in Besitz genommen Ziber wurde nach Kairo berufen und zum Pascha ernannt. Nachdem der Sudan von den Häuptern der Sclavenjäger befreit war, begann Ismail Pascha, der Vicekönig, unter europäischem Antrieb eine energische Action gegen den Sclavcnhandel im Sudan. Es folgten mehrere Expeditionen auf dem weißen Fluss: im April 1874 die des C. Chaillö-Long-Bey; im Jahre 1875 Gordon; im Jahre 1876 Romolo Gessi unter dem Oberbefehl Gordon Pascha's. Nachdem Ägypten seine Herrschaft über das ganze Nilbassiu ausgedehnt hatte, ernannte der Khedive einen General-Gouverneur des ägyptischen Sudan mit Chaitnm als Residenz. Der erste General-Gouverneur war Samuel Baker, ihm folgte Gordon Pascha. Chartum ward somit das Centrum des Sudan; der Handel hatte sich nach dem Sturz des alten Handelscentrums Schendy dortselbst stabiliert; so wuchs die Stadt im Laufe der Decennien aus der kleinen Ansiedelung zur Größe von 50 000 Einwohnern empor. Beschreibung der Stadt. Chartum liegt auf Sandboden, der theilweise mit sonnverbranntem Nilschlamm tief bedeckt ist. Die erdschwarzen, niedrigen Lehmhütten, ans deren Mitte sich ein konisch zugespitztes Minaret erhob, boten einen keineswegs anmuthigen Anblick. Von Anfang an ohne regelmäßigen Plan gebaut, sondern nach Willkür und Bequemlichkeit der handeltreibenden Eingeborenen, die sich nach Alt's Eroberungen auf der Landzunge niederließen, war die Stadt ein Wirrwarr: viereckige und runde Hütten aus Nilschlamm und Häcksel, theilweise mit hohen Vorhöfen und verschiedenen Zubauten für Sclaven, Thiere und Waren, waren ohne Ordnung nebeneinandergebaut und ließen kaum Raum für die Gassen, die sich in Kreuz- und Querwindungen ohne Hauptrichtnng (mit wenigen Aus-nahnien) hinzogen. Meist nur 2 bis 3 m breit, zwischen den Mauern der Gebäude eingeengt, waren die Gassen mit hohem Staub bedeckt, der durch die fortwährende Passage der Menschen und Thiere aufgewirbelt wurde. Dazu kommt, dass das Material (ungebrannte Ziegel) zum Bau der Gebäude (die von Zeit zu Zeit ausgebessert werden müssen) in den Gassen gearbeitet und getrocknet wurde, so dass die Passage zu jener Zeit völlig gesperrt war. Die Vertiefungen und Gräben, die durch das Ausgraben des Materials entstanden, wurden als Ablagerungsort des Unflates benützt; todte Hunde, Eselsknochen u. s. w. lagen umher und waren (wie man es vor kurzem noch in Kairo sah) „an manchen Plätzen geradezu aufgeschichtet. Mehrmals trafen wir Morgens Äser von Hunden (die man, wie bis in die letzten Jahre in Kairo, scharenweise ohne Herren findet) vor dem Missionsgebäude in einer der besten Gassen der Stadt. Zur Regenzeit sammelte sich in den Vertiefungen das Wasser und verdunstet dort. Sobald nach der Regenzeit sich die Wasser zurückziehen, entstehen zahlreiche Sumpfpflanzen (deren ich noch viele bemerkte). Diese Pfützen und Äser, im Verein mit einer eingeengten heißen Luft der engen Hütten und Gassen, bewirken besonders nach der Regenzeit jene verpestete Atmosphäre, die der Stadt das unheimliche Prädicat: „Grab der Europäer" Äon Kairo nach Chartum. 159 erworben hat. Dass das Klima von Centralafrika den Europäern und namentlich den Deutschen unerträglich und mörderisch sei, ist nur eine Phrase; Thatsache ist, dass viele Europäer lange Zeit im Sudan lebten, auch in Chartum; jedoch sind gewisse Vorsichtmaßregeln unumgänglich nöthig, deren erste Reinlichkeit und Vermeidung der Pestluft ist. Was speciell Chartum betrifft, so wäre es Sache der Regierung gewesen, gesündere Lage zu schaffen durch Erhöhung der Stadt über das Flussniveau, was zwar theuer, aber nicht unmöglich ist, durch Einführung der strengsten Reinlichkeit wie in Kairo, durch Anlage von Gärlen und Straßen durch Eindämmung der Ufer des weißen Flusses. Besser gebaut waren die Häuser der handeltreibenden Griechen, Levantiner und Araber: sie bauten aus gebrannten Ziegeln; das Dach bestand aus mehreren Hauptbalken, über die ein Geflecht von Dattelzweigen und Dvrnenstöcken gelegt, welche dann durch Flechtmerk mit Erde, Kalk und Ziegeln befestigt wurde. So ersparte man die Bretter, die enorm theuer waren. Glasfenster hatten nur einige Häuser von Europäern. Das solideste Gebäude war das der katholischen Mission. Dasselbe wurde anfangs der fünfziger Jahre vom damaligen Provicar Dr. Knoblecher erbaut aus den Mitteln des in Wien für die Mission gegründeten Marienvereins. Die Mission begann zuerst im Sudan den Bau mit gebrannten Ziegeln, die in drei Öfen bei Soba am blauen Fluss gebrannt wurden; bei Omdurman wurde der Sandstein gebrochen. Leider entriss der Tod den verdienstvollen Mann der Verwirklichung seiner großen Pläne. Der Palast des ägyptischen General-Gouverneurs folgte derselben Bauart; int italienischen Stile des 16. Jahrhunderts construiert, imponierte er durch seine kolossalen Formen mit zwei breiten Terrassen, die einen Überblick über die Stadt gewährten. Zwischeit diesen zwei Gebäuden befanden sich am Flussufer mehrere Gebäude von Europäern. Die Moschee, die koptische Kirche roaren aus gebrannten Ziegeln. Im Centrum befand sich der Bazar mit Handelshäusern der Griechen und Levantiner. Die Bevölkerung bestand aus Europäern, Arabern und Eingeborenen. Die Europäer gruppierten sich um die Consulate und die kathol. Mission. Das älteste Consular war das österreichisch-ungarische, dessen langjähriger Verwalter-Herr Consul M. Hansal war. Österreich übte ein sehr verdienstliches Protectorat über die kathol. Mission aus. Italien, Frankreich, Griechenland, Persien, Vereinigte Staaten hatten in letzter Zeit ihre Consularagenten in Chartum. Die katholische Mission war 1847 gegründet worden. Leider erlagen die muthvollen Missionäre den nicht erkannten schlimmen Einflüssen des Klima, bevor sie ihrer Mission eine dauernde Basis geben konnten. Erst der unermüdliche Bischof Daniel Comboni suchte dieselbe 1872 wieder aufzurichten. Österreich hat für den Sudan viel gethan und übt noch heute einen wohlthätigen Zwang ans die Sudanesen aus. Die bedeutendste europäische Colonie bildeten die Griechen; obwohl der Muth der Griechen, die für ihre Handelsiuteressen alle Gefahren und Mühen erdulden, anerkennenswert ist, muss man doch gestehen, dass sie für die Civilisation int Sudan nicht sehr Vortheilhaft sind. Ihre Sprachkenntnis ist nachahmenswert, aber ihre Gewinnsucht und nicht tadellose Ausführung sind von bösem Einfluss auf die Neger. Die Griechen in Verbindung mit den Levantinern sind es, die den Schwarzen jene verderblichen Spirituosen in Unmasse verkaufen und das Laster der Trunkenheit int Sudan verbreiten. Ich will hiemit nicht behaupten, dass sich die Neger nicht auch ohne Cognac betrinken, z. B. mit Merissa. Doch was die Spirituosen unter uncivilisierten Stämmen anrichten, sehen wir am Branntwein bei den Indianern Amerika's. Zudem verderben die Levantiner durch ihr keineswegs moralisches Leben den guten Ruf der Weißen Rasse. Ich erinnere mich in dieser Beziehung an das Wort eines vortrefflichen Afrikakenners: „Die Syrier sind, wenn nicht Türken, doch Türklein!" ICO Von Kairo nach Chartum. Die Hauptbevölkerung ist arabisch. Die Araber Chartums stammen aus den verschiedensten Gegenden. Auf dem Sük der kleinsten Ortschaften, wie in den Städten, kauern Araber vor ihren Pretiosen und Wollstoffen; sie sind es, die den Handel von Elfenbein, Gummi, Tamarinden, Straußfedern aus Centralafrika mit dem rothen Meere vermitteln, wobei sie die Preise erhöhen. Die Italiener imb Franzosen verstanden bereits den Vortheil, den arabischen Factor aus dem Handel von Jnnerasrika theilweise zu streichen: beide hatten in den letzten Jahren Agenten ihrer Handelverbindungen in Chartum angestellt und diese Agenten zugleich mit Consular-Vollmacht ausgerüstet, damit dem Unternehmen ein sicherer, nationaler Charakter aufgeprägt werde. Zwar kann man einem Handel, wie ihn Griechen, Levantiner und Araber theilweise betrieben, nicht das Wort reden: ihr Handel und ihre Anwesenheit im Sudan war ein corrumpierendes Element. Aber wenn eine europäische Nation, vertreten durch ernste Männer, mit Centralafrika in Handelsverbindung treten würde, so wäre dies gewiss ein doppelt fruchtbares Unternehmen, sowohl für die Entwicklung der Handelsverbindungen, als die Verbreitung edler Civilisation. Die Eingeborenen sind zahlreicher als die anderen Classen zusammen; sie sind jener Theil der Bevölkerung, der arbeitet und leidet; mit einem Worte, sie sind die Sclaven. Sie gehören verschiedenen Stämmen Jnnerafrika's an. Als Beispiel diene die Angabe der Nationalität der Knaben in der kathol. Mission, zur Zeit meiner Anwesenheit daselbst, die sämmtlich in Chartum als Sclaven gekauft wurden: je zwei aus dem Lande der Berta, Nuba; je einer aus Darfur, Kordofan, Berber. Keiner dieser Jungen wusste von Vater und Mutter. Auf die Frage, wie sie nach Chartum gelangten, antworteten sie: Ich hütete die Ziegen, als ein Mann kam, mich auf das Pferd hob und mit mir im Fluge fortritt, weit, weit; in Chartum kam ich in das Haus eines Arabers oder eines Chanaga." Es würde eine eigene Abhandlung verlangen, wollte ich über diesen traurigen Gegenstand reden. Doch eines kann ich nicht unerwähnt lassen. Jeder aufrichtige Christ und Europäer muss die ©datieret und besonders den Sclavenhandel vollständig verwerfen, da er jedem Begriff von Recht und Gefühl zuwider ist. Zwar haben selbst Europäer und — entsetzlich! — Vertreter von europäischen Staaten in Chartum Handel mit Menschenfleisch getrieben: allein die Mehrzahl derselben arbeitete doch mit gerechter Entrüstung dieser Unsitte entgegen. Die Mächte, mit England und Belgien an der Spitze, haben in den letzten Decennien ihre Kräfte verwendet, den Sclavenhandel in Ägypten und im Sudan abzuschaffen. Am 17. August 1877 wurde die anglo-ägyptische Convention unterzeichnet, nach welcher der Sclavenhandel ein Ende nehmen sollte, im eigentlichen Ägypten ant 17. August 1884, in den Sudanprovinzen am 17. August 1889. Ich gebe zu, dass nach Ablauf dieses Termins der Sclavenhandel im Geheimen noch fortdauern konnte, aber im Laufe der Jahrzehnte wäre es gelungen, dem Gesetze Achtung zu verschaffen. Wohl kann man obige Convention eines der segensreichsten Resultate des 19. Jahrhunderts nennen. Je nach der Classe der Bevölkerung sind auch die Gebäude und Hausein-richtungen verschieden. Wie bereits oben mitgetheilt, waren die Wohnungen der Levantiner und Europäer besser gebaut als die der Araber. Die im Orient übliche Gastfreundschaft erfordert als nothwendige Einrichtung für civilisierte Männer den Divan, meist mit weißem Anstrich und breiten, gepolsterten Sitzen. Die gewöhnlichen Wohnungen der Araber waren nach Art der arabischen Häuser z. B. in Kairo gebaut; die Mauern aus ungebrannten Ziegeln oder aus Lehm mit Häckseln vermischt; das Dach besteht entweder in Bogenwölbung aus Ziegeln oder in gespaltenen Dattelstämmen, die als Träme gelegt und mit Rohrmatten, welche obenauf mit dünnem Estrich aus Lehm übertüncht sind, bedeckt werden, wodurch Ein- Von Kairo nach Chartum. 161 Regenzeit der weggeschwemmte Estrich erneuert werden. Anderseits ist das zahlreiche Ungeziefer höchst verderblich für die Holzgerüste und Dachbalken. Eidechsen, SWrpivne, Ameisen, Motten, Termiten und Grillen durchwühlen die Lehmmanern. Die dringen des Regens und der Sonnenstrahlen abgehalten wird. Ein kleiner Vorhof schließt die eigentliche Wohnung gegen die Straße ab. Derartige Lehmbauten widerstehen jedoch dem gewaltigen Regen nicht und es muss fast alljährlich vor der 162 Von Kairo nach Chartunt. Termiten (im arabischen ardah von ard, Erde, weil sie stets unter Erde verdeckt arbeiten) sind die unangenehmsten Zerstörer; es sind kleine, weiße Ameisen (jedoch mit kaum erkennbaren Füßen), die das Tageslicht scheuen und sich ans Lehm Gänge bauen, in denen sie ihr Zernagungswerk ausüben. Holz, Leder, Papier, Seinen» und Wollstoffe sind ihre Hauptnahrung. Namentlich gern setzen sie sich in den Zimmerbalken an, indem sie Erde nach oben holen und unter derselben die Balken zernagen. Ihre Lieblingsaufenthaltsorte sind feuchte Plätze. Die Hausgeräthe sind einfachster Art: als Bank und Bett benützen die Ärmeren einfache Rohrmatrazen (auch aus Dom deleb), die Reichen einen Angareb, d. h. vierfüßiges Holzgestell, mehr lang als breit, nach Art unserer Bettstellen; das Geflecht des Gestelles ist ans Thierhautriemen, Ziegenfell oder Dattelblättern. Ein großer, irdener Topf (Zir) dient als Wasserbehälter, der gewöhnlich vor dem Hütteneingang ausgestellt ist, um das Wasser frisch zu erhalten. Eine Gara, d. h. getrocknete Hälfte eines Kürbis, wird als Trinkgefäß gebraucht; vielfach ist die äußere Wölbung der Gara mit feinen Ciseliernngen von Arabesken und Thierfiguren geschmückt. Eine andere Schüssel zum gemeinsamen Essen, eine irdene Platte zum Brot backen, ein Ledersack oder großer, irdener Krug zum Aufbewahren der Durrah und der Datteln, zwei Steine in Quadratform zum Zerreiben der Durrah (Morhacca genannt) bilden die gewöhnliche Hanseinrichtung. Eine besondere Art von Wasserbehältern sind Körbe aus Blattrippeu der Fächerpalmen, die so dicht geflochten sind, dass sie Milch, Wasser u. s. to. halten. Einfach, wie die Hauseinrichtung, ist die Kleidung der Eingeborenen. Ich spreche hier nicht von der Kleidung der Araber, welche dieselbe ist wie in Kairo. Die Kleidung der Nubier entspricht sowohl ihrer Armut als der Hitze des Landes: Ein leineuer Überwurf (Ferda), bei der Arbeit eine kurze blaue oder weiße Hose ist die Hauptkleidung; selten tragen sie Schuhe (die rothgeschnäbelten Marküb der Araber); obwohl sie mit Vergnügen unter den senkrechten Sonnenstrahlen mit nacktem Haupte sitzen, tragen sie namentlich beim Gange in die Stadt die Takte, ein weißes Häubchen. Breite, silberne Ringe am kleinen Finger der rechten Hand sind eine gewöhnliche Zier. Am Halse oder Ellenbogen tragen sie Schnüre mit Talisman in Lederpückchen. Die Sclaven tragen nur ein weißes Tuch um die Mitte, das hie und da auch weggeworfen wird, wenn sie im Fluss arbeiten. Die Weiber tragen eine schmutziggraue, schleierartige Ferda aus leichtem Baumwollzeug, die sie in malerische Falten zu werfen verstehen; an Lippen, Nase, Ohren hängen in Durchlöcherungen Ringe und andere Zierraten, an Armen und Füßen Geschmeide und Ringe aus Elfenbein, Eisen und Kupfer, Perlketten; an Hals und Brust hängen Ketten aus Münzen, Glasperlen und Muscheln. Ihr kurzes, feines Kopfhaar, das stets von Fett trieft, ist auf dem Scheitel nach rechts und links gekämmt, in zahllose, nette Zäpfchen geflochten, in die verschiedener Tand (Perlen, Münzen, Bänder, getrocknete Früchte) verwebt ist. Die Mädchen und die weiblichen Sclaven tragen nur den Rahad um die Lenden, ein in unzählige Riemen und Fransen geschnittener Ledergurt von der Breite der Hand. Sowohl Männer als Weiber färben sich die Fingernägel, Hände und Lippen mit Henna. Die Henna (Law-son i a inermis) ist ein Baum von manchmal beträchtlicher Höhe, mit kleinen, wohlriechenden Früchten; die Blätter werden gesammelt, an der Sonne gedörrt, dann zu einer Salbe gekocht, die als genannte gelbe Tütowierungsfarbe gebraucht wird; auch als Medicament gegen Kopfschmerzen wird es angewandt. Durch oftmaliges Schmieren der Haut mit einer Salbe aus Butter und Krokodilmoschus verbreiten die Weiber einen widerlichen Geruch. Diese Salbe erhält ihre von Natur zarte Haut in der ursprünglichen Feinheit Aus demselben Grunde salben sich auch die Männer Gesicht und Hände; mit Öl und Hammelfett schützt man sich gegen Kälte und schützt auch die Haare gegen die große Hitze der Sonnenstrahlen. Mit einer 58 m Kairo nach Chartuin. 163 feinen eisernen Spitze zieht man den Kindern Furchen an den Wangen, die je nach dem Stamme verschiedene Form und Richtung anzunehmen haben. Die Kinder beiderlei Geschlechts gehen bis ungefähr zum sechsten Jahre nackt. Die Hauptnahrung im Sudan ist Durrah, die in verschiedenster Weise bereitet wird. Das Kessra ist eine Art röthlichen Brotkuchens von säuerlichem Geschmack aus dem Mehl der Durrahkörner. Die Körner werden zuerst im Wasser erweicht, dann mit der Morhacca zerrieben und auf irdener Platte gebacken. In Vereinigung mit Milch bildet das Kessra eine Delicatesse der Sudanneger. Der Mellah ist eine Sauce, bestehend aus Milch, Fleisch, Kräutern (als Bamien, Melochien, Bohnen) und Schiteta, einer Art rothen Pfeffers; der Mellah bildet die Eintauchsauce zum Kessra. Das Durrahmehl wird in verschiedener Weise zur Speise bereitet: eine Art Polenta heißt Assida; die Durrah wird von den weiblichen Sclaven mit der Morhacca zerrieben, in warmen Wasser gemischt und am Feuer gekocht nach Art der italienischen Polenta. In einem Gefäß lässt man dann den Brei compact werden. Eine Speise aus ungeriebenen Durrahkörnern, die im Wasser ähnlich wie Reis gekocht werden, heißt Balila; diese Speise wird auch aus Dokhon bereitet. Für die Reisen zweckmäßig ist das Abare, eine Art Kessrakuchen, aber sehr dünn und gedörrt, so dass es im tropischen Klima mehrere Wochen genießbar bleibt. Die beliebteste Speise der Sudanneger ist die Marara, bestehend aus zerschnittener roher Leber eines eben getödteten Thieres, Nieren, Lunge, Herz, Magen und Eingeweide, gemischt mit Schiteta (Gemüseart von rother Farbe und pikanterem Geschmack als der stärkste Pfeffer) und manchmal mit Galle (d. h. dem Inhalt der Gallblase) gewürzt. Haben die Neger und Nomaden ein Thier getödtet, so ist das erste, die Marara zu bereiten, die sie gierig verschlingen. Faschfasch ist eine Art Fleischsalat aus dem Herz des Thieres. Mazarin ist der Name einer Speise, bestehend aus gerösteten Gedärmen Bei Festen gibt es auch Milch, meistens künstlich sauer gemacht, und Schaiirma d. h. einen am Spieß gebratenen Hammel. Das Hauptgetränk des Sudanbewohners ist die Merissa. Die gewöhliche Merissa wird aus gezählter Durrah bereitet; ihr Geschmack ist nicht widrig. Die Merissa wird besonders bei Festlichkeiten int Unmaß getrunken. Bilbil ist ein merissa» ähnliches Getränk aus Dokhon bereitet und von berauschenderer-Wirkung als die Merissa. Aus dem an der Sonne gedörrten Tatarita (Art Durrah von rother oder schwarzer Farbe), das dann zwei bis drei Tage im Wasser gegährt wird luirö das Getränk Baganiah bereitet. Ein angenehmes, landesübliches Getränk i|t eine Art frischen Honigwassers. Der Sudanbewohner isst und trinkt viel, wenn er es hat; wenn diese vorhanden, kann er unglaubliche Portionen Fleisch und Krüge Merissa vertilgen. Seine getvöhnliche Lebensweise ist sehr mäßig, ja fast elend. Wiederholt habe ich gesehen, dass Eingeborene (sogar die Kameeltreiber auf dem Marsche) mit einigen Händen Dnrrahkörner einen Tag reichten. (Fortsetzung folgt.) Sohn öes Gmivs von Werber. den größten Araberstämmen des ägyptischen Sudan gehören die Dschalin. >^*N Ihre Wohnsitze erstrecken sich von Berber bis nach Omdurman, und besetzen beide Ufer des Nil. Die Dschalin sind ein Ackerbau und Viehzucht treibendes Volk. Die Kameelzucht ist bei ihnen die bedeutendste, wie man es bei allen Araberstämmen findet. Auch haben sie vorzügliche Pferde, echter am» 14* 164 Ins lsAbdallah. bischer Rasse. Ihre Häuser sind in den Ortschaften längs des Nil aus ungebrannten Backsteinen erbaut. Landeinwärts sind es jedoch meistens Zeltdörfer. Es ist ein stolzes Volk, das nach seiner Aussage von Abbas, dem Onkel des Propheten Mohammed abstammt und deshalb ihre Nachbarn, die Dangala oder Dongolaner, verächtlich und geringschätzig ansieht, da dieselben der Tradition gemäß von einem Sclaven, namens Dangal, abstammen. Als östliche Nachbarn haben sie die Hadendoa, ein Noniadenstamm, der schon öfters im „Stern der Neger" genannt wurde, mit dem sie auf friedlichem Fuße leben. Jedoch nicht so verhält es sich mit ihren westlichen Nachbarn, den räuberischen Kababisch-Arabern, auf die wir im Laufe unserer Erzählung wieder zurückkommen werden. Der Stamm der Dschalin ist in mehrere Unterabtheilungen getheilt, unter denen vorzüglich hervorzuheben sind: die Dschalin von Metemmeh, die Sedab, die Magadib u. a. Ein jeder dieser Stämme erkannte als Haupt einen Emir an. Als Oberhaupt derselben galt der Emir von Berber. Als erster Mudir oder Gouverneur von Berber wurde von dem Mahdi der Emir Muhammed el Cher ernannt, derselbe, der kurz vordem Tode des Mahdi den Auftrag erhielt, mit den Truppen der Dschalin und Barabra Dongola zu besetzen, nach dem die Engländer damals den Rückzug nehmen mussten. Nach dem Tode des Emirs Muhammed el Cher wurde, da derselbe keine männlichen Erben hinterließ, sein nächster Verwandter, Abdel Baghi, zum Emir von Berber ernannt. Derselbe hatte einen Sohn, namens Muhammed, der sich mit einer gewissen Fatma, gebürtig von Halfaja bei Chartum, verehelichte. Aus dieser Ehe gieng ein Sohn hervor, dem sie den Namen Muhammed gaben, und dessen interessante Lebensgeschichte ich hier kurz erzählen möchte. Gewiss dachten die Eltern, der Junge würde dereinst der Stolz ihrer Familie sein. Jedoch die göttliche Vorsehung hatte es anders bestimmt. Als nämlich der Knabe ungefähr sieben Jahre zählen mochte, begab es sich, dass sein Großvater, der Emir Abdel Baghi, auf Befehl des Chalifen Abdullahi gegen die Denka ziehen musste, um sie seinem Herrn zu unterwerfen. Deshalb wurde sein Sohn Muhammed, der in Metemmeh ansässig war, zum Emir von Berber ernannt und trat seinen neuen Posten auch sofort an. Kurze Zeit darauf musste sich der neuernannte Mudir, wegen Erledigung wichtiger Geschäfte, zum Chalifen nach Omdurman begeben. Seine Familie ließ er indessen in Metemmeh, seinem Winteraufenthalt, zurück, nicht ahnend, dass ihr ein schweres Schicksal zustoßen konnte. Diese Gelegenheit benutzend, machten sich die den Dschalin feindlich gesinnten Kababisch-Araber auf, um eine durch den früheren Emir Muhammed erhaltene Niederlage an seiner Familie zu rächen. Denn bekanntlich ist es bei den Wüstenbewohnern der Brauch, sich durch den Raub des erstgeborenen Sohnes eines Stammeshäuptlings, für eine früher erhaltene Schlappe, zu rächen. Es ist dies das größte Unglück, das einem Stamme widerfahren kann. Eines schönen Tages also machten sich die Kababisch auf, ungefähr 50 an der Zahl, um ihren heißersehnten Racheplan zur Ausführung zu bringen. Es gelang ihnen auch, unbeobachtet in der Nähe des Städtchens anzukommen. Da sich die Wohnung des Emirs einige hundert Meter von der Stadt entfernt und ganz allein befand, so war es ihnen ein leichtes, die Einwohner derselben zu überfallen, ohne Aufsehen zu erregen. Zur größeren Sicherheit warteten die Räuber bis lange nach Mitternacht, um ihren Plan auszuführen. Denn bekanntlich gehen die meisten Bewohner des Sudan erst nach Mitternacht schlafen, da sie bis dahin die Zeit mit Spiel und Tanz oder mit Erzählen von Fabeln oder Reiseabenteuern zubringen, ähnlich wie es in den altdeutschen Spinnstuben geschah. Vor Anbruch der Morgendämmerung, als alles im tiefsten Schlafe lag, drangen die Räuber behutsam in das Haus ein. Da dasselbe ohne Bewachung war, war es ein leichtes, unbemerkt einzudringen und nach Willkür zu hausen. Vor allem bemächtigten sie sich der 25 Kameele, Jusef Abdullah. 165 10 Pferde und einer zahlreichen Herde Schafe; der Sclave, der die Thiere nachts zu versorgen und zu bewachen hatte, wurde auf dem Platze niedergestochen, ehe er sich zur Wehr setzen konnte. Auf das Geschrei der Thiere wurde die Herrin des Hauses nebst ihrem Sohne und der ersten Magd aus dem Schlafe aufgeweckt. Die Herrin, nichts Böses ahnend, schickte ihren Sohn und die Sclavin hinaus, um nachzusehen, was es neues gäbe. Kaum kamen beide in den Hof hinaus, als sie auch schon von einigen Kababisch ergriffen und gefesselt wurden; damit sie ja nicht um Hilfe riefen, drohte man ihnen mit gezogenem Messer, sie beim geringsten Laut, den sie von sich geben würden, sofort zu todten. Glücklicherweise konnte die Mutter des Knaben auf unerklärliche Weise entfliehen. Denn wahrscheinlich konnte sie sich durch das Ausbleiben des Sohnes vorstellen, in welch kritischer Lage sie sich befand, und konnte dadurch noch Zeit und Gelegenheit sinden, zu entfliehen. Nachdem sich die Eindringlinge des Knaben, der damals 8 Jahre zählen mochte, und seiner.früheren abyssinischen Amme Maria, die auch seinerzeit Amme seines Vaters war, bemächtigt hatten, nahmen sie denselben mit in das Haus, und indem sie ihm ein Messer vor die Brust setzten, verlangten sie von ihm, dass er ihnen denPlatz zeigen solle, wo sein Vater die Schätze verborgenhielt. JmFalle er sich jedoch weigern würde, würden sie ihn sofort niederstechen. Ein jeder kann sich vorstellen, in welcher Gefahr sich unser kleiner Abenteuerer befand und, dass er ßinffigo MffionZstakion (Bmi&nfioro. gewiss um sein junges Leben bangte. Der geneigte Leser kann gewiss begreifen, dass ein Kind in dieser Gelegenheit lieber nachgibt, als sein junges Leben zu verlieren, und wäre dies ein Art des größten Heroismus, welchen man nur bei Märtyrern, denen der liebe Gott eine ganz besondere Gnade gibt, stndet. Der kleine Muhammed, als er hörte, dass sein Leben auf dem Spiele stand, zitterte am ganzen Körper, schon wegen der Ungewissheit über das Versteck der Wertsachen seines Vaters, da er selbst den Platz nicht wusste. Auch dachte er bei sich: „Wenn ich den Kababisch einen Platz angebe, und sie ans demselben nichts finden, so werden sie mich ganz gewiss in ihrer Wuth todten." Doch der gute Gott lenkte alles zum Besten. Nachdem sich der Knabe in seiner Angst etwas besann, sagte er zu den Kababisch: „Folget mir, ich werde euch den Platz, wo mein Vater seine Schätze verborgen hat, zeigen." Alsdann führte eiste in ein Zimmer und sagte, sie möchten hier den Boden aufgraben, dann würden sie schon die verborgenen Schätze finden. Die Kababisch, die jedoch nicht viel Zeit zu verlieren hatten, da der Tag anzubrechen drohte und somit die in der Stadt verheirateten Sclaven des Emirs zur gewöhnlichen Arbeit kommen würden, und sie ans diese Weise verhindert wären ihren Plan auszuführen, beschlossen, auch ohne die Schätze des Emirs, den Rückzug unter Mitnahme des Knaben, der Sclavin Maria und der Kameele, Pferde und Schafe anzutreten. Sie banden deshalb den kleinen 166 Aus betn Leben einstiger Neger-Selaveu. Muhammed auf ein Kameel, desgleichen auch die ©dabin und zogen sich schleunigst zurück. Der ganze Überfall konnte höchstenfalls zwei Stunden in Anspruch genommen haben. Ein jeder kann sich vorstellen, was derselbe für ein Aufsehen in der Stadt Metemmeh gemacht haben wird, denn als die in der Stadt wohnenden Leibeigenen in das Haus des Emirs zur gewöhnlichen Zeit zur Arbeit kamen, fanden sie dasselbe leer und alles im tollsten Durcheinander. Sofort erkannten sie, dass es sich hier um einen großen Diebstahl handelte, der nur von den rachedurstigen Kababisch ausgeführt worden sein konnte. An Verfolgung der Räuber war indessen nicht zu denken, da dieselben gewiss schon das Weite gesucht hatten. Sofort wurde in der Stadt bekannt, was sich in der Wohnung des Emirs zugetragen hatte. Alle Einwohner waren sehr betrübt über den Vorfall, da der Emir und seine Familie sehr beliebt waren. Alle zusammen schwuren, sich an den Kababisch blutig zu rächen, was in der That geschah, wie wir im Laufe der Geschichte hören werden. (Schluss folgt.) Dr. Kart Antoni, S. b. h. H. Aiis im It licu einstiger Iepr=S'sIiiiirn. 5. @miC MorHschan. ZNA ordschan ward geboren im Negerstamme Madi, etwa am 3.—4. Grad nördl. WMk Breite am Weißen Nil. Im Norden vom Gebiet der Bari, im Süden von ^ jenem der Schuli begrenzt, gehörten die Madi zur ägyptischen Äquatorialprovinz, die bekanntlich von Emin Pascha in Wadelai gegen die Derwische des Mahdi gehalten wurde bis zu seiner Rückkehr an die Küste mit Stanley. Mit den Bari, Schuli, Latuka, Obbo und andern kleinern Stämmen bilden die Madi die südlichsten Negerstämme im Nilthale. Diese Völker haben sich lange in ihrem Naturzustände frei von jedem Verkehr mit Arabern und Mohammedanern behauptet. Durch die ägyptische Occupation kam das arabische Element in jene Gegenden, und damit steigerte sich der Sclavenraub, der allerdings früher schon betrieben wurde, in dem Maße, als die Ausfuhr von Sclaven am Ausdehnung gewann. Mordschan nennt seinen Geburtsort Uare. Sein Vater hieß Tata, die Mutter Aia. Wie gewöhnlich bei jenen Negern, hatte der Vater nur eine Frau. Die Geschwister bestanden aus drei Brüdern und vier Schwestern. Die Familie zählte zu den mittelmäßig begüterten des Ortes. Sie lebte von Feldbau und Viehzucht. Der Viehstand betrug an 100 Kühe und 10 Ziegen. Die Madi sind gleich ihren Nachbaren sehr kriegerisch. Der Raub einer Kuh oder eines Weibes gibt Anlass zu Händeln. Droht ein Krieg, so wird eine allgemeine Volksversammlung gehalten. Diese findet spät Abends statt und dauert bis in die Nacht hinein. Jeder Häuptling erscheint dabei mit seiner ganzen Mannschaft, alle in voller Rüstung. Während die junge Mannschaft in weitem Kreise sich niedersetzt, treten die Häupter in die Mitte und bringen nacheinander in kurzen Reden das Unrecht vor, das sie vom Feinde erlitten haben. Alle horchen still. Dann wird über Krieg oder Frieden beschlossen. Um ihren Reden mehr Kraft zu verleihen, schlagen sie mit den Waffen Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. 167 auf den Boden und schreien heftig. Die Frauen geleiten die Männer in den Krieg, tragen Lebensmittel, Pflegen die Verwtindeten und beklagen die Gefallenen unter gellendem Geschrei. Ihr Leben ist nicht gefährdet, denn es gilt für eine Schande, ein Weib zu tobten. Man schließt auch bald Frieden, und die Kriegsentschädigung wird meist in Kühen bezahlt. Die Madi hatten oft Gelegenheit, ihren Muth gegenüber dem ranbsüchtigen Gesindel der ägyptischen Militärposten zu zeigen, die sich durch Ranbzüge verproviantierten und Sclaven erbeuteten. Dem ägyptischen Raubvolk schlossen sich Söldner aus benachbarten Negerstümmen an und unternahmen gemeinsame Plünderungszüge. Bei einem solchen Raubzuge wurde Mordschan von einem Söldner, Namens Kehi, ans dem Stamme Morn geraubt. Eines Morgens war der Nezerkuabe in das Feld gegangen, um die im ganzen Sudan zahlreichen und gefräßigen Bögel von der Saat abzuwehren. Sein Bruder folgte ihm bald nach, und gegen Mittag gesellten sich drei Mädchen aus dem heimatlichen Dorfe zu ihnen. Plötzlich erschienen mehrere bewaffnete Söldner, darunter zwei mit Flinten, zwei mit Messern, einer mit einer Lanze, und umringten die Kinder. An eine Flucht war nicht zu denken; als aber dennoch der Bruder Mordschans nach Hause flüchten wollte, ward er sofort von einer Flintenkugel zu Boden gestreckt. Die Übrigen mussten sich den Räubern auf Gnade und Pardon ergeben. Unter den drei Mädchen schien das jüngste den Räubern unbrauchbar zu sein. Dasselbe trug einen im Lande geschützten Ring am Zeigefinger. Der Ring erregte die Habgier der Räuber. Da derselbe am Finger so fest saß, dass er mit aller Gewalt nicht augenblicklich abzunehmen war, wurde dem Kinde eilig der Finger abgeschnitten und dann dasselbe laufen gelassen. Mordschan und die beiden Mädchen blieben eine Beute der Räuber, die sie auf ihrem weitern Raubzuge mitschleppten. Die Bande überfiel fernerhin eine Ortschaft im Lande der Madi; die Eingeborenen schienen jedoch von ihrem Herannahen Kenntnis erhalten zu haben, denn sie hatten sämmtlich die Flucht ergriffen. Nur eine alte Frau wurde vorgefunden, welcher die Flucht nicht möglich gewesen war. In ihrem Ingrimm, die Ortschaft leer gefunden zu haben, nahmen die Räuber an der Armen schreckliche Rache und erschlugen sie mit einem Holzscheit. Die Räuber theilten sich alsdann in die geraubten Kinder, wobei es unter ihnen selbst zum Streite kam. Unser Mordschau kam schließlich in den Besitz eines Türken, Namens Osman, der ihn in eine Station in dem westlich von den Madi gelegenen Stamm Abukaja brachte. Nach einem Aufenthalte von etwa einem Jahre wurde er neuerdings verkauft, und zwar an einen Dragoman, Namens Abd-el-Farrach, der ihn von Abukaja in das nördlich gelegene Gebiet des Bezirkes Makraka brachte. Dort wurde der Sclave wieder an einen andern Türken für vier Kühe verkauft. In zwei Jahren, während welchen Mordschan in Makraka blieb, sammelten sich fortwährend neue Sclaven an, die aus verschiedenen Gegenden geraubt wurden, so dass schließlich dreißig Sclaven beisammen waren. Diese Truppe wurde in das Gebiet von Mondü getrieben, wo sie sich während eines sechsmonatlichen Aufenthaltes wiederum durch neue Beute bedeutend vermehrten. Die nun aus etwa 50 Köpfen bestehende Gesellschaft wurde alsdann in die große Sclavenstation Dem-Zibär im Gebiete des Gazellenflusses transportiert. Während des Aufenthaltes daselbst erlagen mehrere Sclaven den ausgestandenen Entbehrungen und Misshandlungen, andere wurden durch eine Blatteruseuche hingerafft, andere wurden nach verfchiedenen Gegenden verkauft. Unser Mordschan blieb von alldem verschont. Er wurde mit sechzehn seiner Leidensgenossen nach Om-Schanga, einem bedeutenden Handelsplätze im südlichen Darfur, gebracht; der beschwerliche Marsch zu Fuß dauerte mit einigen Unterbrechungen 32 Tage. In Om-Schanga gieng Mordschan durch Kauf in den Besitz eines Arabers über. Aber er sollte nur etwa einen Monat bei seinem neuen Herrn bleiben. Nebst andern Arbeiten musste der Sclave täglich Wasser holen. Eines 168 Aus dem Leben einstiger Neger-Sclaven. Tages nun entschlüpfte ihm der Ziegenschlauch, womit er das Wasser aus dem Brunnen heraufzog, und fiel in die Tiefe. Der Knabe entfloh aus Furcht vor Strafe. Einen Tag und eine Nacht irrte derselbe in der Umgegend der Ortschaft umher, dann traf ihn ein Araber und brachte ihn in seine Wohnung. Nach etwa einem Monat verkaufte ihn der Araber für ein Stück Zeug an einen Bekannten in Kordofan. Der neue Herr war ein gewerbsmäßiger Sclavenhündler; er führte Mordschan mit andern Sclaven nach der Hauptstadt El-Obeid. Als sie in die Nähe der Hauptstadt kamen, wurde ein Soldat der ägyptischen Garnison, der eben Wasser aus einem Brunnen schöpfte, ihrer ansichtig. Der Soldat, einen Korbatsch iPeitsche aus Büffelhaut) in der Hand haltend, gieng sofort auf den Sclaventrupp zu und fragte den Araber in barschem Tone: „Woher kommen diese Sclaven?" Als der Araber die Auskunft verweigerte, hieb der Soldat mit seiner Peitsche auf denselben ein und trieb ihn mit den Sclaven zum Divan (Amtsgebäude der Behörden). Dort wurde der Araber des Sclavenhandels überführt, gepeitscht und eingekerkert. Aber während der Nacht gieng eine große Veränderung vor sich; der Bakschisch (Trinkgeld) that seine wunderbare Schuldigkeit. Der Sclavenhündler wusste durch Bestechung die ägyptischen Beamten so zu beeinflussen, dass er nicht nur der Bestrafung entgieng, sondern ihm überdies fünf Sclaven in der Eigenschaft als Diener belassen wurden und er die übrigen verkaufen konnte. Unser Mordschan gieng durch Kauf in den Besitz eines Arabers Namens Abd-el-Habib Samhur über. Dieser Araber trieb mit seinem Bruder Hassan und andern Genossen verschiedene Handelsgeschäfte in Kordofan und Darfur. Er hatte seine Ware verkauft, mehrere Sclaven erworben und brach nun durch die Bayuda-Steppe nach Dongola am Nil auf. Während der Wüstenreise starb zuerst Abd-el-Habib und wurde in der Nähe eines Brunnens begraben. Das gleiche Schicksal ereilte nach einigen Tagen den Bruder Hassan. Von dem Geschäftsführer der beiden Verstorbenen wurden die Sclaven nach Dongola geführt und von dort nach Darau am Nil nördlich von Assuan, wo sie an verschiedene Eingeborene verkauft wurden. Mordschan wurde von einem Fellachen Namens Ibrahim erworben. Bei diesem arbeitete er über sechs Jahre hindurch. Als in den Jahren 1884 und 1885 die Engländer in Oberägypten und Nubien erschienen, um Expeditionen gegen die Mahdisten zu organisieren, wurden zahlreiche Sclaven in die Neger-Regimenter eingereiht. Dieses Los traf auch unsern Mordschan. Sein monatliches Gehalt im Heere war 75 Piaster (etwa 19 Francs). Er machte den denkwürdigen Feldzug des Generals Wolseley zum Entsätze Gordon Paschas aus Chartum mit und kam hierbei über Dongola bis nach Metammeh am Nil. Die Strapazen dieses Feldzuges hatten unserm Mordschan eine bedenkliche Krankheit zugezogen, die bei seiner Ankunft in Kairo dessen Entlassung aus dem Heere zur Folge hatte. In Kairo verdiente er sich seinen Unterhalt durch verschiedene Arbeiten. Im Jahre 1888 erfuhr er durch unsern christlichen Neger Titus von der Neger-colonie in Geziret. Da er damals eben ohne Stellung war, begab er sich in die Kolonie und fand freundliche Aufnahme. Nachdem er in den Religionswahrheiten gehörig unterrichtet war, wurde er auf den Namen Emil getauft. Als ich mir seine Lebensschicksale von ihm erzählen ließ, bemerkte er mir wiederholt, dass er nur mit Schmerz und ungern an die Zeit seiner Sclaverei denke; während der Erzählung sah man ihm deutlich eine gewisse Traurigkeit und Verstimmung au. Diese Beobachtung macht man fast durchwegs, wenn man die armen Neger über ihre Lebensschicksale und die Zeit ihrer Sclaverei ausforscht. P. Fa». Geyer, F. 8. C. A'flt die Redaction: P. Xaver Geyer, F. S. C. — Druck von A. Wege Fs f b. Hosbuchdruckerei, Brixen. Einladung znr Bestcllnng der illustrierten Zeitschrift für Glaubensverbreituug in Afrika herausgegeben vom Missionshaus der „Zähne der hlst. Herzens Jesu" in Mühlkind hei Brixen (Tirol). Mit Juli 1899 begann der „Stern der Neger" das zweite Halbjahr des II. Jahrganges. Die Zeitschrift, welche am Ende jeden Monats erscheint, bringt Aufsätze und Abhandlungen über die Neger, ihre Christlichmachung und Civilisierung, sowie Besprechungen von Ereignissen, welche das ewige und zeitliche Heil, Wohl und Wehe der Neger berühren, ferner Originalbriefe, Mittheilungen und Nachrichten unserer Missionäre in Afrika, endlich die wichtigeren Begebenheiten ans unserer Congregation, sowie aus unserem Missionshause. Als Organ der „Söhne des hlst. Herzens Jesu" und ihres Missionshauses, das dem Herzen Jesu geweiht und unter den Schutz unserer Lieben Frau gestellt ist, wird der „Stern der Neger" bei seinem jedesmaligen Erscheinen das hlst. Herz Jesu und die allerseligste Gottesmutter durch irgendeinen Artikel verehren oder auch etwas zu Ehren der hl. Familie bringen, die den Boden Afrikas durch ihre Gegenwart geheiligt hat. Durch die Gnade Sr. Eminenz des hochwürdigsten Cardinals Gruscha, Fürsterzbischofes von Wien, wurde unsere Zeitschrift zum Organ des „Maricn-Vereines für Afrika" gewählt, und wird dieselbe daher auch die wichtigsten Mittheilungen aus diesem altehrwürdigen und um unsere Mission hochverdienten Vereine bringen. Den Text erläutern Abbildungen aus unseren Missionsstationen, Land und geuten des Missionsgebietes. Die nun erfolgte Erschlieszung des Sudan öffnet unserer Congregation einen ungeheuren Wirkungskreis: derselbe reicht vom rothen Mee.e bis nach Adamaua und vom ersten Nilkatarakt bei Assuan bis an den Albert-Nyanza-See: ein Land voll Wunder und Seltenheiten in Natur-, Thier- und Pflanzenwelt, wo 40 Millionen Menschen ihr Heil erwarten. Dieses Gebiet dem liebevollen Herzen Jesu zu gewinnen, ist Aufgabe der Congregation „Söhne des hlst. Herzens". Die erweiterte Missionsarbeit wird uns in Stand setzen, unsern Lesern eine Fülle von Erlebnissen und Erfahrungen zu berichten, die das opferfreudige Wirken der Missionäre umfasst, und dies in einem Gebiete, das unter allen afrikanischen Ländern durch die jetzige Lage der Dinge in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt ist. Möchten sich recht viele Berufene für diese Missionscon-gregation melden! Wer sich berufen fühlt, möge sich behufs Aufnahme vertrauensvoll an den unterzeichneten Obern des Missionshauses des hlst. Herzens Jesu in Mnhland bei Briren (Tirol) wenden! Wir bitten aber auch alle, die es vermögen, durch Bestellung des „Stern der Neger" unsere heilige Sache unterstützen zu wollen. Der jährliche Preis beträgt mit Postversendung 1 fl. 50 kr. Ö. W. (3 Mark); für das Halbjahr, Juli—December 75 kr. Wir bitten recht herzlich, die Bestellungen bald uns zukommen zu lassen. Bestellungen erbittet und nimmt entgegen Hiiti Mstonghims kr Söhne des hlst. %n\m Jesu in Wühk'anö ßet (prixen (HivoL). P. $. X. Geyer, F. S. C. AnstchWOdiilPiMN der CMgregMH der Mißt des heilißsten Hebens Jehl» Die Congregation besteht aus Ordenspriestern und Ordenslaienbrüdern. Es werden in dieselbe außer Priestern aufgenommen Studenten und Laienbrüder. Hiezu wird von der Regel erfordert: 1. Für Studenten: dass sie wenigstens 16 und nicht über 34 Jahre alt, von guter körperlicher Gesundheit, hinreichenden Fähigkeiten, gediegenem und beständigem Charakter, von habituell guter Aufführung, frei von Schulden und Familienhindernissen sind; ferner, dass sie nie in Missionen gewesen sind und nie einer anderen geistlichen Genossenschaft angehört haben, dass sie den aufrichtigen Willen besitzen, Ordensleute zu werden und sich für immer der Mission zu weihen; dass sie so viele Studien gemacht haben, um regelrecht der Philosophie und Theologie sich widmen zu können, zum mindesten jedoch, dass sie die 5. Gymnasial-classe absolviert haben. 2. Für Laienbrüder: dass sie das 20. Jahr vollendet und das 30. nicht überschritten haben, feste Gesundheit und körperliche Kräftigkeit, offenen Sinn und gesunden Verstand, Kenntnis irgend einer mechanischen Kunst oder eines Handwerkes , genügenden Unterricht und Befähigung, um an Ort und Stelle fremde Sprachen zu erlernen, besitzen; dass sie von bürgerlichen und militärischen Verpflichtungen und von Seite ihrer Familien frei sind, keine Schulden oder sonst, Verpflichtungen welcher Art nur immer haben; dass sie noch nicht in Missionen gewesen find und kemer anderen geistlichen Genossenschaft angehört haben; vor allem aber, dass ihre sittliche Aufführung derart ist, dass man mit Grund Gutes von ihnen hoffen kann. Alle müssen zwei Jahre Noviziat machen, worauf sie, wenn nach dem Urtheile der Obern kein Hindernis entgegensteht, die heiligen lebenslänglichen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ablegen. Die Studenten setzen dann ihre Studien für bas Priesterthum fort. Beim Eintritt in die Congregation muss jeder eine bescheidene Ausstattung an Kleidung und Leibwäsche mit sich bringen und soviel Geld, als zur Rückkehr in die Heimat erforderlich ist, wenn solche aus einem triftigen Grunde sich als nöthig erweisen sollte. Nach ihrem Eintritte, seien sie Studenten oder Laien, übernimmt das Institut ihre Versorgung in allem Nöthigen, in Gesundheit und Krankheit, wie für seine Söhne. Behufs Aufnahme in die Congregation ist an den?. Rector des Missionshauses der Söhne des hlst. Herzens Jesu in Mühland bei Brixen (Tirol) Folgendes einzusenden: 1. Ein Aufnahmsgesuch mit kurzer Lebensbeschreibung und der Erklärung Ordensmann und Missionär für die Neger lebenslänglich sein zu wollen; 2. das Zeugnis des Bischofs der eigenen Diöcese; 3. das Tauf- und Firmungszeugnis; 4. ein Mttenzeugnis, ausgestellt vom eigenen Pfarrer; 5. ein ärztliches Gesundheitszeugnis; 6. (bei Minderjährigen) die Zustimmungserklärung des Vaters oder Vormundes; 7. (bei Studenten) die Zeugnisse der absolvierten Gymuasialclassen, besonders der letzten; 8 (bei Laien) im Gesuche angeben, ob sie ein Handwerk verstehen.