t Seine fb. Gnaden, der Hochwtirdigste nnd Hochgeborene Herr Dr. Michael Napotnik, Furstbischof von Lavant. Die Fiirstbisehofliehe mit iliren Vororten. - - Ein culturhistorisches Essay tiber die Vorzeit. - — Von Dr. Josef Pajek. ©_ i .G) č>. c _ S) Mit Druckerlaubnis des hochwiirdigsten fb. Lavanter Ordinariates vom 30. Juni 1900, Nr. 21/Praes. (s T r is)(s r ? e) Marburg 1900. Im Verlage des Verfassers. — St. Cyrillus*Buchdruckci , ei. UfilM Nr. 21/Praes. An den Hochwiirdigen Herrn Dr.Josef Pajek, Domcapitular, F. B. Consistorialrath , Canonicus Theologalis, Theologieprofessor, Correspondent der k. k. Central - Commission fur Kunst- und historische Denkmale, Ritter des Ordens der eisernen Krone III. Classe und Besitzer der Jubilaeums-Erinnerungsmedaille fur Civil-Staatsbedienstete in Marburg. Den Mir mit geschatztem Begleitschreiben vom 25. Juni 1900 vorgelegten und gewidmeten Aufsatz: »Die fiirstbischofliche Re- sidenzstadt Marburg mit ihren Vororten. Ein culturhistorisches Essay iiber die Vorzeit von dr. Josef Pajek« genehmige Ich mit freudigem Danke und ertheile fiir dessen Veroffentlichung im Sinne der apostolischen Constitution Officiorum ac mune- rum de dato 8. Kal. Febr. 1896 recht gerne die erbetene kirch- liche Druckerlaubnis. Dulce et utile est, patriae facta referre. Marburg, am Feste des hi. Apostelfursten Paulus, den 30. Juni 1900. t MICHAEL, Fiirstbischof. W idmung. Seiner Furstbischoflichen Gnaden, dem Hochwiirdigsten und Hochgeborenen Herrn Dr. MICHAEL NAPOTNIK, Furstbischof von Lavant etc. etc. dem unermiidlichen Beforderer der VVissenschaft und Frommig- keit, dieser beiden unentbehrlichen Voraussetzungen allerwahren Cultur, in tiefster Ehrfurcht dargebracht vom treugehorsamsten VERFASSER. Die fiirstbischofliche Residenzstadt Marburg mit ihren Vororten. Vortrag bei der am 24. Juli 1900 in Marburg abgehaltenen General-Versamm- lung der Leo-Gesellschaft. Motto. »Wohin ich mag rings in der Landschaft schauen, Alltiberall nur Segen und Gedeihen! Ein Erdenparadies sind diese Gauen, Wo gute Menschen ihres Gliiclds sich freuen«. Professor Johann Anton Suppantschitsch, Ku- radikogel, in Anton Schlossar’s Steiermark im deutschen Liede, II. Th. S. 207. I. Werdegang der Lavanter Diocese. Unter dem 25. Juli 1225 bewilligte Papst Honorius III. zu Reate auf Bitten Eberhards II., Erzbischofes von Salzburg, die Griindung des Bisthumes Lavant zu St. Andra in Karaten, und am 10. Mai 1228 wurde vom gedachten Erzbisehofe die Stif- tungsurkunde betreffs des Bisthums Lavant ausgestellt. Die neuerrichtete Diocese umfasste nur sieben nahe an der Grenze von Steiermark und Karaten gelegene Pfarren. Im Jahre 1786 wurden der Diocese Lavant der Volker- markter-Kreis in Karaten, und der Cillier-Kreis in Steiermark zugetheilt. Laut Urkunde vom 6. November 1788 trat Michael Bri- gido, Fursterzbischof von Laibach, die an der Drau gelegenen Pfarren des supprimierten Erzbisthumes Gorz an den Fiirst- bischof von Seckau ab. Unter dem 8. November 1788 wurden vom Erzbisehofe Brigido dem Fiirstbischofe von Lavant andere, zwischen der Drau und Save gelegene Pfarren zugewiesen. Mit dem Decrete der hi. Consistorialcongregation ddo. 20. Mai 1857 wurde die bisherige Stadtpfarrkirche zum hi. Jo- hannes Baptista in Marburg zur Kathedrale erhoben, und als ordentliche Residenz des Fiirstbischofes von Lavant bestimmt. Mit dem 1. Juni 1859 gieng die Pastorierung des Lavant- thales in Karaten an dem Ftirstbischof von Gurk, und die. Besorgung des dem Bisthume Lavant zugesprochenen neuen Antheiles in Unter-Steiermark mit 1. September 1859 von Seckau an Lavant iiber. Am 4. September 1859 hielt der damalige Fiirsbischof von Lavant, Anton Martin Slomschek, seinen feierlichen Einzug in die neue Kathedrale. Gegenwartiger Ordinarius der Lavanter Diocese sind Seine Furstbischoflichen Gnaden, der Hochwiirdigste und Hoch- geborene Herr Dr. Michael Napotnik, Fiirstbischof von Lavant, inthronisiert am 17. November 1889. II. Regierungsdauer der Oberhirten von Lavant. Hochwiirdigst dem gegenwartigen Oberhirten sind in der Regierung der Lavanter Diocese 53 Bischofe vorausgegangen. Davon haben 2 Bischofe nur je 1 Jahr regiert; 8 von ihnen regierten 5 Jahre, 17 durch 10 Jahre; 12 Bischofen war es ge- geben bis je 15 Jahre zu regieren; 5 haben den Hinterstab 20 Jahre geftihrt und 6 von ihnen war es gegonnt, das silberne Bischofsjubilaum zu feiern; 2 haben je 30 Regierungsjahre er- lebt; einem waren 31 Jahre beschieden; der beriihmte Gegen- reformator und thatkraftige Statthalter von Steiermark, Fiirst- bischof Georg von Palmburg, hat die Diocese sogar 34 Jahre (1584—1618) geleitet. III. Bodenbeschaffenheit ; Ig. Kollmann’s Sang auf den Pacher. Gegenwartig umfasst die Lavanter Diocese das stidlich vom Gebirgszuge des Posruck (Bocksruck) und der sich nach Osten wendenden Mur gelegene, zum Herzogthume Steier¬ mark gehorige Gebiet. In orographischer Hinsicht ist die Lavanter Diocese Alpen- land. Das dem nordlichen Randgebirge Posruck gegenuber- liegende .herrliche Pachergebirge ist ein Urgebirgsriicken, der den einheimischen Dichter Ignaz Kollmann zu nachstehendem Herzensergusse begeistert hat: »Sehet von schonem Himmelslicht umfloSen Sich erhebend in des Athers Blau, Stolz mit Buchenlaub das Haupt umsprofien Jenen Berg Ihr an der stillen Drau? »Vater Bacher!« — rufen dir die Griifie Aus den Thalern unseres Landes zu. Von des Rittersbergers Rebenhohen Blicken neidlos wir zum Rheine hin, Des Burgunders siifien Purpur sehen Wir in deinem Gonobizer gliihn. Wal’dger Bacher, dein Geholze schwemmen Dravas Fluthen bis zum Ister fort, Unter Tausenden von deinen Stammen Wohnen Menschen fremder Zungen dort. Auf dem Meere schwimmen deine Maste, Lustig schwillt das Segel in der Luft; Kunst und Handel einen, was sich hafite, Und der Friede iiberspannt die Kluft. So wie dich auf Gottes schonem Grunde, Hohe Zinne unserer Steiermark, Vater Bacher, zeig’ die spat’ste Kunde Habsburgs Fiirstenthron noch grofi und stark; Wie auf dir, so bliih auf seinen Hohen, Uns zur Wonne, — Segen, Fruchtbarkeit, Und Jahrhunderte der Zukunft sehen Seine, deine Grofie noch erfreut«. IV. Die Mur, der Draufluss und die Save. Unter den bedeutenderen Flussen ist zuerst die Mur zu nennen, welche, wie bereits gemeldet, die nordliche Grenze der Diocese bespult. — Die Drau durchschneidet das Land in ostlicher Richtung von Unterdrauburg bis an die ungarische Grenze. Wie die Mur im Norden, so bildet die Save im Siiden die Grenze der Diocese und des Herzogthums Steiermark. V. Zwei gute Nachbarn unter einem Dache. Hinsichtlich der Bevolkerung dieses gesegneten Land- striches gibt uns bie Volkszahlung vom Jahre 1890 folgende Aufschliisse: Slovenen wurden 397.210 gezahlt. Die Zahl der deutschen Bewohner des Landes wurde mit 96.143 berechnet. In Procenten ausgedriickt stellt sich das Verhaltnis der beiden Nachbarn, die im Ganzen in christlicher Eintracht friedlich beisammen wohnen, dar als 81°; 0 zu 19°/ 0 » 10 -§* VI. Geistervermalung. Gestatte mir die hochansehnliche Versammlung, dass ich Ihnen eine schlichte Geistesbliithe darbringe, die der sloveni- schen Volksseele entsprofien ist, und welche uns in deutscher Bearbeitung Hyazinth von Schulheim im zweiten Hefte des funften Jahrganges der ersten Folge der Historischen Zeit- schrift fur Steiermark, S. 1—3 dargeboten hat. »Das Voglein singt, das Voglein singt, Dass weit die griine Au erklingt. Es schaut dahin, es schaut dabin, Die Herrin in dem Schlosse drin. »Komm’ Vogelein, komrn’ Vogelein, Zu mir ins weifie Schloss herein! Du solist bei mir, du solist bei mir Die besten Trauben essen hier. Ich biete dann, ich biete dann Den besten Wein als Trunk dir an. Dem Koniglein, dem Koniglein, Solist du dort an der Seite sein. Dort sitzest du, dort sitzest du, Und singest Lieder mir dazu«. — »Ich will von hier, ich will von hier, O junge Frau, doch nicht zu dir. Du wiirdest mich, du wiirdest mich Ins Schloss einsperren sicherlich. Mit froherhn Sinn, mit froher’m Sinn, Flieg ich nach meines Waldes Griin. Und stille hier, und stille hier, Den Hunger auf dem Weizfeld mir. Und trink mich voli, und trink mich voli Von Wasser, das dem Berg entquoll. Und stimme dann, und stimme dann Ein Lied aus voller Seele an,« 11 -Š- VII. Statistisches. In den grofieren Ortschaften stellt sich Verhaltnis der Deutschen und Slovenen also dar: Marburg zahlt 15.950 Deutsche und 2653 Slovenen; Cilli zahlt 4442 Deutsche und 1577 Slovenen; Pettau zahlt 2630 IDeutsche und 627 Slovenen. Die Diocese Lavant zahlt im Bereiche ihrer 24 Decanate 219 Pfarren mit 510.938 katholischen Bewohnern, die von 363 Priestern pastoriert werden. Die Gesammtzahl aller Priester betragt 487, die der Kirchen und Kapellen 664. VIII. Das Draugelande und der Sanger Suppantschitsch. Der bereits erwahnte vaterlandische Musensohn, Johann Anton Suppantschitsch, hat in gar manchem Poem die Schon- heit der siidlichen Steiermark, zumal auch Marburgs gepriesen. Uber unser Draugelande hat er sich aber also vernehmen lassen: »O Pettau, bitih’ gesegnet, bitih’ noch lange Durch Gottes Schutz, ein frohbegltickter Ort! Ihr lieben, die ihr hold seid meinem Sange, Euch dufte auch der Freude Kelch hinfort, Bis uns’re Lebensbltithe sinket, Und uns des Grabes stiller Rasen vvinket. O Wurmberg, graue Burg aus grauer Zeit, Wie hab’ in deinen Hallen ich so gerne Gedanken deiner Vorzeit mich geweiht! Ich fuhl’s um mich wie Geisterreigen schweben, Fiihl’ wundersam der Vorwelt Tone beben. Wie winkt dem Auge dort vom andern Strande Das weingepries’ne Sauritsch gastlich her! Es kreist sein edler Trank im ganzen Lan de, An ferner Tafelrunde selbst umher! Der Becher sei mit Rosenlaub umkranzet, In welchem golden dieser Nektar glanzet. Mit Ehrfurcht wend’ ich hin nach dir die Blicke, O Neustift, majestat’sches Gotteshaus! Wie hier der Erde sich der Geist ertrticke, Ich ftihls; doch welche Lippe spricht es aus? Im Tempeldunkel deiner Riesensaulen, Mag jede Lebenswunde wolil verheilen. -I- 12 -*■ Wohin ich mag rings in die Landschaft schauen, Alliiberall nur Segen und Gedeihen! Ein Erdenparadies sind diese Gauen, Wo gute Menschen ihres Gliick’s sich freuen. IX. Zwei Manner und ein Herz. Es drangt mich iiber die beiden Dichter, welche die Schon- heit unserer lieben Heimat so tief empfunden, und mit weihe- vollem Spruch so herrlich gepriesen haben, wenigstens Einiges zu sagen. Johann Anton Suppantschitsch ist am 21. Mai 1788 in Laibach geboren worden, studierte in Laibach und betrieb als Hauslehrer bei einem Cavalier Poesie, Geschichte und Alterthumswissenschaft. Spater wurde er Supplent am Gymna- sium in Laibach und sodann Professor der Geographie und Geschichte am Gymnasium in Cilli, wo er auf Anton Martin Slomschek, den spateren Fiirstbischof von Lavant, ungemein wohlthatig einwirkte und dessen poetischer Veranlagung gedeih- liche Impulse gab. Im J. 1819 wurde Suppantschitsch Humani- tatsprofessor am Gymnasium in Marburg. Sodann vertauschte er seinen Dienstposten mit Dr. Gustav Rudolph Puff, dem Geschichtschreiber der Stadt Marburg, und kam nach Capo d’Istria, wo er am 26. Juli 1833 starb. Ignaz Kollmann, geboren in Graz im Jahre 1775, wurde Beamter in dem zwei Stunden ostlich von Marburg gelegenen Schlosse Gutenhag, spater aber Secretar des Ftirsten Porcia, mit dem er Italien bereiste, bis er eine Anstellung beirn Magi¬ strate in Triest erlangte. Im Jah. 1811 erregte er die Aufmerk- samkeit des Erzherzogs Johann, der ihm die Scriptorstelle am neugegrtindeten Ioanneum in Graz zuwendete. In dieser Eigen- schaft wirkte er bis zu seinem Tode. Im Jahre 1812 begrundete er die Zeitschrift »Der Aufmerksame«, in welcher sein ganz gesinnungsgleicher Freund Johann Anton Suppantschitsch mit Vorliebe seine Dichtungen zu veroffentlichen pflegte. Ignaz Kollmann war Ehrenbiirger von Graz, Marburg und Cilli, und kann ihn also auch diese freundliche Stadt den Ihrigen nennen. X. Cultur der vorromischen Zeit. Aus der vorgeschichtlichen Zeit erwahne ich die im Be- reiche der Lavanter Diocese bei Negau gelundenen und im Antikencabinete des Joanneums in Graz aufbewahrten Bronze- waffen. Die Dom- und Stadtpfarrkirche zum heiligen Johannes dem Taufer in Marburg. -S- 13 -S- Aus der Zeit der Kelten sind uns etwelche bei Trifail und Cilli aufgefundene Miinzen erhalten geblieben. Die Graberfunde bezeugen den Glauben der vorromischen Landesbewohner an die Unsterblicheit der Seele, da sie den Abgeschiedenen ihre Waffen und ihren Schmuck zumGebrauche ins Jenseits mitgaben. Die »Mittheilungen der k. k. Central- Commission fiir Erforschung und Erhaltung der Kunst- und historischen Denkmale« brachten im 2. Hefte des 26. Bandes vom Jahre 1900 auf S. 102 folgenden Bericht: »Conservator Bergrath Emanuel Riedl hat in Begleitung des Grundbesitzers F. Planinz die ergiebige Fundstelle der Realitat Nr. 9, am Loibenberge nordostlich von Videm, am linken Saveufer sorgfaltig untersucht. Nach Angabe des F. Planinz fanden sicb die nachtehend verzeichneten Reste vereinzelt in einer Tiefe von 1—3 m vor. Die aufgefundene Urne ist schalen- formig, von schwarzer Farbe. Aus Bronze wurden gefunden: eine ganz einfache Fibula oder Sicherheitsnadel, Arm- und Fuftringe, im Ganzen 9 Stiick . . . Aus Eisen fanden sich: ein Dolch, eine Axt und eine Pfeilspitze, endlich Messerreste«. Ich habe diesen Fund deswegen naher besprochen, weil mir der Fundort recht wohl bekannt ist. Ein sogenanntes Keltenbeil aus Stein und eine bei Videm gefundene Fibula habe ich vor etwa 20 Jahren dem hiesigen k. k. Gymnasium iibergeben. XI. Unter romischer Herrschaft. Um das Jahr 16. vor Christi waren auch die norischen Volker romische Unterthanen geivorden. In der heutigen Steier- mark entwickelten sich zur Zeit der Romer drei bedeutendere befestigte Stadte: Celeia (Cilli), Poetovio (Pettau), und Flavium Solvense, das auf dem Gebiete des heutigen Dorfes Wagna, sud-ostlich von Leibnitz lag. Der Sitz des Statthalters von Noricum war langere Zeit Celeia. Derselbe war nach der Dar- stellung des Professors Simon Rutar, welche sich in den Uzvestja« oder Publicationen des Museums-Vereines fiir Krain, Jahrgang V, Laibach 1895, auf S. 195 findet, mit der hochsten militarischen und richterlichen Gewalt ausgestattet und besorgte zugleich auch die Verwaltung. Er fiihrte den Titel »Procurator Augusti?. Unter Claudius wird der erste Procurator C. Baebius Atticus genannt. Die Zahl der mit Namen bekannten Procura- toren betragt laut der Steininschriften in Cilli I9. (Vergl. Dr. G. Sehon, Romische Inschriften in Cilli, Cilli 1894, S. 40 und 41). Zu Lotschitz in der Nahe von Cilli befand sich ein Castell, und hat uns dariiber Herr Conservator Riedl in den »Mittheil. •S- 14 -§- d. C. C.« 25. Band, 1899, 4. Heft, S. 214 und 215 berichtet und seinen Ausfuhrungen einen Situationsplan beigegeben. Er spricht seine Vermuthung dahin aus, dass man es in diesem Terrain mit einer nahe dem Einflusse der Wolska in die Sann gelegenen Militarstation, einem Vorwerke der Militarstadt Celeia zu thun habe. Die Pflasterziegel weisen das Siegel: »Legio II. Italica« auf. XII. Pettau und sein Mithrastempel. Uber das romische Poetovio hat Conservator, kaiserlicher Rath Dr. G. Jenny in den »Mittheil. d. C. C.« eingehend berichtet und ist dieser Bericht auch als Separatpublication erschienen. Von ganz hervorragender Bedeutung ist aber die Abhand- lung: »Ausgrabungen auf den Statten der Romerstadt Poetovio. Von Professor Dr. W. Gurlitt, k. k. Conservator. Mit einer Bei- lage und einem Plane« (Mittheil. d. C. C. XXVI. Band, 2 Heft, S. 91—96). Die Ausgrabungen vom 12. October 1898 brachten die Bestatigung der Vermuthung, dass sich in Unter-Haidin auf Parcelle 1066 ein Mithras - Heiligthum befunden habe. Es fand sich namlich eine Ara mit der Inschrift: Invicto Mithrae Festus Primi puhlici portorii vilici vicarius votum solvit. Sodann wurden noch mehrere Altare und eine Sculptur an den Tag gefordert, welche Mithras aus einem von einer Schlange umwundenen Felsen aufsteigend darstellt mit der In¬ schrift: Naturae Dei, Prudens, Primi Antoni Rufi puhlici por¬ torii vilici vicarius. Eine andere Sculptur stellt Mithras dar, wie er den er- legten Stier auf dem Riicken tragt. Die Weihenden sind mit Ausnahme eines einzigen Sklaven, die bei der Einhebung des illyrischen Zolles (publicum posto- rium) beschaftigt waren. Die Herren dieser Sklaven, Antonius Rufus und Sabinius Veranus, sind identisch mit den auch sonst auf Inschriften vorkommenden Zollpachtern aus der Mitte des zweiten Jahrhundertes nach Christus. Damit ist die Entstehungs- zeit dieses Mithras-Tempels flxiert; er gehort zu den altesten bisher bekannten Cultusstatten dieser asiatischen Gottheit, die im Bereiche der heutigen Lavanter Diocese auch zu Maria Rast und am Donatiberge ihre Heiligthiimer hatte. Die Aufschrift »Natura Dei« bezieht sich wohl auf die Geburt des Gottes Mithras. Neben den Darstellungen des Mithras fanden sich auch solche des Volcanus und der Venus mit Amor. Als ich am 8. Juni 1900 das Ferk-Museum in Pettau be- suchte, fand ich daselbst eine vom gedachten Mithraum her- riihrendePlatte mit der Inschrift: Volcano et Veneri. Aug. sacrum. -§- 15 -s- Von Mithras vermuthet man, dass er der Lichtgott der Iranier war. In den indischen Veda-s wird Mithra mit Varuna, dem griechischen Uranos in Verbindung gebracht. Nach dem Zend Avesta hat Mithras seinen Sitz auf einem hohen Berge im Osten und bringt den Menschen von dort taglich das belebende Licht. Mithras ist als Gott des Sonnenlichtes, das iiberall hin- dringt, allwissend und der Schiitzer der Wahrhaftigkeit in Gedanken und Werken, und der geschlossenen Vertrage. Als ge\valtiger Kampfer gegen die Damonen der Finsternis (Schlan- gen, Centauren) wird er dargestellt, wie er den Stier todtet, hier in Pettau aber, wie er das bereits getodtete Ungethum davon tragt. Das Endergebnis der gedachten Ausgrabungen ist dieses: auf dem engen Raume von rund 60 m im Geviert sind vier Heiligthiimer und zwei andere dem offentlichen Verkehre die- nende Gebaude aufgedeckt, die Richtung einer Strafie, der Fortuna-Strafle, ist sicher bestimmt worden. Zwei grofie Sculp- turen haben sich gefunden. Bereits erhebt sich iiber der An- lage ein Schutzbau, und wird dieses interessante Denkmal, der einzige iiber dem Buden hervorragende Romerbau in Inner- osterreich auch fernerhin dem Studium und der Besichtigung zuganglich bleiben. Ich hatte am 27. Juni 1899 Gelegenheit die Anlage eingehend zu besichtigen. XIII. Zwei christliche Grabdenkmale aus der Romerzeit; Sanct Victorin und das Bisthum Pettau. Vergebens forschte ich im Pettauer Museum nach zwei in Rogosniz n.-6. von Pettau aufgefundenen Bronzen von christ- lichen Grabdenkmalern, die aus der Zeit des romisch-christ- lichen Episcopates herriihren. Sie stellen nach Angabe des Monsignore Johann Graus das Monogramm Christi in Form sechsspeichiger Rader dar, wovon das erste 8 cm und das andere 6 cm im Durchmesser hat, um welche wie bei Miinzen Umschriften angebracht sind. Das eine hat die Legende: Intimius Maximilianus Fratres Crispino posuerunt. Die Inschrift des anderen lautet: Votum PUGINIO posuit. (Kirchen-Schmuck 1884, S. 127 und 143). Seine fiirstbischoflichen Gnaden, der hochwiirdigste Herr Ordinarius haben durch eine bedeutsame Publication zur Auf- hellung der Geschichte des alten Poetovio beigetragen. Im Jahre 1888 erschien namlich in Wien in slovenischer Sprache das umfangreiche Quellenwerk: »Der heil. Victorinus, Bischof von Pettau, Kirchenschriftsteller und Martyrer«. ~ 1 - 16 ■-§•- Eine recht gute Ubersicht der Entwickelung der kirch- lichen Verhaltnisse von Pettau bietet uns die slovenische Mono- graphie »Das Bisthum und das Archidiaconat in Pettau« vom ftirstbischoflichen geistlichen Rathe Matthaus Slekovec, Pfarrer zu St. Marcus bei Pettau, die zu Marburg 1889 erschienen ist. XIV. Vespasianus, strategische Obstruction und der ersehnte Volkerfriede. Kaiser Vespasian ist im Jahre 9 nach Christ. Gela. auf einem Landgute bei Reate geboren worden, wo Papst Honorius III. am 10. Mai 1228 die Griindung des Bisthums Lavant bewilligt hat. Wahrend er als romischer Feldherr mit der Eroberung Judaas beschaftigt war, riefen ihn seine Legionen am 3. Juli 69 zum Kaiser aus; bald schloss sich ihm liber Vorschlag des Antonius Primus zu Pettau auch die 13. Legion an, nachdem es gelungen war, die Frage: »Placeretne obstrui Pannoniae Alpes, doneč a tergo vires universae consurgerent, an ire co- minus et certare« (Cornelii Taciti Historiarum lib. 3, cap. I) dahin zu beantworten, dass man spreta segnitia nach Italien ziehen wolle, weil die von Einigen geplante Obstruction zum enviinschten Ziele nicht fiihren konne. Nach Uberschreitung der Alpen schlug Antonius Primus die Vitellianer bei Cremona und eroberte Rom, so dass dem Vespasianus die Thore der Hauptstadt offen standen. Vespasian war als Kaiser auf die Erhaltung des Friedens bedacht und suchte die Wunden zu heilen, welche der langwierige Biirgerzwist dem Reiche ge- schlagen hatte. Er liefi den Janustempel im Jahre 71 schlie- 6en, und baute einen Tempel des Friedens, der im J. 75 voll- endet wurde. Vespasian ist uns als Friedensfiirst sympathisch, weil er in seinem Leben die naturliche Tugend der Sanftmuth und Milde ausgepragt hat. Moge die vom heil. Vater Papst Leo XIII. unter dem 25. Mai 1899 angeordnete Weihe der Menschheit an das hochheilige Herz Jesu, die wir heuer am 24. Juni feierlich wiederholt haben, uns den Segen desjenigen zuwenden, »der unser Friede und unsere Versohnung ist«. 1 ) Es ist ja gewiss wahr und findet lauten Wiederhall, was- unser steirischer Volksdichter P. K. R. gesungen: »Leute gibt es allerlei Auf der weiten Gottesivelt. Wem die Sache nicht gefallt, ’) Litanei vom heiligsten Herzen Jesu. Der neue Herz Jesu-Altar in der Dom- und Stadtpfarrkirche in Marburg. ' -S- 17 -S- Wer da ausmarschiert, um Jeden, So nicht sein ist, zu befehden, Der wird nimmermehr auf Erden Mit der Fehde fertig werden. Nich einander jagen, schlagen, Sondern mit Geduld ertragen, Nach dem Rathe der Natur, Ist das Omega und Alpha Aller Bildung und Cultur. Wer da ausmarschiert, um jeden, Fremdgesinnten zu befehden, Der wird nimmermehr auf Erden Mit der Fehde fertig werden; War’ der letzte Feind zertreten, Stand’ allein er im Planeten«. Nicht die Zeiten sind schlimm, sondern wir selbst hab en Gott und der von ih m gesetzten Weltordnung den Riicken gekehrt, und so ist denn auch sein Friede von uns gewichen, den uns die Welt nicht wiedergeben kann. Der heilige Vater Papst Leo XIII. betont im Rundschreiben »Sapientiae christianae« vom 10. Janner 1890 diese Wahrbeit sehr nachdrucklich. »Die Riickkehr zu den weisen Lehren des Christenthums und eine vollige Umgestaltung der Lebensweise, Sitten und offentlichen Einrichtungen nach seinen Vorschriften werden taglich dringender . . . Mit dem Verfalle der christ- lichen Einrichtungen und Sitten stiirzen auch nothwendiger- weise die starksten Fundamente der menschlichen Gesell- schaft ein«. Gerne stimme ich unserem steirischen Dichter Karl Gott- fried Ritter von Leitner bei, der da singt: »In heil’gen Biichern steht zu lesen, Dass einstens eine Zeit gewesen, Da Engel noch in lichter Schar Vom Himmel stiegen nieder. Seid gut, wie jen’ Geschlecht es war, Und diese kommen wieder.« XV. Reste von zwei christlichen Basiliken des romischen Vorortes Celeia und Bischof Johannes. Imjahre 1897 fuhrte ein gliicklicher Zufall zur Endeckung der altesten bisher constatierten Kirche unserer Steiermark. Bei der Grundgrabung fiir das neue Postgebaude in der Ringstrasse in Cilli stieft man am 20. Mai 1897 auf Mosaik- boden. Aus der Form der Buchstaben, die sich im Mosaik fanden, schlofi man, dass der Boden im funften Jahrhunderte nach Christ. Geb. gelegt worden sei. Bald zeigte es sich auch, dass man eine altchristliche Basilika vor sich habe. Die Mauerreste 50—60 cm stark, nur stellenweise noch 50 cin hoch liber dem ursprunglichen Bodenniveau, beschrankten sich in der Haupt- sache auf zwei concentrisch gelagerte Halbkreis-Mauern, gegen Osten geschlossen, nach Westen liber den Halbkreis verlan- gert; die auftere Halbkreismauer ist mit einem Polygon von sechs Seiten tiberbaut gewesen. An dem Westende beider Mauer- kreise setzten andere geradlinig verlaufende Mauern an. Auber der Achse dieser Mauern, gegen Nordosten situiert, kam ein anderer Mauerhalbkreis von 10.24 ?« Durchmesser mitan- gefugtenMauernzumVorschein, die einen alteren Charakterzeigen. Das Langschiff der erstgenannten Basilika hatte eine Voll- breite von 13 in, und eine muthmafiliche Lange von 32 m. Die Basilika war dreischiffig, die aufgefundenen Saulenreste sind aus Pachermarmor hergestellt worden. Im Pavimente sind die Ornamente Nebensache; daflir tre- ten aber die Inschriften umsomehr hervor. Dieselben sollten das Andenken derjenigen bewahren, welche zur Herstellung des Mosaikes beigetragen haben. Unter den Spendern finden wir den Diacon Justinianus, einen Leo scholasticus und unter anderen einen Honoratus. Von besonderer Wichtigkeit scheint mir aber eine Marmor- platte zu sein, die ich am 30. Juni 1899 im Localmuseum in Cilli zu besichtigen Gelegenheit hatte. Dieselbe lag fruher nahe an der inneren Wand der Apsis der erstgedachten Ba¬ silika und misst in der Lange 0-96 m und in der Breite 0'88 m. An den vier Ecken fanden sich quadratische Plattchen, auf denen die Fiifie der bischoflichen Cathedra mogen geruht haben. Cilli mag sich bis ins sechste Jahrhundert als romische Stadt erhalten haben, und ist es nicht unwahrscheinlich, das zu dieser Zeit in Cilli ein Bischof residiert habe, welcher dem Patriarchen von Acjuileia untergeordnet war. Aus den Acten der allerdings nicht unbestrittenen Synode von Grado vom Jahre 579 ist zu entnehmen, dass dieselben nebst 32 anderen Theilnehmern auch Johannes, Bischof von Cilli unterschrieben habe: «Joannes Episcopus sanctae ecclesiae Celeianae.») 1 1 Sacrorum Conciliorum nova et amplissima collectio . . . quam Joannes Dominicus Mansi Lucensis . . . evulgavit. Florentiae 1763. Tomus IX., S. 923 bis 926. — Vgl. Reste einer altchristlichen Basilika im Boden Celejas. Vom Conservator Bergrath Riedl. Mit drei Text-IUustrationen und fiinf Tafeln, in den «Mitth. der C. C.» 1898, S. 219—225. — Joh. Graus, «Die altchristliche Basilika zu Cilli*., im «Kirchenschmuck», Graz 1898, S. 143—145. — Dr. J. Pajek, «die Reste von zwei christlichen Basiliken der ROmerstadt Celeia», im «Voditelj*, Marburg 1899, S. 51—61. -I- 19 -g- XVI. Spuren der romischen Herrschaft in und um Marburg. Von antiker Cultur sind in Marburg nur wenig Spuren zu finden. Die gemachten Fur.de weisen auf das rechte Drau- ufer hin, welches mit jener romischen Heerstrasse inVerbindung gestanden haben mag, die von Aquileia uber Laibach, Franz^ Sachsenfeld, Cilli, Gonobiz und Windisch-Feistriz nach Pettau fuhrte. Carl Schmutz fiihrt in seinem Historisch Topographischen Lexicon von Steiermark, Graz 1822, Band 2, S. 490 und 491 folgende romische nach Marburg gehorige Alterthtimer an. I. C. LUCIUS CANCIUS SECUNDUS V. F. SIB. ET CANTIAE JUNIAE BONIAE UXORI ET CANCIAE L. F. BONIATAE. II. NUTRICI AUG. SACR. PRO SALUTE MARULII VAL. F. RIA E MARELLAE VIII SATERV. Dr. Albert von Muchar bringt in seiner Geschichte des Herzogthums Steiermark, Gratz 1844, Band 1. auf Tafel IV. eine Abbildung des Denkmals I. «Cancius;>, und auf S. 396 fiigt er die Bemerkung bei: «Eines der grofiten, wohlerhaltensten und schonsten Romermonumente, mit drei Brustbildern in Me- daillonsform, welches sich gegenwartig in Joanneum zu Graz befindet... Dasselbe ist ganz irrig nach Marburg gesetzt worden. (Es gehort zu St. Leonhard bei Graz). III. C. TREBONIUS II. VIR ET PRAEF. I. D. CIV1TATIS AGUNTI. Diese Angabe findet sich in Muchar, op. cit. Band 1, S. 398 mit der Bemerkung: «Ein Bruchstiick von einer grofieren In- schrift. Die hier genannte Civitas Aguntina ist der Ort Agun- tum und dessen Umgegend zu Innichen im Pusterthale . . . Ein Cn. Trebonius und ein C. Trebonius Faustus Duumvir kommt auf einem Romersteine zu Seon beim Chiemsee vor.» An gedachter Stelle macht Muchar noch den Beisatz: «Bei der Stadtpfarrkirche befindet sich ein weibmarmorner Loive. 1 Man bemerkte daselbst auch Steinplatten aus weifiem Marmor als christliche Grabsteine, von welchen theils romische theils hebraische Inschriften weggemeisselt waren.» 1 Der uralte steinerne Lowe an der Stadtpfarrkirche zu Marburg. Gedicht von Professor J. A. Suppantschitscli, im «Aufmerksamen», Graz 23. Janner 1823. 2 •S— 20 —S*- Josef Andr. Janisch bringt in seinem Topographisch-sta- tistischen Lexicon von Steiermark, Graz 1885, Band 2. S. 191 dieFufinote: «Romer-Monumente finden sich in Marburg aufier den vom Stadtpfarr- und Tscheligithurm noch folgende: Ein Inschriftstein von Landscha im Badlschen Hause Nr. 36 alt der Grazervorstadt, 1 und in Melling der Grabstein des Firmus, Sohn des Sabinus. Ein Grabstein mit hebraischer Inschrift befindet sich in der Thoreinfahrt des Pirchan’schen Flauses in der Flerrengasse eingemauert.» Mit dem Monumente am Stadtpfarrthurme ist der bereits erwahnte Lowe gemeint. Der Tscheligithurm ist das siidwestliche sogenannte «Obere Bollwerk» an derDrau. Dr. Puff berichtet im gedachten Werke S. 99 Folgendes: «Der Thorbogen (des Hauses Nr. 242) steht in Ver- bindung mit dem runden Reckthurme, welcher 3 Stock hoch, aufien in der obersten Reihe 12 Fenster zeigt . . . An demselben befindet sich gegen Westen ein romisches Denkmal, der Kopf eines Mannes und einer Frau, und eine Nische von guter Arbeit. Gegen Osten ist ein Paphometskopf, zwischen zwei auswarts gewendeten Lowen, etwas kleiner als jene an der Kreisamts- ecke; (jetzt Basso Freiherr v. Godel-Lannoy, Karntnerstrasse Nr. 26) dariiber ein gothisches steinernes Giebelflechtwerk.» Eine ahnliche Darstellung findet sich zu St. Kunigund im Langenthale bei Marburg. Muchar schreibt dariiber in op. cit. I. 394: «Daselbst ist an der inneren Friedhofmauer ein plasti- sches Steingebilde aus weifiem Marmor, einen, auf einem Ge- simse stehenden Bachuskopf mit der phrygischen Miitze vor- stellend, rechts und links desselben zwei auswarts schauende ruhende Lowen, jeder einen Widderkopf unter den Vorder- pfoten haltend. Ganz gleiche Gebilde finden sich zu Waltersdorf und zu Strafigang bei Graz. Zwischen den Romermonumenten in Gamlitz und jenen zu Marburg macht dieses Denkmal das Bindungsglied und gibt den Beweis der uralten Strafie iiber den Platschberg, von der Mur an die Drau hinab.« Dieser Ansicht stimmt auch Dr. Franz Martin Mayer in seiner Geschichte der Steiermark, Graz 1898, S. 6 bei, indem er schreibt: »Von der Strafie, die von Celeja nach Virunum fiihrte, zweigte eine Strafie ab, welche die Verbindung zwischen Celeja und Flavium Solvense herstellte. Sie lief iiber Gonobitz, Lasnitz, Windisch-Feistriz und nahm dann die Richtung gegen Marburg; von da fiihrte sie iiber den Platsch nach Ehrenhausen und endlich nach Solva. Zu Kotsch bei Marburg befindet sich an der Kirche ein Stein mit mehreren Brustbildern, zu welchen laut Muchar, op. 1 Vielleicht ist damit das in der Nahe des s. 5. Festungsthurmes von Marburg befindliche Haus Nr. 36 des Franz Nendl gemeint. Vgl. Dr. Rudolf Gustav Puff, Marburg in Steiermark, Graz 1847, I. Bd., S. 116. -Jr- 21 H- cit. I. 393 wahrscheinlich folgende Inschrift gehort: SENNVS SACRI. F. H. ET CONAMOTOSO F. CONIUGI FIL. ET FILIAE V. F. In Kotsch zeigte man ehedem auch ein Milliare Romanum. Vielleicht steht Sennus im Zusammenhange mit Senatius. Zwischen Lembach und Rothwein, siidlich von Marburg, wurde auf ebenem Felde beim Pflugen ein Sarkophag gefunden. In der Umgebung des Schlosses Wiedenau, der Sommer- residenz des Furstbischofes von Lavant, hat man Miinzen von den Imperatoren Valerianus, Gallienus, Aurelianus und Con- stantin, romische Pflasterung mit sechseckigen Ziegeln, Back- steine, romische Lampen mit dem Siegel »Lucius F.«, zwei Reliefsgebilde mit geflugelten Genien, die Biiste einer Isis und einen Cippus ausgegraben, auf den man liest: »EPONAE AUG«, SACR. VA(L ?) VOLUSIUS EQUESTER. V. S. L. M. (Muchar, op. cit. I. 444). Im F.-B. Knaben-Seminar zu Marburg, Btirgerstrafte Nr. 52, findet sich an der gegen Westen schauenden Innenseite der ostlichen Flofmauer, zwischen dem Flofthore und dem ostlichen Seitentracte, ein romischer Denkstein eingemauert, dessen Ent- zifferung nicht unbedeutende Schwierigkeiten bereitet. Bei meinem ersten Besuche vom 25. Juni 1900, konnte ich an dem 75 cm breiten und 140 cm hohen Marmorsteine nur so viel constatieren, dass die obere Bekronung des Monumentes fehle, dass die vier Zeilen umfassende Legende aufier dem Worte AVITO, welches in der untersten Zeile steht, nichts bestimmtes aufweise, und dass vom Relief, welches das unter- ste Feld bedeckte, nur noch zwei nach unten und einwarts zusammenschauende Delphine erhalten seien. An einem der nachsten Tage begab ich mich nach Mel- ling, um mir das von Janisch erwahnte Denkmal des Firmus, des Sohnes des Sabinus, das sich im Mellingerhofe, ehemals Comthurei des Malteserordens, nunmehr Eigenthum der Karl Hauser’schen Erben, Kriehubergasse Nr. 19 und 21, eingelas- sen findet, zu besichtigen. Das zwei Stock hohe Schloss Melling, an dessen Thore einst das Wappen der Malteser prangte, wurde im J. 1844 sammt der sich gegen Siiden daran schliefienden Katharinen- kirche niedergerissen und die 30 Bilder der ehemaligen Com- thure von Melling nach allen Seiten hin verschleppt. Vor 20 Jahren habe ich eines derselben im 1. Stockwerke des Hotels »Zur Stadt Wien«, Nr. 25 der Tegettholfstrafie in Marburg, zu sehen Gelegenheit gehabt. Uber das Firmus-Denkinal berichtet Dr. R. G. Puff in seinem »Marburg«, Graz 1847, I. Bd. auf S. 140 wie folgt: »In dem Wirtschaftshofe lehnt die obere Halfte eines abge- sagten Romersteines, der im Frontspitze einen Kopf, an den 2 * -S- 22 -f- Seiten der Spitze zwei Delphine, unter dem Kopfe einige Reliefs enthalt. Der noch vorhandene Theil der Inschrift lautet: Firmus (Sabini, F.) V. F. Šibi. Et.« Das Denkmal besteht aus Pacherer Marmor. Einen Kopf, dessen Puff erwahnt, fand ich nicht. Mir scheint es vielmehr, dass die Darstellung dem Gonobitzer Monumente ahnlich war, das sich bei Muchar, Bd. I, Tafel IV, Figur VII abgebildet findet. Dort steht tiber dem Giebel ein Genius, von dem hier nur die Fiibe wahrzunehmen sind. Rechts und links von der Mittelfigur ruht ein nach auften schauender Lowe, der einen nach einwarts schauenden Widder- kopf in seinen Pranken h alt. Unter dem Gesimse, auf den die Lowen ruhen, befindet sich ein flacher Giebel, der einen von Strahlen umflossenen Kopf darstellt, gegen den sich rechts und links ein Vogel neigt, als wollte er dem Verewigten, dessen Grab das Denkmal schmuckte, durch den Gesang Freude bereiten. Rechts und links am Giebel befindet sich je ein Delphin, abwarts gewendet. Ich habe mir diese Gruppe so zu erklaren gesucht. Der Delphin war als ein lange lebendes Wasserthier bekannt, dass durch sein munteres Spiel den Seefahrer ergotzt. Die Sing- vogel aber sind Sinnbilder der Freude und des Friedens. Der Heide mag also symbolisch den Gedanken dargestellt haben: Der Verstorbene moge in die Gefilde des Elysiums Eingang finden und sich dort ewigen Friedens und bestandiger Ruhe erfreuen. Ein Gesimse schliesst diese Gruppe ab und folgt unter derselben noch eine weitere Darstellung. In der Mitte derselben befindet sich eine Aschenurne, die rechts und links von einern Greif, dem SymboI der Kraft und der Weisheit bewacht wird. An den beiden Enden findet sich die Urne noch einmal im verkleinertem Maf6stabe dargestellt, und rechts und links von derselben ist ein Singvogel. Das Monument ist in seinem gegenwartigen Zustande 60 cm hoch und 75 cm breit. Spuren der von Dr. Puff erwahnten Inschrift konnte ich am Denkmale, das sich gegenwartig an der Westseite des Flaupttractes des neunen Mellingerhofes nahe beim Einfahrts- thor befindet, nicht entdecken. Da die Breite des Denkmales vollstandig mit jener des im F.-B. Knaben-Seminar erhaltenen Bruchstiickes ubereinstimmt, so drangte sich mir der Gedanke auf, dass das Mellinger Frag¬ ment einst die Bekronung des Seminarsmonumentes gebildet haben konnte. Es finden sich namlich am Mellinger-Monumente auch An- satze von »Kampfern«, die auf den schneckenformigen Siiulen mogen geruht haben, von welchen die Legende des im Der neue Herz Maria-AItar in der Dom- und Stadtpfarrkirche in Marburg. -4- 23 -f- nar erhaltenen Fragmentes auf beiden Seiten eingeschlossen wird. Ahnliche Saulen rahmen eine aus 5 Figuren bestehende Gruppe zu St. Margarethen an der Pesznitz, eine Stunde n.-o. von Melling ein. Vgl. Muchar, Bd. I., Tafel VII, Figur XIV. In Folge dieser Combination las ich die Legende des Seminarssteines also: FIRMVS . . VERECVND . . C. O. V. POS. S. . AVITO F . . A . ZurDeutung dieser Legende liebe sich Folgendes anfuhren. Ein Denkstein von Pettau hat nach Muchar, Bd. L, S. 411 folgende Inschrift: — T. IVLI. FIRM. LEG. XIII. — Der Sinn ware nach Muchar: Titusjulius Firmus, Krieger der 13. Legion. Das O. V. diirfte auf einen Vir aus der Tribus Oricolana hindeuten. Flinsichtlich des Namens Avitus verweise ich auf den von Muchar, Bd. I., S. 406 erwahnten Stein mit der Inschrift: I. O. M. CLODIVS AVITVS . DEC. C. V. ET . P. V. S. L. M. Die Legende bedeutet: lovi optimo maximo. Clodius Avitus, decurio, curator viarum et pontium votum solvit lubens merito. Wir hatten also in Avitus einen Aufseher der Straften und Flussbriicken zu erkennen. Damit stimmt auch der Del- phin, das Abzeichen Neptuns, des Beherrschers der Wasser- fluthen. Mit dem Voranstehenden wollte ich nur meine Vermuthung, nicht aber eine festgegrtindete Behauptung ausgesprochen haben. Am 6. September 1898 trug Steimetzmeister Herr Karl Kocijančič den Herz-Marien-Altar im ostlichen Abschlusse der siidlichen Abseite der Domkirche von Marburg ab. Dabei stellte es sich heraus, dass die bis dahin in Verwendung gestandene Altarplatte ein romischer Denkstein ist, dessen obere Halfte ein leider vernichtetes Relief einnahm. Die im unteren Felde verlaufende Legende lautet: D. M. M. VLPIVS . . RIMVS SIANT E . . . Eines Ulpius erwahnt auch ein romischer Denkstein aus Pettau, dessen Legende in Muchar, op. cit. I. 409 und III. 400 zu finden ist. Gegenwartig befindet sich jener ULPIUS, welcher in der Domkirche zu Marburg entdeckt worden ist, im F.-B. Lavanter Diocesan-Museum in Marburg. XVII. Marburgs blanker VVappenschild. Ich muss es mir mit schuldiger Bedachtnahme auf die mir zur Verfiigung stehende Zeit versagen, auf die Schicksale einzugehen, welche die sfidliche Steiermark und die aufstre- ■*§— 24 —S*- bende Stadt Marburg, nunmehr Residenzstadt der Furstbischofe von Lavant, im Laufe der Zeit getroffen haben. Eine Skizze der ruhmlichen Vergangenheit der Stadt ent- nehme ich aber aus einer Denkschrift, welche Richter und Rath der Stadt Marburg laut dem Stadtbuche als Supplication im J. 1612 an den Landesfursten gerichtet haben, damit ihnen nicht, wie Wolf von Eggenberg, Herr auf Ehrenhausen wunsčhte, das Landgerichfabgenommen werde. Die gedachte Vorstellung fiihrt aus, dass ohne die Be- fugnisse des Landgerichtes auch die ubrigen bisherigen Vor- rechte der Stadt Marburg nicht wirksam geschiitzt werden konnten. »Wir hetten keinen fortl und behelf, die diz Orts verpoten Gewerb und furkhauff am landt zu verhieten und einzustellen . . . Soleh Štet sind an die furnembsten Pafi des Lants darumben erbaut werden, dass sie in Frit und Unfrits- zeiten des ganzen Lants Vormauer sein soli en, welches wir und unsere vorfordern vor undenklichen und jungist verflos- senen Jahren der miglichkeit nach albeg treuherzig gelaist und allerhand unglickh, noth und jammer wegen des hochloblichen Haufi Oesterreich erlieten, und wollen geschweigen der schwe- ren Belagerung, so diss arm Stati zu des ungherischen Konigs Mathias Huniad Zeiten, wie auch wegen des Tiirkenzuges, so anno 1532 fuergeloffen, und der tiirkische Kayser selbst von der Stadt, gleichwohl in der Flucht gelegen, den freyen Pass Ime durch die Stadt zu eroffnen begert, aber Ime solehes nit zugelassen worden ist, das also zu derselben Zeit ausstehen mieften ... in der jungisten hungarischen Rebellion, da wir nit allein die Statt in gueter Huet erhalten, sondern auch dazu das Schloss und Festung ober Mahrburg, als die wir uns be- sorgt, albeilen dieselbe gar ode und offen gestanden, dass sich die Rebellen Haimblicher weifi darein schlaipfen, und die Statt sambt dem umliegenden Refler mit Raub und Prandt besche- digen mochten, mit unser armen Burgerschaft bei tag und nacht die ganze Zeit in Besetzung mit grofien Kosten erhalten ... und haben den Pauersmann besucht und ermahnt, dass Sye bei ihrer von Gott fuergesetzten Obrigkheit treulich verharren.« Uber die hier genannte Veste Obermarburg gibt uns eine eherne Inschrifttafel Aufschluss, welche sich an der Rtickseite der Marienkapelle befindet, die an der Stelle der einstigen Veste erbaut worden ist. Die bezogene gutgemeinte Inschrift lautet: Hier stand die Veste Marburg vor mehr als tausend jahren Zum Trotz der Hunnen, Wenden und anderer Feindesgefahren, Ein Markgraf Ottokar der Erste dieses Namens Hat sie vom Grafen Bernhard erkauft an einen Stayer. Nicht Alterthum noch Feinde haben dies Schloss verletzt. Man zahlt’ tausend ftinfhundert achtundzwanzig Jahre, * Š5 — Da standen nur die Mauern, sonst alls (vom Feuer) verzehret ware. Den Hiigel druckte nur die unntitz schwere Last, Bis Heinrich Graf von Brandis den edlen Schluss gefasst, Die Steine zu verwenden, zu manchem groben Bau, Sowohl zum Hause Gottes, als des Schlosses Windenau; Nun steht der freye Hiigel von Steineslast entbiirdt, Mit fruchtbar’ schoner Kron’ des Rebenzweigs geziert. Im (Jahre) tausend siebenhundert achtzig, wo man noch viere zah! t, Ward diese Pyramide zum Denkmal ausgestellt. XVIII. Kaiserliche Confirmation der guten Gewohnheiten der getreuen Stadt Marburg. Das im steiermarkischen Landes - Archiv zu Graz auf- bewahrte Stadtbuch von Marburg enthalt auf S. 544—548 nach- stehende ehrenvolle Anerkennung von Seite des damaligen Landesfursten. »Gmainer Statt freyheitten Confirmation unter Kayser Ferdinando tertio. Wir Ferdinand . . . thun Khund, dass vor unser diemtithig erschienen sein Unsere getreue liebe Richter und Rath und die Gemain unser Statt Marburg und haben uns gebeten, dass wir Ihnen die Freyheytten . . . zu confirmieren gewahrten. Darauf haben wir angesehen soleh’ ihr Bitt und die Dienst, so jeder- zeit ihr’ vorfordern und Sie den Vorfahren aus Haus Oester- reich und uns bisher unterthanigst erzeigt und bewiesen, noch thun, nicht weniger fiirohin zu thuen und zu erzaigen gehor- sambist erbietig sein, auch wohl thuen sollen und mogen, und darumb mit guetem Rath der Statt Marburg und ihren Nach- komben ihre Privilegia, guet gewohnhait und alt herkhomen gnediglich confirmirt haben . . . mit Urkhund dieses Briefs be- siglet mit unserm khayserlichen Insigel, der geben ist in un- serer Statt Wien den H.Monats Iunii 1638. Ferdinand«. XIX. Aufblick zu dem, der die Sterne lenkt und die Geschicke der Volker leitet. Wenn rings dein Lebenskreis sich triibt hienieden, Zu enge dir die Brust wird und die Welt, Blick auf zur Hohe, wo in tiefem Frieden Das Heer der Sterne seinen Umzug halt. Sie eilen ohne Zahl in hehrem Glanze Durch die Unendlichkeit gedankenschnell, Und schweben huldigend im Weihetanze Um dessen Thron, der alles Lichtes Quell. -g- 26 ~i~ Im Kreise drehen Sonnen sich um Sonnen, Die eine durch die and’re nie beirrt; Und nie, obgleich Aonen schon verronnen, Ward ihrer Gruppen Eine je verwirrt. Auf sich er en Geleisen rollen ihre Globen Durchs weite Ali in heiFger Ordnung hin, Und keiner ihrer Balle ist zerstoben Durch eines andern Stoss seit Urbeginn. Ihm denn, der treu die Sterne-Myriaden Durchs Weltraumdunkel fiihrt, dem groben Geist, Ihm folg’ auch du getrost auf allen Pfaden, Die weise liebend, er dich wandeln heifit. (Leitner). Abschluss. An den diirftigen Uberblick liber die Geschichte des steirischen Unterlandes und der fiirstbischoflichen Residenz- stadt Marburg habe ich einen Aufblick zu dem gereiht, wel- chen der Herr aller Zeiten und Konig der Konige ist. Es geziemt sich aber auch, dass ich ehrfurchtsvollst derjenigen gedenke, die an Gottesstatt, zwei Sonnen gleich, an unserm Horizont glanzen, und unsere Schritte mit vereinter Kraft auf das namliche, erhabene Ziel hin lenken. Und darum bete ich und rufe ich: Engel, mischet in die Klange Unsers Sangs auch eure Sange, Dass es fort begeistert schalle, Bis zum Sterngewolbe halle: Segne Leo, unsern Vater, Gottes Segen, langes Heil! — Ja, das walte Gott! Und sodann: Gott erhalte, Gott beschiitze Unsern Kaiser unser Land! Machtig durch des Glaubens Stiitze Fiihr Er uns mit weiser Hand! Segen sei dem Land beschieden, Und sein Ruhm dem Segen gleich; Gottes Sonne strahl in Frieden Auf ein gliicklich Osterreich! INHALT. Soitc. I. Werdegang der Lavanter Dibcese. 7 II. Regierungsdauer der Oberhirten von Lavant. 8 III. Bodenbeschaffenheit; Ig. Kollmanns Sang auf den Bacher . . 8 IV. Die Mur, der Draufluss und die Save. 9 V. Zwei gute Nachbarn unter einem Dache. 9 VI. Geistesvermalung. 10 VII. Statistisches.'.11 VIII. Das Draugelande und der Sanger J. A. Suppantschitsch . . 12 IX. Zwei Manner und ein Herz. 12 X. Cultur der vorromischen Zeit. 12 XI. Unter rOmischer Herrschaft. 13 XII. Pettau und sein Mithrastempel.14 XIII. Zwei christliche Grabdenkmale aus der Romerzeit; St. Victorin und das Bisthum Pettau.15 XIV. Vespasianus, strategische Obstruction und der ersehnte Volker- friede. 16 XV. Reste von zwei christlichen Basiliken des rOmischen Vorortes Celeia und sein Bischof Johannes. 17 XVI. Spuren rOmischer Herrschaft in und um Marburg. 19 XVII. Marburgs blanker Wappenschild.23 XVIII. Kaiserli.che Confirmation der guten Gewohnheiten der getreuen Stadt Marburg.25 XIX. Aufblick zu dem, der die Sterne lenkt und die Geschicke der Volker leitet. 25 XX. Abschluss.26 NARODNA IN UNIVERZITETNA KNJI (17Ui (17UNICA 00000461400