78269 8 VIII. Der Triglav DeutscheVerlags-Anstalt in Stuttgart Trosi Franc L J UBL J AN A I/zaska cesta 2 5», ALPINE GIPFELFUHRER I. DIE ZUQSPITZE II. DIE ELMAUER HALTSPITZE III. DER ORTLER IV. DER MONTE ROSA V. DER DACHSTEIN VI. BETTELWURF- UND SPECK- KARSPITZE VII. DER GROSSOLOCKNER VIII. DER TRIGLAV IX. DER WATZMANN X. DER MONTE CRISTALLO XI. DIE WILDSPITZE Die Sammlung wird fortgesetzt Krederzasattel Kl- Triglav Gr. Triglav *►>- Triglav vom Deschmannhaus ALPINE GIPFELFUHRER VIII. Der Triglav VON DR. RUDOLF ROSCHNIK MIT 17 ABBILDUNGEN 2 KARTEN UND 1 UMRISSZEICHNUNG STUTTGART UND LEIPZIG DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT 1906 73269 L? Papier und Druck der Deutschen Verlags-Anstalt, Stuttgart Inhaltsverzeichnis Seite Zugange . 9 Ortschaften (Mojstrana, Veldes, Wochein, Trenta), Bodenbeschaf- fenheit, sprachliche Verhaltnisse . 13 Anstiege.25 Aufstieg durchs Kottal.29 Gipfelrast.39 Abstieg durchs Siebenseental in die Wochein.52 Sonstige Triglavwege.65 Von Mojstrana durchs Kermatal Vom Uratatal zum Deschmannhaus Von der Wochein und von Veldes (iiber Belopolje) Abstieg in die Trenta Anhang.77 A. Verzeichnis der Wegarbeiten der Sektion Krain des D. u. Oe. A.-V. im Triglavgebiet B. Die Schutzhutten des D. u. Oe. A.-V. im Triglavgebiet C. Rettungsstellen und Meldeposten im Triglavgebiet D. Verzeichnis der Bergffihrer im Tri¬ glavgebiet E. Zur Schreibung und Aussprache sla- wischer Ortsnamen. Verzeichnis der Abbildungen Seite 1. Triglav vom Deschmannhaus (Titelbild) 2. Triglavspitze und Uratatriglav- wand vom Kronauer Krisch 12 3. Kottal.28 4. Im Hochtal Pekel.33 5. Deschmannhaus.35 6. Kleiner Triglav.36 7. Spitze des Qrossen Triglav . . 37 8. Triglavspitze.44 9. Weg vom Deschmannhaus zum Triglav.48 10. Gegend der sieben Seen von der Triglavspitze.52 11. Maria TheresienhUtte .... 55 12. Doppelsee mit Triglavseenhiitte 60 13. Unterer Schwarzsee .... 62 14. Obere Kermaalm 64 15. Vom Uratatriglavwege ... 68 16. Triglav vom Tosc.71 17. Belopolje mit Smerjetna glava 74 2 Karten und 1 Umrisszeichnung Zugange „Waren Sie auch auf der Spitze?“ So wurde noch vor etwa 30 Jahren gefragt, wer von einer Triglav- fahrt heimkam. Und „ganz oben?“ lautete dann regelmassig die zweite, mit einiger Bewunderung ge- mischte Frage, wenn man die erste bejaht hatte. Man konnte sicher sein, als kiihner Mann zu gelten, wenn man eine gelungene Triglavbesteigung hinter sich hatte, denn es gehorte wirklich Mut und Gewandtheit dazu, die gefiirchtete „Schneide“, den Triglavgrat vom Kleinen Triglav weiter und dessen Aufschwung zum Grossen Triglav zu tiberwinden. Wie mancher wurde abgeblitzt, blieb zalmeklappernd am Kleinen Triglav und vertraute seine Gipfelkarte dem Fiihrer Oder den kiihneren Kame- raden an. — Heute gehort kein besonderer Mut, sondern nur etwas Ausdauer und Trittsicherheit dazu, eine sommer- liche Triglavfahrt glucklich durchzufiihren. Ein wohl- versicherter, bequemer Felssteig fiihrt bis zur 2863 m hohen Spitze des hochsten Berges in Krain, des Konigs der Julischen Alpen, wie er nicht bloss mit Vorliebe, sondern auch mit vollem Recht genannt wird. Er ist ein beruhmter Berg! In Welt- und Lander- karten, wo nur die wenigslen Gipfel verzeichnet sind, erscheint er mit dem Grossglockner, dem Ortler, der Zugspitze und dem Dachstein als ein Hauptgipfel der 10 DER TRIGLAV Ostalpen. Seine Ersteigungsgeschichte ist sogar viel alter als die der genannten und der meisten andern Gipfel der Ostalpen. Er ist ein Gipfel von ausgepragter Eigenart und von einer durch die Masse seines Gebirgsstockes bedingten natiirlichen Grosse und Machtigkeit, die ihm auch die neuzeitlichen Weg- und Hiittenbauten nicht rauben konnen. Ein gezahmter Riese zwar, wenn warme Sommerluft ihn umhiillt, wehrt er sich doch noch all- zuoft, mit Sturm und Wetter, Eis und Schnee im Bunde selbst im Juli und August, und auch der unbeugsamste Bergsteiger hat dann einen harten Kampf mit ungewisser Aussicht auf Sieg zu bestehen, wenn er bis zur Spitze gelangen will. Die Triglavfahrer, die mit der Bahn von Norden kommen, zweigen in der Regel bei Tarvis von der Haupt- linie ab. Denn die von hier nach Laibach ftihrende Staatsbahnstrecke ist trotz recht lebhaften Verkehres eine Nebenlinie geblieben, die nach Eroffnung der neuen Alpenbahnen bei Assling von der neuen Karawanken- und Wocheinerbahn (Villach und Klagenfurt—Triest) ge- schnitten wird. Bei Tarvis begriisst den Reisenden vielversprechend der Manhart, der westliche grosse Nachbar des Triglav. Der Schienenstrang biegt ins obere Savetal ein, zweifel- los eines der schonsten Alpentaler. Ueber und zwischen den Nadelholzwaldern der Talhange huschen zahlreiche prachtige Felszinnen voriiber; in der Station „Kronau“, dem niedlichen Gebirgsdorf am Ausgange der Pischenza, zugAnge 11 entziickt uns die Pyramide des Rasor und die gewaltige Felsmauer des Prisang, dann bewundern wir in der Talfahrt den kuhnen Spitz des Kronauer Spik und den Zackenwall der Skerlatiza, „der Scharlachroten“, um endlich bei Station Lengenfeld in den Bereich des Triglav einzutreten. Hier erscheint er zwar im Bilde, allein infolge der grosseren Entfernung durch die vor- stehende Rjovina und den Zmir ganz erdriickt. Man musste, um ihn recht zu sehen, die gegenuberliegende Hohe der Karawanken hinansteigen oder einen Ausflug in das hier ausmtindende Uratatal unternehmen, wo die Triglavwand im Talschluss ein Schausttick allerersten Ranges darbietet. Wir wollen jedoch vorlaufig im Savetale bleiben und iiber Assling, die Kreuzungsstation der neuen Alpen- bahnen, bis etwa nach Lees hinabfahren. In derWeitung des Savetales erscheint nun der Triglav in seiner vollen Grosse, mit wuchtigen breiten Schultern, mehr durch seinen machtigen Unterbau wirkend als durch Kuhnheit der Form, wenngleich der Aufschwung zur Spitze edle Linien zeigt. Wir fahren von Lees, um noch weitere schone Ansichten des Triglav zu bewundern, mit dem Wagen nach Veldes und durchs Wocheinertal nach Wocheinerfeistritz und zum Wocheinersee. — Nach Er- offnung der Wocheinerbahn wird man zu gleichem Zwecke die Bahnstrecke Assling—Veldes—Wocheiner¬ feistritz benutzen, und der Fuss des Triglav wird dann in einem ostlichen Halbbogen von Schienenstrangen umspannt sein. Mehr als bisher wird dann der Name 12 DER TRIGLAV „Triglav“ in den Ortsnamenschatz der Bahnreisenden eintreten. Es wird dann nur noch ein verlassenes Tal unter den Triglavzugangen iibrigbleiben, so verlassen wie bisher, die stille Trenta an der westlichen Kehrseite des Bahnbogens. Gebirgsubergange aus der Wochein, von Lengenfeld und Kronau und ein hubscher neuer Fahr- weg von Flitsch fiihren ins Trentatal, wie der oberste Teil des Isonzotales heisst. Hier gibt es noch ein gewaltiges Talbild des Triglav, malerisch wohl das schonste, weil der blaue Isonzo fur einen wunderbar belebenden Vordergrund sorgt. Wenn die graue Sage, die friiher, wie Rudolf Baumbach in seinem Hohenliede vom Triglav „Zlatorog“ meint, um den Gipfel des Triglav wob, nicht ganz ver- schwinden will, hier im stillen Winkel der Trenta kann sie voraussichtlich noch lange einen sicheren Hort finden. An der gegentiberliegenden Seite, wo Schienenstrange sie umspannen, wird sie sich kaum mehr wohl fuhlen, und den wunderbaren weissen Gemsbock Zlatorog mit dem Goldgehorn, das den Schatz im Berge Bogatin erschliesst, mochte man trentaseits geborgen wissen, ebenso wie die sagenhafte Blume Scabiosa Trenta Balthasar Haquets, die auch trotz eifrigsten Suchens niemand mehr findet. Triglavspitze und Uratatriglavwand votn Kronauer Krisch Ortschaften (Mojstrana, Veldes, Wochein, Trenta) Bodenbeschaffenheit, sprachliche Verhaltnisse Unter den Siedlungen im Bereiche des Triglav ver- dient Mojstrana an der Miindung des Uratatales ins Savetal an erster Stelle genannt zu werden. Vom Stationsgebaude Lengenfeld fiihrt dahin ein Fussweg langs des Bahndammes, der nacli Durchschreitung eines Bahndurchlasses bei einem Magazinsgebaude endet. Will man von hier nicht den, zahlreiche Wasseradern der Save auf schwanken Stegen uberschreitenden, hie und da aufgeweichten Fussweg benutzen, so folgt man der Strasse zwischen Bahndamm und Save, bis man iiber eine Holzbriicke das grosstenteils aus niedrigen, weissgetunchten Bauernhausern bestehende Dorf Moj¬ strana betritt, dessen Wege infolge mangelnden Wasser- abzuges bestandig kotig sind. Bald kommt man an die Feistritz, ein kristallhelles, forellenreiches Bachlein (Ab- fluss des Uratatales), an dessen Ufern, weniger gedrangt als sonst, sich die „Neustadt“ von Mojstrana zu ent- wickeln scheint. Ueber dem Bach, den man aut hol- zernem Stege iiberschieitet, liegt das alte Gasthaus „Schmerz“ (10 Minuten vom Bahnhof). Man kann nicht von alten Triglavbesteigungen sprechen, ohne dieses Gasthaus zu nennen, in welchem sich vor etwa 40 Jahren Jagdherren von Laibach die ersten Fremdenzimmerchen eingerichtet- hatten, wo der hart- nackige Geist der Wirte den offenen Herd so lange als moglich gegen den Ansturm des Sparherdes schutzte und 14 DER TRIGLAV der selten gesehene Bergsteiger mit Eiern, Kase und saurem „Zwitschek“ (krainischem Rotwein) vorlieb nehmen musste. Der gegenwartige Besitzer, selbst Bergfiihrer, und seine strebsame Frau haben im Laufe der Jahre manche Besserungen eingefiihrt, so dass ihr gut ge- leitetes Gasthaus, das neuerlich durch ein Nebengebaude mit Fremdenzimmern erweitert wurde, alles Lob ver- dient. Gerade die Unterkunftsverhaltnisse liessen in Mojstrana bis vor kurzem manches zu wiinschen tibrig. Auch die Aufftihrung einer grossen Zementfabrik, welche im iibrigen einige Fortschritte, wie die Errichtung eines Postamtes und den Aufschwung gewerblicher Tatigkeit im Gefolge hatte, hat darin keine Besserung gebracht. Nun endlich regt es sich — vielleicht macht es das Beispiel des benachbarten aufstrebenden Kronau und die bevorstehende Eroffnung der neuen Bahnen - - auch in baulicher Beziehung. Schon ist ein grosserer Gast- hof im Rohbau fertig, und der Wettbewerb wird wie tiberall fur weiteren Fortschritt sorgen. Das alte Triglavgasthaus Schmerz wird trotzdem vor- aussichtlich auch weiterhin in Bergsteigerkreisen eine gewisse Anziehungskraft ausiiben als das Muster eines alten oberkrainischen Bauernhauses, sauber und behabig, mit altem Staketenzaun am Hausgarten vor der weiss- getiinchten Giebelwand, mit Blumentopfen an den Fensterbrettern und grauschimmerndemSchindeldach, mit dem schonen Rasen und den alten Baumen hinter dem Hause am rauschenden Bachlein. Anheimelnd wie das Aeussere ist fur den Bergsteiger die alpine Ausschmtickung ORTSCHAFTEN 15 der nach alter Art niedrigen Gastzimmer, in deren einem noch der behagliche grosse griine Kachelofen mit der Ofenbank zu sehen ist. Eine von der Sektion Krain des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins ein- gerichtete Fiihrerbucherei wird auch eingeregneten Berg- steigern iiber langweilige Stunden leicht hinweghelfen. Mojstrana ist ubrigens ziemlich abhangig von dem gegeniiber, naher der Landstrasse gelegenen Lengen- feld: Gemeindehaus, Kirche, Pfarrhaus und Schule sind dort, und bei mangelnder Unterkunft in Mojstrana kann man in den weniger besuchten dortigen Gasthausern Zuflucht suchen. Die Einwohner Mojstranas sind vorwiegend ansassige Bauern, die nebstdem etwas Viehzucht und Waldwirt- schaft und einen ziemlich ausgedehnten Bienenhandel treiben. Der Menschenschlag ist kraftig und sauber und zeichnet sich durch Ehrlichkeit und Treuherzigkeit aus. Die Mojstraner Bergfiihrer, durchwegs sehr nette Leute, diirfen als Vertreter dieser guten Eigenschaften bezeich- net werden. — Muttersprache ist die slowenische, doch wird vielfach auch Deutsch mit karntnerischem Tonfall gesprochen und ziemlich allgemein verstanden. Dies macht die Nahe Karntens, wo Kinder aus Mojstrana haufig erzogen werden, um Deutsch zu lernen, weil dies aus politischen Grunden in der Schule zu Lengenfeld nicht geschehen kann. Das karntnerische deutsche Lied ist in Mojstrana wie im bfe'nachbarten Kronau vielfach heimisch. An der neuen Wocheinerbahn (iiber Assling) ist der 16 DER TRIGLAV nachste Triglav-Ausgangspunkt Veldes, „die Perle von Krain“. Den lieblichen See mit der Inselkirche und dem Schloss auf steilem Felsen behutet der Triglav, „das uralte, heilige Dreihaupt, der erste, der morgens den Purpur tragt, der letzte, der abends ihn fallen lasst'S wie Anastasius Grim singt. Veldes ist ein moderner Kurort mit zahlreichen, zum Teil sehr schonen Land- hausern und Villen, Badeanstalten (darunter Riklis be- ruhmter Naturheilanstalt) und Gasthausern, welche eine reichliche Auswahl fiir Unterkunft und Verpflegung er- moglichen. Es besitzt eine neue hiibsche Kirche und ein Kurhaus, dessen Rosenpracht besondere Erwahnung verdient. Von einer Eigenart der Bevolkerung kann hier, wie in den meisten Badeorten, nicht gesprochen werden. Eine neue Zukunft als Ausgangspunkt fiir den Triglav hat die Wochein. Hier beginnt die Geschichte der Triglavbesteigungen, doch musste wegen der langen Wagenfahrt, die dahin erforderlich war, bald die Wochein hinter Mojstrana zuriickbleiben, urn nun erst wieder, da sie eine Hauptbahn bekommt, in scharferen Wettbewerb zu treten. Das meist enge Tal der Wocheiner Save, in welchem der neue Schienenstrang lauft, weitet sich an der Siidseite des Triglav zu einem grossen Becken aus, in dessen westlichem Winkel der einsame Wocheinersee eingebettet ist. Durch einen inmitten der Weitung liegen- den Bergriicken in die Obere und Untere Wochein ge- schieden, hat die ansehnliche Ebene Raum genug fiir grossere Ortschaften, welche, umgeben von Wiesen ORTSCHAFTEN 17 und Feldern, behaglich unter dem Waldrahmen der an- steigenden Berge daliegen. Infolge der langen Abge- schiedenheit konnte sich eine gewisse Eigenart in jeder Beziehung besser als anderswo erhalten, eine Eigenart in der Hausanlage, in der Bewirtschaftung, in der Aus- sprache und sogar in der Tracht. Mit den Bewohnern andrer abgeschiedener Taler hat der Wocheiner, der alsVertreter eines kernigen, gesunden slawischen Menschenschlages gelten dart, eine gewisse Eckigkeit und Rechthaberei gemein, wozu nodi eine ziemliche Gabe von Stolz komint. Im iibrigen ist er ehrlich und anhanglich, wie der unverdorbene Oberkrainer Bauer iiberhaupt. Die Kenntnis des Deutschen ist bei den Alten ziemlich allgemein, bei den Jungen verhaltnis- massig selten. Neben der Feld- und Waldwirtschaft, die hier ertrags- reicher ist als in Mojstrana, beschaftigt sich der Wocheiner Bauer insbesondere mit Viehzucht. Das Wocheiner- pferd, ein schwerer norischer Schlag mit besonders kraftigem Hinterteil, wird als ein sehr gutes Gebirgs- und Zugpferd geriihmt. Das Rindvieh (vorwiegend Moll- taler Rasse) ist besonders schon — den Wocheinern gehoren ja die besten Almen im Triglavgebiet —, und ermoglicht eine lohnende Milch- und Kasewirtschaft, die teilweise in genossenschaftlichen Verbanden mit bestem Erfolg betrieben wird. Auch die Schaf-, Ziegen- und Schweinezucht steht in bester Bliite. Hauptort der Wochein ist Feistritz mit grosser Pfarr- kirche. Es liegt am Nordende des neuen grossen Der Triglav 2 18 DER TRIGLAV Wocheinertunnels und hat bereits wahrend des Bahnbaues ein besseres Hotel (Tunnelrestauration) zu den vielen mehr oder minder guten Gasthausern erhalten, welchem bald weitere folgen diirften. Als Ausgangspunkte fiir den Triglav kommen die im oberen Tal liegenden Dorfer Mittendorf und Althammer (mit einfachen Gasthausern) in Betracht. Der Triglavweg uber die Siebenseen fiihrt am trefflichen Touristenhaus St. Johann voriiber, dann am Siidufer des Wocheinersees als Fahrweg bis in die nachste Nahe des sehenswerten Savizafalles. Sicherlich wird die neue Balm reichliche Postrundfahrten von Feistritz iiber St. Johann, Althammer und Mittendorf nach Feistritz im Gefolge haben, welche dem Triglavfahrer gute Dienste leisten wiirden. Wollen wir von der Wochein an der Gegenseite der Bahnlinien den Triglavstock nach Mojstrana hiniiber umwandern, so miissen wir vom Savizafall iiber die auch in Baumbachs Zlatorog genannte Komnaalpe nach Sotscha und zur Baumbachhutte im Trentatal. Wahrend in Mojstrana und in der Wochein die gewiss noch stark vorhandene Eigenart der Bevolkerung durch den gesteigerten Verkehr bedroht ist, wird dies im Tal der Trenta voraussichtlich noch lange nicht der Fall sein, obzwar der Verkehr auf der neuen Strasse nach Flitsch talaus und auf dem Saumwege iiber den Verschetzsattel (Vosshiitte) nach Kronau in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Der Trentaner ist der armste unter den Triglavanwoh- nern; die Natur schenkt ihm ausser ihrer Schonheit fast ORTSCHAFTEN 19 gar nichts. Kummerlicher Feldbau, Ziegenzucht und etwas Waldwirtschaft beschaftigt die Alten, seitdem mit Wild- dieberei, infolge strenger Ueberwachung, nicht mehr viel aufzustecken ist. Die Kinder verbringen ihr Dasein im sussesten Nichtstun und betteln gelegentlich Bergsteiger an. Wer Verstandnis hat fiir menschliche Schonheit und Eigenart, auch wenn sie in Schmutz und Fetzen geht, fur schone Augen und sonnverbrannte Gesichter, der wird an denTrentanern, die etwas italienischen Einschlag im Blute haben diirften, manche Freude erleben. Fiir Unterkunft ist in einigen bescheidenen Gasthausern in der Trenta und in der Baumbachhiitte der Sektion Kiistenland zur Not gesorgt, allerdings nur bei sehr massigen Anspruchen. Wandert man von hier iiber den Luknjapass und durchs prachtige Uratatal nach Mojstrana zuriick, so ge- schieht dies gerade an der Linie, welche den Triglav- stock gegen seine westlichen Nachbarn in den Julischen Alpen scheidet. Waldlandschaft, Alpenweide und kahler Fels sind im Triglavstock in bester Weise vertreten. Das gross- artige Waldgebiet zwischen dem Rotwein- und Wocheiner- tal, aus dem Veldes seine wunderbaren Erdbeeren bezieht, mit den oasengleich eingestreuten prachtigen Almen Kranjska dolina, Javornik, Klek u. a. wird seinesgleichen anderwarts ebenso schwer haben, wie das untere Siebenseental, in. welchem erst vor wenigen Jahrzehnten die Holzaxt einen wirklichen Urwald gelichtet hat. Dass es in einem solchen Gebiete, wo noch vor wenigen Jahren Meister Petz auftauchte, 20 DER TRIGLAV an Jagdwild aller Art nicht fehlt, ist eigentlich selbst- verstandlich; eine aussergewohnliche Menge von Auer- hahnen bevolkert das ostliche Waldgebiet und ist hier allem andern Jagdwild ebenso iiberlegen, wie die Gemse in den felsigen westlichen Gebieten, insbesondere in der oberen Kerma. Gute Alpenweiden, zu welchen teilweise auch Pferde aufgetrieben werden, finden sich in den hoheren Tal- stufen, auf den waldreichen Hochflachen im Siiden und Siidosten und teilweise noch in den hoheren Lagen des bereits kahlen Felsens, beinahe alle, vom Stand- punkte des Bergwanderers, in prachtiger Umgebung. Je nach Lage und Ausdehnung sind die Sennhutten ver- schieden. Besonders auf der Veldeser und Wocheiner Seite findet man in den unteren Lagen noch haufig gemauerte Hauschen, indessen sind die aus Larchen- oder Fichten- bohlen gezimmerten zahlreicher. Sie haben noch durch- wegs den alten offenen Herd, welchen rings an den Wanden Sitzbanke umgeben. Wo mehrere Hiitten bei- einander stehen, versammeln sich meist in einer der- selben am Abend die Nachbarn und Nachbarinnen um das flackernde Herdfeuer, um nach gemeinsamem Abend- gebet ein gemiitliches Stiindchen bei Geplauder und allerlei Scherz zu verbringen. Zur Aufbewahrung der Milch- und Kasevorrate ist haufig an der Riickseite eine kleine Rammer abgeteilt; die Schlaflager befinden sich seitlich vom Eingang, oft pritschenartig iibereinander. In die hochsten Gebiete werden noch Schafe auf¬ getrieben, die man nicht selten in der nachsten Um- ORTSCHAFTEN 21 gebung des Triglavgipfels (etwa in der Hohe der Maria Theresienhiitte) antrifft. Im Gegensatz zur Kottalseite, die mit ihrem Gletscher und kahlen Gestein alles Gain von der Hohe abwehrt, ist dieses, wenn auch sparlich, aus der iippigen Waldlandschaft des Siidostens bis zu den hochsten Felsen vorgedrungen und erfreut den Pflanzenliebhaber durch herrliche, meist in ganz kurzen Rasenbiischeln zusammengedrangte Bliiten, worunter be- sonders ein winziges Alpenvergissmeinnicht (Eritrychium Triglavense) genannt zu werden verdient. Das kahle Gestein der Hohe besteht vorwiegend aus Dachsteinkalk und Dolomit der Liasformation, deren Fuss schmale Bander der unteren und oberen Trias- schichten vorgelagert sind. Wer in der altesten Schrift der Gesteins- und Gebirgsbildung zu lesen vermag, wird beim Besuch des Triglav im grossen und im kleinen aus der Formung und dem Bau des Gelandes, aus Gletscher- schliffen, Versteinerungen (insbesondere in der Gegend desTosc), Mineralienfunden u.dgl. vielfachste Anregung finden. Man kann gegenwartig nicht gut iiber den Triglav schreiben, ohne einige aufklarende Bemerkungen iiber die Bestrebungen der hier arbeitenden Vereine beizu- ftigen. Nachdem bis zum Jahre 1895 ausschliesslich der Deutsche und Oesterreichische Alpenverein und der Oesterreichische Touristenklub, also deutsche Vereine, an der Erschliessung durch Hiitten und Wege gearbeitet hatten, ohne dass dabei von Nationalitat der Bergsteiger 22 DER TRIGLAV Oder von Politik je die Rede gewesen ware, wurde in- zwischen (1893) in Laibach ein slowenischer Alpenverein als Kampfverein ins Leben gerufen, mit dem offen er- klarten Zwecke, deutsche Arbeit zu verdrangen, die alpinen Arbeiten, die noch zu machen waren, nicht mehr durch „Fremdlinge“ besorgen zu lassen und vor allem den Triglav als „slowenischen Berg zuriickzuerobern". Zu diesem Zwecke wurde in nachster Nahe des Desch- mannhauses die slowenische „Kredaricahiitte“ gebaut und alles darangesetzt, auch deutsche Bergsteiger herein- zuziehen, um womoglich den deutschen Verein mit Hilfe deutscher Bergsteiger zu schadigen. Markierungen und Wege wurden vielfach ohne wirklichen Bedarf ausgefiihrt, nicht fur den Bergsteiger, sondern „zur Vermehrung des nationalen Besitzstandes“. Man kann sagen, dass dies (wie der obere Parallelweg des Steiges vom Deschmann- haus zur Kredarica, der „Tominsekweg“ als Konkurrenz- weg des Uratatriglavweges, der ostliche Steig von der Luknja in die Trenta) keine gliicklichen Schopfungen waren und dass sie den Alpinismus nicht gefordert, sondern vielfach geschadigt haben. Es wurde namlich durch mangelhafte Markierungen und reklamehafte Be- zeichnung der Konkurrenzwege eine gewisse Verwirrung geschaffen, die mancher Bergsteiger durch Fehlgehen und sonstige Unannehmlichkeiten zu fiihlen bekam. Um die Entwicklung des slowenischen Alpinismus zu fordern, wurde derselbe schliesslich mit der dem slo¬ wenischen Krainer naherliegenden Vorliebe fur Wall- fahrten verknupft und zu diesem Zwecke neben der ORTSCHAFTEN 23 Kredaricahiitte eine Kapelle errichtet, wodurch dieser Hiitte ein dauernder Zuspruch slawischer Besucher ge- sichert war. Den gewiinschten Erfolg haben jedoch alle Be- miihungen wenigstens in einer Beziehung nicht gebracht. Die Verdrangung deutscher Arbeit ist dank der Gegen- wehr ebensoweniggelungen wie die Tauschung deutscher Bergsteiger, die trotz ihrer Gutmiitigkeit die slowenischen Trutzhiitten und Kampfwege mehr und mehr meiden. Auch ein richtiger nationaler K.ampf wollte sich trotz aller Bemiihung in den Bergen selbst nicht entwickeln, weil bekanntlich zum Streiten immer mindestens zwei gehoren und die deutschen Vereine darauf unbedingt nicht eingehen wollten. Die Slowenen mussten sich also im wesentlichen mit dem Erfolge zufrieden- geben, dass sie am Triglav ihr eignes Heim und einige eigne Wege besitzen; sie haben damit jedoch auch wesentlich dazu beigetragen, dass deutsche Bergsteiger mehr und mehr das Deschmannhaus als ihr Heim be- trachten. Es vollzog sich also auch auf der Hohe des Triglav eine gewisse Scheidung, ahnlicher Art, wie sie in der Landeshauptstadt Laibach durchgefiihrt ist, die es ermoglicht, dass sich der Verkehr im wesentlichen glatt und ohne Reibungen abwickelt. Es geniigt wohl auch vollkommen, diese Verhaltnisse klargelegt zu haben, urn Besucher des Triglavgebietes vor unangenehmen Ueberrascbungen zu bewahren. Der deutsche Bergsteiger hat nicht den mindesten Anlass, etwa aus Furcht vor Unannehmlichkeiten aus nationalen 24 DER TRIGLAV Griinden, das Triglavgebiet zu meiden; er kommt mit der blossen deutschen Sprache gut durch und wird, wenn er seine Volksangehorigkeit durch Bevorzugung deutscher Hiitten, sonstiger deutscher Schopfungen, deutschfreund- licher Gasthauser u. dgl. bekundet, wesentlich dazu bei- tragen, fur sich und seine Nachfolger angenehrne Ver- kehrsverhaltnisse zu schaffen. Nationale Unduldsamkeit und Vordringlichkeit, die im echten Alpinismus keinen Platz haben, verlieren eben wesentlich an Reiz, wenn sie nicht Beachtung und Erfolg finden, und in diesem Sinne konnen deutsche Bergsteiger dazu beitragen, den Alpinismus im Triglavgebiet von seinen nicht alpinen Beigaben zu reinigen. Anstiege Der Triglavbesteiger hat eine reiche Auswahl von Anstiegswegen. Der kiirzeste ist jener von Mojstrana durchs Kottal zum Deschrnannhaus. Bei Rtickkehr nach Mojstrana ist als Abstieg der einige Uebung erfordernde grossartige Urataweg zu empfehlen. Weitere Abwechs- lung von Mojstrana ermoglichen mehrere andre Wege vom Uratatale und das Kermatal, welches, obwohl etwas lang, Freunden schoner Talwanderungen manchen Reiz bieten wird. Bei Benutzung dieses Weges iiber- nachten deutsche Bergsteiger am besten in der Maria Theresienhiitte, slawische auf der Kredarica. Nach Mojstrana hat die Wochein die grosste Be- deutung als Ausgangspunkt fur den Triglav. Ent- sprechend der geringeren Talbildung an der Siidseite des Triglav im Vergleiche zur Nordseite bewegen sich die Anstiegswege aus der Wochein aus den Ortschaften Mitterdorf oder Althammer mehr auf der Hohe und vermeiden eine den Bergsteigern meist wenig zusagende eigentliche Talwanderung; auch sind diese Anstiege leicht und insbesondere durch die am Wege liegenden schonen Almen sehr genussreich. Dafur sind die Wege, bloss von Mitterdorf oder Althammer aus gerechnet, bis zur Maria Theresienhiitte (Slawen bevorzugen di Vodnikhutte in Belopolje und "die Kredaricahiitte) un- bedingt bedeutend langer als der Kottalweg von Moj¬ strana. Der Unterschied wird noch grosser, weil die 26 DER TRIGLAV Strecke von der Station Feistritz bis Mitterdorf (1 l /* Stun- de) oder Althammer (1 : ' 4 Stunden) zuzurechnen ist, die selbst bei Benutzung eines Wagens einen Mehraufwand an Zeit und Mtihe bedeutet. Eine grossere Beachtung dart kiinftig der Weg vom Wocheinersee durchs Siebenseental beanspruchen, weil er wohl den eigenartigsten und seltsamsten Teil des Triglavreiches voll der wildesten Schonheit erschliesst. Der Weg ist zwar sehr lang und miihsam, jedoch durch neue Wegverbesserungen und durch die Triglavseen- und Maria Theresienhutte wesentlich erleichtert. Mit ziemlicher Sicherheit lasst sich vorhersagen, dass nach Eroffnung der Wocheinerbahn Triglavbesteigungen otter als bisher, vielleicht in der Mehrzahl, von Mojstrana mit dem Abstiege in die Wochein oder umgekehrt unter- nommen werden diirften. Das Trentatal ist, abgesehen von den mangelhaften Unterkunftsverhaltnissen, zu entlegen, urn fur Triglav¬ besteigungen in grosserer Zahl in Betracht zu kommen. Am ehesten ist der Abstieg dahin jenen Bergsteigern zu empfehlen, welche das schone Tal besuchen und dann etwa im Gebiete der Vosshiitte Bergfahrten aus- fiihren wollen. Die Wege von der Trenta sind iibrigens schon wegen ihrer verhaltnismassig grosseren Schwierig- keit und Beschwerlichkeit keine Massenwege. Zur Unter- kunft bei Triglavpartien aus der Trenta kann man, wenn man tiber den Doletschsattel kommt, die Maria Theresien- hiitte, wenn man dagegen vom Luknjapass zum Urata- triglavweg iibergeht, das Deschmannhaus benutzen. ANSTIEGE 27 Schliesslich ist noch der Triglavanstieg von Veldes zu erwahnen; eine Art Bummelweg durch einen sehr ausgedehnten Hochwald tiber die Alpen Kranjska dolina, Javornik, Rudnopolje, Konschiza nacli Belopolje, wo dieser Weg mit den Wocheiner Wegen zusammenfallt. Dieser Weg ist Freunden schoner Waldlandschaften sehr zu empfehlen, komnit jedoch nur fur solche Bergsteiger in Betracht, die sehr viel Zeit haben oder die ubrigen Triglavanstiege schon kennen. Aehnliche Anstiege wie von Veldes konnten auch von den ubrigen Stationen der Wocheinerbahn iiber verschiedene Almen nach Belopolje unternommen werden. — Gut geschulte Bergfiihrer, durchwegs der deutschen Sprache machtig, stehen In grosserer Zahl in Mojstrana zur Verfugung. Auch in der Wochein, in Veldes und in der Trenta gibt es, wenn auch in minderer Zahl, Deutsch verstehende Bergfiihrer. — Schutzhiitten gibt es im Triglavgebiet folgende: A. Im Besitze des Deutschen und Oester- reichischen Alpenvereins: das Deschmannhaus, 2332 m, die Maria Theresienhiitte, 2404 m, die Triglavseenhiitte, 1683 m, die Baumbachhutte in der Trenta, 622 m. B. ImBesitze des Slowenischen Alpenvereins: — die Kredaricahiitte, 2515 m, die Vodnikhiitte in Belopolje, 1693 nr, die Aljazhutte in der Urata, 998 in. 28 DER TRIGLAV Wir wollen im folgenden Abschnitt den Triglav durch das Kottal besteigen und durch das Siebenseental in die Wochein hinabwandern und dann in Kiirze die iibrigen Triglavwege schildern. Im Anhange sollen noch fiber- sichtliche Zusammenstellungen fiber Hfitten und Wege, Bergfuhrer u. dgl. gegeben werden. Die beigegebenen Kartchen sollen ausserdem die Uebersicht erleichtern. Von der Beigabe des Fuhrertarifes wurde abgesehen, weil eben Verhandlungen fiber einen neuen Tarifentwurf anhangig sind. Rjovina Urbanspltze Zmir S»>- »>- Aufn. von W. Schleifer, Wien Aufstieg durchs Kottal UngefahrerZeitaufwand-.Mojstrana, 3 /i StundenWegteilung, l'/iStunde. Talschluss desKot, 3 /i Stunden Quelle, l'/s Stunden Felsblock, '/^Stunde Beginn des Pekel, s /i Stunden Deschmannhaus, zus. 57s Stunden. Weiter: Deschmannhaus, 1 Stunde Krederzasattel, 1 Stunde Gr. Triglav, zus. (vom Deschmannhaus) 2 Stunden. Beim Gasthause Schmerz (eine Wegtafel bezeichnet die Stelle) wandern wir aus Mojstrana hinaus. Spar- licher Wald saumt anfangs den Karrenweg, hie und da sind Wiesenflecken eingestreut; massig geht es bergauf auf den Scheiderucken gegen die Rotwein. In etwa % Stunden haben wir die Anhohe erreicht, eine schone Wiese, von Fichten eingefasst. Links fallt der Blick ins Kermatal; dort ragen iiber Waldbergen schongeformte Felsgipfel empor, unter ihnen diegrosse Felskuppel der Debela pec. Rechts offnet sich das Kottal, dessen Schluss- gipfel verstohlen durch die Baumaste blicken. Eine Lichtung gestattet einen Blick ins dunkelgriine Rotwein- tal ganz zur Linken; bald darauf erscheint auf einige Zeit der ganze machtige Talschluss des Kot: neben der Rjovina die Urbanspitze (slaw. Urbanova Spica), der Begunjski und endlich der Zmir iiber dem vorstehenden Waldberge der Mlinerza. Von den Felsen der Hohen ziehen Schneefelder herab zum schwarzgriinen Krumm- holz, das sich in die Walder des Tales herabsenkt. Nach diesem Ausblick nimmt uns wieder der Wald auf, junge Buchen mit Fichten gemischt. Hie und da 30 DER TRIGLAV gewahrt eine Lichtung freieren Ausblick, bis sich auf einer blumenbesaten, mit jungen Larchen umsaumten Wiese der Talschluss ganz vor uns offnet (I s /* Stunden von Mojstrana). In der Hohe erscheint der breite Sattel des Pekel, von dem im Mittelhang in grauer Vorzeit der Triglavgletscher zu Tal gezogen sein diirfte. Jetzt iiegt unter der Hohe Gerolle mit Schneeflecken gemischt, welche am linken Rande unter den diister- grauen Wanden der Rjovina weit herabziehen. Die Mitte fiillt ein breiter dunkler Krummholzgurtel iiber einer Felswand, unter welcher, knapp iiber dem Talgrundc, noch bis in den Sommer hinein Winterschnee liegt. Rechts vom Pekel ragt die Urbanspitze hervor, welche einen zweiten Gipfel gleiclien Namens verdeckt und einen zahnartigen Zacken gegen den Pekel vorstreckt. Der Aufstieg lasst sich gut iiberblicken: der Weg zieht vom innersten Winkel am linken (in Aufstiegsrichtung) bewaldeten Talhang hoch empor, dann einwarts und iiber die Schutt- und Schneefelder der Rjovina hinauf zur Hohe des Pekelsattels. Von der schonen Talweitung, wo wir uns eben um- sahen, fiihrt noch ein Stiickchen ebenen Weges durch Wald und Wiese, dann iiber ein grosses, fast kreisrundes Schotterfeld auf die ostliche Talseite, wo gemischter Wald mit Buchen, Larchen und Fichten uns aufnimmt und wunderbare Alpenrosen (Rhododendron) uns erfreuen. Wir betreten das Gerollbett des Kotbaches und kommen in diesem, nachdem wir den Bach iibersprungen, ganz heran an den Waldhang im innersten Talwinkel. Bei AUFSTIEG DURCHS KOTTAL 31 bequemer Gangart sind es bis hierher 2 Stunden, und wer davon Durst bekommen hat, moge ihn am rauschenden Bachlein loschen. Der Pfad steigt nun links aufwarts im sparlichen Buchenwald. Winterlaub deckt den Boden, aber auch bliitenschwere Alpenrosenbusche und moosbewachsene Felsblocke, und rechts aus der Schlucht kiingt ein wunder- sames Rauschen herauf. Bald wird der Steig steiler und fiilirt in mehreren Kehren rasch aufwarts. Der glatte Waldboden ist nun mehrfach von Baumwurzeln oder Felsstufen unterbrochen, eine machtige Buche macht sich am Wege breit, als hatte sie ganz iiber- sehen, dass ihr Platz zwischen den Kjeinen nicht ganz „standesgemass“. Nach 1 / 2 Stunde Steigens in Kehren biegt der Weg taleinwarts und quert den steilen, mit Felsplatten reichlich besetzten Hang. So kommt man an eine von derRjovina herabziehende Einbuchtung, welche oben meist mit Schnee gefiillt ist und unten eine kostliche Quelle birgt, zu der uns ein kurzer Gang durch Krummholz fiihrt (“/-> Stunden vom Tal). Von der Quelle quert man die erwahnte Buchtung im Gerolle, dann geht es rechts den mit Krummholz be- wachsenen Mittelhang des Kottalschlusses aufwarts. Kleine Larchen erheben sich noch iiber das Krummholz, prach- tige Alpenrosen und etwas diirftige Rasenflecken mischen sich in das Gestein, bis wir.. ganz herankommen an die links unter der Rjovina herabziehenden Gerollhalden (“ i Stunden von der Quelle), welche meist im Schnee angetroffen werden. In solchem Falle queren wir hiniiber 32 DER TRIGLAV und steigen am Rande desSchnees steil aufwarts. Drohend sieht die Rjovina herab, mit ihren eng, wagerecht ge- schichteten Wanden, in denen nur hie und da ein Larchen- baumchen oder ein Rasenfleckchen Platz findet. Immer oder wird unsre Umgebung; Rasen und Krummholz sind sparlich geworden, vom Gerolle gehen wir auf den Schnee uber, dann weichen wir nach rechts aus. Ueber eine kleine Wand mit breitausgearbeiteten Felsstufen er- reichen wir einen grossen Felsblock (l'/o Stunden von der Quelle), wo gerne Rast gehalten wird. Wir sind schon sehr hoch; talaus haben sich die Karawanken vom Mittagskogl bis zur Kotschna entwickelt. Tiet unten liegt das dunkelgriine Kottal; vorne winkt die Hohe, ein breiter, flacher Sattel, zu dem Gerolle und Schneefelder hinauffiihren, unterbrochen von einem vorliegenden, grim gekronten Buckel. Etwas rechts aufwarts geht es der Hohe zu, wo sich der Pflanzenwuchs wieder mehrt. Da gibt es wieder Krummholz und dazwischen herrliche Alpenrosen, und iippige Rasenpolster auf schwarzer Erde bilden am Beginn des Pekel (\ , Stunde vom Felsblock) einen wunderbaren griinen Teppich. Es ist ein grossartiges Felsenhochtal, das wir hier betreten. Drei riesige Felsenkessel (Dolinen) sind im Grunde desselben gegen den Triglav zu ansteigend zwischen den Felshangen der Urbanspitze und des Begunjski vrh an der westlichen, Rjovina, Resch und Krederza an der ostlichen Seite eingebettet. Auf dem Querriegel, welcher uber der zweiten Doline den Resch mit dem Begunjski vrh verbindet, liegt das Deschmann- AUFSTIEG DURCHS KOTTAL 33 haus. Dahinter steigt aus der dritten und grossten Doline iiber dem breit herabwallenden Gletscher- und Schneegiirtel der Triglav empor. Breit und machtig, fesselnd ebensosehr durch die Starrheit seiner prallen Im HochtaDPekel Wande wie durch deren wunderbar zarte Abtonung, welche durcli das Weiss des Schnees noch mehr her- vorgehoben wird, erscheint er hier als breite, doppel- kuppige Felsmauer, links der Kleine, rechts der Grosse Triglav, der mit einer gerundeten Scliulter gegen den Luknjapass zu abbricht. Vom Beginne des Pekel Der Triglav 3 34 DER TRIGLAV (deutsch Holle), welcher mit der Glattung seines wunderbar geschichteten Felsbodens deutlich die Spuren vorzeitlicher Gletschertatigkeit verrat, fiihren zwei Steige zum Deschmannhause, das man noch geraume Zeit nicht sieht. Der altere, bezeichnete Steig verlauft am linken (ostlichen) Rande der grossen Dolinen anfanglich einen steilen Felshang entlang, wobei je nach der Jahreszeit einige steil in den Trichter hinablaufende Schneefelder zu queren sind, weiterhin kommt man, durchaus sanft ansteigend, teilweise iiber rissige Felsplatten, zuletzt den erwahnten Querriicken ansteigend (in etwa 8 / 4 Stunden vom Beginn des Pekel) zum Desehmannhaus. — Ein zweiter Steig an der Westseite der Dolinen ist nur bei starkerer Ausaperung zu empfehlen, da sonst der den Weg deckende Schnee wegen seiner Steilheit grossere Vorsicht erheischt als der Sstliche Steig. Das Desehmannhaus ist durch die jiingste Erweite- rung des Jahres 1905 ein stattliches Wohnhaus von fast 20 m Lange und 5 m Breite in zwei Geschossen ge- worden. Das alte 1887 erbaute Haus dient nunmehr als Ktiche und Fiihrerraum, 1895 wurde daran ein holzer- nesSchlafhaus in zwei Geschossen, 1905 zugleich mit dem Aufbau und der Verbreiterung dieses ursprunglichen Hauses ein weiterer steinerner Anbau angegliedert. Was die Simonyhtitte am Dachstein oder das Glocknerhaus auf der Adlersruhe, das ist das Desehmannhaus fiir den Triglav: ein vornehmes und zugleich gemutliches Heim der Triglavfahrer aus alter Welt, ein Stuck Geschichte der Erschliessung. Hier hat am 31. Juli 1887 der ehr- AUFSTIEG DURCHS KOTTAL 35 wiirdige krainisclie Gelehrte und Naturforscher Karl Deschmann in Anwesenheit von mehr als 100 Festteil- nehmern einen neuen Zeitabschnitt fur den Triglav er- offnet. Ein Bildnis des inzwischen heimgegangenen Deschmannhaus Forschers nebst einer Marmortafel zu Ehren der Krai- nischen Sparkasse, welche durch reichlicheUnterstiitzungen den Alpinismus in Krain gefordert bat, schmuckt seit der feierlichen Eroffnung des Erweiterungsbaues am 16. August 1896 die traulichen Raume des Hauses, das nunmehr mit der 1905 errichteten Johannes Mlakar-Stube 36 DER TRIGLAV ein vornehmes Gastzimmer erhalten hat. Die Stube soil das Andenken eines Alpenfreundes ehren, der der Sek- tion Krain, zu welcher er bis zu seinem Tode in keinerlei Beziehung trat, ein bedeutendes Vermachtnis fur alpine Zwecke in Krain zugedacht hat. — Die jiingste Erweiterung ermoglicht es, die bisherigen gemeinsamen Schlafraume durch Einzelzimmer zu ersetzen und die Gastwirtschaft wesentlich zu verbessern und zu erweitern. Prachtig ist die Umgebung der 2332 m hoch in- nutten des Hochtales Pekel gelegenen Hiitte. Der wild- zerzackte Felsriicken des Resell lehnt sich an die machtig breiten Triglavwande, und die einseitig steilen Abstiirze der nahen Gipfel der Rjovina, der Urbanspitze und des Be- gunjski vrh vermehren den Eindruck der Rulie und Starr- heit in der einsamen Felslandschaft, den anderseits zwei freie Ausblicke mildern: trentawarts iiber einen niedrigen Wall auf Fels- berge der Ju- lischen und der Save zu ini Tal- ausschnitt auf die griinenHohender Karawanken. Der Weg vom Deschmannhause zum Triglav fiihrt langhin am Ab- hang quer iiber die vom Resell Aufn. von W. Schlcifer, Wien Kleiner Triglav AUFSTIEG DURCHS KOTTAL 37 und von der Krederza (slaw. Kredarica) kommenden Schneefelder, welche unten in den letzten grossen Kessel des Pekel steil abfallen. Von den beiden vom Deschmann- hause ab anfanglich in den Felsen ausgefiihrten Steigen ist der untere, etwas absteigende alter und wohl auch emp- Atifn. von Dr. Roschnik Spitze des Grossen Triglav fehlenswerter, weil der als Konkurrenzweg vom Slowe- nischen Alpenvereine erbaute obere Weg nicht selten infolge Vereisung und grosserer Steilheit des Hanges erheblich schwieriger ist. Wenn man urn die letzte Ecke des Krederzaruckens gebogen, kommt man auf den Triglavgletscher, der sich zum Krederzasattel (deutsch etwa „Kreidesattel“) sanft geneigt emporschwingt. Etwas 38 DER TRIGLAV nach rechts vom Sattel (1 Stunde vom Deschmannhause) erreicht man die Felsen des Kleinen Triglav. Die Aus- sicht zur Tiefe hat sich herrlich entwickelt. Mit einer Wendung nach links von dem in die Felsen verlaufenden Sattelkamm beginnt der in prachtigen Felsstufen aus- gefiihrte, mit Eisengriffen reichlich versicherte Steig. Quer geht’s an einer Felskante links aufwarts durch die Wand, dann rechts hinauf, den Wandgrat steil empor, bis er flacher und breiter wird und in die ziemlich ge- raumige Flohe des Kleinen Triglav ausgeht. Von da fiihrt der einst beriichtigte Grat zum Grossen Triglav. Jetzt ist er durch eine Steiganlage ganz zahm gemacht. Anfangs ziemlich breit und be- quem, bleibt er auch, da er enger wird, auf der Flohe gut gangbar. Dann, nach einigen Stufen, folgt ein schmaler, mit Drahtseil gut versicherter Felsgrat, und das Drahtseil bleibt nun steter Begleiter auf der vom Ende des Grates kiihn emporziehenden Kante der eigent- lichen Spitze, die wohl durch die Machtigkeit und Steil- heit der Wande auffallt, aber doch recht breit aussieht. Von der Flohe der Gipfelkante fiihrt ein kurzer Gang zur breiten Hauptspitze (1 Stunde vom Krederzasattel). Gipfelrast Die Spitze d.es Triglav, der den Namen eines alt- slawischen Gottes (deutsch etwa „Dreihaupt“) verewigt, bietet bequemen Raum zu angenehmer Gipfelrast. Ein kleiner Blechturm, von und nach dem Pfarrer in Lengen- feld, der ihn vor etwa zehn Jahren erbaut und dann dem Slowenischen Alpenverein geschenkt hat, Aljazturm ge- nannt, kront die Spitze und dient, da er bei Unwetter wegen Blitzgefahr gemieden werden muss, kaum zu etwas anderm als zur Aufbewalirung einer Rundschau und eines slowenischen Gipfelbuches. Ein deutsches, von der alpinen Gesellschaft Kjummholz in Wien ge- widmetes Gipfelbuch befindet sich etwas stidlich unter der Spitze in einem Eisenkastchen. Zur Schilderung der Aussicht vom Triglav, die mit Reclit als eine der schonsten in den Alpen gilt, wollen wir im wesentlichen einem alten Triglavbesteiger, Franz Edlen v. Rosthorn, das Wort geben. Der Zauber der Ver- gangenheit, der Urspriinglichkeit und Naturfreude, der diese aus dem Jahre 1828 stammende Schilderung aus- zeichnet, moge einen Ersatz bieten ftir den lebendigen Eindruck der Wirklichkeit, den leider auch die schonsten Worte entbehren miissen. Rosthorn bezeichnet die nachste Umgebung des Triglav „als ‘ein wild pittoreskes Bild. Ueberall leuchtet Kahlheit und Trockenheit hervor. Bis hinab erschaut das Auge nichts als pflanzenloses Fels- 40 DER TRIGLAV gebilde aufgehauft, voll von prallichen Zacken, Briichen, senkrechten Wanden und wustem Getriimmer, Taler iiber Kreuz und Quere, aber ohne alles Leben, kein Graschen, kein Quell, nichts, gar nichts als diirres Ge- stein und nackter Schnee, welche diese leblosen Wiisten in ewigen Ernst kleiden. Man steht hier wie auf der Zinne eines Turmes, iiberall von senkrechten Wanden umgeben. Gegen Norden erblickt man einen Gletscher, dessen Spalten aus der Tiefe heraufgahnen". Der Felsen- rand darunter weist uns das Uratatal, von dem nach links wir iiber dem Einsclmitt des Luknjapasses die tiefe Talfurche der Trenta finden. Ueber dieser Linie er- heben sich die gewaltigen westlichen Nachbarn des Triglav. Dem wildzerkliifteten Stock des Suhiplas und der Rogiza, der sich Krisch und Steiner vorschieben, folgen nach links Prisang, Mojstrovka, Manhart und Ja- louz. Das wiiste Felsgebiet links von der Trentalinie ist kaum zu entwirren. Doch der breite Doppelgipfel des Kanjauz und der massige Debeliverh helfen uns das Siebenseental und dessen Randberge gegen den Wocheinersee verfolgen, in dessen Richtung im Vorder- grunde die grime Tiefe von Belopolje heraufwinkt. Weiter nach links ftihrt uns die Wocheinerlinie durch ein wald- dunkles Berggebiet, dem sich gegen das Kermatal zu die Felsabstiirze des ToSc und Draschki vorstellen, zum kleinen Spiegel des Veldeser Sees. Gegen Osten leitet der Triglavgrat, „zu beiden Seiten von furchtbaren Abgriinden umgeben", zur schlanken Spitze der Rjovina, und dann finden wir leicht die GIPFELRAST 41 Scheideriicken des Kerma- und Kottales, die Urbanspitze, den Begunjski vrh, den Zmir, das Deschmannhaus, den Pekel und wollen uns nun der weiteren Aussicht zu- wenden. „Gegen Westen zieht sich der Kalkalpenzug ununter- brochen bis ins fernste Grau fort; ein ungeheures, riesen- haftes Gemauer... Breite Riicken, gezackt, zerkliiftet, wie zerfallene Triimmer von Burgen ... Einsturz drohend... geben dem Ganzen ein schauerliches Ansehen, aus dem sich die Phantasie das Mannigfaltigste schaffen kann, nur nicht ein Bild von Ordnung. Ein geistesschwacher, gemiitkranker Mensch miisste bei langerer Betrachtung dieser gleichsam chaotisch hingegossenen Massen bei- nahe zur Verzweiflung geraten.“ Einzelne Gipfel dieses Zuges, als Bramkofel, Wischberg, Kanin, Paralba und Pelmo, Dreischuster, Antelao, Marmolata, ragen deutlich hervor und sinken links mit dem Mte. Cavallo und dessen Auslaufern zur fernen Kiistenebene ab. Diesen machtigen Alpenzug begrenzt „gegen Siiden die venetianische Ebene. Welch ein auffallender Kon- trast eroffnet sich hier dem Blicke zwischen den kahlen Kalkbergen und der reichen Vegetation des herrlichen Italien! Welch iippiges Griin bedeckt dort die Flache, wie mit Silberfaden durchzogen von Fliissen, unter wel- chen der Tagliamento der machtigste ist, und von Hun- derten von Ortschaften wie mit Blumen iibersat. Sehr deutlich erkennt man Udine, Pordenone und Treviso Siidostlich zeigt sich die ziemlich gebirgige Gegend von Gorz, Wippach, Adelsberg hiniiber gegen Gottschee. Die 42 DER TRIGLAV Berge, die in dieser Richtung vom Triglav abwarts ziehen, sind weit niedriger. „Flachenartig laufen sie aus- einander, und ungehindert sieht man tiber ihre H5hen in die Taler, daher zum Teile ihr wellenformiges An- sehen." Nur der Krainer Schneeberg „erhebt sicli hier zur Alpenhohe"; ausgezeichnet sieht man den Nanos bei Prawald, deutlich den Tarnowaner- und Birnbaumer- wald (iiber dem Zuge der Cernaperst), den Monte Mag- giore und das Kapellagebirge. „Begrenzt ist dies Bild vom Meere in der Gegend von Venedig (Grado, Triest), Pirano, Pola, Fiume, das sich mit alien Buchten und Landzungen zeigt; doch nicht wie ein Streifen, sondern eine unendliche Wasser- flache begrenzt dasselbe den Horizont. Gegen Sudost und Ost iibersieht man ein weites Gebilde von Bergzugen und Flachen aus der sudlichen Steiermark und Krain.“ Ueber der Ebene von Krain- burg und Laibach, mit zahlreichen insel- und halbinsel- artigen Hiigeln (Kahlenberg, UranSica, Jodozi u. a.) er- blickt man das grosse Savetal, nach Kroatien zu ver- laufend, und aus den Bergzugen deutlich die Uskoken, den Jantschberg, den Kumberg, den Klek, die PleSivica, weiter gegen den Horizont hinausgeriickt die Berge Dal- matiens (Velebit) und Bosniens, „doch alles wellig, ins feme Grau sich verlierend“. Nordlich vom Triglav schliesst sich ein Kalkzug von West nach Ost mehr an die Zentralkette und scheidet das Gail- und weiter abwarts auch das Savetal vom Drau- tal und bildet hier zugleich die Grenze zwischen Krain GIPFELRAST 43 und Karnten. Dieser Gebirgszug ist bei weitem niedriger, und man sieht alle seine Gipfel, als Reiskofel, Spitz - egel, Dobratsch, dann die Karawanken mit dem Mittags- kogel, Kahlkogel, Hochstuhl, Begunschiza, Obir, Petzen, Koschuta bis zum Ursulaberg. Rechts anschliessend er- heben sich die Steineralpen mit Kotschna, Grintouz und Greben, denen der Storschitz vorsteht. — „Ueber diesen Kalkziigen erblickt man, tief zu den Fiissen gesunken“, Reissegg, Millstadteralpe, Konigsstuhl, Wollaner Nock, Eisenhut, Gorlitzen, Grebenzen, Zirbitzkogel, Sau- und Koralpe, „durchaus von schonen gerundeten Formen, unter sanften Winkeln aufsteigend, griin bis zu den Hohen und Alpen in doppeltem Sinne“. In gleicher Richtung zeigt sich das Drautal und die Klagenfurter Ebene, weiter aufwarts das Glantal, und in der Feme sieht man die Niederen Tauern mit dem Hochgolling, der Wildstell, dem Solker- und Oberwolzergebirge, weiter Hochtor, Zinken, Hochschwab u. a. „Das erhabenste Bild aber macht von Norden nach Westen, ungefahr 90 Grade des Gesichtskreises ein- nehmend, die eisumpanzerte' 1 Zentralkette der Alpen vom Ortler bis zum Hafnereck in Karnten. „Unvergang- lich in ewiger Pracht starren die Massen, gezahnt, ge- zackt, iibersat mit Spitzen, Nadeln und Hornern weit liinaus iiber die lebendige Natur in die reineren Liifte. Aus acht kolossalen Massengebilden unermesslichen Eises erheben sich einige dreissig' Granitgipfel der hochsten Ordnung empor. Deutlich erkennt man, von Nordost nach West sich wendend", Hafnereck, Hochalmspitz, 44 DER TRIGLAV Ankogel, Sonnblick, Hochnarr, Wisbachhorn, Glockner, Hochschober, Grossvenediger, Dreiherrenspitz, Hochgall, Wildspitze, Weisskugel und Ortler. Der Maler M. Pernhart hat in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Rundschau von der Triglavspitze in vier sehr schonen Bildern gemalt, die sich im Landes- museum Rudolfinum zu Laibach befinden (vier Farbendruckbilder bei Kleinmayr & Bamberg in Laibach), eine gezeich- nete Triglavrundschau desselben (mit einigen kiinstlerischen Frei- heiten!) ist im Verlage des Oesterreichischen Touristenklubs (Wien 1878) erschienen. — Wie schon eingangs erwahnt, hat der Triglav eine sehr bemerkens- werte Ersteigungs- und Erschliessungsgeschichte; wir wollen unsre Gipfelrast dazu benutzen, ein wenig im Buche der Erinnerungen zu blattern. Wie fast durchwegs in den Alpen, waren es auch beim Triglav naturwissenschaftliche Bestrebungen, welche Aufn. von Dr. Roschnlk Triglavspitze GIPFELRAST 45 den ersten Anstoss zur Besteigung gaben. Hier sind es Balthasar Haquet und Baron Siegmund Zois, welchen die erste Besteigung des Berges am 25. August 1778 durch den Wundarzt in Althammer, Lorenz Willonitzer, zu danken ist. Der Weg des ersten Ersteigers, der von mehreren ortskundigen Leuten begleitet war, lasst sich ini weiteren Verlaufe von der Alpe Belopolje aufwarts, welche aus derWochein erreicht wurde, nach den durch Baron Zois und Professor Richter (erst 1821) uber- mittelten Berichten nicht mit voller Sicherheit feststellen. Wahrscheinlich fallt derselbe mit dem durch voile 100 Jahre allein bekannten Wege aus der Gegend der jetzigen Maria Theresienhtitte durch das Triglavtor auf den Kleinen und liber den Grat auf den Grossen Trig- lav zusammen, obwohl die Nichterwahnung des Kleinen Triglav und einige sonstige Merkwiirdigkeiten des ersten Berichtes einigen Zweifel iiber die Stelle, wo der Triglav- grat erreicht wurde, offenlassen. Gegeniiber der von Professor Richter (1821) mit einiger Bosheit gemachten Behauptung, dass Haquet selbst nicht bis zur hdchsten Spitze gekommen sei, spricht Dr. Julius Kugy, ein so gewiegter Kenner der Verhaltnisse, auf Grund einer geistvollen Beweisfiihrung aus den Werken Haquets diesem die Ehre der zweiten und dritten Besteigung in den Jahren 1779 und 1782 zu. Man kann sich, wenn man die mangelnde Berg- gewandtheit der damaligen'"Zeit und den Aufbau des Triglav berticksichtigt, unschwer vorstellen, welch ausser- ordentliche Anforderungen an die Leistungsfahigkcit 46 DER TRIGLAV und an die Schwindelfreiheit der Besteiger er in seinem Urzustande und mit den kaum nennenswerten ersten kleinen Wegverbesserungen (zuerst etwa 1830) stellte. So sind denn auch die Besteigungen durch ziemlich genau ein Jahrhundert seit der ersten sehr sparlich und die Berichte dariiber voll von den ungeheuern Schwierig- keiten und Gefahren, von unermesslichen Felswanden und greulichen Abgrunden, oder wie es in der damaligen Geiehrtensprache noch fiirchterlicher hiess: „horribeln Pracipitien". Wir wollen aus diesem ersten Jahrhundert nur wenige Denkwiirdigkeiten herausgreifen. Im Jahre 1792 erfolgte eine nachtliche Triglavbesteigung auf Grund einerWette durch einen kiihnen Gemsjager, der auf derSpitze einFeuer entziindete. Der slowenische Dichter Professor Val. Vod- nik, dem zu Ehren der Slowenische Alpenverein seine Hiitte in Belopolje benannt hat, kam 1795 bei dem Ver- suche einer Besteigung nur bis zu den Felsen des Klei¬ nen Triglav. 1808 erfolgte eine Besteigung durch Valen¬ tin Stanig, einen Geistlichen aus dem Gorzischen; er war ein in der Geschichte der Alpenerschliessung mehr- fach genannter wirklicher Alpinist, den echte Bergfreude auf die verschiedensten Gipfel der Ostalpen fuhrte. Auch der Geistliche Johannes Deschmann (1809) bekundet ahnliches mit der auf derSpitze zuriickgelassenen Nieder- schrift: „meine grosste Freude ist auf den Bergen". Im Jahre 1812 folgte der Botaniker Dr. Franz Wilhelm Sieber, welcher neben der nicht ganz zutreffenden Be- merkung, er sei derdritte (wahrscheinlich der sechste) Be- GIPFELRAST 47 steiger nach Haquet, auf seiner Gipfelkarte fur den Nach- folger die hubsche Mahnung zuriickliess: „Geniesse den Augenblick, denn in diesem Leben erwirbst du ihn nicht niehr.“ Auch heute konnte man den Besteigern des Triglav auf der Spitze nichts Schoneres sagen. 1819 kam Baron Karl Zois als erster aus dem Kermatal, und 1822 erlebte Hauptmann von Bosio anlassiich einer Trian- gulierung auf der Spitze ein furchtbares nachtliches Ge- witter, wobei er einen Fiihrer durch Blitzschlag verlor und mit den iibrigen Gefahrten mehrfach getroffen wurde. Die erhaltene Schilderung dieses Gewitters kann an Naturtreue und Lebhaftigkeit des Ausdrucks als un- ubertrefflich bezeichnet werden. Der Botaniker Freyer, anscheinend ein besonders gewandter Bergsteiger, der 1837 und 1851 die Spitze erstieg, machte als erster auf die Anstiegsmoglichkeit vom Kot- und Uratatale auf- merksam. Endlich leitet das Jahr 1871 mit der Eroffnung der Bahnstrecke Laibach Tarvis eine neueZeitfur den Triglav ein; die Errichtung einer kleinen Schutzhutte an Stelle der jetzigen Maria Theresienhiitte durch Laibacher Berg- freunde und kleine Verbesserungen des Gratweges durch die Wocheiner Fiihrerfamilie Sest fallen in dieses Jahr. Wenn man Abschnitte in der Triglavgeschichte machen will, so kann man sagen, dass etwa 1877, also zi.emlich genau 100 Jahre nach der Erstersteigung, ein neuer Ab- schnitt beginnt, nachdem die"im Jahre 1874 gegriindete Sektion Krain des Deutschen und Oesterreichischen Alpen- vereins im Jahre 1877 an Stelle der inzwischen verfal- 48 DER TRIGLAV lenen kleinen Hiitte die Maria Theresienhiitte erbaut und den Gratweg neuerlich etwas verbessert hatte. Die Gipfelersteigung war nun zwar wesentlich er- leichtert, aber doch nur fiir eine kleine Menge erlesener Bergsteiger (etwa 20—30 jahrlich). Zaghafte wurden un- barmherzig zuriickgewiesen, wodurch der Ruf von der Gefahrlichkeit des Grates nur immer neue Nahrung fand. In diese Zeit fallt auch die Markierung des Siebenseen- weges durch Richard Issler und die Erbauung der Triglav- seenhiitte durch den Oesterreichischen Touristenklub (1878) und 1881 die Eroffnung der Baumbachhutte durch die Sektion Kiistenland. In diesem Jahre entdeckte Dr. Julius Kugy den nach ihm benannten Aufstieg' von der Trenta unmittelbar auf die Spitze, wodurch der Gipfel zum ersten Male von neuerSeite betreten wurde, nachdem vorher einige andre Abstiege in die Trenta durchgefiihrt worden waren (Petersen und Liebeskind und Welter). Ein dritter Abschnitt in der Triglavgeschichte beginnt mit der Eroffnung des neuen Kottalweges und des Deschmannhauses im Jahre 1887; der Weg war be- deutend abgekurzt, der Gipfel durch regelrechte Fels- steige mit Drahtseilen und Eisengriffen seiner Schrecken beraubt, und schon am Eroffnungstage (31. Juli 1887) erhielt die Spitze einen unerhorten Besuch von kaum weniger als lmndert zum Teil ganz ungeschulten Berg- steigern. Bei dieser Gelegenheit wurde, da der neue Felssteig vom Krederzasattel nocli nicht fertiggestellt war, ein spater ganz in Vergessenheit geratener Auf¬ stieg vom Krederzasattel iiber den Gletscher mit Urn- Urbanspitze Deschmannhaus Rjovlna Weg vom Deschmannhaus zum Triglav GIPFELRAST 49 gehung des Kleinen Triglav auf den Triglavgrat aus- gefiihrt. Der Bann des Schreckens war endlich gebrochen. Wohl blieb der Besuch durch einige Jahre noch in einer durchschnittlichen Anzahl von 100 Gipfelbesteigern. Doch gab die im Jahre 1890 von der Sektion Krain des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins. durch- gefuhrte Markierung eines grossen Wegnetzes, die Ver- besserung und Herstellung neuer Wege, die bessere Heranbildung der Fiihrerschaft und endlich die 1895 durchgefiihrte Erweiterung des Deschmannhauses immer neuen Anstoss zur steten Zunahme des Triglavbesuches. Der rastlose und durch so viele Jahre einzige Er- forscher neuer Wege, Dr. Julius Kugy, hatte 1893 einen neuen Anstieg von der Maria Theresienhutte zur Flitscher- scharte und, da von hier der Trentaner Kugyweg herauf- kommt, mit Vermeidung des Grates zur Spitze entdeckt. Die Sektion Krain legte 1895 nicht nur hier einen Steig an, sondern auch einen solchen von der Flitscherscharte trentawarts hinab iiber das gefiirchtete Band des Kugy- weges bis unter die Gipfelfelsen, von wo eine Wegmarkie- rung den Siebenseenweg bei der Smerjetna glava trifft. Dieser neue Pfad kiirzte den Seenweg und die Abstiege in die Trenta bedeutend, und in dem folgenden Jahre (16. Aug. 1896) wurdezugleich mit dem neuen Anbau des Deschmannhauses der grossartige, von der Sektion Krain des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins er- baute Urataweg eroffnet. Damit war neuer Anstoss zur Hebung des Verkehres Der Triglav 4 50 DER TRIGLAV im Triglavgebiet gegeben, der zeitlich mit dem ersten Eingreifen des Slowenischen Alpenvereins durch Er- offnung der slowenischen Vodnikhiitte in Belopolje (1895) und der slowenischen Kredaricahiitte (1896) zu- sammenfallt, welche eine Belebung des Verkehrs durch slowenische und tschechische Touristen und Wallfahrer zur Folge hatten. Aus der weiteren Erschliessungsgeschichte sei noch der Herstellung eines neuen Verbindungssteiges vom Uratatriglavweg zum Luknjapass (1901), dann der Uebernahme der Hiitten des Oesterreichischen Touristen- klubs (die Maria Theresienhtitte war 1880 an diesen Klub verkauft worden) durch den Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein im Jahre 1903 gedacht. Die diese Hiitten verwaltende Sektion Krain hat 1904 und 1905 eine griindliche Herstellung und die Neu- einrichtung derselben besorgt und den Komartschaweg von der Saviza (Wochein) zur Triglavseenhiitte neu her- gestellt. Der Slowenische Alpenverein hat seine Wegbautatig- keit insbesondere dem Kermatalwege zugewendet, der als Massenweg zur slowenischen Triglavhutte den Kottal- weg in den Schatten stellen sollte; eigne Steige von der oberen Kermaalpe (Quelle) und vom Kermasattel sollten die Bergsteiger von der (fur diesen Talanstieg giinsti- geren) Maria Theresienhiitte ablenken. In ahnlicher Weise verfolgt der in den Urataweg einmiindende so- genannte Tomingekweg den Zweck, dem Uratatriglav- wege der Sektion Krain Konkurrenz zu machen und GIPFELRAST 51 in seiner Fortsetzung zum Krederzasattel den Besuch des Deschmannhauses auszuschalten. Gleiche Kon- kurrenz- und Kampfzwecke sind beim Parallelsteig vom Deschmannhause auf die Krederza, beim soge- nannten Komarsteig, aus der Trenta, der den unteren Teil des Skokweges ersetzen soli, beim ostlichen Luknja- passsteig auf der Trentaner Seite und andern Schop- fungen des Slowenischen Alpenvereins unverkennbar. (S. S. 22.) Inzwischen sind auch die letzten Ersteigungsfragen von grosserer Bedeutung gelost worden. Nachdem Dr. Kugy bereits 1882 den Triglav in einer Hohe von etwa 2400—2500 m vollstandig umkreist und 1893 an- lasslich der Entdeckung des neuen Anstieges von der Maria Theresienhiitte den siidlichen Nebengipfel des Triglav erstiegen und im Abstiege fiber die Flitscher- scharte vom Flitscherschnee aus den Luknjapass er- reicht hatte, wurde 1902 ffihrerlos von Ernst Eitner und Eduard Pichl aus Wien (etwas spater von Dr. Waizer aus Klagenfurt) die Spitze des Grossen Triglav (nacli Querung des Gletschers vom Krederzasattel her be- ziehungsweise vom Deschmannhause) fiber den Nordgrat bezwungen. Als jfingsten Ereignisses vom Triglav sei noch der im Jahre 1905 in Angriff genommenen Erweiterung des Deschmannhauses gedacht, welche die Unterkunfts- verhaltnisse neuerlich bedeutend verbessern wird. — Abstieg durchs Siebenseental in die Wochein Ungefahrer Zeitaufwand i m Abstieg: 1. Grosser Triglav bis Maria Theresienhutte 1 '/s Stunden. 2. Grosser Triglav Oder Maria Theresienhutte, l‘/2 Stunden Smerjetnasattel, >/ 4 Stunde Doletschsattel, 3 / 4 Stunden Hriberze- sattel, 1 Stunde gruner See, J /2 Stunde oberer Schwarzsee, l'/s Stunden Triglavseenhutte, zusammen 5 1 / 2 Stunden. 3. Triglavseenhiitte, l 3 /4 Stunden unterer Schwarzsee, V/i Stunde an der Savizabriicke, zusammen 3 Stunden. 4. Savizabriicke, P/sStunden Touristenhotel, l 1 / 4 Stunde Feistritz. I m A ufsti e g: 5. Savizabriicke bis Triglavseenhutte 4>/2 Stunden. 6. Triglavseenhutte bis Maria Theresienhutte Oder Triglavspitze 7—8 Stunden. Zum Abstieg von der Triglavspitze wahlen wir den Weg iiber die 7 Triglavseen. Man kann entweder von der Spitze unmittelbar absteigen (etwa l l / s Stunden kiirzer), oder falls man in der Maria Theresienhutte ein- kehren will, zu dieser hinab und um die Flanke des Triglav ins Seental. Beide Wege treffen sich auf einem kleinen Sattel neben der Smerjetna glava (spr. Schmer- jetna glawa), den wir Smerjetnasattel (zu deutsch „Gret- chensattel") nennen wollen. A. Von der Spitze zum Smerjetnasattel. Um vom Grossen Triglav unmittelbar zu den sieben Seen abzusteigen, miissen wir den seit 1895 fur geiibtere Bergsteiger von der Sektion Krain des Deutschen und Einstieg ins Kern Siebenseental Kanjauz Trentatal Gegend der sieben Seen von der Triglavspitze ABSTIEG DURCHS SIEBENSEENTAL 53 Oesterreichischen Alpenvereins hergestellten obersten Teil des Kugyweges benutzen und zunachst die Flitscher- scharte erreichen. Sie liegt im Siidgrat des Triglav, zwischen dem Grossen Triglav und dessen siidlicher Nebenspitze (2568 m). Erst am und nachst dem Grat geht man bald auf die ostliche Bergwand iiber und gelangt durch diese sehr steil abwarts in etwa 20 Mi- nuten zu einer Wegteilung nachst der nun unmittelbar rechts liegenden Flitscherscharte. Unter uns breitet sich zwischen dem Flauptkamm und dem siidlichen Gipfel- grat des Triglav ein grossartiger Schneekessel aus, an dessen nordlichem Rande der von Dr. Kugy entdeckte, fur geiibte Bergsteiger ausreichend verbesserte Steig zu der am ausseren Saume der' Schneemulde gelegenen Maria Theresienhiitte hinabfuhrt. - Unser Steig zu den sieben Seen geht iiber die nur wenige Schritte von der Wegteilung entfernte Flitscherscharte. Ein kurzer Gang von dieser nach rechts iiber locke- ren Schutt fiihrt in eine zweite kleine Scharte, von welcher man in einer oden, in Siidwestrichtung ver- laufenden Felsschlucht (Rinne) steil hinabsteigt. Ein schones rotliches Band, ziemlich ausgesetzt,' doch mit Griffstangen versichert, leitet unten nach rechts hinaus und nach einer langeren Querstelle steil hinab durch die Wand zu den Schuttfeldern unter derselben (eine halbe Stunde von der Flitscherscharte). Bis hierher deckt sich unser Steig mit dem Trentaner Kugywege, der nun nach rechts zum Flitscherschnee abweicht, wahrend wir, nachdem wir uns des prachtigen Ausblickes auf 54 DER TRIGLAV den westlichen Zug der Julischen Alpen (Jalouz, Manhart, Prisang) erfreut haben, nach der roten Be- zeichnung in gut gangbarem Steingelande zum Smerjetna- sattel hiniiberwandern (etwa 40 Minuten vom Felsen- ausstieg), wo der Weg von der Maria Theresienhiitte heraufkommt. B. Von der Spitze zur Maria Theresienhiitte und von hier zum Smerjetnasattel. Von der Spitze des Triglav zur Maria Theresienhiitte konnen wir ausser dem unter A erwahnten Steig niichst der Flitscherscharte auch den erheblich leichteren alteren Gipfelweg benutzen, indem wir zunachst dem im Auf- stiege benutzten Grat folgen. Etwas iiber der Hohe des Kleinen Triglav (gegen die Krederza zu), zweigt dieseralte Steig rechts ab und fiihrt hier durch das kaminartige „Tor des Triglav" in etwa l‘/ 2 Stunden von der Spitze zur Maria Theresienhiitte (2404 m). Diese alteste Triglavhtitte wurde am 8. September 1877 von der Sektion Krain eroffnet, jedoch schon 1880 dem Oesterreichischen Touristenklub abgetreten, aus dessen Handen sie im Jahre 1903 in den Besitz des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins zuriick- gekehrt ist. Die kleine, aus nur einem Zimmer und kleinem Vorraum bestehende Hiitte ist nun vollstandig instand gesetzt, neu eingerichtet und sogar in den Sommermonaten bewirtschaftet und kann einzelnen Berg- steigern (5 gute Nachtlager) bestens empfohlen werden. Nach Art der alteren Hiitten liegt sie in einer kleinen ABSTIEG DURCHS SIEBENSEENTAL 55 Mulde windgeschiitzt, dafiir um so mehr der Schneever- wehung ausgesetzt. Trotzdem sind dank der guten Bedachung und Verschalung die teilweise boswillig ver- Flitscherscharte i Y Qr. Triglav i Y Aufn. von F. Blechschmldt, Fiume Maria Theresienhiitte breiteten Geruchte uber grosse Feuchtigkeit nicht be- griindet. Prachtig ist die Umgebung und die Aussicht. Den riesigen Kessel, an dessen flachem Saum die Hiitte liegt, umgibt der machtige Felskamm des Triglav vom siidlichen Nebengipfel iiber die Flitscherscharte zum 56 DER TRIGLAV Grossen und zum Kleinen Triglav; und die Gegenseite zeigt eine wohltuende breite Gliederung talwarts und einen freien Ausblick in die Feme. Ich mochte den freundlichen Leser bitten, micli von hier zu den sieben Seen zu begleiten. (Der Morgen des 16. Juli, an dem ich den Weg mit dem Fuhrer Lorenz Skantar aus der Wochein machte, war herrlich. Wahrend der Fuhrer in der Hiitte Ordnung machte, hatte ich Zeit, mir die von der ersten Morgensonne leicht ge- roteten Berge zu betrachten. In der Richtung der sieben Seen ist es eine lange Kette, die mehr durch Machtigkeit und Breite als durch ktihne Formen fesselt. Von links nach rechts der MiSeljvrh (spr. Mischelverch), der Debelivrh, die MiSeljska glava (spr. Mischelska Glawa) und dann der Kanjauz mit zwei kleinen Spitzen, alle breit und massig. Die Alpe Belopolje, erst im Abstiege deutlich sichtbar, schafft einen wunderbaren Gegensatz mit ihren herrlich grunen Almen, die der Wochein zu in einen machtigen dunkeln Waldgiirtel iibergehen. Auf der andern Seite sind ToSc (spr. Toschz), Werner und Draschki so zusammengeschoben, dass der Werner kaum merklich vor dem kantigen To Sc vortritt. Um y a 6 Uhr friih wanderten wir weg, absteigend der felsigen Triglavflanke zu, deren Panzer ein Aus- weichen notig macht. Um die plattige Ecke herum offnet sich der Blick auf die Berge der sieben Seen nach rechts; die Smerjetna glava erscheint vor dem Kanjauz mit griin angehauchter, etwas einseitiger Kuppe. Nach der Triglavecke fiihrt unser Steig unliebsamerweise noch ABSTIEG DURCHS SIEBENSEENTAL 57 im Geroll stark hinab, dann quer am Abhang zwischen Blbcken und Platten, bis ein schoner Wiesenfleck wohl- tuend aus dem Gestein heraufgriisst. Die Smerjetna glava liegt jetzt ganz vor uns, der Kanjauz ist rechts davon zuriickgetreten. Ein schoner Kessel mit griinem Boden nimmt uns auf, rings von Schneefeldern umgeben. Ein breites Schneetal zieht daraus rechts von der Smer¬ jetna glava empor. In diesem aufwarts, iiber Schnee, der in der Sonne gleich Millionen von Diamanten glitzerte, kamen wir in einen zweiten Schneekessel, dann steiler hinaus auf einen steinigen Hang zum Smerjetnasattel neben der Smerjetna glava (6 Uhr 40 Minuten), wo der unter A beschriebene Weg vom Grossen Triglav heriiberkommt. C. Vom Smerjetnasattel zur Triglavseenhiitte. Ein kurzer Abstieg iiber Schnee und Felsen brachte uns in etwa 1 / i Stunde hinab in den Dolecsattel (spr. Doletschsattel). Es ist ein Schneekessel, der mulden- artig westlich gegen die Trenta (hier der sogenannte Skoksteig), ostlich mit den Migeljska tla (deutsch Michels- boden) gegen die Alpe Belopolje verlauft. Der Seen- weg kreuzt diese Talrichtung, so dass hier der Knoten von vier Wegen liegt, der entsprechend mit Wegtafeln und Aufschriften deutlich bezeichnet ist. Der Eindruck des engbegrenzten, nur von Fels und Schnee um- gebenen Kessels ist etwas duster und ode. Nachdem wir langere Friihstiicksrast gehalten, schwenkten wir vom Sattel quer aufwarts meist im Schnee in ein 58 DER TRIGLAV zwischen MiSelska glava (deutsch „Michelskopf‘') und Kanjauz emporziehendes Hochtal (VevSka dolina) ein. Ein Schneekessel schliesst bald das Tal nach oben ab, und daraus ziemlich steil emporsteigend erreichten wir in Y» Stunden vom Doletschsattel den Hriberzesattel neben dem Kanjauz, die Wasserscheide zwischen Belopolje und Seental. Hier beginnt die grossartige Hochflache der Hriberze,einetodesstarreFelswildnismitMuldenundTrich- tern, in welchen der Schnee niemals schwindet. In etwa einer Stunde lasst sich von hier aus ohne Schwierigkeit der Gipfel des Kanjauz (2568 m) erreichen, ein hervorragender Aussichtsberg, der einen besonders schonen Anblick des Triglav und des obersten Kugy- weges und der tiber dem Trentatale thronenden Gipfel der Julischen darbietet. Im Abstiege zu den sieben Seen braucht man nicht zum Hriberzesattel zuriick, wenn man auf bezeichnetem Wege gegen den Einstieg ins Seen¬ tal zu hinabwandert. Auch wir hatten, den herrlichen Sommertag benutzend, diesen Abstecher gemacht und waren gegen 1 Uhr nachmittags zu der erwahnten Stelle gekommen, die man andernfalls in etwa 1 /i Stunde vom Hriberzesattel durch das ode, wildschone Hochtal der Hriberze erreicht. Nun hatte sich ein grossartiges Triimmertal der Tiefe zu geoffnet. Felsblocke riesiger Grosse liegen wiist durcheinander, da heisst es durchkommen zur Talweitung in der Tiefe, aus der ein griines Wasser- chen, der oberste See, heraufgriisst. In grobem Gerolle, teilweise iiber Schnee, hatten wir um ‘/ 2 2 Uhr einen ABSTIEG DURCHS SIEBENSEENTAL 59 kristallklaren, hellgrunen Wassertiimpel mit wunder- barer Spiegelung erreicht. Allerlei Gras und Pflanzchen haben sich zwischen wirren Felsblocken ringsum an- gesiedelt, und den senkrecht gefurchten Uferwall gegen die Trenta, in welche man hier absteigen kann, halten schwarzgrune Krummholzbiische besetzt. Also mitten in der nacktesten Felslandschaft, angesichts der scharf- geschichteten kahlen Randhiigel und zahlloser Schnee- flecken die ersten Boten der Pflanzenwelt, welche hier aus der tippigen Tiefe des Wocheinertales kampfend gegen den Felsenleib des Triglav vordringt und je nach der Macht, die sie zu entfalten vermag, deutlich aus- gepragte Talstufen schafft, die nach abwarts zu immer griiner und freundlicher werden. Noch bleibt in unserm Abstiege die Gegend anfanglich grossartig wiist, der Talboden ist weithin plattig und von tiefen Rissen so durchfurcht wie ein spaltenreicher ver- steinerter Gletscher, Schutthalden und Schneefelder saumen die Rander. Aber schon betreten wir hie und da lieblich griinen Rasen, dunkle Latschen dehnen sich be- haglicher auf den nackten Felskammen, und ein kleines Larchenwaldchen vor uns bezeichnet die Stelle, wo der obere Schwarzsee liegt. In das weltferne Talbild ist als schmaler Saum iiber der weiten Taloffnung die Kette der Wocheinerberge mit dem kiihn heraussteigenden Kern getreten. Etwa 1 / i Stunde vom griinen See haben wir den oberen Schwarzsee zu iinsern Fiissen, dessen dunkler Spiegel die einsame Landschaft wunderbar belebt. Am Ufer voriiber kommen wir in eine seichte Mulde, und 60 DER TRIGLAV ein Waidchen in der Feme verrat uns die Lage des Doppelsees. Schritt fur Schritt freuen wir uns der Zu- nahme des Rasens, der sich schon mit bunten Blumen schmiickt, und mit besonderer Freude begriissen wir Aufn. von W. Schlelfer, Wien Doppelsee mit Triglavseenhutte bald darauf die etwas abseits stehenden Almhutten „pri utah“ (1 Stunde vom Schwarzsee), die im iippigen Sauerampferkraut fast verschwinden. Saftiger Almboden halt auch weiter noch an, prachtige Kiihe grasen um- her. Das Tal verengt sich und der Doppelsee kommt ABSTIEG DURCHS SIEBENSEENTAL 61 in Sicht, der landschaftliche Eindruck wechselt rascher, da der Talboden buckliger und pflanzenreicher wird; iippiges Gras wuchert an dem sparlicher gewordenen Gestein und zarte Larchenbaumchen kronen die Hiigel. Da erscheint auch schon ein blauer Wassertiimpel, daraus von Moos umsaumt ein kristallenes Bachlein in das kleine Becken des oberen der beiden Seen fliesst. Etwas weiter liegt der zweite, bedeutend grossere und schon blaue See und zwischen beiden auf griiner An- hohe vor einem Nadelwaldchen steht die Triglavseen- hiitte (1683 m, 1 1 / 2 Stunden vom oberen Schwarzsee); ein schmuckes Blockhaus mit hohem steinernen Vorbau, zu dem ein holzerner Gang hinauffiihrt. Die nun dem Deutschen und Oesterreichischen Alpen- verein gehorige, von der Sektion Krain verwaltete Hiitte wurde ktirzlich grundlich hergestellt und neu eingerichtet. Eine unterkellerte Kuche und ein Gastzimmer bieten fiir 6 Personen geraumige und gemiitliche Unterkunft, die durch die herrliche Lage und Umgebung noch ver- schont wird. Gegenwartig ist die Hiitte nocli nicht be- wirtschaftet, fiir den Schliissel (Alpenvereinsschloss) bestehen Talstellen in Mojstrana (Schmerz) und in Wocheiner Feistritz (Tunnel-Restauration). Wir verlebten hier einen prachtvollen warmen Sommer- abend und eine gute Nacht und verliessen die Hiitte um 1 /*6 Uhr friih des folgenden herrlichen Tages. Am vorderen See voriiber eine kasenboschung aufwarts mit prachtigem Riickblick auf See und Hiitte kamen wir in ein Larchenwaldchen, in welchem wir zwischen Stein- 62 DER TRIGLAV triimmern abwarts stiegen. An der Bela skala (Weisser Fels, 3 /i Stunden von der Hiitte) vortiber bewegten wir uns nun unter einem Felswall dahin in einer neuen Talstufe, die hier die Alpenweiden abgelost hat, durch Aufn. von W. Schleifer, Wien Unterer Schwarzsee eine grossartig tippige Pflanzendecke, die uns nicht ungestraft durchliess. Der Tau des Morgens durch- nasste uns ganz, die Kopfe nicht ausgenommen. Es ist eine wahre Urwaldwildnis, die sich hier, nachdem die Axt der Holzschlager seit etwa 20 Jahren wieder ruht, iiberall breit macht. ABSTIEG DURCHS SIEBENSEENTAL 63 Mitten in dieser Wildnis liegt der untere Schwarz- see von dunkeln Nadelbaumen umrahmt. Grosse Fels- blocke sind von den weissen Uferfelsen herabgekollert und spiegeln sich jetzt mit dem Schwarzgriin der Baume friedlich im ruhigen, tiefen Wasser. Nach lialb- stiindiger Friihstiicksrast wanderten wir weiter durch mannshohe blaubliihende Krauter und standen bald am Rande der etwa 600 m tief zum Wocheinersee ab- fallenden Komarcawand (spr. Komartschawand). Sie ist keine eigentliche Felswand, sondern ein bewachsener felsiger Hang von so unglaublicher Steilheit, dass die Bezeichnung als Wand wohl gerechtfertigt ist. Der Blick in die grime Tiefe des Wocheinertales ist verbliiffend und grossartig zugleich. Etwas links be- findet sich der Einstieg in eine von grossen Baumen duster beschattete Schlucht. Am rechten Rande derselben neben einem Bachlein fiihrt der durchwegs gute und sichere Steig in der Schlucht hinab, dann rechts aus dieser hinaus weithin urn eine Wandecke und quer iiber die Linie, wo in friiheren Jahren eine Drahtseilbahn der Krainischen Industriegesellschaft zum Zwecke der Holz- forderung verlief. Trotz des ziemlich starken Baum- wuchses fehlt es nicht an uberraschenden Tiefblicken. Nach einiger Zeit fiihrt der Pfad wieder nach links steil hinab gegen die verlassene Drahtseilbahn, dann in einer steilen Kehre an eine Felswand und zu einem schon weit zahmeren, ausgeschlagenen Hang. Nun wendet er sich nach rechts in den dichten Wald und wird zusehends breiter und bequemer, die Saviza rauscht aus der Tiefe 64 DER TRIGLAV herauf. Um 3 / 4 9 Uhr, eine Stunde von der Hohe, standen wir an der Strasse unter dem Savizafall. Von hier kommt man (iiber der Savizabrticke) auf dem Fahrwege, der sehr schon im Walde und am Seeufer verlauft, in l 1 /* Stunden (mit Wagen, den man sich hierher bestellen kann, entsprechend rascher) nach St. Johann am Wocheinersee, wo man im vorzfiglich gefiihrten Touristenhotel gute Unterkunft und Ver- pflegung findet. Fussganger kfirzen den ersten Teil dieses Fahrweges ein wenig ab, wenn sie den bezeich- neten Steig benutzen, der am Nordufer des Savizabaches verlauft, denselben nahe dem See fiberschreitet und am Westende des Sees in den Fahrweg wieder einmtindet. Die Strecke fiber den langgedehnten See kann man auch mit einem Ruderboot machen, das man sich zu diesem Zwecke vorher vom Touristenhotel bestellt. - Von St. Johann am See empfiehlt es sich, bis zur Station Feistritz (l'/i Stunde) der neuen Wocheinerbahn einen Wagen zu benutzen. Erwahnt sei schliesslich, dass der Steig vom Tal- grund fiber die Komartschawand bis zur Triglavseenhfitte im Sommer 1905 von der Sektion Krain unter kun- diger Leitung des Ffihrers Lorenz Skantar vollstandig her- gestellt und an mehreren Stelien umgelegt wurde, wo- durch der Besuch des Seentales bedeutend erleichtert ist. Aufn. von J. Stransky . Sonstige Triglavwege Von Mojstrana durchs Kermatal. Ungefahrer Zeitaufwand: Mojstrana, 3 /‘ Stunden Wegteilung Kot- Kerma, l'/i Stunde Jagdhaus, V 2 Stunde Talschluss, 2 Stunden Obere Kermaalpe, 1 Stunde Kermasattel, 1 Stunde Maria Theresien- hiitte, zus. 6>/2 Stunden. Von Mojstrana benutzt man anfanglich den gleichen Weg wie ins Kottal, einen massig ansteigenden Vorberg uberschreitend bis zur Wegteilung ( s / 4 Stunden), bei welcher man (die sudliche Richtung beibehaltend) am Rande der schonen Talweitung der oberen Rotwein in das waldige Kermatal eintritt. Ein prachtiger Waldweg fiihrt uns unmerklich ansteigend zwischen hohen Wald- hangen, welche taleinwarts die jahen Felsabsturze der ostlichen Randberge Debela pec (spr. Debela petsch), Li- panski vrh, Drazki (spr. Draschki) und Tosc (spr. Toschz) iiberragen, an der Asperalm voriiber zu einem netten Jagdhaus (nahebei eine gute Quelle). Etwa ‘/a Stunde weiter beginnt der Pfad zur Oberen Kerma, wie die nun folgenden hoheren Talstufen heissen, starker anzusteigen und fiihrt uns uber mehrere im Walde eingebettete Alpenwiesen zu einer kleinen Talweitung, woselbst sich der Weg gabelt. Siidlich geht es zum gerollreichen Uebergang nach Belopolje, ’nordlich, spater westlich starker ansteigend zur dtirftigen Hiitte der Oberen Kerma- alm (1725 m), die wie in einem Kessel auf enger Tal- Der Triglav 5 66 DER TRIGLAV stufe liegt. An einer Quelle voriiber steil aufwarts in westlicher Richtung (nach Norden zweigt ein Weg zur Krederza ab) gelangen wir in mehreren Kehren auf den Kermasattel (2020 m). Von hier geht es auf der Gegen- seite hinab nach Belopolje, nordlich zur Krederza, wo- gegen unser Steig westlich am Gehange meist im Ge- rolle ansteigend, dann auf einem breiten Kammriicken an mehreren Dolinen (Trichtern) vortiber zur Maria Theresienhiitte hinauffiihrt. Von der Hiitte gelangt man in 1 '/ a Stunden entweder auf dem alten Wege durch das Tor des Triglav auf den Kleinen und iiber den Grat zum Grossen Triglav, oder auf neuem (schwierigerem) Steige am Nordostrande der grossen Schneemulde empor gegen die Flitscherscharte und auf dem Siidgrat zur Spitze. (Naheres dariiber im vorigen Abschnitt.) Vom Uratatal zum Deschmannhaus. Vom Uratatal sind mehrere Wege zum Deschmann- liaus moglich. Ein alter Anstieg zieht von der Hubertus- jagdhiitte in einem kleinen Talchen empor zu den Hochkaren zwischen Zmir, Urbanspitze und Begunjski vrh und aus diesen ostlich von der letztgenannten Spitze hinaus zum Deschmannhaus; er ist Bergsteigern, welche mehrere Triglavwege kennen lernen wollen, als sehr genussreich wohl zu empfehlen, steht jedoch dem sogenannten Uratatriglavwege aus dem Talschluss der Urata iiber den sogenannten „Prag“ zum Deschmann¬ haus in jeder Beziehung weit nach. Der zuletzt er- SONSTIGE TRIGLAVWEGE 67 offnete TominSekweg des Slowenischen Alpenvereins ist ein Konkurrenzsteig fur den Urataweg, in den er, von der slowenischen Aljazhiitte ausgehend und an den Hangen des Zmir ansteigend, unter dem Begunski vrh einmundet. Nach unbefangenem Urteil ist dieser Steig, der im oberen Teil unweit des Urataweges in den Zmir- wanden verlauft, weder kiirzer noch leichter oder in andrer Beziehung fesselnder oder besser als der ur- spriingliche Urataweg, mag also jenen Bergsteigern vor- behalten bleiben, welche ihn aus nationalen Griinden vorziehen. Das gleiche gilt fur die ubrigens meist im Schnee verlaufende Fortsetzung des TominSekweges zur slowenischen Kjederzahiitte mit Vermeidung des Desch- mannhauses. Der Uratatriglavweg. Ungefahrer Zeitaufwand: Mojstrana, Vji Stunde Peritschnik, 3 /i Stun- den Hubertusjagdlnitte, s /4 Stunden slowenische Aljazhiitte, 1 /-’ Stunde Talschluss, 1 '/a Stunden Prag, l 3 /t Stunden Deschmannhaus, zus. 6>/a Stunden. Aus Mojstraua hinaus dem linken Ufer des aus der Urata kommenden Feistritzbaches folgend, an der grossen Zementfabrik, welche am Talausgang steht, voriiber fiihrt der zur Not fahrbare Weg immer am linken Ufer der Feistritz talein. Eine Tafel bezeichnet den Abstecher zum sehenswerten Peritschnikfall. Weiter kommen wir an der Hubertusjagdhiitte, der Turkalpe und der slo¬ wenischen Aljazhiitte (Gastwirtschaft) voriiber. (5Minuten nach dieser bezeichnet eine auffallige Tafel den Beginn Der Triglav 5 ;,: 68 DER TRIGLAV des slowenischen Konkurrenzweges zum Triglav.) Wir folgen dem Tale, zu welchem der Triglav mit einer unvergleichlich grossartigen Wand abfallt (Zmir links und Steiner rechts fesselten uns schon vorher) noch etwa V, Stunde weiter bis zum Talschluss, wo bei meh- reren Quellen der mit der Aufschrift „Nur mit Filhrer“ bezeichnete Alpenvereinssteig beginnt. Hier iibersetzt man den Bach und eine Wiese und erreicht fiber leichte Felsen ein schon von unten sichtbares breites Band mit Krummholz, ( 3 /i Stunden vom Tale), von welchem in der Richtung taleinwarts ein Verbindungssteig zum Lu- knjapass abzweigt. Unser Steig folgt dem erwahnten breiten Bande nach links aufwarts bis zu einer mit Larchen bestandenen Verbreiterung, wo er einen auf- falligen, schluchtartig durch die ganze Triglavwand ver- laufenden Wandriss trifft, der den weiteren Aufstieg ver- mittelt. Schon am Bande und noch melir im weiteren Aufstiege entwickelt sich ein wunderbarer Blick in die Tiefe des Tales und auf den gegeniiberliegenden Steiner und Suhiplas. Ein wenig rechts aufwarts gelangt man zu dem ehemals geftirchteten Wandabsatz „Prag“ ( Schwelle), der jetzt durch Griffstangen und Stufen gangbar gemacht ist. Eine kurze Querstelle iiber dem Prag bringt uns zu weiteren, minder schwierigen Wand- absatzen zwischen den grossartigen Wanden des Triglav zur Rechten und des Begunjski vrh zur Linken, welclie mit ihrer regelmassigen, nur hie und da durch Einbriiche gestorten Schichtung oft den Eindruck eines ungeheuern Vom Uratatriglavwege SONSTIGE TRIGLAVWEGE 69 verfallenen Quaderbaues machen. Beim Abstieg auf dieser Strecke beachte man die auffallige Einmundung des aus nordlicher Richtung kommenden TominSekweges (nahebei eine Quelle), um nicht den Abstieg zum „Prag“ zu verfehlen. •— Ueber dem obersten Wandabsatz be- treten wir das grobe Gerolle, welches aus dem weiten Tore zwischen Begunjski vrh und einer unbenannten Erhebung ain Rande der Triglavwand herabfliesst. Nun wendet sich der Pfad im Bogen dem Begunjski vrh zu, unter dessen machtiger Wand er am Rande eines oden gerollgefullten Kessels dem Deschmannhause zustrebt. Die Fortsetzung des slowenischen Tominseksteiges fiihrt am westlichen Rande des erwahnten Kessels unmittel- bar (mit Vermeidung des Deschmannhauses) zum Kre- derzasattel. Von der Wochein und von Veldes (ub e r B el op ol j e). Da die Siidostseite des Triglavstockes gegen die Wocheinerlinie (Veldeser-Wocheinersee) ohne Steilabfall und ohne grossere Talbildung allmahlich verlauft, ist die Auswahl an Wegen, die man zu Triglavanstiegen benutzen kann, eine sehr grosse. Alle diese Wege ver- einigen sich bei Belopolje, der dem Triglavgipfel nachst- gelegenen von den vielen Almen auf dieser Seite des Triglavstocks. Die beliebtesten der bezeichneten Wege nach Belo¬ polje entsprechen den Ausgangspunkten, welche aus dieser Richtung auch nach Eroffnung der Wocheinerbahn 70 DER TRIGLAV in erster Linie in Betracht kommen werden: Veldes, Wocheiner Feistritz und St. Johann am Wocheinersee. Von Veldes nach Belopolje. Ungefahrer Zeitaufwand: Veldes, 1 Stunde Kerniza, '/ 2 Stunde Pust, l 1 / 1 Stunde Kranjska dolina, */ 2 Stunde Javornik, l 1 /* Stunde Rudnopolje, 1 Stunde Konschiza, 1 Stunde Kessel ober Konschiza, 1 Stunde ober der Toscalpe, 1 Stunde Belopolje, zus. 8'/a Stunden. Von Veldes benutzt man den Fahrweg oder abkiirzende Fusswege iiber Ober-Gorjach zum Dorfe Kerniza. Nun der Wegbezeichnung der Sektion Krain des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins folgend, gelangt man durch die Pokljukaschlucht oder nordlich derselben beim Gehofte „Pust“ auf die Anhohe, wo eine lange, schone Wanderung durch einen herrlichen Nadelwald fiber eine sanft ansteigende Hochflache beginnt. Von Zeit zu Zeit unterbrechen den Waldbestand prachtige Bergwiesen mit ansehnlichen Viehalpen, und zwar Kranjska dolina (nahebei ein Jagdhaus), dann Javornik und endlich Rudnopolje (verlassener Erzbau und Jagdhutte), von wo man den Hochwald endlich verlassend zur Alpe Konj- sica (= Pferdealpe) kommt. Von dieser prachtig im obersten Ribnizatalchen (hier kommt an der westlichen Lehne ein Steig von Mittendorf herfiber) gelegenen Alpe geht es in der Talrichtung aufwarts zu einem einsamen Felskessel unter dem Draschki (1721 m, Quelle), dann empor zu einem Sattel (1893 m) und nun urn den breiten grttnen Sudhang des pflanzenbertihmten Tosc (viel Edel¬ weiss) oberhalb der Hfitten der To§c- (Tolstec-)alpe hinab zur Alpe Belopolje (1693 m). - SONSTIGE TRIGLAVWEGE 71 Von Wocheiner Feistritz nach Belopolje. Ungefahrer Zeitaufwand: a) Feistritz, X'/t Stunde Mitterdorf, 1 >/i Stun- de Uskovniza (erste Hutte), V 2 Stunde Wegteilung, 3 /4 Stunden ietzte Hutte, :1 /1 Stunden Terstjaalpe, 1 Stunde Untere, V 2 Stunde Obere Toscalpe, 1 Stunde Belopolje, zus. 7 Stunden. b) Feistritz, l 1 /* Stunde Mitterdorf, l !l /