ADELSBERG DESSEN BERUHMTE GROTTEN o UND UMGEBUNG o VON FR. NEDELJKO MIT MEHREREN ANSICHTEN K. k. Studienbibliothek Laibach LAIBACH SELBSTVERLAO. — DRUCK VON A. SLATNAR IN STEIN o 1901 o Alle Rechte vorbeha/ten. =~ Der Verfasser. iKt und dies wegen seiner unterirdischen Grotte. Bevor wir aber mit der Beschreibung dei' Grotte selbst beginnen, ■svollen wir den Marktflecken, seine Bewohnerschaft, Um- gebung' und Gescbichte betrachten. lage. Der Marktflecken Adelsberg erstreckt sich der Lange nach von Nord nach Siid an beiden Seiten der Reichsstrasse, in der Mitte zwischen Triest und Laibach, auf einer Seehohe von 550 m iiber dem Meere. Nord- westlich erhebt sicb der 676 m bobe Sovič mit der Ruine des Adelsberger Schlosses, von welchem der Marktflecken den Namen erhalten bat. Der ganze Berg ist mit grauen Kalksteinbrocken iibersaet. Imponierend aber ist Sovič deshalb, weil sich in seinem Inneren die vveltboriihmten Adelsbergergrotten befinden. 1 * — 4 — Karst. Dor Karstboden untersoheidet sich in vielem von der Alpemvelt. Der Karst ist im allgemeinen ein sehr unentwickeltes Gebirge, kie und da einem aufgewiihlten und zugleich versteinertem Meere gleiehend, aus welchem sich niedriege, scharfkantige Gipfel erheben. Eine ausser- ordentliche Erscheinung sind muldenartige Dolinen, klei- nere muldige Tertiefungen, [und noch kleinere, trichter- fdrmigo Locher, tiefe Giuben und schachtartige senkrechte Abgriinde, welche,\vilden Tauben zum Aufenthalte dionen. Sein Gestein ist zerkliiftet, zerrissen und .durchlochert, daher ist die Karstbildung besonders durch ihre Hohlen und unterirdische Grotten, durch ihre unent\vickelten, ver- schwindenden und wiederkehrenden Fliisse, durch ihre unterirdischen und periodischen Seen, durch ihre unter- irdischen Thiere und 1’flanzen so beriihmt. Grossere unter¬ irdische Grotten besitzen ausser dem Haupteingange viele Seitengange und eine Menge von Tropfsteinen. Die be- riihmteste ist jedenfalls die Adelsberger Grotte. In Inner- krain allein sind iiber 150 Grotten, iiber 50 Dolinen und unziihlige kleinere Einstiirze und Naturdurchbriicke be- kannt. Alle Grotten haben vollkommen reine Luft; die Warme der Grottenraume ist 7 — 9 Grad R. In vielen Kesselthalern des Karstes verandern sich von Jahr zu Jahr ihre Wasserverhaltnisse. Die Kessel- thaler durchfliessenden Bache werden im Friihling und Herbstso reissend, wie die Wildbache. Nur ein verhaltnis- miissig geringer Theil des Wassers kann durch die Off- nungen und Locher abfliessen. Infolge dessen stagnirt das Wasser und bedeckt fiir langere Zeit das Kesselthal, schliesslich verschwindet es aber doch langsam. Auf diese Weise entstehen poriodische Seen. 1‘oikUuss. Die Poik entspringt am westlichen Ab- hange des Javornik, in Klenik bei St. Peter, vereinigt — 5 — sich vor Adelsberg mit der Nanošica und verschwindet nach einem 22 Kilometer langen Laufe in den Tiefen der Adelsberger Grotte. Darauf kommt sie in der Entfernung von 5 1 /., Kilometern aus der Kleinhausler-Grotte bei Ober- Planina wieder zum Vorschein. In dem Kesselthale von Planina lliesst sie in der Form eines riesigen Buchstaben S vielfach gewunden an griinen "VViesen voriiber. Sie heisst Unz und ist der inittlere Lauf der Laibaeb; sie verschwindet neuerdings an der Nordseite des Kessel- thales nnter dem Dorfe Jakovica duroh mehrere Locher in das Dunkel der Erde. Diesel - Ort \vird „Pod stenami" genannt. .Als tiefe, schiffbare Laibach entflieht sie bei Ober-Laibacb zum drittenmal dem Schosse der Erde. Klima. Die Temperatur ist wahrend des Sommers selten hoch; sie wird duroh starke Luftstromungen ab- gekiihlt. Im Friihjahr, Herbst undWinter ist es hier sehr kalt. Diese grimmige Kalte verursacht die Bora von Nord- Ost. Mancbmal ist sie so stark, dass sie Wagen, Leute und Thiere umwirft. Obwol sie viele Unannehmliohkeiten bereitet, hat sie doch auch ihre gute Seite, weil sie die Luft reinigt, der Ort daher sehr wenige Kranke hat. Bevdlkerung. Die Gemeinde Adelsberg hat der ”Volkszahlung von 1890 zufolge 549 Hauser und 3597 Ein- wohner, der Marktflecken selbst aber 232 Hauser, welche 1709 Einwohner bewohnen. Einige Adelsberger kleiden sich bauerisch, einige stadtisoh. Vor Eroffnung der Eisenbahn versahen sie das Fuhrwesen z\visc.hen Laibach und Triest und verdienten sehr viel; jetzt befassen sie sich mit der Okonomie und mit der Viehzucht. Viele ernahrt aber die Grotte und die Eisenbahn. Handel und Gewerbe stehen sehr giinstig und gibt es genug Handwerker verschiedener Facher. Hier — 6 — ist auch. eine Buchdruckerei, welche schon im J. 1833. gegriindet wurde. Die Bevolkerung spricht ohne Ausnahme slovenisch, die Marktbewohner smd aber auch der deutschen und italieniscben Sprache machtig. Alle sind aufrichtigen Cha- rakters. Strassen. Hier gibt es zwei Strassen, die eine ver- bindet Laibach und Triest, die andere aber, die sich aus- serhalb Adelsberg mit der ersten vereinigt, fiihrt gegen Osten und nact Fiume. Die erstgenannte Strasse wurde unter Franz I. gebaut; die Strecke zwischen Ober-Laibacb und Adelsberg, vollendet unter der Leitung des Herrn P. v. Radics*), vveleher durch volle 19 Jakre k. k. Strassen- Commissar in Adelsberg war, kostete beinahe zwei Millionen Kronen und ist ein Muster der Baukunst zu nennen. Die Gedenktafel am Berge zwisehen Planina und Adelsberg, liber welchen die Strasse in Serpentinen gebaut ist, erin- nert an die Grosse, Miilie und Wiebtigkeit dieser Unter- nehmung. *) Der riihmlichst bekannte Historiograph P. von Radics ist sein Sohn. Er wurde am 26. September 1836 in Adelsberg geboren. Ausser der Herausgabe einiger trefflicher geschichtlicher und litterarhistorischer Arbeiten war es besonders das kulturhistorische Gebiet, das v. Radics zur Pflege sich erkor; er iebt in Laibach als Mitarbeiter zahlreicher Jour- naie Osterreichs und Deutschlands. Seine Hauptwerke sind: Adelsberg und seine Grotten 1861, Herbart VIII., Freiherr von Auersberg, ein krai- nischer Held und Staatsmann 1861, die Frauen in der Sage und Ge- schichte 1862, der verirrte Soldat (Drama) 1864, der heil. Eustachius (Drama) 1867, Anastasius Griin und seine Heimat 1876, Verschollenes und Vergilbtes aus dem Leben und Wirken Anastasius Griin’s 1879, das befreite Bosnien 1879, .Abbazia 1885, iandwirtschaftiiche Kulturbilder zumeist aus Osterreich 1887, die Gegenabte Albert und Peter von Sittich und Abt Angelus voh Rhein 1866, die Fiirstinen aus dem Hause 'Habsburg in Ungarn, Codex Austriacus, die Fiirsten zu Windischgratz, Bischof Christoph Rauber, Johann Weichard Freiherr von Valvasor 1866 und 1896, u. a. m. (Das litterarische Deutschland von Adolf Hiinrichsen. Berlin und Rostock 1887. Seite 493.) - 7 — Brunnen. Ausser dem Gemeindebrunnen „Ribnik“, welcher sicb zwischen Ackern und Wiesen in der Rich- tung gegen den Bahnhof hin beflndet, gibt es hier noch mehrere Brunnen, als: Dolšajn’s Brunnen, „Žakeljc“, zwei Adelsberg naeh Valvasor. „Fischbrunnen“ bei Altendorf, Brunnen an der alten Strasse und drei andere Brunnen obne Namen. Obvvohl in Adels¬ berg bei einzelnen Hausern an 30 Brunnen vorhanden sind, ist es doch vviinschensvvert, dass der Marktfleeken eine Wasserleitung bekomme.*) Same des Marktfleckens. Den Namen dieses Marktfleckens finden vvir erst in den Urkunden aus dem 12. Jahrhundert, er lautet so vvie in den Urkunden aus dem 13. und 14. Jahrhundert: Arisperch, auch Arensperg, Arlberg, Arlsberg = Aarsberg, Adleisberg; Aar bedeutet den Adler. Dass am Sovič jene grossen Adler, von denen Valvasor berichtet, vorhanden vvaren, ist glaubwiirdig. Naeh dem 15. Jahrhundert lesen wir schon die verstiimmelte Form Adelsperg, vvelche wohl Adlersberg lauten miisste. Das Alter. Da wir keine historisehe Nachricht besitzen, ist es wohl sehr schvver zu bestimmen, vvann der Marktfleeken entstanden; ’nur so viel ist bevviesen, dass um das Jahr 1149 ein Herr Hermann von Arisperch lebte, desvvegen musste lange vorher der Marktfleeken oder vvenigstens das Schloss existiert haben, nach vvelchem sich der Ritter genannt. Dass der Berg, auf vvelchem das Schloss stand, schon den Romern bekannt vvar, bevveisen zur Geniige dort gefundene romische Miinzen und die Analogie der Befestigung anderer Hohepunkte unseres Landes. Wappen. Adelsberg fuhrt in seinem Wappen eben einen solehen einkopfigen Adler, wie ihn das Landes- vvappen vor der Verbesserung unter Kaiser Friedrich III. hatte, also ohne die Krone auf dem Kopfe und ohne den Halbmond auf der Brust. *) Der Plan fur die Adelsberger Wasserleitung, nach welchem das Wasser mit Electromotoren wird gehoben werden, ist schon vollendet und ist diese fiir Adelsberg wichtige Frage einer giinstigen Erledigung sehr nahe. — 9 — Das Siegel hat derzeit nur die Aufschrift: „Gemeinde- amt Adelsberg", da der Gemeinde bei ihrer Constituierung im J. 1850 laut Regierungbescheides der Adler, den sie als historisclie Erinnerung in ihr Siegel aufgenommen, cas- siert vurde. Offentliche und Privat-Gebaude und Anstalten. Eine Viertelstunde von Adelsberg entfernt ist der Balmhof, 583 m iiber dem Meere, also unter allen Bahn- hofen der Siidbabn am Karste der hochstgelegene. Von und zu jedem Zuge verkekren Fiaker und Omnibuse aus den Hotels. Das alte Seliloss. Vom alten Scblosse sind nur nocb einige Ruinen iibrig. Am 10. November 1689 wurde es zwischen der 2. und 3. Stunde Fridi dureh einen Blitz- strahl in Asehe gelegt. Valvasor, dessen Werk „die Ebre des Heržogthums Krain“ im selbigen Jabre ersohienen, sak es nocb ziemlicli gut erhalten und bildete es ab. Im Altertbume befand sich dort eine romiscbe Befestigung, im Mittelalter stand aber schon das Scbloss, velcbes Eigenthum des gleichnamigen Gesoblecbtes var; im 16. Jabrhunderte var es als Tabor gegen die Tiirken- einfalle von grosser Bedeutung. Das neue Seliloss vurde nacb dem Brande der alten Burg nabezu in der Mitte des Marktes auf einem kleinen Hugel mit der Facade gegen die Strasse aufgefiibrt. In demselben befinden sicb die k. k. Amter. Pfarre imd Kirche. In Adelsberg entstand die Pfarre am 11. Janner 1794. In fruherer Zeit var hier eine Filialkirche der Pfarre zu Slavina, und hat die dortige Geistlichkeit den Gottesdienst im Markte verricbtet. Fiir die Grundung der Pfarre machten sicb ammeisten die adeligen Familien derer von jNicoletti und Entztbaler - 10 verdient; ihre Grabmonumente befmden sich in der Kirohe. Als erster Pfarrer wurde Josef Wenigar ernannt, welcher im J. 1797 als Augenzeuge die erste Invasion der Fran- zosen in Krain genau besehrieben. Im Jahre 1844 wurde das Decanat von Slavina nach Adelsberg versetzt. Als Dechant fungierte hier der gelehrte und fiir die Geschichte Krains unermiidliche slovenische Schriftsteller, Peter Hioinger. Er starb im J. 1867. Im J. 1777 wurde eine neue Kirche im italienisohen Stile aufgefiihrt, welche aber im J. 1802 abbrannte. Die jetzige Pfarr- nnd Decanatskirehe erhebt sich auf dem namlichen Platze. Im Seitenaltare auf der Evangeliumseite ist ein gut gemaltes Bild des heil. Franciscus Ser. zu sehen. Es ist von A. Herrlein, Professor am Laibaoher Lyceum, gemalt, f 1817. 1816 wurde die Kirche von Do- menico Fabris aus Udine al fresco gemalt. Die Malerei kostete an 20.000 Kronen. Im Jahre 1843 wurden 5 neue Glocken a.ngeschafft, sie tonen in H, E. Gis, h und e. Gegossen wurden sie von Anton Samassa in Laibach um 12.560 Kronen. Scliule. Wie im statistischen Ausweise liber die Bildungsanstalten im Herzogthume Krain aus dem J. 1792 zu lesen, bestand damals in Adelsberg eine Trivialschule. Solche Schulen gab es damals im Adelsberger Kreise vier, sie zahlten zusammen 164 Schiller, ausserdem war aber im Markte noch eine Arbeiterschule. Nach der franzosischen Occupation der illyrischen Kronlander und nach der Organisation des Landes im Jahre 1810 erhielt Krain in seinen Kreisstadten: Laibach, Adelsberg, Krain- burg, Rudolfsvvert und in der Bergwerksstadt Idria Gymnasien. Laibach aber ausserdem ein Lyceum fiir ganz Illyrien. Im Adelsberger Collegium lehrte man Grammatik und die franzdsische Sprache, Humanitat und — 11 Der] grosse Uom. — 12 — Mathematik; die beiden letzteren Gegenstande tradierte Professor Andreas Magajna. Dermalen besteht in Adels¬ berg eine fiinfclassige Volks- „Franz Josefs - Schule“ fiir Knaben und Madchen. Spital. Das Gemeindespital bestebt seit dem J. 1853. Zur Errichtung desselben trug ammeisten der unermiid- licbe Kreisarzt Dr. Karl Vesel bei. Auf sein Anrathen wurden 5272 Kronen an frehvilligen Gaben gesammelt. Dieser Fond vermehrte sich infolge eines traurigen Er- eignisses. Am 6. August 1851 kam aus Ober-Sclilesien der reiche Gewerksbesitzer, Franz von Winkler, um die Grotte zu besehen. Als er den grossen Dom betrat, riibrte ihn der Schlag; man braohte ihn in den Markt, wo er starb. Seine trauernde Witwe spendete 5000 Kronen zu wohltatigem Zrvecke fiir die Adelsberger Gemeinde. Mit diesem Betrage und mit den frehvilligen Gaben rvurde das Spital errichtet, welches fiir die Umgebung so noth- \vendig war. Die Notlrwendigkeit des Spitals errvies sicli besonders im J. 1855, als dort die Cholera grassirte, und im Kriegsjahre 1859. In Adelsberg wiithete diese schreckliehe Krankheit zum erstenmal im J. 1836, sie wurde durch. das Militar dorthin verschleppt. Dies wiederholte sicb im J. 1849. Im J. 1855 wurde sie neuerdings verschleppt, sie verbreitete sich iiber ganz Krain und raffte allein im Adelsberger Bezirke 2857 Persoiien dahin. Fiir das krank- gewordene Eisenbahnpersonale wurden von damaligen Unternehmern angemessene Nothspitaler errichtet. Post. "Wie aus den Inschriften in der alten Grotte zu Adelsberg ersichtlich, lebte in der ersten Halfte des 16. Jahrhunderts in Adelsberg die Familie von Hueber, denn wir lesen unter zahlreichen Namen auch den des Hans Hueber 1547. Am 14. August 1617 erhob Kaiser Ferdinand II. den Wolfgang Hueber in den erblichen — 13 — Ritterstand des heil. romischen Reiches, da er sich gegen die Tiirken ausgezeichnet und da er dureh 36 Jahretreu und eifrig den Postdienst versehen. Dermalen ist in Adels- berg Herr A. Vodopivec k. k. Postmeister. Apotheke besteht in Adelsberg schon liber 80 Jahre. Die erste wurde „zum schivarzen Baren" genannt, ihr Inhaber vuar^ein gewisser Pajer. Gasthofe. Der erste und grosste Gasthof ist Progler's „ Adelsbergerhof aufgefiihrt am Platze der einstigen Leban- schen JBierbrauerei und mit modernem Comfort versehen. Links 'dem Schlosse gegenuber ist das „Hotel zur ung. Krone" mit Cafe und schonem Garten. Zu ervvahnen sind noch „Hotel National" und „Hotel zum Lowen“ (Eigenthiimerin J. Vičič) vis-a-vis dem Adelsbergerhofe. Friedhof. Im Jahre 1795 ivurde am iiussersten un- teren Ende des Marktes der neue Friedhof errichtet und 1819 auf demselben die Kapelle des heil. Lazarus erbaut. Hier .ruht einer der gefeierten vaterlandisclien Diehter. Es ist dies Johann Georg Fellinger, der in®Adelsberg seine letzten Lebenstage zubrachte. Geboren den 3. Jiinner 1781 zu Peggau in Obersteier, trat Fellinger 1808 in die Land- ■vvehr, wurde Offioier und kam 1809 zu den Linientruppen. An der Piave verlor er durcli einen Kolbenschlag das rechte Auge, wurde gefangen nach Marseille Macon sur Saone gebracht, \vo er bis zur Aus\vechslung blieb. Nach dem 'VViener Frieden in das Vaterland zuriickgekehrt, garnisonirte er mehrere Jahre in Klagenfurt, wo er fleissig dichtete, wurde 1814 Oberlieutenant und Conscriptions- revisor zu Judenburg, kam 1815 in dieser Eigenschaft nach Adelsberg und starb claselbst am 27. November 1816. Seine poetischen Schriften, von seinem Freunde (Dr. I. G. Kumpf gesammelt, erscliienen 1819—1821 in zwei Banden 8° zu Klagenfurt. Nach seinem Tode erst erschien in der — 14 — Zeitschrift „Carinthia“ (1816, Nr. 50, 51) sein Gedicht „Die Grotte bei Adelsberg in 26 achtzeiligen Strophen, eine seiner letzten poetischen Arbeiten. Die letzte Strophe, offenbar die schonste, lautet: »Du Berg mit deinen Wundern wirst versinken, Mein Ich wird schweben iiber dem Ruin, Und aus dem Bom des Lichts Vollendung trinken Und jubelnd fassen, was ihm Wunder schien; Dann, wenn die Tiefen aufgehellt mir winken, Wenn ich begreife, was ich war und bin, Dann soli mein Sang dem Schopfer jedes Schonen Den Preis in himmlischen Accorden tonen.« Vor seinem Geburtsorte Peggau wurde ihm ein Denkmal errichtet; in Adelsberg weiss man aber weder um des Dichters Gi’ab noch irgend etwas von seinem einstigen Aufenthalte dortselbst. Auf diesem Friedhofe ruht aueh der slovenische Schriftsteller Peter Hicinger. Sein Denkmal — eine kleine Biiste — ist an der Epistelseite der Kapelle des heil. Lazarus eingemauert und tragt in slovenischer Spraohe folgende Inschrift: PETER HITZINGER, geboren den 29. Juni 1812 in Neumarktl, gestorben den 30. August 1867 zu Adelsberg, wo er seit dem Jahre 1859 Pfarrer und Dechant war. Dem fur die Ehre Gottes begeisterten Priester und fiir das Wohl des Vaterlandes unermiidlichen Patrioten und Schriftsteller setzten dieses Denkmal im Jahre 1875 slovenische Patrioten. * — Franz Zajc in Laibach 1875. W ann Adelsberg entstanden, dies kann man nicht genau sagen. Dass sich auf dem Sovič sehon zur Zeit der Komer eine starke arx befunden, beweisen einzelne Theile der Ruine, die noeb heutzutage die rbmisohe Manerart zeigen, und romische Miinzen, welche hier gefunden vvorden. Die romische Herrschaft hat sich in unseren Gegenden seit Julius Caesar langsam befestigt, da sich nach seinem Tode die sehon friiher unterjochten Japoden emport, aber durch seinen Nachfolger Octa- vianus neuerdings untervvorfen wurden. Im dritten Jahr- hunderte gehorte Krain bis zum Trojana-Berge (Adrans) zu Italien. In das vierte Jahrhundert fallt die Schlacht zwischen den Kaisern Eugenius und Theodosius am Flusse Hubel (Frigidus) im Wippachthale, in vvelcher die Christen unter Theodosius die heidnischen Komer be- siegten. Infolge dieses Sieges geschah es, dass das Land an den julischen Alpen, welches friiher romisch war, nicht mehr den Romern gehorte, sondern den durch- ziehenden Volkern als vvillkommene Passage naeh dem Stiden diente. (Hieronjmi epistola 35 ad Heliodorum. Opera tom. I.) Nach der Volkerwanderung wurde in Krain das Christenthum eingefiihrt, welches aber die heidnischen Slovenen unter ihren Wojwoden stark gefiihrdeten. Erst zu Ende des 8. Jahrhunderts unterjoclite sie Karl der Grosse und verhalf dem Christenthume zum Siege. Kari theilte die Gegenden an der oberen Drau, Save, Kulpa, am Isonzo und an der Nordkuste des adriatischen Meeres in Gaue und Marken. So entstand der Kraingau — 16 — und die Marken von Mottling, an der Poik, am Karst, in Istrien und die -cvindische Mark. Diese Marken waren den benaohbarten Herzogen unterthan, und wenn diese auch deutscher Herkunft waren, so mussten sie sich als Ver- treter slavischer Gebiete sogar vor dem Kaiser und im deutsehen Reiohstage der slovenischen Sprache bedienen. Das Patriarchat von Acjuileia reichte damals nacli Steiermark bis an die Drau. Im 9. (und 10.) Jahrbunderte regierten in Krain theils slovenische, theils deutsche (frankische) Fiirsten. Seit dem 10. Jahrhunderte war ganz Krain durcli Otto I. als eine Mark eingerichtet. In der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde Krain mit der istrischen Mark vereinigt. Es re- gierte hier der Markgraf Ulrich. Dass. sich dieser Ulrich mit der Sofle, der Tochter des Ungarkonigs, vermahlte, missfiel dem deutsehen ‘Hofe, welcher alsogleich nach dem Tode Ulrichs Krain von Istrien trennte und es dem Patriarchen von Aquileia verlieh. Kaiser [Heinrioh IV. verehrte namlich am 11. Juli 1077 die krainische Mark dem Patriarohate von Aquilcia. Indes war der Patriarch Siegehard kein factischer Eigenthumer, da der Markgraf Engelbert von Istrien behauptetej der Kaiser habe hie- durch seine Rechte verletzt, und erklarte dessen Geschenk ftir ungiltig. Hierauf schenkte der Kaiser die Mark ihm. Markgraf Engelbert trat auoh mit Waffen dem Patriarchen entgegen und blieb Herr von Istrien und aller Theile von Krain, \velche an die Herzoge von Karnten, Moran, den Patriarchen von Acjuileia, dessen Feudalherrn den Grafen von Gorz, den Bischof von Freisingen und die Herzoge von Osterreick vertheilt waren. Zwischen den Eigenthiimern von Innerkrain (den Fiirsten von Istrien und Karnten) bestanden immerwahrende Streitigkeiten und sie verwiisteten einander ihre Besitzungen. IT — 2 Eine Durehgangsstelle in der alten Grotte. 18 — Damals vvurde in Adelsberg (um das J. 1118) das Ordensbaus der Templer aufgefiihrt, welche sich spater auoh in Laibach an Stelle der heutigen Kirche des deu- tschen Ritterordens ansiedelten. Brst anfangs des 13. Jahrhunderts wurden die Strei- tigkeiten vvegen der krainischen Mark beigelegt. Patriarch Berthold gieng mit dem Herzoge von Karnten einen Vertrag ein, narti welchem er ihm Laibach und alle von Aquileia entfernteren Orte iiberliess. Als Grenze beider Landstriche vvurde die Linie von Zirknitz gegen Planina und der Kamm der Julischen Alpen gegen den Schnee- berg bestimmt. Auf diese Weise vvurde Adelsberg mit der Kirche von Aquileia vereint und unter einem den heirni- schen Adeligen von Arisperch als Lehen iibergeben. Aber trotzdem war das Besitzthum des Patriarchen nicht voll- knmmen gesichert; denn im J. 1252 beklagte sich Patri¬ arch Gregor beim apostolischen Stuhle, dass sich Bernhard, Herzog von Karnten, in die Rechte der aquileischen Kirche eingemengt. Der letzte Herzog von Karnten, Ulrich III., nannte sich Herrn von Krain, der istrischen Mark und Herrn am Karst. Nach seinem Tode iiber- nahm sein Verwandter Ottokar II., Konig von Bohmen, diese Lander, welche er ihm in seinem Testamente vom 4. December 1268 zu Podebrad in Bohmen iiber- geben hatte, falls er kinderlos stiirbe, was denn audi schon im J. 1269 geschah. Als Ottokar am 26. August 1278 Schlacht und Leben verlor, belehnte Kaiser Rudolf im Reichstage zu Augsburg mit Einwilligung der Kur- fiirstenj seine beiden Sohne Albrecht und Rudolf mit Karnten und Krain. Inzwischen kam Adelsberg als Lehen an die Grafen von Gbrz, die Herrn von Arisperch vurden aber unter die kleineren Lehenstrager versetzt, bis mit dem 14. Jahrhunderte ihr Name vollkommen — 19 — verschwand. Die Herrn von.Gorz, welche ausser Istrien und def windischen Mark noch Mottling besassen, ver- suchten es wiederholt sich das Lehen, welches ihnen der Patriarch anvertraut, mit Gewalt anzueignen; so besetzte der Graf Heinrich II. im J. 1309, als er mit dem Patri- archen Ottobonus im Streite lag, ausser anderem auch das Schloss Adelsberg. Im J. 1335 iibergab Patriarch Bertrand das Schloss und die Hauptmannschaft den Herrn Wilhelm von Spennimberg und Vhlvin von Stegberg pfandvveise um 1000 Mark. mit der Bedingung, es wieder einlosen zu konnen, doch diese Herrn verloren es schon im folgenden Jalire: Als namlich Albrecht II. und Otto iiberall das Erbe der Sclrsvester ihrer Mutter, der Margarethe Maul- tasch einforderten und infolge dessen die Schlosser der Gorzer Grafen in Krain besetzten, nahmen sie auch Adels¬ berg und Wippach ein. Noch im J. 1358 besassen gedachte Herzoge Adelsberg, obwohl Papst Innocenz IV. verlangte, die Schlosser mochten dem Patriarchen Ludwig zuriick- gegeben werden. Die Schritte, welche in dieser Hinsicht Patriarch Ludwig selbt beim Kaiser Karl IV. unternahm, hatten zur Folge, dass die osterreichischen Erzherzoge Albrecht III. und Leopold von Johann von Stegberg und dessen Sohnen Adelsberg sammt dem Schloss, der Wal- dern, der Fischerei und der Weideplatzen sowie der Halfte des Zirknitzersees um 20.000 Gulden erkauften. Da Adels¬ berg auf diese Weise ein landesfiirstliches Eigenthum ■vvurde, war es mehrere Male verschiedenen Herrn pfand- weise verliehen; diese Pfandinhaber waren gewohnlich auch Hauptleute in den Gegenden an der Poik und am Karste. So verpfandeten die Erzherzoge Albrecht und Leopold schon im J. 1372 Adelsberg an die Cillier Grafen Hermann und Wilholm. Die Cillier Grafen besassen dem- nacli in Innerkrain Adelsberg, das nahegelegene Laas 2 * — 20 — imd das fruchtbare Wippach. Dieses machtige und in der osterreichischen Geschichte wichtige Geschlecht besass noch im J. 1346 Adelsberg pfandweise. Im Jahre 1436 war Adelsberg schon landesfiirstliche Hauptmannschaft, in welcher der Erzherzog viele Soldaten aushob, um den Cilliern Laas zu entreissen; doch das Kriegsgliick vvar diesmal den Angreifern nicht hold. So war im J. 1458 Adelsberg vvieder im Besitze der Cillier Grafen, erst 5 Jahre spater, 1463 gelangte es fiir bestiindig unter das Haus Habsburg. In diesem Jahre war Georg von Tschernembl Haupt¬ mann in Adelsberg und am Karste; dieser Mann hatte in Verbindung mit vielen krainischen und bohmischen Edelleuten im (1462.) Jahre den bedrangten Kaiser Friedrich III. befreit, vvelchen damals in der kaiserlichen Burg die Wiener Burger belagerten. Wie aus Urkunden ersichtlich, war Georg von Tschernembl bis 1478 in Adelsberg angestellt. Nach ihm erhielt Leonhard von Herberstein aus Wippach, Vater des beriihmten Sigismund von Herberstein, das Adelsberger Schloss. Im Jahre 1490 bekam Ritter Caspar von Rauber um 10.000 ungarische Goldgulden unter der Bedingung in Pfand, dass es wieder ausgelost werden konne. Ritter Rauber war unter einem auch Hauptmann der Herrschaft zu Adelsberg. Er vvar mit dem zvreiten Bischof von Laibach, Christoph von Rauber (1497—1536), verwandt. Nach dem Tode Kaiser Friedrichs IV. regierte in allen osterreichischen Landen sein Sohn Maximilian I., vvelchen die deutschen Fiirsten friiher (1486) zum romischen Kaiser erwahlt hatten. Unter seiner Regierung begann der Krieg gegen die Venetianer (1508—1518), rvelche ihm nicht gestatteten, durch ihr Land nach Rom zu ziehen, um sich dort kronen zu lassen. Um sie zu zuchtigen, Kaiser Ferdinands-Seitengrotte. — 22 — schloss er aru 10. December 1508 mit dem franzosischen Konige Ludwig XII. die Ligue von Cambray. Pie erbit- terten Venetianer iiberfielen unter ihren Feldherrn Georg Cornaro und Alviano Gorz, Triest, Pisino, St. Veit am Pflauni bei Fiume und alle kaiserlichen Besitzungen am Karst, in Istrien und Friaul — daher auch Adelsberg. Als die Venetianer am 13. Mai 1509 geschlagen wurden, mussten sie alle auf dem Festlande besetzten Platze dem Kaiser iibergeben. Desbalb finden vir im J. 1511 Cbristoph von Frankopan in Adelsberg als kaiserlichen Hauptmann, nacli ihm aber Bernhard von Raunacher. Im J. 1511 war am 28. Marž (Freitag) zwischen 4 und 5 Uhr Naclimittag in Krain ein furclrtbares Erdbeben, welches das Adelsborger Schloss beinahe vollstandig zer- storte. Als Maximilian starb (1519), folgte ihm auch in den osterreichischen Landen sein Enkel Karl V., Konig von Spanien, auf dem Thron. Dieser sah aber bald ein, es sei unmoglich, alle die umfangreichen Lander, die er als Erstgeborener nach Ferdinand von Aragonien und Maxi- milian I. ererbt, gut zu regieren. Er theilte sie desshalb mehrere Male mit seinem Bruder Ferdinand, velchen er herzlich liebte; zuletzt trat er ihm aber im dritten Ver- trage vom J. 1512 alle deutsch-slavischen Lander, d. i. Steiermark, Karnten, Gorz, Gradišča, Krain, Karst, die Grafschaft Istrien, Mottling, Fiume und Triest, ab. Am Palmsonntag, den 13. April 1522 traf Adelsberg ein neues Ungliick. An diesem Tage iiberfielen zum ersten Male das Adelsberger Schloss die Tiirken, velche mordend und sengend iiber Kroatien durch Reifnitz nach Innerkrain gestiirmt kamen, sodann aber am Karste bis nach Friaul alles venviisteten. Aus dem Adelsberger Kreise schleppten sie von drei Kirchen an 6000 Eimvohner in die Sclaverei, — 23 welche gerade beim Gottesdienste versammelt waren; Kinder wurden zerhackt, Frauen geschandet, Geistliche geschunden und getodtet und iiberhaupt alles nieder- gebrannt. Am 16. Mai lagerten sie schon vor Laibach, es \varen ihrer an 24.000 Mann. Ihr zweiter Einfall geschah 1528. Am Mittwoch vor St. Georgi sengten und raubten 2000 Tiirken in der Adels- berger Umgegend; aus Adelsberg vertrieben sie die Ka- nonen des Schlossberges. Sie entfernten sich gegen Zirk- nitz, an -die untere und obere Poik, dann nach Unter- und Oberkrain. Auch Laibach drohte die Gefahr, aber der Adelsberger Hauptmann benachrichtigte schnell den krainischen Feldhauptmann vom Nahen derwildenHorden, wora,uf sie das Aufgebot iiber die Kulpa nach Bosnien warf. Hauptmann zu Adelsberg war Herr Bernhard von Menessis, welchem nach dem Tode des Grafen Christoph Frankopan Konig Ferdinand als Belohnung fiir seine treue Dienstleistung lehenweise und zwar gegen Zahlung von 800 Gulden das Adelsberger Schloss iibergab. Die letzten Tiirkeneinfalle fanden in den J. 1559, 1560 und 1564 statt und verursachten auf gleiche Weise einon riesigen Schaden. In folgenden Jahren (1577) var Johann Khisl von Kaltenbrunn Hauptmann zu Adelsberg, finden wir ihn aber spater (1593) als Pfandinhaber vor. Dieser Johann Khisl -vvar Abgeordneter der krainischen Stiinde, romisch- kaiserlicher Rath S. Majestat und Kriegszahlmeister an der kroatischen Grenze. Nach ihm folgte Innocenz Mioscon. In der Mitte des 16. Jahrhunderts begann sieh iiber Krain die neue Glaubenslehre, der Protestantismus, aus- zubreiten. Im J. 1581 waren in der Umgebung von Adels¬ berg 10 Anhiinger des neuen Glaubens, wie aus den noch — 24 — erhaltenen Tauf- und Sterbebiichern ersichtlich. Unter diesen befanden sich auch die Ehegatten von Paradeiser. Zu dieser Zeit war Johann Paradeisei' hier Hauptmann. Ein besonderer evangelischer Pradikant ist hier nicht aufzuflnden; ivahrscheinlich \vurde diesesAmtvon Laibach aus verwaltet. Im 17. Jahrhundert besassen Adelsberg zwei aus- gezeichnete osterreichischen Familien: die Eggenberge und naoh ihnen die Auersperge. Karls Sohn und Naoh- folger, Erzherzog Ferdinand, verpfandete 1608 das Schloss dem Freiherrn Ulrioh von Eggenberg um 17.000 Gulden; im J. 1616 \var Ulrich von Eggenberg geheimer Kam- merer, der hochste Hofmeister, dann Landeshauptmann in Krain, Karnten und Steiermark. Um das Jahr 1680 erhielten Adelsberg die Auersperge, das alteste adelige Geschleoht Krains, \velckes in diesem Lande einen weltgeschichtlichen Ruf und die Fiirsten- wiirde erlangte und dies unter dem Fiirsten Johann Weihard und seinem Sohne, Ferdinand von Auersperg. Anfangs des 17. Jahrhunderts begannen die Streitig- keitenmit den VenetianernvonNeuem. Uber Aufforderung Erzherzog Ferdinands stellten die krainischen Stande das Aufgebot auf, welches im December 1615 unter Fiihrung Balthasar Soheyers bei Adelsberg aufgesteJlt wurde, um einen befiirchteten feindlichen Einfall abzuwehren. Der Krieg mit den Venetianern, der besonders in Friaul und Istrien tobte, wurde erst infolge des Madrider Friedens (26. Sept.) 1617 beendet. Anfangs des 18. Jahrhunderts wanderten viele Be- wohner vom Karst, von der Poik und aus Wippach bald nach Einnahme der Festung Belgrad (1717) wahrscheinlich wegen geringer Subsistenzmittel dorthin aus. Doch der Wohlstand begann sich unter Regierung Maria Theresias Die Sehlossruine am Sovič. — 25 — Belvedere. - 26 — zu heben; denn sie sorgte besonders fiir den Handel. Fiir die Grossfuhrleute befabl sie in Adelsberg, Oberlaibach und Prevrald Warenhallen aufzufiihren. Aber anch mit anderen Anordnungen niitzte sie unserem Volke. Im J. 1722 verkaufte der letzte Privatinhaber Franz Oblak Freiherr von Wolkensberg das Scbloss Adelsberg dem Kaiser Karl VI. um 80.000 Gulden zum Vortheile des Karstgestiites. Im J. 1749 wurden die Alpen- und Thalwiesen aus dem Besitzthume der Herrschaft Adelsberg ausgesebieden und dem Gute Prestranek einverleibt. Unter Kaiser Josef (1784) wurde das Bisthum Laibach zum Erzbisthum erhoben, welchem die Bisthiimer von Gorz und Triest untergeordnet waren. Unter das erste gehorte ausser Gorz Gradišča, Aquileia, Flitscb und Tol- mein sowie der Karst und Wippach; unter das letztere aber ausser Triest und Istrien auch die Gegenden an der Poik und Feistritz. Die Eintlieilung borte spater auf, das Erzbistbum Laibach wurde aufgehoben, Innerkrain aber von nun an dem Bisthume Laibach beigefiigt, Nach dem Falle Mantuas (4. Februar 1797) drangen im Monate Marž die ersten Franzosen in Innerkrain ein. Arn 27. Marž nahmen sie in Prewald die Post weg, welche nach Triest hiitte abgehen sollen. Sie lagerten sich in Prewald und am Nanos. In Adelsberg blieb eine Escadron Husaren und einige Uhlanen, um die Bewe- gungen der Feinde zu recognoscieren. Wie dieser erste Einfall stattgefunden, beschrieb sehr anziehend der da- malige Pfarrer von Adelsberg, Josef Wenigar. Er erziihlt also: „Zuerst sturmten einige Husaren das nahegelegene kais. Gestiit zu Prestranek; doch sie zogen unverrichteter Sache ab, da das Gestiitt schon ausgeleert war. — 27 Zvischen 7 und 8 Uhr friih gelangte die feindliche Avantgarde nach Adelsberg, indem nachts zuvor alle osterreichischen Husaren und Uklanen abgezogen waren. An der Fronte der Avantgarde ritt Murat als der Befehlshaber. Mit schwerem Herzen giengen wir ihm entgegen, um ihn zu begriissen. Aber wie wurden wir iiberraseht. Er ervviederte unseren Gruss sehr freundlich und versieherte uns, dass vir betreff der Person, des Besitzes und Giaubens nicbts zu fiirchten hatten und dass ieh als Pfarrer mein Amt leicht frei und unbehindert weiter verrichten kann. Ein Theii der zahlreichen Avantgarde lagerte sich an der Fiumanerstrasse und bei dem Dorfe Zalog, wo sie die Kirche des heil. Daniel als Magazin verwendeten. Infolge dessen \var sie so stark beschadigt, dass man sie spater ganzlich renovieren musste; der zweite Theii bivoua- kierte an den Hoken gegen Planina und Unz, um hie- durch den Durchgang leichter zu bewachen; die Cavallerie aber blieb im Markte Adelsberg. Eine Abtheilung von circa 800 Mann marschierte mit zwei Kanonen gegen Fiume ab, kehrte aber bald zuriick und lagerte sich darauf bei Feistritz und Dornegg. Aus Gorz giengen schon friiher einige 200 Mann gegen Idria, um sich dort des Quecksilbers zu bemaok- tigen, aber sie fanden von demselben nur wenig vor, da die grossere Menge schon friiher in Sicherheit gebracht wurde. Am 2. April friih Morgens, es war gerade Sonntag, erhob sich endlich die Cavallerie, und nachmittags zog die Division des Generals Bernadotte mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen nach Laibach. Ziemlich viele dieser ungeladenen Gaste verblieben iiber die Nacht in Adelsberg, im Pfarrhofe wimmelte es nur — 28 — von Officieren und es war uns schwer sie alle zu bewirten, und da \vir schon in verflossenen Tagen taglich zehn Officiere der Avantgarde verpflegen mussten, war Alles aufgezehrt und in Adelsberg war iiberhaupt kein grosser Vorrath an Victualien vorhanden, aber wir thaten ihnen Alles zulieb, um nur mit ihnen gut auszukommen. Am 17. April 1797 wurde doch zu Leoben in Ober- Steiermark der Friede abgeschlossen und von den feind- lichen Divisionen begannen einige durch Kiirnten, andere durch das Gorzische und wieder andere durch Laibach und Adelsberg naoh Friaul abzumarschieren, so dass am 8. Mai die letzten Franzosen Innerkrain verliessen. Wahrend der ganzen Invasion befand sich in Adels¬ berg das Cavallerie- und Infanteriecornmando. Um ihre Schwache zu verbergen, schoben sie ihre Truppen von Ort zu Ort, jetzt gieng eine Division gegen Gorz, aufan- derem Wege aber nach Laibach, von dort \vieder hieher und nach Fiume, so dass man nie wissen konnte, wie stark dass die Armee war; man schatzte die Zahl der Divisionen des Generals Bernadotte auf 10.000 Mann, welche aber infolge der listigen Bewegung viel grosser schien. Trotzdem sind die Franzosen zu loben, dass sie sich hier in Adelsberg gegen den Pfarrer anstandig benahmen: sie erpressten weder Geld noch andere Sachen; sie respectierten die Kirche und wenn sie an Sonntagen zum Gottesdienste kamen, benahmen sie sich christlich und anstandig, so dass sie in dieser Hinsicht Niemandem Ar- gernis gaben. Seit dieser Zeit steigerte sich die Theuerung immer mehr, es mangelte an gutem Gelde, Gold und Silber, sehr. In den Jahren 1801, 1802 und 1803 \var kein Silber auf- zutreiben, nurPapiergeld und schlechte Miinzen coursierten — 29 — unter dem Landvolke. Ein Merling Weizen kostete 15, auch 16 silberne Sechser, Hafer noch einmai soviel, Kukuruz aber soviel vvie der Weizen. Die Steuern vvuchsen und auf dem Lande klagte man, vvie schwer es zu leben sei.“ Die Kriegsereignisse von 1805 und 1809 brachten uns den namlichen Feind vvieder; auch iiber diese Inva- sionen besitzen vvir einen Bericht aus der Feder des schon friiher genannten Cooperators und spateren Adels- berger Gymnasialprofessors Magajna. Sein Bericht lautet: „Nachdem uns die Armee S. kaiserlichen Hochheit des Erzherzogs Karl am 23. November 1805 vollkommen verliess, kam derfranzosische Vortrab „Chasseurs acheval", tagsdarauf, Sonntag den 24. November, um 9 Uhr friih, den 15. November aber die ganze, durch General D’ Espagne befehligte Avantgarde, welohe uns stark belastigte. In folgenden Tagen traf unter dem Befehlshaber Feldmarschall Massena auch das iibrige Heer, das uns nach seinem Gutdiinken Alles vvegnahm und vvillkiirlich die Leute qualte. Infolgedessen flohen viele Einwohner aus Adelsberg. Es blieben nur die Unterbeamten des Kreisamtes, der wackere Kreiscommissar Wilcher, dann der Herrschaftsvervvalter und linderten uns nach Moglich- keit unsere traurige Lage. Nach dem Frieden von Pressburg 1806 zogen die Franzosen im Monate Februar endlich ab und wir hatten bis zum J. 1809 Ruhe vor ihnen. Am 10. April 1809 begann abermals der Krieg. Schon am 17. Mai iiberflel osterreichisches Militiir, zumeist Land- vvehr, den Feind am Rebernicaberge, bis nicht die Fran¬ zosen unter General Macdonald den Nanos erstiegen und — 30 — die Čsterreicher im Riicken angriffen. Dies verursachtel eine fiirchterliche Verwirrung; unsere Leute stiirztenl haufemveise gegen Adelsberg, hier gab es Vervvundete aller Art, Alles schrie und jammerte. Die guten Adelsberger Insassen halfen unter deri Leitung des Adelsberger Vemvalters Karl Schmol und j verbanden menschenfreundlieh die verwundeten Krieger. j In der Nacht zogen die Čsterreicher gegen Zirknitz und j weiter gegen Reifnitz ab; die Strassen gegen Loitsch und j Laibach hielten sohon die Franzosen besetzt, \velche iiber Col und den Birnbaumerwald ankamen und die Unsrigenj verdrangten. In dieser Nacht stiirmten die Fi'anzosen die V er-: schanzungen bei Pre\vald, wurden aber mit grossen, Yerlusten zuriickgeschlagen. Bis 1 Dhr nach Mitternacht betrachteten wir vom ■ Thurrne der Pfarrkirche dieses fiirchterliche Spectakel, das sich in Prewald zutrug. In der Friih erneuerte sich der Kampf; der Kanonen- donner war in Adelsberg gut zu horen; der Feind litt j sehr; zuletzt, als der Feind an 800 Mann verlor, ergab sich die Befestigung. Am 18. Mai 1809 traffen die ersten Franzosen, namlich das sechste Husarenregiment, unter dem Commando eines gewissen Firin, eines satanisch bosen Menschen, in Adels¬ berg ein; Gliick fiir uns, dass er schon am nachsten Tage abmarschierte, sonst hatte er uns mit seinen Husaren voll- kommen ausgezogen. Nach ihm kam die Division Brous- sier, die sich gleich ihrem Chef noch leidlich gut auf- fiihrte. Am Frohnleichnamsta^e langte Marmont aus Dal- matien an, der auch unter seinen Soldaten gute Manns- zucht hielt. - 31 Die Kanzel im Tartarus. — 32 — Seit dieser Zeit waren wir ohne Militar, bis nicht: die kroatischen Insurrections-Husaren*) den Anlass gaben, j dass die italienische Brigade Bertoletti emmarschiertej diese Lahoni peinigten uns bis zum Wiener Frieden, deri uns den Franzosen iibergab. 11 Was die innere Reorganisation der neuen Regierungl anbelangt, so gehorte Adelsberg laut Decretes des Kaisers j Napoleon vom 12. Februar 1810 unter die erste Militar- ■ division; die Einkiinfte, welche die Herrschaft abvarf, bezog Feldmarschall Marmont. Dass in Adelsberg ein Gymnasium bestand, wurde. sohon anderwarts erwahnt. Es ist gewiss, dass zur Franzosenzeit die benacbbarte • Grotte, tvelche der gelehrten Welt sohon bekannt war,; besucht wurde. Marmont, welcher in der letzten Zeit seiner Statthalterschaft nach Laibach iibersiedelte, schreibt in seinen Memoiren: „Ich bediente mich der naehsten Umgebung, damit ich mir zwei Sehenswiirdigkeiten des Landes, die Adels- berger Grotte und den Zirknitzersee besah, Krain hat die namliche Bodengestaltung, als \vie Dalmatien; alles ist kalk- oder sandartig. Die Fliisse hohlen ihr Bett tief aus, durchschneiden die Gebirge, verschvinden und kom- men wieder zu Tage. Unermessliche, an Hohlen reiche, sehr tiefe Grotten soheinen uns Tempel der Titanen zu sein. Prachtige Stalaktiten und Stalagmiten, welche der Feuchtigkeitsniederschlag hervorbringt, bilden Saulen und Denkmiiler einer wunderbaren Architektur. Diese Grotte ist wegen ihrer Ausdehnung und der Verschiedenheit der Formen ihrer Hallen und Abtheilungen eine der grossten Sehenswiirdigkeiten dieser Art, und •roird sie beleuchtet, *) Die Division, welche unter Graf Oršič bis Adelsberg und Wippach streifte. — 33 — Der KLalvarienfoerg. - 34 — wie sie damals war, als icli mir sie angesehen, ist ihre Pracht eine derartige, dass es unmoglich ist, sie genau zu besehreiben und aufzufassen." Alle die grossen Ereignisse Frankreichs, wie die Ver- mahlung Napoleons mit Marie Louise (10. April 1810), oder des Ivaisers Namenstag am 15. August u. a. wurden bei uns ebenso feierlich begangen, wie in Frankreich. Die franzosisobe Herrscbaft horte jedock 1813 auf. Im Juli dieses Jahres begannen die Osterreioher, an 60.000 Mann unter Hiller, Nugent und Radivojčevič gegen den kaiserlichen Statthalter, Prinzen Eugen, welcher mit seiner an 53.000 Mann starken Armee alle Strassen, welche iiber Laibaob und Pontafel nach Italien fiihren, besetzte, vorzugehen. Im Laufe des Monates September bemachtigten sich die Osterreioher Istriens und als der Feind den General Nugent zwischen Jelšane und Lipa angriff, kintergieng er ihn dadurok, dass er einen Theil seiner Truppen gegen Fiume abmarschieren liess, sich selbst aber nack Istrien begab und so den Feind zwang, schleunigst Fiume zu verlassen und nack Triest und Adelsberg abzuriicken. Am 5. Oktober um 1 Uhr Nachmittag - oapitulierte am Laibacher Castelle die letzte franzosiscke Besatzung’, 800 Mann, unter dem Commandanten Leger, die iibrigen Truppen aber waren schon Ende September abmarsckiert. Der Vioekonig- gieng schon am 2. Oktober um 4 Uhr Friik durck Adelsberg nach Italien, 3 Stunden spater ge- langten kieker die Osterreicker, Radecky-Husaren und 1500 tapfere Kroaten. So gelangten die Adelsberger aber- mals unter das Scepter Osterreichs und bewiesen sich wie ekedem so auck jetzt als seine treuesten Verfechter. II. Die fldelsberger Grotte 1. Schilderung der Grotte. 7v> E ine Vierielstunde nordvvestlich von Adels- berg verschtvindet die Poik bei einer Seehohe von 50 m in den unterirdischen Abgrund, die beiden Eingange in die Grotte beflnden sich aber 19 m iiber dem Flusse Poik. Vor ihnen debnt sioh eine schone, mit verschiedenartigen schattigen Baumen bepflanzte Terrasse aus. Gerade ober dem Einsturze des Flusses ist der alte, unansehnliche Ein- gang fiir die Grottenfiihrer, einige 15/77 von hier nach rechts aber der neue natiirliche Eingang, der erst 1866 aufgedeckt wurde. Er ist 7 m breit, 9 m hoob und durob ein schones gotbisches Gitterthor abgesperrt.*) Theile der Adelsberger Grotte sind: Der grosse Dom, die alte Grotte, die Kaiser Ferdinands - Grotte mit *) Die Grotte kann das ganze Jahr iiber zu jeder Tages- oder Nachtstunde bei beliebig zu wahlender Kerzen- oder elektrischer Be- leuchtung nach festgesetztem Tarife begangen werden. in der Sommer- Saison vom 1. Mai bis 1. Oktober aber ist dieselbe taglich um haib 11 Uhr vormittags elektrisch beleuchtet und gegen fixes Entrde von 5 K per Person zu besehen. Jahrlich zu Pfingsten wird in derseiben ein grosses Fest, zu welchem von alien Weltgegenden Besucher, oft iiber 5000 an der Zahl, zusammenstromen, abgehalten. An diesem Tage verkehren 8 Separatziige nach Adelsberg. Beziiglich des Besuches meldet man sich beim Grottencassier oder im Hotel, wo man abgestiegen ist. — Zum Be- suche der Grotte ist ein Zeitaufuzand von circa 2 Stunden erforderlich. 3 * — 36 dem Tanzsaale, die Kaiser Franz Josef- nnd Elisa- beth-Grotte, Belvedere mit der Aussicht in den Tartarus, die Kaiserin Maria Anna-Grotte, der Kalvarienberg, die Erzlierzog Jobanns-Grotte, und die neue 1890—1891 entdeckte Seitengrotte. Der grosse Dom. Der grosse Dom erstreckt sich 23 m vom Eingange in die Lange iiber 45 m , in die Breite 30 m und in die Hohe an 28 m. Weit spannt sich dessen Wolbung iiber den dunklen Abgrund, aus welchem man den Fluss rauschen hort, der ihn S-formig durohfliesst und zuletzt in eine Felsspalte verschwindet. Den grossen Dom be- leuchteten bis jetzt 2 elektrische Bogenlampen.*) Bei dem Eingange standen wir am rechten Ufer der Poik, bei dem Eintritte in den grossen Dom aber befinden ivir uns an ihrem linken Ufer, da wir kurz vorher die natiirliche Felsbriieke uberschritten, unter welcher der; Fluss in den grossen Dom hereinbraust. Von dieser Natur- briicke steigt man iiber 84 Stufen zum Flusse hinab, welchen wir auf einer eisernen, auf zwei massiven Stein- pfeilern ruhenden Brucke ubersetzen, um auf sein linkes Ufer zu gelangen. Vom Eingange aber bis zu den er- wahnten Stufen ist der Weg 28/7? lang. Bis zum J. 1818 konnte man nur bis hieher gelangen, da eine pralleWand den Weg versperrte. Hier ist in die Felswand ein Denkmal aus schwarzem Marmor eingemauert, dessen Inschrift an den Besuch des Kaisers Franz I. am 16. Mai 1816 erinnert. *) D ; č elektrische Beleuchtung wurde 1884 eingefiihrt. Die grossten Raumlichkeiten wurden durch 14 Bogenlampen mit je 1400 Kerzeniicht- starke erhelit. Heuer (1901) wird ihre Zahl auf 36 Bogenlampen und ausserdem auf 620 Gliihlampen erhoht. - 38 — ■ Im J. 1856 wurde in der linksseitigen Felswand eine Gal- lerie, 55 m lang und 1'5 m breit ausgesprengt, \velche den grossen Dom mit der Kaiser Ferdinands-Grotte verbindet, Hier ist die Halle, in weleher vorne linker Hand das Kaiser Ferdinands-Monument angebracht ist zur Erinne- rung, dass sicli Kaiser Ferdinand am 17. August 1819 als erster fiirstlicher Besucher diesen Grottentheil besali. Vom linken Ufer der Poik bis hieher fiihren 82 Stufen. Das Gewolbe des grossen Domes erscbeint wie aus kostbaren Perlen zusammengesetzt, welche im magischen elektrischen Liohte der sckon erwahnten Bogenlampen blitzen, und aus dem tief darunter stromenden Flusse strahlt dieser glitzernde Glanz zuriick. Die alte Grotte. Unweit des Kaiser Franzens - Monumentes linkerseits gelangt man uber einen eirca 15 m langen und 4 m breiten natiirlichen Steg in die sogenannte alte, derzeit selten besuchte, einst aber einzig bekannte Grotte. Die alte Grotte ist 189 m lang und ist reicher an verschieden- artigen Tropfsteingebilden, meistens Stalaktiten,*) als die neue Grotte. Der Weg dorthin ist durchaus nicht so gefahrlieli, wie es behauptet ~wurde. Jetzt ist er mit einem eisernen Gelander versehen. Diese Grotte ist von grosser Wichtigkeit vegen ihrer Namenhalle, welche wirklich wert ist, besehen zu werden. Interessant in dieser Grotte sind der rothe Wasserfall, die rothen Orgelpfeifen auf der weissen Wand der Halle, *) Die Geognosie versteht unter Stalaktiten jene Tropfstein- bildungen, welche von der Wand herabhangen und wie Eiszapfen zu- nehmen, wahrend Stalagmiten auf dem Boden aufsitzen und durch darauf- fallende Tropfen von unten nach oben wachsen. — 39 — durch welche man in die Namenhalle gelangt. Dieser Grottentheil musste schon langst bekannt ge\vesen sein, wie uns die Jahreszahl 1213 beweiset, wurde aber im 18. Jahrkundert wegen des beschwerlichen und gefahr- vollen AVeges nicht mehr besucht. Im J. 1869 besuchte sie unser beriihmter Chronist Valvasor. Josef Jeršinovič Ritter von Lo\vengreif betrat sie 1816 nach einem langen Zeitraume in Begleitung von den Fiihrern Franz Šebenik, Valentin Verne und Lucas Cie wieder zuerst. \Venige Tage darauf besuchte sie aueh Graf Hohemvart, vvelcher ihre letzte, die Korallenhalle, oder wie er sie nennt, die „Skelett-oder Gerippe-Grotte“, sehrinteressantbeschrieb. In diese Halle kommt man durch einen Gang, dessen IVande mit vielen prachtvollen weissen und rothen Drapperien verziert sind. In derselben sieht man auf der weissen Dečke und AVand sehone rothe Korallen, im Hintergrunde aber befand sich das erwahnte menschliche Gerippe, wel- ches Graf Hohemvart genau untersucht und beschrieben, von -vvelchem aber heutzutage keine Špur mehr vor- handen ist. In dieser Grotte ist ein pittoresker Durchgang, dessen Bildnis wir den werten Lesern (Seite 17) bieten. Hier folgen die Inschriften, die sich 1830 Graf Hohen- wart aufgezeichnet: — 40 — Kirchheimer 1540 Kauver Hanns Hueber 1547 1575 (Wenig kenntliche Zeichen.) 1575 M. \Y. (I. Sciffrerere) 1575 Gnad dir Gott 1587 Mariahilff za Vilharbar. 1592 Walent. Junikar B. P. 1606 (Zeichen.) 1575 (Zeichen.) M. Weingarter 1575 I. Tschiffern Ca. Agourer 1576 1576 Longkainr 1578 Der mit Herrn Joseph Holla Gnad dir Gott. 1580 Erzpriester 1580 Gorger Tauffrer Franz Anton Herzog zu Cromau 1580 auch Fiirst zu Eggenperg. A. W. 1585 (Zeichen.) 1585 Ferko Jankowitz Rauver 1641 16 IMO 42 16 IPS 42 (Eine Hand.) Lohr Ingenirer Franz Himer Tischlergesell aus Baiern. 16 S. 34 M. 1634 F. v. Stainach. 1634 Hanns Hueber. — 41 — In besonderer Beilage bieten wir unseren werten Le- sern noch das Facsimile dieser Inschriften, wie sie Graf Hohenwart in seiner Schilderung von Adelsberg ver- offentlicht. Die Kaiser Ferdinands-Grotte. Nach rechts fiihrt aus dem grossen Dome ein an 9 m hoher Gang in die Ferdinands-Grotte, den grossten und sobonsten Theil der Adelsberger Grotte, welche beim Fer- dinands-Monumente beginnt. Hier ist auch der Anfang der Rollbahn, welche an 1600 m weit bis zum Fusse des Kalvarienberges lauft. Der Hauptgang dieses Grottentheiles ist 1700 m lang, von ihm aber zweigen sich noch Neben- gange und Hallen. Die Tropfsteine dieser „neuen Grotte", wie man sie auch nennt, sind rein und weiss und haben verschiedene Formen. Jeder Schritt bietet dem erstaunten Auge des Besohauers neue Wunder. Die iiberall hin- fallenden Strahlen des Licbtes verursachen ein unbe- sohreibliches Flimmern und Glitzern. Ver besitzt die Feder, um alle diese Pracht in einer geziemenden Be- schreibung wiedergeben zu kdnnen! Gleich beim Anfange der Grotte zeigt sich uns reclits die Kanzel, daraufhin kommen wir in eine 7 m hobe Kammer, in welcher sich rechts die sogenannte Fleisch- bank beflndet. Hier hangen von der Dečke grosse Tropf- stcine, „Speckschwarten“ genannt, herab. Von hier geht man rechts in eine Seitengrotte, die sich am Ende in zwei Gange theilt, sie wird aber mir selten besncht. In dieser Seitengrotte ist der »englische Garten“, die „Salami- kammer“, der „steinerne Regen“ und der „Thron“. Gehen wir nun im Hauptgange weiter, so erblicken wir die „Mutter Gottes“, den „Wasserfall“ aus weissem und grauem Tropfstein, „Stock im Eisen“, den „Lowen“, „Taufstein“, „Theaterloge“, „Petristuhl“ und das „Stock- haus“. Von hier gelangen wir in den herrlichen „Tanzsaal“. Der „Tanzsaal“, der 540 m vom Eingange entfernt ist, liat eine beinahe vollkommen ebene elliptische Grund- flache und ist 45 m lang, 30 m breit, 14 m aber hoch. Zu Pfingsten spielt hier eine Musikkapelle und wird getanzt. Raum gibt es hier fiir mehrere Tausend Leute. Am Ein¬ gange zum Tanzsaale rechts beflndet sich die Gedenktafel, gewidmet Josef Jeršinovič und Dr. Adolf Schmidi, welche sich fiir die Grotte grosse Verdienste erworben. An der rechten Seite des Tanzsaales hangt von der Dečke ein vveisser drappirter und durchsichtiger Stalaktit „das Betttuch“ von der Dečke herab. Beim Ausgange rechts wird der „heil. Antonius von Padua“, die „Maria-Zeller Mutter Gottes“ und eine „Por- 42 Erzherzog Johanns - Grotte. Versteinerte Fietiten. tion Gefrorenes" gezeigt. Erst hinter dem Tanzsaale sind die Tropfsteine mannigfaltiger, von weisser, grauer, brauner und rother Farbe. Hier ist eine Saule in der Mitte abge- brochen; der obere Theil lehnt an einer anderen Saule. Das ist der sogenannte „Thurm von Pisa“. Weiter folgen die dreifarbige Saule, oben rothlich, in der Mitte weiss, unterhalb gelb; „die Schildkrote“, „die Nachteule" und die „kleine Glocke“, d. i. ein hangender Tropfstein, der wirklich einen Metallklang hbren lasst, wenn er mit einem Stoeke angeschlagen wird. Nach der Glocke erblickt man die „Kapelle“, in welcher sicb die „Orgel“ und der „Altar“ befinden. Aus der Kapelle gelangt man in eine ziemlich bohe mit lauter weissen Saulen ausgefiillte Halle. Da hangt von der Dečke der „Kronleuchter“ herab, da flattert die „Fahne“ und winkt uns die „Hand mit den drei Fingern 1 '. Ein wenig weiter, und man ist bei den „zwei Palmen“ angelangt, links erblickt man aber den „Springbrunnen“, d. i. eine rothe, einem Wasserstrabl aknliche Saule, die sich aus der blendend weissen Steinmasse erhebt. In diesem Zweige der Grotte befindet sioh weiters die „ Wachs- kammer“, der „Mondschein“, die ,.Hier6glyphensaule“, nicht weit davon entfernt ist der „Adlerflugel“ und der „Kohlofen“. An den Tod erinnern uns die rothlich-weissen, stehenden „Mumien“ und das „hl. Grab“. In der 9 m hohen Vorhalle des hi. Grabes stehen prachtige cannelierte Saulen von weisser Farbe. Hier theilt sich die Grotte in zwei Arine, deren linker heisst Franz Josefs- und Elisabeth-Grotte, der rechte aber fiihrt gegen den Kalvarienberg. Da diese Grotte friiher nicht besucht wurde, sind ihre Tropfsteinbildungen noch blendend weiss und unange- — 45 — raucht. Wegen des hohen Besuches des kaiserlichen Paares am 11. Marž 1857 heisst dieser Grottentheil' »Franz Josefs- Elisabethgrotte Ihre schonsten Tropfsteinbildungen sind: der „kleine Kalvarienberg“, „Vorhange“, „Wasch- kammer", ,,Regenguss“, die „schlafenden Madchen", mit ihren \veissen Kopfen und rothbraun gekleidetem Korper. Beim „Damocles-Sclrwert“, einem grossen Stalaktiten, er- reichen wir am Ende des Ganges den grossen Saal. Vor uns erliebt sieh das prachtige „Belvedere“, ein Hligel, der in seinem Umfange 11 m misst. Mitten auf demselben steht ein Denkmal aus schwarzem Marmor, dessen Inschrift die An^esenheit des Kaiserpaares am 11. Marž 1857 und den Besuch Sr. Majestat am 15. Juli 1883 verewigt. Hier in der Nahe ist der „Tropfbrunnen“, ein ab- gestutzter Kegel aus lichtgrauem Tropfsteine mit einem kleinen Becken, in welches von der Dečke 18 m tief ein Wasserstrabl fallt. Westwarts vom „Belvedere“ offnet sioh die 284 m lange, ungangbare Grotte „Tartarus“, dureb welehe man bis zum Flusse „Poik“ gelangen kann. Dass auch im Tartarus schone Tropfsteinbildungen vorkommen, dies bezeugt die „Kanzel“, deren Bildnis wir (Seite 31) bringen. Vom Belvedere ostwarts kommen wir zum „Ere- miten“, nacb einigen 30 Scbritten aber auf den 17 m hohen „Loibl“ oder „Semmering“. Bei der „St. Stephans-Saule“ beginnt die Maria Anna-Grotte. Aus dieser Grotte, die im Jahre 1865 eroffnet wurde, fiihrt rechts der Weg auf den „Kalvarienberg“, links aber in die neue Grotte, welche 1890/1891 der Maschinist — 46 — Mathias Verbič entdeckte. In der Maria Anna-Grotte in- teressieren uns besonders die links an der Wand hangenden „dunkelbraunen Vorhange“, einige 23 m weiter aber der prachlige, schneeweisse „Brillant“. Dicht neben dem Bril- lanten“ befindet sieh die an 5 m kohe, geiblichgraue Saule mit „Vordach“. Weiters sind hier zu sehen ein 6/7? hoher „Wurzelstock“ und das „drappierte Vordach“. Etliehe 30 m weiter steht links das „grosse Zelt“, welches circa 4 m im Durchmesser bat und beinake eben so hoch ist. Bei dem grossen „Blatterschwamm“ und dem „Riesen- spargel" verlassen wir die Maria Anna-Grotte und \venden uns rechts. Yor uns erbebt sich der -sveltberiihmte »Kalvarienberg«. Der „Kalyarienberg“ ist ein an 60 m hoher, mit Tropf- steinen reich besetzter Hiigel, auf dessen Gipfel ein iiber 200/7? langeiAVeginSerpentinen gebahnt ist. Die Hohevom Fusse des Kalvarienberges bis zur Dečke betragt iiber 50 m, vom Gipfel desselben bis zum Gewolbe aber immer noch gegen 18 m. Die ganze Hohle zusammen misst vom Fusse des Berges bis zu der Wand hinter dem Gipfel iiber 200 m in der Lange. Die „Kalvariahohle“ ist daher die grosste unterirdische Hohle in Europa, wenn nicht auf der ganzen Welt. Der Kalvarienberg fiihrt diesen Namen seit seiner Entdeckung, und offenbar leitete bei dieser Benennung dieJEinbildung: in dem Saulenwalde den zu Stein erstarrten Zug des Volkes auf Golgatha zu sehen. (D. A. Schmidi, Die Grotten und Hohlen von Adelsberg, Seite 84.) Hier sehen wir rechts den „Triester Leuchtthurm", die „Arche Noah“, die mit zahlreichen Namen beschrieben Die Orgel. - 48 ist. Darunter beflndet sieh auch der Name der Herzogin Marie Luise von Parma, der Tochter Kaiser Franz I. und Witwe Napoleons I., welche am 4. Juni 1830 diesen Grottentheil besuchte. Auf dem Kalvarienberge steht aueh ein grosser „Altar“, welcher aus drei grosseren \veissen Stalagmiten besteht. Hinter dem Altare erstreekt sieh der schimmernde „Zaubergarten“. Vom Kalvarien- berge kommt man auf der Ostseite zur Rollbahn hinunter. Da beobachten wir den 34 m hohen weissen Saulenhain, den „Mailander Dom“, welcher sieh auf dem Abhange des mittleren Absatzes des Berges beflndet — der ganze Berg hat namlich drei Absatze oder Hohen. Am Fusse des zweiten Absatzes erhebt sich rechts am Wege die grosste Saule der ganzen Hohle. Sie erreicht eine Hohe von etwa 10 m. Wir haben den letzten Absatz des Kalvarienberges iiberschritten, und begeben uns, ihn verlassend, durch die „Pforte“ desselben, welche aus zwei kolossalen und vielen kleineren, weisschimmernden Stalagmiten besteht, auf dem ostlichen Wege gegen die Ferdinands-G-rotte. Nachdem wir die „englische Kiiche“ passiert,- kommen wir zur „Saulenallee“. Dies ist eine Reihe von grottesken, 2 bis 3 Meter hohen, dicht am Wege stehenden Saulen. Kurz darauf schreiten wir unter der kolossalen, iiber den Weg „gestiirzten Saule“, welche 7 m lang und iiber 1 m dick ist, hindurch. Haben wir uns noch die „Landkarte“, das „Schilder- haus“ und die „Zwillingssaulen“ angesehen, gelangen wir. in eine geraumige Felsenhalle, wo wir in der rechten Wanddes Hauptganges der Ferdinands-Grotte ein eisernes Gitterthor erblicken. Dies ist der Eingang zur Erzherzog Johanns-Grotte, (welche die eigentliche Fortsetzung der Ferdinands-Grotte — 49 — darsti It), Man gab ihr diesen Namen, weil der Erzberzog Johann am 31. Juni 1832 der erste durch die vordere Halle vordrang. Die Tropfsteinbildungen dieser Grotte sind v on ausnehmender Sehonheit: sie sind von sammt- artigem Schneeglanze, ja sogar von wasserheller Farbe. Da sit noch nicht ganzlich gangbar gemacht, bedarf es fur ihren Besucb einer besonderen Erlaubnis von Seite der k. k. Bezirkshauptmannschaft zu Adelsberg. D.iese Grotte ist 490 m lang. Am interessantesten ist ihre fast kreisrunde „gotMsche Halle“; den Mittelpnnkt derselben bildet ein gewaltiger, gelber Stalagmit, mantel- formig auf einen Saulenstrunk herabreicbend, von zahl- reicben kleineren Stalagmiten umgeben. Die Wande sind reich mit weissen, grauen und gelblichen Tropfsteinen bedeckt, welche zuweilen merkwurdige Formen bilden, wie das beigefiigte Bild (Versteinerte Fichten, Seite 43) es zeigt. Gleicb hinter dem beschwerlichen Durcbgange befindet sich ein schnee\veisser zugebundener Mehlsaek, 63 cm koch, weiters ein 1 m langer, 37 cm breiter durcksichtiger Vorkang mit vmndersokoner Bordur. (Diesen Vorkang entdeckte Dr. Adolf Sckmidl im September 1852). Da straklt und glitzert alles und klopft man auf irgendwelchen Tropfstein, so ertont er, wie eine Glocke. Bei dem ,,Tiirkensabel“, der frei von der Dečke kangt, zweigt von der Ferdinandsgrotte eine andere Seiten- grotte nack Siiden und Siidwesten ab, aus welcker wir ebenfalls ein sckones Motiv beisckliessen. (Kaiser Ferdi- nands-Seitengrotte, Seite 21). Betrackten wir uns noch den „Fischplatz“, die „Platt- flscke“, das „goldene Vliess“, den „scklafenden Lowen“ und den „Grottenwachter“, dann sputen wir uns aber in 4 — 50 — die sogenannte „Reitschule“, eine 10 m lange Halle, an deren linker Wand der beriihmte „Vorhang“ zu seher, ist. Dies ist das grossartigste Tropfsteingebilde der gar.zen Grotte. Man erzahlt, dass einst ein reicher Englander s 400 Ducaten fiir dieses Prachtwerk bot, es aber nicht bekam. Dieser Vorhang ist an 3 m lang, 8 mm dick nd hangt gegen 1 m von der Wand abstehend, herab. Seine Farbe ist gelblichweiss, und ist derselbe seiner ganzen Lange und Breite naeh durchsichtig und hat einen 10 cm breiten Saum von orange, rosa und braun besetzt, -svelehe Farben unmerklich ineinander fliessen. Da wir nun das schonste und erhabenste Gebilde geseben, konnen wir noch links den „Beichtstuhl“, nicht weit von diesem die schneeweisse „Kanonensaule“, die im Umfange an 6 m misst, das „rothe Meer“, rotlien Wellen ahnlichen Boden linker Seite des Weges, dann die „grosse und kleine Cypresse“ und die weissen, feinen und durchsichtigen „Jabots“, welcbe von der Dečke herab- hangen, besichtigen. Nicht weit von hier ist rechts die dickste Saule der Adelsberger Grotte, da sie 19 m im Um¬ fange hat und 5 m hoch ist. Besuchen Tvir zuguterletzt noch die „neue Grotte", welche, wie schon gesagt, 1890/1891 entdeckt wurde. In diese Grotte, eine nordliche Fortsetzung der Maria Anna-Grotte, gelangt man vom Fusse des Kalvarienberges. Man steigt iiber zwei 7 m lange, eiserne Leitern, bis man zum Eingange gelangt, der mit einer eisernen Gitterthiir verwahrt ist. Ihre Tropfsteinbildungen sind noch alabaster- weiss, die Calcitkrystalle aber wunderbar rein, denn hier wurde und wird nie mit Fackeln geleuchtet, welche mit ihrem Rauch diese schonen Raume anschwarzen. Hier sind Abtheilungen, als der „steinerne Regen", die „Thiirme des Sclrvveigens", „Golgatha“ und das „steinerne Der Brillant. 4 * — 52 — Marchen".*) Der Boden ist hier hie und da dem Schwalben- nest sehr ahnlich. In den metertiefen mit Wasser ge- fiillten Becken gibt es viele weiss und rothlich gefarbte Rhomboeder. Da es schier unmoglich ist, ali diese Pracht genau zu beschreiben, bieten wir zwei Ansichten: den „Eingang in die neue Grotte" und den „Durchgang“ in derselben (Seite 65 und 69). Lang ist diese Grotte 300 m. Jedermann, welcher in der Adelsbergergrotte -^eilt, versaume es nicht, auch die „neue Grotte" zu besuchen; es wird ihn gewiss nicht reuen. *) Vergleiche : Die neue Grotte bei Adelsberg von Friedrich Miiller in der »lllustrirten Zeitung« Nr. 2965 vom 26. April 1900. Seite 600. o o ''V_9 ^ 'v_^" o 2. Geschichte der Grotte. © A us verschiedenen, schon angefiihrten Inschriften in der Adelsberger Grotte geht hervor, dass dieselbe schon im XIV. Jahrhundert bekannt war; dass sie aber auch die iilteren Volker gekannt hiitten, dariiber schweigt die Ge¬ schichte. Ausgeschlossen ist aber dies durchaus nicht. Im 16. Jahrhundert diente die Grotte ofters den Adels- bergern als Zuflucht gegen die blutdurstigen Tiirken. Der erste beschrieb sie unser beriihmter Chronist Johann Wei- chard Valvasor in seinem Werke „Ehre des Herzogthums Krain“. Ferner beschrieb sie J. N. Nagel, im 18. Jahr¬ hundert aber die Naturforscher Gruber und Hacquet. Bis zum J. 1816 war die Grotte jenseits der Natur- briicke noch unbekannt. Im J. 1818 gedachte sie Kaiser Franz I. zu besuchen. Der damalige fiir die Grotte be- geisterte k. k. Kreiscassier Josef Ritter von Lowengreif begann sie fiir den Allerhochsten Besuch herzurichten. Bei diesem Anlasse entdeckte der damalige Fiihrer Lucas Cič im Monate April die neue „Fferdinands-Grotte“. Man volite auf einem Felsen sm jenseitigen Ufer der Poik eine Pyramide mit einer transparenten Sehrift aufstellen. Es wurde uber den Fluss eine grosse Leiter und darauf ein Brett gelegt, und Lucas čic gieng mit einer Lampe hber diese Nothbriicke, um auf den gedachten Felsen zu gelangen. Mit der grossten Anstrengung kletterte er den Eelsen hinan. Als er oben war, rief er den untenstehenden zu und entfernte sich. Man war um ihn schon in aussersten Sorgen, als er wieder erschien und jubelnd ausrief: „Hier ist eine neue Welt — hier ist das Paradies! 11 54 Als er herabkam, erzahlte er ganz glucklich, dass er eine neue Grotte entdeokt habe, deren Ende er nicht habe erreichen konnen. Auf diese Weise wurde die Grotte entdeokt. Im J. 1824 bildete sioh die erste Grottencommission,: deren Mitglieder waren: der Kreisingenieur (in seiner Ab-1 vvesenheit besorgte sein Geschaft der Strassencommissar — durch langere Zeit P. v. Radics), der Bezirkscommissar (jetzt Richter), Gemeinderichter (jetzt Biirgermeister) und ein Gemeindeinsasse als Tagescassier. Jetzt besteht die Grottencommission aus 7 Mitgliedern. Es sind dies: der Bezirkshauptmann, ein politischer Beamter, der Bezirks- geometer, der Steuereinnehmer und drei Vertreter der Adelsberger Marktgemeinde. Der erste Plan der Grotte wurde im Jahre 1838 vom Oberhutmann Johann Fercher aufgenommen; da aber dieser Plan, wie im J. 1885 der jetzige Forst-Inspections- commissar W. Putick in Laibach bevviesen, fehlerhaft war,i hat der Obermarkscheider J. Schmid aus Prihrani im Auf-: trage des Ackerbauministers Grafen Falkenhayn eine Neu- vermessung aller Raume der Grotte vorgenommen. Diese I Arbeit begann im Herbste 1891 und vvurde binnen 4 Mo- naten vollendet. Ein genauer Plan war nothwendig, weil | die Grotte unter das Terrain mehrerer Gemeinden reicht, j unter welche die Grotteneinkiinfte vertheilt wurden, und damit ihre Beziehung zu der iiber ihr befindlichen Erd- oberflache festgestelJt werde. Laut Vergleich vom J. 1877 erhalt die Halfte der Grotteneinkiinfte das Aerar, die Hiilfte s aber die Adelsberger Marktgemeinde. Es beanspruchte seinerzeit auch die Gemeinde Gross-Otok einen Antheil j und erhielt 6 1 / 2 0 /o von der Einnahme zugesprochen. Im 19. Jahrhundert besuchten die Grotte viele aus- j gezeiehnete Gaste aus verschiedener Herren Landern. Es I Die Saulenallee. — 56 — sei uns gestattet einige hier anzufiihren: Im Jahre ‘.845 Dr. v. Asohen von Helgoland, 1857 Ottokar Maria raf Attems, Fiirstbischof von Seckau, 1873 Erzherzog Albrecht, 1838 Bache, Professor aus Philadelphia, 1857 Barnum, Reisender aus Amerika, 1847 Dr. Johann Bleirveis aus Laibach, 1854 Dr. E. Brockhaus aus Leipzig, 1838 C. draf Chotek von Bohmen, 1856 Essault, Litterat aus Pariš, 1841 Friedrich (Fiirst Schvvarzenberg), Fiirstbischof on Salzburg, 1845 Fr. Ks. Gabelsberger, Stenograph aus Pfaffenhausen, 1837 Gazlof, Hofmaler aus Neapel, 1847 Leonidas Gluka, Študent aus Jassy, C. C. Graham, Natur- forscher aus Amerika, 1844 Baron Hammer-Purgstall, k. k. Hofrath aus Wien, 1857 Husein, Major aus Tunis, 1838 Jaquier, Litterat aus Pariš, 1852 O. O. Marchand King aus China, 1838 Graf Lamberg, sardinischer Gesandte in Wien, 1839 August Fiirst Lobkorvitz von Wien, 1857 Mahmud, Major aus Tunis, 1852 Georg B. Maish, Minister aus Constantinopel, 1821 Fiirst Menčikov, Adjutant Kaiser Alexanders I., 1857 Erzherzog Maximilian und seine Ge- mahlin Maria Charlotte, 1887 der serbische Konig Milan I., 1735 Nic. Nadajdine, Professor aus Moskau, 1825 Ladislaus Pirker, Patriarch von Venedig, 1856 Pisko, Professor aus Wien, 1847 Jak. Razlag, Studiosus aus Graz, 1845 Rogowics, Natui forscher aus Kiew, 1822 John Russel von Schottland, 1857 Sappa Tappa (Si Ismael), Gesandter aus Tunis, 1837 Leopold Schattauer aus Aegypten, 1845 Docent Schiodte aus Kopenhagen, 1852 Dr. Adolf Schmidi aus Wien, 1853 Ferdinand I. Schmidt, Naturforscher aus Šiška bei Laibach, 1832 Kardinal Spinola, 1843 Ferdinand Strong, bairischer Consul in Athen, 1887 Prinz von Wales und Herzog von Edinburg mit vielen englischen Officieren. Tanzsaal in der Adelsberger Grotte. J 1. Die schwarze oder Magdalenen-Grotte. E ine volle Stunde nordwestlich von Adelsberg liegt die „Schwarze Grotte“, -vvelche nach der nahegelegenen Ruine der St. Magdalenen-Kapelle auch „Magdalena-Grotte“ genannt wird. Der Fusssteig dahin fiihrt unter den Ruinen des Adelsberger Schlosses vorbei iiber den Berg, in welchem sich die Adelsberger Grotte beflndet. Man gelangt bald auf die Fahrstrasse, die um den Schlossberg und in den Wald fiihrt. Auf beiden Seiten des Weges sind mehrere „ Do¬ lmen" zu sehen, die aber vollkommen bewaldet sind. Lenkt man ehdlioh links von der Fahrstrasse ab durch Gebiisch abwarts, sieht man sieh mit Erstaunen vor einer grau-schwarzen, fast senkrechten, an 19 m hohen Fels- wand, an deren Fusse die niedere aber breite Miindung der „schwarzen Grotte “ uns entgegenstarrt. Diese Grotte ist nioht abgesperrt und wird keine Eintrittsgebiir ein- gehoben. Die Fiihrer leuchten gewohnlich mit Faekeln. Der Weg in sie ist ziemlich steil, aber bald gelangt man in einen hohen, grossen Dom, dessen Gevvolbe auf kolos- salen Pfeilern ruht. Die Grotte hat drei Abtheilungen; diejenige nach rechts ist langer und gangbar und fiihrt ziim Wasserbecken, in -vvelchem sich die Grottenolme befinden. Links kommt man auch iiber einen steilen Abhang, Schutt und Felsblocke zu einem W asserbecken, — 58 — der mit dem friiher ervvahnten in Verbindung steh; Der dritte Gang ist mit dieser letzteren Abtheilung in Ver¬ bindung. Im grossen Dome erblickt man kolossale und viel- zahlige Tropfsteinbildungen, deren Spitzen aber gev 'ihn- lich abgebrochen sind. Da hier mit Fackeln geleuchtet wird, sind die Raume sehon ziemlich angeraucht. In dieser Grotte ist es etwas kiihler, als in der Adelsberger Grotte. Sie wird gewohnlich nui' wegen der Grottenolme besucht. Diese Thierchen besohrieb der Naturforseher Dr. Pokornj am besten. Seine Beschreibunglautet, wie folgt: „Der Grottenolm (Proteus anguineus) ist flngerdick. Der langgestreekte, walzenf6rmige Korper hat einen keilfor- migen, zum \Viihlen im Schlamme geeigneten Kopf und endigt in einen plattgedriickten Ruderschvariz. Das Thier ist fleisohfarben und von einer zarten Haut bedeckt. Die punktfdrmigen Augen liegen unter der Haut, und am Halse stehen beiderseits drei Kiemenbiischel, welche neben den Lungen zum Athmen dienen. Von den kleinen halbverkiimmerten Piissen, welche weit von einander abstehen, besitzen die vorderen fiinf, die hinteren nur zwei freie Zehen. Dieses merkwiirdige Thier lebt in den unter- irdischen Gewassern von Krain und Dalmatien, vorziiglich in der Magdalenen - Grotte in der Nahe von Adelsberg. Es ist gegen Sonnenlicht sehr empflndlich, lasst sieb aber trotzdem in Gefassen jahrelang durch frisches Wassei' ohne sichtbare Nahrung erhalten. Es wurde erst in neuerer Zeit bekannt*) und erregte durch seine eigen- thiimliehe Gestalt und Lebensweise allgemeines Aufseben. Da es zeitlebens Klemen behalt, hielt man es anfanglich fiir die Larve eines anderen Thieres." *) Merkwiirdig; dieses Thierchen beschreibt ja sehon Schonleben (Beschreibung des Zirknitzer-Sees) und Valvasor erzahit uns, dass einst 2. Die Grotte bei Gross-Otok.*) E ine der grossten Sehenswiirdigkeiten in der Umgebung von Adelsberg bildet nebst der weltberiihmten Adels- berger Grotte die von dieser nur 1150 m entfernte Tropf- steinhohle von Gross-Otok. Verfolgt man den Weg, der an dej'- Adelsberger Grotte vorbei nach Gross-Otok fiihrt, so kann man v or allem ein merkwiirdiges Naturschauspiel beobachten, namlick das Hineinstiirzen der Poikgewasser in die Adelsberger Grotte. Der Fluss duroh einen engen Felsspalt gestant, verschtvindet hier mit machtigem Rausohen in die Berg- flnsternis. Knapp vor dem freundlichen Dorfe Gross-Otok biegt von der Strasse ein Feldweg rechts ab, auf welchem man nach circa 15 Minuten den Grotteneingang erreicht. Die Offnungsspalte ist zugemauert und durch eine eiserne Thiire verwahrt. Wer wiirde beim Anblieke der sterilen nachsten Umgebung ahnen, welehe Herrlichkeiten sich bald dem erstaunten Beobachter darbieten werden. Bevor wir jedoch die Raumlichkeiten der Hohle skizziren, wollen wir in Kiirze ihre Entdeckungsgeschichte mittheilen. nach starkem Regen am Ursprunge des Bela-Baches (eine Stunde von Oberiaibach) ein paar junge »Lindwurmer« gefunden wurden, die Val¬ vasor, der sie zu sehen bekam, fiir eidechsenartige Thiere erklarte. (Dr. A. Schmidi, Die Grotten und Hohlen von Adelsberg, Seite 242 und 243.) Es waren aber Grottenolme. *) Vergleiche: Die Tropfsteinhohle bei Gross-Otok von Dr. Emi! Bock in Laibach. Mittheilungen des Deutschen und Osterreichischen Alpenvereines. Wien 1890, Nr. 14, Seite 180—183. 60 — Bereits vor dem Jahre 1850 versuchte der Adelsberger Grottenfiihrer Cič und spiiter im genannten Jahre der Hohlenforscher Dr. Schmidi vom „Grossen Dome* aus mittelst Kahn auf der Poik vorzudringen, doch mit nega¬ tiven Resultaten, da damals die Fahrt wegen einer un- durohdringbaren Barre nach circa 580 zuriickgelegten Metern eingestellt werden musste. Die Grotte bei Gross-Otok wurde im J. 1888 entdeckt, die Erschliessung derselben erfolgte aber erst am 18. August 1889. Die Adelsberger Hohlentouristen wollten beweisen, dass die Adelsberger Grotte mit der Gross-Otokerhohle zu- sammenhange. Und so unternahmen drei derselben mit zwei muthigen Hohlenfiihrern am 10. April 1890 von dem grossen Dome aus eine Kahnfakrt auf der Poik. Nachdem sie sechs Stunden theils gefahren, theils gegangen, ge- langten sie in einen gewaltigen Raum. Nach Ersteigung hoherer Stellen bemerkten sie eine mit Eisengitter ver- sehene Stutzmauer. Somit war es erwiesen, dass sie sich thatsachlich in der Gross-Otokergrotte u. z. bei dem so- genannten „Belvedere“ befanden. Die von diesen Hohlen¬ touristen zuriickgelegte Strecke betragt an 1 U Kilometer. Kehren wir zur eigentlichen Beschreibung zuriick. Beim Betreten der Hohle ziindete unser freundlicher Begleiter, der damalige Biirgermeister von Gross-Otok (im J. 1892), nebst anderen Fiihrern mehrere Kerzen, die an langen Stockleuchtern befestigt waren, an, und wir gelangten durch einen schmalen Gang in eine an 200 m lange Halle, an deren ostlichem Ende in einem tiefen Abgrunde die Poik voriiberbraust. Diesel’ Schlund sowie auch mehrere andere gefahrliche Stellen sind durch eiserne Gelander vervvalirt. Vergeblich ware es, zu versuchen auch nur annaherungsweise die prachtschillernden, in jungfrau- licher Weise erglanzenden Hallen, Gange und Dome 61 Der Vorhang. — G2 naturgetreu beschreiben zu wollen. Schon beim Eingange bemerkten wir zahlreiche weisse und braune Zaprnn, Vorhange und Leinwandfetzen ahnliohe G-ebilde, die oft mit glanzenden Kiystallen iibersiiet sind. Einige diesei' wunderbar drappierten, durchsicbtigen Vorhange sind blau, braun oder rostroth eingesaumt. An die Vorhalle reihen sich mehrere kleine Kammern mit braunen Stalagmiten und Stalaktiten; an einer Wand hangen coulissenartig machtige, diinne, weisse Vorhange. von der Deeke bis zum Boden. In den folgenden Raum- liehkeiten sind noch dickere Stalagmiten und Stalaktiten vorhanden, die in hellglanzender Farbe funkeln. Aus dem Boden aber erheben sich niedrige, diinne, weisse Wande, welche mehrfach gerandert, kleine Wasserbecken umschliessen, aus denen exotisehen Pflanzen ahnliche Tropfsteingebilde emporragen. In demkiystallhellen AVasser bemerkten wir mehrere Grottenolme. Nun folgt ein enger Gang, den uns in einen an 20 m langen, etwa ebenso breiten und an 10 m hohen Dom fiihrt. An seiner linken Wand beflndet sich der soge- nannte Wasserfall, der schneeweiss in G Katarakten dem Boden zustrebt. Die Dečke wird nun bedeutend niedriger und die Wassertropfen fallen ziemlich dicht herab, Des- halb wurde dieser Grottentheil „Regenkammer“ genannt; an ihrer rechten Seite gahnt ein einige 10 m tiefer Abgrund. Weiters folgt ein ganz enger gemeisselter Gang, aus dem man iiber einige Stufen in eine kleine Kammer mit dem sogenannten Heuschober gelangt, Die folgende Halle ist mit Zapfen, Saulen, Vorhangen und sageartigen Gebilden . iiberroich und dicht besetzt, Der nachste Raum wird wegenvieler, vorhangeahnlicher, herabhangender Gebilde „\Vaschkammer“ genannt. In der nachsten gleichfalls glanzend weissen Kammer mit mehreren Vorhangen und — 63 — Stalsktiten steht in der Mitte ein kleines Wasserbecken, „Aqaarium“ geheissen. Auoh hier bemerkten wir zahl- reiche Olme. Nun folgt ein etwas niedriger Gang, der sich aber bald in jeder Richtung hin ausweitet. Die Tempe¬ ratur ist etwas warmer, der Boden aber fast ganz trocken. Auf der linken Seite offnet sich eine domartig grosse Halle von beilaufig 80 m Durehmesser und ungemein hoch. Hier \varen zu erwahnen der „Altar“, die „Statue“ und der „Hundskopf“. Am nordlichen Ende ragt eine in- krustierte Tibia eines iHohlenbaren weiss ivie Elfenbein aus dem Gestein heraus. Ubrigens findet man in der ganzen Hohle viele Thierknochen, theils ganz, theils zur Hiilfte versteinert. Nach dem Dome kommt man naoh ziemlicher Steigung an 3 Dolinen von liber 40 m Tiefe voriiber. Hier var das Ende der damals (1892) zugiinglichen Grotte erreioht. In dem tiefen Abgrunde rechts hort man die Poik weiterrauschen. Auf dem gleichen Wege ge- langten \vir "ivieder ins Freie. Fiir die Begehung der Grotte, die an 2 1 /, Kilometer lang sein diirfte, benothigten wir eine Stunde. Fiir die Gangbarmachung dieses Hohlencomplexes hat sich nebst den Ortsinsassen von Gross-Otok in ganz beson- derer Weise der Grottencassier, Herr Franz Jurca aus Adelsberg verdient gemacht, dessen Eigenthum die Grotte derzeit ist. 3. Das Rakbachthal und der Zirknitzer-St e. (Von S. Rutar.) M an \viirde kaum glauben, dass in Krainnocb heutzuiage, bei so hochentwickeltem Reise- und Touristensinn, sioh nooli wunderbar sohone und iiberraschend grossariige Gegenden befinden, von denen die Mehrzakl der Gebil- deten noch keine Kenntnis hat. Wohl ist das schone Oberkrain mit der Savica, Veldes, Vintgar, Pericnik, Teufelsbriicke, Naturbriicke nachst dem Feistritzursprunge breiteren Kreisen bekannt, jedocb sehr tvenig oder doch ungeniigend kennt man die Karstwunder von Innerkrain, obzwar aucb diese Gegenden gleicbgute .Eisenbahnver- bindungen besitzen, wie Oberkrain. Diesen wenig be- kannten und schwach besuchten Gegengen ware in erster Linie das Rakbachtbal und die dortigen zwei Naturbriicken bei Rakek beizuzahlen. Selbst dem beriihmtesten Laibacher Touristen war, als er den Triglav bereits 25mal erstiegen hatte, das Rakbachthal noch unbekannt. Doch kein Wunder, wenn man bedenkt, dass selbst der beriikmte Forscher derjKarsthohlen, Dr. Adolf Schmidi, als er im J. 1850 das Rakthal und die St. Kanzianer Naturbriicke bei Maunitz besuchte, von den Einstiirzen beim Ursprunge des Rakbaches und von der zweiten Naturbriicke nichts gehort hat. Kein einziger der alteren Schilderer der Karst- hohlen, Valvasor und Nagi nicht ausgenommen, ervvahnt diese Einsturze und die „zweite“ Naturbriicke. Erst als im J. 1853 -vvahrend des Eisenbaknbaues Dr. Schmidi zum zweitenmale in der Nahe weilte, erfuhr er in Maunitz von den Eisenbahningenieuren von der Existenz derselben. 5 Eingang in die neue Grotte. 1 — 66 — Er gieng sie sogleich besichtigen und konnte das R( s iltat noch im Nachhange zu seinem Werke „Die Grotten and Hohlen von Adelsberg, Luegg, Planina und Laas“ depo- nieren (Seite 807). Seit jener Zeit kennt wokl die gelehrte Welt, sowie die nachsten Eingeborenen diese zweite Brucke, trotzdem blieb aber diese Perle des Krainerlandes dem reisenden Publikum unbekannt. In der Hoffnung, dem reisenden Publikum zu dienen, beschreibe ich des Folgenden etwas genauer das Rak- bachtkal nebst den dortigen unterirdischen “VVundern und trage hiemit vielleicht etwas bei, dass die Touristen des oftern jene schreckliche Einsamkeit bei Rakek aufsuchen werden. Von der Eisenbahnstation Rakek fiihrt der Weg ca 2100 Schritt geradeaus gegen Siiden bis ziim ersten Wachterhause ausser der Station; dasselbe belindet sich auf dem Punkte, wo die Eisenbahnlinie in die ent- gegengesetzte Richtung umbiegt. Von dort geht man einige 600 Schritt auf dem Fahrwege gegen Seliče, bis man zu einem Walddurchschlage, der sich durch die AValder des Fiirsten Windisehgratz gegen Siidwesten hinzieht, gelangt. Diesen Durchschlag verfolgt man ca 680 Schritt bis zu jener Waldstelle, woselbst der Fahrweg nach- rechts (gegen Westen) abzweigt und wo auf der Specialkarte die Seehohe mit 506 m angegeben erscheint. Nach einigen weiteren Schritten gelangen wir zu einem runden kleinen Plateau, woselbst sich die mehrerwahnten Einstiirze und die „zweite Brucke “ mit der pittoresken Scenerie befinden. Von diesen Einstiirzen zahlte \V. Putick, Eorstinspec- tionscommissar und der beste Kenner der Karsthohlen. — 67 — sechs, die Specialkarte hat nur vier verzeichnet. Derselbe, zu dem wir zuerst gelangen, ist der interessanteste. Von seinem Nordrande aus kann man am besten den Ausblick auf die „z\veite Bi'iicke“ geniessen. Dies ist ein gracilor Naturbogen, der noch iiber dem naohbarlichen Einsturz hangen blieb, alles iibrige ist sckon vor Jahrhunderten eingesunken. Die Brucke ist einige 30 m lang und fast durchwegs an 4 m breit, mit unebener, felsiger Oberflache, auf der sich nur sparlicher Bauimvuchs zeigt. Der iiber ihn fiihrende Weg ist ungefahrlich, dooh ist einem nicht Schwindelfreien dessen Betreton unrathsam. Unter dera steinernen Gewolbe sieht man sehr wohl, wie,der Rak- bach durch den obersten Einsturz fliesst, dann, wie er sieh weiters unter der Brucke am Fusse des Felsens, auf welchem man diese Scenerie beobachtet, verliert. Wer aber alles dies genauer beobachten will, wolle ein wenig bis zum ruppigen Wege, welcher von dem friiher erwahnten Plateau zum ersten Einsturz bergab fiihrt, zuriickgehen. Einige 35 m unter dem kleinen Plateau gelangt man zum Wasser, das sich gegen Osten hin windet und in einen dunklen Tunnel verliert. Hochoben rechts sieht man einen fensterahnlichen Durchschlag, durch welchen die Sonnenstrahlen hinab in den fiirchterlichen Abgrund fallen. Insoferne der Beschreibung Dr. Schmidls Glauben beigemessen werden kann, (Seite 308), stand dort unten seinerzeit eine Brettersage, zu -vvelcher man sehr miihsam die Holzklotze hinabliess und von welcher man noch schwieriger die Bretter emporschaffte, weiters dass man, um die primitive Sage vor Unfallen bei tiber- schvvemmungen zu beschiitzen, dieselbe mit einem ab- nehmbaren Dache versehen habe. Heutzutage ist von der besagten Sage keine Špur mehr vorhanden: alles bat das Hochwasser zerstort und davon geschwemmt. 5 * — 68 - Von diesem ersten Einsturz aus gelangen wir auf der Westseite durch einen niederen Tunnel in den zveiten, kleineren Einsturz, der auf der Ostseite eine ziemlich geneigte Boschung zeigt, so dass man sich vvohl getrauea diirfte auf derselben hinaus zu klettern. In diesem zweiten Einsturz gelangt man iiber einen Steg von der West- auf die Ostseite des Bacbes und geht sodann ganz leicbt bis zum nachsten Tunnel. Kaum sind wir durch denselbeu hindurob gekrocben, gelangen wir in den dritten, den grossten Einsturz, welcben in einem kiihnen Bogen die „zweite Brucke" iiberspannt. Dieser Einsturz ist 76 m Jang, 23 m breit und 42 m tief. Wllhelm Putick be- hauptet, dass der Abgrund unter der „zweiten Brucke” 55 m tief sei. (Adelsberg, seine Grotte und Umgebung, 1892, Seite 56.) Der Ausblick aus diesem Abgrunde auf jene Brucke hinauf ist ungemein romantiscb und mit keinem anderen vergleichbar. Diese Brucke bat den Dr. Scbmidl derart bezaubert, dass er von ihrw6rtlicb so schrieb: „Dievielge- riihmte erste Felsenbriicke von St. Kanzian halt bffenbar keinen Vergleich mit dieser zweiten aus. Jene ist weniger eine Briicke als ein kolossaler Tunnel; es ist ein Berg, der dort durchbrochen ist, eine massive Bergmasse ist es, liber welcke man binwegschreitet, ohne auch nur eine Ahnung davon zu haben, dass es eine Brucke ist, welche man betritt, dass unter den Piissen ein Bach hindurch rauscht. Diese zweite Brucke aber ist eine Brucke im wahren Sinne des Wortes, ein einziger Bogen, kiibn, wie nur die Natur ibn baut, und dabei in seinen Dimensionen so swelt, ja zierlich mocbte man sagen, dass wohl mancher Fuss ibn nur zogernd betreten wird, ob der leicbte Bogen iiber dem furchtbaren Abgrund nicbt zusammenbrecken werde!?“ 69 Dnrehgang in der neuen Grotte. — 70 — Der grossere Theil des Einsturzes ist auf der anderen Briickenseite. Hier bemerkt man knapp bei dem Wasser links den Eingang zu einer Seitenhohle. Kurz darauf kommen \vir zu einem Stege, der uns iiber das schau- mende Ge\vasser auf das AVestufer des Rakbaehes bringt. Hier gahnen vor uns zwei Hohlen: aus der rechten stromt Wasser, ein Abfluss des Zirknitzer-Sees, die linke ist aber mit einem holzernen Thor verwahrt. Die rechte wird die „Tropfsteingrotte des Prinzen Hugo“ genannt; dieselbe kann bis auf 1000 m weit gegen den Zirknitzer-See Mn, jedoch nur auf Kahnen, besichtigt werden. Die zweite, viel interessantere „Prinzessin Chri- stiana-Grotte" besitzt so schone Tropfsteinbildungen, dass sie der Besitzer Fiirst Windischgratz zwecks Verhiitung vor barbariseher Beschadigung der wunderbaren, schnee- weissen Tropfsteingebilde sperren musste. Aus der erwahnten Grotte miissen wir auf das Pla- teau iiber den Einstiirzen zuriickkehren. Ein kiihner Berg- steiger konnte aber nooh zum letzten Ursprunge des Rakbaehes der hier erwahnten Einstiirze, bis zu einem gewaltigen Felsen sieh begeben. Am Fusse desselben kommt der Bach aus einer engen Spalte hervor. Der Fels ist derartig zerkliiftet, dass man auf demselben auch Noth- wege angelegt h at. Links und rechts gelangt durch Durehschlage Lioht und Luft in die Schlucht. Durch diese Schlucht zu den Einstiirzen vorzudringen ist aber unmoglich, da der ganze unterirdische Gang mit Wasser vollgefiillt ist. Vor dieser Hohle stand vor Zeiten die Sage von Seliče, mit einer machtigen Wehre bis zum Hohleneingang versehen. Die grosse Ubersclrvvemmung im Winter 1852 und im Friihjahre 1853 hat aber diese Sage zerstort und ihr Dach sogar eine Viertelstunde weit thalwai'ts auf einer Thalwiese abgesetzt. — 71 — Recht interessant ist die Strasse von Planina oder Aclelsberg’ in das Rakbachthal, und zwar fiihrt die von Oberplanina an der romantischen Ruine von Klein- hausel, jene von Unterplanina ara Schlosse Haasberg voriiber gegen Siidosten zum Ziele. Auf diesei' schonen, durchivegs waldschattigen Strasse gelangt man zu Fusse in einer halben Stunde zur Velika Koliševka, einem kolossalen ca 90 m tiefen Karsteinsturz. Von hier bis zur Bahnstrecke beim km 488’8 sind einige 15 bis 20 Minuten und endlich bis zur unteren Brucke im Rakbachthale eine halbe Stunde zu gehen. Von dem Strassenknie der Pla- ninastrasse zweigt der kiirzeste Weg nach Rakek ab; dieser ist jedoch auf der jetzigen Specialkarte nicht ver- : zeichnet. Dieser etwas weniger als 3 km lange Fahrweg ist recht angenehm, da er bis zur Balin im "VValdschatten fiihrt. Die erste St. Kanzianerbriicke ist eine gigantische Felsenwolbung, mit dem Lichtendurchmesser von 19 m Hbhe und 48 m Lange. Die darauf lastende Felsenmasse ist noch weitere 23 m miichtig, so dass sich der ganze Felsbau an 42 m iibcr die Thalsohle erhebt. Oben zeigt diese Steinbriicke eine Breite von 52 m. Auf derselben ist z\vischen hohen Baumen die Strasse so schon angelegt, dass wir anfangs gar nicht inne\verden, auf einer ge- waltigen, von der Natur erbauten Brucke zu fahren. Diese Brucke findet in der ganzen Monarchie kein Gegen- stiick; wohl ist das Prebischthor in Nord-Bohmen um 2 m hoher, daftir aber um die Halfte kiirzer; die Veja- briicke bei Verona ist aber 50 m lang, aber kein Ge- wolbe, und ahnelt einer auf zwei Pfeilern aufliegenden F elsplatte. Von dieser Briicke aus bemerken wir zwischen dem Gebiische die Ruine der St. Kanziankapelle. Als J. N. - 72 - Nagel iiber Auftrag des Kaisers Franz I. im J. 1748 ,,die Naturmerkiviirdigkeiten von Krain“ untersuchte,*) strmd neben der Kapelle St. Kanzians nocb eine kleinere des hi. Benedict, beide von einer Ringmaner umgeben, ausser ivelcher das Messnerhaus stand. Einige Schritte hinter der Ruine hat man eine prachtige Aussicht auf das in der Tiefe fliessende Wasser soivie auf die Hohle, in der es schliesslich yerschwindet. Der Rakbacb fliesst namlich durch den Tunnel unter der Felsenbriicke in eine 16 m Jange Klanim oder eigentlich einen Karsteinsturz. Ein Theil des Wassers verliert sich aber sehon im Rakbachthale niiohst dem rechten Briicken- pfeiler in die Sanglocher, im heissen Sommer verliert sich allda sogar das ganze Wasser, so dass man trockenen Fusses unter der Briicke hindurch kann. Durch den Ein- sturz bildet der Bach bei Regenszeiten fast einen Wasser- fall, gerade so ivie bei St. Kanzian nachst Divača. Senk- reclite Felsen begrenzen die Klamm, hoc.h oben sieht man ein Stiickchen blauen Himmels, vor uns gahnt aber der Rachen einer geraumigen Hohle, in die sich der Rakbach verliert. In diese Hohle kann man noch ca. 250 m vor- dringen, doch flndet man darin nichts Interessantes, nur auf der Jinken Seite sieht man durch die Dečke eine fensterahnliche Offnung, von der ein langer Schuttkegel herabreicht. Auf diesem fiihrt ein sehr steiler, scliliipf- riger 'VVeg hinauf zur Briickenhoke. Ehemals \varen dort- selbst einige nothdiirftige Holzstufen, die aber sehon langst verfault sind; diesen Weg kann man somit niemand an- empfehlen. *) Das beziigliche Werk »Beschreibung deren auf Allerhochsten Befehl Ihrr Rom. Kayl. und Konigl. Maytt. Francisci I. untersuchten, in dem Hertzogthum Crain befindlichen Seltenheiten der Natur« wurde nicht in Druck gelegt; es befindet sich als Munuscript in der k. k. Hof- bibliothek. Kleinheoisel - Ruine. * Die Gross-Otokergrotte. - 74 — Von der ersten Briicke bis zu der Anhohe bei den Einstiirzen nachst der zweiten Briicke ist der ^Veg bis 2 Kilometer lang; derselbe ist anfangs fast eben, steigt aber nacb und nach bis zur Anhohe an, doch ist er durchgehends angenehm, da man abwechselnd iiber saftig- griine "VViesen und durch schattige "VValder \vandelt, bis man iiber den obenbeschriebenen Einstiirzen halt macht. Wer nun von da durch den Windischgratz’schen Waid- durchschlag nach Rakek nicht zuriickkehren will, kann den Fahrweg gegen Osten hin weiter verfolgen und erreicht auf diesem Seliče und sodann in einer guten Stunde Fusstveges Zirknitz. Dieser Marktflecken zahlt an 1600 Eimvohner und ist der Sitz eines Bezirksgerichtes, Steueramtes und Deca- nates. Die uralte Kirche (die erste wurde bereits im IX. Jahrhunderte erbaut) gab dem Orte und dem ganzon Kesselthale den Namen. Urspriinglich den Patriarchen von Aquileia unterthan, wurde sie im J. 1361 den Feistritzer Karthusianern zur Administration iiberwiesen. Wie die lateinische Inschrift an der Kirehenecke bei der Seiten- thiir bezeugt, kamen die Tiirken im J. 1472 zum ersten- male nach Zirknitz und brannten den Ort sammt der Kirche nieder. Solche Angriffe wiederholten sich auch in den Jahren 1476, 1480 und 1491, weshalb die Zirknitzer um die Kirche eine befestigte Ringmauer (Tabor) erbauten; von dieser stehen noch heutzutage 2 Thiirme. In einem beflndet sich eine kleine, 100 kg schwere, angeblich von den Tiirken erbeutete Kanone. In der Regel mussten sich die Zirknitzer zur Zeit der Ttirkeneinfalle auf dem Silen- tabor ob Sagor versammeln, bis sie im J. 1582 vom Erz- herzog Karl von dieser Pflicht enthoben vrarden. Von Zirknitz aus geht auch die Wasserleitung fast neben der Strasse nach Rakek. Ungefahr in der Mitte zwischen d er jetzigen und der alten Strasse (z-vvischen Skrajnik und Kapelica) liegt in einem kleinen, freundlichen Thal der Ort Thurnlak (Loško). Hier stand auf einer Anhohe das zweistockige Schlosslein der Feistritzer M5nche, umgeben von einem befestigten Hofe. Ausserhalb desselben befanden sich der Kornspeicher und die Stallungen. Ringsherum erstreckten sich die Baum- garten und die Klostenviesen. Gegen Norden stand die Ka- pelle des hi. Leonhard, von deren, so\vie von des Schlosses Vorhandensein mir noch eine kleine Ruine zeugt. Auch von den 'Virtschaftsgebauden sind nur noch wenige Uber- reste vorhanden. Vom Scklosse fiihrte in den Markt der sogenannte „Pralatenweg.“ Siidlich von Thurnlak, knapp am See, erhebt sich neben Dolenja vas der Felsenhiigel Tržišče, auf dessen Anhohen noch die W ali e einer vorhistorischen Ansiedlung bemerkbar sind; die beziigliche Graberstatte befindet sich auf dem Bergabhange gegen die Seeseite. Bei den Aus- grabungen Ende 1877 fand man hier meistens in Fels- spalten an 60 Urnen aus sandigem Thon, mit rohen Deckeln versehen. In jeder \varen verbrannte Knochen, ein oder z\vei Kelche oder Schalen nebst 2 oder 3 Bronce- gegenstanden (gewohnlich Fibeln) aus der Hallstadter Periode, aber doch einer ungewohnlichen Form. Auch fand man mehrere Silbermiinzen und Thonuntersatze fiir spitze Gefiisse. (Deschman, Heidnische Urnengrabstatte bei Zirknitz, „Mitth. d. anthropol. Ges. in Wien“, Band Vlil, 5 und 6.) Eine zweite befestigte, prahistorische Ansiedlung befand sich auf dem Hiigel 859 m ostlich von Zirknitz gegen Slivnica. Auch hier fand man rohe Scherben, \Vetzsteine, Spindeln etc. Von Slivnica erzahlt sich das Landvolk viele Schreckenssagen. Beim Unwetter verhulle — 76 — sich der ganze Berg in einen dichten Nebel und aus einer tiefen Hohle an seinem Gipfel komme der Hagel heraus. Deswegen gieng das Volk noch vor 200 Jahren am Pfingst- montag in einer grossen Procession unter Anfiihrung der Geistlichkeit nach Slivnica den Hagel „bannen“, denn sie glaubten, die besagte Hohle sei die Hagelrverkstatte der Hexen. Bestimmt ist es, dass man auch in Zirknitz die Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrannte, zuletzt noch im J. 1670. (Vergleiche J. Žirovnik, Cerkniško jezero str. 12-13, 28.) Aus Zirknitz fiihrt die Strasse gegen Siidosten durch Grahovo und an der Ruine des Schlosses Stegberg voriiber auf den Kreuzberg (857 m), dessen Gipfel eine beriihmte Wallfahrtskirche kront; einst befand sich hier gleichfalls eine prahistorische Ansiedlung. Auf der Nordostseite des genannten Berges ware die Kreuzberghohle zu erwahnen. Diese ist von Laas circa eine halbe Stunde entfernt und ist wegen ihrer Grosse (die Lange der \Vege im Inneren betragt 1650 m) sowie der niederen Temperatur halber erwahnenswert. An ihrem entferntesten’Ende befindet sich ein 120 m langer und 20 m breiter See, dessen Ablluss einen starken, gegen den Hohleneingang fliessenden Bach bildet, der sich sodann unter der Erde verliert. In dieser Hohle wurden machtige Knochenschichten des Hohlen- haren (tiber 2000 Knochen) und anderer vorsintflutlicher Thiere angetroffen. Die Skelette wurden von verschiedenen Museen, vor allen von jenem in Laibach und in Wien erworben. Gewiss bewohnten diese Hohle gemeinsam mit errvahnten Thieren auch die Troglodyten. (Sitzungsberichte der k. Akademie, Math. nat. Cl. 1879, S. 16.) Es ist hochst rvahrscheinlich, dass der Stegbergbach aus der Kreuzberghohle hervorkommt. Dessen Ursprung befindet sich unterhalb der Ruinen des alten und neuen, im Mittelalter beruhmten Stegbergschlosses. Seine Besitzer, beriichtigte Wegelagerer, belastigten vor allem die Triester- und andere Handelsleute, die ihre Waren liber Javornik (Stare ognice, Parje, Košana) verfrachteten. Die Stegberger vvurden im J. 1335 sogar mit Adelsberg und 1342 mit der Markgrafschaft Istrien belehnt. Der Letzte dieses Stammes, ein Zeitgenosse von Erasmus Luegger, starb im J. 1482 unter seinem Dachfirst. Nach den Stegbergern gelangte dieses Schloss sammt Adelsberg in den Besitz der Fran- gipan, spater Jurišič und vom J. 1630 an den Fursten von Eggenberg. Vom freundlichen Markte Zirknitz gelangt man durch das Dorf Dolenje jezero in drei Viertelstunden an das Seegestade. Die Seeoberflache betragt bei Hochvvasser 26 km i ; die grosste Seetiefe 6 m. Steinberg meint (Griind- liehe Nachrichten S. 151), der See sei einst nicbt so gross gevvesen und sei rascher abgeflossen. In den Jahren 1707—1714 floss er nur einmal ganz ab, in dem J. 1896 aber gar nicht, vveshalb die Naclibargemeinden an 200.000 K Schaden erlitten. Der See ist somit intermittierend oder periodisch. Im Friihjahre hat er in der Regel nur vvenig Wasser, das nach und nach in die unterirdischen Hohlen verschwindet, um sich erst nach ergiebigerem Herbstregen wieder zu fiillen und die alte Ausdehnung einzunehmen, was gevvohnlich nach einigen 14 Tagen, bei aussergevvohn- lichen Regengiissen aber sogar nach 3 Tagen erfolgt. Obzwar die im Seebereiche stehenden Dorfer auf kleinen Anhohen erbaut sind, so kommt es beim starken Anschwellen des Sees vor, dass das Wasser die Hiiuser in den Niederungen erreicht und in einigen Weilern zum Theile oder gar bis zum Dachfirst iiberfluthet. Bei solchen Gelegenheiten sind die Einwohner in grosser Gefahr und miissen viel Schrečken und Furcht ausstehen. Das ganze Thal gleicht — 78 — einem grossen See, und die Communication ist nur mf Kahn en moglich. Bei lange andauernden Ubersch\vemmungen erleiden auch die Culturen, vor alleni die Wintersaat einen viel- faehen Schaden, auch wird der Diinger fortgeschwemmt und die Wiesen versandet. Ungewohnlich hoch war der Seespiegel im J. 1802. Damals stand ganz Kozarišče und ein Theil des Igdorfes unter Wasser, das sogar bis Pod- gora und Stari trg ostlich von Zirknitz reichte. Die natiiriiche Beschaffenheit dieses Sees hat auch verschiedene Ausniitzungsarten seines Bodens zurFolge; so iwird des Sommers Ackerbau, im Herbste Jagd auf Wasservogel, vor allem auf Wildenten und im Winter, nach erfolgtem Austreten des Wassers, Fischerei betrieben. Unmittelbar nach dem Abfliessen des Sees namlich ver- schwinden auch samtliche Siimpfe und der Boden -wird bald fest und trocken. Nun beginnt ein lebhaftes Treiben auf der bisherigen Seoflache, das sich auf die Zeit zwischen den zwei „Frauentagen“, ofters auch etwas langer erstreckt. Ein jeglicher beeilt sich, wenigstens das Heu heim- zubringen, denn, falls das Wasser rasch hervorbricht, versandet es das Heu, welches alsdann kaum zu etwas anderem denn zur Streu verwendet \verden kann. Der Seegrund bleibt gewohnlich bis Ende September trocken. Zur Herbstregenszeit beginnt aber das Wasser rasch zu steigen und zwar nicht allein infolge der in den See von allen Seiten miindenden Tagwasser, sondern es stromt auch aus allen unterirdischen Reservoirs mit Macht empor. Ein donnerndes Tosen kiindet den Zufluss der unterirdischen Gewasser an. Aus den Sauglochern Bobna¬ rica, Suhodolica und Vranja jama stromen enorme ^Vasser- massen empor, desgleichen aus den kleineren Lochern von Obrh bis Zadnji kraj. Dieses Gewasser fiillt in Balde — SO¬ den hinteren Seetheil an, woher es dann bei Vrata in den grosseren Theil so ahnlich abfliesst, \vie die Meeres-'- stromung bei Bosporas aus dem Schwarzen- in das Mar- mara-Meer. Jetzt tritt es deutlich zu Tage, dass alle Abfluss-: ’ resp. Sauglocher, sei es dass sie zu klein oder zum Theil versandet sind, nicht hinreiehen. Erst wenn der Seespiegol jene Hohe erreicht, in der die hoher gelegenen groš,sen Sauglocher liegen, vor allem die Velika und Mala Karlo- vica, fiingt das Wasser zu sinken an. Die beiden Saug- locher liegen knapp unter Dolenja vas. Die Offnung des ersteren liegt 2'2 m , jene des zweiten 1’3 m iiber dem Seeboden, weshalb sie erst, wenn der See die grdsste Hohe erreicht hat, in Wirkung zu treten vermogen. Insbesondere nimmt die Velika Karlovica mit ihrer 4 m breiten und 12 m langen Miindung ungeheuere Massermassen auf, dafiir hort aber auch wegen der grosseren Hohe das Wasserziehen friiher auf als bei der niedrigeren, viel kleineren Mala Karlovica, die viel langer zieht, und oft verschwinden in dieselbe Kahne, Wagen ja sogar Hausthiere. Die beiden Karlovica communicieren unterirdisch und sind ausgezeichnete Sauglocher, nur \vird der Wasser- abfluss durch ganze Haufen Holz, Sagespane, Binsen untl anderes angeschwemmte Material behindert. Ober der Mala Karlovica stand einst das Schloss Karlovec, von dem aber nur noch sparliche Mauerresfe vorhanden sind. (Sage: Die slovenische Hero und Leander.) IVahrend der Uberschwemmung ware es hochst ge- fahrlich sich mit dem Kahne einer der Karlovica zu nahern, bei Trockenen kann man aber mit einem Lichte weit in dieselben vordringen. Zuerst wurde die Velika Karlovica um das J. 1850 von dem Besitzer Gregor Kebe aus Dolenje - 81 — jezero, und spater im J. 1887 vom bekannten Karsthohlen- forscher W. Putick untersucht. Der letztere fand in derselben 6 unterirdisehe Seen, doch sind nach seiner Meinung nocli mehrere vorhanden, bevor das Wasser im Rackbachthale, das nur 15 m tiefer lieg-t, zu Tage tritt. Zivischen den einzelnen Seen sind ofters Katarakte oder ganze Triimmerhaufen, die von der Hohlendecke herabgestiirzt sind und den AVasserabfluss hemmen. Stellemveisc reicht die Hohlendecke bis zur Wasserflache herab, so dass das Wasser nicht ablliessen kann, sondern sich anstaut und in solc.hen Behaltnissen sieh ansammelt. Wegen diesor Eigenthiimlichkeit der Ivarsthohlen ist os einleuchtend, vvarum zur Reg-enszeit auch den Sauglochern Wasser entstromt. Kleinere erwahnenswerte Sauglocher sind: Beček und Lovišča bei Otok, Kotel, Vranja jama, Bobnarica und Oeš- Ijenica im riickwartigon Theile am Bkisse des Javornik, Velika und Mala Ponikev, in welehe der Bach Stržen miindet und rasch abfliosst, weiters Retje und Vodonos bei Dolenje jezero und viele kleinere Hoklen in der Niihe der Mala Karlovica. Wenn der See zu sinken anfangt, verlieren sich in diese und noch einige unbedeutendere Locher sammtliche Zirknitzerbache, die recht gesclilangelt auf dem fast ebenen, nur unmerklich gegen Javornik hin geneigten Seeboden dahin schleicben. Zur Zeit der Diirre sind alle Sauglocher trocken, zur Regenszeit geben sie aber unter Brausen und Drohnen grossartigo Wassermengen aus sich. Die Suhodolica vvirft bei Regengiissen ein klares, frisc.hes Wasser mit sehr vielen Fischen aus. Sogar bei trockenem Wettor und wenn es nicht im Zirknitzer Thal- kossel regnet, fangt oft aus Bobnarica, Suhodolica und Vranja jama Wasser hervorzubrechen, ein Beweis, dass es irgendwo beim Schneeberg stark geregnet bat. 6 — 82 - Die Fischerei war seit jeher im Zirknitzer-See beriihmt. Sckon im J. 1319 verlieh der Patriarch Pagano das Fi- schereirecht dem Ulrich von Cividale. Kaiser Friedrich III. verlieh Jagdrechte den umiiegenden Herrschaften, so Adelsherg, Haasberg und Schneeberg, den nachsten.Klo- stern und sogar der Stadt Laaš. Im J. 1682 verkaufte der Fiirst Eggenberg als Eigenthiimei' der Herrschaft Adcls-. berg das Fischereirecht der Karthusianer-Abtei in Freu- denthal (Bistra) um 9000 fl. deutscher Wahrung. Infolge dessen durfte dieses Kloster auf dem ganzen See und seinen Zufliissen vor dem Wasserabfluss, veahrend des Abllusses und nach demseiben fischen, wahrend das Stift Sittich nebst den Herrschaften Auersperg und Laas erst nach dem Wasserabfluss fischen durften. Jedem anderen war das Fischen verboten, und \vurde dieses Vcrbot bei kirchlichen Festen alljahrlich zweimal kundgemacht. Die genaue Fischerei-Ordnung ist von Valvasor IV, 635 ver- zeichnet. Aus Zirknitz kann man liber Cista stran auf der kiir- zeren, alten Strasse zuriickkehren. Links bemerken wir das grosse Reservoir der Rakeker Wasserleitung. Hinter dem¬ seiben beginnt der Javornik-Wald, in dem sich das uns schon bekannte Rakbachthal befindet. Uber Rakek hinaus bemerken wir die Strasse, die sich liber Maunitz (Unec) gegen PJanina hin windet, sowie auch die Eisenbahn, die sich in einem grossen Bogen Adelsberg nahert. Den Hintergrund bildet der dichtbewachsene Birnbaumerwald mit dem felsigen Nanos. Auf den Hiigeln bei Čista stran fanden am 27. September 1813 zwischen den von Bloke und Zirknitz vordringenden Kroaten und den aus Unter- krain auf dem Riickzuge befindlichen Franzosen blutige Kampfe statt. Auf dem Srnjak bei Rakek nahmen circa 5000 Franzosen Stellung gegen die Osterreicher, doch — 83 - rrmssten sie sich mit grossen Verlusten, da ihnen die Kroaten nach Umgehung des Hiigels in den Riieken fielen, nach Adelsberg zuriickziehen. 4. Planina, Kleinhausel und Schloss Haasberg. U ngefahr 8 km nordlich von Adelsberg liegt an der Reichs- strasse nach Laibach der freundliche Ort Planina, der sich um den vorspringenden Klariča-Vrh herum iiber eine halbo Stunde liin erstreckt und aus Ober- und Unter- Planina besteht. Solange der Speditionshandel zwischen Laibach und Triest bliihte, \var der Ort sehr lebliaft. Durcb die Eroffnung der Eisenbahn iiber Rakek (1857) verlor Planina seinon friiheren Wohlstand. Schon im Mittelalter fiihrte durch den Ort die Haupt- handelsstrasse nach Triest, daher sich hier im 14. Jahr- hunderte das Zollamt befand. Planina heisst zu deutsch „Albon“. Valvasor erzahlt, dass noch im 15. Jahrhundert das adelige Geschlecht derer von Alben lebte; spater starb es aus. Unweit von Planina befindet sich die Ruine Klein¬ hausel. Zu Zeiten Valvasors war sie noch unter Dach, jedoch nicht mehr bewohnt. Besitzer dieses Schlosses waren die Herren von Neuhaus, die Ritter von Haller, Rauber, Eggenberge, Kobenzel, Coronini, jetzt aber ist die Ruine Eigenthum des Fiirsten Windischgratz. Es ist der Muhe wert, Kleinhausel zu besuchen und dies wegen der grossartigen Kleinhauselhohle, in vvelcher sich die Gewasser aus dem Zirknitzer - See mit der Poik vereinigen, um dann unter dem Namen Unz weiter zu fliessen. 6 * -84 Yon Unter-Planina fiihrt eine gute Fahrstrasse quer liber das Thal zum jenseitigen Abhange hiniiber, auf vsrelchem das neue Scbloss „Haasberg“ sich erhebt. Das alte Schloss stand beilaufig in der Mitte des Berges liinter dem neuen Schlosse; es wurde 1511 durob ein gevvaltiges Erdbeben zerstort.*) Einst war das Schloss Eigenthum der Haasberge, spater erhielt es Graf Mainhard von Ti rol in Pfand, der es 1305 den osterreichischon Herzogen ver- pifiindete, um mit den Venetianern Krieg fiihren zu konnen. Im Jahre 1366 iiberfielen es die Laibacher Burger fiir don Erzherzog Albrecht, os wurden aber viele dorselben er- sohlagen. Darauf waren Besitzer dieses Schlosses die Herren Gallenberge, Grafen von Cilli und die osterrei- chischen Herzoge. Das neue Schloss gehorte spater dem Baron Rauber, im 17. Jahrhunderte aber den Fursten von Eggenberg. Zu selbiger Zeit (1660) iibernachtete hier Kaiser Leopold, auf dem Wege nach Gorz begriffen. Im 18. Jahrhunderte vvaren seine Besitzer die Herren Kobenzl, im 19. Jahr¬ hunderte Coronini, bis heute aber die Fursten von Win- dischgratz. Das neue Schloss wurde durch den Grafen Ludvvig Josef Kobenzl (geboren am 21. November 1753) griindlich umgebaut. Dieser Diplomat stand in grossem Ansehen bei der russischen Kaiserin Katharina und beim Car Paul II. Dieser Graf war auch osterreichischer Minister fiir die inneren Angelegenheiten. Er unterzeichnete die Friedons- schliisse von Campoformio am 17. Oktober 1797 und von Lunoville am 9. Februar 1801. Am 24. December 1805 trat er von den Geschaften zuriick und starb zu Wien am 23. Februar 1809 kinderlos. Das Maj orat gieng auf : ) Klun f s Archiv 1. Seite 35. 85 - seinen Vctter ,Toh. Philipp iibor, mit welchem das Haus Kobenzl erlosch. — Im obgenannten Schlosse befindet sioh eine Gedcnktafel, vvelche zur Erinnerung des Be- suches Kaiser Leopolds eingemauert wurde. 5. Das Schloss Lueg. Z u den merkwurdigsten Sehenswiirdigkeiten der Karst- hohlon ziihlt das Schloss Lueg am siidostlichcn Ab- hange des Nanos. Die beinahe unersteiglicho Hohe und der natiirliche Schutz in der Grotte mitten in dichten Waldungen, bestimmte die Ritter von Lueg ihr Schloss im Zufluchtsorte der Eelsentauben aufzufiihren. Die Grotte, in welcher das Schloss steht, ist wie alle unterirdischen Karsthohlen sehr geraumig und erstreckt sich ziemlich weit in den Berg hinein. Einst war die Grotte durch einen unterirdischen Gang; dessen Miindung im Birn- baumer Walde lag, in Verbindung; da sich aber in dem- selben Leute von zweifelhafter Existenz aufhiolten und einmal sogar Riiuber aus dem Birnbaumer Walde durch denselben in das Schloss eindrangen, wurde derselbe ver- mauert. Unter dem Schlosse befindet sich eine zweite ge- raumige Grotte, in welche sich der Lokva-Bach ergiesst. Dieser Bach kommt dann im Wippachthale unter dem Namen AVippach zu Tage. Die ganze Schlossumgebung ist sehr wild. Hohe kahle Felswiinde und tiefe Abgriinde umgeben dieses Schloss, das an zwei Stunden von Adelsberg entfernt ist. 86 Das Sehloss Lueg. — .87 - Betrachtet man diesen Schlupfwinkel und seine Umgebung, so erinnert man sich umvillkiirlich an das Schicksal des letzten Sprossen seiner rauhen Eigenthiimer, des Erasmus Lueger. Dieser \var von wilder Natur, wie die Umgebung seiner Stammburg, in welcher er auf- wuchs. Erasmus Lueger war im 15. Jabrhundert Besitzer dieser Burg, ein Waffenbruder des unglijckliobon Andreas Baumkirchner; er erschlug 1483 den Marschal Pappen- heim, welcher Baumkirchner verunglimpfte, ftel in Acht und Bann, entkam aber in diese abgelegene Trutzburg. Der Schrecken der ganzen Gegend, wurde er endlich auf Befehl Kaiser Friedrichs von dem Triester Landeshaupt- mann Kaspar Rauber hier belagert. Die Belagerung dau- erte iiber den Winter, und Lueger schiekte haufig' frische Lebensmittel hinab in das Lager, welche ihm durch den geheimen Hohlengang aus dem Wippachthale zugebracht worden. Endlich gelang os den Belagerern seinen Diener zu bestechen, der ein Zeiehen gab, als Lueger das heim- liche G-emach betrat. Die Belagerer brannten ihre Ge- schiitze in dieser Richtung ab, und so starb der arglose Lueger unter den abgesprengten Felštriimmern durch Verrath seines Dieners. — 88 Inseeten in der Adelsberger Grotte. (Aus Dr. A. SchmidPs Atlas.) Verzeichniss der in der Adelsberger Grotte befindlichen Insecten. (Nach Costa.) a) Kafer: 1. Leptoderus Hohenwartii (Schmidt), von Hohenvmrt im J. 1832 entdeckt und von F. J. Schmidt beschrieben (,,Illyr. Blatt“ 1832, Nr. 3); 2. Adelops Khe- venhiilleri (Miller); 3. Sphodrus Schmidtii (Miller). b) Heuschrecken : 4. Locusta cavicola, zuerst von Schreibers in einer Hohle bei Baden im sogenannten „Schelmenloch“ entdeckt und von Kollar beschrieben. Dieses Thier kommt nicht nur in den meisten Hohlen in Krain, sondern auch ausser den Grotten, in Waldern unter der Rinde morscher Baume und unter grosseren, etwas hohl liegenden Steinen vor. c) Crustaeeen: 5. Te- tamethes albus (Schiodte); 8. Niphargus stjgius (Schiodte); 7. Brachydesmus subterraneus (Heller); 8. Blotherus speleus (Schiodte); 9. Anurophorus Stillicidi (Schiodte). d) Spinnen: 10. Stalita taeni : aria (Schiodte). eJFliegen: 11. Phora aptina (Schinner). Als Grottenfreunde sind bemerkenswert zwei Schmet- terlings-Species: 12. Calpe libatrix und 13. Acidalia dubitaria; und eine Florfliegen-Species: 14. Steno- phylax striatus. Q uellen: Blatter aus Krain. 8. Jahrgang, 1864, Nr. 1—6. * Heinrich Costa. Reiseerinnerungen aus Krain. Laibach 1848. * Dr. E. H. Costa. Die Adelsberger Grotte. Mit einem Situationsplane der Grotte. Laibach 1863. August Dimitz. Kurzgefasste Geschichte Krains mit besonderer Riick- sicht auf Culturentwicklung. Laibach 1896. * Hohenwarth, Franz Graf von. Wegweiser fiir die Wanderer zu der beriihmten Adelsberger Kronprinz Ferdinands-Grotte. Als Erkla- rung der von Herrn Aloys Schaffenrath, k. k. Kreisingenieur in Adelsberg gezeichneten Ansichten dieser Grotte. Mit 19 Kupfern. (3 Hefte). Wien, Sollinger, 1830. Laibach, Blasnik, 1837. * Dr. V. F. Klun. Archiv fiir die Landesgeschichte des Herzogthums Krain. 11. und 111. Heft. Laibach 1854. * P. v. Radics. Adelsberg und seine Grotten. Eine topografisch-historische Schilderung des Ortes, der Grotten und der nachsten in der Um- gegend befindlichen Sehenswiirdigkeiten. Mit 10 Abbildungen, einem Grottenplan und einer Eisenbahnkarte von Laibach bis Triest. Triest, Litterarisch-artistische Abtheilung des oster- reichischen Lloyd. 1861. * Schmidi, Dr. Adolf. Die Grotten und Hohlen von Adelsberg, Lueg, Planina und Laas. Mit einem Heft Tafeln in folio. Auf Kosten der kais. Akademie der Wissenschaften (316 S.) Wien, Brau- miiller 1854. * Valvasor (Freiherr v.). Ehre des Herzogthums Krain. 1689. 4 Bde. * Jožef Žirovnik. Cerkniško jezero. V Ljubljani, 1898. Slovenska matica. I N H ALT Seite I. Der Marktflecken Adelsberg. 1. Topographie.3 2. Geschichte.15 II. Die Adelsberger Grotte. 1. Schilderung der Grotte.35 2. Geschichte der Grotte.53 III. Ausfluge in die Umgebung. 1. Die schwarze oder Magdalenen-Grotte ..... 57 2. Die Grotte bei Gross-Otok.59 3. Das Rakbachthal und der Zirknitzer-See .... 64 4. Planina, Kleinhausel und Schloss Haasberg ... 83 5. Das Schloss Lueg.85 Verzeichnis der in der Adelsberger Grotte befindlichen Insecten.89 Quellen.90 »