mderRoM lscholischeNisMnsrettschO Herausgegeben von der Kongregation: _______Missionäre Söhne des heiligsten Herzens Jesu._ Preis ganzjährlich 2"50 S Deutschland 2 Mark, Italien 8 Lire, Ungarn 2'50 Pengö-Tschechoslowakei 12 SS, Jugoslawien 25 Dinar, Schweiz 2 60 Franken, übriges Ausland 2 Goldmark, Utiser Heiliger Vater Pius XI. hat wie schon früher Papst Pius X. der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern de» Apostolischen Segen erteilt. Für Wohltäter werden täglich heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Graz, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien und Druckerlaubnis des Generalobern, Left 1 Jänner 1937 40. Jahrgang Heimgefunden. Im Krankenhaus zu Witbank war eine katholische Witwe als Pflegerin angestellt. Aus ihrer Ehe mit einem schottischen Protestanten hatte sie drei Kinder, zwei Knaben im Alter von 11 und 10 und ein Mädchen von 8 Jahren, die sie in einer Klosterschule untergebracht hatte. Die Frau stammte aus guter irischer Familie, die sich im Kapland angesiedelt hatte, und erfüllte pünktlich ihre religiösen Pflichten. Es geschah, daß ein gebildeter Bure als Kranker ins Spital und unter die Pflege von Frau St. kam. Wie es nicht selten vorkommt, keimte Zwischen Pflegling und Pflegerin eine Heczensneigung aus und nach erfolgter Heilung machte Herr M,, der Witwer war, Frau St. einen Heirats-untrag. Letztere willigte ein, jedoch unter der Bedingung, daß Herr M. die Forderungen der katholischen Kirche, unter denen allein dem katholischen Teile die Eingehung einer gemischten Ehe gestattet wird, erfülle, Herr M, stutzte, doch machte die Charakterfestigkeit der katholischen Frau auf ihn Eindruck und er willigte in die Bedingungen, freie Religionsübung der Frau und katholische ErZiehung der zu erwartenden Kinder, ein, Fm Juli 1925 fand die Eheschließung in einer katholischen Kirche zu Johannesburg statt. Herr M. hatte aus seiner ersten Ehe zwei Kinder, einen Knaben von 12 und ein Mädchen von 11 Fahren. Er gehörte der kalvinistischen „reformierten" Kirche an, war selbst sehr religiös eingestellt, hatte theologische Studien gemacht und es bis zum Diakon in feiner Kirche gebracht. Anfänglich betrieben die Leuts eine gepachtete Farm in bedeutender Entfernung von Witbank. Später erhielt Herr M. eine Anstellung als Gerichtsvollzieher im Städtchen. Die katholischen Mitglieder der Familie besuchten den katholischen Gottesdienst, während Herr M. mit seinen beiden Kindern in die Kirche seiner Sekte ging. Am 1. August 1926 wurde dem Ehepaar ein Töchterchen geboren, das in der katholischen Kirche zu Witbank getauft wurde; der Vater wohnte der heiligen Handlung mit großem Interesse bei. Herr M. war, wie die meisten Buren, voll von Vorurteilen gegen die katholische Kirche. Er war aber ein Wahrheitsucher, auch hatte er seit seiner Wiederverehelichung gute Gelegenheit, auf religiösem Gebiete Vergleiche anzustellen. An seiner Frau selbst hatte er eine gut unterrichtete Erklärerin. Sie hielt das katholische Wochenblatt „The Southern Croß" (Das südliche Kreuz), das auch Herr M. mit großem Interesse las. Er selbst hielt die kalvini-stische Kirchenzeitung „Die Kerkbode" (Der Kirchenbote), die der katholischen Kirche gegenüber einen ziemlich verbissenen Standpunkt einnimmt und von Zeit zu Zeit Schmähartikel gegen sie bringt, die grobe Entstellungen und Übertreibungen enthalten, die das „Südliche Kreuz" zu oft scharf gehaltenen Gegenäußerungen herausfordern. Herr M. hatte somit die beste Gelegenheit, beide Seiten zu hören. Herr M. begann, seine Frau hin und wieder in die katholische Kirche zu begleiten, und traf auch mit dem katholischen Priester zusammen. Er hatte eine große Verehrung für den „Gottesmann" Martin Luther, der mit „seltenem Mannesmut den Kampf gegen die übergriffe der römischen Kirche aufgenommen". Der katholische Pfarrer besorgte ihm eine englische Übersetzung des Lutherwerkes von P. H. Gri-sar, 8. J., das ihm feinen Helden freilich in etwas anderem Lichte zeigte. Anfangs 1928 schickte Herr M. seine Tochter Genade in die Schule der Dominikanerinnen zu Witbank, wo diese bald darauf anfing, freiwillig am katholischen Religionsunterricht teilzunehmen. Neben seiner Anstellung in der Stadt fing Herr M. an, sich auch wieder der Farmerei zu widmen. Zusammen mit seiner Schwester und deren Manne erwarb er eine 11 Kilometer außerhalb Witbank gelegene Farm. Inzwischen wuchs sein Töchterchen Maria heran, dessen religiöse Erziehung ganz in den Händen der katholischen Mutter lag. Das Kind fühlte sich durchaus katholisch und wollte, daß auch seine Umgebung katholisch denke und fühle. So begann es denn, den Vater auf feine Weife zu bevormunden. „Warum machst du kein Kreuzzeichen?" fragte es. Der Mann lachte gutmütig und bemühte sich, sein Kind durch Trompeten im Seminar. Es wird int kleinen Seminar von Kivn in Belgisch-Kongo fest gearbeitet, aber die Weißen Väter vergessen nicht, daß ihre Schüler auch Erholung und Abwechslung brauchen. — Nach den Lateinstunden geht's ins Freie, wo nach Herzenslust die Übungen auf der Trompete statlfinden. (Fides-Foto.). die Nachahmung des Kreuzzeichens zufriedenzustellen. Nun hörte Herr M. auf, die reformierte Kirche zu besuchen. Dafür begleitete er fast regelmäßig feine Frau und feine Stiefkinder in den katholischen Gottesdienst. Großen Gefallen fand er an der Kreuzweg-andacht, für die heilige Messe hingegen konnte er nicht das richtige Verständnis aufbringen, obwohl er sich mehr und mehr mit dem Bewußtsein der sakramentalen Gegenwart des Heilandes befreundete. Seine eigene Kirche fand er kalt und leer, und es zog ihn darin nichts mehr an. Die kleine Maria wurde in die Kirche mitgenommen. Da der Vater gewöhnlich faß, verwies sie ihm das mit ernster Miene und bedeutete ihm, auch niederzuknien wie andere oder beim Evangelium aufzustehen, und der Vater fügte sich lächelnd dem Willen der kleinen Despotin. Bei seinen Glaubensgenossen konnte die veränderte Richtung des M. nicht unbemerkt bleiben. Bei Anrempelungen seitens seiner Bekannten stellte er ruhig ihre meist irrige Ansicht fest und erklärte sachlich den katholischen Standpunkt. Inzwischen hatte sein Rodolf die Schule verlassen und half dem Vater in dessen Schreibstube. Die eigenen Verwandten des Nt., die ohne Zweifel den katholischen Zug in dessen Familie mit Widerwillen beobachteten, redeten auf den jungen Menschen ein, um ihn vor der „römischen Gefahr" zu bewahren, mit dem Erfolge, daß der Jüngling sich um Religion überhaupt nicht mehr bekümmerte. Inzwischen hatte Genade M. die Wahrheit und Schönheit des katholischen Glaubens voll und ganz erfaßt: infolgedessen wollte sie katholisch werden. Ihr Vater ließ ihr volle Freiheit. Trotzdem riet ihr der katholische Pfarrer, sie möge ihren Vater förmlich um die Erlaubnis bitten, sich in die katholische Kirche aufnehmen lassen II! dürfen. Sie tat es und der Vater gab ihr diese Erlaubnis. So wurde denn das brave Mädchen am 6. Dezember 1931 in die katholische Kirche aufgenommen. Die ganze Familie wohnte der Feier bei; auch ihr Bruder Rodolf hatte sich auf Wunsch der Stiefmutter eingefunden. Nach der Feier sagte der Vater seinem Kinde Zum 25jährigen Priesterjubiläum des Hochw. P. Karl Fischer. Das Priesterhaus im Festschmuck. (goto P. Fischer.) mit Tränen in den Augen: „Geluk!" (Glück!) Frau M. sagte mir später, Genade komme ihr nun wie ihr eigenes Kind vor. Im Februar 1932 hielt ein erfahrener Redemptoristenpater eine Volksmission in der Witbanker Pfarrkirche ab. Alle katholischen Mitglieder der Familie und auch Herr M. selbst wohnten den Vorträgen mit großer Regelmäßigkeit bei. Letzterer lernte manches Neue; so ging ihm jetzt das Verständnis für das heilige Meßopfer auf, doch bot ihm die Heiligenverehrung noch Schwierigkeiten. Am 16. Juli 1933 machte ich mit einem unserer Patres, der sich vorübergehend in Witbank aufhielt, einen Besuch bei der Familie M. Wir benützten Fahrräder. Der letzte Teil des Weges war sehr schlecht. Herr M. sprach sich anerkennend aus, daß katholische Priester solche Mühen nicht scheuten; ein Prediger der reformierten Kirche würde so etwas nicht tun. Mit sichtbarem Stolze stellte er seine katholisch gewordene Tochter Genade vor. Lachend erzählte er dann einige despotische Züge seiner kleinen Tochter Maria. Bei dieser Gelegenheit erwähnte ec auch lachend, daß er bei seiner Wiederverheiratung den Hintergedanken gehabt habe, mit der Zeit seine katholische Frau von ihrem „abergläubischen" Bekenntnis abzubringen und zu seiner Kirche hinüberzuziehen, denn da sie religiös eingestellt sei, hätte sie sich der „Wahrheit" nicht verschließen können; aber nun gehe die Sache umgekehrt. Im Laufe des Gespräches gab er die Zerrissenheit der protestantischen Lehre zu, die einerseits alle ihre Unterschiede als unwesentlich bezeichne, anderseits aber doch zu keiner Einheit komme. Auch erwähnte er die Unduldsamkeit burischer Prediger, die verpflichtet werden, von Zeit zu Zeit gegen die katholische Kirche zu predigen. Er erzählte von einem Prediger im Knplande (D. Räude von Aliwal Nord), der behauptet habe, Nero habe die Christen verfolgt; er sei aber ein Römer gewesen (für Römer und Katholik wird das gleiche Wort gebraucht im Burischen); also verfolgen die Römer-Katholiken die Christen! Herr M. hatte immer noch einige Schwierigkeiten, als da sind: Heiligenverehrung, Rosenkranzgebet, Fegfeuer. Gerade entspann sich ein interessantes Gespräch über das Fegfeuer, als neue Besucher eintrafen, womit der weiteren religiösen Unterhaltung ein Ziel gesetzt war. Auf dem Heimweg teilte unser Pater mir seine Eindrücke in folgenden Worten mit: „Der Mann denkt schon katholisch." Nach und nach nahm Herr M. innerlich die katholische Lehre in ihrem ganzen Umfang an. Es handelte sich nur mehr um die äußere, öffentliche Anerkennung. Solch ein Schritt hat feine natürlichen Schwierigkeiten. Bei einer Umgebung, die religiös gleichgültig eingestellt ist, ja nur zu oft geradezu heidnisch denkt, ist es unmöglich, auf wohlwollendes Verständnis für einen solchen Schritt zu rechnen. Es tut natürlicherweise weh, verkannt und verachtet zu werden, noch mehr, wenn man eine stadtbekannte Persönlichkeit in öffentlicher Stellung ist, die mit allen Bevölkerungsschichten zu verkehren hat. Die öffentliche Meinung war denn auch des Herrn M. letzte Schwierigkeit. Um Ostern 1936 zog die Familie ganz in die Stadt, und zwar mietete sie ein Haus in nächster Nähe der katholischen Pfarrkirche. Damit trat wieder regerer Verkehr mit dem katholischen Pfarrhaus ein. Herr M. sagte denn auch zum katholischen Pfarrer: „Es wird Zeit, daß ich den Schritt tue." Er besprach sich noch eingehend mit dem Priester, und der 17. Juni wurde für die Aufnahme festgesetzt. Am Morgen dieses Tages suchte Herr M. den Prediger der reformierten Kirche aus und setzte ihn von seinem Vorhaben in Kenntnis. Herr B. ist ein Mann von milderen Ansichten, doch hatte er zwei Einwendungen zu machen. Erstens machen die Katholiken die Erlangung der ewigen Seligkeit einzig und allein von ihren guten Werken abhängig. In diesem Punkte konnte Herr Bl. ihn sogleich eines Bessern belehren. Zweitens habe der Papst in den sechziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts in einer Bulle die Katholiken zu blutiger Verfolgung der Nichtkatholiken aufgefordert. Herr M. erwiderte, das glaube er nicht so ohne weiteres; Herr B. möge ihm das schwarz auf weiß bringen. So schieden sie. Am Nachmittag wurde Herr M., der im 55. Lebensjahre steht, in die katholische Kirche aufgenommen. Am Herz-Iesu-Fest empfing er seine heilige Erstkommunion. Die ganze Familie hatte sich in der Kirche eingefunden, auch Rodolf fehlte nicht. Mag er auch „ungläubig" sein, so ist er doch ein rücksichtsvoller Sohn geblieben, und das läßt auch für ihn hoffen. Am Christkönigsfest empfing Herr M. mit seinem zehnjährigen Töchterchen das heilige Sakrament der Firmung. Br. August Cagol, F. 8. C. Im Monat Jänner betet öer Heilige Vater unö mit ihm jedes Mitglied des Gebetsapostolates für jene Christen/ öie unter Mohammedanern leben. Mein silbernes Priesterjubiläum. Am 29. Juni 1936 waren es 25 Jahre, daß ich in Brixen zum Priester geweiht wurde. Mein Silberjubiläum wollte ich in aller Stille feiern, die Leute aber wünschten, daß dieser Tag recht feierlich begangen werde. Als der geeignetste Tag galt der 28. Juni, weil es ein Sonntag war und weil die Schulkinder noch beisammen waren. Da ich das Fest nicht ohne geistlichen Rußen für meine Christen feiern wollte, hielt ich als Vorbereitung mit den Schulkindern der Station und von einigen nahegelegenen Außenfchulen ein Triduum ab. An diesen drei Tagen predigte ich nachmittags um 3 Uhr über die Erhabenheit der heiligen Messe, über die Früchte derselben und über das Priestertum in der katholischen Kirche. Nach der Predigt war heiliger Segen mit dem Gebet um gute Priester. Dabei leitete mich die Absicht, Priesterberufe zu wecken. Wie die weltlichen Mächte gerade' ditz Eingeborenen gebrauchen, um die Kolonialländer in Botmäßigkeit zu halten, so werden wir auch erst dann richtigen Erfolg in der Aus-breitung des Reiches Christi unter den Heiden haben, wenn recht viele eingeborene Priester mitarbeiten. Das Triduum verlief sehr gut, die Kinder folgten mit regem Interesse den Vorträgen. Der Iubi-läumstag war ein wirklicher Festtag. Die Station prangte in vollem Schmuck. Über- all flatterten Fähnchen und besonders schön war das Priesterhaus geschmückt. Feierlich erklangen vom hohen Turm herab die Glocken, als ich mit wehenden Fahnen vom Priesterhaus abgeholt wurde. Zahlreich waren die Leute, Christen und Heiden, erschienen. Die meisten von ihnen waren schon bei der Frühmesse da, wo sie kommunizierten. Sie bildeten jetzt ein dichtes Spalier vom Priesterhaus bis zur Kirche. Punkt 10 Uhr holte mich mein hochwürdiger Mitbruder ab. Zwei Fahnen wurden vorausgetragen, dann folgten zehn Ministranten mit brennenden Ker-. zen, dann noch vier Ministranten mit Weihwasser und Rauchfaß und zwei, die bestimmt waren, meinen Silberkranz und mein Kreuz zu tragen. So ging es in Prozession zur Kirche, mitten durch die dichte Schar der Gläubigen. Während des Hochamtes, in dem zwei Priester mir assistierten, blieb die große Schar der Ministranten zur Erhöhung der Feierlichkeit im Presbyterium. Der geschulte Sängerchor fang die Choralmesse De Angelis. Die große Kirche war voll bis auf den letzten Platz und viele standen noch draußen vor der Kirche. Nach bern letzten Evangelium bestieg ich die Kanzel und hielt meine eigene Feftpredigt. Es war mir lieb so. Ich konnte meine Gedanken richtig ausführen und vom Herzen zum Der Festzug verläßt das Priesterhaus. (Foto Fischer.) Die Festprozession auf dem Weg zur Kirche. (Foto Fischer.) Herzen sprechen. An die Tausend sind meine geistigen Kinder, ich habe sie gezeugt durch die Taufe im Bade der Wiedergeburt. Fast dreiviertel Stunden hingen sie mit Aug und Ohr an meinen Lippen und ich konnte merken, daß sie mitdachten und mitfühlten. Die kirchliche Feier fand ihren Abschluß durch den feierlichen Segen und das Tedeum. Nachdem ich wieder in Prozession zum Priesterhaus zurückgeleitet worden war, drängten sich die guten Leute an mich heran. Jeder wollte mir gratulieren und die Hand reichen und auch noch eigens den priester-lichen Segen haben. Es war ein Ding der Unmöglichkeit. So sprach ich zu ihnen von der Veranda des Hauses aus, dankte ihnen für ihre Teilnahme und auch für ihre Geschenke. Denn viele wollten ihre Dankbarkeit in einem Geschenk zum Ausdruck bringen und brachten mir Eier, Matten und auch Geld. Dann segnete ich sie nochmals alle mitsammen unb lud sie zum Festspiel ein. Nach dem bescheidenen Mittagsmahl mit der Brüdergemeinde wurden wir zum Festspiel gerufen, das die Kinder der verschiedenen Schulen unter Leitung ihrer Lehrer gaben. In Gesang und Tanz jubelten sie mir zu und feierten mich. In einem gelungenen Reigen brachten sie zum Ausdruck. wie mein künftiges Leben sein müsse, soll es in Glück und Zufriedenheit enden. Um 3 Uhr war Schluß. Nun mußte in einer Nachfeier dem Magen sein Recht werden, sonst wäre es für die Schwarzen kein richliges Fest gewesen. Es wurden daher zwei Ochsen geschlachtet. Den einen bekamen die Kinder, und er wurde gleich am Festtag aufgegessen. Mit dem andern Ochsen veranstalteten die Großen am nächsten Tag im Chcistendorf ein eigenes Fest. Als ich rnn Montag mittags ins Dorf kam, da war der ganze Schulplaß mit Männern, Frauen und Kindern besetzt. Uber ein Holzseuer waren großbäuchige Töpfe gestellt und darin kochte und brodelte das Fleisch. Während dienstbeflissene Weiber die Kochtöpfe bedienten, saßen die Männer daneben am Boden, zerschnitten Fleisch in lange Stücke und rösteten sie am Feuer. Jeder röstete sein Fleisch eigenhändig und verspeiste es gleich. So taten sich die Männer gütlich und sie ließen nichts übrig, selbst die Knochen wurden geröstet und das Mark herausgesogen. Auch die Knaben bekamen etwas von diesem gebratenen Fleisch und den übriggebliebenen Knochen. Das gekochte Fleisch erhielten die Frauen, und sie aßen es, in Gruppen beieinander sitzend. Ach, wie bald verschwand der große Ochse! Die Töpfe wurden leer, die Knochen waren zerschlagen und ausgesogen, und hungrige Hunde suchten vergebens nach kleinen Abfällen. Nun erhoben sich die Leute, dankten mir und vollführten einen Tanz. So endigte mein silbernes Priester-jubiläum. Ich war zufrieden und unsere Schwarzen auch. P. Karl Fischer. Gerechte Bestrafung einer verbrecherischen Zauberin. Anfangs August 1936 fand hier in Ly-denburg eine aufsehenerregende Gerichtsverhandlung ihren Abschluß, in welcher für ein abscheuliches Verbrechen eine entsprechende Sühne auferlegt wurde. Gruselig und fast unglaublich hört es sich an. Doch da das Gericht nach genauer Feststellung der Tatsachen, die durch Augenzeugen bekräftigt wurden, nun sein endgültiges Urteil gesprochen hat, bleibt jedem Zweifel der Weg verschlossen. Es ist bekannt, daß es bei allen Heiden-völkern große und kleine Zauberer gibt. Hierzulande bei den Zulukaffern werden sie „izangoma" oder „abatakati" genannt. Wahre und echte Wissenschaft besitzen sie nicht, da sie nie eine höhere Schule besucht haben, oft nicht einmal lesen oder schreiben können. Sie kennen jedoch viele Heilkräuter, und noch besser kennen sie jene Pflanzen, aus denen sie Gist bereiten können, welches sie auf verschiedene Weise anzuwenden verstehen, ob es langsam oder schnell, erst nach einer bestimmten Zeit oder sogleich, ob es tödlich wirken oder nur zu schwerem Siechtum führen soll, je nachdem es eben zu ihrem Vorteil ist. Sie ver-stehen es aber, die Sache so schlau einzufädeln, daß solche Vergiftungsfälle nur selten ans Tageslicht kommen. Auch verstehen sie sich darauf, gute Gegengifte zu bereiten. Kaum zwei Wegstunden von unserer Missionsstation Maria-Trost spielte sich nun etwa vor einem Fahre folgendes Drama ab: In den letzten Jahren mangelte es an ausgiebigem Regen, weswegen auch die Ernte immer sehr ungenügend ausfiel. Da hatte Elina Diago, eine berüchtigte Zauberin, versprochen, durch ihre Hexereien einen reichlichen Regen herabzubeschwören. Zu diesem Zwecke bedurfte sie, wie sie vorgab, außer ihren gewöhnlichen Medizinen noch einer ganz besonderen, die sie nur aus Teilen eines von ihr selbst ermordeten menschlichen Wesens zubereiten könne. Ihre Wahl fiel auf einen etwa zehn Jahre alten Knaben, den Sohn einer armen Frau, welche von Pretoria gekommen und mit ihrem Mann ganz in ihrer Nähe wohnte. Die Frau hieß Sina und ihr Bub Samuel. Dieser hütete die Ziegen seiner Eltern, denn Rinder hatten sie keine, da sie zu arm waren. Elina aber, die Zauberin, hatte viel Vieh. Es ist schwer, zu sagen, woher sie so reich geworden, aber ich glaube mich nicht zu irren, wenn ich annehme, daß ihr Reichtum die Frucht ihres Berufes als Zauberin ist. Sie wird wohl selbst auch einen Hirten, wenn nicht mehrere gehabt haben. Doch es kommt nicht selten vor, daß so ein Hirtenbube für einige Tage davonläuft und die ihm anvertraute Herde im Stiche läßt. Er kann auch erkranken oder sonstwie rechtmäßig verhindert sein. In solchen Fällen erbittet man sich Aushilfe bei den Nachbarn. So kam auch eines Tages Elina zu ihrer Nachbarin Sina und bat dieselbe, sie möchte ihr ihren Buben Samuel für einen oder mehrere Tage schicken, damit er ihr Vieh hüte. Ob dies wie bei anderen Leuten ehrlich gemeint gewesen, ist sehr zu bezweifeln. Man muß vielmehr annehmen, daß Elina, welche schon längst den armen Samuel als Opfer ihrer verbrecherischen Absichten auserlesen hatte, nur einen Vorwand suchte, um denselben in ihre Gewalt zu bekommen und unbemerkt ums Leben bringen zu können. Sina weigerte sich zuerst, der Hexe ihren Buben zu überlassen. Nicht etwa, weil sie Verdacht geschöpft, sondern weil der Bub vielleicht nicht zu Hause war oder auch aus anderen Gründen. Vielleicht war ihr die Alte auch sehr unsympathisch, denn sie war beinahe siebzig Jahre alt und ihr Lasterleben hatte tiefe Spuren auf ihrem Antlitz zurückgelassen. Doch Elina versuchte wiederholt den Buben anzulocken und so in ihre Gewalt zu bringen. Am 16. Dezember 1934 gelang es ihr endlich. Sogleich verabreichte sie ihm ein Gefäß voll Milch und gab ihm noch andere Speisen. In die Milch und auf die Speisen hatte sie aber Betäubungsmittel gestreut. Das arme Kind nahm die Gaben an und freute sich, seinen Hunger wieder einmal stillen zu können. Elina hielt sich in seiner Nähe und beobachtete genau, welche Folgen ihre Medizin haben würde. Schon nach kurzer Zeit fühlte sich Samuel unwohl, und als er auf das Feld hinausging, begann er zu taumeln. Die Verbrecherin sah es mit Genugtuung. Sofort benachrichtigte sie eine gewisse Salome, die ganz in der Nähe wohnte, und beauftragte sie, den Knaben genau zu beobachten und sich den Ort zu merken, wo er sich hinsetzen würde, dann solle sie es ihr sofort melden. Zum besseren Verständnis sei bemerkt, daß Salome mit der Zauberin verschwägert ist, sie hat nämlich den Enkel der Zauberin, einen gewissen Johannes, zum Mann. Gegen drei Uhr nachmittags meldete Salome der Zauberin, daß der Knabe ganz in der Nähe auf dem Felde liege und schlafe. „Schon recht", sagte die Alte, „du kannst nun gehen. Gehe und schicke mir deinen Mann Johannes her!" Unterdessen holte Elina ein scharf geschliffenes Beil hervor. AIs Johannes angekommen war, forderte sie ihn auf, mit ihr aufs Feld zu gehen. Sie wolle nämlich auf die Jagd und die Beute sei ihr sicher. Sie brauchten nicht weit zu gehen. Da lag das arme Opfer auf seinem Angesicht, tief in Schlaf versunken, den ärmlichen Sack, den er sich irgendwo erbettelt, über sich als Decke gebreitet. Elina zog mit ihrer linken Hand den Sack weg und erhob schon das Beil mit der rechten, um den Todesstreich zu führen. Johannes hielt sie einen Augenblick zurück. Doch als Elina sagte, der Knabe gehöre ihr, sie müsse ihn töten, um aus Teilen seines Leibes Medizinen bereiten zu können, ließ er sie gewähren. Schnell holte die Hexe von neuem zum tödlichen Streich aus, traf den Knaben mit dem Veil hinten auf den Hals und machte seinem Leben ein Ende. Nun sammelte die Zauberin von dem herausspritzenden Blut soviel sie nur konnte in einen irdenen Topf. Dann stach sie ihm mit einem Messer die Augen aus, die sie als besondere Medizin in einen Fetzen Tuch wickelte. Mit dem irdenen Topf ging sie nach allen Richtungen über ihren Acker und besprengte ihn mit dem Opferblut, damit es den Acker fruchtbarer mache und den nötigen Regen herabziehe. Den Topf selbst nahm sie mit nach Hause und vergrub ihn mitten in ihrer eigenen Hütte. Das ging leicht. Die Hütten der Eingeborenen sind niedrig, als Fußboden dient die blanke Erde, welche schön geglättet und geebnet ist. Ein Loch war bald ausgegraben und der kleine Topf hineingestellt. Darüber kam wieder die Erde, die geglättet wurde, und nach kurzer Zeit war der Fleck wieder trocken und dem übrigen Fußboden gleich, so daß jede Spur des Verbrechens verschwunden schien. Merkwürdig, daß diese Menschen bei allem so ruhig und teilnahmslos auftreten, als ob es sich um gar nichts Außergewöhnliches handeln würde. Der Leib des Knaben war inzwischen auf dem Felde liegengeblieben. Es war schon Der Jubelpriester, umgeben von seinen Ministranten. (Foto Fischer.) spät abends und stockfinster, als Elina nach vollbrachter Arbeit in ihrer Hütte in Begleitung des Johannes auf den Acker zurückging. Dort angekommen, steckten fie den Leib in einen Sack und trugen ihn zu dem etwas tiefer liegenden Bach. Sie legten ihn unter einem dichten Baum nieder, und nun ging die Hexe wieder an die Arbeit. Sie schnitt den Leib von oben bis unten auf und wühlte mit beiden Händen in den Eingeweiden herum. Hie und da schnitt sie ein Stück ab und wickelte es in Tuchfehen. Besonders das Herz des Knaben ist sehr wichtig. Sie schneidet es ganz heraus und wickelt es sorgfältig in einen besonderen Lappen ein. Auch bestimmte äussere Teile des Opfers werden abgeschnitten und in ein buntes Tuch gewickelt. Die Zauberin will sie trocknen, in kleinere Stücke zerlegen, dann in kleine Säckchen einnähen und als wichtige Zaubermittel für Geld oder andere begehrte Sachen an die Eingeborenen verkaufen. Was mit den Resten des verstümmelten Leichnams geschah, weis; man nicht. Einige sagen, man habe einzelne Fleischstücke als gewöhnliches Fleisch verkauft, andere behaupten, die Mörder hätten es selbst gegessen. Wieder andere wollen wissen, wo es verbrannt ober begraben worden sei. Die zwei Hauptschuldigen, Elina und Johannes, wurden bald darauf verhaftet. Natürlich leugneten sie anfangs alles glatt ab, denn sie glaubten, sie seien nicht bemerkt worden. Daß Salome, die Frau des Johannes, etwas ausgeplaudert hatte, hielten sie für ganz unmöglich. Und doch war gerade sie es, die noch einen Rest von Gewissen hatte, noch an eine Gerechtigkeit glaubte und die schließlich zum Magistrat nach Lydenburg gegangen war und diesem alles aufgedeckt hatte. Da der Richter in Lydenburg für solch schwere Fälle nicht zuständig ist und die dazu nötigen Vollmachten nicht hat, wurde die Anklage und das Verhör der Zeugen aufgeschoben, bis der ordentliche hohe Gerichtshof von Pretoria nach Lydenburg kam, um diesen und andere schwere Fälle zu behandeln. Dies geschah, wie erwähnt, anfangs August vergangenen Jahres. Johannes, als Mitschuldiger, erhielt zwölf Fahre schweren Kerkers mit Zwangsarbeit. Elina, die Haupt- lEin Hexenmeister -aus Westafrika. Dieser Hexenmeister »us Nigerien hat sich eine schreckliche, jedoch harmlose Schlange umgehängt, die ihm vielleicht als Krawatte dient. (!Fides-Foto.) schuldige und eigentliche Mörderin, wurde zu fünfzehn Fahren verurteilt. Als die beinahe Siebzigjährige ihr Urteil vernahm, soll sie die Richter also angefleht haben: „Habt doch Erbarmen mit mir alten Frau, es soll gewiß nicht mehr geschehen!" Worauf der Oberrichter ihr antwortete: „Ich weiß, daß es von dir nicht wieder geschehen wird, dafür habe ich gesorgt, und die Gefängniswärter in Pretoria werden auch künftig dafür sorgen. Fch denke, daß nach fünfzehn Jahren für dich sich kaum mehr eine Gelegenheit bieten wird, um noch einmal solche Gemeinheiten zu begehen. Ehrlich gearbeitet hast du bis jetzt wohl nie, doch hoffe ich, daß du es in deinen alten Tagen im Gefängnis zu Pretoria noch lernen wirst." Ich glaube, es war am 15. August, als Elina und Johannes nach Pretoria ins Gefängnis gebracht wurden. Zum Schluß noch eine Bemerkung. Die beiden Verbrecher Johannes und Elina gehörten äußerlich einer protestantischen Sekte an, waren also Christen, aber nur dem Namen nach, während ihr Inneres noch ganz von heidnischen Ideen be- Schneesturm Der 11. September letzten Jahres brachte uns eine große Überraschung. Nach mehrwöchigem warmem Frühlingswetter, das bereits überall reichen Blütenschmuck aus der fahlen Winterlandschaft hervorgezaubert hatte, erfolgte plötzlich über Nacht ein großer Sturz der Temperatur. Nach Tagesanbruch fing es an, in großen Tropfen zu regnen, die sich auf einmal in Schneeflocken verwandelten und vor unserem entzückten Auge ihr lustiges Spiel Ein jwngei Deutscher, Mitglied der katholischen Gemeinde Witbank, stecht während des Schneetreibens auf der 'Strafte. Im Hintergrund das von ihm erbaute Häuschen. (Kongr.-Ärchiv.) herrscht war. Doch wenn man die letzten Ereignisse in Spanien liest und damit vergleicht, so ist ihr Verbrechen auch nicht abscheulicher als die Grausamkeiten, welche die Kommunisten in Spanien verübt haben. P. Bernard Zorn. in Südafrika. trieben. Innerhalb weniger Stunden war ringsum die ganze Landschaft vom weißen Winterschleier bedeckt. Selbst das wärmere Sekukuniland wurde auf seinen Bergen vom Schneesturm mit einem unerwarteten Bestich bedacht. Morgens um 6 Uhr begann es auf den Lulu-Bergen zu regnen, gegen 8.30 Uhr fiel einige Minuten Hagel und dann setzte der Regen ein, der von Blitz und Donner begleitet war. Nachmittags trat wieder ein Wechsel ein, als auf einmal große Schneeflocken vom Himmel herunterwirbelten. Es schneite volle sechs Stunden und gegen Abend hatten sich die Berge in einen ungewohnten weißen Mantel gehüllt. Viele Eingeborene sahen zum erstenmal in ihrem Leben ein solches Naturschauspiel und starrten sprachlos, mit entsetzten Augen, in das tolle Treiben der Schneeflocken. Manche Schwarze dagegen schienen zu glauben, der Himmel wolle ihnen einen besonderen Leckerbissen schik-ken, da sie mit ihren Händen frisch Zugriffen und mehrere Portionen der weißen, lockeren Masse ihrem Munde zuführten. Leider hatten viele schlecht gekleidete Eingeborene unter diesem unerwarteten Schneesturm schwer zu leiden, und zwölf Knaben, die zum Holzholen auf die Lulu-Berge geschickt worden waren, erlagen sogar der Kälte, während andere Burschen so erstarrt waren, daß sie auf den Schultern von älteren Leuten heimgetragen werden mußten. Natürlich verloren die Schwarzen durch die Kälte auch eine große Anzahl von Vieh. Für die meisten Farmer jedoch brachte der Schnee mehr Segen als Schaden, da er die Trockenheit des Winters brach. P. Adolf Stadtmüller. Amschau. Kisubi (Uganda). (Wie in Afrika einer der blühendsten Stationen des Schulen e n t st e h e n.) In Bujundi, Vikariates Uganda, reichte seit Jahren In der weißen Einsamkeit Alaskas. Ein Iöfui-tenmissionär in Alaska betet am Grabe einer St.= Anna-Schwester, die auf dem Friedhof des Städtchens Nlllato in der Provinz Pukon bestattet wurde. (Fides-^Foto.) das alte Schulgebäude nicht mehr aus. War doch die Zahl der Schüler auf 521 und die der Schülerinnen auf 352 gestiegen. Der Provinzialschulrat erachtete das Bedürfnis als gegeben und übergab der Mission ein entsprechendes Baugelände. Monate angestrengter Arbeit führten nun zum Ziel. Die Schüler selbst schleppten auf ihren Köpfen die 120.000 Backsteine herbei, die für den Bau notwendig rmren. Sie ebneten den Boden für den Fußballplatz, und den vereinten Kräften aller gelang das Wunder: im schönem herrlichem Garten steht jetzt die neue Schule mit einem großen Saal, mit zahlreichen Klassenzimmern. Direktorat und einem Vecsuchs-garten, wo jeder Schüler ein Stück Land erhält, um die rationelle Landwirtschaft zu erlernen. Das knapp bemessene Schulgeld vermag die Kosten der Mission nicht zu decken. Daher hat man ein Baumwollfeld angelegt, das gemeinsam von den Schülern bewirtschaftet wird: der Erlös kommt der Schule zugute. Bei der kirchlichen Weihe, die der Vertreter des abwesenden Bischofs vornahm, waren alle Schul- und Landesbehörden, dazu der erste Minister des Königs, Chwa, drei Provinzialhäuptlinge und sonstige Nota-beln erschienen. Die Zivilbehörden vergaßen nicht, die selbstlose Arbeit, die Energie der Missionäre, vor allem auch des Bauleiters Bruder Lukas, und der Schüler hervorzuheben. Frühstück, Tee, Spiele und Festessen beschlossen die Feier. Im Banne der Ngil.* Ein Roman aus Kamerun von Hermann Skolastor. (Schluß.) „Und unterdessen haben die Ngil wieder ihre alte Macht erlangt", warf Mune dazwischen. — „Ihr, meine Freunde, seid fest überzeugt von der Ohnmacht der Ngil. Ihr werdet das Volk vor ihnen bewahren." „Du redest so klug, Ntonga", sagte der Häuptling, „daß dir niemand widerstehen * Der Abdruck erfolgt mit Zustimmung des Verlages Herder & Co. in Freiburg (Breisgau), Baden. kann. Ja, es ist besser für dich, wenn du gehst. In der Fremde wirst du vergessen. Ich aber werde in Trauer meine Tage verleben." „Wäre es nicht so traurig, was wir erlebt haben, ich ginge nicht fort." „Wann wirst du uns verlassen?" fragte Dende tonlos. Seine Gedanken weilten bei Elesa. Er hatte die Tochter verloren, nun verlor er einen Mann. der ihm lieb war wie ein Sohn. „Mit dem nächsten Schiff, das an die Küste kommt", entgegnete Ntonga, „wenn es niich als Diener annimmt." — „Ich hoffe, daß das Schiff noch sehr lange auf sich warten läßt." Drei Tage später kündete eine kleine Rauchsäule am Horizont die Annäherung eines Schiffes. Es fuhr nach Bapuhu. Nach eiligem Abschied machte sich Ntonga aus den Weg dorthin. Seine Freunde standen am Strande mit Tränen in den Augen. Der Beste der Banoho war von ihnen gegangen. IV. Allen gegenteiligen Befürchtungen zum Troß hatte nun Korvettenkapitän James Raffles einen ausgezeichneten Abschluß seiner Expedition zu verzeichnen. Mit diesem Lorbeer konnte er getrost in den Ruhestand Zurücktreten ..., wenn es ihm ratsam erschien. Zu Hause gab es einen glänzenden Empfang, huldvolle Audienzen, ein besterntes Bändchen und ... Beförderung. Daran hatte er selbst nicht im Ernst gedacht. Es war eine große Überraschung, als er am Tage nach einer äußerst ehrenvollen Einladung beim Divisionskommandeur das dienstliche Schreiben empfing. Sechs Wochen später erhielt er den Befehl, als Kommandant eines großen Kreuzers eine Reise in die indischen Gewässer zu unternehmen. Sein Stern war aufgegangen. Auch Johnson war durch ein buntes Bändchen mit einem goldenen Etwas ausgezeichnet worden. Das ganze Offizierskorps heuchelte Neid, und Johnson mußte lief in seine Tasche greifen, um seinen Kameraden das Ersäufen dieses häßlichen Lasters zu ermöglichen. Dank der unbegrenzten Verschwiegenheit eines Adjutanten des Divisionärs erfuhr er auch, daß seine Beförderung in nächster Zeit bevorstehe. Vorerst rmtrbe er für einige Monate zu einem großen Panzerschiff abkommandiert. Raffles ließ es sich nicht nehmen, vor seiner Abreise nach Indien die Offiziere der „Möwe" zu einer Familienfeier einzuladen. Johnson schwamm in der Nordsee. Die andern aber fanden sich vollzählig ein. Harriet und Louisa schienen nach der Beförderung ihres Vaters noch um einen Hauch schöner geworden zu sein, was man kaum für möglich gehalten hatte. Brown und Williams wenigstens behaupteten es so. Und die mußten es wissen. Die andern Offiziere wußten auch mancherlei. Vor allem, daß die beiden Freunde beim Kommandanten Hahn im Korbe waren, bei Frau Gemahlin einen dicken Stein im Brett hatten und von den Töchtern schrecklich bevorzugt wurden. Zu einer Verlobung kam es indes nicht. Williams war zu schüchtern, und Brown gedachte sich die Sache noch zu überlegen. Aber Fräulein Louisa besaß eine nette Münzensammlung, wofür Leutnant Williams geradezu schwärmte. Und Brown kramte tagelang in den Aktenschränken seines väterlichen Geheimrats und fahndete nach alten Freimarken, um die Sammlung Fräulein Harriets zu bereichern. So spannen sich die Fäden zarter Freundschaft hinüber und herüber, und wer sich auf solche Dinge verstand, vermochte das Ende nicht unschwer vorauszusehen. Acht Monate nach der Heimkehr aus Afrika wurde Johnson Korvettenkapitän und bekam die „Möwe" zugleich mit dem Auftrag einer neuen Reise nach Westafrika. So erhielten Brown und Williams ihren alten Kameraden wieder. Wie er sich als Kommandant ihnen gegenüber stellen würde, mußte abgewartet werden. Zu ihrer Freuds merkten sie bald, daß er der „Alte" nicht nur geworden, sondern auch geblieben war. Nach dem feierlichen Empfang an Bord nahm er sie mit sich in seine Kabine. „So, Kinder, nun möchte ich zunächst wissen, was es auf der ,Möve' Neues gegeben hat." — „Das ist nicht leicht gesagt, Herr Kommandant", sagte Brown. „Halt. Ein Wort im Vertrauen. Wenn wir drei unter uns sind, will ich von Titel und Würde nichts hören. Ich kenne Sie beide als tüchtige Offiziere und bin überzeugt, unsere Kameradschaftlichkeit wird den Dienst nicht gefährden. So, und jetzt, Williams, wie steht es mit Ihrer Gesundheit?" „Danke, gut. Ich habe eine tüchtige Kur durchgemacht und hoffe, sie wirkt nachhaltig." — „Freut mich. In der letzten Zeit, auf der Heimreise aus Afrika meine ich, war nicht mehr viel mit Ihnen los. Und", fetzte er hinzu, „verlobt hat sich keiner?" „Das hat noch Zeit", entgegnete Brown lachend. „Wir grünes Gemüse wollen Ihnen nicht vorgreifen." — „Können Sie gar nicht mehr." — „Wa ... as? Nun, dann herzliche Gratulation." „Danke! Bevor wir in See stechen, werde ich Ihnen eine junge Dame vorstellen, der an der glücklichen Heimkehr der Move' sehr viel gelegen ist." „Donnerwetter, hätte ich das gemutzt!" sagte Brown mit komischem Ernst. — „Ja", meinte Williams, „Sie sind schuld. Sie waren der Ältere und mutzten mit gutem Beispiel vorangehen." Die „Möwe" hatte in Las Palmas Kohlen eingenommen und dampfte, vom besten Wetter begünstigt, nach Süden. Offiziere und Mannschaften, die in Winterkleidung die Heimat verließen, hatten ihre Tropenuniformen hervorgesucht. Schon auf den Inseln fanden sie schönstes Sommerwetter, und je weiter man nach Süden kam, desto mehr machten sich die Tropen fühlbar. Brown und Williams waren dienstfrei und ergingen sich an Deck. Auch der Kommandant schloß seinen Aktenschrank und gesellte sich ihnen bei, um den schönen Abend zu geniesten. „Wollen wir uns nicht ein wenig fetzen? Ja? . . . Heda, Steward, bring mal ein paar Sessel her. Hier an Steuerbord wollen wir der untergehenden Sonne nachsehen." Der Schwarze, der auf den Ruf des Kapitäns herbeisprang und die geflochtenen Madeirastühle herantrug, war Ntonga. „Ich finde es poesievoll", begann Johnson das Gespräch, „mich in den Tropen von einem Neger bedienen zu lassen." „Das ist es unstreitig", stimmte Brown zu. „Das braune Gesicht gehört zur Tropensonne wie das Schweizerhäuschen in eine Gebirgslandschaft. Nur... ich weiß nicht... mir kommt der Bursche bekannt vor. Das Gesicht mutz ich schon mal gesehen haben." „Sie sprechen meine Gedanken aus", sagte Williams. „Eben zerbrach ich mir den Kopf, wo das gewesen sein könnte. Erinnere mich aber nicht." Heidnische Mädchen im Festschmuck am Weih-nachtsfest. (Foto P. O. Braecroft.) „Unmöglich ist das nicht", meinte der Kommandant. „Vielleicht ist es einer von den Leuten, die wir voriges Jahr dem Sklavenhändler abnahmen. Aber fragen Sie ihn doch." Williams winkte Ntonga heran, der sich nach Erledigung seines Auftrags zurückgezogen hatte und an der Reling stand. „Sag, mein Sohn, habe ich dich nicht schon früher einmal gesehen?" — „Ja, Herr! Und den Herrn" — er deutete auf Brown — „sah ich auch. Damals, als ich den Weißen hieher brachte, den die Banoho töten wollten." „So? Das warst du? Nun, dann wissen wir ja", setzte er, zu den andern Herren gewandt, hinzu, „warum uns das Gesicht so bekannt vorkam." Ntonga trat aus seinen vorigen Platz zurück. „Sie reden von bekannten Gesichtern", nahm der Kommandant das Gespräch wie- der auf, „mir scheint, Neger sehen sich alle gleich. Ich wenigstens würde keinen von den Befreiten wiedererkennen." „Aber wohl nur deswegen nicht", meinte Brown, „weil wir zu viele auf einmal vor Augen hatten. Das Mädchen, das uns auf die Spur des Piraten brachte, wurde ich zweifellos aus Tausenden herausfinden." „Ja, die allerdings", nickte Johnson. „Sie war auch eine aus Tausenden. Was mag aus ihr geworden fein? — Ich denke, sie wird die Heimat aufgesucht haben. Von St. Isabel nach Kribi ist es nicht weit." „Von Millner haben Sie nie mehr gehört?" fragte Williams. „Aufgehängt ist er", entgegnete Johnson, „regelrecht aufgehängt. Ich hab's kurz vor der Abreise in der Zeitung gelesen. Er war nach Venezuela gegangen. Paßt ja für solche Vögel gerade. Hat dort irgendwas mit einem Schwarzen gehabt und wurde von der Volksmenge gleich am nächsten Baum gelyncht." „Der Krug, der zum Wasser geht", sagte Williams. „Und die graue Gans, die endlich auch gebraten wird", setzte Brown hinzu. „Und die Welt ist einen Vagabunden los", schloß der Kommandant. Am Tage vor Weihnachten herrschte auf der Mission zu St. Isabel große Freude. Die Katechumenen, deren Vorbereitung für das Christentum beendet war, sollten getauft werden. Pater Ignaz, der Obere der Niederlassung, hatte ihnen den letzten Unterricht erteilt. Sie standen vor der Kirche und warteten auf das Zeichen zum Beginn der lang ersehnten Feier. Endlich hallte der Ruf der kleinen Glocke vom Kirchendach herab. So freudig hatte sie ihnen noch nie geklungen, so willig waren sie ihr noch nie gefolgt. Ihre Gesichter strahlten. Pater Ignaz kam. Zuerst führte er die Knaben in die Kirche hinein. In der Nähe der Tür mußten sie stehenbleiben. Dann folgten die Mädchen und wurden auf der andern Seite aufgestellt. Die Erwachsenen erhielten ihren Platz in der Mitte. Die schwarzen Lehrer und ihre Frauen übernahmen das Patenamt. Pater Ignaz ging zur Sakristei und kehrte zwei Minuten später mit Chorrock und violetter Stola bekleidet zurück. Die erhabene Feier begann. Es sind sinnreiche Zeremonien, die den Taufakt einleiten und vorbereiten. Jedes Wort, jede Handlung hat Bedeutung. Der Glaube an den dceieinigen Gott, das Bekenntnis zur Kirche mit ihren Heilsmitteln, die Reinigung von der Sünde und das Streben nach einem tugendreichen Leben, das ist der tiefe und ernste Sinn der heiligen Feier. „Exorcizo te ... ich beschwöre dich ..." Andächtig, gesenkten Hauptes standen die Täuflinge da. Pater Ignaz hatte ihnen den Inhalt und die Bedeutung der heiligen Handlung erklärt. Sie wußten, was mit ihnen geschah. „Ich beschwöre dich, unreiner Geist..." Nichts Unreines kann Gemeinschaft haben im heiligen Tempel Gottes. Schon an der Pforte des Gotteshauses soll er weichen, der Geist der Verneinung und Lüge... „Recognosce sententiam tuam . . das Urteil ist gefällt. Gottes Gnade hat feine Auserwählten aus Tausenden, die im Heidentum leben, zur Taufe gerufen. Sie treten heraus aus dem Bannkreise Satans; sie schließen sich dem Heerbanne Christi an, entschlossen, seiner Fahne zu folgen, seine Gebote zu erfüllen. „Ingredimini in templum Dei . . . So tretet denn ein in den heiligen Tempel Gottes", es sei euch das Sinnbild des Eintritts in die Gemeinschaft seiner Gläubigen. Pater Ignaz hatte das Ende seiner violetten Stola auf den Arm des ihm zunächst stehenden Täuflings gelegt, und in langer Kette folgten sie alle seinem Rufe und zogen dem Altare entgegen, zu dessen rechter Seite der Taufbrunnen stand. „Credo in Deum... Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater, den Schöpfer Himmels und der Erde..." — ein Chor vieler Stimmen schallte durch die heiligen Hallen— „und ein ewiges Leben. Amen. Vater unser..." Die Täuflinge umgaben, in derselben Ordnung wie vorher, den Priester, der neben dem Taufbrunnen stand. „Widersagt ihr dem Teufel?" — „Wir widecsagen!" „Und allen seinen Werken?" — „Wir widersagen!" „Und aller seiner Pracht?" — „Wir widersagen!" „Glaubt ihr an Gott, den allmächtigen Vater...? Glaubt ihr an Jesum Christum ... ? Glaubt ihr an den Heiligen Geist, eine heilige katholische Kirche ...?" — „Wir glauben, wir glauben." „Wollt ihr getauft werden?" — „Ja, wir wollen es!" Während das Taufwaffer die Häupter der ersten netzte, knirschten Schritte im Sande vor der Kirche, und durch die offenstehende Türe traten Zwei Offiziere ein. Ntonga begleitete sie. Das Geräusch drang nach vorn. Einige Augenpaare wandten sich dem Eingang zu, flogen aber schnell wieder zurück. Pater Ignaz hatte nichts davon bemerkt. Die Offiziere und ihr Begleiter nahmen in den hintersten Bänken Platz und betrachteten das Schauspiel vor ihren Augen. Die Täuflinge traten nacheinander an den Taufstein heran und beugten das Haupt darüber. Wuchtig klangen die Worte des Paters: „Ego te baptizo...“ Leise plätscherte das Taufwasser in dem weiten Becken. Man hörte den Atem der Täuflinge. Als die Knaben und Männer getauft waren, folgten die Mädchen. Ntongas Augen wanderten über die Reihe der Täuflinge, ob nicht ein Bekannter darunter sei. Zuletzt hasteten sie an einer Mädchenge-i statt, die ant Ende der Reihe nahe den Frauen stand. Der Anblick dieses Mädchens verwirrte ihn. Oder war es der Gedanke an jene, der sie ähnlich sah? Es ist gut, dachte er, daß ich ihr Gesicht nicht sehen kann. Nun hat sie mich an Elesa erinnert. Ihre Größe, ihre Gestalt, die Act, wie sie das Haar trägt, stimmen mit ihr überein, ©enmi so würde Elesa aussehen, wenn sie, die Taufe erwartend, unter den Mädchen stände... Ach, stände sie dort! Daß der Vorwurf von mir wiche, der mich durchs ganze Leben verfolgt... Warum taufte ich sie nicht? Sie bat darum. Ich dachte nur an mich. Nun hat der Ngil sie gemordet. Und sie war nicht Christin. Durch meine Schuld ... Zulmnädchen holt sich Feldspinat. <®oto P. O. Braecroft.) Sein Haupt sank auf die Brust herab. Sein Antlitz barg sich in den Handflächen. Niemand sollte die Tränen sehen, die Uber seine Wangen strömten. Das Mädchen aber, das die Veranlassung zu Ntongas Gedankengängen geworden war, stand unbeweglich wie eine Bildsäule dem Taufstein gegenüber. Ihr Herz möchte überfließen vor Freude und Dank gegen Gott. So nah dem Augenblick, den sie so lange schon ersehnt! Und doch... und doch! Ihre Augenlider senkten sich, ihr Blick ging in die Ferne. Nun war sie an der Reihe. Die Frauen gingen an ihr vorüber. Sie bemerkte es nicht. Vor ihr lag der Heimatstrand, vom Gold der Abendsonne umflossen. Sie sah einen Jüngling vor sich stehen, wie sie heute gebeugten Hauptes am Taufstein standen. Sie schöpfte Wasser aus der rollenden See, die ihre Füße bespülte, und goß es über sein Haupt. Heute verstand sie seinen Glauben, seine Freude, daß er ein Christ war. Er hatte ihr den Weg gezeigt. Nie wäre sie in der Fremde geblieben, wenn nicht die Sehnsucht nach dem Christentum sie dazu angetrieben hätte... Die Taufpatin störte sie. „Komm, der Pater wartet auf dich." Sie trat an den Taufstein. „Maria, ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." War's nicht, als ob das Herz seinen Schlag verlangsamte aus Ehrfurcht vor dem Geheimnis, das sich an ihr vollzog? Als sie wieder das Haupt erhob, flog ihr Blick zum Altar. Nun bin ich ein Gottss-kind. So hatte Ntonga gesprochen, so frohlockte es jetzt in ihrem Herzen. Nun erst könnte ich gleichberechtigt neben Ntonga stehen, doch... er ist nicht mehr. Wie ist das Menschenherz so arm, daß es in Stunden größter Freude oft tiefstes Weh verkosten muß! Wo war er jetzt, der Mann, dem sie ihr größtes Glück verdankte? Nicht einmal in der Heimaterde fand er ein Grab. Von tückischer Kugel ward sein Leben zerstört. Am fremden Strande bleichten seine Gebeine ... Wie glücklich könnte sie sein, wäre er ihr erhalten geblieben! Brown und Williams hatten sich erhoben und verließen die Kirche. Ntonga folgte ihnen. Noch einmal suchten seine Augen das Mädchen, das ihn an Elesa erinnert hatte. Gerade verließ sie den Taufstein. Einen kurzen Augenblick sah er ihr Gesicht. Wie ein elektrischer Strom zuckte es durch fein Herz. Was war das? Er rieb sich die Augen. Als er wieder aufblickte, stand das Mädchen bereits an seinem Platz und drehte ihm den Rücken zu. Furcht und Hoffnung und Zweifel im Herzen, wankte Ntonga ins Freie. Die beiden Offiziere gingen auf dem Kirchplatz auf und ab. Sie wollten dem Obern der Mission einen Besuch machen und warteten auf sein Erscheinen. Ntonga stellte sich in der Nähe der Tür auf, wo er sowohl die Herren als auch den Eingang zur Kirche im Auge behalten konnte. Vergeblich suchte er sich einzureden, daß er einem Trugbild nachgehe. Vergeblich bewies er sich, daß Elesa unmöglich noch am Leben sein könne. Sein Herz überschrie alle Zwei- fel. Es zwang ihn, stehenzubleiben, zu harren, sich zu überzeugen. Nun traten die Neuchristen aus der Kirche. Heilige Weihe umschwebte sie, himmlische Freude strahlte auf ihren Gesichtern. Gespannt schaute Ntonga nach der Pforte, ungeduldig. Wo blieb sie, auf die er wartete? Alle kamen heraus, nur diese nicht... War es doch nur Täuschung, was er zu sehen vermeint? Hatte sich der Himmel nur einen Augenblick geöffnet und einen Engel gesandt, ihn zu grüßen? Doch... wie konnte er sie übersehen!... Da stand sie, mitten auf der Treppe und sah über ihn weg aufs Meer hinaus. War das Elesa oder war sie es nicht? War es ihr Geist? Sein Herz klopfte zum Zerspringen. Irrlichter flimmerten vor seinen Augen. In seinen Ohren ein Brausen und Rauschen. Er möchte ihr entgegenfliegen und wagt es nicht. Er möchte rufen und kann es nicht. Warum sieht sie nicht nach ihm? Kennt sie ihn nicht? Sie tritt eine Stufe herab, eine zweite. Da preßt sich all sein Hoffen und Zweifeln, all sein Fürchten und Sehnen zusammen in das eine Wort: „Elesa!" Schüchtern klingt der Ruf und fragend. Aber sie hat ihn gehört und die Stimme des geliebten Mannes erkannt. Sie fragt nicht, ob es möglich ist; sie fürchtet nicht, daß es Täuschung ist. Sie eilt auf ihn zu. „Ntonga!" Hand schlingt sich in Hand. Sie schauen sich an und wissen nichts zu reden. Für solche Freude gibt es keine Worte. Nur die leuchtenden Augen verraten des Herzens überlauten Schlag. Sie gingen zum Meeresstrande hinab. „Wie gut ist Gott mit uns, wie gut!" begann Elesa nach langem Schweigen. „Nun wäre mir die Heimat wieder lieb, trotz des Ngil und seiner Gesellen." — „Der Ngil ist tot. Er machte seinem Verbrecherleben selbst ein Ende... Und Mune und Pembe und dein Vater, wie würden sie sich freuen, dich wieder zu sehen!"/ Sie lehnte den Kopf an seine Schulter. „Ach, Ntonga", bat sie, „laß uns heimwärts ziehen." — „Du hast betn Wunsche meines Herzens Worte verliehen. Ja, wir kehren in die Heimat zurück!" Majestätisch sang das Meer seinen ewigen Choral_____