v Illustrierte Länder- und Völkerkunde Im Lande der aukgrhenden Lonne Japan und die Japaner Von Dr. Leo Smollr Mit 37 Illustrationen VerlagsbuchhanLlung „Styria" Gra; und Wien l' 4 III. Mß Programm. / Länder- und Völkerkunde sind heute, da die Verkehrs¬ und Verständigungsmittel und der Handel die Völker einander nähergebracht haben, da jedes Volk von der Kultur des andern, ja sogar von den Nöten und Leiden nicht nur geistig und sittlich, sondern auch materiell mitberührt wird, da die soziale und wirtschaftliche Frage immer mehr internationale Frage wird, unentbehrlicher als je. Der Kaufmann und der kauf¬ männische Angestellte, selbst der Handwerker und Landmann, der Volkswirtschafter, der Lehrer, Jurist und der Beamte, sie können heute eine mehr oder weniger genaue Kenntnis des näheren und entfernteren Nachbars nicht entbehren. Und das Verständnis für die moderne Welt und ihre Fragen und Nöten, ja selbst die gewöhnliche Zeitungslektüre setzen in etwa eine Kenntnis der uns heute geistig so nahestehenden Länder der Erde voraus. Zusammenfassende, über das Wesen der Länder orientierende Werke können also selbst in einer be¬ scheidenen Hausbibliothek nicht mehr entbehrt werden. Diesem Bedürfnis will eine einheitliche Bibliothek ent¬ gegenkommen, welche wir hiemit zur Anzeige bringen und deren Erscheinen begonnen hat, nämlich eine Illustrierte Länder- und Völkerkunde. Wie es die oben gegebene Begründung von selbst mit sich bringt, soll diese neue Bibliothek nicht an einer äußer¬ lichen Schilderung von Ländern und Völkern haften bleiben, sondern es soll vor allem dem Werdegang und den D a s e i n s b e d i n g n n g e n der einzelnen Volksgruppen, ihren geistigen Besonderheiten nachgegangen werden; es soll das Bestehende als Ausfluß ihres Wesens und Werdens in Ver¬ bindung mit den gegebenen natürlichen Bedingungen und Verhältnissen gezeigt werden. Also nicht bloß Länder- nnd Völkerkunde, sondern Kultur- und Menschheitsgeschichte will unsere Bibliothek bieten. II k? kLU r- r^LÄk 7 empfänglich. Wenn der Frühling seine Reize entfaltet, pilgern Hunderte von Familien hinaus, um sich au der Lieblichkeit und dem Farbenschmelz der blühenden Landschaft zu erfreuen. Kein Fest ist beliebter als das, mit dem man das Erscheinen der ersten Kirschblüten feiert, oder jenes, das der National¬ blume der Japaner, der in hunderterlei Farben und Größen prangenden Chrysanthemenblüte gilt. Mildert der Herbst die Hitze des Sommers und stumpft er die Glut feiner Farben ab, so wandelt man in den kaiserlichen Gärten durch beinahe endlose Felder von Chrysanthemen, die dem Auge eine berauschende Farbensinfonie darbieten. Das Chrysan¬ themum ist die Wappenblume des Staates und nebst der Blüte der wilden Kirsche, die viel duftiger und zarter als in unseren Gegenden ist, die Lieblingsblume des Japaners. An Stelle der Kronen, die in europäischen Herrscherpalästen Baldachin und Thronstühle schmücken, sind iin Kaiferpalaste zu Tokio überall sechzehnblättrige goldene Chrysanthemen¬ blüten zu sehen. Das Familienwappen des kaiserlichen Harstes find drei Blätter und drei Blüten der sogenannten Königs- pslanze (knulmvnis, Imxorlalis). Es gibt in Japan weder Krone noch Zepter als Abzeichen der kaiserlichen Würde. Die Blume herrscht im Fürstenpalaste wie im schlichten Bürgerhause als Schmuck vor. Nur die Japanerin weiß einen Strauß so zu binden, daß er, ich möchte sagen, einen fast künstlerischen Eindruck hervorbriugt. Niemals wird sie ein Bukett zusammenstellen, das durch die massige Fülle einer einziger: Blumengattung wirken soll; immer, selbst in einem größeren Strauß, werden die Blümer: einzeln gesteckt und häufig wird ein einzelner Blütcnzrveig ir: der Vase so arrangiert, daß er den Eindruck gefälliger Grazie hervorruft. Nimmt man zu dieser Schönheit der japanischen Land¬ schaften, deren Haine und Berge mit eigenartigen Heiligtümern rind Tempelchen angefüllt sind, noch das so originelle Leben und Treiben in den Straßen der Dörfer und Städte, durch die das von Menschen gezogene Wägelchen, die Jinrikisha, rollt und von hohen Masten mit bunten chinesischen Schrift¬ zeichen bemalte Wimpel wehen, so wird mar: es begreiflich 8 ^rrr-Lrrc^cLiirLircLikc-LUcLN^-n^irsnc-sirc-srrcLNkMc^sic^-Ncsr finden, daß alle diese Wunder der Natur und Kultur seit jeher eine große Zahl von Reisenden in diese Länder lockten. Aber es ist nicht bloß der Reiz der Neugierde, auf dem die Freude an solchen Schilderungen beruht. Noch ein anderes Moment kommt in Betracht. Man hat in Europa vielfach von einer sogenannten „gelben Gefahr" gesprochen. Es ist kaum im Ernste denkbar, daß Europas hohe Kultur jemals von der Ostasiens vernichtet werden wird. Und schon gar nicht von China; dazu ist dieses Land viel zu schwerfällig und hängt zu halsstarrig am Hergebrachten. Aber, wenn jemals die überreife Kultur Europas in sich zusammensinken sollte, dann wäre niemand berufener, sie zu überleben und ihr Erbe anzutreten, als das „Land der aus¬ gehenden Sonne", als Japan, dem Europa großmütig seine ganze Bildung in den Schoß geworfen hat. Obwohl vielleicht nur ein Siebentel oder Achtel der ge¬ samten Bodenfläche Japans (das neuerworbene Formosa nicht eingerechnet) ans Ackerland entfällt, so ist es doch seit uralter Zeit ein Agrikulturstaat und weitaus der größte Teil der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft. Aber auch in Japan vollzieht sich gegenwärtig der Über¬ gang von einem ackerbautreibenden in einen Industrie¬ staat. In vielen Industriezweigen hat es sich bereits von Europa emanzipiert, in manchen ist es konkurrenzfähig und in einzelnen Artikeln hat Japan den europäischen Wett¬ bewerb verdrängt. Japan beherrscht bereits den chinesischen Markt und wird sich mit der ihm eigentümlichen Zähigkeit und Beharrlichkeit bald auch noch andere Absatzgebiete erobern. Das Reich des Mikado ist unter die Großmächte des Weltverkehres ausgenommen und trotz der Geldarmut des Landes, die bisher das größte Hindernis eines noch rascheren Anwachsens seiner kommerziellen und kaufmännischen Be¬ deutung gewesen ist und die sich durch die fast unmittelbar aufeinanderfolgenden großen Kriege mit China und Rußland natürlich noch gesteigert hat, geht Japan sicher noch einer- glänzenden Zukunft entgegen, solang die guten Keime, die im japanischen Volkscharakter liegen, erhalten bleiben und der echte, Dauer verheißende Fortschritt nicht etwa in einem Wirbel unverständigen Radikalismus untergeht. Ein solches Land, das vor fünfzig Jahren noch so gut wie unbekannt war und jetzt eine gewichtige, tonangebende Stimme im Konzert der Weltmächte beanspruchen darf, ist gewiß in jeder Beziehung interessant s und so dürften denn die folgenden Schilderungen von Land und Leuten der ja¬ panischen Jnselslur sicher der lebhaftesten Teilnahme unserer alten und jungen Leser sich erfreuen. I. Aas Land. Das Kaiserreich Japan erstreckt sich zwischen dem 21" 45' und 50° 50' nördlicher Breite und zwischen dem 119° 20' und 156° 32' östlicher Länge. Es hat seinen südlichsten Punkt im Kap Garampi auf der Insel Taiwan, die die Portugiesen einst Formosa, die „schöne", nannten, und sein nördlichstes Ende in der kleinen Kuruleninsel Araito, nicht weit vom Vorgebirge Lopatka. Den westlichsten Teil des Reiches bilden die Höko-tv, die Peskadores oder Fischerinseln; den östlichsten die knrnlische Insel Shu ms hu. Das Inselchen Araito liegt in der Breite von Köln a. Rh., das südlichste Formosa hat mit der Gangesmündung die gleiche geographische Breite. Bei dieser großen Breitenerstreckung ist es natürlich, daß die klimatischen Unterschiede in den einzelnen Teilen des Reiches ziemlich stark ausgeprägt sind. Im allgemeinen übt die Nähe des Meeres einen mildernden Einfluß aus, wenn auch die im Osten den Inseln streichende warme äquatoriale Strömung des Meeres, der sogenannte Kuro -sh iwo schwarzer Strom), für das Klima Japans nicht die- gleiche intensive Bedeutung hat wie etwa der Golfstrom für das skandinavische Europa. Durchschnittlich ist die mittlere Jahrestemperatur viel niedriger als in der gleichen Breite von Kalifornien oder gar in dem glühend heißen Malakka. Schneereiche Winter und eisigkalte Winter sind nichts Seltenes. Nagasaki auf der Jnfel Kins hu hat eine durchfchnittliche Jahrestemperatur k-LÄ? k-L^»? r<^Ä? c? lT^H II von nur 6'ZO o, U'ährcnd das in gleicher Breite liegende Funchal ans Madeira eine solche von 15° bis 16" 0 auf¬ weist und im Winter meist 12" 0 Wärme hat. Der Gipfel des Fujiyama, der in den ersten Strahlen der Morgensonne wie mit dem zarten Rot der Pfirsichblüte übergossen erscheint, ist nur in den Monaten Juli und August schneefrei und erhebt sonst den zuckerhutförmigen Kegel in blendender Reinheit seines Schneemantels in den lichtblauen Äther. In Kioto und Jokohama liegen im Winter oft mehrere Tage lang dünne Eisdecken auf den stehenden Gewässern; im Jahre 1878 tonnten Fremde den Japanern sogar die Kunst des Eislansens zeigen. Auf der nördlichsten Jnfel Jezo dauert der Winter oft sechs bis sieben Monate. Am schönsten sind die Frühlings- und Herbsttage. Da ist der Himmel von einer bezaubernden Reinheit und Klarheit und von eindr Durchsichtigkeit, die selbst die entferntesten Gegenstände in zarten Umrissen erkennen läßt. Die milde Luft umschmeichelt mit entzückender Weichheit die Sinne des Wunderes und mach! die Vorliebe des Japaners für den Aufenthalt im Freien begreiflich. Im Oktober findet die Reisernte und die Bestellung der Felder für die Winterfrucht statt. Dann färbt sich der Wald¬ gürtel der Berge und erglänzt in Nuancen bis zum dunkelsten Gelb und Braun, in einer Mannigfaltigkeit und Buntheit, wie sie der Herbst unserer Gegenden niemals darbietet. Freilich kommen in Japan auch Temperaturextreme von 38-30 o Wärme und 24'6" 0 Kälte — diese wurde am 5. Februar 1888 beobachtet - vor. Bei einer solche Kälte mögen hie armen Leute in ihren leichten luftigen Häuschen, in denen es weder Ofen noch Herdstellen gibt, nicht wenig gelitten haben. Allerdings ist diese Bauart der Häuser fast eine Not¬ wendigkeit angesichts der ungemein häufig auftretenden Er d- beben, von denen die vulkanischen Inseln Japans fast all¬ jährlich heimgesncht werden und denen festere Steinbauten nicht widerstehen könnten. Dafür brennt das Feuer, das in diesen aus Papier und Holz bestehenden Wohnungen, deren 12 Haupteinrichtung die Strohmatten sind, so leicht ausbrechen kann, in einem Nu ganze Straßenzeilen nieder und der japanische Volkswitz nennt das Feuer geradezu „die Blume von Jeddo". Dem großen Erdbeben vom Jahre 1894 fielen in Tokio unter anderem auch die deutsche und italienische Gesandtschaft zum Opfer und die furchtbare Katastrophe vom Jahre 1855 verwandelte die Hauptstadt in einen Schutthaufen. In den Wintermonaten von Jänner bis März vergeht kaum ein Tag, an dem nicht dieser oder jener Teil der Insel von leichteren Beben heimgesucht würde. Aber die Bevölkerung läßt sich durch solche „erschütternde Ereignisse" nicht so leicht aus der Fassung bringen. Sie ist zu sehr daran gewöhnt und das japanische Haus, das kein Fundament und keine Rauchfänge hat und nur aus Holz und Papier besteht, setzt selbst einem stärkeren Beben genügend Widerstand entgegen. Auch das Feuer bringt den Japaner nicht so leicht aus dem Gleichmut. Die wertvollen Waren werden rasch in den feuersicheren Speicher gebracht; das übrige läßt er eben zu¬ sammenbrennen; ist es doch verhältnismäßig rasch wieder aufgebaut und dann ist alles wieder im alten Geleise. Auch Staubstürme sind häufig eine Plage des Winters; nicht selten wüten auch heftige Wirbelwinde, Taifune (aus dem chinesischen äai — groß und tu — Wind), meist im Nachsommer, und richten bedeutenden Schaden an. Das japanische Kaiserreich zerfällt in Alt- und Neu¬ japan, wozu noch das im letzten Kriege mit Rußland (1904—1905) erworbene Gebiet von Port-Arthur und der südliche Teil der Insel Sachalin bis zum 50. Breiten¬ grad hinzukommt. Das alte Japan umfaßt die Inseln Honshu oder Hondo (soviel wie Hauptland), die man in Europa gewöhnlich Nippon nennt und als das japanische Festland bezeichnet, dann Kiushu (--- Neuländer) und Shikoku (die Vierlande). Unter diesen Inseln ist Honshu das Herz des Landes. Auf ihr liegt dis alte Hauptstadt Kioto und die jetzige Residenz des Kaisers Tokio. Hier sind auch die großen Handelszentren Osaka und Jokohama. Aus Kiushu befindet sich in reizender Lage die große Hafenstadt Nagasaki, die erste japanische Stadt, die dem europäischen Handelsverkehr erschlossen wurde. Zu Neujapan rechnen die Japaner erstlich dieRiukiu- Jnselnst ferner das von China erworbene Formosa, das die Japaner Taiwan (die Jnselbucht) nennen, dann Hokkai-dö, den Nordlandbezirk, der aus Hokushu (Nordland), bekannter unter dem Namen A e zo, und aus den Kurilen besteht. Diese heißen im Japanischen Chishima ----- tausend Inseln, obgleich ihre Anzahl dreißig nicht viel übersteigt. Endlich gehören zu Neujapan auch die sogenannten Boni»-Inseln, die in der einheimischen Sprache Ogasawara-jima oder Muninto heißen. Alt- und Neujapan zusammen hat mit den kleineren Nebeninseln einen Flächenraum von 417.297 Quadratkilometer und nach dep letzten Volkszählung vom Jahre 1902 eine Bevölkerung von fast 50 Millionen; dies ergibt eine Dichte von durchschnittlich über hundert Menschen auf den Quadrat¬ kilometer. Hievon entfällt über die Hälfte des bewohnten Flächen¬ raumes auf die Hauptinsel, die mit ihren 223.519 Quadrat¬ kilometern so groß wie Ungarn ist. Die Japaner bezeichnen mit dem Namen Nippon, aus dem die romanischen Sprachen Japon, die germanischen Japan gebildet haben, das ganze Reich und niemals die Hauptinsel allein, die eigentlich merkwürdigerweise keinen besonderen Namen hat. Die erste Kunde von dieser merkwürdigen, an Natur¬ schönheiten so reichen Inselwelt brachten die fabelhaften Reise¬ berichte des kühnen Venezianers Marco Polo gegen Ende des 13. Jahrhunderts, der das Land Zipangu nannte, nach dem chinesischen Dschi-pen-kus, d. i. Land der aufgehenden Sonne. Er hat durch seine Märchen von dem goldreichen Zipangu viele Köpfe verwirrt, aber auch den Anstoß zur Entdeckung eines neuen Seeweges nach Ostasien gegeben. In alten Zeiten sahen die Japaner ihr Reich als Zentrum der Welt an und ließen es im Osten an Tai-yo, den Ozean, im Norden an Makatsu (Sachalin), im Westen an China st Gewöhnlich Lutschu genannt; nach dem Chinesischen, da die chinesische Sprache kein r kennt. 14 (China) und im Süden an Tenjiki (soviel als „Himmelsstütze"), Indien, grenzen. Daran schlossen sie Portugal, Holland und andere europäische Länder, von denen sie im Lause der Zeit gehört hatten. Der Gebrauch, dem Namen Nippon das Wort äni (^ groß) vorzusehen, wurde erst in neuester Zeit aufge¬ geben. Tie alte Sage weiß über das Entstehen des Landes folgendes zu erzählen: Als einst die Götter Jsanagi und Jsanami, feine Ge¬ mahlin, auf der Himmelsbrücke faßen, um das zu ihren Füßen rauschende Weltmeer zu beschauen, senkte Jsanagi von ungefähr die Spitze seiner reich verzierten Lanze in das Meer. Sofort teilte sich dieses und aus den von dem Speer herabfallenden Tropfen entstanden Inseln. Zuerst die Insel Aw aji, auf der sich das Götterpaar niederließ, dann noch sieben andere (Honshu, Kiufhu, Shikoku, Sado, Tsushima, Oki und Jki). So entstand das Reich Oyashima, die „Großen acht Inseln", das älteste Japan. Dieses alte Reich nennen die Japaner das Götterland oder die Inseln der erstarrenden Tropfen; auch das „erhabene Land" Jamato; es wird von dem Japanischen Meer und dem stillen Ozean umspült und reicht im Süden bis zur Breite des Nildeltas und im Norden bis zu der des Bosporus. Die Lieblingstochter des ersten-Götterpaares war die Sonnengöttin Amaterasu. Von ihr stammt das Herrscher¬ geschlecht der japanischen Kaiser, das seinen Ursprung in direkter Abfolge bis auf Jimmu Tenno ^) im Jahre 660 v. Ehr. zurückleitet. Von der landschaftlichen Schönheit der japanischen Insel¬ welt haben wir schon gesprochen. Das Japanische Meer, tbs Inland Zog,, die Jnlandssee, wie die Engländer es nennen, ist durch die paradiesische Schönheit feiner Ufer ausgezeichnet. Es hat eine Länge von etwa 350 Kilometer und 10 bis 50 Kilometer Breite. Es ist ein großer Lagomaggiore, nur noch lieblicher und mannigfaltiger durch den wechselvollen st Tenno, Sohn des Himmels, ist der alte Titel für den Kaiser, der noch jetzt im Volke gebräuchlich ist. An der Küste von Nippon. 16 ki^»? kr k-^? t-,. n malaiischen, als vom ausgesprochen mongolischen Typn - an sich. Im allgemeinen sind die Japaner ein kleines Volk. Ti Männer werden selten über 160 cnu groß. Das geringste Militärmaß für Fußtruppen ist 150 am, für die übrigen Waffen¬ gattungen 159 om. Bei den Frauen gilt als durchschnittliche Größe 146 cnn. Doch gibt es allerdings auch Ausnahmen, so den berühmten Generalstabschef Kawakami, der vor mehreren Jahren starb und der ein stattlicher, hochgewachsener Herr war. Diese Ausnahmen deuten auf Vermischung mit Ainublut, und man ist geneigt anzunehmen, daß die vorgeschichtliche Ur¬ bevölkerung der arischen Sprachenfamilie angehörte. Das japanische Volk zeigt zwei Haupttp pen, einen feineren und schlankeren, mit längerem Gliederbau, der sich hauptsächlich in der vornehmen Gesellschaft findet und einen derberen, plumperen, der die Kennzeichen der mongolischen Rasse deutlicher zur Schau trägt und besonders unter dem Landvolke sehr verbreitet ist. Die Hautfarbe des Japaners ist hellgelb, doch zeigt sie viele Abstufungen bis zu dem satten Braun des Inders und dem lichten Schwarz mancher Negerstämme, aber sie ist durchaus nicht so auffallend wie bei den Chinesen. Tas Haar ist schlicht und schwarz, auch das des meist schütteren und fast nie gelockten Bartes. Die geschlitzten Augen sind nur eine Folge des Schiefstehens der Lider, die gegen die Nafe herabsinken. „Der japanische Schönheitsbegriff", sagt Rein, „verlangt eine Helle Hautfarbe, ein langes, ovales Gesicht, fchiefliegende Augen, einen kleinen Mund und eine hohe Nase. Da das weibliche Geschlecht durchaus nicht in allen seinen Exemplaren diesem Ideal entspricht, so wird viel mit kosmetischen Mitteln nachgeholfen und besonders die Gesichtsfarbe durch eine blei¬ weißartige Schminke stark weißgefärbt, während man dem Munde durch Aufträgen von Rot eine kleine, zierliche Form zu geben sich bemüht. An der oft stumpfen und aufgestülpten Nase läßt sich freilich ebenso wenig ändern wie an der Form des Gesichtes und der Augen." i) Japan nach Reisen und Studien, 1. Bd., S. 541. Im allgemeinen sind die Arme und Hände der Japaner, und nvar der Männer wie der Frauen, sehr schön und eben¬ mässig gebaut, und manche europäische Salondame würde Eine japanische Schönheit. einen armen Lastträger oder Jinrikischa-Mann, der sich in das zierliche, zweirädrige Wägelchen einspannt, um es als Zugtier fortzubewegen, um seine kleinen und schönen Hände beneiden. 32 l^rk k-^r? c^rH k-^Ä? kkrsrr^rrLLirrLirkSkc^;rcL-Nc-s8cLHkL-ir Als noch die zum Tode Verurteilten öffentlich enthauptet wurden, mußten kleine Knaben nicht nur der schrecklichen Prozedur beiwohnen, sondern auch zur Nachtzeit die Richt¬ stätte besuchen und am Kopfe des Hingerichteten ein Zeichen zurücklassen zum Beweis, daß sie dort gewesen waren. Die Zeiten sind milder geworden, aber der todes¬ verachtende Mut der Japaner ist derselbe geblieben; ist ja im russisch-japanischen Kriege die ganze Mannschaft eines sinkenden Schiffes lieber untergegangen als sich gefangen zu ergeben. Denn die zweite Eigenschaft des Bushido ist peinliches, unseren Begriffen oft unnatürlich erscheinendes Ehrgefühl. Sie trieb viele junge Japaner, die im letzten Kriege vom Militärdienste zurückgewiesen wurden, dazu, sich das Leben zu nehmen, weil sie es für eine Schande hielten, vom Dienste für das Vaterland ausgeschlossen zu fein. Der Samurai sagte: die Schande ist wie eine Narbe am Baume, die Zeit vergrößert sie, statt sie zu vernichten. Damit hängt auch der uralte Gebrauch des Harakiri, Bauchaufschlitzens, zusammen, der im alten Japan häufig vorkam und auch jetzt «och nicht ganz erloschen ist, wenn¬ gleich das Harakiri als Todesstrafe abgeschafft ist. Der Sa¬ murai hielt es für unmöglich, seine befleckte Ehre zu über¬ leben, und um der drohenden Schande zu entgehen, wählte er freiwillig und ohne das geringste Zeichen der Angst oder Furcht die genannte Todesart, die er mit einem Stoizismus ohnegleichen an sich selbst vollzog. Von dem ungemein reizbaren Ehrgefühl, das noch immer im japanischen Volke liegt, erzählt uns Graf Königsmarck einige charakteristische Züge. Der deutsche Gesandte hatte einst wegen ungebührlichen Betragens einen Reitknecht entlassen, den ihm sein Ober¬ kutscher Tanaka empfohlen hatte. Dieser fühlte sich dadurch in seinem Ehrgefühl gekränkt und drohte, sich einen Finger abzuschneiden, wenn der Gesandte feiner Fürbitte für den Entlassenen nicht Gehör schenken wolle. Er verwirklichte auch feiue Drohung und hieb sich sofort den Zeigefinger der rechten Hand ab. Er verbürgte sich nochmals für den entlassenen Altjapanische Krieger. gs 36 kiLÄ? k-^n k^n k) L a f k a d io Hearn, Jzumo, S. 281. 2) Paalzow, Das Kaiserreich Japan, S. 26. 39 Der dem Europäer so häufig auffallende Mangel an Schamhaftigkeit, der es dem Japaner nicht anstößig erscheinen läßt, die intimsten Heimlichkeiten seines Hauswesens den neu¬ gierigen Blicken europäischer Beschauer preiszugeben, hat viel¬ leicht seinen Grund in der harmlosen Kindlichkeit, die einen Hauplzug des japanischen Volkscharakters bildet. Daher auch die übersprudelnde, doch niemals ins Rohe ausartende Heiterkeit, mit der sich das Volk bei seinen vielen Festen ganz dem Genüsse des Augenblicks hingibt, und die Freude, mit der die Erwachsenen an den Spielen der Kinder teil¬ nehmen. Der Japaner ist im Durchschnitt über die Stufe naiver Sinnlichkeit und Anschauung nicht hinausgekornmeu und hat daher auch auf dem Gebiete der Religion für tiefsinnige Dogmen und spekulative Lehrsätze wenig Verständnis. Er begnügt sich gern mit äußeren Symbolen und Zeremonien, so sehr das Volk auch, besonders das weibliche, für religiöses Empfinden empfänglich ist. d Aber selbst der gemeine Mann hat eine scharfe Be¬ obachtungsgabe und überaus geschickte Hände und schon dieser Umständ erklärt die überraschend schnellen Fortschritte, die Japan unter der Leitung seiner europäischen Lehrmeister gemacht hat. Die Kinder sind im allgemeinen in ihren jüngeren Jahren an Raschheit der Auffassung und Fertigkeit des Ge¬ dächtnisses ihren europäischen Altersgenossen überlegen; später, wo es mehr auf Verarbeitung des Gelernten ankommt, kehrt sich dieses Verhältnis allerdings häufig um. Eine auszeichnende Eigenschaft des japanischen Volkes ist seine ausgesprochene Liebe zur Natur und fein Sinn für das Schöne. Ausbrüche brutaler Roheit kommen fast nie vor, wenn auch lang verschlossener Haß zuweilen zu abstoßenden Äußerungen der Volksleidenschaft führt. Kommen zwei Kulis auf der Straße mit ihren Handwägelchen aneinander, so entschuldigen sie sich mit vielen Verbeugungen. Das laute Schimpfen und Fluchen europäischer Wagenlenker ist in Japan so gut wie unbekannt. Die japanische Sprache kennt gar keine Schimpfworts. 40 Der Japaner ist vorherrschend Sanguiniker mit allen Vorzügen und Fehlern eines solchen. Er greift rasch zu und ist bei der Arbeit unverdrossen heiter. Freilich ermattet oft sein frischer Wagemut, wenn ihm nicht sogleich der Erfolg winkt. Der Stillstand vieler japanischer Fabriksunternehmungen, die ebenso schnell ins Werk gefetzt wie im Stich gelassen wurden, ist wohl auf diesen Charakterzug zurückzuführen. Der Japaner ist ferner äußerst beweglich und unglaub¬ lich bedürfnislos. Wohl auch ein Grund der raschen Kultur¬ fortschritte dieses Volkes. Während wir Abendländer uns nur sehr schwer entschließen, unseren Aufenthaltsort zu wechseln, bedarf es hiezu für den Japaner keiner längeren Überlegung. Auch der Ärmste aus dem Volke, der sich nicht einmal eine Eifenbahnfahrt gönnen kann, reist gern und viel. Seine nie durch Lederfchuhe eingezwängten Füße vermögen leicht fünfzig englische Meilen täglich zurückzulegen; dabei begnügt er sich mit der kärglichsten Nahrung. Seine Reiseausrüstung kostet ein paar Heller und sein ganzes Gepäck hat er in ein Taschen¬ tuch eingebunden, in dem auch Kämme, Zahnstocher, Rasier¬ zeug und Zahnbürste untergebracht sind. „Mit zehn Dollars", sagt Hearn, „kann der Japaner ein ganzes Jahr lang reisen, ohne arbeiten zu müssen, oder er kann einfach seine Reise¬ kosten durch Arbeit verdienen, aber er kann auch als Pilger reisen." Diese Beweglichkeit ist ein Hauptzug im Volkscharakter des Japaners, der vieles in seinen Erfolgen erklärt. Doch noch hervorstechender ist eine andere Seite seines Wesens. Der Japaner ist vor allem ungemein eitel und ruhmsüchtig; fein fieberhafter Ehrgeiz, es den mächtigsten Nationen der Erde gleichzutun, ja sie womöglich noch zu übertreffen, ist wohl neben der glühendsten Vaterlandsliebe, die ihn beseelt, der kräftigste Ansporn zu dem fast märchenhaften Aufschwünge des Landes gewesen. Man hat viel über die Unzuverlässigkeit des japanischen Kaufmannes geklagt und gewiß sind manche dieser Beschwerden vollberechtigt; aber man darf nicht vergessen, daß Gelderwerb und Handel bis auf die neueste Zeit in Japan für unan¬ ständig galten und der verachtete Kaufmann sich daher wenig bemühte, seinen Ruf zu verbessern. Ein japanisches Sprich¬ wort lautet: „Nenne jemand einen Dieb und er wird stehlen." Auch sind viele unerfreuliche Seiten des japanischen Volkscharakters aus der vollständige« Umwälzung zu erklären, die das ganze Volk innerhalb weniger Jahrzehnte durchmachen mußte. Tas neue Kleid der Kultur, das dem Volke gewalt¬ sam aufgedrängt wurde, hat sich ihm noch nicht angeschmiegt, und ans dem Halbsertigen oder Unfertigen der modernen japanischen Zivilisation erklärt sich manches, was dem Fremden abstoßend oder tadelnswert erscheinen mag. Es wäre schlimm, wenn die Hauptgrundsätze des Bushido, die Ritterlichkeit und Höflichkeit des alten Japan, durch den gewaltigen staatlichen und gesellschaftlichen Umsturz, den das Land mitgemacht, für immer erschüttert worden wären und statt des guten Kerns nur eine blendende, aber täuschende Hülle zurückgeblieben wäre. 2. Zie Familie.- Als diesen guten Kern müssen wir ganz besonders das Familienleben und das Verhältnis des Japaners zu seinen Kindern bezeichnen. Denn auf der Familie und der Erziehung der Kinder beruht vor allem der Bestand und die Wohlfahrt des Staates. Man hat Japan das P ar a d i e s d e r K i n d e r genannt. Dieser Ausspruch ist vollberechtigt. Nirgend auf der Welt werden die Kinder mit so viel Liebe und Zärtlichkeit auf¬ gezogen wie in Japan. Rauhe Scheltworts oder gar Schläge kommen nicht vor. Mit Kindern sich zu belustigen, macht jedem erwachsenen Japaner Freude. Niemals kehren Vater oder Mutter von einer Reise oder auch nur einem kleineren Ausfluge heim, ohne den Kleinen irgend eines der reizenden und billigen Spielzeuge mitzubringen, die man überall, be¬ sonders in der Nähe der Tempel, oft nur um ein paar Sen oder Rin erhält. Ta der Geist des japanischen Staats- und Familien¬ lebens in dem Ahnenkultus wurzelt und die Familie schon deshalb fortgepflanzt werden muß, um den Totenkultus 4 2 rL»? l-—>r k'-,»< t-.-»! l-—c---»r r^LÄ- k-L»? k'.:i aufrecht zu halten und den Vorfahren an den bestimmten Gedenktagen die vorgeschriebenen Familienopfer darzubringen, so legt der Japaner großes Gewicht auf Kindersegen, und ein Sprichwort lautet: „NivlÜAi mono üo taxau" (Biedere Leute haben viele Kinder); besonders wird natürlich auf männliche Nachkommenschaft Gewicht gelegt. Bleibt diese versagt, so greift man zur Adoption. In älterer Zeit war diese noch viel verbreiteter als gegenwärtig, wo sie durch das bürgerliche Gesetzbuch eingeschränkt ist. Es ist das unvergängliche Verdienst des Christentums, die Stellung der Frau gehoben und sie zur Gefährtin des Mannes gemacht zu haben. Eine solche Gleichstellung der Frau kennt der Orientale nicht; sie ist auch in Japan unbekannt, wenngleich die Stellung der Frau dort immerhin besser ist als in China oder anderen orientalischen Ländern. Auch in Japan ist die Frau die Dienerin des Hauses, indem sie als Mädchen dem Vater, als Gattin dem Manne, als Witwe dem ältesten Sohne unbedingten Gehorsam schuldig ist und die schweren Pflichten der Kindererziehung und der Bestellung des Haus¬ wesens stets lächelnd und ohne Murren ausüben soll. Religiöse Zeremonien sind bei der Schließung einer ja¬ panischen Ehe so gut wie gar nicht erforderlich. Alles Not¬ wendige wird durch Vermittler — gewöhnlich ein guter Freund des Bräutigams — besorgt; in den wenigsten Fällen kennt das auserwählte Mädchen vor der Hochzeit überhaupt den Mann, der ihm zugedacht ist. Am Abend vor dem Hochzeitstage kleidet sich die Braut ganz in Weiß, die Farbe der Trauer in Japan; zum Zeichen, daß sie für ihre Familie gestorben ist; auch wird das Haus, nachdem sie es verlassen, sorgfältig gekehrt, wie nach einem Toten, der aus der Wohnung getragen wurde. Wenn die Braut, begleitet von dem Heiratsvermittler und seiner Frau, das Haus ihres zukünftigen Gatten betreten hat, legt sie das weiße Kleid ab und hüllt sich in ihren schönsten Kimono. Eine Freundin reicht dann eine mit Reis¬ wein gefüllte Schale abwechselnd dem Bräutigam und der Braut zum Trinken. Nachdem beide dreimal daran genippt, wiederholt sich dies ein zweites und drittes Mal. Das ist alles; die Eheschließung ist vollzogen. So wenig Förmlichkeiten bei der Schließung der Ehe in alter Feit notwendig waren und auch heute außer der bürger¬ lichen Einregistrierung der Eheakten erforderlich sind, so rasch konnte der Mann zur Ehescheidung schreiten; denn nicht bloß Ausbleiben der Mutterschaft, sondern selbst schon Schwatz¬ haftigkeit oder mürrische Laune der Frau berechtigten den Mann zur Trennung der Ehe. Das ist heute, seitdem das bürgerliche Gesetzbuch in Kraft steht, wohl nicht mehr so leicht, aber Nebensrauen sind dem Manne immerhin gestattet, wenn auch die legitime Gemahlin ihren Rang als Olruoama (hohe Frau) immer behält. Aber all dies darf die Dienst- sertigkeit und Heiterkeit der Japanerin nicht trüben und fast nie verschwindet das liebenswürdige Lächeln von ihren Lippen, das schon die kleinsten Mädchen so reizend macht und der unbedeutendsten Dienerin eines Teehauses vorge¬ schrieben ist. Ehrerbietung gegen die Eltern ist die erste und höchste Kindcspslicht. Das alte japanische Gesetz spricht eine Strafe von hundert Tagen Gefängnis gegen ein Kind aus, das sich während der gesetzlichen Trauer um Eltern oder Großeltern vermählt. Es kommt nicht selten vor, daß ein Vater seine Tochter auf einige Jahre verkauft, um die Mittel zur Bestattung seines Vaters aufzubringen, und die Fälle, daß Mädchen mit Zustimmung ihrer Eltern Geishas wurden und in öffent¬ lichen Teehäusern sich produzierten, um zur Aufrechthaltung des ärmlichen Haushaltes beizutragen, sind ziemlich häufig. Die Geschichte der siebenundvierzig Ronin, jener Lehcnsleute, die sich anfopferten, um den Tod ihres Herrn, des Damno von Ako zu rächen, erzählt auch die rührende Episode eines Mädchens, das sich mit Zustimmung ihres Vaters und ihres Bräutigams auf drei Jahre verkaufte, um dem Verlobten die Mittel zur Reise zu seinen Mitverschworeneu zu ver¬ schaffen, obwohl ihm und allen Verschwörern der sichere Tod in Aussicht stand. Ein japanisches Sprichwort sagt: „Lio-lütsuji-va bwama -l I » c l-.->c - » c > c »v ^ -1! ^.,11 - It ^->! c.-.,. t--. > r r^li l'.-», ^.-Ic k^L? 2uits obiobi-o nomu", „Das Lamm trinkt die Milch knieend", d. h., selbst das Tier hat Ehrerbietung vor der Mutter. In den japanischen Schulen ist ein Lesebuch verbreitet, das vier- undzwauzig Erzählungen enthält, lauter Musterbeispiele für treue, ausopsernde Kindesliebe. Eine dieser Erzählungen lautet folgendermaßen: Ein Knabe hatte eine böse Stiefmutter, die ihn sehr hart behandelte. Nichts¬ destoweniger hielt er sich streng an das Gebot: Du sollst vor deiner Mutter Ehrfurcht haben. Eines Tages verspürte die harte Frau große Lust, einen Fisch zu essen. Aber es war strenger Winter und weit und breit kein Fisch zu haben. Da ging der Knabe hinaus zum Teich, um das Eis aufzuhacken, doch es war zu hart und widerstand selbst den stärksten Schlägen. Nun zog er seine Kleider aus und legte sich nackt aufs Eis, um dieses durch seine Körperwärme zum Schmelzen zu bringen. Wirklich entstand bald ein ziemlich großes Loch im Eis und der Kleine erblickte ein paar prächtige Karpfen; diese sing er und brachte sie feiner bösen Stiefmutter. Ein ähnliches Gefchichtchen ist das folgende: Ein Knabe, der eine besonders feine und empfindliche Haut hatte, setzte sich in einer schwülen Sommernacht unbekleidet auf die Veranda des Hauses und gab seinen Körper den Stichen der Moskitos (Stechmücken) preis, um sie von seinen Eltern abzulenken, da diese wegen der Mückenplage nicht schlafen konnten. Rührend ist auch die Erzählung von dem armen Manne, der für seinen alten Vater und für seinen Sohn sorgen mußte, aber so dürftig war, daß er uicht im stände war, sich und die beiden zu ernähren. Er sagte sich, daß, wenn sein Sohn nicht mehr am Leben sei, er für den greisen Vater allein wohl die Mittel zum Lebensunterhalt aufbringen könnte. Er beschloß daher, den Knaben lebendig zu begraben. Aber als er schon eine tiefe Grube zu machen sich anschickte, stieß er mit dem Spaten an einen harten Gegenstand. Es war ein großes Gesäß mit Goldstücken. Alle Not war nun zu Ende und seine Kindesliebe fand sich belohnt. Sehr hübsch ist auch die folgende Kindergeschichte, die Laskadio Hearn erzählt. Zwei blutarme Bauersleute aus Tittori hatten zwei Knaben von sechs und acht Jahren, denen sie die rührendste Sorge zuwendeten. Doch sie siechten bald dahin und ließen die Kleinen ganz allein in dem armseligen Häuschen zurück. Nun verkauften diese nach und nach alles bis aus einen kleinen Futon (Bettdecke), den sie aber schlie߬ lich auch veräußern müßten, denn sie hatten nichts zu essen; und endlich mußten sie selbst die elende Hütte verlassen, in der sie unter dem dünnen Futon, eng aneinandergeschmiegt, so ost gefroren hatten. Immer hatte der ältere den jüngeren gefragt: ^.mi-8au samuknro? (Dir ist wohl kalt?) Und immer hatte das feine Sümmchen des Kleinen geantwortet: Omas samulraro (Nein, dir ist wohl kalt?) Jetzt waren sie ans dem Häuschen gestoßen und stapften in ihren dünnen blauen Kimonos durch den hohen Schnee bis zum nahen Tempel der Göttin Kwannon, der Beschützerin der Kinder. Da breitete die Göttin einen warmen, weißen Futon liber sie, so daß sie keine Kälte mehr fühlten und einschliefen. Sie waren im Schnee erstarrt. Die Bettdecke der Kinder, ihr - letztes Habe, aber hatte ein Händler erstanden, dem sie ein Wirt abkaufte. Doch kein Gast konnte darunter schlafen, denn kaum wollte er ein Auge schließen, so hörte er seine Kinderstimmenfragen: „^mi-8an samullaro?" Und dann: „Omas sairmlraoo?" Man forschte endlich dem Geheimnis nach und so kam die Geschichte dieser armen Kinder auf; sie wurden im Tempel der Kwannon bestattet und ihr Andenken blieb hoch geehrt. Arme und beklagenswerte Kinder gibt es natürlich auch in Japan, aber im allgemeinen verfließt das Leben dieser süßen Geschöpfchen in Heiterkeit und Lust, wolkenlos wie der blaue Frühlingshimmel, der sich über das japanische Eiland spannt, und es gibt nichts Fröhlicheres als die japanischen Kinderfeste, bei denen die Knaben Drachen steigen lassen, und die Mädchen sich am Spiel mit dem Federball ergötzen, während die Er¬ wachsenen über die tollen Luftsprünge ihrer Kleinen herzlich lachen. Die Kinder werden in Japan nicht auf den Armen ge¬ tragen, sondern am Rücken festgebunden und die Mütter gehen ihren häuslichen Beschäftigungen nach oder kstr^Aen^szich 46 kiLU r-L»? KLÄ? KLÄ? kL»? t) Japan und die Japaner, S. 101. Riesenplakat in massivem Holzrahmen angebracht gesehen habe, auf dem in japanischer und englischer Sprache die gesellschaft¬ lichen Vorschriften für die Passagiere ausgezeichnet waren, Die Schneiderin. darunter H III: „Es wird gebeten, bei Tisch in Hosen zu erscheinen." Der Japaner stößt sich nicht im mindesten daran, wenn er im Sommer, der in Mitteljapan allerdings drückend schwül Zu sein pflegt, Bauern und Bäuerinnen fast ganz unbekleidet 4«- 52 auf dem Felde arbeiten sieht. Es mag dies weniger im Klima begründet sein, denn der Araber hüllt sich bekanntlich in Burnus und Turban ein, als vielmehr in der Gewöhnung des Volkes. Wäsche in unserem Sinne kennt der Japaner nicht und der Jinrikifha-Mann oder der Packträger entledigte sich in früherer Zeit gern der Oberkleider. Jetzt bestehen strenge Verordnungen. Der gemeine Mann trägt eine kurze Hose aus Baum¬ wolle oder Hanf. Auch das Tätowieren, das früher sehr verbreitet war und ost den Mangel einer Toilette ersetzte, ist jetzt abgeschafft. Wenn es regnet, schlüpfen Bauern und Bäuerinnen in eine Art Mäntel aus grobem Stroh und stülpen auch solche Hüte ans den Kopf, so daß sie fast wandelnden Strohschobern gleichen. An den Füßen tragen Männer und Frauen Holzpantoffeln, Getas, die aus einer Sohle aus leichtem Holz bestehen, die an den Fersen und unter den Zehen mit einem etwa sünf Zentimeter hohen Brettchen versehen ist und mit einem zwischen den großen Zehen und über den Fußrücken lausenden Bande befestigt wird. Daher ist auch bei den Socken (tubi) die große Zehe abgetrennt. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Holzpantoffeln den Gang der Frauen ungraziös und dem Watscheln der Ente nicht unähnlich machen, aber andererseits sind sie bei den häufigen Regengüssen und den oft grund¬ losen Straßen und Wegen eine Notwendigkeit. Possierlich ist die auf eigenen Holzetageren aufgestellte Legion von Getas, die man vor den meist massenhaft be¬ suchten Theatern oder vor anderen Gebäuden, in denen öffentliche Unterhaltungen stattfinden, sieht, und die unsere Garderoben vertreten. Höchst ergötzlich ist auch der Kampf um die mit Nummern versehenen Holzpantöffelchen nach Schluß der Vorstellung, aber trotz lauter Rufe und Reden geht alles in Frieden und mit viel Lachen ab. Der Japaner streift sein Schuhwerk immer ab, mag er nun einen Tempel oder sein eigenes Haus betreten. Auch würden die weichen Binsen- und Strohmatten, mit denen der Boden aller Wohnräume bedeckt ist, ein Auftreten mit unseren starken Schuhen nicht gestatten. Die Bauart des japanischen Hanfes ist von der des w-srigen gänzlich abweichend. Es ist fast wie ein großer Vogelkäfig, der nach allen Seiten Einblick gestattet. Nur zur Nochtzeit wird das Haus durch hölzerne Läden geschlossen, du rings um die in jeder Etage befindlichen Veranden in Rillen gleiten und tagsüber in Kisten zusammengeschoben stehen. Der Japaner kennt keine Abgeschlossenheit in unserem Sinne. Daraus erklärt sich wohl auch die naive Unbefangen¬ heit, die dem Volke von Jugend an eigen ist. Über die Schnelligkeit, mit der in Japan ein Haus auf¬ gebaut wird, lesen wir bei Hearns folgende hübsche Stelle: „Wenn ich des Morgens mein Heim verlasse, sehe ich an der nächsten Straßenecke, wie einige Männer an einer freien Stelle einige Bambuspslöcke aufrichten. Bei meiner Rückkehr nach fünf Stunden finde ich an derselben Stelle das Gerüst eines zweistöckigen Häuschens. Am nächsten Vormittag sehe ich, daß die Mauern — mit Lehm überstrichenes Flechtwerk — beinahe fertig sind. Bei Sonnenuntergang ist das Haus schon unter Dach. Am folgenden Morgen fehe ich die Matten schon gespannt und die innere Verputzarbeit schon beendet und in fünf Tagen ist das Haus fix und fertig. Dies ist freilich ein wohlfeil hergestelltes Haus; ein feineres würde weit mehr Zeit und Kosten erfordern. Aber japanische Städte bestehen zumeist aus solchen einfachen Häusern. Sie sind eben so billig als sie einfach sind." Die einzelnen Wohnräume des Hauses sind nur durch verschiebbare Papierwände voneinander getrennt und man kann sie ebenso leicht erweitern wie verengen. Eigene Schlaf¬ oder Arbeitsräume oder Empfangsalons kennt der Japaner nicht. Bald wird da, bald dort Aufenthalt genommen, je nach Geschmack und Laune. Daraus ergibt sich auch die Ein¬ richtung der japanischen Wohnräume oder vielmehr der Mangel eigentlicher Einrichtungsgegenstände. Außer dem Kohlenbecken, das zur Winterszeit in An¬ wendung kommt, und verschiedenen Vasen, in denen immer lebende Blumen stecken, ist an Möbeln säst nichts zu sehen. 54: Ebenso fehlen schwere Gemälde an den Wänden; ihre An¬ bringung ist bei der Leichtigkeit der Wände unmöglich; da¬ gegen werden Kakemonos ausgehängt, Rollbilder, feine Tuschzeichnungen auf Tapeten oder Seide oder auch in zarten Farben ausgeführte Natur- und Landschastsbilder, in denen die japanischen Maler Meister sind. Unentbehrlich sind nur in jedem japanischen Wohnraume zwei Gegenstände: das Hibaschi (sprich Chibaschi, in Tokio saft wie Schibaschi) und das Tabako-bon. Das Hibaschi ist ein tragbarer Kessel, Tops oder Napf, mit. Asche gefüllr, in die glühende Kohlenstückchen gelegt werden. So wird das Wasser für den Tee, der zu jeder Tageszeit und zu allen Mahlzeiten getrunken und auch jedem Besucher sofort ange¬ boten wird, stets warm gehalten; überdies dient das Hibaschi, um das alle herumhocken, an kühlen Tagen auch zum Erwärmen. Das Tabako-bon ist eine Art Präsentierteller, aus dem eben¬ falls glühende Kohlen liegen zum Anzünden der kleinen Pfeifen und Abstreifen der Asche. Bettstellen gibt es gleichfalls nicht; man schläft aus Matratzen oder wattierter: Decken, Futons, die erst zur Nacht¬ zeit aus den schwarzlackierten und mit Schiebetüren versehenen Kasten hervorgeholt und auf den Boden gelegt werden. Als Kopfkissen dient eine Art Holzschemelchen mit halbmond¬ förmigem Ausschnitt über das oft ein Futon gebreitet wird und das vor allem geeignet ist, die Frisur der Damen, die irr ihrem kunstvollen Aufbau oft für mehrere Tage vorhalten muß, zu schonen, da nur der Hals des Schläfers aufliegt und der Kopf frei bleibt. Vor dem Schlafengehen schlüpft der Japaner in den Kamaki, eine Art Nachtkleid mit sehr weiten Ärmeln, das im Winter steif auswattiert ist. In keiner japanischen Wohnung fehlt der Haus altar in Gestalt eines hölzernen Schintotempelchens, den Ahnen¬ schrein enthaltend, auf dem die Namen und Lieblingssprüche der Verstorbenen ausgezeichnet sind. Vor dem Hausaltar stehen immer kleine Lackgefäße für die Opfergaben an Sake, Tee und Reis, und Vasen zur Aufnahme heiliger Pflanzen. Vor dem Ahnenschrein der Reichen brennt unausgesetzt eine Lampe, während der Arme die seine nur am 1., 15. und 28. des Monates, den sogenannten Schintofeiertagen, entzündet. In diesen Tagen wird anch der Schmuck von Fichtenzweigen, Farnen, Blumen und Bambus erneuert und frische Strohseile (buddhistische Sym¬ bole) zur Abwehr der bösen Geister an den Türen aufgehängt. Ebenso unzer¬ trennlich von einer japanischen Woh¬ nung ist die Bade¬ stube, die an der Hof¬ seite liegt. In dieser steht die bottichartige Badwanne, der Furo; sie ist mit einer Art Heizvorrichtung ver¬ sehen, durch die das Wasser bis auf 40° bis 50° 0 erhitzt wird. Denn das ist die Temperatur, wie sie der Japaner Som¬ mer und Winter zum Badenliebt.Gew ähn¬ lich gegen Abend, zwischen fünf und sechs Uhr, baden alle Hausgenossen, zuerst die Herrenleute, dann die Diener in dem¬ selben Bottich. Übri¬ gens badet man in Japan auch zuweilen mehrmals des Tages und es gibt kaum ein Städtchen, das nicht eine öffentliche Badeanstalt hätte, deren Benutzung für die Ärmeren meist nur zwei Sen (etwas liber 4 Heller) beträgt. 56 Gewöhnlich setzt man sich nach dem Baden zu Tische, wenn dieser Ausdruck überhaupt sür eine japanische Häuslich leit passen würde. Denn Tische und Stühle sind auch dein Esseu eine ganz unbekannte Sache. Man hockt aus den Fersen und führt die kleinen Schälchen bis nahe an den Mund, während man mit der rechten Hand mittels der zwei Eß stäbchen (Hashi), aus Holz oder Elfenbein, die festen Speisen auffaßt und mit großer Geschicklichkeit in den weitgeöffneten Mund schiebt. Bei keiner Mahlzeit fehlt in Wasser gekochter Reis. Er ist ein so wichtiger Bestandteil jedes Mahles, daß man die einzelnen Mahlzeiten geradezu nach ihm benennt und von einem Morgen-, Mittag- und Abendreis (Asa-gozen, Hiru-gozen und Iu-gozen) spricht, wie wir von einem Morgen-, Mittag- und Abendbrot sprechen. Der Reis ersetzt in der Tat das Brot, das der Japaner nicht kennt. Doch gibt es arme Bauern, die auch den Reis noch für zu kostspielig an¬ sehen und ihn lieber verkaufen, während sie sich mit Gersten¬ suppe und Hülsenfrüchten begnügen. Fast bei jeder Mahlzeit wird auch der weiße wilde Rettich, Daikon, serviert, der in Stücke geschnitten und in Salz eingemacht ist. Ebenso gern werden die süßen Kartoffel, Bataten, verschiedene Arten von Bohnen, die Wurzeln der Lotusblumen, junge Meeresalgen, vortreffliche Pilze, die zarten Triebe des Bambus und allerlei Seetiere und Fische in rohem und geräuchertem Zustande genossen. Im großen ganzen entspricht eine echt japanische Mahlzeit keineswegs dem europäischen Gaumen, wenn sie auch vielleicht immerhin noch verdaulicher ist, als die gastronomischen Genüsse der chinesischen Tafel. Der Japaner bleibt gern lang bei der Mahlzeit und genießt die Speisen nicht in einer bestimmten Reihenfolge, sondern kostet bald hier, bald dort, trinkt und raucht auch dazwischen und spricht dabei gern und laut. Bei jeder Mahl¬ zeit wird Tee serviert, der aus kleinen Lack- oder Porzellan¬ schalen getrunken wird. Der grüne japanische Tee, Cha, wird als leichter Aufguß ohne irgend eine Zutat genossen und ist sehr wohlschmeckend und besonders ans Reisen und nach größeren Strapazen überaus anregend. ZSLU k-^»? k<^H k<2^? k<^H k-^»? 9 / Das Nationalgetränk der Japaner, das auch auf der Straße verkauft, aber in der Hauswirtschaft nur an Festtagen getrunken wird, ist der Sake, eine Art Vier oder Wein, Bei der Tee-Ernte. aus gegorenem Reis erzeugt. Es wirkt leicht betäubend, aber nicht wegen des reichen Alkoholgehaltes, sondern wegen des schädlichen Fuselöls, das darin vorkommt. Graf Königs- marck sagt von diesem Getränk: „Es schmeckt wie Spiritus, 58 rLÄrrLÄrkLÄrcLLrrLÄrrL^cLrrc^rrc-Lrrr^rrLÄrcLrrrLÄrr-L^c-L^rcLÄrrLÄrc-Lre riecht wie Bier, wirkt berauschend wie Wein, aber wie ein schlechter. Man trinkt den Sake warm oder kalt, am besten aber gar nicht." — Aber an einer andern Stelle seines interessanten Buches spricht derselbe Reisende von „jenem warmen blaßgelben Sake, der uns mit wohligem Behagen durch die Adern rinnt, uns zufrieden stimmt, in Entzücken versetzt." Tatsache ist, daß die Japaner ihren Sake in großen Mengen konsumieren und daß es an manchen Tagen auch nicht wenige Berauschte auf den Straßen gibt, denen dieses eigentümliche Gebräu zu Kopfe gestiegen ist. In neuerer Zeit macht ihm aber das Bier sehr starke Konkurrenz, und zwar japanisches, in japanischen Brauereien erzeugtes Bier, das leicht und wohlschmeckend sein soll, wenn man den deutschen Reisenden, die vielleicht, besonders an drückend heißen Sommertagen, in Bierangelegenheiten etwas nachsichtig sein mögen, Glauben schenken darf. Auch die Erzeugung des Bieres, dessen Export nicht unbedeutend ist, haben die Ja¬ paner von den Deutschen gelernt, dann aber ihre Lehrmeister sortgeschickt und die Fabrikation selbst in die Hand genommen, wie in so vielen Zweigen der Industrie und des Gewerbes, entsprechend dem Grundsätze, dem sie oft mit Rücksichtslosig¬ keit und nicht immer zu ihrem Vorteil huldigen: „Japan den Japanern!" Sehr beliebt bei alt und jung sowie bei beiden Ge¬ schlechtern ist der Tabak, der aber heutigen Tages nicht mehr ausschließlich aus den haselnußgroßen Pfeisenköpschen, sondern auch in Form von Zigaretten geraucht wird, wobei der Rauch eingeschlürft und aus Mund und Nase herausgestoßen wird. Daher sagt der Japaner nicht: „Ich rauche", sondern „ich trinke Tabak", „tabalro-o noininasn", sowie man auch in alten Zeiten in Deutschland sagte. 4. Sprache und Literatur. Wenn man mit Recht behauptet, daß die Sprache der Gradmesser der Kultur eines Volkes ist und daß Armut im Wortschatz oder Unbeholfenheit im Bau einer Sprache mit 59 der geistigen Entwicklung einer Nation gleichen Schritt halten, so darf man schon aus der japanischen Sprache den Schluß ziehen, daß das Volk für die höchsten Aufgaben des Denkens und für die feinste Blüte der Spekulation wenig empfänglich ist. Denn, wie alle agglutinierenden Sprachen, ist auch die japanische infolge der Schwerfälligkeit ihrer Grammatik und ihres Satzbaues für die Entwirrung schwerer Gedanken¬ operationen wenig geeignet. Die japanische Sprache ist ein Zweig der uralo- altaischen Sprachenfamilie und mit dem Mandschu und dem Koreanifchen verwandter als mit dem Chinesischen, ob¬ wohl sie ihre eigentliche Ausbildung und Bereicherung aus dem Lande der Mitte erhalten hat. Die alte Volkssprache, das I am a t o - K o toba, floß mit dem Chinesischen zusammen, ohne sich aber so zu verschmelzen, wie das Angelsächsische und Normannische, aus dem das heutige Englisch besteht. Das heutige Japanisch ist mehr ein Mosaik als ein Amalgam. Äuch die Schrift stammt aus China. Während aber die chinesische Schrift für jedes Wort ein eigenes Zeichen hat, beschränkt sich die Silbenschrift der Japaner, deren genialer Erfinder der Gelehrte Kibi-no-Mabi (gestorben 773 n. Chr.) ist, auf 47 Wortzeichen. Man nennt dieses Alphabet das Katakana; daneben gibt es auch noch ein anderes Alphabet, das Hirakana, eine Art Kursivschrift, die bei Briefen und Zeitungen und im gewöhnlichen schriftlichen Verkehr ange¬ wendet wird. Mit dem Aufschreiben und Hersagen des Kata¬ kana wird in der Schule begonnen. Wenn man aber bedenkt, daß höhere Studien in Japan ohne die Kenntnis des Chinesischen und feiner zahllosen Schriftzeichen nicht denkbar sind, so kann man sich vorstellen, wie langwierig und zeitraubend allein die Aneignung der elementaren Kenntnisse der Sprache und Schrift in den ja¬ panischen Schulen ist. Dazu kommt, daß heute in allen mitt¬ leren und höheren Lehranstalten Japans fremde Sprachen i) Agglutinierend nennt man jene Sprachen, welche die gram¬ matischen Veränderungen der Wurzelwörter nicht durch Biegung und Lautwandel sondern durch „Anleimen" von Flexionssilben bilden. 60 gelehrt werden. Es ist daher wohl begreiflich, daß die überaus ehrgeizige japanische Jugend unter dieser furchtbaren Über bürdung oft schon im zarten Alter erliegt, und Lafkadio Hearn hat recht, wenn er auf die Überanstrengung japanischer Schüler hinweist und sie ungleich höher schätzt als die euro¬ päischen Zöglingen gleichen Alters zugemutete. Tenn außer dem ungemein schwierigen Alphabet seiner Nationalliteratur muß der japanische Knabe diese selbst, dann auch die Ge¬ schichte und Ethik seines Landes studieren. Außer diesen orientalischen Wissenszweigen umfaßt der Unterrichtsplan noch allgemeine Weltgeschichte, Geographie, Arithmetik, Astronomie, Physik, Geometrie, Naturgeschichte, Agrikultur, Chemie, Zeichnen und Mathematik. Dazu kommt das Erlernen einer europäischen Sprache, gewöhnlich des Englischen, das in Formenlehre und Syntax von dem Japanischen grundverschieden ist. „Und dies alles", sagt HearnJ) „muß der japanische Schüler bewältigen bei einer Diät, bei der kein englischer Knabe leben könnte: immer dünn gekleidet in sein dürftiges baumwollenes Gewand, ohne Feuerung selbst im strengsten Winter, in einem Schulzimmer höchstens ein Hibachi mit einigen glühenden Kohlenstückchen in der Asche ... Ist es da wunderlich, wenn sogar jene Schüler, die alle ihnen zugäng¬ lichen Kurse erfolgreich durchmachen, nur in vereinzelten Fällen Resultate aufweisen können, wie sie von abend¬ ländischen Studenten erzielt werden?" Wir staunen deshalb mit Recht, wenn uns Lafkadio Hearn Aufsätze mitteilt, die Schüler einer mittleren Klasse in einem fast fehlerfreien Englisch abgeliefert haben. Wir können es uns nicht versagen, zwei dieser Aufsätze wiederzugeben. Der eine lautet: „Der Mond. Der Mond scheint den Traurigen melancholisch und den Glücklichen fröhlich. Wenn man reist, läßt der Mond in uns Erinnerungen an die Heimat austauchen und wir empfinden Heimweh. So rief der von dem Verräter Hojo nach Oki ver- >) Jzumo, S. 81. LlLin? k<^Ä? k^»? krpLÄrcL>rrr die erhabene Einfachheit der Darstellung und die harmonischen Proportionen kraftvoll zum Ausdruck gebracht wird, wirkt ge¬ waltig und ergreifend auf die Beschauer. Über das irdische Treiben erhabene, vollkommene Ruhe ist in den Zügen des Gottes ausgeprägt und veranschaulicht nach buddhistischer Auffassung den Inbegriff aller Weisheit und dadurch höchsten Glückes, jene Früchte der Vernunft, die alle mensch¬ lichen Leidenschaften siegreich überwunden hat." Sehr besucht und reizend gelegen in dem wundervollen Parke von Uenno in Tokio ist auch der Tempel der barm¬ herzigen Göttin Kw anno n, die tausend Arme hat, um allen, zu helfen und die besonders als Beschützerin der Kinder gilt. Hier steht auch eine Statue des Heilgottes Bin guru, zu dem die Kranken pilgern, um Heilung von ihren Gebrechen zu erbitten, und zwar berühren sie diejenigen Teile der Glied¬ maßen des Götzen, die ihren eigenen leidenden Körperteilen entsprechen, die sie dann unmittelbar nach der Berührung selbst reiben. Königsmarck erzählt: „Das Götzlein ist schon ganz abgegriffen, namentlich der wohlgepflegte Leib ziemlich geschwunden, was darauf schließen läßt, daß Magenbeschwerden ein häufiges Übel der Gläubigen sind." Die Japaner sind nicht irreligiös. Das wäre eine ganz falsche Meinung, die nur jene verbreiten konnten, welche bloß mit den von Blasiertheit und Skeptizismus angesteckten oberen Ständen verkehrten. Die kleinen Leute, die Bauern, Handwerker, Kaufleute hängen an der Religion, wenngleich sie sich in ihrer heiteren Lebensanschauung durch keinerlei ernste Dogmen beirren lassen. Der japanische Gottesdienst kennt keine düsteren Zeremonien und beruht hauptsächlich in der Verehrung der Ahnen, ganz besonders der überirdischen Vorfahren der Herrscher des Reiches, die ihre Abstammung von der Sonnengöttin herleiten und der Manen aller Heroen und Großen des Landes. Deshalb ist „der Shintoismus als der eigentliche Träger der kaiserlichen Allgewalt, als Inbegriff des begeisterten Vatcrlandskultes-der Japaner anzusehen" st) st Königsmarck, Japan und die Japaner, S. 148. Ebenso heiter wie die religiösen Anschauungen des ja¬ panischen Volkes sind auch seine Feste, besonders die schönen Blumenfeste, von denen wir schon gesprochen haben. Die meisten Feste sind religiösen Ursprunges; so insbesondere das Neujahrsfest, das nach dem alten Kalender der Japaner mit der Mitte oder dem Ende Februars, des „lieblichen" Monats (mnt8nlrn, wie ihn die Japaner heißen), anfing, und so mit dem Erwachen des Frühlings zusammenfiel. Denn das alte japanische Jahr war, wie das chinesische, ein Mondjahr von zwölf Monaten, das durch Einschaltung eines Schaltmonats in gewissen Zwischenräumen mit dem Sonnenjahre in Einklang gebracht wurde. Der japanische Bauer unterscheidet noch jetzt außer den vier Hauptjahreszeiten 24 kleinere von je 15 Tagen, die er durch Halbierung der Monate erhält und nach denen er seine ländlichen Arbeiten einrichtet. Der Kalender ist in Japan vielleicht noch verbreiteter als bei uns. Er fehlt kaum in einem Hanse; selbst in der Bauernhütle und in der ärmsten Familie findet er sich; er ist mit einem Wort in jedermanns Hand. Die vornehme Dame führt ihn als Zettelchen in ihrem Schmink-Etui bei sich; der Zeremonienmeister hat ihn als voluminöses Buch stets zur Seite. Es gibt Bauern-, Blumen- und Hofkalender, genealogische Staatsalmanache, die mit Titeln, Wappen und Insignien ausgeschmückt und mit statistischen Tabellen versehen sind. Es gibt wenige japanische Familien, die sich am Neujahrstage nicht mit Kalendern zu beschenken pflegen. Die Bauernkalender gleichen in ihren rohen Bilderzeichen fast denen unseres Land¬ volkes und die Blumenkalender, in denen die einzelnen Monate durch den Jahreszeiten entsprechende Pflanzen ange¬ zeigt werden, sind oft überaus zierlich und elegaut ausge¬ stattet. Die im Jahre 1873 erfolgte Einführung des abend¬ ländischen Kalenders war wie so vieles, was die ge¬ waltsame politische und soziale Umwälzung Japans im Ge¬ folge hatte, ein ungeheurer Riß in den Traditionen und den Gebräuchen des Volles, vor allem was den Beginn des Jahres betrifft, der nun nicht mehr mit dem Erwachen der Natur 7 6 zusammenfiel und so seines schönen poetischen Charakter ent¬ kleidet wurde. Viele Geschäfte und Schaustellungen, die auf die Abhaltung im Freien angewiesen waren, wurden zurück- gedrängt, aber das Volk fügte sich mit bewunderungswürdiger Folgsamkeit in diese Neuerung, die der Regierung unerläßlich schien. Das Neujahrsfest ist für den Japaner das wichtigste des Jahres. Rein gewaschen und in seinen besten Gewändern erwartet er den Anbruch des Tages und bezeigt zuerst den Göttern des Himmels und den Ahnen des Hauses seine Ehrfurcht, ehe er der Lebenden gedenkt, denen er mit fröhlichem Gesichte tausendjähriges Glück wünscht. Die Türen der Häuser werden mit immergrünen Banm- zweigen und Bambusrohren geschmückt, die als Sinnbilder eines gesunden, langen Lebens und einer glücklichen Ehe gelten. Zur Abwehr der bösen Geister werden den Türpfosten soge¬ nannte Goheis, Papierstreifen und Strohfeile, aufgehängt und in der Mitte der Girlanden sieht man häufig einen ge¬ kochten Heuschreckenkrebs, der als Symbol eines langen Lebens angesehen wird, umgeben von den Zweigen des Jusuribaumcs, deren Bedeutung wir schon kennen gelernt haben. Auch Kohlen- ftückchen und Orangen sieht man vielfach. Die Kohle ist wegen ihrer gleichbleibenden Farbe das Sinnbild der Beständigkeit des Glückes und die Orange soll besagen, das ebenso zahlreich wie ihre Kerne die Nachkommenschaft des Hanfes sein möge. Das Haus darf nicht gekehrt werden, weil man sonst das Glück daraus fortfegen würde; und unter den Kopfschemmel wird das Saka r abu ne gelegt, ein Bild, welches die sieben Glücksgötter auf einem Schiffe darstellt, damit man das ganze Jahr nur Glück und angenehme Träume habe. Mau beschenkt sich am Neujährstage gegenseitig; man ißt Mocho, eine Art Kuchen aus nngezuckertem Reis, und trinkt T o so, einen gewürzten süßen Reiswein. Am ersten Tage des Festes, das eine Woche dauert, arbeitet niemand, alle Geschäfte ruhen und alle Laden sind geschlossen. Dafür sind die Straßen von einer lauten, fröhlichen Volksmenge erfüllt und in die Schauspielhäuser drängen sich unaufhörlich schwatzende, frohe und glückliche Menschen. Seitdem das Neujahrsfest nicht mehr mit dem Erwachen des Naturlebens zusammenfällt, sondern in die rauheste Jahreszeit gerückt ist, die sich auch in Japan sehr fühlbar macht, haben sich die Unterhaltungen von der Straße in das Innere der Häuser geflüchtet und man spielt am Neujahrs¬ tage in den Familien mit Vorliebe Utakaruta, eine Art Gesellschaftsspiel mit Karten. Die Hälfte der Karten weisen den Anfang bekannter Verse aus; die anderen enthalten die Fortsetzung. Wird ein Vers vorgelesen, so muß derjenige, der auf seiner Karte die Fortsetzung hat, diese wegwerfen; bei dem Worte: Mensch werden zwei Karten, bei den Worten: Blume, Mond oder Schnee, fünf sortgeworfen; wer keine Karte mehr hat, hat gewonnen; der Verlierende muß wie bei unserem Psänderauslösen allerlei spaßhafte Handlungen aus¬ führen. Außer dem Neujahrsfeste gibt es in Japan, dem Lande der glücklichen Kindheit, noch zwei Feste, die im ganzen Volke außerordentlich beliebt sind, das Puppensest, lllina-no-ssüüu, das den Mädchen gewidmet ist, und das Flaggenfest, Lbobu-no-ssbNn. das den Knaben gilt. Am Puppenfeste, das aus den dritten Tag des dritten Monats im Jahre fällt, werden den Mädchen alle Puppen die im Hause sind und die oft ein sehr hohes Alter haben, herausgegeben und in einem eigenen Zimmer des Hauses zur Schau gefielt. Hier bewirten die kleinen Mädchen, die in ihren bunten Festtagskleidern, mit deüen sie sich an diesem Tage schmücken dürfen, selber wie zierliche Püppchen aussehen, ihre hölzernen Spielgenossinnen mit süßem Sake und ergötzen sich an der Pracht der kleinen beweglichen oder unbeweglichen Dingerchen, die natürlich auch alle aus das schönste heraus¬ geputzt sind. In der Straße von Tokio, wo die großen Puppenladen sind, herrscht natürlich an diesem Tage ein fast lebensgefährliches Gedränge der kleinen Musmes, die in ihren langen, farbenhellen Kimonos mit den Riesenmaschen und den glitzernden Nadeln im wohlfrisierten Kopf sich wie lebende Blumen ausnehmen. Am Flaggenfeste der Knaben prangt die ganze Stadt im Fahnenschmuck. Aber es sind keine eigentlichen Fahnen, 7 8 die von den Häusern wehen, sondern ungeheure Karpfen aus buntem Papier mit weit aufgcrissenem Maul Und großen Glotzaugen wehen von den langen Stangen herab und werden von dem Winde ausgeblasen. Warum gerade Karpfen? Weil die Karpsen große Kraft haben, die es ihnen ermöglicht, auch gegen den Strom zu schwimmen. Gleiche Energie möchte man auch den Jungen im Kampfe ums Leben wünschen. So hängt denn jede Familie in der innerhalb des letzten Jahres ein Knabe geboren wurde, riesige Flaggen ans mit dem seltsamen Schmucke, der den Straßen ein bizarres, malerisches Aussehen verleiht. Die Knaben werden an diesem Tage mit Fahnen beschenkt, auf denen Ritter abgebildet sind, und sie erhalten Holzfiguren, die bewaffnete Krieger darstellen, sowie Waffen und Rüstungen zum Geschenk. So soll ihr ritterlicher Geist geweckt werden, ebenso wie am Mädchenfeste die kleinen Staatsbürgerinnen ein feines und gesittetes Betragen bei der Bedienung und Bewirtung der Puppen lernen sollen. Bei den Blumenfesten überläßt sich das Volk ohne Sorge für den morgigen Tag und ohne Gedanken an das Gestern der ungebundensten Fröhlichkeit und auf den abends abge¬ haltenen Blumenmärkten tchsnn-iobi) drängt und schiebt sich hauptsächlich das arme Volk, denn selbst der Ärmste kauft sich ein blühendes Reis oder eine langgestielte Blume, die er daheim in Ermanglung einer teuren Vase in ein Bambusrohr hineinsteckt. Unter den Festen, die speziell in Tokio gefeiert werden, wollen wir noch das in den Sommer fallende Fest der Er¬ öffnung des Sumidaflusses erwähnen, bei dem ein großes Feuerwerk auf dem Flusse abgebrannt wird und die Ufer von Tausenden von Lampions erstrahlen, sowie das Fest beim Tempel Shokonsha, das in den Mai fällt und bei dem der Mikado selbst mit großem Gefolge erscheint, nm den in den letzten Kriegen Gefallenen die üblichen Opfer darzu¬ bringen. So ist in Japan alles auf Erweckung des Patriotismus und eines ritterlichen loyalen Sinnes gestimmt; und dieser Geist, der die Religion sowie das ganze öffentliche und Privat- Straßenbild von Yokohama während des Flaggenfestes. 60 leben der Japaner durchdringt, hat wohl am meisten beige tragen, jene Umwälzung herbeizuführen, von der uns die Geschichte dieses Landes ein so merkwürdiges Beispiel gibt, eine Umwälzung, die aber den alten Geist ritterlicher Vasallein treue, der die Adern des Volkes durchströmt, unberührt gelassen hat. Werfen wir also einen Blick auf diese rätselhafte uralte Ge¬ schichte und Verfassung des Landes, die schließlich in unseren Tagen so überraschend moderne Formen angenommen hat. III. Aas alle Japan. Da die Kenntnis der Schrift in Japan vor dem 0. Jahrhundert unserer Zeitrechnung unbekannt war, so beruht die älteste Geschichte nur ans mündlicher Überlieferung und ist daher ebenso sagenhaft wie die älteste Geschichte Roms, mit der sie auch einige Ähnlichkeit hat. Denn auch die ersten Herrscher Japans erreichten durchschnittlich ein Alter von mehr als 100 Jahren und regierten dem entsprechend lang. Als ersten Herrscher ihres Landes nennen die Ja¬ paner, wie wir bereis wissen, den Jimmo-Tennä, einen Spröss¬ ling der Sonnengöttin Amaterasu, und sie bezeichnen das Jahr 660 v. Chr. als den Beginn seiner Regierung. Der Name Tenno stammt aus dem Chinesischen und ist aus Ten (Himmel) und O (König) zusammengesetzt. Er ist noch gegenwärtig im Volksmunde der Titel des Kaisers. Das spätere Wort Mikado leitet sich von Mi (erhaben) und kado (Tor) ab, entspricht also fast ganz der Bezeichnung „Hohe Pforte" und wurde gewählt, um anzudenten, daß die Person des Kaisers zu er¬ haben sei, nm anders wie durch eine Umschreibung genannt zu werden Von Jimmo-Tennä leiten alle japanischen Herrscher ihre Regierung in lückenloser Reihenfolge ab, so daß der gegenwärtige Kaiser der 121. Regent seiner Dynastie ist, einer Dynastie, mit deren Alter kein europäisches Herrschergeschlecht auch uur im entferntesten verglichen werden kann. Dies kommt auch in vielen Proklamationen des gegenwärtigen Kaisers zum stolzen Ausdruck, so in jener, in der es heißt: S m olle, Japan und die Japaner. 6 82 „Mein Haus, das von Jimmo-Tennö ab bis zum heutigen Tage nach dem Willen der Götter über Dai-Nippon geherrscht hat..." Die kaiserlichen Erlässe von August 1894 und Februar 1904, durch die der Krieg gegen China und Rußland erklärt nmrde, beginnen mit den gleichlautenden Worten: „Wir, Kaiser von Gottes Gnaden, deren Dynastie den Thron seit undenklichen Zeiten innehat, richten an Unsere treuen und tapferen Untertanen folgende Kundgebung." Und der kaiserliche Erlaß vom 12. Oktober 1882, durch den die Errichtung eines Parlaments in Aussicht gestellt wurde, enthält folgenden Eingang: „Wir, deren Dynastie seit mehr als 2500 Jahren die Herrschaft innehat, und die Wir jetzt in Unserem eigenen Namen alle Macht und alle Rechte ausüben, die Uns von Unseren Vorfahren überkommen sind, haben schon längere Zeit beabsichtigt, allmählich eine konstitutionelle Regierungs- sorm einzuführen, damit Unsere Nachkommen auf dem Thron eine Richtschnur für ihr Handeln haben." Die japanischen Herrscher rechneten die Jahre ihrer Regierung nach bestimmten Ären, deren Beginn von bedeut¬ samen Ereignissen, Thronbesteigungen, inneren Umwälzungen, Elementarereignissen u. s. w. an gerechnet wird. Die jetzige Ära fällt mit der Thronbesteigung des Kaisers Mutsuhito und der Wiederaufrichtung der Macht des Mikado zusammen und heißt Meiji (sprich Medschi), d. i. Ara der „erleuchteten Regierung". Sie beginnt mit dem Jahre 1868, so daß also das Jahr 1909 das 42. des Meiji ist und auch so in den kaiserlichen Erlässen bezeichnet wird. Japan war wahrscheinlich schon in den ältesten Zeiten eine absolute Monarchie, wenn auch die Gewalt des Herrschers sich damals auch nur liber einen kleinen Teil des heutigen Kaiserreiches erstreckte und die Ureinwohner, die Ainos, erst nach langen Kämpfen bis in den äußersten Norden zurück- gedrängt wurden. Schon früh wurden Einfälle in Korea unternommen und die damals hochentwickelte Kultur dieser Halbinsel leitete einen Strom neuer Bildung und Gesittung nach Japan hinüber. Nicht bloß die Religion Buddhas lernten die Japaner auf diese Weise kennen, sondern auch die Versüssung des Staates erhielt neue Grundlagen. Die Macht des Herrschers wuchs, aber es bildete sich auch eine einflußreiche Beamten- 6 84 k ganze Bestand ihrer mühsam errungenen Freiheiten und Japanische Volksgruppen vor den Anschlagsbreitern mit Kriegsnachrichten. Fortschritte. Ihre zu allen Opfern bereite Vaterlandsliebe im Vereine mit der ihnen anerzogenen Bedürfnislosigkeit und Disziplin rissen sie zu Taten staunenswerter soldatischer S m olle, Japan unirdie Japaner. 7 98 Bravour hin. Die Völkerschlacht bei Mulden, in der etwa 800.000 Mann sich gegenüberstanden, die Erstürmung von. Port-Arthur und die Vernichtung der russischen Flotte in den Gewässern von Korea sind Ruhmestaten, die niemcU der Vergessenheit anheimsallen werden. Diesmal blieb Port-Arthur im Besitze Japans und Korc geriet vollständig in Abhängigkeit vom japanischen Reiche, so dar es gegenwärtig eigentlich säst nur ein Kolonialland Japans ist. General Nogi, der Eroberer Port-Arthurs. Der Ringkamps um die Vorherrschaft in Ostasien war zu Ungunsten Rußlands entschieden. Wohin Japan noch sein Ehrgeiz und sein Streben nach Machtsülle führen werden, ruht im Schoße der Zukunft. 2. Werfassnng und Verwaltung. Japan ist ein moderner Staat geworden. Die Gewalt des Mikado ist freilich noch immer mit jenem mystischen göttlichen Nimbus umkleidet, dessen sie in den Augen des Volkes zu allen Zeiten teilhaftig mar. Dies kommt auch in so bezeichnender Weise in dem kaiserlichen Erlaß vom 20. Februar 1889 zum Ausdruck, mittels dessen die Einführung der Konstitution verlautbart wurde. Er lautet: „Da es die Freude und der Ruhm Unseres Herzens ist, das Gedeihen Unseres Landes und die Wohlfahrt Unserer Admiral Togo, der kommandierende Admiral der japanischen Flotte. Untertanen zu fördern, verkünden Wir hiemit dank der Tugend und göttlichen Macht, die Wir von Unseren kaiserlichen Vor¬ fahren erbten, die gegenwärtige unabänderliche, grundlegende Gesetzgebung znm Segen Unserer gegenwärtigen Untertanen und ihrer Nachkommen." „Der kaiserliche Gründer Unseres Hauses und Unsere kaiserlichen Vorfahren legten mit der Hilfe und Unterstützung der Vorfahren Unserer Untertanen den Grund zu Unserem Kaiserreich auf einer Basis, die ewig dauern soll. Unseren 7«- 100 kaiserlichen Vorfahren danken Wir es, daß diese herrliche Tat ein Ruhm der Annalen Unseres Landes ist; Wir danken dl s auch der Treue und Tapferkeit Unserer Untertanen, ilv r Vaterlandsliebe und ihrem Volksgeist. In Anbetracht dess ;, daß Unsere Untertanen die Nachkommen der treuen und gw n Untertanen Unserer kaiserlichen Vorfahren sind, zweifeln r -r nicht, daß sie sich von Unseren Absichten leiten lassen n.d mit all Unseren Bestrebungen übereinstimmen werden. In harmonischem Zusammenwirken werden sie Unsere Hoffnungen teilen, den Ruhm Unseres Landes im In- und Auslande m befestigen und auf immer den Bestand des Werkes zu sichern, das Unsere kaiserlichen Vorfahren Uns hinterließen.") Das japanische Parlament ist dem preußischen na - gebildet. Es besteht aus dem Herrenhause, das sich aus den Prinzen des kaiserlichen Hauses, aus den Fürsten und Mai l¬ grafen, aus je einem Fünftel der übrigen Adelsklassen und aus anderen verdienten Personen, die der Kaiser ernennt, zusammensetzt. Die Gesamtzahl der Mitglieder soll die Zahl 300 nicht übersteigen; ebenso groß ist die Anzahl der Mit¬ glieder des Abgeordnetenhauses, deren Wahl sich auf japa¬ nische Staatsbürger beschränkt, die das 25. Lebensjahr bereits überschritten haben und mindestens 15 Jen (30 Mark) direkte Steuern zahlen. Doch sind Richter, Kaffen-, Steuer- und Polizeibeamte, sowie Priester und Militärs von der Wahl ausgeschlossen. Sie wird durch Wahlzettel vorgenommen, die jedem Wähler vom Ortsvorsteher eingehändigt werden und worauf er den Namen des Kandidaten, sowie feinen eigenen und seine Adresse aufzuschreiben hat. Die alte Einteilung des Volkes in die vier Stände, Adelige, Bauern, Handwerker und Kaufleute, wurde auf¬ gehoben und ein neuer Adel gebildet, der unter dem Namen Kazo kn (d. i. Blume der Familien) zusammengefaßt wird. Ihm gehören die Fürsten, Marquis, Grafen, Vicomts und Barone an. Bauern, Handwerker und Kaufleute bilden zu¬ sammen das gemeine Volk, Hemin. Die Samurai traten Vaterland Japan, Anhang: Kaiserliche Erlässe, S. 664. zu euwm eigenen Stande zusammen, den man Shizoku (ehr¬ bare Familien) nannte. Wenn die Samurais heutigen Tages auch unr mehr Ehrenrechte vor den Bürgerlichen voraushaben, so ist ihnen die Karriere in allen Zivil- und Militärstellungen doch viel leichter gemacht. T ie gesamte Verwaltung ruht in den Händen des Mikado, der Fe durch seine Minister ausübt. Außer dem Minister- präF rnten, dem Naikaku-Sori-Daijin, gibt es deren neun nämlich den Minister des Innern, den der auswärtigen Angelegenheiten, den Finanz-, den Kriegs-, den Marine-, den Jul) , und den Unterrichtsminister, ferner den Minister für Lannwirlschaft und Handel und den der öffentlichen Arbeiten und des Verkehrs. Das ganze Land, d. h. das eigentliche Japan ohne Jezo und die übrigen Besitzungen, die als Nebenländer unter eigenen Gouverneuren stehen, ist eingeteilt in 43 Präfekturen, Ken, und in die drei Stadtbezirke, Fu, von Tokio, Kioto und Osaka. Die Organisation der Kreise und Gemeinden erfolgte größtenteils nach deutschem Muster. Die staatliche Verwaltung funktioniert vortrefflich; freilich ist das japanische Volk sehr lenksam und durch die lange Dauer der Feudalverhältnisse nur allzusehr gewohnt, jeden Impuls von oben zu erwarten. Die japanische Polizei wird von allen fremden Besuchern des Landes wegen ihrer Freundlichkeit und Zuvorkommenheit gerühmt. Sie rekrutiert sich größtenteils aus verarmten Samurais nnd ist eigentlich materiell äußerst schlecht gestellt. Denn der Monatsgehalt eines Polizisten in Tokio beträgt 8 bis 15 Jen (ungefähr 16-3 bis 31 Mark). Die Wohnnngsmiete in der Hauptstadt macht für zwei Zimmer mit Küche aber monatlich etwa 5 Jen aus. Ein Rikschazieher erhält für einen Kilometer 10 Pfennige und er legt durch¬ schnittlich 40—52 Kilometer im Tage zurück, verdient sich also bisweilen mehr als ein Polizeimann. Bettler gibt es in den japanischen Städten beinahe keine, doch liegt die Arbeiterfürsorge noch sehr im Argen, obwohl Japan doch auf dem Wege ist, ein Industriestaat zu werden. Die Rechtspflege ist von der Verwaltung vollkommen getrennt und lehnt sich an das französische und deutsche Recht 102 an. Die im Volke so verhaßt gewesene und von der öster¬ lichen Meinung so bitter bekämpfte Exterritorialerer der fremden Konsulate ist abgeschafft. Solange Japan ein Feudalftaat war, Hatter: seine Rechtszustände eine groi Ähnlichkeit mit denen des deutschen Mittelalters und beruhte r, fast ausschließlich nur auf mündlicher Überlieferung. Bei der Wichtigkeit des japanischen Ehe- und Familieu¬ rechtes sind viele Bestimmungen der alten Zeit in die neuen Rechtsbücher herübergenommen worden, wenngleich das Neue de eingewurzelten Anschauungen des Volkes gewiß nicht entspricht. Überall, auch auf dem heiligen Boden des Rechtes finden wir ein noch nicht zur Ruhe gekommenes Wogen und Ringen der Meinungen gegeneinander. Stärker als das Rechtsgefühl ist im japanischen Volke die Vaterlandsliebe entwickelt; sie allen: birgt die Gefahr in sich, besonders Ausländern gegen¬ über, die Unparteilichkeit der Rechtsprechung zu trüben. Doch auch diese Gefahr ist im Schwinden begriffen, je mehr sich die neuen Ideen und Einrichtungen ausgestalten und im Volke einleben werden. Wenn man aber so ganz ermessen will, was Japan in den letzten vier Jahrzehnten für Riesenfortschritte in der totalen Umwandlung seiner inneren Zustände gemacht hat, so darf mau nur seine militärischen, sowie seine Jndustrie- und Handelsverhältnisse ins Auge fassen. Wir wollen sie mit einem raschen Blicke streifen. 3. Leer und Kkotte. Als Japan den Kampf mit dem ungeheueren China wagte, tat es dies wahrscheinlich im Hinblick auf die europäischen Staaten, besonders England und Frankreich, die wiederholt mit unzulänglichen, ja fast lächerlich kleinen Streitkräften den chinesischen Koloß besiegt und selbst die Hauptstadt Peking eingenommen hatten. Damals, als Japan den Krieg mit China begann (1894), hatte es bereits in der Reorganisation seines Heeres und in der Ausbildung seiner Kriegsflotte wahrhaft Staunenswertes geleistet. Der österreichische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdi¬ nand, schreibt anläßlich seines Besuches von Osaka in seinem in- raus spannenden Reise-Tagebuch: „Die Kürze der Zeit, in der Japan vermocht hat, sich mit allen einschlägigen euro¬ päischen Einrichtungen vertraut zu machen, nimmt geradezu wunder. Das Arsenal ist mit Maschinen modernster Kon¬ struktion ausgerüstet, so daß die Geschützrohre, die in rohem Zustand aus der Gießerei kommen, binnen kürzester Zeit Generalleutnant Baron Oku. fertiggestellt werden. In mehreren umfangreichen Hallen wird die Geschoßerzeugung in großem Stile betrieben; selbstver¬ ständlich fehlt es auch nicht an den erforderlichen Neben¬ einrichtungen, Reparaturwerkstätten, Tischlereien, Wagen- bauereien und Sattlereien . . . Das Arsenal übernimmt gegen¬ wärtig auch schon Lieferungen für das Ausland; so wurden gerade jetzt einige Gebirgsgeschütze für die portugiesische Re¬ gierung hergcstellt." An allen europäischen Höfen waren japanische Offiziere tätig, um das Militärwesen des Abendlandes gründlich zu 104 studieren und europäische Ingenieure wurden nach Japan berufen, von denen die Japaner alle Zweige der Kriegs¬ technik kennen lernten nnd sich alle modernen Erfindungen zu eigen machten. Kaum war dies der Fall, so wurden die Lehr¬ meister verabschiedet und Japan erzeugte selbst, was es brauchte. Das japanische Hinterladegewehr, System Murato, ist eigentlich das französische Grasgewehr mit einer verhältnis¬ mäßig nur unbedeutenden Abänderung. Das Arsenal von Osaka gleicht dem von Woolwich aus ein Haar; Reglement und Exerziervorschriften sind genau dem deutschen Muster nachgebildet, kurz, Japan ist ein moderner Militärstaat ge¬ worden. Vor dreißig Jahren war es noch etwa auf dem Stand¬ punkt wie Europa vor Erfindung des Schießpulvers. Die Samurais steckten in Rüstungen und ihre Knappen waren mit Bogen und Pfeil bewaffnet. Die Daimios, die Fürsten, saßen auf ihren Burgen und kümmerten sich so wenig um des Kaisers Majestät wie etwa die trotzigen Feudalherren des deutschen Mittelalters. Und in drei Dezennien, welche Wandlung! Wir haben schon oben erwähnt, daß der japanische Soldat eigentlich ein ganz anderer Mensch werden mußte. Gestern warf er sich vielleicht noch vor dem Samurai auf die Knie und berührte den Boden mit der Stirn; heute war er der Vorgesetzte eben dieses Samurai, der vor ihm in Habtachtstellung stehen und ihm scharf in die Augen blicken mußte. Und dennoch find in der modernen japanischen Armee die Fälle von Insubordi¬ nation äußerst selten nnd die Arrestlokale in den Kasernen saft immer leer. Durch eiserne Willenskraft, ein Ausfluß feines glühenden Patriotismus, bezwingt der Japaner eben alles. Mit Recht sagt Graf Königsmarck, dessen Buch über Japan noch vor dem russisch-japanischen Kriege erschien: „Hiezu kommt eine Disziplin, ein schweigender Gehorsam, der diesem Volke nicht erst anerzogen zu werden braucht, sondern ihm durch mehr als tausendjährige Züchtung angeboren ist. Und dieser Gehorsam ist weit entfernt, der des Phlegmas oder der Indolenz zu sein. Es erscheint zweifellos, daß kaum ein europäischer Soldat so ernstes nnd lebhaftes Interesse an dem 1 o o Gange der taktischen Ereignisse nimmt, wie der in den Grund- - atzen der allgemeinen Wehrpflicht erzogene Nen-Japaner." Derselbe Schriftsteller meint: „Mit welchen Ehren die japanische Armee ans einem eventuellen Kampfe mit einem europäischen Gegner hervorgehen würde, hängt heute nich t 's 5 106 mehr von deren Truppen, sondern lediglich von deren höheren Führern ab." Auch diese bewährten sich im russischen Kriege. Der Oberstkommandierende, Marschall Oyama, und sein General- stabsches Kodama wurden der Moltke und der Roon Japans. Vor dem Kriege mit Rußland betrug die Friedens¬ stärke des Heeres 228.500 Mann; an ihrer Ausbildung wurde mich nach dem Feldzuge unausgesetzt gearbeitet. Auch die Kavallerie, die in Japan bei der wasserreichen und hüge¬ ligen Beschaffenheit des Landes und bei der Gewohnheit des Volkes, die Lasten nicht durch Tiere, sondern durch Menschen weiterzubefördern, in früherer Zeit so gut wie gar nicht in Verwendung kam, ist gegenwärtig zu einer ganz respektablen Waffe geworden. Die Paradeuniform der Truppen ist in neuester Zeit abgeschafft worden; die ganze Armee ist heute mit kakifarbigem Tuch, im Sommer mit ebensolchem Drillich bekleidet; die Waffengattungen werden nur durch die Farben der Kragen- ausfchläge unterschieden; als Rangabzeichen dienen Sterne. Nur die Offiziere haben ihre verschnürten Parade- und Gala¬ uniformen beibehalten. Die Offiziere sprechen fast durchwegs eine der drei europäischen Hauptsprachen; ihre Tüchtigkeit und ihre gebildeten Umgangsformen werden von allen fremden Militärs gelobt. Für seine Armee ist das Volk zu allen Opfern bereit; es überhäuft sie in Zeiten der Gefahr mit Liebesgaben und Ehrenbezeugungen. Tokio errichtete zum Empfange seiner sieg¬ reichen Truppen einen Triumphbogen und auf Port-Arthur erhebt sich ein Obelisk zur Erinnerung an die Heldentaten der Armee. Aber nicht bloß dem lebenden Soldaten, auch dem leidenden und verwundeten ist die Fürsorge aller Kreise der Bevölkerung zugewendet. Auch Japan besitzt seine Gesellschaft vom Roten Kreuze, deren Organisation nach dem Muster der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft erfolgte und deren eifrigste Förderin die Kaiserin selbst ist. Im Jahre 1886 trat Japan der Genfer Konvention bei und nahm auch ihr Abzeichen, das rote Kreuz im weißen Felde, an. So wirkt also selbst im fernsten Osten nnd unter ner heidnischen Bevölkerung dieses Zeichen des Welterlösers ?nn Heil und Segen der Menschheit. Ebenso ungeheuer wie die Fortschritte des Landheeres chnd die der japanischen Flotte. Ihre Haltung im russischen . riege war vielleicht noch ehrenvoller als die der Armee, fapan hat heutzutage mit den im. Kriege eroberten Schissen ine bedeutende Seemacht, an deren Vergrößerung es unaus¬ gesetzt arbeitet. Seine Zukunft liegt auf dem Wasser. Dieses Kaiserwort gilt auch von Japan. Paalzow berichtet in seinem Buche: „Das Kaiserreich Japan": „Nicht weniger als sechs Schiffe nach dem Typus des Dreadnought, des bekannten englischen Panzerkolosses, sind in Bau gegeben. Der offensive Geist der Japaner zeigt sich hierbei darin, daß ihre Schiffe eine geringere Geschwin¬ digkeit, aber eine stärkere Artillerie und eine stärkere Ar¬ mierung haben als das englische Vorbild." In welchen Gewässern wird in Znkunftstagen das Banner der japanischen Kriegsflotte, die rote Sonne im weißen Felde, siegreich slattern? Die Japaner sind sich dessen wohl bewußt, daß sie auf dem Gebiete der militärischen Ausbildung fast alles den Deutschen zu danken haben. Bei der Gedächtnisfeier, die im August 1906 zu Ehren des verstorbenen preußischen Generals M e ck e l in der Kriegs¬ akademie in Tokio veranstaltet wurde, sollte Marschall Ko¬ dama die Trauerrede halten. Er hatte sie schon ausgearbeitet und einer seiner Freunde verlas sie; denn er selbst war wenige Tage vor der Feier verschieden. In dieser Rede nun findet sich folgende rührende Stelle: „Während der vier Jahre seines Aufenthaltes in unserer Mitte hat er (Meckel) sich Tag und Nacht unermüdlich be¬ strebt, die Schüler zum richtigen Ziele zu bringen: durch seine ausgezeichneten Kenntnisse, herzliche Langmut und Geduld hat er es verstanden, das Neueste der taktischen und strate¬ gischen Wissenschaft in unsere arm begabten Gehirne hinein¬ zubringen und jeden nach seinen Fähigkeiten das entsprechende Resultat erreichen zu lassen." 108 Und zum Schlüsse der von dem japanischen Marschall ausgearbeiteten Rede beißt es über den plötzlichen Tvd des deutschen Generals: „Es war sür uns alle wie ein Blitzschlag ans heiterem Himmel. Wie können wir diesen Verlust ertragen? Wir fühlen uns alle so wehmütig, als ob wir unsern Vater verloren hätten. Wir waren ganz betrübt, wie erschlagen. Nun trennt uns die Ewigkeit sür immer. Wir können nicht mehr seine angenehme Stimme hören, nie mehr einen freundlichen Brief von ihm lesen. Doch seine Lehre bleibt in seinen Werken, die künftig die Ratgeber seiner Schüler sein und noch lange bleiben werden. Das ist wenigstens unser Trost." Als der japanische General Kuroki in der ersten großen Schlacht des letzten Krieges amIalu die Russen geschlagen hatte, schickte er an Meckel ein Telegramm, in dem er ihm seinen Sieg meldete und hinzufügte, daß die Erfolge der ja¬ panischen Waffen vor allem Meckel zu danken seien. Deutschland kann stolz sein aus den Anteil, den es an Japans ruhmvollem Aufschwung genommen hat. 4. Industrie und Kandel. Denselben kühnen Sprung aus dem Nichts in die bunt¬ bewegte Welt moderner Erscheinungsformen wie mit seinem Militärwesen machte Japan auch mit seiner Industrie durch. Japan war jahrhundertelang ein Agrikulturstaat; es kannte nur eine handwerksmäßig betriebene Hausindustrie, in der es allerdings dank der Geschicklichkeit und Betrieb¬ samkeit seiner Einwohner Außerordentliches leistete. Noch jetzt betreibt der Bauer neben seiner Feldarbeit gewerbliche Tätigkeit; er spinnt in seiner Wohnung Seide und verfertigt feine Flechtarbeiten, die das Entzücken der Fremden erregen. Der japanische Handwerker war ein Künstler und ist es noch heute und seine Arbeiten zeichnen sich durch den Reiz indi¬ vidueller Eigenart, der ihnen anhaftet, aus. Doch Japan konnte auf diesem Standpunkt handwerks¬ mäßiger Kleinkunst nicht stehenbleiben, wollte es mit den westeuropäischen Industriestaaten in Konkurrenz treten, seine Rohprodukte verwerten und sich von der Einfuhr abend- bindischer Erzeugnisse nach und nach emanzipieren. Es suchte anfangs mit unzulänglichen Hilfsmitteln den europäischen Markt durch fchlechtere und billigere Waren zu mlerbieten. Maschinen wurden nachgemacht, doch so unvoll- ommen, daß sie ihrem Zwecke nur in ganz unzulänglicher Weise entsprachen. Die Arbeitskraft war zwar billig — so betrug der Lohn für Frauenarbeit in Spinnereien etwa -5 Pfennig für den Tag — doch ungeübt und unzuverlässig. Da griff zunächst der Staat ein, indem er Waffen- und Pulverfabriken errichtete, Schiffswerften ins Leben rief, die Maschinen für seine Eisenbahnen herstellte, eine Minze in Osaka und die Staatsdruckerei in Tokio errichtete, in der die Postwertzeichen und das Papiergeld gedruckt wurden. Bald griff die Regierung auch der Privatindustrie unter die Arme, indem sie sich mit einer Reihe von Fabriksunternehmungen belastete, die freilich keinen Gewinn abwarfen und später wieder mit Verlust abgestoßen werden mußten. Zudem war der Geldmarkt wenig leistungsfähig. Japan ist kein reiches Land und die Kriege der letzten Jahre verschlangen ungeheuere Summen. Doch das sind Kinderkrankheiten, die am Ende auch die europäischen Industriestaaten durchmachen mußten. Japan wird sie überwinden und hat sie zum Teil schon hinter sich. Der Impuls des Staates weckte und belebte den kauf¬ männischen Unternehmungsgeist nnd gegenwärtig ist Japan auf manchen industriellen Gebieten schon sehr weit vorwärts- geschritten. Im Jahre 1896 betrug die Ausfuhr der Hafen¬ stadt Osaka nur 1-1 Millionen Jeu; im Jahre 1905 wuchs sie auf 55-9 Millionen an; sie hat sich also in neun Jahren um mehr als das Fünfzigfache vermehrt. Ein lehrreiches Beispiel bietet die Fabrikation von Zünd¬ hölzchen, die nach schwedischer Art erzeugt werden, und zwar meist noch durch Handbetrieb. In Osaka werden 12.000 Per¬ sonen, vorwiegend junge Mädchen, damit beschäftigt. Europäische Maschinen konkurrieren mit japanischen Fingern und letztere bleiben siegreich! Die Ausfuhr der Zündhölzcheu erreichte im IIO cL^cLÄrr-LÄrcLrkrL»rr^rc!k'--»!l-,- -k ich den Brief zurück, beklebt mit 32 Zettelchen. Die Post¬ verwaltung hatte sich die Mühe genommen, den Brief an 32 Adressen zu schicken." Im Jahre 1903 wurden von 6886 Postämtern 212 Mil¬ lionen Briefe und 489 Millionen Postkarten befördert; die Anzahl der Telegramme betrug in diesem Jahre 19 Millionen. Gewiß respektable Summen, die überdies von Jahr zu Jahr ganz erheblich anwachsen! Man hat ost behauptet, daß Japan gegen seine west¬ europäischen Lehrmeister schnöden Undank bewiesen und sie, sobald man ihnen nur alles abgelernt hatte, rücksichtslos wieder weggeschickt habe. Hören wir darüber eine japanische Stimme, die sich zur Rechtfertigung dieses Verhaltens erhebt. Graf Fusamao Tsu g aru schreibt: „Demgegenüber ist zu erwidern, daß keine Regierung der Welt zögern wird, sobald es die Umstände gestatten, die Ausländer durch einheimische Kräfte zu ersetzen. Außerdem ist im Kontrakt die Zeitdauer des Engagements vereinbart, und wenn nach Ablauf dieser Frist kein Bedürfnis mehr vorhanden ist, wird der Kontrakt nicht erneuert und die entlassenen Fremden hätten nach meiner Meinung keine Ver¬ anlassung, sich zu beschweren, denn sie erhalten stets je nach ihren Verdiensten entsprechende Orden und Auszeichnungen, ja sogar oft lebenslängliche Pensionen." 5. Japanische Kunst. Ein zartblühendes Reis am uralten Stamme des japa¬ nischen Volkstums ist die Kunst. Ihre Entfaltung reicht in früheste Zeiten zurück, und wenn auch China wie fast in allen Lebensformen auch in der Kunst Japans Lehrmeister war, so hat dieses doch seinen Mentor auch in diesem Zweige geistiger Tätigkeit weit über¬ flügelt. Man kann daher wohl von einer bodenständigen, durchaus originellen Kunstpflege in Japan sprechen. Schon das japanische Handwerk war Kunst und ist es zum Teil noch. Nur darf man es freilich nicht in den von Einheimischen und Globetrottern erfüllten Straßen der großen Städte aufsuchen, denn was dort in den Schauläden an japa¬ nischen Kunsterzeugnissen seilgeboten wird, ist meist wohlfeile Fabriksware und auch die tausenderlei japanischen Nippes, mit denen der europäische Markt überschwemmt wurde, als Japan in Mode kam, sind größtenteils Dutzendware oder werden sogar in Europa selbst fabriziert. Aber wenn man stille Straßen aufsucht, wenn man tief ins Land reist, findet man wohl noch Handwerker, die an kleinen Kunstwerken jahrelang arbeiten, wie in den Zeiten der kunstsinnigen Shogune aus der Familie Toku gawa, wo ein Künstler Dezennien auf die Dekoration eines Stichblattes für ein Daimioschwert oder auf die Ausschmückung einer Tolchscheide verwendete. Ta lernt man auch den angeborenen Geschmack und die wunderbare Feinheit kennen und bewundern, die der Japaner selbst in die kleinsten Gegenstände des täglichen Gebrauches zu legen weiß. „Von welch unendlich feiner Ausführung," sagt Graf Königsmark „der erst Betrachtung durch die Lupe volle Ge¬ rechtigkeit widerfahren läßt, zeugen z. B. die Netsukes, kleine, aus Holz, Knochen oder Elfenbein geschnitzte Knöpfe zum Einhängen von Pfeife, Tabaksbeutel und Schreibzeug in den Gürtel, die in unerschöpflicher Phantasie mikroskopische Figuren von Menschen und Tieren aufweisen." Überhaupt ist die japanische Kunst nicht groß in der Darstellung des Erhabenen, Grandiosen, zum Staunen Hinrei¬ ßenden; sie entfaltet vielmehr ihren ganzen Zauber in der Wiedergabe des Zarten, Stimmungsvollen, Lieblichen. Der japanische Künstler will rühren und erfreuen, nicht erschüttern und niederbeugen. Daher leistet auch die monumentalste aller Künste, die Architektur, in Japan wenig Hervorragendes. Es liegt dies wohl auch in der Natur des Landes und in dem Umstande, daß als Baumaterial fast nur Holz verwendet wird. Japan kennt keine ägyptischen Pyramiden, keine mexika¬ nischen Götzentempel, keine indischen Pagoden; auch keine gotischen und byzantinischen Dome; und selbst die.schönstes. Heiligtümer, wie der Grabtempel des Jy ey.asiJfij;lWck^, 118 ist keineswegs durch sein Außeres imponierend, wohl aber- erregt er durch die Pracht und Feinheit der inneren Aus¬ schmückung das Entzücken der Reisenden. Dazu kommt die herrliche Umgebung, die den Zugang zu den meisten japanischen Tempelbauten so feierlich und stim¬ mungsvoll gestaltet. Der Lieblingsheld der Japaner hatte recht, wenn er als letzten Wunsch das Verlangen aussprach, „ir¬ den Bergen von Nikko" beigesetzt zu werden. Und wenn der Italiener sein Neapel rühmt und die Welt immer wieder das bekannte „Vsäsrs Napoli o xoi inuorU zu hören bekommt; wenn der Spanier etwas Ähnliches von Granada sagt: „(juisn no ba visto Kranacka, no ba visto naäa"/) so hat auch der Japaner nicht weniger recht zu seinem Sprichworts: Mirko rvo raivai rUsüi va Lökko to z-n ua! (Hast dn Nikko nicht gesehen, darfst du nicht von „prächtig" sprechen!) Ein wunderbares Tor, das in weißem Lack mit Gold¬ zierrat prangt und die feinsten Deckenschnitzereien aufweist, führt zu der eigentlichen Grabstätte des japanischen National¬ helden, einer auf festem Steinfockel ruhenden Bronzeurne, die sich mitten aus dem Grün emporhebt und einen schönen Bergwald zum Hintergrund hat Gibt uns das Gewirre der Tempel in Nikko vielleicht den besten Begriff von der Eigentümlichkeit der japanischen Baukunst, so werden wir durch den Besuch der Gemälde¬ ausstellung im Park von Uenno in Tokio am leichtesten in das Wesen der japanischen Malerei eingeführt. Die Malerei ist die japanischeste aller Künste; sie sagt dem farbenfrohen Wesen des Volkes am meisten zu. Was Lebens- und Naturwahrheit anbelangt, wird die japanische Malerei von der keines andern Volkes übertroffen. Der japanische Maler entwickelt eine Feinheit und Zartheit der Pinselführung, eine Leuchtkraft im Kolorit, die bewunderungs- Wer nicht Granada gesehen, hat nichts gesehen. würdig sind. Seine Vorwürfe sind vor allem Landschaften, bei deren Wiedergabe ihm das Festhalten der Stimmung die Hauptsache ist; am häufigsten kehrt das schn^egekrönte Haupt des Fujiyama wieder. Unter den Tieren sind Kranich und 120 Fuchs die beliebtesten Gegenstände der Malerei, aber auch Fische, Eidechsen, Schlangen gelingen den Malern außer¬ ordentlich gut. Unter den neueren Malern ist Suzuki einer der be¬ rühmtesten. Von ihm sagt der Reisende Karl Fisch er: „Aus seinen Landschaften ruht ein eigener Zauber, eine lyrische Stimmung, etwas Verklärtes, Weltentrücktes, eine Sichersten und Ungesuchtheit, die einem tiefen Empfinden entspringt, etwas Unvergeßliches, bei dessen Anschauen den Betrachter das Gefühl seligen Glückes überkommt. Solche Landschaften, w?nn auch nicht um ihrer selbst willen, hat viele tausend Meilen von Tokio an den Ufern der Seine ein anderer Prinz aus Genieland, Puvis de Chavannes, gemalt." Die Anfänge der japanischen Malerei wurzelten in der Religion und dienten der Ausschmückung der Tempel. Im Mittelalter blühte die Tosaschule, so genannt nach ihrem Begründer, der Unterstatthalter der Provinz Tosa war. Diese Schule hatte einen ausschließlich aristokratischen Charakter und beschränkte sich aus die Wiedergabe des Lebens der Adeligen. Die zweite große Schule ist die ^Kanaschule; ihre Hauptstärke liegt in der sogenannten Schwarz-Weiß-Malerei. Die Ölmalerei fängt erst in neuester Zeit an, sich in Japan einzubürgern, und zwar infolge der veränderten Einrichtung modern gebauter Häuser. Im eigentlichen Heim des Japaners wird nur im Toko, der Nische des Empsangsraumes, das rollbare Hängebild, der Kakem cno, aufgestellt. Eine Über¬ ladung seines Wohnraumes, auch mit Kunstgegenständen, liebt der Japaner nicht; er wechselt lieber je nach der Saison und den Umständen die Kakemenos und hängt beispielsweise zu Neujahr eine Tanne, einen Bambusbaum, die Glück bedeuten, im Frühling einen blühenden Kirschzweig, im Sommer einen Wasserfall, im Herbste eine Berglandschaft mit rotem Wald¬ laub auf. Auch die mit Papier überzogenen Schiebewände, Fusm m a s, und die auf zwei Füßen stehenden Setzschirme, Tsui¬ tat os, sind mit reizenden Malereien bedeckt; am liebsten aber werden die mehrteiligen, zusammenlegbaren Wandschirme, Biyobus, mit farbenprächtigen Gemälden geschmückt. rM!LMiWNeLiil?SipL»r^L»rl!s;rrL-R^!-S5SrcsNl!iSrcL«rLMrsscLSr!Sr 121 Wir würden uns eines Vergehens schuldig machen, wenn wir in diesem Zusammenhänge nicht auch der hochentwickelten Japanerin beim Koto-Spiel. japanischen L a cki n d ustrie Erwähnung tun wollten, ariiber sagt Graf Königsmarck: „Die Solidität der japanischen Üack- 122 csrrLrrcL^rLNrSkcsrkcLLH<7Sic^rrs»k^-NcL^c!L»kcLVrLrklrL»cLSc-Lr- waren, ihre Unempfindlichkeit gegen kochende, alkoholische und säurenhältige Flüssigkeiten stehen unerreicht da, ebenso wie die wechselvolle Schönheit ihrer Dekoration. Selbst jahrhunderte¬ langer Gebrauch vermag ihren hohen Glanz nicht abzu¬ schwächen." Der Lack wird aus dem Safte des Lackbaumes in den Sommermonaten gewonnen; nicht nur hölzerne Gegenstände, sondern auch solche aus Horn, Papier, Metall und Porzellan werden damit überzogen und durch Goldstaub oder Jnkru- strierung aus Elfenbeiu und Perlmutter die reizendsten und anmutigsten Schöpfungen hervorgebracht. Ter Wert der ex¬ portierten Lackwaren betrug im Jahre 1905 an drei Millionen Kronen. Noch ein Wort über die japanische Keramik. Das elfenbeinerne Steingut der Provinz Satsuma mit seiner Ausschmückung in Gold, Grün und Rot, meistens Blumen und Vögel darstellend, ist das geschätzteste in ganz Ost- asien. Das Porzellan lernten die Japaner von China kennen. Das beste ist das aus Jrita in der Provinz Hizen, das nach dem Ausfuhrhafen gewöhnlich Jmari-Porzellan genannt wird. Das blendend reine Weiß dieses Porzellans wird mit Figuren und Landschaften in entzückendem Farbenschmelz bemalt. Die japanische Plastik ist der Malerei nicht ebenbürtig; sie beschränkt sich fast nur auf Erzeugung von Bronzegegen¬ ständen und schuf bloß im Dienste des religiösen Kultes größere Werke, so die berühmte Buddhastatue in Kamakura, von der schon die Rede war. Für den weltlichen Gebrauch ist die Plastik Japans größtenteils Kleinkunst, leistet aber in allerlei Vasen und Gefäßen sehr Hübsches. Besonders schön und von entzückender Leuchtkraft sind die Emailarbeiten, die sogenannten Cloisonös.^ Sollen wir noch von der japanischen Musik sprechen? Sie klingt den Ohren des Europäers vielleicht ebenso fremd Cloisonss nennt man die Schmelzmalerei in Zellen oder Kapseln, sie geschieht nur auf Metall. und seltsam, wie ihn so vieles im Lande der ausgehenden Sonne anmutet. Das am häufigsten verwendete Instrument, in dessen Gebrauch jedes Mädchen unterwiesen wird, ist das Samisen, die dreisaitige Gitarre; seltener und nur in vornehmeren Häusern findet man die alte dreizehnsaitige Zither, Koto, die liegend gespielt wird. Das Viva, eine Mandoline mit vier Saiten, wird gewöhnlich von Blinden oder Veteranen aus der Feudalzeit gespielt; sie dient vornehmlich zur Be¬ gleitung der alten Erzählungen aus der Zeit der Daimios und Samurais, etwa wie die Harfe oder Laute in unserem Mittelalter. „Musik in unserem Sinne", sagt Graf Königs- marck, „liebt der Japaner nicht und duldet sie nur als not¬ wendiges Zubehör westlicher Zivilisation, beispielsweise am kaiserlichen Hofe, in der Armee und Marine." Die japanische Volkshymne ist sehr alt und ihr Ent¬ stehen soll in die Zeit Karls des Großen fallen. Sie entbehrt nicht eines ernsten und feierlichen Charakters. Wir setzen den Anfang des Kaiserliedes hieher, wie er in dem Reisewerke von Hefse-Wartegg mitgeteilt ist. Japanische Kyinne. 1^4 Japanische Landschafts- und Städteöitder. 1. Pie atten Inseln. Ämrauscht von den stolzen Klängen der japanischen Hymne, die mail im Lande sehr häufig und bei den ver¬ schiedenen Gelegenheiten, Volksfesten, Schulfeierlichkeiten u. s. w. hören kann, wollen wir nunmehr eine Wanderung durch die Inselwelt des Kaiserreiches antreten. Leider gestattet uns der knappe Raum unserer Darstellung nicht, diese allzu weit aus¬ zudehnen und mi den einzelnen Stätten dieses an Wundern der Natur so überreichen Landes yns allzu lange aufzuhalten. Wir müssen unsere freundlichen Lefer in dieser Hinsicht auf die vielen interessanten Reifewerke über Japan verweisen, oder noch besser, sie einladen, dem „Lande der ausgehenden Sonne" selbst sobald als möglich einen Besuch abzustatteu. Das ist Heutigentages, wo die Entfernungen kaum mehr eine Rolle spielen, kein so riskantes Ding, wie zu den Zeiten, in denen Marko Polo uns seine Märlein von dem Zauberlande Zipangu auftischte, und der Portugiese Mendez Pinto als der erste Europäer in Japan landete. Sein außer¬ ordentlich langer und konfuser Bericht über seine Reisen in Oftasien enthält so haarsträubende Ungeheuerlichkeiten, daß man seinen Namen Mendez gleichbedeutend mit Mendaz (Lügner) hingestellt hat. Auch manche Erdballtreter (Globetrotter) der neuen und neuesten Zeit könnten sich mit dem kühnen Portugiesen in diesem Ehrennamen teilen, doch das Licht Wissenschaft- 126 licher Forschung, in der, wie immer, den Deutschen die Palme gebührt, hat jetzt selbst in die entferntesten Winkel Japans hineingeleuchtet und es ist, wie gesagt, nicht mehr so schwierig, sich von den Zuständen des Landes durch eigenen Augen¬ schein zu überzeugen. Reizend schildert Lafkadio Hearn, der begeisterte, aber vielleicht nicht immer ganz unbefangene Verehrer Japans, den ersten Eindruck, den er von diesem Lande empfing^: „Mit der köstlichen Überraschung einer ersten Fahrt durch japanische Straßen — außer stände, sich mit dem Kuruma (Lauser) anders zu verständigen als durch Gebärden, darauf loszulaufen, gleichviel wohin, da alles so unsagbar vergnüg¬ lich und neu ist, — hat man zum ersten Mal wirklich die Empfindung, in jenem fernen Osten zu sein, von dem man soviel gelesen, soviel geträumt hat und der, wie unsere Augen bezeugen, uns doch bis jetzt so ganz und gar fremd geblieben ist. Schon in dem ersten vollen Bewußtsein dieser im Grunde ganz alltäglichen Tatsache steckt Romantik, aber für mich verklärt sich dieses Bewußtsein unsagbar durch die göttliche Schönheit des Tages. In der Morgenluft liegt ein unbe¬ schreiblicher Zauber der Kühle, der Kühle eines japanischen Frühlings mit Windwogen von dem Schneegipfel des Fuji, ein Zauber der vielleicht mehr in der weichen Klarheit des Lichtes liegt, als in irgend einem ausgesprochenen Ton, — eine außerordentliche atmosphärische Durchsichtigkeit, mit einer bloßen Andeutung von Blau darin, durch welche die aller¬ entferntesten Gegenstände sich mit frappierender Schärfe ab¬ heben. Die Sonne strahlt in linder Wärme; die ,Jinrikisha' oder ,Kuruma' ist das denkbar reizendste kleine Wägelchen und die Straßenveduten, die sich über den hin- und her¬ tanzenden, hohen, pilzförmigen Hüt meines sandalenbekleideten Läufers hinweg darbieten, haben einen Reiz, gegen den ich mich nie abstumpfen könnte. „Alles scheint elfenhaft, denn alles und jedes ist klein, wundersam und mysteriös: die kleinen Häuschen unter ihren blauen Dächern, die kleinen, blau ausgeschlagenen Verkaufs- st Lotos: Blicke in das unbekannte Japan, S. 7 f. 1 8 laden und die lächelnden kleinen Leute in ihren blauen Ge¬ wändern. Nur manchmal wird die Illusion durch das zu¬ fällige Vorübergehen eines hochgewachsenen Fremden gest.ut oder durch den Anblick verschiedener Ladenschilder mit Auf¬ schriften in einem absurden Kauderwelsch, das englisch sein soll. Aber diese Mißtöne verstärken nur die entzückende Wirk¬ lichkeit ; nie vermindern sie den Zauber der kleinen, drolligen Straßen. — „Man sieht sich plötzlich in eine Welt versetzt, wo alles in einem kleineren und zierlicheren Maßstab ausgeführt ist als bei uns — eine Welt von kleineren und augenscheinlich gütigeren Wesen, die alle dir zulächeln, als wollten sie dir alles Gute wünschen, eine Welt, in der alle Bewegung langsam und weich ist und die Stimmen gedämpft sind, eine Welt, in der Land, Leben und Himmel anders sind, als man es jemals anderswo gesehen, und dies ist sicherlich sür Phantasien, die mit europäischer Volkssage genährt wurden, die Verwirklichung des alten Traumes einer Elsenwelt." Landen wir also zuerst in Nagasaki und treten von dort unsere weitere Wanderung an. Nagasaki liegt an einer Bucht, die ebenso tief ins Land eingeschnitten ist wie ein Nordlandsfjord. Aber welch ein Unterschied zwischen dem skandinavischen Fjord mit seinen starrenden Felsen und der lieblichen Natur, die sich hier an den stillen, blauen Wasserspiegel anschmiegt! Nagasaki war der erste Hafen, der den Europäern ein¬ geräumt wurde; später wurden die Holländer aus das In¬ selchen Deschima beschränkt, wo sie wie Diebe abgesondert und bewacht, in einer Art Gefangenschaft lebten, sich aber der Handelsvorteile wegen alles gefallen ließen.*) Auf einer andern Jnfel ragt der Fels empor, von dem die Christen, die sich gegen die furchtbaren Verfolgungen empörten, aber besiegt wurden, im Jahre 1637 ins Meer gestürzt wurden.?) Es waren ihrer Tausende, die hier den Märtyrertod erlitten. *) Vgl. S. 86. Vgl. S. 85. 129 Am Ufer entlang breitet sich die europäische Nieder¬ lassung aus; am jenseitigen Ende der alten Stadt mit schnur¬ geraden, sich rechtwinklig schneidenden Gassen ist die Vorstadt shudfhendshi, die zu den Höhen hinanführt, auf denen ich die Tempelanlagen ausdehnen. Der schönste dieser Shinto- empel ist der O-Suwa-Tempel. Mehrhundertjährige Kampferbäume und riesenhafte, dickstämmige Kryptomerien umgeben den Ort, den der Glaube des Volkes geheiligt hat. Ihr geheiminsvolles Flüstern stimmt zu der Andacht, die auch den Fremden hier unwillkürlich erfaßt. Schön ist das Bild, das man von dieser Anhöhe genießt. Vor uns liegt der Hafen mit den zahllosen Schiffen; weit hinaus dehnt sich das zarte Blau des Fjords mit den vielen malerischen Inselchen; dazu der Rahmen der schönen Wald¬ berge : es ist ein Anblick, lieblich und genußreich, wie der der meisten japanischen Landschaften. Obwohl in Nagasaki ein reichbewegtes Handelsleben pulsiert, macht es doch noch nicht den Eindruck europäischer Fabrikstädte mit ihren unaufhörlich qualmenden Schloten, deren Rauchfahnen ebensoviele Trauerflaggen der erstorbenen Poesie und Romantik find. In Nagasaki trifft der Sammler noch auf viele Pracht¬ stücke altjapanischer Kunst, auf herrliche Seidenstickereien, Bronzen und Rüstungen und auf wunderhübsche Gegenstände aus Satsuma- und Hizen-Porzellan. Nagasaki ist der Hafen für Altjapan, Jokohama der für das moderne Reich und seine Hauptstadt Tokio. Beide liegen auf der Hauptinsel Hondo, die der Europäer gewöhnlich mit Nippon bezeichnet. Kioto war einst die größte Stadt Japans, die Residenz des Kaisers und des Hofadels; gegenwärtig ist es nur ein blasses Abbild seines ehemaligen Ruhmes und hat heute nur noch gegen 300.000 Einwohner. Es zehrt von seiner Geschichte. Denn Industrie und Handel sind in das nahegelegene Osaka übersiedelt und die neue Kaiserstadt Tokio hat als Mittelpunkt des wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens Kioto auch des vornehmen Glanzes beraubt, der einst von hier ausstrahlte. Doch ruhen auf dieser alten Residenz noch die Schatten Sniolls, Japan und die Japaner. 9 130 >rr!Src-srr-S!^:rrLircLRcLiip-M^L;rcLrk^S!c-Lr großer Erinnerungen und Erzherzog Franz Ferdinand hat recht, wenn er in seinem Reisewerke sagt: „Was dem Katholiken Rom, dem Russen Moskau, dem Mohammedaner Mekka, dem Buddhisten Kandy, das ist Kioto dem Japaner." Wenn auch der Glanz der Geschichte verblaßt, die Schön¬ heit der Natur bleibt ewig. Und die Lage Kiotos ist entzückend. Es liegt wie in der Mulde eines ausgebrannten Kraters; nur sind an der Stelle der erstarrten Lava üppige Gärten getreten, die im Vereine mit wohlgepflegten Kulturen die sanft geschwungenen Anhöhen bedecken. Von einer dieser Höhen gesehen, bietet die Stadt selbst, wie die meisten japanischen Ortschaften, keinen besonders reiz¬ vollen Anblick dar. Es fehlen den japanischen Orten die beherrschenden Kirchtürme des Abendlandes oder die schlanken Minarette und malerischen Kuppeln des mohammedanischen Orients. Einförmige, plumpe graue Dächer und ein Gewirr dicht zusammengedrängter Holzhäuschen in meist schnurgeraden Straßenzeilen: das ist das gewöhnliche Bild einer japanischen Stadt aus der Vogelperspektive. Beinahe ein Jahrtausend lang war Kioto die Hauptstadt des Reiches und an 50 Kaiser residierten in dem alten Palaste, den eine hohe Mauer mit sechs Toren von der Außenwelt abschließt. Die Phantasie knüpft an diesen uralten Herrschersitz die ausschweifendsten Vorstellungen; aber die Fremden, denen die Erlaubnis zum Besuche dieser geträumten Herrlichkeiten zu teil wird, sind meist arg enttäuscht. Hören wir, was Hesse-Wartegg darüber erzählt: „Welche Schätze, welch erhabene Kunstwerke mochten hier in dem vor¬ nehmsten Palaste dieses Landes der Kunst aufgespeichert sein, wie freute ich mich auf die bevorstehende Augenweide! Mein Führer schob eine Papierwand zurück und ließ mich eintreten.. Ein weiter, niedriger Raum mit einer etwa kniehohen Estrade an einem Ende. Auf der Estrade erhob sich ein niedriges Zelt aus vergilbter weißer Seide, mit schwarzen Bändern behängt. Sonst war nicht das geringste Möbel zu sehen. Mit leisen Worten teilt mir der Führer mit, dies sei der Thronsaal und das Zelt der Thron des Kaisers. Wieder wurde eine Papier¬ wand beiseite geschoben, ein zweiter papierener Raum, ohne irgend welche Einrichtung: der Empfangsaal; ein dritter Papier¬ raum ohne Möbel: das Speisezimmer; ein vierter: das Schlaf¬ zimmer; nichts als Papierwände, weiche, geflochtene Fußboden¬ matten und sehr schön geschnitzte, reich bemalte Holzdccken." Hier residierte der Kaiser, der Abkömmling der Sonnen¬ göttin, verehrt wie ein Gott und abgesperrt wie ein.GLMWner. 132 Nicht einmal die Atlasdecken des Zeltes, hinter denen der Sohn des Himmels thronte, durften die Blicke der Sterblichen streifen, denn diese mußten während der ganzen Audienz mit der Stirne den Boden berühren und kamen nie dazu, auch nur den Schatten ihres Fürsten zu sehen. „Schöner, großartiger, individueller", führt der genannte Reifeschriftsteller fort, „ist der nicht weit vom Kaiserpalast gelegene Palast der Shognne, Nidscho genannt. Die militärische Macht dieser einstigen Vizekönige äußert sich noch heute durch die festen Mauern mit pagodenartigen Ecktürmen, die ihn um¬ geben. Die Räume sind größer und höher, die Malereien kräftiger und kühner, einzelne in der Tat von besonderer Schönheit. Das Ganze zeigt größeren Reichtum, größere Vor¬ nehmheit. Geradezu blendend ist der goldstrotzende Audienzsaal der Shogune und leicht konnte ich mir im Geiste das imposante Bild vergegenwärtigen, als diese nun im Staube liegenden großen Herren die in den prächtigsten Kostümen prangenden Feudal¬ fürsten des Landes empfingen, ein Bild, das in solchem Glanz und solcher Fremdartigkeit wohl nirgend erreicht worden ist." Es gehört einer Vergangenheit an, die auch für Japau niemals wiederkehren wird. Das Shogunat ist begraben und der Kaiser wohnt in der Uniform eines europäischen Marschalls, umgeben von den Militärattaches aller Kulturstaaten, den Manövern bei, bei denen seine Soldaten mit allen Erfindungen der modernen Militärtechnik ausgerüstet sind, oder er verteilt, begleitet von dem Stabe seiner Minister und Würdenträger, Preise auf Kunst- und landwirtschaftlichen Ausstellungen. Wer stellt den Zusammenhang zwischen diesem Glanze der Gegenwart und der märchenhaften Romantik der Vergan¬ genheit her? Einzig und allein der patriotische Gemeingeist des japanischen Volkes, vor dem wir folgenden bezeichnenden Zug erzählen wollen, der sich an den Bau des berühmten Higashi-Hangwanshi-Tempel in Kioto knüpft. Als es sich nämlich herausstellte, daß gewöhuliche Taue zum Hinaufziehen der ungeheueren Dachbalken nicht ausreichten, weissagte ein Priester, daß nur Taue aus Frauenhaaren stark genug sein würden, diese Arbeit zu ermöglichen. Und sogleich opferten Tausende von Frauen ihren rabenschwarzen Haar- ichmuck, aus dem armdicke Taue geflochten wurden, mehr als notwendig waren. Dieser Tempel ist ein Geschenk des Volkes an die Stadt Kioto. Von seiner Pracht gibt wohl die Tatsache einen hinlänglichen Beweis, daß seine Erbauung 8,000.000 Dollar gekostet hat und sieben Jahr in Anspruch nahm. Von der Herrlichkeit seiner inneren Ausschmückung mag man sich eine Vorstellung machen, wenn man hört, Die Hauptgeschäftsstraße in Yokohama. daß die Malerei der Lotusblumen auf den verschiebbaren Wänden hinter dem Hauptaltare allein 10.000 Dollar (über 40.000 Kronen) gekostet hat. Fast die ganze Arbeit an diesem grandiosen Tempelban wurde größtenteils aus den Kupfermünzen der Landbevölkerung bestritten. Noch ist die Romantik des alten Japan nicht ausgestorben, mag auch Kioto nur mehr von seinem einstigen Ruhme träumen. Sie erfüllt auch noch die Köpfe aller der Tansende, die sich durch die unaufhörlich mit Menschen erfüllten Straßen der neuen Hauptstadt drängen, der wir nunmehr einen Besuch abstatten wollen. Tokio war in alter Zeit nicht viel mehr als ein Fischer¬ dorf; es verdankt seinen Glanz und seine Blüte den Shogunen aus der Tokugawa-Dynastie, die es zu ihrer Residenz erhoben und ihre Teilfürsten, die Daimios, zwangen, wenigstens einen Teil des Jahres ihre Landschlösser zu verlassen und mit ihren Familien und Gefolgschaften ihren Aufenthalt in Tokio zu nehmen. So zogen denn in jedem Jahre prunkvolle Züge nach Tokio, voran ein Herold, der, mit dem Fächer winkend, dem Volke zurief: „8bitn-in-0ru!" (Nieder auf die Knie!) Damals hieß die Stadt noch Aeddo; ihren Namen Tokio (Ost-Hauptstadt) erhielt sie erst im Jahre 1868, als der jetzige Kaiser sie zu seiner Residenz erwählte. Rasch ist sie eine Millionenstadt geworden, an Ausdehnung und Bevölkerungs¬ ziffer Paris ähnlich, aber an Unfertigkeit fast noch an Chikago gemahnend,; denn im Inneren der Stadt gibt es noch weite, unbebaute Flächen und die Umwandlung des Stadtbildes aus einer durchaus japanischen Residenz in eine fashionable Welt¬ stadt, gereichte der Schönheit der neuen Kaiserstadt nicht durch¬ weg zum Vorteil. Tokio setzt sich aus drei verschiedenen Stadtteilen zusam¬ men, aus der kaiserlichen Residenz, dem daran sich anschließenden modernen Viertel und der japanischen Stadt, die sich längs der Flußarme und Kanäle ins Endlose auszudehnen scheint, ein uferloses Meer grauer Holzhäuschen, deren Gleichförmigkeit selten durch größere Plätze oder durch grüne Oasen unter¬ brochen wird. Die Gebäude der kaiserlichen Residenz, einstöckig und im japanischen Stil erbaut, werden durch 30 bis 40 Meter hohe, aus Otuardern erbaute Mauern und durch breite und tiefe Wassergräben, auf deren melancholischem, von riesigen Pinien beschattetem Spiegel Lotusblumen schwimmen, von der Außen¬ welt abgeschlossen. Auf den Lippen jedes Beschauers schwebt die Frage, wie diese gigantischen Mauern von den kleinen japanischen Arbeitern Im Irisgarten zu Tokio. 136 ohne Hilfsmittel der modernen Technik aufgesührt werden konnten? Das Innere des kaiserlichen Schlosses zeugt überall, wo bloß japanische Dekoration in Anwendung kam, von auser¬ lesenstem künstlerischen Geschmack und von einer uns beinahe unfaßlichen Geschicklichkeit, die sich die Japaner in der Bearbei¬ tung des Holzes angeeignet haben. Gras Königsmarck, der diese Räume besucht hat, schreibt darüber: „Auf dem matten Golde der Plafonds kreuzen sich geschnitzte oder mit Lack überzogene Balken, die wirkungsvolle Füllungen in Holzmosaik umschließen. Vergoldete Bronzeplatten mit Motiven von unbeschreiblicher Eleganz zieren die Schneidc- punkte des Gebälks. Ter obere Teil-der Wände zeigt ein feines Gitterwerk von Lackstäbchen, während die unteren Flächen mit Malereien bedeckt sind, die in kühn und effektvoll hinge- worsenen Pinselstrichen Landschaften und Vögel, Drachen und Fische darstellen. Den Fußboden bedecken Helle Binsenmatten. In vielen Dekorationsmotiven kehrt an Plafonds und Wänden das kaiserliche Privatwappen, bestehend aus Blättern und Blüten der Uanlmvnia iinporikckis, wieder." Mit den prächtigen Bronzen, Email- und Porzellangegen¬ ständen, die geschmackvoll in den einzelnen Räumen verteilt sind, kontrastieren wenig passend verschiedene westeuropäische Möbel in Rokoko- oder neuenglischem Stil, die ziemlich wahllos dort und da ausgestellt sind. Einem Gürtel gleich umgibt die kaiserliche Residenz das moderne Quartier Tokios, in dem die öffentlichen Gebäude, die fremden Gesandtschaften, die Ministerien, die europäischen Hotels, die Universität, das Gymnasium, das physikalische und technische Institut, die Parlamentsgebäude, größtenteils in europäischem, aber dem nationalen Charakter angepaßtem Stil, untergebracht sind. Auch dieses Stadtviertel ist von einer mit Bäumen be¬ pflanzten Maner und von Gartenanlagen umschlossen. Daran reiht sich das japanische Tokio und darüber hinaus das liebliche Landschaftsbild der Umgebung. Denn ringsum breitet sich die fruchtbarste und üppigste Ebene des Landes aus, das Kwanto mit seinen smaragdgrünen Reisfeldern und den 137 zahllosen malerischen Bauernhänschen, auf deren Dächern zuweilen ganze Jrisbeete prangen, deren violette Blüten im leichten Winde hin und herschwanken. Dazwischen glänzt das Helle Grün kleiner Bambushecken und leuchten die hochroten Blätter des Ahorns, während in der Ferne, gegen Westen, die Kette der Berge blaut und das schneebedeckte Haupt des Fujiyama sich in scharfen Silhouetten vom Horizonte abhebt. In den Straßen von Tokio selbst herrscht vom Morgen bis zum Abend das bunteste und lauteste Leben. Zwar der Japaner ist kein Frühaufsteher; aber für die Fremden stehen schon von sechs Uhr morgens an die zierlichen Kurumas bereit, die von Kulis gezogen werden und deren es in Tokio allein über vierzigtausend gibt; und die Wagenlenker laden mit ihrem sreundlichen: „ULUm? Danns. ? 0 iäs ns.8si? cksrasbaimas no äosslra?" (Wollen Sie eine Riksha, Herr? Wollen Sie nicht fahren? Wollen Sie nicht ehrenwerten Platz nehmen?) zur Benutzung ihrer Wägelchen ein. Erst nach und nach werden die Ama do, die hölzernen Sturmwände, die zur Nachtzeit rings um die Veranden der Häuser aufgestellt werden, mit lautem Rasseln zur Seite geschoben und die Verrichtungen der erwachten Familien¬ mitglieder vollziehen sich nun meist ohne Ausschluß der Öffentlichkeit in den gegen die Straße offenen Wohnräumen. Reges Leben herrscht besonders auf den Fischmärkten, aber Ein- und Verkauf geschieht in höflichen und freundlichen Formen. Damen der Halle mit ihrer Flut urwüchsiger Schimpfworte, wie sie Wien und Paris kennt, sind in Japan eine Unmöglichkeit. Kaufmann und Kundschaft verbeugen sich ebenso zeremoniös wie die Bekannten, die einander auf der Straße begegnen und vor lauter Höflichkeit fast nicht los¬ kommen können, denn es gilt für unartig, sich zuerst zu ent¬ fernen. Seltsam ist bei manchen männlichen Straßensiguren das Gemisch japanischer und europäischer Kleidung. Ter nationale Kimono paßt nicht sehr gut zu dem europäischen Zylinder oder Filzhut und dem baumwollenen Regenschirm, mit dem mancher Spaziergänger ausgestattet ist. Dagegen bleiben Frauen und Mädchen saft ausnahmslos und gewiß sehr zu ihrem Vorteil den malerischen volkstümlichen Trachten 138 treu; auch die kleinen Musmes, die zur Schule trippeln, tragen ihre Kimonos und Obis, wahrend man die Jungen schon in Beinkleidern und Stiefeln, die Schultasche unter dem Arm, auf dem Schulgang beobachten kann. Außerordentlich groß ist die Zahl derer, die Waren in den Straßen ausbieten, meist Kuchen und Süßigkeiten, die bei dem naschhaften Volke viel Anwert finden. Zuweilen sucht sich auch ein Blinder mit seinem langen Bambusstabe einen Weg durch die Menge zu bahnen, um mit dem Rufe : (Knet-Herr!), auf sich aufmerksam zu machen; besonders gegen Abend, wo alles ein Bad nimmt und viele sich von diesen Blinden massieren lassen. Natürlich ist der Lärm und das Menschengewoge in den Straßen, in denen sich die öffentlichen Unterhaltungs¬ lokale und die Theater befinden, deren es in jeder Stadt eine größere Anzahl gibt, noch viel lauter und bewegter. Der Japaner ist ein leidenschaftlicher Theaterbesucher; häufig versammeln sich Familien, die Logen reserviert haben, schon in den Morgenstunden im Theatergebäude und nehmen auch ihre Mahlzeiten dort ein. Die Kosten stellen sich übrigens nicht sehr hoch. Sie betragen für eine Familie von vier Köpfen einschließlich des Preises für Matten- und Kohlenkästchen, Tee, Süßigkeiten, Reis, Fische sowie des Trinkgeldes für die Diener nur etwa 3 Jen 20 Sen, d. i. beiläufig 3'/2 Mark oder gegen 4 Kronen. In den japanischen Theatern verlängert sich die Bühne zu beiden Seiten bis zur Hintern Wand des Zuschauerraumes und die Schauspieler verkehren auch auf diesen Podien. Früher war es verpönt, Frauenrollen anders als durch Männer dar¬ stellen zu lassen. Das ist auf den großen Theatern jetzt anders. Natürlich hat auch das japanische Publikum seine Lieblinge unter den Schauspielern; aber während wir von unseren Tragöden und Komikern die größte Natürlichkeit verlangen, scheint der Geschmack des Japaners gerade das Gegenteil zu fordern. Er will ein grandioses Zerrbild der Wirklichkeit und nicht ihren Abklatsch auf der Bühne bewundern. Hat ein Schauspieler die Zuschauer, deren größtes Kon¬ tingent Frauen und Mädchen bilden, zu besonderer Begeisterung Japanisches Theater. 140 l-Licl'-. I c I. k--, s L'. r k k^H? k^Ä? I-.-H c--,k x. . hingerissen, so werden ihm Hüte, Schirme, Fächer, Pfei i. - und alle möglichen Toiletteartikel ans die Bühne zugeworfen und diese Gegenstände daun von ihren Eigentümerinnen in der Garderobe des Künstlers gegen Geld oder andere wen volle Gegenstände ausgelöst. Die Kaiserin selbst ist für die Zulassung der Frauen zur Bühne eingetreten, wie sie denn überhaupt außerordentliä^ viel zur Hebung des geselligen Lebens und zur Förderuw der Wissenschaften und Künste, deren strahlender Mittelpunkt Tokio ist, beiträgt. Kaiserin-Frühling sieht man überhäuft häufig in der prächtigen Galakarosse durch die Straßen Tokio- fahren. Sie besucht mit Vorliebe Wohltätigkeitsaustalten und Schulen, die sie niemals verläßt, ohne den Damen des Lehr Personals das übliche Geschenk, eine Rolle schweren japanischen Seidenstoffes, verabreicht zu haben. Ihrem stillen, echt frauenhaften Walten verdankt die Residenz sehr viel. Nicht minder sind die Hoffnungen der Hauptstadt und des ganzen Landes dem Thronfolger JofHi¬ tz ito zugewendet. Er gilt als aufgeklärt und energisch und beherrscht das Französische vollkommen, während der Kaiser nur japanisch spricht. Unter ihm wird die neue Kaiserstadt und das ganze Reich noch mehr aufblühen, wenn es nur nicht seines nationalen Charakters allzusehr entkleidet würde, dein: das hieße den taufrischen Reis einer schönen Frucht abstreifen oder die duftige Blume durch eine künstliche ersetzen. Spät erst erstirbt das Leben in den Straßen Tokios, erlöschen die buntfarbigen Lampions in den Teehäusern, verstummen die Klänge des Samifeu, auf dem die Mädchen ihre Lieder begleiten. Der Hafen der Reichshauptstadt Tokio, zugleich das große Tor für den Warenverkehr und die Touristik ist Joko¬ hama. Hier lassen alle großen Dampfergesellschasten Europas und Amerikas ihre Schiffe anlauseu und hier ist die bedeu¬ tendste Fremdenansiedluug im ganzen Reiche des Mikado. Als erstes leuchtendes Wahrzeichen erblickt der Fremde, der sich bei klarem Wetter dem Hafen Jokohamas nähert, den wunderbaren Schneekegel des Fujiyama. Wer aber hätte geahnt, daß aus dem elenden Fischerdörfchen mit ein Paar hundert Einwohnern in nicht ganz vierzig Jahren eine Großstadt von über 200.000 Bewohnern und ein Welthafen von einigen Millionen Tonnen und einem Warenverkehr von weit iiber hundert Millionen Jen werden würde? Aber in Japan sind, wie wir gesehen haben, solche Wandlungen eben nichts Seltenes. Freilich, echt japanisches Leben darf der Fremde in Jokohama nicht studieren wollen, Straße im Europäerviertel in 'Jokohama. ebenfowenig wie in Kobe oder Osaka, das man wegen seiner vielen Fabriken das Birmingham des fernen Ostens genannt hat; dazu eignet sich vielmehr eine Reise ins Innere des Landes, z. B. nach Jkao, westlich von Tokio, das durch seine heißen Schwefelquellen sich den Namen eines Karlsbad des Ostens erworben hat. Die Aussicht von dem allerdings ganz japanisch eingerichten Hotel in Jkao ist wahrhaft ent¬ zückend. Es liegt etwa 900 Meter über dem Meere auf einem Bergvorsprung. Hesse-Wartegg schreibt darüber: „Wahre 1 Schweizerlandschaften entrollten sich vor unseren Augen und nur die Schneeberge fehlten, um die Erinnerung an die Alpen länder vollständig zn machen. Znr Linken zieht eine lies bewaldete Schlucht die Berge hinab bis in die Ebene und aus dem jenseitigen Plateau gewahrte ich ein prachtvollem japanisches Schloß, ähnlich den Schlössern des Kaiserhauses oder der Shogune in Nikko oder Kioto, umgeben von wunder¬ baren Gartenanlagen. Aber das moderne Japan hat in den letzten zwei Jahrzehnten Leute mit noch größeren Mitteln geschaffen und das Feenschloß von Jkao gehört dem Präs: denten der größten japanischen Dampfergesellschaft, der Nippon Jusen-Kaisha." Der Badeort selbst zieht sich steil den Berg hinab und die Hauptstraße besteht aus einer breiten, einen Kilometer- langen Holztreppe, zu deren beiden Seiten die mehrstöckigen hölzernen Häuser sich erheben. Hinter jedem Hause, dessen Räume gegen die Straße ganz offen liegen und uns Einblick in das ungezwungenste Badeleben gestatten, befinden sich die Bassins, in die das dampfende und rauchende, stark eisen¬ hältige Wasser mittels eines Netzes von Bambusröhren ge¬ leitet wird. Die japanischen Kurgäste nehmen oft des Tages mehrere heiße Bäder in kurzen Zwischenräumen, weil sie glauben, die Kur dadurch desto wirkungsvoller zu gestalten, und auch um die Kosten des Badeaufenthaltes zu ermäßigen. Bei der Vorliebe der Japaner für heiße Bäder besuchen nicht bloß Leidende, sondern auch Gesunde die verschiedenen heißen Mineralquellen des vulkanischen Landes. Freilich vor¬ dem heißen Sprudel des eine Tagereise von Jkao entfernten Bades von Kusatsu haben selbst die so abgehärteten Japaner einigen Respekt. Es gehört aber auch kein geringer Mut dazu, sich den fast siedendheißen Quellen anzuvertrauen, in denen man es kaum länger als drei bis vier Minuten aushalten kann, ohne zu verbrühen. Es ist daher eine bestimmte Prozedur vorgeschrieben und es ist drollig, sie zu lesen: „Ein Hornsignal ruft bald nach Tagesanbruch so viele Kurgäste, als das Bad fassen kann, zusammen. Jeder Kurgast ist mit einem hölzernen Schöpf- Ansicht der Stadt Kobe. 1 äl iLM lLM cL-Ik c^rrrL^- cLH k--7» cLii cLM cL^e c-s< cLIi c-L, löffel bewaffnet und auf Befehl des Bademeisters begießt sich zunächst jeder mit einigen Schöpflöffeln roll Wasser, um Kongestionen vorzubeugen. Wärter passen dabei wachsam auf denn zuweilen kommen Ohnmachtsansälle vor. Während be¬ folgenden dreieinhalb bis vier Minuten dauernden Bade-, singen Bademeister und Kurgäste einen höchst merkwürdigen Chorgesang, um sich gegenseitig Mut zu machen. Nach Ablauf von etwa einer Minute schreit der Bademeister laut: ,Noch zwei Minuten ff Ebenso wird nach Ablauf der zweiten Minute ,Noch eine Minute!' dann ,Noch eine halbe Minute!' gerufen und jedesmal immer freudiger von den Badegästen wieder¬ holt. Endlich ruft der Bademeister ,Fertig !, worauf alle die brennrot gebrühten Körper über dem Wasser erscheinen und das Bad mit einer Schnelligkeit verlassen, die jeden, der ihrem langsamen, zögernden Eintritt beigewohnt hat, in Erstaunen versetzt." Ta die Badekur in Kusatsu in der Regel 120 Bäder erfordert, die sich auf den kurzen Zeitraum von vier Wochen verteilen, so muß der Kurgast sich täglich mehrere Male dem zweifelhaften Vergnügen eines solchen Bades unterziehen und es gehört gewiß eine außerordentliche Standhaftigkeit dazu, eine solche Kur zu absolvieren. Doch wir nehmen Abschied von der herrlichen Gebirgs¬ region Mitteljapans und von der Hauptinsel überhaupt und wollen nur noch dem heiligen Berge der Japaner, dem Fujiyama, dessen chokoladenbraune Flanken und schneeweiße Spitze, sich reizend vom Hellen Blau des Himmels abheben, einen kurzen Besuch abstatten. Den Japanern gilt die Besteigung des Fuji als Sühne fiir ihre Sünden und jährlich strömen zur Sommerszeit Tausende aus allen Teilen des Reiches herbei, um den heiligen Gipfel zu erklimmen, ja es gibt zahlreiche Pilgervereine, deren Mitglieder jährlich einen kleinen Beitrag zahlen, nm ab¬ wechselnd die Wallfahrt zum Fudschi-See anzutreten. Der Aufstieg geschieht gewöhnlich von dem paradiesisch gelegenen Gotemba am Fuße des Berges. Er ist sehr be¬ schwerlich und erfolgt von der sechsten Schutzhütte an auf -einer ungeheuer hohen Treppe, deren Stufen in die steile, glatte Lavawand gehauen sind. Um den Krater, der einen Durchmesser von einem Kilometer hat, stehen mehrere aus Teehaus bei Kobe. Lavablöcken erbaute Häuschen, in denen Andenken an den heiligen Berg und allerlei Erfrischungen feilgeboten werden. Der Krater, aus dessen Ritzen heißer Dampf pfeifend empor- Smolle, Japan und die Japaner. 10 146 schießt, ist meist mit wallenden Nebeln erfüllt, die auch den Gipfel sehr häufig umgeben und ihn von der Ebene aus unsichtbar machen. Der Abstieg über die Schutthalde vollzieht sich sehr rasch und drei Stunden genügen, um wieder zum Gürtel des Waldes zu gelangen, von wo der Wanderer beim Emporklimmen zehn Stunden bis zum Gipfel gebraucht hatte. Wir rufen dem heiligen Berg, dem Wahrzeichen des japanischen Landes, ein herzliches „Sayonara!" als Scheidegruß zu. 2. Z)ie Insel Yezo. Nachdem wir uns aus der Hauptinsel des japanischen Reiches einige Zeit aufgehalten, freilich viel zu kurz, um all den Schönheiten der Natur und den Herrlichkeiten der alten Kunst gerecht zu werden, wollen wir nun auch den anderen Teilen des Kaiserreiches einen flüchtigen Besuch abstatteu. Die Insel Jezo (sprich Jesso), von den Japanern Hokkaido (Nordmeer-Land) genannt/) erstreckt sich von der Tsugaru- bis zur Kurilenstraße und umfaßt einen Flächenraum von 77.993 Quadratkilometern. Sie wurde vou der japanischen Regierung lange vernachlässigt, bis durch die von staatswegen erfolgte Anlegung von Militärkolonieu für die Zivilisation dieser Insel sehr viel geschehen ist. Jeder Soldat, der sich bereit erklärt, aus zwanzig Jahre als Kolonist nach Hokkaido zu gehen, erhält 150 Quadrat¬ meter Land als freies Eigentum und außerdem ein von der Regierung erbautes Haus sowie eine Kuh und ein Pferd, muß sich aber verpflichten, durch acht Jahre als Milizsoldat und durch zwölf Jahre in der Reserve zu dienen. Seit dieser Einrichtung begann eine neue Blüte dieser Insel und ihre Produkte, hauptsächlich Holz, Kohle und Konserven, werden nicht nur nach dem Mutterlande, sondern auch nach Korea, China und an die sibirische Küste verschifft. Nichtsdestoweniger gibt es aus der Insel noch endlose unbebaute, von hohem Prairiegras bestandene Wälder, die Eigentlich H okushu (Nordland), denn der Name Hokkaido schließt auch die Kurilen ein. dort, wo es an Mitteln fehlt, das Holz zu verwerten, häufig niedergebrannt werden, um urbares Land zu gewinnen. Trostlos ist der Anblick der riesigen Baumstümpfe, trauriger Überbleibsel einstiger Waldespracht, die aus dem Ackerboden emporragen. Überhaupt entbehrt das landschaftliche Bild Uezos der freundlichen Reize japanischer Landschaften, die so wohlgepflegt und von unzähligen menschlichen Ansiedlungen bedeckt erscheinen. In Jezo leben noch viele Ainos, die einst die Ur¬ bewohner und Herren des ganzen japanischen Reiches waren. Der Japaner verachtet diese Halbwilden mit ihrem üppigen Haarwuchs, die eine aus Baumrinden verfertigte Kleidung und Schuhe ans Fellen tragen, wegen ihrer Unreinlichkcit und ihrer mehr als primitiven Sitten. Er hat gewiß nicht unrecht, aber er hat im Laufe der Zeit auch gar wenig getan, um diese gedrückten, scheu, aber gutmütig dreinschauenden Wesen für eine menschenwürdigere Kultur zu gewinnen. Die Behausungen der Auws sind elende kleine Hütten aus Fachwerk mit Binsenbekleidung. Acker- und Gartenbau ist ihnen fremd ; sie begnügen sich damit, etwas Hirse, Gerste und Bohnen anzubauen, soviel sie gerade zum Lebensunter¬ halte brauchen; sonst sind Fische ihre einzige Nahrung. Tran- und Branntweingernch macht ihre Nähe nicht eben angenehm, aber im Verkehr untereinander und mit Fremden sind sic gastlich und zuvorkommend und in der Beobachtung der merkwürdigsten Zeremonien bei der Begrüßung nnd beim Abschied noch komischer als die Chinesen. Sehr eigentümlich ist eine Art Sportspiel, dem sie huldigen und das darin besteht, daß einer den andern mit einem dicken Knüppel aus den entblößten Rücken schlägt. Wer die meisten Schläge aushält, ist der Held des Tages und erntet von allen Seiten Beifall. Den Tod fürchten die Ainss außerordentlich. Ist ein Sterbender im Hause, so wird ein großes Feuer angeznndet, um die bösen Geister zu vertreiben, auch wohl um das Mahl daran zu kochen, das man nach dem Tode des Familien¬ mitgliedes zu sich uimmt. Bei diesem wird vor allem viel getrunken, um den Schmerz zn betäuben. Der Tote wird in 10» eine Matte eingenäht; man gibt ihm Waffen und Jagd¬ geräte, Eßwaren und eine Pfeife Tabak mit und beerdigt ihn weit weg vom Dorfe, an irgend einer einsamen Stelle, die man wegen des um das Grab irrenden Geistes des Verstorbenen ängstlich meidet. Es ist begreiflich, daß der Japaner, der mit seinen Verstorbenen einen solchen Kult treibt, den Aino gerade wegen dieser der seinen so entgegengesetzten Auffassung vom Tode so tief verachtet. Der Haupthafen Jezos ist H o k o d ate an der Tsugura¬ straß e, der an Gibraltar erinnern soll; aber der furchtbare Geruch von allerlei Seetieren und Fischen und vor allem von getrocknetem Seetang und Meeralgen, die massenweise nach China verschickt werden, bringt selbst die unempfindlichste europäische Nase zur Verzweiflung. Die Hauptstadt des Landes, die erst vor wenigen Jahr¬ zehnten gegründet wurde, ist Sapporo, so ziemlich in der geographischen Mitte der Insel gelegen. Sie macht mit ihren breiten, geradlinigen Straßen und den hölzernen Gebäuden, die wegen des rauheren Klimas viel fester gebaut sind als in Japan, im ganzen einen freundlichen Eindruck. Auch eine große Bierbrauerei befindet sich in Sapporo und gewiß hat sowohl die Hauptstadt wie die ganze Insel noch eine große Zukunft, wenn die Urbarmachung großer Bodenstrecken und die Hebung der Viehzucht noch weitere Fortschritte machen werden. Bei dem Hafen Otaru, der nicht weit von Sapporo ist, erhebt sich eine Felswand, deren rötlich-violettes Gestein mit seltsamen Runen bedeckt ist, Schriftzeichen, die noch niemand zu entziffern vermochte. Von den Ainos können sie nicht herrühren, da diesen die Schrift vollständig unbekannt war. Stammen sie aus einer noch viel älteren Zeit, deren Kenntnis uns verschlossen ist? Wer kann es wissen? 3. Iormosa (Taiwan). Formosa heißt „die Schöne". So nannten die Port u- giesen die Insel, deren Pracht sie auf ihren Fahrten in Ostasien wiederholt geschaut; besessen haben sie sie aber nicht; 149 auch die Spanier behielten nicht lange ihre Niederlassung auf Formosa. Erst die Holländer, die nur das Gold und der Erwerb lockte, behaupteten sich längere Zeit im Besitze der Westküste. Dann kamen die Chinesen, deren Herrschaft über 200 Jahre währte. Dem energischen Gouverneur Liu-Ming- Chuan gelang es, einen Teil der malaiischen Ureinwohner zu unterwerfen und sie aus Räubern, die im Dickicht ihrer Urwälder wohnten, in gesittete Feldbauern umzuwandeln, die Reis, Tee und Zuckerrohr mit derselben Betriebsamkeit anbauen, wie der eingewanderte Chinese. Eben dieser Reichtum der Insel an Naturprodukten, vor allem aber die fast noch gar nicht behobenen Schätze an Kohlen, Eisen, Kupfer, Gold und Erdöl und das Bestreben, einen neuen Stützpunkt für ihre Machtentfaltung in den ostasiatischen Gewässern zu gewinnen, lenkte schon lange die Blicke Japans nach dieser Insel. Im Frieden von Shimon oseki (1895), der den Krieg mit China beendigte, wurde sie von den Chinesen an Japan abgetreten. Damit erlangten die Japaner ein ungemein wichtiges Handels- und Kolonisationsgebiet. Für China war der Verlust Formosas nicht eben eine große Sache, denn die Insel hat 34.000 Quadratkilometer, beträgt also kaum den 300. Teil des ganzen chinesischen Reiches; aber für die Japaner ist der Besitz dieser Insel außerordentlich wichtig, und zwar, abge¬ sehen von den anderen Naturprodukten, an denen Formosa reich ist, vor allem wegen der ausgedehnten Bestände von Kampferbäumen, die sich auf dieser Insel vorfinden. Da auch ans Kiushu und Shikoku Waldungen von Kampferbäumen vorkommen und die Japaner bereits eigene Kampferrafsinerien eingerichtet haben, so kann man wirklich schon von einem Monopol Japans in Bezug auf die Erzeugung dieses für die Medizin unentbehrlichen Produktes sprechen, denn die Versuche, die mau mit der Anpflanzung des Kampferbaumes in anderen Erdstrichen, z. B. auf der uordamerikanischen Halb¬ insel Florida gemacht hat, sind noch nicht sehr vorgeschritten. Kein Baum in Japan erreicht so ungeheuere Dimensionen wie der Kampferbaum. Bäume von 10 bis 15 Meter Umfang sind nicht selten. Die Japaner unterscheiden zwei Arten von Kampferbäumen, rote und grüne, nach der Färbung der jungen Blättchen, die erst ausgewachsen die grüne Farbe annehmen. Trotz der noch ziemlich primitiven Art, wie der Japaner den Kampfer aus den Spänen der Baumrinde abdestilliert, wird doch von etwa 100 Kilogramm Kampferholz ein Kilogramm Kampfer gewonnen. Dabei ist der Gewinn ganz enorm. Im Besitze Formosas werden die Japaner noch einen ungleich höheren Ertrag erzielen, da sie nunmehr mit.diesem Artikel auf dem Weltmarkt fast ausschließlich vertreten sind. Formosa, von den Japanern Taiwan genannt, verdient die Bezeichnung „die Schöne" vollauf. Von einem mächtigen, an die Alpen erinnernden Gebirgszug vulkanischen Charakters, aber ohne tätige Feuerberge, durchzogen, stacht sich das Land gegen Westen in fruchtbarer Ebene ab und prangt in wohl¬ angebauten, von schönen Strömen durchzogenen Tälern, die malerisch gegen die Höhen ansteigen, von denen das im Lichte der tropischen Sonne funkelnde Silber zahlloser Kaskaden in die Täler niederschäumt. Im Osten dagegen stürzt das wildzerklüftete Gebirge bis zum Meere hinab. Es ist die Heimat der noch ungebändigten Malaien, die sehr häufig in die Niederlassungen der Chinesen einfielen und soundsoviele bezopfte Köpfe als Siegesbeute in ihre versteckten Dörfer mitbrachten. Denn ein abgeschnittener Kopf eröffnete dem jungen Helden den Eintritt in den Rat der Alten und die Gunst des Mädchens, um die er sich bewarb. Es ist wohl keine Frage, daß die energischen Japaner sich mit etwas mehr Erfolg als die lethargischen Chinesen gegen diese Sitte wehren werden und daß es ihnen im Laufe der Zeit gelingen wird, auch die wilden Gebirgsmalaien ihren zivilisatorischen Bestrebungen gefügig zu machen, was bisher freilich, trotzdem schon anderthalb Dezennien feit ihrer Besitz¬ ergreifung des Landes verstrichen find, noch keineswegs voll¬ ständig glückte. Die Japaner brauchen die Bergdistrikte Formosas mit ihren reichen Schätzen von Kohlen, Eisen, Kupfer und Gold; und wenn auch die bedürfnislosen Malaien, deren Kleidung säst ausschließlich in überreicher Tätowierung ihres ganzen Körpers besteht und deren Nahrung sich aus Wild und Fische beschränkt, schlechte Abnehmer für die japanischen Jndustrie- erzeugnisse sind, so wird ihre völlige Verschmelzung mit ihren neuen Herren doch nicht allzulang aus sich warten lassen. Zwischen den Japanern und den Malaien Formosas besteht eine viel größere Rassenverwandtschaft als zwischen diesen und den bezopften Bewohnern des Reiches der Mitte; ja es existiert unter den Malaien Formosas eine Überlieferung, daß sie Brüder der Japaner seien und daß nur die Chinesen diese ihre Brüder vertrieben hätten. --Jedenfalls hat der japanische Gouverneur Goto recht, wenn er sagt: „Die Zukunft von Taiwan ist in hohem Grade hoffnungsvoll, denn sie gründet sich ans reiche landwirtschaftliche und mineralische Ressourcen. Tee, Reis Zucker, Hanf und Flachs, Indigo, Papier, Seide, Rindvieh und marine Produkte, Kohlen, Schwefel und Petroleum sind alles Gegenstände des Handels von Formosa." Der Wert der Ausfuhr betrug im Jahre 1897 31 Millionen Den und wächst von Jahr zu Jahr. Die Süd- und Westküste der Insel haben meist nur offene Reeden und sind den furchtbaren Brandungen der Monsun¬ stürme ausgesetzt. Am geschütztesten ist der Nordhafen Kilnn (engl. Keelnn). Auf seine Vervollkommnung verwenden die Japaner daher die größte Sorgfalt. Tie „schöne" Insel bildet daher alles in allem einen wertvollen Edelstein im Jnseldiadem Japans, das Asiens Ostküste umsäumt. 4. Korea. (Anhang.) Die Halbinsel Korea gehört noch nicht zum Besitzstände des japanischen Reiches, doch dürfte dies in nicht allzuserner Zeit der Fall sein. Denn im Frieden von Portsmouth, der den Krieg mit Rußland beendigte, wurde Japan die Schutz- Herrschaft über Korea eingeränmt, die es seither auch in energi¬ scher und umsichtiger Weise handhabt. Ebendeshalb halten wir es wohl für gerechtfertigt, wenn wir unseren Japan und seinen Bewohnern gewidmeten Schil¬ derungen auch einige Worte über diese Halbinsel, die so lange * 1 >2 von allem Verkehr mit anderen Erdteilen fast gänzlich abge¬ schlossen mar, gewissermaßen als Anhang hinzufügen. Der Name Korea rührt von der Bezeichnung eines der drei kleinen Reiche her, die in alter Zeit aus der Halbinsel be¬ standen. Ihr offizieller Name lautet Tscho-sen oder Tfchao-fien, was „das Land der Morgenruhe", das dem Sonnenaufgange zunächstliegende Land bedeutet. Korea, das ungefähr so groß ist wie Großbritannien, hat sehr viele Ähnlichkeit mit Japan; es liegt unter der gleichen Breite, ist ebenso gebirgig; hat eine reiche Küstengliederung und ungefähr dasselbe Klima, das zwar im Norden rauher, aber im Süden unter dem Einflüsse des Ozeans nicht allzu heiß und der Vegetation überaus günstig ist. Korea ist reich an den verschiedensten Erzeugnissen. Der Teestrauch, die Korkeiche, der Lackbaum, der Maulbeerbaum uud die mannigfachsten Obstgattungen gedeihen hier prächtig; aber es ist alles vernachlässigt und die indolente Bevölkerung zieht wenig Nutzen aus diesem Reichtum des Landes, der noch vermehrt wird durch die Schätze, die das Innere der Berge birgt. Welch ein Feld für die Rührigkeit und Betriebsamkeit der kleinen gelben Japaner, die sich massenhaft auf der Halb¬ insel niederlassen und bereits anfangen, sich als Herren auf¬ zuspielen! Das gelingt ihnen um so leichter, als die Koreaner, entnervt durch die jahrhundertelange Abgeschlossenheit der Halb¬ insel und die elende Verwaltung der bestechlichen Beamten¬ schaft, an keinen ernstlichen Widerstand denken. Die Koreaner sind ein Mifchvolk wie die Japaner. Die ersten Bewohner scheinen zur See aus Indien gekommen zu sein; noch findet man viele Menschen im Inneren der Halb¬ insel mit schönem, edlem Wuchs, brauner Haut, fast gerade stehenden Augen und schmaler Nase. Von ihnen sagt der deutsche Reisende Dr. Albrecht Wirth: „Einen künstlerisch entzückenden Zug hat dieser rätselhafte Sohn des Morgen¬ strahls, die freieste Haltung und den herrlichsten Gang, den man sich denken kann." Dann überschwemmten die schlitzäugigen Mongolen die Halbinsel und unter der Ming-Dynastie wurde sie von 1 ) s !' den Chinesen erobert, doch konnte China den Besitz Koreas, das durch den Aalusluß und ein hohes Gebirge von der Mandschurei geschieden ist, nicht lange behaupten. Es gibt zwei Typen der mongolischen Bevölkerung Koreas, einen gröberen mit scharf ausgesprochener mongolischer Gesichts¬ bildung und rohem, fremdenseindlichem Charakter, und einen feineren, zierlicheren, der als geistreich und gastfreundlich gerühmt wird. Von China empfing Korea seine höhere Kultur und über Korea drang diese dann nach Japan ein. Korea ist die Wiege der japanischen Zivilisation. Aber wie sehr übertrafen die Schüler ihre einstigen Lehrmeister! Während in Korea jede Bildung erstarrte und selbst einst blühende Industriezweige, wie beispielsweise die Porzellanbereitung, völlig verfielen, schüttelte Japan rechtzeitig die Fesseln mongolischer Halb¬ barbarei ab und trank in vollen Zügen aus dem Kulturboru des Westens. In Korea blieb alles beim alten und trotz mancher guter Eigenschaften des Volkes, unter die wir das innige Familienleben rechnen müssen, konnte es sich nicht aufraffeu aus der Erstarrung, die von der eigennützigen Regierung künstlich aufrecht erhalten wurde. Da die Halbinsel lange Zeit von niemand angegriffen wurde und nur in einer Art nomi¬ neller Abhängigkeit von China stand, vernachlässigte man das Landheer und die Flotte und im Kriege mit China besetzten die Japaner spielend die Halbinsel und erbauten auch die Eisenbahn zwischen der Hauptstadt Söul (sprich fast wie Schaul) und der Hafenstadt Fusan, die noch vor¬ dem russischen Kriege fertig wurde. Jetzt ist auch die Fortsetzung der Bahn von Söul nach Witsn an der nördlichen Landesgrenze, wenigstens provi¬ sorisch, ins Leben gerufen. Mit der Vollendung dieses Schienen¬ weges wird eine direkte Verbindung zwischen Paris über Berlin und St. Petersburg bis zur Südspitze der koreanischen Halbinsel hergestellt sein und es bedarf nur der kurzen See¬ fahrt durch die koreanische Meerenge, nm von der Hauptstadt Frankreichs in die Kaiserstadt im Lande der atMelMtden Sonne, nach Tokio, zu gelangen. . 154 r^r^cLÄrcL>rcL^rcLÄrkNl l Ues vlyye. --- Mk.--70, eleg. geb. X 1-40--Mk. 1-20. I V°n Dr. Leo Smolle. Mit 43 Jllustr. Brosch. X l-40 --- Mk. 1-20, eleg. »INPYieoN 1. geb. X 2-10 Mk. 1-80. unck leine Leit. Bon H. Brentano. Mit 14 Jllustr. Brosch, relei «lvpe X 1-20 Mk. 1--, eleg. geb. X 1-80 Mk. 1-50. felämarscdall 6rak batietM. Ni^-SV^ Brosch. X 1-20 -- Mk. 1--, eleg. geb. X 1-80 -- Mk. 1-S0. Von Dr. Karl Fuchs. Mit ISJllustr. Brosch. X 1-20 — Mk. 1-—, r>LNeiLog eleg. geb. X 1-80 --- Mk. 1-50. s Oer ietrte Zitter. Von Joses Niesten. Mit IS Jllustr. Brosch. IIINXINIIIINN 1., X 1-— - - Mk. --SO, eleg. geb. X 1-60 --- MI. 1'40. Von N. Athan. Zimmermann. Mit 15 Jllustr. Brosch. X—-80 /1 Ilsen uer visyye. — -70, eleg. geb. X1-40 Mk. 1-20. von ötterreich. Mit Benutzung des handschriftlichen und riLNeiLog .1 VI/ lt N n künstlerischen Nachlaffes des Erzherzogs. Von A. Schlossar. Mit 52 Jllustr. Brosch. X 1-80 — Mk. 1-SO, eleg. geb. X 2-40 --- Mk. 2--. » Oie 5ti>minutter äer isauler siabtburg-coihringen. Von Dr. Leo IIlMla <,DeseiIN> Smolle. Mit 28 Illustrationen. Brosch. X 1-40 Mk. 1-20, eleg. geb. X 2-10 -- Mk. 1-80. Sämtliche Bändchen werden möglichst reich illustriert. — Jedes Bändchen ist einzeln käuflich. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen des In- und Auslandes. Verlagsbuchhandlung „Styria" in Graz und Wien. XE- SSSSSS1SSS4