„Es wrrd^ Licht" und Es wird Kicht! oder Die atmosphärische Kur. Ein Beitrag zur natürlichen Gesnndheitslehre ' vo» ^ Arnold UitUi hllgienischer Arzt in Beides (Krain) »nd in Triest. 18!>4. vierte verlielserte Äuliage. W. 15». Im Berlage des Bersassers und bei L. Fernau in Leipzig.         atmosphärische Cur oder das Lichtluftbad und das Sonnenbad und die Sonne der schärfste Diagnostiker und Prognostiker. Bon Arnol'ö HlikLi hvgienischer Arzt in Beides fttrain) und in Triest.   Motto: Wasser thiils freilich. (Uaukc.) Höher jedoch stehet die Lust, Am höchsten das Licht. (Uikli.) Ein Zittern durch den Archer schwing« Als Weckruf ewig wunderbar, Wohin der Lichtstrahl inuucr dringet, Stellt sich das Leben wirkend dar. Born Wiirmeknss des Lichts erreget, Wird lebensbalsamreich die Luft, Und was sonst inühsant uur sich reget. Wird mnnterwohl im Sonnendnft. Das Wasser — Lust und Licht gezenget Als Drittes im Stosflebeus-Ring — Wo's dienend sich vor jenen beuget Als Seilfaetor — acht's nicht gering! (L. L. Landbeck. >   Einleitung. Geschichtliche Erinnerung an die Cntstehnng der atmosphärischen Bäder. Schvu als >inabe empfand ich außergewöhnliche Lust und Freude an jeglichem Baden; meine liebe Mutter selig konnte mir keine größere Strafe dictiereu, als dass sie mir das Flussbadeu verbot. Auch regte sich iu mir ein lebhafter, intensiver Trieb zu Sonnenbädern, vorzugs¬weise zur Frühlingszeit. Nebelwetter war mir die größte Pein; es dämmerte in mir schon damals, die Sonnenbäder müssten belebend, stärkend wirke», und so gieng ich an schönen Märztagen (in meiner Heimat, Cantou Bern> öfters hinaus an die Südabhäuge vou Hügeln, am liebste» an den Sani» eines Waldes, und legte mich entblößt auf meinen Kleidern in die Sonne; bei schwache»! Sonnenschein bloß durch 15 bis 20 Minuten, schien sie kräftiger, dann verlängerte ich deren Dauer zwischen 30 bis iiO Minute», kleidete mich wieder an, und zur vollen Nachwürmuilg machte ich einen Spaziergang; ei» angenehmes Rieseln durchströmte alsdann meinen Körper. Diese primitiven ersten Sonnen¬bäder, zeitig im Frühjahr ausgeführt, waren, da sie nicht erhitzend, sondern eher abkühleud wirkten, eigentlich das, was ich jetzt Lichtluft¬bäder nenne. Erst mit dem Steige» der Sonne, als dieselbe den Körper intensiv erwärmte, fühlte ich darnach das Bedürfnis stärkerer Abküh¬lung und gieng zu diesem Zweck entblößt in den nahen Wald spazieren. Als mit der Jahreszeit fortschreitend auch die Waldluft zu wenig ab¬kühlend einwirkte, verlegte ich die Sonnenbäder in die Nähe eines Baches, in welchen ich inich erhitzt hineinstürzte und bis zu genügender i*   Abkühlung dun» herumschwamm. Obwohl ohnehin gesunder Eouslitulion, empfand ich doch vou diesem Doppelbad deu Hochgenuss einer entschie¬denen Kräftigung und Belebung. Später fand sich auch die Gelegenheit, die Dampfbäder und ihre Wichtigkeit für die ttraukeupraxis kenne» zu lernen; es lies; mir sodann keine Ruhe, bis ich praktische Bett- uud Partial-Daiupfbüder erfunden hatte, deren neueste Eonstrnetion, Handlichkeit anlangend (uämlich leichte Uebertragbarkeit uud Anwendung in der ambulanten Praxis), ich bis jetzt noch nicht übertroffen gefunden habe. Weitere Erfahrungen in der Dampfbadpraxis verliehen mir einen nenen Fingerzeig zum Fortschritte; ich überzeugte mich, dass die Schweis; erzengung anch bei den Sonnenbädern ein besonderes Stadium bilde» müsse, weshalb ich daun später beim Juslebentreten meiner Natnrheil- anstatt in Beides im Jahre 1855 die Trockenwicklungen in der Sonne als Schlussact dieser Bäder einführte. Wie niemals ein Meister vom Himmel gefallen ist, sondern anch die einfachste Difeiplin ihre Regeln besitzt, die gelernt sein wollen, so galt cs natürlich auch hier für mich, in der Souueubäder-Praxis zu lernen. Vier Jahre hindurch, vom Jahre 1865 bis 1868, übte ich die Lichtluftbäder als Abkühlungs-Experiment am eigenen Körper Sommers- uud Winterszeit allmorgendlich allein aus. Wie alle fogeuanuteu civili- sierteu Menschenkinder, wurde auch ich unter dem nrgroßväterlichen Dogma — dass die Erkältung durch Luft unbedingte und zugleich gefährliche Krankheitsursache sei — erzogen. Es beherrschte mich daher anfänglich doch etwelche Furcht vor den Folgen dieses gewagten Unter¬nehmens, welche zu überwinden es immerhin einen gewissen Mnth er¬forderte. Schrittweise vorgehend, begann ich erst nur mit dem Barfnß- geheu, entblößte allmählich deu Körper immer weiter aufwärts. Hiebei überzeugte ich mich indes bald von der Ungefährlichkeit, ja gerade vom (Regentheil dessen, was die Welt der bösen Luft uachfagt. Ich fühlte deutlich, wie das Lichtluftbad herrlich nervenstärkend, weit angenehmer nnd mehr Elastieität verleihend wirkte, als jegliche Wasseranwendnng, nnd dass dasselbe in Berbindnng mit bald darauf folgendem Sonnen¬bad absolut gefahrlos sei.   Zu Ende des vierten Jahres meiner Lehrzeit im Lichtluftbadeu glaubte ich hinlänglich Erfahrung gesammelt zn haben, um dasselbe anch bei meinen Enrgüsten amvenden zu dürfen; ich schritt sonach zu dessen Einverleibung in meinen Curplan. Allein die Einführung des Lichtluftbades als ueuer Hcilfactor gieug nicht ohne Schwierigkeit vor sich. Alle Neulinge, von demselben eingebürgerten falschen Dogma be¬fangen wie ich seinerzeit, waren begreiflicherweise mit schwer zu über-windendem Bornrtheile dagegen eingenommen. Diese neue Idee galt ihnen als eine Marotte meinerseits, höchstens uur für mich, als beson¬ders eingeübtem Fachmanne, geeignet. Es bedurfte viel Zuredens, um die ersten nur halb überzeugte» Eurgäste ins Lichtluftbad eiuzuführeu, besonders weil dies frühmorgens, direct nach dem Verlassen des Bettes, zn geschehen hatte. Einzelne Stammgäste sträubten sich sogar jahrelang dagegen, ehe sie sich zn dem scheinbar gewagten Unternehmen entschließen kouuteu. Freilich, nachdem erst die Probe gewagt uud sic die Wohlthat verkostet hatten, bereuten sie cs nicht wenig, dieselbe längere Zeit von sich gewiesen zn haben. So verhält es sich leider vielfach auf unserem lichtbedürftigen Erdkörper! Der Mensch in seiner geistigen Schwerfällig¬keit weist oft hartnäckig die größten, trotzdem einfachsten Wahrheiten von sich, dagegen er vertrauensvoll dem krassesten Unsinn sich blind¬lings hingibt! Ich erinnere hier uur an den großartig gedeihenden Gcheimmittel- Schwindel, bei welchem der Aberglaube eine so furchtbar mächtige Rolle spielt, während das Nachdenken und Prüfen dabei ganz unterbleibt. Bekennen wir ganz aufrichtig: wie könnte es anch anders fein, nach¬dem sämmtliche Negierungen der civilisierten Welt den oberwähnten Schwindel, nämlich die lateinische Reeepterei, wie ein Schoßkind hegen und pflegen; wodurch leider die für unsere» Organismus fremdartigsteu Stoffe, meistens absolute und relative Gifte, in den medicinischen Gar¬küchen, Apotheken genannt, privilegiert zubereitet und massenhaft ver¬abreicht werden. Nach mehrjähriger ernstlicher Belehrung nnd Aneifernng meiner Enrgüste brach endlich das Eis des Borurtheiles und gelang mir die widerstandslose Einführung der Lichtluftbäder. Nun aber herrscht eine wahre Begeisterung dafür unter den Stammgästen, so dass alle Nen- eintretenden, dnrch erstere ermuthigt, ohne Zagen sich fügen.   Allein auch die große Mehrzahl meiner Kollegen begriff mich nicht; mehr als 30 Jahre stand ich, trotz meiner Druckschriften darüber, isoliert im Cnltns der atmosphärischen Bäder. Endlich, auf meine öffentliche Aufforderung zur Nachahmung hiu, wagten es einzelne Anstaltsbesitzer, wenigstens mit den Sonnenbädern zu beginne», und nun rührt es sich bereits vieleuorts zur Einführung der vollständigen Atmosphärik. Eine 14jährige Praxis der Cur-Sonnenbäder und die vier¬jährige Anwendung der Lichtluftbäder führte mich in tiefer Uebe» zeuguug zu dem Schlnssresnltat, dass die letzteren die Grundlage der atmosphärischen Cur, dagegen die ersteren eine nothwendige Beihilfe zu bilden haben. Gries bei Lozen in Tirol. 18. Februar 1894, am 71. Jahrestage meiner Geburl. Z)er Werfe» ffer.   Inhalt. Seite Linlntung: Geschichtliche Erinnerung an die Entstehung der atmosphärischen Bäder 3 L. Theil. Theorie oder allgemeine Begründung. 8 1. Der Mcusch ein Lichtlustgeschöpf, kein Amphibinm 11 8 2. Das Nervensystem ist das höchste organische Product des Sonnenlichtes auf dem Erdkörper 12 Z 3. Huseland, der berühmte Makrobiotiker seiner Zeit, erklärt die Atmo¬sphäre als das nervenstärkendste Element lg 8 4. DaS Nervensystem in Verbindung mit dem Gefäßsystem gleicht einem Ehepaar 13 8 S. Die atmosphärischen Abwechslungen begründen ein weises Naturgesetz für Pflanzen nnd Thiere 14 8 K. Kranksein ist die Folge von Lebensfehler; Wärme identisch mit Kleinst- theilchen-Bewegung 15 8 7- Verweichlichung begründet Nervenschwäche und Krankheit 15 8 8. Die Körperabkühlung mittelst der Luft viel milder, naturgemäßer, als durch das Wasser 1k 8 9. Milde Reize gewähren lange, scharfe Reize kurze Dauer 17 8 10. Tie Haut bewährt sich als Hilfslunge, HilfSniere, Hilfsleber und Hilfs¬schleimhaut 17 811. 'Hunt analysiert die Sonnenstrahlen in wärmende, leuchtende nnd chemisch zersetzende. Forbes Winslow weist den großen Einfluss des Sonnen¬lichtes auf das WachSthum des Menschen nach 18 818. Die Hautpflege beruht in der Uebnng 1.) der freien Ausstrahlung, 2.) der kräftigen Ausdünstung, 3.) der gründlichen Reinigung 18 8 13. Die Vergleichung des Körpers mit einem Lfen wenig stichhältig; Aus¬strahlung nnd Ausdünstung sind gewissermaßen Gegensätze .... 18 814. I. Die freie Ausstrahlung der Haut; sie bewirkt erst eine voll¬ständige Sättigung des Blutes mit dem Sauerstoff 18 8 15. Erstaunen erregende directe Wirkung eines Lichtluftbades von 14 bis 16" U, das wonnigste Gefühl körperlichen Daseins 80 II. Die Ausdünstung der Haut; anhaltende, einseitige bringt Frösteln als Nachwirkung Jegliches einseitige Warmhalten der Haut macht sie blutarm, blass, fröstelnd, schwach, ihre Spannkraft herabsetzend 8 18. Das anhaltende Bedecktsein der Haut bewirkt allmählich Blmentartuug und schwere innere organische Erkrankung 82 8 1!> Das Gleichgewicht zwischen Einathmnng und Ansathmuug der Haut verleiht Wohlsein. Alle Krankheitsznstände beruhen auf Kreislauf¬störungen. Gesundung durch Wärmereguliernng 23 8 20. Thalsächliche Beweise für die Aufstellungen in 8 1!> 23   8 2l. Das almosphärische Baden bielet die beste Stvsfninsntz - AuiDiung. Diä> tetische Erhitzung und Abkühlung nothwendig 24 8 22. Die mittleren Klimate eignen sich am besten zur Atmosphärik .... 24 8 23. Nähere Erörterung der sogenannten Erkältungskrankheiten und deren Be¬seitigung 2ü 8 24. Naturgemäße Thcrinalnbung der Haut beste Borbeuguug der Erkältungs¬krankheit; letztere stets durch Stossivechselrückstäude bedingt .... 2« 8 25. Verweichlichung begriindct zahlreiche Erkrankiingen; Reform in der Militär- eqnipiernng nothwendig 26 8 26. Tic ?lnsdünstnng unter den Kleidern und in den Betten bewirkt eine schleichende Blutvergiftung 8 27. HI. Die Reinigung der Haut. Krisen, acnte Krankheiten sind frei¬ willige innere Organreinignngen. Die Hantreinigung wirkt ber edeliid auf Körper und weist 27 II. Theil. Die Praris. L. Vas abliühlendr Lichtlufilmd oder die Äusllrahluiigsiiliuilg. 8 28. Nolhwendige Größe der Lichtbadparke; Größe der in Beides bestehenden fünf Lichtbadparke 2!) 8 2!). Diätetisches Barfußgeheu ein wichtiges Borbeugnugs- und Heilmittel . 30 8 30. Anleitung für Nculiuge zu richtigem Barfußgehen. AbleitnngSmiltel für geistig angestrengt 4lrbcitcnde Z 31. Geeignetste Zeit zum Lichtbad: BekleidungSwahl je nach dein Wetter . 31 8 32. Dauer des Lichtluftbades; verschiedene Maßregeln gegen das Frösteln zwecks Verlängerung des Bades 8 33. Exlranervösen entspricht die absolute Lichtluftcur am besten 33 8 34. Die directe Abkühlung im Lichtlufibad erweist sich öfters sehr trügerisch. Die nachfolgende Elasticität größer als nach Wasserapplicationeu . 33 8 35. Zwecks erleichtertem und verlängertem Lichtbad ist das erste Frühstück mitznnehmen. Bei absoluter Lichtluftcur nur ein Frühstück öfters angezeigt 34 8 36. Schwachnervige haben extreme Temperaturen zu „leiden, den öfter» Wechsel in kühl und wann zn bethätigen. Ansrnhen nöthig nach längerem Bad. Allgemeine Ausdauer uothweudig 34 8 37. Schweiß ist nach allen intensiven Lichtlnftbädern nöthig; er ist auch das natürlichste Heilmittel nach Erkältungen 35 8 38. Gänsehaut hervorrufeu und vertreiben bildet Hanlgymnastik. Die Atmo¬ sphärik steigert nicht nur die physische, sondern auch die moralische Kraft 35 8 39. Ziinmerluftbäder wertvoller als Kaltwaschnngen; Kleidungslnftbäder ein Nothbehelf für Städter; atmosphärisch praktieierte Bergtouren erhöhen wesentlich den Genuss 36 8 40. Anweisung an Eltern, wie sie ihre Kinder zn einem rüstigeren Geschlecht heranziehen sollen. Mahnung an Eltern schwächlicher Kinder ... 37 ß 41. Regel» für Kopf- und Füße-Entblößung 38 8 42. Zahlreiche ihatsächliche Beweise für die Eingangs anfgestellte Theorie . 38 8 43. Zu Hause wird die Atmosphärik häufig einseitig, daher falsch betrieben 40 8 44. Verhalten, wenn Unwohlseins-Symptome eintreten 40 8 45. Reqnisitcnbedarf zn den Lichtlnftbädern 41 8 46. Entfcrntcrc Lichtluftbadtourcn in größerer Gesellschaft nicht geeignet. . 41 8 47. Znr Harmonie des Lichtluftcnltus gehört die Besonnung der Betten und Kleider 42 8 48. Die Eonseqncnz erheischt das Schlafen bei offenen Fenstern unter Be dingungen ^ 42   Lciik tz 4!I. Lüfiung der Wohn »ud Arbeiisränme mii Dnrchzug ebcnfo nöthig. Ten Sonnenstrahlen de» Eintritt z» verwehren ist verkehrt -13 8 AI. Einseitigkeit der Jäger'fchen soivie anderer Bekleidnngsreformen. Tas beste Kleid einstweilen dir Rikli'sche Jndianerhaut -Ui 8 51. Die Lnfthüttenbewohnnng vervollständigt die atmosphärische Cur: das Sonnenschiruil ragen sehr nachiheilig: die Bekleidung der Arme ein Rückschritt in der Hygiene 44 L. vir 11lisdiinN»»gs-Ürttt!l>u»g. d. i. das erhitzende i.'!chtl»ftbad oder das Soniiriiliad. 8 52. Unterscheidung zwischen Natnrsonnenbad nnd Cnrionnenbad. Begriff der absoluten Lichtlustcur » 8 53. Beschreibung einer richtigen Sonnenbadgallerie. Angenschutz nöthig . . 45 8 54. Die Tageszeit nnd Dauer des Sonnenbades ist der Individualität an-zupassen. Wärmemaxiiuuin der Sonnenbäder in Beides 4«, 8 55. Ter Feuchtigkeitsgehalt der Luft bedingt die Intensität des Sonnenbades. Wann uud wir eine Verkürzung oder Verlängerung angezeigt ist 47 8 56. Sonncnerhitzle Körper bedürfen einer milden Abkühlnngssorin. Tas Sonnenbad ist ein halb natürliches, halb künstliches Lieber ... 47 8 57. Die. Halbbadsorm entspricht der Mehrzahl am besten zur Abkühlung nach dein Sonnenbad. Entzückendes Leben rieselt dann dnrch den Körper 48 8 58. Der der Sonne zugewendetc Theil wird blutgeschwelltcr; der abgewendcte oder bedeckte Theil schwitzt stärker 4« 8 5i>. Im ReizungSznstand befindliche oder geschwächte »ivrperiheile erfordern Modisiealionen mittelst trockener oder nasser Umschläge 4!1 8 l-0. lUewisse hartnäckige Ablagernngen müssen auch direct dem Sonnenlicht ausgesetzt werden, bald trocken, bald besenchtei 4!I 8 6l. Behandlnng nichtschwitzender oder zn stark schwitzender Individuen . . 50 8 62. Uebertreibung nimmt die Nervenkrasr über liiebür in Anspruch. Rasch heißer werdende Sonnenbäder kürze man von Tag zu Tag ab . . 50 8 63. Sehr nothwendige Abkühlungs-Variationen geschwächter nnd reizbarer Individuen 51 8 64. Eintretendc Hauteutzüuduiig oder Sonnenstich ii»d Mnlattensärbniig gute Zeichen; erstere erheischt viel wärmere Wasser Behandlung .... 52 8 65. Tie häufig vorkommende Häntnng Sonnenbadender ist ein RegenerationS- proeess, ivelchen keine andere Heilmethode leister 52 8 66. Tie Aciiderung in der Hautfarbe prognostieiert ziemlich sicher eine Besse-rung oder Heilung und längere Lebensfähigkeit 53 8 67. Die nachmittägigen Sonnenbäder dürfen meistens nur ableiiende, d.i. auf den Unterkörper applieierte sein. Nur Leidende, welche zu gehen unfähig sind, dürfen sich in der sonne liegend wieder erwärmen. Oefrers statt dein zweiren Sonnenbad NasSpackung angezeigt . . . 53 8 68. Bei heftigeren Kops- und Brnstleiden sind überhanpr nur ableiiende, nämlich Unterkörper-Sonnenbäder zulässig, hie uud da mit kühlenden Umschlägen verbunden 8 6!1. Die Sonnenbäder steigern wesentlich die Fähigkeit guter Reaetiou in den Fenchtwicklnngen 54 8 70. Der Lichtwärme-Enltns bewirkt oft wunderbar die Aufsaugung aus¬ gedehnter krankhafter Ablagerungen, wie EierstockSanschwellnngen, Hämorrhoidalknoten, innere Ausschwitzungen 54 8 71. Der höhere Werl der atmosphärischeu Cur liegl nicht im Heilen, sondern im Vorbeugen von Krankheiten 55 8 72. Rücksallskrankheiten zn verhüten ist häufig nur dnrch gründlich geänderie Lebensweise möglich: wesentliche Lnftändernng hiebei sehr förderlich 55   6. vir pralitilche krinigung der Haut. , ^ 8 73. Tie Schweißbäder sind nicht nur äußerliche, sondern organisch reinigende Bäder, vor allen die Lonuen-Schweißbäder 5,6 8 74. Hinweis a»f die ausführliche Belehrung über Dampfbäder in der Schrift: Rikli's Bett- und Theildampfbädcr, 4. Aufl. Bei den Dampfbädern kann eine künstliche Nachahmung der schroffen atmosphärischen Tem- peratnrdissercnzen leichter stanfiiidcn 57 III. Theil. Schlussbetrachtungen. 8 7-i. Die Sonne der schärfste Diagnostiker nnd Prognostiker 58 8 76. Anführung der Worte zweier Gelehrter, die vorliegende Abhandlnng als eine wissenschaftliche zu begründen » 8 77. Aufforderung an unsere College«, die Atmosphärik praktisch und theo-retisch weiter anszubaiieii 59   Die atmosphärische Enr ein erlösendes Wort vder das Lichllustbad und das Sonnenbad. I. Theil. Theorie oder allgemeine Begründung. i. Millionen Brenschen bangen, zittern unter dein Damoklesschwert «Erkältung», weil sic iu oberflächlicher Prüfung die nachfolgende Erkrankung mit dem Erfahruugssatz: «ko-rt I>o>- i»roptkr Iioe!» zu deutsch: »Nach derselben, folglich wegen derselben!» als unbedingt richtig finde«. Diese und tausend andere sollen und können von dem Alpdruck des über ihnen schwebenden Schwertes erlöst, befreit werden, wenn sie nur erst im Nachdenken, darauf mit der That uus folgen! Sie haben die Erlösung ganz nahe, suchen sie daher vergeblich in der Ferne. Zu¬nächst werden sie fragen: In was besteht denn die atmosphärische Cur? Wir autworteu einfach: Im Baden in der Atmosphäre, statt im Wasser! Der Mensch wird nicht mit Kleidern geboren, sondern trägt ur- gesetzlich die Bestimmung, im Lichtlnftmeer «Atmosphäre) als eine wan delnde Pflanze zu leben. Die Atmosphäre, ein Convolnt von Licht, Luft, Wasser uud Kohlensäure nnd wahrscheinlich noch von anderen unwägbaren feinen Flüssigkeiten, welche die Wissenschaft bis jetzt noch nicht entdeckt hat, kann in ihrem erzeugenden, schöpferischen nnd ent¬wickelnden Einflnfse auf das vegetative, d. i. das Pflanzen- und Thier -   leben, durch keine Knust ersetzt werden. Nun der Mensch unzweifelhaft als die höchst entwickelte Thierpflauze der Erde auzufehen ist, wird ihm die Entfremdung von der Atmosphäre dnrch übertriebene Absperrung von derselben mittelst Bauschntz, Bekleidung, Schattenaussucheu zum größten Nachtheil. Seine Füße uud Zeheu repräsentiere» die Wurzeln, der Rumpf den Stamm, die Arme die Aeste, die Finger die Zweige, der Kopf die Krone einer schönen Pflanze; beide sind von einem Lebens mark durchzogen, von welchem aus der Lebeusstrvm nach allen Theileu beherrscht wird. Aber ebensowenig, als der Mensch von einem Schneider equipiert iu die Welt gesetzt wird, ist er ein Amphibinin, welches stetsfort mit Wasser zu pritfcheln nöthig hat. Seiner wahren Natur entsprechend, kann er nur als Lichtluftgeschöpf bezeichnet werden; das Wasser liegt ihm zn Füßen! Der vornehmste Factor der Atmosphäre als belebendes Element besteht unstreitig im Licht «der Sonne), denn wir finden die schönsten, üppigsten Pflanzengebilde in Beziehung auf Größe, Form und Farben-pracht dort, wo das Licht die größte Intensität ansübt, sowie die auf-fallendste Berküininernng da, wo cs mangelt. Trifft dies beim Menschen direet anch nicht iu allen Lichtregionen gleichen Grades unbedingt zn, weil bei ihm noch mehrere andere Lebcns- inomente bestimmend mitwirken, so finden wir doch die stärksten und in der Form entwickeltsten Menschen dort, wo sie sich dem Licht- und Lnft- ciuflussc am meisten, nämlich direct, mit entblößtem Körper, aussetzen, wie bci dcn Negern, Indianern, Zigeunern :c. 2. Dcn Grundsatz festhaltend, dass der Mensch das vornehmstc Geschöpf auf diesem Erdball rcpräscnticrt, finden wir bei der Unter-suchung scincs anatomischen Baues das Nervensystem als sein feinstes vegetative Gebilde, das wichtigste organische System, iu wclchcm höchst wahrscheinlich die Seele ihren Hauptsitz zur Beherrschung des ganzen Organismus, einem Telegraphenuetz ähnlich, ansgcfchtagcn hat. Mit Griind lässt sich daher die Erklärung aufstellcn: Das Nervensystem sei das höchste organische Product des Sonnenlichtes, und als Mutter desselbeu bleibe cs auch seine feinste und wichtigste dynamische (kräftig gende) Speise. Liegt dein Nervenslisteiu die cigcutliche Regierung uuscrcr körperlichen Maschine dnrch ansstrahlciidcn Bewcgungsinipnls ob, so können wir daraus entnehmen, wie wichtig der diätetisch normale Genuss des Souueulichtes, als der Schöpferin alles Lebens, auf unseren Organis-mus, unsere Gesundheit sei! Dies wird uoch einleuchtender, wenn wir uns vor Auge» halten, dass die Haut als ein vollständiges Nerven- sasernetz ausgebildet ist, eiueu zweiten Nervenpol darstellt, dem Gchirn- Rückeumark als dein ersten Nervenpol gegenübergestellt; die allgemeine hochsenfible Empsindniigsfähigkeit der Haut kann als Beweis hiesür   dienen, indem wir nur mittelst der Nerven empfinden nnd beim gesunden, normalen Menschen es keine Stelle in derselben gibt, wo eine Nadelspitze nicht empsnnden wird; folglich muss auch das Licht von ihr aufgesogen werden uud eine tief eingreifende Wirkung im Organismus ausübeu. ,r. Hufeland, einer der berühmtesten Hygieniker, sagt in seinem Enchiridion, Hol. 1li2: .Zur Wiederherstellung des gestörten Gleich-gewichtes in der Nerventhätigkeit (uud Gefäßthätigkeit — der Verfasser) ist nicht zu verabsäumen viel Muskelbewegung und Belebung der Ner¬ven durch de» allgemeinen feinen, unsichtbaren und iiuponderablen Lebensstoff der Atmosphäre vermittelst täglicher Bewegung in freier Lnft, Landluft, Fußreifeu. Das tägliche Luftbad ist gewiss das stär- keudste Mittel vou allen, durch kein anderes zu ersetzen, mehr wirkend als alle anderen uud gar keine Gegeuanzeige habend.-- Unter dem allgemeinen seinen, unsichtbaren nnd iniponderablen Lebensstoff der Atmosphäre ahnte er wahrscheinlich den damals un-bekannten «Ozon, (durch Sonnenlicht höher entwickelten Sauerstoff); allein wir halten dafür, dass der direete Lichteffeet auf unsere Haut weit wichtiger ist. In seiner Makrobiotik, «.Auflage, Fol. 37, schreibt Hufeland: «Es existieren mich Wesen, die eine gewisse Freundschaft uud Ver¬wandtschaft zur Lebenskraft haben, sie erwecken, ermuntern, ja höchst wahrscheinlich ihr eine feine Nahrung geben. Diese sind vorzüglich: Licht, Wärme, Luft und Wasser, vier Himmelsgaben, die man mit Recht die Freunde und Schutzgeister alles Lebens nennen kann! » Obenan steht das Licht, unstreitig der nächste Freund und Ver¬wandte des Lebens, und in dieser Rücksicht von weit wesentlicherer Ein¬wirkung, als man gewöhnlich glaubt. Ein jedes Geschöpf hat ein um so vollkommeneres Leben, je mehr cs den Einfluss des Lichtes genießt. Man entziehe einer Pflanze, einem Thiere das Licht, es wird bei aller Nahrung, bei aller Wartung nnd Pflege erst die Farbe, dann die Kraft verlieren, im WachSthum znrückbleiben uud endlich verbntten; selbst der Mensch wird durch ein lichtloses Leben bleich nnd stumpf uud verliert zuletzt die ganze Energie des Lebens.» 4. Wie in der Welt alle Kräfte oder Eigenschaften gegensätzlich oder paarig vorhanden sind, so ist dem Nervensystem ebenfalls eine Beglei¬terin, eine Bernfsgenvssin beigegeben, mittelst welcher nnr das erstere seine eigene Hauptthätigkeit zur vollen Wirksamkeit bringen kann, näm¬lich das Gefäßsystem oder das Gefäßnetz, in welchem unsere Säfte kreisen. Dasselbe, ähnlich dem Nervensystem bis in die feinsten AuS- zweignngen, Haarröhrchen genannt, ausgebreitet, bildet das eigentliche Stosswechseliiistrunient in unserem Körper, ist indes vom Impuls des   erster«! ganz abhängig, um fruchtbringende Arbeit zu leisten, so dass inan füglich das Gleichnis aufstellen kann, das Nervensystem repräsen¬tiere den Ehemann, das Gefäßsystem das Eheweib im organischen Haus¬halte. Siicht viel weniger wichtig als bei seinem Gatten verhält sich das Licht zu der schwächere« Ehehälfte. Das Sonnenlicht übt eine starke Anziehungskraft sowohl auf die Blutkörperchen als auf das Blutwasser aus, so dass nach und nach die ganze Blutmasse au die .ttörperoberfläche gezogen, daselbst vollständiger ausgebildet wird. Die nächste Folge davon zeigt sich in einer merklichen Hautfarbe-Aeuderuug, welche jedenfalls in einer höheren Entwicklung des Blntfarbestosses (Pigmentes) liegt; als eine weitere baldige Erscheinung zeigt sich eine rosigere GesichtS- särbung. Eine dritte wichtige Rückwirkung des starken und aus-gedehnten Sonnenlichtes auf die Haut macht sich häusig in der Heran ziehnng von Blutschlacken auf derselben (Geschwüre, Ausschläge) bemerk¬bar, steigert überhaupt entschieden die innere Aussaugnngsthätigkeit des Lymphgefäß- uud des Beueu-Netzes. Der Zweck der atmosphärischen Eur geht uuu dahin, den eivili- sierten Mensche« zu seinem Frommen mit der Atmosphäre vertraut zu mache«, «m ihm die Wohlthaten derselben znznsühreii, anderseits ihn vor schädlicher Einwirkung zu bewahren, ohne ihn zum rohen Naturmenschen, zum Wilde« zurückzudräuge«. 5. Das Wesen der Atmosphäre liegt unstreitig zunächst in der nns umgebenden Lust, welche indes total vom Licht der Sonne beherrscht wird, nämlich in ihrer Reinheit, dann der Temperatur l Wärme nnd Kälte) oder der inneren Bewegung, weiters iu dereu allgemeiner Be¬wegung «Winde», endlich in ihrem Feuchtigkeitsgehalt. Fragen wir: Wo liegt die Ursache der stetigen Wärineveräiidernng in der Atmosphäre, der verschiedenen Windströmungen uud der Bildung der Atmosphärilien Regen, Schnee, Nebel, Reis, Hagel'? so lautet die Antwort: Die Mutter Sonne ist die Urheberin aller dieser Bewegungen oder Beränderuiige« in: Lichtlustmeer. Auf der stetig sich ändernde» Achsenstelluug der Erde zur Sonne beruht ciue ungleiche Erwärmung der Luft nnd der Erde, wodurch die verschiedenen Windströmungen als Wärme-Ansgleichungcn hervorgernsen werden, welch letzteren wieder die Bildung der übrigen Atmosphärilien zugrunde liegt. Die atmosphä¬rischen Abwechslungen sind sonach ein tiefes Naturgesetz für die auf der Erde lebenden Pflanzen, Thiere und Meuscheu, ein absolut uothwendiger Stimmnngs oder Spannuugs- reiz. Sie bewirken durch ihre stetige Beränderuug eine fortwährende Anregung der .Nlciustthcilchcn-Bewegung, welche beim Menschen zuerst das Nervensystem trifft, mithin letzteres in stetiger Hebung erhält. Die Entziehung von denselben, wie es durch die zunehmende Verweichlichung geschieht, hat Mangel an natürlicher Nervenbewegnng oder Schwächung und mit letzterer ein Heer von Krankheiten zur Folge.   6. Es ist ungleich leichter, Krankheiten zu verhüten, als zu heilen; ersteres ans mehrfachen Gründen klüger und vortheilhafter. Allein dazn gehört in erster Linie, den Aberglauben, dass Krankheiten zufällig von außen angeflogene Nebel seien, aufzugeben iwozu auch die in unseren Augen total morsche Lehre der absoluten Ansteckungen gehört), ander¬seits die Aneignung der Grundlehre, dass alle Krankheiten aus Ver¬stößen gegen die Naturgesetze hervorgeheu, deren Wurzeln häufig schon jahrelang im Körper sich eingenistet haben, und zugegeben, dass sie leider auch inanchinal durch Eltern auf Kinder übertragen werden. Das forschen nach den Gesetzen gesunden Lebens, sowie das strenge Prüfen unserer Lebensweise, wenn wir krank geworden sind, muss daher als erstes Gebot wahrer Lebensweisheit erscheinen, — wert¬voller, wichtiger als die Kunst, Kranken zur Gesundheit zu verhelfen. Das wichtigste Moment der Luft liegt in ihrer Temperatur (positive und negative Wärme), nämlich in deren stetiger Berändernng oder Bewegung. Nach dem Mayer schen, bisher unwiderlegten Lehrsatz bedeutet -Wärme» die Bewegung der Kleinsttheilchen — und allbekauntlich lässt sich jede Bewegung von einem Körper auf einen anderen übertragen, so die Luftwärme lTemperatur) zunächst auf unsere Haut, bei tieferem Einwirken auf das Blut uud die feste Körper¬substanz'. 7. Unsere Kurzsichtigkeit, in den Erkältungen die Krankheitsursache» zu erblicken, hat zu den allerverkehrtesten und schlimmsten Maßnahmen geführt, die just das Gegentheil von dem herbeiftihren, was wir ver¬meiden wollen, nämlich Krankheitsbegrändung. Wer sich regelmäßig erkältet, erkältet sich nicht mehr, d. H. es wird ihn keine Krankheit als Nachwirkung treffen. In der Abhärtung liegt daher ein ganz wissen schaftlicher Begriff, uämlich Uebung, Kräftigung des Nervensystems und als Folge regerer Stoffwechsel. Eltern, welche ihre Kinder durch An¬hängen aller möglichen Schntzkleider vor Abkühlung bewahren wollen, thnn denselben einen sehr schlechten Dienst. Die Engend soll frieren lernen, wie es im Winter im Gang zur Schule und von derselben zurück, sowie bei der Gymnastik, bei Gebirgstoureu und bei Iugend- spielen vorzügliche Gelegenheiten gibt. Je mehr die Jugend in den Atmosphärilien sich übt, nämlich so wenig als möglich bedeckt im Licht- luftmeer frei sich bewegt, desto nerviger entwickelt wird sie daraus hervorgeheu, mit einem höheren Gesnndheitseapital ausgerüstet sein. Die heute so allgemein gewordene Klage über Nervosität schreiben wir zum größten Theil dem Mangel an natürlicher Nervenbewegnng, also einem unbefriedigten Nervenleben, beziehungsweise der Verweichlichung zu. Abhärten bedeutet «sich hart authun», nämlich den Atmo¬sphärilien sich regelmäßig anssetzen, auch wenn sic unangenehm werden, und zwar nach den beiden Polen Hitze und Kälte; nur bei solcher   Uebung erwachsen gehärtet? und dehnbare Nerven. Das schinekkt freilich nicht immer süß! Das dieser Theorie gerade entgegengesetzte Jäger'sche Bekleidungs- system hat wesentlich darum so großen Erfolg, weil es der Weichlichkeit durch angenehmes, gleichmäßiges Warmhalten entgcgenkomint, förmlich schmeichelt; doch die Schädlichkeit, welche in der enormen Einseitigkeit dieses Systems liegt, wird allmählich aufgedeckt werden nnd es seiner¬zeit zu Fall bringen. In der Wahrung der Gegensätze liegt die Wahrheit! Je mehr wir nns mit den Temperatnrveränderungen der Atmosphäre vertraut machen, desto dankbarer zahlt sic uns diese Bekannt¬schaft mit Rüstigkeit und Gesundheit heim. 8. Nicht wenige, oberflächlich Nachdenkende glauben, dass man die Abhärtung weit einfacher durch kaltes Wasser erreichen könne; allein hierin liegt eine gewaltige Täuschung. Allerdings kann man durch kaltwaschnngen, kalte Halbbäder, Abreibungen re. ein oben besprochene Schwäche beseitigendes ähnliches Ergebnis, wie durch kühle und kalte Luft, erzielen; allein, wvhlverstan- den, es bewirken die Wasserreize nur ein ähnliches, niemals ein gleiches Ergebnis, indem verschiedene Ursachen nie absolut gleiche Wir¬klingen hervorrufen köuueu! Abgesehen davon, dass dieselben gewöhnlich auf eiue stabile einförmige Temperatur gerichtet sind, während die Atmosphäre fort-währende Veränderungen bietet, übersehen sie, dass das Wasser mit 4^mal stärkerer Wärmeleitungs- und mit 770mal größerer Wärme- aussangungs-Fähigkeit als die Luft beschaffen ist; hiedurch wirkt es einerseits bald zu reizend für unser Nervensystem, welches ans Grundlage des Lichtluftmeeres eoustituiert ist, uud anderseits zu rasch abkühleud auf das Gefäßsystem; es kann daher in demselben Verhältnis ungleich weniger ausgedehnt, d. i. Zeit und Maß (Raum) einnehmend, an¬gewandt werden. Um die Haut und das Blut mittelst Luft auf den¬selben Grad abzukühleu, wie durch Wasser von gleicher Temperatur, muss mau iu ersterer Flüssigkeit 20- bis Wmal länger entblößt ver harren; hiedurch gewinnen eben Licht und Luft eineu viel nachhalti¬geren und naturgemäßeren Einfluss auf unser Grenzorgau, und mittelst der Rückstrahluiig auf Gehiru und Rückenmark anch auf unseren Gcsammtvrganismus. Der viel mildere Luftreiz bietet eben uuscril Nerven das, was sie bedürfen. Man gebe sonach die Borstelluug ganz auf, als sei die Abkühlung der Haut mittelst Wasser ein Aequivalent lgleichwertig) jener durch Luft. Unbestreitbar hat das Wasser eine große Berechtigung, mit uuserm Körper in Berührung gebracht zu werden, als Reinigungsmittel, zwecks Abkühlung im Sommer uud in Fiebern, als Wärme Anwendniigsmittel ,Warmwässer Umschläge) bei Nervenschmerzen, Krämpfen re.; kurz, iu   diese» und anderen Fällen vorübergehender Art gebürt ihm sogar der Vorrang vor der Luft und dein Lichte; allein wenn es sich »in raftgeben, um Nervcukraft-Eutwickluug handelt, das Hauptcrforderuis zum Leben und Gesundsein, dann muss dasselbe vor den erhabeneren Elementen Luft uud Licht weit zurücktrete». In dieser Beziehung ist das Wertverhältnis dieser drei Flüssigkeiten für uusern Körper gleich ihrer Bewcgungsfähigkcit oder Geschwindigkeit. Das Licht besitzt die höchste, die Luft eine mittlere, das Wasser die schwerfälligste Bewegung. tt. Auf die aeiiteu, heftigen Reize der Wafferapplieationen antwortet ein träges, stnmpfes Nervensystem oft recht gut, dagegen fchlecht oder sogar rückwärts auf die milden Luft- oder atmosphärischen Reize. Es verhält sich hier ganz ähnlich, wie bei einem schwachen, trägen Magen, welcher auf eiu reizmildes Glas Wasser schlecht rückwirkt, nämlich mit Magendrnck, Mampf re. antwortet und eines stark reizenden Getränkes, wie Wein, Liqueur, Kaffee re., bedarf, uni normal zu fuue- tioniereu. Je mehr man aber von letzterem Gebrauch macht und das milde Wasser im Mage», wo es hingehört, vernachlässigt, desto gewisser erschöpft sich die Nervenkraft (Spannkraft) desselben vorzeitig uud wird man zu früh damit am Ende sein! Milde Reize gewähren lange, scharfe Reize kurze Dauer! 10. Die Haut, richtiger als Greuzorgau unseres Körpers bezeichnet, ist infolge ihrer ninfasseiiden Ausbildung als Nerven, Gefäß-, Drüseu- und Porennetz das wichtigste, ausgiebigste Stoffwechselorgan und soll, nach physiologischer Lehre, mehr als alle anderen Ansscheidungsvrgane zusammen absondern; sic besitzt die Fähigkeit, deren Leistungen bis zu einem gewissen Grade zu übernehme». Die Anreguug, beziehungs¬weise Ausbildung, der Haut zur möglichst gesteigerten Leistung wirkt daher entlastend auf alle innern Sccretivnsorgane, heißen sie wie sie wollen. Dies bildet die Grundlage, um iu alle» bedeutenderen Leiden das Greuzorgau zur höchste» Eutwickl»»g zu bringen. Mit Recht muss man daher die Hant als eine Hilfslnnge, Hilfsniere, Hilfsleber und Hilfs¬schleimhaut re. bezeichnen. Selbst auf die Magen- und Unterleibsver- daunng übt sic eine große Rückwirkung, beziehungsweise Unterstützung. Wir führen hier nur wenige Beispiele derselben an. Kaltwafserbäder oder Schweißbäder erregen bei vielen Individuen sofort lebhaften Appetit und leichtere Stnhlfuuetiou. Eine iutcnfivere Hautabkühluug, fei es eine rasche, heftigere oder eine milde, andauernde, macht sich meistens zuerst an der Harnblase, beziehungsweise den Nieren, bemerkbar; sic bewirkt dcren Zusammenziehuug, welche häufig so stark vor sich geht, dass niau selbst eiueu geringe» Inhalt derselben entleere« muss. Ein ähnlicher Vorgang ruft Husten hervor, indem die Lungenschleimhaut   durch Zusainmenziehung gezwungen wird, den in ihr angesammelten Schleim abzustoßen. Uebereiiistiimileiid geht die znsamnienziehcndc Wir¬kung auf säinintliche Organe über. Eine richtige Pflege unseres Grenzorganes, mittelst welchem wir mit der Außenwelt iu beständiger Berührung stehen, übt nicht nur hohen Einfluss aus unsere körperliche Gesundheit, sondern trägt auch wesentlich zu einer vollständigen Entwicklung unserer geistigen .Mäste bei. Allgemein wird anerkannt, dass eine regelrechte Hantreinignng des Pferdes >was noch keine normale Hautpflege in sich schließt) dasselbe entschieden veredelt; bei der menschlichen Hautrvnstitutiou ist dies weit mehr zulässig! 11. Interessant sind die Forschnngsresnltate des englischen Gelehrten Hunt. Derselbe stellt Folgendes als Ergebnis seiner länger» Forschungen hierüber auf: Im Sonnenlichte sind dreierlei Strahlen: wärmende, leuchtende nnd chemisch zersetzende. Diese drei wesentlichen Eigenschaften des Sonnenlichtes machen uns erst die Wirkung der Sonne anf die Pflanzen und Thierwelt deutlich. Letztere bedarf der wärmenden Strahlen bei allen ihren Lebensvorgängen, da Wärme nnd Wasser die lösenden, verflüchtigenden Natnrinächte sind, durch deren Thätigkeit die chemische Berwandtschaft, der Stoffwechsel, erregt wird, was bei ganz bestimmten Teinperatnren vor sich geht; aber ebensosehr bedarf sie der zersetzende» nnd leuchtenden Strahlen, indem jede derselben gewisse Berbindnngen und Lösungen begünstigt. Im Frühjahre herrschen die zersetzenden Strahlen vor; später mehren sich die leuchtenden und würmenden, welche im Sommer den ersteren das Gleichgewicht halten; gegen Herbst vermindern sich die leuchtenden und zersetzenden Strahlen, wogegen die wärmende» zunehmen und vorherrschen. Ein anderer englischer Gelehrter, Forbes Winslow, weiset in seinem Werk: «I^Iit i<Ä inliuvn«.-« on lit'v um! l»-r>ltl>», S. 34 u. w., den großen Einfluss des Sonnenlichtes auf das Wachsthnin des Menschen nach. 12. Die Pflege der Haut ist wesentlich eine dreifache uud besteht in der Förderung 1. der freien Ausstrahlung, 2. der kräftige» Aus-dünstung, 3. der gründlichen Reinigung. Ausstrahlung und Ausdünstung sind gewissermaßen Gegensätze wie Tag und Nacht, die sich ebenso zeitweise ablösen müssen, nm das entsprechende Gleichgewicht in der Hantthätigkeit aufrecht zu erhalte»; in diesem Gleichgewichte beruht der Höhepunkt der Haut leistuug. 13. Der lebende Körper ist schon oft mit einem geheizten Ofen ver-glichen worden, indessen hinkt das Gleichnis in einigen Beziehungen gewaltig; der Ofen strahlt (bei regelrechter Heizung) wohl Wärme,   dünstet aber weder Gase iwch Dämpfe aus, wie unser Körper; es hinkt ferner darin, dass der Kuustosen unr eine Einathmuug durch das Feuerloch, gleich nns durch die Lunge, jedoch keine im änßern Umfang liegende oder umkreisende, wie wir durch die Haut, besitzt; endlich dass jener durch den Nichtgebrauch, der Mensch hingegen sich nur bei rich¬tigem Gebrauch seiner Heizungsorgane am längsten erhält. Nur daun ist ihm wohl, wenn das Feuer (die Lebenswärme) überall gleich¬mäßig durch seinen Körper strömt; seine Adern sind die Feuer- und Rauchgänge, die hiezu so viel als möglich offen und rein gehalten werden müssen. Ausstrahlung wie Ausdünstung bedeuten Wärme-Abgabe, d. H. sie bewirken beide in letzter Berufung Wärmeverlnst, sind indes in ihrer sachlichen Erscheinung und persönlichen Wahrnehmung ganz entgegen¬gesetzter Natnr. 14. I. Die freie Ausstrahlung der Haut bedingt deren Befreiung von aller Bedeckung, um mittelst dem Grenz- organ iu direkten Berkehr mit dem Lichtlnftmeer zu treten. Beide Flüssigkeiten, Licht und Lnft, üben, wie schon im 8 2 erwähnt, eine sichtbare Anziehung der Blutkörperchen, der wirklichen Lcbeus- kerne, au die Lcibesoberfläche aus; da jene die wesentlichen Träger des Sauerstoffes sind, den sic durch die Lunge allein nicht genügend erlangen, um uus die normale Lebenswärme zn ver¬schaffen, so muss er ihueu im Wege der Millionen betragenden Haut¬poren ergänzend zugeführt werden. Dies gibt uns den Hinweis, unsere Kleidung nicht zu luftdicht und nicht festanliegend zu beschaffen, damit unsere Ausdünstniig (abgelebte Wärme) in horizontaler wie verti¬kaler Richtung leicht abziehen, kurz der Luftwechsel um die Haut freier vor sich gehen kann. Tritt hiebei eine mäßige Abkühlung bis zum Grade der Gänse- hautbildung ein, so ziehen sich die Blutgefäße daselbst krampfhaft zu¬sammen, die Blutflüssigkeit (das Serum) wird nach dem Innern gedrängt, welcher Borgang bei knrzer Dauer gauz gesund ist. Die vollständige Sättigung des Blutes mit dem Sauerstoff der Luft, als dem nnnnterbrochenen Bildner und Zerstörer des Lebens, auf beiden Wegen, nämlich durch die Lunge nnd die Haut, ist zwecks nor¬malen Zustandes (Gesundheit) absolut nöthig. Diesen Borgang kann man sich am besten au den Händen nnd Füßen veranschaulichen, wo die Gefäßnetze oberflächlich reich entwickelt sind.   Werde» die Fußplatten, welche bei der gebildeten Bevölkerung fast beständig bedeckt sind, oder die Hände bei solchen Städtern, die stets Handschuhe zu tragen die schlechte Gewohnheit haben, frei der Luft, namentlich bei kühler Temperatur, oder dein Sonnenschein ansgesctzt, so nehmen sie in kurzer Zeit durch den Andrang der Blutkörperchen eine earminrothe Färbung an. Wird noch kräftige Muskelbewegung damit verbunden, namentlich wenn mit den Händen Arbeit verrichtet oder barfuß marschiert wird, so tritt die Blutkörpcrcheuschwelluug uoch energischer, ausdrucksvoller hervor, und man fühlt hiebei deutlich iu diese» Theilen eine gesteigerte behagliche Wärme. Also in der natür¬lichen Röthuug der Haut, in der energischen Blutkörperchcnströmung iu den jtörperumfaug, durch direete Einwirkung der Lichtluftflüssigkeiten hervorgeruseu, liegt der Schwerpunkt unseres natürlichsten und vor¬nehmsten Bades. Wo Blut kreiset, da muss Luft, stets wechselnde neue Luft zugeführt werden, uud wo es Nerven gibt, bedarf es des Lichtes, des uuersetzbareu herrlichen Sonnenlichtes, welches sie als ihr feinstes Futter gierig eiufaugeu. 15. Die freie Ausstrahlung der Haut hat indes noch eine andere wichtige Wirkung oder Uebuug iu ilirem Begleit; durch dereu Abküh-lung wird eine dem Kältegefühl entsprechende Zusammenziehung ihres reichhaltige» Gewebes herbeigeführt. Die spontane Generalsunetio» unserer sämmtlichen Organe besteht in deren Zusammenziehung und Ausdehnung, die indes der Unterstützung der Außenwelt bedarf. Näheres hierüber findet man in unserer Schrift »Die Grundlehren- unter -Einleitung-, Unser beständiges ängstliches Warmhalten der Haut mittelst über¬triebener Bedeckung schwächt und erhält sie einseitig ausgedehnt; sie verliert die leistungsfähige Spannkraft. Bei vernünftiger Uebuug in kalter Luft erlangt dieselbe wieder ihre natürliche Dehnbarkeit und Dichtigkeit nnd kann ihrer wichtige» Aufgabe des Austausches (Endosmose nnd Exos- mose) als ausgebreitetstes Flächeuorgan wieder regelrecht vorstehen. Das durch Berweichlichnng entstandene, leicht wahrgenommene Hautfrösteln macht nach längerer Uebuug im Lichtluftbadeu einem erhöhten Wärme- gefühl Platz. Ein derart hantgekräftigtes Individuum wird staunend wahr- nehmen, wie es entblößt im Lichtlnftmeer unter bedecktem Himmel, jedoch bei Windstille, in eiuer Temperatur vou 14" bis 16» li stunden- laug angenehm nushalten kauu; bei körperlicher Arbeit wird cs leicht den ganzen Tag behaglich im adamitischen Meide in solcher Atmosphäre verharren. Im Zimmer dagegen hält ma» es bei derselbe» Temperatur vou 14" bis 10- li nicht den vierten Theil der Zeit ans, weil der nerven-belebende Lichteinfluss fehlt; nnd um bekleidet sich wohl zu fühlen,   nämlich im Zustande der Ausdünstung, bedarf es direct um die Haut, d. i. unter der Kleidung gemessen, einer Temperatur von 28» bis 29 - li. Das wonnigste Gefühl individuellen körperlichen Daseins bietet ei» Lichtlnftbad, welches bei heiterem Himmel und einer mittleren Temperatur von 14" bis 10« li ausgeführt wird. Unwillkürlich erweckt dieser paradiesähnliche Zustand bei allen Thcilnehmcrn eine auffallende Heiterstimmung, Belebung, ein höheres Selbstbewusstsein! Wir können uns nicht vvrstellen, dass jemals eine andere, in solchem Grade nerven^ stärkende Badeart erfunden wird, weshalb es höchst wahrscheinlich ist, dass innerhalb eines Jahrhunderts jede bedeutendere Stadt ihre Licht¬badparke und Sonnenbadgallerien neben den jetzt üblichen Wasser- und Dampf-Badeanstalten ausweisen wird; für den Winter glasbedeckte Arenen, eiu Mittelding zwischen Treibhäusern und Reitschulen. 16. H. Die Ausdünstung der Haut d. i. ihre Ausscheidung der Gase uud Dämpfe abgelebter und aufgelöster Bluttheilcheu, geht hinwieder nur unter entsprechender Wärme derselben vor sich. Dieser höhere Wärmegrad kann theils durch Muskelthätigkeit, also auf natürlichstem Wege, theils künstlich dnrch Bedeckung, Um¬hüllung der Haut oder durch Zufuhr äußerer Wärme, nämlich im Sonnenlicht oder mittelst Warmwasser-, Dampf- nnd Heißlnftbäder, herbeigeführt werden. Bei der gewöhnlichen Ausdünstung gelangt der untergeordnete wässerige Theil des Blutes (Blutserum) vorwiegend zur Bewegung unter die Hant; hiednrch werden die in derselben aus¬gebreiteten Nervenfasern, Gefäß- uud Drüfeuuetze wesentlich erweicht und erweitert, bei anhaltendem Wärmezustande also erschlafft, weshalb sowohl nach längere Zeit dauerndem mittleren als auch nach kurzem hochgrädigen Wärmegrade, bei sogenanntem Schwitzen, niehr oder weniger Frösteln als Nachwirkung eintritt. 17. Jegliches anhaltende oder einseitige Warmhalten oder künstliche Erwärmen der Haut durch warme Zimmer, dichte Bekleidung, häufige oder langdauernde Warmwasserbäder, und namentlich das Schwitzen unter Bedeckung, d. H. bei Licht nnd Lustabsperrung in Betten, Trocken- wicklungen, römischen Schwitzbädern, am auffallendsten in langdauernden Feuchtwickluugen und in Dampfbädern, bewirkt durch das Borherrschen des Blutserums in der Haut, dass diese blass uud matt, nämlich verhältnismäßig arm au Blutkügelchen wird. Eine merkwürdige Aus¬nahme hievon macht einzig das directe Sonnenlicht, welches gegentheils nicht nur die Blutkügelcheu, sondern gleichzeitig auch das Blutwasser energisch nach der Körperoberfläche zieht, also große Anziehungskraft, be¬ziehungsweise Verwandtschaft, zur uugetheilteu (integralen) Blutflüssigkeit zeigt, der deutlichste Beweis seiner Unersetzlichkeit und Unentbehrlichkeit.   Erst wenn die künstlich erwärmte Haut mit kaltem Wasser oder kalter Luft in Berührung gebracht wird, treten die Blutkörperchen auf-fallend hervor, und zwar um so ausgesprochener, je großer der Wärme¬unterschied zwischen der Haut und der abkühleudeu'Flüssigkeit besteht; dieselben bewirken mehr oder weniger Röthuug, vom Earmiu- bis zum Hochroth, gleichzeitig erneute Ernährung, Spannkraft und gesunde Wärme. Dies die Begründung, warum nach jedem Warmwasserbad unmittelbar eine kurze kalte Waschung oder kaltes Regenbad folgen sollte. 18. Ein anderes Beispiel, wie die künstliche Erwärmung der Hant nnter Licht- und Luftabsperrung wesentlich nur das Blutserum au die Oberfläche zieht, sehen wir in der Blasenbildung dnrch enge Schuhe oder iu den Handflächen infolge ungewohnter Führung von größeren Werkzeugen; in diesen Fällen sind nie die farbigen Blutkügelchen wahr zunehmen. Sonach wird durch stetiges Bedeckthalten die Haut un-ausweichlich blutarm; der gesund erwärmende, an die Blutkügelchen gebundene Kreislauf im äußern Körper umfange verkümmert, die blasse Haut wird stets empfindlicher, fröstelnder und erheischt noch wärmere Kleidung; die wichtige Doppelleistuug der Hant: Ein und Aus- athmuug, siukt und wird zunehmend einseitiger, indem die erstere der letzteren nicht das Gleichgewicht hält, infolge dessen das Blnt mehr und mehr entartet. Was ist natürlicher, als dass durch solche einseitige Hautpflege ein allgemein ungesunder Zustaud entsteht, sodann Gcgkiiwirkuugs- Erscheinungen (Reaetiousstimptome) erwachen, welche wir Krankheiten nennen, die im besten Falle als sogenannte Katarrhe oder Rheumatismen auftreteu werden. In vielen Fällen aber, wo die Blutkörperchen schon längere Zeit einseitig nach den Jnnenorgauen geströmt, daselbst Blut¬stauungen uud Ablagerungen hervorgerufeu haben, nimmt die in dem¬selben Verhältnis zu schwach genährte Haut den höchsten Schwächegrad an; sie bewegt sich nur noch in den Extremen: entweder sie dünstet oder schwitzt gar nicht mehr, oder aber lässt sie das Blutserum ohne allen Halt fahren, welchen Schwächezustand man kalte oder profuse Schweiße nennt, die stets von schlimmer Vorbedeutung sind. Sv verhält es sich z. B. bei der Luugensucht, in manchen Herz-, Gehirn-, Hals¬leiden und anderen inneren langwierigen Kreislaufstörungen. Eine richtige Auffassung der Lungenerkrankungen gebietet Entlastung der überbürdeten Luuge durch kräftige, naturgemäße Rückführung der Blutkörperchen nach der Haut, mit anderen Worten: eine gesteigerte Hantathmnng in methodisch geübter Ausstrahlung nnd Ausdünstung.   19. Die Doppelleistung der Haut kann überhaupt nur dann regelrecht vor sich gehen, wenn die Gebilde, aus welchen sie zusammengesetzt ist, in der Zusammenziehung wie in der Ausdehnung natur¬gemäß geübt werden. Die Vollkraft erlangt sie, wenn Ausstrahlung nnd Ausdünstung möglichst gleichzeitig sich im Gleichgewicht bethätigen, wie bei starker Muskelaustreuguiig derart entblößt, dass das Licht so¬wohl wie die Luft freien Zutritt zur Haut erlangen uud dabei weder Hrostgesühl noch Erhitzung einseitig zur Geltung kommen; hiezu bietet die Beschäftigung des Landmannes die meiste Gelegenheit. Es wird dabei dem starken Würmeverlust durch Ausstrahlung uud Ausdünstung die energische innere Wärme-Entwickluug entgegengestellt oder nachgeschoben, so dass trotz des doppelten Wärmeverlustes empfindliches ^-rostgesühl nicht auskommeu kann, weil die ebenso starke Eiuathmuug lSauerstoffverbiuduug) mit der Ausdünstung gleichen Schritt hält; beides vereinigt, bedingt einen kräftigen .Ureislaus im Körper umfange. Dem verkümmerten äußeren Nerven- uud Blutlebeu liegt, wie wir fchou früher augedeutet habeu, die Ursache einer sehr großen Zahl innerer Leiden zugrunde, weil Theile der Organe nicht rechtzeitig erneuert oder Blutschlacken gezwungen werden, in diesen letzteren sich abzulagern. Der Gruudtou, das Charakteristische aller inuern Leide» ohne Ausnahme, sowie jeglichen Schwächegefühles, ist stets ein Stauuugszustaud iu de» Nerveu- und Gefäßbahnen. Zwecks Heilung kümmert sich die Natur blutwenig darum, ob wir dieses G r n n d m e rkmal jegli ch e n Krankseins mit deutschen, lateinischen oder griechischen Namen belegen oder gar nicht taufen wolle»! Heilen, kräftige» bedeutet Zertheiluug der Stauung oder Stockung, d. i. Wiederherstellung des Kreislaufes. Nach-dem jede Kreislaufstörung eine abnorme Bewegung der Kleinsttheilchen, mit ändern Worten eine ungleichmäßige Wärme-Entwickluug im Körper in sich schließt lsieh K 6 hier und Einleitung unserer -Grundlehren-), so redueiert sich die Gesammtwirknng der Naturheilkuust auf die Wärmeregulieruug im erkrankten Organismus, und zwar direete mittelst des Nerven- und Gefäßsystems; das übrige ergibt sich dann von selbst. Was der Verstand des Verständigen nicht sieht, Erkennt oft ein einfach kindlich Gemiirh! 20. Wenn dem nicht so wäre, wie ließe es sich dann erklären, dass die nach medizinischer Eintheiluug verschiedenartigsten Krankheitsformen, z. B. Entzündungen uud Neuralgie«, Typhus und Veitstanz, Hypo¬chondrie nnd krankhafte Aufgeregtheit, Rückenmarksreizung nnd Blattern, Syphilis uud Katarrh re. re., mit ein und demselben grund¬sätzlich gleichen Verfahre» geheilt werde»!   In der einfachen Durchführung obigen Grundsatzes, nämlich in der regelmäßig wiederholten Röthung und Erhitzung der Haut im Sonnenlicht, bis zur Schweißbildung getrieben, wozu nothfalls die übrige» Erhitznngsmethoden zu Hilfe gezogen werden können, vereint mit nachfolgenden Abkühlungen durch Luft oder Wasser, oder auch um¬gekehrt, gelingt es nicht selten, die verwickeltsten Krankheitserscheinnngen zur Lösung zn führen. Freilich, wenn die Stauungen durch zu lauge Dauer oder durch ihre Heftigkeit organische Entartungen (Verhärtungen oder Erweichungen) bewirkt haben, dann ist die Grenze der Heilung überschritten; allein Mutter Natur ist geduldig nnd langmüthig, sie lässt stets Warner. Mahner vorausgehen, darnm: Wer hören will, der höre auf die Natursprache! 21. Da sowohl Ausstrahlung wie Ausdünstung Wärmeverlust des Körpers mit sich bringen, welcher nur durch Ausbildung des Nahrnngs- sastes zu Blut- und fester Substanz, sowie durch deren Rückbildung zu den Ausscheidungsstoffen, ersetzt wird (Kleinsttheitchen - Bewegung), so erhellt daraus, dass die tägliche regelrechte Pflege der Doppelleistnng unserer Haut oder das verständig ansgeführte atmosphärische Bad die natürlichste nnd beste Stosfnmsatz-Anregnng bietet nnd zu einer vor¬züglichen Quelle der Gesundheit wird. Diese Auffassung wird verstärkt, wenn man in Berücksichtigung zieht, dass bei kräftiger Hantthätigkeit alle übrigen inneren Werkzeuge (Organe), bis zur kleinsten Zelle hinab, gleichen Schritt halten müssen, was einem normalen.Kreisläufe der Säfte gleichkommt. Die Moral hievon ist, dass, wenn unsere Organe auch ohne unser Zuthuu sich bewegen, diese angeborene Bewegung nicht genügt, den Stoffwechsel regelrecht aufrecht zu erhalten, sondern ein Naturgesetz will, dass wir durch naturgemäße Erhitzung und Abkühlung dem Kreislauf nachhelfen. Die Außerachtlassung dieses Gesetzes zieht nicht nur Schwächung der Haut, sondern des ganzen Körpers nach sich. Wie die Ausstrahlung eine directe Abkühlung der Haut, jedoch erhöhtes Wärmegefühl in der Nachwirkung erzeugt, so be¬wirkt die Ausdünstung eine direete Erwärmung mit nachfolgendem Fröstelgefühl. Deren übereinstimmende Pflege ist die einzig richtige Anwendung: jede einseitige Uebung führt unausweichlich auf schaden-bringende Abwege, welche man früher oder später gewahr werden muss. 22. Wie leicht begreiflich, eignen sich zur Geltendmachung der mehr¬fachen Wirkungen des Lichtluftbades die mittleren Kliinate am besten, und hier wieder die mittleren Temperaturverändernngen (Differenzen), indem zu kalte Luft das Blut von der «örperoberfläche allzusehr zurück drängt, die gesammte organische Faser hart, spröde macht, ebenso wie anhaltend heiße Luft Schlaffheit uud Schwäche erzeugt.   Die geschichtlichen Thatsachen bestätigen uns auch, dass wir nur den mittleren Klimaten die edelsten Erzeugnisse des höchst entwickelten Nerveniuittelpuuktes «Geistes) in Wissenschaft, Kunst und Dichtung zu verdanken haben. 23. Hier scheint es uns angezeigt, nochmals auf die Erkältungen des 8 7 zurückzukoiiiiiien, die sogenannten < Erkältungskrankheiten- näher ins Auge zu fassen. Wenn eine verweichlichte, also thermal un-geübte Haut von einem kalten Luftzug berührt oder anhaltend einseitig abgekühlt wird durch Sitzen, Arbeiten neben einer kalten Mauer, einer zugigen Thüre oder einem Fenster re., so werden sich die in derselben liegenden Nervenfasern, Blutgefäße und Drüsen nicht nur verhältnis-mäßig zu stark zusammenziehen, sondern auch mehr oder weniger ver-schlossen bleibe», eben weil sie iu der Localbeweguug nicht geübt sind. Die Folge hievon wird sein, dass in der betreffenden Hautfläche die Gas- und Dünste-Ausscheidung stockt und nach rückwärts strömt. Je mehr Schlacken nun im Blute und der Körpersubstanz sich vorfinden, desto reichlicher werden solche durch die Rückströmung auf¬gelöst und zur kritischen Ausscheidung angeregt werden, woraus Unwohlsein verschiedensten Grades sowie auch schwere Krankheiten ent¬stehen müssen; letztere um so tiefergreifend, je mehr die Haut verweich¬licht. eben dadurch der Stoffwechsel vernachlässigt, die Stoffschlacken angehänft sind. Bcrmag die natürliche innere Wärme die betroffene Hautfläche nicht bald wieder aus ihrer Starrheit oder Halblähmuug zu befreie», so wird im besseren Falle sofort Fieberhitze, im schlimmeren Nervenschmerz, wie Rheumatismus re., entstehen; dieser letztere bedeutet eine außergewöhnliche Anstrengung der Gefäßuerven, local gestei¬gerte Wärme hervorznrufen, um die erstarrten Blutgefäße uud Drüsen wieder zu wecken. Um diesem Streben der Statur »ach erhöhter Würme-Erzeuguug nachzukommen, bildet bei frischen Rheumatismen und anderen Neu-ralgien künstliche Wärmezufuhr durch Souueulicht, Dampf- oder Warm- wasser-Umschläge das natürlichste Heilmittel. Wohl vermag manchmal ein kurzdauernder eingreifender Kältereiz, wie z. B. Reibung mit kaltem Wasser oder Schnee, ein erregender Um¬schlag, kalte Brauseu, Douchen re., ebenfalls erhöhte Wärnie hervor¬zurufen, doch lehrt die Erfahrung, dass in der Mehrzahl solcher Fälle directe Wärme-Anwendung sicherer, rascher und wohlthuender zum Ziele führt. Ohne solche Nachhilfe bleiben öfters die in Bewegung gerathenen Stoffschlacken auf halbem Wege liegen nnd richten daselbst aeute oder chronische Störung «Leiden), wenn nicht Zerstörung an! Die Unter¬stützung mittelst Wärme- »nd Kälte-Applicationen soll fortgesetzt werden, bis die alten Rückstände vollständig zum Tempel hinausgeschafft sind ; bei strengem Borgehen in dieser Weise wird viel Elend erspart bleiben.   24. Die beste Vorbauung lProphnlaxis) gegen Rheumatismus und viel anderes körperweh beruht daher in der natürlichen Thermal- übung der Haut, welche, methodisch dnrchgeführt, wir am richtigsten atmoiphärisches Baden oder Thermodiätetik benennen. Zn einer Erkältnngs-Stachkrankheit bedarf cs also stets einer un-natürlichen Ansammlung der Blut- oder Stoffschlackeu; die Erkältung wirkt zunächst nur heftig erregend auf die iÄfäsznerven, deren außer gewöhnliche Bewegung sie zuerst und am stärksten auf die außerhalb des normalen Kreislaufes lagernden Stvffschlacken überträgt, was wir durch die verschiedenartigsten krankhaften Empfindungen gewahr werden. Wo keine krankhafte Stvffschlacken-Ansammlnng vorliegt, kann sich das Einzelwesen (Individuum» enormen Erkältungen ausfetzen, ohne das mindeste Nachweh wahrznnehmen. 25. Auch hier stehen wir den Lehren der Schulmediein vollständig gegenüber, welche uoch immer das Dogma der Erkältung als Ursache zahlloser Krankheiten im Mnnde führt, wie dies z. B. seinerzeit wieder bei der traurigen Kunde von der Erkrankung und dem Tode des badi-schen Prinzen Ludwig wiederholt ward; uämlich, dass er durch «Er-kältung» sich eine Lungenentzündung zngezogen habe — statt zu sagen: durch vorausgegangene Verweichlichung! Wer den Brustkasten bis nnters Kiun hinanf stets zwei-, drei bis vierfach bedeckt und zugeknöpft hält, wie cs beim Militär üblich ist, oder durch die Weste (Gilet) bei der männlichen, durch den Schnürleib bei der weiblichen Bevölkerung, der verweichlicht uud schwächt sich nicht nur die Hant an Ort und Stelle, sondern auch die darunter liegenden Organe, Lungen, Rippenfell, Rippen- mnskeln nnd das Herz, wodurch in diesen lebenswichtigen Theilen der Stoffwechsel verkümmert, die Ursache zn krankhaften Ablagerungen und gefährlichen Krisen begründet wird; dies erfolgt um so gewisser, wenn obgenannte Organe von Hanse ans schwach sind. Die Brust enthält doch die blutreichsten Eingeweide, kann also am sichersten Wärme ab¬geben, während sich dies bei den Armen umgekehrt verhält. Uud deuuoch bedecken wir letztere stets bedeutend weniger als die Brust. Dieser verkehrten Bekleidungspraxis sind Tausende von Lungenentzündungen zuzuschreiben. Wenn uns kalt wird, sollten wir naturgemäß zuerst die Arme dichter bedecken, mittelst Aermelu, welche durch ein elastisches Band hinter dem Nacken vereinigt sind. Beim Erfrieren werden stets die Finger und Arme zuerst erkalten. Gegenwärtig fvll in der deutschen Armeeverwaltung das Streben herrschen, die Traglast der Soldaten zu verringern, um sie sür Marsch nnd Kampf beweglicher, leistungs-fähiger zu machen. Weit mehr würde dnrch eine methodische Abhärtung   mittelst Tragens von weniger Kleidung erreicht werden, indem daraus directer Kraftgewinn folge« müsste. Es ist zum verwundern, dass die deutschen Militärärzte nicht auch längst darauf gedrungen haben, die Brust der Soldaten meistens unbedeckt, nach Zigeunerart, tragen zu lassen; das würde die Kraft nnd Leistungsfälligkeit jedes einzelnen nicht wenig vermehren, was zweifellos bei einer Armee von Bedeutung sein müsste. Ebenso würde die Uebung des Barfußgehens während der Exercitien in der bessern Jahreszeit weit weniger Ermüdung aufkomme» lassen, so dass in Märschen ^ bis */« mehr geleistet werden könnte. 28. In nnscrm rauhen Klima sind die Kleider sowie die starken Bett- bedecknugen eiu nothwendiges Uebel, weil sie die Ausdüustuugsgase, nnsere schlimmsten Lebeusseinde, nahe der Haut (der Hilfsluugel zurück- halteu und dadurch eine schleichende Vergiftung bewirken; davon kann man sich durch Versuche überzeugen. Man bereite sich durch ein Draht¬geflecht eineu Hohlraum unter der Bettdecke und stelle eine Kerze hinein, welche man erst, nachdem man einige Stunden im Bett gelegen, an¬zündet, ohne Luft einströmen zu lassen; sie wird kümmerlich brennen oder gar auslöschen. Oder man hebe ein bisschen den oberen Rand der Bettdecke unter der Nase und athmc die darunter hervorströmende Aus- dünstnngslnst eiu, so wird man binnen kurzem von Athemnoth befallen werden. Verschließt mau die Haut ganz luftdicht mittelst Firnisüber- streichung, so verfällt das Individuum binnen wenigen Stunden dem Tode. Diese Thatsachen beweisen, dass die uns im Bett und unter den Kleidern umgebende Luft arm an Sanerstoss, dafür an verderblichen Gasen, namentlich an Kohlensäure, gesättigt ist; bei gänzlichem Ver¬schluss der Haut wirkt die im Blute zurückgehaltene Kohlensäure rasch tödlich. Es gibt dies aber auch eine ernstliche Mahnung, unsere Betten nnd Kleider womöglich täglich auszusouneu und zu lüsten, um sie von den ihnen anhaftenden Miasmen gründlich zu befreien. Wer bei Stacht aufwacht, thut gut, ab und zu durch wiederholtes rasches Hebe» und Senken der Bettdecke, mittelst der Füße und Hände, die Stickluft des Bettes auszupuinpen. 27. UI. Die Reinigung der Haut. Wie ein Ofen oder ein Schornstein durch anhaltendes Heizen sich verschlackt und deshalb öfters gereinigt werden muss, so verhält es sich ähnlich mit unserem Körper. Jedes Organstistem oder Einzelnorgan ver¬schlackt sich mit der Zeit, nnd die Ablagerungen fegen die Lebenskraft hänfig spontan weg «Krisen, aente Krankheiten); geschieht dies nicht, so entstehen daraus Orgauleideu, bekannt als Luugen-, Nieren , Leberkrankheiten re., welche indes noch keine organische Leiden sein   müssen, unter welch letzteren inan versteht, dass die Substanz der Organe so angegriffen, d. i. in einer Weise entartet (verhärtet oder erweicht) ist, welche deren Wiederherstellung unmöglich macht. Der Reinigung der verschlackten inneren Organe kann jeweilig durch die verschiedensten natürlichen Maßnahmen, bald durch Ruhe oder Bewegung, freien Luftgenuss, Diät, Wassertrinken, Schwitzen, Massage re. nachgeholfeu werden. Die medieinisch, d. i. mit Giften angestrebte Reinigung der innern Organe erweist sich als höchst mangelhaft, ja verderblich. Die chemi¬schen Mittel, welche hiezn verwendet werden, bewirken allerdings häufig ein Dnrchreißen der Säfte (des Blutwassers), wie z. B Mitteln in den Gedärmen, wobei Schlacken mitgeris Borgang schließt aber eine Nothwehr der Natur in der ihr anfgedrnngenen Fremdstoffe (Gifte, Medieinen genannt) rasch entledigen, sondert zu diesem Zweck viel Blutwasser ab, wodurch die betreffende« Haargefäße nnd Gefäßnerven übermäßig angestrengt und ansgetrocknet werden. Unausbleiblich mnss Schwächung derselben Nach-folge« nnd um so gewisser wird bald eine abermalige oder noch stärkere Berunreinigung des betroffenen Organes eintreten. Mit der Haut, unserm Außen- oder Grenzorgan, steht es anders; sie ist uns in dieser Beziehung znr mechanischen und physikalischen Nachhilfe freigegeben. Die Reinigung der Haut ist in doppelter Hinsicht wichtig; erstens um ihrer selbst willen, sodann wegen der Hilfsthätigkeit der letzteren als ausgedehntes Anffangnngs- nnd Ansscheidungsorgan gegenüber sämmtlichen Innenorganen. Die Nachhilfe der Hantreinigung ist von so hoher Bedeutung auf unser Geistes- wie Körper leben, dass diejenigen Völkerschaften, welche sie allgemein pflegen, zu den entwickeltsten nnd gebildetsten zählen, wie hierauf schon in 8 10 hingewiesen worden, und man ohneweiters den Satz anfstellen kann, die bei einem Bolke übliche Hautpflege sei der Maßstab seiner allgemeinen Bildungsstufe.   Motto: Tie Ungleichheil bildei die Triebfeder im Weltall. II. Tlxnl. Die Praris. Aas abkirklende Lichttuftbad oder die Airs- strcrhtungsi'rbung. 28. Aus der vorangegangenen Theorie wird wohl klar ersichtlich sein, dass das atmosphärische Bad nur iu Gottes freier Statur ausgeübt werden kann. Obwohl die Lust und das Sonnenlicht überall noch billiger zu haben sind als das Wasser (in genügender Quantität zu Kuranstalten), bieteu sich der Terrainschwierigkeiten wegen viel größere Hindernisse, wahre Lichtbadparke zu schaffen, namentlich als Zubehör zu schon bestehenden Wasserheilanstalten. Ein richtiger Lichtbad park (weil im Licht der Schwerpunkt liegt, genügt diese Benennung, denn wo Licht existiert, gibt's auch Luft) erheischt vor allem, dass er geräumig, groß sei, um, wenn man vom Frösteln befalle» wird, unbehindert in raschen, größeren Läufen sich bewegen zu können und nicht gezwungen zu sein, wie ein Affe im Menagerickäfig hin und her zu Hüpfen, welche einförmige Bewegung Schwindel erzeugt, das Nervensystem angreift. Ein ordentlicher Lichtbadpark sollte im Minimum ^ Hektar Flächenmaß umfassen; je größer er ist, desto wertvoller. In Beides messen die Herrenparke: der nächstgelegene, Rolandshain», 20 Mi¬nuten entfernt, für die schwächeren Individuen bestimmt, 1 starkes Hektar; der zweitnächste, Rikliknlin r, eine halbe Stunde entfernt, ein Hochplateau mit wundervoller Rundsicht, 4*/, Hektar; der dritte, «Arnoldshöhe-, 1*/i Stunde entfernt, hoch gelegen, ebensoviel. Der nächste Damenpark, -MarienHain-, */, Hektar (wird vergrößert), der entferntere, hochgelegene, «Homberg», 2 Hektar.   Ein zweites Erfordernis besteht darin, dass derselbe genügend Schatten biete, etwa zu vder ^ seines Raumes mit Bäumen besetzt sei, um bei kräftigem Sonnenschein daselbst Kühlung zu finden; endlich soll derselbe einestheils mit kurzem Rasen bewachsen sein, anderntheils trockenen Boden ausweisen, indem es für manche Individuen unzulässig ist, dass sie anhaltend im Thau gehe«. 29. Das richtige Lichtluftbadeu erfordert als Hauptsache das Barfuß-gehen, wogegen das Barhauptsein einigermaßen bedingt ist. Unsere Fußplatteu sind nicht nmsonst mit einem reichhaltigen Nerveufaseruetz ausgestattet. Die atmosphärische Thermalübung der Fußuerveu ist von vielfältiger Rückwirkung auf den ganzen übrigen Körper, wie cs nur derjenige zu würdigen weiß, dem Gelegenheit zngebote stand, zahlreiche Beobachtungen darüber anzustelleu. Nicht nur bewährt es sich als das beste Mittel gegen chronisch kalte Füße, sondern wirkt lebhaft anregend auf die Unterleibsfunctioueu, stärkend ans das Rückenmark und ablei- teud von der Brust, dem Hals und dem Kopf. Einer großen Anzahl Leiden würde dnrch tägliches (diätetisches) Barfußgeheu nicht nur vor gebeugt, sondern ebenso zu deren Heilung wesentlich beigetragen, nament lich bei Kopfleiden. Mutter Natur hat uns anf diesem einfachen Wege eine mächtige Hilfe in die Hand gelegt, deu vielfältigen Gehirnleiden ent- gegenzuarbeiteu. Es ist so einfach, und doch oder gerade deshalb denkt weder eiu Arzt noch eiu Professor (der chemischen Schule) darau, das¬selbe den Kopfleidenden zu verordnen, noch werden die Jünger Aeskn- laps darüber belehrt. Da wir häufig iu deu Fall kommen, das Bar- fnßgehen als phnfikalisches Heilmittel zu verordne«, ist es am Platz, Neulingen, welche dies zn Hause praktieieren wollen, hier Anleitung zu ertheilen. ° M. Individuen, welche für Erkältung au de« Füßen empfindlich oder überhaupt reizbarer Natur sind, sollten zuerst ihre Füße gewissermaßen vorbereiten; hiezu eigueu sich kühle bis kalte Abreibungen mittelst grober Handtücher, wozu je zwei Minuten Reibung an jedem Fuß genügen; nach dem Anziehen frischer Fußsocken und Schuhe erwärme man sich sofort durch aus¬giebige Bewegung. Ist man mit der Fnßabreibnng bei Wasser von 10 bis 8» li augelaugt, dauu beginne man in der rauhen Jahreszeit mit direktem Barfnßgehen anf Ziminerböden, Hausgängen, Teppichen; in der besseren Jahreszeit auf trockenem Rasen und trockenen Fu߬wegen durch etwa fünf Minuten, lege täglich eine bis zwei Minuten zu und mache darauf, gut fußbekleidet, deu ErwärmnngSmarfch. Zu viertelstündigem Barfußgeheu aus trockenem Boden vorgerückt, kann man dasselbe bei mäßig kaltem Wetter anch anf feuchtem oder nassem Boden oder im Hause auf kalte» Steinplatten vornehmen. So oft sich nuu Gelegenheit bietet, anf rauherem Bodeu, wie auf Feldwegen, Landstraßen,   barfuß zu gehen, versäume man dies nicht, in kurzer Zeit vollzieht cs sich bei den meisten leicht. Wo es nöthig und möglich ist, trachte man in der Folge in der Früh im Morgenthau, alsdann aber auch, nm das Gleichgewicht eiuzuhalten, mittags aus der heißen Straße barfuß zu gehen. Betreibt man diese gesundheitlichen Märsche im Winter, versäume man nicht, die Gleichgewichtsherstellung ab und zu durch Fußdampf¬bäder oder warme Fußbäder herbeizusühren; im Unterlassungsfall,: würden die Füße »ach kürzerer oder längerer Zeit kälter statt wärmer werden. Unmittelbar nach den Mahlzeiten ist das Barfnßgehen nicht angezeigt, wenigstens nicht bei kühleren Temperaturen. Regelmäßiges Barfußgehen, namentlich im Freien, bringt die Füße infolge verstärk¬ten Blutzuflusses in geschwellteren Zustaud, so dass manchmal die bisher getragene Beschuhnng zu enge wird. In dieser Erscheinung liegt auch der Beweis der Ableitung von den oberen edleren Organen, nämlich von ttopf, Hals und Brust. Durch Entblößung der Füße bis an die .ttnie hinauf tritt die ableitende Wirkung in erhöhtem Maße ein. Nicht sensible, robustere Naturen können viel rascher, kühner aus nasskaltem Bodeu Vorgehen, doch beachten sie aufmerksam die Nach wirknng auf deu ganzen Körper. Geistig angestrengt Arbeitenden ist es sehr zu empfehlen, die Füße zeitweilig zu eutblößeu, indem schon der bloße Luftzutritt und Luft¬wechsel genügt, mehr Blut in die Füße zu ziehe», wovon man sich durch ihre merklich stärkere Röthuug bereits nach ^stündiger Befreiung von der Luftabfperrung überzeugen kann. Werden die Füße hiebei anch kalt, so ist dies entschieden vorzuziehen, als dieselben unter der Beklei dung blasskalt, d. i. blutleer, werden zu lassen. Rasche Wiedcrerkaltuug der Füße nach einem Erwärmnngsgang bedeutet, dass derselbe zu kurzdauernd war, oder aber, dass inan gegen über der Erwärmuugssähigkeit auf zu kaltem Boden oder zu lauge bar¬fuß gegaugeu ist. Bei anhaltender Uebung im Barsußgehen wird man stauueu, wie bald man es zu großer Fertigkeit bringt, rauhen, steinigen Boden zu überschreiten. Vornehme Damen haben es hierin in Beldes zu wunderbarer Leistung gebracht. Der Verfasser dieses hat im Jahre 1866 den Rigi, den Piz Languard und Piz Ott im Engadin nicht nur bergauf, souderu auch bergab vollständig barfuß bestiegen, was damals als Touristeu-Heldeu- stück in mehreren der verbreitetsten europäischen Zeitungen, selbst im niexieailischen Moniteur mitgetheilt wurde — nach unserer Ansicht, weil keine außerordentliche Leistung, kaum erwähnenswert. 31. Die geeignetste Zeit zum Abkühlungs-Lichtbade in der Sommer-saison ist stets frühmorgens, womöglich direete vom Bett dazu aus- marschierend. Stach der erschlaffenden anhaltenden Bettwärine passt es   am besten, die gegensätzliche Kühlungsapplieation in milder Form zur Nervenstärkuug vorzunehmen, umsomehr, als am Morgen iu der Regel die kühlste Tagesluft zu finden ist. Das Lichtbad soll täglich, mit Ausnahme bei starkem Regen, ausgeführt werden; an schönen Morgen breche man vor Sonnenaufgang auf. Au Regenmorgen wird eventuell bis 8 Uhr zugewartet, ob er vorübergeht, um es selbst dann noch, sei es auch nur für 10 bis 15 Minute», zu praktieieren. Schwacher, warmer Regen wird von vielen kuranten willkommen geheißen. Bei unfreundlichem kühlen Wetter ohne Regen wartet jeder das Steigen des Thermometers so weit ab, bis die Temperatur seiner Individualität nicht mehr zu frostig ist; oder es können auch schwächliche Anfänger und sehr Empfindliche an solchen Tagen einen tüchtigen Spaziergang von ein bis zwei Stunden Dauer in leichter Kleidung vornehmen. Bor dem jeweiligen Ausmarschiereu ist nebst Beachtung des Thermometerstandcs das voraussichtliche Wetter am Horizont abzu schätzen, um sich entsprechend zu bekleiden und die richtig gewählten Unterkleider zwecks Erwärmung bei der Rückkehr an den Lichtbadegürtel auzuschualleu. Hiebei macht es indes einen großen Unterschied ans, ob man zur Svinmerzeit um 7, 8, il oder 10 Uhr zurückzukehren gedenkt, indem bei schönem Wetter die Sonne jede spätere Stnnde merklich stärker erwärmt, sonach verhältnismäßig weniger Kleider initznuehmeu sind; bei schlechtem Wetter wiederum, ob die Luft ruhig, in mittelmäßiger oder starker Bewegung ist. Kurz, bei dem verschiedenartigen Wetter, welches besonders im Frühjahr herrscht, treten für den Bekleidnngsgrad nothwendig vielfältige Veränderungen ein, welche die tägliche Erfahrung am besten lehrt. Bei gutem Sommerwetter hat der Lichtluftbadende von feiner Wohnung aus leicht bekleidet und barfuß zu gehen, nm das Schwitzen unter Kleidern strengstens zu vermeiden, womöglich gekühlt auf der Stätte auznlangen. Alsdann entspricht auch als Ausmarscheostüm für Herren ein Lichtbadhemd ohne Aermel, mit weit offener Brust, und eine weite, kurze Kniehose; für Damen ein leichter Schlafrock, eventuell uur das Licht- badhemd von Organtinstoff darunter. Im abgeschlossenen Lichtbadpark angelangt, behalten die Herren nur eure Badeschürze, die Damen das transparente Lichtbadhemd und die Schürze bei. 32. Die Tauer des Lichtluftbades muss gänzlich der Individualität entsprechend anheim gestellt werden ; eine von Jugend auf verweichlichte Haut (Nerven) kann nicht durch heroische Exereitieu gekräftigt, beziehungs¬weise umgewaudelt werde»; dies kann, wie alles in der Natur, uur gradatim vor sich gehen! Als Grenze der Dauer gilt im allgemeinen, heftige Einpsittdungen jeder Art Vorbehalten, das zweitmalige Eintreten der Gänsehaut; dies geschieht gewöhnlich nur bei bedecktem Himmel und bei Wiud, oder weuu man sich ab und zu im Thau wälzt. Kommt   inzwischen die erwärmende Sonne wieder zum Borschein, kann das Lichtbad gleichwohl fortgesetzt werden. Wesentlich mitwirkend zum leich¬teren Ausharreu dienen die verschiedenen Leibesübungen, als Spazier¬gänge, Laufübuugeu, Steinwerfen, Gartenarbeit, Freigymuastik, mit Ruhepau'eu abwechselnd; durch Trockenfrottieren der Haut mit bloßen Händen '»wie mittelst Schwniigathmen kann Frösteln stets wieder auf eine Zeitlang vertrieben werden. Das Schwnngathmen besteht, indem man mit radförmiger Schwingung der Arme sich tief nach vorwärts beugt, bis die Finger-spitzen beider Hände Zusammentreffen, diesen Moment zu tiefer Eiuath- mnng benützend; dann ebenso mit gleichartiger Rückwärtsschwiuguug der Arme sich stark nach rückwärts beugt und dabei energisch tief aüsathmet. Das Bor- und Rückwärtsbeugeu muss mit einem gewissen Schwung be¬trieben werden, der eirea 3 bis 4 Secuudeu erfordert; diesen Act mehr als viermal nacheinander zu wiederholen ist nicht rathsam, worauf mau wie¬der 300 bis 400 Schritte geht uud dasselbe Experiment wiederholt n. s. w. Die Erklärung der hiemit verbundenen starken Wärmesteigerung liegt darin, dass beim Borbengen die vordere Brnstwand sich von der hintern merklich entfernt, dadurch für die Lunge freier Raum zum reichlichsten Einathmen der Luft geschaffen wird, wie beim starken Rückwärtsbeugeu die Brustwäude zusammengepresst werden, wobei eine rauschende Aus- athmung erfolgt. Die außergewöhnliche Sanerstoffaufuahme ins Blut macht sich durch rasche Wärmesteigerung bemerkbar. Bei schönem Wetter dehne mau das Lichtbad bis 0 oder halb 10 Uhr aus. 33. Hie nnd da kommen so hochgradige Nervenüberreiznngsznstände l Exaltationen) vor, dass den damit behafteten Individuen keine andere Eurapplieatiou so beruhigend > nervenstärkend) wirkt, als ein ganztägiges oder tägiges Lichtluftbad bei schönem oder wenigstens mildem Wetter; es werden also hiebei beide Wärmepole (Abkühlung und Erhitzung) in der freien Atmosphäre durchgeführt, wobei jegliche Wasscranwendnng entfällt. Eine regelmäßige Wiederholung dieser durform nennen wir die absolute Lichtlustcur. 34. Der lichtbelebende Einfluss auf uufere Hautuerveu bewirkt die auffallende Erscheinung, dass man relativ tiefe Temperaturen lauge auShalten kann, ohne Frost wahrzunehmen; ein neutraler, bekleideter Zuschauer fröstelt oft früher als die uackteu Rikli-Judiauer! Eben dieses Nichtfriereu au kühlen Morgen bei mittleren Temperaturen wirkt ver¬führerisch, indem man die an die Luft abgegebene Wärmemenge nicht sofort im richtigen Berhältnis znr Eigenwärme wahrnimmt. Wird die hierauf folgende Erwärmnngstonr nicht bis zum entsprechenden Schweiß ausbruch ausgedehnt, so überkommt einem nach der Rückkehr allmählich ein Frösteln, als ob die >!älte aus den .Knochen heraus wieder »ach   der Haut zurückströinte. Eine unheimliche Empfindung, welche uns mahnt, die reactive Erwärmung zur vorausgegangenen Abkühlung durch energische Bewegung ins Gleichgewicht zu stellen; mit der Er¬reichung des letzteren empfinden wir eine Elasticität in den Gliedern, wie solche nach Wasserbädern nie eintritt. 35. Ans dem einfachen Grunde, um das Lichtbad möglichst lauge anszuuützeu, ist es Eurgebot, das Frühstück dorthin mitzunelmien. Nur Schwache, Blutarme, Neulinge sollten hievon eine Ausnahme machen und zwecks Wärmegewinnes vorher zu Hause frühstücken; die ändern nur, wenn andauernder Regen gar kein Lichtbad zulässt. Ein Entgegenhandeln werden wir stets rügen und schließlich nicht dulden, indem verschiedene Nachtheile daraus entstehen, nämlich: ) wegen regen Hungergefühls wird stets zu früh nach Hanse gedrängt, dadurch das Lichtluftbad verkürzt; ) weil mau hiedurch zu Hause verhältnismäßig spät zum Früh¬stück gelangt, wird um so tapferer zugesprocheu; der Magen bleibt als¬dann zum nächstfolgenden Sonnen- oder Dampfbade nicht nur zu be¬laden , sondern auch bis zum zweiten Frühstück zu wenig ansgernht, beziehungsweise fallen dann alle drei Mahlzeiten bei der Beldefer Hans- ordnnng zn nahe zusammen, was bei öfterer Wiederholung von ent¬schiedenem Nachtheil für die allgemeine Enrwirkung ist. Bei absoluter Lichtlnftcur darf iu manchen Fällen nur einmal, dafür reichlicher und später gefrühstückt werden. Cirea um 1 Uhr wird alsdaun das zweite Lichtluftbad, bei schönem Wetter das sogenannte Natursonnenbad, angetreten, welches bis 4 oder halb 5 Uhr auszndehnen ist und keineswegs mit vollem Magen ansgeführt werden darf; nebst- dem hat die längere Magenruhe, vom Frühstück bis zur Hauptmahl¬zeit circa 8'/, bis 9 Stunden dauernd, gleichzeitig deu wichtigen Zweck, den ganzen Berdanungstraet zu energischer Zusammenziehung zu ver¬anlassen, was wesentlich zn dessen Reinigung und Kräftigung beiträgt. 36. Zur Erzielung höherer Nervenkraft verlangt die wahre Thermo- clektrik einerseits Ausdauer im allgemeinen, nnd bis man wesentlich erstarkt ist, Vermeidung heftig einwirkender Temperaturen «wie die kalt¬wasserreize), z. B. das Wälzen im Thau und das Nachtrocknen in der Sonne; anderseits verlangt sic den öfteren Wärmewechsel, weshalb man weder anhaltend im Sonnenschein liegen, noch im kühlen Schatten schwelgen oder frösteln, ebensowenig dnrch Marschieren sich abstrapazieren,   als beständiger Ruhe pflegen darf. Die richtige Mitte in allen Wechseln trachte jedermann nach seiner Eigenheit zu bethätigen. Im allgemeinen ist Bewegung angezeigter als vieles Ruhen, und kann erstere ab und zu, je nach dem jiräftezustand, durch einen Danerlaus gesteigert werden. Nach regelrechter Ausführung des morgendlichen atmosphärischen Bades erfolgt bei schönem Wetter die Rückkehr circa um 10 Uhr; es ist alsdann vor dem nächstfolgenden Bade ein ordentliches Ansruhen am Platz und daher angezeigt, sich für 1 bis 2 Stunden auf dem Bette anszustrecken. 37. Zur Herstellung des Wärmegleichgewichtes (Wiedererwärmung) hat in der Regel das nächstfolgende Bad ein Schweißbad zu sein. An jenen Tagen, an welchen morgens das Lichtluftbad ausgeführt wird, indes das Sonnenbad dnrch trüben Horizont entfällt, muss die Gleichgewichts- Herstellung in anderer Weise gesucht werden; die natürlichste ergibt sich dnrch eiueu Schweißmarsch oder körperliche Arbeit bis zn entsprechender Schweißbildung. Es ist rathsam, hierauf die Wäsche zu wechseln, dabei sich trocken abzureiben. In Beldes werden an solchen Tagen zu obigem Zwecke meistens Bettdampfbäder, ausnahmsweise warme Bollbäder, Sitzbäder nnd Beinbäder angewandt. Ans bewährter Erfahrung ergibt sich die natürliche Folgerung, dass nach jeder sogenannten Erkältung im gewöhnlichen Leben ein oder mehrere sofortige Schwitzbäder das einfachste und natürlichste Mittel sind, ticfeingreifende Erkältungsreize zu beheben, beziehungsweise denselben vorzubeugen. Wie uugemeiu selten verordnen Medicinärzte dieses natür¬lichste und einfachste Mittel! Fragen wir warnm ? Antwort: Erstens klingt es nicht gelehrt, nämlich profan, ans deutsch ein Schweißbad statt einem lateinischen Reeept zu verordnen; zweitens glauben die meisten Elienten für die erstere, obwohl viel wertvollere Beiordnung, kein Honorar schuldig zu sein; das Publienin trägt daher größtentheils selbst die Schuld, wenn der Medicincr nach dem Grundsatz handelt: Llunclu» vnlt ävvipi VIA« clevljiiutul'! (zu deutsch: Die Welt will betrogen sein, so soll sie cs haben!). Allerdings gibt es hundertfältige Schwcißbad- formcn mit dcn verschiedensten Abkühlungsarten, welche der Medicincr kennen und individuell verordnen muss, um seiner Pflicht zu genügen. 38. Eine in der Zusammenziehung und Ausdehnung geübte Hant spielt beinahe eine ebenso sichtbare Rolle, wie beispielsweise eine Hand¬harmonika. Rasch vollzieht sic diese Doppelbcwcgnng, wenn abwechselnd bald Sonnenschein, bald kühle Schatten oder Winde sie bestreichen; großen Hirsekörnern ähnlich treten dann die wichtigen Hantdrüschen hervor, deren eirea 7 Millionen im ausgewachsenen Ltörpcr Vorkommen sollen. Es lässt sich leicht vorstellen, dass die volle Arbeitsleistung der¬selben, nämlich in der Ansathmung abgelebter Gase und Dünste uud   in der Eiuathmung reiner Luft tExosmose und Endosmosc) für die Gesundheit von Bedeutung sein muss. Das massenhafte Heranstreten der HantdrüSchen nennt inan gemeinhin Gänsehaut. Diese Erscheinung methodisch hervorzurufeu uud wieder auszugleichen bildet eine wahre Hautgymnastik, wissenschaftlich ausgedrückt: die zeitweilige Uebuug der Gegensätze in der Haut ist, wie überall, auch hier ein lebeuerhaltendes Gesetz. Bon den in Europa lebenden Bvlkerrasseu haben es jedenfalls die Zigeuner in der Abhärtnng am weitesten gebracht, und dürften sie, wahrscheinlich uubewusst, die höchste Siufe darin erreicht haben. Es ist wahrhaft staunenswert, dass bei diesen Halbwilden beinahe alleKörper theile dieselbe Widerstandskraft gegen heftige atmosphärische Einwir¬kungen erlangt haben, wie bei uns das Gesicht, welches wir ebenfalls schutzlos fast allen Atmosphärilien preisgeben. Auch die Sieger sowie andere Bolker, trotzdem sic im tropische» Klima leben, geben uns durch ihre ttrastlrisiuugei, den Beweis, wie nervenstärkend atmosphärisches Baden wirkt, beziehungsweise wie sehr schwächend übertriebenes Bekleiden und das Absperren von Sonnenlicht und Luft bei uns Europäern sich gestaltet. Zweifellos erfordert es für die traurigen europäischen Nerven constitutionen einen gewisse» moralischen Mnth, täglich im Sommer bei jeglichem Wetter sich lichtluft zu bade», allein ebenso gewiss ver-leiht diese Methode nicht wenig moralische Kraft bei längerer Durchführung derselben. 3». Wo Lichtlustbäder im Freien unausführbar sind, räumen wir de» Luftbädern, im Zimmer genommen, vorausgesetzt, dass sic richtig aus¬geführt werden, vor den Kaltwaschuugeii entschieden den Borrang ein. Wenn mau hiebei ab und zu ein kräftiges Trockenreiben der Haut mit bloßen Händen oder Reibhandschuheu verbindet, so wird dadurch die wichtige Blutkörperchenströmung in die Haut befördert uud der man¬gelnde Lichteffeet einigermaßen ersetzt. Für Städter können immerhin sogenannte Kleidungsluftbäder als wertvolles Abhärtnngs-, beziehungsweise Kräftigungsmittel empfohlen werden. Sie bestehen darin, täglich ein- oder mehrmals recht leicht gekleidet anszngehen, um die Haut merklich abznkühlen. Bei voraus¬sichtlich intensiver Abkühlung erwärme man sich auf dem Rückwege kräftig mittelst mitgenommener Oberkleider oder auch durch nochmaligen Ausgang iu schwererer Bekleidung. Bei milder Abkühlung genügt nach der Rückkehr für 1 bis 3 Stunden der Aufenthalt im warmen Zimmer oder unter dichter Bekleidung, sowie das Lagern im warmen Sonnen¬schein. Bergsteiger, welche im atmosphärischen Bad eingcschult sind, wer¬den ihre Kollegen, welche dasselbe nach bisheriger Bekleidnngsschablone ausführen, bedeutend überholen und viel erfrischter auf der Höhe   aulangen. Fühle» sic wegen starker Auskühlung beim Steigen ein Schweiß- bednrfnis, so befriedigen sie dieses beim Bergabsteigen, da in der Regel im Thale unten zn einer längeren Ruhezeit, sowie um die Wäsche zu wechseln und die Haut durch ein Bad zu reinigen, weit mehr Gelegen heit geboten ist. 40. Was ist wertvoller als Gesundheit im harten Kampf »ms Dasein? Darum, ihr Eltern, leget die überlebten, unhaltbaren Borstellungen von der «bösen Luft» nnd der «gefährlichen Sonnenhitze- ab, führet gegentheils euren.mindern die voruehmsten Lebenselcmente methodisch zu; weuu ihr ein kräftigeres, rüstigeres Ge¬schlecht als die jetzige erbarmenswürdige Generation heranziehen wollet, so befolget nachfolgende Regeln mit ihnen: ) Täglich i/,- bis Zstündiges, absolut nacktes Luftbaden, im Winter im warmen Zimmer, in der besseren Jahreszeit und sobald die Kleinen ordentlich beweguugssähig sind, in einem Gartenpark oder Walde. Nengeborne oder sogenannte Wickelkinder lasset einfach öfters auf dem Bett oder einem Tische nackt zappeln, am besten morgens statt der üblichen .ttaltwaschnng, mittags ebenso im Sonnenschein. ) Leichte Bekleidung im allgemeinen, meistens barsuß und bar¬haupt. ) Die Zugend soviel nur möglich, selbst bei rauhem Wetter, im freien gehalten. Kommen hiebei außergewöhnliche Auskühlungen vor, so gebt ihnen ein oder mehrere Schwitzbäder. ) Monatlich zwei bis vier Reinigungsbäder, am besten Bett-dampfbäder Mangels an Sonnenschwitzbädern). ) kräftige einfache, vegetabilische «oft, hauptsächlich aus Milch-, Mehl- und Obstspeisen bestehend. Bürgerliche nnd adelige Familien, welche diese unsere Rathschläge getreu au ihre» jungen Sprossen befolgten, sind voll des Lobes über die erlangten Resultate. Wer aber gleich uns oftmals Gelegenheit hatte, sich zu überzeugen, wie abergläubisch das Bolk, hohen wie niederen Ranges, noch an dem Ablasskram der in der Apotheke käuflichen Mittel hängt, wie es dnrchtrünkt ist vom Medicinalsiechthum, durchseucht vom Jmpfgift und Alkoholismns, vergiftet von schlechter Luft und verfälschter Nahrung, den wird es nicht wundern, dass der großen Menge der richtige Ausblick znr Erkennung des geraden Weges nach dem schönen Lande «Gesundheit» abhanden gekommen ist; der wird cs auch begreife», dass wir, von höherem Standpunkte ans, begeistert für echte Gefuudheitslehre i» die Schranke» treten, zu deren Berbreitung im Bolke mitzuwirken »vir alle Gebildeten, namentlich die zrinderfrennde, dringend aufforderu! Anch jüngeren Eheleuten mit kränklichen, schwächlichen Kindern können zwecks Erzengnng kräftiger Sprossen Lichtlufteuren nicht genug empfohlen werden; überhaupt gewähren solche bei verhältnismäßig kurzer   Dauer eine kraftvorrathskammer für den folgenden Winter, beziehungs¬weise eine Aussaat, deren Ernte man erst später mit großer Befriedi¬gung einheimst. 41. Als allgemeine Regel im Lichtluftbad gilt ferner, dass, wenn man die Füße bedeckt, dies mit dem Kopfe ebenfalls geschehen soll, sowie es überhaupt richtiger ist, hie und da den Kops allein bedeckt zn halten, besonders bei Wind und stärkerem Sonnenschein, die Füße hingegen frei zu lassen, nicht aber umgekehrt. Für Glatzköpfige hat dies besonders Geltung. Unsere Konstitution weist ja schon auf dieses Naturgesetz hin; den Kopf hat sic mit einem Haarpelz, einem sehr schlechten Wärmeleiter, versehen, um die edlen Organe desselben vor dem Nachtheil extremer Temperaturen zn schützen; mit den Füßen dagegen hat sie uns auf die Erde gesetzt, ohne dieselben mit einem besonderen Schutzmittel, wie Hornhaut, Haarwuchs, ausgestattet zu haben, gegentheils mit einem empfindsamen reichen Nervennetz be dacht; Beweis genug, dass wir dieselben in den Thermalien des Erd¬bodens üben sollen. 42. Jede Theorie ist bekanntlich grau, d. H. wertlos, so lange dieselbe nicht durch ausreichende Erfahrung bestätigt wird. Als Nagelproben für unsere Theorie führen wir Folgendes aus der Praxis an: In unserm 42. Lebensjahre begannen wir mit täglichem Licht lustbad früh morgens; Sommerszeit in Veldes unmittelbar nach dem Aufstehen, Winterszeit nach dem Frühstück; dasselbe wurde durchschuitt lich ans wenigstens zwei Stunde« ausgedehnt, kein Wetter, mochte cs noch so schlimm sein, hielt nns davon zurück. Im Winter, damals in Triest wohnend, wurde die Lichtluftbadtour stets au dem 500 Meter hohen Karst- berg hinauf ausgeführt. Nur wer die furchtbaren Winterstürme am adriatischen Meerbusen kennt, weiß es, was das sagen will, täglich lichtluftbadmäßig die karstspitze zu besteigen. Oben angelangt, war es zwecks Erwärmung im Rückwege nöthig, im Freien ohne jeglichen Schutz sich vollständig zu entblößen, um Unterkleider anzuziehen. Nicht gar so selten ereignete es sich, dass die Bäume an der Umkleidungsstelle infolge mit Siegen begleiteten Borasturmes von oben bis unten mit durchsichtigem Eise bedeckt waren. So vollbrachten wir durch 19 Winter mit allem nur erdenkliche» Witterungswechsel über 3000 atmosphärische Bäder, wovon die Mehrzahl bedeutende, einzelne beispiellose Erkältungen mit sich brachten, denen gegenüber gewöhnliche Erkältungen im bürger-   lichen Leben, wie solche vor Lungenentzündungen und vielen anderen Krankheiten Vorkommen, ein wahres Kinderspiel sind Bei diesen Karstbesteigungen gab es Stellen, wo die berüchtigten Borastürme bei tiefen Temperaturen mit solcher Gewalt wüthen, dass cs wegen des heftigen Luftdruckes ausBrust uicht möglich ist, mit der Vorderseite des Körpers vorwärts zu schreiten; man ist gezwungen, sich rücklings mit Hilfe eines Alpenstockes vorwärts zu schieben. Da kann auch keine Siede davon sein wie es die Theoretiker vorschreiben — mit geschlossenem Munde zu athmen, wie dies überhaupt beim Bergsteigen widersinnig ist! Unsere Theoretiker sind noch zuviel von den Irrlehren der alten Schule beherrscht, wenn sie solchen natür¬lichen Uältereizen die Ursache von Lungen- und Halserkraukuugeu, statt dem rückständigen Stoffwechsel, durch Verweichlichung nnd Blutvergiftung herbeigeführt, zuschreiben. Nicht mir erlitten wir von diesen zahlreichen außergewöhnlichen Thermalexperimenten keinen Schaden, sondern befanden uns nie gesunder nnd rüstiger, als in dieser vom 42. bis 60. Lebensjahre dauernden Periode. Obwohl wir von Constitution keineswegs zu den Riesen zählen, indem uns Mutter Natur mit einem sehr schwach entwickelten Gefä߬systeme ansgestattet hat, infolge welcher Constitutionsschwäche ein und derselbe Abkühlnngsgrad weit intensiver auf uns einwirkt, als auf blut¬reiche Individuen, befinde» wir uns doch, Gott sei Dank, im 72steu ^ahre in einem Gesuudheitszustaude, der von wenigen unseres Standes nnd Alters erreicht wird! Ebenso ist es Wahrheit, dass bei den vielen   Tausenden atmosphärischer Bäder, richtig gesagt: methodischer Erkäl¬tungen, welche von unsere» Eurgästen in Beides seit 25 Zähren aus- geführt worden sind, nicht eine einzige gefährliche Nachwirkung, wie Lungenentzündung, Schlaganfall re., sich eingestellt hat; allerdings wurde bei diesen letzteren als - N ichtges n n den- darauf gesehen, wenige Stunden nach dein Erkältuugsbad das Wärinegleichgewicht durch eiu Sonueu- oder ein Dampfbad regelmäßig wieder hcrzustellen. Diese Tansende thatsächlicher Beweisprobeu an Gesunden und Mauken erhärten unseres Erachtens genügend die ein^ gangs gestellte theoretische Begründung. Jegliche vernünftige Opposition dagegen muss verstnnimeu! Seit unserem til. Lebensjahre üben wir die morgendlichen Licht- l uftbäder uur noch von Mitte Mai bis Ende September. Dies erhält nns immer noch den großen Vortheil, dass wir jetzt merklich leichtere Kleidung tragen, als vor 30 uud mehr Jahren, obwolil wir damals die Haut durch Kaltwaschungen und Halbbäder stärkte». 43. Bei der Ausführung der Lichtluftbäder außerhalb einer Euranstalt, nämlich bei Hause, verhält sich die Sache etwas anders. Die Erfahrung hat uns nämlich belehrt, dass nicht selten nnsere in ihre Heimat zurück- gekehrten Curauteu nur die abkühleuden atmosphärische» Bäder betreiben, zu einem Schweißmarsch oder Schweißbad sich jedoch nicht die Zeit nehmen uud durch diese einseitige Praxis mehr Schaden statt Bortheil daraus ziehe». Ist die Abkühlung in der heimatlichen Praxis stark ausgefallen, sorge man, außer der Rückkehr im Schweiß, selbst für Nachdünsten durch ein paar Stunden. Die>e Regel ist nm so strenger einzuhalteu, je älter man ist, weil mit dem zunehmenden Alter nach überstandenem Lebenszenith die Elastieität der organischen Faser abnimmt. Bravonr- stückcheu in der Auskühlung sollen oder dürfen sich bloß gesunde und uur im atmosphärischen Baden geschulte Leute erlaube». 44. Trete» trotz dieser Borsicht nachträglich unbehagliche oder krank¬hafte Rückwirkttngserscheiilunge» auf, so sei inan außer jeglichem Zweifel versichert, dass Körper- oder Blutschlacken in Bewegung gesetzt worden sind, nnd je früher diese anstreten, desto besser, indem nur die Beraltung und Ansammlung derselben schwere Krankheiten begründet. Bei Erschei¬nungen nicht heftiger Art setze man unbedingt die Lichtlnftbäder ganz gleichmäßig fort, wobei man ohneweiters als Sieger und gekräftigt aus der Krise hervorgehen wird. Ist die Rückwirkung von Bedeutung, so r»se ma», vorausgesetzt, dass man sich nicht selbst zu helfen weiß, eine» Arzt, welcher die Erscheinungen natürlich anssasst und, die Natur unterstützend, nur auf Losung der Schlacken, beziehnngsweise auf   Ableitung und Zerteilung der angehäuften Blut- und Nervenflüssigkeit bedacht ist, nicht aber durch Abschwächungs »der Lähmungsmaßregeln mit Todtschlag über die dierven herfährt. 45. Besondere Maßregeln, namentlich für unsere Lichtlufteuranten in Beides. Um die Lichtluftbüder curmäßig, d. i. regelmäßig bei jedem Wetter, dnrchzuführen, muss man mit dem niithigen Zngehör versehen fein; gehört gleichwohl bloß für die Sommermonate bedentend weniger hiezn, wie für das gauze Jahr, so gibt s immerhin auch zu dieser Jahreszeit so gewaltige Wetterveräiidernngen, dass, um eine Auswahl tressen zu können, Folgendes, wenigstens sür die entfernteren Lichtluftbadstationen, nothig ist: l.) lkin dünneres nnd ein dichteres Unierleibl; 2/> eine dünnere und eine dichtere Unterhose: !j.) eine weite leichte Hose, noch besser offene weile, sogenannte iUnehose; 4.> eine dünnere nnd eine dichrere Jacke (Röcke sind höchst »»praktisch); i,.) ein kurzes Lnftbadhemd mil offener, weil ansgeschniliener Brust und kurzen Aerineln; V.) ein langes Lnftbadhemd, wozn jedes alte, noch gute Hemd länglich ist; 7.) ein Paar recht niedrige Schuhe mir breiten, flachen Absagen, sogenannre Feldpanloffeln oder Sandalen; eine Feldkappe mit Tuchschirm: i>.) ein Schuhwickler, d. i. ein Stück Baiimwollzeng, nm die Schuhe ein- gewickelt am l»uri zu tragen, soivie nm zur Reinigung der Füße zu diene»; 111.) zwei Paar Baitmwollsockc» und ein Paar wollene Strümpfe; ) ein Regenschirm; ) ein Lnftbadgnrt, falls man es nicht vorzieht, sein Ittepäck durch einen Jniigcu trage» zn lassen; 1-t.) ei» Alpenstock znr kräftige» Uebnng der Arm »ud Brustmuskeln: ) ein oder zwei Stück Lei- oder ttauischuktuch, »m bei vora»ssichtlichem liegen die gerollt »liiznnchmenden »leider hinein zu wickeln ; ) nnlerhaltende Leeküre in kleinem Formal. Für die rauhen Herbst- nnd Frühjahrstage bedarf es fürBlntarme jeden-falls noch einer dritten Serie von Unterkleidern, nämlich wollener, sowie einer schweren Lberjacke und schwererer Lberhose. Alle Hilfsstücke sind in Beides theils vorräthig, theils schnell beschafft, wie die Feldpantöffeln, Lichtbadhose. 4tt. Da man in dem gegebenen Zeiträume vou zwei bis sechs Stunden nicht stets auf den Beinen sein kann, so ist es angezeigt, für die längereu Ruhepausen eine erheiternde (keine Studien-) Leetüre bei sich zu haben, falls sic nicht durch Gescllschaftsgespräche ausgefüllt werden. Die entfernteren Lichtlufteureu ist nicht rathsam iu größerer Gesellschaft zu machen; dies darf nur ausnahmsweise geschehen, weil die Bedürfnisse in Beziehung auf Bewegung, Ruhe, Abkühlung, (Lrwär- mniig, Frühstückszeit sehr verschieden sind. Ausgedehnte Lichtluftbad touren ins Gebirge sollten höchstens in Gesellschaft von ein oder zwei gut harmvniercndeu College» vereinbart werden.   47. Zur Vervollständigung in der Lichtluftaneignung gehört ferner, unseren Wohnräuinen, besonders den Schlafzininiern, in welchen wir circa »/, des Lebens verbringen, Licht und Lust methodisch zu¬gänglich zu machen, ebenso unsere Bekleidnng nnd nanientlich das Bettzeug systematisch auszulüfteu und einzusonnen. Die Besonnung unserer Leibes- hüllen ist das beste, herrlichste Mittel, um sie von der iu dieselben ein¬gedrungenen Lcibesausdnnstuug, welche den bekannten ekelhaften Geruch verursacht und die Ursache vieler epidemisch wie einzeln auf¬tretender Krankheiten bildet, zu reinigen. Der köstliche Ozongeruch, welchen alle besonnten Bett- nndKleidungsstücke aufnehmen, ist durch kein »uustmittcl ersetzbar. Werden die betreffenden Gegenstände vor dem Besonnen noch befeuchtet, so ist der Zerfetzuugsprocess der ein- gesogenen Ausdünstungen, bei gänzlicher Austrocknung an der Sonne, ein uoch vollständigerer, daher sonnengetrocknete Wüsche vor jeder ändern Trockeninethode den Vorzug verdient' Das Bettzeug sollte regelmäßig täglich zwei bis vier Stunden licht- gclüftet werden, ebenso, wenn uur möglich, die je einen Tag getragenen .«leider, und zwar die Innenseite nach außen gewendet. In den Städten ist bei deren jetziger dichter Banart beides leider beinahe unmöglich, wenigstens so lange die Polizeivorschriften Wäsche und dergleichen aus den Austern zu hängen verbieten; ein deutlicher Beweis, wie sehr das dichte Aueinanderwohnen der Menschen gesnndheitsstörend wirkt. Wo das Lichtlüften absolut unmöglich ist, vertheile man sofort nach dem Aufstehen die Bettstücke im Zimmer herum und lasse sic so bei offenen Fenstern wenn möglich bis abends, ebenso die tagszuvor getragenen Kleider. 48. Für die Schlafzimmer genügt es durchaus nicht, dass deren Fenster den ganzen Tag offen sind, sondern man gewöhne sich, mit Ausnahme der wenigen kältesten oder stürmischen Nächte, regelmäßig bei offenen Fenstern zu schlafen, indem es wahrlich für den Zustand unseres Blutes uicht gleichgiltig ist, ob wir täglich acht Stunden reine, sauerstoffgesättigte, oder aber von unseren Ausdüustuugeu verpestete Luft einathmen. Hier ist das Sprichwort «Tie schlechteste Luft draußen ist besser als die beste drinnen» von voller Giltigkeit; wenigstens iu Großstädten nnd dichten Ortschaften ist die Nachtluft vermöge des Still standes der vielen Nauchsänge und der gewerblichen Ausdünstungen ent¬schieden reiner als die Tagesluft. Das Schlafen bei offenen Fenstern bedarf allerdings etwelcher Borsichtsmaßregeln. Erstens soll die einströmende Luft uicht direct an dcn Kopf anschlagen; wo dies nicht zu vermeiden ist, muss derselbe durch eine spanische Wand oder einen Vorhang geschützt werden; zweitens ist manchen Personen eine mehr oder weniger dichte Nachthaube auzuratheu, indem ohne solche die Abkühlung der Kopfhaut so stark sei» kau«, dass   die Ausdünstung unterdrückt wird und Sinnesstörnngen, chronische Schnupfen, Halsleiden re. entstehen. Für Schwächliche, Reizbare in den Halsorganen und alle katarrhalisch Erkrankten ist es angezeigt, über Nacht auf eine gemäßigte Wärme der Schlafzimmer zu halten. Um bei herrschenden Nebeln das stärkere Eindringen der Feuch ¬tigkeit hintanzuhalten, lasse mau mit feiuer Fliegengaze überzogene Fensterrahmen einsetzen, an welchen der Nebel größtentheils hängen bleibt. Die gute Sitte des Schlafens bei offenen Fenstern, wozu man allerdings eine Decke mehr benöthigt, weckt allmählich ein sehr scharfes Gernchsorgan, wodurch man die Unreine Lust in den Wohnränmen viel schärfer wahruimmt und zum fleißigeren Lüften derselben unwill¬kürlich gedrängt wird. 49. Nichts ist sobald der Verderbnis unterworfen, als stillstehende, eingesperrte Lnft. Die Wohn- und Arbeitszimmer sollte mau täglich morgens und mittags gründlich lüsten, was am besten mit Dnrchzng geschieht, wozu einander gegenüberliegende Fenster oder Thüren, welche ins Freie münden, geöffnet werden müssen. Mit Durchzug gelüftet, wird ein gründlicherer Luftwechsel erzielt, als ohne Durchzug in der drei¬fachen Zeit, so dass im ersteren Falle durchschnittlich 10 bis 15 Minute» genügen. Mit Ausnahme der extremen Hitzestuudeu halte man die Sonne weder durch Vorhänge noch Jalousien vom Eindringen in die Wohnräume ab. Ein italienisches Sprichwort sagt: -Wo die Sonne einkehrt, kehrt der Arzt umsoweniger ein.» Ihre Licht¬strahlen sind die vorzüglichsten, Bewegung ertheilenden Triebfedern und Verbesserer selbst der eiugcsperrteu Luft, daher sonnscitige Wohnungen stets einen großen Vorzug vor den nach Norden gelegene« verdienen. 50. Dieses Thema gibt uns auch Anlass, nochmals anf die Jäger'sche Wollkleidnng zurückzukommen. Wird letztere so dicht getragen, dass man bei gewöhnliche» Ausgängen eine ziemliche Abkühlung der Haut nicht wahrnehmen kau», so hat sie dieselben Nachtheile wie jede andere zu dichte Kleidung im Gefolge, nämlich die, dass der erforderliche Abzug unserer eigenen Ausdünstung verhindert wird, reine Luft iu demselben Verhältnis ungenügend zntreten kann. Die sogenannten glänzenden Erfolge, welche sich durch das ver¬stärkte Düusteu der Haut bei Jäger'fchem Bekleidungsiystem anfäng¬lich einstellen, schlagen über kurz oder laug, d. H. je mehr dieser ein¬seitige Reizzustand audauert, also vom Neureiz sich entfernt, ins Gegentheil um, weil die Haut zunehmend schlaffer, schwächer, fröstelnder wird und noch dichtere Bedeckung erheischt, falls nicht gegensätzlich dnrch kalte Waschungen, besser durch Lichtluftbäder, uachgeholfeu wird. Wie wir vernommen haben, soll Professor Jäger das tägliche.Mltwaschen   für seine Person befolgen, dagegen er in seinen Schriften vor dem-selben warnt. Die Luft ist der Träger der Wärme, welche wir um die Haut empfinden, folglich lässt jede Kleidung just iu dem Berhältnis Lnft an die Haut treten, als sie deren Abkühlung fühlbar macht. Ter Streit bloß um die stoffliche Eigenschaft der Kleidung kommt nns sehr einseitig vor. Jeder der jetzt üblichen Kleidungsstoffe hat seine Berechtigung, am geeigneten Orte und zn rechter Zeit. Der Haupt¬grundsatz einer richtigen Bekleidung, vom hygienischen Standpunkte be- urtheilt, muss doch immer der sein, dass man unter derselben weder anhaltend fröstelt noch unausgesetzt Wärme empfindet. Die Mvg lichkeit einer zeitweiligen (diätetischen) Abkühlung und wieder der vollen Erwärmung der Ha nt ist unbedingtes Erfordernis einer zweckmäßigen Bekleidung. Wie überall, gilt anch hier das Staturgesetz: Anfrechthaltuug des Gleichgewichtes in den Gegensätzen zwecks Erhaltung der vollen Elastieität «unseres Nervensystems) — hier gleichbedeutend mit Kraft — der Haut. Die beste Kleidung, hoch erhaben über jedes System, heiße es Jägers Wollsystem, Lahmaus Banmwoll-Reformsystem, Kneipps Leinenhemden, Disque's Reform.Unterkleider, wir dürfen wohl sagen: bietet die Rikli'schc Haut, ansgebildet gehärtet dnrch die Atmosphärik, zu welcher einstweilen das alleinige Depot in Beides in Oberkrain zu finden ist, iu einem Jahrhundert Gemeingut der Menschheit sein wird. Eine normale Praxis der thermo elektrischen Hautpflege im gewöhn¬lichen Leben sehen wir nnr darin, wenn man die Gelegenheit zur Haut- abkühluug während der Bewegung wahrnimmt, dagegen dieselbe im Ruhestadiuiil, nämlich beim Sitzen und im Bette liegend, znm Dünsten verhält. Dieser Grundsatz, als richtig angenommen (wenigstens bewährt er sich an unserer Person 2!» Jahre), liefert den hygienischen Fingerzeig, sich beim Ausgehen eher zu leicht als zu schwer anzuziehen, was dem KleidnngSlnstbad in 8 -W entspricht. 51. Zur harmonischen Vervollständigung des curmäßigeu Lichtluft- eultus bedarf es jedenfalls anch eines WohnungSslistemes, welches die beständige Benützung der zwei vornehmsten Lebenselemente gestattet. In der iu Beides angelegten Lufthüttcucolonie glauben wir allen wesent¬lichen Anforderungen entsprochen zu haben. Daselbst befindet man sich Tag nnd Nacht in reinster Luft nnd kann jeden Lichtstrahl als rela¬tives Sonnenbad ausnützen. Je mehr man sich überhaupt während der Sommerszeit den Sonnenstrahlen aussetzt, nämlich nnbedekt oder leicht bekleidet einhergeht, desto widerstandsfähiger wird man im folgenden Winter gegen die Külte, dies aus dem einfachen Grunde, weil durch das Sonnenlicht der peripherische (in und uuter der Haut liegende» Blutkreislauf entwickelter geworden ist nnd daher mehr Wärme erzeugt. Diese Erfahrung belehrt deuu auch genugsam, wie verkehrt und gesund -   heitswidrig die leidige Sitte des Sonnenschirmtragens ist. Statt sich leichter zu kleiden und die heißen Sonnenstrahlen dankbar am ganzen Körper aufzufangen, unterzieht sich der sogenannte civilisierte Mensch in seiner Kurzsichtigkeit den widersinnigsten Bekleidnngsregeln. Man genieße Sommerszeit die Hauptmahlzeit abends mit weniger Fleisch und geistigen Getränken und mittags nur ein kaltes, frugales Früh' stück, dann werden die Sonnenstrahlen auch auf deu bekleideten Körper willkommen seiu! So war auch bei der Damenwelt das Abgehen vom Entblößttragen der Arme ein entschiedener Rückschritt in der (Äesund- heitslehre. Zeder normale thermo-elektrische Reiz auf die Extremitäten l Beine und Arme) wirkt dnrch Strahlung stärkend auf das Rückenmark und trägt dazu bei, die Beweglichkeit und Elastieität unserer Maschinerie zu steigern uud zu erhalten. Die Ansdünstnngs-Zäetreibung, d.i. das erhitzende LicHtknftbad oder das Sonnenbad. 52. Wir unterscheiden zwei Arten «Sonnenbäder', nämlich das Natursonnenbad, welches einfach darin besteht, den Körper ent-blößt im Lichtbadpark der freien Einwirkung der Sonne, meistens in aufrechtstehender Stellung, auszusetzen; das andere, Eursouuenbad benannt, unterscheidet sich durch Eoneentrierung der Sonnenstrahlen mittelst einer allseitigen Einfriedung eines Plattformraumes (aus-genommen von oben) durch eompaete Holzwände, welch letztere gleich¬zeitig die abkühlende Luftströmung möglichst abhalten, ferner indem man sich hier liegend besonnen lässt. Das Natursonnenbad ist manchmal dem Eursouuenbad, be-sonders für Nervöse, vorzuziehen, wie dies in U 33 und 35 erwähnt wurde, und bildet dann bei regelmäßiger Verbindung mit dem Ab- kühlnngs-Lichtbade die sogenannte absolute Lichtlustbadeur. 53. Am günstigsten fällt die Sonnenbadanlage ans, wenn man deren Fußboden von Osten nach Westen schief legt, und zwar mit einer Neigung von 8 bis iiDie aufrecht stehende» Wände sollten wenig-stens eine Höhe von 2^ in haben. Nennen wir die Ausdehnnng von Lsten nach Westen die Länge (weil die Körper länge in dieser Richtung liegt) nnd jene von Norden nach Süden die Breite der Sonnenbadgallerie, so hat die Länge für nnr eine Reihe Sonnen-badender wenigstens 3*/, m, für eine Gallerte mit zwei Milien 5^ in zu messen. Soll dieselbe nur sür eine einzige Person zum Baden dienen, so muss sie wegen dem Schatten der Wände wenigstens 3 in breit   sein; jede weitere Person, die zu gleicher Zeit sich sonnen will, be- uöthigt eine Breitenzulage von 0 8 bis 1 m. Eine Anstalts-Sonucubadlaube sollte über der östlichen Wand «von Norden nach Süden streichend! circa 2^ i» hoch über dem Fuß boden mit 1 in breitem Schattendach versehen sein, um daselbst eine» kühleren .«opfraum zu schaffen für jene Curanten, welche an Blut-andrang nach dem Kopfe leiden. Der zweiten Reihe gibt mau zwecks .«opfschatteus eine Bank vou circa 70 em Höhc mit einer Dachbreite von circa 60 um. Eine Sonueubadaulage zu ebener Erde nnd an der Südseite einer hölieren Mauer angebracht, ist merklich wärmer, als wenn sic im ersten Stock oder gar aufs Dach verlegt wird. Für Schwerkrauke beuöthigt cs, Strohsäcke und Wolldecken auf dem Bodcu auszulcgcn, für Leichtkranke nur dreifach znsammengelegte Wolldecken, längs oder parallel der Wand von Osten nach Westen aus^ gebreitet, ein Stroh Nopfpolster wird zugefügt. Auf der Dameugallerie sind zwischen je zwei Damen bewegliche Scheidewände ausgestellt, welche, grün angestrichen, 1 '70 n, lang und 66 r-iu hoch sind. Auf diese Weise liegt der Körper mit seiner Breite der Sonne nach Süden zu¬gewendet; hiebei ist cs am bcstcn, die Seitenlage anzunehmen und dieselbe nach je 7 bis 10 Minuten zu wechseln. Da die Lichtstrahlung sowohl von den Wänden, welche grün angestrichen sein sollen, als auch vom Horizont mehr oder weniger die Augen angreift, so ist ein Augeuschirm oder ein Hut luftig quer über die Auge» zu legen. 54. Im Hochsommer können die Sonnenbäder von 10 Uhr morgens bis 5 Uhr nachmittags benützt werden, in welch langem Zeitraum große Wärmeunterschiede sich ciustelleu; nachdem die individuelle Empfindung der Sonucnwärmc ebenfalls eine sehr verschiedene ist, soll die Tages¬zeit und die Dauer des Sonnenbades der Individualität angemessen bestimmt werden. Die durchschnittliche Dancr des direkte« Sonnenbades im Hoch-sommer beträgt in Beides bei reinem Horizont 45 Miuuteu uud 15 Minuten die unmittelbar darauf folgende Trockenwicklnng in der Sonne behufs Schwitzeus. Um die Schweißbilduug zu erleichtern, wird die Wolldecke nur einfach »in den Leib geschlagen uud an den Seiten gut gestopft, damit die Lichtstrahlen noch hindurch wirken können. Ende Mai zeigt das Thermometer in der Bodenecke an der gegen Süden gestellten Wand nm 2 Uhr mittags im Maximum :iO bis 36« li nnd steigt bis Ende August oder Anfangs September bis auf 50" li; um 3 Uhr nachmittags in der Ecke, welche dnrch zwei Wände und den Boden gebildet wird, sogar bis auf 55, ausnahmsweise bis 60- li. Einmal in der Wolldecke gewickelt, bleibt man ruhig liegen, nm die Lnftschichte zwischen der Decke und dem Leibe nicht zu bewegen, wodurch die Schweißbilduug gefördert wird.   55. Der Feuchtigkeitsgehalt der Luft übt wesentlichen Einfluss ans die Intensität der Sonnenbäder; die im August und September vvr- kommenden höheren Hitzegrade sind der trockeneren Luft wegen merklich leichter auszuhalten, als jene im Juni und Juli. Neulinge, uämlich der Souue sehr entwöhnte Individuen, müssen anfänglich viel kürzeren Gebrauch von den Sonnenbädern machen, als oben angegeben worden, z. B. nnr 15 bis 20 Minuten direetes und 5 bis 10 Minute» iudirectes Lichtwärmebad; uebstdem ist es für solche im Hochsommer angezeigt, dass sie diese Bäder zu viel früherer Tages¬zeit, nämlich schon gegen 10 Uhr morgens antreten. Bei Kranken, welche für directes Sonnenlicht empfindlich sind, treten hie und da vorübergehend heftige Nachwirkungen verschiedener Art ein, als Schwindel, Ohnmacht, stärkere Schmerzen, Aufgeregtheit, Schlaflosigkeit re., daher wir jedeu neuen Eurgast, der uns reizbar erscheint, auszuforscheu Pflegen, wie cs sich in dieser Beziehung mit ihm verhält. Wird ein Sonnenbad durch vvrüberziehende Wolken beeinträchtigt, so lassen wir dasselbe um 10, 15 bis 30 Minuten verlängern, von welcher Berlängerungszeit zwei Drittel dem direeten, ein Drittel dem indirekten Wärmestrahlungsbad zugetheilt wird. Z. B. bei 30 Minuten Verlängerung (über dem Mittel- termin einer Stunde Gesammtbades» wird «>5 Minute« unbedeckt und 25 Minuten bedeckt an der Sonne gelagert. Unter 29° li wirkt das Sonnenbad kaum uoch als Erwärmüngs-, sondern nnr als Lichtbad. 56. In demselben Verhältnisse als das Eur-Sonneubad, künstlich eon- eentriert, intensiver erhitzt, bedarf es darnach auch einer intensiveren Abkühlung, nämlich mittelst Wassers statt durch Luft (sieh 8 8). Hiebei darf indes nach vieljähriger Erfahrung weit weniger eine tiefe Tem¬peratur des Wassers, uoch eine große Wassermenge, als vielmehr eine längere Zeitdauer milder Abkühlungsform zur Auweuduug gelangen. Die große Mehrheit der in der Sonne Gelagerten zeigt sich empfindlicher gegen kühle Wassertemperaturen, als ohne die Vor- crwärmnng; dagegen sind sie befähigt, länger in der Abkühlungs- proeedur auszuhalten, ganz ähnlich wie im Fieberzustande. Genauer besehen, ist das Sonnenbad ein halb natürliches, halb künstliches Fieber von kurzer Dauer, analog dem Zustande des Landmannes, welcher bei der Arbeit im heißen Sonnenschein sich tüchtig erhitzt uud schwitzt. Gegen Ende des Sonnenbades schlagen die Pulse voller und beschleunigter, das Blutthermometer steigt auf 30 bis 41» 0; würde in der Wicklung   nicht Schweiß eintreten, welcher eine bedeutende Wärmeabgabe in sich schließt, so stiege das Thermometer noch höher und der Zustand müsste unerträglich werden. 57. Zur Herstellung des Temperatur-Gleichgewichtes durch Polarität (gegensätzliche Temperatur) entspricht anch hier, wie im Fieber, der Mehr¬zahl der Badenden die milde Form des Halbbades am besten, weil hiebei gleichzeitig Luft und Wasser die Abkühlung bewirken, und zwar beim Eintritt durchschnittlich in den Temperaturen zwischen 22 und 18° li. ausnahmsweise bis 20° li hinaus und gradatim bis 14° hinab. Bon 100 Gästen gelangen höchstens zwei in das kalte Schwiminbassin von 12^» li Wärme. Etwa zwei Minuten nach dem Eintritt ins Halbbad wird auf Verlangen des Badenden die Kaltwasserleitung geöffnet, um so viel frisches Wasser zulauseu zu lassen, als seinem Gefühle entspricht. In dieser Weise lassen die meisten .Nrankeu das Halbbad durchschnittlich um 2° herabsetzen; die Dauer des Halbbades schwankt zwischen drei und acht Minuten, durchschnittlich beträgt sie fünf Minuten. Eiu kräftiges Sonnenbad mit nachfolgendem milden Halbbad oder Vollbad (individuell augepasst) erhebt uns in eine ähnlich gehobene Stimmung, welche dem beglückenden Gefühl eines schönen Lichtluftbades (sieh 8 15) nahe kommt. Welch entzückendes Leben rieselt dann durch Nerven nnd Adern!!! Dieses Toppelbad, täglich ein- bis zweimal vorgenommen, bildet eine wahre StärkungSeur, selbst für sehr alte Leute. Das Cur-Souueubad ist auch im Winter, im gut geheizten Zimmer (auf 20 bis 24° li) um die Mittagszeit hinter Hellen Fenstern ausgeführt, von großem Stutzen und allgemeiu die vorzüglichste, durch keiu Dmstinittel ersetzbare Vorbereitung für eine nachfolgende Abkühlung mit kühlem und kaltem Wasser. Wenn es nicht übertrieben wird, ist dessen Rückwirkung heilbringender als die jedes anderen Erhitznngsbades, wofür wir interessante Beispiele anführen könnten. 58. Bei aufmerksamer Untersuchung wird man im direkten Sonnenbad stets beobachten, dass der der Sonne zugewendete Körpertheil infolge des stärkeren Zndranges des Blutes gerötheter und angeschwellter ist, dagegen der dein Sonnenlicht abgeweudete Theil meistens mehr schwitzt und blasser wird. Der erstere Zeitabschnitt, nämlich das Nacktliegen im Sonnenlicht, ist sonach stets wichtiger und sollte deshalb von ent¬sprechend längerer Dauer als das mittelbare Sonnenbad sein. Ist aber das Schwitzen eines bestimmten Rörpertheiles oder des ganzen Körpers erforderlich, so muss der betreffende Theil eine Zeitlang stets mittelbar, nämlich unter einfacher Bedeckung, der Sonne ansgesetzt werden.   59. Besonders empfindliche Theile, wie äußerliche Entzündungsstellen, oder mit arterieller Blutzuströmung überfüllte Körpertheile, wie die Brust bei Lungentuberkulosen, an acutem und chronischem Lungen- und Bronchialkatarrh, an Nierenreizung, an Pollutionen Leidende re. re., kurz bei allen, wo ein stärkerer localer Reizzustand vermuthet wird, welchen man ableiten oder zertheilen will, sollen die betreffenden Stellen mit doppelten trockenen Leinenumschlägen bedeckt werden. Dasselbe gilt in beschränkter Zeit, wenn geschwächte Körpertheile in der Nachwirkung noch schwächer sich zeigen. Die)e trockenen Umschläge bewirken, dass auf der betreffenden Körperoberfläche die Schwcißbildnng früher nnd aus¬giebiger cintritt, oder falls dieselbe unterdrückt ist, besser dazu bereitet wird. Der beförderte Localschweiß, sowie die gleichzeitige reichliche Ab¬leitung der Blutkörperchen nach den der Sonne direct ans- gesetzteu Körpcrtheilen, führt am rascheste» zur Schmerzliuderung und znr Heilung des localen Reiz- und Eongestivzustandes. .Kühlende nasse Umschläge würden den localen Schweiß unterdrücken und in den meisten Fällen nachtheilig, nämlich zusammenziehend, stauend eiuwirkeu; sie siud deshalb nur ausnahmsweise angezeigt, wie z. B. bei heftigen Kopf- congestionen, oder wenn der örtliche Reizzustand unter den trockenen Umschlägen peinlich gesteigert wird, oder wenn ein Körpertheil, wie schon angedentet, durchs Schwitze» noch schwächer wird. Allein auch daun halte mau sich au mild kühlende Wassertemperatureu vou 18 bis 12° li und beschränke die Anwendung der Umschläge auf die absolut uothweudige Zeit, um der Lockerung nnd Lösung der örtlichen Ab¬lagerung nicht cutgegeuzuwirken. Bei krankhaften Pollutionen muss diese Localbehaudluug auch auf die untere oder ganze Wirbelsäule sowie über die Borsteherdrüse und Schamtheile angewendet werden. 60. Sowohl die örtliche als auch die allgemein geförderte Schweiß- productiou, oder falls dieselbe ausnahmsweise völlig unterdrückt ist, deren Zustandekommen, bildet bei allen chronisch Kranken ein mehr oder weniger wichtiges Moment zn deren Genesung; unzweifelhaft, weil die Schweißabsonderung (vernünftig gepflegt) das intensivste Stosf- wechsel-Mittel in sich schließt. Die eben erwähnte Hanptregel führt dann auch zu ausnahms- weisen Maßnahmen. Hat mau sich die Ueberzengnng verschafft, dass eine örtliche Ablagerung des Krankheitsstoffes, wie z. B. Rhenmatismus, Syphilis, Stockschnupfen, Lupus (Grind) re., am Kopf oder auch an anderen Kvrpertheilen sich so festgesetzt hat, dass dieselbe durch Ab¬leitung allein nicht mehr zu eutfernen ist, dann wird selbst der Kopf oder andere im Leidenszustaudc befindliche Körpertheile de« Sonnen¬strahlen ausgesetzt. Allerdings soll dies mit einer gewissen Vorsicht geschehen; man beginnt damit gegen Schluss des indirekte» Sonnen-   bades (Trockeuwicklung! mit fünf Minuten directer und fünf Minuten indircctcr (mit einfacher leinener Kopfhaube bedeckt) Besonnung und beobachtet die Nachwirkung. Fällt letztere befriedigend aus, fo wird die örtliche Erregung durch Sonnenlicht jeweilig mn zwei bis drei Minuten verlängert. Bei veralteten Leiden, wie Kopfgrind (alten Wuudeu re.), sind sogar feuchte dünnere Umschläge iu der Sonne durch 20 bis 40 Minuten zn geben, wodurch die Krustenablösung nnd auch das Erblassen darunter vorkommender rother Flecke re. viel rascher erfolgt. Tritt eine heftige oder sonst ungünstige Nachwirkung ein, wird die örtliche Erregung vorübergehend ausgesetzt oder abgekürzt. til. Mitunter erscheine» merkwürdige Haut-Lähmungszustände auf der Bildflüche; nämlich Individuen, welche Wochen hindurch, ja während der ganzen ersten Eurzeit von 2 bis 2*/, Monaten, es nicht zum Schwitzen bringen. Leicht begreiflich sind diese» die Sonnenbäder, so lange dieser Znstand dauert, herzlich zuwider; indessen kann man zuverlässig darauf rechnen, dass bis zu der nächstes Jahr folgenden Eurzeit bezüglich dieses Punktes eine durchgreifende Nachwir¬kung eintritt. Die Schweißbilduug wird alsdann leicht vonftatten gehen und die Sonnenbäder uuu ebenso beliebt sein, als sie früher zuwider waren. Ausnahmsweise fehlt es auch au gegensätzlichen Individuen nicht, nämlich die aus Schwäche der Haut zu leicht und zn viel schwitzen; hier hat die Trockeuwickluug zu entfallen und auch die Sonnenbäder müssen knapper bemessen und zu früherer Tageszeit angeordnet, aber keineswegs nusgesetzt werden. 62. Wie überall llebertreibung schadet, so verhält sich dies ebenso niit dem Lichtlufteultus. Uebertriebene Sonnenbäder erzeugen entweder große Aufregung oder starke Abspannung; zu vieles Schwitzen dabei schwächt, macht fröstlich und vermindert die Widerstandskraft im nach folgenden Halbbad. Uebertriebene Lichtluftbäder, nämlich solche mit hochgradiger Wärme-Entziehung bei kalter Atmosphäre, bewirken schwere Glieder, Mattigkeit, stoßen reflexiv heftig auf den leidenden Theil, kurz: sic uehiueu die Nervenkraft des Betreffenden über Äebür in Anspruch, und statt Kräftigung erfährt mau Schwächung. Unsere» ?. '1'. Beldeser Eurgästen empfehlen wir daher, wohl zu beachte», dass, wen» i» der heißen Sommerszeit, meistens im Juni nnd Juli, die Sounenbäder von Tag zu Tag heißer uud schwüler werden, je nach der Nachwirkung des letztvvrausgegaugcnen Bades das nächstfolgende entsprechend abzukürzen ist.   68. Aus demselben Grunde, als im Neizzustande befindliche Körpertheile im Sonnenschein meistens geschont werden müssen, sind dieselben auch in der Abkühlung mit besonderer Rücksicht, nämlich nicht schablonen¬haft, d. i. gleich den relativ gesunden ölörpertheilen zu behandeln! Bei Neuralgien bezieht sich dies weit mehr auf deu Ausgang des betreffenden Hauptnerven aus der Rückenmarksgegend; z. B. bei Ischias nnd Pollutionen muss die zugehörige tiefere Kreuz- und Hüftgegend wärmer behandelt werden. Zu diesem Zwecke stellt man im Halbbad dem Badeudeu eine« Eimer mit Separatwasser nebst Schwamm zwischen die Oberschenkel; diesem Separatwasser gibt man eine 8 bis 12« höhere Temperatnr als dem Halbbadwasser. Leidet z.B. jemand an chronischem Blutandrang zum Gehirn oder an Migräne, Kopfkatarrh, Brustkatarrh, so cutspricht demselben ein Wasser von 26 bis 28° li zur Beruhigung der gereizten Gefäßnerven daselbst weit besser, als ein solches vou 18 bis 22", wie es ihm zur Abkühlung des übrigen Leibes angewiesen wird. Bei solchem Borgeheu beobachteten wir, dass diejenigen Patienten, welche mit unnatürlicher Röthe des Gesichtes in die iLur traten, merklich früher blass wnrden, als wenn man denselben den Kopf mit gleich- grädigem oder gar kälterem Wasser als den übrigen Körper Mühle« ließ. Ausuahmen hievon kommen höchst selten vor. Eiu heftig aus¬gesprochenes Verlangen nach kälterem Wasser sowie der Charakter der Nachwirkung sind dann maßgebend. Allerdings wäre den meisten ein kälteres Wasser in der Erstwirkung angenehmer, dafür aber in der Nachwirkung schlimmer, denn wir kennen ja doch das Naturgesetz, dass, wo wir kaltes Wasser iu aeuter Form anwenden, eine erhöhte Blntznströmung mit vermehrter Wärme uachfolgen muss. Gauz ähnlich verhält es sich bei chronischen Schmerzen (mit Ausnahme von heftigen innerlichen Entzünduugszustäudei» in anderen Körpertheilen, als z. B. im Nacken, zwischen den Schultern, in den Armen, in der Kreuz- gegeud re. Der Badende bespült während des Halbbades die schmer¬zenden Stellen öfters mit dem Separatwasser; tritt in der Folge Besserung ein, so wird ihm gestattet, auch für die Leidensstelle das Halbbadwasser nach und nach mehr anzuweudeu. Bei chronischen Bein- schinerzen werden die leidenden Stellen der Beine erst nach dem Halbbad mit dem wärmeren Wasser nachhaltig abgewaschen; sind sie aber heftiger Art, so wird der betreffende Kranke gar nicht in das Halbbad zugelasseu, sondern muss dauu für den Oberkörper eine kältere Abreibung, für den Unterkörper, bezw. für das kranke Bein, eine mehr oder weniger warme Abwaschung eingesetzt werden. Hat das Leiden in der Hüfte seinen Sitz, so kann der Unterschenkel zwecks Ableitung kalt nachgewaschen oder bebraust werden. Nicht minder ist für sehr geschwächte nnd stark reizbare Kranke das Halbbad nicht au- gezeigt, dagegen den ersteren ziemlich kühle Theil-Abreibung, den   letzteren eine temperierte theilweise Abwaschung des ganzen Körpers zu geben, und zwar, weil für solche Kranke der thermo-elektrische Stoß des Halbbades oder der plötzlichen Ganzwaschung ein zu heftiger sein würde. Für Schwache ist bei milderer Temperatur das Halbbad ein zu wenig nervenspannender Ionisierender) Eingriff, und für Reizbare wäre die Wassermasse des Halbbades eine zu heftig eiuwirkende. Ebenso kann die Nothweudigkeit eiutreten, dass schlaffe oder geschwächte Einzelntheile schon während dem Halbbad, oder doch nachher, mit viel kälterem Wasser gewaschen oder begossen werden müssen. 64. Eine nicht bloß interessante, sondern auch wichtige Beobachtung zur Beurtheilnng des .Nrankheitsgrades beruht iu der verschieden- grädigeu Hautfärbung, welche sich während dem Sonnenbad-Cursus einstellt. Bom Linnenweiß bis znr Scharlachröthung, später bis zum dunklen Mulatteubrauu, treten alle möglichen Schattierungen in Sicht. Der vorletzten Erscheinung, über welche man sich stets frenen darf, liegt immer eine mehr oder weniger heftige Hautentzündung zugrunde, welche bis zur Bildung großer Blasen sich steigern kann und häufig mit Fieber begleitet ist. Diesen Hautentzündungszustand oder sogenannten Sonnenstich hat man sofort mit merklich wärmerem Wasser zu be¬handeln. Bei heftiger Entzündung werden alsdann, statt Halbbädern, warme Vollbäder von 26 bis 29» k in halb- bis dreiviertelstündiger Daner gegeben. In den Zwischenpausen haben temperierte, ziemlich nasse Ganzpackungen mit nachfolgenden Lauwaschungen platzzugreifen. Be¬handelt man diese Haut- und Bluterregung mit kühlem oder kaltem Wasser, so fühlen die Kranken wohl während der Anwendung eine angenehme Erfrischung, allein in der Nachwirkung ein um so heftigeres Brennen. 65. Während der Dauer dieses Eutzüudungsznstandes darf, je nach der Heftigkeit desselben, der Betreffende entweder gar kein Sonnenbad nehmen oder nur ein indirektes, d. i. mit einem einfachen Leintuch bedeckt; sind bloß einzelne Hautstellen entzündet, so genügen trockene Taschen- oder Handtücher-Bedecknngen. Das Eutzündungsstadium dauert durchschnittlich drei bis fünf Tage; ausnahmsweise kann es während der ganzen Eur mehr oder weniger bestehen bleiben. An den Stellen, wo der Entzünduugsprocess vor sich gegangen ist, schält sich die Oberhaut in kleineren Schuppen oder auch iu größeren Lappen ab, sobald sich darunter eine neue Oberhaut gebildet hat. Dieser Häutungsvorgang liefert ein sprechendes Zeugnis von der ein-greifenden ueubildenden Wirkung des Lichtlnftcnltus, somit einen schlagenden Beweis seines unschätzbaren Wertes. Welche andere Heilmethode als die Natnrheilknnde — selbst die reine Wasser-kur nicht ausgenommen — kann eine so handgreifliche Probe der   Regeneration Nachweise»? Welches andere Lebens- und Heilclement, als das hehre Sonnenlicht, ist imstande, mit solch deutlichen Zeichen redend, einen gleichen Einfluss auf die Bluteutwickluug und Blutleitung ansznüben, kauu so nnfehlbar als Diagnostiker und Prognostiker sich zu erkenucu geben? worauf wir weiter unten zurückkommen werden. M. Dnrch langjährige Erfahrung ist nämlich erwiesen worden, dass, je lebhafter und vollständiger die Hautentzündung nnd Hantsärbung vor sich geht, desto sicherer die Anwartschaft auf Besserung und Ge-nesung dem betreffenden Kranken in Aussicht steht; aber ebenso auch umgekehrt. Je weniger sich die Haut eines Kranken bräunt, desto un¬günstiger muss die Prognose über seine Wiederherstellung ausfallen. Auf der Arena der Sonnenbadgallerie zu Beides erscheinen Leidende, welche durch mehrere Wochen hindurch in der ärgsten Hitze der Monate Juli und August die Souuen- und Lichtlnftbäder regelmäßig gebrauchen nnd deuuoch weiß wie die Mauer bleiben, weil bei denselben die Blut¬körperchen dnrch den inneren Krankheitsproeess vorwiegend gebunden sind, d. i. von der peripherischen Strömung zurückgelMeu werden. In solchem Falle muss jedoch die Prognose eines unheilbaren Leidens gestellt werde». Ein Krebskranker, ein Schwindsüchtiger, ein an Gehirnerweichung Leidender re. bleibt ebenso weiß, wie er znr Zeit seines ersten Sonnen¬bades erschienen ist. 67. In Beides wird in der Regel täglich zweimal in der Sonne gebadet, nämlich das zweitemal nachmittags zwischen * ',3 und */,5 Uhr. Ta die große Mehrzahl der Lurgäste gewöhnlich an den Organen des Oberkörpers leidet, so werden für diese nachmittags nur sogeuauute ableitende oder Halbsonnenbäder, d. i. von den untersten Rippen bis an die Zehen reichend, angeordnet, und zwar ohne nachfolgende Wirk luug. Die Dauer dieser Halbsonnenbäder beträgt durchschnittlich nur 30 Minuten. Ein zweites Ganzsonnenbad würde für diese Kranken ent¬weder zu aufregend oder mit Blutandrang nach dem Oberkörper begleitet (congestiv^ wirken; Ansnahmen hievon finden nnr bei denjenigen Indi¬viduen statt, bei welchen Bielschwitzen am Platz ist, wie bei Fettleibigen, Verschleimten re., nnter der Boraussetzung, dass sic nicht zu den Schwach nervigen zählen. Kranke dieser Classe können sonach täglich mich zwei Ganzsonnenbädern mit Trockenwicklnng unterzogen werden. Anderseits treten auch entgegengesetzte Ansnahmen ein. Leidende, welche sich schon von den Vormittags-Sonnenbädern angegriffen, näm ¬lich aufgeregt oder matt fühlen, wie dies bei der stechenden Julihitze öfters vorkommt, erhalten nachmittags statt Halbsonnenbad eine be¬ruhigende Ganznasspacknng. In dieser bleiben sie so lange liegen, als sie sich darin behaglich fühlen, gewöhnlich zwischen ein bis zwei Stunde«,   »vorauf meistens dieselbe Abkühlungsform wie nach dein Bormittags- Sonnenbad sollst, eventuell nur Bollschwammwafchung von gleicher Wärme. Da die Halbfonnenbäder wesentlich den Zweck der Ableitung ver¬folgen, so dürfen die nachfolgenden Wafscrabkühlungen auch nur teil¬weise, d. i. auf den Unterkörper gerichtete, fein; es gelangen deshalb in der Mehrzahl Sitzbäder, Beinbäder, Unterkörper-Abreibuugeu, und zwar in der Regel in diesen drei verschiedenen Abkühlungsformen, täglich abwechselnd zur Anwendung. Alle Kurgäste, welche die.Kraft besitzen, nach den Abkühluugs bädern gehen zu können, haben die Weisung, sich sofort durch Be-wegung zn erwärmen; nur Schwachen oder solchen, welche durch irgend ein Leiden am Gehen verhindert sind, wird es gestattet, wieder an der Sonne liegend sich zu erwärmen. 68. kuranten, welche während des Sonnenbades an peinlicher.Kopf¬erhitzung leiden — meistens solche, deren Hautporeu verschlossen sind — oder sonst mit heftigeren .Kopf- oder Brustleiden behaftet sind, werden überhaupt nur Halb-, d. i. Unterkörper-Sonnenbäder, oder höchstens Dreiviertel-Sonnenbäder gestattet. Genügen die ableitenden Sonnenbäder nicht, die heftigeren Leideussymptome in Schranken zu halten, so müssen, wie schon erwähnt worden, kühlende Umschläge dazu gereicht werden. 6!». Ter enrmäßige Gebrauch der Sonnenbäder steigert wesentlich die Fähigkeit gnter Reaetion in den Fenchtwicklnngen (kleinen wie großen). .Kranke, welche letztere gewöhnlich nicht vertragen, fühlen sich nach kürzerem oder längerem Gebrauche der Sonnenbäder recht wohl in den¬selben. Es ist dies anch leicht erklärlich; ebenso wie unsere Mutter Erde, von anhaltender Sonnenglut erhitzt, ausgetrocknet, den Regen alsdann gierig einsaugt, ebenso verhält es sich mit unserem aus Erde und Wasser zusammengesetzten.Körper. Im richtigen Wechsel zwischen Sonnenwärine nnd Wasserzufuhr sehen wir ein üppiges Gedeihen des Pslanzen-Wachs- thums; auch im Vegetationsprocessc des gesunden und kranken Orga¬nismus zeigt sich die Wechselwirkung dieser Gegensätze von bestem, manchmal oft wunderbarem Erfolge begleitet. 70. In 8 4 haben wir schon vorübergehend der gesteigerten Auf- fangungsthätigkeit der Venen und Lymphgefäße durch deu Lichtwärme- eultus gedacht; hier können wir aus der Praxis hiuzufügen, dass den¬selben ausgedehnte krankhafte Ablagerungen verschiedenster Art, wie Eierstockanschwellungen, peinlichste Hämorrhoidalknoten, Ausschwitzungen in.korperhöhleu re., gewichen sind, denen die ersten englischen Frauen¬ärzte und Wiener Speeialisten (Professoren) hilflos gegenüber gestanden   waren. Eine erste zweimonatliche Cur bewirkte schon die Aufsaugung des größeren Theiles dieser krankhaften Gebilde; eine Wiederholnngscur im darauf folgenden Jahre genügte meistens zu deren gänzlicher Auf¬saugung oder bis anf einen kleinen Rest. 71. Allein in der erweiterten Fähigkeit,mittelst dem hehren Sonnenlichtcultus zu heilen, erkennen wir noch nicht die höchste Errungenschaft; denn die vornehmste Ausgabe des Naturarztes sollte doch darin liegen, sich, soviel als möglich ist, überflüssig zu mache» — gegenüber dem Borwurf, welchen wir den Medieinärzten mit vollem Recht stellen, dass sie nur von den Krankheiten leben wollen, anstatt ihre Patienten zu belehren, wie sie Krankheiten und besonders Rück-fälle in schon dnrchgeinachten Krankheitsformen verhüten können. Da ist denn der Sonnenlichtcultns als Gefnndungs-Gcncralhebel eiuzusctzen! Kein anderes Lebens^ oder Heilelement vermag eine so gründliche Neu¬belebung hervorzubringen, wodurch die Rückfälle weit hinausgeschoben oder gänzlich aufgehoben werden. Leider ist solche Belehrung für den europäischen Arzt meistens ein undankbares Geschäft. Da beweisen die von uns viel verlachten Chinesen einen weit vorgerückteren Standpunkt, indem sie ihre Aerzte nur für die Periode des Gesundseius honorieren. 72. Jeder Staturarzt, welcher Jahrzehnte der Erfahrung hinter sich hat, weiß, dass leider öfters Personen, bei denen die glänzendsten Heil- refultate erzielt worden waren, über kurz oder lang in dieselbe Krank- heitsforin zurückfieleu, und dass jeder Rückfall die Genesung schwieriger gestaltet, öfters den Tod herbeiführt. Nichts ist so theuer wie Kranksein, und kein Geld ist so gut angelegt als dasjenige, welches man für echte Gesundung ausgibt! Es sind darum alle jene Kranken, bei welchen Rückfälle wahrscheinlich sind, nachdrücklich zu belehren, dass nur gründ¬liche allgemeiue Wiederherstellungseuren sic davor schützen oder doch den Rückfall weit hinansznschieben vermögen. Allerdings ist manchmal eine so gründlich eingreifende Umwandlung nur in Verbindung mit einer Bernfsändernng zu erzielen; allein auch hiezu entschließt sich mancher Kranke, wenn er darüber rechtzeitig belehrt wird. Nachdem der gesund erhaltende Lebeusprocefs im fortwährenden normalen Stoffwechsel beruht und die Abwechslung überhaupt anregend, belebend auf denselben einwirkt, so ist eine wesentliche Luftänderung, mit den Badecnren verbunden, entschieden förderlich zu einem gnten Curerfolge. Für Nordländer ist cs daher rathfam, znm Gebrauch dieser Cur bedeutend südlicher, und für Südländer, nördlicher zu ziehen.   Aie praktische Weinignng der Kcrut. 78. Die künstliche Hantreinignng kann auf zwei wesentlich verschiedene Weisen vorgenommen werden, nämlich ans trockenem und nassem Wege. Zu ersterem wählt »um trockene Reibungsmittel, Hantbürsteu, Haut- haudschuhe, Flauellflecke :c. Bei kräftiger Handhabung bewirken dieselben nicht nur eine gründliche Reinigung der abgestorbenen Oberhaut (Epi¬dermis!, sondern anch einen im Körperumfange verstärkten Kreislauf der Blutkörperchen, wobei die Haut sich mehr oder weniger röthet. Behufs letzteren Weges werde» Waschungen, Regenbäder, kalte nud warme Wasserbäder, endlich Schweißbäder durch Dampf, heiße Luft und Sonnenschein gewählt. Es unterliegt nun keinem Zweifel, dass sämmt- liche Hautreinigungen, welche nicht mit dem Schweiszaete verbunden sind, mehr oberflächlich wirken, wogegen die Schweißbäder nicht nur äußer¬lich trefflich reinigen, sondern das ganze Uuterhaut-, Gesäß- und Drüsen netz energisch ausfegen; dies besonders, wenn mau im höchsten Schweiß- stadium tüchtig durchgerieben oder mit eingesciften Bürsten gereinigt wird. Die Schweißbäder haben ferner den Bortheil, dass sie durch die Erhitzung der ganzen Blntsänle sowie der festen Theile den Körper auf kurze Zeit in ein künstliches Fieber versetzen, wodurch sämmtliche Ausscheidungsgebilde >Sceretionsorgane>, stärker augeregt, eine üppigere Absonderung bethätigen und so uebst der Schweißabsonderung, welche bei Erwachsenen im Gewichte zwischen V. bis 1 Kilogramm schwankt, auch jedes in seiner Art an der Reinigung theilnehmen. So z. B. bringen starke Dampfbäder und Sonnenbäder, längeres Tanzen u. s. w. häufig am folgende» Tage satzigen Harn zum Vorschein. Ein Schweißbad ist deshalb nicht nur ein äußerliches, sondern auch ein inneres (organisches) Neinignngsbad, eine Theilerneuernng des Blutwassers, wenn wir berück¬sichtigen, dass das Blut zu circa V« ans Wasser besteht; man fühlt sich daher nach einem Schweißbade, vorausgesetzt, dass es in ver¬nünftigem Grade ausgeführt worden, außerordentlich gehoben und ver¬jüngt, trägt iu der Regel auch merklich verstärkten Appetit davon. Als gesund erhaltendes Reinigungsmittel, d. H. zwei- bis viermal monatlich, namentlich in der kälteren Jahreszeit angewendet, bieten die Schweißbäder ein vorzügliches Pflegemittel nicht nur zur Borbauuug (Prophylaxis« vieler Krankheiten, sondern auch zur Entwicklung der Jugend jeglichen Alters. Im Sommer sind die Sonnenschweißbüder (sieh Eursvnnen- bäder) den Dampfbädern unbedingt vorzuziehen, sollten daher auch öfter, sechs-, acht- bis zehnmal monatlich, vorgenommen werden.   74. Zu ausführlicher Belehrung über die Dampfbäder verweisen wir auf die Schrift -Rikli's Bett- und Th eildampfbäder», 4. Aufl., im Selbstverläge und bei L. Feruau in Leipzig, Preis 2 Mark. Der in derselben beschriebene einfache Schwitzapparat sollte in keinem Hause fehlen, in welchem das Naturheilverfahren augeuommeu worden ist; mit Hilfe desselben kann man sich den Arzt vielfach entbehrlich machen. Wie allbekannt, hat nach dem Schwitzen dnrch ein Schweißbad stets sofort eine mehr oder weniger eingreifende Abkühlung der Haut durch kaltes Wasser oder kalte Lust nachzufolgen, ansonst dieselbe zu sehr erweicht, erschlafft bleiben würde. Es folgen sich also bei den Schweiß bädern rasch nacheinander Erhitzung und kräftige Abkühlung, welche mehr oder weuiger schroffe Wärmegegensätze nicht nur ciu erregteres Lebeu in die Haut bringe«, sondern auch manche innere, tieser liegende Stauungen zu löse« vermögen. Durch zeitweilig auf unsere Haut an¬gewendete rasche größere Wärme-Unterschiede schaffen wir eine künstliche Nachahmung des, in der nns umgebenden Erdnatur ^Atmosphäre) herr- scheiiden Naturgesetzes der ab und zu schroffen Temperatnrwechsel.   HI. Theil. Schlussbetrachlungen. 75. Die Sonne der fchcrvfste Aiagnostikev und 'Mrognostilier. In 8 ^ haben wir der Heranziehung von Blutschlacken auf die Haut durch das Sonnenlicht gedacht nnd in H 6ti der prognostischen Kraft desselben erwähnt. Hier kommen wir nnu, noch die diagnostische Kraft aus der Praxis zu beweisen. Ein Sprichwort sagt: »Nichts ist so sein gesponnen, es kvninit doch an das Licht der Sonnen.» Dies bewährt sich sogar in der Natur heilkunst auffallend, und können wir diesfalls zwei merkwürdige Fälle hier mittheilen. Schon vor vielen Jahren traten in unsere Anstalt in Veldes (Krain) zwei Herren in die (Lur, wovon der eine am Biagen, der andere im Unterleib leidend war. Wie alle anderen (üirgästc wnrden auch sie den Sonnenbädern unterzogen. Während der ersten 10 bis 12 dieser Bäder, bei welchen sic den Kopf in den Schatten legten, befanden sich die Patienten ganz gut; von da an traten während der Sonnen¬bäder auffallender Blutandrang nach dem Kopfe ein, welche Erscheinung wir uus nicht erklären konnten. Die Sonnenbäder wurden indes gleich¬wohl fortgesetzt, jedoch der Blutaudraug mit kühlenden Kopfumschlägen gemildert. Trotz der letzteren stieg derselbe von Bad zn Bad. Endlich stellten sich halbseitige «^esichtsschmerzen dazu ein, nnd zwar ganz in derselben Art, wie die Kranken vor sechs nnd mehr Jahren daran gelitten hatten, jedoch damals homöopathisch angeblich vollständig geheilt worden waren; beide erklärten, seither keine Spur ihrer Leiden mehr wahrgcnonimen zu haben. Diese Mittheilung gab nns genügenden Anhaltspunkt zur Erklä¬rung der außergewöhnlichen Erscheinung des Blutandranges. Nämlich die Natur strebte, durch gesteigerte arterielle Blutznströmung die Ab¬lagerung kranker Säfte im Gesicht zur Lösung und Ausscheidung zu bringen. Durch einige Tage steigerten sich die Schmerzen, hierauf bil¬deten sich über den schmerzenden Stellen Pusteln, welche in kurzer Zeit   zu mittelgroße» Geschwüre» «»wüchse» uud sich entleerten. Mit diesem Schlüsse waren sowohl die Schmerzen als auch der Blutandrang voll kommen beseitigt. Hiebei war doch gewiss höchst interessant zu beobachten, wie die Sonne, obwohl der kranke ttörpertheil derselben nicht einmal ausgesetzt gewesen, durch allgemeine Anregung des Nerven- und Gefäßsystems einen latenten (gebundenen) ttrankheitsstoff, welche» kein Arzt daselbst weder ahnen noch finden konnte, in Bewegung und zur Ausscheidung zu bringen vermochte und damit eine gründliche Heilung herbeizuführeu imstande war. Es beweist mich zugleich, dass die Homöopathie trotz ihrer «Nichtse» uicht so ganz unschuldiger Natur ist, wie sie hin- gestellt wird, denn in diesen beiden Fällen waren die Leiden, wie bei der Allopathie, durch Lahmlegung der betreffenden Gefäßnerven nur symptomatisch (äußerlich) geheilt. Aehuliche Fälle von Heilungen der verschiedensten Leide», deren Tiagnoie durch Medieinärzte meistens falsch waren, stehen nns zahlreich zugebote auzuführeu, »amcntlich wo Geschwür- und Ausschlagbildnngen die Genesuug begründete». 76. Znr Begründung der vorliegenden Abhandlung scheinen uns die passenden Aussprüche zweier wissenschaftlicher Männer sehr crwühueus wert, nämlich jener des Aftrvnomen Giuzlcr, welcher erklärte: «Wen» jemand mit einer aus Beobachtungsreihen gefundenen Wahrheit auftritt, dafür eine Erklärung gibt und hinreichende stichhaltige Gründe für feine Ansicht beibringt, so ist dies Verfahren logisch und darum .wissen¬schaftlich', jedes audere Beginnen ist unwissenschaftlich»; ferner Dr. Fischhofs: «Was ist denn im Staate uoch zu vertheidigeu, wenn es nicht die Gesundheit uud der Wohlstand seiner Bürger ist? Der Bildung verdanken die Völker wie Individuen die gesteigerte Fähigkeit, den sie überall ninlaucrudeu Gefahren nnd Schädlichkeiten zu widerstehen; die mittlere menschliche Lebensdauer hat in Europa mit der Volksbildung Angenommen. Sie beträgt derzeit in der hocheivilisierten Schweiz 34, in Russland nur lilVs Jahre.» 77. Es wäre sehr wünschenswert, dass die vorstehende Abhandlung meinen verehrten Berufsgenvsseu ein Ansporn sein möchte, den Licht- lnftenltus, wo es nur immer möglich ist, in ihren Curplan aufzunehmen. Mit jedem wirklichen Fortschritt iu unserer Wissenschaft und unseren Leistlingen erobern wir ein Stück Boden auf dem .ttampffcldc gegen - über uuseru verbissenen Gegnern. Je allgemeiner unsere Erfolge im Heil fache den ihrigen gegenüber hervorleuchten, desto früher neigt sich der Sieg in diesem erbitterten, stets brennender werdenden Kampfe auf unsere Seite, zum Wohle und Segen des gesammten Volkes!   — l>» — Aber noch ei» anderer Grund «nacht cs dringend »vthwendig, dass die Aufnahme des Lichtlnfteultus bald allgemein erfolge, nämlich ehe die Medieinärzte selbst der guten Sache sich bemächtigen, sie als ihre eigene Schöpfung ausgeben, indem sie dieselbe mit allerlei Hoeus- pocus verunstalten, wie z. B. in Benützung farbiger Gläser. Mit ver- knnstelteii Zuthaten werden sie der denkfaulen Welt vieles -weiß machen, unser» Wahlspruch alsdan» »ach ihrem Sinn travestieren und den Refrain ungefähr folgendermaßen lauten lassen: DaS Lichi lhut es freilich nichi, Weil es ihm an Farben gebrichi, Farbengläser müssen es sein, Tie verscheuchen allein die Pein. Mögen nun unsere Nachfolger das von uns gesammelte reichliche praktische und theoretische Material bestens benützen und in beiden Be¬ziehungen weiter ausbauen, so wird die Menschheit unzweifelhaft einen uiierinefslichen Segen daraus ziehen, denn es bleibt unumstößlich wahr: -Nur im gefunden Körper wohnt eine gesunde Seele.» Mnihig vorwärrs auf der Bahn, Dir uns führt von Nacht zum Lichte! Machet — alles setzet d ran — Jedes Wahn-Idol zunichte! Stau nach allopath schein Stil Lder sonst fanai'scher Weise, Lieber man genesen will Treu in der Natur Geleise. Sinn nur in der nassen Flut, Vcruc liaScu — auch im Lichlc! Lichtes Wärme Wunder thut, Schöpfung lehrt es nnd Geschichte! Heul — in nnserer Dampf-Lichizeil, Wo man weih mit Blitz zu schreiben — Soll das Heil von Seel nnd Leib Wahrlich nicht dahinten bleiben. Wasser — freilich — thnts zur Noch, Doch wir find ja keine Fische, Denen Lu fr Verderben droht, isicht wir lieben selbst am Tische! So mit Wasser, Luft und Lichl Sich Bewegung rakivoll einet — Leben oft den Sieg erficht, Da man schon den Tod vermcinel !   Vom Verfasser sowie von L. Fernau in Leipzig durch alle Buch¬handlungen zu beziehen: Rikli A., Gruudlchrc der Naturheilkuude (früher Allgemeine Lurregeln- betitelt), niit graphischer Berlaufsski^e des Hciluugsvorganges. 7. Auflage. Preis 8 Mark 40 Pf. — Bett- und Theildauipfbäder, mit lithographierter Tabelle, für Aerzte und Laien. 4. Auflage. Preis 2 Mark. — Tic diätetische Katarrhalifierung. Preis 40 Pf. — Lehrbuch der Naturheilkuude. 1. Theil: Die Fieberkrankheiteu; beson¬ ders für den gesammien Lehrerftaud Teulschlauds uud der Schweiz ge-schrieben. Preis 2 Mark. — Es werde Licht und cs wird Licht oder die atmosphärische Cnr. Preis 1 Mark 50 Pf.     Amolcl kikli vis ZtmospliZi'isclis Li^!' oc!s>' ciss >^>ic! ciss 8onnsnbZc! u>ic! ciis 8onns cis!' scliZ^fsts OiZZsiostiks!' >^>ic! ^i'oZsiostiks!' !rcjs!s^ l^swi^s i>i ^>iivs^iisi^Z >,^b^ssis G2013