1220 land seine Neutralität brechen wolle. So lange sich dieser Zustand der Dinge nicht ändert, hat Oesterreich leinen zwingenden Anlaß, die schweren Lasten der KriegS' bereitschaft zu übernehmen, die Vorbereitungen, d!e ge- troffen werden und ängstliche Politiker mit Aesorgniß erfüllen, haben offenbar nur den Zweck, die Monarchie vor dcn Folgen plötzlicher Uebeiraschungen, die bei der drohenden Situation Europa's nicht ausgeschlossen sind, zu bewahren." Zum Kriege. AuS Frankreich liegen nur sehr wenige Nach- richten vor. Die Concentrirung der Armee scheint aller- dings bereits vollendet zu sein, und trotzdem zaudert man noch immer mit dem Beginne der Action. Wenn noch einige Tage in Unthätigkeit verlaufen, so ist es wohl möglich, daß jene Recht behalten, welche der An- sicht sind, daß die neu-napoleonische Kriegsführung sich in der Defensive versuchen werde. Napoleon weiß, daß seine Armee sich an Zahl mit der preußischen nicht messen kann, und sucht dieses Mißverhältniß dadurch auszugleichen, daß er den Angriff unter dem Schutze der Kanonen seiner Festungen erwartet. In Berlin scheint man dies zu wissen, sonst würde man nicht durch die hochofficiöse „Provinzial-Correspondenz" mit einer ge- wissen Sicherheit der Welt verkünden, man hoffe deut- schen Boden vor dcn Drangsalen und Leiden des Krie- ges zu bewahren. Wir bringen in dcm Nachfolgenden das Wichtigste, was auf den Krieg sich bezieht. Kaiser Napoleon ist am gestrigen Tage von St. Cloud zur Armee abgereist. Es ist selbstverständlich, daß dem Kaiser das Hauptquartier mit dem Gcneralstabschcf folgt. Der Beginn der Ope- rationen dürfte somit nahegcrückt sein. Zu gewöhnlicher Zeit sind die jungen Leute der Mobil garde (außerdem vorbehaltlich im Fall einer legitimen Abwesenheit) nur zu folgenden Leistungen ge» halten: 1. zu Uebungen im Canton des Orts, wo sie ihr Domicil oder ihren Aufenthalt haben, 2. zu compagnie- oder bataillonswcisen Gestellungen innerhalb des Ve> zirles, der einer Compagnie oder einem Bataillon ange- wiesen ist. Die Disciplin ist so milde als möglich; Strafen für dienstliche Fehler sind bei der Mobilgarde nur im selben Maße als bei der stehenden Nationalgarde zulässig. Außerhalb der Ucbungszeit steht den Vorge< setzten nicht der geringste diSciplinare Einfluß zu. Alle diese Bestimmungen qeltcn auch für die zwanzig Vor- bcreitungstage. welche vor Einbringung des Actioi» tätSgesehes durch kaiserliches Decret bestimmt werden können. Sobald aber dies letztere Specialgesetz verkündet worden ist. treten Officicre, Unterosficiere und Gemeine der Mobilgarde unverzüglich unter die ganze Strenge der Militärgesetze. Dic Mobilgarde wird in diesem Falle ein einfacher Bestandtheil der Armee, der sich nicht in Vezug auf Behandlung, sondern nur rücksichllich seiner Verwendung von den übrigen Bestandtheilen derselben unterscheidet. Die Mobilgardc soll nämlich nur innerhalb des französischen Territoriums verwandt werden und bei Vertheidigung der festen Plätze, der Küsten und der Grenzen des Kaiserreichs, sowie bei Ausrechterhaltung der Ordnung im Innern mitwirken. Der Uebergangszustand von zwanzig Tagen ist dies' mal nicht eingehalten worden; die kaiserliche Regierung hat ein sofortiges Verwandeln des Friedenszustandes der Mobilgarde in den Kriegsstand für nothwendig gehalten und die Kammern haben die Dringlichkeit dieser Mah- regel anerkannt. Indeß scheint es nicht, als ob der Kaiser die Mobilgarde im ganzen Umfange schon bei Ausbruch des Krieges anwenden wolle. Bis jetzt sind nur einige kleine Abtheilungen dieses Armcebestandtheiles einberufen worden; nämlich Theile der Contingente, welche das De« partement der Seine und die östlichen Departements stellen. Die Probe, welche die Mobilgarde jetzt abzulegen haben wird, wird mit zu den interessantesten der Prüfun- gen gehören, welche die neue französische Armecorgani» sation von 1868 jetzt durchzumachen hat. Viceadmiral Bouct-Willaumez, Befehlshaber des Pcmzcrgcschwaders im Nordm, wird seine Flagge auf der Fregatte „Surveillantc" aufhissen. Die Anwendung eleclrischcr Appaiatc auf dcm Geschwader ist angeordnet; vom electrischcn Lichte werden große Dinge für dcn Feldzug erwartet. Das ,M(Mr6 äu Norä", wclchcS in der „LMiquo" die Feindseligkeiten eröffnen soll, nimmt auch Generale a» Bord; die clcctrischen Voraibeiten an Bord des „Ocean" und der „Gauloise" sollen vor Ende dcS Monats fettig sein. Vom Mittclmcclgrschwa> der werden Matrosen zur Complclirung an das Nord« geschwader abgegeben. Die Marineinfanterie bildet eine Expcditionsdivision von zwei Brigaden unter General de Valsaignc. In Cherbourg werden 30' biö 40.000 Mann concentrirt, die dab Paozcrgeschwader an die preußischen Küsten der ,MIti(M" werfen soll; anch 3000 Mann Marineinfanterie nehmen an der Expedi- tion Theil. Ein französisches Dclachcment von drei Compagnien und 80 Pferden, das am 27. d. M. früh von Forbach, Saarbrücken gegenüber, gcgc» Völtlingen vorging, stieß auf preußische Infanterie und zog sich, wahrscheinlich nach erreichtem Necognoscirmigszweck, mit einigem Vcr> lust zurück. Die „Köln. Voltsztg." sagt: Die ersten bedeuten- deren Gefechte sind nach vielseitiger Ansicht in der Um- gegend von Saarbrücken und Forbach zu erwarten, wo es für die Franzosen sich darum handelt, die höchst wich- tige Nahe-Bahn so wie die pfälzische Bahn zwischen Neustadt und Saarlouiö zu gewinnen, um dadurch cines- theils der letzteren Festung die Verbindung mit dem Rhein abzuschneiden, anderntheils den Weg zur Umgeh ung von Mainz und Landau sich zu öffnen und einem eventuell von Weißenburg auö am Rhein hcradrücke>idcn Corps die Hand zu bieten. Zwar sind diese Operationen vorerst noch secundärer Natur, aber sie sind nothwendig zur Vorbereitung des muthmaßlichen Hauptzweckes dcr französischen Armccoccupaticm der Rhein - Evcnc von Mannheim, Darmstadt und Frankfurt, so wie zur In- vasion nach Süd>Deulschland über Pforzheim, respective Durlach. Ohne den vorherigen Besitz der genannten Bahnen und des betreffenden pfälzischen Gebietes würden die Verbindungen der französischen Rhein-Armee mit Metz stets gefährdet sciu und dieser tciuc sicheren und nach» drücklichen Operationen gestatten. Umgekehrt muß unserer Armee, zur Vereitlung dcr feindlichen Pläne, alles daran gelegen sein, jetzt schon der französischen Communications- linie zwischen Metz und Saargemimd und der Straße, die von dort über Bitsch nach Wcißenburg führt, sich zu bemächtigen. Um diese beiderseits höchst wichtigen Ver- bindungslinien dürfte also zunächst mit aller Macht ge- lämpft werden. Ob im Rücken der drei aus dem westlichen Kriegs, theater in Bildung begriffenen deutschen Armeen noch eine Reservearm« formirt werden soll, scheint noch nicht ent- schieden. Die erste Armee unter dem Oberbefehl des Generals v. Steinmetz (Chef des Generalstabs General v. Sperling) besteht aus dem 7. und 8. Armeecorps (Generale von Zastrow und v> Goeben): die zweite (Central-) Nrmre unter dem Oberbefehl des Prinz«« Friedrich Karl (Gcneralstabschef Oberst v. Stichle) au«W 4. oder 5. Armeecorps, darunter Garde und wahrscho"' lich auch das sächsische; die dritte Armee endlich M dem Oberbefehl des Kronprinzen (Generalslabschef ^f neral v. Blumenthal) aus den süddeutschen Contingent und einem norddeutschen Armeecorps. Es ist nicht n>M scheinlich, daß das bairische Armeecorps unter Commas eines norddeutschen Generals gestellt wird; eventuell ^ für diesen Posten General v. Werder bestimmt st'" welcher als Adlatus des Kronpriuzen die dritte AB begleitet. Mit dem Commando des württembergW Contingents ist auf dcn Wunsch deS Königs von 2M temberg General v. Obernitz beauftragt; derselbe ist bl' rcits nach Stuttgart abgereist. ' Die „Times" ist dcr Ansicht, daß die Kriegs^ rationen nicht unmittelbar nach dcs Kaisers Ankunft" Nancy beginnen, sondern so lange aufgeschoben wcl^ dürften, bis sie von General Moiltanbcm, welcher e>'. Reservecorps in Lyon commandirt, unterstützt wtt^ „In Folge der emsigen Bemühungen Frankreichs »M Napoleon," bemerkt das Blatt, „sind dessen EisenbF linien so vollständig, daß man von Lyon sagen la»" es liegt in derselben Linie mit der Front der laisel lichen Armee zu Metz. Von Lyon über Besang Helfort, Vesoul, Epinal, Lüneville und Nancy ist ° französische Armee so aufgestellt, daß sie Eine g"'> Schlachllinie längs der ganzen deulschen Grenze plül^ tirt. Sie ist nun um Metz concentrirt und ihr diltl^ und unmittelbares Ziel scheint dcr preußische Distel der Saar und die bairische Pfalz zu sein. Aber ^ Kaisers Hauptquartier zu Nancy ist ebenso in Verb^ dung mit Metz und Straßburg und vermittelst " Eisenbahn fast in derselben Distanz." Einer Correspondcnz der „N. Fr. Pr." aus Ha^ bürg vom 25. Juli entnehmen wir folgende Ste^ Der superkluge Capilän Werner in Berlin hätte Ü^ gethan, die, wenn auch kleine, so doch tüchtig gesch^ preußische Marine nicht vor anderen Seemächten i compromittiren; denn jeder englische, österreichische, '", lienische und französische Marine-Artillerist weiß, ^ es ein Blödsinn ist, heute noch zu behaupten, acht- "»., neunzöllige Panzerplatten seien undurchdringlich. Ebl»! stark wie dcr „König Wilhelm" mit 7—9 Zoll Pa^ (Breitseiten- und Hintcrtheil-Platten) sn,d auch !^ Panzerschiffe, die nur 5—7 Zoll Panzerbicke in ^ Bekleidung aufweisen; denn die Geschosse und das t^< centrische Feuer besiegeln den Sieg im Vereine mit ^ Anrennen 5 1a Tegclthoss, und nicht die Panzerst^ allein thut es. Es werden dahcr die französischen ^ schösse mit 350 bis 422 Pfund Gewicht in erster ^»' berufen sein, die Autorität einer Seemacht ersten Rans? zu wahren. Insbesondere werden 8—10 Thurm- H> Widderschiffe, sowie die Panzer-Linienschiffe .Maael" und „Solferino" mit jc 52 gezogenen Monstre-Kallo" als die eigentlichen Schlachtschiffe betrachtet we^ müssen. Abgesehen von den französischen 18 P°"A l fregatteu und 10 Panzercorvetten werden von der aM.' Holzbampferflotte insbesondere mehrere Schnellsegler » den 20 Schraubenfregatten in die Action gelangen! , auch dürften von den 35 Schrauben-Linienschiffen e>"° der fchnellsten Kriegsschiffe die Panzerflolte begle'"' WaS für Vortheile ein concentrischer Kugelregen, lvl , auch von Holzschiffcn ausgehend, nach sich ziehen le^l bewies das Linienschiff „Kaiser" bei Lissa, welches,^! die stärksten italienischen Panzerfregatten mit se^ Breitseiten vom Leibe hielt und auf dem Verdeck ., ersteren furchtbaren Schaden anrichtete. Die frani,« schen Marinegeschütze sind bei der Pcmzerfiotte ^ 'Il'mllrlon. Aus Kärnlen. I. Klagenfurt, 28. Juli. Ich habe versprochen. Ihnen von meinen Touristen- schicksalen Nachricht zu geocu und will dieses Versprechen heute erfüllen, ich fühle mich auch heute dazu besonders angeregt, denn es — regnet! Ja es regnet, vier Tage meines Urlaubs sind vorbei und ich sitze hier in Klagen- furt — ominöser Name für mich — und habe den Punkt noch nicht gefunden für mein vierwöchenlliches otium cum äi^mtHte. Doch hören Sie. Es war an einem thaufrischen, leicht umwölkten Iulimorgen, als mich der Loiblcr Postwagen aufnahm, das altvaterische Vehikel, mil dem Namen Eilwagen, ein lebendiger Anachronismus in der Zeit dcr Telegraphen, Eisenbahnen und Dampfschiffe. Ich hatte dieses Beförderungsmittel gewählt, weil ich den Loidel und seine malerische, erst unter Karl VI., also nicht viel länger als ein Jahrhundert vollendete Kunststraßc noch einmal bewundern wollte, ehe sie viel- leicht, der Lcnbach-Tarviser Bahn weichend, in Verges- senheit fällt und nur mehr ein alter Postillion von ihren Wundern und Gefahren, von Schneclawincn und Wagen« stürz zu erzählen weiß. Daß diese Zeit ncche, erinnerten mich dic dem Weg bald mehr bald weniger parallel lan< senden Schienen der Tarviscr Bahn und ihre Bahn- Häuschen, welche, nebenbei gesagt, mit der Eleganz der Agramer und Westbahnstationen nicht wetteifern können, aber ganz einfach und zweckmüßig aufgeführt sind. Bald lag Krainburg vor uns, auf dem stromumflossenen Fels, wie eine Burg in den Himmel ragend, mit den malerisch zerstreuten Häuschen, den alten Mauerresten, den gothi- schen Thurm der Pfarrkirche als Wahrzeichen und die blau dämmernden Alpen als Hintergrund, in der That, ein Landschaftsbild, das eines Meislers würdig, ihn aber bisher noch nicht gefunden hat, denn außer photographi« fchen Aufnahmen existirt bisher noch leine künstlerische Reproduction dieser herrlichen Natur, doch die Tarviser Bahn wird wohl dafür sorgen. Bald liegt auch Krain- bnrg hinter uns, wir passirm Naklos, ein ansehnliches Dorf, wo ein Leibarzt Peter des Großen das Licht der Welt erblickte, einer unserer unternehmenden Landsleule, den, armer Leute Kind, sein heller Kopf, das sichere Erb- theil des Kraincls, an den Hof des die „fremde Ferse" als Culturelement hoch schätzenden Czaren führte. Nach ange- nehmer Fahrt zwischen Baumgärten und wogenden Saatfel- dern haben wir Ncumarltl erreicht, unser lrainisches Man. chester. die einzige Stadt außer Laibach, die ein eigentlich städtisches Wesen hat. sowohl im Aeußern, in der schönen, freundlichen Hauptstraße, als vor allem in ihrer intelligenten gewerbsfleißigen Bürgerschaft, die noch bis vor Kurzem ihre Söhne bis Calcutta fchickte, jetzt aber unter den ver- änderten Communicationsverhältnissen und dem Auf- fchwung benachbarter Lederindustrie und Schuhfabrilation, wie die Grazer, leidet. Ein kleiner Imbiß und nun nimmt uns die schwerfällige Postarchc wieder auf, um uns den Wundern des Loibel entgegenzuführen. Fünf .,. , Stunden haben wir Zelt, unS in diese Wunder zu ^' tiefen, denn fo lange dauert der Weg über die Oelö^ einsamleit des Loibel, wo die Straße eine Höhe ^ 5000^ hinansteigt, bis zu der mit zwei schon ganz ^. witterten Pyramiden geschmückten Landesgrenze. ^ loschen und verwittert ist schon fast die Inschrift, ^ kommenden Geschlechtern dcn Sieg menschlicher ^ s dauer und Kunst über die rohe Masse verkünden l^l! lein Conservator der Vaudenkmale erstreckte seine iM^l auf die Erhaltung dieser von einem Kaiser und l ^ Kaiserin (der unvergeßlichen Maria Theresia) redt ^ Denkmäler. Ja, vor dem Semmering, vor der ^ >^<' und dieselben Berggipfel, dazu aber noch die h^el' anragenden Kallfelsen der Karwanlen, mit ihre" ^ witterten Geröllmasfen, die Heimat der Gemse"- ^l» Neumarlter Jagdrevier wurde oft von Sr. la'sHF Hoheit Erzherzog Ernst, von Iagdfreunden aus ^F und Civile durchforscht. Auch den Auerhahn ell" ^ der Waidmann in diesem Gebirge, daS stolzeste u^l wild. Und hier tief im Gebirge, auf fest"" AM kannst du, Passagier des Eilwagens, noch ein s/ in dein touristisches Tagebuch verzeichnen, das d« ^ nur dic große Meereswüste, freilich in nock ^ ^/ lommcnerer Art, verschaffen kann, das ist die S" 1221 Hinterlader (onar^o cula886) und aus Gußeisen. Nur einige sichren ein Armstrong-Geschütz von 42 Centi- metre« Stärke; vorherrschend haben die großen Panzer- schiffe 27 Centimen cs starke Geschosse, mithin 432 Pfund Vollgcschoß nnd 300 Pfund Hohlgeschoß mit diverser Sftrengladnng und Zündstoff. Aus Rotterdam, den 22. d. M., wird dem „Schwab. Mcrcur." gemeldet: Die Rüstungen in den Niederlanden sind nun nahezu vollendet. Die Trup- pen haben ihre Standquartiere bezogen und die Regi- menter sind vollzählig. Der Prinz von Oranicn ist Oberbefehlshaber des Landhccres; sein Hauptquartier ist Utrecht, der Ehcf des Gcncralstabes ist der Oberst Booms. Das Heer zerfällt in drei Divisionen mit dcn Hauptquartieren Harlcm, Utrecht uud Arnheim unter dem Befehle dcr Gentle Engelbregt, Bellncr uud Knoop. Zu diesen Divisionen kommen noch drei Briga- den mit den betreffenden Hauptquartieren in Hertogen- bosch, Hcllcvoctölins und Groningen; Prinz Alexander, der zweite Sohn des Königs, befindet sich ebenfalls im Hauptquartier und gestern wurde Prinz Hendrik, der Arndcr des Königs, zum Obcrcommandanten vom Hcldcr, der stärksten maritimen Position ernannt. Die Schuttcrijcn sind bis jetzt noch nicht mobil, es dürfte dies aber sehr bald geschehen. Der Jugend hat sich eine Begeisterung bemächtigt, wie man sie seit 1830 nicht Ntthr gesehen; der Andrang von Freiwilligen ist ein un- geheurer und die Söhne der crstcu und angesehensten Familien treten ins Hccr, die Studenten der drei Uni- versitäten werden sich zu Frcicorps organisircn, Geld- geschenke zur Unterstützung der von ihren unter die Fah- nen gerufenen Ernährern verlassenen Familien fließen in ungewohnter Reichlichkeit, kurzum das ganze ^and scheint m ein HccrlaM verwandelt; Handelsstädte, wie Rotter- dam und Amsterdam, liegen 'verödet, viele Comptoirs sind geschlossen, der Handel hat so gnt wie aufgehört. Der König vou Preußen hat dieBildnng einer Nei willigen Serwehr unter folgenden Modali- töten genehmigt: 1. Es ist ein öffentlicher Aufruf an alle deutschen Seeleute und Schiffseigner zu erlassen, sich dem Vater« lande mit ihren Kräften nnd geeigneten Schiffen zur Verfügung zu stellen, und zwar uutcr nachstehenden Be- dingungen : k) Die zur Disposition zu stellenden Fahrzeuge werden von einer aus zwei Marine. Officieren nnd einem Schlsfoliau-Ingenieur bestehenden Commission in Betreff ihrer Tauglichkeit zu dem beabsichtigte» Zwecke geprüft m,d eventuell taxirt. Im zutref cn« den Falle erhält der Eigenthümer sogleich ein Hel des Taxpreises als Handgeld, worauf er sogl?ich die nothlge freiwillige Mannschaft zu heuern hat; u)dle auf solche Weise angeworbenen Officierc und Mannschaften treten für die Dauer des Krieges iu die BundcSmarine und haben deren Uniform und Grad-Abzeichen anzulegen, deren Compelenzen zu empfangen und sind auf die Kriegsartikel zu ver- eidigen. Die Officiere erhalten Patente ihres Grades und die Zusicherung, daß sie, für den Fall ausge- zeichneter Dienste, auf ihren Wunsch auch definitiv in der Kriegsmarine angestellt werden können. Offi- ciere und Mannschaften, welche im Dienste ohne eigenes Verschulden erwerbsunfähig geworden, er- halten Pension nach den für die Bunoesmarine gil« tigcn Sätzen. 2. Die geheuerten Schiffe fahren unter der Kriegs- flagge des Bundes. 3. Dieselben werden scilcuS der Aundcsmarine armirt und für den ihnen zugedachten Dienst einge- richtet. 4. Die im Dienst des Vaterlandes etwa zugrunde gegangenen Schiffe werden dcn Eigenthümern nach ihrem vollen Taxwcrlh bezahlt, Können sie nach dem Kriege dcn letzteren unbeschädigt zrückgcgcbcn werden, so gilt die beim Engagement bezahlte Prämie als Heuer. 5. Demjenigen Schisse, welchem es gelingt, feind- liche Schiffe zu nehmen oder zu vernichten, wird eine entsprechende Prämie gezahlt, und zwar für die Zerstö- rung einer Panzerfrcgattc 50.000 Thaler, einer Panier- corvette oder eines Widderschiffs 30.000 Thaler, einer Panzcrbaltcrie 20.000 Thaler, eines Schraubcnschiffcs 15.000 Thaler, eines SchraubenfahrzcngeS 10.000 Thlr. Diese Prämien werden dcn betreffenden Schiffseignern ausgezahlt, deuen anheimgestellt werden muß, sich bei der Anwerduug der Gemannnng mit dieser über die dersel- ben etwa zn gewährenden Antheile an der Prämie zu vertragen. l>. Als Werbe- und Anmcldungs-Bchörden werden: :,)dic Werften zn Wilhclmshafcn, Kiel und Danzig; d) die Marine-Depots zn Gccstcmündc und Straisnnd; o) der Capitän zur See Wcickhmann zn Hambnrg zu bezeichnen sein. HagLsnmistkeiien. — (Zur Ergänzung der Ausrüstung.) Um die Gefallenen auf dem Schlachtfcldc leichter und sicher zu cnuittclu, hat das preußische Armee-Obercommando die Be- stimmung getroffen, daß jedem Militär cinc Pcrgamcntkarte geliefert wird, auf welche derselbe seinen Namen, Aller, Geburtsort uud Namen der Angehörigen zu schreiben hat, Venn Beginne eines Gefechtes werde» diese Karten au der Uniform befestigt uud es sind die Kranleuträger angewiesen, jeder aufgefuudeueu Leiche dieselbe abzunehmen uud dem Commando einzuliefern. — (Livingstone.) Die nach einem südafrikanischen Blatte mitgetheilte Nachricht über ein bald erwartetes Er- scheinen Liviugstone's ist, wie sich jetzt herausstellt, uicht nur unrichtig, sondern auch veraltet. Sir Roderick Murchison theilt in einem Briefe an die „Times" mit, daß auch ihm die betreffende Nachricht, aber vor längerer Zeit, zugegangen sei. Damals aber schon habe er aus zwei Briefen späteren Datums von Dr. Kirk ihre Unrichtigkeit ersehen und sie ruhig bei Seite gelegt. Seither sei ihm wieder ein Brief vou dem englischen Consul iu Zanzibar zugcgaugeu, und auch dieser bestätige die früher ausgesprochene Vermuthung, daß man vor acht Monaleu von dem großen Reisenden uichtö zu huren erwarten dürfe. Locales. Seitens der Statthat,crcicn sind in letzter Zeit mehrfache Anfragen an das Ministclinm des Innern gestellt worden, ob mit H nsicht auf die von dci' öster- reichisch > ungarischen Rc^icruilli beobachtete Neutralität die Einleitung von öffentlichen Sammlungen milder Beiträge an Geld, Verbandzeug Mcdicamcnlcn u. dgl. zur Unterstützung der im französisch < prcnßischcu Kiic^c Verwundeten, dann dcr Familien der Gcfallencn gestat- tet weldcn können. Wie wir vernehmen, hat das Mi- uisttlium diese Anfingen dahin beanlwottcl, daß solche öffentliche Sammlungen, welche in politisch - demonstra- tiver Weise ausschließlich nur die Unterstützung des cincn oder anderen Theiles bezwecke», mit dcncn daher eine ausgesprochene Parteinahme für den ciucn oder re» heil, welche daS endlose Auf- und Abrütleln nnd Schütteln des Wagens auf dcu himmelhohen und abgrundtiefen Kreuz- und Qucrzügcn verursacht. Dieses Gefühl war es. das mich für die Reize der lärtnerischcn Loibclscitc schon ziemlich abgestumpft hatte, das aber auf der Schlußstrecke Untcrbergen - Klagcnfurt der angenehmen raschen Fahrt durch daS herrliche Drauthal mit der Fernsicht von Hollenbnrg vollständig wich. Auf der Draubrücke bei Hollcnburg bot sich ciu Motiv für den Pinsel eines Calamc, der prächtige wcißglänzcndc Strom Mit trinkenden Viehherden, die üppigen Rasenflächen, die schön bewaldeten Vorberge und im Hintergründe daS Bild abschließend die malerisch gezackten Gipfel der Karavankcn. Um 5 Uhr langten wir in Klagenfurt an. Unser Con- ducteur, eiu gedienter Artillerist, der uns die lange Fahrt durch treuherzige Plauderei uud zuvorkommendes Be^ nehmen recht angenehm gemacht, erstreckte seine Fürsorge auch auf unsere Unterkunft in Klagcnfurt. Er empfahl uns mit vieler Wärme das Hotel Lamm, und wir können agcn. daß diese Empfehlung uus bisher uicht getäuscht At. Wir fauden hier, was der Reisende sucht, gutes Aett, Me Küche, freuudlichc Bedienung uud billige ^re,se. Dazu gewährt das „Lampl" mannigfache andere Annehmlichkeiten. Eü liegt in dem frommen SchalNu °ts Kapnzinerllosters, in dessen Kirchlcin cS von frühem sorgen an fort nnd fort zur Messe läutet, welche die ^lagenfurtcr, wie ich sehe, zahlreich bcsucheu. Daun ist ^?' gleich unter meinem Fenster, der Mittelpunkt der ^tadtncuigtcitcn, cS wird da in dem zu diesem Zwecke Elegant eingerichteten Rinnsal eines Büchleins Wäsche Awusche,, und gellatscht; etwas weiter hin steigt der "eubau der Sparcasse aus dem Boden, doch bei weitem unserem heimischen nicht vergleichbar. Ein Eaf6 ist nur einige Schritte entfernt, wo man den Kriegsschauplatz stndircn kann. Ich für meinen Theil gestehe, daß ich seit meiner Abreise von Laibach noch sehr wenig Zei- tungen gelesen habe. Ich begnügte mich bisher mit der „Klagcnfurtcr Zeitung," einem von Karl Pröll tüchtig redigirten Blatte, welches in Kärntcn bisher am meisten für die liberale Sache und überhaupt für Fortschritt in jeder Richtung gewirkt hat. und welches mir auch die letzten telegraphischen Nachrichten so gut wie die Wiener Blätter brachte. Ich bin jedoch bereits ziemlich abge- kühlt über dcu deutsch (?)-französischen Krieg und daS hat mit ihren Enthüllungcu die „Times" gethan. Also Bencdclti und Bismarck haben bereits über Völler- schachcr verhaudelt uud Prcußcu hätte gern geholfen, die freien Belgier iu französische Ketten zn schmieden, wenn ihm Frankreich zur Iurorporirung der Südslaatcu hätte behilflich sein wollen? Also beiderseits nichts als nackte Eroberungssucht, uud das deutsche Voll soll für die AuS- dchnuna ocö preußische», Militärslaates über dcu Main bluten? Uebrigens, wenn solche Gegner kämpfen, darf uns ja für dcu NuSgang nicht bange sein. Das Ans- gleichsobjcct werden die düpirlcu Völker sein. Es fehlt auch dicfer Episode der keuschen Geschichte an einem Körner, Rückcrt, an Uhlcmd will ich nicht crinmrn, denn wenn jetzt der Sänger niederstieße, würde er wohl ein Lied singen, aber lein „Heil Dir im Sicaeskranz!" sondern ein wuthcntlirannteS Lied von Völlerschacher uud Mord der Freiheit, vou dem neuen Völkcrkilt aus Mut und Eisen, jene Elfmduna des ersten Napoleon, auf welche Bismarck sich ein Patent erschlichen. . . . anderen Theil verbunden ist, mit Rückficht auf die er- klärte Neutralität Oesterreich - Ungarns nicht bewilligt werden können; hingegen sollen Sammlnnaen, welche dcn Angehörigen beider liiegfuhi-ci'den Mächte zuge- wendet, oder auch solche, die im engeren Kreise zu Gun- sten des einen oder des anderen Theiles untcsnommen weiden und denen, mit Ausschluß jeder politischen De< monstration, ihr rein humanitärer Charakter gewahrt bleibt, keinem Anstand? unterliegen. Zuchtschafe für Dalmatien. Samstag ist eine Heerde von circa 120 Stück, theils Merino- theils Imperial-Southdown-Schafen , welche der Landescultur - Inspector für Dalmatien, Herr v. Pcwesch, für jene Provinz gekauft hat, hier angekommen und »m Gasthofe „zum bairischen Hofe" von Mehreren mit lebhaf- tem Interesse besichtigt worden. Die Meriuo-Schafe (Negretti oder Infantado - Race) sind auf reu gräflich Hunyadischcn Besitzungen zu Keszi- Tarand bei Tornocz im Neutraer Comitate erkauft, und die gekauften sowohl wie überhaupt die ganze Heerde von welcher sie stammen, wie aus einem Gusse fest ausgeprägt sind Ziel uud Rüstung, das wohlverdiente Resultat einer decennienlangen consequenten, rationellen Züchtung. Der nähern Vcoba,1 lung stellen sich vorzüglich dar: Tonnensör- miger Negretlilörper von mittlerer Länge, aber niedrig ge- stellt, mit etwas langem Kopfe, blanlem, trockenem Gesichte und starken Halsfalte», die in einzelnen Exemplaren über- mäßig überwuchern; dagegen stumpfes, sehr breites Widerist, eine constante Zierde aller Individuen ohne Ausuahme. Das Wollhaar zeigt hohe Feinheit mit vulllummener Treue üu Haare und vollendete Ausgeglichcnheit an den verschie- dcueu Partien des Körpers, klare regelmäßige Kräuselung, welche der Wolle ein gefälliges, gleichsam durchsichtiges Nus- schc» verleiht; dem Gesammttypus entsprechend, ist das Wollfett iu mäßiger Menge vorhanden, der Stapel voll' kommen geschlosseu mit tadellosen Spitzen. Von den Fak- toren der WoNmenge hat sich diese Heerde die Dichtheit an den Hauptparlien einschließlich des Bauches und der Füße iu anerleuuungswerlhem Grade angeeignet. — Der Besatz an Kopf und Füßen tritt bei vielen Individuen vielversprechend zn Tage. Die heerde macht den Eindruck verläßlicher Constanz und körperlicher Gesundheit, und wurde die Wolle derselben mit 200 st. per Centner ver- kauft. Obschon die Heerde an Wollertrag und Feinheit der Wolle so wie körperlicher Entwickelung sämmtliche Stamm« schäsereien Ungarns übertrifft und ihr das Materiale flir die vom uugarischen Ministerium ausgestellte Merinostamm» heerde, so wie jenes sür das königliche Familiengut Gödöllö entnonime» wurde, so stellen sich doch die Verkaufspreise ungleich billiger als fönst überall, und sind kräftige ladel- lose Zuchlbockc mit 20—50 fl. zu haben. Die Imperial-Southdown-Schafe aus der fürstlich Salm'scheu Hecrdc zu Raitz in Mähren stammen von einer Kreuzung von Merino-Negretti-Mlittern mil Southdown- Böcken. — ES ist dies ein ungehörnles Schaf mit läng, lichcm, etwas gebogenem Kopfe, großem langen, tonnenför- migem Körper, und sehr mastfähig. Die Wolle ist lang, weich, glänzend, zu feinerem Kammgarn geeignet. Dieselbe ist beispielsweise in Vrünn sehr begehrt uud wird mit 80—100 fl. per Centner verlauft. Der Preis eines Bockes ist 40—50 fl., eines Mutterschafes 20—30 fl. Aus der Heerde deS Grafen Hunyady (Vterino»Ne- gretti) wurden bereits im vergangenen Jahre 60 Stück für die dalmatinische Statthallerei zum Behufe der ge< schenkweisen Vertheilung unter die Schafzüchter Dalmaliens accmirirt, uud heuer zur Fortsetzung dieses segensreichen Be- ginnens wieder 90 Stück um 3000 fl. ebendort erlauft, was um so erfreulicher ist, als die Kreuzungsproductc mit dem ordinären Laudschafc die Züchtcr in hohem Grade be- friedigen. Die Lämmer sind viel stärker, schöner gebaut, rcichwollig und trage» bereits die Merkmale einer bedeu» tenden Nollverfeinerung. Von den Imperial-Southdown wurden 2 Böcke und 15 Mutterschafe acquirirt, was mit Mcksicht darauf, daß dieses Kreuzungsproduct ausdauernder und acclimatisationsfähiger ist, als Original-Soulhdown- böcke, welche überdies 200—500 fl. pr. Stück losten, nur gebilligt werde» kann. Wenn man die Wichtigkeit der Schafzucht in Dalma- tien in Betracht zieht, so wird man zugestehen müssen, daß die ergiebige Subventionirung dieses Zweiges der Viehzucht von Seite des h. Ackerbauministeriums nicht genug gerlihml werden kann. Doch bliebe auch dieses Beginnen nur eine sehr gute Meinung ohne segensvolle That, wenn es uicht gelungen wäre, das Werk der Anschaffung des Veredlungs« Maleriales kundigen Händen anzuvertrauen. Dies jedoch ist hier im vollsten Maße der Fall. Herr v. Pavesch hat sich seiner schweren und verantwortlichen Aufgabe mit großem Geschick, mit cmcrlcnuenSwerther Fachkenntniß uud mit jener Opfcrwilligtcit entledigt, ohne welche es wohl nicht gut möglich wäre, eine ausgedehnte Mission so zufriedenstellend zu vollenden. Die schönen Thiere bildeten hier eine kleine Aus- stellung, bei welcher nur zu oft das Bedauern hörbar wurde, daß dieses laudwirthschaftliche Capital uicht für unser i'and bestimmt sei, eiu Wunsch, der vielleicht nicht so unbescheiden lautet, wenn mau weiß, daß mit diesen Prachtexemplaren auch 8 Stück Seeländer Schafe von Herrn Killer in Pri« stava nach Dalmatien auswandern.