78588 an Oesterreichs Völker. Laibach, 1L09. Völker Oesterreichs! . ««VoE-'.X ^)as Loos ist gefasten, Dee Krieg ist entschieden; er konnte nicht mehr vermieden werden, sonst hätte ihn Unser Monarch vermieden. Viel hat unser Kaiser seit Z Jahren gethan, viek verschmerzt, viel geopfert, um Uns nur die Drangsale^ eines neuen Krieges zu ersparen. Der Preßburger Friede hatte der Monarchie und dem Herzen seiner Majestät viel gekostet; man hätte er¬ warten sollen, der ungemessenste Ehrgeitz würde sich mir den da errungenen Dortheilen begnügen, und ein so ge- winnvollcr Frieden würde von Napoleon genau gehalten werden. Aber diesen so theuer erkauften Frieden mußte un¬ ser Monarch in allen seinen Theilen gebrochen sehen. Die Würde eines römisch deutschen Kaisers war in dem. Preßburger Frieden anerkannt, und mit allen "ankleben¬ den Vorzügen garantirt worden. Kaum war der Friede geschloffen, so wurde durch alle Reitzungen ungerechtem Gewinnes und durch Drohungen ein großer Aheil der deutschen Fürsten zu einem Bunde verleitet, der mit den beschwornen Pflichten gegen den deutschen Kaiser unver¬ einbar war, und dem französischen Kaiser die gesammte Macht des halben Deutschlandes unbedingt unterwarf. Bey vielen deutschen Fürsten galt jedoch ihre Pflicht, sie Ließen sich nicht verleiten, ibr Reichs-Oberhaupt zu ver- läugnen, Um dieses HiudMtiß aus dem Wege z» räztz * 4 inen, wurde der deutsche Kaiser augenblicklich mit Kriege bedroht, wenn er dieser Würde nicht sogleich entsagte. Es handelte sich um den ersten Rang unter den Monar¬ chen Eurvpens; es galt eine Krone, welche Habsburgs Stamm beynahe 4°» Jahre getragen hatte, cs galt die Vereinigung der gelammten Deutschen Nation und ihrer Kräfte. Diese Vereinigung war für den Fall, daß der¬ einst die Deutschen d;e Ehre ihres Nahniens und die Mvthwendigkeit des Zusammenwirkens fühlen würden, von großer Wichkigkeit. Man hat es vielleicht nie genug gcwürdiget, wie viel Unser Monarch dem Frieden seiner Erblande aufopferte, als er die deutsche Krone nieder- legtck Die unmittelbare Folge davon war die Vertreibung mehrerer regierenden Fürsten im nördlichen Deutschland, welche jetzt ohne Zusammenhang und ohne Schutz eines Oberhauptes waren. Dieser tiefen Kränkung ungeachtet bfteb Oesterreich mit der strengsten Gewissenhaftigkeit seinem friedlichen Systeme getreu, wahrend im Norden der Krieg wüthe- te. Oesterreichs Monarch suchte die Erfüllung der im Preßburger Frieden verheißenen Entschädigung des Erz¬ herzogs Ferdinand K. H. durch friedliche Unterhandlun¬ gen zu erringen; — er wurde hjnqehalten mtt leeren Verheißungen, noch ist diese Entschädigung nicht geleistet. Kaum hatte der Tilsiter Friede dem Kriege im Morden ein Ende gemacht, und Frankreichs Beherrscher -je Möglichkeit verschaft seine Heere anderwärts zu ver¬ wenden, als dessen ungerechte Zudringlichkeiten wieder in reinem mehr gebiethcrischen Tone erneuert wurden. Der am rechten Jsonzo Ufer gelegene Antheil der Grafschaft Görz war seit Z Jahrhunderten in österreichischem Be¬ sitze, er war im Preßburger Frieden nicht abgetreten worden z er gehörte zu dem österreichischen Staate, des¬ sen Integrität Frankreich selbst in diesem Frieden ga¬ rantier batte. Er mußte nun abgetreten werden, wenn anders Oesterreichs Kaiser seinen Völkern den Segen des Friedens erhalten wollte. e e e e / I c > s h n n i- !- I, t. r e- n !v ft e- n s- z- lir m S Bey allen ehcniahligen Kriegen zwischen Frankreich rind England hatte Oesterreich mit beyden Staaten Harmonie und Handelsverbindungen erhalten; — dec Preßburger-Friede hatte dieses von der Neutralität un- zerternnbare Recht nicht geschmälert. Aber Napoleon wollte nicht, daß Oesterreichs Unterthanen von dem Frie¬ den Vortheil ziehen, und mit den mannichfaltigen Natur- und Kunstprodukten Oesterreichs Handel treiben sollten. Selbst nicht enimahl den Schein der Neutralität sollte Oesterreich noch behaupten dürfen. Mit gebietherischenr Trotze wurde die Abberufung des österreichischen Gesand¬ ten aus England und die Verschließung der österreichi¬ schen Häfen für alle Schiffe der mit Frankreich im Krie¬ ge bcgrcheuen Mächte gefordert. Unübersehbar war das Opfer, denn es zernichtete allen Scehandel des österrei- chis nStaales und verstovfte größtentheils die Quellen des Wohlstandes seiner Bürger. Aber es gab nur eine W chl: Krieg, oder dieses schmerzliche Opfer; auch die¬ ses Opfer wurde dem Frieden gebracht. Laut und offen erklärten seitdem französische Blät¬ ter, daß Oesterreich nur so lange auf Frieden zählen könne, als es englischen Schiffen seine Hafen verschlie¬ ße; — das ist: als es sich zu Gunsten Frankreichs die Früchte des Friedens selbst rauben würde. Aber auch diese Aussicht auf Frieden wurde zer¬ nichtet. Ohne Rückhalt kündigten officiclle französische Blätter, kündigte die französische Regierung selbst an, alle Häfen am mittelländischen Meere müßten dem fran¬ zösischen Äaiserthum, — alle Häfen des adria- tischen Meeres (darunter sind die österreichischen Häfen) mußten dem Königreiche Italien einvecleibt werden. Es war keine leere Drohung; — sie ging auf eine Art in Erfüllung, welche an Ungerechtigkeit alles übertrifft, was die Weltgeschichte vor Napoleons Zeiten aufstellen kann. Der unmündige König von Hetrurien (Toskana) wurde vom.Throne gestürzt, und sein König¬ reich dem französischen Äaiserthum einverleibt; — die Küsten des xäbstlichen Lebiethes wurden zu dem König- s reich Italien geschlagen; — das unabhängige Nagusa wurde eben diesem Königreiche einverleibt; — nur die österreichische Seeküste wurde noch nicht angegriffen, weil Unser Kaiser mittlerweck seine Vertheidigungskräfte au¬ ßerordentlich vermehrt hatte, und weil Napoleon diese auf so lange nicht reihen wollte, als er anderwärts noch Throne umstürzen und Königreiche zu verschlingen hatte. Völker Oesterreichs! nur einige der neuesten Ereig¬ nisse; welche Schlag auf Schlag einander folgten, müßt ihr würdigen, um in dem Schicksale fremder Staaten zu lesen, was uns gedroht hätte, wenn Napoleon alle andere Staaten unterjocht hätte, wenn rings um ihn herum alle alten Regenten-Familien gestürzt, — alle Kraft zum Widerstande gebreche», — Alles an das Joch gewöhnt gewesen wäre, — wenn er gerade dadurch ge¬ gen uns in eben dem Grade übermächtig geworden wäre, als er es bisher gegen schwächere Nachbar-Staaten war. .Der römische Pabst halte den neuen französischen Kaiser gekrönt; er hatte mit dem Schweiße seiner Un- terthanen französische Heere genährt; — nicht dem lei¬ sesten Vorwand zu einer Beschwerde konnte Frankreich in dem politischen Betragen des Pabstes finden; —er e r b o th sich sogar, a ll e H a fen des Kirchen¬ staates den Engländern zu verschließen. Aber Napoleon begnügte sich damit nicht, weil er von d e m O b e r h a u p te d e r K irche keinen b e- rva ffn e te n W i de rst and ; u fürchten hatte. Der Pabst sollte förmlich mit Frankreich in einen of¬ fensiven Bund treten; er sollte an England .den Krieg erklären; und, weil diese ungerechte Forderung an der festen Gewissenhaftigkeit des römischen Pabstes scheiter¬ te; — so wurden ihm seine Staaten gerausst, die Kar- dinäle von seiner Seite gerissen, der ehrwürdige Greis än seinem eigenem Pallaste gehöhnt und mißhandelt. Noch ist er ein Staatsgefangener in den Händen fran¬ zösischer Soldaten. U G Der Prinz Regent von Portugal hatte mit Millio¬ nen, die er seit mehreren Jahren an Frankreich bezahl- 7 Le/ die Erlaubniß erkauft, neutral bleiben zu können. Nach dem Tilsiter Frieden wurde ihm diese theuer er, kaufte Neutralität nicht mehr gestattet. Der Regent er- both sich zu vielem. Die Hafen Portugals wollte er den Engländern verschließen, und sogar das Eigenthum der Eiiglander in Portugal sequestriren. Aber er sollte gegen alles Völkerrecht, so forderte es Napoleon, alle jn Portugal auf öffentliche Treue vertrauenden Eng¬ länder gefangen nehmen, und sich dadurch alle Möglich¬ keit einer Aussöhnung mit England abschneiden. Diese Forderung empörte die Rechtlichkeit des Prinz Regenten; — seine Weigerung zog die französi¬ sche Erklärung nach sich, daß die Familie Braganz« aufgehört habe, in Portugal zu regieren. Eine franzö¬ sische Armee marschrrte nach Portugal, und der Prin- Regent konnte nur durch, plötzliche Einschiffung nach Brassckien dem Schicksale entgehen, als Gefangener nach Frankreich geschleppt zu werden. Der König von Spanien Karl IV. hatte in der Allianz mit Frankreich, und für Frankreich durch 12 Jahre das Gold und Silber von Amerika erschöpft, Spanien» Flotten aufgeopfert, und seine Armee für Frankreichs Plane bald nach Italien, bald nach dem Norden gesen¬ det. Aber Napoleon gelüstete es nach dem unmittelbaren Besitze des schönen Spaniens selbst. Unter den betrüg- lichsten Vorwänden rückten von allen Seiten französische Heere in Spanien ein, besetzten unter der Maske dec Freundschaft die Pässe und Festungen des Landes. Dec alte König von Spanien, der traurigen Regierung mü¬ de, entsagte ihr in die Hände seines Sohnes und Kro¬ nenerben. Diese Entsagung, welche in keinem Falle zw einer Einmischung eines Fremden rechtlichen Anlaß gab, führte ein in der ganzen Geschichte unerhörtes Ereigniß herbey. Der neue König von Spanien wurde von seinem Volke mit Begeisterung ausgenommen; Napoleon selbst, der sonst alles wagt, wagte es nicht, den König Ferdi¬ nand VII. an der Spitze dieses Volkes anzugreifen. Ec ergriff die Parthie, dem jungen König zu seiner Thron- § Besteigung Glück zu wünschen, ihn als Alliirten zu sich rinzuladen, die ganze königliche Familie und die Gro¬ ßen Spaniens auf französisches Gebieth zu locken, und dort die Dynastie, die alles für Frankreich und für Na¬ poleon gethan und geopfert hatte, zur N-ederlegung der Krone zu zwingen, welche er dann sogleich auf das Haupt feines Bruders Joseph setzte. Dre unglückliche königliche Familie büßt nun ihre Verbindung mit Frank¬ reich und ihr Vertrauen au,f Napoleon in der Gefangen¬ schaft. Was hätte ihnen Härteres widerfahren können, wenn sie im offenen Kriege gegen Napoleon mit den Waf¬ fen in der Hand wären gefangen worden-' Vergebens sucht man ein ähnliches Beyspiel von Treulosigkeit in ter Geschichte der Volker. Das hochherzige spanische Volk stund in Maste auf, um die Freyheit und den Thron ihrer Königsfamilie zu erkämpfen, und zu retten. Er ist zum Staunen der Ent¬ schluß dieses Volkes. Man hatte ihm seinen König ent¬ rissen, die regnlirten Truppen wcggcschleppt, die Festun¬ gen des Landes besetzt; der Zusammenbang der Nation war durch die überall verbreiteten französischen Truppen zerrissen; und doch erhob sich die Nation, ohne Anführer, ohne Artillerie, bloß von ihrem Muthc und von ihrer Treue geleitet, machte sie ganze französische Corps zu Gefangenen, reinigten das Königreich bis an d,e äußer¬ sten Gran; Pässe, — die ganze Macht Frankreichs wur¬ de gegen diese in Eil gesammelte National-Massa auf- gebothen, und noch behauptet die größere Hälfte Spa¬ niens ihre Unabhängigkeit; noch kann Frankreichs an¬ gestrengte Macht die Ufer des Quadalquivir nicht wie¬ der gewinnen, wo 20,000 ihrer Kameraden vor dem spanischen Landvolke das Gewehr gestreckt haben. Was hätte nicht diese Nation vermocht, wenn sie vereint mit ihrem König, gemeinschaftlich mit den regnlirten Trup¬ pen dem Feind den Eintritt in ihr Gebieth bey dem er¬ sten Schritte blutig bestritten hatte? — Diese Ereignisse machten es unverkennbar, was auch der friedfertigste Nachbar zu erwarten hätte, wenn 9 er nicht immer zum hartnäckigen Kampfe gerüstet ist. Unser Monarch erkannte und fühlte, was er unter sol¬ chen Umständen seinem Volke schuldig seye; — das Volk fühlte es, jeder von uns war überzeugt, wie nahe die Gefahr über unserm geliebten Kaiser und über uns allen schwebe. Der Monarch hatte bisher alle Kränkungen geheim gehalten, die er erdulden mußte. Es ist das Schicksal guter Fürsten, für ihre Völker zu leiden, ohne mit ihnen diesen Kummer zu theilen. Aber nach den Ereignissen in Spanien war es nicht mehr möglich, die Besorgnisse zu verheimlichen; man mußte Maßregeln ergreifen, um dem Angriff mck Nachdruck zu begegnen; wenn es Napo¬ leon einfallen sollte, mit Oesterreich die Scene von Spa¬ nien wiederhohlen zu wollen. Unser Kaiser mußte dieses um so mehr besorgen, da französischer Seils wiederhohl- te zudringliche Aufforderungen zurTheilung eines benach¬ barten Reichs, mit dem Oesterreich in freundschaftlichen Verhältnissen stand, waren gemacht worden, und man alle Tage dem Versuche eines Durchmarsches -französi¬ scher Truppen zu diesem Ziele entgegen sehn mußte, be¬ sonders ehe noch der Widerstand der Spanier die fran¬ zösische Macht über die Pyreneen gezogen hatte. Unser Monarch ergriff nun alle Maaßregeln um die Armee auf einen furchtbaren Stand zu bringen, und zugleich die Nationalkrast zu beleben. Er fand bey seiner Nation eben das Gefühl, das ihn selbst belebte. Was auch immer feile Federn in Zeitungen und Zeitschriften von Spaniens Wiedergeburt, von den Wohlthaten Na¬ poleons für die Menschheit schreiben mochten; — der gerade rechtliche Sinn der österreichischen Völker ließ sich nicht täuschen, er nannte Raub, was Raub war; — er nannte Treulosigkeit und Wvrtbruch bey ihrem Nah¬ men. Die österreichischen Völker fühlten es, daß nur vorbereitete Gesammtkrast sie gegen ähnliche Gewalt- thätigkeiten zu sichern vermöchten. Nicht die Regierung belehrte uns hierüber; kein Schriftsteller predigte uns diese große Wahrheit. Sie tag unauslöschbar in uns J o allen. Daher die allgemeine Begeisterung/ mit welcher die Anstalten der Regierung ausgenommen/ ergriffen, und ausgeführt wurden. Die Negierung durste nur den Fingerzeig geben, wie die Nationalkraft geweckt, geübt, belebt werden sollte; der lebendige kräftige Wille war längst in allen. Dieser Einklang zwischen dem allgemein verehrten Monarchen und seinen biedern Völkern erzeugte d-e Reserven, die Landwehre, die Sisurrektion, den feyerlichen Bund Aller zur Erhaltung des Ganzen. Mit bittrer Schelsucht betrachtete Napoleon diese Schritte zur Selbstvertheidigung; in seinem gewohnten gebieterischen Tone drang er aus Abstellung dieser An¬ stalten; er forderte in Erfurt den russischen Kaiser auf, falls diese Anstalten nicht eingestellt würden, gemein¬ schaftlich mit Frankreich den österreichischen Kaiser zu bekriegen. Das Billigkeits-Gefühl des Kaisers Alexander ver¬ warf diese Forderung. Und nun mußten die besoldeten Zeitungs- und andere Schreiber gegen Oesterreich mit jenen ungesitteten Vorwürfen und Lasierungen äussreren, welche Napoleon immer vorausschickt, ehe er sich mit sei¬ nen Heeren über einen Staat herwalzt. Die Staats-Verwaltung Oesterreichs wurde herab¬ gesetzt; — die Völker der Monarchie gehöhnt, die Ga¬ lizier als Rebellen, die Hungarn als Factionars, die Deutschen als unbehülflich und zum Militär ungeschickt verspottet; die Schmähungen dieser erkauften Libellisten verschonten selbst die Brüder unsres Kaisers und unse¬ rer Kaiserin» nicht. Zugleich wurden unsere Vertheidi- gungsanstalten herabgewürdigt,unsere Militar-Vorra'the als erschöpft, — unsere Landwehr als ein zusammenge- rafter ganz unbrauchbarer Hause voll Übeln Willens ge¬ schildert, um der französischen Nation einen Krieg mit Oesterreich leicht zu zeigen, den er bereits beschlossen hatte. Zu diesem Ende ließ er die bereits gegen diespa- nischen Granzen. vorgerückten, und die dahin beorderten Truppen gegen unsere Gränzen zurückkehren; die Trup- 1 -po- pen des rheinischen Bundes wurden mit der größten Anstrenguug vermehrt, und an unsere Granzen hinge¬ wälzt; während die Schmähungen in den von'Napoleon abhängigen Blattern mit jedem Tage bitterer wurden. Der Krieg konnte nicht mehr vermieden werden. Völker Oesterreichs! Ihr wißt, wofür Ihr kämpft. Jhrftyd glücklich unter einem sanften Geepter; Manu- facturen, Gewerbe, Ackerbau blühen. Gesetze schützen je¬ den bey seinen Rechten, bey seinem Esgenthum; — der Monarch selbst läßt sich zu dem geringsten seiner Unter- thanen herab; auf semen Reisen und in der Residenz hört er jeden an, ertheilt Rath und Hülfe, ist leutselig, sanft und m.ld", ist Freund und Vater jedem, der sich ihm naht. Wie einer unseres Gleichen wandelt Er unter uns; seine Größe drückt Keinen, sie zeigt sich nur durch Wvhlthaten. Güter-Besitzer, Handelsleute, Pro- fesswnistcn, Bauern, Handarbeiter, alle leben in einem angemessenen Wohlstände. Denkt und prüft: unter wel¬ cher Regierung könntet Ihr Euch ein besseres Loos ver¬ sprechen ? und um wie viel glücklicher wird erst dieses Loos seyn, wenn Ihr cs erkämpft haben werdet, daß ihr einen sichern Frieden genießt, daß euerem Handel das Meer offen ist. — Wahrltch cs ist eine schöne Lobrede ans unsern ge¬ liebten Monarchen, nach so blutigen Kriegen, hey einem so wankenden Frieden, bey so ungewöhnlichen Anstrengungen ein so glückliches V o l k z u s e h e n, a ls wir sind. Werft dagegen euere Augen auf die Völker rings um euch herum, wo immer Napoleon hineingedrungen ist, wo er die Glückseligkeit, die er anbie- thet, verbreitet hat. Gebrochen, in den Staub getreten sind die Rechte aller Stande; gehöhnt die Die¬ ner der Religion; erschöpft das Land durch den Unter¬ halt der Armeen, die er als die Vollstrecker seiner Ge- waltthaten zurüchläßt und durch die Agenten seiner Er¬ pressungen. Die schönsten Güter in Italien, in Deutsch¬ land, in Pohle« (so weit Napoleons Ann reichte) sind. 12 an französische Generale verschenkt, die den Schweiß des italienischen, pohlnischen und deutschen Landmannes in Frankreich verprassen. Dieser betrogene Landmann, dem man mit französischer Glattzüngigkeit Glück und Wohl¬ fahrt versprochen hat, ist hingeworfen an einen neuen französischen Gutsbesitzer, der nie in der Mitte seiner Guisunterthanen die Einkünfte verzehrt, der nie den ttn- terthan kannte, nie ihn liebte, — der nur von dessen Marke fett werden will. — Blickt hin auf das Schick¬ sal der Schlesier und der Brandenburger; — dafür, daß Napoleon Liese Provinzen, dem Tilsiter Frieden zuwi¬ der, noch über ein volles Jahr mit seinen Armeen aus¬ saugte, und noch fetzt nicht ganz räumt, — dafür läßt er sich von dem bedrängten Könige Summen zahlen, welche sein Volk zu Grunde richten, und welche, wenn sie mit Kraft angewendet würden, hinreichten, sein Volk m Freyheit zu setzen. Der letzte Pfenning und die letzten silbernen Gcräthschaften dieses unglücklichen Volkes wer¬ den für die französischen Cassen zusammen gerafft, um die Selaverey des Landes zu verewigen. Eben so erschöpft und ausgesaugt sehen wir Holland, Toscana, den Kir¬ chenstaat, die Lombardey und alle Theile von Deutschland. Aber das Fürchterlichste ist, daß die wehrbare Mann¬ schaft aller der Provinzen, die Napoleons Winken unter¬ worfen sind, in endlosen Kriegen herum geschleppt wird, um für französischen Ehrgeitz zu bluten. Wir sahen die spanischen Truppen nach Italien und von da an die Kü¬ sten der Nordsee marschiren; sie sollten in Schweden ge¬ landet werden, um da Frankreichs Ehrgeitz zu sröhnen. Bayern und Sachsen, Würtemberger und Hessen mu߬ ten an der Oder und Wartha, Weichsel und Memmel gegen die mit ihnen stets alliirten Staaten, — gegen Preussen und Russen fechten; und kaum war da der Friede mit deutschem Blute zu Frankreichs Vortheil erkämpft, als unsere deutschen Brüder mit Holländern, Italienern und Pohlen auf die Schlachtbank nach Spa¬ nien geführt wurden, weil Napoleon dort ein freyes, großes Volk unterjochen will. .Die Dösker, die mit Napoleon im Bunde, oder ihm unterworfen sind, haken nie Frieden, nie Ruhe zu hoffen. Wenn wir nicht mmbvvll gegen ihn an der Schwelle unseres Vaterlandes kämpfen wollten, so würden wir bald in dem Falle scyn, auf sei¬ nen Befehl die Mauern von St. Petersburg und von Konstantinopel zu stürmenund in fremden Weltthnlen für ihn Colonien zu erobern. Das Meer würde die Körper derjenigen verschlingen, und fremdes Clima die dahin raffen, welche nicht nuithig genug gewesen wären, dieFrey- hcit ihres eigenen Herdes zu verthciingcn. Auf also, Völker Oesterreichs! schützet euer Vater¬ land, euern Monarchen, euer Eigenthum und vor allem euer» großen Völkerbund. In diesem besteht euere Stär¬ ke, euer Glück. Der Hungar, der Oesterreicher, der Böh¬ me, der Gallizier, — alle sind stark dadurch, daß alle für Einen da stehen. Einzeln wäre jedes der Erblande zu schwach, dem gewaltigen Unterdrücker zu widerstehen. Nur durch Siege kann dieser Staaten-Bund zusammen gehalten werden; wenn Napoleon siegt, so zerreißt er diesen Bund und theilt den Staat unter mehrere seiner Trabanten, um Alles zu unterdrücken und überall alles PrivaEigenthum rauben zu können. Nur Krieg und Sieg kann dieses endlose Unglück von uns abwenden. Er ist nicht klein dieser Krieg, — der Sieg nicht leicht. Wir haben es mit einem Gegner zu thun, der durch Siege groß, schon ein Mahl in unserer Haupt¬ stadt uns höhnte und dessen Fahnen große Schaaren un¬ terjochter Völker folgen. Aber Alles hat sein Ziel, — das Uebermaaß von Vergehen beschleunigt oft den Fall des Ehrgeitzigen. Eine Nation von 24 Millionen Menschen, welche Einen Willen und festen Entschluß hat, selbstständig, frey von fremdem Joche zu leben und zu sterben, kann nicht bezwungen werden. Ihr seyd diese Nation,— euch ist es Vorbehalten, der Unterdrückung Schranken zu se- »4 tzsn, ruck, frey zu erhalten und andere tzom Joche zu er¬ lösen. Noch hat es Napoleon nicht erfahren, was es heißt, mit aufgercitztcn Völkern zu kämpfen. Jetzt erst muß er das an euch und den Spaniern erfahren. Ihr ftyd dabcy weit glücklicher als die braven Spanier; — ihr habt euern angebetheten Monarchen i» eurer Mitte, und wenn es nothig würde, an der Spitze des Heeres; zahlreiche Armeen, ansehnliche Reserven, große Heere von Landwehr sind zu unserem Schutze bereit. Alles das hat unser Monarch vorbereitet und organisirt; der Spa¬ nier hatte ohne alle Vorbereitung nur seinen Muth. Ihr werdet, wenn es nothig w-rd, euck nicht min¬ der muthig als die Spanier beweisen. Die dankbare freye Nachwelt wird einst sagen: Spanier und Oe st er reicher haben die Freiheit des M e n s ch e n g e fch l e ch t s e rkä m pft. Aber auch schon jetzt könnet und werdet ihr zur Er¬ rettung des Vaterlandes mit beytragen. Tausende euerer Brüder stehen bereits dem Feinde gegenüber; mit einem Frohsinne, der alles in Erstaunen setzte, zogen sie aus. Tausende werden diesen nachfolgen.. Auf ihrem Marsche bis an die Granze schon sollen sie fühlen, daß sie für ihre Heimath, für ihre Brüder in den Streit ziehen. Hochherzige Bürger Oesterreichs! nährt und pflegt diese braven Krieger als Glieder euerer Familie, und sie wer¬ den am hcißcn Tage der Schlacht des brüderlichen Ver¬ eins gedenken, und dieser Gedanke wird sie mit Helden¬ geiste beleben. Unterstützt den kranken, den verwundeten Krieger, damit die Wicdergenesenden, wenn sie ins La¬ ger zurück kommen, ihren Waffengefährten euern Edel- muth preisen. — Ihr Gutsbesitzer! Ihr Vermögt che- re! folgt dem Beispiele der edlen Böhmens nach; stif¬ tet durch patriotische Vertrage Belohnungen für euere Landsleute, welche im rühmlichen Kampfe verstümmelt werden; damit im Gewühle der Schlacht der Gedanke an ein sorgenloses Alter ihren Muth erhebe. Väter, Seelsorger, Vorgesetzte! stimmt und erholtet den Muth und den frohen Geist' der waffenfähigen Ju¬ gend, daß sie nach dem Beispiele der Tausende, welche jetzt schon dem Feinde gegenüber stehen, sich freudig zu den Waffcn-Ucbungen versammeln, undfreudigausziehen zu Kampf und Sieg. Jeder lege einen Theil seines Nebenflusses auf den Altar des Vaterlandes, um die Hunderttausende, wel¬ che alles schützen, zu unterhalten, zu nähren und zu klei¬ den. Jeder lege sich selbst ein Opfer auf, um den Feind zurückzutreiben, der, wenn er siegte, nichts verschont. Tragt bep zur Anlegung von Vefesngungen, um, wenn auf einen Augenblick das Kriegsalnck den Feind Legünstigte, ihn von dem Eindringen in die Monarchie abzuhalten. Leiht willig zu solchen Arbeiten eure Hände und euer Zugvieh zugleich; denn wenn der Feind ein¬ dringt, so treibt er es ohne Schonung weg. Legt selbst Hand an dergleichen Arbeiten, denn sie sind zu eurem Schutze. Und wenn einmahl unsere brave Armee ein Unglück treffen sollte, — wenn der Feind einen Punkt unserer Grenze betritt, dann, tapfere Landwehrm.mner! eilet freudig euerer Bestimmung entgegen; — vereint mit der regulirten Armee werdet ihr dann dem Feind einen Damm entgegensetzen, damit nicht eine anderwärts sie¬ gende Armee ihre Dortheile verlassen, und zum Schutz des Vaterlandes zuröckeilen müsse. Auch Euch wird dann, das Vaterland seine Rettung verdanken. Und wenn irgendwo die Gefahr größer würde, — dann eile jeder wehrhafte Mann dahin, wo er dem Da- terlande nützen kann; — mit Waffen, die er findet, und mit welchen er umzugehen weiß. Waren doch auch die braven Spanier großentheils ohne Waffen, als sie den Entschluß faßten, zu siegen, oder die Sclaverey ihres Vaterlandes nicht zu erleben. Doch^zu diesem Acußersten wird es wohl nicht kom¬ men ; dafür bürgt uns der Muth unserer Armeen, die Prechts Sache unseres Monarchen, und der Held, den unsere Armee als bas sichere Unterpfand des Sieges be¬ trachtet, — Erzherzag Karl! — Ihm zur Seite und unte" seinem Oberbefehle kämpfen die Erzherzoge Johann und L udw i g, F e r d i n a n d und Maxi¬ me lra n. Welche FannUe der Monarchie sendet aus ihrer Mitte so viele Männer den Mühseligkeiten und den Gefahren des Krieges entgegen, als die Familie unseres Monarchen? — Rach dem Beyspielc dieser erhabenen Prinzen ge¬ lobe jeder aus uns dem Monarchen, dem Daterlandc, seinen Mitbürgern, und sich selbst nicht zu dulden die Schmach fremden Joches, — alles zu wagen, und alles zu opfern für die Erhaltung des großen Völkerbundes und des Thrones eines Monarchen der uns liebt, und ei¬ ner Regenten-Familie unter deren Sccpter unsere Väter von Jahrhunderten her das glücklichste Volk waren.