Zur historisch- sprachwissenschaftlichen Interpretation der slawischen Kustoden im Kodex Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts (ca. 1134–1147)¹ On the historical linguistic interpretation of Slavic catchwords in the Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 codex from the second quarter of the 12th century (c. 1134–1147) ❦ Matej Šekli ▶ matej.sekli@guest.arnes.si SLAVICA TERGESTINA European Slavic Studies Journal ISSN 1592-0291 (print) & 2283-5482 (online) VOLUME 30 (2023/I), pp. 318–345 DOI 10.13137/2283-5482/35835 319 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. (historisch-)vergleichende sprachwissenschaft, slawische sprachen, alpenslawisch, frühslowenisch, slowenisch, Zahlwörter, handschrift heiligenkreuZ ocist., cod. 250 (historical) comparative linguistics, slavic languages, alpine slavic, early slovenian, numerals, manuscript heiligenkreuZ ocist., cod. 250 Im vorliegenden Beitrag werden die neu entdeckten slawischen Kustoden im lateinischen Kodex Heiligenkreuz OCist., Cod. 250, der im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts (ca. 1134–1147) im Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald entstand, historisch- sprachwissenschaftlich interpretiert. Die Sprache der slawischen Zahlwör- ter von 1 bis 10, die in den Kustoden vorkommen, wird aufgrund ihrer historisch-phonetischen Analyse genealogisch-linguistisch eingeordnet. Sie wird mit dem Frühslowenischen, das bis ins 12. Jahrhundert im ganzen Ostalpenraum ungefähr von der Donau im Norden bis zur Adria und der Kulpa im Süden sowie bis zur westlichen Peripherie der Pannonischen Ebene im Osten bezeugt ist, identifiziert. Des Weiteren wird das Frühslowenische aufgrund seiner sprachlichen Merk- male sowohl vom damaligen westslawi- schen (d. h. tschechisch-slowakischen) Sprachkontinuum nördlich als auch vom Zentralsüdslawischen (vor allem dem Kajkavischen und Čakavischen) südlich des Ostalpenraumes linguis- tisch eindeutig abgegrenzt. The article provides a historical linguistic interpretation of the newly discovered Slavic catchwords in the Latin codex Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 which was produced in the second quarter of the 12th century (c. 1134–1147) in the Cistercian monastery in the Vienna Woods (German Wiener- wald). Through careful historical pho- netic analysis of the Slavic numerals 1 through 10 present in the catchwords, the contribution arrives at the genea- logical linguistic attribution of the par- ticular Slavic language to which these numerals must belong. This language happens to be identified with Early Slovenian, which is attested up to the 12th century in the whole Eastern Alpine region spanning the approxi- mate area from the Danube River in the north to the Adriatic Coast and the Kolpa/Kupa River in the south as well as to the western outskirts of the Pan- nonian Basin in the east. Furthermore, on the basis of some linguistic features Early Slovenian is clearly delimited from the contemporaneous West Slavic (i.e. Czech-Slovak) to the its immediate north as well as from the South Slavic (i.e. Kajkavian-Čakavian) to its south. 320 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation 1 Der Text wurde mithil- fe des Eingabesystems ZRCola (http://zrcola. zrc-sazu.si) erstellt, das im Wissenschaft- lichen Forschungszen- trum der Slowenischen Akademie der Wissen- schaften und Künste in Ljubljana/Laibach (http://www.zrc-sazu. si) von Peter Weiss entwickelt wurde. Der vorliegende Auf- satz basiert auf den Publikationen Šekli 2022a und 2022b und stellt ihre zusammen- gefasste sowie er- gänzte bzw. korrigierte Version in deutscher Fassung vor. In Šekli 2022a habe ich die Datierung des Kodex Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 aus Haidin- ger, Lackner 2015: 16 und Lewaszkiewicz, Wydra 2021: 70 über- nommen. Während der Vorbereitung meines Votrags mit dem Titel O novo odkritem jezi- kovnem drobcu zgodnje slovenščine iz 12. stoletja/ „Über das neu entdeck- te Sprachfragment des Frühslowensichen aus dem 12. Jahrhundert“, den ich innerhalb der von der Sektion für slowenische Sprache der Slovenska matica organisierten Veran- staltung Naj slovenščina odmeva/„Slowenisch soll nachklingen“ am 14. November 2022 im Kultur- und Kongresszentrum Cankarjev dom in Lju- bljana/Laibach hielt (Šekli 2022c), machte mich die slowenische Kunsthistorikerin und Kodikologin Nataša → Die entDeckung Der slawischen Zahlwörter in Der hanDschrift heiligenkreuZ Ocist., cOD. 250 aus DeM Zweiten Viertel Des 12. jahrhunDerts (ca. 1134–1147) Im Zisterzienserstift Heiligenkreuz im Wienerwald entstand in der Amtszeit des ersten Abts Gottschalk (1134–1147) eine lateinische Hand- schrift, die in der dortigen Stiftsbibliothek unter der Signatur Hei- ligenkreuz OCist., Cod. 250 aufbewahrt wird; sie besteht aus 181 Pergamentfolien und enthält unter anderem zwei geistliche Texte in lateinischer Sprache, und zwar Collationes (Conlationes) (patrum)/ „Unterredungen (mit den Vätern)“ von Johannes Cassianus (um 360– um 435) (1r–167r) und Contra collatorem von Prosper von Aquitanien (um 390–nach 455) (169r–181v) (Haidinger, Lackner 2015, 2022). In der Zeit ihrer Entstehung wurden die Zahlwörter von 1 bis 10 in der Hand- schrift auf den Seiten 8v, 16v, 24v, 32v, 40v, 48v, 56v, 64v, 72v und 73r als Kustoden mit Worten eingetragen, und zwar nicht auf Latein (oder Bairisch-Mittelhochdeutsch), sondern in einer slawischen Sprache.2 Die Kustoden mit slawischen Zahlwörtern von 1 bis 10 im Kodex Hei- ligenkreuz OCist., Cod. 250 wurden von den österreichischen Hand- schrift-Experten Alois Haidinger und Franz Lackner entdeckt. A. Haidinger (Wien) und Herrad Spilling (Stuttgart) übermittelten da- rauf den neuen Sprachfund mithilfe von Edward Potkowski an die polnischen Linguisten Tadeusz Lewaszkiewicz und Wiesław Wydra (Poznań/Posen), die eine erste sprachwissenschaftliche Interpretation der Zahlwörter in einem Aufsatz mit dem Titel „Słoweńskie/karyn- ckie/podjuńskie” (?) liczebniki w łacińskim rękopisie z trzeciej ćwierci XII wieku (Heiligenkreuz, Cod. 250)/„‚Slowenische/Kärntner/Jauntaler‘ (?) Zahlwörter in einer lateinischen Handschrift aus dem dritten Viertel des 12. Jahrhunderts (Heiligenkreuz, Cod. 250)“, der im 70. Jahrgang 321 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. → Golob darauf auf- merksam, dass der Kodex in die Amtszeit des ersten Abts des Zisterzienserstiftes Heiligenkreuz, Gott- schalk (1134–1147), in der der Katalog der Kodices in der Stiftsbi- bliothek, der auch die Collationes von Johan- nes Cassianus enthält, zu datieren ist (vgl. auch Nataša Golob im Rundfunkinterview vom 6. Dezember 2022 in Čobec 2022). Diese neue Datierung, die am 26. September 2022 veröffentlicht wurde (Haidinger, Lackner 2022) und gemäß derer die Handschrift ein Vierteljahrhundert jünger ist, ändert al- lerdings nichts an der historisch-sprach- wissenschaftlichen Interpretation der damaligen slawischen Sprache im Ostalpen- raum. Die frühslo- wenische Periode ist nämlich in den Zeitraum zwischen ca. 1000 und ca. 1200 zu datieren. 2 Bedeutung der Kenn- zeichen: r = recto (d. h. vordere Seite des Foliums), v = verso (d. h. hintere Seite des Foliums). Kustoden – Kennzeichnun- gen der Lage der Folien im Kodex (vgl. Golob 2006: 136). (2021) der polnischen Fachzeitschrift Rocznik Slawistiyczny erschien, veröffentlichten (Lewaszkiewicz, Wydra 2021). In dem Artikel analy- sieren die Autoren das in der Handschrift neu entdeckte historische Sprachmaterial aus graphischer und linguistischer Sicht, wobei sie die Meinung vertreten, dass die Zahlwörter slawischen Ursprungs sind, die genaue genealogische Einordnung der in den Zahlwörtern beleg- ten slawischen Sprache jedoch nicht möglich sei. Aufgrund einiger sprachlicher Merkmale der Zahlwörter neigen sie zu der Annahme, es handle sich um die Sprache des heutigen slowenischen Sprach- raumes, und zwar – wegen der vorhandenen Nasalvokale – um einen Kärntner slowenischen Dialekt, in erster Linie den Jauntaler Dialekt (slowen. podjunsko narečje), der die urslawischen Nasalvokale bis heute erhalten hat. Sie schließen allerdings nicht aus, dass die sprachliche Substanz der Zahlwörter zudem polnisch sei, da auch das Polnische Nasalvokale heute noch kennt. Nach seiner Veröffentlichung schickte T. Lewaszkiewicz den Artikel slowenischen Sprachwissenschafltern, die sich (unter anderem auch) mit der Geschichte der slowenischen Sprache und ihrer Dialekte befas- sen. Die breitere slowenische Fachöffentlichkeit wurde am 17. Dezem- ber 2021 im Rahmen des Online-Diskussionsforums Slovlit (Slavistično društvo Slovenije/„Slowenische Gesellschaft für Slawistik“, Moderator: Miran Hladnik) von Silvo Torkar, dem Sprachwissenschaftler am Fran- Ramovš-Institut für slowenische Sprache (Wissenschaftliches For- schungszentrum der Slowenischen Akademie der Wissenschaften und Künste) über die neue Entdeckung informiert. Dazu hielt er unter anderem Folgendes fest: „Poljski jezikoslovec Zbigniew Babik se je po e- pošti na objavo odzval zelo pritrdilno in odkritje poimenoval ‚mala slovenistična senzacija‘“/„Der polnische Sprachwissenschaftler Zbig- niew Babik [Kraków/Krakau] reagierte in einer E-Mail sehr positiv 322 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation auf die Veröffentlichung und bezeichnete die Entdeckung als ‚eine kleine slowenistische Sensation‘“. Anschließend wurde ein weiterer Artikel verfasst, und zwar von Matej Šekli mit dem Titel Zgodnjeslovenski števniki od 1 do 10 v Heili- genkreuškem rokopisu iz tretje četrtine 12. stoletja (Heiligenkreuz OCist., Cod. 250)/„Frühslowenische Zahlwörter von 1 bis 10 in der Heiligen- kreuzer Handschrift aus dem dritten Viertel des 12. Jahrhunderts (Hei- ligenkreuz OCist., Cod. 250)“, der in der Ausgabe Nr. 70/1 (2022) der slowenischen wissenschaftlichen Zeitschrift Slavistična revija erschien (Šekli 2022a). M. Šekli setzt die Heiligenkreuzer slawischen Zahlwörter in Zusammenhang mit der slawischen Sprache des 12. Jahrhunderts in den Ostalpen und in Westpannonien. Mittels einer präzisen histo- risch-linguistischen Analyse der Zahlwörter konnte er feststellen, dass es sich um Frühslowenisch handelt. Bestimmt werden weitere linguis- tische Analysen von verschiedenen Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern folgen, das letzte Wort über die Zahlwörter ist jedenfalls noch nicht gesprochen. Die Entdeckung der slawischen Zahlwörter von 1 bis 10 in der Handschrift Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 aus dem 12. Jahrhundert – und damit des neuen historischen Sprachmaterials – gilt in der Slowenistik als eine der wichtigsten Entdeckungen der vergange- nen Jahre, was der große Verdienst aller oben genannten Forscher ist. Die Aussage der polnischen Sprachwissenschaftler, die genaue genealogische Einordnung der in den Zahlwörtern belegten slawi- schen Sprache sei nicht möglich, stellt jedoch eine große Heraus- forderung für die (historisch-)vergleichende Sprachwissenschaft der slawischen Sprachen dar. Wenn das Sprachmaterial es zulässt, ermöglicht die (historisch-)vergleichende Sprachwissenschaft (als Teil der genealogischen Linguistik) mit ihrer exakten Methodologie 323 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. 3 Für eine sehr detail- lierte Diskussion über die Theorie und Me- thodologie der histori- schen Sprachwissen- schaft vgl. Hock 32021, über die Kriterien der genealogisch-lingu- istischen Klassifikation aufgrund des slawi- schen Sprachmaterials jedoch Šekli 2018. 4 Zum Beitrag der Junggrammatiker in der Entwicklung der theoretisch-methodo- logischen Grundlagen der (historisch-)ver- gleichenden Sprach- wissenschaft vgl. Pedersen 1931: 283–294, Einhauser 1989, 2001. 5 Die historischen Ereignisse, die sich auf die „slowenische“ Geschichte beziehen, stammen aus Štih 1999 und 2016, während die die „österreichi- sche“ Geschichte betreffenden Fakten aus Vocelka 2000 und Bruckmüller 2017/2019 entnommen sind. genau das, und zwar die genaue genealogische Einordnung eines be- liebigen Sprachsystems. In Einklang mit dem theoretisch-methodologischen Verfahren der genealogischen Linguistik ist – nach dem „Bottom-up-Ansatz“ – das wichtigste Kriterium der genealogischen Klassifizierung der Spra- chen und ihrer Dialekte das historisch-phonetische Kriterium.3 In den 1870er Jahren kamen die Leipziger Junggrammatiker zur korrekten Erkenntnis, dass die Lautwandel unter aller Art Sprachwandel die regulärsten, die systematischsten sind, vgl. die Postulierung der soge- nannten „Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze“ von den Junggrammati- kern. Lautwandel können äußerst genau, mit mathematisch präzisen Regeln beschrieben werden; die Junggrammatiker nannten sie zu Recht Lautgesetze (Osthoff, Brugmann 1878: XIII).4 Als solche sind die Fakten der historischen Lautlehre zweifellos das wichtigste Kriterium für eine präzise genealogische Einordnung bzw. Klassifizierung der Sprachen und ihrer Dialekte. Sehr vereinfacht und metaphorisch ausgedrückt, stellen die Laute den genetischen Code eines Sprachsystems dar. So- wohl das morphologische Kriterium als auch die syntaktischen und lexikalischen Eigenschaften des analysierten Sprachsystems können sich den lautlichen Fakten anschließen, aber nur, wenn die Innova- tionsareale in den anderen, „höheren“ Domänen mit denen auf der lautlichen Ebene übereinstimmen (Šekli 2018: 40–42). Die slawische sprache iM OstalpenrauM bis enDe Des 12. jahrhunDerts5 Die Slawen besiedelten die Ostalpen und den westlichen Teil der Pan- nonischen Ebene, d. h. den damals zukünftigen alpenslawischen bzw. altslowenischen Sprachraum, in der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts, und 324 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation zwar in zwei Migrationswellen. Die erste Welle gelangte in die Ostalpen nach ca. 550 vom Nordosten der Donau und ihrer Nebenflüsse aufwärts (d. h. vom zukünftigen westslawischen Sprachgebiet), die zweite hin- gegen um 585 vom Südosten der Save und ihrer Nebenflüsse aufwärts (d. h. vom zukünftigen südslawischen Sprachgebiet). Diese zweite Migra- tionswelle der Slawen fand in Zusammenhang mit und in Abhängigkeit von den Awaren statt. Die ersten bekannten historischen Quellen, die die Anwesenheit der Slawen im Ostalpenraum bestätigen, beziehen sich auf das Ende des 6. Jahrhunderts, und zwar auf das Gebiet an der oberen Drau. Der Historia Langobardorum/„Geschichte der Langobarden“ (IV, 7) von Paulus Diaconus (um 720/730–799), dem langobardischen Historiker aus Cividale (friaul. Cividât, slowen. Čedad), zufolge fiel der Baiernherzog Tassilo I. (591–610) um 592 in Sclaborum provinciam/„in die Provinz der Slawen“ ein, wobei mit der Bezeichnung Sclaborum provincia die Gegend in der Nähe des antiken Aguntum (einem römischen municiupium in der Nähe des heutigen Lienz in Osttirol) gemeint war (Kos 1902: 144–145). Die Slawen und die Bajuwaren (die alten Baiern) traten Mitte des 8. Jahrhunderts in einen noch engeren Kontakt, als Bayern mit der Unter- werfung der slawischen Fürstentümer in den Ostalpen und im Westen Pannoniens begann. Das nördlich der Karawanken gelegene Fürsten- tum Karantanien mit dem Zentrum im heutigen Karnburg/Krnski Grad wurde Bayern in den Jahren 743–745 angeschlossen. Das südlich der Kara- wanken gelegene Carniola mit dem Zentrum in Carnium, dem heutigen Kranj/Krainburg, gliederte sich in der Zeit der fränkisch-awarischen Kriege zwischen 791 und 795–796 ins Fränkische Reich ein (bereits 788 war Bayern von den Franken annektiert worden). Unter der Obrigkeit und dem Einfluss der Franken war in der ganzen Zeit seines Bestehens auch Unterpannonien (ca. 833–874). Nach den fränkisch-awarischen Kriegen (791–803), in denen die ganzen Ostalpen unter die fränkische 325 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. 6 Vgl. die Karte Slovenci po naselitvi/„Die Slowenen nach der Besiedlung“ in Kos 1955: 75 (die Benennug Slovenci „Slowenen“ ist allerdings für die frühmittelalter- liche Periode nicht passend) sowie die Karte 167.2 Siedlungs- namen slawischer Herkunft in Österreich in Wiesinger 1995 und die Karte 235.1 Slavische Gewässernamen mit dem Suffix -ica in Udolph 1995: 1542. 7 Für die Dokumen- tation der Präsenz der Slawen sowie der Personennamen slawischen Ursprungs auf dem Gebiet des heutigen Ober- und Niederösterreich in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts vgl. Kronsteiner 1975: 120–121, 1980: 218 und Holzer 2007b: [235]. 8 Vgl. die geographische Distribution der Perso- nennamen slawischen Ursprungs auf dem Gebiet des heutigen Österreichs in Zeit und Raum in Kronstein- ter 1975: 110–124. Herrschaft kamen, begannen jedoch die Baiern das Land südöstlich von Bayern zu besiedeln und sich unter den Slawen niederzulassen. Auf diese Weise kam die slawische Sprache in den Ostalpen und Westpan- nonien in direkten Kontakt mit dem bairischen Althochdeutsch. In den daraufkommenden Jahrhunderten wurde die slawische Sprache in den Ostalpen in Richtung von Nord nach Süd allmählich vom bairischen Hochdeutschen ersetzt. Im Zeitraum zwischen der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts und dem Ende des 12. Jahrhunderts erstreckte sich das slawische Siedlungsgebiet in den Ostalpen ungefähr von der Donau im Norden bis zur Adria und der Kulpa (slowen. Kolpa, kroat. Kupa) im Süden sowie bis zur westlichen Peripherie der Pannonischen Ebene im Osten.6 Daher erscheint es als völlig selbstverständlich, dass es im Wienerwald, wo sich das Zister- zienserstift Heiligenkreuz befindet, im 12. Jahhundert neben den bai- risch-mittelhochdeutsch-sprachigen Baiern noch Slawen gab, die eine südslawische Sprache sprachen. Die letzten Belege für die Präsenz der Slawen und ihrer Personennamen in dem Gebiet zwischen dem Traun- gau und dem Wiener Becken reichen nämlich in die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurück (vgl. Liuboszta Sclava, uxor Laztei de Sippach […], Laztey sclavus „die Slawin Liuboszta, Frau von Laztei aus Sipbach /…/, der Slawe Laztey“ in den Necrologia monasterii Sancti Floriani (Sankt Florian im heutigen Oberösterreich), wobei Liuboszta = *Ĺubosta, Laztei/Laztey = *Vlastěj (Kronsteiner 1975: 49, 85)).7 Südlich von diesem Gebiet an der Donau, d. h. nördlich von der späteren slowenisch-deutschen Sprach- grenze im ehemaligen karantanischen und unterpannonischen Raum, sind jedoch die slawischen Personennamen noch später, und zwar bis ins 15. Jahrhundert, belegt.8 Die Anwesenheit verschiedener ethnolinguistischer Identitäten und die jeweilige administrative Organisation spiegelnd, wird der Landstrich 326 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation 9 Obwohl die Begriffe plaga orientalis und Ostarrîchi höchstwahr- scheinlich zwischen- sprachliche Synonyme sind, bezeichnen sie nicht dasselbe Gebiet. Während sich plaga orientalis auf den gesamten mit Slawen besiedelten Ostalpenraum bezieht (Holzer 2007b: [235]), ist Ostarrîchi auf den Landstrich der Donau entlang beschränkt. 10 Vgl. Ramovš 1936; Rigler 1963; Logar 1974, 1981; Bezlaj 1976–2007; Šivic-Dular 1996; Smole 1998; Greenberg 2000; Snoj, Green- berg 2012; Šekli 2018: 148–156, 297–349, 2021. entlang der Donau in den Schriftquellen mit verschiedenen Benennun- gen bezeichnet. In den Jahrzehnten nach den fränkisch-awarischen Kriegen wird das Gebiet noch immer als partes Sclavorum et Avarorum „die Gegend der Slawen und Avaren“ (805), Avaria (811) oder Sclavinia (837) (Kos 1906: 40, 100–101; Holzer 2001a: 24, 35) bezeichnet. Dennoch, nach der Reform des Heiligen Römischen Reiches im Jahre 828 wurde das gesamte von den Slawen besiedelte Gebiet, die ganze Region der Ostalpen umfassend, zum bairischen Ostland, zur sogenannten plaga orientalis. Diese lateinische Benennung ist in der Conversio Bagoariorum et Carantanorum (Kap. 10.) zum ersten Mal belegt und geht auf ca. 870 zurück (Wolfram 2012: 72). Innerhalb von dieser neuen Verwaltungs- einheit wurde entlang der Donau eine neue Mark gegründet. Im Jahre 976 bekam Luitpoldus, d. h. Leopold I. von Babenberg (976–994), der marchio/„Markgraf “ von dieser neuen marcha/„Mark“, die von den Babenbergern bis zu ihrer Erlöschung 1246 verwaltet wurde. Die Mark trug den Namen Ostarrîchi (> Österreich), der zum esten Mal in einer Urkunde von 996 vorkommt.9 1133 stiftete der Markgraf Leopold III. (1095–1136) das Zisterzienserstift Heiligenkreuz. Schließlich wurde die Mark 1156 zum Herzogtum Österreich erhoben. alpenslawisch unD frühslOwenisch (ca. 800–1200) Im Zeitraum zwischen der 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts und dem Ende des 12. Jahrhunderts entwickelte sich die slawische Sprache zwischen der Donau und der Adria allmählich vom Urslawischen bzw. Gemein- slawischen, d. h. dem gemeinsamen Sprachvorfahren aller slawischen Sprachen, bis zum Slowenischen.10 Im Hinblick auf das Modellieren der Linguogenese und der internen Sprachgeschichte des Slowenischen definiert man die folgenden Chronolekte (d. h. zeitliche Varietäten) und 327 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. 11 Bei einigen Autoren wird Urslawisch, im Gegensatz zur Kon- zipierung desselben im vorliegenden Bei- trag, d. h. bis ca. 800 n. Ch. (nach Šekli 2014: 299–300), ausführ- licher in zwei Chro- nolekte untergliedert (vgl. Holzer 1995: 55–58, 2007a: 15–16, 19, 2020): Urslawisch im engeren Sinne (bis ca. 600 n. Ch.) war mehr oder weniger einheitlich (z. B. die erste regressive slawische Velarpalata- lisierung (litau. kirtà „Schlag“ vs. urslaw. *kьrta > *čьrta „Linie“; litau. gývas „leben- dig“ vs. urslaw. *givъ > *živъ „lebendig“) wurde im gesamten slawischen Sprach- raum durchgeführt), während Gemeinsla- wisch (seit ca. 600 n. Ch.) schon uneinheit- lich war (z. B. die zweite regressive slawische Velarpala- talisierung (urslaw. *kělъ „ganz“ > *cělъ; urslaw. *kěditi „seihen“ > *cěditi; urslaw. *xěrъ „grau“ > *śěrъ) unter- blieb im Novgorod- Pskow-Ostslawischen, also im slawischen geographischen Rand- gebiet) (Šekli 2014: 216–223, 242–249). Geolekte (d. h. räumliche Varietäten) desselben: 1) Urslawisch bzw. Ge- meinslawisch (ca. 550–800)11 im Ostalpenraum (sowie auch im Westen Pannoniens) – Alpen(süd)slawisch (ca. 800–1000) – Frühslowenisch/ Gemeinslowenisch (ca. 1000–1200) – Dialektslowenisch (ab ca. 1200). Das Frühslowenische war noch nicht wesentlich dialektal differenziert und stellt als solches den gemeinsamen Ausgangspunkt aller späte- ren slowenischen Dialekte dar. Am Anfang der letzten Periode, d. h. um 1200, teilte sich das Gemeinslowenische in zwei Makrogeolekte, und zwar in einen nordwestlichen und in einen südöstlichen Dialekt. Innerhalb dieser zwei Dialektkontinua formten sich bis Ende des 14. Jahrhunderts allmählich die slowenischen Dialektbasen aus, die sich in weiterer Folge in einzelne Dialekte, und z. T. in Subdialekte, sowie in Ortsmundarten spalteten. Alpenslawisch und Frühslowenisch sind demnach ältere Chrono- lekte des heutigen Slowenischen, die im ganzen Ostalpenraum von der Donau im Norden über die Alpen bis zur Adria im Süden verbrei- tet waren. Die beiden zeitlichen Sprachvarietäten wurden jedoch recht spärlich dokumentiert, vor allem in Sprachfragmenten, und zwar durch verschiedene geographische Namen und Personennamen in verschiedenen epichorischen (lokalen) lateinischen Schriftquellen. Die einzigen zusammenhängenden Texte aus dieser Zeit sind die Frei- singer Denkmäler (Monumenta Frisingensia = MF, slowen. Freisinški/ Brižinski spomeniki) (Ramovš, Kos 1937; Brižinski spomeniki 1992/2004), die höchstwahrscheinlich im Zeitraum zwischen 972 und 1039 aufge- schrieben wurden, und aus sprachwissenschaftlicher Sicht den Über- gang vom Alpenslawischen zum Frühslowenischen darstellen. Sowohl die slawischen Sprachfragmente als auch die Freisinger Denkmäler wurden mit der bairisch-alt- und mittelhochdeutschen Schreibung graphisch repräsentiert, was an den Zischlauten besonders deutlich 328 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation 12 Im (bairischen) Alt- und Mittelhoch- deutschen wurden mit dem Buchstaben (in Handschfrif- ten <ſ>) die palatalen Zwischenlaute ṡ, ż (d. h. Zischlaute zwischen s, z und š, ž) (so seit ca. 750), mit dem Buschstaben bzw. jedoch der Sibilant s (sowie die sibilantische Affrikate c) wiederge- geben (Braune 162018: 226–228; Kranzmayer 1956: 88–90, 112–113), was unter anderem die (bairisch)alt- und mittelhochdeutschen Lehnwörter im Slo- wenischen bestätigen (ahd. scado → urslaw. *škoda > slowen. škda „Schaden“; ahd. missa → urslaw. *mьša > slowen. máša „Messe“; fränk.-ahd. swëbal, swëval, bair.- ahd. *swëpal → slowen. žvéplo „Schwefel“; mhd. rībīsen → slowen. rȋbežen „Reibeisen“; mhd. salbeie, salveie → slowen. žájbelj „Salbei“ vs. mhd. vazzen → slow. dial. básati ‘hineinstopfen, laden’) (Stiedter-Temps 1963: passim). In der Folge werden in den ältesten slowenischen Sprachdenkmälern mit dem Buchstaben in der Regel š, ž (sowie č) (Freisinger Denkmäler: 2. Sg. Präs. zadenes (I 26) = zadeneš „du lädst auf “, Nom. Sg. m. Ptz. Prät. Akt. uzlissal (I 31) = uslišal „gehört“, bose (I 2) = bože „o Gott!“), mit dem Buchstaben jedoch s, z (sowie c) → zu erkennen ist (Braune 1874: 527–528, 162018: 226; Pirchegger 1931: 44; Ramovš, Kos 1937: 11–15; Holzer 2001b: 96).12 In Bezug auf eine relative und absolute Chronologie können das Alpenslawische vom Urslawi- schen und das Frühslowenische vom Alpenslawischen ziemlich klar abgegrenzt werden. Alpenslawisch (ca. 800–1000) ist eine Zwischensprachstufe zwischen Urslawisch bzw. Gemeinslawisch auf der einen Seite und Frühslowenisch auf der anderen. Die wichtigsten Sprachquellen aus dieser Zeit sind zwei „Sammlungen von Personennamen“, nämlich das Salzburger Verbrüderungsbuch (Liber confraternitatum Sancti Petri Salisburgensis) (Salzburg, 784–907), das aus zwei Teilen besteht, und zwar aus dem älteren Liber confraternitatum vetustior (LCv, S. 4–44) und dem jüngeren Liber confraternitatum recentior (LCr, S. 45–56) (Kos 1906: 256–257), sowie das Evangeliar von Cividale (Codex Foroiuliensis = CF) (San Canzian d’Isonzo/Škocjan ob Soči, 9.–10. Jh.) (Kos 1906: 248–256; Štih 2016: 72–73). Gegen Ende des 10. Jahrhunderts entstand das bedeu- tendste Sprachdenkmal dieser Periode, nämlich die schon erwähnten Freisinger Denkmäler. Der terminus post quem des Alpenslawischen wird von der Liquida- metathese, die um 800 zu datieren ist, dargestellt, und zwar mit der für das Südslawische charakteristischen Umstellung des Typs *CoRC > *CRaC (mit Vokaldehnung *o > a) in allen Positionen, d. h. auch in den nichtaltakutierten anlautlichen Sequenzen (im Gegensatz zum Südsla- wischen weisen West- und Ostslawisch im Anlaut keine Vokaldehnung auf: urslaw. *oRC- > südslaw. *RaC- vs. west- und ostslaw. *RoC-), z. B. Personenname Razemuzza (Gurk/Krka, 864) = *Rastimysla < *Orstimysla (Kos 1886: 133, 1906: 146–148; Kronsteiner 1975: 60) ← urslaw. *orsti „wachsen“ (> slowen. rásti, kroat. rásti vs. alttschech. rósti > tschech. růst, poln. róść); MF razumeti (II 29) = razuměti „verstehen“ < urslaw. 329 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. → (Freisinger Denkmä- ler: na zem zuete (I 8) = na sem světě „in dieser Welt“, Akk. Sg. m. bozza (II 46) = bosa „den Nackten“, u /…/ zavuizti (I 15) = v zavisti „in Neid“, Akk. Sg. izpovued (I 11) = izpověd „Bekenntnis“; Heili- genkreuz OCist., Cod. 250: ZEDEM (56v) = sedəm „sieben“, OZZEM (64v) = osəm „acht“, DEZeNΘ (73r) = desęt „zehn“) geschrieben. *orzuměti (> slowen. razumti, kroat. razúmjeti vs. alttschech. rozuměti > tschech. rozumět, poln. rozumieć); Ortsname Rauna (1108–1125), heu- te Ranna (in der Nähe von Mühldorf bei Melk) ← *Ravьna (Anreiter 2015: 114) < *Orvьna ← urslaw. *orvьnъ „gerade, eben, flach“ (> slowen. ráven, kroat. rȃvan vs. alttschech. rovný > tschech. rovný, poln. równy); Personenname Raztegoy (Leoben/*Ljubno, 12. Jh.) (Kos 1913: 19; Kron- steiner 1975: 59) = *Rastigoj < *Orstigojь ← urslaw. *orsti „wachsen“. Für die genealogische Einordnung der slawischen Sprache zwischen der Donau und der Adria ist die Tatsache, dass der Fürst von Mähren Rost- islaw/Rastislaw (846–870) in dem Evangeliar von Cividale als Rastisclao (CF fol. 6v) (Kos 1906: 252) = *Rastislav < *Orstislavъ (d. h. mit dem südslawischen Reflex der Liquidametathese *ra-) eingetragen ist, von höchster Bedeutung, während sich im Alttschechischen die Schreib- weise Rostislavo (869) (Pleskalová 1998: 140) = *Rostislav < *Orstislavъ (d. h. mit dem westslawischen Reflex *ro- derselben) findet. Hingegen kann als terminus ad quem des Alpenslawischen die Pa- latalisierung des urslawischen zentralen Vokals *y zu einem vorderen Vokal *i angesetzt werden, die charakteristisch für Südslawisch ist (im Gegensatz zum Südslawischen bleibt im West- und Ostslawischen das *y erhalten: urslaw. *y > südslaw. *i vs. west- und ostslaw. *y) und im Alpenslawischen um 1000 stattfand. In den Personennamen slawi- schen Ursprungs im Ostalpenraum ist der Vokal *y bis in das 10. Jahr- hundert belegt, z. B. Sitimuzil (Karnburg/Krnski Grad, 888) (Kos 1886: 150, 1906: 219; Kronsteiner 1975: 91) = *Žitimysl < *Žitimyslь; Priuvizlao (Moosburg/Možberk, 977–981) (Kos 1915: 480; Kronsteiner 1975: 57) = *Pribyslav < *Pribyslavъ. In den Freisinger Denkmälern kommt y nur noch sporadisch nach Labialen vor (und wird ähnlich wie in den Per- sonennanem mit , , geschrieben), z. B. MF 2. Sg. Imper. muzlite (II 84) = myslite „denkt!“ < urslaw. *myslite; MF buiti (II 42) = 330 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation byti „sein“ < urslaw. *byti), während in der Mehrheit der Fälle ein vor- derer Vokal i vorkommt, z. B. MF biti (I 7, III 21) = biti „sein“ < urslaw. *byti (> slowen. bíti, kroat. bȉti vs. alttschech. býti > tschech. být, poln. być); MF Nom. Pl. zinouue (II 16) = sinove „Söhne“ < urslaw. *synove (vgl. slowen. sȋn, kroat. sȋn vs. alttschech. syn > tschech. syn, poln. syn), das Verhältnis zwischen den beiden Reflexen ist 5 zu 53 zugunsten des i-Reflexes. Wie erwartet, weisen die slawischen Personennamen seit dem 11. Jahrhundert nur noch i auf, z. B. Nebcor (Kärnten, 1050–1065) (Kronsteiner 1975: 53) = *Nebigor < *Nebygorь; Pribizla (Kärnten, 1140) (Kos 1915: 93; Kronsteiner 1975: 57) = *Pribislav < *Pribyslavъ; Domi- zil (Admont, 12. Jh.) (Kos 1915: 470; Kronsteiner 1975: 36) = *Domisl < *Domyslь; Mabilka (Kremsmünster, 12. Jh.) (Kronsteiner 1975: 50) = *Mabilka, sehr wahrscheinlich ursprünglich *Domabylъka mit der Aph- ärese der ersten Silbe. Frühslowenisch (ca. 1000–1200) ist eine Zwischensprachstufe zwi- schen Alpenslawisch und Dialektslowenisch. Aus dieser Periode sind keine slawischen Texte erhalten. Die wichtigste „Personennamen- sammlung“ ist das Seckauer Verbrüderungsbuch (Liber confraternitatum Seccoviensis = LCS) (Seckau/*Sekova, 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts, sehr wahrscheinlich nach 1180) (Kos 1913; Kos 1915: 471–475). Der terminus post quem des Frühslowenischen wird von der Verein- fachung der Sequenz *tv (wie auch *dv) in einigen nachurslawischen komplexen Konsonantengruppen (Ramovš 1924: 136–137; Snoj, Green- berg 2012: 292–293), z. B. *stv > *st (*zdv > *zd) (urslaw. *tvȍrъ > *tvȏr > slow. tvr „Geschwür“ vs. urslaw. *sъtvorti > *stvorìti > slow. storīti „tun, machen, (er)schaffen“; urslaw. *dvgnǫti > *dvìgnǫti > slow. dvígniti „heben, aufheben“ vs. urslaw. *vъzdvgnǫti > *vzdvìgnǫti > slow. vzdíg- niti „heben, emporheben, hochheben“), die um 1000 produktiv war, repräsentiert. Die alpenslawischen Personennamen scheinen bis ins 331 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. 10. Jahrhundert die Sequenz tv nachzuweisen, z. B. Turdazo (Gailtal/ Ziljska dolina, 864) (Kos 1886: 140, 1906: 147; Kronsteiner 1975: 78) = *Tvdačь < *Tvьrdačь; Turdila (Salzburg, 9. Jh.) (Kos 1886: 141; Kron- steiner 1975: 78) = *Tvdila < *Tvьrdila). In den Freisinger Denkmälern kommt die Vereinfachung in einigen Fällen schon vor, z. B. MF Nom. Sg. m. Ptz. Prät. Akt. ztuoril (I 12) = stvoril vs. MF ztoriti (II 107) = storiti „tun, machen, (er)schaffen“ < urslaw. *sъtvoriti (> slowen. storīti vs. kroat. stvòriti, alttschech. stvořiti > tschech. stvořit, poln. stworzyć). Im 11. Jahrhundert ist der Lautwandel tv > t in den Personennamen bereits durchgeführt, z. B. Dridogoi (Lind bei Scheifling, 1030) (Kos 1886: 141, 1911: 15; Kronsteiner 1975: 78) = *Tdogoj < *Tvьrdogojь; Tri- dozlau (Wörthersee, 1150) (Kos 1886: 141, 1915: 372; Kronsteiner 1975: 78) = *Tdoslav < *Tvьrdoslavъ; Tridislav (Sankt Michael, Obersteier- mark, 1188) (Kos 1886: 141, 1915: 372; Kronsteiner 1975: 78) = *Tdislav < *Tvьrdislavъ; Tridenge (Seckau, 12. Jh.) (Kronsteiner 1975: 78) = *Tdiněg < *Tvьrdiněgъ ← urslaw. *tvьrdъ „hart“ (> slowen. tȓd vs. kroat. tvȓd, alttschech. tvrdý > tschech. tvrdý, poln. twardy). Der terminus ante quem des Frühslowenischen ist die Denasalisie- rung der urslawischen Nasalvokale *ę und *ǫ um 1200 im Südost-, aber nicht im Nordwest-Slowenischen, wo die Nasalvokale um 1200 noch erhalten blieben. Diese kommen tatsächlich im heutigen Jauntaler Dia- lekt in Kärnten noch vor (vgl. Zdovc 1972: 74–85). Die Denasalisierung im Südosten des Frühslowenischen markiert demnach den Anfang der Dialektspaltung des Slowenischen in zwei oben genannte Makrogeo- lekte. Die Nasalvokale sind insofern sowohl in der alpenslawischen als auch in der frühslowenischen Periode in den ganzen Ostalpen deutlich belegt, was die geographischen Namen und die Personennamen aus diesem Raum bezeugen, z. B. Personenname Zunduco (LCv, 13) = *Sǫdъkъ (Kronsteiner 1975: 65) ← *sǫdъ „Gericht“, *sǫditi „urteilen“; Ortsname 332 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation 13 Die Nasalvokale sind in den Frei- singer Denkmälern nicht systematisch aufgeschrieben, z. B. MF Gen. Pl. m. vuenſih (I 23) = vęjix „größer“ < urslaw. *vęьjьjixъ vs. MF zueti (II 89) = svęti „heilig“ < urslaw. *svętъjь; MF 1. Sg. Präs. poronſo (I 29) = porǫčǫ „ich gebe, übergebe“ < urslaw. *porǫčǫ vs. MF poruſo (III 61) = porǫčǫ „ich gebe, übergebe“ < urslaw. *porǫčǫ, und MF Akk. Sg. m. zodni (I 27) = sǫdni „Gerichts-“ < urslaw. *sǫdьnъjь). Lonca (1074), Lonka (um 1160), Lonca (1192–1197) = *Lǫka ← *lǫka „Aue“ (der Name bezieht sich auf Škofja Loka/Bischofslack) (Snoj 2009: 413); Personenname Zwento (Sankt Florian, 12. Jh.) (Kronsteiner 1975: 73) = *Svęt < *Svętъ ← *svętъ „heilig“. In den Quellen sind sie jedoch in der Schrift nicht konsequent markiert.13 Vom Gesichtspunkt der genealogischen Linguistik aus betrachtet, stellen die gemeinslowenische Vereinfachung der mehrgliedrigen Konsonantengruppen mit *tv und die Erhaltung der Nasalvokale zwei Sprachmerkmale von höchster Bedeutung dar. Sie haben unwiderleg- baren diagnostischen Wert in der geographischen Abgrenzung des Frühslowenischen von den angrenzenden Geolekten nördlich und südlich von demselben. Für den tschechisch-slowakischen ebenso wie für den kajkavisch-čakavischen Sprachraum belegen die Quellen näm- lich in der Zeit bis 1200 die Erhaltung der Sequenz *tv (z. B. alttschech. Turdimir = Tvdiír (12. Jh.) (Pleskalová 1998: 143) < *Tvьrdimirъ; kajk.- čak. TVRD(O)SLAV(I)Ć (Ozalj, 1544) = *Tvdoslavić (Fučić 1982: 275) < *Tvьrdoslaviь) und die frühe Denasalierung der urslawischen Nasal- vokale *ę and *ǫ, die im 11. Jahrhundert schon durchgeführt wurde (z. B. Prager Blätter (Alttschechisch), 11. Jh.: 3. Pl. Aor. kupiša „sie kauften“ < urslaw. *kupišę, 3. Sg. Aor. prěstupi „er/sie überquerte, sündigte“ < urslaw. *perstǫpi; Krk-Inschrift (Altčakavisch), 11. Jh.: RUGOTA (Fučić 1982: 223) < *Rǫgota). Die sprachlichen MerkMale Der slawischen Zahlwörter in Der hanDschrift heiligenkreuZ Ocist., cOD. 250 Die slawischen Zahlwörter von 1 bis 10 in der Handschrift Heiligen- kreuz OCist., Cod. 250 kommen in den sogenannten Mosaikkustoden vor. Die Kustoden sind nämlich aus einer römischen Ziffer und aus 333 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. einem ausgeschriebenen Zahlwort zusammengesetzt. Die Zahlwörter bestehen aus zwei Teilen, und zwar links und rechts von der römi- schen Ziffer, die höchstwahrscheinlich die Ordinalzahlen darstellen, z. B. II9 = secundus/secundum „der/das zweite“, also DRV.II9.GI. = DRVGI = drugi. Die graphische und phonetische Intepretation wie auch die etymologische, d. h. die morphologisch-semantische Deutung der auf- geschriebenen Zahlwörter, lautet: ET.I9.NO. (8v) = ETNO = edno „eins“; DRV.II9.GI. (16v) = DRVGI = drugi „der zweite“; TRE.III9.TIGI. (24v) = TRETIGI = tretji „der dritte“; CCS.IIII9.TIRI. (32v) = CCSTIRI = *čtiri/*štiri „vier“; Pa.V9.NT. (40v) = PaNT = pęt „fünf “; SCIʾ.VI9.ZT. (48v) = SCIZT = šest „sechs“; ZED.VII9.EM. (56v) = ZEDEM = sedəm „sieben“; OZ.VIII9.ZEM. (64v) = OZZEM = osəm „acht“; DE.VIIII9.WANΘ. (72v) = DEWANΘ = devęt „neun“; DE.X9.ZeNΘ. (73r) = DEZeNΘ = desęt „zehn“. Aus der linguistischen Analyse geht hervor, dass die Mehrheit der Formen Kardinalzahlen sind (CCSTIRI, PaNT, SCIZT, ZEDEM, OZZEM, DEWANΘ, DEZeNΘ, im heutigen Slowenischen štíri, pt, šst, sdem [sdəm], sem [səm], devt, dest), wobei eine Zahl in der Form des Neutrums vorkommt (ETNO, heute éno, vgl. auch slowen. dial. ednȍ), zwei Formen jedoch Ordinalzahlen repräsentieren (DRVGI, TRETIGI, heute drūgi, trtji). Das bedeutet allerdings nicht, dass man im Frühslo- wenischen des 12. Jahrhunderts so gezählt hat, wie wenn man heute sa- gen würde: éno, drūgi, trtji, štíri, pt, šst, sdem [sdəm], sem [səm], devt, dest, sondern nur, dass der Schreiber (aus uns unbekannten Gründen) verschiedene Arten von Zahlwörtern aufgeschrieben hat. Dass es sich bei diesen Heiligenkreuzer Zahlwörtern um Frühslo- wenisch handelt, wird durch zwei phonetische Eigenschaften bestätigt, und zwar durch einen Archaismus und eine Innovation, die für das Frühslowenische charakteristisch waren. Die Erhaltung der urslawi- schen Nasalvokale (PaNT = pęt, DEWANΘ = devęt, DEZeNΘ = desęt) stellt 334 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation einen Archaismus dar, während die Palatalisierung des urslawischen zentralen Vokals *y zu einem vorderen Vokal i (*čtyri > CSSTIRI = čtiri/ štiri) eine Innovation ist. Die Sprache der Zahlwörter kann also nicht Tschechisch bzw. Slowakisch weder Zentralsüdslawisch (d. h. Kajka- visch, Čakavisch oder Štokavisch) sein (s. oben). Ebenso kommen die lechitischen westslawischen Sprachen (d. h. Polnisch, Pomoranisch oder Polabisch; ein Rest des einst viel verbreiteten Pomoranischen ist das heutige Kaschubische mit seinem nördlichsten, in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgestorbenen Dialekt, dem Slowinzischen) als potentielle Sprachsubstanz nicht in Frage. Diese Sprachen kannten im 12. Jahrhundert (Polnisch und Kaschubisch noch heute) zwar die Nasalvokale (poln. pięć, dziewięć, dziesięć; kaschub. piãc/pińc, dzewiãc/ dzewińc, dzesãc/dzesyńc; polab. pąt, divąt, disąt), aber im Unterschied zum Frühslowenischen besaßen sie noch den alten Vokal y (altpoln. cztyry, heute jedoch poln. cztery, kaschub. sztërë). Der Verfasser der altslowenischen Kustoden in der Handschrift Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 konnte offensichtlich Frühslowenisch. Ebenso musste mit dieser altslawischen Sprache auch der Kodex-Bin- der, für den die Kustoden vorgesehen waren, vertraut sein. Es bleibt schwer zu sagen, ob der Verfasser ein Einheimischer war oder von woanders stammte (die Mönche zirkulierten nämlich häufig zwischen den mittelalterlichen Klöstern); Tatsache aber ist, dass die Sprache der Heiligenkreuzer slawischen Zahlwörter die slawische Sprache im Ostalpenraum im 12. Jahrhundert widerspiegelt – d. h. das Früh- slowenische. Man muss die Abstammung des Verfassers irgendwo zwi- schen der Donau im Norden sowie der Adria und der Kulpa im Süden vermuten, und sich nicht auf den heutigen slowenischen Sprachraum beschränken, der nur ein Überbleibsel, genauer gesagt: ein Drittel des einstigen alpenslawischen bzw. frühslowenischen Raumes, darstellt. 335 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. ZuM schluss Die frühslowenischen Zahlwörter in der Handschrift Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 haben größten Wert nicht nur für die Sprachgeschichte des Slowenischen, sondern auch für die theoretisch-methodologischen Grundlagen der historischen Sprachwissenschaft. Neben den epichori- schen (lokalen) geographischen Namen und den Personennamen sind sie das einzige Sprachfragment zwischen den Freisinger Denkmälern (972– 1039) und dem slowenischen Gruß des Herzogs von Kärnten, Bernhards II. von Spanheim (1202–1256), an Ulrich von Liechtenstein (um 1200–1275) Buge waz primi, gralwa Venus! = *bug vas sprimi, kraljva Venus „Gott emp- fange euch Königin Venus“ in der Ortschaft Thörl/Vrata im Gailtal/Ziljska dolina im Jahr 1227, worüber der obersteirische Minnesänger in der Stro- phe N. 592 in seinem Roman Vrouwen dienest (um 1255) berichtet. Wei- ters bestätigen die Heiligenkreuzer Zahlwörter die Rekonstruktion der zeitlichen Varietät der slowenischen Sprache im 11. und 12. Jahrhundert, zu der die historische Sprachwissenschaft mit der Analyse einerseits der Sprache der Freisinger Denkmäler und andererseits der spätmittel- alterlichen Sprachdenkmäler, unter denen das älteste die sogenannte Klagenfurter oder Ratschacher Handschrift (slowen. Celovški oder Rateški rokopis) aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts ist, gelangte. Was die historisch-vergleichende Sprachwissenschaft vorhersagte, hat der neue Sprachfund nun bestätigt. Das bedeutet, dass das aktuell verwendete theoretisch-methodologische Verfahren der historischen Sprachwissen- schaft relevant ist, und dass das Akkumulieren des Wissens durch seriöse Forschungsarbeit von Generationen von Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftlern nicht umsonst war. ❦ 336 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation Literatur anreiter, peter, 2015: Sinnbezirke der ältest bezeugten slawischen Namen in Österreich. Wien: Praesens Verlag. BeZlaJ, france, 1976–2007: Etimološki slovar slovenskega jezika I–V. Ljubljana: Slovenska akademija znanosti in umetnosti, Inštitut za slovenski jezik Frana Ramovša ZRC SAZU, 1976, 1982, 1995, 2005, 2007. 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Ljubljana: Filozofska fakulteta, Oddelek za slovanske jezike in književnosti. 103–113. 340 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation logar, tine, 1981: Izhodiščni splošnoslovenski fonološki sistem. Fonološki opisi srpskohrvatskih/hrvatskosrpskih, slovenačkih i makedonskih govora obuhvaćenih Opšteslovenskim lingvističkim atlasom. Sarajevo: Akademija nauka i umjetnosti Bosne i Hercegovine. 29–33. osthoff, hermann, Brugmann, karl, 1878: Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen 1. Leipzig: Verlag von S. Hirzel. pedersen, holger, 1931 (1952): Linguistic Science in the nineteenth Century. Methods and Results. Cambridge: Harvard University Press, 1931. Nachdruck: The Discovery of the Language. Linguistic Science in the nineteenth Century. Cambridge, 1952. pirchegger, simon, 1931: Untersuchungen über die altslovenischen Freisinger Denkmäler. Veröffentlichungen des Slavischen Instituts an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin 5. 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Ljubljana: Založba ZRC, ZRC SAZU. snoJ, marko, greenBerg, marc l., 2012: O jeziku slovanskih prebivalcev med Donavo in Jadranom v srednjem veku (pogled jezikoslovcev). Zgodovinski časopis 66, 3–4. 276–305. striedter-temps, hildegard, 1963: Deutsche Lehnwörter im Slovenischen. Wiesbaden: Otto Harrassowitz. Šekli, mateJ, 2014 (2016): Primerjalno glasoslovje slovanskih jezikov 1: Od praindoevropščine do praslovanščine. Ljubljana: Znanstvena založba Filozofske fakultete. Šekli, mateJ, 2018: Tipologija lingvogenez slovanskih jezikov. Linguistica et philologica 37. Ljubljana: Založba ZRC, ZRC SAZU. Šekli, mateJ, 2021: Notranja in zunanja zgodovina slovenskega jezika v srednjem veku (ok. 550–1550). Slovenski jezik med slovanskimi jeziki. Herausgegeben von Matej Šekli und Lidija Rezoničnik. Zbornik Slavističnega društva Slovenije 31. Ljubljana: Slavistično društvo Slovenije. 187–227. Šekli, mateJ, 2022a: Zgodnjeslovenski števniki od 1 do 10 v Heiligenkreuškem rokopisu iz tretje četrtine 12. stoletja (Heiligenkreuz, Cod. 250). Slavistična revija 70, 1. 13–32. Šekli, mateJ, 2022b: Jezikovne lastnosti zgodnje slovenščine 11. in 12. stoletja. Slovenski jezik – Slovene linguistic studies 19. 3–32. Šekli, mateJ, 2022c: O novo odkritem jezikovnem drobcu zgodnje slovenščine iz 12. stoletja. Predavanje v sklopu cikla jezikoslovnih predavanj Naj slovenščina odmeva, Cankarjev dom, Ljubljana, 14. 11. 2022. 342 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation Šivic-dular, alenka, 1996: Odsev etnogeneze v jeziku slovenskega prostora (v času od 6.–12. stol.). Migrationen und Ethnogenese im pannonischen Raum bis zum Ende des 12. Jahrhunderts. Graz: Amt der Steiermärkischen Landesregierung, Abteilung für Wissenschaft und Forschung. 137–153. Štih, peter, 1999: Od 6. do konca 15. stoletja. Ilustrirana zgodovina Slovencev. Ljubljana: Mladinska knjiga. 49–124. Štih, peter, 2016: Od 6. do konca 15. stoletja. Peter Štih, Vasko Simoniti, Peter Vodopivec: Slovenska zgodovina I–II. Ljubljana: Modrijan. 35–221. udolph, Jürgen, 1995: 235. Slavische Gewässernamengebung. Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik/ Name Studies. An International Handbook of Onomastics/ Les noms propres. Manuel international d’onomastique 1–3. Herausgegeben von Ernst Eichler, Gerold Hilty, Heinrich Löffler, Hugo Steger und Ladislav Zgusta. Berlin, New York: Walter de Gruyter. 1539–1547. vocelka, karl, 2000: Geschichte Österreichs. Kultur – Gesellschaft – Politik. München: Wilhelm Heyne Verlag. wiesinger, peter, 1995: 167. Die Ortsnamen in Österreich. Namenforschung. Ein internationales Handbuch zur Onomastik/ Name Studies. An International Handbook of Onomastics/ Les noms propres. Manuel international d’onomastique 1–3. Herausgegeben von Ernst Eichler, Gerold Hilty, Heinrich Löffler, Hugo Steger und Ladislav Zgusta. Berlin, New York: Walter de Gruyter. 1081–1090. 343 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. wolfram, herwig, 2012: Conversio Bagoariorum et Carantanorum. Das Weißbuch der Salzburger Kirche über die erfolgreiche Mission in Karantanien und Pannonien mit Zusätzen und Ergänzungen. Ljubljana: Slovenska akademija znanosti in umetnosti, Zveza zgodovinskih društev Slovenije; Klagenfurt: Hermagoras. Zdovc, paul, 1972: Die Mundart des südöstlichen Jauntales in Kärnten. Lautlehre und Akzent der Mundart der „Poljanci“. Österreichische Akademie der Wissenschaften, Philologisch-historische Klasse, Schriften der Balkankommission, Linguistische Abteilung XX. Wien, Köln, Graz: Hermann Böhlaus Nachf., Kommisionsverlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zdovc, paul, 2010: Slovenska krajevna imena na avstrijskem Koroškem/ Die slowenischen Ortsnamen in Kärnten. Razprave 21. Ljubljana: Slovenska akademija znanosti in umetnosti, Razred za filološke in literarne vede. 344 MATEJ ŠEKLI ▶ Zur historisch-sprachwissenschaftlichen Interpretation Summary The Latin codex Heiligenkreuz OCist., Cod. 250 kept in the library of the Cistercian monastery Heiligenkreuz in Wienerwald dates back to the second quarter of the 12th century (c. 1134–1147) and was pro- duced in that monastery, founded in 1133 by Leopold III (1095–1136), the Margrave of Austria and a member of the House of Babenberg. Reaching back to the time of its production is a set of the first ten numbers, each fully written out, that appear as catchwords at the bot- tom of the individual pages and must undoubtedly belong to a con- temporaneous Slavic idiom of the Eastern Alpine region. These are ET.I9.NO. (8v), DRV.II9.GI. (16v), TRE.III9.TIGI. (24v), CCS.IIII9.TIRI. (32v), Pa.V9.NT. (40v), SCIʾ.VI9.ZT. (48v), ZED.VII9.EM. (56v), OZ.VIII9.ZEM. (64v), DE.VIIII9.WANΘ. (72v), DE.X9.ZeNΘ. (73r), which divested of all the linguistically insignificant graphematic peculiarities are revealed to stand for ETNO, DRVGI, TRETIGI, CCSTIRI, PaNT, SCIZT, ZEDEM, OZZEM, DEWANΘ, DEZeNΘ and must be interpreted to spell *edno, *drugi, *tretji, *čtiri/*štiri, *pęt, *šest, *sedəm, *osəm, *devęt and *desęt. The purely linguistic characteristics of the attested forms luckily involve two symptomatic features (one conservative, the other innovative) that are decisive for their genealogical attribution. These are 1) the perseverance of Proto-Slavic nasal vowels (PaNT = *pęt < PSl. *pętь, DEWANΘ = *devęt < PSl. *devętь, DEZeNΘ = *desęt < PSl. *desętь), and 2) the completion of the fronting process that affected the Proto-Slavic middle high *y, turning it into a front high i (CSSTIRI = *čtiri/*štiri < PSl. *čьtyri). When taken seriously, these latter features cannot but call for an interpretation that will recognise the language to which these numerals must have belonged as Early Slovenian of ca. 1000–1200. 345 SLAVICA TERGESTINA 30 (2023/I) ▶ Television in Eastern Europe. Volume I. Matej Šekli Matej Šekli graduated from the Faculty of Arts, University of Ljubljana (Comparative Slavic Linguistics, Slovenian Language and Literature, 2001), where he also received his doctoral degree in linguistics in 2007. He currently teaches comparative Slavic linguistics at the Department of Slavic Studies and the Department of Slovenian Studies, Faculty of Arts, University of Lju- bljana. He is also a researcher at the Fran Ramovš Institute of the Slovenian Language, Research Centre of the Slovenian Academy of Sciences and Arts, Ljubljana. His research interests span a wider range of topics in comparative Slavic linguistics, Slovenian historical grammar and dialectology, Slovenian onomastics as well as Slovenian in contact with German and Romance vari- eties. He is the author of three monographs: Zemljepisna in osebna lastna imena v kraju Livek in njegovi okolici ‘Geographical and personal names in the locality of Livek and its surrounding area’ (2008), Primerjalno gla- soslovje slovanskih jezikov 1: Od praindoevropščine do praslovanščine ‘Comparative phonology of the Slavic languages 1: From Proto-Indo-Euro- pean to Proto-Slavic’ (2014), Tipologija lingvogenez slovanskih jezikov ‘Typology of linguogeneses of the Slavic languages’ (2018), and a co-author of two linguistic atlases: Slovenski lingvistični atlas (SLA) ‘Slovenian Linguistic Atlas’, and Obščeslovjanskij lingvističeskij atlas (OLA) ‘Slavic Linguistic Atlas’.