katholjscheMlZsionsZeitschnst Berausgegeben vom IMIionshaus 6raz, Paulusforgaifo 10. Preis ganzjährig: Öiferreldi 2 S, Deulichiand 2 Soldmark, Stallen 8 Mre, tldieehollowakei 10 ČK, Sugollawlen 24 Dinar, Ungarn 3 Pengö, Schweiz 2 Franken, Smerika 2 Soldmark, Der Belüge Vater Pius XI. hat der Redaktion, den Hbonnenfen und Wohltätern den flpoitoüfchen Segen erteilt. Für Wohltäter werden »flehentlich zwei heilige Dielten gelelen. Dili Empfehlung der hochwürdlglten Oberhirten von Brixen, Brünn, Sraz, keifmerifz, Mnz, Olrnntz, Marburg, Orient, Uriels und Wien. Best 6 3uni 1928. XXXI. Jahrgang. S IS- fDeine ersten afrikanischen weisen. Von Hochw. P. Johann Siegler, F. S. C. (Fortsetzung.) n n IV. Bei den Schwarzen. Kaum angekommen, lud mich P. Zorn ein, mit ihm zur Außenschule nach Enkeldoorn zu reiten. Da nur ein Pferd zur Verfügung stand, mußte ich mit einem Esel vorliebnehmen. Mein erster Eselsritt! Nach außen anscheinend ganz mutig, in Wirklichkeit aber voll großer Angst, näherte ich mich dem Grautier. Ich dachte mir, wie wird das enden? Wird es nach meiner Rückkehr vielleicht heißen: Kies und Funken stoben und Esel und Reiter flogen!? Nach allerhand Kletterübungen landete ich glücklich auf dem Eselsrücken. Die Sache ging schließlich besser, als ich dachte. Mein Esel schien es schon zu merken, daß er einen ganz Unerfahrenen auf dem Gebiete der Reitkunst zu befördern habe. Auf dem halben Weg aber fing er an zu keuchen und zu stöhnen, daß es schien, sein letztes Stündlein habe geschlagen. Schon wollte mein Herz sich erweichen lassen und ich absteigen, als mir P. Zorn sagte, daß das nur Eselsmanieren seien. Das Grautier ließ diese Faxen auch wieder fahren, als es merkte, daß es damit nichts ausrichte. Nach dreiviertelstündigein Ritt gelangten wir zu einigen Negerhütten. Vor denselben saßen auf dem Boden mehrere Negerweiber, darunter eine uralte Großmutter, die dem Aussehen nach nicht viel hinter dem Alter Methusalems zurücksteht. Sie ist katholisch, während es die anderen noch nicht sind. Um die Hütten herum liefen Kinder, teils ganz im Adamskostüm, teils nur halb bekleidet. Da die schwarzen Frauen meist nichts zu tun haben oder richtiger, weil sie sich von der Arbeit enthalten, wenn es nur immer geht, sitzen sie die längste Zeit beisammen und tratschen. Der Stoff dazu scheint ihnen nie auszugehen. Wir hielten still und P. Zorn begann mit ihnen zu sprechen. Hat aber das Zeit gebraucht, bis eine Antwort kam! P. Zorn gab der alten Großmutter ein wenig Schnupftabak. Als die anderen das sahen, streckten auch sie ihre Hände aus, das Zeichen der Bitte. Nach diesem kleinen Intermezzo ritten wir zur Schule, die nur mehr fünf 1 Minuten entfernt war. Eine schwarze Lehrerin gibt den Unterricht. Die Anzahl ihrer Schüler war an diesem Tage 28. Die Zahl ist jedoch nie konstant. Die Kinder sind eben zum Schulbesuch nicht verpstichtet und kommen daher nach ihrem Gutdünken. Die Eltern selber kümmern sich auch meist nicht viel darum. In Natal müssen die schwarzen Kinder auch die Erlaubnis des weißen Farmers zum Schulbesuch erhalten. Riecht das nicht nach Sklaverei? Viel hängt von der Lehrerin ab. Geht sie eifrig herum, bringt sie bald eine nette Anzahl Schüler zusammen. Nach meinem Dafürhalten muß es gar nicht so leicht sein, diesen Kindern etwas beizubringen. Denn da sind einige, die schon monatelang den Unterricht besuchen; daneben sitzen wieder solche, die erst vor ein Paar Tagen gekommen sind. Trotzdem habe ich mich bei der folgenden Prüfung über das Wissen dieser Kleinen gewundert. Die Kinder sitzen während des Unterrichtes auf gewöhnlichen Sitzbänken. An der Wand lehnen der Reihe nach die Schiefertafeln. Werden sie gebraucht, holen die Kinder dieselben und schreiben dann, indem sie die Tafel auf die übereinandergelegten Beine legen. Der Griffel hat seinen Platz auf dem Kopfe. Es ist überhaupt interessant, was die Schwarzen alles auf den Kopf stecken. Ihre Haare stehen nämlich in kleinen Büscheln beisammen und sind fest ineinandergekräuselt und ineinandergerollt. Es sieht genau so aus, als ob sie Wolle statt Haare hätten. Da hinein stecken sie nun die verschiedensten kleinen Gegenstände, Griffel, Nadeln, Kämme, kleine Löffelchen zum Schnupfen usw., ohne daß sie Gefahr laufen, dieselben zu verlieren, selbst wenn die Haare noch so kurz sind. Ich versuchte, einem Kinde den Griffel aus dem Haare herauszunehmen, mußte aber ganz tüchtig ziehen. Nach 12 Uhr machten wir uns.auf den Heimweg. Wir besuchten dabei eine Frau, deren zwei Kinder seit zwei Tagen nicht in die Schule gekommen waren. P. Zorn gelang es, sie dazu- zubringen, daß sie die beiden Ausreißer sofort hinaufschickte zum Unterricht. Man muß hier immer dahinter sein, um die Leute zum Unterricht zu bekommen. Acht Tage nach diesem ohne Unfall gelungenen Eselsritt versuchte ich mein Glück hoch zu Roß, womöglich mit noch mehr Angst. Wir ritten zuerst wieder zur Außenschule von Enkeldoorn und nach einem kurzen Aufenthalt daselbst zirka eine Stunde weiter, um eine Negerfamilie zu besuchen. Ein protestantisches Mädchen von 17 Jahren aus dieser Familie war früher öfter zum Religionsunterricht gekommen, dann aber ausgeblieben, weil der Bure, auf dessen Farm sie wohnen, sie zur Küchenarbeit 'genommen hatte und ihr keine Zeit freigab, den Unterricht zu besuchen. Wir wollten die Sache wieder in Ordnung bringen und den betreffenden Buren selbst aussuchen, erfuhren jedoch unterwegs, daß er nicht zu Hause sei. So ritten wir gleich zu den Eltern des Mädchens, die beide noch nicht getauft sind. Da sie aber vier ihrer Kinder fleißig in die obgenannte Schule schicken und auch gegen den Übertritt ihrer älteren Tochter zur katholischen Kirche nichts einwenden, hofft P. Zorn, sie selbst im Laufe der Zeit auch für unsere heilige Kirche zu gewinnen. An der Unterredung konnte ich wegen der Unkenntnis der Sprache nicht teilnehmen. So machte ich mich auf die Forschungsreise. Erst ging ich ein paarmal außen um die Hütte herum. Innerhalb eines kleinen Hofes, der von einer meterhohen Mauer umgeben ist, traf ich einige kleine, fast nackte Bürschchen, wie sie in einem ausgehöhlten Holzstamm Mais stampften. Legen die Schwarzen auch nicht besonders Gewicht auf Kleidung, so sind sie dafür um so beflissener in Anlegung von Schmuckgegenständen. So trug einer dieser Jungen, noch ein Heide, sechs etwa fingerdicke Perlschnüre um den Hals. Auch um die Leibesmitte war eine Perlschnur geschlungen. An den Füßen und Händen tragen sie vielfach ganz gewöhnliche Drahtringe. Ich traf schon welche an, die an jedem Fuß und an jeder Hand 20 und noch mehr solcher Ringe trugen. Auch an die Ohren hängen sie alles mögliche, gleich ob Mann oder Fran. So sah ich vor einigen Tagen Neger, die in ihren Ohren zirka 10 cm lauge Rohrstäbchen in der Dicke eines kleinen Fingers durchgesteckt hatten. Es tat mir leid, daß ich diese Schwarzen nicht Photo- Wände und Dach waren ganz rauchgeschwärzt von dem offenen Feuer, über dem sie ihren Mais kochen. Wenn die Schwarzen nur ums Feuer herumsitzen können, dann sind sie schon zufrieden und glücklich. Je mehr es dabei raucht, desto lieber scheint es ihnen zu sein. Ihre Kleider sind darum auch ganz durchräuchert und diesen Rauchgeruch verbreiten sie (Johann Wagner, Student der 2. Klasse im bischöflichen Seminar Melk, N.-Ö. Er ist erst 13 Jahre alt und hat doch schon im Laufe eines Jahres 54 neue Leser des „Stern" gewonnen. Gott lohne es ihm und mache ihn zu einem eifrigen Priester, wie es sein sehnlichster Wunsch ist. Wer will wie er für den „Stern der Neger" werben?) graphieren konnte, damit sie auch die „Steru"-Leser im Bild hätten sehen können. Als ich die Hütte von außen genugsam betrachtet, ging ich in dieselbe hinein. P. Zorn und die Mutter waren eifrig beim Gespräch. Ich setzte liiich auf einen am Boden liegenden Maissack. Von Tisch und Stühlen natürlich keine Spur, noch weniger von einem Bett, denn die Schwarzen schlafen alle auf dem Boden. Viel gibt es in einer Negerhütte überhaupt nicht zu sehen, denn fürs erste haben sie nicht viel und fürs zweite ist es ziemlich dunkel, denn ein Fenster gibt es in einer Negerhütte nicht. überall, wo sie sich aushalten. Sie halten sich dadurch auch die Insekten und Mücken vom Leibe. Nach einer Stunde kam auch der Vater heim. P. Zorn legte ihm nahe, er möge zum Farmer gehen, damit derselbe die Tochter zum Unterricht gehen lasse. Er hat damit auch Erfolg gehabt, denn nun kommt sie jede Woche dreimal nach „Maria-Trost". Sie bringt dabei eigentlich kein geringes Opfer, wenn man bedenkt, daß sie über zwei Stunden von hier entfernt ist. Ja, man kann von diesen Schwarzen oft genug lernen, Opfer zu bringen im Dienste Gottes. Hier könnte die Frage auftauchen, wieso sind denn die Neger so abhängig vom Weißen, so daß sie gar nicht über ihre Zeit verfügen können? Dort, wo es die sogenannten Reservationen gibt, das heißt Gebiete, die ausschließlich den Schwarzen zur Verfügung stehen, sind sie allerdings so ziemlich frei. Anders aber ist es da, wo das Land weißen Farmern gehört. Auf diesen Farmen wohnen jedesmal auch mehrere Negerfamilien, z. B. auf unserer Farm 14. Die bekommen vom Farmer ein Stück Land zugewiesen, das sie für ihren Eigenbedarf benützen können. Als Entschädigung dafür aber müssen die steuerpflichtigen Männer wenigstens drei Monate unentgeltlich für den Farmer arbeiten, wann er es braucht. Auskommen kann keiner, denn bei der Steuerzahlung muß ein jeder die schriftliche Bestätigung mitbringen, daß er seine Arbeitszeit eingehalten hat. Manche Weiße sind aber un- P. Emonts, 8. C. J., beteiligte sich zwei Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges an der Gründung der Mission unter den Banßonegern im ehemaligen deutschen Kamerun. Die Geschichte der Gründung mit ihrem Hoffen und Bangen, die Entwicklung, das schnelle, herrliche Ausblühen des ausgestreuten Samens der göttlichen Lehre, Schilderung des Landes mit seiner paradiesischen Naturschönheit, des schwarzen Volkes Sitten, religiöse Anschauungen, Lebensführung, Missionsreisen mit ihren interessanten Erlebnissen, bietet der tüchtige Missionär in seinem herrlichen Werke „Ins Steppen- und Bergland Jnnerkameruns. Aus dem Leben und Wirken deutscher Afrikamissionare". Dieses ganz missionarische Werk möchten wir all unseren Lesern recht warm empfehlen. Erschienen ist es im Verlag Aachener Missionsdruckerei A.-G., Aachen (Rheinland). Das Buch zählt 414 Seiten, zeigt 174 schöne Bilder und kostet in bunte Leinwand gebunden 8 Mark. Die Darstellung ist flüssig und packend. Das Buch liest sich wie ein spannender Roman und schlägt den Leser in,feinen Bann. Im folgenden geben wir unter obiger Überschrift als Kostprobe ein Erlebnis des Verfassers auf einer seiner Missionsreisen: ... Ich ließ, um nicht wie gestern in der schmutzigen Eingeborenenhütte übernachten zu müssen, mein Zelt auf dem Häuptlingsplatz aufschlagen. In kaum zehn Minuten stand das verschämt genug, die Neger den größten Teil des Jahres für sich arbeiten zu lassen, ohne sie dafür viel zu entschädigen. Eine große Einschränkung der Freiheit ist wohl auch der Umstand, daß hier jeder Neger, der die Farm verlassen will, jedesmal eine schriftliche Erlaubnis vom Farmer braucht. Wird er ohne diese von der Polizei angetroffen, wird er bestraft. Die Frauen dagegen brauchen das nicht. Natürlich erwachsen aus all dem der Bekehrung der Neger große Schwierigkeiten. Trotzdem haben unsere Missionäre in der kurzen Zeit ihres Hierseins schom erstaunlich viel geleistet, wie der Hochwürdigste Herr Delegat bei seinem letzten Besuch sich ausgedrückt hat. Und wenn unsere Missionswohltäter auch in Zukunft wieder fleißig mithelfen, dann kann mit der Gnade des Allmächtigen noch manch schönes Werk zu seiner Ehre geschaffen werden. (Schluß folgt.) kleine Tuchhaus; mein Feldbett und mein kleiner Reisetisch und die Kisten hatten schon eine Stelle gefunden. Häuptling und Volk waren sprachlos vor Erstaunen. Trotz vorheriger herzlicher Begrüßung trat der Häuptling zu mir herein, streckte mir die Hand entgegen und sagte: „Großer Weißer, sei mir nochmals gegrüßt! Du bist wirklich ein großer Herr. Ich will bei dir wohnen, denn dein Haus ist schön und es ist hell darin, so daß man alles sehen kann, während es in unseren Häusern immer dunkel ist wie in der Nacht. Nicht wahr, wir sind zwei große Leute, ich bin der große Häuptling und du bist der große Weiße. Bleibe lange hier. Wenn du aber weggehst, dann laß dieses Tuchhaus hier, damit die Leute mich als deinen Freund erkennen und mich als großen Mann ehren und grüßen. Und welch ein schönes Bett hast du! Und wie viele Decken! Und eine Decke ist wie das Fell eines Leoparden! Siehe, Weißer, 0 0 0 Afrikanische Bettelei. 0 0 0 ich habe keine Decken und ich muß ohne sie schlafen, wenn du mir keine gibst." — „Höre, du großer Häuptling," antwortete ich, „willst du, daß dein Freund sterbe?" — „Nein, das will ich wahrhaftig nicht." — „So siehe, und du wirst es selber zugeben müssen, daß ich in meinem Tuchhaus kein Feuer machen kann, wie die Schwarzen es in ihren Hütten haben. Der Rauch würde mich töten, während ihr Schwarzen ohne Decken beim Feuer schlafen könnt, und der Rauch schadet euch nicht, weil ihr es von Kindheit an gewöhnt seid. Ich kann aber auch nicht in euren rauchigen Hütten schlafen, und dazu würden die Ratten, Mäuse und Spinnen und Schwaben meine Füße, meine Finger und meinen schönen Bart anfressen und ich wäre häßlich wie ein altes Weib. So, willst du nun noch mein Zelt und meine Decken ?"*) — „Nein, Weißer, ich will dein Zelt und dein Bett nicht mehr, aber dafür mußt du mir diesen Donnerstock geben, mit dem du soeben einen Asien vom Baum geholt hast." — „Großer Häuptling, höre wieder und schau auf dieses Papier (Jagdschein), das mir der Gomena (Gouverneur) gegeben hat. Kannst du lesen?" — „Nein, Weißer, ich kann es nicht." — „So will ich dir sagen, was darin steht. Der Gomena bestraft jeden Schwarzen, auch jeden Häuptling, der ein solches Gewehr in. die Hand nimmt, mit 4000 Mark oder mit vier bis acht Monaten Gefängnis. Willst du jetzt noch mein Gewehr?" — „Nein, Weißer, wie könnte ich es wollen, aber sage dem Gomena, er soll mir auch ein Gewehr und so ein Papier schenken." Ich versprach, bei Gelegenheit an ihn zu denken. Als ich nun meine Pfeife anzündete und die Streichhölzer wieder in die Tasche zurücksteckte, sagte mir mein schwarzer Freund: „Weshalb steckst du die Feuerhölzer in die Tasche? Mußt du sie nicht deinem Freund geben? Soll ich den Häuptling von Nsob besuchen ohne Feuerhölzer, und wird er nicht fragen, ob du mir keine ge- *) Die Mäuse und Satten nagen den schlafenden Schwarzen ganze Löcher in die hörnigen Fußsohlen. schenkt hast? Wird er dann nicht sagen, daß du alles für dich behältst." Nach diesen klug berechneten Worten konnte ich nicht umhin, ihm das ganze Feuerdöschen zu schenken. Unterdessen hatte mein Boy etwas zu Mittag gekocht. Der Häuptling setzte sich gleich an den Tisch und speiste als der „große Freund" des Weißen mit. Löffel, Messer und Gabel verstand er nicht zu handhaben und so bat er mich, mit den Fingern in seinen Teller fahren zu dürfen. Ich gestattete es natürlich. Nun mußte ich mich aber beeilen, denn sonst wäre ich leer ausgegangen. Mein „großer Freund" entwickelte eine gewaltige Schnelligkeit beim Gebrauch der natürlichen Gabel. Am Schluß sagte er dann, auf Messer, Löffel und Gabel hinweisend: „Ich nehme es mit nach Hause, damit ich damit essen lerne und wenn du wiederkommst, esse ich wie du." Ich schenkte ihm statt des Gewünschten ein kleines, billiges Küchenmesser, und er war damit zufrieden. Nach dem Mittagessen führte er mich durchs Dorf. Er wußte, was sich geziemt für den Weißen, und daß ich nicht ohne Schirm, Hut und Beinwickel ausging. Das holte er aus dem Zelte heraus und — verwechselte die Persönlichkeit. Er setzte sich meinen Tropenhut auf, drehte, so gut es ging, die Beinwickel um seine Beine und spannte selbstverständlich meinen großen Regenschirm über seinem königlichen Haupte aus. Ich ließ es ruhig geschehen und freute mich über seine königliche Freude. Dann nahm er mich an die Hand, und so spazierten wir durch sein Reich, Straße auf, Straße ab. Wehe den Untertanen, die nicht schon von weitem in respektvoller Weise uns grüßten. Ein königliches Donnerwetter mahnte sie an ihre Pflicht. Von unserem Rundgang zurückgekehrt, nahm mein Freund alles mit in seinen Palast und er wäre beinahe böse geworden, als ich um gefällige Rückgabe bat. Dann ließ ich mir von meinem Boy die von der Reise wunden Füße waschen. Der Häuptling tat dasselbe, natürlich mit meiner Seife, und er trocknete sie ab mit meinem Handtuch. Dann bat er mich höflich und inständig um Waschschüssel und Seife und Handtuch, was ich wieder mit einer klug ausgedachten Begründung abschlug. Auch bat er mich noch um meinen Langstuhl. Als ich wieder abschlagen mußte, bat er um eine Kiste mit einem Schloß und um einige sonstige Gefälligkeiten. Da riß mir doch endlich die Geduld, und ich fuhr ihn an vor allem Volk: „Habe eine Kiste, denn sage selbst, wohin lege ich den Spiegel und das Tuch und die Pfeife und den Gürtel und den Tabak, damit sie nicht gestohlen werden? Und wenn du wieder kommst und du schenkst mir wieder etwas, muß ich da nicht eine Kiste haben?" Das leuchtete mir ein. Ja, er mußte eine Kiste haben und ich versprach, sie bei der nächsten Reise mitzubringen. Missionsstation „Maria-Trost" (von Westen gesehen). (Phot, von Hoch». P. I. Lehr, F. S. 0.) ich dir nicht einen schönen Spiegel geschenkt, mit dem du dein schönes Angesicht, deine Breite Nase und deine großen Ohren sehen kannst und der dich deine Zähne vom ersten bis zum letzten sehen läßt? Und gab ich dir nicht Tuch mit schönen Blumen drauf, wie sonst kein Häuptling eines hat? Und der Gürtel, den du jetzt um deine Hüsten trägst, habe ich ihn dir nicht gegeben? Und die kleine Pfeife, aus der du qualmst wie ein Feldseuer, von wem kommt sie? Und der Tabak darin, habe ich ihn nicht hineingetan? Hub hast du nicht meinen Hut und meine Tuchbeine getragen, als wir mit dem Regenschirm durch das Dorf gingen? Und jetzt willst du auch noch eine Kiste haben?" — „Großer Weißer, mein Freund! Sei mir nicht böse, ich verlange jetzt nichts mehr als nur Nachdem die große Besichtigung zu Ende war und als mir die vielen Betteleien zu lästig wurden, nahm ich mein Notizbuch heraus, um mir einiges zu merken. Der Häuptling wollte gern wissen, was' ich schrieb. Ich sagte ihm, daß ich alles hineinfchreibe, was ich höre und sehe, auch von seinem Dorf, von feinen Leuten und von ihm, dem großen Häuptling. Und alles, was ich schreibe, sendeich meinen weißen Brüdern in Europa, dem Land der Weißen. Ich mußte dem Häuptling versprechen, von ihm und seinem Dorfe nur Gutes zu berichten, was ich auch versprach. Dann zog der Großmächtige sich in seine Gemächer zurück, und nun konnte ich auch den Leuten, die mich noch immer in großer Menge umstanden, von dem Ziel und Zweck meiner Reise erzählen. Heft 6 Stern der Neger 87 O 0 D L Umschau. □ □ D jj Der Islam in Südost-Europa. Die falsche und verderbliche Lehre Mohammeds zählt in den Balkanstaaten noch vier Millionen Anhänger. Viele von ihnen sind Nachkommen ehemaliger Christen, die von den Türken mit Feuer und Schwert zum Islam bekehrt wurden. Auf die einzelnen Staaten verteilt sich die mohammedanische Bevölkerung folgendermaßen:' Rumänien zählt unter seinen 17,153.923 Bewohnern 250.000 Mohammedaner, Griechenland unter 7,000.000 Einwohnern 241.000, Jugoslawien unter 12,017.323 Bewohnern 1,337.687, Bulgarien unter 5,483.125 Einwohnern 690.734, Albanien unter 817.460 Einwohnern 560.348 und die Europäische Türkei unter 1,270.100 Bewohnern 770.100 Mohammedaner. Dem Balkanreisenden wird sofort klar, daß der Islam in jenen Ländern noch starke Stellungen innehat. Aus den Städten und Ortschaften ragen die schlanken Minarets (Türme) der Moscheen empor und das öffentliche Leben und Treiben trägt vielfach ein unverfälschtes mohammedanisches Gepräge. Sehr gewachsen ist in den letzten zwei Jahrhunderten die Katholikenzahl in Bosnien und Herzegowina, die jetzt zu Jugoslawien gehören: Im Jahre 1741 wiesen diese beiden Provinzen 40.000 Christen auf, gegenwärtig machen die Katholiken eine halbe Million aus. Amerika. Die Protestbewegung gegen die Katholikenverfolgung in Mexiko hat sich bereits auf die ganze katholische Welt ausgedehnt. Namentlich in Deutschland fanden zahlreiche Protestversammlungen statt. Bei einer Kundgebung in Edinburg (Schottland) erhob sich nach Anhören des Berichtes ein Teilnehmer und erklärte, obwohl er Protestant und Freimaurer sei, müsse er die Wahrheit alles dessen bezeugen, was vorgebracht worden sei, denn er sei selbst in Mexiko gewesen und erst kürzlich von dort zurückgekommen. Trotz aller Leugnungs- versuche und Falschmeldungen der mexikanischen Regierung stehen eben die Tatsachen einwandfrei fest. Einkerkerung und Hinrichtung katholischer Priester und Laien, Beraubung der Kirchen und Beschlagnahme des kirchlichen Vermögens sind an der Tagesordnung. Nach einer Meldung aus Mexiko vom 30. März wurden 300 Katholiken, die heimlich der heiligen Messe beiwohnten, von Regierungstruppen angegriffen und 100 davon samt zwei Priestern getötet. Welch schreckliche Massenmorde! Es muß daher sehr auffällig erscheinen, daß die verantwortlichen Minister und Staatsmänner Amerikas und Europas, mit wenigen Ausnahmen, kein Wort finden, um die jeder Kultur hohnsprechende Verfolgung zu branvmarken, sind doch Recht und Freiheit allgemein christliche Begriffe, zu deren Verteidigung jeder Staatsmann seine Stimme erheben müßte. Leider scheint Mexiko in manchen freimaurerisch regierten Staaten Mittel- und Südamerikas gelehrige Schüler zu finden. Ekuador und Guatemala haben ihre Beziehungen zum Heiligen Stuhle abgebrochen und der Kirche und Geistlichkeit den Krieg erklärt. In beiden Staaten wurde fremden Priestern der Eintritt ins Gebiet dieser zwei Republiken untersagt. Dieses Verbot erstreckt sich sogar auf die einheimischen Priester, die sich außerhalb des Landes befinden. In Guatemala ist außer den Barmherzigen Schwestern keine Ordensgenoffenschaft geduldet. Im Dezember letzten Jahres begrüßte man die Rückkehr der katholischen Freiheiten mit dem Amtsantritt des neuen Präsidenten Chacon, einem Katholiken. Leider war seine Regierung nicht von Dauer. Um die Schwere der Maßnahmen gegen die Priesterschaft zu verstehen, muß man bedenken, daß ohnehin schon starker Priestermangel herrscht und daß eine geordnete Seelsorge und Mission ohne Hilfe ausländischer Priester und Missionäre unmögliche Dinge bedeuten, zumal der Protestantismus alles versucht, um den Katholizismus in Südamerika zu beeinträchtigen und die Katholiken in sein Netz zu ziehen. Während protestantische Sendboten das Land überschwemmen, herrscht ka-tholischerseits eine wahrhaft schreiende Priesternot. Die fünf mittelamerikanischen Festlandsstaaten Guatemala, Honduras, Nikaragua, Kostarika und Panama zählten 1925 bei 6.340.000 Einwohnern, die fast sämtlich katholisch sind, nur 462 Priester, so daß auf über zehntausend Katholiken nur ein Priester kommt. In Guatemala entfallen auf einen Priester sogar 28.000 Katholiken. Da haben freilich die Kulturkämpfer und Freimaurer leichtes Spiel. Schuld an dem geringen Priesternachwuchs trägt das Schulmonopol der Negierung. Guatemala mit 2,300.000 Katholiken hat nur ein Priesterseminar mit etwa 25 Theologen. Honduras hat deren nur 20. Dazu kommt, daß die priesterliche Bildung in manchen Gebieten außerordentlich viel zu wünschen übrig läßt. Es gibt nicht bloß in den genannten Staaten, sondern auch in der ihnen vorgelagerten Inselgruppe der Antillen Gebiete, in denen 20 bis 30 Priester für 200.000 bis 300.000 Gläubige zu sorgen haben. Ebenso trostlos ist die Lage in Brasilien, das für seine 30 Millionen Katholiken nur 3000 Priester aufweist, so daß durchschnittlich auf einen Priester wieder 10.000 Katholiken treffen. In der Republik Chile gibt es Pfarreien mit 15.000 Gläubigen und nur einem Priester. In viele Bezirke der südamerikanischen Staaten kommt der Priester nur einmal im Jahre, wobei er dann mancherorts die Hauptfeste des Kirchenjahres nacheinander feiert. An einen regelrechten oder gar häufigen Empfang der Sakramente ist nicht zu denken. Zahllose Kinder katholischer Eltern sterben ohne die Taufe, zahllose Erwachsene ohne Empfang der heiligen Wegzehrung. Solche traurige, durch Priestermangel verursachte Seelsorgeverhältnisse müssen jedem überzeugten Katholiken tief in die Seele schneiden und ihm die Heilandsmahnung wieder begreiflich machen: „Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige; bittet daher den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seinen Weinberg sende!" Angesichts der heutigen Lage der Kirche nicht allein in den Mijsionsländern, sondern selbst in vielen katholischen Staaten erscheint die Frage berechtigt, ob nicht auch der Opfersinn des katholischen Volkes viel mehr als bisher auf die Förderung der Priesterberufe hingelenkt werden sollte. Durch Stiftungen und Studienbeiträge an hoffnungsvolle Kandidaten des Priester- und Missionsberufes könnten zweifelsohne reiche Segensquellen für die Erhaltung und Ausbreitung unseres heiligen Glaubens erschlossen werden. Die katholische Kirche auf Korea. Korea ist ein Land, dessen erste Katholiken nicht durch Missionäre, sondern durch Bücher für die Kirche gewonnen wurden. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts ließen sich koreanische Gelehrte zur Bereicherung ihrer Kenntnisse Bücher aus Peking kommen. Unter diesen Werken befanden sich einige über die Geschichte der Kirche. Und diese Bücher waren dazu bestimmt, die ersten Christen in Korea zu gewinnen. Diese Gelehrten wurden Christen. Aus ihrer Mitte wurde einer nach Peking geschickt, der dort mit katholischen Missionären in Verbindung trat, im katholischen Glauben unterrichtet und getauft wurde. Als Katholik in seine Heimat zurückgekehrt, predigte er seinen Landsleuten den katholischen Glauben. Es war ihm vergönnt, bereits eine ganz stattliche Schar zu bekehren. Der katholische Glaube dehnte sich weiter aus, so daß im Jahre 1795, als Pater Tjyan als erster Missionär nach Korea kam, er bereits 4000 Katholiken vorfand. Zu der Zeit war der Katholizismus auf Korea bereits so tief eingedrungen, daß drei wüste Verfolgungen in den Jahren 1801, 1831 und 1866 seine Entwicklung nicht mehr behindern konnten. Seitdem die Missionierung des Landes am Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufgenommen worden war, machte der Katholizismus auf Korea unaufhörliche Fortschritte, zumal die koreanische Regierung sehr tolerant ist. Gegenwärtig gibt es ans Korea 100.000 Katholiken unter 18 Millionen Einwohnern. Das Land zerfällt in drei Apostolische Vika- am 24. März 1928 der protestantische internationale Missionsrat, an dem 200 Abgeordnete aus aller Welt teilnahmen. —. Deutsche Missionäre evangelischer Konfession arbeiten gegenwärtig 1155 auf 535 Missionsstationen mit 2717 Volksschulen, 80 höheren Schulen, die von 160.000 Schülern besucht werden, 25 Spitälern, 24 deutschen Ärzten und 100 Schwestern. Der Zusammenbruch der englisch- Schwarzes Dienstmädchen. (Vorder- und Rückseite. Es ist ein Basutomädchen, Magd bei O'GrLdY, Farmer in der Nähe von „Maria-Trost".) tPhot. von Hochw. P. I. Lehr, F. S. 0.) Tinte. Die Seelsorge ist 132 Priestern anvertraut, von denen 62 Einheimische sind. Ihnen stehen 25 Brüder zur Seite, darunter neun Einheimische, und 128 Nonnen, von denen 34 Koreanerinnen sind. Missionstätigkeit der Protestanten. Die Gesamtsumme aller protestantischen Missionäre der Welt beträgt 29.188 mit 151.735 eingeborenen Mitarbeitern. Dieses gewaltige Missionsheer versieht 4598 große Missions-stationen mit 8,500.000 zum Protestantismus Bekehrten, 50.000 Schulen, wovon 101 als Hochschulen gelten, 297 Lehrerseminare, 461 Predigerschulen, 858 Spitäler und 1686 Kliniken. Auf dem Ölberg bei Jerusalem tagte amerikanischen Kulturmission in China, wovon in der letzten Umschau berichtet wurde, hat auch die protestantischen Missionskreise Deutschlands in große Erregung versetzt, zumal die katholischen Missionäre mutig standgehalten haben. Die hl. Theresia vom Kinde Jesu Patronin aller Missionäre. Unter dem 14. Dezember 1927 hat der Heilige Vater die im Jahre 1925 heiliggesprochene, durch ihre vielen Wundertaten allgemein bekannte Karmelrterin Theresia vom Kinde Jesu zur Patronin aller Missionäre erklärt. Das betreffende Schriftstück der Ritenkongregation lautet: „Welchen Umfang die Verehrung der hl. Theresia in der ganzen Welt angenommen hat, das erkennt man am besten aus der freudigen Aufnahme ihrer Heiligsprechung in der gesamten katholischen Welt. Bis in die fernsten heidnischen Gebiete hat die Karmeliterjungfrau ihren verheißenen Rosenregen (Gnaden) gesandt. Deswegen hegte eine große Anzahl von Bischöfen die Überzeugung, es würden im Weinberge des Herrn noch viel reichere Früchte geerntet werden, tvenn die hl. Theresia vom Kinde Jesu, die von glühendem Eifer für die Ausbreitung des heiligen Glaubens entflammt war und deren wunderbares Wirken in den Heidenländern männiglich bekannt ist, zur Patronin aller Missionäre ernannt würde, gleichviel, in welcher Mission sie tätig sind. Die Frauen schienen heute aus Anlaß der Ankunft des Weißen nicht zur Feldarbeit in die entfernten Farmen auszuziehen. Nach und nach kamen auch die Männer zum Vorschein. Vor die Hütten tretend stellten sie sich in die warme Sonne, rieben sich den Schlaf aus den Augen, wuschen Gesicht und Arme und Beine mit kaltem Wasser, zogen sich aber schnell in die Hütte zurück, wenn das Erscheinen des P. Wildhof sie in ihrer Morgentoilette störte. Die Sonne stieg höher und höher und es mochte auf elf Uhr zugehen, als der Missionär seine Schritte auf ein Gehöft zulenkte, das auf dem höchsten Punkte des Dorfes lag. Über Felsgeröll und aus dem Boden hervorstehenden Steinblöcken führte ein beschwerlicher, tief ausgewaschener Weg empor. Es war kein Zweifel, daß dort oben der Sitz des großen Tschoba-häuptlings war, denn die zahlreichen mehr zusammenliegenden Hütten und der erhöhte Platz ließen auf das Gehöft des Stammesoberhauptes schließen. Noch eine Zeitlang irrte er durch das Gewirre, verscheuchte durch sein bloßes Erscheinen einige Faulenzer, die auf einem Platze in der Sonne lagen, bis es ihm endlich gelang, einen diensttuenden Dschindar zu er- I Demgemäß haben die Missionsbischöfe unserem Heiligen Vater, Papst Pius XI., Bittschriften aus der ganzen Welt vorgelegt, damit ihren gemeinsamen Wünschen die höchste apostolische Zustimmung erteilt werde. Auf den Bericht des Kardinalprüfekten der Riten hat Seine Heiligkeit die von so zahlreichen Bischöfen vorgelegten Bitten huldvoll genehmigt und geruht, die hl. Theresia vom Kinde Jesu zur besonderen Patronin aller, sowohl Missionäre als auch Missionsschwestern, und aller Missionen des gesamten Weltalls zu erklären. Die hl. Theresia wird also neben dem hl. Franziskus Xaverius ihre Hauptpatronin> sein mit allen ihr gebührenden Vorrechten. — Rom, 14. Dezember 1927." wischen und zu fragen, ob der Häuptling bereits aufgestanden und zu sprechen sei. Der Mann verschwand im Gewirre der Hütten, kehrte jedoch bald zurück und bat den Pater, ihm zu folgen. Nun ging es durch große und kleine Höfe, durch dunkle Gänge, an leeren Hütten vorbei, bis sie an einen seltsam geschnitzten und mit Affenschädeln verzierten Eingang kamen. Hier blieb der Führer stehen, räusperte sich mehrmals laut und klatschte in die Hände. Es war der Eingang des Empfangsraumes. Bald darauf wurde eine Schiebetür beiseite geschoben und ein anderer Dschindar bat den Weißen einzutreten. Dieser trat über die hohe Schwelle und war ganz erstaunt, den Tschobahäuptling dort bereits zu sehen. Der saß in einer baldachinartigen Nische auf einem geschnitzten und rotgefärbten' Häuptlingsstuhl, und um ihn herum saßen etwa ein Dutzend Männer, die man auf den ersten Blick als Bigleute erkennen mußte. Beim Eintritt des Weißen erhoben sich der Häuptling und die ganze Versammlung, ihn zu begrüßen. Das Oberhaupt der Tschoba war sehr freundlich, ließ dem Pater einen Stuhl zu seiner Rechten anbieten und begann sofort ein lebhaftes Ge- £)er ©eist des Schreckens, Eine Erzählung aus Mittelkamerun von P. Johannes Emonts, 8. C. J. (Fortsetzung.) Stern der Neger 91 Heft 6 sprach. „Es freut mich, Weißer, daß du zu mir kommst. Ich war fchon im Begriff, mit meinen Bigleuten dich aufzusuchen." Daun stellte er ihm diese Personen mit Namen und Bedeutung vor — „Ich habe einen Rnndgang durch das Dorf gemacht", erwiderte der Pater, „und da ich hier vorbeikam, wollte ich dir meinen Morgengruß entbieten." — „Hast du allein den Weg gefunden? Wer hat dich geführt?" — „Ich war ganz allein. An den Zahlreichen schönen Hütten sah ich, daß hier der große Häuptling wohnen müsse." — „Wie gefällt dir mein Dorf?" fragte der Häuptling nun sichtlich befriedigt. —- „O, es ist sehr schön und hat viele Hütten. Ich habe im Lande der Schwarzen schon viele Dörfer gesehen, aber so schön sah ich noch keines. Man sieht, du bist ein großer und mächtiger Häuptling." — „Du warst gestern abends sehr müde. Hast du gut ausgeruht?" — „Danke, ich habe gut geschlafen und die ganze Müdigkeit ist. verflogen." — „Du hast in den letzten Tagen eine weite Strecke zurückgelegt. Ich hörte, du habest in zwei Tagen die Reise von Kantschi bis hierhin gemacht." — „So ist es." — „Du bist ein guter Weißer, denn du hast einen Tschobamann der Rache der. feindlichen Kantschi entrissen, und deshalb bist du unser Freund." Dann erzählte er dem Weißen die ganze Geschichte dieser Feindschaft, deren Ursachen, deren wichtigste Begebenheiten. Er redete sich in einen wahren Feuereifer hinein, seine Stimme zitterte und seine Augen glühten vor Haß, wenn er von der Grausamkeit der Kantschi sprach. Er verfluchte sie mit immer schärferen Worten und drückte mehrmals dem Weißen seine Freude und sein Erstaunen aus, daß es ihm gelungen sei, ihnen den Kenfui zu entreißen. Während der Häuptling erzählte, hatte der Pater Muße genug, in unauffälliger Weise die Umgebung zu mustern. Es war ein hübscher Platz, ein idyllischer Winkel, dieser Andienzsaal. Kunstgerechte Hütten umrahmten das längliche Viereck. Die Dächer der Hütten waren auffallend spitz gebaut und jede Spitze bestand aus vier bis fünf umgekehrten Tontöpfen, die anfeinandergeschichtet waren, so daß der größte unten lag und der kleinste die Spitze bildete. Auf der Schmalseite des Platzes stand ein prachtvoller Blütenstrauch und daneben ein etwa ein Meter hohes Hüttchen, das in verkleinertem Maßstabe die große Hüttenform wiedergab, aber mit einem kleinen Zaun umfriedet war. Das war sicher eine Zauber- oder Geisterhütte, vor welcher der Häuptling seine Opfer darbrachte. Die Big-leute saßen auf kleinen Schemeln verschiedenster Form. Jeder hatte eine kleine, mit eingebrannten Figuren verzierte Kalabasse mit Palmwein neben oder vor sich stehen und in der Hand, ein Büffelhorn oder ein anderes Trinkgefäß, aus dem er von Zeit zu Zeit einen kräftigen Schluck des kostbaren Palmsaftes zu sich nahm. Am geschnitzten Toreingang stand ein Vermummter, ein sogenannter Juju, der nur berufene und genehme Gäste einlassen durfte. Neben und über der Nische hingen mehrere Reihen weißer Totenschädel. Fürwahr, der Häuptling hat Geschmack, der Raum ist eigenartig stimmungsvoll, dachte der Missionär, den nur die Totenschädel störten. Aber sie paßten zu den haßerfüllten Worten des Häuptlings und den grinsenden Gesichtern der Bigleute, die ihm des öfteren ihre Zustimmung ausdrückten. — „Es wird dir nicht gelingen, diese Menschen zum Aufgeben der Stammesrache zu bewegen. Nein, das ist unmöglich!" endete der Häuptling, indem er Den Pater scharf anblickte. — „Schwierig mag's sein", gab der Weiße zu, „aber unmöglich nicht!" — „Ja, ein schwieriges Unternehmen wird's in jedem Falle sein," meinte der Häuptling. „Und ich vertraue auf deine Klugheit und Umsicht. Die Heimkehr Kenfnis mag ihre Stimmung ja günstig beeinflussen. Wenn nur der Austausch der Gefangenen gelingen würde; das wäre der erste Schritt zur Versöhnung oder zum friedlichen Nebeneinanderleben." — Die Unterhaltung auf dem Audienzplatz kam allmählich wieder in ruhige Bahnen und wurde wieder zum Zwiegespräch zwischen Häuptling und Missionär. Im Verkehr mit Kenfni hatte P. Wildhof sich manche Sprachkenntnisse angeeignet, die ihm jetzt die Unterhaltung leidlich ermöglichten, was den Häuptling sichtlich erfreute. „Schade," sagte dieser, „daß du gestern Abend so müde warst. Wir haben deine Ankunft und die Heimkehr Kenfnis bis tief in die Nacht hinein gefeiert. Viele meiner Leute haben dich noch nicht gesehen und alle wollen dir danken. Heute Nachmittag werden wir eine Nachfeier begehen und ich wünsche, daß du ihr beiwohnest." — „Mit Vergnügen," nickte der Pater, „wie du es wünschest." — „Doch vorher werde ich ein Opfer darbringen, damit kein böser Geist das Freudenfest störe." Und als der Weiße ihm den Wunsch äußerte, auch dem Opfer beiwohnen zu können, sagte er: „Du sollst cs sehen! Du bist ja unser Freund." Sofort rief er nun den an der Tür stehenden Juju herbei und besprach sich mit ihm im Flüsterton. Der Pater vernahm nur die Worte: Opfer für die Stammesgeister. Der Mann ent- I fernte sich sodann und ehe sie einige Sätze gesprochen hatten, war er mit einem Huhn zurückgekomnien, dem er die Füße zusammengebunden hatte. Die Versammlung erhob sich. Gemessenen Schrittes trat der Häuptling auf das Geisterhüttcheu zu, indes die Bigleute einen Kreis um ihn bildeten. Als die Tür der Um- Aufmerksamkeit folgte er der Handlung. Der Häuptling hatte sich das Huhn reichen lassen und ging damit im Innern der Umzäunung und mit allerlei seltsamen Worten dreimal um die Geisterhütte herum. Die Bigleute wiederholten jedesmal die Schlußworte in feierlich ernstem Ton. Darauf machte er in ähnlicher Weise drei Runden außerhalb des Zaunes, murmelte dieselben Beschwörungen und erhielt jedesmal die feierlich monotone Antwort der Bigleute. Dabei umschloß er mit einer Hand den Kopf des Opferhuhnes, tfm es am Schreien Schulunterricht im Freien. (Aus der Mariannhiller Mission Engelosini. Der Unterricht soll vorschriftsmäßig möglichst im Freien gehalten werden.) (Phot, von Hochw. P. K. Fischer, F. 8. C.) 0— ^ O ö ^— jj zäunung geöffnet wurde, holte der Juju aus der Hütte allerlei merkwürdige Dinge hervor, die er an bestimmten Stellen aufhängte. Ganze Bündel und weite Armtaschen mit Zaubermitteln und die verschiedensten Dinge kamen da zum Vorschein. Zuletzt ein runder Stein, der vor die Türöffnung gelegt wurde. Der Missionär war auch hinzugetreten, um sich nichts von diesen seltsamen Gebräuchen entgehen zu lassen. Die Neger verbergen ihre religiösen Riten vor den Augen der Uneingeweihten und nur unter besonderen Umständen und erst nach längerer Zeit war es ihm einige Male gelungen, etwas davon zu erspähen. Es freute ihn, hier eine gute Gelegenheit zur Beobachtung gesunden zu haben, und mit größter zu verhindern. Nun blieb er vor dem Opferstein stehen und sagte laut und deutlich: „Wir bringen unseren Geistern ein Opfer dar!" — „Ja, den Geistern ein Opfer!" antwortete die Versammlung — „Sie werden uns einen guten Nachmittag schenken!" — „Einen guten Nachmittag", hallte es wieder. — „Sie werden keinen Regen schicken!" — „Keinen Regen!" — „Sie werden uns viele Freude bereiten!" — „Viel Freude!" — „Kein Mißton soll unsere Freude stören!" — „Kein Mißton!" — „Wer die Freude stört..." — „Den sollen die Geister strafen!" — „Wer die Feier verdirbt ..." — „Den sollen die Geister verderben!" — Jetzt begann die eigentliche Opferhandlung. Der Häuptling riß dem schreienden Tiere einige der längsten Stern der Neger 93 Hesl 6 Fevern aus. Kein Sträuben und Schreien konnte dem armen Opfer helfen. Die längeren Federn wurden wieder um den Opferstein gestellt, die weichen Flaumfedern auf den Boden gestreut. Dann goß der Häuptling auf den Stein etwas Palmöl, das ein Bigmann über die ganze Fläche verrieb. Und schließlich wurde der heilige Stein noch mit ein wenig Rotfarbe eingerieben. Geheimnisvolle, dem Missionär unverständliche Worte begleiteten diese Salbung. Der Opferaltar war geweiht. Der Juju zog aus einer sorgfältig umwickelten Scheide das Opfermesser und reichte es dem Häuptling, der dasselbe ebenso mit Palmöl und Rotfarbe bestrich. Einer der Bigleute hielt nun das der Federn beraubte und verzweifelt schreiende Huhn über den Opferstein. Der Häuptling nahm den Kopf des Tieres in die linke Hand, fetzte das Messer auf den Hals und tat, als schneide er hinein. Doch ehe er den Schnitt vollführte, murmelte er: „Den Geistern!" Die Umstehenden antworteten ebenso leise und geheimnisvoll: „Den Geistern!" — „Den Freunden der Tschoba!" — „Den Freunden der Tschoba!" kam es zurück. — „Den Feinden in Kantschi!" — „Den Feinden in Kantschi!" — „Sie werden einen schönen Tag geben!" — „Einen schönen Tag!" —Nun erfolgte ein erster, kleiner Einschnitt. Das Blut begann zu fließen. Das Tier begann zu schreien und machte heftige Bewegungen. Noch einige dem Pater unverständliche Sätze und Antworten, dann ein kräftiger Schnitt. Der Kopf des Huhnes war abgetrennt, das Blut floß auf den Stein und wurde auf demselben mit Maismehl, Palmöl und Palmwein zu einem steifen Brei gemischt, während Häuptling und Bigmänner ihre Sprüchlein hersagten. Der Insu hatte auf dem Platz herumgetanzt bis zu dem Augenblick, da der Häuptling den abgeschnittenen Kopf des toten Tieres ihm entgegenhielt. Schnell sprang er herbei, nahm den Kopf und lief damit so schnell er konnte durch die geschnitzte Tür des Platzes hinaus. Später erfuhr der Weiße, daß der Vermummte den Kopf des Huhnes fernab von jeder menschlichen Behausung vergraben hatte. Den Schluß des Opfers bildete eine Opfermahlzeit. Ein Dschindar wurde herbeigerufen, der in der kürzesten Zeit ein Feuer auf dem Platze anfachte. Und während alle still zuschauten, wurde das Huhn über dem lodernden Feuer geröstet und gebraten. Als es gar zu sein schien, wurde es dem Häuptling gereicht, der mit den Big- leuten ein kleines Stückchen davon aß. Der Rest wurde in eine Hütte gebracht. Das Opfer war zu Ende. Man wusch sich die Hände und nahm wieder die alten Plätze ein. „Nun hast du das Opfer gesehen", wandte sich der Häuptling lächelnd an den Pater. „Keinem anderen Weißen hätte ich erlaubt, ihm beizuwohnen." — „Ich danke dir, Häuptling," gab der Weiße zur Antwort. „Ich sehe, daß du mich als deinen und deines Stammes Freund betrachtest. Darum will ich auch dir und deinem Stamm treue Freundschaft bewahren. Hoffentlich gibt es heute gutes Wetter." — „Gewiß werden es die Geister bringen." — Die Sonne war schon hochgestiegen und strahlte auf den Audienzplatz herunter und der Pater, betn es bereits etwas ungemütlich in der Hitze wurde, empfahl sich zum Nachmittag. Der Häuptling hob. die Sitzung auf, reichte ihm die Hand, begleitete ihn bis zur Tür und entließ ihn mit den Worten: „Ja gehe. Bis zum Nachmittag. Wenn du das Rufhorn ertönen hörst, dann beginnt das Fest." Auch die Bigleute drückten dem Scheidenden die Hand, und einer von ihnen führte ihn sogar auf dem kürzesten Wege bis zur Hütte seines Unterkunftsgehöfles. P. Wildhof war überrascht, dort große Mengen von Nahrungsmitteln vorzufinden. Da stand eine tief ausgehöhlte, längliche Holzmulde auf vier Füßen, die kunstvoll geschnitzt und mit eigenartigen Figuren geschmückt war. Sie war ganz voll des feinsten Maismehls. Ein ähnlicher Behälter enthielt Durramehl. Drei große Trauben goldgelber Bananen lagen daneben. In einer durchbrochenen Fruchtschale entdeckte er Eier, und eine ganze Anzahl frisch geflochtener Körbchen enthielt frische und geröstete Erdnüsse. Acht Hühner mit zusammengebundenen Beinen flatterten ängstlich an einer Bambusstange und suchten sich ihrer Fesseln zu entledigen. Ganze Mengen Bataten, mächtige Mokabo- und Maniokwurzeln lagen da aufgespeichert. Eine große Kalabasse mit Palmöl, ein Krug mit Honig und einige andere mit frischem Palmwein standen in einer Ecke. Diese Gaben hatte der Häuptling schon am frühen Morgen herübergesandt, kurz nachdem der Pater seinen Rundgang durch das Dorf begonnen hatte. Und die Überbringer hatten dem Boy gesagt, er solle sich nur beim Häuptling melden, wenn er etwas für seinen Herrn benötige. Die Träger hatten bisher auf dem Rücken liegend, rauchend und schwatzend ein Sonnenbad genommen. Nun erhoben sie sich und traten herzu. Ihre Gesichter strahlten vor Freude. Sie wußten, daß der Löwenanteil für sie bestimmt war, denn der Missionär konnte das unmöglich allein verzehren. Heute waren sie gern die Träger des „guten" Weißen. Kati, der Kochboy, kam ebenfalls freudestrahlend aus seiner Hütte und zeigte dem Pater die reichen Küchenschätze, von denen er bereits für das Mittagmahl das Notwendigste entnommen hatte, und sagte: „In Tschoba ist es gut. Der Häuptling will, daß du gut lebest " — „Ja, wirklich, es ist sehr gut. Nun brauchst du nicht mehr so sparsam zu sein wie sonst, Kati. Was für meinen Bedarf zu viel ist, das ist für dich und die Träger, Hr habt nach den anstrengenden Tagemärschen gutes Essen verdient." Der Kochboy hatte seine ganze Kunst aufgeboten und der Missionär speiste besser als sonst zu Mittag. Es war ein wirkliches Festessen geworden. „Wenn die anderen Fragen sich ebenso lösen wie die Magenfrage," dachte er, „dann will ich's loben. Aber ich glaube, das wird noch seine Haken haben." Als die größte Mittagshitze vorbei war, erschallten von ferne dumpfe, langgezogene Töne herüber. Sie kamen näher und näher, wurden lauter und heller. Dazwischen vernahm man die Stimmen der jungen Ausrufer, die durch alle Gassen und über alle Plätze eilten und die Leute zum großen Häuptlingsplatz und zu einem frohen Nachmittag zusammenriefen. „Der weiße Mann wird selbst dem Feste beiwohnen", fügten sie hinzu. Im Dorfe war reges Leben. Die Männer holten ihren Festschmuck hervor, wuschen sich, rieben den ganzen Körper mit Palmöl und Rotfarbe ein, hingen sich ihr breites Buschmesser um, nahmen die schönste Lanze in die Hand und eilten zum Bersammlungsplatz. Allmählich verstummten die Rufhörner. Es verging eine geraume Zeit, da erschien ein Bote des Häuptlings und meldete, die meisten Leute seien versammelt, das Fest könne beginnen. Mit der Meldung, daß der Missionär gleich erscheinen werde, machte der Bote sich wieder aus den Weg. Der Pater und Kenfui folgten ihm. Sie hatten sich schon vorher über ihr gemeinsames Vorgehen und Verhalten in der Angelegenheit des Gefangenenaustausches und in der Versöhnung der beiden Stämme besprochen und sich über die Richtlinien ihres Vorgehens geeinigt. Kensui sollte der Wortführer des Paters sein, da dieser sich der Sprache nicht genügend mächtig fühlte. Zwar meinte der Pater, es sei vielleicht besser, die Frage der Aussöhnung der beiden Stämme zu vertagen, allein Kenfui war anderer Ansicht. „Mein Vater", sagte er, „wir müssen davon sprechen. Du kannst dich auf mich verlassen. Ich habe mir eine Rede zurechtgedacht, der die Leute nicht widerstehen können. Alles wird gut gehen. Anfangs zweifelte ich ebenfalls, aber heute bin ich meiner Sache sicher." — „Du bist sehr zuversichtlich, Kensui, und es wird mich gewaltig freuen, wenn dir dein Vorhaben gelingt. Aber ich fürchte, der Geist der Stammesrache und der Haß gegen die Kantschi wurzelt zu tief in den Herzen deiner Stammesbrüder. Wenn wir nur keine Enttäuschung erleben! Indes, deine Rückkehr und die Möglichkeit des Gefangenenaustausches scheinen der Sache einen günstigen Anfang geben zu wollen. So wollen wir auf den Großen Geist dort oben vertrauen, der kann alles zum Besten lenken." So erreichten sie den Bersammlungsplatz. Der Häuptling und die Bicp leute erschienen beinahe zu gleicher Zeit und wurden mit lautem Beisallrufen begrüßt. Die verschiedensten Instrumente begannen ihre Musik und wirbelten ihre ohreuzerreißenden Akkorde in die Lust. Der ganze Ptatz hallte bald wider von wildem Geschrei, und vermummte Jujus tanzten ihre tollen Sprünge. Der geschnitzte Stuhl des Häuptlings stand an bestimuüer Stelle bereit. Sonst durfte unter Todesstrafe kein anderer als das Stammesoberhaupt sich daraufsetzen, aber heute bedeutete der großmütige Herrscher seinem weißen Freunde, darauf Platz zu nehmen. Majita selbst setzte sich auf den.Reisestuhl des Missionärs, den Kati zurechtgerückt hatte, und machte es sich darin bequem. Unterdessen strömten noch immer mehr Tschobamänner herbei, die sich regellos niederließen, wo noch ein Plätzchen war. Die Menge hockte nach Negersitte aus dem Boden. Jeder hatte seinen Trinkbecher, doch hatten die meisten aus einem durchsichtigen Grunde die großen Büffelhörner vorgezogen. Viele hundert prachtvolle Lanzen standen an den Wänden der umgebenden Hütten. An deren langen Holznägeln hingen die breiten Buschmesser mit den blauen Tuchschärpen aus Eingeborenenstoffen oder mit Riemen aus Leopardensell. Beim Erscheinen des Missionärs richteten sich alle Augen auf diesen ersten Weißen, der jemals die Tschoba besucht hatte. Man schaute und staunte. Man sprach nur über ihn, über seine seltsame Ge- sichtsfarbe, über die weißen Hände, den großen Hut, den langen Bart, das weiße Gewand. Alles war so fremdartig: O, diese Weißen, was sind sie doch sonderbare Menschen! So hatten sie sich satt geschaut und schon eine geraume Zeit geschwatzt, als ein Elsenbeiurohr zur Ruhe mahnte. Der Häuptling wollte sprechen und mit weithallender Stimme rief er über den Platz hin: „Ihr Männer von Tschoba! Ein weißer Mann ist zu uns gekommen. Er ist der erste Weiße, den wir sehen. Verschiedenerlei Gerüchte über die fremden Männer aus dem Lande jenseits des großen Meeres waren schon seit langer Zeit zu uns gekommen. Wir hatten bisher nur von den weißen Eroberern, von den Männern mit dem Donnerstock, von den gefürchteten Kriegern gehört. Nun ist aber ein Weißer zu uns gekommen, der kein Kriegsmann, kein Feind der Schwarzen ist. Sogleich ist er unser Freund geworden. Wie ihr bereits wisset, hat er unseren Stammesbruder Kenfui aus der Hand unserer Stammesfeinde, der verhaßten Kantschi, befreit und zu uns heimgebracht. Es wäre nicht recht, wenn wir ihm unsere Freundschaft vorenthielten, da er uns einen solchen Freundschaftsbeweis geliefert hat. Gestern haben wir die Rückkehr unseres Stammesbruders gefeiert, heute wollen wir unsern weißen Freund mit einem Feste, mit Spiel und Tanz, mit Gesang und vielem Palmwein ehren, wie es sich geziemt. So möge das Fest beginnen. Ich spende den Palmwein; ihr möget feiern und fröhlich sein. Die Dschindar sollen ihres Amtes walten. Das ist die Festrede eures großen Häuptlings Majita." Lautes Freudengeheul flutete als Antwort über den Platz dahin. Zahllose Gongs, Elfenbeinhörner, Rasseln und Schellen mischten sich in das wüste Geschrei der vielen Stimmen. Das Zeichen zum Einschenken war gegeben, das Fest eröffnet. Heute durfte die Freude sich austoben, denn das schönste Fest ist dann, wenn der Palmwein nichts kostet und reichlich fließt. Zahlreiche Palmweinkalabassen standen gefüllt bereit und die flinken Dschindar waren jedes Winkes gewärtig, die großen Trinkbecher und Büffelhörner zu füllen. Sie hatten die Hände voll zu tun. Man schwätzte und sang, man spielte und trank, man tanzte und schrie. Der Häuptling selbst war in gehobener Stimmung. Lauter als sonst unterhielt er sich mit den Bigleuten, die etwas abseits saßen, und dem Pater, dem er öfters zutrank und immer wieder ermunterte, das Trinken nicht zu vergessen. Der arme Pater bemühte sich auch ernstlich, das saure Getränk hinunterzuschlucken, aber sein Verzerren des Gesichtes fiel selbst dem Häuptling auf. Flugs eilten Diener davon und kamen bald mit frischem Palmwein zurück, der mit Honig untermischt und durch ein feines Sieb gereinigt worden war. Für diese Aufmerksamkeit war P. Wildhof dem Gastgeber wirklich dankbar. Den übrigen Teilnehmern schien der saure Palmwein um so besser zu munden und zu bekommen. Es galt für alle, sich am tollsten zu gebärden, um dadurch die Lachmuskeln der Zuschauer zu reizen. Unübertroffene Meister blieben aber hierin die vermummten Jujus, die in ihren drolligen Verkleidungen, mit ihren grotesken Tier- und Menschenmasken, die wüstesten Tänze, die heitersten Schwänke aufführten. Und je wilder sie es trieben, um so lauter wirbelten die Gongs und lärmte die Musik. Es ging dem Pater schon auf die Nerven. Zum Glück folgten jetzt Kriegstänze, die seine Teilnahme mehr lockten. Es wurden eigenartige Kriegsschilde herbeigeschleppt, längliche Schilde aus starkem Flechtwerk, dessen Mitte einen Eisenbuckel trug. Die Kriegstänzer griffen nach ihren Lanzen und Buschmessern, nahmen den Schild und stellten sich zum Tanze auf, um bald ein wunderbares kriegerisches Schauspiel zu liefern. Man schwang die Lanzen, man hob die Schilde, als gelte es unsichtbare Lanzen abzuwehren, man stürmte unter wüsten Rufen vor, um daun wieder zurückzuweichen. Dann aber wurde das Kriegsgeheul wirrer und wilder und ein neuer Sturmangriff ließ das schwarze und im Sonnenschein blitzende Gewoge sich voranwülzen, bis ein unbeschreibliches Geschrei den Sieg verkündete. Es folgten noch interessante Elefanten- und Vogeltänze, dann nach kürzeren oder längeren Pausen Einzel-, Gruppen- und Volkstänze. Der Schweiß floß den Tänzern in Strömen, doch der Palmwein kühlte und immer neue Kalabassen wurden herbeigebracht. Der Häuptling Majita war gut aufgelegt und erklärte fortwährend dem Weißen die Bedeutung der Tänze und der Gesänge. Dieser vertraute auf die gute Stimmung und auf die begeisterte Ehrung, die man ihm erwies, nahm sich ein Herz und bat um die Erlaubnis, zur Versammlung sprechen zu dürfen. Es wurde gern gewährt. Die Elfenbeiuhörner und ein Zeichen mit einer Bambusfahne brachten die Ausgelassen- heit zum Schweigen. Der Pater stand auf und begann: „Großer Häuptling! Ihr guten Männer von Tschoba! Ihr ehrt mich, den Weißen, als euren Freund. Euer Fest ist schön, noch nie sah ich ein solches. Meine Freude ist groß. Ich danke euch und will immer euer Freund bleiben. Ich möchte euch eine große Rede halten, aber dazu beherrsche ich eure Sprache nicht genug. Es fehlen mir die Worte. Ich werde aber eure Sprache lernen, denn ich liebe den großen Häuptling Majita, ich liebe Kenfui, den ich euch zurückbrachte, ich liebe euch alle. Den heutigen Tag werde ich nie vergessen. Das sind wenige Worte; ich wollte, es könnten mehr sein. Ich, der weiße Mann aus Europa, habe gesprochen." So kurz und unbeholfen diese Ansprache war, sie löste einen ungeheueren Beisallssturm aus, der sich nicht legen wollte. Alle waren höchst erstaunt, einen fremden Menschen ihre Sprache reden zu hören. Nach einer Weile erbat sich Kenfui die Erlaubnis zu sprechen und mit bereitwilliger Zustimmung Majitas fing er an: „Großer Häuptling aller TschobaI Meine Stammesbrüder! Der Weiße hat soeben mit uns gesprochen. Obschon er noch nie in unserem Lande war, spricht er bereits unsere Sprache und wird sie noch besser sprechen, wenn er bald zu uns zurückkehrt. Ich denke, ihr werdet gerne vernehmen, was ich euch von ihm zu sagen weiß. Der Weiße ist ein guter Mann. Ec macht keinen Krieg, obschon er einen Donnerstock bei sich führt. Der Weiße ist mein Freund, er hat mir das Leben gerettet und mich zu euch in die Heimat zurückgeführt. Er liebt die Schwarzen und ist der Mann Gottes. Wir haben viel von den Weißen gehört und fürchteten den Tag, wo sie in unserem Dorfe erscheinen würden. Nun ist ein Weißer unter uns und statt Furcht erfüllt Freude unser Herz. Der Tag ist schön, und ich sehe die Freude auf eueren Gesichtern. Er freut sich sehr, unter uns zu sein und er wird stets an diesen Tag denken, wie auch wir ihn nie vergessen werden. Nun höret, wie ich den Weißen kennenlernte, höret gut, damit auch ihr ihn kennen und lieben lernt." Nun holte Kenfui aus von dem Tage, wo er mit seinem Bruder Lanju in die Utembaebene ausgezogen war. Er schilderte die Jagd, den plötzlichen Überfall, seine Gefangennahme und seine Erlebnisse in Kantschi. Er sprach weiter von der Flucht in jener für ihn verhängnisvollen Nacht, die dem Lanju die Rettung brachte. Als er nun von der Feindschaft der Kantschi, von der grausigen Racheversammlung, von den schrecklichen Qualen, von dem Feuer unter seinen Füßen, von seinem Zappeln und Heulen unter dem Baume der Rache, von dem Freudengejohle, dem Tanzen und den übrigen Rache-laten der Feinde berichtete, da war auf dem Platze rundum Totenstille. Die Leute hielten beinahe den Atem an. Aber nach jeder Pause und nach jeder Schilderung neuer Grausamkeiten, besonders aber nach der eindringlichen Schilderung der tosenden Freudenausbrüche der feindlichen Kantschi erscholl ein wildes Rachegeschrei: „Rache, Rache an den Kantschi." Kenfui zeigte zum Schluß seinen verstümmelten und der Hand beraubten Arm, was die Tschoba-leute zu erneuten, nicht endenwollenden Wutausbrüchen bewegte. Dann kam der schwarze Redner darauf zu sprechen, wie ihn der Pater aus der Gewalt der Unmenschen befreit hatte. Tosendes Freudengeschrei erschallte, als Kenfui geendet. Der Häuptling beglückwünschte den Pater; aber die Leute waren damit nicht zufrieden. Sie hoben ihn auf ihre Schulter und trugen ihn, auf Gongs trommelnd, johlend vor Freude, sich wie wild gebärdend, über den Platz. Der Missionär wurde als Retter eines Tschoba-mannes gefeiert, als einer, der die Kantschirache zunichte gemacht habe. Als endlich dieser Freudenerguß sich gelegt hatte, ließ der Pater sich die vier gefangenen Kantschi vorführen, doch verlangte er, daß ihnen nichts geschehe. Die vier Leute waren bald zur Stelle. Schrecklich waren sie verunstaltet, dazu fehlte allen ein Auge. So hatte es die Rache der Tschoba an den Stammesfeinden verlangt. Nun sollte der eigentliche, aber der schwierigste Teil seines Planes ins Werk gesetzt werden. Auch hierbei mußte er sich des treu ergebenen Kenfui bedienen, da er die Tschobasprache durch den Umgang mit Kenfui wohl soweit verstand, daß er sich verständigen und alles verstehen konnte, aber eindrucksvoll zu sprechen, wie es jetzt nötig schien, das war ihm noch nicht möglich, das würde Kenfui in seiner urwüchsigen Weise besser machen. Die vier Kantschileute vermuteten eine erneute Ausübung der Tschobarache, bei der sie das Opfer sein würden. (Fortsetzung folgt.) Eigentümer, Herausgeber und Verleger: Missionshaus der Söhne des heiligsten Herzens Jesu in Graz, PauluStorgafle 10. — Verantwortlicher Schriftleiter: P. Al. Wtljling, Missionshaus, Graz, Paulustorgasse 10. — Untversitüts-Buchdrutkere! .Styria" in Graz.