j! '710 7 9 o^ao ^ t} g ? Sonderabdruck sms dem 56. Programme des Staats-Obergymnasrams / zu Klagenfurt. ' ^ 7b Die Ortsnamen des Oerichtsbezirkes Ferlach. weck des folgenden Aufsatzes ist die Erklarung der Ortsnamen des Oerichtsbezirkes Ferlach, der das nntere Rosental umfafit. Veranlafit wurde derselbe insbesondere dnrch die bevorstehende Eroffnung der Karawanken-Bahn. Als Sohn des Rosentales glaubte ich eben keine passendere Gelegenheitsgabe bieten zu konnen als die Er¬ klarung der Ortsnamen, damit die Sommergaste und Turisten, die sich ja sicherlich in grofi er Menge einfinden werden, die landschaftlichen Reize unserer schonen Heimat nicht blofi mit den leiblichen Augen betrachten und bewundern, sondern auch die Bedeutung der Ortsnamen, soiveit sie sich erschliefien lafit, einsehen und so mit Sinn und Verstandnis die dem Weltverkelir neuerschlossenen Gegenden durchwandern konnten. Mit Riick- siclit ant diesen Zweck ist manches ausfiihrlicher gelialten, als es gerade notwendig ware; auch Wiederholungen waren unvermeidlich. Die Ortsnamenforschung ist in Karnten wie in den siidlichen Lan- dern uberhaupt noch stark im Riickstande. Es war auch aufierst schwierig, sich mit der Erklarung der karntischen Ortsnamen zu beschaftigen. Denn es fehlte die wichtigste Vorbedingung dazu, namlich eine systematisch und kritisch angelegte Sammlung der karntischen Urkunden, oline die der Erklarer von Ortsnamen vielfach im Finstern tappt und Gefalir lauft, in Irrttimer zu verfallen. Die Urkunde verbreitet, man kann \vohl sagen, in den meisten Fallen helles Licht iiber dunkel klingende und schier nnerklarliche Namen. Es sei dies an ein paar Namen gezeigt. Was lafit sich mit dem Ortsnamen Siebending (bei St. Andra im Lavanttal) machen? Der Name wird sofort klar. wenn wir in einer Urkunde vom Jahre 1145 Sigemuntingen lesen; es ist die Siedelung der Sigmuntingen oder der Nachkommen eines Siegmund. Oder Siegelsdorf bei Wolfsberg? In einer Urkunde vom Jahre 1184 heifit es Sitegoisdorph, was auf dem slovenischen Personennamen Žitogoj, aus den Stammen žitu (= Leben) und goj (= Friede) zusammengesetzt, berulit. Was ist Frallach in Ober- 1 2 karaten? Im .Jahre 1267 lautet es Dobrovlach, das auf altslovenisches dombru = Baum, Eiche, Wald zuruckgeht. Diesem fiihlbaren Mangel ist nun griindlich abgeholfen, seitdem wir das wirklich monumentale Werk: Monumenta ducatus Carinthiae von A. E. v. Jaksch besitzen, dessen Schlufiband, mit Personen- und Ortsregistern versehen, in Kiirze erscbeinen wird. Dasselbe ist ebenso unentbehrlich fiir alle, die sich mit der Geschichte unserer engeren Heimat, in welcher Eichtung auch immer beschaftigen, als es aucli eine reiche Fundgrube fiir die Ortsnamenforschung bietet, iiber deren Wert und Bedeutung heut- zutage noch etwas sagen zu miissen, mir uberflussig erscheint. Der Aufsatz zerfallt in zwei Teile. Im ersten werden die eigentlichen Ortsnamen, das ist die Bezeichnungen der menschlichen Ansiedelungen er- klart, der zweite enthalt eine Sammlung von sogenannten Flurnamen, das ist Namen von Quellen, Bachen, Feldern, Wiesen, Waldern und Waldteilen, Bergen, Hiigeln u. s. w. I. Eigentliche Ortsnamen. Gemeinde Bistrica (Feistritz). Bistrica (Feistritz), die Siedelung an einem Bistrabache. Asi. bystru = sclmell, reifiend, klar. Das Viktringer Urbar v. J. 1488 schreibt Fewstritz, das v. J. 1515: Feustritz. Das bei Jaksch Mon. Car. I. Nr. 258, S. 199 im J. 1169 vorkommende Fustritz laik sich niclit mit Sicherheit mit diesem Feistritz.. identifizieren, zeigt aber insoferne einen alteren Lautbestand, als der Ubergang des y in ei noch nicht vollzogen ist. Der Name ist in Karaten sehr haufig; nicht weniger als 16 Bistrica - Bache und Orte lassen sich nachweisen, aufierdem 1 Bistra. Krajani, Kraje (Krajach). Das zugrunde liegende Etymon ist kraj = Ort, Ende, Gegend. Die Bildung des Ortsnamens geschieht mit Hilfe des Suffixes -janinu, welches an Appellative und Personennamen gefligt, den Bewohner der durch jene bezeichneten Gegend oder Ansiedelung ausdriickt; z. B. gora = Btichel, Gorjanintt = Bewohner eines Biichels, ein Picliler. Ebenso Krajanintt = Bewohner eines Kraj genannten Ortes. Der Plural dazu lautet im Nominativ Krajani, im Lokal vKrajaneh; daneben kommt eine kiirzere Form v Krajah vor, aus der sich durch Analogie mit anderen Ortsnamenbildungen der Nominativ Kraje entvrickelt. So erklart es sich, da6 Doppelformen im Gebrauche sind, besonders im Rosentale. Es seien aus der unteren Halfte desselben aufierdem noch angefiihrt: Borovljani und Borovlje, Doljani und Dolje, Gllnjani und Glinje, Goričani und Goriče, Lipljani und Liplje, Mačani und Mače, Svečani und Sveče. Was die"Haufigkeit des Gebrauclies beider Formen betrifft, so herrscht im Lokal ausschliefilich die kiirzere Form v Borovljah, Glinjah u. s. w., dagegen sind im Nominativ und Akkusativ beide nebeneinander iiblich. Ledine. Yom asi. lendina = terra inculta = ungerodetes Land, Brach- feld. Das Wort kommt aucli als Flurname sehr oft vor. Von Ortsnamen auf der „deutschen Seite“ gehoren Ladein bei Siirg und Lading im Lavant- tale hieher. 3 Mačaiii, Mače (Matschach). Yom asi. maku = Mohn als Personenname gefafit, wie er noch heutzutage bodenstandig ist. Mit Hilfe des bereits bei Kraje angegebenen Suffixes -janinu erhalten wir Makjaninu, was in Mačaninu ubergeht und den Bewohner einer von einem Mak begriindeten Siedelung bezeichnet. Medvedji Dol (Barental). Sowohl aus diesem und anderen Ortsnamen, sowie aus dem Volksliede und der Volksiiberlieferung lafit sich schliefien, dafi ehemals der Bar (medved) in den Karawanken heimisch war und erst allmahlig ausgerottet wurde. Die offizielle slovenisclie Bezeichnung fiir Barental lautet Zavrh, walirend Medvedji Dol als Flurname fortbesteht und die Ubergangsstelle (Barensattel) nach Jauerburg in Krain bezeichnet. Poljana vom asi. u. nsl. poljana = Ebene, Feld; auch ein ziemlich hiiuflger Ortsname. Ins Deutsche gieng er in verschiedenen Formen liber: Polland bei Irschen, Polla im Liesertal, Pollan bei Paternion, Wollan bei Arriach, Polling achtmal; auch Pollenitz als Deminutiv von poljana gehort hierher. Selo (Sala). Der Stainm zu diesem selir haufig vorkommenden Ortsnamen ist die in allen indogermanischen Sprachen vorhandene Wurzel sed-, welche in Besitz nehmen, besiedeln bedeutet. Daraus sloven. sedlo = selo das Besiedelte, die Besiedelung, Niederlassung. Ins Deutsche geht dieser Ortsname in verschiedenen Formen liber, gewohnlich in Zeli (bei Gurnitz, bei Maria Saal, Zeli Pfarre), dann Seel und Sala. Sene (Sinach), Siene oder Sine gesprochen, vom asi. seno = Heu; es sind grofie Heumahdwiesen daselbst. Die Verschiedenheit der Aussprache riihrt daher, dafi das asi. e im unteren Rosental wie deutsches ie, dagegen von Suetschacli aufwarts wie reines i gesprochen wird. Schlagwort hiefiir ist mleko, welches unten mlieko, oben mliko lautet. Svečani, Sveče (Suetschach). Ebenfalls ein aus einem Personen- namen hervorgegangener Ortsname. Als Etymon haben wir asi. sventti = nsl. svet = heil, heilig, stark (vgl. Lodg) anzunehmen. Die Bildung ist wieder mit Hilfe des ortsnamenbildenden Sufhxes -janinu vor sich ge- gangen, wie wir es bei Kraje gefunden haben. Interessant sind die alteren urkundlichen Formen; sie lauten 1238: in villa Zwenkach (Jak. M. C. IV 1 , Nr. 2163, S. 257), 1239: Zwenka (1. c. Nr. 2180, S. 269), 1252: Zwenkach (1. c. Nr. 2504, S. 413), ebenso 1254; dagegen 1488 und 1515: Zweclcach. Die Karte Homanns (1718) hat die Schreibung: Schwetsach, die der heutigen deutschen Schreibung ziemlich nahe kommt. Interessant nannte ich die alteren Schreibungen deshalb ; weil sie ein Zeugnis sind, dafi der Nasal en auch im Rosen- taler Dialekt einstens vorhanden war und erst im Laufe der Zeit ver- schwunden ist, wahrend er sich in einigen anderen slavischen Sprachen vollstandig und auch im Jauntaler Dialekt teihveise wenigstens erhalten hat. Noch in anderer Beziehung sind jene Schreibungen bemerkenswert. Wenn man die Freisinger Denkmaler liest und darinnen Formen wie choku (= hocu = hočem), crisken (= krščen) findet, so kommt man im Zusammenhalte mit anderen Merkmalen zu dem Schlusse, dafi der Schreiber dieser fiir die slovenische Literatur so wichtigen Denkmaler in Karnten zu suchen ist. Die oben aufgestellte Ableitung erhalt noch dadurch eine besondere Stlitze, dafi sich in der friiher angefiihrten Urkunde v. J. 1239 der Personenname Zivetoch = Sventoh vorfindet. l* Gemeinde Borovlje (Ferlach). Bajtiše (Waidisch) vom nsl. bajta = Hiitte. Das Suffix -išče, an Substantiva gefiigt, gibt deraselben Kollektivbedeutung; dagegen zu Verbalstammen gesetzt, bezeicbnet es den Ort, wo sich eine Handlung voll- zieht; also bajtišče = eine Mehrheit von Hiitten, docb bojišče = Kampfplatz, Schlachtfeld, Kriegsschanplatz. Zu bemerken ware noch, dafi in unserem Ortsnamen das Suffix in -iše abgeschliffen erscheint, was in anderen sloveniscben Dialekten Aviederholt vorkommt, in der Rosentaler Mundart aber sonst selten ist. Borovljam, Borb vij e (Ferlach). Vom Substantiv boru = Fohre mit dem Suffix -janinti gebildet. Dieses tritt nicht immer unmittelbar an das Stammwort, sondern es wird ein -ov- eingeschaltet, das wieder den Hinzutritt eines l veranlafit. So entsteht die Form Borovljaniml. woraus auf dem bei Kraje gezeigten Wege Borovlje hervorgeht. (Nom. Plur. Borb vij ani. Lok. v Borovljaneh = v Borovljah, daraus Borovlje). Der Dialekt verriickt den Akzent auf die letzte Silbe Borovlje, daraus Brovlje. Urkundliche Belege sind: 1246 villa (Weiler) Verolach und Voerelach (Jak. M. C. IV 1 , Nr. 2327, S. 336), 1253: Voerelach (1. c. Nr. 2554, S. 449), 1488: Vorlach und Vorulach, 1515: Vorenlach, 1524: Forenlach, 1688 (Valvasor): Verlach u. Ferlach; 1718: Ober - Verlach. Die slovenische Form treffen wir zuerst bei Gutsman (Wind. Sprachlehre, 4. Aufl. 1799, S. 110): Borovle. Dbbrava. Asi. dombrava = Baume, Hain, Wald, aus dombru und dieses von dombtt = Baum, Eiche. Der Nasal ist verloren, Avahrend er sich in deutschen Gegenden erhalten hat; ein schones Beispiel hiefiir ist Dombra bei Milltatt, das im Jahre 1187 Dobraw lautet (Jak. M. C. III. Nr. 1340, S. 503), dagegen 1321 Michel Dombra (= Grofi-Dombra) ge- schrieben wird (Arch. f. vaterl. Gesch. & Topogr. 1894, S. 29) Doljani, Bolje (Dollich) von dolu = Loch, Grube, Senkung, Tal. Die Bildung ist mit dem Suffix -janinii durchgefuhrt: Doljaninu, Doljani, v Doljaneh = v Doljah und daraus der Nominativ Dolje. Gabel (Kdbov). Der Ort hat den Namen von der Gabelung des Ferlacher Baches (Borovnica), der sich oberhalb des friiher Brašdnarca (= Wallasch-Hammer) genannten Voigfschen Hammers in zwei Arme spaltet, die die Ortschaft Ferlach durchfliefien und sich im unteren Teile derselben, der Podklanec heifit, Avieder vereinigen. Die slovenische Form Kobov (nicht Kobor. wie das neueste Gemeindelexikon den Druckfehler des Ortsreperto- riums von 1894 nachschreibend bietet, \vahrend das vom Jahre 1883 richtig Kobov schreibt) ist nichts anders als die dialektische Aussprache des deutschen Gabel und ist insoferne flir die Dialektologie nicht ohne Bedeutung, dafi sie ein Beispiel fiir den Ubergang des deutschen