Blätter zur Förderung des Ndteilungsunterrrchtes. Herausgeber: Kudvlf L. Peerz, k. k. Professor an der Lrhrerbildungsanssalk in Laibach. » Tr n, , Bit «Blätter j. $. b. Hlit.-lllnt.. trimme» nie Beilage jur «Xnilmdjtr Sdjul- , - jr„llt.imy mnr. $tr- <5, 11. jjeituna» monatlich. W »tjiigsgebiUir 2 K jährlich. ® ffiiujelnummer 80 h. ' • jrtivuur l. K . Inhalt.- i.) etabilcljrcc — Landlehrer I — 2.) $ic formalen Stufen im ütbteflimgSimtcrridjte. (VI.) — S.) Sprachunrichlig. teilen an der Sprachgrenze und anderwärl«. — 4.) Erster »toiifcmizbortrng. — 5.) Zur 1. Frage. — 6.) Zur 2. Frage. — 7.) Zur 3. Frage. — 8.) Zur 4 Frage. — 9.) Für das Lehrerheim im Süden. — 10.) Brieftaften. — 11.) Bon Schule zu Schule. «Kein Buch fauit den (Seift des Lehrers ersetzen.» Diesterweg. Stadtlehrer - Landlehrer! Schlagwörter wie Goethe — Schiller! Jeder der beiden Dichterfürsten hat seine Ver-ehrer, jede der beiden Schulgattungen ihre Verfechter. Als ich daran ging, meine Gedanken über den Abteilnngsunterricht durch eine besondere Zeitschrift in die Welt zu senden und gleichzeitig andere Gedanken zu sammeln, wollte ich dem neuen Blatte den Namen -Die Landschule- geben. Ein hervorragender Schulmann meinte jedoch, der Name triebe einen Keil in die Lehrerschaft und trennte sie in zwei Lager. Der Einwand schreckte mich und ich griff zu dem langen, «ungefährlichen» Titel. Heute denke ich über die Sache anders. Ängstlichkeit hat noch niemals auf die Dauer versöhnend gewirkt; eine offene Aussprache ist die beste Gewähr für unerschütterliche Freundschaft und treues Zusammenhalten. Also heraus mit dem freien Wort! Diese Blätter werden von wenig Stadtkollegen gelesen werden und niemand kann mich der Liebdienerei zeihen, wenn ich zunächst ihrer, und zwar als Verteidiger gedenke. Mancher Amtsbrnder ans dem Lande ist geneigt, die Arbeit des Stadtlehrcrs mit geringschätzigem Lächeln zu mustern, als erfordere sie nicht die Hälfte an Mühe, nicht die Hälfte an Kunst im Vergleich zu jener, die ihm beschicken ist. Die Mißachtung ist unverdient; sie entspringt der unglücklichen Schlagwortpolitik, die nicht wägt, was sie beurteilt. Das freie Forschen, das wir im Unterrichte Hochhalten, beachten wir oft zu wenig im eigenen Tun und Schätzen. Ich für meinen Teil kann mich von dem Fehler nicht lossprechen, war ich doch auch rasch dabei, die Tätigkeit des Stadtlehrers ziemlich tief zu stellen. Die Erfahrung jedoch und der anregende Verkehr mit einem hochstehenden Schulmanne haben mich eines anderen belehrt. Gar so weich ist eben der Stadtlehrer nicht gebettet, wie man gewöhnlich anzunehmeu pflegt. Man denke nur einmal an das Schülermaterial! Ich erinnere mich mit Grauen der Stunden, die ich mit den 75 Fabrikskindern verbrachte. Rangen von 8 bis 12 Jahren, großenteils verlottert, geistig verkommen, verhätschelt, angekränkelt von Ideen, die die Autorität und Ordnung untcrwühlen, zügellos, gestachelt von einer böswilligen Mutter, gegen den Lehrer gehetzt von dem halbgebildeten Vater, der sich höher dünkt als jener, hervorgegangen aus geistigem Unkenwasser: — diese Rangen vergesst ich nicht. Sie kamen ohne Schnlzeug daher, sie kamen zu spät, sie schleuderten nachlässig in die Bänke, holten dort ihr Schläfchen nach, das ihnen vielleicht daheim ein Gelage geraubt, sie übten Fanstrecht trotz Verbot und Drohen, sie übten sich in der Ausführung jener Ideen, die sie von den Vätern eingesogen hatten, und zerrütteten Ordnung und Zucht. Und der Unterrichtserfolg? In seiner Sonne Hab' ich mich nicht ein Stündlein gewärmt. — Die Fabriksschule ist zumeist das Schreckbild der Stadtschule, aber ein Typus, von dem die Sammelt Gaben für das Lehrerheim im Süden und sendet sie an den Amtsbruder „Bersin in Laibach“! Genossen Nur zum Teil abweichen; im ganzen und großen sind's dieselben Leiden, die »ns in der Vorstadt entgegentreten und im Innern des Häusergewirres. Muttersöhnchen, altkluge Plappermäulchen, zuweilen verrohte Gemüter, Proletarier schlimmster Sorte, wahre Verbrechernaturen im kleinen, Treibhanspflänzchc», arme Geschöpfe, die für die Sünden der Väter leiden: — das kollert oft im bunten Wirbel durcheinander und gibt ein Mosaik, an dem ein begeisterter Lehrer wenig Freude finden kann. Dazu die Überfüllung der Klassen, das hochgeschraubte Lehrziel, die Epidemien, die Schulkaserne, in der man sich vorkommt wie ein Rädchen in einer Maschine, unselbständig, eingeölt durch den Respekt vor dem Vorgesetzten, der mit wachsamem Auge die Gänge abläuft und bald hier, bald dort einfällt, das übergroße Interesse, das manche Eltern an der Schule nehmen, das ewige Einerlei im Fortschreite», der unheimliche Apparat, — die leidige Prosa. Wie anders ist es draußen in deinem stillen Dörfchen! Treue Äuglein und seien es auch 2 X 80, sie leuchten dir entgegen wie hellglänzende Sterne. Da gibt es keinen berechneten Augenniederschlag, kein trotziges Funkeln, keinen trüben Blick. Trotz Sturm und Wetter kommen die Kleinen zu dir; sie hängen dir an der Lippe, sie lesen den Wunsch dir von der Stirne, sie arbeiten mit Freude, sie lieben dich und tragen dein Wesen in tausend Abänderungen hinaus in die Welt. Wohl hast du zwei oder gar drei Abteilungen vor dir, wohl mußt du in kurzer Frist viel bewältigen, wohl greift dir bald hier, bald dort eine Hand in die Speichen — doch was ist das gegen all die Mißhelligkeiten, denen der Stadtkvllege ausgesetzt ist! Du bist ein König, er ein Arbeiter. Mag sein, daß er eine goldene Krone in der Tasche trägt, während dein Haupt eine eiserne krönt — aber du bist doch der König. Frei waltest du in deinem Reich, geliebt, verehrt, vergöttert. Dein Fleiß bringt goldene Früchte zur Reife, die du täglich sehen kannst; der Amtsbruder in der Stadt säet und andere ernten. Dein Wort faßt Wurzeln in den jungen Herzen; der Genosse in der Stadt hört zuweilen Hohngelächter als Antwort. Und so dreht sich die Scheibe hundertmal; sie zeigt ans der einen Seite Poesie, auf der ändern Prosa. Nicht immer ist das eine so ideal, nicht immer das andere so schreckhaft; doch an die gezogenen Grenzen ist beides gerückt. Wir fassen aus allem die Lehre, daß der eine nicht Grund hat, das Los des ändern zu überschätzen und das seinige darob als elend zu empfinden, und daß der andere nicht geringschätzig auf den Kollegen herabsehen soll, der durch die Kunst im Unterrichte doppelt aufwiegt, was ihm a n Hemmnissen besonderer Art erspart bleibt. Beide wirken im selben Kreis der Pflichten, zustrebend demselben Mittelpunkte, der Volksbildung. Der eine greift an diesem Teil des Bogens an, der andere an jenem; für beide dringt derselbe Radius ins Innere. Und legen sich größere Kreise um die beiden, — sie haben alle denselben Mittelpunkt. Darum ist es gar so einfältig und läppisch, wenn sich jene anders dünken, die am größeren Bogen tanzen und am liebsten aus der Zielscheibe springen möchten. Sie hüpfen wohl in die Höh'; doch der Punkt, er zieht sie zurück, wie die Erde den Ballon aus den Sphären. Stadtlehrer Landlehrer, Bürgerschullehrer — Volksschnllehrcr, Mittelschullehrer Bttrgerschullehrer, Hochschullehrer — Mittelschullehrer — — ein müßiger Streit: der Radius heißt — -Lehrer». — Die formalen Stufen im Abteilungsunterrichte. VI. (1. Unterrichtsbeispiel.) Vorbemerkung: Das nachfolgende Unterrichtsbeispiel will keinesfalls ein Rezept sein, nach dem jeder sein Tränklein zubereitet, sondern es soll zum Nachdenken anregen und besonders die Grundlage zu folgenden Fragen bilden: a) Wurden die formalen Stufen beachtet, wo stecken sie, wie lveit reicht jede einzelne ober wo laufen zwei nebeneinander her? b) Wie wäre das Unterrichtsbeispiel fortzuführen, beziehungsweise für die einzelnen Abteilungen (3 Abt.) zu verwerten und im ganzen einzurichten, d.h.wo könnten die Abteilungen getrennt und wo müßten sie vereinigt werden? — c) Welche geist- und gemütbildenden Stücke fallen ans der nachstehenden Behandlung des tiefe-stnckes? — Mit Absicht wird jedwede Andeutung über den Aufbau des Unterrichtsbeispieles (auch äußerlich) vermieden, damit es als Rohstoff genommen nnd nach eigenem Gutdünken zugeschnitten werde. Folge 3 der «Blätter» bringt erst die Gliederung nnd Begründung. Wir wollen sehen, inwieweit sich die Leser im Vexierbildchen zurechtfinden. Nur der Weg zur Selbständigkeit kann im Abteilungsunterrichte gelten. Der gerettete Handwerksbnrsche. (Für die Mittelstufe.) Heute früh war es wieder einmal recht kalt. Denkt nur, wie das Eis unter den Füßen krachte! Brr! Wie kalt mußte es da in der Nacht den Vöglein gewesen sein, die nicht im warmen Bettlein schlafen können, wie ihr es tut! Der liebe Gott hat jedoch für sie gesorgt; er hat ihnen ein dichtes Federkleid geschenkt und sie so vor dem Erfrieren geschützt. Weh aber den armen Menschen, die in Sturm und Kälte wandern müssen und keinen Unterhalt finden! Habt ihr schon solche Leute >» unserem Dorfe gesehen? Das waren Handwerksbnrschen. Warum blieben sie nicht daheim? Die Not trieb sie in die Fremde; sie suchen Arbeit und wandern von Ort zu Ort. Erzähle, wie der Handwerksbursche aussah, der unlängst von Haus zu Haus wanderte! (Bündel, leichte Kleider, zerrissene Schuhe, . . .) Um was bat er eure Eltern? Wie mancher von den wandernden Gesellen sinkt draußen auf der Landstraße zu Boden — und schläft in den Armen des Frostes ein, um niemals wieder zu erwachen. Da fällt mir von einem Handwerksbnrschen, der auch über Land zog, inst ein Geschichtlern ein. Gebt acht, ich will es euch vorlesen! (Die Aufschrift wird nicht gelesen.) Langsames Vorlesen bis . . . -ans sein Bündel und schlief ein-». Frage: Was wird mit ihm geschehen sein? Was meinst du? Was du? Was du? Wer hat recht? Das solltet ihr schon wissen. Ging ber H. zugrunde oder wurde er gerettet? Er wurde jedenfalls gerettet, denn sonst wüßten wir nicht, wie es ihm vor dem Umsinken erging und woran er dachte. Nur er kann das berichtet haben. Wir werden sehen, ob wir recht haben. — Weiterlesen bis «... und forderte sie zum Beistände auf». Was hättest du an Stelle der Männer getan? Hört, was sie sprachen! (Vorlesen des nächsten Satzes.) Warum sagten sie das? Sie gingen eben lieber hinter den warmen Ofen als in die Kälte hinaus. Was wäre nun mit dem armen Handwerksburschen geschehen? Gewiß wäre kr erfroren, wenn nicht einer von den Männern so gehandelt hätte, wie ihr handeln wolltet. (Weiterlesen bis ♦. . . und trugen ihn in das ärmliche Stübchen des Taglöhners..) Was werden sie dort mit ihm getan haben? Warum durften sie ihn nicht zum Ofen legen? Ihr habt gut erraten, hört nur! (Weiterlesen bis zum Schluffe.) Der Taglöhner hat also noch mehr getan, als ihr tun wolltet. Wieso? Darum gefällt er uns so gut. Welche Eigenschaften hat er an den Tag gelegt? Wie waren die ändern Männer? Wer ist in seinen Eigenschaften dem Taglöhner ähnlich? (Postknecht.) Warum? Was wißt ihr über die Eigenschaften des Handwerksburschen zu sagen? (Unvorsichtig.) Wer mag die Geschichte den Leuten erzählt haben? (Handwerksbursche.) Werden die Bauern davon berichtet haben? Da hätten sie sich nur schämen müssen. Vielleicht hat der Taglöhner oder der Postknecht hernmerzählt. Das hätte so ausgesehen, als ob sie sich prahlen wollten. Gute Menschen sind jedoch meist auch bescheiden. Erzähle die Geschichte so, wie sie der Handwerksbnrsche den Leuten erzählte, als er in einen anderen Ort kaiu. Wir werden nun das Lesestnck lesen. Doch vorher wollen wir erraten, welche Aufschrift es trägt. Was meinst du? Warum?. Werdet ihr das Lesestück am Anfänge des Buches, in der Mitte oder am Ende suchen? Warum? Lies so weit, wie ich zuerst gelesen habe! Warum habe ich dort aufgehört? Hat jemand in diesem Absätze etwas nicht gut verstanden? Wer kann das Wort erklären? Wovon wird jetzt die Rede sein? Lies den nächsten Teil! Komm heraus und zeige, wie du dir das vorstellst! Wo liegt der H.? Wo ist der Postkuecht? Wovon wird der nächste Abschnitt berichten? Lies! Jetzt kommt die eigentliche Rettung. Wohin würden wir den H. legen, wenn man ihn jetzt in unser Schulzimmer brächte? Was hätte geschehen können, wenn der Taglöhner den H. nicht einige Tage beherbergt haben würde? Erst durch die Pflege war also die Rettung vollständig. Man soll eben nichts bloß halb tun. Die Geschichte vom geretteten Handwerksbnrschen hat euch gewiß gefallen und ihr werdet sie heute, wenn ihr hinter dem warmen Ofen sitzet, vielleicht den Eltern erzählen wollen. Damit ihr aber nichts vergesset, wollen wir nun ein Paar Schlagwörter anfschreiben. Lies noch einmal den ersten Teil des Lesestückes! Wie mag dafür das Schlagwort heißen? usw. Erzähle die Geschichte ! Ich lösche die Gliederung weg: Wer kann jetzt erzählen? Hat N. ans nichts vergessen? Warum ist dieser Teil (der etwa vergessene) wichtig? Wenn ihr nun die Geschichte euern kleinen Geschwistern, die noch nicht in die Schule gehen, mitteilen wolltet, da müßtet ihr ihnen alles vorzeichnen, wie cs sich zitgetragen hat; sonst würden sie euch nicht gut verstehen. Was würdest du zuerst zeichnen? (Straße.) Was dann? usw. Komm zur Tafel, erzähle und zeichne zugleich! Zeichne einen Schlitten, eine Peitsche, einen Wegzeiger! Sprachunrichtigkeiten an der Sprachgrenze und anderwärts. Eine notwendige Bereicherung für unsere «Bl.- ! Viele Leser wirken in Gebieten, wo zwei Völker ineinander übergehen und haben gegen die sprachlichen Mischformen einen harten Kampf zu führen. Das ist ein Kampf mit Mücken und Fliegen: kaum glaubt man das Ungeziefer los zu sein, so fühlt man schon wieder den lästigen Stich. Nicht anders verhält es sich in Gegenden, die dem Lehrer eine von der Schriftsprache stark abweichende Mundart entgegenstellen.. Worte, Redewendungen, die das Kind täglich hört und spricht, die vom ersten Lebensjahre an im Ohre liegen, die förmlich eingewurzelt sind, sollen nun mit eincmmale hinweggeblasen werden? So einfach gestaltet sich der Streit nicht. In neuerer Zeit ist man davon abgekommen, mit Regelstelzen gegen den Widersacher zu marschieren, man hat die beharrliche Sprachübung ins Feld gestellt. Ob der Feldzng zum Siege führen wird? Ich bezweifle es. Ohne Plan ist noch kein Krieg glücklich vollendet worden. Man wird hier wie bei allen Neuerungen, die ungestüm über das Alte hinwegschreiten, znrückhalten und den ewiggeltenden Vorgang von der Einsicht zur Übung einhatten müssen, sofern für erstcre die notwendigen Grundlagen vorhanden sind. Nur so kann bei verhältnismäßig geringem Kraftaufwand ein bleibender Erfolg gesichert werden. Der geringe Kraft- und Zeitaufwand bedeutet nun für die Landschule, die mit Hemmnissen verschiedenster Art zu rechnen hat, unendlich viel, ein Grund also, daß wir die Frage in einem Zeitpunkte anfgreifen, da die Meinungen bezüglich des Sprachstudiums aufeinander platzen und dann wie feindliche Pole in unendliche Fernen zu fliehen drohen. Die Sammlung der Sprachnnrichtig-keitcn erheischt die Mitarbeit aller, die sie kennen und die eine reine, festgelegte Sprache mit ihren Schönheiten und Eigenarten als etwas Bedeutungsvolles mischen. Wohl ist der Schatz, den ich im Laufe der Jahre gesammelt habe, leider groß; aber nichtsdestoweniger bitte ich, sogleich frisch anzupacken und dem bösen Feind den Kopf abznhackcn. Bemerken muß ich noch, daß Wnstmanns -Sprachdnmmheiten- und andere Werke dieser Art erst in zweiter Linie benützt, in keinem Falle aber ohne weiteres zu Rate gezogen werden können, weil es sich ja nicht darum handelt, den Lehrer zu unterrichten, sondern weil unser Angenmerk zunächst auf die methodische Behandlung gerichtet werden muß. Wnstmann und Genossen kennzeichnen wohl die Fehler wenn auch nicht immer zutreffend, — aber sie geben nicht an, wie man sic niedcrbengt. Und das muß für uns die Hauptsache sein. Nirgends so wie hier werden praktische Handgriffe das ihre tun, ich bitte also um dieselben; den Dank werden die Geplagten in der Landschule abstatten und jene, die nach dem Süden wandern müssen; beim für ihr Heim ist die Sammlung bestimmt, wenn sie einmal als Büchlein hinansstattert. 1.) Wir haben sich . . . Ein Slawismus! Wir begegnen ihm auch in reindentschcn Gebieten. Der sprachliche Schlendrian greift mit Gier nach allem, was die Bequemlichkeit unterstützt. Das slawische «86- ist für den Trügen ein willkommener Gast; cs paßt zu jeder Person. Das ist ja prächtig! Ist es etwa nicht schön? Darüber läßt sich schwer urteilen. Richtig ist es im Deutschen ans keinen Fall; also brechen wir die erste Lanze! — Auf der Unterstufe werden Sätze, in denen das «sich-unser Ohr beleidigt, selten anstrcten; kommen sie und kommt mit ihnen das fehlerhafte «sich-, dann muß die Gewöhnung Niederdrücken, was die Gewobnheit brachte. Auf der Mittelstufe läuft der Übung die Erklärung voraus. Das aus den Sprachbücheru zum Überdruß bekannte Gerbst von »ich, meiner, mir, mich» dient mir zur Stütze: ich du wir ihr meiner deiner unser euer mir dir uns euch mich dich uns euch Wir lassen klappern, nachdem wir entwickelt haben (wie — darüber ein andermal!), wir sagen den 1. und 4. Fall laut, de» 2. und 3. leise, wir springen über den 2. und 3. Fall, wir schieben statt derselben das Zeitwort ein — und bleiben doch auf dem Gerüst. Statt zu sagen »ich, meiner, mir, mich- spreche ich nun ich wasche mich», ich getraue mich - und «ich unterhalte mich». So geht es bei du», so bei -wir- und so bei «ihr»; wo nicht gefehlt wird, braucht nicht genorgelt zu werden. Kommt einmal ein falsches sich» daher, so genügt ein Fingerzeig auf das Gerüst, das an der Wand hängt — und dein Buben verschlägt's die Stimme. Das ewige Hineinreden nützt nichts, die Regel allein nützt nichts, Erklären, Üben, Erproben: das scheucht den Groben. Erster Konferenzvortrag. Die Konzentration des Unterrichtes mit besonderer Berücksichtigung der ungeteilten einklassigen Volksschule. (Im Auftrag« des ständigen Ausschusses in der Bezirkslehrerkonferenz zu Böhm.-Leipa am 28. Juni 1904 gehaltener Vortrag des 8.-1,. Josef Toms in Schießnig hei Böhm.-Leipa.) (Fortsetzung.) Es ist längst erwiesen, daß die Sprache hauptsächlich durch Nachahmung und Übung erlernt wird und das Sprachgefühl unendlich schneller und sicherer als alle Regeln leitet. I)a es also im Sprachunterrichte zunächst auf die Ausbildung und Kultur des Sprachgefühls ankommt, so werden für den Schönschreibunterricht vor allem Stoffe zu wählen sein, welche der Bildung und Kultur des Sprachgefühls dienen. Solche Stoffe aber werden bieten: Wörter, welche ihrer Orthographie wegen besonders geübt werden müssen, Fremdwörter, Stab- und Stimmreime, diese äußerst angenehm ins Ohr fallenden Überreste einer uralten poetischen Form, verschwisterte Wortpaare, Sproßformen, sinnverwandte und ähnlichlautende Wörter, bildliche und sprichwörtliche Redensarten, Sprichwörter. Selbstverständlich muß bei der Auswahl der Schönschreibstoffe mehr als je dem Grundsätze Rechnung getragen werden, daß dieselben der betreffenden Unterrichtsstufe entsprechen, da der Lehrer hier nicht die Zeit zu langen und breiten Erklärungen findet. Dieser llechtschreibstoff wird also vom Lehrer schön in Doppellinien an die Schultafel geschrieben und von den Schülern zwei- bis fünfmal abgeschrieben. Wurden gerade die arabischen Ziffern eingeübt, so liegt es nahe, Geschichtszahlen einigemal abschreiben zu lassen: 800, 1492, 1648, 1804, 1848, 1866. Natürlich wird zu jeder Zahl die Frage gestellt: «Was ist in diesem Jahre geschehen?» Dem Geographie-Unterrichte wird es nicht schaden, wenn um diese Zeit die Länder der österr.-ung. Monarchie nach der Größe geordnet mit der Quadratmyriameter- und Einwohnerzahl daneben, oder auch einige wenige hohe Berge mit der Höhe in Metern, große Städte mit der Einwohnerzahl einigemal schön abgeschrieben werden. Läßt man in einer Schönschreibstunde einen Schuldschein auf weißes Papier ohne jede Veränderung von der Schultafel abschreiben, so hat man eine Arbeit geleistet, zu der in der Aufsatzstunde ohnedies keine Zeit ist. Werden die sämtlichen Giftpflanzen zu gelegener Zeit einigemal abgeschrieben, so hat man dem naturgeschichtlichen nicht weniger gedient wie dem Recht- und Schönschreibuntorrichte. (Fortsetzung folgt.) Zur 1. Frage. (Auszug aus Folge 1, 2 und 3 des 1. Jahrganges der «Bl.».) 8.) Sch 11. F. Schmidt in Langewiese: 1/3 wegen der Stoffülle und der Schulbesuchserleichterungen. — 9.) Obi. J. Windigeli in Lienfeld (Krain): 1/i, denn 20' reichen nicht hin, nur ein annähernd abgeschlossenes Bild zu bieten. «Die in 3 Teile gesonderte Stunde würde ermüdend auf Lehrer und Schüler wirken und zu Konfusionen Anlaß geben.» — 10.) K. k. Üb.-L. Berndl in Linz: 1/a. Die Dreiteilung der Schülerschar spricht liiefür und der Umstand, daß allzulangdauernde Stillbeschäftigungen vermieden werden.— 11.) F. Weinberger, Langenwies, O.-Ö.: 1/t. Bei l/3-Stunden können die Aufgaben der Stillbeschäftigung nicht gehörig durchgesehen werden und es kann im unmittelbaren nicht jeder Schüler zur Frage und Antwort kommen. — 12.) Obi. Tomitsch in Lichtenwald : l/s. «Ich glaube, daß die Zweiteilung lediglich aus Bequemlichkeitsrücksichten Verfechter gefunden hat. Die Verschiedenheit des Lehrstoffes bedingt die Dreiteilung.» — 13.) Sch lt. J. Richter in Johns-dorf, B.: ’/2. Bei Drittelstunden ist «Übereilen und Überhasten, wobei das Ziel öfters nur scheinbar erreicht wird». Die Gesundheit des Lehrers leidet Schaden, die Schulzucht wird gelockert, der Unterricht kann zur Qual werden. — 14.) L. J. Horvath in Cilli: Frei! - Theoretisch kann für den drittelstiindigen Wechsel manches Gute angeführt werden, doch in der Praxis wird es sich nur in einigen Fällen wirklich bewähren, sollen nicht nur Scheinerfolge erzielt werden.» Bei 1/i fehlt die Vertiefung. Zur 2. Frage: Die Verteilung der Schuljahre. Bei den weiteren Erörterungen über diese Frage wurde ich durch ein Bedenken aufgehalten, das vorerst beseitigt werden muß. Wir dürfen nie vergessen, daß wir nicht die gegenwärtigen Ber-hältnisse zur Grundlage nehmen können, sondern müssen des Zieles dieser «Blätter» eingedenk bleiben. Und dieses Ziel liegt eben in der Zukunft. Das Bedenken gebietet vor dem 3. Schuljahre halt. Soll das 3. Sch. in die Mittelstufe hinübergreifen d. H. mit dem Regelrechnen beginnen, mit den Regeln in der Sprachlehre, mit den Realien, mit dem regelrechten Zeichnen, Schreiben, Turnen usw. oder soll es zur Unterstufe geschlagen werden, d. H. den Zahlenranm 1 bis 100 tüchtig sieben, Sprachübungen Pflegen, Anschauungsunterricht, damit in Verbindung freies Zeichnen, typisches Schreiben und nicht Drechseln von Formen, Körperübungen, Übungen, Übungen? Ich eröffne darüber die allgemeine Beurteilung und lege die 5. Frage vor: Soll das 3. Schuljahr zur Unter- oder zur Mittelstufe gehören? Zur 3. Frage: Ungeteilte einklassige oder Halbtagsschule? p- Bei geringer Schülerzahl (etwa bei 50) ist entschieden der Ganztagsunterricht vorzuziehen. Bei übervölkerten Schulen (mit nahezu 100 Kindern) ziehe ich den Halbtagsunterricht vor. Ich habe seinerzeit 137 Kinder in einer Klasse unterrichtet; in einem solchen Falle ist der Halbtagsunterricht gewiß das kleinere Übel. A. Pomesberger, Schull. in I-rflliwärts, N.-ö. <1- Wo es die Räumlichkeiten (Schulzimmer) erlauben — und sollten es auch 80 oder mehr Kinder sein — ist der ganztägige Unterricht dem Halbtagsunterrichte entschieden vorzuziehen. Denn durch letzteren geht viel zu viel einführen? Nein! Doch davon später! (Fortsetzung folgt.) F. Koschier, Lehrer in Graßnitz bei Aflenz, Steiermark. Mr das DeHrerl,ei», im Süden. 9. Ausweis, abgeschlossen am 12. Februar 1905. n) Grundungsbeiträge: Oberlehrer Johann Zintler, Lehrer Zintler, Lehrer Glatz, Lehrer Wild, Lehrer Kraft, sämtliche in Hinterbrühl; Oberlehrer Karl Nenner, Lehrerin Marie Pndill, Lehrer Hans Bucht«, sämtliche in Neusiedl n. b. Taya; Oberlehrer Hans Lackier, Frau Julie Lackier, Herr Karl Pospischil, Herr Lorenz Zimpritsch, sämtliche in Obergras; Professor V. Dolenz, Graz; Lehrerin Karoline Sigora, Trautmnnnsdvrs, Steiermark; Oberlehrer K. Günther, Radowesitz; Lehrerverein Oberlavanttal, Kärnten, 16 K. I>) Spenden: Professor B. Dolenz 3 K; Lehrerin Karoline Sigora 3 K; Lehrer Franz Maurin, Lichtenbach, 2 lv; Lehrerverein Oberlnvanttal 20 K; Dentschlandsberger Lehrerverein 30 K; von einer Tafelrunde durch Lehrerin Marie Radtenbacher, Molln, 10 K; Zweiglehrerverein Obermölltal, durch Obmann I. Noisternig, 10 1(; Zweiglehrerverein Paternion in Kärnten (eingesendet durch den Obmann Reiner in Zla») 21 K ; Sch.-J. Hans Bruck in St. Beit (Kärnten) 3 Bausteine — 3 l< ; L. Demal, Schulleiter in Winklarn (Nied.-Österr.) 2 1<; M. llnterlercher, Lehrer in Landskron bei Villach, übermittelt anläßlich seiner Vorrückung in die I. Gehaltsklasse 10 K (Wacker!); Marienbader Bezirkslehrerverein (eingesendet durch I. Purtak, Lehrer in Marienbad) 20 K. Summe des heutigen Ausweises a) 31 K, b) 134 K; mit dem in Nr. 1 ausgewiesenen Betrage 1105 40 K. Dann 400 K als Erträgnis von den Kaiserbücheln — 1505'40 K. Allen besten Dank! Der Verwalter: Franz Bersin, Lehrer in Laibach. Briefkasten. Franz Krassnig f. Der erste unserer Mitarbeiter hat die Feder für immer ans die Seite gelegt. Wieviel Talent, wieviel Erfahrung ist mit ihm in die Erde gesenkt worden! Doch aus der Erde sprießt ja neues Leben empor; auch die Aussaat Krassnigs wird Früchte tragen. Bei der 3. Frage hat er mit Eifer in seinen Speicher gegrisfen und uns einen wertvolle» Beitrag geboten. In Pontafel, an der Grenze zwischen Welschland und Ostarrichi sind die Glocken verstummt, die Schollen dumpf hinabgekollert, die Amtsbrüder traurig aus» cinandcrgegangen; die Erinnerung an Oberlehrer M'raffnig bleibt uns jedoch erhalten; sie trügt nicht der verstummende Glockenton hinweg und es deckt sie auch nicht die Scholle. Die «Bl.» gehören nicht zu jenen Zeitschriften, die man einmal liest und dann beiseite legt, sie hängen am Sticlchen, am Zweiglei», am Aste, am Baume, sie bilden ein Ganzes, das man öfter als Ganzes überblickt; es bleibt darum mit dem trefflichen Worte zur 3. Frage auch der Name des Einsenders uns allen unvergessen. — Ins Kärntnerland: Welch frischer Hauch streicht über die Karawanken herüber! Euere Arbeit für das -Lehrerheim, muß als Vorbild hingcstellt werden: der eine übernimmt die ständige Berichterstattung für das Lehrerheini vor dem Bundesausschusse, der andere sammelt bei jedweder Gelegenheit, ein Dritter gibt seiner Freude über die Vorrückung in eine höhere Gehaltsstufe damit Ausdruck, daß er an uns 10 K sendet. Man merkt's an allem, daß hüben und drüben derselbe Herzschlag pocht. — S. in Zell a. S.: Wenn Ihr Brief nicht soviel des Lobes für mich enthielte, würde ich ihn am liebsten abdrncken lassen, denn er zeigt so recht, was aufrichtige Begeisterung für das Amt zu wirken vermag. Bleiben Sie im Sonnenstrahl, er wird schöne Früchte zur Reife bringen! Für das Büchlein besten Dank! — Obl. D. «nd ändern: Da es Ihnen schwerfällt, selbst die geringe Abnehmergebühr für die «Bl.- in Ihren Voranschlag anfznnehmcn, so lasse ich Ihnen die Zeitschrift kostenfrei zukonnnen. Vorläufig könnte ich etwa 50 -Bl. 1905» um den halben Preis (1 K jährl.) ansgeben. Bitte also anzuklopfen! — Lehrer K. in Prerau: Die Probestücke an die von Ihnen eingeschickten Anschriften sind abgegangen. Wenn nur alle Abnehmer den Eifer bekundeten wie Sie! Dann könnten wir nns recken und strecken. Der Geist des Rektors der Bruderschule in Prerau scheint noch zu wirken. Obl. H. in Moosbrnnn: Leider bin ich noch nicht dazngekommcn, Ihr wertvolles Kapital zu verwerten; Organisationsarbeit hat mich in letzter Zeit znschr in Anspruch genommen. Bezirksschulinspcktor P. in Sp.: Las unlängst etwas von einer Anerkennung durch' den L.-Sch.-R. Herzlichen Glückwunsch! — Cz. in Haölau: Wer wird Ihrem Urteil über die «Einklassige» nicht beistimmen? Doch wer wird die Verhältnisse so bessern können, wie Sie es wünschen! Wir werden vergehen, doch die einklassigen Schulen nicht. -- R. in Friedrichobach: Ihnen ist -das Blatt zum Bedürfnis geworden-, mir der Verkehr mit all den begeisterten Mitarbeitern und Anhängern. So hat jeder seinen Teil. -K. in Eapo d' Jstria: Und doch gibt cs auch Nörgler. «Wer bauet an die Straßen, der muß sich meistern lassen.» — Obl. Emmer in Abbazia: Welchen Titel soll man aus -Schulleiter, k. k. Lehrer und Oberlehrer» brauen? Nach Rücksprache mit einem einsichtsvollen Schnlmanne habe ich von jedem genommen, was Ihnen gebührt. Da wird Sie niemand der Überhebung zeihen können. Wissen Sie, das ist so eine eigene Sache: Andere Stände halten fest am äußeren Glanz, sie wissen auch warum; der Lehrer hingegen verzichtet auch noch auf das bißchen Schein, das man ihm gegeben hat — und hat doch am wenigsten Grund, sein Licht tiefer zu stellen. Die Welt klebt nun einmal an Titel»; wer das anßcracht läßt, schädigt sich und den Stand. Das Ansehen ist ja auch ein Unterrichtsmittel, »nd zwar ein ganz bedeutendes. Ja, wenn man den inneren Wert in die Wag» schale legte! Übrigens komme ich auf de» Gegenstand zurück; er wurde mir schon mehrfach nahegerückt. — R. in Ohre»: Sie haben den -Bl.» ein schönes Wort gewidmet! . . «Wie Lenzesodem weht aus ihnen der Geist entgegen, der überall belebend und befruchtend wirkt.» Das sind Stanimbnchsprüchlein, die mich über manches Unangenehme himvcgtrösten. — Dem Waldschnlmcister: Der Artikel über das Rechnen geht demnächst unter die Presse. — F. in B.: Ein grundlegendes Werk für den modernen Zeichenunterricht anzugcben — das fällt schwer: Es gibt noch nichts Festes, Sicheres. Am besten wäre es, Sie besuchten einen Kurs. — R. in Wieselsdorf: «Ein Tag in der Einklassigen!» Das schieben wir gelegentlich in den Rahmen der Konferenz-Vorträge. — Obl. Baicr in Schmelztal: Danke schön für das Büchlein. Ihre Vermutung, ich sei -groß, schwarz, mit leuchtenden Augen» ist durchaus fchlgcgangen. Aber gelt, das ändert nichts an der Freundschaft? — W. in Witta«: Ihre Arbeit ist bereits ans der Lade auf den Schreibtisch gekrochen; aber den Weg zur Presse konnte sie noch nicht nehmen. Zehn Seiten sind halt bald vollgedruckt. Der Frühlingslvind wird ihre Frühlingsgedanken sicher hinaustragen Ins Land der Pharaonen: Ihre Karte mit den Pyramidcnmarken brachte den Märchenzauber in mein Heim. Möchte doch der Wüstensand den Wurm ersticke», der an ihren Lungen nagt! Dort, wo die Sonne goldig strahlt, schimmert auch die goldne Hoffnung; es möge der Strahl den welken Körper, der Schimmer die Seele stärken. Das wünsche ich von ganzem Herzen. Von Schule zu Schule. XII. Das Schulhaus zu M. war ein Schahkästlein im wahrsten Sinne des Wortes. Als wir es erreichten, war der Unterricht bereits in vollem Gange; wir ließen es daher bei einer kurzen Begrüßung bewenden und drückten uns rasch zur Seite. Der Inspektor schlich hinter das Pult und kramte in den Amtsschnsteii, ich lauschte im stillen Winkel. Der Lehrer herrschte in seinen, Reich. Er war in der Tat ein Herrscher. Die Kleinen der 1. Abteilung hatte er soeben mit einer Stillbeschäftigung versorgt und sein Wort galt der mittleren Gruppe; die Großen knurrten vor sich hin, sie hatten einen Aufsatz auszuführen. So waren die Truppen geordnet. Nun begann die Schlacht. Die Mittelgrnppe stand im Treffen. Hei, wie es da aufblitzte und krachte! Kaum war das Kommandowort gesprochen, so flogen schon die Flinten empor — und versagte hier der Hahn, so knatterte es auf einer anderen Seite. Niemand duckte sich hinter den Strauch, keiner lag zaghaft im Grase. Und wie die tapfer» Schutzen ihr Ziel zu treffen wußten! Ich dachte, jetzt und jetzt müsse es zu einer Salve kommen, denn ungeduldig hielt jeder seinen Finger am Hahn. Doch ein Blick, eine Stockung — und alsbald streckten sich die Läufe. Das Feuer hatte etwa zehn Minuten gewährt; Waffenstillstand war eingetreten und der Feldherr zog sich zur Truppe der Kleinen zurück, um bei ihrer Arbeit Nachschau zu halten. Indes rollte bei den Mittleren die Kampfesstimmung wie Wellenschlag dahin. Nach zwei Minuten war das kleine Heervolk gemustert und nun ging's wieder zur Mitte. In ruhigem Gespräch wurde der Kampf überblickt — es wurde zusammen ge faßt, der stille» Beschäftigung vorgearbeitct. I, 2, 3 — und schon war das Schreibzeug auf der Bankfläche; 1, 2, 3 — die Federn strichen über die Hefte. Ich meinte, nun kämen die Großen an die Reihe. Doch gefehlt! Der Lehrer wandte sich um, zog da ein Büblei» in die Höhe, das in sich zusammengesunken war, sah dort in ein aufgeschlagenes Buch und gab eine stille Weisung, blickte in ein Heft, überblickte wieder die Klasse und verkündete schließlich die -Erweiterung der Aufgabe-. Da stutzte ich und schlich mich an den Tisch heran, um den Inspektor zu fragen, wie der Mann auf den Gedanken gekommen sei, den ich patentieren wollte. Der Freund griff in die Lade und zog ein fahles Büchlein hervor. Ein Blick — ich wußte die Lösung. Der Fund hatte mich gefreut und ich forschte nach weiteren Schätzen. Welch glückliche Ahnung! Bei dem Einklaßler fand ich Schriften über die Einklassige, die selbst mir, der ich doch nach ihnen fahndete, bisher nicht in die Tasche geglitten waren. Nun ward es mir klar, wie der Wackere zur trefflichen Führung gekommen: Mit Begeisterung war er jedenfalls an die Arbeit gegangen, mit Fleiß hatte er sich für dieselbe gerüstet, planvoll hatte er sie begonnen, mit Ausdauer dnrchgeführt, mit Besonnenheit überschaut und ansgcwertet. Meine Rückschlüsse waren noch weiter vorgedrungen, sie hatten mir die Frage ans die Lippe gedrängt: Wo ist das Borbereit nngs Heft? Der Inspektor hatte es soeben beiseite gelegt. Ich blätterte neugierig darin und war erstaunt über den Fleiß und entzückt über das Geschick, das sich in den Verteilungsplänen knudgab. Wie oft mußt' ich's hören, was ich vom Lehrer der Einklassigen verlange, sei ein Ideal, das niemand erreichen könne. In M. sah ich das Ideal in der Tat vor mir. — Ich hatte mein Reisebüchlein mit kostbaren Vermerken bereichert und war dabei ganz aus dem Gefüge geraten, das unten im Wechsel der Abteilungen hervortrat. Die Große» lasen ihren Aufsatz vor. Man ist gewöhnt, die Aufsatz-Stillbeschäftigungen nach denselben Schnitt zu hören. Hier war es anders: Jeder Schüler hatte die Sache nach seinem eigenen Gutdünken angepackt. Wieviel Mühe muß es gekostet haben, so verschiedenartige Wege zn weisen und zu ebnen! Der Unterricht war znende. Ich hielt Umschau in dem traulichen Zimmer. Es war klein — aber ein Schatzkästlein besonderer Art: Die Landkarten hübsch gruppiert, die Bilder nach Farben- abtönungen verteilt, überall grüßten Reinlichkeit und Ordnungssinn, überall äußerte sich das Wesen des Lehrers. — Wir wollten rasch von hinnen, denn Jupiter donnerte von der Höhe herab; allein der Hausherr hielt uns zurück: Er wollte uns sein Heim zeigen, sein Glück. Erst vor kurzem hatte er sich sein Mädchen geholt; nun schaffte das Frauchen in den niedlichen Zimmern und putzte das Heim, damit es dem Schatzkästlein gleiche im ersten Stockwerk des Hauses. Dem Einklaßler strahlte inniges Glück aus den Augen, — mir war's so weh ums Herz und ich mahnte den Inspektor znm^ Aufbruch. Ehe er dem Drängen entsprach, fragte er den Wacker» zu M: «Streben Sie nach einer besseren Stelle?» — - »Herr Inspektor, ich danke; ich habe hier mein Glück gefunden, ich will es auch hier genießen.-- V»rau£#t'S>M und wroirtroorflidwr Schriftleiter: Miutwif 1$. ÜJrerj Druck von gg v. fcltiiunatir & Fed Bamberg in Laibach.