für Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Franz Hermann von Hermannsthal. 2^ , H?^.^V3?°N» ^ 45. Montag am 4 . Octoder M.?3^M?I!_» N»„ dieser 3e,!schr,,! erscheinen won>e„i!,ch ,we, Nummern, ledes Mal ein hulber Bogen. Der Preis de<° Blaues ist in Laibach »» i ,, l-'"!.?^^.,' ".' 7'"^" '' ^ ^'°" "'V," 6°""" m.I »°r.°sre,er Zusendung aa„«,ädr.g ». halbiäir.g 4 n'. C.M., ..»5 w.rd boibiübr.« °°räu,'. bezahlt. Alle l.l. Pottamler neome» pr°numeral,°n an. In La,ban> iränumer.rl man °e,m Verlener am R°an, Nr >yn, »» ernen Vloete Die Maid im Lavantthale. Die Arme geht mit Seufzen, Stürzt rings in Trümmer nieder. Im Herzen ohne Ruh'. (Beschluß.) Begrabend Wann und Maus. Sie hört: »M>! daß ich scheiden Von diesem Orte muß!>— Und schweigend steh'» die Beiden ^2e r Vogt vom Herrenhaus« Ihr Äuge blinkt, voll Thronen» Noch fest umschlungen da. Steht trotzig vor der Thllr, Den stummen Abschicdsgrnß. Das Mägdlein glaubt zu träumen» »Ich hüb' euch nun beherbergt Was eben, ach! geschah. Drei Tag' im Hause hier; Sie birgt i» sri»em Busen Schon steh'» sie an der Straße» Den thräncnfeuchten Blick: Jetzt hebet euch nur weiter!« Die ihn entfuhren soll! »Zertrümmert dort die Wohnung! Zum Wond'rer spricht er so. De» er drei Tag' und Nächte Da stamnicl! sse mit Schluchzen: Zertrümmert hier mein Glück!« — Gelegt auf faules Stroh. »Lebt wohl, auf ewig wohl!» Sie halten sich umschlungen, «»Nur Eins"" , fleht unterwürfig Ein Augenblick der Lust, »So bin ich denn verlassen» Begrabe» liegt das Haus, Der junge Wandcrsmann < Als stieg' der ganze Himmel »»Das mocht ich euch noch bitten, Herab in ihre Brust. Bin nun allein, — Ihr ziehet In's weite Land hinaus!« —Wofern's geschehen kann. Doch lächelnd küßt der Jüngling Hilf Gott! was dröhnt so schrecklich Sie auf den Mund so roth: Die Wege laßt mich leiten Nur tausend Schritte weit; Bin fremd hier in der Gegend, Zu ihnen der v?n fern? >>»G ott segnet Deine Liebe, Es ist, als wiird' erschüttert Uns trennet nur der Tod!«« O, gönnt nur ei» Geleit!«" Die Welt in, tiefste» Kern! — 3. Fi hing er. Do winkt der Vogt dem Mägdlein» Sie blicken um , — Entsetzen! Und schlugt die Thüre zu , Der Berg »m Herrenhaus Skizzen aus Krai«. ben benützt wurde. Die Folge dieser väterlichen Sorgfalt I. Der laibllcher Morast und seine Entsum- des Kaisers war, daß noch im nämlichen Jahre eine Com­psu"3> misston zur Berathung über die Emsumpfungarbeiten an- Von Michael Helntll. „»>« ^ 5' ^ l e ^ c< ^ <^s , n (Fortsetzung.) geordnet, hiezu der r. r. Hofbaurach Sch emerl von Lei): Im Jahre 1821 kam die unvergeßliche Zeit des Mo- tenbach abgeordnet, und der laibacher Bürgermeister, k. k. narchen-Congreßeö zu Laibach. Niemand dachte daran, daß Räch Johann Nep. Hradeczly, beigezogen wurde, da der mit hochwichtigen diplomatischen Gegenständen beschäf- letzterer ob seiner Thätigkeit und des Vertrauens, dessen tigte Kaiser Franz zu selber Zeit auch für die Entsum- er von Seite der Morastantheilbesitzer genoß, bei der Fort­pfung des Morastes wirtsam zu sein sich bestimmt finden s-'tzung des Werkes eine ausgezeichnete Rolle zu spielen würde! Der Winter während der Congreßzeit war von berufen erschien. Nach dem mit umfassender Sachkenntnis) beispielloser Milde; kein Schnee bedeckte die Fluren, an- vorgetragenen Plane des Hofbaurathes von Schemerl haltender Sonnenschein erwärmte die Luft. Ohne alles Auf- beschloß die Commission, als zunächst erforderliche Arbei­sehen und ohne Begleitung fuhr der Kaiser mit seiner durch- ten, die Abreißung der Mühlwehren zu I/dmnt, I^i-ucca lauchtigsten Gemahlin fast tagtäglich, und ohne daß es Je- und 8«llu, die Vertiefung des Flußbettes durch die ganze manden aufgefallen wäre, in die Umgegend des Morastes Stadt, die Herstellung ordentlicher Quais an den Ufern, spazieren. Das Bestreben des gütigen Landesvaters,sich an und endlich die Regulirung und Verengung des Flußbettes. Ort und Stelle persönlich vom Sachverhalte zu überzeu- Schließlich wurde auch bemerkt, daß seiner Zeit der Ma­gen, ging so weit, daß eine kleine, zum Zerlegen einge- gistrat die Hinwegräumung der hölzernen, mit einer Un­richtete Laufdrücke, im Wagen verborgen, zu diesen Spa- zahl massiver Joche versehenen, und die Herstellung zweck­zierfahrten mitgenommen, und bei Überschreitung von Grä- massiger Brücken über die Laibach zu besorgen haben werde. K58 Ei» glückliches Ereignis; zur Förderung des segensvol­ len Werkes war die Ernennung des Landes-Gouverneurs Joseph Camillo Freiherrn von Schmidburg; denn kaum hatte dieser seinen erhabenen Posten angetreten, als er sich auch schon die genaueste Kenniniß der Sachenlage zu verschaffen befiiessen war, und als der kräftigste Unterstützer des Begonnenen auftrat. I n Folge seiner mächtigen Ein­ wirkung gelangte schon im August 1823 die Genehmigung des Beginns der Vorarbeiten herab, im October des näm­ lichen Jahres wurde die erste Mühlwehre unter der Stadt gehoben, und sohin auch die Vertiefung des grübe r'schen Canals begonnen. Mit dem Hofdeerete vom 13. September 1821 wurde die erfreuliche Nachricht kund, daß nach allerhöchster Ge­ nehmigung des Kaisers sämmtliche Encsumpfungarbeicen, nach Abschlag der von den Gemeinden zugesicherten unent­ geltlichen Naiural-Leistungen, vom Staatsschätze zu tragen seien, wobei zugleich 11.000 st. zur Ablösung der Mühl­ wehre zu seil« aus der Cameralcasse angewiesen wurden. I m nachfolgenden Jahre wurde zum ersten Male der Laibachfluß am Platze des jetzigen Schleusiendammcs an der Vorstadt Krnkau gesperrt, und die Reinigung des Flußbettes begonnen. Der gütige Kaiser zog fortwährend Erkundigungen über den Fortgang der Arbeiten ein, und ordnete neuer­dings den Hofbaudirector von Leytenbach zur Besichti­gung des Vollbrachten und zur Vergutachmng des weiter Einzuleitenden ab. Ein wesentlicher Antrag dieses kenniniß­reichen Mannes war, daß, so wie die erste, sich um den Schloßberg durch die Stadt ziehende Windung des Flußes durch den gruber'schen Canal durchschnitten wurde, nun auch die große Serpentine, welche unter der Caserne bei dem frei­herrlich codelli'schen Schlosse vorbei weit gegen Stephans dorf sich hinzog, mit einem geraden Canale bis zu ihrer Rück­kehr bei 8ßHa in der Sehne abgeschnitten werden müsse. Dem einsichtsvollen Techniker konnte es nämlich nicht ent­gehen, daß dieser Canal den Lauf der Laibach um das Doppelte beschleunigen würde, wie es denn nach seiner Herstellung wirklich Statt fand. Doch wurde dieser Canal erst im Jahre 1827 mit einem Kostenaufwande von 31,013 fl. 48 '/ . lr. zu Stande gebracht. Derselbe hat in der Länge «»1 Klafter, oben i? und unten 13 Klafter Breite. (Fortsetzung folgt in spätem Blättern.) Die Hinnnelspförtnevin. Sage aus Wicn's Vorzeit. Von I. I. Hannusch. (Fortsetzung.) lll, »Fortstoßend treibt mich eine dunkle Macht «Von damicn'." — Schiller. Der Morgen brach an. — Der Tag neigte sich dem Abend zu. Wenige Stunden und — Agnes, die Braut des Himmels, wurde vielleicht zur — irdischen. Ihre Seele durchwogte das Gefühl banger Erwartung. War sie ent­schlossen? — War sie schon gewiß, wohin ihr Wunsch sich neige? — Sie schien ruhig, entschieden. Das klagende Kloster­glöckchen läutete zur Vesper. Agnes fühlte Schauer durch ihre Glieder zittern. Die Dämmerung der Nacht hatte sich über die Stadt gesenkt. Aus Chor und Refeciorium kehrte man endlich in die Zelle zurück. Inzwischen war die leuchtende Mondesscheibe herauf-, gestiegen am dunklen Nachthimmel. Millionen Sterne fun­ kelten in dem weiten Dom. Die breite Milchstrasse legre sich majestätisch hin, über die ganze Wölbung des unend­ lichen Raumes. Agnes suchte ihre Zelle. Sie athmece tief auf. Seufzer entstiegen ihrer Brust. Thränen füllten ihr Auge. Bange klopfte das Herz. War sie daran, eine Sünde zu begehen? — Aber, noch band sie ja nicht d.is heilige Gelübde. Erst nach Erfüllung des kanonischen Al­ ters konnte das ewige Band sie binden. Zwar waren die Reize der Welt ihr völlig unbekannt. Aber eben, weil sie mit unbekanntem Zauber lockten, schien die Versuchung um so gefährlicher. Ein silbern' Kreuzchen, das einzige Erbe der geliebten Mutter, drückte sie an ihre brennenden Lip. pen. So stand sie in der Micce ihrer Zelle. Dann gingsie in das vom Mond so heimlich beleuchtete Gärtchen, sam­melte die schönsten Rosen, und wand sie zu kleinen zierlichen Kränzchen. Und nun—faßt sie mit zitternder Hand nach den kalten Schlüßeln der ihr anvertrauten Klestervforie, und mit feuchten Augen, mir ungewissen Schritten — tritt sie langsam hinaus auf den Klostergang, schreitet sie — der Pforte zu. I n dem Wandkapellchen, wo die Gocres­gebärerin mit dem Iesukinde steht, und die ewige Lampe flackert, übt sie noch ein Mal ihre fromme Pflicht. Das Bild ist mit Blumen geschmückt. — Nun wirft sie sich nieder vor der Hochgelobten. Die Schlüßel — legt sie leise vor sie hin. Mit von Thränen halb erstickter Stimme, mit. bebenden Lippen — richtet sie diese Worte an die Mutter der Gnaden: „Himmlische Königin! — Fürder bin ich nicht würdig, Dir zu dienen, weil ich mich der Welt zuwende und ihren Freuden. Hier leg' ich vor Dich hin die Schlüssel des Hau­ses. Du Göttliche! hast die Macht, Dein Heiligthum zn bewahren." Und so sprechend, steht sie — fest entschloßen — auf vom kalten Boden und — öffnet mit sicherer Hand das Pförtchen. Die Angeln knarren. Kühl weht die Luft der Nacht, die Luft der Freiheit sie an. Der heilige Schleier flattert. Vorsichtig tritt sie die schmalen Stufen hinab in die Trai­borhenstrasse. Herrlich strahlt der holde Mond durch die Nacht hin. Dorr im Halbdunkel — IV. »Mein erst' Empfinden war des Himmels Glück!'< Schiller. Der junge Edelknecht emfing die holde Iunfrcm, das Knie vor ihr beugend, in scheuer Ehrfurcht vor dem Ge­wände, das sie trug, ihre Hände umschließend, mit der innigsten, liebevollsten Zärtlichkeit. Seine von Wonne be­benden Lippen drückten warme Küße der Ehrerbietung und «79 des Dankes auf die dargebotenen zarten Pfänder ihrer so kindlich-reinen unschuldigen Neigung. — Wehe dem unbesonnenen Knaben, dessen Herz nicht lauter und reiner, dessen Sinn nicht wahrhaftig, und des ganzen Opfers vertrauensvoller Hingebung, der schönsten Empfindung eines menschlichen Busens — nicht vollkommen würdig ist! Heinrich' Frei , dem väterlichen Blute nach einem edlen Geschlechte des Nheinlandes entsprossen, war seiner Geburt und Erziehung nach ein Kind des ewig-fröhlichen Wien! — Das Geschick hatte ihm einen zweiten Vater zu­gewiesen in dem wackern Herrn Piesch, Obristen der Stadt-Trabanten. Kaum sechzehn Jahre alt, besaß Hein ­rich alle edlen Eigenschaften eines pacricischen Jünglings seiner Zeit. Allen ritterlichen Spielen und Uebungen mit stammender Neigung zugewandt, besaß auch seine reine Seele ganz jenen edelstolzen Freimuth, all' das Feuer und die kühne Entschlossenheit, so wie sein lebhafter Geist — jene leichre liebenswürdige Anmuth, die in der Hülle von Iugendkraft und Körperschöne— das eigentliche Wesen rit­terlicher Courtoisie darstellen, und daö echte Gepräge der Adelschaft sind. Mit der Kunst des Gesanges vertraut, ver­stand seine Hand den Saiten der Laute eben so geschickt süße melancholische Töne zu enclocken, als das Schwert und die Lanze zu schwingen. — Der Knabe war schön. Die edelgeformten schlanken Glieder; die reine klare Stirne (der Siempel der Gottheit!); die langen blonden, auf die Schultern herabwallenden Locken; der festgeschlossene, Wohl­wollen und Ernst zugleich bezeichnende Mund; das helle, blaue Auge; die männlich-stolze Haltung bei so großer Ju­gend: Alles ließ dem Auge des forschenden Künstlers — in der schönen Gestalt das Ideal eines Engelbildes erken­nen. Als die kaiserliche Majestät von der Frantfurcer-Reichs­krönung nach ihrer treuen Stadt zurückkehrte, und die Bür­gerschaft— den Herrn im feierlichen Zuge empfangend — durch die Gasse zog: ritt Heinrich Fre i —das Siadtduch hat es aufgezeichnet — dem Obristen voraus (ganz allein, wie es heißt), und alle Augen und Herzen — ehrbarer Bürger und Spielgenossen, so wie achtbarer Frauen und edler Jungfrauen — wandten sich dem schönen Jüngling mit leuchtendem Blicke zu. Heinrich empfing sein heilig-frommes Lieb mit der­leidenschaftlichen Glut des liebenden Jünglings, mit der dem Weibe geziemenden Verehrung des Mannes. Des edlen „Ritters ohne Furcht und Tadel, der Blume der Ritter­schaft" Gefühle für die Dame seines Herzens — waren nicht unbescholtener. Heinrich, einen »Veiten Maniel um ihre Schultern schlagend, dessen Kappe zugleich ihr Haupt ver­hüllte, führte das holde Kind durch die schweigende Nacht hin. (Fortsetzung folgt.) Wiener Giscnbahnbriefe. Von Heinrich Ritter von Seufricd. (Beschluß.) Aber auch Eisenbahn-Genies und Eisenbahn «Talente gibt es, die sich in der Journalliteratur unerquicklich breit machen; junge Pipser von Krittlern, die in dem Wahn leben, Eisenbahn-Talente zu besitzen, und welche doch ewig stillstehen, wie der Theseus im Voücgartcn, «der d,e Dreifalligieilfäule an, Globen; diese leben in der bedeutendsten Einfalt ! Es find dieß jcnelilcrarischen Buschklepper, welche slchmitihren eiser nen Köpfen,— diesen Loeomotiven aller Albernheiten und Fadoiscn—allsogleich Bah n blechen wollen, und sich, um aufzufallen, m,i abscheuswerlher Eon« sequenz im Felde der polemischen und tadelnden Iournattritit bewegen, weil ihnen die Verstandestritit ein spanisches Dor f ist. So gibt es ge­wisse »ewige Tadler" im Universum des Rccensententhums, die es sich zur Norm niachen, das Gute der Kunstleistungen mit Prüderie zu ignoriren, und nur das Mittelmäßige und Schlechte mit Schimpf zu begeifern; sie freuen sich dann, die Schlcussen ihres allgcwalligcn Tadels geöffnet zu ha­ben, mit dem süßen Glauben, sich in dieser abscheulichen Gestalt dem Gros des Pnblckums als Kritike r zu repräsenliren. Ich gebe zu, daß eine ewige Lobhudelei, einstetes Posaunenlob dem Reccnscnten eben so üble Fol­gen bringt, als der nicht motivirte Tadel; allein wenn dieser nur um ei­ner journalistischen Wichligmacherei und affeciirlen Rigorosität willen in's Leben tritt, so kann man das System und den clwaigcn Verstand dieser Herren nicht respecliren, denn: »Der Verstand ohne guten Willen glettiit einer Feder, die Nichts hat, sie zu füllen.« Wenn wir die Tendenzen ge­wisser Zeitschriften prüfen, so wird man in polemischer Form die cckelhaf­testen Fanforonadcn, die miserabelsten polemischen Aufsätze, die weder dl! Wel t noch die Zei t etwas »»gehen, und höchstens in Plagiatform histo­rische Daten von einigem Interesse zerstreut finden, die zu,» periodischen Verfall der deutschen Journalistik Erkleckliches beitragen. Und diese litera­rischen Handwerksburschen zerfetzen, um nur polemisircn zu können, auch Das, was nach den Regeln der Aestheiit fehlerlos ist, und entstellen es durch Wortverdrchungen und Auslassungen dermassen, daß es ihnen mög­lich wird, zu schmähen und zu geifern. Aber diese krächzenden Raben, der Kehricht im Menschenleben, die mit gefräßiger Gier jeden Gegenstand mi> ihrem giftigen Speichel begeifern, wenn er auch ihren Verstand überhole, sollte man aus der Tagesliieratur ausnistcn, damit sich die Journalistik wieder zu jenem ehrenden Standpunet emporschwingt, wie vor mehren Jah­re», wo Männer von hochwissenschaftlicher Bildung und Erfahrung den Stab der Kritik führten, und in ihren lodens- und »chtenswerthen Piinci­ficn den, tollen Treiben der literarischen Jugend Schranken setzten. Möch­ten unsere einsichtvollc» Hrn. Hrn. Redacieure diesen Vorwurf berücksichti­gen, und nicht jedem literarischen Taugenichts die Spalten ihres Blattes öffnen, dann wird ihnen die Thcilnahme geachteter Schriftsteller gewiß nicht entgehen, und auch die lyrischen Musensöhne, mit ihren Posauncn-Scrapb-Physognomien, werden sich zurückziehen müssen, wenn sich um die heilige Poesie würdige, bewährte Sänger annehmen. — Doch will ich jetzt dieses Capitel abschließen, »nd Ihnen das Neueste aus dem bunten Theaterleben mitiheilen, weil ich nur zu gut weiß, daß eine Corresvondenz ohne Theater-Novitäten Ihren verehrten Lesern nicht recht munden würde. Das t. f. Hofburglheater, unstreitbar das erste Kunst­institut Deutschlands, wurde unter der vielversprechenden Leitung Hrn. von Ho lbeiu's am l. August zur wahren Freude der Kunstfreunde wieder er­öffnet, in welchem Monate wir nur ein neues Stück, betitelt- »Maria von Medicis", von Pcrgcr , sahen, das nicht recht ansprechen wollte. Die wiener Kritik sprach sich positiv tadelnd darüber aus, besonders die Leuchte der Kritiker, — unser geniale Saphir , der sich als Dramaturg die all­gemeine Anerkennung erworben hat. Uebrigens erwartet uns in Bälde ein Hochgenuß in diese,» herrlichen Musentcmpel, wo die edle himmelanstrebcnde Kunst noch nicht im Geringsten entweiht wurde, wenn auch manche seichte französiche Lustspiele, deren Repcrloirseutfernung wir selbst im Inter­esse deutscher Langweiligte,! billigen würden, — den hellen Glanz diese« hohen Kunstinsiitutcs zu dämpfen drohten. Es wird nämlich Göthe's un­vergänglicher »EZmont" mit wahrhaft classsscher Besetzung zur Aufführung vorbereitet.') Die Hauptrollen, wenn man sick dieses Ausdruckes bei Gö­the's Werken, wo jede kleine Episode eine unzertrennbare Feder zun, Werke ist, bedienen darf, sind den gefeierten Künstler» Löwe , Mor r und der Mad. Peche anvertraut, die gewiß mit allem Aufwände ihrer herrlichen Kunstmittcl spielen werden. Herr von Hol bei» wird sich mit solchen Fest­tagen, die in den Theater-Annalc» roth angestrichen werden, die unbedingte Achtung aller Kunstfreunde erwerben. Das f. t. Hofoperntheater bringt alte, verschollene Oper», und traurig ist's, daß die Administration desselben ihre vortrefflichen Kräfte nicht zu nützen weiß. Tenoristen »o» den unbedeutendsten Bühnchen, die nicht einmal den billigen Anforderungen einer ambulanten Truppe entspre­chen, werden zum Leidwesen der Opernfrcunde schockweise probiit und schock­weise ausgezischt. Tonlose Bassisten und tunst- und tonlose Vuff» o debu­tircn unter gleiche,» Schicksale. Das Opernrepcrtoir kann nicht schlechter bestellt sein; heute »Ne!,sar>-, morgen »Liebestrank", und so geht diese Do­nizetti'sche Tonleierei fort, bis sie mit dem Erscheinen des Tenoristen ') Inzwischen bereits aufgeführt, A. d. R. R84V Wil d sogar auf Donni'zetti' s sanflschlummernVcn >>St. Domingo, Wahnsinnigen« founnen werden, der den berühmten S h atc spea r'schen und Hof», a nn'schen Wahnsinnigen, den Tasso's, Abälard's und Heloisen, dem Elisiumsimprovisator und dem wahnsinnigen Wiener-Correspondenten der verpönten »Leipziger-Theaterchronik" »och ein Double vorgebe» sann. Unsere beiden Primadonnen, Lutz er und Hassel! , so wie der colossale Siingertitan Staudigl , sind die Stützen der Oper; alles Ucbeige ist nur Staffage. Herr Gehrer, ein junger Mann, bisher untergeordnet be­ schäftigt, hat jüngst als »Neinorino« in »Liebestront« Sensation erregt. Bei einer Reprise der so gerühmte» Oper: »Johanna d' Are« von Hove n w,ir das Haus beispiellos leer. Vi r hoffen, daß diese wenigen Men­ schen den Leichenzug bildeten. Rossini's »Mose" wurde ebenfalls ge­ geben, fand aber nur thcilweise günstige Aufnahme. Außer Staudigl , der die Titelrolle mit wahrer Meisterschaft sang, konnte Niemand durch­ greife», nicht einmal Mad. Hasselt, die vielgepriesene Künstlerin. Der Tenorist Er l hat keine Idee von der Dramatik des Gesanges, und wirkte daher störend in dieser schönen Oper, llcderhaupt scheint das ganze Institut seine Nlüthe abgestreift zu habe», was nicht wunderbar ist, wenn man betrachtet, daß eine deutsche Nühne eine» italienische» Vorsteher hat, der den Geschmack des Publicums nicht kennt, und sich Alles cinzischcln läßt. Eine merkwürdige Rührigkeit und Abwechslung herrschte diesen Som­ mer in dem großartigen, so beliebten Wienerlheoter, das der geniale, un­ übertreffliche Director Car l auf die höchste Stufe der Nlüthe gebracht hat, und das sich stets einer so großen Frequenz erfreut, welche den llüdern Nor» stadtbühncn mit der Zeit die Grube des Verderbens gräbt. Herr Car l spielt in dem Unterhaltungsuchligen Wien eine bedeutende Rolle; als Di­ rector und Arrangeur steht er in Deutschland unübertroffen da. Dem aus­ wärtigen Leser muß das einstimmige Lob unserer Journale über die Leistun­ gen dieser Nühne allerdings »erdächtig Vorkommen, wozu noch der systema­tische Tadel über eine andere Vorstadt das Seinige beitragt; allein wir müssen dies,»»! die Gerechtigkeit der Wiener-Blattei veriheidigcn, denn Herr Car l Verdient unbedingt das größte Lob, u»d weil dieses scho» so erschöpft wurde, und keinen neuen Ausdruck für die Anerkennung gestattet, so bemühen sich die hiesigen Natter, und das ganz mit Recht/ die schwa­chen Leistungen der Iosephstädterbühne nachsschtlos zu beuriheilcn, um die Trefflichkeit des Wienerlhcaters auf diese Weise ersichtlicher zu »lachen. Die­sen Sommer hat der Director Car l bessere Geschäfte gemacht, als manche andere Theater im ganzen Winter, und dadurch bewiesen, daß guter Wille und wahrer Eifer Alles möglich macht. Außer den sehr besuchten und in­teressanten Spcctatelstücken unter Witwirkung der Kunstreilergcscllschafl des Herrn Alex. Gucrra , welche die zwei heißesten Sommermonate das Äepcrtoir füllten, entzückte der vortreffliche Komiker, Herr Beckmann aus Nerli», das Publicum in ungefähr zwanzig Gastrollen dermasse,,, daß selbst in den Hundslagen die großartigen Räume dieses Theaters die Menge nicht zu fassen vermochten. Diese außerordentliche Theilnahme währte unge-Ichwächt bis zu seine». Scheiden. Auch die Prcisstücke erregten mannigfa­ches Interesse, und erlebten recht besuchte Vorstellungen. Mit brillanter Ausstattung und nie gesehener scenischcr Pracht kamen Schillcr' s »Jung­ frau v°» Orleans« und »Genf Waltron» oftmals unter beispiellosem Men­schenandrange zur Aufführung. Dann erschienen wieder nach ihren erfolg­reichen Knnstreisen die celebrirtcn Komiker, Nestro n und Scholz , und so folgte ein Genuß dem andern, und Publicum und Direction hatten üie vollste Ursache zufrieden zu sein.—Das Leopoldstädtertheater, ebenfalls u»tcr der energicvollen Direclion des Hrn. Carl , lebt von dem Fette des Wiencrlhealcrs, wird aber dem ohngeachtct mit Vorliebe besucht, was so lange dauern wird, als die große Leopoldssadt ein Theater hat. Jene Stücke, denen man an der Wien den letzten Saft ausgepreßt, kommen hier unter der Neuigkeit »zum ersten Male« zur Aufführung! Auch gut! Vom IosepIMdtenhealer endlich hat sich seit neuerer Zeit die Glücks­göttin abgewendet, was dem biedern und humanen Director P oto r ny wahrlich nicht zu wünschen war. Ist er auch als Director nicht ausgezeich­net, so verdient er doch als Mensch die größte Achtung, indem er seit Jah­ren ein »»ermüdeter Beförderer wohlthätiger Zwecke ist. Wir würden ihm herzlich eine Epoche » la Noble r gönnen, aber lassen möge er es, an die miserabelsten Komödien eine ble»dende Ausstattung zu vergeuden, wo­durch er den Geschmack des Publicums zu untergraben droht. Die Specu« lation mit der deutschen Oper mißrieth auf eine schauderhafte Weise, trotz dem Gastspiele des Tenoristen Nreiting , der es für gut fand, nach zwei­maligem dcbutiren, mit reuevollen Herzen Wie» zu verlassen; denn seine Umgebung war zu schlecht. - P ° s ° rnn's neu erbaute Arena im Nodner-Part findet we»ig Zuspruch. Wenn es regnet, oder dirWinV sich die Frei­heit nimmt, zu blasen, werden die Vorstellungen eingestellt , und wem, die Witterung günstig ist, stellt sich kein Publicum ein. Unser geistreiche Saphir , das glänzende Meteor i» der journali­stische» Literatur, dcrCrösus des Witzesund des Verstandes, Veranstaltete für einen wohlthäligen Zweck im Vadncr-Stadtlhcater eine glänzende Akademie mit humoristischer Vorlesung, die brillant ausfiel. Die Vorlesung, welche, wie immer, Saphi r selbst, mit bekannter Eigcnthümlichkeit rceitirtc, wimmelte von de» überraschendsten Witzen und Sarcasmcn, Von herrli­chen Dialekllünsten und pocsscdurchdrungcnen Schönheiten, und Verschaffte ihm von dem sehr zahlreichen und gewählten Zuhörcrkreis, der aus der Elite des Wiener - Publicums bestand, die beifälligsten und ehrenvollsten Auszeich­nungen. Daß es bei Sophir' s humoristischen Vorlesungen nicht Gesticulo« tioncn braucht, den Beifall der Anwesenden zu sammeln, z. V . ein Aufbli­ cken mit erhobenen Augcnbrauncn, gleich den» Honicr'sckcn Jupiter, hat er neuerdings bewiesen, und nur seine Neider, die das große Talent immer hat, tonnen solche Verleumdungen in's Leben rufen. Zu eben so woolthätigcn Zwecken veranstaltete der Purotechniker S t li­nier ein brillantes Feuerwerk, und Guerr o im großen Hofraumc des k. f. Äugarteni eine großartige, interessante Kunstproduclion mit verschiedene», Wcttreilcn und Wettfahre». Sic werden daraus ersehen, mein Verehrter Freund, daß die guten Wiener das ganze Jahr Wohlthätigkeit üben, und ihr trefflicher Sinn, und der Drang zum Geben sich nicht allein auf Abge­brannte und Ueberschwemmte rcducirt. Wo es nur immer heißen mag: »Wohlthun», und das heißt es »ur zu oft, öffnet der brave Wiener mitleidig de»! Unglücklichen seine Hand. Dieser schöne Sin», der de» Wiener charattcrisirt, zeigte sich auf eine erhebende Weise bei de» Abgebrannten eines Hauses in der Josephstadt, wo Alles, Jung und Alt, Groß und Klein, hinauseilte, um eine Wabe des Mitgefühls, wenn sie auch noch so klein war, auf den Altar der Wohlthä­ tigkeit zu legen, und den Trost i» der Eri»»erung »ach Hause zu tragen, ihr Möglichstes zur Linderung des Unglücks ihrer Nebenmcnschen gethan zu haben. Eine ausgezeichnete Erwähnung Verdient der biedere Director P»< korny , welcher sogleich eine kostenfreie Vorstellung veranstaltete, und durch drei Toae hundert Abgebrannte speiste. Sattlcr' s »Cosmoramen«, treff­ liche Miniaturgemälde großer Städte, finden allgemeine» Zuspruch, uiid «crdicnen diesen auch im vollsten Maße, Der geistvolle Dickter Ludwig August Front ! cdirt vom l . Jänner «842 an ein Sonntags - Journal, »Austria« betitelt, welches bei dem Um­stände, daß Frank! , der gefeierte Sänger des »Habsburgerliedes« und des »Columbus«, eine Reise nach Deutschland unternimmt, um die rcno,», »lirtesten ausländischen Novellisten für sein Unternehmen zu gewinnen, sehr Viel »erspricht. lind somit sei mein erster Eiscnba h n br icf mit der süßen Hoffnung beschlossen, die schöne Leserin werde nicht gewünscht haben, daß miroer Damp f hätte früher ausgehen sollen. Mein geschätzter Herr Redacteur, nächstens erhalten Sie den zw,iten E isc n b ahn brie f von Ihrem snbmis» sei, Wiener-Correspondentcn. Verehrter Freund, leben Sie recht wohl! Historisches Tagebuch. Zusammengestellt von eine,» Landpriester. 2. October «>2 wurde das Castcll zu Laibach »om Kohlberge (Nuluv«) aus von den Oesterrcichern beschossen. llNN wurde der in Krain gcborne, als Gubernialrath i» Laibach angestellte I>. ?. Herr Joseph Wolla»d als Bischof von Görz in Rom fräconisirt. Z. October »824 wurden Se. fllrstbischöffichen Gnaden, der hochwürdigste Herr Anton Aloys Wolf , Bischof »on Laibach, in Görz von dem hochwürdigsten Görler Bischöfe, Joseph W allein d, unter Assistenz der Bischöfe «°» Udine und Vcglia consecrirt, und am 21. October «24 feierlich in Laibach incothedrirt. «55 wurde die i» diesem Jahre zu Kerstetten in der Pfarre Zirkloch in Krain neu erbaute Filiallirche vorerst benedicirt. 4. October «nnz brannten in der Stadt Pettnu in Untersteiermart 24 Häuser »b. Iül5 wurde zu Laiback, obwohl auf dem Castclle noch die Franzosen hausten, das Namensfest Kaiser Franz I. in der sogenannten Barmherzige,» nun Spitoltirche feierlich mit Abssngung des 1> lleum bcga»gen. Laibach. Druck «ud Verlag des Joseph Vlasnik.