ll-««' tnr Annst) Literatur, Theater u. geselliges Leben. NNN2<22N:V °^A NN^V^NW» N<0NWNI^N, ^ 54. Freitag am V. November R83^. Von dieser Zeitschrift erscheine» wöchentlich zwei Nummern, jedes Mol ein halber Bogen. Der Preis des Nlllttes ist in ?»il>ach ganzjährig 6, halbjährig .^ss. Durch die t. t. Post unter Unuveri mit portofreier Zusendung ganzjährig u, halbjährig 4 sl. C. M., und wird halbjährig voraus­bezahlt. Alle t. f. Postämter nehmen Pränumeration an. In Laibach pränumerirt man beim Verleger am Rann, Nr. 190, im ersten Stocke. Alte Liebe. Ballade von Jod- Nep. Vogl. ^ s feiert der Ritter sein Hochzeitfest, 2s schallen die Cumbeln und Geigen; Doch heimlich der Nrnui'gam den Taal «erlaßt, Als eben beginnet der Reigen. Er lehnet am Voller im wachen Traum, Lr blicket hinab zu de» Tiefen; Die Nachtigall wirbelt im Waldesraum Und weckt ihm Gefühle, die schliefe». Dort sitzt auch im Thale vom Grün umlaubt, Ein Mägdlein allein uor der Schwelle, Das stützt auf ihr Händchen das schöne Haupt Und starrt »ach dem Schloßlein so helle. Und wie da nun Lines das Andere sieht, Iliie Blick da begegnet dem Blicke, Ls Jedem fast schmerzlich durchs Inn'rc zieht, Als ob sie e>» Blitzstrahl durchzucke. Da breitet wohl jedes den Arm mit Haft Als ob es sein Leld nicht ertrage; Denn Beide gedenken vom Weh erfaßt, An schone, »ergangene Tage. Der Möllthaler. Vaterländische Noxelle «on Dr. Rudolph Puf f. I. Ein ungewöhnlich lauer Augustabend hatte die Bewoh­ner von Mühldorf lange im Freien gehalten, die Luft kos'te so südlich, die Sterne funkelten so rein, die Moll mur­melte so friedlich über das Trümmergestein ihres wilden Bettes, daß man sich gerne einlullen ließ von traulichen Gesprächen, und der Mühen und Beschwerden vergessend, einen Theil der schweigsamen Nacht durchplauderte. All­mählig zerstreuten sich die Gruppen, die Lichter erloschen, nur in der sogenannten Vorstadt, im Hause des reichen Schenk war es noch licht und lebhafter als sonst. Ein ziemlich ernster Wortwechsel schien die Gemüther aufzure­gen. Vater Schenk, ein wohlgenährter Sechziger, stand mit geballter Faust am Tische, vor ihm ein schmucker Bur­sche, dessen lichter Rock, niedere, Riemenschuhe und weiß, wollene, mit gestrickten Rosen gezierte Strümpfe auffallend am späten Samstag-Abend die Sonntagstracht verkündeten. Hinter dem Tische trommelte sorglos Michel , der Sohn des Hausherrn, im wohlgewohnten Phlegma, und schien den streitenden Parteien wenig Aufmerksamkeit zu schenken; desto mehr Antheil nahm Aennchen, seine nette Schwester, die im Winkel saß, bald ihren Thränen freien Lauf ließ, und bald wehmüthig lächelnd, bald zürnend auf die Streitenden blickte. Wie gesagt, polterte Vater Schenk, aus dir wird nichts, lieber Erhart , und ich bin froh, daß du gehst, mit lauter Undank hast du mich gelohnt, ich gab dich zum Hammerschmid in die Lehre, du liefst davon; ich vertraute dir meine Alpenwirthschaft, du ließest Kühe und Ziegen treiben, was ihnen beliebte, und leiertest Liedchen auf dei­ner Zither ab; ich hielt dich, wie einen Sohn im Hause, und du verleitest nun dafür meine Tochter zu Liebeleien, die nie zu was führen können, und nun, weil ich dir die Wahrheit sagte, nimmst du dein Goller, und willst bei Nacht und Nebel davon. Geh, ich bitte dich, ich bin froh, dich los zu haben, aus dir wird so wenig ein ordentlicher Mensch, als aus deinem Vater es wurde. Aus meinem Vater? rief Erhar t zornglühend, schämt euch, Herr Schenk, die Tobten zu lästern, schämt euch umsomehr, da er euer Vetter war und weder ihr noch euer dummer Michel , — ja nimm mirs nicht übel, du bist vom Herzen dumm und nur dann klug, wenn du mich lästern willst — es je zu einem ehrlichen Soldaten bringen könnt; glaubt ihr, wenn ich an den weißen Ehrenrock meines Vaters dachte, würde mir der Schmiedruß gefallen, oder ich würde oben auf den Alpen bei euren Rindern sitzen, um der Rin­der willen? — Weil die freie Gottesluft mir gefiel, weilte ich oben; weil meine Zither klüger sprach, als unsere Bauern; könnt ihr aber darum sagen, ich sey trag und faul? Zu eng, ja zu eng wird's mir in unserm Dorfe, das ist wahr, so lang ihr mich tändeln ließt mit Aennchen, war noch 2R4 alles gut, geliebelt habe ich nicht mit ihr, aber sie zum Weibe verlangt von euch, da steckt euch aber der reiche, geizige Schmid, der lange Franz , im Kopf, den sie nehmen soll, nein, wahrlich, Vetter Schenk, ich flechte ihr doch noch die rothe Brautschnur um den Hut, oder ich müsite umsonst gelernt haben, Roheisen weich zu klopfen. Du, rief mit höhnendem Groll Vater Schenk, du, der Habenichts, der Thunichtgut? ohne meine Einwilligung gar noch, das möchte ich doch erleben! Mi t eurer Einwilligung sollt ihrs N'och erleben, erwieberte kalt der Jüngling, es sind Zeiten da, wo es bald im stillen Möllthale laut «ver­de« wird, wo sich der Stutzen nicht mehr auf Nehe und, Gemse entleert, wo die Burschen nicht mehr Taren,'^ son­dern Leichen schleppen werden, wo ein ehrlicher Kerl mit ein Paar starken Armen mehr gelten wird, als zehn schläf­rige Michel; ja schaut nur gros;, ihr sollet noch hören von mir; Sachsenburg, von den kriegslistigen Franzosen besetzt, ist nicht weit, in Spital stehen sie noch, die schußfertigen Blauröcke, und das Gefasel da von Waffenstillstand, das will nicht viel heißen. Bursche, donnerte der Alte, du wirst doch nicht schlecht genug seyn, dein Heimatthal zu verrathen? Herr Vetter, reitzt mich nicht, fuhr Erhar t auf, früher habt ihr mich gelästert, das war unnöthig von euch, meinen Vater, das war schlecht; wenn ihr aber glau­ben könnt, ein Mö'llthaler könne seine Heimat verrathen, so seyd ihr ein böser Mensch, dem ich, nichts für ungut, meine Zither, so lieb sie mir ist, am Kopf zerschlagen möchte. Man kann und wird mich noch brauchen, so viel sag' ich euch; ihr wollt mich nimmer Hier, euer Mi ­chel feindet mich an, aber mein Aennchen wird mich nie vergessen, und trifft eine Kugel mein Herz, so wird auch sie dem rußigen Schmid kein Herz in den Va­les^) legen. Ann nimm nur nicht alles gleich so krumm auf, begütigte Vater Schenk den Zürnenden, ich will dirs glauben, daß du es ehrlich meinst, aber es geht mir alles so wunderbar bei dir untereinander, daß ich es mir nicht erklären kann; heute lasse ich dich nicht aus meinem Hause, daß es nicht heiße, Schenk habe seinen armen Vetter aus Geiz oder Hochmuth bei Nacht und Nebel aus dem Hause gethan. Aennchens bittender Blick unter­stützte den Wunsch -des Vaters, auch Miche l reichte dem Jungen mit einem nichts sagenden Lächeln die Hand, und ziemlich versöhnt begaben sich die Parteien zu« Ruhe. il. Noch graute kaum der Morgen, als Aennchen im Sonntagsstatte Hie langen, dunklen Zöpfe, v.on> spitzigen Hute halb bedeckt, den faltigen Rock zierlich um das knappe Corsett geheftet, einen Strauß Alpenblumen vor dem Bu­sen, am Fenster lehnte, und in banger Erwartung in den Hofraum blickte. Sie hatte nicht lange gewartet, als der wohlbekannte Hut mit dem Gemsbarte und den Geierfe­dern ihr in der Dämmerung den geliebten Erhar t ver­riech, der eben mit leisen Schritten aus dem Hause schlei­chen wollte. Erhart, Erhart, rief erschrocken das Mäd­chen, so früh, so heimlich und ohne Abschied willst du fort? ') ReiseibünVeln. .") Vrautlctt. sage mir doch um Himmelswillen, was du unternimmst, oder wohin es dich treibt. Liebes Aennchen, versetzte der Jüngling, dir müßte ich alles vertrauen, was ich am Her­zen habe, das aber^ was ich unternehme, ist nicht mein Geheimnis;, darf es also Niemanden mittheilen. Brave und redliche Männer haben mich werth gefunden, mir ihre An­gelegenheiten mitzutheilcn, und mich auf eine Art zu be­nützen, die mir Ehre bringen und mir Ansprüche auf dei­nen Besitz geben kann; sey unbekümmert, bisher hat die Vorsehung alle meine Schritte glücklich geleitet, so wird auch alles gut gehen. Aber du wirst doch nicht Soldat werden? forschte ängstlich das Mädchen. Soldat? fragte gedehnt Erhart , schreckt dich dieser volltönende Name, und du hörtest ja vom Vater gestern, wie er dem Mi­chel die Sorgen ausredete, daß nun Stillstand sey und man keine Soldaten brauche. Aber wohin begibst du dich denn, daß ich Hinsehen kann nach der Gegend und bethen für dich und weinen, wenn du lange von dir nichts hören läßt. Nach Tirol, versetzte Erhart. Nach Tirol! klagte erbleichend Aennchen, aber mein Gott, dort tobt ja noch der Krieg, wie uns der Herr Pfarrer erzählte, dort fallen ja entsetzliche Dinge vor, wie kommst du hin, die Grenzen sotten besetzt seyn, und wer es nicht halten will mit den Franzosen, der wird erschlagen. Sey unbesorgt, gutes Mäd­chrn, beruhigte sie Erhart ; frag' den Adler, wie er zum Felsenneste kommt, wenn ringsum die Jäger die Alpen um­stellen, frage den Fuchs, wie er seinen Bau erreicht, wenn rüstige Spürhunde ihn umlagern, und ihre Antwort sey auch die meine, versprich mir treu zu bleiben und den schwarzen Franz nicht zu nehmen, dann will ich mich scho­nen und mich erhalten für dich. So lange ich lebe! flü­sterte Aennchen, nimm diesen Strauß auf deinen Hut und diesen Kuß. Für immer und immer, sprach Erhar t schwang sich auf das Fenster und drückte die Erröthenoe an seine Brust. Aennchen, Aennchen! rief in dem Hause des Va­ters Stimme, bringe mir den Sonntagsrock, hast du denn ganz verschlafen? Die Liebenden ließen sich los, noch ein zugeworfener Kuß, und Erhar t sprang über den Zaun und flog den Thalweg dahin. ^Fortsetzung folgt.) Gine Herbstnovellette «Ol! Hyazint v. Schuihcim. Sie werden lächeln, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich mich durch Jahre immer in vorhinein auf die Zeit freute, wenn die Blätter sich gelbten und jener eigenthümlich kalte Herbstwind, ein Vorbote des nahen Winters, in uns das Verlangen nach den wärmern Räumen der Stube und der traulichen Kamine rege macht. Nicht etwa, daß der näher rückende Karneval mir Vergnügungen versprach, welche diese sonderbar originelle Sehnsucht begreiflicher machen würden; nein, alle meine Weihnachtsbescherungen und Karnevalsabentheuer beschränkten sich auf ein Kränzchen, welches der ehemalige Kaufmann Rosen zu dieser Zeit 3t5 jeden Sonnabend so lange um sich versammelte, bis ihn der Herold des Frühlings, die Lerche, nach seinem nahe­gelegenen Landsitz rief. Dort ist denn auch unser herrliche Rosen in diesem Jahre «erstorben, und wohl selten fielen in ein Grab gerechtere und tiefer gefühlte Thränen, als dem Sarge unsers väterlichen verklärten Freundes nachroll­ten. Dennoch stand keine Waise verlassen an der Leiche eines zu früh entrückten Vaters und keine Gattin sah die Hälfte ihres Lebens in die Grube senken. — Nicht die Na­tur allein gibt das Recht, beweint von hinnen zu scheiden, die Erinnerung an ein wirkungreiches Leben darf wohl auf gleichen Tribut Anspruch machen. — Die Blüten sind nun wieder gelb, schon wirbelt ein eiskalter Wind im lustigen Geringes einzelne Flocken aus dem nebeltrüben Himmel; doch seit vielen Jahren sitze ich wieder zum ersten Mal einsam einen herbstlichen Sonnabend auf meiner erwärmten Stube. Wer hätte es auch geahnt, als wir im Spätherbste des verflossenen Jahres so fröhlich um unser« Rosen versammelt waren, daß wir ihn am näch­sten Tage aller Seelen würden am Friedhofe suchen müs­sen, wie es in dieser Woche geschah? Wer hätte es ge­dacht, daß unser väterliche Freund, — denn ein solcher war uns Rosen — im nächsten Winter seine Kinder nicht mehr um sich würde sammeln können? — Es ist mir, als wäre mein Vater nochmals gestorben; einsam zieht sich das Kind in den Winkel der Stube zurück und weint bitterlich. Fühlst du denn, Verklärter über den Sternen! auch mit mir? O gewiß! D u siehst herab auf mich und mein dan­kendes Herz, denn es gibt eine enge Verbindung des Sterb­lichen mit der Unsterblichkeit, des Endlichen mit der Ewig­keit. Bist du denn auch nicht böse, daß ich eben im Be­griffe stehe, eine Skizze aus deinem schönen Leben hinzu­werfen, so gut es eben meine schwache Feder vermag.— Die Gesellschaft, welche Rosen an den bestimmten Abenden um sich zu sammeln pflegte, bestand in jungen Männern, die er aus Collegien der hohen Schule auser­wählt hatte. Es war eine seiner Gewohnheiten, wenn an der Universität vorgelesen wurde, die freien Collegia zu besuchen; übte dann hie und da eine Phisiognomie oder eine Venehmungsweise jenen inner« angenehmen Eindruck auf seine Seele, den wir, ohne ihn erklären zu können, oft bei dem ersten Anblicke eines Menschen empfinden, so interessirte er sich sogleich wärmer für diesen jungen Mann, zog ihn in seinen Zirkel, und wirkte also belehrend und bildend zur vollen Reife des Charakters mit. Viele von uns danken ihm auf diese Weise die Bildung ihrer See­lenanlagen und jenen angenehmen Stand», den sie jetzt durch Geist und Gemüth in ihrer Umgebung behaupten. Ich war einer unter den Ersten, die das Glück hatten, in seine Nähe zu gelangen; wenn ich nicht irre, war jene Wärme, mit welcher ich mein Eramen aus dem Natur­rechte sprach, die unterste Veranlassung zu unserer Annähe­rung. — Doch immer schweifen meine Ideen von dem ab, was eben heute so lebhaft vor meiner Seele steht. Rosen hatte mit mir jenen Hügel besucht^ der die Hütte meines unvergeßlichen Vaters deckt. Einem solchen Besuche liegt wohl die Frage sehr nahe, ob es eine Ver­bindung des Irdischen mit dem Ueberirdischen gebe, und ob im affirmativen Falle, und überhaupt bei Wesen, in wel­chen doch der untrennbare Geist das prädominirende Prin­cip seyn sollte, ein Tod denkbar, möglich sey? — Rosen behauptete, daß zwischen Geistern eine Trennung Wider­spruch wäre, den der Begriff der Trennung vor allen jenen von Zeit und Raum voraussetze. Nachdem ich ihm nun in verschiedenen Einwürfen dargethan hatte, daß unter Voraussetzung dieser Ueberzeugung eine Waise undankbar, Wiederverehelichung jedoch zum Verbrechen werde, legte er seinen Zeigesinger an den Mund und machte dabei eine so bejahende Miene, als ob meine Andeutung in seiner Brust bereits als Ueberzeugung lebe. Wir drängten uns nun aus dem Gesichtskreise unserer Beobachter, denen in der engen Straße der Eifer, mit welchem wir das erwähnte Thema behandelten, aufgefallen zu seyn schien, und nachdem wir bald das Freie der herbst­lichen Umgebung gewonnen hatten, begann Rosen: Sie haben sich schon manchmal befremdet darüber ge­äußert, daß ich mich bei meinem warmen Sinne für Häus­lichkeit und häusliches Glück nie entschließen konnte, eine Gattin in mein Haus zu bringen. Ich wich dieser Frage meist mit leeren Worten aus, da ich meinen Schmerz und meine Thränen nicht gerne auf den öffentlichen Markt trage. Thränen des Mannes sind ein heiliger Spiegel, i« welchen nur die geliebteste Seele ohne Entweihung schauen darf. Es schäme sich der Mann nicht seiner tiefsten Gefühle und jenes heiligen Nasses, welches aus dem unversiegbaren Bronnen des Herzens rinnt; aber er wehre seine Thränen dort zu zeigen, wo er nicht gewiß ist, verstanden zu werden. Doch hören sie! — Es war eben am Morgen meines drei­ßigsten Geburtsjahres, ich saß im Comptoir des Vaters, um mich in den Geschäften zu zerstreuen, da es, wie Sie die Selbsterfahrung lehren wird, kein angenehmes Gefühl ist, in die verhängnißvolle Drei überzugehen; da trat mein Va­ter durch die Thüre herein, klopfte mich leise auf die Schul­ter, küßte mir Mund und Stirne, legte dann die Hände wie zum Segen über mein Haupt und sprach: »Gustav, du mußt reisen und zwar heute noch!" — Anfangs fuhr ich beinahe erschrocken empor, nachdem ich jedoch in das reine und unbewölkte Auge meines lieben Vaters geschaut hatte, war in mir die Ueberzeugung fest gegründet, daß keine Unannehmlichkeit in den Geschäften den Vater zu diesen Schnellschritten veranlaßt habe. — „Gustav, mache dich auf und reise! hörst du, schon bläst der Postillon am Thore den alten Dessauer, daß mir das alte Herz im Leibe beinahe brennend wird; vorerst gehst du nach Frankfurt, dort findest du bei meinem Freunde Gold einen Brief, der dir meine weitern Pläne entdecken soll; hier in der Brief­tasche hast du Geld und Wechsel — der alte Rosen zählt, Gott sey gedankt, weit und breit Freunde, draußen sind bereits die Koffer mit den geringsten Brauchlichkeiten ge­packt, nun, mein Junge! gib mir noch einen Kuß und da­mit Adieu!" — (Fortsetzung folgt.) 316 Korrespondenz. gesprochenem Prologe, den Sie in der Beilage erhalten, wurde von allen Anwesenden die Herz und Seele anspre­ chende National-Hymne: »Segen Oestreichs hohem Sohne« mit wahrer Begeisterung angestimmt. (Zufallig verspätet.) Klagenfurt am 22. Oktober 1838. (Nachmittag 3 Uhr.) Worte und Töne kamen vom Herzen und gingen zu „Seit aus dem Maien-Land die liebe Kunde Herzen; dies gaben des Kaisers und der Kaiserin Majestät »Wie Aeolsharfenton zu uns erklang: auf eine so liebreiche und huldvolle Weise zu erkennen, daß «Es komme in der treuen Alpen Runde in den Augen Vieler Freudenthränen erglänzten. — Nach »Der Allgeliebte auch, den wir schon lang' Aufführung des ersten Aktes des Lustspiels: »Die gefähr­«Ersehnt; da lauschte Alles nur der Stunde — liche Tante" , entfernten Sich die Majestäten und der »Bekämpfend schwer des Herzens heißen Drang.«— meiste Theil des Publikums auch; es eilte dem Kaiserwa­ Herrlicher und prachtvoller mag der Empfang des Herr­gen nach hinaus in die hellbeleuchtete Stadt. scherpaares in mancher Stadt gewesen seyn, doch inniger und »Wenn es gleich in Kärntens Feldern herzlicher denn hier — nicht leicht irgendwo. Eine Stunde »Fehlt an Mailands Pracht und Geldern, außer der Stadt, an der Stelle nämlich, wo die Land­»An Venedigs Glanz gebricht — strasse gegen den Kanal sich wendet, stand der erste Tri­»Fehlt's an treuen Herzen nicht." umphbogen, aus Fichtenzweig gebaut, mit Oesterreichs Dop­Dies war die erste Inschrift, welche das Herrscherpaar peladler itt der Höhe, an den beiden Seiten mit den Wap­bei Seinem Austritte aus dem Theater an einem illuminircen pen Kärntens und Klagenfurts geziert, und in Form eines Hause erblickte. Regenbogens die Inschrift enthaltend: (Beschluß folgt.) »Ehrfurchtvollstes Willkommen »Dem Allerhöchsten Herr scher paare!«— Von diesem Triumphbogen angefangen, bis zu der im Theater in Laibach. gothischen Style erbauten Ehrenpforte von Eisen am Vil­lacherthor — standen k. k. hochfürstlich Gurkische, Graf Eg­Mittwoch am 24. Oktober »«z»! E r meng t sich i n Alles . Lust­ ger-, Graf Christallnigg-, Edler v. Rosthorn'sche :c. Berg­spiel i» fünf Acren nach Mistreß Ontliv « von I . F. Jünger . knappen mit ihren Fahnen in Spalier, während alle Pro­Plumver, der gutmüthige beschrankte Plumper, der nichts Angelege­ fessoren und Studierende, mit den respeltiven Direktionen an neres zu ttu» hat, «Is anderer Leute Geheimnisse zu ergründe», der über­ ihrer Spitze, von der erwähnten Eisenpforte an, bis zur haupt gar nicht einsieht, warum »or ihm Etwas geheim bleiben sollte, k. k. Burg die Spaliere bildeten. So standen wir. Aber l» er ja Niemanden schade» will; er, der geschäftig Dienstfertige, der wer beschreibt, was wir fühlten, als Kanonensalven und ober Alles, was man ibm auftragt, verkehrt ausrichtet, ist unstreitig eine das feierliche Glockengetön aller Thürme das Herrannahen echt komische Figur. Schade, daß er in dem Stücke trotz seinem ewigen der Ersehnten verkündeten! »Sie kommen!" hieß es, und — Nordrange» leine bedeutendere Rolle spielt, denn die ziemlich lose ver­ schon waren Sie da! — knüpfte Doppelhandlung der zwei Liebespaare wird weder durch ihn, noch trotz ihm zu Ende geführt, da ohne ihn die Handlung des Stückes der Ein mir und Tausenden ewig unvergeßlicher Moment! Wesenheit nach, ehe» so «or sich gehen würde — nur einige tomischen Der wolkenlose Himmel über uns, und die Sonne mit ih­ Situationen würde» wegfallen — und die Verwickelungen, die seine plumpe ren heitern, lebenswarmen Blicken — wie wunderlich har- Unbeholfenheit herbeiführt, die Handlung weder zurück noch vorschieben. monirend mit der Heiterkeit unserer Stimmung und mit der Plumper wurde vom Hrn. Nerger gespielt. Die Auffassung des Helle unserer Blicke; und — wie wunderlieblich harmonirend Loarakters war richtig, nur in seiner ersten Scene vermißten wir den Aus­ mit dem allerfreuenden Erscheinen Ihrer Majestäten!! druck der, ihre Zudringlichkeit »>ckt ahnenden Gutmüthigteit. Ueberh,n,pt Doch Sie erlassen mir, verehrter Herr Redakteur, die halte er in dieser Scene einen Anstrich von Geckenhaftigkeit, den Plum­ Beschreibung von einer Scene, die ewig unbeschreiblich per durchaus nicht haben sollte. I n den später» Scene», namentlich in bleibt; und erlauben mir, meinen kleinen Bericht — wie ich der Wirthshausscene traf er jedoch meistens den richtigen Ton. Er fand ihn angefangen auch zu beschließen, nämlich mit einer kleinen verdienten Beifall. Hr. Gehr ig als Varon Weiliurg spielte, wie immer, Strophe des herzlichen Gedichtes von Hrn. S.M. Mayer, sehr anstandig. Dlle. Schwenk spielte brav, so wie auch den Hrn.Wahr­betitelt: „Kärntens Huldigung seinem allgeliebten Herrscher­haftst u und Czerma t als alter Herrin«» und Sohn Einiges gelang. paare innerhalb seiner Marken." Die Strophe sagt klar und In unbedeutenden Rollen waren beschäftigt Hr. Leidl und Dlle. Har­ wahr: nisch. Nicht müß'ge Neugier sammelte die Menge Für die Aufführung dieses sehr alten Lustspieles sind wir der Directio» Der Heitern, die das Herrscherpaar umsteh'«, zu Dank verpflichtet. Einige veralteten Wortbiegungen hätten jedoch leicht Wie in dem Haus des Herrn ist das Gedränge, abgeändert werden können, so horte man: »ich habe mich Zeforchten» und Zum Liebesdienst die treuen Kärntner geh'n; Aehnliches; auch sollten bei einer allfälligen Wiederholung einige Zarthei­Des Herzens Sprache ist das Festgepränge, ten des Dialogs, als wie »Esel» u. s. w. vermieden werden. Derlei Aus­Sie eilten her, den Gütigsten zu seh'n, drücke aus dem Munde eines gebildeten Frauenzimmers zu vernehmen, ist Der wie die Gottheit rings nur Milde übet, auf der Bühne, wie im Leben unleidlich. I n jedem Unterthan des Schöpfers Abbild liebet. R. (11 Uhr Nachts). Theater-Repertoir. Schlag ? Uhr erschien das allerhöchste Herrscherpaar in der Hofloge des hiesigen ständischen Theaters. Während November. das überfüllte Haus vom stürmischen Vivat-Rufe wieder­Den 3. Zampa. Bencsice des Hrn. Wellinge r 4. Fee aus Frank« hallte—flog der Vorhang auf, und aus dem Hintergrunde «ich ü. Zompa. ?. Einfalt vom Lande, 8. Liebcstrank. der Bühne, allwo vor dem sinnigen Simbole der österreichi­schen Kaisermacht-dem Doppelaar, eine Opferflamme brannte — trat OnrintKw vorstellend mit Oesterreichs Panier und Auftösung der Homonyme im Blatte Nr. 53. Kärntens Wappenschilde Dlle. Reinbeck sammt dem übri. gen Theaterpersonale als Landvolk gekleidet, hervor. Nach Verschieden. Laibach. Verlegt und gedruckt bei Joseph Vlasnik.