Kr Kunst, Wissenschaft und geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordefch. ^ O8. Freitag ain 23. August Ä844. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich zwei Nummern, jedes Mal ein halber Vogen, und allmonatlich eiu.Ml'Wllx^pon Meisterhand in Kupfer gestochenes lolorirtes Costumebild, illyrische Volkstrachten in Doppelfigur enthaltend, in Großquart. Der Ppfi« des Blatte« ist in Laibach ganz­jährig «, halbjährig z fl. Durch die k. t. Post unter Couoert portofrei ganzjährig 8, h»lbjährig/4 fs. C. M.,'»nd wird halbjährig »orausbezahlt. Alle k. t. Postämter nehmen Pränumeration an. I n Laibach pränumerirt man in der BuchhandAmg des HerrnWeorg Lcrcher a« Hauptplatze. Freundeswarnung. Willst «us unser'm Kreise fliehen. Hin zur fernen Heimat ziehen. Wo Dir leichtlich Mangel droht? — Kannst so Viele hier »erlassen. Die mit Liebe Dich umfassen? — Zieh' mit Gott! — Nicht beruht's auf leichtem Sande, Daß im eig'ncn Vaterlande Das Talent »erfolgt die Noth; Mög' »n Dir sich's nicht erwahren. Nie Du solche« selbst erfahren — Zieh' mit Gott! - Konntest hier die Heimat schauen, Deinen eig'nen Herd Dir bauen. Sichern Dir Dein stetes Brot: Muß das Heimweh Dich berücken. Scheidend uns die Hand zu drucken — Zieh' mit Gott! — Was Du uns — wir Dir gewesen. Jetzt beim Scheiden ist's zu lesen. Da« Dein Schicksal Dir gebot. Fahre hin! auf allen Wegen Folget Dir der Freunde Segen — Zieh' mit Gott! — Leopold Kordesch. Slaven in Italien. Von Sresniewsky. (Beschluß.) Archen haben diese Leute nur sehr wenige, 'und deßhalb gibt es in den tieferen Berg­gegenden Personen, die kaum alle sechs Mo­nate eine Kirche sehen, und ihre Andacht vor den Kreuzen am Wege zu halten pflegen. Ein Mann gilt schon für reich, wenn er außer der Küche noch ein besonderes Zimmer oder eine Schlafkammer und einen Verschlag für seine Vor­räthe hat. Die Höfe sind selten anders von dem des Nach­bars getrennt, als durch Misthaufen, denn eigentliche Zäune sind ganz ungewöhnlich. ich lIroße Familien leben, ohne sich zu trennen, so oft mehrere verheirathete Söhne oder Töchter beisammen, was der Ordnung und Reinlichkeit der Haus­haltungen nicht eben förderlich sein kann. Das Geschlecht scheint dort gar keinen Unterschied zu machen in der Beschäftigung; man sieht Mädchen Wälder ausroden und die Kelle handhaben beim Häuserbau, so wie­der Männer, welche kochen oder Flachs spinnen. Bemer­kenswerth ist die Scheu dieser armen Leute vor dem Betteln, -worin sie den Furlanern sehr unähnlich sind, die, oft sehr bemittelt, den Fremden um Almosen anstehen. Die Lebensweise ist sehr einfach; Polenta und Kuchen aus Hafermehl, Käse und grüne Butter aus Ziegenmilch sind ^ihre Hauptnahrung; Suppe kennen sie nicht; statt der­selben essen sie gekochte Graupen, die mit Oel und Käse zubereitet sind. Die Tracht ähnelt jener der Furlaner, und zeichnet sich durch Schmucklosigkeit aus. Ihre Volksfeste machen sich ganz besonders dadurch bemerkbar, daß sie nie­mals ohne Feuerbrände gefeiert werden können. Der Slave in Friaul wird so lange nicht munter und froh, bis er Feuer sieht; auf den entlegensten Bergspitzen lodern lustige Feuerzeichen grüßend empor, und steigern die tobende Volks­freude, welche durch diese hartnäckige Sitte freilich häusig in Widerstreit kommt mit der löblichen Forstpolizei, welche solche gefährliche Lustbezeugungen nicht dulden will. Die Volkslieder sind zahlreich, aber das Volk theilt sie ungern den Fremden mit, auch singen blos die Frauen. Die Me­lodieen gleichen den krainischen, jene aber, welche bei feier­lichen Gelegenheiten abgesungen werden, haben mehr Ver­wandtschaft mit denen der Serben. Wer sich die Mühe geben wollte, diese Lieder und Sagen zu sichten und zu durchforschen, würde manchen Aufschluß über die Schicksale dieses einsamen, slavischen Volksstammes geben können und namentlich Auskunft ertheilen über Zeit und Ursache der Auswanderung desselben von der Ebene in's Gebirge. Der unter ihnen übliche Tanz, den die Furlaner la Boluava nennen, gleicht dem russischen Reigen und dem serbischen Kolo; man faßt sich im Kreise an den Händen 27V und schreitet singend bald rechts, bald wieder links. Bei Hochzeiten ist ein anderer Tanz gebräuchlich, wobei die Männer die Weiber fangen müssen. Die musikalischen In ­ strumente bestehen in der Pischalka und in der Goßle, dem russischen Gusli, worunter man die Geige und eine, Gattung Mandoline zu verstehen hat. Auch die Maul­ trommel ist sehr beliebt, und^das Gebirge hat nicht wenige Virtuosen auf diesem populären Tonwerkzeuge. Wie überall unter den Slaven, herrscht auch hier unter dem Volke viel Aberglaube, der indeß nicht ohne In ­teresse für den Gebildeten sein dürfte. Die Hirten sagen nach den Lufterscheinungen mit großer Bestimmtheit die Witterung voraus, und unter den alten Leuten, besonders den Weibern, kennen Viele die heilenden und tödtlichen Kräfte der Pflanzenwelt, berÄM^Kräutertränke, sprechen Zauberformeln, verstehen Fch aufs Magnetisiren und die Belebung durch Wasser. Diese Gehemlehre ist zwar auch den Slaven in Kärnten und^raA^men, doch genießen die Slaven vom friaul'schen Gebirge eines hohen Rufes unter ihren Stammesgenossen im Nachbarlande, und von ihnen erzählt man sich, daß Manche von ihnen wüßten, was in allen vier Weltgegenden vorgeht. Auf mich hat der Anblick dieses slavischen Volksstam­mes, der von seinen Sprachgenossen getrennt, von seinen Umwohnern verachtet, einer überwältigenden, fremden Civi­lisation einsam gegenübersteht, einen gar peinlichen Eindruck gemacht und mein nationales Herz mit Betrübniß erfüllt. Das Strumpfband. Novellette von Joseph Vnchenhain. Hornig loit, yrii m»I ^ penle! »— Der Bürgermeister eines kleinen deutschen Städtchens, an welches die Besitzungen des Oberregierungsrathes von Wahle n gränzten, hatte kaum von der Ungnade, in die der oft beneidete Staatsdiener bei Hofe gefallen war, ver­nommen, als er auch schon in aller Eile ein feines Plän­chen ausdachte, den Biedern, wo möglich, ganz zu Grunde zu richten und so vollkommen über einen Mann zu triumphi­ren, der ihm wegen seines geraden Sinnes und seiner Stel­lung schon lange ein Dorn im Auge war. Wenn der Löwe Hülflos darnieder liegt, erkühnt sich auch das Langohr, mit seinem Huf nach ihm zu schlagen; ein Fall, der sich zu allen Zeiten wiederholte und wiederholen wird. Zu diesem Hasse gegen den Oberregierungsrath hatte dessen öftere Anwesenheit auf seinen Gütern nicht wenig beigetragen, weil da der Chef des Städtchens gezwungen war, ihm die Honneurs zu machen, sich aber auch sonst vor dem Scharfblicke Wahlen's in seinen Handlungen in Acht zu nehmen. Ueberdies mußte er manch' tadelndes Wort des Oberregierungsrathes in Bezug so mancher Projekte still­schweigend hinnehmen, die weit mehr die Bereicherung des geldgierigen Stadtoberhauptes, als das Wohl des Allge­meinen bezweckten. Da sich nun Wahlen, um seinen un­verdienten Schmerz in etwas zu vergessen, auf Reisen begeben hatte und nicht so geschwinde zurück erwartet wurde, so war es ein Leichtes, einen schon alten Streit zwischen den Besitzungen desselben und jenen des Städtchens zu erneuern. Noch leichter war es, das oft nicht all zu beäng­stigte Gewissen der Advokaten durch Münzenklang einzu­lullen und sich so einen streitigen Theil nach dem andern zuzueignen. Ein einziges Gut, dessen Einkünfte nicht un­bedeutend waren, blieb dem Abwesenden noch als unbestrit­tenes Eigenthum; auch dieses sollte nun daran kommen, allein die. unvermuthete Rückkunft des Oberregierungsrathes nöthigte den Prozeßführer, zum bösen Spiele ein gutes Gesicht zu machen und die Sache ruhen zu lassen. Der Rückgekehrte fand zwar beim Durchlesen der Satzschriften so Manches, wodurch er die verlorenen Pro­zesse, mit aller Hoffnung, sie zu behaupten, hätte erneuern können, obschon die Urtheile längst rechtskräftig waren; doch er war zu alt, des Lebens wahrhaft müde, überdies mit dem Grame über seinen so plötzlichen als unverdienten Fall noch zu sehr beschäftigt, und so geschah es, daß er, indem ihm der Besitz des Gutes für die Zukunft gesichert blieb, nichts mehr zur Sache thun wollte, als seine Feinde zu verachten. Er hatte den Verkehr mit Menschen aufge­geben und war für Niemand, selbst für Mehrere, die sich ihm wohlmeinend zu nähern gesucht hatten, nicht zu sprechen. I n seinem Stübchen eingeschossen, lebte er Jahre lang seinen Büchern, ohne jemals nur Haarbreit von seinem Vorsatze abgewichen zu sein. Diese zurückgezogene Lebensweise war Anfangs seinen zerrütteten Umständen zugeschrieben worden; da aber solche Jahre lang fortwährte, fing man an, zu muthmaßen, daß sich seine Kasse indeß bedeutend erholt haben müsse, und sein Stillschweigen, wie seine Zurückgezogenheit vielleicht einen andern, etwa gefährlichen Grund für seine Feinde haben dürfte. Der unvermuthete Tod des Oberregierungs­rathes machte jedoch allen Muthmaßungen ein plötzliches Ende. — Der Verstorbene hatts in einer entfernten Stadt zwei arme Verwandte zurückgelassen. Der Bürgermeister wußte zu gut, daß diese zu unvermögend waren, Prozesse zu Ohren. Das. .Versäumte oder eigentlich Unterlassene war nun leicht einzuholen, denn das Inventarium mußte durch seine Hände, überdieß wußte er sich auch durch seine Stellung vor dem Manifestationseide zu schützen. Er ath­mete frei auf. Der Commissionstag, an dem man den eigentlichen Vermögensstand des Erblassers eruiren sollte, war endlich erschienen. Doch wie erstaunte der Commissionspräses, als er außer dem Gütchen, dem eigentlichen Fundus instructus und einigen unbedeutenden Hausmeubeln alle Cassetruhen leer und in einer derselben im sammtnen Etui bloß ein blauseidenes, mit goldener Schließe versehenes Strumpfband mit einer Krone und den Buchstaben 6l. L. v. 8t. ge­zeichnet vorfand. Höchst unwillig über diesen Fund, nahm ihn die Commission als die einzige Kostbarkeit pflichtgemäß in sichere Verwahrung und schloß die Amtshandlung sehr unbefriedigt. Die Erzählung von dem gefundenen Strumpfbande hatte sich mit Blitzesschnelle im Städtchen verbreitet. Man 3?R dachte hin und her, um auf die Eigenthümerin zu kommen. Alles umsonst! Das Klatschregiment der alten Tanten, Basen, Muhmen, Kaffeeschwestern und wie alle die Ge­schöpfe heißen mögen, deren liebstes Streben es ist, natür­liche Ereignisse zu verwirren, zu entstellen, und den harm­losesten Handlungen eine Schattenseite beizugeben, war zu­sammengetreten und sich nach vielen Beratschlagungen, Vor- und Gegenmeinungen endlich einstimmig dahin aus­gesprochen, daß dieses in Rede stehende Strumpfband, ein wahres corpus «ielieti, irgend einem Hoffräulein gehört haben und ohne Zweifel die Ursache an dem Sturze des Verblichenen sein müsse. Der Ausspruch der Sibillen fand überall vollen Glauben. Es wäre auch nicht rathsam ge­wesen, dieser Behauptung eine contraverse Meinung ent­gegenzustellen, die man allgemein als unumstößlich annahm, bis das Ereigniß durch die Länge der Zeit dem Vergessen nahe kam. Ein Umstand gab jedoch der ganzen Sache plötzlich eine andere Richtung. Bei dem Bürgermeister war die Elite des Städtchens versammelt. Es galt, das Geburts. fest des Stadtoberhauptes zu verherrlichen und es hatte sich daher eine musikalisch-deklamatorische Gesellschaft in Galla eingefunden. Schiller' s „Glocke" tönte von den vollen Backen des Stadtschreibers, der wegen seines ausgiebigen Sprachorgans zu Zeiten den Feuerwächter supplirte; das Gedicht war somit dem besten Mimen anvertraut, und eben perorirte er, mit einem starren Blick auf die Frau Bürger­ meisterin : ,— »Gefährlich ist's, den Leu zu wecken. Verderblich ist des Tigers Zahn; Mein der schrecklichste der Schreckens Das ist der Mensch in seine« Wahn.« — als ein Diener herein trat, Seiner Gestrengen zu melden, daß ein Fremder ihn dringend zu sprechen wünsche.— Un­willig, gerade jetzt gestört zu werden, doch ahnend, daß es ohne Zweifel etwas sehr Wichtiges sein müsse, trat der Abgerufene hinaus in den Vorsaal, um den Zudringlichen, wenn sich die Wichtigkeit seines Anliegens etwa nicht er­wahren sollte, derb abzukanzeln. Ein junger, stark brünetter Mann, dem man die feine Tourniere auf den ersten Blick ansehen mußte, stellte sich dem Bürgermeister entgegen. Unter den weiten Vrustklappen seines Oberrockes blitzten ein Paar Ordenssterne hervor. Dem Stadt-Chef war jeder Laut erstorben; ehe er jedoch die Sprache gewinnen konnte, nahm der Fremde das Wort: „Ich bin Dom Rombaldo, Prinz von Porto- Plara". Tiefe Bücklinge von Seite des erstaunten Bürger­ meisters zeugten von der tiefen Ehrfurcht, die der Verblüffte in jeder Bewegung an den Tag zu legen sich bemühte. Der Fremde lächelte fein und sprach: „Ein glückliches Ungefähr hat mich in Eure Nähe geführt. Was den Zweck einer so weiten Reise veranlaßte, und was ich in ganz ' Deutschland vergebens suchte, das soll sich in Eurer Ob­sorge befinden". „Ich stehe unterthänigst zu Befehl, Hoheit!« stam­ melte, sich oftmals wieder verbeugend, der auf's Höchste Gespannte. „Sind wir aber auch ganz allein, sicher und unbe­lauscht?" fragte der Unbekannte, sich im Vorzimmer sorg­fältig umsehend. „Dieses Nebengemach, Eure Hoheit, steht ganz isolirt und zu hohem Befehl!" Der Sprecher öffnete, der Fremde trat ein und der Bürgermeister schloß die Thüre hinter sich ab. „Ich bin Euch für diese Aufmerksamkeit verbunden," begann der Prinz, nachdem er Platz genommen hatte. „I n dem Nachlasse des Oberregierungsrathes von Wahlen, Eures Nachbars, hat sich ein Frauenstrumpfband mit gol­dener Schließe, auf der eine Krone und unter dieser die Buchstaben <3. V. v. 8t. eingravirt sind, vorgefunden — nicht?" -^ ^ „Ich bin so glücklich z dies Eurer Hoheit bejahen zu können". * l „Der Werth des Strumpfbandes ist nicht groß; allein es liegt ein besonderes, wichtiges Geheimniß daran. Das Geheimniß ist von solcher Bedeutung, daß ich genöthiget war, in selbsteigener Person Meere und Länder zu durch­jagen, um dieses Strumpfband aufzufinden". Der Bürgermeister lächelte in unverkennbarer Freude und rieb sich die Hände. „Vor Allem ist vorläufig Stillschweigen meine erste Bedingung; bei Eurem Leben! verstanden?" — „Ich will stumm sein, wie das Grab". „Wohl! — Die Versteigerung der von Wähle n'schen Effekten wird, wie ich bereits unterrichtet bin, in Kürze vor sich gehen. Ih r seid mir als ein Mann von Ehre ange­rühmt worden, darum ersuche ich vorerst Euch, bei der Ver­steigerung dieses Strumpfband um jeden Preis an Euch zu bringen. Solltet Ih r Euch dazu nicht herbeilassen, so verlange ich nur Verschwiegenheit. Ich wollte Euch zuerst Ehre und Vortheile gönnen und finde Dienstwillige genug. Da ich mich schlechterdings hier nicht aufhalten kann und den Schleier des Geheimnisses nicht zerreißen darf, so siel meine Wahl auf Euch. Ich werde auch sogleich Ordre an meinen Banquier erlassen, Euch die etwa nöthige Summe vorzustrecken. Einstweilen hier eine Kleinigkeit zur An­eiferung." — Bei diesen Worten zog der Unbekannte ein kleines Etui aus der Tasche, woraus eine Diamantnadel von seltener Schönheit und Größe dem entzückten Bürger­meister entgegenblitzte. (Fortsetzung folgt,) Feuilleton des Mannigfaltigen. (Die Donan-Dampfschiff-Fahrts-Gesellschaft) besitzt jetzt 25 Dampfschiffe mit einer Gesammtkraft von 2480 Pferden. Diese Schiffe machten im verflossenen Jahre 1117 Reisen und be­förderten 278.594 Passagiere und 846.017 Centner Waaren- lieber« Haupt besitzt der österreichische Kaiserstaat gegenwärtig im Ganzen 55 in Thätigkeit befindliche Dampfschiffe, welche zusammen etwas über 4000 Pferdekraft ausweisen. (Trost für Schriftsteller.) Walter Scott erhielt, als er sein erstes Werk einem Buchhändler schickte, von diesem fol­gende Antwort: »Mit Aufmerksamkeit habe ich Ihr Werk gelesen und es Verdient alles Lob, indeß muß ich es zurückschicken, da ich mit neuern Artikeln überhäuft bin.« — Und dieses Mnnuscript war — »Waverley,« und der Buchhändler offenbar ein— E, — - 272 Junge Schriftsteller, die wohl sämmtlich Anfangs ähnliche Briefe von Verlegern empfangen, mögen darin einen Trost finden, daß es dem berühmten Walter Scott eben so erging. (Die sonderbare Ooncertbegleitnng.) Kürzlich meldete der Nürnberger Correspondent«: Herr Kunze hat in Nürnberg ein Niolinconcert mit obrigkeitlicher Begleitung gegeben. — Man errüth leicht, daß es »obligater« heißen soll. — (Seine Majestät, der König von Preußen) traf Sonn­ tags am 11. August, Abends um 9 Uhr, unter dem Namen eines Grafen von Hohenzollern , auf dem Dampfschiffe »Ludwig« von Linz im besten Wohlsein in Nußdorf bei Wien ein, wurde trotz der kurz vorher ungünstigen Witterung von einer außerordentlich zahlreichen Menschenmasse mit freudigen Vivats begrüßt und fuhr vom Landungsplatze in einer sechsspännigen Hofequipage in die Stadt, wo Höchstderselbe im Hotel seines Gesandte» und bevoll­ mächtigten Ministers, Gencrallieutenants Freiherrn von Canitz, abstieg. Des andern Tages überraschten ^>eine Majestät der Kaiser den hohen Gast durch einen Besuch von Schönbrunn aus; bald darauf fuhr auch der König nach diesem kaiserlichen Lust­ schloße, um Ihren Majestäten, dem Kaiser und der Kaiserin, Ihrer Majestät, der Kaiserin Mutter und den übrigen hier anwesenden Mitgliedern der kaiserlichen Fomilie^seinen Besuch abzustatten und speiste dann an der kaiserlichen Fcumlientafel. Am 13. August erschien Seine Majestät Friedrich Wilhelm imHofburgtheatcr in der Hofloge und wurde mit lautem Jubel empfangen. Anwe­ send waren noch das allverehrte Herrscherpaar, Ihre Majestät die Kaiserin Mutter, nebst mehreren durchlauchtigsten Erzherzogen. Tags darauf fand auf dem Schloßtheater zu Schönbrunn eine theatralische Vorstellung Statt, welche der gesammte gegenwärtig anwesende allerhöchste Hof und der hohe Gast mit Hdchstihrer Gegenwart beehrten. Es war dies der letzte Abend, welchen Seine Majestät der König von Preußen in Wiens Mauern zubrachte, indem Höchstderselbe am 15. August auf der Ferdinands-Nordbahn Wien nach einem Aufenthalte von drei Tagen verließ. (Die größte Dampfmaschine) in der Welt befindet sich gegenwärtig in Belgien, und ist von mehreren Kohlenwerksbesitzern aufgestellt worden. Sie pumpt Wasser aus der Erde und zwar mit einer Kraft von 900 Pferden. Mi t jeder Bewegung schüttet sie 500 Kannen Wasser aus, und dieses Wasser bildet formlich einen kleinen Fluß. Auch hat sich wirklich sogleich ein Müller gefunden, der diesen künstlichen Fluß miethete und eine kleine Mühle an demselben erbaute. (Schlangen — ein Toilettenstück.) Die Damen Flo­rida'« und Neuspaniens tragen die ungefähr zwei Fuß lange und fingerdicke Carmoisin-Schlange als Halsband oder Haarschmuck, und die Schooß- oder Jungfern-Schlange wird von den Indiane­rinen zur Kühlung in den Busen gesteckt. — Unsere Damen wür­den um keinen Preis Schlangen in ihrer Toilette dulden, dagegen beherbergen sie dieselben nur zu oft in ihrem — Herzen. (Originell kurze Konversation.) Der »Wanderer« erzählt: Als König Friedrich Wilhelm IN. in Carlsbad eines Morgens einen Ungarn traf, der, behaglich vor dem Badehause auf der Bank sitzend, seine Pfeife rauchte, redete er ihn in seiner ihm eigentümlichen kurzen Weise an: »Wer sein?« — »»Ungar!«« — »Mich kennen?« — »»Nein! —Polizei?«« — »Nein, König!« — »»Gratulire!«« (Zwölf Negerprinzen) sind in Havre angekommen und reisen nach Paris, um dort ein Gymnasium zu besuchen. Sie sind vom Senegal. Literarische Post. Im Veiloge des Jos, Stöckholzer von Hirschfeld in Wien erscheint s« eben die zweite Auflage der »Lebensvlattcr,« von Dr. Ernst Freiherrn n. Feuchtersleben. Auch Emanuel Straube's »Krüppel von Verona« wird in eben diesem Verlage demnächst in der zweiten Auflage erscheinen. Neu weiden in Kürze »us eben dieser Officin hervorgehen: »Die Sendung des Rabbi«, ein interessanter historischer Roman uon Eduard Breier, und der dritte und «ierte Theil der Novellen uon Marie v. Thurnberg. Die Bibliothek des verstorbenen Charles Nodier zu Paris, obwohl nicht von großem Umfange, hat doch bei ihrer letzthin Statt gefundenen Ver­steigerung nicht weniger als 68,nn<> Franks eingebracht. Allerdings hat dazu nicht weniger die außerordentliche Beliebtheit Nodier's, von dem Jeder gern ein literarisches Andenken besitzen wollte, als der große bibliographische Werth der Bücher beigetragen, denn jeder Band, den Nodier in seine Bibliothek aufnahm, war ein Juwel. Von Ign» , Zwanziger ist bei Kaulfuß'sWitwe, PrandeletComp, 'in Wie» so eben erschienen: »Handbuch der Schmetterlingslnnde« mit Ab­ bildungen. Das Buch wird im »Wanderer« allen Freunde« der Lepidop, terologie, so wie Aeltern und Erziehern als ein sehr faßliches und gründliches Werkchen dieses Zweiges der Naturwissenschaft empfohlen. Als neueste Journalisti k verdient bemerkt zu werden, daß in Cöln ein Tabakhandler auf den industriösen Einfall gcrathe« ist, wöchentlich einen Bogen mit Stadtneuigkeitcn, Anekdoten, Klatschgeschichten, Gedichten und Rathscln drucken zu lassen, in den nun die Cigarren beim Verkaufe einge­ wickelt und so den Kunden hinausgegeben werde». Das heißt doch die Lite­ ratur »» Mann bringen! — Der Dichtergreis Heinrich Zschokke verbringt Heuer die Sommersaison in Kissingen. Als er zum ersten Male an der Mittagstafel erschien, fand er seinen Platz am Tische mit einem Lorbeerkränze belegt und alle Tafelgäste erhoben sich, den ehrwürdigen, greisen Schriftsteller zu begrüßen. I n der Bibliothek des verstorbenen Herzogs uon Sussex befanden sich nicht weniger als 2551 Bibeln. Unser so bekannter als ausgezeichneter und allgemein beliebter slavischcr Dichter Dr. Preshirn gedenkt in Kürze seine gehaltreichen slavischen Poesien in einer Ges»mmtausg»be hierorts herauszugeben, Wir tonnen Freunde wahrer slauischer Dichtkunst auf diese literarische Erscheinung nicht genug aufmerksam machen, die wir seiner Zeit umfassend würdigen werden. Theatralische Nevue. Staudigl , der erste deutsche Sänger, schlug bedeutende und uortheilhafte Engagementsanträgc uon Seite der Operndirektionen zu London und Pari« aus. Herr Pokurny übernimmt die Leitung der deutschen Oper in Wien. Ein Mann, wie Staudigl wird ihm unentbehrlich sein, daher sich denn auch der langgenährte, oft ausgesprochene Wunsch des herrlichen Sängers, Ober­ regisscur der Oper zu werden, endlich realisiren dürfte. Nur dann ist der Oper ein stets günstiges Horoskop zu stellen. Direktor ». Holbein war in Deutschland, um neue Künstler der Muster, bühneeinzuverleiben. Döring, Rott, Baison, Dessoir, Emil Deurient, die Stubenrauch, Peroni, Bayer, Wassowicz und Frei bezeichnet man als Zierden der deutschen Bühne. Wahrlich, eine starke Auswahl. Welches Provinzthcatcr Oesterreich's ist das beste und in seinen Leistungen der Kunst entsprechendste? - Pesth sollte es sein, Pra g ist es. Pra g hat auch nach Wie » die gebildetsten Theaterfreunde, die gehaltvollsten Theater, kritikcr. Bernhard Gutt's kritische Urthcile in der »Bohcmia« würden jedes Residenzblalt zieren. Dlle.Tuczek »us Berlin und Dlle. Großer «us Prag gassiren gegenwärtig im Operntheater nächst dem Kärntnerthorc. Eine der beiden dürfte wohl zum Ersatz der ausgezeichneten Mad. Lutzer-Dingelstedt bestimmt werden, die ihr Gemahl, der königlich württembergische Hofroth, nach abgelaufenem Co«­trakt gewiß nach Stuttgart führen wird. Ein niedliches Organ, bedeutende Trillerfertigkcit unterstützen die Erste«, während für die Zweite geläuterter Vortrag und Methode sprechen. Vergessen machen wird wohl keine die un« uergleichliche Jenny ! — Der beliebte Bühnendichter Friedrich Kaiser in Wien hat eine neue Posse geschrieben. Sie heißt: »Stadt und Land« und gefällt in jeder Wieder­holung^mchr. Am l«, August wurde diese Posse in der Leopoldstadt zum ersten Male aufgeführt. Alle Journale Wien's urthcile« sehr günstig darüber. Dem Direktor des k. k. Hofthcaters nächst der Burg, Herrn v. Holbein, wurden während seiner Anwesenheit in München, nach Meldung des dortigen »Tagblattes,« von den dortigen Bühnendichtern für die kommende Saison 4? Trauerspiele, 29 Dramen und 66 Lustspiele theil« überreicht, theils zur Ein­sendung versprochen. Die Einführung von Tantiemen hat der Wiener Bühne, wie Holbei » selbst versichert, bereits ?NN Manuskripte zugebracht; die Wiener Bühne hat dabei nichts verloren und es läßt sich mit Grund »er» mulhen, daß dem Beispiele Wien's und Berlin'« auch andere Hofbühnen folgen werden. I n Mexico hat man eine eigene Art , die Begeisterung für ausgezeichnete Schauspieler oder Sänger »n den Tag zu legen. Die ihnen dort wie hier gespendeten Lorbeerkränze werden nämlich dicht mit Nm»« , einer Goldmünze von ungefähr 36 fi. Werth, besetzt und öffentlich »uf der Bühne überreicht, ohne daß Jemand etwas Anstößiges in dieser Huldigung fände. Ob siesich bei uns diese Huldigung ebenfalls gefallen lassen würden? — Man hat allen Grnnd, es zu vermuthen. — Auslesung der Prachtmandel in Nr. 67. Schattenspiel. Laibach. Druck und Verlag des Josef Blasnik.