^ ».__ ^»MO.^ Donnerstag den I. Jänner. Die Neujahrs - Stunde. c^n tiefer Mitternacht geboren, Erwacht die erste deiner Höre«. Sich uns zu nah'n, du neueS Jahr. Und wie fie schüchtern kommt gegangen, Wird als Gespielinn sie empfangen, Von Geistern und der Träume Schaar. Die lassen sie die stillen Auen Und all' die Schläfer überschauen, Für die sie bringt den Neujahrstag. .Das ist der Mensch, der so im Wachen, »Wie auch im Traume weinen, lachen, »Sich lieben und sich hassen mag!" WaS bringst du ihm? — L.iß uns eö wissen!" Sie aber beugt slch zu dem Kissen Des Fülsten wie des Bettlers hin: »Q ihr, zu Lust und Schmerz Elüohrne, .Erwacht! vernehmt die Erstgeborne! .Hört mi^! ich bin die Warncrinn' « ,D«r Schwestern kommen viele Tausend »Mir hastig nach, und treiben sausend »Einander rastlos vor sich her. »Nur weu'gc sind von Glanz umssossen, ,Die meisten ernst und abgeschlossen, »Und viele nahen bang und schwer!- ».Wacht! daß euch keine überfalle ! " So ruft sie! — Doch sie schlafen alle, Nni wcn'ge hören, was sie spricht. Wie Heuc und Gestern sich verschlingen, Und was die künft'gcn Stunden bringen, Des Menschen Vrust erfaßt e5 nicht. ""° nn,ß ich scheiden und verstummen?" Sprich^ sie: „Die Glocke hor' >ch summen, „Dle Schwester naht. nnd drangt mich fort; .Nichts hab' ich als den ersten Segen, .Den will ich auf das Haupt euch legen. ,.(5in festcrHelm, ein sta^er Hort' « — Und sle entflicht! - Das Wort der Frommen, Das ihr im Traume nur vernommen, D.m Dichter ward es offenbar; Drum läßt er's aus den Saiten hallen, Und froh verkündet er euch Allen Den Segen für d^s neue Jahr' Die P e r r ü , ------— Vlomeo mit einem Vein. Buckelige, schiefe, einäugige Schauspieler hat wohl Jeder gesehen, und darunter auch Leute, die durch , ihr Talent die Mängel ihres Körpers vergessen licßcn. Ein Schauspieler mit einem Bein dagegen wird noch weniger vorgekommen seyn. Zur Zeit, da Garrick Londons Bühnenfivunoe zur Bewunderung hinriß, verließ in Schottland cin Hochländer, Namens Mac-Gregor, die heimischen Halden, um sein Glück aufdcm Thcatcr zu versuchen. Mit außerordentlicher körperlicher Schönheit ausgestattet, brachte Mac-Gregor in 3 allen Rollen, besonders abcr in dcr des Romeo, große Wirkung hervor. Viele Frauen li'bten ihn insgeheim, Mac-Gregor aber liebte nur Sine, das war Edith, die ihm jedoch aus Furcht vor der Unbeständigkeit sei-ner Liebe ihre Hand verweigerte. Mac-Gregor spielte in Glasgow; in einer Nacht bricht neben seiner Woh-nung Feuer aus; er stürzt sich in dic Flamme, und rettet ein Kind. Unglücklicher Weise ist der Schauspieler gm Schenkel verwundet. Man ist gezwungen, ihn zu amputircn, und Romeo ist genöthigt, einen Hölzer-nenFuß zu schleppen. Einige Zeit nach diesem unglücklichen Vorfall wird das Theater wieder eröffnet, und man spielte Anfangs einige Stücke, in denen Mac-Gregor keine Rolle hatte. Der Saal war beinahe leer, und die zerstreuten Zuschauer schienen zur Wiedcrcrrc-gung die Erscheinung ihres Licblingsschauspiclers zu erwarten. Aber das schottische Genie, das in Glasgow Shakspeare's Stücke einheimisch gemacht hatte, fehlte; Nomco, Hamlet, Richard waren nicht mehr da. Man berief neue Schauspieler; man machte Versuche, aber kein Bewerber um Mac.Gregors Erbe konnte reussiren ; cr allein verstand es, die Gestalten des Dichters wieder zugeben. Eines.Abends, während einer dieser leeren Vorstellungen, horte das Publikum, Mac-Gregor habe seine Gesundheit völlig wieder erlangt, und sey verstümmelt, wie ein alcer Soldat, gekommen, um seine Kameraden mic dem hölzernen Beine zu besuchen. Das erregte allgemeine Freude; nnwillkührlich rief man von allen Seiten : »Mac-Gregor! Mac-'Gregor! Wir wellen Mac-Gregor schen!" Das Theater stellte in diesem Augenblick den tragischen Saalvor, woBanco's Geist Macbeth in Schrecken versetzt; die Thüre im Hintergründe öffnete sich, und Mac-Gregor trat unter dem Jubel des ganzen Saales vor; es war immer noch dasselbe geistreiche, schwermüthige Gesicht, diese stolze Stirne, dieser sanfte Blick, mit derselben Anmuth in den Bewegungen, demselben Adel in Gang lind Halcung; mit dcm den Menschen, die sich dcr Menge zu bemächtigen wissen, natürlichen Instinctc, hatte sich der begabte Schauspieler von dcm Kinde be-üleuen lassen, das ihm das Leben verdankte, und auf dessen Schultern er sich nun leicht stützte. Man schrie ^r Freude, man stampfte auf dem Boden und erzählte Nch was man schon wußte__den Heldenmuth die? fts Mannes bei dem unglücklichen Brande. Mac-Gre-aor verbeugte sich tief, und Thränen stürzten aus seinen Augen. Da ricfeine Stimme: „Nomco! Romeo! Er soll den Romeo spielen." Und der ganze Saal rief: »Romeo! Romeo!" Der Schauspieler deutete aufsein hölzernes Bcm, und der scharfe 'Ausdruck seines Gefühles zeugte von seinem Schmerze und seiner Unfähigkeit. »Liegt nichts daran", rief man, »spielc den Nomeo in des Himmels Namen noch einmahl! Den Romeo! den Romeo!" Mac-Gregor war unentschlossen; er wagte weder seinen LandsleMen ihre Bitte zu verweigern, noch sich ihren Wünschen zu fügen; aber der Vorh.ing fiel, seine Genossen umstellten ihn, und ihre Bitten bestimmten ihn endlich. »Er wird spielen! Mac-Gregor wird den Romeo spielen!" das ging wie ein Lauffeuer durch die Zuschauer, und schnell verbreitete sich die Nachricht in der Stadt. Eine Viertelstunde später war dcr Saal gefüllt. Der verstümmelte Schauspieler gab den Romeo, und die Einwohner von Glasgow zeigten sich so begierig, den Hochländer Mac-Gregor zu sehen und zu hören, dasi diese Vorstellung nicht die einzige war. Der berühmte Lord Ehesterfielo war auf einer Reise, die er in Schottland machte, Zeuge dieser Thatsache. Bei seiner Rückkehr erzählte er Gar-rick, was er gesehen hatte. »Und man duldet diesen Krummbeinigen?" fragte der große Mime. — »Er reißt zur Bewunderung hin; und zwar in einem solchen Grade, daß ich Euch mit allen Eurem Talent und Euren zwei Beinen nicht rathen kann, Euch dcr Vcr« gleichung auszusetzen." Garrick reist spornstreichs nach Schottland ab; er will dieses Phänomen sehen. Er kommr in Glasgow an, cilt nach dcm Theater, und fragt nach Mac-Gregor. »Old-Street", antwortete ihm lakonisch dcr Portier. In Old-Street traf Garrick Mac-Grcgor zu Hause. Der Engländer war betrof» fcn von der Schönheit und dem majestätischen Anblick seines schottischen Kameraden. »O.Master Mac-Gregor, wann spielen Sie den Romeo? Ich komme von London, um Sie zu sehen, ich bin Garrick.« __ „Nie mehr, Herr Garriek; hier ist ein Kind, dessen Vater ich nun bin, und eine Frau, meine Ediil», die mich nie lieben wollte, so lange ich zwci Beine hatte, dic mich adcr jetzt anbetet, da ich nur eines habe. Ucbcrdicsi würden Sie mich schlecht finden; ich könnte auf Sie nicht genug Illusion hervorbringen, um meine Krücke vergessen zu machen. Ich bin nur ein unvollständiger, verstümmelter Mensch. Man klatschn mir Beifall, weil man mich liebte.« — »Sie täuschen sich, mein H>rr,« cntgcgnetc Garrick. »Sie haben cine eben so lebhafte Illusion auf Lord Ehester--ficld hervorgebracht, als auf Ihre Landsleute. Lord Ehesterfield, der schärfste Geist, der Mann vom feinsten Geschmack von ganz England. Uebrigens spielt man Tragödie nicht mit den Beinen.« — »Herr Garrick,« antwortete Mac-Gregor mit dem gesunden Verstande, der die Hochländer bezeichnet, »man muß weder Gott noch die Menschen versuchen, das Unmögliche geschieht nicht zweimal. Die Zeit entflieht; das Andenken an dic Fcuersbrunst verwischt sich; die Begeisterung, dic ich erregte, wird lahm; ein neuer Schauspieler spricht an; meine sonderbare Lage hat den Reiz dcr Neuheit verloren, und mir bleibt mein hölzernes 4 Bein. Ich will es nicht wagen, einen Nuf zu verlieren, der nur abnehmen kann. Sie werden mich nicht spielen sehen, Herr Garrick, aber ich bitte Sie, speisen Sie bei mir, und erhallen Sie sich stets Ihre zwei Beine.« Feuilleton. (SonderbarcAu sleg un g.) »Ich wünschte, sagte einer zu seinem Freunde, das; mich Gott vor dreierlei bewahren möge; erstens vor starkem Getränke, zweitens vor kostbaren Speisen, und drittens vor einem großen Glücke." Einer seiner Freunde lachte darüber und sagte: »Das sind ja drei Dinge, die sonst jedcrAndere zu haben begierig ist." »Es kömmt auf eine Auslegung an, versetzte jener. Unter starken Getränke verstehe ich das Wasser, das oft Häuser imd Bäume niederreißt, und worin man folglich ersaufen kann; unter den kostbaren Speisen die Arzneien, und unter einem grosicn Glücke den Umstand, das; einer vom Dache fällt, und den Hals nicht bricht, denn da sagt man: Das war ein großes Glück'. Dieses nun verbitte ich mir Alles.« (Lakonische Kürze.) Wenn die Kürze die Seele des Witzes ist, was sollen wir dann von einem Briefwechsel denken, wobei zwei Briefe nur zwei Zeichen enthielten? Der erste hatte nichts als ein Fragzeichen, das bedeutet: was gibt es Neues? In der Antwort befand sich eine Null — nichts. Das war gut; noch besser machte es aber ein Krämer in Edinburg, der an seinem Laden ein Täfvlchcn mit zwei großen T. aushing, wovon eins schwarz und das andere grün war. Damit wollte er anzeigen, daß er schwarzen und grünen Thee zu verkaufen habe. (Gute Art, Wechsel zu honoriren.) Vor einiger Zeit kam ein Düsseldorfer Kaufmann zu einem Negensburglr Geschäftsmann, der ihm Wechsel von 3000 Fr. zu honoriren hat; der Kaufmann zeigte die Wechsel vor, abev auf einmahl reißt sie ihm der Schuldner aus der Hand, zerreißt und verschluckt sie. Der Kaufmann ruft um Hilfe, es entsteht eine Schlägerei, der Polizeicommissär eilt herbei. Die Sache soll vor Gericht kommen, und der Kaufmann soll nachweisen können, daß er die Wechsel mitgebracht habe, um sie einzucaffiren. (Der Automat des Mareppe,) In der „Äscana LciÄnca sncl art lor 1838" berichtet >in Herr M. Bruyere über den automatischen Geiger von Mareppe, der vor dem königl. Conservatorium in Paris gespielt hat, folgendermaßen. Die Leistungen dieses Automaten gränzen ans Unglaubliche; er spielte bei vollem Orchester mit einer ausgezeichneten Präcision; er begann mtt einem kunstvollen Präludium, führte dann eine brillante Phantasie in I5-6ur mit einem »ilL^ro molto auf der vierten Saite allein, durch, — es war unbeschreiblich! — DcrTon glich irgend etwas, nur keinem Geigentone (!). Mir wars, als würdeich von meinem Sitze empor gehoben, ich mußte weinen, wie viele Zuhörer um mich her. Da ging er plötzlich,n eine daclenxÄ über mit Doppclgriffen, 2siieggio5 auf 4 Saiten, 8a1lo8 K la Paganini. Er schloß mit l^ncla pro5l,!55lmo. Die Execution war magisch; ich habe die größten italienischen Künstler, den größeren Norweger, die vorzüglichste Musik überhaupt gehört, nie aber Töne wie diese! — Die Figur begann pianiääimn, verstärkte ihr Spiel bis zum sortiözimo, und ließ den Ton wieder sterbend verschwinden. Der Vcrftrtiger, selbst kein gewöhnlicher Violinspicler, zeigte hierauf den inneren Mechanismus des Automaten, der größtentheils aus kleinen Kurbeln bestand, durch die der Dirigent die Maschine in Thätigkeit setzte, und so in seiner Gewalt hatte, daß Herr Marepp? versicherte, der Automat solle in 14 Tagen jedes beliebige Musikstück spielen ; er zeigte, daß die Figur bis zu einem gewissen Grade auch ohne Hülfe spiele, und nachdem er sie aufgezogen, crecutirte sie mehrere brillante Variationen. Aber das Außerordentlichste dieses Kunstwerkes ist die Weise, in welcher der Automat dcr Leitung des Dirigenten folgt — als wenn er mit halder Vernunft begabt wäre. N ä t h s e l. Waö ist eS, das den Geist erhellt, Und schärfet feinen.Vlick, DaS manches Leben doch vilgällt, Und trübet manch Geschick, Was ist es, das daS arme Herz Um scine Ruhe bringt. Und seinen alten Neim. den Schmerz, Ihm oft mit Macht aufdringt"? Auf beiden Achseln Wasser trägt DaS ungestüme Ding; Und wer eö nicht darnieder schlägt. Deß Hussinlng ist gering. Verlier: Hgnaj Äl. Vvler v. Kleinmayr.