Macher TliMatt. Administration und Expedition: Herrengasse Nr. 7. Nr. 169. Dienstag. 27. Juli 1880. —Morgen: Celsus u. Vict. 13. Jahrg. Mit der Post: Kanzjähr. st. 18. zeigen bis b Zeilen SV kr.____________ Irrserliou-preise: Sm- Deutsch - Krainer. Ist der Deutsche, beziehungsweise der Deutsch-Oesterreicher, in Krain wirklich ein Fremdling, wie man ihn von Seite unserer national-clericalen Hetzapostel so gerne hinzustellen bemüht ist? Wir können diese Frage nicht besser beantworten, als durch den Hinweis auf die Gründe, welche das Reichsgericht seiner Entscheidung über die Schulfrage von Brody zugrunde legte. Bekanntlich hatte man von Seite der Polen der weitaus überwiegenden deutschen Bevölkerung von Brody das Recht abgesprochen, sich als Deutsche zu fühlen. Den Beweis dafür war man schuldig geblieben, außerdem geht man von dem Grundsätze aus, dass der Israelit kein Recht hat, sich zu einer anderen Nationalität zu bekennen, als eS eben der augenblicklich am Ruder befindlichen nationalen Partei beliebt. Die Entscheidung unseres höchsten und, sagen wir es nur, unseres trotz seiner kurzen Thätigkeit viel bewährten obersten Gerichtes in politischen Angelegenheiten hat nun diese Frage in kürzester und treffendster Form dahin erledigt, dass die Zugehörigkeit zu einer Nation keinem Machtspruche unterliegt, sondern nur einzig und allein von der freien Entscheidung des betreffenden Individuums abhängt. Man hat nicht zu fragen, wessen Stammes man sei, sondern bloß zu erklären, wessen Geistes Kind man sei. So wenigstens muss jeder Einsichtsvolle den durchwegs richtigen Standpunkt der Nationalitätenfrage auffassen, und in diesem Geiste hat sich auch das Reichsgericht zugunsten der deutschen Schule in Brody ausgesprochen. Die Brodyer Schulfrage ist nun allerdings nicht mehr auf der Tagesordnung. Sie ist als concreter Fall bereits abgethan, und cs würde uns gewiss auch nicht in den Sinn gekommen sein, aus diesen von uns wiederholt beleuchteten Fall nochmals speciell zurückzukommen, wenn nicht das in den letzten Tagen mit besonderer Energie neuerdings losgelegte nationale Pelotonfeuer gegen die „Nemskutarji" uns die Frage nahe legen würde, wie sich denn dieser Lärm mit jener durchwegs begründeten Anschauung verträgt, welche eben den Forderungen zugunsten der deutschen Schule in Brody zu so eclatantem Siege verhals. So lange es bei uns in Krain noch keine Pervaken gab, fiel es niemandem ein, bei uns zulande über Nationalitäten zu hadern. Man war eben ein „Krai-ner", man erfüllte seine Schuldigkeit gegen den Staat und hielt es keinem Mitbürger für übel, wenn sich derselbe bei seinem Verkehre etwa einer anderen Sprache bediente als jener, die man selbst mit Vorliebe sprach. Heute ist, Dank der Agitation einer in ihren Zielen ganz unberechenbaren panslavistischen Bewegung, welche ihre Wellen auch über unsere Landesgrenzen trieb, das Wort „Krainer" fast in Verruf gekommen. Die na-tional-clericale Partei kennt gar keine Krainer mehr; sie hat sie insgesammt zu Slovenen umgetauft und beehrt jene, welche sich diese Bezeichnung nicht octroyieren lassen wollen, kurzweg mit den Spottnamen „Nemskutarji — Deutschthümler." Dass man aber mit solcher Benennung niemandem einen Schimpf zufügen kann, scheint man ganz zu übersehen. Denn wenn schon einmal der Schatz einer in gemeinsamer Sprache niedergelegten Geistesarbeit das vereinigende Moment im Leben einer Nation bildet, dann ist jedenfalls der „Deutschthümler", welcher die Schätze der deutschen Literatur als sein geistiges Miteigenthum betrachtet, weit besser daran, als jene national-clericalen Phrasendrescher, welche aus der Schreibweise des „Narod" die klassischen Belege für eine slovenische Schriftsprache Herausquetschen möchten. Was wir aber deshalb um so weniger billigen können, ist die eigenthümliche Passivität, vermöge welcher unsere deutsch redenden und in deutscher Bildung herangewachsenen Landsleute sich nicht dazu entschließen können, den ihnen vermeintlicherweise als Schimpfnamen beigelegten Namen der „Deutschthümler" zu einem Ehrennamen zu erheben. Bettler (Zsux) hatte ein französischer Edelmann im Gefolge der Generalstatthalterin von Spanien die um die Achtung ihrer alten Rechte petitionierenden niederländischen Standesherren genannt. Das hinderte aber doch nicht, dass unter dem Ehrennamen der Geusen die wackeren Niederländer das stolze Spanien zur Erkenntnis brachten, dass der Muth einer kleinen Schar mehr vermag, als das stolze Selbstbewusstsein eines auf die Masse pochenden Zwingherrn. Sollten nicht die auf dem Boden der deutschen Bildung stehenden Krainer dem erwähnten Beispiel folgen? Warum soll man denn nicht sagen können, dass man ein Angehöriger der deutschen Nation, wenn auch nicht von Abstammung von Urahns Zeiten her, so doch vermöge seines geistigen Entwicklungsganges geworden ist? Wo liegt denn da ein Widerspruch, nachdem doch der höchste Gerichtshof in derlei Fragen sich dahin aussprach, dass die Nationalität nicht mehr Frage der ethnographischen Ableitung, sondern vielmehr eine Sache der freien Entscheidung des einzelnen Individuums sein müsse? Wir behalten uns vor, diese Angelegenheit demnächst eingehender zu besprechen. Davon aber sind wir schon heute überzeugt, dass der Name der „Deutsch-Kramer" sür den Fall einer entschiedenen nationalen Einigung aller von der Slovenisierungsseuche im Besitze ihrer auf höhere Ziele, als auf die Erhaltung einer national angestrichenen Pfaffenherrschaft hinausstrebenden Mitbürger sehr bald einen ähnlichen ehrenvollen Namen in der Geschichte des österreichischen Verfassungslebens einnehmen wird, wie jener der Deutschböhmen. Feuilleton. In letzter Stunde. Criminalnovelle von M. von Roskowska (Fortsetzung.) Eine Pause tritt ein — eine lange Pause, in welcher Carola ihr Herz schlagen hört, doch keines Wortes mächtig, keines klaren Gedankens fähig ist, während er nach Fassung ringt. „Verzeih', dass ich dich und in so ungehöriger Weise überraschte," beginnt er endlich. „Ich habe mich so lange und oft mit übermenschlicher Anstrengung beherrscht und wollte es auch noch einige Zeit hindurch; ich wollte es schon aus Schonung für dein schwesterliches Gefühl." Das nennt er Schonung ihres schwesterlichen i! „Deine Triumphe erfreuten mich — ich gönnte sie dir; denn ich wusste, dass, wenn die Huldigung eine ernste Wendung nahm, du sie kalt ablehnen würdest." Sie erblasst. „Daraus schöpfte ich die Hoffnung, ich sei dir nicht ganz gleichgiltig und dürfe eS getrost ab-warten —" Ihre gebieterische Handbewegnng nach der Thüre weist ihn hinaus. Er beachtet diese Aufforderung nicht — fährt leidenschaftlich fort: „Bist du, der Mädchenspiele-reien müde, den Platz der Herrin nicht nur in mei-uem Hause, sondern auch in meinem Herzen, an meinem Herzen —" „Kein Wort weiter! Oder — oder —!" stößt sie hervor. „Nein, Carola, jetzt sollst, jetzt mußt du mich hören!" Sie will nach der Thüre; er umfasst jedoch ihren Arm und drückt ihn so fest, dass sie laut auf-schreien möchte vor Entrüstung über solch rohe Gewalt. — § Und er ist nun ja todt. Seltsam nur, dass sie noch immer seinen heißen Blick zu fühlen wähnt und mit ihm verkehrt, wie mit einem Lebenden. Es erfüllt sie jetzt indess mit großer Genugthuung, dass er nicht mehr unter den Lebende» weilt. „Er oder ich!" schwirrt es durch ihren Sinn. Anders konnte es nun eben nicht mehr sein; gut nur, dass es — vorüber ist." Trotz dieser Befriedigung schlägt ihr Herz, als wolle eS zerspringen. „Keine Thorheit, Carola! Ich werde mir nicht das Leben nehmen um ein Körbchen, daS ich mit deinen anderen Bewerbern theile. Sein Ton ver-räth die kaum niederzuhaltende Erregung seines Innern. „Nicht etwa aus Kaltsinn, sondern weil ich warten kann, bis du dich besinnst. Aber das sage ich dir, willst du etwa diesen Lasten, dem ich morgen kündige, der die Schwelle unserer Wohnung nicht mehr betritt —" Helles Roth überflutet ihr eben noch so blasser Gesicht. „Ha!" lodert er wild auf. „Carola, ek ist also wahr? Dann hüte dich! Du weißt nicht, wessen ich fähig bin." Geringschätzend zuckte sie die Achseln und wirst den Kopf in den Nacken zurück. Furcht ist ihr überhaupt sremd. Und nun vollends vor ihm, der sie tödtlich beleidigte, den sie tief verachtet! Ihr Mienenspiel dient nicht dazu, ihn zu beschwichtigen. „Was mich vorhin so außer mir brachte, war eben die Anmaßung dieses Menschen und — dass du sie leider erzeugt oder doch genährt hast. Achtest du selber dich nicht zu hoch, um dich so sortzu» werfen?" „Herr — Bergemeister!" „Du leugnest also, dass du mit Burchhard —* Ein neues Experiment des Grafen Taaffe? Unsere innere Politik ist seit dem Schlüsse der Landtage ganz und gar ins Stocken gerathen. Selbst die vielfach angekündigten Berichterstattungen der Reichsraths- und Landtagsabgeordneten an ihre Wähler scheinen wegen der drückenden Hitze vorläufig Wert worden zu sein. Kein Wunder, wenn hie und da ein Blatt dennoch bestrebt ist, selbst in der saueren Gnrkenzeit seinen Lesern sensationelle Nachrichten von großer politischer Tragweite zu eröffnen. So lässt sich die „Politik" in einem Wiener Briefe die Mittheilung machen, dass Graf Taaffe in der nächsten Reichsrathssaison eine Gesetzvorlage zur Durchführung deS Paragraphen 19 des Staatsgrundgesetzes einzubringen beabsichtiget, um dem Sprachenkrieg auf allen Gebieten ein Ende zu machen und grundsätzliche Bestimmungen üder den Begriff und Umfang der Staatssprache zu fixieren. Ob die czechische oder slovenische Sprache zur Staatssprache erhoben werden soll, weiß der Wiener Correspondent vorläufig noch nicht zu melden. Wir würden uns gewiss höchlichst freuen, wenn es dem großen Versöhnungsgrafen gelänge, die unaufhörlichen Streitigkeiten über den ß 19 in Bälde zu beseitigen, glauben jedoch, dass nach den bisherigen Prämissen die Entscheidung üder diesen so wichtigen Paragraphen nicht in einer Weise gelöst werden würde, die die Mehrzahl der Bevölkerung Cislnthaniens befriedigen möchte. Hat Gras Taaffe im Ernste die Absicht, auch auf diesem Gebiete klares Licht zu schaffen, so können wir ihm wohl keinen besseren Rath ertheilen, als den Wur rubra nd'schen Antrag auf Erhebung der deutschen Sprache zur Staatssprache als Regierungsvorlage im Reichsrathe einzubringen. Die Eoali-tionsidee würde durch Einbringung dieses Antrages kaum um ein Jota verrückt werden, ja sie würde dadurch, vielleicht zum erstenmale, erst zum Ausbruche gelangen. Allein da fällt eS uns ein, dass eS die gegenwärtige Regierung gewesen, die am Schlüsse der letzten Reichsrathssaison zu einem wirklich parlamentarisch unwürdigen Mittel gegriffen, um sogar die Begründung des Wurm-drand'schen Antrages zu Hintertreiben. Diese Regierung, die die famosen böhmischen Sprachenzwangsartikel ins Leben gerufen, die die Zustände in Krain auf eine Stufe gebracht, wie sie bisher trister noch nie bestanden, wird wohl schwerlich die Sprachenzustände im polyglotten Oesterreich derartig systemisieren, dass den Deutschen, als den einzigen Trägern der Enltur und Eivilisation, ihr Recht nicht geschmälert werden würde. Graf Taaffe kann also ohne Zweifel schon jetzt darauf verzichten, seitens der verfassungstreuen Abgeordneten in dieser Frage Unterstützung zu erhalten, so sehr wir überzeugt sind, dass der Verfechter der Hohenwart'schen ^undamentalartikelpolitik in dem Wahne lebt, jede lippe beim Rudern des österreichischen Staatsschiffes zu umgehen, und möglicherweise die Klugheit und Schlaumeierei seines Systems für so hoch hält, dass dasselbe auch das Schießpulver und die Buchdruckerkunst zu erfinden imstande wäre, wenn nicht Berthold Schwarz n«d Gutenberg dies schon gethan hätten. __________________ Zur Flottendemonftration geht der „Wr. Allg. Ztg." von ihrem Specialcorrespondenten, Spiridion Gopceoic, folgender Eommentar zu: „Bevor noch die gemeinsame Flottendemonstration stattgefunden, gefallen sich unsere türkischen Organe darin, dieselbe ins Lächerliche zu ziehen. Auf welche Weise vermögen denn Schiffe zur montenegrinischen Occnpation des Bojana-gebietes beizutragen? Fragen sie höhnisch. Als Fachmann erlaube ich mir zu antworten: Mehr als man glaubt! Es handelt sich nur darum, die Sache richtig anzupacken. „Die Macht der Liga beläuft sich gegenwärtig auf höchstens 6000 Mann, von denen kanm 2000 im Bojanagebiet stehen. Ein Panzerschiff genügt, Dulcigno zur Uebergabe zu zwingen, denn dieses erhebt sich amphitheatralisch am Strande und bietet den Geschützen treffliche Ziele. Wenn nun die Mächte ein montenegrinisches Bataillon in Antivari einschiffen, kann selbes nach der Wegnahme Dulcignos gelandet werden. Es würde genügen, die Stadt zu besetzen. Außer diesem Panzerschiff bedarf es jedoch noch eines Dutzends leichter Fahrzeuge. Sechs Kanonenboote, welche höchstens fünf Fuß tauchen, hätten die Bojana hinauf zu fahren; zwei von ihnen müssten in den See einlausen und durch beständiges Kreuzen auf demselben jeden Zuzug verhindern. Die vier anderen hätten vom Ausfluss der Bojana (unweit Schiroka) auf derselben bis Oboti zu kreuzen und jede die Uebersahrt versuchende Londra (Boot) in den Grund zu bohren. Sechs anderen Kanonenbooten mit höchstens sechs Fuß Tiefgang würde dieselbe Aufgabe auf dem Unterlauf der Bojana, von Oboti bis zur Mündung, zufallcn. Diese sechs Kanonenboote könnte England beistellen, denn es besitzt in den zwölf Fahrzeugen der „Medina"-Classe (L drei 64pfünder, zwei Mi-trailleusen, 310 bis 415 Pferdekraft, 363 bis 386 Tonnen, 40 Mann, 9*/, bis 10 Knoten, 5 V, bis 6 Fuß Tiefgang) die hiezu geeigneten Schiffe. Zu den anderen sechs Fahrzeugen könnten Remorqueurs und kleine Dampfer von der Gattung des „Trinculo", „Asrican", „Wards", „Watse" oder größere Torpedoboote verwendet werden. Die einzige Brücke über die Bojana, jene bei Skutari, wäre entweder militärisch zu besetzen oder zur Hälfte abzutragen. Auf diese Weise wären die zweitausend im Bojanagebiet stehenden Albanesen isoliert und unfähig gemacht, der Montenegrinischen Occupationsarmee Widerstand zu leisten. Sobald diese das Bojanagebiet militärisch besetzt, könnte man die Demonstrationsfahrzeuge zurückziehen und es den Montenegrinern überlassen, ihren Besitz zu vertheidigen. Dies könnte ihnen nicht schwer fallen, denn erstens bildet die Bojana eine natürliche Grenze, welche nicht so leicht zu überschreiten ist, und dann kann die Liga ohnehin nicht daran denken, bei ihrer Schwäche noch offensiv vorzugehen. Die Hauptsache bei der ganzen Flottendemonstration ist und bleibt die Absperrung der Bojana, und dazu bedarf es keiner Panzerschiffe, sondern kleiner Dampfer von möglichst geringer Tauchung. vermischtes. — DerGesundheitszustaud desKai -sers. . Die „Wiener Abendpost" enthält folgendes auf den Gesundheitszustand des Kaisers bezügliches Dementi: Ein hiesiges Wochenblatt enthält über den Gesundheitszustand Sr. Majestät des Kaisers ganz willkürliche Angaben. Mit Rücksicht darauf, dass diese Notiz von den meisten Wiener Journalen reproduciert wurde, beeilen wir uns, zu konstatieren, dass die erwähnten Mittheilungen jeder Begründung entbehren. Eine Erkältung, die sich Se. Majestät, wie bereits gemeldet wurde, vor einiger Zeit zugezogen haben, ist seit längerem glücklich behoben, so dass Se. Majestät sich gegenwärtig des besten Wohlseins erfreuen. Es ist demnach selbstverständlich, dass alle aus jener Notiz gezogenen Folgerungen jedes Anhaltspunktes entbehren. — Brüsseler Musikconcurrenz. Bei der internationalen Musikconcurrenz hat die österreichische Musikkapelle des Regiments Ziemiecki unter der Leitung des Kapellmeisters Alfons Czibulka den ersten Preis davongetragen. Das Publicum brach in Jubel darüber aus. Die Capelle spielte die Braban-tzonne und dann die österreichische Volkshymne unter allgemeinem Enthusiasmus. Der Kapellmeister wurde von den belgischen Officieren beglückwünscht und freudig umarmt. Schließlich durchzog die Kapelle mit klingendem Spiele die Stadt. „Ich leugnen? Haha!" Kurz und schneidend lachte sie auf. „Warum — gegen wen? Habe niemandem Rechenschaft zu geben, zumal —" „Nicht? Oh! Ich werde dich lehren, dass ein Vormund es hindern kann, wenn eine verblendete Thörin sich an einen Lump fortwerfen will." Spöttisch hat sie sich tief verbeugt und sagt hohnlachend: „Allen Respect vor meinem Herrn Vormund, aber seine Sklavin bin ich nicht." Sodann fügt sie heftig hinzu: „Auch formell soll das Verhältnis gelöst werben. Wäre ich ein Mann, so forderte ich blutige Rechenschaft von Ihnen; in meiner Lage jedoch, wie sie ist, erkläre ich: Keinen Tag mehr lebe ich unter demselben Dache mit Ihnen. Morgen gehe ich —" Er zwingt sich zu einem Gelächter. „Zu ihm — natürlich. Muss ich meinem Fräulein Mündel bemerklich machen, dass einem Vormund auch kräftige Mittel, Gericht und Polizei, gegen eine Durchgängers zur Seile stehen? — Romantisch ist das allerdings nicht." Sie will kalt, eiskalt sein, und sie ist eiskalt, Wie erstarrt. Doch nur äußerlich. Ihr Herz hämmert gewaltsam, in ihren Ohren braust das Blut, so dass sie nichts weiter hört. Nichts hört? O doch, und zwar einen Namen, der sie mit unaussprechlichem Entsetzen erfüllt. Es ist ihr Name. Derselbe lautet indes nicht Carola, Wohl aber mit demselben leidenschaftlichen Klange, wie er ihn so oft wiederholte: „Lady Macbeth!" Man pocht draußen. Sie will aufschreien, bringt aber keinen Ton über ihre Lippen. Sie will fliehen, vermag es jedoch nicht, sie ist wie festgebannt. Und das Pochen wird immer stärker, dröhnt in ihren Ohren wie Hammerschlag. Was zimmert man denn da? Etwa für sie, für Lady Macbeth, Carola — ? Ein rother Schein legt sich gleich einem blutigen Schleier über ihre Augen. Ist das Lampenlicht oder Fackelschein, bei welchem das Schasfot? Von der furchtbaren Angst zu gewaltsamer Anstrengung getrieben, öffnet sie die Augen und rust ein herzinniges: „Gottlob, es war nur ein Traum!' Der Schimmer, der sie selbst durch die geschloffenen Lider blendete, ist der Wiederschein des Sonnenstrahls auf dem gegenüberstehenden, Hellen Hause. — Sie liegt halb angekleidet auf dem Bette, und das Rouleau ist nicht Heruntergelasien. Gleichzeitig nimmt sie wahr, dass das Klopfen, das sie eben so ängstigte, kein Tranmbild sei. Das Klopfen wurde wiederholt unter dem Zurufe, das Fräulein möchte gefälligst herunter kommen. In ihrem noch verworrenen Sinne dämmert allmählich die Erinnerung auf; nöthigt sie doch schon die fremde Männerstimme, sich zu besinnen. Sich erhebend, hat sie ein Gefühl, als verlasse sie zum erstenmale das Krankenlager, auf welchem sie bewusstlos mit dem Tode gerungen. DaS erklärte all' die grauenhaften Vorstellungen, die sie inzwischen gepeinigt, und auch die seltsame Unordnung in ihrem Zimmer. Ihre erste Bewegung hatte dem Klingelzuge gegolten; allein die Dienerin, die sonst auf den leisesten Ton der Glocke herbeistürzte, erschien nicht. Dass der Mann noch vor ihrer Thür stand, war ihr nicht entgangen. „Bitte, schicken Sie mir das Mädchen," befahl sie mit ihrer gewöhnlichen Ungeduld bei der klein' sten Verzögerung. „Geht nicht, Fräulein; kann ich nicht," war die hörbar von Verlegenheit zeugende Antwort. „Das heißt — ich habe —" In der Meinung, das Mädchen sei fortgeschickt, wartete sie nicht ab, bis er es stotternd herausgebracht, ihm sei befohlen, sie vorläufig m>k niemandem reden zu lassen, fragte vielmehr herb r — Unwetter. Aas Kärnten kommen neuerliche Berichte über das verheerende Unwetter, das dortzulande in der abgelausenen Woche geherrscht hat. So fielen in der Gegend von Prävali am 20. d. förmliche Eisklumpen mit sausendem Geräusche zu Boden, die sich im Auspralle platt schlugen. Man maß da Stücke mit 45 bis 60, ja sogar mit 63 Millimeter Durchmesser. In Liescha fand man Stücke von 70 bis 80 Millimetern Größe. Der Hagel deckte die Umgebung ein Decimcter hoch mit einer schneeweiße» Decke» nachdem man vor Ausbruch deS Gewitters fast 32 Grad Celsius im Nordschatten gezählt hatte. Im ganzen Mießthale find die Garten- uud Feldfrüchte total vernichtet, die geknickten Halme derart in das Erdreich gestampft, dass man sie nur mit Mühe herausziehen kann. Auf den Obstbäumen ist keine Frucht mehr zu sehen, zahllos die gebrochenen Zweige und Aeste. Ganze Scharen erschlagener Vögel lagen auf dem Boden; Fenster und Dächer der Gebäude haben vielfach gelitten. Von heftigen Gewittern heimgesucht wurde an diesen Tagen anch die Umgebung von St. Veit; in der Stadt selbst schlug der Blitz zweimal ein, glücklicherweise ohne weiteren Schaden anzurichten. Von dem Hagelwetter hatten insbesondere die Gemeinden Liemberg und Gradenegg viel zu leide», wo die Bauern über die Vernichtung der Heuer so günstigen Erntehoffnungen mit Recht schrecklich jammern. Auch aus dem Ober-Drauthale kommen schlimme Nachrichten. Die schweren Gewitter, die sich daselbst entluden, haben in Zwickenberg, Simmerlach, Oetting und Ober-Drauburg sämmt-liche Saaten vernichtet, da die Schlossen die Größe von Taubeneiern erreichten. Die Landleute dieser Gegend, die schon im Vorjahre über eine förmliche Missernte zu klagen hatten, leiden nun doppelt Unter dem verheerenden Wüthen der Elemente. — Der Onkel aus Amerika. Man schreibt aus Brünn unterm 23. Juli: „Victor Edler v. M. ist ein Abkömmling einer altadeligen polnischen Familie, dem jedoch zur Zeit, als er die Familie repräsentieren sollte, nicht viel mehr übrig geblieben war, als der Name. In Galizien zu Hause, verheiratet und Vater mehrerer Kinder, tonnte er daselbst weder seine Familie noch sich ernähren und kam auf Anrathen einer in Brünn lebenden Tante hieher, um in den Dienst der österreichischen Staatseisenbahn-Gesellschaft zu treten. Die Anstellung, die er da innehatte, mag wohl nur sehr schmale Bissen gestattet haben, denn er zog bald darauf nach Wien, um von dort elend und gebrochen wieder hieher zurückzukehren. Der bei der Staatsbahn von ihm innegehabte Posten war mittlerweile besetzt worden, und so blieb dem Manne, um mit seiner Familie nicht Hungers zu sterben, nichts anderes übrig, als — Dienstmann zu werden. So lebte er eine Zeitlang schlecht und recht „Wer wünscht meine Gegenwart?" „Der Herr Kreisrichter, — Kreisrichter Weidlingen." „Ach!" Alles, was ihr noch dunkel gewesen, trat vor ihre Seele mit den beiden Worten: Gericht und Polizei, die ihr Schwager gestern gebraucht Ihr Schwager! Vom Waschtische prallte sie förmlich zurück. Das Wasser in der Schüssel war blutig. Voller Grauen wendete sie die Augen vom Waschbecken ab und beendigte in fliegender Hast "vthdürstig ihren Anzug; mehr noch ihre furchtbare Erregung als die Gewohnheit, bedient zu werden, hinderte sie. Und ihr lag daran, den ihr fremden Mann nicht noch länger warten zu lassen. Ihre Zögerung mochte ihm gewiss schon aufgefallen sein. Die Uhr zeigte halb Vier; sie war stehen gerieben, jedoch nicht abgelaufen. Carola wusste °lso nicht, wie spät es schon sei, wohl aber aus °ern Stande der Sonne, dass cs nicht mehr früh «ein könne. (Fortsetzung folgt.) — wohl mehr schlecht als recht. Nun aber war schon im Jahre 1848 ein Bruder seiner Mutter nach Amerika ausgewandert und seither verschollen, bis gestern der Dienstmann Edler v. M. durch das Gericht die gewiss nicht unangenehme Nachricht erhielt, der Onkel in Amerika sei daselbst reich geworden und jüngst gestorben, nachdem ihm seine Gattin im Tode vorausgegangen war; seine» Neffen habe er zum Universalerben einzusetzen nicht vergessen. Noch weiß der Glückliche selbst nicht, wie hoch sein Vermögen nunmehr anzuschlagen ist, That-sache ist aber, dass Brünn einen fleißigen, braven Dienstmann verliert." — Die Reise der Kaiserin Eugenie. Aus Paris wird vom 24. d. geschrieben: „Vorgestern abends langte die Kaiserin Eugenie telegraphischer Meldung zufolge ,n Madeira an und setzte noch in derselben Nacht an Bord des „Trojan" ihre Fahrt nach Plymouth fort. Zwölf Tage zuvor war sie in St. Helena gelandet und von den Behörden der Insel empfangen worden. Die Garnison bildete, wie dem „Gaulois" berichtet wird, Spalier von Briars, der ersten Residenz Napoleons I., bis nach Longwood House und dem Grabe des Kaisers. In Longwosd House betete die Kaiserin in dem Zimmer, wo Napoleon I. verschied, und bezeigte ihre Genug» thuung darüber, dass das Haus mit so großer Pietät erhalten werde. Bei dem Besuche an der großen Grabstätte des Gefangenen von St. Helena schnitt die Kaiserin von der Trauerweide, welche das Grab beschattet, zwei Schößlinge ab, den einen für sich, den anderen für die Königin Victoria." Local- und Provinzial-Hngelegeuheiten. — (Die Laibacher Volksküche) veranstaltet aus Anlass des 50. Geburtsfestes Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef am 18- August l. I. ein Festessen, bei welchem vierhundert Arme unentgeltlich werden gespeist werden. Freiwillige Spenden zu diesem humanen und patriotischen Zwecke übernimmt Herr Stadtcassier Hengthaler. — (Eh reu - „ Na r o d. ") 'In seiner heutigen Nummer bringt das Organ der Herren Vosnjak und Genossen Fortsetzungen auf dem Gebiete der persönliche» Schmähungen und Denunciationen. Wir erachten es für vollkommen unwürdig, uus in weitere Analysen dieser nationalen Kothabla-gerungen einzulasfen, und sind überzeugt davon, dass keiner der Herren, die das unglückliche Opfer dieses nationalen Pamphletes geworden, sich in seiner Ehre gekränkt fühlt. Glaubt „Slovenski Narod" im Interesse seiner Anhänger zu handeln, wenn er das Rabulistenthum und die crafsesten Denunciationen auf den Cnlminationspunkt hinaufschraubt, so gratulieren wir ihm zu seinen Erfolgen, erklären aber, auch heute auf dem Standpunkte zu stehen, auf dem wir seit Creierung unseres Journales gestanden, nämlich das journalistische Ehr- und Anstandsgefühl niemals verletzen zu wollen. — (Beförderungen im Magistratsbeamtenpersonale.) Der bisherige Prakticant Bradaschka wurde zum Casfe-Official und der unbesoldete Prakticant Kofchir zum adjutierten Prakticanten ernannt. — (Leichenbegängnis) Die Beerdigung des verstorbenen Majors des Landwehr-Ruhestandes Franz Dobrauz fand gestern nachmittags unter dem üblichen militärischen Gepränge statt. Den Conduct führte der Major Ritter v. Garibaldi des 17. Jnf.-Reg, Auch der Landwehrcadre des 28. Bataillons war mit ausgerückt. — (O r g el s ch ul e.) Die vom krainischen Cäcilienvereine zur Hebung der Kirchenmusik unterhaltene Orgelschule in Laibach hält Donnerstag, den 29. d. M., eine öffentliche Prüfung ihrer Schüler ab. Diese Schule, die Heuer bereits ihr drittes Schuljahr vollendet, zählte zu Beginn des letzteren 24 Schüler, und zwar 21 Schüler aus Krain und je einen aus Steiermark, Kärnten und Görz. Neu eingetreten waren Heuer 7 Schüler, darunter einer, der bereit- durch fünf Jahre Organistendienste verrichtet hat; 10 Schüler besuchten die Schule bereits daK zweite und 7 das dritte Jahr. — (Noch immer keine Abhilfe!) Die Gemeindevorstehung von Schifchka scheint an Schwerhörigkeit zu leiden, sie verschließt den gerechten und schon mehrmals laut gewordenen Klagen um Aufstellung eines Polizei-Aufsichtsorganes in der Lattermannsallee und im Tivoliparke noch fort mit eiserner, unerbittlicher Consequenz ihr Ohr. Gestern abends belästigten wieder vier krüppelhafte Bettler inmitte der Lattermannsallee das dort zahlreich promenierende Publicum. — (Confiscation.) Auch die heutige Nummer des „Slovenec" wurde von der Staatsbehörde mit Beschlag belegt. — (Aushilfsreferentenstellen.) Beim ;en Landesausschusse sind für die Dauer des Bedarfes des landschaftlichen Conceptdienstes mehrere Aushilfsreferentenstellen in Ausschreibung ge->en. — (Selbstmord.) Der beim Postamte in Lukowiz als Postexpeditor bedienstet gewesene Peter Zontar wurde im Walde hinter dem Meierhofe deS Gutes Egg als Leiche aufgefunden. Die Todten-beschau constatierte Selbstmord mittelst eines Revolverschusses. Zontar desraudierte eine Summe von circa 400 fl. — (Selbstmordversuch.) Am Sonntag, den 25. Juli, machte der Gendarm Franz Suschnik in Großlnp einen Selbstmordversuch, indem er sich mittelst eines Gewehrschusses in den Kopf zu entleiben versuchte. Der Schuss gieng jedoch so unglücklich, dass der Bedauernswerte sich den Unterkiefer zertrümmerte und einen Theil der Zunge erheblich lädierte. Gestern nachmittags wurde der lebensgefährlich Verwundete zur Behandlung in da-hiesige Garnisonsspital überbracht. Das Motiv des Selbstmordversuches soll Eifersucht gewesen sein. — (Journal stimmen über die krai» nischen Znstände.) Wir veröffentlichen nachstehend eine Aeußerung der „Grazer Tagespost" über die hierzulande herrschenden Zustände, sowie auch eine Stimme aus der „Cillier Zeitung" über die Affaire Zwischenwässern. Die „Tgpft." schreibt: „In Krain greift die „nationale" Bewegung bereits zu Mitteln, mit denen verglichen die Agitationen der Czechen vollkommen harmlos erscheinen. Wir haben im gestrigen Morgenblatte die Meldung re-proouciert, dass ein deutscher Tourist in Bischoflack von slovenischeu Bauern misshandelt worden sein soll. Schon im Laufe deS samstägigen Vormittags war uns diese Nachricht von zwei durchaus verlässlichen Laibacher Correspondenten zugekommen. Trotzdem haben wir sie, weil sie uns so ungeheuerlich schien, nicht im Abendblatte veröffentlicht und erst gestern mitgetheilt, nachdem fämmtliche Wiener Blätter die-Meldung gebracht hatten. Nun stellt sich heraus, dass die Verbreitung der Nachricht auf ein ganz und gar unqualificierbareS Manöver zurückzuführen sei. In Laibach erhielten nämlich mehrere Parteigenossen der Versasfungspartei Briese und Eorre-fpondenzkarten aus Bischoflack, welche die Unterschrift eines der angesehensten deutsch-liberalen Bürger dieses Ortes trugen und in denen die Nachricht von einer neuerlichen Gewaltthat mit allen Details erzählt wurde. Erst später stellte es sich heraus, dass die Unterschrift gefälscht sei, und wurde sofort die strasgerichtliche Untersuchung wegen Briesfälschung eingeleitet. Nachdem alle Bemühungen, den Uebersall in Zwischenwässern zu vertuschen oder das Gehässige der Thatsache auf die Mitglieder der „Liedertafel" zu wälzen, gescheitert waren, sollte durch gefälschte Briefe eine Sensationsnachricht in die Welt gesendet werden, um dann die verfassungstreue Presse der Entstellung zeihen und so auch die notorische Bedeutung des Ueberfalles von Zwischenwässerir einigermaßen vermindern zu können. So erbittert schon die Stimmung in Krain ist, so fahren die jlo-venischen Blätter doch fort, Hetzartikel zu veröffentlichen. Der gestrige „Slo». Narod" begehrt, dass der Bisherige Redacteur deS „Laib. Tzbl." schubweise von Laibach entsernt werde. Wir greifen nur dieses eine Beispiel heraus, um die ganze Würdelosigkeit slove-nischer Polemik zu charakterisieren, und glauben unseren Lesern weitere Ekel erregende Proben aus den nationalen Organen Krains ersparen zu dürfen." — Die „Cillier Zeitung" äußert sich in folgender Weise über die Zwischenwäffer-Assaire: „Wer die Berichte des „Slov. Nar." über die Geschehnisse vom verflossenen Sonntag liest, muss, er mag wollen oder nicht, über die handgreiflichen Lügen und gemeinen Schmähungen des genannten Blattes vom tiefsten Ekel erfüllt werden. Nicht nur, dass dem inter nationalen Gesangsvereine „Laibacher Liedertafel« die Schuld des Bubenstückes, welches rohe, vom Geiste des „Narod" umwehte Bursche ausübten, in die Schuhe geschoben wird, sucht man auch alle Konsequenzen, die diese Heldenthat im Gefolge bat, so z. B. den Tod des Gendarmerie-PostenfüherS, wel cher sich aus Kränkung erschoss, der Berichterstattung aufzudisputieren. Und weil die „Laibacher Liedertafel" aus gemäßigten deutschen und slovenischen Mitgliedern besteht, denen eine nationale Hetze gewiss ferne liegt, so wird derselben kurz der Process ge: macht. Nach den Begriffen „NarodS" ist es jedenfalls eine Frechheit, wenn ein Deutscher ein slo venisches Lied singt, und ein Verrath an der großen Mission der Nation, wenn ein Slovene mit einem Deutschen fraternisiert und seine Stimme durch deutsche Lieder profaniert. Daher kann eS auch nicht befremden, wenn Ehren-„Narod" in feiner gestrigen Nummer die Liedertafel „Ludertafel" nennt. Es ist dieS gewiss ein geistreiches Wortspiel, das dem Erfinder einen Platz auf dem einheimischen Parnaß, so da der Jantschberg ist, sichert. So wird von einem Blatte, in dem die nationalen bekannten und unbekannten Exaltados ihren Gedankenreich thum ausschwitzen, ein Verein genannt, der erst vor kurzer Zeit 500 fl. den Nothleidenden Krains zu führte. Dieses Wortspiel ist zweifellos ein Ausfluss nicht minderer Roheit, als der Ueberfall bei Zwi schenwäfsern, welchen trotz der osficiösen Vertuschung? Harmlosigkeit alle rechtlich denkenden Menschen ein bedauernswürdiges Bubenstück nennen müssen. — (AuS derevangelischenGemeinde.) Mittwoch abends findet eine allgemeine Versamm lung der stimmberechtigten' Gemeindeglieder statt, um namentlich die Wahl eineS neuen Lehrers für die evangelische Schule vorzunehmen. Vom deutschen Turnfest in Frankfurt a. M. München hat seine Vorfeier dieses großen nationalen Festes. Am 23. nachmittags kamen die Oesterreicher und Italiener (Fachleute, von der italienischen Regierung abgesandt und einige Deputierte), um abens weiter zu fahren. Die deutschen Eisenbahnverwaltungen wissen, dass der Mensch der Ruhe bedarf, und hatten deshalb in jedes Coupe nur 4 bis 6 Mann hineingesteckt. Der Morgen fand uns in Würzburg, von wo die Fahrt im romantischen Mainthal, dnrch die Ausläufer des Spessart und schließlich durch diesen selbst führte. Für Kurzweil war gesorgt im liederreichen Deutschland. Wenn das Münchener Quartett mit seinen Kärntner Liedern schwieg, niufi-eierten zwei Geiger und ein Flötist, die nach Amerika auswandern wollten. — Der Andrang auf den Stationen wird immer größer, endlich kommt die Feststadt Frankfurt, die deutsche Stadt. Denn wenngleich sie preußisch ist, so sieht man nur vereinzelt schwarz-weiße Fahne, vorwiegend fchwarz-roth-gold und schwarz'roth-weiß. Es werden wohl noch einige Generationen vergehen, bevor sich die stolzen, freien Reichsbürger daran gewöhnen, preußische Staatsbürger zu sein. Frankfurt ist nächst Berlin diejenige preußische Stadt, welche die meisten Steuern aufzubringen hat. Auf den Kopf treffen hier 8*/, Mark Steuern durchschnittlich, und man behauptet vielleicht nicht mit Unrecht, dass dieS ein Hauptmotiv sür die Annec-lierung gewesen ist; denn dass Frankfurt deshalb annectiert wurde, weil die reichen Banquiers den armen Bundesgesandten Bismarck in Geldgeschäften gekniffen haben sollen. „Sie wohnen bei L. KrebS in der Feuerbach-straße," sagte man mir. und ich gieng mit einem Turnerknaben dorthin, durch reich geschmückte Gassen bis zur Ueberladnng, durch einen Vorjubel des morgigen Festes, der einem bis ins Herz wohlthut. Die Aufnahme in der Familie war eine herzliche, und nach dem Mittagsessen machten wir eine Rundfahrt durch die Stadt zum Festplatz. Mein Gastgeber ist bemüht, mir das Leben so angenehm als möglich zu machen. Auf unserer Rundfahrt schrieb er mich in dem Locale des Bürgervereins als Gast ein. Das Local liegt in der Eschenheimergasse und ist von Bürgern Frankfurts dem Erzherzog Johann seinerzeit als Wohnung angewiesen. Nachdem die Reichsverweserschaft zugrunde gegangen, fiel daS Gebäude an die Bürger zurück, welche den Bürgerverein gründeten. In 30 verschiedenen kleinen und großen Zimmern sind Restaurations- und Billard-, Spiel- und Leseräume vorhanden. Alle erdenklichen Zeitungen, deutsche und ausländische, Wochen- und Monatsschriften, die neuesten Erscheinungen der Literatur der verschiedensten Zweige: Medicin, Rechtswissenschaft, Belletristik rc. rc., liegen hier schön nach und in Fächern geordnet auf. Mein liebenswürdiger Wirt erbot sich sogar, mir eine „Laibacher Zeitung" besorgen zu wollen. Am Eschenheimer Thor mit der durchlöcherten Wetterfahne, durch welche ein verurtheilter Wild fchütz, um sein Leben zu retten, neun Kugeln hin-durch schoss, und an der von Goethe im botanischen Garten gepflanzten Ceder vorbei kamen wir zum Festplatz. Sinnreiche Sprüche in den Gassen, dass schon Dr. Luther darauf aufmerksam gemacht, dass es das Wasser nicht allein thue, lassen uns ahnen, dass man uns daraus präparieren will, am Festplatz recht viel zu trinken; und die Einrichtungen, von denen Ihnen ja die illustrierten Blätter eine Vorstellung geben, sind dazu getroffen. Meine Münchner, mit denen ich zusammen reiste, sitzen schon, voll des Lobes über das gute Bier, in einer Halle. Und es ist noch nicht 7 Uhr. Um 8 Uhr beginnt erst die eigentliche Vorfeier: Die Uebergabe einer Fahne durch die Frauen Frankfurts an die deutsche Turnerschaft Einstweilen begrüßten uns noch vor der offi-ciellen Ansprache verschiedene Musikchöre aus dem Festplatze, ferner die Inschrift ans dem großen Portal der Festhalle: „Den sreien Geist emporzutragen, auf Flügeln von Musik und Wein, s o lasst's in Frankfurt Euch behagen, und Deutschland soll die Losung sein." Es begrüßt uns die Festzeitung, indem sie sagt: „Dem Rheinländer wohnt etwas von dem heiteren Glanze inne, der seine Rebenhügel umfließt, der Küstenbewohner bringt uns den Salzduft des Meeres, der Hochländer etwas von dem reinen Duft seiner Berge ... All' das lässt die Fest-genossen nur um so liebenswerter erscheinen, und solche Verschiedenheiten, welche nicht trennen, sondern verbünden, geben Bürgschaft, dass die eine Eigenart zur ändern nur um so kräftiger Anziehung finde." Morgen mehr. x. Witterung. Laibach, 27. Juli. Morgens halb 4 Uhr heftiges Gewitter mit Platzregen aus O. mit Winddrchung nach SW., bis 5 Uhr anhaltend, dann heiter, große Klarheit der Lust. Wärme: morgens 7 Uhr -s- 16 3», nachmittags 2 Uhr 26 6° 6. (1879 -1- 27 8°. 1878 -s-19 6° 6.) Barometer im Fallen, 728 97 Millimeter. Das vorgestrige Tagesmittel der Wärme -j- 24'1°, um 4.5° über dem Normale, schwacher Ost. Verstorbene. Den 24. Juli. Helena Kopat, ZugspackerStochter, 3 Monate, Deutsche Gasse Nr. 7, Darmkatarrh. Den 2 ü. Juli. Josef Borstner, Taglöhnerssohn, 3 Monate, Kuhthal Nr. 22, Pyämie. — Wilhelmine Vessel, Private, 71 I, Rain Nr. 2, Altersschwäche. — Maria Knaus, Näherin, 55 I., Florianigasse Nr. 15, Herzschlag. — Anna Prochiner, Färberstochter, 11 Tage, Rain Nr. 14, das glanbt so niemand, > Lebensschwäche. Angekommene Fremde am 26. Juli. Hotel Stadt Wien. Freiherr von Schmidburg, k. k. Generalmajor i. P., Graz. — Globoknik, Gutsbesitzer, Eis-nern. — Haring Sofie, Tschernembl. — Bozzo, Triest. — Dr. Koettstorfer, k. k. Professor, Fiume. — Dr. Se-verinski, Agram. — Nachitsch, Spalato. Hotel Elephaut. Steinbeck. Fabrikant, und Schuster, Graz. — Sierlinger, k. k. Professor, Olmütz. — Kalliwoda, Kausm , Wien. — Toplak, k. k. Gerichtsadjunet, Franz. — Kersit, Franzdors. — Schilizzi, Agent, Triest. Baierischer Hof. Wschgansky, Privat, Brünn. — Dr. Kys- persky, Advoeat, Krumau Kaiser von Oesterreich. Mikuz, Agram. — Luscheideg, Graz. — Komalitsch, Marburg. — Rosik, Lukowiz. Mohre». Eisenstädter und Grünwald, Schlaining. — Lame, Jägerndors. Gedenktafel über die am 28. Juli 1880 stattfindenden Lici-tationen. 1. Feilb., Zorman'sche Real., Klenik, BG. Adelsberg. — 1. Feilb., Meden'sche Real., Sevsek, BG. Loitsch. — I. Feilb., Klanöar'scheReal., Rakek, BG. Loitsch. — 1. Feilb., Stembov'sche Real., Brunndors, BG. Laibach. — 3. Feilb.. Derglin'sche Real., Lanische, BG. Laibach. — I. Feilb., Zagar'sche Real., Wekniz, BG. Laibach. — I. Feilb., Mehle'sche Parcellen, Ustje, BG. Laibach. — 3. Feilb, Jan-koviS'sche Real, Brunndorf, BG. Laibach. — 3. Feilb., Zalar'sche Real., Brunndorf, BG. Laibach. — 1. Feilb., DragoliL'sche Real., Zirkniz, BG. Loitsch. — 1. Feilb.^ Selak'sche Real., Zavratec, BG. Gurkseld. — 1. Feilb , Mihevc'sche Real., Martinhrib, BG. Loitsch. — 1. Feilb., Mlakar'sche Real., Krainburg, BG. Krainburg. — 1. Feilb., Godina'sche Real., Zirkniz, BG. Loitsch. — 1. Feilb., Kovsca'sche Real., Niederdors, BG. Loitsch. Ein Commis, ledig, im Spezereisache gewandter Detailist, guter Rechner, beider Landessprachen in Wort und Schrift mächtig, womöglich militärfrei, cautionssähig in der Höhe von ISO fl., findet Stellung. Gehalt 30 sl. 'monatlich nebst Kost und Quartier. Offerte unter L. ?. Nr. 122 an die Administration des „Laib. Tagbl." bis 3l. Juli 1880. <79-3-1 Vakvajor8 Ckronik Krams, neue Auflage, elegant gebunden, ist um 40 fl. zu verkaufen. Näheres bei der Administration dieses Blattes. Wieuer Börse vom 26. Juli. Papierrenle .... kilberrenle .... «ioldrenie........... Staal»l°1-, i«bt. . . I8S«. . E zu io» st. 1804. . Otliioti»»«»- »atijien............... Siebenbürgen . . . Temeier Banal . . llxgar» ............. Hoiier« Hnkebea. Douao Regal.» Lose . llug. Prämienallehen wiener Lnlehe» . . . A«t>»» ». iiaot«». Sredi'.anftaltl.H.n.B. «»tionalbanl.......... A«ti«» Tr»»»pirl ü»t er«,!>»-»>»». «Isöld-Bab».......... Donas - Dampfschiff. SUsabelh-Wcübahll . Ferdinaads-Nordb. , striwz.Joseph-Lahn. Bali,. Larl-Ludwigb. Lemberg - Lzernon-itz > klovd-Hcieliichai- . Geld War- 72 05 72 20 73 — 73 25 86 80 86 90 127-50 128 — 131 75 132 25 134 50 135 - 173— »73 5V 97 65 98— 93 60 S4-2N 94 25 94 75 94 75 95 25 H2 — 112-50 112 75 >1-- 117-50 N8- 276 50 825 — SS7 — 156— irs 50 L73 — - ISO— !SS »0 2450 89 — IKÄ'Lo 273 50 274 - 166-5.0 I«?— 660 — — Geld W«re Nordweftbadn . . . Rudoll-Babn . . . 170 — 162 — 279 25 80 — 147— 17-58 ier-5« »79 7L 80 LO 147 SO Südbabn .... Ilng. »lordoftbahn . . psiirxibriek«. Bodencreditanftall in Sold in ökerr. Mähr. . , 116 70 101 75 104 25 102 -- lie 85 102 rs 104 5« 1S2 5» Ungar. Bodencredü- , Slilaieihbabn, i.Sm. Kerd.-Rordb. i. Silber Franz-Iosexh-Babn. Aaljz.L-Ludwigb.I-L. Oest. Nordweft-Bahn Siebenbürger Bahn . Slaal»bahn I. Sm. . Südbahn » z Proc. . . » s . . . 98 — 105-50 101 — 104 50 101 — 83 75 176*0 122— 108 L« 98 50 108— 101 50 165— 101 25 84 — 122 50 110 — Ereditlose 177 25 177 7S Rudolstose 18 50 19 — Drvife». Loadou II8— 118 IS 556 9 37 57 8b SL7 988 S7»5 100 d. Rerch-mari . . Silber Telegraphischer Kursbericht am 27. Juli. Papie»Rente 71 50. — Silber-Rente 72 60. — Gold-Rente 86 40. — 1860er Staats-Anlehen 131—. — Bank-aetten 824. — Creditactien 275 50. — London 118 05. — Silber — —. — K. k. Münzducaten 5 55. — 2Ü-Franci-Stücke 9 36°/,.. — 100 Reichsmark 57 85. Druck von Jg. v. Kleinmayr * Fed. Bamberg. Herausgeber: Franz Müller. Für die Redaction verantwortlich: Dr. Hans Krau».