—'M -sSi ....................................................................................... .’ i I I ! M I s I s s s I s s.s X XX X XXTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTTT i M II I I ! 111111111111 tem der Aeger. Katholische missions-Zeitscbrift. « « herausgegeven von der Gesellschaft der „Söhne des hiss. Herzens Jesu". « « Erscheint monatlich 32 Zeiten stark. — Preis ganzjährig 3 K = 3 Mk. —4 Frcs. Ar. 12. Dezember 1902. V. Iahrg. Inhalt: Einladung zum Aöonneinent...................353 P. Angelus Lolomdaroli, Heneralokerrr. 354 Agile um du ßhristgeschenü zn unserer Gsfekten-Kottcrie.........................356 Weine Eindrücke im Sudan. Bon P. I. Bcdnschi..................................357 Sie Aast der Zieger..........................363 Hcrichtsversahren des Königs der Schiünt!. Von P. 3. M. iBebiiidji.'.................366 Schönheit einer Aropenlandschast. . . . 368 Zlnöel.anttte Apostel.......................371 Acr hl. Kartmann, gSisdiof von Airiren. 373 Aus dem Million sleden: Ein Bekehrter der letzte n Stunde. — Ein anderer Bekehrter Seite der letzten Stunde — Der Anschauungsunterricht in der Kirche. — Den Menschenfressern entronnen. — Umwandlung der Neger durch dasChr-stentnm. — AusUganda. 375 Verschiedenes: Fliegende Kaffccbude in Kairo. — Händler mit Trinkkriigen in Ägypten. — Bei den Zwergvölkern Jnnerafrikas.— Der Harmattan. — Der Sandfloh.— Die Löwenjäger...............................380 Aliöild rügen: P. Angelus Colombaroli. — Fliegende Kaffeebude. — Händler mit Wasserkrügen. — Kaffem beim Bau einer Hütte. — Negerknabcn beim Gesang. — Christus ist geboren. Missionshaus Mühlanü bei Brixen (Tirol). Effekten für unsere Lotterie sandten ein: Ungenannt, Deutsch Mattel: 2.50 K. n. n. Veutsch-Mattei: i.so K. Ungenannt, Veutsch-Mattei: 1.— K. E. 0. Innsbruck: in Briefmarken 1.40 K. 8wei Träukin, Brisen: 1 Blumen-Vase. modern. 2 Paar Väschen. Roccocco. 1 Briefbeschwerer (Rose). Jesuskindlein in Glaskästchen, Weinkaraffe und Glas von rotem, geschliffenem Glase, 1 Nachtlämpchen, 1 Schmuckkästchen von Glas, „Andenken an Absam" (Stehbild), 1 . Schnittblumenstünder, 1 Schachtel mit Brandmalerei, 1 Thermometer, 1 Bilderrahmen. „$t. JIntoniusbrot aus lUicn“; 1 Taschenuhr mit silberner Kette. Ungenannt, Brisen: 20.— K. Marie Gritsch, Brixlegg- 1— K. 3osef Juchs, Pfarrer, Ober Mieming- 6 Exempt.: Josef Ackermann „Trost der armen Seelen". 1 Exempt.: „Des Christen Wandel vor Gott". 1 Exempt.: P. A. Stummer: „Tirol an des Erlösers Grab 1898". Johann Maurer,Pfarrer, Itiühhvald im Cauferer- Cal i 3 kleine Schwarzwälderuhren. 1 Weihbrunnkessel, 2 Bände Biblische Bilder. Handbuch der Anatomie des Menschen. 1 Gemälde in schönem Rahmen, darstellend eine flandrische Stadt, der Stadtturm trägt eine gehende Uhr; das Bild selbst hat eine Spieluhr. £. ButSCbeR, lUi5U: 1 Kravattennadel. GomiesponöenZ der Expedition. Eingegangene Geldsendungen. (Vom 25. Oktober bis 10. November 1902.) Unsern geehrten Abonnenten zur gest. Kenntnisnahme, daß wir der Einfachheit halber milde Gaben re. für unser Missionshaus nur mehr an dieser Stelle quittieren werden. Jiir das Missionshaus- Kronen Meinrad Siegl, Abt, Stift Offeg . . . 10.— B. Crazzolara, St. Kassian..............20.— C. Butschek, Wien............................. 1.— A. Hummel, Kaplan, Ravensburg, für die Mission des P. Bauhölzer unter den Schilluk-Negern .......................117.— Johann Cistecky, Wien..................... 8.— Frau Glieger, Wien........................ 2.— Aus dem Etschtal, Tirol....................... 200.— Aus Tirol.................................100.— Kronen Jiir heilige Messen - H. Neher, Kaplan, Dcggingen .... 46.82 Elise Fröhlich, Ahrweiler . " . . . 33.93 Baronin M. Nagel, Vornholz .... 62.01 Johann Godec, Pfarrer Lipoglav . . . 10.— Antonie Jörg, Innsbruck 1 B. Crazzolara, St. Kassian sandten Bücher. C. Osterhoff, Kaplan, Ostenfelde J Joh. Cistecky, Wien, sandte alte Briefmarken. Gott" und bitten um weitere Unterstützung Allen unseren Wohltätern sagen wir ein herzliches „Vergelts dieses Missionshauses. ^ Aeltere Jahrgänge des Stern 5er Neger sind noch erhältlich und zwar: Zweiter Jahrgang (1899), das zweite für sich abgeschlossene Halbjahr ä l K, dritter Jahrgang (1966) ä 2 K, vierter Jahrgang (1901) ä 2.50 K, Alle Jahrgange zusammen bezogen Kosten nur 5 Kronen = 5 Mark. Brave, gesunde 3ünglinge im Elter von 20—34 Jahren, welche Beruf rum Ordens- und Missionsstande als Laienbrüder haben, wollen sich behufs Eufnahme vertrauensvoll an die Uorstehung des Missionshauses der Söhne des hist Berzens Jesu in Mühland. Post Brixen in Tirol, wenden. Wr. 12. Dezember 1W2. T. Jayrg. ie Tropenländcr bleiben doch ■— trotz ciIP ihrer großen Schattenseiten — das Herrlichste, was cs in der Welt gibt, wenigstens für daS Auge; und wer einmal in seinem Leben eines derselben zu sehen das Glück hatte, der begreift Humboldts tiefwahren Ausspruch, daß derjenige, welcher einmal durch die Pforten dieses Paradieses geschaut hat, die Sehnsucht danach nicht wieder los wird. Ich kam auf meiner Reiseroute eben von Harrismith her und begann nun die Übersteigung der Cordilleren Süd-Afrikas, der majestätischen Drakensberge, und zwar an einer Stelle, die eine tiefe Einsattlung bildet und der Bere-Paß heißt. Dieselbe liegt 5400 Fuß über betn Meere. Von Moment zu Moment stieg meine Überraschitng vor der immer großartiger werdenden Szenerie. Ich stieg aus und ging zu Fuß, um das prachtvolle Naturschauspiel besser genießen zu können. Dichte Wolken umgaben mich auf allen Seiten und gaben mir ein Gefühl, als wandelte ich in himmlischen Gefilden. Dieselben zerrissen von Zeit zu Zeit hier und da in ihrer langsamen Wanderung und öffneten dann erhabene Aussichten auf prächtige, hohe Felsenkuppen und grüne Talbuchten. Als die Sonne sich erhoben, erstrahlte der ganze wogende Wolkenozean in schönstem, rosenfarbenem Lichte und zeigte in optischer Täuschung die Bilder meines Wagens und meiner Ochsen in riesigen blauen Schatten die Luft durchziehend. Eine feierliche und gehobene Stimmung kam über mich, wie ich sie ähnlich immer beim Übersteigen unserer europäischen Alpenmauer, auf den Gotthard-, Simplon- und Splügenpässen empfunden hatte. Ein kalter Wind gab mir ein ähnlich erfrischendes Gefühl, als sei ich hier wirklich in die Alpen versetzt; Geier und Adler schwebten über mir in den Lüften und die liebliche Mttsik von murmelnden Wasserbächen umtönte mich auf allen Seiten. Bei jeder Anhöhe, die ich hinaufsteigen mußte, dachte ich: jetzt kommt der höchste Grad, jetzt werde ich die Aussicht nach der andern Seite haben; aber fortwährend wurde meine Er-I Wartung getäuscht. Schönheit einer Tropenlandschaft. 369 Endlich after, ehesten Mittag, kam ich auf den höchsten Gipfel. Ich hätte einen Freudenschrei ausstoßen mögen über das wunderbar schöne Panorama, das sich jetzt hier vor meinen Augen öffnete. Da lag es wie eine Landkarte vor mir ausgebreitet, das gelobte Land, das.herrliche Natal, im glänzenden Sonnenlichte und von einem transparenten, azurblauen Dufte überflössen — mit seinen unzähligen, violette Schatten werfenden Bergkuppen, seinen schattigen, mit Bäumen angefüllten Tälern, seinen grünen Prairien und zahllosen, si.'berblinkenden Wasserläufen — ein zauberisch schönes, entzückendes Bild südlicher Landschaft, das in mir genau dieselben Empfindungen von Glück und Seligkeit wieder er- weckte, die mich früher immer auf dem Gipfel der Alpen beim ersten Erblicken der italienischen Tiefebene ergriffen hatten. Weißliche Rauchsäulen drehten sich hier lind da empor gen Himmel, von den Grasbränden herrührend, welche die Kaffern anzünden, um dadurch die Weide zu erneuern und gesünder zu machen. Ein süßer, stiller Friede lag über das weite, imposante Landschaftsbild ausgebreitet. Es fehlte nur noch das liebliche Glockengeläute der Schweizer Viehherden, um mich vollständig ans die Höhe des südlichen Abhanges der Schweizer-Alpen versetzt zu denken. Und wie die Vegetation ans einmal wechselte und ein ganz neues Klima anzeigte! In den nächsten, sich gegen Osten hinuntcrsenkenden Talschluchten, wodurch sich die Straße hindurchkrümmte und wand, war dieselbe zu beiden Seiten von dem dunklen Laube immergrüner, blumcnbedeckter Gebüsche eingefaßt. Schöne Nadelhölzer nach Art der italienischen Schirmpinien bedeckten ans dieser Seite die Bergabhänge, und die grünen Flächen der Bergwiesen waren mit Myriaden von großen, scharlachroten, lilienartigen Blumen bedeckt. Lange stand ich in das Anschauen des köstlichen Bildes verloren. Nachdem nun mein Wagen langsam auf den Zickzackkrümmungen der Straße heraufgekommen und den Ochsen oben ein wenig Ruhe gegönnt worden war, ging es wieder weiter, nunmehr bergabwärts, hinein in das schöne Natal! Wie warm hier die Sonne aus die Bergseiten brannte. Es war nun vorbei mit den frostigen Schauern, die ich auf dem Hochplateau in letzter Zeit so häufig empfunden hatte; ich durfte wieder meine Sommerkleider und meinen indischen Korkhut anlegen und auch der weiße Sonnenschirm zeigte sich von neuem notwendig. Eine kleine, grasgrüne Schlange, welche quer über der Straße im Sonnenschein lag und sich wärmte, zeigte mir an, daß ich nunmehr in das Lieblingsland der Schlangen meinen Einzug gehalten hatte, als welches ja Natal weit und breit bekannt ist. Ein hübsches Hotel an der Straße versprach mir ein gutes Abendessen. Von der Veranda desselben, die schon ganz aus einer Pflanze mit blutroten Blättern gebildet war, die in Natal so häufig ist, genoß ich einen herrlichen Rückblick auf die überstiegenen hohen Gebirge, die jetzt in orangefarbener Abendbeleuchtung, überwölbt von einem, vom reinsten durchsichtigen Äther grün durchleuchteten Himmel, hinter mir lagen. Dieses wundervolle Grün, von der Farbe einer gewissen Sorte Türkisen, ist ja in allen Ländern einer der Hauptreize des Himmels beim Sonnenuntergang und ist namentlich in der Sahara und in Ägyten schon so oft von europäischen Malern bewundert worden. Am folgenden Tage ging es weiter bergab. Die Seiten der Berge waren überall dünn mit schattigen Bäumen besetzt, menschliche Wohnungen aber nur selten zu sehen und wo eine solche vorkam, da war sie immer von einem Bosket von Gummibäumen (Eucalyptus globulus) umgeben, das dieselbe schon aus weiter Ferne sichtbar machte. Der Blue-Gum-Tree ist einer der wertvollsten aus Australien nach Südafrika verpflanzten Bäume. Außer seinen bekannten Eigenschaften, die Sümpfe auszutrocknen und die Fiebermiasmen zu paralisieren, die ihn für die Malariagegenden der Küste unschätzbar machen, gibt er auch wertvolles Nutzholz ab, das namentlich seiner Härte wegen zum Wagenbau, sowie für Eisenbahnschwellen sehr geeignet ist. Dabei wächst der Baum ganz unglaublich schnell, erreicht eine Höhe von 2 — 300 Fuß und dient daher einer Landschaft ganz außerordentlich zum Schmuck. Aus der Ferne gesehen, macht eine Gruppe von Gumbäumen mit ihren rötlichen, abgeblätterten Stämmen und ihren dunkeln, schmalen, gekrümmten Blättern ganz den Eindruck unserer Kiefern. Als Brennholz kommt das Holz dem der Eiche gleich. Die Wurzel des Gummibaumes hat die Eigentümlichkeit, wenn der Baum gefällt ist, neue Schößlinge aufsteigen zu lassen, die in ca. 14 Jahren schon eine außerordentliche Höhe erreichen und wie Pilze die Wurzel des alten Stamines unfftehen, eine sehr wertvolle Eigenschaft in einem Lande, wo durch unvorsichtige Gras- und Buschfeuer so oft die Vegetation zerstört wird. In der Jugend hat der Baum Blätter von ganz anderer Form als später; zerreibt man diese jungen Blätter zwischen den Fingern, so geben sie ein köstliches Aroma. Deshalb atmet man auch in den Gummigebüschen eine so wohlriechende, balsamische Luft ein. Manche Leute sind der Meinung, daß die faktisch fiebervertilgcnde Kraft des Baumes von dieser Exhalation seiner jungen Blätter herrühre; andere glauben, es liege die Ursache in der austrocknenden Kraft seiner so rasch wachsenden und weit um sich greifenden Wurzeln, die gewissermaßen den feuchtigkeitsstockenden Boden ausschlürfen und austrinken und dadurch seinen FieberauShauchuugen in Zukunft vorbeugen. Meine Nachtruhe im Hotel wurde leider sehr durch einige Trausportreiter, wie es auf englisch heißt, die Treiber von Ochsenwagen, gestört. Um Mitternacht fing ein Türschlagen, ein dröhnendes Stiefeltrapsen, ein betrunkenes Singen, Schreien und Gröhlen an, als wenn ein wildes Heer seinen Ein- Unbekannte Apostel. 371 zug gehalten hätte. Das sind die Schattenseiten südafrikanischer Landstraßenhotels. Am folgenden Morgen setzte ich meine Reise fort. Land und Straße fand ich ziemlich menschenleer: weder Wagen noch Reiter begegneten mir und Farmhäuschen waren nur selten zu sehen. Die Vegetation dagegen wurde non Stunde zu Stunde interessanter, je tiefer wir in die Mcereshöhe kamen. Natal ist ein von der Natur sehr glücklich begabtes Land. In seinem tiefliegenden, 4—7 Stunden breiten Küstengürtel ist ein reines Tropenland, wo Zuckerrohr, Kaffee, Baumwolle, indische Gewürze prächtig gedeihen. Auf seiner 2— 3000 Fuß über dem Meere gelegenen Hochfläche, die den bei weitem größten Teil des 840 deutsche Quadratmeilen umfassenden Landes einnimmt, finden sich hingegen alle Produkte der gemäßigten und subtropischen Zone vereinigt: die Eiche und die Aloe, Bäume von Madagaskar und von Norwegen, die Ananas und die Erdbeere, der türkische Weizen und das Korn von Deutschland. Und auf den Abhängen der Drakensberge . sind die vorzüglichsten Schafiveiden, die den australischen an Gesundheit und Nahrhaftigkeit gleichkommen. Über dem ganzen mittleren Plateau des Landes wogen die grünen Wellen eines endlosen GrasozeanS, die den Prairien am Missouri an Üppigkeit kaum nachstehen. — Am Abend hatte ich die große Freude, zwei Zulu in ihrem althergebrachten Kriegerkostüm und mit ihren Lanzen, Wurfspießen und Schilden auf der Landstraße daherwandern zu sehen. Es waren zwei prachtvoll gewachsene, wie schlanke Fichten in die Höhe geschossene, junge Männer mit höchst intelli- gentem Gesichtsausdruck, die dünne Taille mit Streifen von Leopardenfellen umgürtet, mit herkulischer Schultercntwicklung und das reiche, üppige Wollhaar (wodurch sich die Zulus so auszeichnen) mit einer Menge von Adler- und Geierfedern durchsteckt, was ihnen ein höchst imposantes Aussehen verlieh. Für-wahr, königliche Wilde! Und dieser Stolz, diese Vornehmheit in ihren Bewegungen. Es ist bekannt, daß man einen Hottentotten soviel schlagen kann, als man will, er wird sich höchstens hinterm Rücken durch Gift rächen: ebenso wird im allgemeinen der größte Teil der Kaffern dem Schlage eines Europäers nicht antworten. Man wage es aber, einen Zulu zu schlagen! Schon in ihrem Gruße liegt ein entschieden stolzer, ich möchte sagen, königlicher Charakter. Der Zulu grüßt nämlich mit den Worten: «Sakubona!» (b. h. Wir sahen dich) während der weicher organisierte Betschuane ausruft: «Tumella!» (Seien wir Freunde!) Unbekannte Apostel. Akuter dieser Überschrift veröffentlicht das in Stntt-gärt erscheinende „Katholische Sonntagsblatt" einige sehr wahre Gedanken, die ihm aus der Klosterzelle geschrieben wurden, über den Wert der Laienbrüder für das Ordenshaus und besonders für die Missionen. Ein alterprobter Missionär hat die Laienbrüder unbekannte Apostel genannt. Unbekannt sind sie allerdings vor der Welt, die nur Eitelkeiten zu schätzen weiß, bekannt aber sind ihre Werke beim lieben Gott und mit goldenen Lettern im Buche des Lebens eingetragen. Aber wie können diese bescheidenen Ordensbrüder denn Apostel sein? Zunächst durch ihre Gebete, ihr erbauendes Beispiel. Einem berühmten Prediger, der nach seiner Meinung zahlreiche Minder zur Buße geführt, wurde von Gott geoffenbart, daß keine dieser Bekehrungen durch seine feurigen Predigten bewirkt worden sei, sondern durch das Gebet des ihn begleitenden Laienbruders, der während der Predigt unten an der Kanzeltreppe kniete und andächtig den Rosenkranz für die Bekehrung der Sünder betete. Aber auch in ihrer äußeren Wirksamkeit sind die Laienbrüder oft Apostel, wirkliche Missionäre. Da zieht der Binder mit dem Priester hinaus über Länder und Meere: dort in. der Wildnis unter den Rothäuten Amerikas oder bei den Fetischanbetern des dunklen Erdteiles richtet er das Kreuz, das Zeichen der Erlösung, ans. Gemeinsam mit dem Missionär baut er dort dem göttliche» Heilande die erste Stätte der Anbetung, das Missionskirchlein, in dem Gott selber wohnen will. Gemeinsam mit dem Priester arbeitet er auch an dem geistigen Aufbau der christlichen Gemeinde, indem er als Katechet und 372 Unbekannte Apostel. Schullehrer die armen Heiden auf die heilige Taufe vorbereitet und sie auf den Weg der Bildung und Gesittung führt. Großer Gelehrsamkeit bedarf es hierzu nicht, wohl aber erprobter Tugend, freudigen Gehorsams und großer Liebe zu den Seelen. Aussicht auf Ruhm und irdische Ehre gibt es bei diesem stillen und opferungsrcichen Wirken nicht. Wohl aber sind sie geliebt und geachtet von den Neubekehrten, die ihrem Eifer die Gnade des Himmels mit verdanken und von den Missionären, die ihre Hingebung und Treue wohl zu schätzen wissen. Die herrlichste Krone aber erwartet sic dort oben, wo der himmlische Hausvater nach vollbrachtem irdischem Tagewerk zu einem jeden von ihnen die trostvolleu Worte spricht: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht, weil du über weniges getreu gewesen bist, will ich dich über vieles setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn!" Der Ruf nach Laienbrüdern ist in vielen Missionen noch dringender als der nach Priestern. Sie sind die unzertrennlichen Begleiter und Helfer der Missionäre und können in ihrem opferreichen, aber großen und heiligen Berufe unendlich viel zur Ausbreitung des Reiches Gottes aus Erden beitragen. Manch braver Handwerker, Dienstbote oder Arbeiter fühlt sich gedrungen, sich ganz dem lieben Gott int Dienste der Missionen zu widmen; er wird sich als Laienbruder glücklich fühlen. Eine ernste, standhafte Neigung zu diesem Stande, rechte Aufmerksamkeit, eine aufrichtige Frömmigkeit und eine feste Gesundheit sind die notwendigen Erfordernisse zu diesem Berufe. Was sind und wozu bedarf es so vieler Laienbrüder? Schön beantwortet diese Frage Pater Sebastian v. Oer in den „Benediktusstimmen": „Sie sind für das Kloster, was ein grundbesitzender und arbeitender, festgewurzelter, tüchtiger Bauernstand für den Staat — was in besseren Zeiten ein zünftiger, geordneter und solider Handwerkerstand für eine Stadt — ein notwendiges Lebenselement für das Gedeihen." Ferner soll das Gesetz der Handarbeit auch im Kloster seine Erfüllung finden. Aber noch ein heiligerer Grund hat den Brüdern einen Ehrenplatz in der Gottesfamilie gesichert. Unser göttlicher Heiland hat seine evangelischen Räte nicht bloß für die Studierten und die Priester gegeben, sondern auch für das arbeitende Volk. In der Tat waren jene „Armen im Geiste," welche Gott als die ersten in den Klöstern dienten, so der hl. Vater Bcncdiktus, St. Maurus, Plazidus, Franziskus u. a. zunächst nicht Priester, sondern betende Handarbeiter. Erst als die Ausbreitung der Kirche immer mehr priesterliche Arbeiter erforderte, traten die Priester I in den Klöstern zahlreicher auf, ohne daß deswegen der Laienbruder verdrängt worden wäre. Das zeigt ein Blick auf die Ahnentafel der Laienbrüder. Die zahllose Schar weist Namen von gittern Klang auf: Graf Adalbert von Calm verließ sein Schloß, um in Hirschau als Laienbruder zu arbeiten; Markgraf Hermann von Zähringen seine Güter, um in Clunr> Schweine zu hüten; Wilhelm von Aguitanien, fürstlichen Blutes, erbat sich als besondere Gunst, das Eselsfuhrwerk täglich zur Mühle treiben zu dürfen; Roderick) von Medina arbeitete als Schuster; Friedrich Graf von Verdun und Vetter des Kaisers grub als Laienbruder die Fundamente des Klosters und trug auf seinen Schultern die Baumaterialien herbei; Karlmann, Bruder Pipins von Franken und Sieger in manchen Schlachten, trat tit Montccassino als Laienbruder ein und schätzte sich glücklich, jahrelang den Klosterkoch machen zu dürfen. Eine weitere, ebenso wichtige als verdienstliche Aufgabe fällt dem Laienbruder in der M i s s i o n zu. Wenn unsere Patres nach Afrika kommen, so finden sie im buchstäblichen Sinne des Wortes alles „wüst und leer". Dies gilt zunächst in Bezug auf ihre eigenen Bedürfnisse. Es fehlt ihnen rein alles. Für die Erhaltung des Lebens im fieberreichcn Afrika ist die Wohnung und Nahrung von größter Bedeutung. Wer wird ihnen eine Hütte für den ersten Anfang, ein bescheidenes Klösterlein für die spätere Zukunft bauen helfen, wenn nicht der praktische Laienbruder? Wer wird für ihren Tisch sorgen, wer ihre Pflege in kranken Tagen übernehmen, wenn nicht der stets besorgte, für solche Arbeiten ausgebildete Laienbruder? Wer wird das erste Kapellchen, wer den ersten Notaltar errichten helfen? Der Laienbruder! Von gleicher Wichtigkeit ist die Tätigkeit des Bruders für die neuen Missionsgemeinden. Was einst die Apostel sprachen: „Es geht nicht an, daß wir vom Worte Gottes ablassen und die Tische bedienen; darum, Brüder, sehet euch nach sieben Männern um, die ein gutes Zeugnis haben und voll des heiligen Geistes und weise sind, diese wollen wir für dieses Geschäft aufstellen" (Ap.-Gesch. 2, 3), so ist auch der priestcrliche Missionär nicht imstande, die tausend mehr weltlichen Sorgen einer Mission selbst auf sich zu nehmen. Er hat dazu weder Zeit noch die gleiche Vorbildung wie ein Laie. Oder sollen geschickte, in verschiedenen Gewerben erfahrene Laien die Anlage und Bewirtschaftung von Gärten und Feldern, die Aufführung von Waisen- und Krankenhäusern, den Bau von Wegen und Brücken, die Pflege der Waiscuknaben in den mannigfachen Arbeiten, die Armen- und Krankenpflege nicht ebenso gut, ja besser besorgen können als die Priester, denen Hammer und Meißel, Spaten und Rechen, Kelle und Axt doch mehr fremd sind? Woher auch die Priester nehmen, die einer zwölf- bis vierzchn-jährigen Vorbildung bedürfen, wenn solche Arbeiten nicht von den Laienbrüdern übernommen werden? Endlich darf das erhebende Beispiel auf den Neuchristen und Heiden nicht unterschätzt werden, das der Laienbruder durch seinen Gehorsam und seine Unterwürfigkeit unter die von Gott gesetzten, priester-lichen Obern und durch sein uneigennütziges, fleißiges Arbeiten gibt. Wer möchte zweifeln, daß der Anblick einer im Schweiße ihres Angesichts arbeitenden Brüderschar für den Heiden und neubekehrten Christen nicht eine eindringlichere und verständlichere Mahnung jP P' 4? wäre, als die schönste Predigt über Gottes Gebot: „Bete und arbeite!" So also ist der Laienbruder durch seine fleißige, aus Liebe zu Gott und zum Besten der . Menschen verrichtete Arbeit in der Tat ein Apostel, ein wahrer Missionär und wirksamer Gehilfe der durch Predigt des Wortes Gottes und Spendung der heiligen Sakramente wirkenden priesterlichcn Missionäre. „Die duftende Rose, die ein frommer Laienbruder einst vor dem Throne des himmlischen Richters niederlegen soll, heißt also „Arbeit"", sagt wiederum treffend Pater Sebastian v. Der in den oben erwähnten „Bencdiktusstimmcn". „Aber diese Rose müssen fünf leuchtende Blätter schmücken, wenn sie nicht welk sein soll: „Demut, Gehorsam, Fleiß, Liebe, Gebet." " ta?.—