der Sühne des heiligsten Herzens Jesu. = Organ drS Marien-VereinS für Afrika. = Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltäter» den apostolischen Segen erteilt. Mit Empfehlung vieler hochwürdigster Bischöfe. Erscheint monatlich einmal und kostet jährlich mit Post 2 K — 2 Mk. — 3 Franken. IReöafction und Administration: Missionshaus Milland bet Wrtren, Tirol. ■ ~.. = IrrHttLL: —.............. Unsere neue Missionsstation Lmatsch (Schluß) 241. — Der Regentanz bei den Schillnk 246. — Ans dem Missionsleben: Im Lande der Denka hSchluß) 249. — Eine sonderbare Zeremonie 255. — Unterhaltendes : Schwarzes Elfenbein (Fortsetzung) 257. — Verschiedenes: Die Missionsvereinigung katholischer Frauen und Jungfrauen 263. — Zur Unterdrückung des Sklavenhandels im Noten Meer 263. — Kampf mit einer Riesenschlange 264. — Eine Taufe in Todesgefahr 264. — Heiteres 264. Abbildungen: P. Hofmayr mit Katechuinencn ans Tonga. — Denka-Bnrschen. — Schillnk vor einem Grammophon. — Ufer des Blauen Nil in Khartum. — Schillnk. — Beni Amer. Ipriefäaften bex 'gteöaätion. mm Postscheck; 1 Erlagscheine) wurden an alle P. T. Abonnenten des „Stern" in Oesterreich geschickt, auch an jene, die das Abonnement für das nächste Jahr schon eingesandt haben, da sie ja zur Einsendung von Spenden usw. auch (benützt werden können. — Jene, die mehr als einen Postscheck wünschen, möchten uns dies mitteilen. — P. C. in (D. Hoffentlich die gewünschte Drucksache erhalten, war über ein Kilogramm: int Brief war keine Erwähnung davon. Vielen Dank für das Gesandte. — .............acher. Wieder im „Kasten" ?! Die alten Abonnenten werden doch alle treu bleiben und neue eintreten! Bedingungen wie voriges Jahr. — Nach w. Das 25jährige Gründnngsjubilänm unserer Kongregation wird am 1. November feierlich begangen werden. In der nächsten Nummer wird auch ein hierauf bezüglicher Artikel folgen. Eindruck und. Folgen davon dürften äußerst günstig sein auch für das Wachstunt der Kongregation. Das walte.Gott! — An Hochw. Herrn Pfarrer IR. Laienbrüderkandidaten werden zu jeher Zeit hier in Milland aufgenommen, für Studenten ist die beste Zeit Juli, Angltst. — Rheinländer und Hl. f. Die Hefte doch immer regelmässig erhalten: neue Abonnenten bitte nur für nächstes Jahr werben, da der Vorrat für heuer erschöpft ist. Viele Grüße auch an die Gäste dort. Redaktionsschluß: 10. Oktober. Sem Memento der hochw. Missionäre und dem Gebete aller Leser werden die folgenden Verstorbenen empfohlen: Hochw. Herr Pfarrer Johann KttitiP maqr (Waidhofen-Bayern, — Herr Benedikt Huch; (Waidhofen n. d. Abbs'- — Frau Maria ■ weif; (Mitterfill) — Herr Josef Moser (Traunkirchen). „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihnen!" Gebetserhörungen und -Lmpsehlungen liefen ein aus: Algund — Brixen - Dollberg — Alling — Graz — St. Valentin — Wien. Dem heiligsten Herzen Jesu, der unbefleckten Gottesmutter Maria, dein hl. Josef und dem armen Seelen sei ewiger Dank gesagt für die Erlangung eines guten Postens — für Erlangung einer großen Gnade, um die vtel gebetet wurde. — Veröffentlichung war versprochen. Man bittet ums Gebet: für einen auf Abwege geratenen Mann — um den Frieden in einer Familie zu erlangen — um Gesundheit — um- gute Dienstboten zu erhalten — für sehr bedrängte Eltern, daß ihnen aus der Not geholfen werde — daß zwei Kinder recht brav und fromm werden und bleiben — für unsere Noviziate/ Juvenate und Scholastikate -— in einem wichtigen Anliegen — in Berufsangelegenheiten -— für. einen Nervenkranken — in vielen andern wichtigen und schweren Anliegen. Keröen-WerlzeitHrris t>om 10. September Bis 10. (5)fiioßer 1910. ------------Bn krvtieis.----------;-- Gpserstock: Bayersoien K. E. 2-22; Brixen Dr. [ K. H. 46'—; C. T. 3-—; Galling A. F. 5' — ; Graz J. W. 8'—; Haag M. St. 40'-: Imst R. P. 1'—; Lienz Br. 20 —: Lambach P. S3. G. 20'—; Milland L. P. 13-76; Obermieming A. M. 8' —: Rentte J. K. 1'-; Rombach E. F. 50-—; St. Ulrich Th. O. 2'—; schwaz L. E. 5'—: Billnöß,N. N. 10'—; SBiett K. K. 50'—. Zur persolviernng von heiligen Messen sandten ein: Altkrautheim M. St. 28'—; Brixen R. K. 2 —; Feilwiescrgut J.TH.St. 5:—; Feldthnrns E. G. 40'— ; Milland G. v. B. 2'—; S3. 4-—; Sarnthein M. G. 3 —: Sierning G. W. 8'—; Trens Sl. R. 10'-; N. N. J. SL 1 "20. Siir die Mission: Kennelbach Pf. 9Ji. H. 20-—. ,,G Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deines Namens willen das ewige Leben!" m derlleM. TchllllscheMssDNsMschnst llerHöhue öes heüWtmherLens Jesu' (Örgai*. des Manen-Vereins für Afrika) ^ Dient vornebmlfcb der Unterstützung und Ausbreitung der Missionstätigkeit der Söbne des beiitgsten Derzens Jesu und sucbt Verständnis und werktätige Liebe des MWonsvverkes in Mort und Lcbrttt zu fördern. Das Hvbettsfelb dieser /iiMfstonäre 1st der Sudan (Lentral-Mrtkra). Der „Stern der Neger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Milland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. Nbonnementspreis ganzjährig mit ipostversentmng IRr. 2.-, E. 2.—, 3fr. 3.—. Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für die Wohltäter werden wöchentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Leitmeritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien. Dett U. November 1910. XMi. Zadrg. Unsere neue fSIMffionsftation ©matsch. IRdsebertcbt des boebw. P. Josef lpasqual Lrazzoiara F. 8. C. (schlich.) Das lllerbaltnis der Blutn zur Mission. Wir können uns bisher nicht im mindesten über das Entgegenkommen der Alnrn beklagen. Gleich von Anfang war die Station täglich von Besuchern fast überlaufen, neugierig wie alle Neger forschten sie uns und das Unserige aufs genaueste aus und erkundigten sich übel-alles. Ohne Selbstsucht ging das natürlich nicht ab; zum Schlüsse hieß es dann immer: Gib mir dies oder jenes. Ich brauche wohl nicht erst zu erwähnen, daß wir nicht in der Lage waren, all diesen Wünschen zu entsprechen, denn hätten wir auch nur dem kleinsten Teil dieser Wünsche entsprechen wollen, so wären wir bald in die äußerste Not geraten. Zum Glücke nahmen sie unsere abschlägigen Alltworten nicht übel: sie sind wohl schon an so etwas gewohnt: wir blieben trotz alledem die besten Freunde oder vielmehr wir befreundeten uns täglich mehr. Auffälligerweise hielten die Alnrn in der ersten Zeit unseres Verweilens unter ihnen die Kranken sorgfältig fern von uns, obwohl wir uns bemühten, ihnen nahezukommen. Da hörten wir eines Tages, daß ein Knabe, der ans uns einen guten Eindruck gemacht hatte, an starkem Durchfall darniederliege. Alle sagten, er müsse sterben. Wir glaubten es zunächst auch, da an dieser Krankheit hier mancher starb. Wir erklärten uns gleich bereit, denselben in einer unserer Hütten aufzunehmen, in der Hoffnung, ihn dann wenigstens taufen zu können: wir sagten dies auch ausdrücklich den Eltern, die ihn uns ohne weiteres brachten. Der Kranke sah sehr schlecht aus, war ganz abgemagert und entkräftet. Tagsüber blieb er bei uns und kehrte nachts zu seinen Eltern zurück. Schon nach drei Tagen war das libel völlig verschwunden und sein Aussehen änderte sich zusehends zum Bessern. Da waren die Leute -ganz erstaunt und priesen laut die Tüchtigkeit der Mondo (Fremden; jeder Weiße und auch die Araber werden so benannt). Aber warum diese Verwunderung? Nun, da die armen Leute sich nicht zu helfen wissen, so sterben fast alle, die von diesem Übel ergriffen werden, und wohl darum hatte ein altes Weib auch über ihn schon den Stab gebrochen. Sie hatte auf dem Unterleibe eine Unzahl kleiner Wunden aufgerissen, daran die Lippen angesetzt itnö natürlich dem Ärmsten dann fast alle Lebensgeister ausgesogen. Er hatte sich den Tod hinuntergetrunken, den ihm das genannte Weib in einem jedenfalls unschädlichen Getränke gereicht, nicht damit er sterbe, sondern weil er" sterben müsse. Darum glaubte auch kein Alurn mehr, daß er noch die Krankheit überstehen werde. Als dann aber der Knabe, der früher jedem und in sein Schicksal ergeben sagte, daß er jetzt sterben müsse, sich unerwartet wieder hergestellt sah, lachte er mit seinen Freunden das alte Weib aus. Anfangs wollte er selbst, trotz des Verschwindens des Übels, nicht glauben, daß er wirklich dem Tode entgangen sei; er meinte nur: „Wenn ich nicht sterbe, um so besser." Der Knabe heißt Onegi, Sohn des Ma Mok. Die Folge war, daß nun der Vater den Sohn sofort zu uns zum Unterricht sandte. Er sagt: „Onegi gehört nicht mehr mir, er gehört den Mondo." Er belastet ihn darum zu Hanse, wo er natürlich außer der Schulzeit wohnt, durchaus nicht mit Feldarbeit, wodurch er verhindert werden könnte, in die Schule zu kommen. Eine weitere Folge dieser Heilung war, daß dann sofort alle möglichen Kranken zu uns kamen. Jetzt kommen wenigstens 15 bis 20 derselben jeden Tag zu uns, morgens und abends, um leibliche Hilfe zu erhalten, wobei sie dann auch hie und da anderes zu hören bekommen. Es kommen auch Frauen, um Arzneien zu holen. Wir benützen diesen Umstand, um sie an Kleidung zu gewöhnen, da wir niemandem Arzneien verabreichen, der nicht gekleidet ist. So hoffen wir, sie allmählich dahin zu bringen, daß sie die Kleider etwas mehr schätzen; damit wäre schon viel gewonnen. Was die Natur der Krankheiten betrifft, so sind es _ meistens Wunden oder Hautkrankheiten. Manche Wunden sind gräßlich anzuschauen und heilen langsam oder gar nicht, da das Blut völlig verdorben ist. Arme Leute! Auf Reinlichkeit geben sie wenig, ans Bekleidung ebensowenig und darum setzen ihnen zahlreiche Insekten hart zu -- die anderen Ursachen weiß der liebe Herrgott. Die erwachsenen Alurn, ohne Ausnahme, tragen irgend ein Fell als Bekleidung. Man sieht darunter außer den gewöhnlichen Schaf- oder Ziegenfellen schöne Antilopenfelle, seltener Leopardenfelle. Es gelüftet ihnen darnach wohlweislich nicht besonders. Die Knaben haben dieselbe Bekleidung, wenn sie überhaupt bekleidet sind. Da die Alurn als Entgelt ihrer Arbeiten von uns meistens Leinwand, Nadeln und Zwirn erhalten, so fangen jetzt schon viele an, eine Art Beinkleider zu tragen, welche sie sich aus der erhaltenen Leinwand selbst anfertigen. Als Zwirn benützen sie entweder den von uns erhaltenen oder den Faden der Leinwand selbst. Im Nähen haben sie eine große Fertigkeit, so daß manche ihrer Arbeiten mit der Maschine gemacht scheinen. Auffülligcr-weise find die Frauen hierzulande fast weniger bekleidet als die Männer. Eine Schnur wird um die Hüften gebunden; an derselben werden vorne Blätter oder langes Gras befestigt; hinten läuft die Schnur in lange Fransen ans, die, von weitem gesehen, einem Schwänze nicht sehr unähnlich sind, der beim Gehen hin- und herpendelt. Dies bildet meistens ihre ganze Bekleidung. Wie schon oben bemerkt, suchen wir dieser Unsitte so viel als möglich entgegenzuarbeiten. Alle wissen bereits, daß sich in diesem Aufzuge keine bei uns einfinden darf, wenn sie etwas erhalten will. Gebe Gott, daß unser Muhen diesbezüglich bald von Erfolg gekrönt sei. Vorläufig zeigen die Eingeborenen noch wenig Verständnis dafür. Das Haar scheint bei den Alurn nicht sehr in Ehren zu sein; gewöhnlich oder, besser gesagt, in der Regel ist der Kopf glatt geschoren. Ich muß mich nur »mindern, wie sie es mit ihren primitiven Werkzeugen so gut zuwege bringen. Männer und Frauen machen hierin keinen Unterschied. Häufig lassen sie ans dem Scheitel ein kleines Büschel Haare stehen, das dann als Träger anderer Schmucksachen dienen muß. Gewöhnlich ist dieses Büschel zu einem Zopfe zusammengeflochten, welches der Kürze der Haare wegen aufrecht steht. In diesen Zopf werden dann größere Glasperlen hineingesteckt: die unverheirateten Jünglinge stecken daneben auch noch allerhand Federn hinein, deren Kiel ganz glatt ist und nur an der Spitze ein kleines Büschel hat. Dadurch sind sie sehr beweglich und spielen gar zierlich im Winde, sobald der glückliche Besitzer auch nur die geringste Bewegung macht. Viele lassen auch vorn auf dem Kopf etwas Haare stehen, die dann gleichfalls mit Federn ^geschmückt werden. Einen besonders günstigen Platz für Schmucksachen bieten die Ohren: sie scheinen den Alurn ganz dafür gemacht zu sein. Sie werden oben und unten durchlöchert. Zunächst wird ein Stück Holz oder ein etwas dickerer Strohhalm hineingesteckt, um das Loch recht weit zu halten. Diese vier Hölzer, welche drei bis vier Zentimeter lang sind, geben dem Träger ein ganz eigentümliches Aussehen. Zur gegebenen Zeit werden dann diese Hölzchen durch große Eisenringe oder, wenn es hoch hergeht, durch Messingringe ersetzt, sobald es dem glücklichen Löcherbefitzer gelingt, sich solche zu verschaffen. Will es einem oder dem andern nicht gelingen, sich diese Schätze zu erwerben, so müssen die hiesigen Münzen herhalten, die bekanntlich durchlöchert sind. Ähnlich wie die Ohren wird auch die Unter- lippe geschmückt. Sie wird behandelt wie die Ohren, durchlöchert und das Loch durch ein Hölzchen offen gehalten. Nun geht der Glückliche daran, aus einem Stück Glas, mn besten einem Stück einer Bierflasche, eine Perle zu feilen. In der Tat eine Geduldarbeit. An einem Ende wird die Perle etwas dicker gelassen und damit sie ja nicht durch das Loch falle, wird an diesem Ende auch noch etwas Messingdraht herumgewickelt. Diese so hergerichtete Perle wird von oben durch die durchlöcherte Unterlippe gesteckt. Zum bequemeren Tragen derselben wird dann noch in der unteren Zahnreihe eine Lücke gemacht, indem man die mittleren Schneidezähne auszieht; diese Lücke wird gleichfalls als eine Verschönerung der Person angesehen. Beim Sprechen pendelt dann natürlich diese Perle in komischer Weise um das Kinn herum. Wegen der Lücke in der Zahnreihe kann kein Alurn das „S" richtig aussprechen, deshalb ist eS auch schwer zu unterscheiden, ob ein Wort mit einem „S", einem „Tsch" oder „Sch" ansznsprechen ist, alles lautet bei den meisten gleich unbestimmt. Diese bisher erwähnten Schmucksachcn finden sich bei Mann und Frau, jung und alt. Vielfach sind Kanfschwierigkeiten der Grund, daß das Holz für vieles oder alles herhalten muß. Außerdem befindet sich bei manchen, besonders bei den Frauen, irgendein Schmuckgegenstand an der Oberlippe. Auch sie ist die Trägerin irgendeines Ringes, noch öfter eines Hölzchens. Bei Frauen sieht man z. B. oft einen mit Perlen besetzten Draht. Am Halse finden sich gleichfalls Ringe aus Draht, oft besetzt mit Glasperlen. Dann tritt hier auch eine eigene Art Geflecht ans. Äußerlich hat das Ding das Aussehen von schwarzem Metalldraht, in Wirklichkeit sind es aus Giraffenfell geschnittene dünne Fäden, die zwei- bis dreimal um den Hals geschlungen und dann künstlich verknüpft werden. Hauptsächlich sind Perlen eingelegt. Oft sieht man auch länger herabhängende Schnüre mit verschiedenen Arten von Hölzchen, die nach einigen anzeigen sollen, wieviele Tiere und Tierchen die Betreffenden erlegt haben. Wenn die Alurn einiger Patronen habhaft werden können, so stecken sie ein Hölzchen, mit einer Öffnung versehen, hinein und es leisten dieselben, wenn sie schon nicht für etwas Besseres gebraucht werden können, an der Lippe eines Alurn ihre Dienste. Der Oberarm muß gleichfalls herhalten. Einige haben Ringe aus Elfenbein, aber nicht ! so große, wie sie z. B. die Schilluk tragen; sie sind ungefähr fingerdick; häufig sind es nur zwei aneinander gebundene Stücke. Bei gewissen Gelegenheiten, besonders bei Hochzeiten, tragen sie ihrer manchmal 10 bis 12 an einem Arme, und zwar so, daß sie nach der Mitte hin enger sind. Dieser Schmuck nimmt sich nicht übel aus. Wenn die Ringe aus Messing oder Eisen bestehen, liegen sie sehr enge an, so daß infolgedessen der Arm sehr anschwillt und starke Schmerzen verursachst worüber natürlich Gewohnheit, Brauch und nicht zum mindesten auch Eitelkeit hinweg helfen. Kann sich einer diese Ringe nicht leisten, so begnügt er sich an ihrer Stelle mit einem Drahte, ans dem Perlen gefädelt sind. Das Handgelenk trägt ebenfalls einen Ring ans Messing oder Eisen und sehr häufig daneben einen aus Giraffenhaut, wie er schon beim Halsschmucke beschrieben wurde. Die Finger endlich sind auch zum Teil mit Messing oder Eisendraht umwickelt, welcher zwei- bis dreimal um den Finger herumgewickelt wird. Dieser Schmuck fehlt bei keinem Alurn, auch bei den Kindern nicht. Das Fußgelenk trägt ebenfalls seine Ringe. Die Frauen haben gewöhnlich drei oder vier ziemlich weite Eisenringe am Fußgelenk, welche sie dann beini Gehen spielen lassen. Außerdem befestigen sie überall am Körper, wo es nur angeht, Schnürchen mit Perlen oder Holzstücken, wie wir es schon oben erwähnt haben. Die Alnrn sind überdies am ganzen Körper tätowiert; Gesicht, Brust, Arme und Beine weisen derartige Tätowierungen in allerlei Formen auf; zuweilen sind sie von recht zierlicher Zeichnung; nie sind sie regellos angebracht. Zum Tätowieren fangen sie einige Termiten, deren es in Hülle und Fülle gibt, legen sie auf die bestimmte Stelle itnb sogleich ist ein kleiner, verhältnismäßig tiefer Einschnitt fertig. Diese Termiten haben einen großen Kopf, der ein Drittel ihrer ganzen Körperlänge ausmacht; der Kopf ist mit einer mächtigen Beißzange bewaffnet, mit welcher sie eben ihr Zerstörungswerk ausführen, von dem jeder, der sich einmal in den Tropen aufgehalten, e'n Lied zu singen weiß. Dieselbe dient natürlich auch als Waffe, um sich zu verteidigen. Biele dieser Schmucksachen sowie die Tätowierung des Körpers werden wohl verschwinden, sobald sich die Alurn einmal an einige Kleidungsstücke gewöhnen, zumal die Alurn nicht so sehr am Althergebrachten festhalten. Wie die Alurn keinen National-stolz haben, so sind sie auch nicht kriegerisch gesinnt. Zwar verläßt kein Alurn sein Hans, ohne mit Lanze, Pfeil und Bogen bewaffnet zu sein; es wäre aber gefehlt, daraus auf Kriegstüchtigkeit zu schließen. Diese Waffen dienen ihm nur dazu, um etwa ein Perlhuhn, eine Gazelle oder gar eine Antilope zu erlegen.. Mit Feinden, vor denen sie sich verteidigen müßten, binden sie am liebsten gar nicht an; sollte es doch einmal gegen ihren Willen dazu kommen, so suchen sie eben in der Flucht ihr Heil, anstatt in der Waffe. Die besagte Eigenschaft der Alnrn dürfte auch die Tatsache beleuchten, daß sie alle Waffen von beut nördlich angrenzenden Stamm der Mahdi beziehen. Die Alurn sind von heiterer, gemütlicher Sinnesart. Sie lieben es, zu pfeifen und zu tanzen und lustig und fidel zu lachen und zu scherzen, und haben es gern, wenn die Mondo mit ihnen dasselbe tun. Auf diese Weise kann inan auch leicht ihr Vertrauen gewinnen. So Gott wich glauben wir, von dieser Seite uns leichter ihnen nahen zu können. Die Schule schätzen sie bereits ziemlich hoch. Von Anfang an kamen schon öfters von verschiedenen Seiten Leute, vielfach Abgesandte großer Stammeshäupter der Atscholi, um sich zu erkundigen über uns, über unsere Schule und wann sie anfangen werde. Seit Ende Juni haben wir endlich Schule. Es sind vier Alurn (zwei verloren schon bald die Geduld und versprachen, später wieder zu kommen) und zwei Atscholi. Einer, namens Onguen, kam schon anfangs April zu uns. Die Verpflegungskosten verdient er sich durch Dienstleistungen. Er ist jedenfalls der beste Arbeiter, den wir bisher getroffen haben, seien es Baganda oder Alurn. Er arbeitet den ganzen Tag, ist dabei lustig und fidel und jeden Auftrag führt er sofort aus, ohne jemals zu murren. Wir wundern uns oft über diese so seltenen Eigenschaften bei einem Afrikaner. Solche wird es freilich nicht viele geben. Ein anderer Atscholi kam erst vor einigen Tagen an; die ganze Familie will sich auf unserm Grundstück niederlassen. Alle bisherigen Schüler sind sehr eifrig, lernen lesen und schreiben und die ersten Begriffe des Katechismus. Eines Tages fragte mich einer, ob er jetzt auch vor dem Essen wie die Mondü das heilige Kreuzzeichen machen könne: er hatte nämlich gesehen, wie wir es machen, und er machte es gleich nach. Ein anderer fragte mich, ob er, wenn er einmal das Papier kenne (ein Ausdruck, den sie für jede Kenntnis, die vermittels des Papieres (Buchs übermittelt wird, gebrauchen), beim Tode eines Verwandten auch noch weinen dürfe. Man darf sich aber nicht vorstellen, daß wir die Kleinen nur so ohne weiteres für unsere Schule bekommen. Nein, im Gegenteil haben wir ziemlich zu kämpfen, denn nicht alle Eltern sind damit einverstanden. Viele meinen nämlich, daß ihre Kinder sie nicht mehr bei der Bebauung ihrer Felder unterstützen würden, falls sie in die Schule gingen. Wir versichern sie, daß wir den Kindern unter andern: auch beibrächten, daß sie ihren Eltern gehorchen und das tun müssen, was sie ihnen sagen: damit geben sich dann viele zufrieden. Aber auch die Kleinen sind nicht ohne weiteres zufrieden, daß man ihre Freiheit beeinträchtigt, und sie überlegen es sich lange, ehe sie sich zu diesem Schritt entschließen können. Haben sie sich aber einmal entschlossen, so kommen sie dann ziemlich regelmäßig. Für den Anfang bildet auch die Sprache eine große Schwierigkeit sowie auch die Feststellung der verschiedenen religiösen Begriffe. Unter den Alurn herrscht natürlich auch die Vielweiberei. Da aber der Kaufpreis sehr-hoch ist, ungefähr 50 Schafe für jede Frau, so können viele überhaupt nicht heiraten, was natürlich wegen der allgemeinen Sittlichkeit sehr zu bedauern ist. Die meisten haben aus demselben Grunde nur eine Frau und nur die reicheren können sich deren zwei leisten. Die Häuptlinge haben ihrer bis zu 20, so z. B. unser Häuptling Omatsch. Was die Religion betrifft, so verehren sie einen höchsten Gott, den sie Juok (Dschuok) nennen. Von einem Jenseits scheinen sie nichts zu wissen und jede diesbezügliche Aufklärung setzt sie sehr in Erstaunen. Sie schauen einen dann ganz ernst an, um zu sehen, ob es im Ernst gesprochen wurde. Endlich glauben sie es, weil es die Mondo sagen und die müssen es doch wissen. Überhaupt sind sie leicht zu überzeugen und wenn sie etwas nicht verstehen, glauben sie es eben, weil wir es sagen. Es freut sie sehr, wenn sie hören, daß wir eigens gekommen sind, um sie über Gott zu unterrichten, den auch sie genau kennen lernen möchten. Sobald wir einmal die Sprache besser beherrsche,! werden, werden wir ziemlich viele Zuhörer haben, dessen bin ich gewiß: und hoffen wir zu Gott, daß unsere Worte nicht nutzlos verhallen. Das walte Gott! Der IRegentans bei den Lcbüluk. von fbocbvv. fl). Wlilbelm lb of may v F. S. C. Sonderbar ist es und es entgeht selbst dem langjährigen Bewohner solcher Gegenden nicht, auf jedem Schritt und Tritt erkennen zu müssen, in einem Lande des Fluches zu wohnen. Reichlich, überreichlich an überflutendem, wildem Leben sind manche Strecken der Tropen ausgestattet, dagegen wüst und leer ist der Sudan davongekommen, besonders die Gelände des Weißen Nil. Der Eingeborene erkennt es selbst — der Schilluk sagt, daß er elend geschaffen — und von seinem Lande lobt er, daß es reich an Erde, Gras und Wasser im Flusse sei. Die Schönheit und Mannigfaltigkeit der Gegenden, das Überwältigende eines Urwaldes kennt er nicht, Üppigkeit und Fülle in Flora und Fauna ist dem Schilluk nie zu Augen gekommen und für Blumen in unserem Sinne des Wortes hat er ja fast keinen Ausdruck. Kein Wunder, daß also auch der ganze Mensch so wüst und leer und allem Geistigen ganz abgestumpft geworden ist, ähnlich der Scholle, die ihn trägt. Keine eigentliche konsequente Religion, keine Verehrung des höchsten Wesens, keine regelmäßigen Feste, nur wenn da und dort einer stirbt, so gibt es Totentanz; dann ist es wieder dasselbe einförmige Dahinsiechen der Lebenskraft. Religiöse Akte hat der Schilluk nur in Augenblicken des Schmerzes und der Not und der höchste, feierlichste Kult entspricht eben auch der größten Not im Lande, der Brotnot, des Ausbleibens des Regens vor der Erntezeit. Regen ist im Lande alles, denn künstliche Bewässerung kennt der Schilluk nicht oder will sie nicht kennen. Er legt die Hände in den Schoß und wartet auf den Segen von oben: — kommt er, so ist er gerettet— kommt er nicht, so leidet er zuvor etwas Hunger, dann geht er ihn bitten und opfert; er geht — weil es alte Sitte ist — zum „König" (Nykang). Ciuok, dem Schöpfer, gibt der Schilluk unumschränkte Gewalt über alles; doch ihn kennt er nicht, er ist ihm zu hoch droben, er kann ihn nicht bitten. Reißen jedoch alle Stricke, so wird schließlich auch er noch um Regen gebeten — wie sie einmal taten und es in einem Liede des „Dag", Nykangs Sohnes, besingen. Nach Ciuok wäre eigentlich Deng der Herr der Wolken, aber Nykang und Deng sind Geschwister und Sitte ist es einmal, man bittet Nykang, ihren P. Ibofmagr mit IRatecbumenen aus Tonga. Die hoffnungsvolle fugend der Station. — 3m Hintergründe sieht man eine Schillullhütte. ersten Schillukkönig, der sie ins Land geführt, das sie jetzt bewohnen. Schon bei Lebzeiten hatte sich dieser als Regenmacher ausgegeben und ist es bis jetzt im Volksglauben geblieben. In den Monaten Juni und Juli, wo gewöhnlich der Regen nachzulassen pflegt, wird, um das Getreide zu retten, Nykang gebeten. Kleinere Tanze Pflegen abends in den Dörfern aufgeführt zu werden: doch der große, eigentliche Bittanz findet im Distrikt Tungo — im Dorse Nib odo — statt, woran sich noch Traditionen cm bett einstigen Rastort Nykangs knüpfen, und dauert, die Mittagsstunden selbst nicht unterbrochen, den ganzen Tag hindurch unter Beteiligung sämtlicher Distrikte. Infolge des Zudranges der großen Menschenmenge bedarf der Ort, der Tempel, einer Säuberung und frischen Reinigung vom Grunde aus und so ergibt sich ein Tag der Vorbereitung vor dein Feste. 1. Vorbereitung zum Tanzte ste. Früh morgens schon, am Tage vor dem Feste, ertönt die Trommel in dumpfen Viertelschlägen über die Dörfer hin und ruft das weibliche Geschlecht zur Tempelreinigung/ Ihnen ist heute alles zur Verfügung gestellt, sie haben heute das Monopol im Dorfe. Bei meiner Ankunft war bereits alles int Gange. In der Mitte des Platzes auf einem weißen Kuhfelle (in Ermangelung eines Gestelles, was sich öfter vor-stndet) lagen die beiden Trommeln, tüchtig bearbeitet von den Weibern. — Rings herum drehten sich junge Mädchen im Reigen. Zur Linken luden die zwei großblättrigen, in herrliche Kronen auslaufenden schattigen Sykomoren zu einer kurzen Rast und ich setzte mich unter eine, trat mir das Spiel näher zu besehen. — Kein Mann war ringsum zu erspähen — es trifft heute die Weiber, ihre Arbeit zu tun, und da entfernen sich die Männer. Über mir in den Zweigen rauscht der Wind. Nykang, heißt es, ist gekommen im Winde und er nimmt Besitz von. den Sykomoren, die beide an der Stelle seines einstigen Aufenthaltsortes ihm zu Ehren,. ohne , menschliches Zutun, gewachsen sind. Kräftiger noch fallen die Sopranstimmen der Mädchen ein und wilder tönt jetzt der Kul (Trommel). Dieser DenUa-Wurfcben, Der Denka-Stamm wohnt am rechten Nilufer, den Schillul! gegenüber. Wegen Handel kommen sie auch oft herüber zur Mission. Die Burschen tragen reichen Schmuck aus Perlen und weißen Hemdknöpfen. ist ein ausgehöhlter Baumstamm und mit Streifen aus Kuhfellen überspannt, in bezug auf Farbe und Bearbeitung meisterhaft gemacht. Seine Aufgabe ist es, das.Tempo aufrecht.zu erhalten. Eine kleinere Trommel, in der Form eines Hafens, dient für die Melodie, Im Stintinen beider find die Schilluk nicht zu feinfühlig — wie es eben tut und klingt. Die Begeisterung, welche durch das Wehen des Windes in den Zweigen entstanden ist, dauert fort. Die Mädchen, von Butter und Schweiß triefend, drehen sich elektrisiert im Eifer des Liedes und nun verlassen auch die alten Hexen ihre Plätze, werfen ihre Krücken weg und drehen sich im Takt der Musik in den unbändigsten Formen, immer in der Richtung gegen den Tempel. In den unmöglichsten Verrenkungen und Verdrehungen der Glieder laufen sie, rennen sie, springen und fahren sie um den Tempel herum, bald miteinander, bald entgegengesetzt, machen bald Bücklinge gegen den Tempel, werfen sich zu Boden, stoßen gegen denselben und, wieder umgewendet, heben bald einen Fuß, bald beide Hände in die Luft, gestikulieren bald mit den Lanzen, fuchteln mit Stöcken, verzerren die Gesichter, kreischen und jodeln immer im Sprunge, daß man eher an alles andere als an religiöse Akte erinnert wird. Das ist so ganz ein Hexeusabbath. Der Begeisterung folgt die Müdigkeit und alles rastet für einen Augenblick. Die Älteren darunter verteilen sich — die aus königlichem Geschlecht übernehmen nun die Reinigung des Tempels. Sie holen Sand, schwarze Erde und Wasser und machen damit, infolge der Härte der schwarzen Erde, einen festen, reinlich anssehenden Boden, der sich lange Zeit hält. Eine andere Abteilung ist beschäftigt, Farben zu machen, um damit dem Tempel eilt schöneres Aussehen zu geben. Es sind nur zwei Farben da, welche sie kennen — schwarz aus gekochter, berühmter ägyptischer Molochia und weiß, ans weißer Asche hergestellt. Ist nun der Tempel, besser: der Boden desselben innen und in größerem Kreise auch außen herum schön und fest geglättet, so wird die Umzäunung noch ausgebessert. Das alles geschieht in Begleitung lebhafter Gesänge an den König. Der Tempel (Red) in Nibodo, um davon eine bessere Idee zu bekoinnien, liegt gegen- über den zwei genannten Sykomoren auf einem Hügel und besteht aus zwei Hütten; die dem Flusse zugekehrte ist der Nikaia, der Mutter Nykangs, gewidmet, die viel in den Köpfen der Weiber spukt und im Flusse, im Krokodil Wohnung genommen hat: die andere Hütte ist für N h k a n g. Beide Hütten sind leer bis auf eine Fahne und Lanze Nykangs. Die Eingänge derselben, einander zugekehrt, sind mit einem sehr dichten und hohen Geflechte aus Hirsestangen auf beiden Seiten verdeckt: um das Geflecht ist noch eine Art offener Zaun, nur aus zwei Stäben bestehend, die mit Stricken aus Palmenfasern verbunden sind. Der Eintritt ist nur Priestern und Priesterinnen gestattet. Ist nun auch die Ausbesserung des Daches und der Umzäunung fertig, so wird nun noch die letzte Hand angelegt, das Färben des Tempels. Die Farben werden in eine Kürbisschale geschüttet und nun beginnt die Arbeit an der Außenseite des Tempels. Instrumente braucht der Schilluk wenige: er ist sehr praktisch. Hände und Zähne sind ihm Zange, Messer, Löffel und Pinsel und noch vieles dazu. Mit einer Würde tauchen sie ihre fünf Finger in die schwarze Brühe und ziehen fünf senkrechte Linien vom Dache bis zum Boden des Tempels. Dasselbe Manöver wiederholen sie in kleineren Abständen rund um die beiden Hütten herum. Ist auch dieses fertig, so wird nun noch in weitem Kreise der Tanzplatz von Gras und Blättern gereinigt und so geht es unter beständigem Singen und Tanzen fort bis gegen Abend, wo dann die weitere Vorbereitung geschlossen ist. Alles weitere, die Mode des Tages und Toilette, braucht keiner besonderen Abmachung, es ist bereits erörtert. Alles, was zu haben und anlegbar ist, ist schon gesammelt und bereit: die Garderobe ist bunt in Farbe, Form und Geschmack. Man wählt hier nicht lange, man zieht alles zugleich an, ob es paßt oder nicht: je schwerer beladen, desto wichtiger ist die Person. Ein zerrissener Soldatenstiefel von Kodok für den linken Fuß, ein gleichwertiger Socken irgend eines englischen Offiziers für den rechten, auf dem Kopfe ein einmal rot gewesener Tarbnsch irgend eines Türken oder zugeschnittener Stroh- oder Filzhut, den man aber schwerlich wieder als unser Eigentum erkennt: Türkensäbel, Gewehrkolben ans dem Krimkriege, Hemden irgend eines großen Efendi (natürlich ohne Hosen), Kuh- und Geißschwänze sind in besonderen Ehren; Füße, Leib, Arme, Hals und Kopf voll von Schellen und Glöcklcin, ärger als bei einer Schlitten-equipage; Hühnerknochen, Geißhörner, Schlüssel, Deckel von irgend einer Fleischkonserve, Amu- lette aus ägyptischen Pantoffeln, Henkel von allen möglichen Hafen und dann und wann die gewaltigen Lettern irgend einer deutschen Firma für den Rücken — hiemit wäre so ziemlich das lange Register der Garderobe erschöpft und harrt des kommenden Tages. Der aristokratische Ernst und die tragödische Überzeugung, mit der solche Sachen getragen werden, geben dem Ganzen erst recht den Eindruck einer Komödie. Das weibliche Geschlecht ist beschäftigt, seine Felle mit Butter einzureiben, Perlen und Asche herzurichten — die Männer putzen ihre Lanzen und Spieße glatt und reiben ihre Stöcke mit gestohlenen Ziegeln und somit endet der Tag der Vorbereitung. (Schluß folgt.) Bus dem sllMffionsleben. Um Haube der Denka. (SW) Eines andern Tages kam ich ganz ermüdet bei einem andern Häuptling an. Mbata verlangte sogleich Proviant für die Karawane, wurde jedoch einfach abgewiesen. Der Häuptling sagte mir später: „Suche bei den Denka doch ja keine Nahrungsmittel; um keinen Preis erhältst du solche, wir haben jetzt lange Hungersjahre." „Aber wovon lebst denn du und dein Volk?" fragte ich ihn. „Nur von Milch", war die Antwort. „Milch! So bringe auch mir eine", fuhr ich fort. Einige Minuten später brachte er mir eine große Schüssel voll frischer Milch. Ohneweiteres griff ich zu und trank, soviel ich nur konnte. Den Rest schüttete ich in eine Flasche, um selbe für später aufzubewahren. Inzwischen drückte ich dem Häuptling meine Zufriedenheit aus. Der fühlte sich nun nicht wenig geschmeichelt und zu neuer Großmut angeregt; sogleich bestellte er eine zweite Schüssel voll, welche sodann unter meine Begleiter verteilt wurde. Etwas später brachte mir der Häuptling persönlich auf einer Art Teller ein besonderes Gericht, es war sehr weiß und in große Stücke zerteilt. Sollte es etwa Käse sein, dachte ich bei mir. Ich nahm ein Stückchen, es zu versuchen; doch es war eine Art bitterer Kartoffel. Ich überließ sie also meinen Reisegefährten, welche sich mit einer wahren Gier darüber machten; bald war alles verschwunden. Nach gut verbrachter Nacht wurde ich in der Frühe durch ein sonderbares Geräusch geweckt. Als ich die Augen aufschlug, sah ich Stern der Neger. Heft 11. 250 mein Lager umgeben von einer großen Schafherde, welche von mehreren Hirten zusammengehalten wurde. Mitten drinnen befand sich Mbata, welcher mit lauter Stimme einen Kaufvertrag nach dem andern abschloß. Auch die Verkäufer waren nicht stumm. Indem sie ganz aufgingen in Lobsprüchen auf ihre Waren, entwickelten sie mit seltener Meisterschaft die Genealogien der armen Schafe, deren Ahnen eine ans Wunderbare grenzende Vorgeschichte sich an, ihnen mit umso größerer Aufmerksamkeit zu begegnen: es galt, mit offenen Angen ans Werk zu gehen. Gleichwohl gelang es ihm nicht, einige schlechte Händel zu vermeiden. So kaufte er ein Schaf, das bereits am Verenden war, ein anderes hatte nur drei Füße, andere waren blind oder auf andere Weise entstellt oder krank. In einem Falle mußte ich selbst intervenieren. Ein kleiner Knabe konnte sich nicht entschließen, eine Ziege her- Scbüluft vor einem Grammophon. hatten; das Romantische fehlte natürlich auch nicht. Jene Schafe also wären als Nachkommen solcher Voreltern überaus geschickt, besäßen ein gutes, weiches Herz, seien dem Besitzer bis zur Hingabe des Lebens anhänglich. Sie selbst, die Verkäufer, verständen sich nur sehr ungern zum Verkaufe derselben, die aufrichtigste Freundschaft vermöchte es allein, uns so kostbare Tiere zu überlassen und zu opfern. Mein Minister wußte wohl, welchem Zwecke alle diese Lobeserhebnngm dienten, und schickte zugeben, welche sein Vater an Mbata verkauft hatte. Das Tier mit Händen und Füßen umklammernd, war er nicht zu bewegen, es auszulasten, und widerstand allen Bitten und Drohungen seines Vaters. „Es ist meine Ziege", wiederholte der Knabe ohne Unterlaß, während der Vater ihm beständig zusprach. „Es ist meine Ziege, ich verkaufe sie nicht, ich will sie nicht verkaufen." Mbnta wußte sich nicht mehr zu helfen. „Komm du, Pater, und versuche du dein Glück," wandte er sich an mich, „mit diesem hartnäckigen Knaben ist nichts anzufangen." Ich nahm etwas Zucker und näherte mich dem Knaben; da er die Hörner nicht loslassen wollte, öffnete er beim Anblick des Zuckers sogleich den Mund, mich dadurch auffordernd, ihm etwas hineinzulegen; ich kam der still- die Hände lassen die Ziege los, um noch mehr Zucker in Empfang zu nehmen. Ganz besänftigt kehrt der Knabe zu seinem Vater zurück, während sich die Ziege unter den Schutz meines Ministers des Äußern begeben muß, der sich des Lachens ob der ganzen Sache nicht enthalten kann. Ater Des Mauen Nil in IRbartum. Rechts Km Bilde der Palast des Generalgouverneurs vom Sudan. — Das Nilufer links mit der Landungsstelle der Postdampfer. schweigenden, aber nicht mißznv ersteh enden Aufforderung nach. Sieh', welch eine wunderbare Macht der Zucker in diesen Gegenden hat! Der Mund schließt sich, die erweiterten Augen blicken sogleich heiter drein. Ein sonniges Lächeln durchbricht den vor kurzem noch mit Gewitterwolken bedeckten Horizont. Die Füße setzen sich auf den Boden und auch „Mustafa, ich empfehle dir den Maulesel", sagte ich eines Tages, während wir im Begriffe standen, im Schatten einiger Sträucher die heißesten Stunden des Tages zu verbringen. Mustafa führte ihn also auf die Weide, indem er ihn fest am Zügel hält. Bald schläft die ganze Karawane; eine große Versuchung für meinen lieben Mustafa, er meint sich vor Müdigkeit nicht mehr auf den Füßen halten zu können. Kurz entschlossen bindet er die Zügel an einem seiner Füße cm, um bei dem geringsten Versuche des Maulesels, zu ftiehen, aufgeweckt zu werden, und schickt sich so an, dem Beispiele der andern zu folgen. Doch bald sollte er die gerechte Strafe seiner Unvorsichtigkeit erhalten. Ein schriller Schrei schreckt alle aus dem Schlafe und treibt sie auf die Beine. „Was gibt es?" frage ich. „Der Maulesel flieht wie verzweifelt, indem er den armen Mustafa nachschleppt." Zum Glücke lösten sich die Zügel bald vom Fuße des Unglücklichen und so blieb er denn unbeweglich liegen. Einige leichtere Hautabschürfungen und eine ordentliche Dose von Furcht war alles, was er mitbekommen hatte-, er konnte wirklich von Glück reden. Während ich mich mit den Wunden Mustafas beschäftigte, liefen alle übrigen dem Maulesel nach. Ein Häuptling, der von weitem der ganzen Sache zugeschaut, kommt zu mir heran und ladet mich in sein Haus ein. Dort stellt er mir etwas zu essen vor, indem er hinzufügt: „Von meinem Hanse flieht niemand, im Gegenteil kommen alle sehr gerne zu mir und bleiben noch lieber hier. Fürchte also nichts für deinen Maulesel. Noch jedesmal, wenn einem Engländer ein Maulesel durchgebrannt ist, kam derselbe zu mir, um hier Zuflucht zu suchen." Der Beweisgrund war zwar nicht sehr zwingend, nichtsdestoweniger brachte man gegen Abend das Tier, welches mit Hilfe vieler Eingeborenen wieder eingefangen worden war. Mustafa machte mir auf der Weiterreise die ihm besonders schlau scheinende Bemerkung: um jedes Unglück in Zukunft zu vermeiden, solle ich immer auf dem Maulesel sitzen bleiben, da er sehr folgsam sei, solange ich mich auf seinem Rücken befände, und er (Mustafa) so nicht mehr in Lebensgefahr käme. Wir befinden uns am Flusse Wau-, der Maulesel ist fest angebunden und tut sich an den wenigen dürren Gräsern gütlich. Aller Augen sind auf ihn gerichtet, und um ihn leichter bewachen zu können, wählen wir zum Ruheplatz eine kleine Erhebung, ungefähr hundert Schritte von ihm entfernt. Da auf einmal stürzt sich ein gewaltiges Krokodil auf den Maulesel. Die Zügel zerreißen und im Galopp mitten in eine Herde von Ochsen zu rennen, um sich dort in Sicherheit zu bringen, war das Werk eines Augenblickes. Seit dieser Zeit fand er keine Ruhe mehr, er wollte weder fressen noch trinken. Ich hatte mich endlich auf den Heimweg begeben, aber diesmal in einem feierlichen Aufzuge. Mein Minister des Äußern und mein Staatssekretär waren stolz darauf, eine zwanzig Kopf starke Schafsherde vor sich hertreiben zu können, während sie ans ihren Schultern fast ebenso viele Hühner trugen: es war die Kriegsbeute. Die ganze Rückreise war im voraus besprochen worden; es war festgesetzt, wie lang die Tagmürsche sein sollten, wo wir rasten wollten, sowie der Tag unserer Ankunft in Kayango. Aber auch diesesmal hatten wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht, und zwar war wieder der Maulesel der Wirt. Wir hatten noch nicht die Hälfte des Weges zurückgelegt, als wir bei einer Mittagsruhe das gewöhnliche Reißen an der Kette vernahmen. Bevor wir noch zu ihm kamen, hatte der Maulesel schon das Weite ergriffen. Ich rufe ihn, er bleibt einen Augenblick stehen, blickt mich an, als wollte er sagen: Ich bin entschlossen, weißt du, ich gehe jetzt meine eigenen Wege! — Aber wohin, mein liebes Tier? — Natürlich nach Hause! — Aber nein! — Ich lasse mich nicht abbringen — Du wirst aber den Weg verfehlen. — Habe nur deswegen keine Sorge; ich bin nicht so neu in diesen Gegenden, wie du glaubst. — Habe doch wenigstens jetzt einmal Vernunft, mein lieber Maulesel; siehst du nicht, daß du die Kette noch am Fuße nachschleppst? — Ich ziehe es vor, so nach Hause zu gehen, als daß du sie mir um den Hals bindest. — Aber laß dir doch wenigstens den Sattel auf den Rücken schnallen, damit wir nicht gezwungen sind, ihn nachzuschleppen. Ach, den Sattel! Habe ich ihn dir noch nicht lange genug getragen? Du wirst wohl irgendeinen zweibeinigen Esel finden, dem du ihn aufbürden kannst: ich aber lasse mich nicht mehr dazu bewegen. Ich gehe einfach voraus, um deine frühere oder spätere Ankunft in Kayango zu melden. — Und fort ging es in hellem Galopp in den Wald hinein und Mustafa hinterher, der für einen Augenblick auch an das Hinken vergaß. Die Sonne neigt sich dem Untergange zu: Mustafa, müde vom Laufen, hat zudem auch nicht den Mut, allein ohne jegliche Waffe im Walde zu übernachten. So kommt er denn endlich ganz niedergeschlagen zu Fuß zurück, indem er uns so auch die letzte Hoffnung raubt. „Gebe mir ein Gewehr und Leute, die mit Lanzen bewaffnet sind, so werde ich den Spuren des Maulesels folgen", sagte endlichnach langem Zögern mein Staatssekretär. „Es ist unnütz und zum wenigsten gefährlich zu dieser Stunde." „Und doch wird der Maulesel nicht für lange Zeit den Zähnen der wilden Tiere entgehen oder es werden ihn die Denka einfangen : in keinem der beiden Fälle wirst tut ihn je wiedersehen." Das Argument war zum wenigsten sehr wahrscheinlich. Ich gebe ihm sogleich Proviant für drei Personen sowie Munition für das Gewehr und in Begleitung noch zweier, wovon einer ein Denka war, begibt er sich gerade vor Anbruch der Dunkelheit in den Wald; ich bleibe mit zweien zurück. Die Nacht währte lange. Am Morgen ließ der Häuptling durch seine Leute die Umgegend absuchen, doch vergebens. Gegen 10 Uhr kommt eine Frau und erklärt, am gestrigen Abend einen Maulesel gesehen zu haben. Nähere Auskunft konnte sie mir jedoch nicht geben. Vom Häuptling in die Enge getrieben, gesteht sie, nichts gesehen zu haben. Was soll ich also tun? Ein halber Tag war verstrichen, niemand erschien; soll ich noch länger warten? Nach langem Nachdenken komme ich zum Entschlüsse, in kurzen Tagmärschen weiter zu ziehen. „Das ist bald gesagt," bemerkten mir meine beiden Begleiter, „aber wer wird die Schafe antreiben, wer wird die Hühner tragen und wer endlich wird den Sattel des Maulesels auf sich nehmen, der nicht gerade leicht ist?" Ein neues Hindernis. Ich mache mich an den Häuptling heran und verlange vier Mann von ihm als Träger. Er jedoch blickt mich wild an. „Noch nie ist es einem Engländer gelungen, einen Denka dazu zu bringen, etwas für ihn zu tragen." — Engländer nennen sie jeden Fremden. „Du siehst ja, daß ich in Nöten bin und sonst nicht weiter kann: beim ersten Dorfe der Djur werde ich deine Leute durch Djur ersetzen und sie großmütig entgelten." „Gut also, du sollst zwei Männer haben. Wo ist aber die Belohnung?" „Bezahle ihn, Sekretär," sagte ich, „und zwar großmütig." „Die Bezahlung ist zu gering." „Ich werde ihnen noch ein Trinkgeld geben nach vollendeter Dienstzeit." „Die Denka sind nicht gewohnt, so zu verfahren, sie verlangen das Entgelt im voraus." „Verdoppele die Zahlung," sagte ich zum Sekretär, „damit die lieben Jünglinge ohne Zögern mitgehen." „Und mir, der ich mich deiner so angenommen habe," sagte der Häuptling, „willst dn nichts geben?" „Was verlangst du? Sage es mir rasch, da ich abreisen muß." „Ich will dein- Hosen." Ich konnte mich nicht enthalten, in ein Gelächter auszubrechen. Ich sollte also ohne Maulesel nach Hanse kommen. Das ging noch an: aber auch meine Hosen noch verlieren, dazu konnte ich mich nicht entschließen. Scbüluft. (Photographie von P. Ohrwalder.) Da ich sah, daß sich der Alte von feiner Idee nicht abbringen ließ, so sagte ich: „Also gut, nimm hier die Hosen." Der Häuptling strahlt vor Freude, greift rasch nach den Hosen (es war ein altes Paar-Unterhosen), steckt seine langen Beine hinein. Aber mit jedem Zuge, den der Riese machte, hörte man einen Riß. „Langsam," rief ich ihm zu, „wenn du sie ganz anbekommew willst." Die Arbeit ging ziemlich gut ab: endlich sah man, daß der Alte etwas an hatte. Während er ganz überselig einherstolzierte, betrachtete und bewunderte ihn die hergelaufene Menge. Als ich dann einem der beiden Jünglinge den Sattel geben wollte, damit er ihn trage, betrachtete mich der Häuptling mit großen Augen und schien mir gar sehr zu drohen. „Ist er vielleicht ein Maulesel, da bit ihm einen Sattel aufbürden willst?" Mein Minister des Äußeren, der bisher fast außer sich vor Wut dem Häuptling sein rohes Benehmen nur vorgeworfen hatte, verlor jetzt alle Fassung, und gab seinem Unmute in groben Worten Ausdruck. Auf einen Wink jedoch wandte er sich um, nahm den Sattel auf seine Schultern und wir konnten endlich aufbrechen. Gegen Abend begegnete ich dem andern Teil der Karawane in einem dichten Walde: sie waren auf dem Rückwege, ohne jedoch den Maulesel gefunden zu haben. Den ganzen folgenden Tag gingen wir weiter, ohne kaum mehr an den Maulesel zu Als Soldat wurde er in die englisch-ägyptische Armee aufgenommen. „Siehst du nicht, daß ich nur diese da besitze?" „Und zu Hause?" „Aber mein Haus ist weit von hier." „Ist es denn gar etwas so Großes, für-einige Tage ohne Hosen zu reisen, während ich ohne Hosen bis znm Greisenalter gelangt bin?" denken. Am dritten Tage kam unverhofft unser Maulesel daher, begleitet von einem Dutzend bewaffneter Djur. Nach einem ununterbrochenen Laufe durch Wald und Steppe war er ganz ermüdet in Kayango angelangt, von wo er nach kurzem wieder abreisen mußte, geführt von zwei unserer Christen, indem er den ganzen Weg bis zum Gebiete der Deuka zurückgehen mußte, eine gerechte Strafe für seine Störrigkeit. So konnte ich denn in Muße den letzten Teil meiner Reise zurücklegen und gelangte gesund und wohlerhalten in Kayango an. Hier wurde ich mit Sorge erwartet. Man war durch das unerwartete Erscheinen des Maulesels in Ängsten geraten wegen meiner Person und hatte so die zwei Christen mit dem Maulesel ausgeschickt, mich aufzusuchen. Line sonderbare Leremonie. (Von Schwester Oliva aus Khartum) Es war im Februar 1910. Ter Weg führte uns in das nächste Dorf, um dort unsere Krankenbesuche zu machen. Für kleine Entfernungen benützen wir bescheidene Reittiere: geduldige Esel, die das Sprichwort zu kennen scheinen: langsam kommt man auch ans Ziel. Am Ziel unserer Reise angekommen, stiegen wir ab und sogleich nahte sich uns eine sechzigjährige Frau, die uns mit dem hier bekannten Zagarit, einem schrillen Ton, ähnlich dem Wiehern eines Pferdes, zu begrüßen schien. Sie hieß uns willkommen, drückte uns dreimal recht kräftig die Hand, so kräftig, daß der Abdruck derselben und das entsprechende Gefühl längere Zeit bemerkbar waren. Darauf führte uns das Weib in ein altes Haus: doch diesen Namen verdiente der schmutzige Wohnort nicht einmal und eine feinfühlige Europäerin würde hier gewiß auch ihr Hündlein nicht untergebracht haben. Und an diesen Orten wohnen ganze Familien vernünftiger Wesen! Hier tut es wohl not, daß christliche Kultur unter diese Völkerschaften einbringe! In dieser unbeschreiblichen Wohnung lag auf einem Haufen Lumpen eine arme Negerin mit ihrem erst sieben Tage alten Kinde. Nachdem wir unsere Glückwünsche, wie es ortsüblich ist, dargebracht, bot man uns zum Sitzen ein A n g a r e b (eine Art Bett) an, das zur zerfallenen Hütte paßte und den schönsten Schmuck bildete. Indessen hatten sich an der Tür mehrere Deni Amer. (Photographie von P. Ohrwalder.) Einem Nomadenvolksstamm angehörig, der am Roten Meere wohnt. Personen angesammelt, die vielleicht aus Neugierde gekommen oder zu dieser Gelegenheit -eingeladen waren. Von dieser Gruppe erhob sich plötzlich eine Alte mit feierlicher Miene und näherte sich dem Lager, auf dem die junge Mutter lag. Wer war diese Alte? Wozu war sie hieher gekommen? Wir verstanden sofort, daß wir zu einer religiösen Zeremonie gekommen waren, und die Anwesenheit des kleinen Kindes ließ uns ahnen, daß es sich um eine Taufe nach Art der Mohammedaner handle. Wie wird sich diese Szene nun abwickeln? Mit welchem Ritus? Wir hätten nicht gedacht, einer so grausamen .Handlung beiwohnen zu müssen. Wir versuchten zwar, uns zu verabschieden, es gelang uns aber nicht und wir mußten bleiben; wir mußten, wie man zu sagen pflegt, gute Miene .jmn bösen Spiele machen, setzten uns nieder und . . . maalesch! Jetzt nimmt die alte Hexe — der einzige richtige Name für dieses Weib —- ganz gravitätisch von den Armen der Mutter das unschuldige Geschöpf und geht bis zur Türschwelle. Die Mutter folgt ihr und setzt sich traurig daneben nieder. Die Alte hebt nun das neugeborene Kind, so hoch sie nur kann, schwingt es nach den vier Weltgegenden und spricht dabei: „Bewundere, o Geschöpf, die herrlichen Werke deines Schöpfers!" Dann dreht sie es nochmals und ruft: „O Kindlein, mache, daß du immer würdig seiest, die Werke des Schöpfers zu sehen und zu bewundern!" Beim dritten Schwingen schreit sie: „O Geschöpf, mache, daß du deiner Religion immer treu bleibest!" und nun spricht sie die mohammedanische Formel: „Es ist kein Gott außer -Gott und Mohammed ist sein Prophet!" .(Allah 11 Allah ua Mohammed rashul Allah!) Hierauf setzte sich die Alte gegenüber der Mutter des Kindes, welche mit Tränen in den Augen der traurigen Szene beiwohnte. Die Alte nahm das kleine Geschöpf auf die Knie und schnitt ihm überall etwas ab. Die Metzgerei fing bei der Stirne an und erstreckte sich auf alle Glieder des armen Opfers. Vom zarten Leib des Kindleins träufelte das Blut; ein steinernes Herz hätte erweichen mögen. Und die Mutter? Schmerzvoll blickt sie ihr Kind an und denkt . . . ja, sie denkt, daß noch nicht alles vorüber ist und daß sie sich selbst einer äußerst schmerzlichen Zeremonie unterwerfen muß. Die alte Hexe legt nun das blutende Kind aus das Lager, nähert sich mit dem blntgefärbten Messer der Mutter und befiehlt ihr, sich die Brust abzudecken. Voll Furcht zieht die Arme sich zurück, doch was hilft's? Sie muß ihr Blut mit dem des Kindes vermischen: umsonst wendet sie die Augen flehentlich nach allen Seiten, niemand wird gerührt. Die Großmutter des Kindes tritt jetzt vor und deckt der jungen Mutter die Brust ab und sagt zur Alten: „Nimm und schneide, damit wir mit dem Neugeborenen eine Sache werden und in inniger Freundschaft immer vereint bleiben." Die Hexe läßt es sich nicht zweimal sagen, macht drei tiefe Einschnitte, so daß viel Blut herausfließt, und wischt das von Blut triefende Messer an der Brust der Unglücklichen ab; damit hat die unmenschliche Szene ein Ende. Unmöglich kann ich die Gefühle beschreiben, die sich meiner bemächtigten: Mitleid, Abscheu und Unwillen empfand ich zugleich. Wahrlich, unsere heilige Religion ist eine Religion der Liebe! Ich sandte ein inniges Gebet zu Gott, daß er sich würdige, viele Ordens- und Missionsberufe zu erwecken, damit sie in diesen Weinberg gesendet würden, wo die Ernte so reich, aber der Arbeiter so wenige seien! Nachdem die religiöse Zeremonie beendet ist, beginnt der heitere Teil des Festes. Auch für die Vögel wird ein gewisses Maß Durra rings um die Hütte gestreut. Auf dem Rückwege hatten wir das Glück, zwei unschuldige Kindlein zu taufen, welche bald darauf ihren Flug zum Himmel nahmen. Heft 11. Stern der Neger. 257 iiläi ( ^—— jj Unterbaltenbee. j? — N -V Schwatzes ■Reifen und Bbenteuer Im Unnern 14. Kapitel. Sklave. Nach kurzer Zeit kam ich wieder zum Bewußtsein, allein in welch trauriger Verfassung befand ich mich! Die Sklavenkarawane hatte kampiert und ich befand mich inmitten der Unglücklichen. Man hatte mich alles dessen beraubt, was ich gehabt, nur Hose und Hemd waren mir geblieben. Die Füße waren gefesselt; die kurze Kette gestattete mir nicht, lange Schritte zu machen. Am Halse trug ich eine Halsgabel, die mir beinahe den Atem benahm und mich zwang, den vorderen Teil derselben mit beiden Händen hoch zu halten. Ich hatte den Wunsch gehegt, die Sklaverei in Afrika zu studieren. Nun hatte ich mehr als erwünscht Gelegenheit dazu, da ich selbst ein armer Sklave geworden. Nicht weit von mir saßen 15 Araber. Ihr Anblick war schreckencrregend; sie waren schlecht gekleidet und überaus schmutzig. Gierig verspeisten sie große Fleischstücke und warfen mit roher Miene die Knochen den zweihundert oder noch mehr Sklaven zu, die voll Sehnsucht ans jene Speisen hinschauten und vor Hunger zu wahren Skeletten abgemagert waren. Unter den Sklavenjägern bemerkte ich einen, der mir bekannt zu sein schien. Da ich ihm jedoch nicht ins Gesicht sehen konnte, so wußte ich nicht zu sagen, wer es wohl wäre. Ans einmal drehte er sich um .. . Mein Gott, Barmherzigkeit! In wessen Hände bin ich gefallen! Nun schwand mir alle Hoffnung, mich je wieder befreien zu können, und ich sah meinen Tod, einen schrecklichen Tod, vor Augen. Es war niemand anderer als Da-gombe; ich war in die Hände meines Todfeindes gefallen. Wie tnich aus seinen Händen befreien, da ich an allen Gliedern gehindert war? Es gab für mich kein Entrinnen mehr. Wäre Gott nicht BSlf CritjClTt» (Sort)eljung.) Afrikas. — Don Dr. Dugo /UMonl. mir schützend zur Seite gestanden, ich wäre als-Opser der Grausamkeit Dagombes gefallen, meine-Knochen lägen im Herzen des schwarzen Kontinents und von mir wäre keine Nachricht mehr zu meinen Lieben gedrungen. Dagombe wandte sein Gesicht ein zweites Mab mir zu. Er merkte, daß ich wieder zum Gebrauch meiner Sinne gekommen war; da sprang er aus und lief auf mich zu. Als er nahe an mich herangekommen war, neigte er sich, so daß ich ihm„ obwohl ich am Boden hingestreckt lag, ins Gesicht sah. Rache und höllische Freude waren auf demselben zu lesen. „Sei gegrüßt, frommer Hadschi!" redete er mich mit unsäglicher Verachtung an. „Sei gegrüßt!" antwortete ich, indem ich zulächeln versuchte. Mit Schweigen hätte ich nichts ausgerichtet. Dagombe hätte daraus wahrscheinlich geschlossen,-daß ich ihn fürchtete. Viel besser war es, wenn ich mit ihm derart sprach, daß er sah, ich fürchtete ihn nicht sonderlich. „Endlich habe ich dich in meiner Gewalt!"-begann der Sklavenjäger. „Endlich! Unaussprechlich hasse ich dich. Du hast mir die zwei. Christenhnnde von Sklaven auf dem Markte-von Nyanngne entrissen, hast mich in jener Nacht-verwundet — die Wunde ist heute noch offen und verursacht mir unsägliche Schmerzen — du hast meine Getreuen getötet, meine Sklaven befreit und so mich zum Bettler gemacht; du hast den-Schwarzen des angezündeten Dorfes den Sieg verschafft, Cassongo mir zum Feinde gemacht I Du bist mein Feind! Schrecklich soll meine Rache sein!" „Töte mich!" sagte ich ganz ruhig. „Möchtest bit gerne sterben? Das glaub ich!'" fuhr er kichernd fort. „Der Tod wäre dir lieb,, weil er dich vor den unsäglichen Schmerzen be- wahren würde, die deiner harren. Hundertmal sollst du dem Tode nahe sein, bevor du wirklich stirbst. Alle erdenklichen Martern, alle Todesarten sollst bit verkosten. Stöhnend und weinend sollst du dich im Staube walzen. Um den Tod wirst du bitten ivie tun die größte Gnade und Wohltat. Den Saum meines Kleides wirst du küssen, mich bittend, ich möge deinem elenden Dasein ein Ende machen. Ich aber werde lachen und dich nicht töten. Keinen gibt es, noch wird es, jemals geben, der so viel erduldet, wie du leiden wirst." „Schwätzer!" sagte ich mit Verachtung. Er versetzte mir einen Fußtritt in die Seite und fuhr fort: „Du glaubst nicht, was ich sage? Erschrick, Christenhund, und zittere! Dagombe hat kein Herz für die Sklaven, weil sie keine Menschen sind. Du bist ein gemeiner, ein verworfener Sklave, du bist eine Ware und kein Mensch. Daher kenne ich dir gegenüber kein Mitleid. Weißt du, daß ich schon wenigstens hundert Sklaven, Männer und-Frauen, alte und junge, gequält habe, und zwar in der ausgesuchtesten Weise, und daß ich an ihrem Tod ein übergroßes Vergnügen empfunden habe? Ihr Stöhnen, ihre Seufzer klangen in meinem Ohre wie süße Musik. Alle jene Qualen, die ich bei den einzelnen anwandte, sie sollen insgesamt bei dir zur Ausführung kommen und während ich bei der Marter jener endlich ermüdete und ihnen den Gnadenstoß versetzte, werde ich bei deinen Martern nie ermüden. Monatelang loerbe ich dich quälen und deine Schmerzen sollen meine größte Freude sein." Ich erwiderte ihm: „So beginne mit der Marter!" Dies sagte ich trotz meiner Angst, um ihm nicht zu erkennen zu geben, daß seine Worte mich erschreckt hatten. Meiner Ehre als Krieger schuldete ich dieses Verfahren. Überrascht blickte er mich an; er konnte meine Gemütsruhe und meinen augenscheinlichen Wunsch, gequält zu werden, nicht begreifen. Kopfschüttelnd fragte er mich: „Gefällt dir die Tortur?" „Ich wünsche, sie zu probieren. Wenigstens kann ich sagen, daß ich gequält wurde", antwortete ich. Verwundert schaute er mich an, schüttelte neuerdings das Haupt und fuhr fort: „Ich kann dich nicht begreifen." „Erhöre. also'meinen Wunsch und beginne mit der Tortur!" „Verlangst du darnach?" fragte er, indem er mir einen Blick zuwarf, gleich dem, mit welchem die Katze das kleine Mäuschen betrachtet, das sie zwischen den Krallen hält. „Ich wünsche es." „Nun gut. Wisse, daß du hetzt nicht mehr ein Mensch, sondern eine Ware bist. Als Sklave hast du nichts zu wollen, nichts zu verlangen; keiner deiner Wünsche soll je gestillt werden. Ich glaube, die Ursache deines Wunsches zu kennen." „Du kennst sie nicht, Dummkopf", versetzte ich mit großer Verachtung, um ihn zu reizen und dazu zu bringen, die Ursache, der er mein Verlangen zuschrieb, mir zti enthüllen. „Weißt du auch, wohin wir marschieren?" fragte er. „Ich weiß es." „Also habe ich mich nicht getäuscht. Dein Sklave, jener Hund, den zu ergreifen uns nicht gelang, ist entflohen." „Gott Lob!" dachte ich. Josef ist entkommen. Da er mir treu ergeben war, so konnte ich mit Grund hoffen, er werde alle Hebel in Bewegung setzen, mich aus der Gewalt meines Todfeindes zu befreien. Am angezeigtesten wäre es gewesen, wenn der junge Neger in das nicht besonders weit entfernte Cabambare sich begeben und Pater Damian von meiner Gefangennahme und dem bevorstehenden Gewältstreich gegen die Ortschaft benachrichtigt hätte. Dieser Ansicht schien auch Dagombe zu sein, der nun fortfuhr: „Er wird zur Mission geeilt sein, um die Missionäre zu warnen. Du möchtest nun, daß ich dich marterte und so die kostbare Zeit verlöre, so daß dein Sklave die Weißen alarmieren und die Mission in Verteidigungszustand setzen könnte! Dem wird aber nicht so sein. Ich werde dich bis Cabambare mitnehmen; dort sollst du mit eigenen Augen sehen, wie die Mission genommen wird und die Christenhunde, die der Mission so viel Kosten verursachen, meine Sklaven werden. Du sollst zusehen, wie die Ministe gemartert werden. Nachdem du bei all dem den müßigen Zuschauer gespielt, dann wirst du gemartert werden von mir, dem Triumphator, dem be- rühmten, unerschrockenen, heldenmütigen und allgepriesenen Dagombe." Auf Grund dieser Auseinandersetzungen Da-gombes konnte ich hoffen, es werde sich im Verlaufe der Reise bis Cabambare vielleicht doch noch Gelegenheit zu meiner Rettung bieten. Der Grobian versetzte mir dann noch ein Paar Fußtritte und gab dann das Zeichen zum Aufbruch. Die Sklavenjäger trieben nun mit Peitschenhieben die armen Sklaven auf, stellten sie in Reih' und Glied und trieben sie dann vorwärts. Beim ersten Befehl Dagombes erhob ich mich. Es gelang mir dies nur mit Aufbietung aller meiner Kräfte. Meine Bereitwilligkeit im Aufstehen ersparte mir jedoch nicht einige Peitschenhiebe. Und ich kann Dagombe das Zeugnis , ausstellen, daß er mir sicherlich keine leichten gab, denn sie zerfleischten meinen Rücken derart, daß das Blut zu Boden tropfte. Die Schmerzen, die ich während des Marsches erduldete, sind unbeschreiblich. Ich dachte daran, daß aber diese Schmerzen täglich Tausende von unglücklichen Sklaven in Afrika zu erdulden haben, daß ich doch ein starker und an Strapazen gewohnter Mann bin, während unter den Sklaven auch arme Kinder und junge Mädchen sich befinden, die in ihrem langen Leiden aller Stärkung und allen Trostes entbehren. Ich, ein katholischer Christ, konnte mich in jenen traurigen Stunden trösten mit dem Gedanken an meinen gekreuzigten Heiland, an den Himmel und die Seligkeit, die nach diesem Leben mich erwarten. Diesen Trost jedoch hatten die armen Sklaven nicht, da sie in einem falschen Glauben geboren und erzogen waren, der dem Sklaven überhaupt keine Seele zuerkennt oder, wenn er sie ihm zuerkennt, ihm erklärt, daß, wer in diesem Leben Sklave war, auch im kommenden es bleiben müsse. Gegen Abend machten wir Halt. Wir hatten drei Berge überstiegen und konnten meines Erachtens nicht mehr weit von Cabambare entfernt sein. Die Sklaven, ich unter ihnen, streckten sich, so gut es eben ging, am Boden hin, während die Sklaveujäger ein Feuer anzündeten und sich rings um dasselbe gruppierten. Einer aus ihnen verabreichte jedem der Sklaven eine Hand voll Durra, nur ich ward ausgenommen. Zwei -Sklavinnen machten mit einem Kruge Wasser die Runde, so daß jeder seinen Durst stillen konnte. Als die Frauen auch mir das Wasser anbieten wollten, hielt sie Dagombe zurück. „Jener Mann soll Durst leiden!" sagte er ihnen. Voll Mitleid schauten mich die Neger an; sie begriffen, daß ich ein Feind der Sklavenjäger und somit ein Freund der Sklaven sei. Sie hätten es folglich nicht ungern gesehen, daß auch ich etwas zu essen und zu trinken bekommen hätte. Die Sklavenjäger aßen gut und tranken noch besser. Das Bier, das sie in dem nachts vorher angezündeten Dorfe gestohlen hatten, stieg ihnen bald in den Kopf. Nachdem sie eine Zeitlang geschrien und gelärmt hatten, legten sie sich auf den Boden, um zu schlafen. Dagombe kam nochmals zu mir, versetzte mir einige Peitschenhiebe und nahm mir die Halsgabel ab. Dafür gab er mir einen Ring um den Hals und kettete mich an einen Trupp Sklaven. Ich hätte mich wehren können, da meine Hände frei waren; ich konnte Dagombe als Hals erfassen und erwürgen. Allein damit hätte ich nichts ausgerichtet; ich konnte nicht fliehen, da meine Füße in Ketten geschlagen waren; unmöglich konnte ich hoffen, die Feinde auseinander zu treiben, weil ich unbewaffnet und ihre Zahl zu groß war. So ertrug ich denn geduldig jene barbarische Behandlung. Dagombe kehrte zu den Arabern zurück, legte sich auf den Boden und schloß die Augen. Nach kurzer Zeit konnte ich aus dem regelmäßigen Atmen der Sklavenjäger entnehmen, daß sie schliefen. Auch die Sklaven waren bald in tiefen Schlaf versunken. Nur über meine Augen wollte der Schlaf nicht kommen. Das toar das Werk der göttlichen Vorsehung. Am Rande des Waldes, der unser Nachtlager umgab, erblickte ich einen Schatten. Vorsichtig geht die Person immer näher an uns heran, ohne ein Geräusch zu machen. Die Person, die sich näherte, war schwarz, aber nicht gefesselt. Wer konnte doch jener sein, der sich in die Höhle des Löwen wagte. Jener mußte eine Kühnheit sondergleichen besitzen, da ihm im Falle, daß er entdeckt und gefangen wurde, Tod oder mindestens harte Sklaverei bevorstand. Vielleicht war es ein Bewohner des angezündeten Dorfes, der gekommen war, um seine lieben Toten zu rächen und dafür den grausamen Henkern ein Ende zu machen. Der Schwarze wirft den Arabern nur einen Blick zu und wendet sich dann zu den Sklaven; nun ist er mir ganz nahe. Ich beobachte ihn aufmerksam und glaube ihn zu erkennen. Ist er es? Aber nein, das ist unmöglich. Er hätte nicht den nötigen Mut zu einem solchen Wagnis aufgebracht. Der Schwarze hat mich erblickt; die größte Freude spiegelt sich auf seinem Antlitz; nur mit Mühe unterdrückt er einen Schrei... Er macht noch zwei Schritte.. . Wirklich, er ist es, Josef, mein treuer Sklave. Gott sei Dank! Er hatte mich also nicht vergessen. Die Dankbarkeit vermochte also in dem treuen Sklaven mehr als Furcht und Feigheit, die man von einem solchen Sohne des schwarzen Kontinents eher erwartet hätte. Nun konnte ich auf Befreiung hoffen. Nachdem sich Josef nahe an mich herangeschlichen hatte, sagte ich ihm: „Lege dich an meiner Seite nieder!" Er gehorchte. Nun war er sicher. Wenn auch ein Araber erwacht wäre, hätte er doch den freien Neger unter den Gefangenen nicht bemerkt. „Was soll ich zu deiner Befreiung tim?'' fragte mich Josef. „Mache dir meinetwegen keine Sorge! Denke daran, daß die Sklavenjäger gegen Cabambare ziehen. Haben wir noch weit bis dorthin?" ,,Binnen drei Tagen wirst du in Cabambare sein." „Hast du den kleinen Pack bei dir?" „Ja, ich habe ihn verborgen." „Du wirst darin hinreichend Proviant finden. Eile, so schnell du kannst, nach Cabambare, benachrichtige P. Damian vom Überfall, den die Araber planen, trachte aber ja, vor ihnen anzukommen. P. Damian soll die Neger bewaffnen und die unmenschlichen Sklavenjäger nach Gebühr empfangen. Wenn ihm der Sieg gelingt, bin ich gerettet." „Ich würde es gern tim, aber wenn sie dich unterwegs töten?" „Sie werden es nicht tun. Gehorche! Ich bin dein Herr und befehle dir, zur Mission zu eilen", erwiderte ich in strengem Tone. „Ich will dir Folge leisten. Gebe Gott, daß ich dich lebend wiedersehe!" antwortete der Neger. „Beten wir zum Herrn. Und was ist es mit Heinrich?" „Er ist tot." „Der Arme, er war mir treu ergeben. Nun fort, Josef, und laß dich nicht mehr blicken!" Ebenso vorsichtig, wie er gekommen, entfernte sich der Neger wieder. Wahrlich, seine Geschicklichkeit, unbemerkt einem Feinde sich zu nähern, hätte einem Indianer Nordamerikas alle Ehre gemacht. Während jener Nacht konnte ich kein Auge schließen. Endlich brach der Morgen an. Die Sklavenjäger erhoben sich, als erster unter ihnen Dagombe. Er kam zu mir und versetzte mir einige Fußtritte in die Seite mit den Worten: „Auf, Elender!" Hierauf erhielt ich einige Peitschenhiebe, die mir meine Haut aufrissen und unsägliche Schmerzen verursachten. Dagombe kehrte zu den übrigen Sklavenjägern zurück und verrichtete mit ihnen das Morgengebet zu Allah und dessen Propheten Mohammed. Es war befremdend, zu sehen, wie jene Männer, jedem Laster ergeben, schuldig der größten Verbrechen, ihren Gott baten, ihr ruchloses Leben zu erhalten, um weiterhin Frevel um Frevel zu begehen. Sie glaubten, in der schmählichen Behandlung der Sklaven ein Gott wohlgefälliges Werk zu verrichten. Nach vollendetem Gebete nahmen die Sklavenjäger ihr Frühstück ein; wir bekamen nichts, denn wir waren nur eine Ware. Hierauf setzte sich die Karawane in Bewegung. Während des Marsches hatte ich wieder lln-sägliches zu leiden. Die Fesseln, die rohe Behandlung und die glühende Hitze der afrikanischen Sonne trugen das Ihrige dazu bei. Trank und Speise bekam ich nur so viel, als eben hinreichte, daß ich nicht ganz entkräftet zu Boden sank. Als wir am Morgen des dritten Tages auf dem Kamm einer Bergkette dahinmarschierten, sah ich zu meiner Rechten einen tiefen Abgrund. Da kam mir der Gedanke: „Stürze dich in jene Tiefe und mache deinem elenden Leben ein Ende; deine Schmerzen und Leiden werden so mit einemmal aufhören." Ich glaubte, vor Schmerz den Verstand zu verlieren. Die Stimme der Versuchung wurde immer stärker, schon machte ich einen Schritt gegen den Abgrund ... Niemand hatte meine Absicht erkannt. . . Da, im letzten Augenblick, kam mir mein Schutzengel zu Hilfe. Mit einemmal erkannte ich die Größe der Schuld, die ich durch jene Tat auf mich geladen hätte. Der Gedanke an Gottes Strafgericht hielt mich von jenem Verbrechen zurück. Schreckliche Beispiele von Grausamkeit mußte ich mit ansehen. Dieser Sklave geht etwas zu langsam; die Peitsche treibt ihn vorwärts. Jenes Mädchen kann nicht mehr Weiler, da ihre zarten Füße voll Wunden sind; der rohe Sklavenjäger kennt kein Mitleid, die Geißel saust auf sie nieder. Dieser Kleine vermag nicht mehr zu gehen; zwei Peitschenhiebe nehmen ihm das Leben. Wenig hat cs zu bedeuten, wenn das Herz der Eltern, die sich in den Reihen der Sklaven befinden, bei solch einem Anblick blutet, wenn sie aufheulen vor Schmerz und vergebens ihre letzten Kräfte aufbieten, um die Ketten zu sprengen. Sie sind Sklaven und ihr Peiniger lacht dazu. Zehn Sklaven waren zusammengefesselt. Einer aus ihnen, der fünfte in der Reihe, kann den Marsch nicht mehr fortsetzen. Nichts fruchten die Peitschenhiebe. Er wankt, fällt zu Boden und kann sich nicht mehr erheben. „Schleppt ihn mit euch!" ruft der rohe Sklavenhändler dcn Schwarzen zu und zwingt sie mit der Peitsche zum Weitergehen. Diese schleppen also ihren Genossen mit, wobei sein Körper den Boden streift. Aber die nenn Sklaven, die sich noch ans den Füßen halten, können den Gefallenen nicht lange mit sich fortschleifen. Das begreift auch Dagombe. Er läßt also jene kleine Reihe Halt machen, tritt an den Gefallenen heran und, um mit dem Offnen des Halsringes, womit der Arme mit den übrigen gekettet ist, keine Zeit zu verlieren, zieht er aus seinem Gürtel ein großes Messer hervor ... Ich verstehe, was das zu bedeuten hat, und schließe die Augen... Ich höre ein rohes Gelächter und öffne sie wieder. Dagombe hatte des Sklaven Kopf vom Rumpfe getrennt und lachte mit Wohlgefallen, als er Oie schrecklichen Zuckungen der Kopfmuskeln sah. Der Rohe war noch schlechter als ein wildes Tier; ein Tiger, eine Hyäne waren ihm gegenüber noch ein Symbol der Milde. Es kam der Abend des dritten Tages. Wir ließen uns in einem dichten Walde nieder. Nachdem das Lager aufgeschlagen war, kam Dagombe, von zweien seiner Helfershelfer gefolgt, zu mir. Diese nahmen mir die Halsgabel ab und schleppten mich zu einem Baum, an den sie mich mit starken Stricken banden; die Füße blieben gefesselt. Wozu das? Warum wurde ich diese Nacht nicht zu dcn andern gefesselt? Nachdem Dagombe eine Zeitlang mit seinen Genossen gesprochen, kam er auf mich zu. „Hund! Cabambarc ist nahe. Diese Nacht wird der Angriff ans die Mission gemacht!" begann er. Er machte eilte Pause, indem er auf eine Antwort wartete. Die Nachricht, so ich jetzt cr-hälten, machte auf mich einen schrecklichen Eindruck. Ich war von Europa gekommen, um die Mission zu unterstützen, und jetzt war ich, während sie in der größten Gefahr schwebte, zur Untätigkeit gezwungen, war selbst ein armer Gefangener, der des Beistandes, der Hilfe bedurfte, um die Bande zu sprengen. Antwort gab ich Dagombe keine. Wie leicht hätte ich das Los meines armen Pater Damian durch meine Worte noch verschlimmern können! „Die Mission wird in unsere Hände fallen und auch die Neger, die dem Glauben der Weißen folgen und Jesus, den Sohn Marias, anbeten, der ein falscher Prophet ist. So mirit der Halbmond über das Kreuz triumphieren." Ich verharrte in meinem Schweigen. „Bist du so frech, daß du mir auch nicht ein Wort erwiderst?" fragte mich Dagombe mit Verachtung. „Bald will ich dich zum Sprechen bringen. Du tvirst Zeuge selu, tute die Missionäre unter tausend Schmerzen sterben, und jene Schmerzen werden nur ein schivaches Bild von dem sein, was du zu erdulden haben wirst." „Ganz gut", erwiderte ich. „Ich sehne mich nach dem Augenblick, wo du beginnen wirst, mich zu martern." „Du bist ein Dummkopf, ich wiederhole es, du bist ein Dummkopf. Aber keine Furcht. Deine Martern sollen bald ihren Anfang nehmen." Nach diesen Worten entfernte er sich. Die Sklavenjägcr nahmen ein reichliches Abendessen zu sich. Hierauf wurden die Sklaven derart an die Bäuine gebunden, daß ein Entkommen unmöglich war. Ein einziger Araber, das Gewehr schußbereit, blieb beim Feuer zurück; die andern entfernten sich. Dagombe jedoch kam vorerst nochmals zu mir und sprach mich also an: „Auf baldiges Wiedersehen!" Ich gab ihm keine Antwort. „Wehe dir, wenn du dich rührst. Du bist gut angebunden, aber wenn du dennoch Anstrengungen machst, um dich zu befreien, so ist jenes Gewehr dort auf dich gerichtet", fügte er hinzu, indem er auf den Araber, der beim Feuer zurückgeblieben war, hinwies. Die Sklavenjäger verschwanden im Walde. Meine Lage war äußerst peinlich. Das christliche Dorf konnte nicht mehr fern sein, da die Sklavenjäger noch in dieser Nacht den Angriff machen wollten. Es schwebte in der größten Gefahr und ich befand mich in geringer Entfernung von ihm, verurteilt zu beweinenswerter Untätigkeit. Ich wußte meine Brüder im Kampfe mit den grausamen Sklavenjägern und konnte keine Hilfe bringen. Ich war an den Baum gebunden. Daß ich doch jene Stricke, die mich gefesselt hielten, hätte zerreißen können. Ich bin ein starker und robuster Mann. Wer weiß? Vielleicht gelingt es mir! Alle meine Kräfte spannte ich an, um die dicken Stricke zu zerreißen, allein vergebens. Die Fesseln drangen in mein Fleisch ein und machten Hände und Füße bluten, aber gaben nicht nach. Statt dessen vernahm ich eine Stentorstimme, welche mir zurief: „So, so! Du gibst dir umsonst Mühe. Die Stricke sind gut und haben initiier ihre Pflicht erfüllt. Wenn du aber nochmals versuchst, sie zu zerreißen, so hast du es mit meinem Gewehr zu tim." Es war der beim Feuer zurückgebliebene Araber, der seine Feuerwaffe auf mich gerichtet hatte. Ich antwortete nichts. Wohl sah id) ein, daß meine Bemühungen vergebens sein würden, und so stand ich von weiteren Versuchen ab. Statt dessen horchte ich mit gespannter Aufmerksamkeit, ob ich nicht vom angegriffenen Dorfe her einen Lärm vernähme; ich hörte nichts. So verging Stunde um Stunde. Plötzlich glaubte ich, hinter mir ein leises Geräusch zu vernehmen, wie von einem, der sich vorsichtig näherte. Höre ich recht oder habe ich mich getäuscht? Aber, nein, das Geräusch wiederholt sich. Jemand naht sich vorsichtig. Wer ist es? Vielleicht Dagombe, um zu sehen, ob der Araber, den er zurückgelassen, seine Pflicht erfülle. Mit einem Male sehe ich den blendenden Schein einer Feuerwaffe, höre einen Schuß. Der Araber fällt getroffen zu Boden und eine schwarze Gestalt erscheint auf dem Felde, das rauchende Gewehr in der Hand: Josef. „Josef!" rufe ich voll Freude. „Herr, Herr!" jubelt mein Sklave. Er stürzt auf mich zu, schneidet die Fesseln entzwei, die mich gebunden. Ich bin frei. Gott sei Dank! Die Schwarzen erheben ein wahres Höllengeschrei. „Nimm ein Gewehr und gehen wir", sagt mir mein Sklave 1111b Befreier. „Wohin?" „Zur Mission. Sie schwebt schon in höchster Gefahr." Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Neben dem gefallenen Araber lag das Gepäck der Sklavenjäger, worin sich meine Waffen befanden. Dagombe hatte versucht, sich der Gewehre und Revolver zu bedienen, verstand jedoch deren Gebrauchsweise nicht. So hatte er sie ans dem Felde zurückgelassen. Das lvar mir zum Heile. Sofort steckte ich die Revolver in den Gürtel und schulterte die Gewehre. Dann eilte ich mit Josef in den Wald. (Schluß folgt.) Verschiedenes. Die Misstonsvereinigung katholischer Frauen und Znngtrauen. Vor mir liegt der Jahresbericht der Missions-Vereinigung kath. Frauen und Jungfrauen und ich muß gestehen, das Ergebnis desselben ist ein ehrenvolles Zeugnis für die geschlossene Tätigkeit unserer kath. Frauen. Da sehe ich eine rege Missionsarbeit, Frauen aller Kreise und Stände in eifrigem Wettbetrieb zum Besten der Missionen! Ich finde da auserlesene Namen, deren Träger-Jahrzehnte hindurch als wahre Kämpen für die Kirche das Schwert des Glaubens schwangen. Über 117.600 Mitglieder zählt die Vereinigung, die, nach Diözesen organisiert, sich über ganz Deutschland ausgebreitet hat und doch leider noch zu wenig bekannt ist. Ihre Jahreseinuahme beziffert sich 1909/10 auf 70.871 Mark, nicht eingerechnet den Wert der nach den Missionen gesandten Paramente und kirchlichen Gerätschaften, welche zu 58.982 Mark taxiert wurden. Wir zählten z. B. 4 komplette Tragaltäre, 24 Kelche, 13 Ziborien, 8Monstranzen, 1 Tabernakel mit Altarbild, 2 große Statuen für Altäre, 44 Altarleuchter, LKirchen-Harmoniums, Chorlampe, Weihwasserkessel usw. und über 260 Kasein und Alben, an 13 Pluviale und dann eine Fülle von kirchlichem Leinen. Einschließlich unserer l 7 Kolonialmissionen, welche in besonderer Weise Unterstützung fanden, wurde 89 Missionen in allen Erdteilen — auch jenen in der deutschen Diaspora — Hilfe gereicht; zu 379 Taufen wirkte die Vereinigung mit, teils durch Übernahme der Patenschaft, teils durch Loskauf von Heidenkindern. Bei den Kopten unterhält sie die Schule St. Boni-fazius; die Aussätzigen-Heime in Indien, die deutschen Missionsunternehmungen in Japan und Korea fanden Unterstützung; in alle Länder fielen die Segenstropfen dieses schönen Werkes nieder. Eine rege Propaganda vcrhälf ihm zu diesen Erfolgen: 41 Missionsvorträge — größtenteils unter Anwendung von Lichtbildern — wurden von der Vereinigung veranstaltet; ferner kleinere theatralische Aufführungen, bezw. lebende Bilder, 7 Paramenten-Ausstelluugen, darunter die zu Bingen am Rhein mit dem großartig verlaufenen kirchlichen Missionsfeste auf dem Rochusberge, n» welchem sich die Bewohuer des Rhein- und Nahegaues zahlreich beteiligten. Der Missionsandachten mit Predigt fanden 8 statt, dazu die ungezählten Betstunden, welche die Vereinsmitglieder im Geiste des Apostolates freiwillig halten. Die imposante Versammlung des Frauen-Missionsvereins im „Bamberger Hof" in Augsburg bei Gelegenheit des Katholikentages lenkte die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Werk, zumal der Bertreter desselbcn beim Heiligen Stuhle, Mons. Lohningcr, den Dank des Heiligen Vaters überbrachte für die Dienste, die es der hl. Kirche leiste, und auf das ehrenvolle apostolische Breve vom 24. Mai 1910 hinwies, durch welches der Vereinigung nicht nur außerordentliche Privilegien, sondern auch die endgültige Festigung und Bestätigung verliehen wurde. Bei der ausgezeichneten Organisation, die den hochwürdigsten Bischöfen untersteht, und den hervorragenden Ergebnissen ist mit allen Kräften darauf hinzuarbeiten, daß dieser Verein sich weiter ausbreite, zumal bei dem so geringen Beitrag von nur 25 Pfennig jährlich alle katholischen Frauen und Jungirauen — reich und arm — sich daran beteiligen können; die Vereinigung könnte leicht Millionen Mitglieder zählen, wenn jede Pfarrei sie fördern, jede katholische Frau und Jungfrau das kleine Scherflein jährlich bieten wollten, das doch leicht zu erübrigen ist. Steter Tropfen höhlt den Stein! Aufschluß erteilt Fräulein C. Schhnse in Pfaffcudorf bei Koblenz, woselbst auch die Bereins-schrift „Stimmen aus den Missionen" (Preis Mk. 1-40 pro Jahr) abonniert werden kann. Zur UMerbmduma des Sklavenhandels im Noten Meer. Der Regierungsdampfer „Zebra", der seit einigen Wochen das Rote Bteer durchkreuzt, machte vor einigen Wochen einen wichtigen, bemerkenswerten Fang. Die Schiffsmannschaft des „Zebra" nahm auf geschickte Weise zwei große Segelschiffe, die dem Sultan von Maskat gehörten, gefangen. Dieser treibt noch schändlichen Handel mit „weißem Stern der Neger. Heft 11. 264 Elfenbein" (Sklaven). An Bord der beiden Schnellsegler befanden sich dreißig einheimische Sklaven in einem elenden physischen imb moralischen Zustand. Die Gefangennahme ereignete sich ans folgende Weise. In einer Nachtsprang ein Sklave eines der Segelschiffe des Sultans ins Meer und schwamm in der Richtung eines Lichtscheines vom „Zebra" und nachdem er das Schiff erreicht hatte, erzählte er alles dem Schiffskommandanten. Die gefangenen Segler ionrden sodann in den Hafen von Massaua geführt und unter militärische Bewachung gestellt. Die Bemannung wurde dem Gerichte überliefert und die dreißig befreiten Sklaven der Regierung übergeben. IRampf mit einer Niesenscdlange. Ungefähr 700 Meter entfernt von der Bahnstation Bombucra in Ostafrika hatte der Herr B. v. L. seine Leute an der Ausrodung eines Gehölzes beschäftigt. Da wurde dem Herrn berichtet, daß alle seine Arbeiter ans Furcht vor einem großen Reptil geflohen seien. Er eilte sofort an die Arbeitsstelle und traf dort tatsächlich nur den Aufseher und einen Arbeiter, die ihm mit der Hand die Stelle bezeichneten, wo die Schlange verborgen lag. Er näherte sich in Begleitung der beiden, kaum war er aber ungefähr acht Schritte entfernt, sprang die Schlange plötzlich aus ihrem Versteck hervor und auf ihn zu. Herr v. L. konnte sich mit knapper Not vor einem Biß schützen, indem er ihr einen Schlag ans den Kopf versetzte, er konnte jedoch nicht verhindern, daß sie dem Manne, der an seiner Seite stand, in den Arm biß. Einen Augenblick darnach schlang sich das Ricsenticr drei-bis viermal um die Beine des Herrn v. L. und warf ihn so zu Boden; er konnte sich nur mehr mit Stockschlügcn gegen das Ungeheuer verteidigen. Die Lage war äußerst kritisch; doch der Aufseher versetzte der Schlange mit einem Beil einen wuchtigen Hieb und mehrere andere Arbeiter, die auf das Geschrei herbeigelaufen kamen, machten dem Tier den Garaus. Es benötigte alle Kraft zweier Arbeiter, um ihren Herrn von der Schlange, die ihn so fest umschlungen hielt, zu befreien. Die Schlange hatte die schöne Länge von sieben Metern. Ein solcher Spaß (!) kommt aber selten in Afrika vor. Bezüglich der Missionäre kann man nach gemachter vielfacher Erfahrung bestätigen, daß die göttliche Vorsehung in ganz besonderer Weise über dieselben wacht; es scheint, daß die Schlange, in der sich der Versucher einstens verbarg, um unsere Stammeltern zu verführen, ein Verbot erhalten, einem christlichen Glaubensboten zu schaden. Übrigens muß man bekennen, daß auch die Eingeborenen ziemlich verschont bleiben. In der Tat: in der Umgebung einer unserer (Stationen und überdies in einem stark bevölkerten Distrikt, wo die Schlangen nichts weniger als selten sind, ivurden in anderthalb Jahren nnr'drei Eingeborene gebissen und auch diesen wurde dank der schnellen Hilfe der Missionäre das Leben gerettet. Line Tanke in Todesgekakr. Die kleine Marie, ein Zögling der Schwestern — so erzählt ein Missionär aus Nenpommern — kam ganz außer Atem zu Pater B. und bat ihn, eine Taufe in sein großes Buch einzutragen, sie habe einen getauft, der in den letzten Zügen gelegen habe. Auf die Frage, wer es denn gewesen sei, antwortete sie schüchtern, ihr Kalmuk sei es gewesen (ein elsterartiger Vogel), den sie aufgefüttert habe. Arme Marie! Sie brauchte für den Spott nicht zu sorgen, aber sie hatte es ja so gut gemeint, nur war sie erst vor kurzem zu den Schwestern gekommen und ihr Unterricht im Katechismus hatte kaum begonnen. Abends verspeiste sie ihren Täufling. Detteres. Briefschlnß. Ich muß schließen, denn meine Fuße sind so Mt, daß ich die Feder nicht mehr halten kann. Druckfehler. (Ein mit der Gärtnerei vollkommen vertrauter Mann findet auf dem lfnte der Gräfin X. dauernde Beschäftigung. Neumodische Schmeichelei. Hiasl: „Du nennst den Bürgermeister immer .Preisochs'i fühlt er sich denn nicht beleidigt?" — Huber: „0 na! Er faßt es wegen der jetzigen Viehpreise als Schmeichelei nnf." * * * Ikmntwortlldba »cbriftleU«, «eklor P. Dr. slD. ttaffetna F. S. C. — Lucddruckerci UsroUa Lriren. Südtirol. Zur Bestellung des neuen AakrgNnges und auch zu anbetn Zwecken haben wir unfern verehrten liefern in Oesterreich zu ihrer Bequemlichkeit einen [Postscheck (Bt lag schein) beigelegt. Wrikticher Kinderfreuud - Kalender für 1911 Preis 30 Heller (30 Pfg.), ^11 if 01t h- für 1Q11 Preis 15 Heller (15 Pfg.), herausgegeben <3f(Vitr 11 ivHUti- f Hl \_JWr Don betn Verlage bei Kimtcrfreundanftalt, Innsbruck, Tnnrain sir. 27. mm I »■ MD W m D 1 r_ W m §ürAuaben, welche Grdem- mt6 Bits ftonspr testet werden wollen. In unserem Bwriftnunt in Sitianö «« Krisen werden brave und talentierte Knaben aufgenommen und zu Missionspriestern herangebildet. =========== Bedingungen der Aufnahme sind: =========== 1. Selbständige Neigung und sonstige Zeichen des Berufes zum Ordensund Missionspriesterstand. 2. Gelehriger, lebhafter, offener Charakter, energischer, standhafter, opferfreudiger Wille; sittliche Unverdorbenheit. 3. Gesundes Urteil und gutes Talent, das befähigt, leicht und ohne Anstand die ganzen Gymnasialstudien durchzumachen. 4. Gute Gesundheit und kräftiger Bau, frei von körperlichen Fehlern. 5. Alter von ungefähr zwölf Jahren. Für die erste Klasse wird ein Alter nicht unter zehn und nicht über zwölf Jahre erfordert. 6. Pensionsbeitrag nach Uebereinkommen mit den Eltern oder deren Stellvertretern. Weitere Aufschlüsse werden bereitwilligst vom 06ent des Missionshauses erteilt. Man wende sich vertrauensvoll an die Adresse: P. Obere des Missionshauses in Milland bei Brisen, Tirol. G ebraudbte Briefmarken @=^ fsmmrln wir in killen Musutitsten und werden solche mil hrri« lichem ^Vergell's Voll!" von der Verwkillnng des Kissions--honseo in flDÜlanb bei Biiien enkgrgengenommen. Für Bbonnenten aus allen Stubentenbretsen wirb eine auBero'tbentlfdbe Preisermäßigung gewährt Handwerker, wie Schuster, Schneider, Tischler usw., sowie Bauern finden als Laienbrüder freundliche Aufnahme im Missionshaus in Milland Bet Armen. Kongregation der „Löhne bes heiligsten Derzens Aesu"> ~ ^ ^ tDMonäre für Zentralafrika. Außer Priestern und Theologen, welche Neigung und Beruf zum Ordens-stcmde haben und sich dieser Mission widmen wollen, finden in dieser Kongregation Aufnahme Studenten der oberen Gymnasialklassen, welche in entsprechendem Alter stehen und Neigung zum Ordensstande haben; endlich sind auch Laien sals Handwerker, Bauern usw.) als Ordensbrüder sehr erwünscht und für das Wirken der Kongregaüon von großer Wichtigkeit. — Es werden auch brave und talentierte Knaben aufgenommen und zu Missionspriestern ausgebildet, sowohl solche, welche noch keine, als solche, welche bereits eine oder mehrere Gymnasialklassen gemacht habm. Wegen der sonstigen Aufnahmsbedingungen wende man sich vertrauensvoll an den Obern des Missionshauses der „Söhne des heiligsten Herzens Jesu" in Milland bei Vrixen, Tirol.