^lo. 29. H^ 1787. Laibacher Donnerstag den 19. Juli. "Wien ^ -X^bwohl das hiesige Publikum mit der größten Gleichgültigkeit von den niederländischen Händeln redet, so liegt cs doch zu Tage, daß sie dem Ministerium viele Bekümmernisse verursachen. Wen I. K. K. Hoheiten, die General Gouverneure den Vorstellungen der Staaten «on Brabanr nachgeben, sollen sie trif. tlge Ursachen dazu gehabt, und gedach-^n Staaten nach ertheilter, so günstige Antwort befohlen haben, auseinander 3tt gehen : allein die Staaten haben erwiedert , sie würden, so lange versamm- ^ sct bleiben, bis der Kaiser ihnen die an-verlangten Zusichcrungen selber bestatti-gcc hätte, und daß ste bis dahin keine Taxevhcbungen zugestehen könnteiiv E<5 heißt auch noch , besagte Staaten hätten sich zur Ncksamirung ihrer Privilegien an die Könige von Frankreich und Schweden, als Guaranten dcs Westphalischel» Friedens gewendet, wie auch an den Kö, nig von Preußen, mit Antrag, dem deutschen Bunde bcizittretrcn. Daß die Regimenter der hiesigen Besatzung' befragt worden, ob sie marschfertig warew und ihre Veurlaubte in wenigen TageiT einberufen tönnttn, ist ganz gewiß. Der Kaiser soU auf seiner Neise cm' l sehr schönes Circassisches Madchen von 1 6 Jahren erkauft haben, und solches in ! Wien nach Landcsgebrauch erziehen zu < lassen Willens seyn , um nachher der! i Prinzessin Elisabeth mit selbigem ein Ge- < schenk zu machen. Der Brabanter Kaufman d' Houdt war bis i9ten d. noch hier; gieng aber frey herum, doch immer von 2. Polizcysoldaten begleitet, welche als Jäger angekleidet waren. Er war ehedem im Polizeyhause , und stieß grobe Flüche , und Drohungen aus, als er auf Befehl des Fürsten von Kaunitz entlassen ward. Niederlande. Vis aufs weitere wird auf kcines von den leztern kais. Edikte geachtet/ und ist die ganze Stadt in Gährung. Die Geistlichkeit soll an allem , was vorgeht, schuld seyn, heißt es. Das Beispiel/ so sie in Holland vor sich haben / tragt zur natürlichen Hartnäckigkeit iu ihren Unternchmungen uick>t wenig bei, anfänglich gehört viel dazu , ehe cs soweit kommt, wenn aber die Kövfe hier einmal aufgebraußt sind, laßen sie sich nur schwerlich wieder besänftigen. Der Hand-lungs Traktat zwischen England und Frankreich hat hiesigen Ländern einen schieren Streich versezt , so daß wir uns durch innerliche Uneinigkeiten und auswärtigcVcrtragein ciner noch schlim, mern Lage besinden, als diejenige war, worin unsere Vorfahren unter dem spa« nischen Joche seufzten. Der vernünftige Theil hiesiger Einwohner ist der Meinung , bei erster. Unternehmuug so wesentlicher Abänderungen in der Gerichtsbarkeit der Geistlichen wäre der Kaiser zu rasch verfahren. Des Kaisers Absichten sind sicherlich heilsam und gut, abcr der Gebrauch, den man davon machen k5nne, erfodert die größte Vor, sicht und Behutsamkeit. Es gehört nur ein geringes dazu, um aus Flandern eben das zu machen , was Holland ist / einen Schauplatz nemlich von Blutver« gießen und von Herrnlosigkeit. Aus Niederlanden sind zu Ende voriger Wo, chc verschiedene Kouriere angekommen. Da aber gegenwärtig so viel Stof da ist/ begnügen wir uns in Absicht der Nachrichten, so selbige mitgebracht, damit, daß wir anzeigen, wie zu? Her- stcllung der gutenOrdnung in jenen Provinzen und vermöge einer Katastrophe, so niemand als die Hand fanatischer Priester den Vrabantern über'n Hals ge, zogen, 20 Regimenter Infanterie und . Kavalerie Befehl erhalten haben, sich in Marsch zu setzen , und spätestens auf dm is. August an den Grenzen Oesterreichs versammelt zu stehen. Zu glei, chcr Zeit sind an die verschiedenen Stan-be des Reichs requisitorial Schreiben zum Durchmarsch dieser Truppen , gegen baare Bezahlung der Lieferungen, "lassen worden. Die Generaleder mar. schirenden Truppen sind: Emanuel E. sterhazy, Tercy, Neugebauer, Gem. Mingcn, Brechanvitte, Leventher, Sta. der, Eder, Alvinci, Winkhcim, Thier-Heim, Schindler, Nadasdy. Folgen die Namen der Regimenter; die von der In-fcmterie heißen, Stein, Langlois, Ferdi. Toskana, Megrini, Sam. Giulai, ^'zh. Ferdinand Ant. u. Nie. Estcrha. ö", Thuvn, Neisky, Neugebauer, Ven-der, V:echanville, Oliv. WaMs und Matthesen : von der Kavallerie marschigen die Regimenter Waldeck, Kaiser/ Nichecoun, Haddick, und Koburg; au-^ ßer diesen noch vier Kompagnien Artilleristen und eine Kompagnie Pontoniers nebst IQ Tausend Mann Kroaten unter den Befehlen des General Eder. Wer diefe Armee von mehr als 62 Tausend Mann als Oberbefehlshaber kommandi-ren werde, ist zur Zeit noch unbekannt. Holland. Die hcldenmüthige Prinzessin von Oranien faßte den grossen und heldenmä-^Entschlnß, sich am zoten Juni von Nie« »ucgcu , in Begleitung einer einzige« Ehrcndame, und eines Kammerberr« nach Haag zu begeben; aber enthusiastische Ungeheuer haben es gewagt / sie zu Schoohoven, einer kleinen Stadt i« Südholland, zu avretiren, uud unter U mstanden , welche die Galle eines jedeit nur halb billig Denkenden erregen müs« sen. Sie haben ihr ihre Bedienten ge, nommen, und die Prinzeßin wird in ihrem Zimmer mit blossemDegeu genau be. wacht.—Nun wird Hoffmtlich das Maai der Raserey,, des Enthusiaftnus und der Verführung voll seyn: und Friedrich Wilhelm, von denVritteu untcrsiüzt, sei' ne beleidigte und beschimpfte königliche Schwester königlich rächen ! -^ Niederlande. Die fast unglaublichen Auftritte, sich dermalen in Niederlanden er. DMlignen, verdienen wahrlich die ganze Aufmerksamkeit dcrZeitungslestr. Ein zwar langes aber interessantes Schreiben von Brüssel drücket sich folgendermasscn aus: Unsere Stande haben mit Genehmigung der durchlauchtigsten General-Mwerneuve aNcn Brüderschaften und Kirchen die daraus genomene Gerätschaften und Bilder zurückgegeben. Die Brüderschaften holten sie am izten mit klingeden Spiele ab, brachten sie wie im Triumph in dieKirchen, zogenNachts mit Musik durch dieStadt, und brachte solche den Stände und Vorstehern der Kirchen. Besonders zeichnete sich die Musik in der grossen Stadtkapelle, und fürstl. Taxische auf dem grossen. Salon aus. Das Volk lief in unzählbarer Menge den Musiken zu, und machte ein unaufhörliches Freudengeschrey. Es gab auch verschiedene Beweise von seiner Achtung und Liebe gcgen das taxische Hans. Bei d^m Oberpostmeister Grasen Beckler, dem Hofrath und Intendanten von Heger und dem Rath Lobes war ein grosser Zu» auf von Menschen , welche: cs lebe der Fürst Taxis , auch ein Brabanter, unk dessen Diener! riefen. Am 14 Mor^ gens um iO Uhr kamen die vornehmsten Einwohner von Mons, 600 an der Zahl nach Veüssel. Uibev 8c> waren in Uniform , welche aus einem rothen RoF mit schwarzen Anfschlägen und Westen und goldenen Achselbändern bestund, geleidet, und an der Seite mit einem Medaillon, in dem ein goldener Löwe war, geschmückt, undaUemit blossem Degen. Sie wurden von einer Gesell» , schaft von 32 Musikanten begleitet, die mit rothen Leibchen mit schwarzen Klappen, gelben Weste und einem Turban, auf dem ein goldener Löwe gestickt war, bekleidet waren» Wird alle Donnerstag auf oem Platz n. 185. im Skrinerischen Ha/ st im Gewölbe ausgegeben.