Illyrisch es Blatt zum Nutzen und Vergnügen. Nro. 15. Freitag den 9. April 1619. Persönliche Sicherheit in Italien. *) ^7ch lomme in einer der bevöllcrtsten Städte Italiens *n; ciüc junge Dame, die ich Ab^ds aus der Gesell? «chaft führe, sagt mir: »gehen Sic denselben Weg,;u« Juck, gehen^Tie nicht am Ende der Straße quecr üdcr; ^as ist ein einsamer Platz." Ich rcisc von Mailand nach Pavia, dcn berühmt«« Scarpa zu sehen. Men "Ne Abreise ist um fünf Uhr bestimmt, cs ist noch zwei Stunden bis zum Sonnenaufgang; mein Fuhrmann weigert sich sehr kaltblütig anzuspannen. Anfangs konnte ich diese Abgeschmacktheit gar nicht begreifen, endlich verstehe ich, daß er ausgeplündert zu werden fürchtet. — Ich komme nach Lucca, ein Menschenge; "lang halt mich auf, ich frazc nach seiner Ursache, ^'n Mensch war eben beim Auogang der Vesper mit drei Messerstichen ermordet worden; indem der Mörder sei« Opfer traf, rief er: endlich sind die französi-schen Gensdarmes fort, die mir seit drei Jahren im Wcge standen! — und er ging mit dem blutigen Mes-s" von dannen. Ich komme nach G^nua. Das ist sonderbar! sagt das Haupt der Regierung zu mir, , zwei und drcis;ig französische GcnsdarmeS erhielten "'e öffentliche Sichcrheit, jetzt haben wir zwei hundert ^ud fünfzig cingeborne, und e2 wird von allen S?>'-ten gemordet. — Ich gehe in die Qpcr, wie es ans ^achhauscgshen kommc, schc i.i> daß ei,n Jeder sich vor-> sleht. Dle jungen.Leute,tragen dicke Stöcke. Alle g.--^en in der Mute der S:n, die Naubec dort verborgen hatten und vom T^d übereilt ihren Gesellen nicht hatten anzeigcnkön-nen, und daß, in der Stadt von Räubern angefallen» man sich wohl hütete Mubcr zu schreien, weil Niemand gekommen seyn würde, man rief dann: Feu» er! — Dies« Gefahren sind aber auch vorsichtigen Leuten tief eingeprägt. Reisende bilden stets Carava-nen oder nehmen eine Schutzwachc. Der lächerliche Antheil, welchen die Mubcr in der Unterhaltung ein» nehmen, entspringt aus der Verjährung ihrer Rechte. Seit dreihundert Jahren wird in den Bergen von zondi und an der Grenze von Neapel von Vater auf Sohn gemordet: das Piemont ist voll Bauern, von 1 welchen es weltkundig ist, daß sie sich durch Meuchel» ^ mord bereichert haben. Denselben Rus hat der Postmeister von Bre.... ßr ist darum nur geachteter z und lebtet ihr in dcm Lande, so hattet ihr selbst ^im> ge Rücksichten für eiuen Spitzbuben, der euer Leber» ein halbes Duhcndmal im Jahr in feinen Handen hat. — Ich wünschte gewlsse Wiesen m der Gegend von Bologna zu sehen, welche des Jahrs achtzchnmal gom.iht werden so'lcü. Man wics^ mich zu emeni P-ach« ter in Quarto; ich zeigte ihm, beim' Umherstreichen< vier Männer, di.' nahe am Weg im Schatten eines V.:um5 !,^/n. Das ,smd sauber, sa,gtc cr. Hie er^ mein Crstaunen'.oahrvlahm. e^^äWc ex r ür. das, er rcgelnlä'ßig alle I.ihre in, seincm Pachthc< » .^egrisfen 53 ^werdt. Das letzte Mahl dauerte der Angriff drei Stunden, wahrend deren das Flintenfeuer nicht auf« hörte. An ihrem Gelingen zweifelnd, wollten die Räuber Feuer in die Stallung anlegen, allein bei dem Versuche traf ihrem Anführer eine Flintenkugel in die Stirn und die Bande entfernte sich, indem sie aber zhre Rückkehr versprach. Wenn ich mit allen den Meinen umkommen wollte, sagte der Pächter, brauchte ich sie nur der Obrigkeit zu verrathen. Meine zwei Kuhknechte sind Nauber; denn,sie haben mo: . natlich zwanzig Franken Lohn und verspielen deren al-. ' le Sonntag zehn oder fünfzehn: aber verabschieden kann ich sie nicht, ich warte bis sie einmal Klage fühl ron. Gestern,jagte ich einen Bettler fort, der meine Thür stundenweise belagerte; .nreine Frau war zum höchsten aufgebracht.^darübcr, sie versicherte, es sey ein Räuber-Spion. Ich schickte ihm nach und ließ ihm eine Flasche Wein und.ein Vrod geben. Kraut und Rüben unter emander. (B e s ch .t u ß.) ' Machen wir nun e,inen kurzen Blick in die sub» lime Arithmetik und beschäftigen wir uns mit folgen» der Aufgabe: Ein Vater von 66 Jahren hat einen Sohn, der 6 Jahre alt ist, folglich ist der Vater eilf-. mahl so alt, als sein Sohn. Wie lange müssen nun beyde zugleich mit einander leben, damit der Vater nur noch einmahl so alt sey, als sein Sohn? Die Dichter ,w,issen auf alles,' was sie um.gibt, Rei-me zu machen. Ich kenne einen, der ein Erzdichtcr ist und das ganze Jahr hindurch mit Endsylben schwani ger geht. Als ich im vergangenen Sommer mit ihm spatziercn ging, fanden wir.ein Mädchen unter einem Vaume im Schatten schlafend; sogleich machte er aus dem Stegreif folgende Verse,-: Säuselnde Winde! Lispelt gelinde! Hier unter der Linde Schlummert Philinde. Ich zeigte ihm aber, daß es ke ne Linde, sondern ein Nußbaum sey, unter welchem das Mädchen schlief, So wollen wir es ändern, sagte er, und schrieb m seine Schreibcafel: Hier unter dem Nußbaum - Schlummert Philinde. Säuselnde Winde! Lispelt gelinde! Stört sie nicht im süßen Traum. Aber woher wissen Sie denn, d,;ß sie träumt? fragte ich. — Weil — weil — ey! Sie sind ein Kri» itikus, sagte er und licf davon. - Eine Scha«spiclergesellschaft verlangte einst vo« »ihrem Principal die Erhöhung ihrcr Gagen. Ja) wer-5>e euch ctwao husten, sagle der Ppincipal im Zorn. Die Herren Artisten wurden aufgebracht und fingen an laut zu murren. Ey! ey! sagte einer aus ihnen / seyd doch gescheit, .Kameraden! Wenn er auf uns alle hustet, so kömmt auf Einen ^«r Kopf'yö'chstens ein winzig kleines Stückchen; wenn wir aber alle auf ihn 'husten, so wird er in unserm Unftath begraben. Die Jagd ist eine der Licblingsunterhaltungen großer Herren. Es gibt aber sehr viele Gattungen von Jägern. Der eigentliche.Jäger jagt nach Wildpret,, der Ehrgeihige nach Titeln und Würden, der Alter« thumsforscher nach römischen Scherben, Lampen und Schuhfieckeln, der Kunstrichter nach Fehlern, der Stutzer nach Mädchen, die Mädchen nach Männer/ Her Gelehrte — leider! nach Vrod und Unterstützung. Wollen Sie auch Räthsel un) Charaden? Wohlan! so sind Sie cing.'laden. C h a r a d e. , (Dreysylbig.) Bedürfniß und des Luxus Pracht, Hat erst'rc zwey zur Weggebracht. Sie dienen Männern wie auch Weibern, Sowohl bey Tage als bey Nacht. Die dritte und die lchte liebt Sowohl der Jüngling, wie die Greise; Doch jeder, wenn man Obacht gibt, Nach seiner Art und seiner Weise. Willst du, mein Freund, das Ganze wissen, Wirst du all' drey verbinden müssen; Dann findest du dasselbe In einem Puhgcwölbc. ^9 N a t y s e V. . . Eine Wittwe hatte einen Nebhaber, der sehr eifcr, süchtig war. Als er einmahl bey ihr in der Visite war/ trat ein.junger, hübscher Cadct in das Zimmer; sie ^'ef ihm entgegen, umarmte und küßte ihn. Als der Herr Liebhaber darüber in "Zorn"gerieth, sagte sie: Seyen Sie nicht böse, mem Freund, über diese heiße Umarmung, denn seine Mutter war meiner Mutter ^nzige Tochter. Nun rathen Sie, mein Freund,'das Verhältniß dieser Menschen und sagen Sie mir, ob S>e heute auch noch mit mir unzufrieden sind? Ich ^erdc.dann trachten, »mich zu bessern und Ihnen zu gefallen. Pausa. Überlist u n g. Die Parlamentswähler in E n,g land geben oft--Mals zu mancherley besondern Auftritten Veranlaft sung. Diejenigen, welche aufdiese Wahl den großen Einfluß haben, sehen es als einen Ehrenpunkt an, ab les aufzubieten, was Reichthum, List, «st halbe Ge^ ^valt vermag, um ihren Schützling durchzubringen. 'Lady Wallace,hatte bei einer Parlamentswahl ihre Hülfe versprochen, sie fand nber bald als kluge Frau, "aß alle Bemühungen fruchtlos seyn würden, Ha ")r Gegner, der Hom Volke sehr geschätzte englische ^'eneral Skeene, ebenfalls alles anwendete, um seinem Schützling diese so hochverlangte Ehre zu er: derben. Er mußte also entfernt werden. Sie ließ lhn in dem 'Augenblicke der Wahl zu sich bitten, in» "^u sie ihn, noch sehr wichtige Papiere vorzulegen ha-"^ Skeene nahm keinen Anstand zu ihr zu gehen, ^ar sie doch selbst auch nicht gegenwärtig. Sie em« ps>ng ihn äußerst freundlich, und verließ ihn bald ^rauf mit dem Versprechen, sogle ch wieder zu kom-Mcn. Der General wartete eine l,albe Stunde, die L"dy kam nicht, endlich klingelte e-, niemand antwor-. ^^c, er will nun zur Thür heraus sie ist verschlossen/ ^ will sie aufsprengen, aber scine Mühe ist vergebene, ^r will zum Fenster herausspringen, sieht aber, daß ^ sich im Zweiten Stockwerke befindet. Es wird ihm ^'t jedem Augenblicke deutlicher, daß er angeführt ,ey. In der Ell geht er ins offene Schlafzimmer^ ergreift Zwei Betttücher, schneidet sie der Lange, »lach durch, knüpft sie zusammen, und laßt sich so Hera". So sehr er indessen auch nach dem Waylplahe cilt^ cr kömmt zu spät, die Wahl ist geschehen, die' Lady hat gesiegt. Die Sache wurde bekannt, man lack»« te den überlisteten General noch obcnein au) und behauptete : niemals hätte ein Mann die Betttücher einer schönen Frau so schnell verlassen, als der General. Gedanken, nach Dr. Swift. Das wahre Genie beurkundet sein Daseyn dadurch, daß sich alle Narren wider dasselbe verschwören. Wem das Muck alle Annehmlichkeiten und Vor-, theile dieses Lebens gewährt hat, der wird häufiger -Kumm« und Sorgen, als Heiterkeit und wahre Freu: den empfinden. Der Mensch besitzt zwar Religion genug, um An; dcre nicht hassen, aber zu wenig, um sie lieben zu tonnen. ' Jedes Spiel, wodurch sich Erwachsene, Kinder oder Thiere zu ergötzen suchen, ist meistentheilS eine Nachahmung von Kampf und Streit. Gedankenspahne. Wenn Jemand dutch Glück, oder durch scine.Vcr< dienste reich geworden, oder zn hohen Ehrenstcllcn ge, langt ist, so beschuldiget man ihn gewöhnlich, seine alten Freunde zu vergessen; aber eigentlich sind cs die alten Freunde, die seiner nicht mehr gedenken, ja die ihn nicht selten aus Neid und Eifersucht sogar hassen. Und doch waren sie cs, die sonst fromme Wünsche fur sein Glück hegten, und gar oft dazu beytrugen, dasselbe »u gründen. Nun, da cr den Gipfel seiner und ihrer Wünsche err.-icht hatte, mißgönnt man ihm das Errungene; und warum? Aus Eitelkeit, welche die Maske der Freun:j>aft vorhi-lt; ja manchmahl brüsten wir uns damit, dem und jenem Fxeunde bchülf: lich gewesen zu seyn, und sagen selbstgefällig: der 6o Mann ift mein Freund! Aber laum blendet sein Glanz u.iscre Augen, so schließen wir sie, um nicht vor Neid «nd Mißgunst zu erblinden. — DaS > st e i n bravc r Mann! hörte ich oft einen Menschen nennen, und wenn ich eine nähere Vczcichnu::g dicscö Lobe) forderte, fand ich immer, daß man untcr diesem Ausdrucke einen Menschen ver> stand, der Niemanden das Wasser trübte und kurz zu sagen, eine Nulle war. In dcr That, ein Mann, dcr durch Genie oder durch seine Neichthümer Nieman; den in den Weg tritt/ ist überall wohl gelitten < und man nennt ihn «inen braven Mar. n. — Es gibt Menschen, die s.lbst von denjenigen zehaßt sind, die sie lieben; dagegen haben einige dic Gabe, sich bey alle/Welt beliebt zu machcn. Andere suchen wieder jenen zu gefallen, welche sie lieben, wahrend es ihnen nicht gegeben ist, sich frcnndlich u»d lic« bevoll gegen dicjcniacn zu benehmen, denen sie nicht wohlwollen. .— Eine Person, ohne die wir nicht lcven zu k»n» nen glauben, ist unö theuer, aber noch nxrther iene, die ohne uns nicht leben kann, denn sie flößt uns ^e Erkc bewundern sie, weil ihr Glanz, sie blendet; und wenn sie sich ssgebärden, als wäre iyncn mchtS daran gelegen, so heucheln sie einen Gleichmuth, der nue aus dem Neide entspringt, ihrcr entbehren zn missen. Die Trauben sind sauer,, sprach d«p?Fuch2, weil er sie nicht erreichen konnte. Fasten. , Es wird heut zu Tage nur sehr wenige Menscht« gebe.n, die den Gesetzen der Kirche gemäß, die Fastcn ''o beobachtn«, als uns deren Vorschrift dazu verpftich« tct; nähmlich Menschen aus solchen Classen, welche die Armuth nicht nöthiget, fasten zu müssen. Bricht man sich auch den Genuß des Fleisches ab, so schwelgt man desto, mehr i,i fetten BltticrteiZ.n,. köstlichen Fischen u. s. w. und nicht scltcn bis zn>'Übermaß. Man hat sich übersatt gegessen und glaubt doch gefastet zu haben, weil man eine Fleischspeise entbehrte. Bei solchen Mcn» schen ist der Glaube nur ein bequemer Überrock, den man nach Wilttühr eben so leicht anziehen als ablegen kann. In dcm Dorfe Kehle nächst Me!mk in Volumen aber lcdt ein Schiffer, der durch Entsagung zweier für den gemeinen Mann insbesondere gar köstUchcr Genüsse während dcr Fastenzeit, wahrhaftig fastet; da,ü ist! seinem Körper Abbruch thut. So wie sich der Faschingdienstag seinem ,Endc nä> hert, läßt er nämlich sich einen Krug mit Bier füllen, und trägt diesen unter Gesang und Musik nach Hause; dorc trinkt er ihn noch einmahl jubelnd aus, und bc> gräbt ihn dann nebst seiner Dose unter die Erde. Und yon nun an durch die ganze Fasten cnthait er sich des Tabakschnupfcns und des Biertrinkens. Am Eharsamstage endlich nach der Auferstehung, höhlt er den Vierkrug und die Dose ans der Erde her-vor, und nun wird wieder dem Gaumen und dcr N<^ sc dcn« gethan. Tabakschnupfer und Biertrinker werden die G"-ß< des. Opfcrö zu würdigen wisftn.