Beilage zur Kaibacher Zeitung. ^H 3?. Fünfter Jahrgang. 14. September 186R. ' Hoch über aller Welt! Mcr Tag ist blau, die Lüfte schweifen, Weit liegt die Ferne nm mich her, Die Blicke lass' ich drüber streifen, Wie flilcht'gc Schwalben über Mccr; Die Dörfer all', die Städte Prangen, Von blancm Hcrbstcsduft nmfangcn, Der Abend sinkt vom Himmelszelt — Mein Blick ist klar, es glühn die Wangen, Ein neues Sein hat angefangen Hoch übcr aller Welt! Als ich noch ging durch's enge Leben, Den kleinen Schmerz in tiefer Vrnst, Wohl trieb mich da das wirre Streben Nach flncht'gcm Kuß, nach schnöder Lnst; Ich sah das Einz'luc nnr, das Kleine, Fern blicb mir selbst nicht das Gemeine, Das alle Kraft in Fesseln hält; Doch mm ersteht im Abendscheine Vor mir das Ewige, daö Eine, Hoch übcr aller Welt! Halt' fest, mein Herz, dieß frifche Regen, Den Drang voll jugendlicher Kraft; Lern in die Weite dich bewegen, Wo sich das Leben regt und schafft! Die Welt liegt offen in die Nundc, Verliere nicht die goldnc Stnndc Und stähle dich, ein jnngcr Held: Schau' in dich selbst bis tief zum Grunde, Anf daß dein Innerstes gesunde Hoch über aller Welt! Dann liegt das reiche, volle Leben Vor dir, ein wciöhcitvollcö Vnch; Dann ist der Zanbcr dir gegeben, Der'bannet der Gemeinheit Fluch. Uud wie in diesen blaneu Tagcu, Wo Welten dir zn Füßen lagen, So freudevoll, so sonncrhcllt, Ans dnnklcr Nacht, ans Kampf uud Klagen Wird dich dein Weg nach Oben tragen Hoch übcr alle Welt! Gestorben — und vergessen. Novelle von F. Vruuold. (Fortsetzung.) UD-ud die Schwalben kamen , wieder. Frühling wurde es. Alles hoffte — Alle.? freute sich. Nur Brigitte nicht. Wie bleich, wie geisterhaft elend sitzt sie an dem Fenster ihres kleinen Hauses. Wer erkennt sie wieder. Wenige Monate haben sie dem Grabe nahe gebracht. Der Vater gcht ab und zu; iimner aber wirft er >so recht traurig herzinnige Blicke auf sein bleiches .Kind, als wolle er sagen und getrane sich doch nicht, es anszusprechen: „Du armes Kind, Du meine Freude, mein ganzes Glück! Willst auch Du mich verlassen?— Horch! horch! Die Schwalben kamen wieder! — Wirst Du noch leben, wirst Du gesund sein, wenn sie wieder heilllwä'lts ziehen?"---------- Und Brigitte, als habe sie seine Gedanken errathen, schüttelte leise mit dem Haupt, als wolle sie sagen: Laß mich doch schlafen gehen! Mein Tagewerk ist abgethan! Mir ist so weh' — mein Herz möcht' Nuhe haben! Draußen aber am Giebelsims zwitschern die Schwalben emsig geschäftig ihr Nestlein banend. — Der Vater geht hinaus; Brigitte bleibt allein. Wie lange, sie weiß es nicht. Plötzlich geht die Thür auf, sie fahrt erschrocken auf —' Eleonore tritt herein. Die beiden Mädchen hatten sich seit recht langer Zeit nicht gesehen; daher kam es auch, daß die Eintretende unmerklich erschrack, als sie das bleiche, kranke Gesicht der Freundin erblickte. In Hast sprach sie, die Kranke auf den Stuhl niederdrückend, von dem dieselbe sich erhoben : „Bleib' sitzen, Kind! still! siill! — Ich möcht' mich selber schelten, daß ich so lange Zeit nicht bei Dir war. Aber sei mir nicht böse, ich glaubte nicht, daß Du wirklich so krank! Und dann — dann laß es mich nur gestchen, mein Brautstand hat meine ganze Zeit in Anspruch genommen. Du weißt es ja, daß ich mit dem Lieutenant W . . . . versprochen bin. Derselbe nimmt seinen Abschied; wir gehen spater nach Italien. Bist nicht einmal gekommen, mir Glück zu wünschen! Aber ich weiß schon, warum Du kleine Närrin es nicht gethan; Du zürnest nur, daß ich Deinen Liebling, den Soldaten-Dichter, so kurz ablaufen ließ. Aber Kind, es mußte sein ! — Und dann kam die Geschichte mit dem Freunde Deines Vaters, dem Dahl hinzu >— und da dachte ich, es müsse Euch licb sein, nicht mehr an den Menschen erinnert;u werden." 146 Brigitte schaute auf. Sie blickte der Freundin fest, voll ! Hoheit in das Gesicht, ihre Wangen hatten sich leicht ge-röthct; mit Ernst und Würde sagte sie: „Glaubst Du, wir würden seinen Namen ermähnt haben, so Du geschwiegen? Uns steht der Mann zu hoch in dankbarer Erinnerung, als daß wir wünschen könnten, sein Andenken durch das leiseste, unbillige Wort verunglimpft zu sehen. — Und ob Ihr Alle ! auch ihn schmäht und verdammt, mein Vater und ich werden den Geschiedenen achten, lieben und verehren! Und ob Ihr Alle nuch den Stein hebt, ihn zu zermalmen, wir sagen dennoch: Er war ein Mann, ein edler Mann." „Sieh', welch warme Lobrednerin der Selbstmörder findet," fiel Eleonore ein. Brigitte aber fuhr voll Hoheit fort: „Und sollte er dieses nicht? Sollte ich jetzt, wo ich am Nande des Grabes stehe, nicht der Wahrheit.die Ehre geben? Sollte ich aus Menschcnfurcht, oder der Welt zu Gefallen, den Mann schmähen, der um unsertwillen in den Tod gegangen? Der den Namen eines Verbrechers auf sich lud, um einem un^ glückliche» Vater sein einziges Kind in Ehren zu erhalten? ! — Du siehst mich an; Du schaust verwundert auf! Ja, Dahl! er war ein Mann, wie es Wenige gegeben.---------Ich will Dir sagen, was ich weiß, ob's richtig, kann ich nicht ver- ! bürgen, das Ganze wird nie an das Tageslicht kommen, das nimmt mein Vater mit iu's Grab. — Einstmals, als mein Vater auf der Wanderschaft war, kam er auch in jene Stadt, ^ wo Kotzcbue ermordet wurde; hier lernte er Dahl kennen, i der damals, glaube ich, anderö hiesi. Er mag wohl für ! ihn i:i seinen, Handwerk gearbeitet haben. Als nun der un- ^ sägliche Mord geschehen, als die Häscher auf die vermeinten z Theiluehmer und Genossen des Sand Jagd machten, da, glaube ich, war mein Vater es, der Dahl einige Zeit verbarg — und so ihn rettete. — Als Dahl später Hieher nach ! Laibach kam, erkannte ihn mein Vater wieder, wußte aber i sein Geheimniß zu bewahren. Als nun mein Vater in sei' ! uem Geschäft zurückkam, war Dahl es, der ihn mit eigener , Aufopferung vom Untergänge rettete. — Noch nicht genug, j als vor Kurzem mein Vater nahe daran war, sein Haus« ! chen verkaufen zu müssen, weil unvermulhet ihm ein Kapital ! gekündigt wurde — um so seinen Gläubigern gerecht werden ^ zu, können — nahm, wie ich glaube, Dahl von den ihm anvertrauten Geldern — um so den Vaier zu retten. — Er beging keine schlechte That, er that es, weil er wußte, daß er die fehlende Summe zu rechter Zeit ersetzen konnte. — Und er ersetzte sie rechtzeitig. —Niemand wußte von diesem Defekt, nur Einer — und dieser Eine war sein Feind. — O, daß ich die unglückselige Ursache dieser Feindschaft sein mußte!" „Sieh' mich nicht so fragend an; es ist, wie ich es ^ sage. Er, der schlechte Mensch, hatte ein Auge mir zugeworfen , er verfolgte mich mit seinen böse» , schlechten Anträgen. Dahl sah und höite es — und er errettete mich aus . der Hand des Nichtewürdigcn. Aus diesem Gründe schwur derselbe dem Dahl Nach? und verfolgte ihn auf Tritt und , Schritt. Er war cs auch, der den Defekt erkundete, den Dahl begangen; er wußte auch, warum er denselben gethan; denn er, der Nichtswürdige, war es ja eben gewesen, der es veranlaßte, daß dem Vater das Kapital gekündigt wurde; er that es, weil er hoffte, der Vater »vürde in Noth gebracht, seinen schlechten Wünschen leichter gefügig sein. Er wußte es auch, daß Dahl die auvertrauten Gelder bereits ersetzt hatte -— dennoch ließ er denselben durch Andere deuun» ziren — und brachte zugleich die Beweise für das, was ge« schehen. Und hier, hier bei dieser Gelegenheit war es, wo der unglückliche Dahl die Herrschaft über sich selbst einen Augenblick verlor, wo er sich vergaß — und, statt jenen Ehrlosen mit Worten und in der That zu züchtigen, wie derselbe es verdient, sich an einem unschuldige» Vorgesetzten verging. — Im Verhör hat Dahl unser nicht erwähnt — er hat geschwiegen, Alles auf sich genommen — um unsere Ehre zu schonen. Was geschah, weißt Du — er wurde degradirt. — Und das Ende ist bekannt. Der eigentliche Urheber des ganzen Unglücks wird nie bekannt werden!" Brigitte schwieg erschöpft und Eleonore sagte mitleidig: „Du armes Herz! Habe ich doch nicht im Entferntesten geahnt, was Du erduldet. Hätte ich doch auch nie geglaubt, daß Du, meine schüchterne Taube, ein Männerhcrz zu so böser Leidenschaft entflammen könntest. — Aber Du hast mir den Namen Deines Verfolgers noch nicht genannt. Wer ist es, kenne ich ihn?" Brigitte schwieg. Sie ließ ihr Auge sinnend auf dein Antlitz der Freundin ruhen; endlich sagte sie: „Eleonore! Die heilige Jungfrau schütze Dich! — Du hast ein treues Männerherz durch Deinen Stolz und Spott gebrochen, Du hast die schönste Lebensfreude eines Mannes in seiner Wurzel geknickt; Du hast mit Herzen gespielt — gebe der Himmel, daß Du nie und nimmermehr der Liebe Leid und Schmerz, daß Du ein Verschmähtsein Deiner Liebe nie erfahren mögest." Eleonore stammte bei diesen Worten auf. Heftig sagte sie: „Mußt Du mich wieder an die Geschichte erinnern? — Aber freilich, freilich," setzte sie höhnisch hinzu: „er,war ja schon immer Dein Schützling; Dn wußtest ihn schon damals so warm zu vertheidigen. Ist aus diesem Mitleid nun Liebe geworden? — Ich gönne ihn Dir, Brigitte. Hast ihn wohl recht lieb?" Und die so Geschmähte barg ihr, Angesicht in beide Hände, ihr Busen flog vor innerem Schmerz — sie weinte bitterlich. Eleonore erschrack. Erregt rief sie: „Kind! Was ist Dir? Es war ja nur ein Scherz, nicht böse gemeint. Sei gut, sei lieb! Wie könntest Dn solchen Menschen lieben!" Bei diesen Worten schaute Brigitte auf: in sanfter, milder Verklärung strahlte ihr Auge; unter Thränen lächelnd sagte sie: „Und wenn es wäre? Q, könnte meine Liebe den Unglücklichen vom Abgrunde retten, könnte ich ihin ein Friedensbote sein. Du hast sein Herz.gebrochen! Ich aber, ich bin dem Tode nahe, ich siehe am Naude des Grabes—> und so laß es mich immer sagcn, laß es mich immer g2- 147 stehen, was Niemand ahnt, Niemand weiß, was heut zum ! ersten Mal mein Mund verkündet: Ja, ich liebe den Dichter, den unglücklichen Mann, dcm Dein Spott das Herz gebrochen. Seitdem Du ihn elend gemacht, weiß ich, was er mir ist. — Er ahnt es nicht, er weiß es nicht, daß ein armes Mädchen um seinetwillen langsam stirbt. -— Du aber, Du Eleonore, Du gehe hin, verkünde es Deinem Bräutigam, sage ihm,, wem mein Herz entgegen schlägt, sage ihm, daß er an Treue und Redlichkeit glauben möge, sage ihm, daß Dahl---------" „Doch wozu alte Geschichten aufrühren: sage NichtS — sei glücklich! — Und min lebe wohl — für immer." Sie drängte die Freundin zum Gehen. Und als Eleonore schied, als die Thür geschlossen war, ficl sie ermattet in den Sessel zurück, uud ihre Lippen sprachen leise: „Ich konnte ihr nicht Alles sagen; möge ste mit dem Menschen alücklick sein! — Ich kenne ihn." (Schluß folat.) Dilder aus der Heimat. II. Sir Humfthry Davy's Reisen in Krain. (Fortsetzung.) 19. Mai 1828. Da Sir Humphry die Seen von Veldcs und der Wochein und den Ursprung der Save zu sehen wünschte, welche seit« wärts von der Landstraße in der Wochein liegen, so beschloß er, einen Abstecher vou ein oder zwei Tagen in diese wilde! und abgelegene Gegend zu machen, einen Theil Oesterreichs, ! der selten von Fremden besucht wird. Man hatte uns in < Aßliug gesagt, daß die Straße an vielen Stellen zu schlecht ^ uud zu schmal sei, um unseren Reisewagen durchzulassen, und so miethete Sir Humphry eine kleine Kalesche, in der wir hinaus fuhren. Wir setzten über die Saue auf einer ^ sehr gebrechlichen Brücke, aus Holz gebaut, ungemcin schmal, ohne alle Geländer und mit einem Boden aus Fichtenstäm« mcn, die man in Blöcke geschnitten und parallel neben einander gelegt hatte. Wir kamen dann über einen steilen Berg in zwei Stunden in ein Thal, auf dessen Seiten Bäume und Felsen sich so malerisch mischten, daß man kaum zu sagen wußte, welches von Beiden zur Schönheit der Landschaft mehr beitrug. Am Ende der Straße, welche über einen Hügel herabführt, öffnete sich ober uns der See von Veldes. Dieser See ist in viel kleinerem Maßstabe uud ganz verschieden von dem Traunsee und möchte Manchem vielleicht noch schöner erscheinen. Am Fuße des Hügels, nahe am See, liegt das Dorf Veldes mit seinem Kirch-thurm und einigen Häusern, die kaum aus den Bäumen hervorgucken; ober der Kirche steigt ein gewaltiger Felsen ! senkrecht anö dem Gewässer des Sees in die Höhe, aufsei« ! nem Gipfel ein altes kaiserliches Schloß tragend, zu welchem man von der Landfcite einen Pfad durch den Wald sich auf-wä'its schlangeln sieht. In der Mitte des Sees ist eine kleine Insel, ganz bedeckt mit Bäumen vom frischesten Grün, in deren Mitte und hoch ober ihnen man den Thurm einer Kirche mit den Dächern einiger wenigen Häuser emporragen sieht. Die Länge dieses Sees ist zwischen 3 und 4 Meilen*), aber seine Breite ist viel geringer; das näher liegende Gestade besteht aus schönen Bergen, bedeckt mit Feldern, Wiesen und schönen Buchenwäldern, hinter denen zur Rechten die schneeigen Spitzen der Wocheiner Alpen erscheinen. Durch das Dorf und um den See herumfahrend gelangten wir in das schöne Thal der Wochciner Save, eines kleinen aber schönen klaren Stromes von smaragdgrüner Farbe. Nachdem wir geraume Zeit angehalten um Sir Humphry sischcn zu lassen, ka.uen wir nach Wochcin-Villach (Wocheiner-Vellach), ein armseliges Dörfchen, wo wir von dem Ertrage von S. Humphry's Angel unser Mahl hielten. Niemand im Orte sprach ein Wort Deutsch oder eine andere Sprache, als ihr Slouenifch, so daß ich mich unseres Aßlinger Kutschers als Dolmetsch bedienen mußte. Nach dem Essen fuhren wir durch das nämliche schöne Thal längs der Wochciner Save bis Feistritz, ein großes Dorf, fast ganz dem Varon Z — von Laibach gehörig, der auch sehr große Eisen» und Stahl« Hämmer nahe dabei besitzt. Wir wurden in seinem Schlosse oder Laudhause von seinem Verwalter sehr höflich aufgenommen, an den uus der Gastwirth von Aßling einen Brief gegeben hatte, da der Baron selbst, mit welchem S. Humphry persönlich bekannt war, und an den ich wahrend des Aufenthaltes in Laibach geschrieben hatte, abwesend war. Das Schloß ist alt und im schlechten Zustande, aber wir wurden sehr bequem untergebracht uud brachten es zu Stande, einzuschlafen, trotz des Lärms der Hämmer, welche die ganze Nacht gingen, und den Boden und die Häuser umher >er» zittern machten, als schaukelte sie ein Erdbeben. 20. Mai 1828. Wir fuhren heute schon am frühen Morgen nach den» Wochciner See ab, und wie wir die Ufer der Save entlaug kamen,» wurde die Gegend mit jeder Meile mehr und mehr romantisch, und als wir an die Stelle gelangten, wo der Fluß aus dem See hervorströ'mt, schien sie den Gipfel wilder Größe erreicht zu haben. Nackte Felsen, von 4—6000 F. Höhe, ragen zu den Wolken auf, in welchen sie ihre stolzen, schneebedeckten Spitzen verbergen. Der höchste von allen, von dieser Seite des Sees sichtbar, ist die skerding. **) Die Südseite des Sees, um welche die Straße führt, ist schön bewaldet, uud hie und da steigen prächtige Massen lichtgrauer Felsen unmittelbar aus der blauen Flut auf, im schönen Gegensatz zu den dunklen Tannen, die ihre Gipfel krönen. Die Ufer der Nordseite bestehen aus abschüssigen *) Der Schreiber ist Engländer und mcint englische Meilen. A. d. N. ^) Dieses Wort bedeutet im Kraiuischcn eincu zerbrochenen Zahn und ist in diesem Sinne auf dic gezackten Gipfel des Berges angewendet. Anmcrlung deö Verfassers. (Wahrscheinlich Verwechslung, durch Mißvcrständuiß, mit dcm „Dn^i xc>!)." Der Ucbcrsctzcr.) 148 Wiesen und Hügel», über welche hinaus sich jene unge« heurcn Fclsenwälle erheben, die man beim Herannahen an den See erblickt. Sir Humphry setzte über den See in einem Voote, mit der Absicht, die Saviza aufzusuchen, oder den Ursprung der Wocheiner-Save, einen prächtigen Wasserfall, den man oben am »restlichen Ende des Sees gleich einem schimmernden Silbersaden durch die grauen Felsen erblickt. Ich fuhr zn Lande, so weit es ging, um das Ufer herum, und dann ging ich zu Fuß bis ans Ende des Sees, wo ich Sir Humphry traf, während George mit dem Pony folgte, um denselben beim Aucsteigen aus dem Boot zu besteigen. Wir verfolgten den Weg etwa 3 Meilen weit, durch Felder, über Felsen und Steine und die ausgetrockneten Bette von Vcrgströmen, bis die Straße für den Pony zu schlecht wnrde. Sir Humphry stieg nun ab, und indem er meinen Arm nahm, ging er noch unter der Leitung des Schiffers, eine Meile weiter, als wir eine, über die schäumende Save gespannte, schwache hölzerne Brücke erreichte»?. Hier erklärte Sir Humphry, er wolle nicht weiter gehen, sondern mit George, der den Pony führte, warten, bis ich vom Fall zurückgekehrt wäre. Ich ging also mit dem Führer den Berg hinauf, über Felsen und gefallene Vaume kletternd, welche nicht eine Spur von einem Pfad zeigten, bis wir an den Fuß eines hohen und zerbröckelnden Gcrüstes kamen, welches, wie nur der Führer in so gutem Deutsch, als er konnte, erzählte, vor vielen Jahren errichtet worden war, um den Erzherzog Johann in den Stand zn setzen, eine schöne Ansicht vom Fall zu gewinnen. Nachdem ich auf einer ' wankenden Leiter hinauf gestiegen, fand ich mich im Augesichte des Wasserfalls, der viele hundert Fuß tief hcrab-strömte, aus der Seite eines jener riesigen Felöbcrge, die wir vom anderen Ende des Sees gesehen, und mit einem betäubenden Getöse in einen Abgrund stürzte, welchen ich von dem Platze, wo ich stand, nicht sehen konnte; ich gab dem Führer durch Zeichen zu verstehen, daß ich an den Fuß des Wasserfalls zu gehen wünschte, aber er schüttelte den Kopf und schien nie dort gewesen zu sein, noch auch gesonnen zu sein, sich hin zu wagen. Das Gelöse war so furchtbar, daß es unmöglich war, etwas von dem zu hören, was er sagte, aber da ich, wenn immer möglich, an den Fuß deö Falls kommen wollte, beschloß ich, mich auf meine eigenen Glieder zu verlassen uud nach einem gefahrvollen Hinabsteigen über die nassen und schlüpfrigen Felsen, fa»d ich mich in der Tiefe eingeschlossen, in welche die herabfallende, aber oft gebrochene Wassersäule sich stürzt. Die Höhe des Falls muß uahc an 400 Fuß sein uud bei der Durchsichtigkeit üud Eiskalte des Wassers und seiuem Hervorströmen aus der Mitte eines senkrechten Felseuwalls, der keiue Spur von Vegetation zeigt, als hie uud da eine, durch eine Spalte sich hervordrängende Fichte, ist es wahrscheinlich, daß er der Auöfiuß eines unterirdischen Sees ist, den das Innere des Berges verschließt, und den das Schn,cewasser von den noch höheren Gipfeln nährt. Ungeachtet der Wolken vou «Schaum, die wie ein beständiger Ncgen niederfielen, nahm ich schnell einen Abriß von der Szene vor mir und kehrte dann zum Führer zurück, welchen ich auf dem Gerüste zurückgelassen hatte und welcher mir erzählte, er sei mir einen Theil des Weges gefolgt uud habe mir zugerufen, bis er nicht mehr wagte weiter zu gehen, auch sei er noch nie am Fuße des Falls gelesen. Im Felsen über dem Gerüst ist eine kurze lateinische Inschrift cingehaueu, vom Baron Z— dem Prinzen Johann zn Ehren. Die Aussicht von dieser Stelle, gerade dem See gegenüber, ist unbeschreiblich schön und malerisch, indem sie dem Auge ciue ganz ver- schiedene Szene darbietet von jener, die man am entgegengesetzten Ende des Sees erhält. Die ungeheuren FelZbcrge, , aus denen die Save ihren Ursprung nimmt, bilden auf allen ! Seiten ein weites und erhabenes Amphitheater, bis sie al!» ! mälig ihren wild erhabenen Charakter verlieren und Ver-^ gen von geringerer Höhe weichen, von sanfterer und mehr ! wellenförmiger Gestalt, mit schönen grünen Buchenwäldern ! bedeckt, hie imd da wechselnd mit einem dunklen Tannen» wald, oder mit den lichteren Schatten des nackten Kalksteinfelsens. Weit unter dem Beschauer liegt der ruhige See, ! mit seinen mannigfaltigen Küsten, theils bewaldet, theils Feld« und Wiesengründen, durch welche man die Save, nachdem sie ihren schäumenden Lauf durch die Wälder uutcr-halb der snvica verfolgt, sich schlängen sieht, bis sie ihre klaren Gewässer mit jenen des dunkler gefärbten Sees ver-! mischt. Die einzigen Spuren menschlicher Annedlung sti,d ^ zwei verlassene Hütten, in sehr kleiner Entfernung vom See, ^ denn das Dorf Althammer, das einzige in der Nachbarschaft ! dcö Sees ist ganz an seinem äußersten Eude gelegen imd von hier aus nicht sichtbar. Bei der Rückkehr zu der kleinen Brücke fand ich, daß Sir Humphry sie verlassen und als ich zum See kam, sagte mir der Schiffer, der ihn ber« auf geführt, daß er zu Wagcu um den See herum nach Althammer gefahren. Ich licß mich daher hinüber zum Dorfe rudern, und traf ihn, eben angekommen, nachdem er eine halbe Stunde im See gefischt. Der Bericht, den ich ihm von der 8uvien gab, schien ihm zu gefallen uud ungeachtet er bedauerte, sie nicht gesehen zu haben, war er doch befriedigt, den Versuch aufgegeben zu haben, und sagte, er sei überzeugt, daß cr die Anstrcugnug nicht hätte ertragen können. Althammcr ist nichts al>° eine Neihc von Eisen- und Stahlwerken, mit den erforderlichen Wohnungen für Arbeiter und ist auch ein Eigenthum des Varon Z—. Wir speisten mit den Direktoren, die uns sehr höflich behandelten und kehrten darnach nach Feistritz, zurück, wo wir nicht vor dem Einbrüche der Nacht ankamen, da Sir Humphry oft auf der Straße ausstieg, um zu fischen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Ein neues Heft, das elfte, des laufenden Jahrganges vom „Illustrirten Familienbuch des österreichischen Lloyd" in Triest liegt uns vor. Es enthält für den gebildeten Leser wieder viel des Anziehenden. Ein kleines Gedicht von Karl Siebel „Die zweite Frau" bild>.'t die poetische Ouvertüre. Dann folgt eine Kriminalgeschichte von dem beliebten Erzählet, Thaddäus Lau „Die Kcllermüblc", ein Lebensbild voll tiefe/ psychologischer Wahrheit. Daran, reiht sich der Schluß der trefflichen biographischen Skizze von Theodor Opitz: „Alcrander Puschkin." Kleinere Aufsätze: „Ueber den Glückwunsch beim Nicscn" uon I. Türkheim, die „Porosität der Felsartcn und Gesteine" :ion Dr. Nöggerath, „Die Moschee Eolimanus" bilden mit neuen interessanten Mittheilungen aus dem häuslichen und gewerb« lichcn Leben von Dr. W> Hamm, und einem Literatur-Bericht von Levin Schücking den würdigen Schluß. Von den drei Stahlstichen ist das allerliebste Genre - Bildchen „Gesuch um ein .Paß--Visum" besonders hervorzuheben. Druck und Verlag uon Ign. v. Klcinmayr N F. Vambcrg in Laibach. — Verantwortlicher Ncdactcur F. Vanlberg.