KstholtsHe MlsstonK-Lettschrift der Söhne deK heiligsten tzerzen-s Jesu. ---- Organ de- Ästarken-VereinK für Afrika. /—::a Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten tu» Mahltiitern den apostolischen Segen erteilt. • Mit Empfehlung vieler hochwürdigster vischSf«. Erscheint monatlich einmal und kostet jährlich mit Post JK-1 SOL — I Hranite». ä Üill! ■ ------------------------■■■ ' Anhakt: -------------— Zum Jahresschluß. 265. — Unsere Neugründnng in Uganda. 266. — Aus beut Missionsleben: Erlebnisse ans einem Ausfluge. 273; Gottes Geist weht, wo er will. 276 ; Ans Khartoum 277: Von der Kulturtätigkeit der kath. Missionen in Britisch-Ostafrika, des. Uganda 279. — Vergeltungsglaube bei den Schilluk 279. — Das Leben in der anderen Welt 280. — Unterhaltendes: Cingua Basse's Vertraute 281. -i Verschiedenes: Abreise in die Mission 288. — Briefkasten der Redaktion 288. Abbildungen: Attigo. Im Vordergründe vier zur Mission gehörende Hütten mit Stall; im Hintergrund zwei Schillnkdörfer. — Die int Bau begriffene Kirche von Attigo. — Attigo: Neger beim Ziegel-brennen. — Br. Polognato mit einigen Schillukknabcn. — Ein christlicher Neger von Attigo, seine PfeM schmauchend. — Niltal-Ansicht. Kaöen-Wevzeichnis vorn 10. Oktober bis 10. Wovemöev 1911. ----------In Kronen. --------- Gpferstock: Aitersheim Pfr. H. 1; Alland Freih. B. Sch. 5; Amlach I. M. 8; Arbesbach Pf. G. 3: Aschach Tert.-Sch. 1: Bad Hall M. M. 1: Blndeuz Schw. Doni. 0'80; Bozen H. E. 8, T. I. 2, I. G. 8; Brixen Prof. I. 1, 58. 1, V. 3, Dr. K. 18, F. N. 18, I. H. 1, W. v. P. 8, Kan. E. 18; Brunnenthal I. H. 1; Bnrgstall K. A. K. 1; Buch eck T. W. 1; Dentsch-Matrei F. F. 1; Doren T. A. 1; Dornbirn T. F. 1; Droisendorf P. H. 8; Ebelsberg A. F. 2, A. B. 1; Eggenberq Ehrw. Schul. 6; Eisenbergamt A. A. 8: Enns Dech. I. G. 8, I. S. 1; Feldkirch Dr. F. E. 3; Feldthurns M. H. 3; Fernitz A. F. 3; Fischiham L. W. 2; Franzenskeste Pf. S. 8, Bar. I. v. A. 2; Friedberg E. Sch. 1; Furth i. W. Pf. H. 8; Gais K. St. 2; Gaspoltshofen F. St. 1; Gleink Pf. A. 1; Gleisdorf Pf. G. 1, G. M. 2; Gmunden Msgr. G. M. 8, H. t! 2; Göttweig P. W. Sch. 1; Graz A. v. G. 186, I. W. 18, E. St. 1; Gries T. E. 2, L. A. 8; Grieskirchen P. H. 8, I. St. 3; Gosiensaß Pf. A. 3; Gschwandt I. A. 1; Hall Prof. H. 1; Hallein M. L. 1; Heiterwang Pf. K. 1; Hip-pach F.' D. 12, I. N. 8; Hochkretscham F. M. 9-66; Hohenems K. I. 1; Innsbruck Bar. L. 3, Ung. 4, H. F. 2-40, E. M. 1, Dr. M. K. 20, A. M. 1, Propst W. 10, A. H. 1, T. N. 1, M. Pf. 2, W. K. 1, F. M. 1: Kältern M. v. L. 3, Exp. B. 38, K. M. 2; Kastelbell P. P. 1; Kennelbach Pf. M. H. 123; Kematen Pf. L. K. 1; Kirchbach R. n. I. K. 60; Kirchdorf E. H- 2; Kirchental F. M. 1; Klagenfurt Domh. F. W. 10; Klausen Dech. Th. 1; Koblach K. E. 2; Kortsch Leg. K. Sch. 51; Kremsmnnster K. S. 3, P. P. 8; Kreuth F. S. l; Krimml A. H. 1; Kufstein I. K. 1; Kurtatsch I. G. 1; Lambach P. B. G. 7; Lana I. G. 18; Längenfeld A. G. 3; Laufen Pf. D. 1; Lienz I. W. 3; Linz I. St. 3; Loosdorf P. A. K. 2; Losenstein T SB. 8; Lucken T. Z. 6; Maria Enzers-dorf P. M. K. 1, P. K. H. 1; Marienbad Dek. A. 6; Melk M. B. 3, Sch TO." 2 20; Meran P. M. 2, A. H. 2; Mitterbach A. P. 1; Mittewald Pf. E. 2; Mondsee M. Z. 1; Montan T. P. 100; Mühlbach I. L. l; Mutters M. B. 1; Nals Koop. S. S. 2; Niederkappel E. I. 13; Niederneukirchen Pf. C. 4; Oberwang F. A. t, T. R. 1; Oetz Pf. 3, L. Sch. 11; Ohlsdorf Pf. 3; Ort F. R. U50; Partschins M. P. 3; Pasching Pi. P. 2; Penetzdorf I. E. 1; Perg I. St. 3; Pichl M. Schl. 1; Pischelsdorf F. K. 1; Prambach-kirchen I. H. 3; Prcttan L. M. 19; Purkersdorf G. B. 1; Reichholz A. M. 1; Retz Ehrw. Sch. 2; Rangersdorf Pf. K. 3; Ried M. L. 3; Rodeneck M. R. 3; Rosenheim Th. K. 50; Rückersdorf I. N. 5; Saalfelden I. R. 1; Sachsenburg Pf. St. 5; Salzburg Abt W. 1, Dompr. St. 3, M. L. 2; Sankt Florian A. P. 3; St. Johann B. S. 4, F. L. 3; St. Leonhard i. P. A. H. 6; St. Martin b. L. I. D. 2; St. Peter i. d. An I. N. 3; Schlitters S3-St. 1, St. M. 6; Schlögl F. Pf. 8; Schwaz F. M. 6, J. R. 1; Sippachzell K. W. 6; Steindlbcrg L. Z. 1; Sterzing A. R. 3; Sulzberg Pf. St. 2‘; Ungenach Pf. M. H 8; Unterdrück M. H. 8, I. H. 10; Unterinn M. P. 2; Unterweisenbach Pf. 0 50; Unser L. Frau i. W. P. O. P. 1; Taxenbach I. M. 1; Terlan I. A. 10; Trient A. H. R. 3; Waidbruck Pf. A. 8; Wartberg I. St. 1, P. L. 1; Weistrach I. M. 2, I. St. 8; Wels Bar. S 1; Welsberg J. D. 1, A. H. 1, W. M. G. 1, Pf J. B. 148; Werfen T. W. 3; Wien Msgr. Dr. Pfl. 8, A St. 1, L. v. G. 18, L. E. 5, Pf. K. 2, Dr. H. Z. 1, Wikowitz B. Sch. 1; Wilddorf T. A. 4; Winklern M. F. 9; Wolfern J. K. 1; Zams A. H. 1; Zell K. K. 3. Zur persolvierung von heiligen Mesten sandten ein: Bad Hall M. M. 7; Eggenberg Ehrw. Schw. 10; Eisenbergamt A. A. 25; Ettlingenweier L. L. 352; Gars Koop. G. 13; Gmunden Dr. A. P. 1-20; Graz A. v. G. 176 95; Hausen R. Schw. 72-98; Hochkret-scham F. M. 17-60; Lembeck G. M. 58-17; Milland G. d. B. 4; Mittelberg I. E. 5-85; Münstereifel Sr. C. 39-96; Osterwitz H. R. 11-60; Ried N. N. 48; Rosenheim Ph. K. 50; St. Georgen M. P. 10; Sankt Ulrich D. H. 10, A. R. 2; Schidlberg F. St. 5; Siegbnrg K. M. 1175; Sölden H. R. 6; Boruholz Bar. N. 42-28; Ungenach Th. I. 9-60. Zur Taufe von Heidenkindern: Altlack M. M. 42 (2 Lanrentitis); Innsbruck M. L. 22 (Maria Borgia); Kirchbach R. u. I. K. 40 (2 N. N.). Zur die Mission: Rumburg Kapl. L. F. 3; Sand durch Dech. F. 200; Steyr I. E. 2; Weiler Klatil K. A. 8. Ziir die Heidenkinder: St. Ulrich A. R. 2. Bausteine für Narthoum; Brixen P. D. 2, Dr. H. 5; Enns I. S. 1; Flaurling Dech. R. 60; Furth in W. Pfr. I. H. 20; Gossensaß Pf. I. A. 10; Gött-weig P. W. Sch. 3; Graz Th. St. 1; Gunskirchen I. Z. 2; Hippach I. R. 10; Kirchdorf H. P. 4; Klagenfurt Domsch. F. SB. 8; Klausen Kur. A. H. 6; Kamnitz Pf. H. 2; Kortsch K. Sch. 24; Laufen I. D. 5; d. d. Linzer Quartalschrift 30; Linz Domp. A. P. u Domsch. F. St. 120; Plan Dech. I. Sch. 3; Ried i. I. M. A. 3; Schwaz F. M. 100; Stcyr I. E. 1; Tramin Th. v. E. 8; Ungenüch Th. I. 1. Briefmarken liefen ein ans: Bozen, Brixen, Flaurling, Innsbruck, Karlsbad, Pedraces. Pest, Wien. Effekten aus: Brixen (Bücher), Lana (Aepfel). Pedraces (Staniol), Pest (Staniol). * * * „© Herr, verleihe allen unseren Wohltätern um deines Namens willen das ewige Leben!" •Ši m ms m kdhm kathlllischelUlsswMAltschB llerZöhne ües heiligstmkerrms tetV (Organ, ctes Marien-Vereins fiir AMKa) Dient vomebmltdb der Unterstützung und Ausbreitung der fvistionstStigkelt der SÖbne des belltgsten Derzens Jesu und sudbt Verständnis und werktätige Liebe des fvtfftonswerkes in Mort und Scbrltt zu fördern. Das Arbeitsfeld dieser /nMsstonäre 1st der Sudan (Lentral-Nttika). Der „Stern der Neger" erscheint monatlich und wird vom Missionshaus Milland bei Brixen (Südtirol) herausgegeben. HbonncmenteprelB ganzjährig mit poftvecfenbung Rrr. 2.-, flDh. 2.—, St. 3.—. Der Heilige Vater Papst Pius X. hat der Redaktion, den Abonnenten und Wohltätern den Apostolischen Segen erteilt. Für di« Wohltäter werden wächentlich zwei heilige Messen gelesen. Mit (Empfehlung der hochwürdigsten Oberhirten von Brixen, Brünn, Leitineritz, Linz, Olmütz, Marburg, Trient, Triest und Wien. Dett 12. Dezember 1911. XIV. Zabrg. Bl Bl Bl -Bl IBI ; Bl Bl Bl B] Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl SB 0B Kum Iahresschüch. ''it diesem Hefte schließt der 14. Jahrgang unseres „Stern der Neger". Wir können nicht umhin, unseren verehrten Lesern und Leserinnen bei dieser Gelegenheit unsern innigsten Dank auszusprechen für die freundliche Aufnahme, die sie unserm „Stern" jederzeit gewährt haben, und namentlich unseren treuen und eifrigen Förderern und Förderinnen für ihre liebevolle Mühewaltung. Es freut uns sehr, daß so viele, gute Missionsfreunde gerade durch Verbreitung des „Stern" das Missionswerk unterstützen. Nehmen wir uns recht zu Herzen, was auf den letzten deutschen Katholikentagen so oft betont wurde, daß wir als Katholiken verpflichtet find, an der Verbreitung unseres heiligen Glaubens nach Kräften mitzuwirken. Wie wäre es, wenn sich jeder Leser bemühen würde, uns einen neuen Abonnenten zuzuführen? Wenn manch anderer imstande ist, ihrer zehn oder noch mehr zu gewinnen, warum solltest du dann nicht einen einzigen dazu bewegen können? Also frisch an die Werbearbeit! Die Redaktion. BB 0 H Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl Bl BIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBIBI ^Unsere Neugründung in Manda. Mit freudiger Genugtuung teilen wir unsern geneigten Lesern die Gründung einer zweiten Missionsstation in Uganda mit. Wir entnehmen die Schilderung der Einzelheiten einem Briefe des Missionsleiters an den hochwürdigen P. General. St. Joscf in Gulu, am 5. August 1911. Hochwürdiger P. General! Mit einer gewissen Ungeduld werden Ew. Hochwürden und mit Ihnen viele Missions-frennde und Wohltäter Nachrichten von uns und unserer neuen Mission erwartet haben. So will ich denn in folgenden Zeilen einiges niederschreiben inderHosinung, ob dessenUnvoll-ständigkeitmitNachsicht benrteiltzuwerden, da es nicht angenehm ist, nach beschwerlichem Tagewerk am Abend die Feder ergreifen und, statt der Ruhe zu Pflegen, Briefe schreiben zu müssen. Ich lasse die Beschreibung der Reise, die sehr interessant war, beiseite und gehe sofort zur Schilderung unserer neuen Station selbst über. Gulu heißt die höchste Spitze einer Bergeskette, wo sich die Regierung angesiedelt hat und von wo aus man das ganze darunter sich hinziehende Tal beherrscht. Unsere Niederlassung ist von derjenigen der Negierung ungefähr dreiviertel Stunden weit entfernt, etwa 1000 Meter über dem Meeresspiegel gelegen und vom prächtigen Albert-See aus, in nordöstlicher Richtung gehend, in sechs Tagemärschen zu erreichen. Anmutig und schön ist die Landschaft; die Hügel sind nicht unwirtlich, sondern mit ausgedehntenWiesenflächen bedeckt, die wiederum von dichten Waldungen gekrönt werden. Bäche in großer Anzahl: hier lustig hüpfend zwischen kahlem Gestein, dort träge gleitend, wie um auszuruhen unter der klassischen Paphrnsstaude. Da eine schnellfüßige Gazelle, dort ein fröhliches, schönfarbenes Vöglein, mit an Wohlklang reicher Stimme, erfreuen die Szenerie, die eigentlich wenig mit Afrika gemein hat, mit jenem schrecklichen und sonnverbrannten Afrika, wie wir es im Sudan vorfinden. Und dennoch sind wir auch hier in Afrika, weit entfernt von unserer schönen Heimat mit ihrem gesunden Klima. Da ich mich übrigens erst seit zwei Monaten hier befinde und noch nicht alle Jahreszeiten mitgemacht habe, so kann ich über klimatische Verhältnisse hierzulande noch wenig sagen. Eben ist die Zeit der tropischen Regen, mit denen eine gewisse Kühle verbunden ist. Bemerkenswert ist u. a. der Wegfall jenes so unangenehmen und raschen Temperaturwechsels, wie wir ihn in Ägypten und im Sudan vorfinden: die höchste Temperatur übersteigt des Tages nicht 30 °C, des Nachts fällt das Thermometer nicht unter 20 °C. Nichtsdestoweniger tut man gut, während der Nachtruhe wollene Decken zu gebrauchen, da eine Erkältung einen gar leicht überraschen kann. Die Sonnenhitze ist hier zwar nicht so brennend wie im Sudan, dafür ist sie aber gefährlicher. Als erfahrene Sudanesen glaubten wir unsern Scherz mit ihr treiben zu können, doch zur Strafe dafür wurden wir alle, Priester sowohl als Brüder, vom Fieber heimgesucht. Dies sind jedoch Dinge, die einem Missionär keine Furcht einjagen können. Ich habe schon so oft Fieber gehabt und lebe immer noch. „Ja, aber was sind das für Leute dort in Uganda?" — werden Ew. Hochwürden mich fragen. „Es sind eben Neger, afrikanische Neger und heißen Atscholi und sind Verwandte — ich weiß nicht, in welchem Grade — aber es sind Verwandte meiner lieben Schillukneger, bei denen ich dreiviertel meines Herzens gelassen habe und von denen ich jetzt mehr als 1200 Kilometer entfernt bin. Trotz dieser weiten Entfernung, trotzdem so viele Länder und Stämme dazwischen liegen, be- Haupte ich nochmals, daß die Atscholi mit den Schillnk verwandt sind. Das beweisen Sitten und Gebräuche und religiöse Vorstellungen, die sie miteinander gemein haben; das beweist die Sprache, die zwar nicht mit jener der Schillnk identisch genannt werden kann, jedoch zu einem und demselben Stamme gehört. Die Atscholi sind von hoher Statur, sehr intelligent und der Zivilisation überaus zugetan. Besonders haben die Männer eine unglaubliche Neigung, sich zu kleiden und sich darin hervorzntun. Zum Unterschied von ihren Verwandten, den Schillnk und den Nuor, machen sie sich nicht viel ans eitlem Flitter, gehen aber mit wahrer Leidenschaft auf die Suche nach Hosen und Unterhosen und nicht selten kann man einen vollkommen gut gekleideten Atscholi treffen. Ihr Verlangen nach Kleidung geht sogar so weit, daß sie in der Regierungs-niederlassnng oft eine Kuh verkaufen, um sich Kleider und vielleicht auch einen Sonnenschirm anschaffen zu können. Sodann haben sie großes Vergnügen am Lesen und Schreiben und scheuen keine Mühe, es zu erlernen. Dies sind doch gewiß gute Vorzeichen. Das Gesagte kann leider von den Frauen nicht in gleicher Weise behauptet werden, denn letztere sind ganz und gar heruntergekommene Geschöpfe, ohne Liebe zur Kleidung und sehr unwissend. Ich habe des ü stern versucht, auch sie zum Unterrichte zu bringen; sie waren darüber sehr verwundert, weil sie sich nicht zu erklären wissen, wie man bei ihrer niedrigen Stellung als Frauen solche Fürsorge haben könne. Unsere arbeiten. Durch Erfahrung belehrt, kannte ich schon zum Voraus die Arbeit und die Schwierigkeiten, die mit unserer Nengründnng verbunden sein würden. Zu diesen traten aber auch noch unvorhergesehene Hindernisse, nämlich große Entfernung und Mangel jedweder Verkehrsmittel. Als unsere armselige Karawane sich zu diesem Unternehmen aufmachte, wurden wir von Kennern der Örtlichkeit ausgelacht und zwar mit Recht, denn unser Elend könnte jetzt schon nicht leicht größer sein. Ich habe alle möglichen und auch unmöglichen Theorien der Hanshaltnngsknnst überdacht und bin noch nicht zum Ziele gekommen........Doch lassen wir diesen tra irigen Gedanken: Die Station von Guln ist gegründet, das Kreuz ist aufgepflanzt und die Atscholi beginnen schon tnffen Wert zu erkennen und es zu verehren. Was wir bis jetzt erbaut haben, ist zwar alles aus Stroh und Lehm, aber dennoch hoffe ich zuversichtlich, daß es dem bösen Feinde nicht gelingen werde, diese Mission zu zerstören, die bestimmt ist, eine Festung des Reiches Christi unter den Atscholi zu werden. Wir sind jedoch schon unter Dach und Fach und die strömenden Äqnatorialregen, die fast immer des Nachts fallen, während tagsüber die Sonne mit ihren heißen Strahlen die Vegetation außerordentlich fördert — können uns nicht viel anhaben. Unsere int Viereck gebauten Hütten nehmen sich schon von weitem ans dem grünen Teppich, der sie weit und breit umgibt, prächtig ans. Auch der kleine Garten will gedeihen und gibt die besten Hoffnungen. Was aber die Augen am meisten auf sich zieht, das ist unsere Schule, ein Neubau, aufgeführt mit rohen Banmstämmen, mit Rohr und Stroh, der aber trotz dieser Armseligkeit der architektonischen Linien nicht entbehrt, die hierzulande geeignet sind, Aufsehen zu erregen. Sie ist bis jetzt von 30 Schülern besucht und ich hoffe fest, daß nach einiger Zeit das Lokal, welches bis 100 Schüler fassen kann, ganz voll werde. Neben der Schule befindet sich ein anderes großes Zimmer: es ist der Schlafsaal von elf Knaben, die uns von ihren Eltern zum Zwecke des Unterrichtes und der Erziehung anvertraut wurden. Sie sind zum Großteile Söhne von Häuptlingen und deswegen unsere schönste Hoffnung. Neben Schule und Kolleg, wenn ich mich so ausdrücken darf, haben wir auch unser Kirchlein, das Liebste, was wir arme Missionäre besitzen. Welch ein Trost in dieser Einsamkeit, in diesem Mangel an allem, unsern Heiland bei uns zu haben, unsern Führer und unsern Stärker! Unser Kirchlein ist allerdings schon etwas mehr als bescheiden-, es ist äußerst armselig. Der Tabernakel z. B. besteht aus einer Kiste, die wir zum Einpacken unserer Siebensachen für die Expedition gebraucht hatten. Das Ganze ist nichts als eine Hütte ohne Fenster und nach Art der Eingeborenen nur mit einer Öffnung, die als Fenster und Tür zugleich dient, versehen. Dennoch ist der liebe Heiland bei uns und beklagt sich nicht, nicht einmal darüber, daß sogar das ewige Licht fehlt, welches wir wegen Ölmangel nicht brennen können. Die Kirche ist aber zur Zeit des Gottesdienstes immer voll von katholischen Negern, von Baganda, wie sie heißen, welche hieher gekommen sind, um Arbeit zu suchen, und zugleich so schöne Beispiele von Glaube und Andacht in unsere Christengemeinde bringen. Und die schwarzen Zöglinge bemühen sich allen Ernstes, solche Beispiele nachzuahmen; sie schämen sich nicht, der heiligen Messe sowie den anderen Funktionen, vom Gesänge der Baganda begleitet, auf den Knien liegend, beizuwohnen, und zwar nicht im Innern der Kirche, sondern draußen im Vorhofe, als arme Sünder ohne jegliche Menschenfurcht. Denn als Kate-chumenen erlauben wir ihnen nicht, ins Innere der Kirche während des Gottesdienstes zutreten. Dieser lebendige Glaube unserer Katechumenen hat auch schon reiche Früchte getragen: mancher Erwachsene wurde schon bestimmt, sich in ihre Zahl aufnehmen zu lassen, die, obwohl noch klein, mit Gottes Hilfe immer mehr wachsen wird. Es haben auch schon einige Kindertanfen stattgefunden und mehrere katholische Baganda wurden in ihrer letzten Stunde mit den heiligen Sakramenten versehen und ruhen nun im kleinen katholischen Friedhose zu Gulu. So war also bis jetzt unser Kommen in diese Gegend nicht unnütz; wenn auch noch nicht viel, so haben wir unter Gottes Beistand doch etwas zum Heile der uns anvertrauten Seelen tun können. Jedenfalls aberkennen jetzt schon alle Eingeborenen uns und den Zweck, dessentwegen wir zu ihnen gekommen sind. Vor ungefähr drei Wochen kommt da gegen Abend vor die Türe meiner Hütte eine Negerin von hoher Statur und ganz abgemagert, ans einen Stock gestützt, und an der Hand ein kleines Mädchen, ihre Tochter, führend. Ans der Schwelle angelangt, läßt sie den Stock fallen, fällt vor mir ans die Knie und mit der einen Hand das Kind an ihre Brnst gedrückt, hebt sie den dürren, fleischlosen Arm zu mir auf und spricht mit tränenerstickter Stimme die Worte: „Ich bin hungrig und leide große Kälte; ich komme zn dir, um bei dir zu sterben!" Diese einfachen Worte waren beredt, aber beredter noch war der Zustand der beiden armen Geschöpfe. Ich suchte schnell nach einigen Tuchstücken, um sie zn bedecken, weise ihr eine armselige Hütte an und bringe ihr etwas zn essen. — Solchen Szenen kann man täglich begegnen. Eine kranke Sklavin, dazu noch alt, unnütz zur Arbeit, wird von ihrem Herrn, der oft auch ihr Ehegemahl ist, auf die Straße gesetzt. Von allen verlassen, ohne Dach, ohne Kleidung, ohne Nahrung, ohne körperliche Kraft, schleppt sie sich zur Mission . . . Sankt Josef in Guln besteht erst seit wenigen Monaten und schon wissen alle, daß dort das Haus des Herrn ist, und alle kommen dahin, um Hilfe in geistiger und leiblicher Not zu erlangen. Die arme Sklavin war gekommen, um hier zu sterben, und der Tod wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, denn ihre Krankheit geht mit Riesenschritten voran. Aber sie ist glücklich, sie lächelt: nach so vielen Leiden hat sie Tage der Ruhe gefunden. Sie ist glücklich, denn sie kann unter dem Schutze des hl. Josef sterben. Nun aber, hochw. P. General, zum Schluß. Wie Sie sehen, sind wir reich — an Mangel. Unsere geringen Mittel reichen nicht aas. Schon seit langer Zeit entbehren wir Missionäre des Brotes, an das doch Europäer so sehr gewöhnt sind. Bei so großer Not geht natürlich das Missionswerk nur sehr langsam voran. Ost stellen sich mir Knaben vor und verlangen in die Schule aufgenommen zu werden. Also gut, man nimmt sie ans, aber da ist nicht weit von Kopf und Herz auch ein hungriger Magen, der befriedigt sein will und mit geistiger Nahrung allein nicht auskommt: zudem muß man sie auch mit einem Kleidungsstücke versehen, um wenigstens die notdürftigste Blöße zu bedecken. „Seien Sie klug, Pater!" raunte mir jüngst ein Mitbruder zu, als ich im Begriffe stand, mit einem Vater über die Aufnahme seines Sohnes zu verhandeln, „seien Sie klug und bedenken Sie, daß wir nicht einmal mehr einen Sack itn Hause haben, da alle zu Bettdecken verwendet wurden. Auch geht uns das Getreide aus . . ." Ans diese Worte hin war ich schon daran, Vater und Sohn zu verabschieden, als mein Blick, den ich nachdenklich umherschweifen ließ, auf die uns gegenüberliegenden Baulichkeiten der protestantischen Missiönüre fiel, denen es an nichts gebricht und wo dieser Vater nach seinem Weggange von uns gewiß Aufnahme erhalten würde. Da schien mir Klugheit keine Klugheit zu sein ... Ich rief den Mann zurück, nahm den Knaben auf und werde im Vertrauen auf Gott, im Vertrauen auf Euer Hochwürden und unsere guten Wohltäter noch andere aufnehmen. Ich glaube nicht, daß unser Heiland, der mit uns wohnt, je zulassen wird, daß der hl. Josef als Beschützer dieser Station sein Amt nicht gut ausübe. Wir bitten Euer Hochwürden inständig, uns und unser Werk der Güte Gottes anempfehlen zu wollen. P. Josef Beduschi F. S. C. * * -i- Von anderer Seite gehen uns zu obigen Ausführungen noch folgende Einzelheiten zu: Kath. Mission Gulu, Post Nimule, 6. September. Gegen Ende Dezember des verflossenen Jahres 1910 erhielten wir in der Station Omach einen Brief des englischen Regierungsbeamten oder Kollektors, Mr. Sullivan. Der Inhalt besagte, daß die Eingeborenen von Gulu, d. h. Atscholi, alias Dschogangst eine große Lernbegierde hätten, er lade uns deshalb ein, dortselbst eine Station zu gründen. Der Ort habe eine gesunde Lage und die Leute seien, wie gesagt, gut disponiert. Er seinerseits werde nichts unterlassen, um unser Werk so viel als möglich zu fördern. Es ist leicht verständlich, daß der Brief mit Begeisterung aufgenommen wurde, da wir ja doch nur auf eilte günstige Gelegenheit warteten, um in jener Gegend eine Niederlassung zu gründen. Was wir bisher von den Dschogang gesehen und gehört, hatte uns mehr und mehr in der Ueberzeugung gefestigt, daß diese zahlreichen Völker besser disponiert seien zur Aust nähme unseres Glaubens als die Dschonan oder Alurn. Letztere interessieren sich viel weniger um unsere Sache, wenn sie auch sonst viele gute Eigenschaften an den Tag legen. Unser apostol. Vikar, den wir von der Sachlage benachrichtigten, hieß uns die Gegend persönlich zu besichtigen, um ja nicht voreilig zu handeln. Zu meiner größten Freude wurde mir diese Aufgabe zugeteilt. Ich begab mich also nach Gulu, um Land und Leute an Ort 1 Dschogang, d. h. Leute, bic in Umzäunungen — umzäunten Dörfern — im Gegensatz zu den Dschonan, die am Flusse wohnen. und Stelle zu beobachten. UeBeraö, wo ich hinkam, wurde ich mit großer Herzlichkeit empfangen: die Leute tarnen mir entgegen, um mich zu begrüßen und zugleich Geschenke anzubieten. Eier und Milch bekam ich int Überfluß, sodaß auch die Träger reichlich davon genießen konnten. Eines Tages zogen wir durch einen Wald, als mir drei Leute entgegenkamen und eine halbe Kürbisschale voll Milch sowie einige Eier anboten. Sie waren nun überglücklich, als ich ihr Geschenk waren die meisten Häuptlinge der Dschogang dort versammelt, um mit dem Distrikts-Kommissär zu verhandeln. Es handelte sich nämlich um die Gründung von Gulu. Die Häuptlinge bekamen ihre Ländereien angewiesen; vorläufig aber sah man nur die Hütten dieser Häuptlinge im Entstehen begriffen. Jetzt nun sollten alle Dschogang, deren Zahl sehr groß ist, durch die einzelnen Häuptlinge, denen es im großen und ganzen frei- öonga: ftn voröergrnnOe vier zur Mission gebärende Ibütten mit Stall, im Dtntergrunde zwei Scbtllukdörter. annahm. Derartige Beispiele könnte ich noch viele anführen. Auf dem Wege traf ich sehr viele und, soweit man bei der ersten Begegnung urteilen darf, auch sehr gute Leute; in Gulu selbst aber traf ich sozusagen niemanden. Wie kam aber Gnlu zustande, obwohl sich in der nächsten Nähe keine Dörfer befinden? Da, wo der Regiernngsposten entstehen sollte, waren zahlreiche Arbeiter damit beschäftigt, Bäume zu fällen und die Örtlichkeit von dem Gestrüpp zu reinigen; außerdem gestellt blieb, wie sie daszustandechringenwollten, nach Gnlu gebracht werden. Die ^Erregung unter den Bewohnern war beim Bekanntwerden dieser Verordnung natürlich sehr groß. Als ich zurückkehrte, teilten sie mir allenthalben ihr Leid und ihre Befürchtungen mit; sie fürchteten nämlich nichts weniger, als daß sie nach Guln gebracht und daselbst getötet,'zum wenigsten aber dem Hungertode preisgegeben werden sollten, da sie dort wohl kaum etwas zum Essen vorfinden würden. Dieser letzte Umstand bildete jedenfalls eine der größten Schwierigkeiten und die Leute waren nicht im Unrecht, wenn sie sich davor fürchteten. Sie hatten gegenwärtig all ihr Getreide auf den Feldern und es wird noch einige Monate dauern, bis es eingeheimst werden kann. Dann aber werden sie gezwungen sein, beständig hin und her zu ziehen, um das Getreide zu ernten und nach Gulu zu schaffen. Das waren die Klagen, die ich in jedem Dorfe, durch das ich zog, zu hören bekam. Für die Häuptlinge war es unter diesen Umständen auch keine Leichtigkeit, dem Befehle der Regierung nachzukommen. Alles ging sehr langsam vonstatten. Man verfiel auf die verschiedensten Ausflüchte: die meisten Dörfer schickten nur eine Abordnung nach Gulu, um dort mit der Bebauung der Felder zu beginnen, um auf diese Weise die Regierung zu hintergehen und sie glauben zu machen, daß man ihren Befehlen pünktlich nachgekommen sei. Doch die List gelang nicht, die Regierung kani sehr bald dahinter und wie die Folgen zeigten, hatten die armen Leute nur sich selbst getäuscht. Die Regierungsorgane zogen sttzt andere Register, um die Widerspenstigen zur Nach- giebigkeit zu zwingen, wobei natürlich wieder die Häuptlinge herhalten mußten. Diese zogen jetzt vielfach durch ihre weiten Gebiete und benahmen sich dabei in einer We>se, als befänden sie sich in Feindesland. Im Aufträge der Regierung wurden die Dörfer und alleinstehenden Hütten der Widerspenstigen einfach niedergebrannt, wodurch diese obdachlos wurden und sich gezwungen sahen, zum Wanderstabe zu greifen. Nur dem einen oder anderen wurde gestattet, zurückzubleiben, um das Getreide — das sich noch auf den Feldern befand —■ wie auch mehrere Getreidespeicher, welche die Häuptlinge noch verschont hatten, zu bewachen. Die Regierung traute der Sache auch jetzt noch nicht recht; daher zog später auch der oben erwähnte Kollektor noch einmal durch das ganze Gebiet, besonders in der Gegend westlich von dem neuen Gulu gegen Omach hin. Er wollte sich selbst überzeugen, ob man den Befehlen nachgekommen sei. Als ich später endgültig nach Gulu ging, traf ich ihn mit seinen Soldaten und war so Zeuge, wie er die Dörfer von Hatikv in Rauch und Flammen aufgehen ließ. Ich bedauerte die armen Bewohner, die vielfach selbst ihre Getreidespeicher den Flammen preisgegeben sahen. Andererseits würden die Befehle allein, wenn sie nicht so energisch durchgeführt worden wären, bei dem starken Widerwillen, welchen die Bevölkerung gegen die Aufgabe ihrer alten Wohnsitze hat, wenig genützt haben. Was war nun der eigentliche Grund, welcher die Regierung zu solcher Verfügung bestimmte? Vor allem sollte sich die bisher weit im Lande zerstreut lebende Bevölkerung in der Nähe des Regierungssitzes niederlassen, damit es dessen Beamten leichter )\i, Zwist und Streit fernzuhalten, was allerdings sehr nottut. Sodann beabsichtigte man, die Bevölkerung aus den von der Schlafkrankheit verseuchten Gegenden zu entfernen: leider tritt sie in den Ufergegenden des Nils durchgehends ans und sind sogar in Nimule schon einige Fälle von Schlafkrankheit vorgekommen. Bezüglich des letzteren Punktes hatte die Regierung nach meiner Ansicht wohl eine sehr ungünstige Ortswahl getroffen. Die Gegend von Gulu ist nämlich sehr wasserreich-, zahl- reiche Bäche uns Bächlein haben hier ihren Ursprung, und zwar nicht in einer erfrischenden Quelle, sondern in Sümpfen, die sich überall finden und leider sehr nachteilig auf das Klima einwirken. Zum Überfluß uns zur nicht geringen Bestürzung für die Regierung entdeckte noch ein Arzt, daß sich die Übertragerin des Schlafkrankheitserregers, die fatale Tsetse-stiege, in allen diesen Gewässern entlang vorfinde. Die Bestürzung der Regierung läßt sich daraus leicht erklären. Für die auf einem kleineren Umkreise zusammengezogene zahlreiche Bevölkerung konnte das die größten Folgen nach sich ziehen; denn dadurch wurde einem plötzlichen Ausbruche der Schlafkrankheit gewaltig Vorschub geleistet. Gebe Gott, daß diese furchtbare und verheerende Krankheit, die alle zu ihrer Bekämplung unternommene Versuche zu höhnen scheint, doch bald erlöschen möge. Dieje unerwarteten Entdeckungen haben nun die Regierung bestimmt, ihre früheren Befehle zu mildern. Tatsache ist, daß bereits mehr als die Hälfte der Einwohner die Erlaubnis erhalten hat, in ihrem alten Wohnsitze zu bleiben, besonders in den östlich und südlich von hier gelegenen Gebieten. Auch den aus diesen Gebieten noch einlangenden Eingeborenen hat man für die Zukunft die Rückkehr ir ihre alte Heimat in Aussicht gestellt. Unsere hiesige Niederlassung wurde offiziell anfangs März eröffnet. Alsbald begannen wir mit der Schule, die jetzt durchschnittlich von 25 bis 30 Schülern besucht wird. Die Regierung half uns bei Eröffnung der Schule in jeder Hinsicht und wir sind ihr dafür zum aufrichtigsten Danke verpflichtet. Das Charakteristische an unserer Schule ist der beständige Wechsel der Schüler, da sie, wie vorauszusehen war, jetzt immer wieder in ihre alte Heimat zurückkehren müssen, um Getreide zu holen, wobei immer eine geraume Zeit vergeht. Im allgemeinen zeigen die Bewohner, wie uns der Regierungsbeamte gleich anfangs mitgeteilt hatte, eine große Lernbegierde. Es muß jedoch bemerkt werden, daß wir weder die einzigen noch die ersten am Platze sind, denn auch die Protestanten entwickeln eine rührige Tätigkeit. Sie haben vorläufig drei Katechisten und einige Getaufte hier, die stark Propaganda machen: es befinden sich auch zwei Häuptlinge darunter, welche von der Regierung sehr bevorzugt und unterstützt werden. Ende Juli war auch ein englischer Pastor hier, Rev. Tegart, und Mrs. Tegart, der sich uns gegenüber sehr freundlich gezeigt hat, die Zeit seines Hierseins aber auch gut ausnützte, um für seine Sache zu rvirken. Die Protestanten sind uns bis jetzt weit voran; sie sind aber auch schon über sechs Jahre in der Gegend und haben bereits viele Anhänger, von denen manche schon getauft sind und lesen und schreiben können u.:b als Katechisten für die protestantische Sache öfters gute Dienste leisten. Kurz zusammengefaßt, ist der Ort, was die geographische Lage betrifft, herrlich, der Boden gut, Regen eher zu viel als zn wenig, was den gesundheitlichen Verhältnissen nicht besonders zugute kommt; sodann liegt die Gefahr der Schlafkrankheit vor, infolge der vorhandenen Tsetsefliege. Was die Einwohner betrifft, so sind dieselben gut disponiert, stehen aber leider vielfach schon in enger Beziehung zn der englisch-protestantischen Mission (Church Missionary Society). P. Pasqual Crazzolara F. S. C. Sue dem Missionsleben. Erlebnisse auf einem Ausfluge. „Es war an einem Sonntagmorgen: ich hatte mir von der Oberin die Erlaubnis erbeten, einen apostolischen Ausflug machen zu dürfen. Die bei solchen Gelegenheiten unentbehrliche kleine Tasche zur Hand, machte ich mich in Begleitung der guten Schwester G. auf den Weg. Durch den ziemlich heftigen Wind wurde die starke Hitze, die sich schon in der Frühe sehr bemerkbar machte, etwas erträglicher; umso unangenehmer war aber der Sand, welcher, durch den heftigen Wind aufgewirbelt, in Augen und Nase drang und in größerer Menge noch in den Mund, wenn man ihn vorsichtshalber nicht geschlossen gehalten hätte. Nach einer Stunde zweigte sich von der Hauptstraße eine enge Nebenstraße ab. Hier war es, wo uns der Herr die erste Gelegenheit bot, einem armen Geschöpfe zu helfen. Zwei erzürnte Neger hatten sich über eine Frau heigemacht und schlugen unbarmherzig auf sie ein. Sie schrie aus Leibeskräften und versuchte vergeblich sich loszuwinden oder doch wenigstens die unablässig auf sie niedersausende» Schläge abzuwehren. „Was treibt ihr da?" rief ich ihnen beim Anblick der Mitleid erweckenden Szene zu. „Nichts," antworteten sie mir, indem sie von der Frau etwas abließen, um zu sehen, wer es wagte, sie in ihrem Beginnen zu stören. „Wie? Nichts tut ihr, sind die Schläge, die ihr der armen Frau verabreicht, ein Nichts?" Jetzt machten sie Miene, als ob sie die Frau in Ruhe lassen wollten; die Frau dankte uns mit einem ausdrucksvollen Blicke. Wir waren der Meinung, daß nun alles erledigt sei und setzten unseren Weg fort. Kaum hatten wir uns aber einige Schritte entfernt, als man die Schläge von neuem niedersansen horte, natürlich drang auch die ihnen entsprechende Musik an unser Ohr. Zurückgekehrt rufe ich den beiden voller Entrüstung zu: „Höret einmal auf, oder ich . . .!" Sie, ehrwürdige Mutter, können sich leicht EIJSSšSžEIj Btttgo: Neger beim Siegelbrennen. vorstellen, was wir schwache Schwestern gegen zwei starke, erzürnte Neger hätten tun können! In diesen Gegenden ist aber ein Weißer von den Negern immer gefürchtet, wenn er einmal eine ernste Miene annimmt und sich hören läßt. „Was hat euch diese Arme da zuleide getan?" fuhr ich fort. „Was habt ihr mit ihr zu tun?" „Wir haben nichts!" „Wenn es so ist, so gehet eure Wege, diese Frau aber wird mit uns kommen."' Die Drohung brachte die beiden Helden etwas in Verlegenheit und sie hielten sich daher für verpflichtet, uns nähere Aufklärung zu geben. „Der Mann dieser Frau, unser Bruder, ist schwer krank," sagten sie. „Wir möchten ihn deshalb gern in unser Haus nehmen, sie aber will es nicht zugeben." „Sie hat vollkommen recht," warf ich gleich ein, „da es sich um ihren Gemahl handelt. Laßt uns aber einmal zusehen; wo befindet sich der Kranke, vielleicht können wir ihm etwas helfen?" Da sie sich bei meiner Antwort beruhigten, machten wir uns zusammen auf den Weg. Nach einer Viertelstunde gelangten wir zu einer Hütte, in der ein Mann. oder besser gesagt, ein menschliches Skelett auf dem Boden lag. Bei unserem ersten Anblick fuhr er erschreckt zusammen, dann aber faßte er Mut und zeigte uns seine krebsartigen Wunden und auf der rechten Seite ein ausgedehntes Netz von Geschwüren, die ihn sehr schmerzen mußten. Es wäre vor allem notwendig gewesen, die zahlreichen Geschwüre aufzuschneiden, um seine Schmerzen etwas zu lindern. Jedoch hielt ich es nicht für geraten, gleich beim ersten Besuche mit dem Schneiden zu beginnen, daher reinigte ich die Wunden auf das sorgfältigste und verband sie, so gut es mir möglich war. Zum Abschiede sagte ich noch jedem ein freundliches Wort und machte besonders dem Kranken Mut, indem ich ihm versprach, am Abende zurückkommen zu wollen, um die Pflege fortzusetzen. Da die Sache jetzt so stand, versprachen die beiden, die Frau nicht mehr belästigen zu wollen, und entfernten sich. Auch wir entfernten uns, um unseren Weg fortzusetzen und zu sehen, ob sich vielleicht noch eine Gelegenheit biete, irgend einem oder einer Unglücklichen zu helfen. Schon nach einigen Schritten begegnete uns eine Schar Negerinnen, eine derselben näherte sich uns und sagte: „Weißt du schon, daß mein armer Aly gestorben ist und zwar schon seit vierzehn Tagen: jetzt aber untersuche meinen zweiten Sohn, der von Geburt an irrsinnig ist; sehe zu, ob du ihn heilen kannst!" Der Aly, von welchem die Frau sagte, daß er gestorben sei, war ein allerliebster Negerknabe, ungefähr fünf Jahre alt, den wir auf dem Sterbebette getauft hatten. Glücklich ist er, da er sich bereits int Himmel mit den Engeln der An- schauung Gottes erfreut! Jetzt mußte ich also sehen, ob sein Bruder wirklich geisteskrank sei und ob wir ihm infolgedessen mit Hilfe der Taufe einen guten Paß für den Himmel in die Hand legen könnten, der ihm dann beim Scheiden ans dieser Welt den Zugang zum Paradiese öffnen würde. „Komm her, Aggiak!" so hieß der Knabe. Zuerst blickte er mich groß an, dann brach er in ein starkes Gelächter aus und näherte sich mir langsam. Er nahm mir den Schirm aus der Hand, untersuchte ihn und hielt ihn mit größtem Vergnügen über sein Haupt. Darauf will er die Tasche sehen, will alles berühren. Da ich der Tasche etwas entnehme, so will er seine Hand hineinstecken, dabei stößt er einen solchen Schrei aus, daß er auch einen schlafenden Taubstummen hätte aufwecken können. Da ich den Frauen einige Jßruöer polognato mit einigen Scbüluhlmaben. Arzneien verabreichte, gab er mir durch Zeichen, Luftsprünge und lautes Lachen zu verstehen, daß auch er etwas haben möchte. Ich befriedigte ihn mit einem Schlucke Pfeffermünzsirup. Da hatte ich es aber gründlich mit ihm verdorben, der Sirup war nicht nach seinem Geschmacke, er gefiel ihm nicht; darob geriet er in Zorn. Ohne viel Umstände zu machen, schleuderte er das Glas mit dem ganzen Inhalte von sich und fing an zu spucken, als wolle er sich die ganze Lunge ausspucken. . . Auch unsere Kleider blieben nicht verschont. Bei der Austeilung der Arzneien mußte ich infolge des vielen Sandes, den man gezwungen war, einzuatmen, einige Male nießen. Etwas ganz Natürliches; bei einem armen Menschen, bei unserem Kleinen, schien das aber nicht der Fall zu sein, vielmehr war es für ihn ein ganz neues Naturwunder. Er läßt ab von seinem Spucken, blickt mich verwundert an, lacht, bricht in Ausrufe der Verwunderung aus und gibt sich alle Mühe, mich nachzuahmen ... Es war zum Erbarmen, zu sehen, wie er sich abmühte, sich nach allen Seiten hin krümmte, so zwar, daß er mit der Nase fast den Boden berührte; den Hals verlängerte er wie ein junger Hahn, der den ersten Versuch macht, zu krähen, die Laute, die er hervorbrachte, waren diesem auch ähnlich. Als er endlich glaubte, es sei ihm gelungen, einmal zu uießen, hielt ich die Vorstellung für beendet: doch war dem nicht so. Als meine Begleiterin das Taschentuch benützte, wollte er natürlich auch eines haben. Um ihn zu befriedigen, gab ich ihm ein altes Stück fien Tuch, das ich in der Tasche hatte. Nachdem er es dann nach seiner Art benützt, reichte er es wieder her, damit ich es in die Tasche stecke. Unglückliches Kind! Es ist weder taub noch stumm, den Gebrauch der Vernunft hat es aber nie erlangt und wird ihn auch nie mehr erlangen, wenn Gott kein Wunder wirkt. Bis zum Tode wird er ein Kind bleiben. Die Taufe ist also hier gut angebracht und wird auch gut empfangen werden ... Gehe jetzt hin, armer Aggiak, glücklich bist du in deinem Unglücke; so lange du lebst, tvirst du vielleicht Aggiak der Irrsinnige genannt werden, geringgeschätzt von allen, die sich glücklicher wähnen als du, du aber bist glücklich, ohne es zu wissen. Die Natur war dir eine Stiefmutter, die göttliche Vorsehung aber eine überaus liebevolle Mutter!" Schwester 0. M. Gottes Geist webt, wo er will. Neben vielen Mühen und Entbehrungen enthält das apostolische Leben für jene, die-sich ihm widmen, auch sehr viel Tröstliches. Gott ist es, der sie zur Entschädigung für die vielen Entbehrungen zu glücklichen Zeugen der wunderbarsten Gnadenwirkungen macht. Während der Missionär die Last des Tages und der brennenden Sonne trägt, sieht er gar manchmal, wie der Same, den er ausgestreut hat, unverhofft aufgeht und reichliche Frucht bringt. Diese Gedanken stiegen in mir auf, als ich die folgende Begebenheit, welche neueren Datums ist, überdachte. In einer unserer Stationen lebte, ungefähr zwei Meilen von der Station entfernt, ein in seinem Fetischdienst eingefleischter Heide. Da sein jüngster Sohn erkrankte, nahm er als überzeugter Fetischdiener alsogleich seine Zuflucht zu den Zauberern. Vor allem mußten die Geister des Dorfes gewonnen werden; daher wurde ein Opfer verordnet. Ein Ochse wurde geschlachtet und ein großes „Pombe" veranstaltet. Unter „Pombe" versteht man hierzulande ein Trinkgelage, bei dem unter dem Schalle des Tam-Tam fest getanzt wird und das sogenannte „Pombe" (Bier) in Hülle und Fülle fließt. Es ist zu gleicher Zeit ein Freudenfest und eine religiöse Übung; alles kann als Vorwand dienen, ein „Pombe" abzuhalten. Allewichtigeren Ereignisse im täglichen Leben unserer Neger sind unzertrennlich mit dem „Pombe" vereinigt. In unserem Falle blieben „Pombe" und Opfer ohne Erfolg und nicht mehr Erfolg hatten auch die Mittel der Zauberer. Es wurde also ein zweiter Ochse geschlachtet, dann eine Ziege, es nützte jedoch nichts; der Knabe genaß nicht, im Gegenteil verschlimmerte sich sein Befinden noch von Tag zu Tag. In der Hinneigung zu seinem Kinde ließ sich der Vater durch diese Mißerfolge nicht im mindesten entmutigen und bald war der größere und schönste Teil seiner Herde geopfert, aber bei dem Knaben wollte sich nichts von einer Besserung zeigen. Eines Tages erklärten die zu einer Beratung versammelten Zauberer dem unglücklichen Vater, daß die Geister das Kind unbedingt verlangten, es sei deshalb unmöglich, es zu retten. Der verzweifelte Heide lief alsogleich zu einem unserer Katechisten mit der Bitte, seinen Sohn zu taufen, da er am Sterben sei. Etwas überrascht, jedoch frohen Herzens ob der Bereitwilligkeit des Heiden folgte ihm der Katechist. Der ungefähr vierzehnjährige Knabe lag bereits in den letzten Zügen; auf natürlichem Wege war keine Hoffnung mehr, ihn noch am Leben zu erhalten. Der Katechist taufte ihn daher ohne weitere Umstände. Sonderbar, gleich nach der Taufe zeigte sich eine Besserung, die rasche Fortschritte machte. Nach einigen Tagen war der Knabe bereits außer Gefahr und heute befindet er sich ganz wohl. Der Vater ergab sich trotzdem noch nicht und blieb in seinem Aberglauben: in der Taufe hatte er nichts anderes erblickt als ein kräftigeres Zaubermittel, das sicherer wirkte als jenes seiner Zauberer. Als dann später er selbst krank wurde, war sein Erstes, die Zauberer zu sich zu bescheiden. Da es sich jetzt darum handelte, ihr durch den letzten Fall erschüttertes Ansehen wieder herzustellen, so veranstalteten sie ganz besondere Festlichkeiten. Es wurden Opfer dargebracht und Beschwörungen vorgenommen, dem Kranken wurden alle erdenklichen Mittel gereicht, jedoch vergebens; die Krankheit nahm unaufhaltsam ihren Lauf und jeden Augenblick konnte die Katastrophe eintreten. Da nun wandte sich der Arme wieder an den Katechisten: „Taufe mich, da die Zauberer mich nicht heilen können." „Die Taufe ist doch kein Heilmittel für die Krankheiten des Lebens; sie dient dazu, die Seele zu reinigen. Wenn du getauft sein willst, mußt du dich zuerst unterrichten lassen." „Du siehst doch, daß ich krank bin und einen harten Kopf habe." „Das Allernotwendigste wirst du bald begriffen haben." Noch am gleichen Tage wurden die Zauberer entlassen und der Unterricht begann. Der Kranke hörte mit größter Aufmerksamkeit zu, natürlich immer noch in der Hoffnung einer Genesung, bald jedoch änderten sich die Gesinnungen dieses hartnäckigen Heiden vollständig. Er sprach nicht mehr von der Genesung und träumte nur noch vom Himmel; sein Wunsch sollte in Erfüllung gehen. Der vom Stande der Dinge benachrichtigte Missionär kam einige Male, um den Kranken zu besuchen, und spendete ihm endlich die heilige Taufe, die der Kranke mit den besten Gesinnungen empfing. Am darauffolgenden Tage nahm diese wiedergeborene Seele ihren Flug zum Himmel. Vater und Sohn waren gerettet; ohne Zweifel auf das Gebet einer frommen Seele hin, die nur Gott allein bekannt ist, die aber an die unglücklichen Seelen unseres schwarzen Erdteiles denkt. Aus Ifcbartoum. Khartoum, 28. Oktober 1911. Der Nordwind hat sich eingestellt — die kühlere Jahreszeit begini't. Diejenigen Bewohner Khartoums, die es sich nicht leisten können, während der heißen Jahreszeit nörd- lichere Striche aufzusuchen, atmen auf. Die glücklicheren „Bessergestellten" sind von ihrem Sommeraufenthalte zurückgekehrt und heute morgen ist auch der Generalgouverneur Sir Reginald Wingate eingetroffen. Schon beginnen sich die ersten Wintergäste einzustellen und man trifft hier umfassende Vorbereitungen, um den stets wachsenden Fremdenverkehr immer mehr auszugestalten. Am Grand Hotel wird ein neuer Flügel mit 20 Zimmern angebaut, so daß es hinfort 150 Zimmer fassen wird; die Sudan-Eisenbahn wird zum ersten Male in^diesem Winter Rundreise-Fahrkarten Kairo —Khartoum—Port Sudan—Kairo oder umgekehrt ausgeben: die Nilflotte der Regierung wird am 1. November 1911 um 30 Fahrzeuge, die bisherige Flotte der Sudan-Entwicklungsund Erforschungs-Gesellschaft, welche die Regierung am genannten Tage übernimmt, vermehrt werden, so daß sich den Touristen hinreichend Gelegenheit zu Jagd- und Vergnügungsfahrten auf dem Nil südlich von Khartoum bieten wird. Die neue Eisenbahn nach Kordofan wird bereits Ende dieses Jahres ihren Endpunkt El-Obeid, die Hauptstadt dieser wohlhabenden Provinz, erreichen. An der Fertigstellung der anglikanischen Kathedrale wird mit Hochdruck, auch zur Nachtzeit, gearbeitet, da sie bereits am 26. Jänner 1912 ihrem Zwecke übergeben werden soll. Die aus Anlaß der Nachtarbeit zur Beleuchtung des Baukörpes provisorisch verwendeten Glühlampen erweckten bei der eingeborenen Bevölkerung den Glauben, die „ingeliz“ (Engländer) feierten ihren „ramazan“ (Fastenmonat), da im Fastenmonat der Mohammedaner die Moschee beleuchtet wird. Seit Monatsfrist erscheint neben der seit 7 Jahren bestehenden englischarabischen „Sudan Times" eine zweite Zeitung, „The Sudan Herold",in englischgriechischer Sprache. Nun hat Khartoum auch einen zweiten Advokaten erhalten. Bisher war nämlich nur einer da und da war es denn notwendig, daß dieser eine Advokat die Sache beider streitenden Parteien vertreten mußte. Neben diesen Anzeichen steten Fortschrittes fehlen auch Schattenseiten nicht. Vor etwa drei Wochen stellte die hiesige Bank von Ägypten ihre Zahlungen ein, was eine lokale Krisis zur Folge hatte, die immer weitere Kreise zieht. Infolge der geringen Regenmenge dieses Sommers sind die Ernteaussichten im ganzen Sudan ziemlich schlechte und an manchen Orten droht Hungersnot. Ltn christlicher IReger von Btttgo, seine pfeife schmauchend. Von der Ikulturtätigkeit der katholischen Mission tn Britisch-Ostafrika, besonders Uganda, zeugt jedes der einzelnen Missionszentren der Weißen Väter. Sehen wir uns beispielsweise die Station Villa Maria einmal etwas näher an. Alle Ländereien im weiten Umkreise sind in Kultur genommen; Felder und Garten- viel besser dran. Zur Herstellung von Dachsparren und Balken allein wurden im letzten Jahre 3000 Bäume gefällt. Wie dankbar ist man jetzt den ersten Missionären, welche unter vieler Mühe eine Waldanlage geschaffen haben! Bei der Anstelligkeit, welche die Ba-ganda-Neger zu jedweder Beschäftigung mitbringen, lag der Gedanke nahe, sie in die europäischen Handwerke und Gewerbe einzu- IHittalanstcbt. anlagen mit den schönsten Gemüse- und Fruchtbeständen wechseln ab. Besondere Erwähnung verdient die Kaffeepstanzung, die viele Hunderte aus dem Nyassaland eingeführte Bäumchen zählt. Im vergangenen Jahre waren bereits 1500 derselben tragfähig. Ein Segen für die ganze Umgegend war sodann eine ausgedehnte Waldanlage. Während man früher kaum wußte, woher inan das nötige Bauholz beschaffen sollte, ist man jetzt schon führen. Mit Hilfe europäischer Gerätschaften konnte zunächst die einheimische Industrie gehoben und vervollkommnet werden. Das gilt vor allem von der Tuch- und Ölbereitnng sowie von den Schmiedearbeiten. Dann ging man einen Schritt weiter und führte bis dahin unbekannte Handwerke und Industriezweige ein. In der Herstellung von Mauer-und Dachziegeln, im Schreiner-, Maurer-, Zimmermanns- und Schmiedehandwerk haben 280 Stern der Neger. Heft 12. die Baganda bereits eine solche Fertigkeit erlangt, daß sie mit Vorliebe bei den öffentlichen Arbeiten angestellt werden. Man ftndet schon vielerorts Baganda-Handwerker, die selbständig ans Bestellung hin arbeiten; einstweilen jedoch dürfte die Zahl derer, die gegen Lohn in den Werkstätten der verschiedenen Missionszentren beschäftigt werden, erheblich höher sein. In diesem Zusammenhange dürfte eine Noüz des Missionsbrnders Silvester Weber ans Kyllburg-Eifel willkommen sein. „Ich bin", so schreibt er ans Villa Maria, „mit der Leitung unserer Handwerkerschnle beschäftigt. Keine Gefahr, daß uns die Arbeit ausgeht. Sie drängt vielmehr in solcher Menge, daß sie ans zwei Jahre hin ausreicht. Meine eingeborenen Künstler haben ans der vorjährigen Ausstellung zu Kampala einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Sie haben drei erste und zwei zweite Preise davongetragen, aber auch neuen, zuversichtlichen Eifer mitgebracht. Ein jeder sinnt und trachtet nur danach, sich noch weiter in seinem Handwerk auszubilden. Die Kolonialregiernng ihrerseits tut alles, um diesen Eifer zu fördern und in die richtigen Wege zu leiten. So schrieb sie kürzlich einen Wettbewerb für die Handwerker aus, um die Tüchtigsten durch Preise auszeichnen zu können, und forderte unsere jüngeren Leute auf, sich daran zu beteiligen. So haben wir hier wieder einmal das Schauspiel vor Augen, daß die eigentliche Missionstätigkeit auch der rein menschlichen Kulturarbeit die Wege bereitet, sie ergänzt und befestigt." „Kreuz und Caritas." Vergeltungsglaube bet den Scbilluk. Eine große Rolle im Leben und Glauben der Schillnk spielen die Geister der Verstorbenen. Von ihnen hängt sowohl Glück wie Unglück ab. Sie sind auch die Rächer der Vergehen an anderen und insoweit auch Urheber des Todes. „Dano ačutte tipo,. dem Menschen hat der Geist heimgezahlt", sagt der Schillnk. Da die Menschen im anderen Leben vollständig gleichberechtigt sind, ohne Unterschied ihr Leben mit ihren Genossen verbringen, muß also die Sünde (eyen) schon in dieser Welt gerächt werden und sie wird auch gerächt von dem Geiste dessen, dem er einst Böses zugefügt oder Schuldiges nicht geleistet. Das ist also der Vergeltungsglaube, das Recht, welches sie auch über den Tod haben; in anderen Fällen treten sie Guok die Gewalt ab. So wurde im Dorfe Baraö ein Bursche, Aquon, vom Geisie seines Vaters getötet, dem er einst im Leben die nötigen Kühe zur nochmaligen Verehelichung verweigert hatte; in Aöop ein Junge von einem Krokodil gepackt auf Veranlassung des Geistes, den er einst mit der Lanze niedergestochen hatte. Das Leben in der andern Melt. Der Schillnk, intellektuell noch tief stehend, bildet sich seinen Himmel radj seinem Geschmack und seiner ihm gewohnten Beschäftigung. Das Leben in der anderen Welt heißt er ein wate bedio, glückliches Znsammensitzen, Hinbrüten oder wie man es nennen will. Es erinnert uns sehr an das Leben im Kyffhänser. Um diese Idee zu verstehen, muß man sein Leben kennen. Der seligste Augenblick, den sich der Schilluk denken kann, ist, wenn er im Rate der Alten, seine Pfeife rauchend, auf dem Felle im Schatten der Hütte sitzend, über die Ereignisse des Tages sprechen, urteilen und dabei selbst mitbefrhlen kann. Die Jungen besorgen das Vieh, die Weiber Hans, Küche und Feld und somit fehlt nichts an der Glückseligkeit; und so sieht denn auch sein Himmel ans. Heft 12 Stern der Neger. 281 Sil x= f Unterbaltenbee. 1 Lingua Masse s Vertraute. Lrzäblung von j Ramosina öffnete die Türe und trat ein. Tiefes Schweigen herrscht im Innern, unterbrochen durch das unruhige Schnarchen des einen oder anderen Sklaven. Ramosina kannte jede einzelne Hütte, auch jene des Oberaufsehers war ihr nicht unbekannt. Langsam schlich sie sich hin zur Hütte. Der Mond verbreitete ein spärliches, fahles Licht, Ramosina's Auge durchdrang jedoch die Finsternis. Mit einem einzigen Blicke durchmusterte sie die ganze Hütte, sie erblickte die Frau und Kinder des Oberaufsehers, ihn selbst aber fand sie nicht. Beim Verlassen der Hütte murmelte sie: „Er wird sich wohl noch am Marterpfahle befinden." Auf ihren Stock gestützt, durchschritt sie die engen Pfade zwischen den Hütten und gelangte zu dem kleinen Platze, hier erblickte sie die beiden Pfähle, der Boden war mit schwarzem geronnenen Blute bedeckt; beim Anblicke desselben erblaßte die Alte noch mehr, sie erinnerte sich an die Szene, die sich vor nicht ganz zwei Monaten hier abgespielt hatte. Auch hier war Ämatosa nicht zu finden. Wo konnte er jetzt noch sein? „Vielleicht gar bei den widerspenstigen Sklaven/' sagte sich die Alte. „Wäre es nur der Fall! Je mehr er erniedrigt wurde, um so sicherer bin ich seiner Unter-stützung/' Sie begab sich also zu dem bezeichneten Orte. Das wenige Stroh, das sich dort befand, war durchtränkt mit altem und frischem Blute. Wer hätte die unglücklichen Sklaven zählen können, die auf diesem Strohlager geblutet hatten. Hierhin wurden nämlich die gezüchtigten Sklaven geworfen, damit sie mit ihren Wehklagen die Leidensgefährten nicht störten. Dem Sklavenhändler war viel daran gelegen, daß die Sklaven in der Nacht gut ausruhten, denn nur so waren c. tbugo /llMont. (Schluß.) sie der schweren Arbeit auf die Dauer gewachsen. Senuessi erblickte in den Unglücklichen nur Arbeitsmaschinen. 'Ramosina wußte zwar sehr gut, daß auf diesem Stroh die gepeitschten Sklaven zu suchen seien, bei Amatosa, dem Oberaufseher, hatte sie sich jedoch eine Ausnahme erwartet. Hingegen fand sie auch ihn hier auf dem Schmerzenslager. Der Oberaufseher hatte sich eben die Ungnade seines grausamen Herrn zugezogen. Amatosa war wach, die schmerzenden Wunden ließen ihn nicht zur Ruhe kommen. Aber auch ohne diese Wunden hätten ihm die Schande, der Zorn und der Groll, den er im Herzen gegen seinen Herrn nährte, den Schlaf verscheucht. Er krüminte sich unruhig auf dem Strohlager, indem er unablässig eine Lage suchte, in der er weniger zu leiden hätte. Durch das Geräusch wurde seine Aufmerksamkeit geweckt. „Die alte Ramosina", murmelte er. Was niochte die Alte zu ihm führen? Wollte sie sich etwa an seinen Qualen ergötzen? Sie haßte doch Senuessi, konnte er seinen Haß nicht mit dem der Alten vereinigen? Sie wären in ihrem grenzenlosen Grolle doch sicher imstande gewesen, den grausamen Araber zu vernichten. Vernichten? Womit könnte aber ein Sklave einem freien Manne schaden, eine winzige Fliege einem mächtigen Elefanten? Ramosina gelangte zu dem Strohlager und ließ sich mit einem tiefen Seufzer an der Seite des Oberaufsehers nieder. „Spreche mit leiser Stimme," flüsterte sie ihm zu. „Bist du es, Ramosina? Bist du etwa ge-kommen, dich au meinen Qualen zu ergötzen?" „Nein, vielinehr fühle ich Mitleid mit dir." „Mitleid? Du hast wohl Ursache dazu! In welchen Abgrund bin ich gestürzt! Ich war Ober- aufseher und jetzt bin ich ein armer, gepeitschter Sklave!" „Ich bemitleide dich, aber die Strafe steht dir gut an, du hast sie vollauf verdient!" „Verdient?" „Ja verdient hast du sie. Denke nur an dein Benehmen als Oberaufseher. Du warst ein Neger und Sklave, hättest also mit den Sklaven, die deine Leidensgenossen und Landsleute waren, Mitleid haben müssen. Wer war hingegen grausamer als du? Du hast die Peitsche mit mehr Grausamkeit herrschen lassen, als dein Herr selbst; um ihm zu gefallen, hast du uns mit ausgesuchter Grausamkeit behandelt. Denke an die Leiden, die du meinem Nup zugefügt hast! Es ist also gerecht, daß auch du einmal mit der Peitsche Bekanntschaft gemacht hast." „Ich habe also recht gehabt, als ich sagte, du seiest gekommen, dich an meinen Qualen zu ergötzen. Ergötze dich nur daran und wenn du willst, daß deine Freude voll sei, so töte mich. Reiche mir ein Gift. Auf diese Weise hättest du deinen Gegner, den Mörder deines Sohnes, getötet und ich würde dir dankbar sein, da ich den Tod den Schmerzen der Sklaverei vorziehe." „Du möchtest sterben?" sagte die Alte hohnlächelnd. „Nein, du mußt leben. Nur ein Feigling kann in deinem Falle vom Tode reden!" „Ist also dein Haß so groß, daß du mir nicht einmal die Ruhe des Grabes gönnen willst?" „Von Haß kann keine Rede sein. Nur bei Gleichgestellten oder gegen einen Vorgesetzten kann man von Haß reden, aber niemals bei der mächtigen Ramosina und einem feigen Sklaven. Ich hasse dich nicht, aber wohl bist du meiner Verachtung verfallen! Jetzt aber denke ich nicht mehr an die Leiden, die du mir zugefügt hast, und obwohl sich mein Herz nach deiner Vernichtung sehnt, so sollst du doch leben, da du dich rächen mußt." „Ich soll mich rächen? An wem?" fragte Ama-tosa begierig. Ein Lächeln zog über das entstellte Antlitz der Zauberin. Amatosa war bereit sich zu rächen, sie brauchte ihn also nicht mehr dazu bereden. „An wem anders als an Senuessi?" Amatosa zuckte bei diesen Worten zusammen. „Wenn der Sklavenhändler uns hören würde?" rief er aus. „Er schläft in seiner Hütte und denkt nicht daran, daß wir jetzt sein Verderben schmieden," entgegnete die Alte. „Wie aber könnten wir uns an ihm rächen?" „Du hast also alle Rachegedanken aufgegeben? Willst du ihm verzeihen? So verzeihe ihm nur! Erhebe dich, gehe hin zu ihm, werfe dich ihm zu Füßen, küsse die Hand, die dich zerfleischt hat, und bedanke dich bei ihm, daß er die Güte hatte, dich zu peitschen, danke ihm für jeden Blutstropfen, den du verloren hast, für jeden Geiselschlag, den du empfangen, liebe ihn und sei stets sein treuer Diener gleich dem Hunde, der die Hand seines Herrn beleckt, nachdem er gezüchtigt wurde," sagte die Zauberin mit Ironie. „Du bist furchtbar, Ramosina!" „Und du bist ein Feigling, da du nicht hassen kannst." „Ich kann nicht hassen? Ich hasse Senuessi aus ganzer Seele! Ich würde ihn gleich niederstrecken, wenn ich könnte. Aus dem Innersten meines Herzens steigt unablässig eine Bitte zum Throne Allahs empor. Ich flehe ihn an, er möge mir vergönnen, mich an meinem grausamen Herrn zu rächen. Allah, ich bitte dich, schleudre deine Blitze auf ihn, zermalme ihn, wie er es verdient!" „Nur der Feige nimmt seine Zuflucht zu Allah, der Held hingegen handelt. Die Weißgesichter, die viel schlauer sind als wir, sagen immer: Hilf dir, wenn du willst, daß Allah dir helfe! Willst du, daß Cingua Basse dir bei der Ausführung der Rache helfe, so beginne du zuerst." Amatosa schüttelte das Haupt. „Ich fürchte . . . ." „Was? Sollte unsere Verschwörung nicht gelingen, so würdest du getötet werden. Fürchtest du dich jetzt wieder vor dem Tode? Bist du denn je einmal deines Lebens sicher, da dich der Zorn deines grausamen Herrn jeden Augenblick vernichten kann, da es unmöglich ist, ihm zu entrinnen? Heute noch kann er dich hinrichten lassen. Ist es in unserer Lage nicht viel besser, bei der Ausführung unserer Rache zu sterben, als sich wie ein wehrloses Lamm hinschlachten zu lassen?" Amatosa erwiderte nichts. „Wir werden aber sicher unser Ziel erreichen," fuhr sie fort. „Unsere Rache wird gelingen und wir werden triumphieren." „Wie kannst du das wissen?" „Cingua Basse hat es mir geoffenbart." „Cingua Basse?" frug Amatosa voller heiliger Furcht. Obwohl Mohammedaner war er im Herzen doch seinen Götzen treu geblieben. „Ja, Cingua Baffe. Die Gottheit ist gegen den grausamen Senuessi sehr aufgebracht, da er sie nicht verehrt, ihr so viele Verehrer entreißt und mich, ihre treue Priesterin, hat peitschen lassen. Cingua Basse hat ihn deshalb zum Tode verurteilt. Wer sich gegen Senuessi erhebt, wird sicher siegen. Ich bin entschlossen, zu handeln. Willst du mir helfen oder nicht?" „Versicherst du mich, daß unser Unternehmen von Erfolg begleitet sein wird?" frug Amatosa noch immer im Zweifel. „Ja, ich verspreche es dir." „Welches Los wird dann den Senuessi treffen?" „Er ist dem Tode verfallen! Er muß am Marterpfahle verbluten, gerade so wie mein Nup; und ich, merke dir es wohl, Amatosa, ich muß ihm den Dolch ins Herz pflanzen." Amatosa lachte vor Freude bei den Worten der alten Zauberin, sie klangen wie süße Musik in seinen Ohren. „Ja, er muß am Marterpfahle sterben, ich selbst werde ihn peitschen!" rief er voller Jubel aus, fügte aber dann etwas nüchterner hinzu: „Wie wird uns das gelingen?" „Sehr leicht! Wir werden die Sklaven gegen ihn aufwiegeln." „Einen Aufstand soll es also geben?" „Jawohl und wir werden Erfolg haben, da Cingua Basse mit uns ist. Glaubst du vielleicht, daß die Sklaven den Herrn lieben?" „Auch nicht einer ist da, der ihn liebte." „So werden also alle auf unserer Seite sein." „Er aber wird den Aufstand im Blute ersticken." „Wie wird er das anstellen? Wer wird ihm dazu die Hand bieten? Er herrscht über uns durch den Schrecken, er herrscht, weil er Neger findet, die ihm als Aufseher Handlangerdienste leisten. Erzähle aber diesen Aufsehern deinen Fall; sage ihnen, daß du, obwohl Oberaufseher, gepeitscht worden bist und daß sie das gleiche Los treffen kann. Sei dann sicher, daß sie ihn nicht verteidigen werden." „Sollen wir also heute noch . . . ?" „Heute?" fragte Ramosina mit Verachtung. „Heute? Die Sache muß zuerst wohl vorbereitet sein. Der Aufstand muß mit großem Geschicke angezettelt werden und darf erst ausbrechen, wenn alles in Ordnung ist. Stelle dich dem Senuessi gegenüber als sehr ergeben, sei demütig und brav, auch ich werde mich ihm voller Demut nähern. Er muß sich von unserer Seite vollkommen sicher fühlen. Wir hingegen wiegeln inzwischen die Sklaven und Aufseher auf." „Du bist unbezahlbar, Zauberin!" rief Amatosa voller Bewunderung aus. „Ich bin die bevorzugte Priesterin des Cingua Basse!" erwiderte sie stolz. Die beiden Opfer der Grausamkeit des Sklavenhändlers unterhielten sich noch lange. Sie besprachen die Einzelheiten des Aufstandes. Endlich erhob sich Ramosina und begab sich in ihre Hütte zurück. Mit freudigem Herzen kehrte sie dorthin zurück. Sie war glücklich über den Ausgang jener Unterredung; sie war mit Amatosa zufrieden. Schon jetzt genoß sie die Süßigkeit ihrer Rache, sie verkostete schon jetzt das Vergnügen, das sie empfinden werde, wenn sie Senuessi den Rachedolch ins Herz stoßen könnte. In solche Gedanken versunken, näherte sie sich der Hütte. Sie vermeinte, ein liebes Antlitz zu sehen, in tiefen Schmerz versunken, dessen bleiche Lippen sich bewegten, um ihr zuzuflüstern: „Verzeihe, verzeihe!" Es war das Antlitz ihres geliebten Sohnes. Neben dem Bilde des Sohnes zeigte sich ein anderes: ein ans Kreuz genagelter weißer Mann, gerade so, wie sie ihn in der Missionsstation gesehen hatte. Die Schwestern hatten ihr gesagt, das sei der Gott der Müßen und der Neger, der Gott aller Völker, der einzig wahre Gott, welcher den Cingua Basse, Mohammed und alle Fetische in das Höllenfeuer geschleudert habe. Auch die Lippen dieses sterbenden Gottes bewegten sich und sagten: „Verzeihe, verzeihe!" Jenes göttliche Antlitz wandte sich gegen Nup und lächelte ihm freundlich zu, als wollte es ihn loben, da er ihm im Verzeihen so heldenmütig nachgefolgt sei; gegen Ramosina gekehrt, nahmen diese gleichen Augen aber einen drohenden Blick an. War dieses Gesicht die Frucht ihrer aufgeregten Phantasie oder ein Antrieb der Gnade? Ramosina blieb für lange Zeit wie angenagelt am gleichen Orte stehen, indem sie an das schöne Bild dachte sowie an jenes erhabene Wort: „Verzeihe", das sie jedoch nicht erfassen konnte. Verzeihen! Der Gott der Weißen hatte verziehen, Nup desgleichen, sollte dann nicht auch sie verzeihen? Wie? Verzeihen? Nein, nie und nimmer, sie konnte nicht, sie wollte nicht verzeihen. Hätte ihr auch die ganze Welt zugeflüstert, sie solle verzeihen; wäre auch ihr geliebter Sohn lebend vor ihr erschienen und hätte sie angefleht, doch zu verzeihen, sie würde ihm kein Gehör geschenkt haben, da sie die Vertraute Cingua Basses war; die Gottheit verlangte Rache! Sie wollte sich rächen. Nach dem Tode des Senuessi konnte sie ja hingehen zur Mission, um Frieden zu suchen, dort würde sie dann vielleicht verzeihen lernen. Der Gedanke an die Verzeihung verflüchtete sich und mit ihm auch das ihr im übrigen so teuere Bild. Sie konnte jetzt an nichts anderes mehr denken als an ihre Rache; an nichts, auch nicht an ihren geliebten Sohn. Mit diesen Gedanken betrat sie die Hütte; mit ihnen warf sie sich auf ihr elendes Lager; mit ihnen schlief sie ein und während der ganzen Nacht träumte sie nur von der Rache. 17. Kapitel. Gevetme Anschläge. Senuessi war höchlichst überrascht, als sich ihm am anderen Tage Ramosina näherte, während er sich auf die Felder begab, um die Arbeiten der Sklaven zu überwachen. Zuerst glaubte er, die Alte nähere sich ihm, um ihm Vorwürfe zu machen, ihn zu bedrohen und die Blitze ihres Gottes auf ihn herabzurufen. Er nahm daher die Peitsche fester in die Hand, entschlossen, sie im gegebenen Falle zu gebrauchen; die Alte rief hingegen aus: „Allah sei gepriesen, daß meine Augen dich, geliebter Herr, noch einmal sehen können." Senuessi betrachtete jene arme, ganz herabgekommene Gestalt, die sich nur mit Mühe ausrecht erhielt, er empfand aber nicht das geringste Mitleid mit ihr, machte sich nicht im mindesten einen Vorwurf daraus, sie so behandelt zu haben. „Cingua Basse hat seine Zauberin gerettet!" sagte er lächelnd. „Ich verdanke das Leben Cingua Basse und dir," erividerte sie. „Mir?" „Ja dir, da du das Recht hattest, mich, die ich deine Sklavin bin, zu töten, hingegen hast du mir großmütig verziehen. Brauchst du vielleicht starke Gifte? Romasina ist alt und wird nicht mehr lange leben. Befehle, so lange ich noch am Leben bin, es wird mir eine Freude sein, dir zu gehorchen. Wenn das Gehen mir nicht so schwierig wäre, würde ich gerne zur Mission eilen, um die Missionäre zu vergiften, die du so sehr hassest und die meinen Sohn verzaubert haben, den du mit vollem Rechte getötet hast. Die Alte fuhr in diesem Tone fort und es gelang ihr vollständig, ihn zu täuschen. Es machte ihm Vergnügen, sie so gedemütigt und ergeben zu sehen, da er ihre Gifte brauchte. Als sie sich jedoch entfernt hatte, sprach er zu sich: „Jetzt sage man noch, daß die Sklaven rer-nünftige Wesen seien." „Ich habe jener Hündin ihren Sohn hingeschlachtet, und anstatt darüber erzürnt zu sein, ist sie mir noch dankbar. Ich habe recht, wenn ich behaupte, daß man die Neger mit der Peitsche zähmen müsse!" Senuessi war äußerst gut gelaunt, da es ihm gelungen war, die Alte zu bändigen. „Sie gleichen den Schlangen. Entreiße diesen das Gift, so sind sie gänzlich unschädlich. Töte der Sklavin ihren Sohn und die Liebe, die sie zu ihrem Kinde getragen, wird sich dem Mörder zuwenden. Wären es Menschen, so würden sie sich rächen!" Das Staunen des Sklavenhändlers steigerte sich noch, als sich ihm nach zwei Tagen auch Amatosa ganz niedergeschlagen und demütig näherte. Der Oberaufseher ging ganz gekrümmt einher, da sein Rücken nur eine einzige Wunde bildete. Er kam, um sich dein Emir zur Verfügung zu stellen. ,,Jch fürchte, daß dein gerechter Zorn gegen mich noch nicht erloschen sei; ich weiß zn gut, nicht mehr würdig zn sein, wieder als Oberaufseher angestellt zu werden. Verzeihe mir die Beleidigungen, die ich dir zugefügt habe, und verfüge dann nach Belieben über mich." Was mußten diese demütigen Worte dem Oberaufseher kosten! Die Verdemütigung war ihm jetzt jedoch angenehm, da er hoffte, auf diese Weise den Tag der Rache zu beschleunigen. Senuessi ließ sich täuschen, er merkte die Falschheit des Sklaven nicht, nicht das Spiel, das jener mit ihm trieb. Er dachte bei sich: Amatosa ist mir treu ergeben, aber ohne sein Verdienst. Die Treue ist eben eine Eigenschaft der Hunde, alle Neger oder, besser gesagt, alle Nichtmohammedaner sind „Gianr", d. h. verfluchte Hunde. Seine Treue wird ihm aber das Leben retten. Er würde zwar am Marterpfahl ein schönes Bild abgeben, ich habe jedoch noch genug Sklaven zum Martern, die sogar kräftiger sind als er. Einen Mann aber, der so treu ist wie er, werde ich nicht so leicht mehr finden. Er setzte also Amatosa wieder in sein Amt ein. Hätte Amatosa nicht mit Ramosina gesprochen, so würde er sich wieder in seine Lage hinein-gefnnden haben, er hätte die erhaltene Züchtigung vergessen, wäre wieder der treue Sklave geworden. Ramosina hatte jedoch in jener schrecklichen Nacht einen tiefen Groll gegen Senuessi entfacht, sie hatte in seinem Herzen gewisse Saiten berührt, die nicht mehr aufhörten zu schwingen. Die alte Zauberin kam ancb jetzt zu ihm und versäumte es nicht, ihn immer wieder an die Rache zu erinnern. „Du bist wieder Oberaufseher, bilde dir aber darauf ja nichts ein, dein Herr kann seine Gesinnungen jeden Augenblick ändern, das hast du ja selbst schon erfahren. Wegen eines Nichts hat er dich so grausam peitschen lassen; es ist mehr als wahrscheinlich, daß er dich bei dem geringsten, unfreiwilligen Fehler deinerseits absetzt, dich peitschen läßt, zum niedrigsten Sklaven macht und endlich tötet. Solltest du aber auch bis zum Tode Oberaufseher bleiben, so würdest du doch immer ein Sklave sein. Wenn es dir hingegen gelingt, Senuessi zu töten, so werden die Sklaven frei; du aber als der Bestunter-richteste, der Tapferste wirst von ihnen sicher zum Anführer anserwählt werden, du wirst ihr König, ihr Sultan werden." „Glaubst du das wirklich?" fragte Amatosa etwas zweifelnd. „Ich bin dessen ganz gewiß. Der Götze hat gesprochen und der kann nicht lügen. Von dir wird nur verlangt, daß du Allah nicht mehr anhängest und dich wieder ganz Cingua Basse anschließest, der verlangt, daß das Herz des Sultans ganz ihm ergeben sei. Ich werde sodann die Vermittlerin zwischen dir und der Gottheit sein; mir wird sie nichts abschlagen können, ihre Gunst lvird sich durch meine Vermittlung reichlich über den Sultan ergießen." Amatosa schenkte der schlauen Alten Glauben; er fühlte sich bei dem Gedanken, einst Sultan zu werden, ganz glücklich und wurde Senuessi immer feindlicher gesinnt. Ein aufmerksamer Beobachter hätte leicht merken können, daß in der Pflanzung eine Wand-lung vor sich ginge; er hätte wahrgenommen, daß die Aufseher nicht mehr so grausam waren, daß die Peitsche nur in Gegenwart Senuessis angewandt wurde, war er jedoch ferne, so ruhte der Aufseher aus und auch die Sklaven taten nicht selten das gleiche. So oft Senuessi vorbei ging, begegneten ihm zornentbrannte Blicke und hinter seinem Rücken ballte sich manche Faust. Die Sklaven versammelten sich öfter als früher. Amatosa und Ramosina verbrachten ganze Nächte schlaflos, indem sie von Hütte zu Hütte schlichen, um mit den Sklaven zn reden, sie aufzuwiegeln; die Mutigen wurden angeeifert, die Schwachen ermutigt und die Gleichgültigen aufgerüttelt. Das Feuer griff in dem leicht entzünd-baren Stoffe rasch um sich. Nach Außen hin merkte man jedoch sehr wenig oder fast gar nichts von der ausgedehnten Arbeit, die von der Zauberin und dem Ober-aufseher geleitet wurde. Niemand sah die Fäden, die sie in den Händen hielten. Senuessi noch weniger als die andern. Er hatte Amatosa sein ganzes Vertrauen wieder geschenkt. Die Lage in der Pflanzung glich einem Vulkane, der seit Jahrhunderten ruhte, in dessen Innern sich jedoch ein furchtbarer Ausbruch vorbereitet. Vertrauensselige Landlente bebauen seine Abhänge, es entstehen Städte und Dörfer an seinem Fuße, man denkt nicht einmal daran, daß der Vulkan in kurzem einen Strom feuriger Masse ausspeien könnte, die den Abhang herunterströmend, überallhin Tod und Verderben bringe. 18. Kapitel. Zfurcbtbnre IRacbe. „Die Karawane konnte also ihren Marsch nicht fortsetzen?" „Nein, ?. Sebastian. Ich konnte meinen Plan, den Lindi zu erforschen, nur zum Teil ausführen, da sich die Vamanga int Aufstande befinden. Der Marsch mußte daher unterbrochen werden. Das bisher gesammelte wissenschaftliche Material durfte ich keiner großen Gefahr aussetzen. Ich kehre zwar zurück, bin aber fest entschlossen, im nächsten Jahre einen neuen Versuch zu machen. Nicht früher werde ich ruhen, als bis das ganze Gebiet erforscht ist." Mit diesen Worten gab der soeben von seiner Reise zurückgekehrte Laudon dem Sebastian Aufschluß über seine so baldige Rückkehr. Der Missionär pflichtete dem Reisenden vollständig bei. Das gesammelte tvissenschastliche Material war zu kostbar, um es einer Gefahr auszusetzen. In den kommenden Jahren konnte man sodann die Erforschung des Gebietes immer tvieder fortsetzen. Der Reisende verbrachte acht Tage in der Mission, teils um zu rasten, besonders aber, damit seine Leute die Mission aus der Nähe kennen lernten. Laudon war nämlich überzeugt, daß sie das Wirken der Missionäre schätzen würden, wenn sie es so aus der Nähe beobachten konnten. Eines Tages bemerkte Laudon dem Missionär gegenüber: „Bei meiner Rückkehr werde ich auch Senuessi einen Besuch abstatten." „Wozu?" „Um mein Versprechen einzulösen, das ich einer armen Sklavin gemacht habe." „Vielleicht gar der armen Ramosina?" „Kennen Sie dieselbe?" frug Laudon erstaunt. „Sehr gut kenne ich sie. Erzählen Sie mir alles." Laudon erzählte nun dem Missionär das Abenteuer, das er in der Pflanzung gehabt. Die Geschichte des Nup und der Ramosina wurde von dem Missionär vervollständigt. „Betreffs Ramosina kann ich Ihnen weiter keinen Aufschluß geben. Ich habe sie lange suchen lassen, aber wer weiß, wo sich die arme Alte hinbegeben hat. Nup wird nach meiner Meinung wohl tot sein; sollte er jedoch noch am Leben sein, so nehmen Sie sich seiner an, da ich den mutigen Jüngling so gerne frei sehen möchte." Der Reisende versprach dem Missionär, sein Möglichstes tun zu wollen, um Nup die Freiheit zu erwirken. Er setzte seinen Weg zur Pflanzung fort. Eines Abends erblickte Laudon am fernen Horizont den roten Widerschein eines gewaltigen Brandes. „Ein Wald steht in Flammen", bemerkte der Anführer der Träger, welcher an Laudons Seite ging. „Oder vielmehr die Pflanzung Senuessis", entgegnete Laudon. „Die Pflanzung? Das ist nicht ganz unmöglich." „Was haben wir in diesem Falle zu tun?" „Wir werden uns bemühen, den Brand zu löschen." „Nie und nimmer! Es ist besser, daß das Feuer alles verschlinge, da diese Pflanzung ein stetes Verderben für meine Landsleute bildet, und Senuessi ist ein Verbrecher, der mehr Morde auf dem Gewissen hat als ich Haare auf dem Haupte," erwiderte der Anführer. „Das weiß ich nur zu gut und wenn ich sicher wäre, daß er nach Einäscherung seiner Pflanzung die Gegend verlassen würde, um nie mehr zurückzukehren, so würde ich sie mit Freuden in Rauch aufgehen lassen. Glaubst du wirklich, daß er einen so günstigen Platz verlassen werde?" „Er wäre dumm, wenn er es täte." „Er wird also bleiben und die Pflanzung von neuem herrichten." „Das ist klar." „Wer aber wird diese Arbeit leisten müssen? Er sicher nicht. Die armen Sklaven werden zu der schweren Arbeit herangezogen werden. Dadurch also, daß wir das Feuer löschen, ersparen wir den armen Sklaven eine schwere Arbeit." Der Anführer neigte das Haupt als Zeichen der Zustimmung. „Tu sprichst gut!" sagte er. Der Marsch wurde fortgesetzt. Immer stärker wurde der Widerschein. Gewaltige Rauch- und Feuersäulen stiegen gegen Himmel. Die Bäume, Speicher und Häuser brannten; hier stürzte ein Haus unter gewaltigem Getöse ein, dort explodierten die Kaktusse; es hörte sich an wie ein ferner Schlachtendonner. „Die ganze Pflanzung ist in Flammen!" sagte der Anführer. „Ich kann nicht verstehen, warum die Neger sich nicht rühren, ihn zu löschen," bemerkte Laudon. Der Anführer gab darauf keine Antwort. Mit seinen großen Augen blickte er starr in der Richtung des Brandes; er suchte eine Antwort auf eine Frage, die ihm viel zu denken gab. Sie gingen noch etwas voran; da auf einmal blieb der Anführer stehen. „Die Pflanzung wurde angezündet!" rief er aus. „Wie?" „Die Sklaven haben sich empört!" Mit diesen Worten zeigte der Anführer dem Belgier einige schwarze Gestalten, die um das Feuer herumtanzten. „Was sollen wir jetzt tun?" frug Laudon. „Gehen wir nur weiter. Die aufrührerischen Neger werden uns gut aufnehmen." So zogen sie beim weiter. Als Laudon aber an den Rand der Brandstätte kam, waren die Tänzer bereits verschwunden; entweder waren sie des Tanzes schon müde oder sie fürchteten sich vor den heranziehenden Scharen des Belgiers. „Sie haben sich in die Wälder zurückgezogen, um ihre Freiheit zu bewahren," bemerkte der Anführer. Laudon befahl seinen Leuten, sich am Rande der Brandstätte zu lagern, er aber machte mit dem Anführer einen Rundgang um die Pflanzung. „Alles ist niedergebrannt worden. Wo mag sich wohl Senuessi befinden?" „Ich hoffe, daß er in den Flammen umgekommen ist. Ein solcher Tod wäre noch zu leicht für ihn, er hätte einen tausendmal grausameren verdient." Laudon erwiederte nichts auf diese Bemerkung des Anführers. Und Nup? Wird er wohl noch leben? Und falls er lebte, befand er sich im Lager der Aufständischen? Auch von der Ramosina war keine Spur zu finden. Was war wohl mit ihr geschehen? Stillschweigend setzten die beiden Männer ihren Weg fort: der Neger voller Freude, der Weiße aber von traurigen Gedanken geplagt. Auf einmal vernahmen sie eine weibliche Stimme, die folgende Worte ausstieß: „Wie du meinen Nup getötet hast, so habe ich auch dich abgeschlachtet! Mein Messer drang dir langsam, langsam ins Herz und hat dich kalt gemacht; durch Frauenhand bist du gestorben!" „Wer schreit da?" frug der Aufseher ganz bestürzt. „Wir werden es gleich sehen," antwortete Laudon und wandte sich der Richtung zu, woher die Stimme erklang. „Nup, mein Nup! Meinen Schwur habe ich gehalten! Ich habe mich gerächt!" ließ sich die Stimme von früher tvieder vernehmen. Noch ein paar Schritte und die beiden Männer blieben erschreckt stehen. Der Anblick, der sich ihnen darbot, war so schrecklich, daß er auch das kühnste Phautasiegebilde übertraf. An einen Baum angekuebelt, erblickten sie einen Manu zu einer unförmlichen Masse entstellt, fast unkenntlich: die Haut hatte man ihm vom Leibe gerissen, Ohren und Nase abgeschnitten, die Augen ausgestochen; in seiner Brust stak noch der Mordstahl, die ganze Gestalt war von den furchtbaren Schmerzen zusammengekrümmt. Zu seinen Füßen saß eine Frau, die sich beim Herannahen der beiden Männer erhob; auf ihren Stock gestützt, entfernte sie sich, indem sie unablässig schrie: „Durch Fraueuhand ist er gefallen!" „Ramosina!" rief ihr Laudon nach, der die Frau erkannte. 288 Heft 12. Stern der Neger. „Soll ich sie einsangen?" frug der Anführer. „Lasse sie nur taufen." Lauge betrachtete» sie den Leichnam. „Es ist Senuessi," bemerkte endlich Laudon. „Das Ungeheuer hat für seine Frebeltaten nicht genug gebüßt," warf der Anführer ein. Er würde nicht so geredet haben, wenn er gewußt hätte, daß dessen Qualen drei Tage lang gewährt, bevor ihm Ramosina langsam den Gnadenstoß gab. Laudon verbrachte die Nacht an der Unglücksstätte. Am andern Morgen setzte er seinen Marsch fort mit der Überzeugung, daß Nup tot sei . . . Nach einigen Monaten näherte sich eine weibliche Gestalt der Missionsstation. Die Schwester, welche ihr öffnete, erkannte sie an der Stimme und lief alsogleich die Oberin zu benachrichtigen. „Tie alte Ramosina ist zurückgekehrt!" Die Alte wurde aufgenommen und mit Liebe gepflegt. Der Aufenthalt in der Mission nützte aber nur ihrem Körper, ihrem Geist aber brachte er keinen Vorteil, da die Alte irrsinnig geworden war. Wie war es den befreiten Sklaven ergangen? Sie zerstreuten sich in den Wäldern, um ihre Freiheit zu genießen. Die Freuden währten jedoch nur kurze Zeit. Niemand wollte gehorchen und Amatosa, der sich als ihr Oberhaupt benahm, wurde eines Tages ermordet. Der Arbeit überdrüssig, wollten sie im Nichtstun ihr Leben fristen. Für einige Zeit fanden sie Nahrung, später aber ging sie ihnen aus und verschiedene starben des Hungertodes. Wer dem Hunger nicht erlag, fiel wieder in die Hände von Sklavenjägern und wurde von neuem Sklave. Nicht in der gewaltsamen Befreiung des Sklaven ist das Heil Afrikas gelegen, nicht allein in der Antisklavereibewegung, sondern durch Verbreitung des wahren Glaubens, durch welchen die Sklaven nicht nur frei, sondern auch befähigt werden, von ihrer Freiheit den richtigen Gebrauch zu machen. Afrika wird nur im Schatten des Kreuzes seine Rettung finden. Verschiedenes. abreise in die Mission. Am 28. Oktober schiffte sich zu Triest ans einem Dampfer des Oesterreichischen Lloyd der hochw. P. Karl Fischer aus der Erzdiözese Prag ein, um sich nach Khartoum zu begeben. Am 29. Juni hatte er im hohen Dome zu Brixen die heilige Priesterweihe empfangen. Mit ihm schiffte sich auch der ehrw. Br. Heinrich Sendker ein, der nach einem längeren Aufenthalte in der Heimat (Westfalen) wieder in die Mission zurückkehrte. ! Desgleichen verließ am 4. November der hochw. P. Alois Mohn aus der Diözese Ermland auf einem Schiffe des Norddeutschen Lloyd Genna, um zu seinen geliebten Schwarzen zurückzukehren. ^ßriefäaflten dev WednkLion. j Eisenbahn. 4. Etappe: Khartoum—Ladü 1726 km auf dem Nile. 6. Etappe: Ladv — Ponthiervillc 1177 km Eisenbahn. 6. Etappe: Ponthierville—Kind» 315 km zu Schiff. 7. Etappe: Kindu—Kongolo 360 km Eisenbahn. 8. Etappe: Kongolo—Mukama 650 km zu Schiff. 9. Etappe: Mukama — Dola 625 km Eisenbahn. 10. Etappe: Dola - Kapstadt 3245 km Eisenbahn. Ein gilt Teil der Etappen sind allerdings nur noch Projekte. K. ID. in S. Besten Dank für das gütigst lleber-sandte. Wie Sie sehen, haben wir Ihrem Wunsche entsprochen. Nile. 3. Etappe: Wadi-Halfa—Khartoum 1490 km | Unsere Abonnenten des Auslandes können den Abonnementsbetrag am besten mittels Postanweisung' oder auch in Briefmarken einsenden. Wir bitten, bei der Abonnementserneuerung beiligenden Zettel wohl zu beachten. hochw. P. Sch. Ihrem Wunsche ist mit der Notiz „Aus Khartoum" in etwa entsprochen, als weitere Ausführung fügen wir noch folgendes hinzu: Die ganze Strecke von Kairo bis Kapstadt wird 11.565 Kilometer lang sein und ist in folgenden Etappen geplant: 1. Etappe: Kairo—Assuan 1400 km Eisenbahn. 2. Etappe: Assuan— Wadi-Halfa 537 km auf dem WrantwxH'tlldxr Sdbtiftleiter Ktektor P. De. slß. IRaftdner F. S. C. — Bucbčvudiera Usvolta, Weilen, Südttrol. Dem Memento der hochw. Missionäre und dem Gebete aller Leser werden folgende Verstorbene empfohlen: Hochw.HerrMsgr. Franz Konrater, Innsbruck. „Herr, gib ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm!" Gebeiserhöningen und Empfehlungen. Dem heiligsten Herzen Jesu, der unbefleckten Gottesmutter Maria, dem hl. Josef und den armen Seelen sei ewiger Dank gesagt für die Bewahrung von schwerem Unglücke, gleichfalls inniger Dank für ErhöruNg in einer schweren Militär-Angelegenheit. -^Man bittet ums Gebet: In zwei wichtigen Anliegen, für ein schwerkrankes Kind; eine Mütter läßt für ihre Tochter bitten, die unter schwerem Heimweh leidet. Abonnements-Gvneuevungen. Vom 10. September bis 10. November haben folgende Nummern ihr Abonnement erneuert 3 21 61 98 112 129 134 140 141 142 154 158 204 219 222 232 234 277 282 326 344 349 351 357 361 368 376 377 379 393 395 396 398 415 416 449 457 491 506 554 556 575 599 617 620 649 654 659 699 764 779 795 847 857 861 863 864 871 875 880 882 891 891 928 941 944 949 972 983 984 997 1017 1020 1024 1049 1054 1061 1062 1072 1073 1079 1124 1126 1130 1132 1146 1153 1161 1176 1209 1211 1214 1265 1286 1294 1323 1328 1332 1337 1345 1348 1354 1356 1364 1365 1371 1390 1393 1402 14 3 1442 1446 1449 1452 1458 1462 1472 1494 1510 1524 1533 1552 1562 1572 1579 1593 1622 1654 1659 1661 1667 1676 1693 1700 1710 1724 1733 1744 1765 1791 1795 1803 1812 1814 1817 1839 1870 1873 1897 1932 1933 1961 1965 2032 2033 2035 2064 2089 2093 2101 2103 2104 2116 2124 2192 2212 2228 2237 2252 2286 2303 2327 2347 2349 2356 2358 2394 2406 2424 2426 2476 2491 2507 2534 2567 2581 259 t 2632 2636 2640 2648 2686 2699 2700 2718 2735 2754 2763 2772 2775 2777 2784 2788 2792 2793 2891 2892 2894 2929 2944 2963 2964 3006 3028 3032 3049 3053 3085 3108 3122 3176 3197 3228 3254 3316 3332 3368 3387 3441 3447 3456 3477 3478 3485 3491 3494 3495 3502 3503 3510 3546 3616 3619 3641 3643 3653 3696 3701 3725 4004 4097 4108 4110 4118 4145 4160 4181 4182 4196 4221 4233 5127 5409 5649 5956 6786 6928 6934 7028 7079 7105 7119 7128 7136 7160 7177 7187 7259 7260 7276 7282 7336. Empfehlenswerte Bücher und Zeitschriften* Muten und ffvücbte vom beimatlicben und auswärtigen Misflonstelde. Dargeboten von den Oblaten der Unbefleckten Jungfrau Maria. Erstes Bändchen. Gehet hin und lehret alle Völker! Von Joh. Wallenborn Obl. M. I 8°. 58 Seiten. 1911. Druck und Verlag der Fnldaer Aktiendruckerei. Preis 30 Pfg. — Zweites Bändchen. Vom Neisekoffer, der gern in die Missionen gegangen wäre. Von Joh. Wallenborn Obi. M. 1. 54 Seiten. Preis 30 Pfg. — Drittes Bändchen. Ernstes und Heiteres aus unseren Volksmissionen. Von Max Kassiepe Obl. M. I. 60 Seiten. Preis 30 Pfg. Was Volks- und Heidenmissionäre auf dem großen Acker Gottes säen und ernten, das will diese neue Samnllnng allen Kreisen des katholischen Volkes zur Vertiefung des Glaubenslebens darbieten. Eine Anzahl Bändchen wird nach und nach das ganze Thema der Heideninission behandeln, sei es nun in Abhandlungen oder in Biographien, Erzählungen,Beschreibungen fremder Länder und Völker usw. Andere Nummern bringen packende, auf eigenen Erlebnissen beruhende Erzählungen aus unsern Volksmissionen und wollen in bescheidenem Maße mitarbeiten als kleine Volks-mifftonnte an der Heilung der Schäden im sozialen und religiösen Leben der Gegenwart. Volkstümliche Darstellung bei aller Gediegenheit des Inhaltes und der Ausstattung, dabei äußerst billiger Preis, das sind die drei charakteristischen Eigenschaften dieser neuen, von Joh. Wallenborn herausgegebenen Serie. Wer die schmucken Bändchen mit ihrem fesselnden Bild auf dem gelben Umschlag sieht, greift unwillkürlich darnach. Hat er einmal einige Seiten gelesen, so zwingt ihn die frische, originelle und humorvolle Schreibweise des Autors, der es versteht, auch die höchsten Wahrheiten dem Mann aus dem Volke mundgerecht zu machen, sicher zum Weiterlesen. Das gilt besonders vom 1. Bändchen, das Wesen, Ziel und Verpflichtung der Heidenmission darstellt. ' Niimmer 2 bringt eine ergreifende Erzählung, in der die Macht des Stoffes und die Knust der Darstellung sich vereinigen, um ein Werk zu schaffen, das weit über die Alltagsliteratnr hinausreicht. Etwas ganz Neues enthält das 3. Bändchen. Was einer unserer besten Volksmissionäre ant Herzen des Volkes erlauscht hat, das bieten uns die 9. Erzählungen. Bald ist's heitrer, köstlicher Sonnenschein, der da herausblitzt, wenn z. B. der Wirt „zum roten Ochsen" eine Predigt hält und der alte Fährmann eint Rhein von der Kanzel hört: Wir fahren morgen mit dem Beichtstuhl fort, oder die Tiefe menschlichen Elends packt uns unwiderstehlich an und lehrt uns Einkehr halten in unser eigenes Herz. Aber stets gehen vom Kreuz des Volksmissionärs Strahlen erbarmender Liebe ans, die uns versöhnen, aufrichten und stärken. Die Bändchen fordern die Massenverbreitung geradezu heraus! Lasset Oie Meinen zu mit kommen! Des Kindes erstes Beicht- und Kommunionbüchlein. Von Pater-Otto Häring O 8. B. Mit Titelbild, zehn Textillustrationen, worunter fünf Meßbilder, Kreuzwegbildern nach Prof. Feuerstein sowie vielen Staub« einfassnngen und Kopfleisten. 256 Seiten. Format V. 64x107 nun. — Gebunden in Einbänden zn 50 Pfg., 60 Heller, 65 Cts. und höher. — Ein- siedeln, Waldshut, Köln a. Rh. Verlagsanstalt Benziger & Co., A.-G. In seiner ganzen Darstellung ist dieser Beicht-iind Komntunionunterricbt so recht das, >vas man kindlich nennt und von den Kindern, selbst schwächer begabten, erfaßt und verstanden wird. Und dieselben Eigenschaften wie den unterrichtenden Teil zeichnen auch das sich anschließende Gebctbüchlein aus. Zudem zeigt das Büchlein eine -reiche, illustrative Ausstattung. Frobe ^Botschaft in Ser Dorkkircbe. Homilien für Sonn- und Feiertage. Von Dr. Karl Rieder. Mit Approbation des hochwst. Herrn Erzbischofs von Freiburg. Zweite und dritte unveränderte Auflage. 8°. (XIV it. 278). Freiburg und Wien 1971, Herd ersehe Verlagshandlung. Mk. 2-— = Kr. 3-60, geb. in Leinwand Mk. 4'— — Kr. 4 80. Dieses Buch ist einerseits für die Geistlichen be-stimnit, um ihnen bei der Sonntagspredigt hilfreiche Dienste zu leisten und bei ihnen die Homilie in jener Weise zu beleben, wie es P. W. v. Keppler, Bischof von Rottcnburg, schon längst gefordert hat. Aber anderseits mochte das Buch ebenso seinen Weg in das katholische Bolk finden, um ihm eine gediegene SvNntagslesung zu bieten und es in den Geist bei-Heiligen Schrift einzuführen. „Was Pfarrer Rieder dem Banernvolk von Scherzingen als Gotteswort verkündet hat", sagt ein Rezensent, „das möchte er dem gesamten Bauernvolke als geistige Sonntagskost und als geistigen Sonntagswein darbieten. Und an diesen Tisch der Seele wird sich jung und alt auf dem Lande gerne setzen." Für alle, welche Sonntags die Predigt nicht besuchen können, wird das angezeigte Buch ein „erwünschtes, mit Freuden aufgenonimcncs und gelesenes Buch" sein. Der Sobn des Mutti. Eine Erzählung aus dem Morgenlande. Bon Bernard Arens S. J. Mit sechs Bildern. 8°. (VIII u. 124.) Freiburg und Wien Hill, Herdcrsche Verlagshandlung. 80 Pf. — 96 Heller; geb. in Halbleinwand Mk. I-— = Kr. 1 20. Damaskus, die alte Kalifenstadt, deren Schönheit der arabische Dichter als „Blüte des Paradieses" feiert, ist der fesselnde Schauplatz dieses neuesten Bändchens (Nr. 26) der weitbekannten Sammlung „Aus fernen Landen". Mit Ernst und großer Anschaulichkeit ruft Arens darin die Erinnerung an jenes unerhörte Blutbad hervor, das i860 fanatische Mohammedaner in der blühenden Christengemeinde von Damaskus anrichteten. Die eigentliche Erzählung ist die gemütvolle Geschichte einer innigen Knabenfreundschaft, die den Sohn des Mufti, des obersten Recht-entscheiders von Damaskus, mit einem gleichaltrigen Christen verbindet. Sie stellt dann in rasch sich abwickelnder Handlung dar, wie das edle Herz des kleinen Moslem an den Früchten die wahre Religion und den wahren Frieden erkennt und mitten im Glück dieser Erkenntnis sein junges Leben dem Fanatismus überliefern muß. Um bieie beiden Knaben ist eine Schar prächtig hervortretender Gestalten bcziehungsvoll gruppiert. Mtenn öle Ferienzeit vorüber, tritt regelmäßig auch die Herdcrschc Verlagshandlung zu Freiburg i. Br. und Wien an das büchcrsrenndliche Publikum heran mit ihren „Mitteilungen". Sie zeugen immer von rastloser Arbeit, diese Mitteilungen, von der energischen Mitarbeit von katholischen Gelehrten und Schriftstellern am geistigen Fortschritt auf allen Gebieten des Wissens. Die Nr. 18 verzeichnet eine stattliche, mannigfaltige Reihe von wertvollen Geisteserzeugnissen des letzten Halbjahres. Neben den Leistungen strenger Fachgelehrsamteit (wir können nur wenige nennen: Grabmanns tiefschürfende Geschichte der scholastischen Methode, zu erwartende zwei Bände des Monnmentalwerkes der Görresgescllschaft: Concilium Ti-identinum. den Schlnßband von Bäumkers Geschichte des kath. deutschen Kirchenliedes usw. usw.) begegnen uns zahlreiche Werke von allgemeinerem und allgemeinstem Interesse. — Bücherfreunden sei empfohlen, sich die „Mitteilungen", die kostenlos abgegeben werden, kommen zu lassen. 3um Abonnement wird bestens empfohlen: Der Armen Seelen-Frcand. Illustrierte Monatsschrift juin Troste der leidenden Seelen im Fegfener. Mit einem Anhange: Verehrung des hl. Antlitzes Christi. Dieses Blatt ist ein ständiger Fürsprecher für die armen Seelen im Fegfeuer, da cs uns das ganze Jahr hindurch mahnt, unserer leidenden Brüder und Schwestern im Jenseits zu gedenken und für sie zu beten sowie auch auf unser eigenes Seelenheil bedacht zu sein durch Vorbereitung auf eine gute Todesstunde. Daneben bringt der „Armen Seelen-Freund" auch religiöse Gedichte, erbauliche Erzählungen und schöne Bilder in reicher Auswahl. Preis nur ( 20 Mk. pro Jahr ohne Porto (direkt vom Verlag zugesandt mit Porto f'bOMk. = Kr. V90). Probehefte gratis und franko! VHt Man beachte genau den Titel des Blattes und die Adresse des Verlages! Bestellungen nehmen an alle Buchhandlungen und Postanstalten sowie die Verlagsbuchhandlung von Eduard Mager in Donauwörth. «iiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHHiiiii H11111111111 iiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimimiiiiMiiiiil I 1K. Ikümmel: Girr neues Mänöchen humoristischer Grzähtungen von Bus der Sonnen fette. Das I. Bändchen (zum selben Preise) liegt bereits in 4. und 5. Auflage vor. Diese Erzählungen voll reinen Frohsinns sind geeignet, des Volkes Herz und Seele nach harter, ermüdender Arbeit wohlig zu erwärmen und zu erfreuen, unseres Volkes, das in Ehren fröhlich sein will. Und bei ihm wird die Sammlung wie das erste Bändchen dankbare Aufnahme finden. Verlag von Herder zu Freldurg i.Br. u. Wien, L, Wollzeile 33. — Durch alle Buchhandl. zu beziehen. ■ iimiiiiiiiiiiiiiiiiieiinininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiimimmiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiäumnie