Mbacher Zeitung. Nr. 137. Pr,. hHlbl.fi. b«l. Für bit Zustellung '>' Halbj- fi, 7 «>. Donnerstag, 12. Juli. 4 g«ll« « l,., «eß«, PI. seil« « ll.l b«i lftein. 1877. Amtlicher Theil. Kaiserliches Patent vom «. Juli 1877, betreffend die Einberufung dcs Landtages des König« reiches Galizlen und Lodomerien sammt dem Großherzog« thun»« Kralau. Wir Fran; Joseph der Erste, dsu Gottes Gnade» Kaiser von Oesterreich; "önig von Ungarn und Böhmen, König von Dal-nmzien, Kroazien, Slavonien, Galizien, ^odomcrien und Illyrien. König von Jerusalem :c.; Erzherzog von Oesterreich; Großhcrzog von Toscana und Kra-3«' ^^rzog von Lothringen, Salzburg, Steyer, «arnten, Krain und der Bukowina; Großfürst von Siebenbürgen; Marlgraf von Mähren; Herzog von "ocr- und Niedcr.Schlesien, von Modcna, Parma, viacenza und Guastalla, von Auschwitz und Zalor, '"" Teschen, Friaul, Ragusa und Zara; gcfürstctcr .. "' v°" Habsburg und Tirol, vou Kyburg. Görz uno Gradisla; Fürst von Tricnt und Bchcn; Markkas von Ober« und Niedcr-ttausitz und in Istricn; ^ras von Hohenembs, Feldlirch, Ärcgcuz, Sonnen-oerg zc.; Herr von Trieft, von Eatlaro und auf der wmdlschen Marl; Großwojwod der Woiwodschaft Serbien lc. «.. thun kund und zu wiffen: Der Landtag des Königreiche« Galizien und lodomerien sammt dem Großherzoglhume Kralau ist auf den 8. August 1877 in die Landeshauptstadt Lemberg einberufen. Gegeben in Unserem Lustfchloffe Larenburg am 0. Juli im 1877sten, Unserer Reiche im neunundzwan. zigsten Jahre. Franz Isfeph m. p. Auerspergm.p. Lasserm.p. Stremayr w. u. Vlaser m. p. Unger m. p. ühlumecly m. p. ^retism.p. HorstN.z). Ziemiatlowsli m. u. Mannsfeld m. l). Ee. k. und l. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 6. Juli d. I. den Land, "»«abgeordneten Grafen Ludwig Wodzicli zum Land-Erschau im Königreiche Galizien und Lodomerien sammt ?^ Großherzoglhume Kralau und den grlechlsch-latho. v 2" ^lschof von Przemysl Johann Saturnin Ritter h'^"pnicll zu dessen Stellvertreter in der Leitung "ndtages allergnädlgst zu ernennen geruht, "ucrsperg w. p. Lasser in. p. Se. l. und l. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 8. Juli d. I. dem Landes-schulinspettor Dr. Mathias Wretschl 0 in Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung den Orden der eisernen Krone dritter Klasse mit Nachficht der Taxen allergnä» digst zu verleihen geruht. Se. t. und l. Apostolische Majestät haben mit Allerhöchster Entschließung vom 5. Juli d. I. in An. erkennung verdienstlicher patriotischer Leistungen den Ober» inspeltoren der priv. Südbahngesellschnft Joseph Ritter v. Prctzner und Karl Foggy, dem ersteren den Titel eincS Ncgilrnngsrathcs mit Nachsicht dcr Taren, dem letzteren das Ritterkreuz deS Franz Joseph-Ordens aller-gnädigst zu verleihen geruht. Der Minister für Eultus und Unterricht hat den Dr. Franz Simonik in Graz zum Amanuensis der Universitälsbibliolhel in Wien ernannt. »n, 10. Juli 1877 wurde .6"l"'Khan eine Verschwörung bestehen, um fält f., b" Papiergelde« zu drücken; und in der Ein. bürstn"" Herzen« untersagte er deshalb einfach das sich "^lge Ha„btll, mit diesen Werthen. Er vergriff blschlll » V^' lt"t °m Feuer. ..Klebt einen Silber. l>" K»« ' l"en Schein", bemerkte eln Spaßvogel, «und »aime ' ?'" si« sofort heben." Er hatte Recht. Der b" schl3.« ^ °"l "was stützen, sonst »ird er auf Da!l unabänderlich welter hinabgleiten, ""llsahe v° .^plerschtlne ursprünglich nur im Mini-"wuchsen ln '^ Piastern ausgegeben worden waren, ^" >ur den Umlauf oerfelben insofern neue Echwie. rlgleilen, als geringere Beträge in Kupfer gezahlt wer. den mußten. Da nun die Regierung leine Anstalten machte, niedrigere Scheine zu drucken, griffen die lirch. llchen Gemeinden in die Münzverhältnisse ein und gaben kleine Vlechbons aus. gegen welche z. B. die Bäcker ihren Laib Brod abgaben. Bei der eigenthümlichen Slel« lung, welche die Kirchen im türkischen Reiche auch in bürgerlicher Beziehung slelS eingenommen, ist diese Maß» regel keineswegs bifremoend. Dies dauerte aber nur kurze Zeit, da der Malich selbst die Kalme.Scala d»rch Scheine von 1 Piaster vervollständigte. Es gab nunmehr Scheine von 1, 5, 10, 20, 50 uud 100 Plastern. Die Kalme« waren unterdessen so tief gesunken, daß 100 Piaster Gold 180 Piaster Papier ergaben. Freilich merkten die untersten Schichten de« Volles, die selten eln Goldpfunb besitzen, von diesem Sturze der neuen Werthzeichen äußerst wenig. Es wurde nämlich auf eine geschickte Weise die Fiction beibehalten, daß 100 Piaster Papier gleich 130 Piaster „schlechtes Geld" seien. Dieses schlechte Geld ,l8ol>unik park", existiert in Wirklichkeit nicht; es ist eln imaginärer Begriff und wird nur bei Verrechnungen angewandt. Aus diese Weise ergibt sich für 100 Papier, piaster 130 Piaster schlechtes Geld und für 180 Papier« Piaster (— I Pfund türkisch) 180 X 130: 100—234 Piaster schlechten Geldes. Damit aber sind die monelari. schen Rälhsel noch nicht ganz gelöst; es bleibt noch das Verhältnis de« Kupferpiasters zum Papicrplaster übrig. Den Lotlerungen der Börse zufolge stehen beide gleich, sintemal 1 Pfund türkisch sowol 180 Kupferpiaster als IW Pllvierpiaster notiert. Im Kleinverlehr aber ist der Paplerpiasler um lO Para mehr werth, denn sein kupfer. ner Kollege. Er gilt 50 Para. während der Kupfer» Piaster nur für 40 genommen wird. Zahlt man de« Fergen am Goldenen Horn den Ueberfahrlspreis von 2 Piastern in Münze, fo steckt er sie stillschweigend in seinen Gürtel. Erhält er aber 2 Plastn Kaime«, so wird er unfehlbar sein »^ilHi» deltikvl vorsiu" (Allah verleihe dir Segen) ausrufen. Nimmt man nun die verschiedenen Valutaverhält-nisse zusammen, so ergibt sich als Werth eines türkischen Pfundes folgende Stufenleiter: 1.) in Gold — 100Pia. fler; 2.) in Silber — 105'/, (den Medjldieh zu 20 Piastern gerechnet); 3.) in Melalliques — 110 Piaster (in Stücken von b und 0 Piastern, Beschlil und Ally, lyl); 4.) in Kupfer -- 180 Piaster (in Stücken von '/„ '/,. und 1 Piaster); 5.) in Kalmes -- 180 Piaster (Abschnitte von 1. 5. 10, 20. 50 und 100 Plastern); 0.) in schlechtem Gelde --- 234 Plaster (dies nur im»-ginär). Wer sollte aus diesem Labyrinthe llug werden! Eln Finanzgenie mühte dieser Münzverwlrrung große Bor. theile abgewinnen lünnen; und in der Thal zeugen die großen Vermögen, die sich viele armenische Sarafs er-worden, von der Einträglichkeit der türkischen Geld» wirthschaft. Zum Schlüsse nun wird aber diese ganze Uufftel. lung über den Haufen geworfen durch den Umstand, daß jedes Geschäft, jedes Etablissement seinen besonderen Kurszettel Hal. Die größeren pflegen ihn gewöhnlich in ihren Vokalen anzuschlagen, und sobald der Gast und der Käufer zu murren ansängt, weist der Berliufer bezeichnend auf seinen Tarif hin, und der Gast schwelgt und zahlt. Die Verschiedenheiten de« Preise« aber, die daraus entspringen, sind so groß. daß sie nach Um- 1286 gerade jenem Zwecke entgegen, »elcher mit der erwähn« ten Uebereinstimmung verfolgt werden soll, nämlich der Lokalisierung des Krieges, und man lann fich dann nicht wundern, wenn wieder überrührige Federn sich mit gleichfalls unberechtigten Dementi's einstellen, welche auch die Existenz der englisch'österreichischen Concordanz leug-nen, und so die öffentliche Meinung nicht aufgeklärt, sondern verwirrt wird. Rußland braucht, solange «S nicht in die Interessensphäre« Oesterreichs und Englands eingreift, eine Allianz der beiden Gtaaten nicht zu fürchten; daß aber letztere für den Schutz ihrer Interessen zu sor. gen entschlossen find, weiß das St. Petersburger Kabinett lüngft ebenso genau, wie es die Linit lennt, an welcher diese Interessen als berührt angesehen werden würden, ohne daß e« hierauf erst durch sensationell aufgeputzte Artikel der Presse aufmerksam gemacht zu werden braucht." Bosnische Insurgentenbewegung an der österreichischen Grenze. Ueber die bosnische Insurgentenbewegung in der Nähe der österreichischen Grenze wird der „Pol. Korr." aus Agram, 7. Juli, geschrieben: „Nach allen aus dem benachbarten Bosnien Hieher gelangenden Meldungen machen die Aufständischen alle Anstrengungen, um sich zu behaupten. An« 4. d. rückte die starke Ceta des Zimo Davidovit von Blagaj nach Ngitsch vor. Dieser Ort wird von einer ziemlich wohl» habenden türkischen Bevölkerung bewohnt und gilt als der Schlüssel zur wichtigen türkischen Position von Novi. Deshalb befand sich auch dort eine aus drei Compagnien Muftchafiz bestehende Bcsatzung, die auch leichte Per» schanzungcn im Orte aufgeführt hat, um ihre Stellung so start als möglich zu machen. Der Insnrgentenführer Daoidovik erhielt von Deöpotovit den Befehl, sich des Ortes Agitsch zu bemächtigen. In der That marschierte er mit seiner 620 Mann starken Abtheilung gegen den genannten Ort, welchen er, wie erwähnt, am 4. Juli heftig attaquierte. Die türkische Miliz vertheidigte sich muthig und hielt sich bis nachmittags die Insurgenten vom ^eibe. Gegen 4 Uhr jedoch erneuerten die letzteren ihren Angriff mit solcher Behemenz, und zwar von drei Seiten gleichzeitig, daß den Türken der Athem ausging und sie sich eiligst gegen Novi zurückziehen mußten. Ugitsch, dessen meiste Häuser in Flammm aufgingen, wurde von Davidovit besetzt. Auf dem Kampfplatze blieben 54 Türken todt zurück. Von den Ortsbewohnern blieben nur sehr wenige zurück, da sie zu gut wußten, Wessen sie sich von den Insurgenten zu versehen haben. Letzteren sielen 140 Gewehre und 6 Patroncnkasten in die Hände. Auch an Vieh machten sie beträchtliche Veute. Am 3., 4. und 5. Juli kam cs auch noch zu an< deren blutigen Kämpfen zwischen der 6eta des Amelica und den in einigen Dörfern am Fuße der Grmec-Planina gesammelten türkischen Landwehrmilizen. Da die Zahl der letzteren gering war, so gaben sie überall ihre Po» fitionen auf. Um die erwähnte Planina herum, auf einem Rayon von vier Stunden, befindet sich momentan kein einziger türkischer Soldat. Die Insurgenten sind von Brezovac bis zur Planina Herren der ganzen Strecke. Indessen dürfte ihre Herrschaft kaum lange unangefochten bleiben. Wie man hört, bereitet sich Alaj Neg vor, das Insurgentcnlager von Brezovac mit 400 Zapties, 1 Bataillon Redifs und 1500 Mustehafiz anzu« greifen. Vessil Pascha rückt seinerseits von Traonit mit ständen um 100 Ptrzent von einander abweichen können. Man wird es daher begreifen, wenn vor einiger Zelt ein griechisches Blatt die Frage aufwarf: „Was ist der Werth eines Veschlits?" und zu dem Ergebnisse kam, daß derselbe zwischen 5 und 10 Piaster schwanke. Um ein Bild davon zu geben, genüge folgender Preiscouranl: Im Theater, bei der Post und im Telegrafenbureau 5 Piaster; bei Von March6, einem Allerweltö. geschüft im Stile des englischen Whiteley, 5'/. Piaster; in dem Modegeschäfte von Melvil 5'/, Piaster; beider Madame Lebon, der Leiterin des Eaf6 oe St. Peters, bourg, 0 Piaster; in Iardin Public 7>/, Piaster; bei Eponnel, dem großen AiFQt-2.uä-äa^ U2.K2I von Pera, 8 Piaster; bei den kleineren Valal« von Galata und Pera, 9 und 10 Piaster; in den griechischen Restaurants 9 V, und 10 Piaster; bei den Galanteriewarenhändlern von Galata ^) und 10 Plaster. In den Kasino di To. leranza wird der Beschlit zu jedem Preise genommen; und endlich, wer eine Bäcker« und Schlächterrechnung bezahlen will — was jetzt herzlich selten vorkommt, — lann seinem Gläubiger gleichfalls einen eigenen Kurs» zettel aufoctroyieren und den Werth des Bcschlils ins Unglaubliche hinaufschrauben. Dabei muß man sich aber vor der Idee hüten, als ließe sich der Beschlil, wenn er z. B. auf 5 Piaster steht, in 3 Kupferpiastern ent. richten. Mehr als zwei bis drei Kupferpiaster werden nicht angenommen; und bei Gegenständen unter 5 Pia» ftern ist der Preis eben auf Kupfermünze eingerichtet. Dies einige Beiträge zu den Münzverhältnissen der Hauptstadt. Gie find charakteristische Zeichen für das Osmanenrelch, das im großen dieselben Verschieden» heilen, Seltsamkeiten und privaten Abmachungen auf^ »eist, wie seine Geldsorten. ,X. 2.« vier Tabors gleichfalls gegen Brezovac vor. Dort dürfte es schon in den nächsten Tagen zu größeren Kämpfen kommen, von deren Ausgang die weitere Gestaltung der Ereignisse in jener Gegend abhängen dürfte. Despotovic macht alle erdenklichen Anstrengungen, um Brezovac behaupten zu können. Da man hier glaubt, daß der geschlagene Theil über die kroatische Grenze gedrängt werden könnte, wurde der Grenzcordon in der Gegend von Dvor ansehnlich verstärkt." Vom Kriegsschauplätze. Die gelungene Besetzung von Tirnowo durch die Russen wird nunmehr auch offiziell aus St. Peters» bürg bestätigt. Wie Bjela, so wurde auch Tirnowo zuerst durch die russischen Reiter genommen, obwol 3000 Nizams und eine Batterie auf den Höhen nördlich von Tirnowo Stellung genommen hatten. Durch die sowol in strategischer als politischer Hinsicht wichtige Besetzung der altbulgarischen Zarenstadt befindet sich Central-Bul« garien in den Händen der Russen. Die ungenügende türkische Besatzung von Tirnowo hat sich nach Osten, in der Richtung gegen Schumla, zurückgezogen, und das nächste Augenmerk der Russen bei Tirnowo wird auf die Gewinnung des Ballan-Ueberganges südlich Gabrowa gerichtet sein. Die rumänische Offensive gegen Widdin ist ohne Zweifel ins Stocken gerathen. In Rumänien selbst herrscht, nach der „Pol. Korr.", die grüßte Agitation gegen die Offensive, und darum wird Fürst Karol gut thun, sich mit der Defensive bei Kalafat zu begnügen. Eine Depesche aus Tiflis gibt heute eine anschau» liche Darstellung der Positionen der russischen Truppen in Armenien. Der rechte Flügel unter Ollobdschio hat sich nach den letzten glücklichen Angriffen Derwisch Paschas in die befestigten Stellungen von Muhanstate zurückgezogen, die er nach Eröffnung der Feindseligleiten den Türken abgenommen hatte. Er steht also noch auf türkischem Boden. Die Operationen, welche sich nach der Erstürmung von Ardahan bis gegen Olti ausdehnten, wurden bald eingestellt und der grüßte Theil dieser Colonne zum Corps bei Kars gezogen. Von dort un< ternahm am 25. Juni General Loris-Melitoff mit ungenügenden Streitlräften den Angriff auf die befestigte Stellung der Türken unter Feisy Pascha bei Sevin, bekanntlich zu Ungunsten der Russen. Ebenso wurde General Tergulassoff nach den Schlappen bei Delibaba und Karalilissa gezwungen, sich umsomehr gegen Eriwan auf russischen Boden zurückziehen, als in seinem Rücken das von d«n Kurden cernierte Bajazid ernstlich bedroht war. Wir haben — bemerkt hiezu die „Presse" — wie» derholt auf die argen Fehler aufmerksam gemacht, welche sich die russische Kriegführung in Armenien zuschulden kommen ließ. Durch die überraschenden Erfolge bei Ar« dahan, Bajazid und Begliachmet sorglos gemacht, beeilten sich die russischen Colonnen, selbst mit ganz ungenü. genden Kräften in der Richtung gegen Erzerum vorzu. rücken, als ob nur Mulhtar Pafcha und keine türkischen Soldaten im Wege stünden. Es fehlte die einheitlich leitende Hand, denn Melitoff und Tergulassoff rückten auf eigene Faust vor, vielleicht zu sehr eingedenk des Georgs.Ordens, den General Heimann für die Erstürmung von Ardahan erhalten. Erst jetzt stellt sich auch heraus, daß die Expedition des Generals Tergukassoff durch das Euphrat-Thal nicht nur gewagt war, wie wir immer betonten, sondern ein arger Fehler gewesen. Er rückte mit ungenügenden Streitlräften auf einer äußerst gefährlichen Operationslinie, welche der Feind von Wan aus täglich unterbrechen konnte, unaufhaltsam vor, bis er einem überlegenen, gut postierten Feinde und lokalen Schwierigleiten aller Art begegnete. Die Russen schei« nen den wankelmüthigen Charakter der Kurden ebenso überschätzt zu haben, wie jenen der Abchasen an der Pontustüfte. Besatzungen von 5000 bis 10,000 Mann an der Küste von Suchumlale wären eine weit verlaß, lichere Abwehr der türkischen FlotteN'Invasion gewesen, als die Versprechungen der Abchasen. Ebenso stünde es heute um die russischen Operationen in Armenien weit besser, wenn sich ihr linker Flügel weniger auf die Treue der Kurden verlassen, mit der Einnahme von Bajazid begnügt und seinen Ueberschuß an Truppen dem äorps bei Kars abgegeben hätte, statt gegen Westen vorzurücken und im Euphrat-Thale Niederlagen zu erleiden. Eine energische Vorrückung mit überlegenen Kräften auf der Haupt'Operationslinic von Kars nach Erzerum, als der Geist der türkischen Armee infolge der Einnahme von Ardahan ein bedenklicher war, hätte die Russen vielleicht schon in diesem Augenblicke in die Nähe von Erzcrum gebracht. Heute ist der strategische, noch mehr aber der moralische Erfolg auf türkischer Seite, und die Russen werden Mühe haben, die Positionen zu gewinnen, welche sie Mitte Juni innehatten. Ueber die blutigen Kämpfe auf dem Kriegsschauplätze in Montenegro geht der „Presse" aus Cetinje den 3. d. unter dem Titel: „Drei Wochen montenegrinisch-türkischen Krieges", eine sehr interessante genetische Darstellung über den Verlauf der Operationen vom Anbeginne bis zum Rückzüge der Türken zu. die wir nachstehend folgen lassen: „Am 13. April befand sich Montenegro wieder im 'offenen Kriege mit der Pforte, doch verliefen die ersten sechs Wochen ohne Kämpfe, da sich beide Theile in der Defensive hielten. Die Einberufung der Mustehafiz jedoch fowie eingetroffene Verstärkungen brachten die türkische Armee auf eine Höhe. welche die neuernannten Kommandanten Suleiman Pascha und All Saib Pascha befähigte, gegen Montenegro die Offensive zu ergreifen. Man hoffte, es schnell niederzuwerfen, um dann den größeren Theil der Armeen nach Bulgarien führen zu können. Am 2. Juni waren folgende türkische Streitlräfte an den Grenzen Montenegro's aufgestellt: Bei Gailo 30 Bataillone, 5 Batterien, also 20,200 Mann, 30 Kanonen, unter dem Muschir Suleiman Pascha. Die Besatzung von Nilsit' unter Skcndcr Bey: 3 Bataillone mit 1500 Mann, 16 Kanonen; Besatzung von Tre-binje: 3 Bataillone mit 1500 Mann; in Klobuk, Bilell Goransko, Gatto, Nevesinje, Stolac lc.: 0 Bataillone mit etwa 3000 Mann. In der Herzegowina standen also 48 Bataillone mit 26,200 Mann. Bei Spuz befehligte der Muschir Ali Saib Pasch» 30 Bataillone, 0 Batterien mit 18,000 Mann, 3tt Ka< nonen; in Podgorica lagen 3, in Zabljak 1, in Anti-vari 1'/,. auf den Inseln '/,, bei Murice 1 und in Skutari 3 Bataillone. In Albanien standen also 40 Bataillone mit 20,000 Mann, 36 Kanonen. Von Novi-bazar und Sjenica rückte der Feril Mehemed Ali mit 22 Bataillonen oder 10,400 Mann, 12 Kanonen, heran, während die Besatzungen von Kolasin und Berane 4 Bataillone start waren. In Vasojeviöi befanden sich also 26 Bataillone oder 12,200 Mann, 12 Kanonen. Die aesammten, an Montenegro's Grenzen stehenden türkischen Streitlräfte zählten also 114 Bataillone oder 58,400 Mann, 78 Feld. und GebirgSgeschütze. Die montenegrinischen Streitkräfte hatten folgende Aufstellung: Bei Krstac 8, bei Piva 3, gegen Nil^ 6 Bataillone unter Vulotic, Pejovic und dem Fürst^ Die Noroarmee umfaßte also 17 Bataillone oder 10 2^ Mann, 16 Kanonen. In Banjani und Zubci lagerten 4 Bataillone oder 2400 Mann unter Pelo Pavlov'i und Musiö. Die Südarmee zählte 16 Bataillone mit 9600 Mann, 8 Kanonen, von denen 6 unter Marko Miljanov im Kuci-Gebiet. 10 unter Ilija Plamcnac und Bozo Petroviö bei Mertinici und Novoselo lagerten. Gcaen Zabljal und in der Nahija Crmuica befehligte Masa Djuroviö 3 Bataillone oder 1800 Mann-Ebenso stark war die Vasojevitscher Division, welche Miljan Vulooii befehligte. Die gesammten montenegrinischen Streillräfte zählten demnach 43 Bataillone oder 25,800 Mann, 24 Gcdirgögeschützc. Von dieser Zahl waren 18,000 wirkliche Cernagorzen, der Rest Insurgente" Am 31. Mai fand der erste Kampf statt ii""' 450 Mann des Wasojewitscher Eorps Vraneö jtO Stunden nördlich von Kolaschm, plünderten und diebtt' weilenden Türken schlugen. 118 Nizams. 30 Vaschi' Bozuls blieben auf dem Platze; die Montenegriner verloren 11 Todte, 19 Verwundete Am 3. Juni griff Ali Saib das Dorf Novoselo an, mußte sch aber mit Verlust von 150 bis 200 ' Mann zurückziehen. Die Montenegriner verloren 3 T«dte, 7 Verwundete. «n ^" 5«?"^ Ulisf Suleiman Pascha mit 18.200 Mann und 22 Kanonen den bei Krstac mit 4800 Ma"" und 6 Kanonen stehenden Vukolic und gleichzeitig 9^' ^ ^° ^"llt 10.000 Mann und 8 Kanonen de" ?^ ^ ^,^a"" und zwei Kanonen bei Gorans stehenden PeM? an. Das Gefecht währte den ganze" Tag Schl.cßllch mußte sich Suleiman unverrichttt" Sache zuruchlehen. Pejovi? hingegen ebenfalls und "" Entsatz Goranslo's geschehen lassen. Der rechte mo""' negrinische Flügel wurde also factisch besiegt blos b« Krstac errang Vukottt einen taltischen Sieg ' Die Tüllen verloren 850 Todte, 1730 Verwundete die Montenegriner 150 Todte. 350 Verwundete. Daaeaen eroberten letztere eine Fahne und 2070 Gewehre Am 5. Juni wurden 20,000 Türken'mit 36 Oe< Mtzen unter Ali Saib bei Martinici von 6000 Montenegrinern unter Plamenac und Petrovtt vollst^ dig geschlagen und verloren 700 Todte 1200 Verwun/ dele, 8 Fahnen und 1500 Gewehre. Die Montenegrin ner büßten 50 Todte, 45 Verwundete ein. Am selbe" Tage machten die Vasojevici einen Streifzug über d'l Tara, eroberten fünf türkische Blockhäuser und plun^ ten das Dorf StoZer. eine Stunde nordwestlich """ Vranes. Mit 2(M Ochsen, Schafen :c. und zahlreich"' Waffen lehrte man heim. . den VasoMcl 47 Todte und Verwundete den Tü^ 174 Mann. Am selben Tage zerstörte auch Fürst ^ lola das Fort Ozrinic bei Nilsie. Am 6. Juni beginnt Mehemed Ali seine Offensiv und dringt eine Viertelstunde weit in Montenegro c'"' An, 7. Juni große Kanonade bei Spul. Die Tür^ verlieren 250 Mann, die Montenegriner 26. Am ^ > Juni wird Podgorica beschossen, ein türkischer «uA, mlt 14 Mann Perlust abgewiesen. Am selben Tage p det bei Klolet ein Scharmützel statt. Am 10. Juni 0", fallen die Montenegriner Kuloäcvina und todten 26 T"' ken, ohne selbst Verluste zu erleiden. Am 11. I""l brl" Suleiman Pascha, durch vier Bataillone verstärkt, SH, den Dugapaß auf. Seine Armee zählt jetzt 40 ^a"' lone oder 20.5W Mann. 30 Kanonen, die im FH , concentrierten Montenegriner 1? Bataillone ober 9^, ! Mann, 16 Kanonen. Bis 14. Juni rückt er unters 1287 »Hhrende» Geplänkel bi« Nozdren vor. Am selben Tage wild auch das Blockhaus Vrana bei Podgorica beichos. sen und rückt Mehemed All bis Rjeöina vor. Er ver. liert 40, die Montenegriner 5K Mann. Am 14. Juni forciert Gulelman mit Verlust von 130 Todten, 300 Verwundeten den Dugapaß, während Vulolit 96 Mann einbüßt. Am 15>. Juni wird Nilfii verproviantiert und eine Colonne Mehemed All'S an der Ialovica aufherieben. Türken 500 Mann, Monlencari. t«r 44 Mann Verlust. Am 10. Juni Schlacht bri NazinaMavic». 1«,000 Türken unter Ntt ^aib wer» den von 6000 Montenegrinern unter Plamlnac nid Vo«o besiegt. Sl< verlieren 715 Todte, 1500 Verwundete, 1000 Gewehre, die Montenegriner 35 Todle, 80 Verwundete. Vom 17. bis 25. Juni neuntägige Schlacht in der Nahia Vjelopavliita. Suleiman Pascha durchzieht mit 20,000 Mann, 30 Kanonen die Aeta Ebene und ver» tinlgt sich mit Ali Salb bei SpuZ. Er verliert dabei 6000 Todte, 9000 Verwundete, 7000 Gewehre, 6000 Pistolen, 6000 MalaganS und Säbel. 1500 Pferde. 7 Zfalmen, 1 Kanone und einen Thtil des Gepäck« Die Montenegriner, gewöhnlich 6700, bisweilen !)500, schließlich 10.000 Mann stark, verloren 551 Todte, 1236 Verwundete. Vom 17. bis 20. Juni Kampf um Ostroa, am 21. Suleimans vergeblicher Versuch, die Rückzugslinie wieder zu gewinnen; am 22. Kämpfe bis Zavajii, am 23. Schlacht zwischen Zavajtt und Niniii, am 24. Juni Niederlage Suleimans bei Zdrcbanil, am 25. Kämpfe bei Martiniöi. Am 20. Juni Schlacht bei Iagarac. Ali Saib erleidet scinc größte Niederlage, verliert l300 Todte, 2700 Verwundete. Die Montenegriner, welche 3 Kanonen, ü Fahnen. 200 Pferde und 2000 Gewehre cr< beuten, nur 300 Mann. Am 24. und 25. Juni wird auch Mehemed Ali un der Moraca angegriffen, geschlagen und aus Monte» negro hinausgeworfen. Er verliert 400 Mann, die Montenegriner deren 60. Somit belaufen sich die bisherigen Verluste der Montenegriner auf W1 Todte, 2175 Verwundete, also zusammen 3166 Mann, während dcr vlermonat» liche Fcldzug vom vorigen Jahre den Montenegrinern nur 3602 Mann, 127« Todte, 2324 Verwundete, lo» stete. Wie wird das Land so große Verluste verschmerzen! Ein schwacher Trost sind die Trophäen: 21 Fah-mn, 4 Kanonen, 13,720 Gewehre, 1000 Pferde :c. Freilich ist der türkische Verlust beträchtlich größer. Er beträgt 10,700 (?) Todte, 17,500 (?) Verwundete, also zusammen 28,200 (?) Mann. Im letzten Feldzuge 35,937 Mann, nämlich 16,782 Todte, 18,000 Verwundete, 1155 Gefangene. In nur drei Wochen wur. den also außer den neuntägiyen Kämpfen, vier andere Gefechte, drei Treffen, fünf Gefechte und sieben Scharmützel geliefert." Politische Uebersicht. Laibach, 11. Juli. Das österreichische Herrenhaus nahm in seiner gestrigen Sitzung mehrere Gesetzvorlagen an und schritt sodann zu den Delegatlonswahlen, worauf der Minister« Präsident im Auftrage Gr. Majestät deS Kaiser« beide Hauler des Reichsrathes bis zum 3. September für vertagt erklärte. Der galizische Landtag, welcher von der dies, jährigen Frühlingssession der Landtage ausgenommen war, ist nunmehr auf den 8. August d. I. einberufen worden. Unter einem ist auch die lange in Schwebe ac« wefene Frage des galizlschcu LaudmarschallpostcnS gelöst worden. Wie nämlich die „Wiener Zeitung" gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Einbcrufungspatcntes meldet, wurde mit Allerhöchster Entschließung vom 6. Juli d. I. der ttandtagsabgeordnetc Graf Ludwig Wodzi!' scmenl« in Wien, hatte wllhrend dieser Z?il leine Kenntni« von ihrem NufeMhalte. Nnch gehl cm« den Thatumstclnden hervor, baß der Selbstmord einverflili,blich unternommen wurde. — (Die benutzte Gelegenheit.) «or einigen Tagen fand in der V.«Huny»der Slaat«schulc die Prüfung und am Abend desselben Tage« ein Tanzliänzchen statt. Der dortige Gutsbesitzer Dom varcsay verpflichtete sich, um diesen Tag ganz besonder« zu feiern, einem Paare, b»S sich vor ihm vorlobl. die H°chzeit«lostcn zu bezahlen. Und nach einigen Minuten trat ein junger kehrer, eine Lehrerin der Anstalt am Nrmc führend, her» vor und erllllrlc feine Hciralh«absichten, li)8jcleu»" sem Gcschüst fortsetzen. Delille soll der erste gewlscn fein, welcher der Taschenspielcrei einen wissen' schoftllchen Anstrich gab, vor dem Publilum nicht in ber phaula» siischen Tracht elnes Magier«, sondern in schwarzem Frack und wrißer Kiavatlc erschien und welligsten« ewige feiner Touren felbft an der Hand der Physil »tlärle. (Die Dehnba rle it be« V o l d c«.) Die in« Unglaubliche gehende Dehnbarkeit deS Volbe« ist durch ein Efperi-menl vor dem Franllinlnstllult in Philadelphia auf« neue in er» staunlicher Weise illustriert wvldcn. Herr Oulerbriogc, ein An-gchelller ber dortigen Münze, stellte anl eleltrischrm Wege durch cineii äußerst seinen Niederschlag von Gold und Kupfer, welcher sich loilizsen lieh. ein Ooloblall her, da« 10,000 mal dünner ist als Schreibpapier und von welchem man L.7WM0 Slllcl auf einander legen müßte, um die Hühe eine« Zolle« zu erreichen. D»e Lichtstrahlen, welche durch die« unendlich dünne Volbblatt fallen, erfcheinen grün gefärbt. fokales. — lStaat«ftipendiun.) Da« l. l. Nckerbaum miste-rium hat für b,e landwirlhschaftliche Lehranstalt „Fl«nc>«co-Iosephi „ um" in Möbl > ng em Stipmdium von ^50 fi. sür da« Schullahr 1877/7« bewillige», welche« in erster Linie fNr einen würbigen und dürftigen, im Herbste 187? in den drillen Jahrgang eintretenden Schüler diefer Lehranstalt bestimmt ist. — llrft in zweiter Lime würbe diese« Stipendium an einen in den ersten Jahrgang eintrelendeu Schüler, jedoch nur für die Douer line« Jahre« verliehen werben. Zur «ufnnhme in diefe Fachfchule wirb erfordert: I.) die Zustimmung der Eltern oder votmünder; U.j ein Ltben»«lttr von nnnbeften« 16 Jahren; 3.) der Nachweis emer Vchuloilbung, welche mindestens durch die zurückgelegte untere Hälfte von Gymnasien, «ealjchulen oder «ealgymnasien erworben wlrt; 4.) ber Nachweis einer, durch längere Zeil ge nofflnen Prafi« auf einem grvheren Vul,. Slipenbisten sind von ber Entrichtung des Lehrhonorar» uicht befreit. Dle mil obigen Nachweifcn verfeheuen, an da« l. l. »ckerballminislrrlum zn lichtenden Gefuche sind bi« längsten« 21. August 187? an die In-fiitul,.Direcllon, bei welcher Programme dieser Fachschule zn beheben sind, zu überreichen. — lveiitlellyrertonserenz für die Sladl Laib ach.) Die vorgeschriebene diesjährige Lchrerlonfcrcnz des Schulbezirlc« Sladl Laibach sand am ü. d. M. von 8 bi« 12 Uhr vormitlag« unter dem Vorsitze be« Vezirl«schulinspeltol« Ritter v. V « ribold , ftatl. Zu deiselben hallen sich :l? L,hr> Personen (30 Lehrer und 7 Lehrerinnen) eingefunben, von denen 17 den l. l, Vilt>ung«anstllltcn slir Lehrer und Lchrrrmnen, 111 den ofsenllichen Voll?schulen, 1 e,l»,t Prlvatschull angehörte. In die vibl,olh,l«lommisston. welche eine neue Katalogisierung ber Werle vornehmen soll, wurden die Herren F. Rallclj, F, Kolail und A. Kumer und m den ständigen «ulschuß für da» Schuljahr 1877/78 die Herren Oberlehrer « Praprolnll. Lehrer F. Raltelj, Ucbung«lehrer I. Tomi>c und Professor Lü. Linharl gewählt. -Wle dle „Laib. Schlztg." millyeill. brachte ber Oberlehrer Herr Velar den in längerer Rede motiviertln selbständigen Nntrag ein, die Konferenz »volle sich »»»beding« gegen die Anfnohml von nicht in Laibach wohnenden Schillern au« den dena6 ' s' gemeinden Unler- und Oberschischla. Wailsch, Most?, . .^ »»«sprechen, da diese Schüler ein dem Unterrichlr sehr ablräaüche« Vedränge in den fiäblischen Gchuleu erzeugen, zu den Koste« de« Unterrichte« «ichl« beilragen, in ihrem V»fuche, zu welchem sie nich« verhallen wetden lünnen. fehl unordentlich, übrigen« auch zu einem großen Theil an»gearlcle Kiliber sind, die man nicht ! Überwachen ttune. und »eil bi« Zulassung de« «esuches oer 128U stzbttschtn Schulen durch diese Hinder jenen « ler bauen, und wenn nicht alle Anzeichen trügen, wollen auch die Vonsumenten von Stab» und Kommerzeifen daran gehen, zu den jetzt so billigen Preisen für die Herbfimonale Abschlüsse zu machen. Wir verlennen leine«weg«, daß diese seit Jahren von den «lonsu« menlen unterlassene Maßregel von Lisenabschlüssen, welche voll» ständig in dem Umstände begründet war, daß die stet« weichenden Preise einem jeden Kaufe auf Lieferung da« Stigma de« Verlustes aufdrücken mußten, in der heutigen Situation vollständig begründet ist. Die Preise haben eine Grenze erreicht, die absolut nicht mehr tiefer gehen lärm, es find eben die Gestehungspreise die Verlausspreise, und es ist daher begreiflich, daß die geringste Veranlassung wol eine Vesserung. aber leine Verschlimmerung bringen lann, der Kaufmann will also wieder speculieren. Ob die« ser Wechsel in der Situation den Producenten endlich seiner Auf« gäbe gewachsen finden wird, wollen wir hoffen, haben aber allen Grund, e» zu bezweifeln. Ob der Producent endlich begreifen wirb, daß die Pieisfchleuberei nur dazu angethan ist, dem Lon» sumenten die Kaufluft zu »«derben, davon hängt die Zulunft deS Eisengeschäfle« ab. Der Producent muß angesichts der sich regenden Kauflust auch die Preise des Cisens zu fifieren trachten, dann lann sich wieder ein reellere« und lebhaftere« Geschäft entwicleln. Auf dem Roheisenmarlte wie in den Vedarssartileln für Eisenbahnen herrfcht volllommene Regungslosigleit. Die Preise notieren für Vordernberger weihe« Roheisen 45 bis 48 fl., Kärntner graues 52 bis 54 fl., Vessemer Roheisen 57 fl. Die Grundpreise für steierisches Stabeisen sind per Tonne 118 biS 120 ft., fllr «lech 140 bis 160 fl. Neueste Post. (Original-Telegramme der „Laib.Zeitung.") London, 11. Juli. Reuters Bureau meldet aus Erzerum: Ismail Pascha besetzte mit einer Abtheilung des rechten türkischen Flügels die Bajazid beherrschenden Höhen. Petersburg, 11. Juli. Offiziell aus AlexMdropol vom 9. Juli: Nachdem Loris-Meliloff Nachricht erhielt, daß fast die gesummten Kräfte Mulhtar Paschas gegen Kars marschieren, stellte er vorläufig das Bombardement von Kars ein und schickte die Geschütze nach Kurutdara und Alexandropol, concentrierte die Kavallerie bei Chaeji-vali und die Infanterie bei Zaim. Die Colonne Tergutas-soffs, aus Dajar nach Surp Ohanes marschierend, über-nahm die Beschützung von 3(XX) Christenfamilien, welche vor den Greuelthaten der Baschi'BozulS und der Kurden aus dem Alaschlertthale flohen. Die dadurch verzögerte Bewegung der Colonnc ermöglichte es türkischer In« fanterie, die Arriörgarde der Russen anzugreifen. Ter-gulassoff beschloß daher, vorerst die Kranken, Verwundeten und Emigranten in Igdir in Sicherheit zu bringen, und traf am 5. Juli in Igdir ein, von wo er am ttten Juli gegen Bajazid weiter zog. Kralau. 10. Juli. (N. Wr. Tgbl.) Die in den Provlantmagazincn in Rasdjelnaja und bei TiraSpol entdeckten Defraudationen betragen 1'/, Mill. Rubel. Hwei Lieferanten und sechs höhere Intendanzbeamte sind vor ein Kriegsgericht gestellt worden. London, 10. Juli. Der englische Gesandte in Teheran, Taillor-Tompson, arbeitet dahin, daß der Schah «ine Allianz mit dem Sultan abschließen solle. England stellte für den Fall, als der Schah ein Armeecorps dem Sultan zuHilfe schicken würde, Substdiengelder in Aussicht. Es wird aber angenommen, daß alle Bemühungen der großbritannischen Diplomatie zu keinem Resultate führen werden, da man Grund hat, zu glauben, daß zwischen Persien und Rußland für gewisse Eventualitäten feste Verabredungen bestehen. Kanstantinopel, 10.Juli. (N. Wr.Tgbl.) Fast täglich werden hierher aus England, Frankreich und Belgien große Quantitäten Waffen und Munition gebracht. Die Pforte hat die Aushebung einer neuen Armee in der Stärke von 140,000 Mann angeordnet. Man hofft, diese Macht werde innerhalb zweier Monate an den oberen und mittleren Ballanpässen concentriert sein können. Der Sultan und seine Brüder haben 25 Mill. Francs auf ihre Privatschätze in London erhalten, welche Summe sie dem Kriegsministerium zur Verfügung stellen. Hauptquartier Kiralbunar, 6. Juli. (Neue freie Presse.) DaS Corps d«S Generals Loris-Meliloff ist im vollen Rückzüge nach der russischen Grenze begriffen. Ein Theil seiner Armee hat längs des linken Ufers des Kars-Tschai den Weg nach Zaim genommen, wo sich über den genannten Fluß eine Brücke befindet. Der andere Theil der Armee zog fich direkt über Kuruldara gegen Alexandropol zurück. Während noch General Meli-loss der Armee Mulhtar Paschas auf dcn östlichen Abhängen des Soghanlü-Dagh gegenüberstand, halte Großfürst Michael bereits die Vorbereitungen zum Rückzüge getroffen und das Velagerungs-Material über Kuruldara zurückgeschickt. Der Großfürst selbst hat fich nach Derelis begeben. DaS Hauptquartier MulhtarS steht nur noch fünf Stunden von Kars entfernt, und verkehren unsere Ordonnanzen bereits ganz ungehindert mit dem Festungslommando. Telegrafischer Wechselkurs vom 11. Juli. Papier - Rente 60 80. — Gilber - «ente 66 55. — Gold, Rente 72 50. — 1860er Staat«-«nlehen 1l3— — «anl-Nctien 803-. - K«dit-«ct.en 145 50. — London 125 «0. — Silber 10920. — K. l. Munz-Dulaten «00. — «apoleonsd'or 004 — 100 «eichsmarl 61 85. Vlen, 11. Juli. Zwei Uhr nachmittag«. tVchluhlurl, > Kredl.actieu 145 40, 1860er Lose 113 25, 1864er 7"s' 131 ^ österreichische Reute in Papier 60 80, Gtaatsbahn 23nb —l— Korn „ 585 7 23 Eier pr. Stück . i^_^ Gerste „ 4«71 5 4? Milch pr. l,'iler ?____ Hafer „ (all) 3 90 4 w Rindfleisch pr. Kilo —52____ Halbfiucht „-------7 50 Kalbfleisch „ .^ 4k _ ^ Heiden „ 8 - 7 21 Schweinefleisch „ - 60____ Hlrse „ 5 20 573 Gchiipsenfllisch „ ^30____ «uluclltz „ 6 20 6 40 Hühndel pr. Vtüll — 35____ Erdäpfel 100 Kilo--------------- Tauben „ __ ,6____ riusen Hektoliter 1150------- Heu 100 Kilo (neu) 178____. Erbsen . 10----------- Stroh „ (ull) 2 15____ Fisole» „ 7----------- Holz, hart., pr. vier «iudeschmal, Kilo — 90------- Q.-Meter____6 50 SchwtMtschmalz „ — «5-------— weiche«, „____4 59 Sp«M«nen. V»hmen..........102 2b 103 b0 «iederöfterreich.......103 — - — K«liz«n..........6430 3b 10 ««ld w«« Vlebenbürgt».......7370 7420 Temeser Vanat......787b 7425 Ungarn..........7b75 76 — «ctle» o«n V«nlen. »n«lo.»fierr. «aul.....67 25 67 7b Kreditanstalt........145 20 145 40 Depositenbank.......124 - 125- Kreditanstalt, nngar.....136 25 136 50 ««lompte.Nnstall......670 — 680 — ««tionulbaul.......802 — 803 — Oellerr. Vanlgesellschoft . . . —— ...^ Unlonbanl ........ 47— 47b0 Verlehrsbanl .......79K0 80 - Wiener Vantverein.....b6 — 57 — klctien von Transpovt-Nnterneh-m»nge«. »it-Inftilut(V..«.) 90— 90 25 Priorltäts-cbllgatisnen. «lisabeth-«. 1. Vm.....93 «l 84— ßerd.-siordb. in Vilber . . . 10850 106?b Frauz-I°feph-« 126 — ^ndon. lang« Sicht .... 12« 0b 126 »ll ''-ri» ..........f^_ hois) «eldssrten. ««.!" ^. ' - b"."9 lr. 6fl. - kr. DVe"«:?ch./^^ .W.06 . banlnotm ... 61^90 , 61 . 95 ^ S'lbergnloen . . 109 ^ 20 1109 ^ 3« » «rainlsche «ruudentl»ftnn,«.0bli,ati,«l,. Prioatnotieruna: Veld M— «»»« ^ _- «. ^"««« "'" °" « ,^. xrey« I45 4U dl« 145 60. Angl, 67 50 bl«