für Vaterland, Kunst, Wissenschaft und geselliges Heben. ____________«»,^»»».__________! Nedigirt von Vr Johann Hladnik. «H/? HO. Dinstag den 24. Juli. FS^AO. Die Liedertafel auf dem Noseuberge. M ^^n der vergangenen Mittwoche bot lins die von der philharmonischen Gesellschaft, organisirte Liedertafel auf dem Rosenbeige, nicht minder durch die Wahl der Piepen, als durch deren wahrhaft lobenöwerthe Ausführung, einen herrlichen Genus; dar. Wie eine Blume sich zur zweiten schmiegec und in lieblicher Vereinigung hierauf zum schönen Kranze sich gestaltet, so reih'ten freundlich sich slovenische an deutsche Lieder, und wohlthuend schlug das Schwesterpaar zu den Herzen der zahlreich versammelten Gaste. Wenn einzelne Nationalmelodien vielleicht lebendiger und kräftiger das Gefühl weckten und zu lautem Beifall stimmten, so dürften dieß milzsllchtige Schwarzseher, die unter jedem Avio einen ^euzzug gegen das Deutschchum wittern, nicht verdächtigend commenciren, oder darin gar staatsverbrechensche Pläne sehen wollen — was leider so häufig geschieht! Wem schlägt, die Sprache, in welcher die Mutterliebe zuerst mit ihm tändelte, in welcher Geschwister und Spielgenossen mit ihm scherzten, nicht am lieblichsten, zärtlichsten, lebendigsten zum Herzen? Und geschieht es nichc, so weiß ich wahrlich nicht, ob ich ihi, mehr bedauern oder verachten soll! Besonders angenehm war die Heimkehr. Beim Scheine b" Fackeln unter fröhlichem Gesänge bewegte sich der Zug den Berg hinab, und oann durch das freundliche Lustwäld-.^". ^ zum romantischen Tiooli, wo ein Paar vollkräftige ^h"e de„ h„.^,^ ^.^ schall. ^ '">ll mich nicht in Aufzählung der einzelnen Stücke und deren Würdigung einlassen, da ich ja bei jedem das Nämliche wiederhole... und den Sangern bei jedem derselben das verdiente Lob z^l, müßte; doch kann ich das schöne Quartett: »sli-Ullym,» __ Gedicht von l)i'. ?l-686l-n, — Musik von l'nmül« 5l»«ßk) nicht mir Stillschweigen übergehen. Die,er im,ge y^m — Sohn des Musiklehrers an der hingen k, k. Normalhauptschule — berechtiget zu Ichönen Hoffnungen für die Zukunft, und w.r dürfen ihn gewiß bald unseren besten slovenischei, Comft°siteu.s: Fleisch-Mann, ?0toi:nik uuo Kil»^, zur Seite stellen. Es bliebe nur zu wünschen, daß wir öfters dieses Ver- gnügen genößen, und daß die Chöre wo möglich stärker besetzt würden, was von den umsichtsvollen nnd in diescr Hinsicht wohlverdienten Lenkern — dem academischen Maler Kurz vou Golden stein und dem k. k. Rechnungsrache Ledenig — ganz zuverlässig zu erwarten ist. Dr. Klun. MDer Gesundbrunnen zu Koftreinitz. Nalüeoglaphiiche Lfizze von Dr. Rudolph Puff. l. Der lugendliche Sommer ruft und lacht zur labenden Erquickung durch das schmeichelnde, Gesundheil spendende Element —^das die Welterobcrer der Vorzeit, die Römer — die Welcbedroher der Gegenwart, die Russen, richciger zu würdigen wußten, als wir es thun. Ein Freund der Hei-math rechne ich es mir zur angenehmen Pflicht, auf einen der jüngsten, kräftigsten Gesundbrunnen im schönen st^-yri-, schen Unrerlande um so mehr aufmerksam zu machen, als Inhabung und Direction desselben keine Kräfte sparen, die labende Spende dieses Quelles selbst der weiten Ferne zu-gauglich zn machen. Eine kleine Stnnde von dem k. k. Südbahn-Starionshofe Pölcschach, kaum l2 Meilen von Gratz, ebenso weit von Laibach und halb so ferne von Agram, bergen die südlichen Ausläufer des bewaldeten Boc das stille. Thal von Kastreinitz, dessen Kirchdorf und seir längerem bekannte SauerPiellen in früheren Jahren nur selten Aus-flugspalthien aus dem benachbarten Cuiorte Sauerbrunn,. dem bisher bedeutendsten der Steyermark, besuchten, wäh-, rend nun Hr. Ignaz Novak, Glasfabriks- und Berg-werksbesitzer seir ls43, durch Auffindung zweier wichtiger,, bis dahin noch unbekannter Mineralquellen, eine Curanstalr eröffnen könnte, deren Aufblühen und Gedeihen bei den, raschen und vielseitigen Verbindungsmitteln und bei der reizenden Lage der Gegend sich in Aussicht stellten, indem gleich im ersten Jahre der Benützung (18^4) der einen Quelle 60,000, ebenso viele und noch mehr Flaschen aber in der Folge versendet wurden. Mögen mir meine Leser auf dem reizenden Wege in das labende Biunnenthal selbst folgen. 234 Kommt man über den Gabernigg nach Kastreinitz, so erreicht man zuerst über dem Berge das Dorf Obergaber-mg mit seinem großen Wirthshause und den durch einen kleinen Tempel kcnnbaren gräflich Attems'schen Sauerbrunnen, auch Oberrohitscher genannt. Er wurde l836 entdeckt, einige Klafter ober dem einst Zipoli'schen, der durch den Wasseradzugsgraben beseitiget wurde. Die Quelle entspringt sehr rief in Lapor blaugrauem, glimmerhältigem, sehr brüchigem Thonschiefer, ist in Stein gefasir und hat wenig Kohlensaure. Eine zweite Quelle am Gabernig ist in einem ausgehöhlten Wcidenstocke gefaßt, kristallhell, angenehm säuerlich, Eigenthum der Stände. Bald nach dem Gaberniger Wirthshause theilt sich die Straße rechts zur neuen Sauerbrunnstraße, links über einen sanften Hügel zum Pfarrdorfe Kastreinitz. Die Gegend ist äußerst lieblich, die mäßigen Vorhügel des Boc sind mit Weingärten bedeckt, zwischen denen von großen Hecken halb verborgene braune Häuschen herausstehen. Von Pöltschach nach Kastreinitz hat man selbst zu Fuß nnr eine Stunde. Das Dorf mit dem nicht üblen Wirthshause beim PoZar gruppirt sich um den Hügel, der die Kirche tragt, in eine nette Rotunde, außen von Kastanienbäumen umgeben. Sie ist von viereckigen Fenstern erleuchtet, sehr rein, weiß gepflastert, in drei kleinen Kuppeln aufsteigend, und hat außen die Iahrzahl 1768. Die äußeren Malereien sind zum Theile verwicteit. Am Hochaltar ist eine kleine Maria - Loretto - Statue. Der Chor mit der Orgel ist ohne Säulen. Die Kii-che selbst nicht allzu sehr mit Bänken überfüllt. Am Pfarrhofe ist das Chronographikon: 86^65 p!sn»lj rßpnl'ÄVl't teltiu« Hlgrias PO-lon6n»l8 X»8ti'6lnil2 ^ilroclui» ^0»NN6«! 86UM«A. Die vier Wallfahrten zu dem hiesigen Gnadenbilde, welches l780 ein frommer polnischer Priester dem damaligen Pfarrer Franz Gernitsch überbrachte, sind von den Wenden des ganzen Unterlandes stark besucht. Als 1752 ein Wolkenbruch den Pfarrhof wegschwemmte, wurde der Bau der jetzigen Kirche auf dem sanften, weit schauenden, damals grafiich Leslie'schem Eigenthume begonnen, »769 fortgesetzt und 1785 eingeweiht. Der Fremde kann sich bei Gelegenheit der hiesigen Kirchenfeste einem interessanten Studium der schönen geistreichen Gestalten und ihrer verschiedenförmigen Trachten hingeben. Der heimische weibliche Anzug um Kastreinitz zeigt blendend weiße Leinwäsche, die krainische helmartige Haube mit dem breiten Goldbrocatschmucke und der weißen l^so» (Kopftuch) darüber, den glänzenden Metallgürtel um die Hüfte, ein weißes, feines, an den Ecken mit rothem Garne gesticktes Taschentuch. Das Volk selbst ist artig, gutmüthig, aber meist arm, trage, und in guten und üblen Tagen Trost beim Weine suchend. Vom Pfarrdorfe Kastreinitz sind, kaum eine Viertelstunde entfernt, die jüngsten Sauerbrunnen des Herrn Ignaz Nooak, eines Mannes, dem, als Besitzer der blühenden Glasfabrik zu Rakowitz am Pachern, eines großen Kohlenweikes und eines neu eröffneten Bleibergwerkes bei Franzen, die untere Steiermark manches Gute und Segensvolle verdankt. Der obere Kastreinitzer Brunnen, den er 1835 mit einem marmornen Kranze fassen ließ, befindet sich in der 1842 von Herrn Novak an Pon-gratz Wergles vertauschten Besitzung am Fuße des Boc, ist kristallhell angenehm säuerlich, leicht moujsirend, nach dreistündigem Stehen einen bräunlichen Niederschlag zurücklassend, har eine mittlere Temperatur von 8'/^ ° R., gibt in einer Minute 20 Maß und hat eine Kohlensäureschichte von drei Fuß über dem Wasserspiegel. Er ist nun von Hin. Novak ganz aufgegeben und rinnt aus blaugrauem dichten Kaltsteine in das benachbarte Bächlcin. Die zweite nahe Quelle ist noch reicher an Kohlensäure. Gehen wir vom Kirchdorfe Kastreinitz gegen Süden durch ein niedliches Waldchen, so erreichen wir in einer kleinen Viertelstunde Hrn. I. Novak's neuen Sauerbrunnen, die jüngste Schöpfung dieser Art in Steiermark, wie wir hoffen, eines baldigen Aufblühens fähig. Auf sanfter Höhe das niedliche Brunnenthal beherrschend, ist Novak's neues, ebenerdiges Wohnhaus mit acht Fenstern Fronte. Den nachbarlichen Hügel nimmt der neu angelegte Park und Ziergarten mit Orangerie ein, in ihm ist ein !844 entdeckter trefflicher Sauerbrunnen, gefaßt mit dem 2 Klafter tiefen und 2'/„ Fuß weiten Brunnenkranze von schwarzem illyrischen Marmor, der sich früher in Oberkastreinitz befand. Ein Abzugs, canal aus Ziegeln und die Leitung des süßen Wassers sind sehenswerth. In der Tiefe des Thales ist das Manipula-tionsgebäude mit der Wohnung des rastlos thätigen Hrn. Inspecrors von Bacho, mit der Kanzlei und mit den Magazinen auf 80,000 Flaschen, theils in Maß-, theils in bequemer Halbform. Links im Mittelpuncte des Thales ist ein zierlicher Tempel mit sechs Spitzfenstern, welcher den Brunnen überdeckt. Ein herrlicher Brunn enkranz aus grauem Marmor, aus einem neuen Steinbruche am Boc, reicht 3'/^ Klafter tief seit 1843 ausgemauert bis hinab zum Ursprünge der Quelle. Dieses Mineralsauerwasser ist beständig klar, stark perlend, hat einen angenehmen, säuerlich salzigen Geschmack, färbt den Veilchensafr grün, hat ein specifisches Gewicht bei 9 « R., Temperatur von !0l5 und enthält in 16 Unzen folgende Bestandtheile: Kohlensaures Natron 80,750, salzsaures Natron 10,249, kohlensaures Eisenoxydul 0,625, kohlsaure Talgerde 4260, kohlensaure Kalkerde 2,24l, schwefelsaure Kalkerde-Spuren, Extracciv-stoff 0,l00. Zusammen 98,,29 Gran. Kohlensaures Gas 93,000 Cubikzoll. (Sckluß folgt.) Die Oll»ol«ra H8»HtK0Ä. von 1848 und 1849. Auszug aus den Berichten mehrerer homöopathischer Aerzte von Riga. Magdeburg, Nreslau und Königsberg. Für Freunde der Homöopathie. (Fortsetzung.) IV. Prognose (Vorhersagung). Die Cholera - Furcht war für Viele eine erschreckliche Plage, doch selten hatte sie etwas anderes als Cholera-Gastrosen, oder leichte Cholera-Durchfalle und Cholera-Fieber zur Folge. 233 _ Der Cholera-Durchfall gab, sowenig er auch beschwerte, vernachlässiget, wie schon gesagt wurde, nicht selten den Grund und Boden für die OlloI«i-.-l pIl-al^lica ab und durfre deßhalb nie gering geschätzt werden, besonders bei Altersschwachen. Dasselbe gilt vom Cholera-Brechdurchfall. Die Cholerine war für alte Leute gefahrlich und ging bei Vernachlässigung sehr leichr in Olwlsi-» «implox über. Die l)liol«i» «iimplßx lies; unter günstigen Umständen eine ziemlich günstige Prognose zu. Je rascher und höher sie stieg, desto größer war die Gefahr. Rückfälle und blutige, chocoladeähnliche Ausleerungen waren von übler Bedeutung. Eben nicht ungünstiger als bei Vorhergehender war die Prognose bei der Olwlßra »sp^elie». Die Pulslosigkeir und Bläue der Haut sind in der Cholera lange so üble Zeichen nicht, als lna:, denken sollte, denn man sah sie schon 24 Stunden dauern und doch Genesung eintreten. Ich selbst hatte 1836 drei solche Falle behandelt, die glücklich verlaufen sind. Anders verhält sich's mit der Olwlßi-a par^ties, wo noch kein Fall fast vorgekommen seyn soll, der nicht unglücklich abgelaufen wäre. V. Prophylaris (Vorbauung). Zur Beseitigung der epidemischen Disposition zur Cholera empfehlen mehrere homöopathische Aerzte das Vßrall'NM allium (weiße Nießwurzen) als Schutzmittel, und lassen es in der ersten Verdünnung der Tinctur, die aus frischen Wurzeln nur bereitet werden muß, folgender Maßen anwenden: Es werden acht Tropfen der ersten Verdünnung, welche den I00sten Theil von Voratrum enthalt, in vier Unzen Wasser gut vermischt, und davon Früh und Abends, oder bloß Abends ein Theelöffel voll eingenommen; dieses Einnehmen wird acht Tage fortgesetzt, dann acht Tage ausgesetzt und nun von acht zu acht Tagen nur einige Mal ein Theelöffel voll genommen. Während des Gebrauches des Schutzmittels kommen wohl mancherlei Symptome vor, die jedoch zum Theil einer zu lebhafteren Einbildungskraft und der Epidemie zuzuschreiben seyn mochten, aber Nachtheil sah man nie davon. Auch kann man bemerken, daß in einer Cholera-Epi-deniie schon der psychische Einfluß des Gebrauches eines Schutz-"""els nicht zu verachten ist. Durch Vermeidung der Gelegenheitsursachen läßt sich ^-^ ^ ""^ "'" b^l" in einer Cholera-Epidemie außerordentlich vlel ^r Verhütung ernstlicher Erkrankung thun. Man vertraue «^f ^n Allmächtigen und verbanne alle Furcht, hüte sich vor deprimirenden Gemüchsaffecten, reinige die Wohnung durch kf^g Lüften der Zimmer, und wenn solche feucht, durch Verbrennen von Wachholderholz in denselben zugleich, besonders ist es um so nothwendiger dorl, wo mehrere Menschen in kleineren Zimmerräumen wohnen. Man sey mäßig im Essen und Trinken, weiche aber nicht von der gewohnten Kost ab, auf welche die Natur schon gewohnt ist, vermeide alle schwer verdauliche« Speisen, stinkende Fleisch-arten und verdorbene Fische, alle Arten von Schwämmen, die ohnedem wenig nähren; saure, besonders unreife Obst- artrn, zu vieles Gemüse, Salat, Gurken und Melonen, bediene sich zum Getränke frischen reine:, Quell- oder Brunnenwassers und, wer an geistige Getränke doch gewohnt ist, trinke nur etwas gewässerten, guten, nicht zu sauren Wein (das Bier ist nicht so gut und anzuempfehlen, da es selten ohne Zusätze und oft noch nicht gut ausgegohren ist). Ferner hüte man sich besonders vor Verkühlungen, besonders wenn der Körper erhitzt ist, kleide sich der Witterung gemäß und mache in reiner freier Luft mäßige Bewegungen, welche besonders denen, zur sitzenden Lebensart gezwungenen Men-schen sehr zuträglich sind. Man gehe zeitig zu Bette, da der Schlaf zum Ersatz der Kräfte nothwendig ist, vermeide das nächtliche Herumschwärmen, welches gewöhnlich mit verschiedenen Ausschweifungen verbunden ist, die den Körper untergraben und für epidemische Krankheiten empfänglicher machen. (Schluß folgt.) Öffentliche Eharaktere. 6. Oudinot. ' General Oudin o t, erstgeborner Sohn des Marschalls, Herzog von Reggio, wurde in Bar le Duc am 3. November 1791 geboren. Die Geschichte bezeichnet ihn als einen jener wenigen Veteranen, die sich noch ihrer vollen Manneskraft erfreuen, und doch die größten Schlachten der Kaiserzeit mitgefochten haben. Die alten Troupiers der ersten französischen Republik erinnern sich, ihn unter Masse na in dem Zürcher Feldzug gesehen zu haben. Im Jahre 1805 ernannte ihn der Kaiser Napoleon auf dem Erfurter Congreß zu seinem ersten Pagen. In dieser Eigenschaft machte er den Feldzug von 1809 mit; während desselben schickte ihn Napoleon von drei verschiedenen Schlachtfeldern als Courier nach Paris, um den Senat von der Lage der Armee in Kenntniß zu setzen. Im portugiesischen Kriege wurde ?r zum Husarenlieu-tenant befördert; als solcher war er dem General Mas-sena als Adjutant beigegeben; 18 ll kehrte er nach Frankreich zurück, wo ihn der Kaiser zur Garde versetzte. In den Reihen dieser Elitenschaar kämpfte er in Rußland, Sachsen und Frankreich. Als im Jahre I8i4 der Kaiser nach Fontainebleau abging, händigte er im Momente der Abreise dem Marschall Oudinot das Patent eines Obersten für seinen Sohn ein. Ludwig XVlll. bestätigte diese Ernennung am 27. April und beauftragte den Obersten Oudinot mit der Organisation des königlichen Husarenregimentes. Wahrend der hundert Tage zog er sich von der Theilnahme an jedem Commando zurück. Im Jahre 18l5 bildete er in Lille das Nordhusarenregiment, das er bis zum Jahre 1822 befehligte. Später wurde er an die Spitze der königlichen berittenen Gardegrenadiere gestellt. Als General einer Brigade im Lager zu Luneville (1824) entfaltete er glänzende militärische Kenntnisse. Ein königlicher Auftrag überwies ihm die Reorganisation der militärischen Equitatiousschule zu Samur, die seit einigen Jahren geschlossen, jetzt im größeren Maßstabe eingerichtet werden sollte. 236 — Er war dem Institute kaum durch 5 Jahre vorgestanden, als es bereits den Ruf einer der ersten Cavallcrieschulen Europa's erlangt, und von eigens abgeschickten Officieren der verschiedenen Machte besucht wurde, welche die dortigen Einrichtungen studieren, und in die rcspcctioen Länder ihrer Monarchen verpflanzen sollten. Selbst in der Iuliusrevolution erlitt die Disciplin dieses Institutes durchaus keine Störung; Oudinot wollte jedoch unter keiner Bedingung mehr demselben vorstehen, und schrieb dem Kriegsminister folgenden Brief: „Ihren Befehlen zufolge werde ich die Equicationsschule von Samur vor meiner Abreise noch in allen ihren Verhältnissen und Räumlichkeiten inspiciren; alsdann aber im Gefühle des tiefsten Bedauerns, welches ich für das Unglück des enlirten Monarchen empfinde, der mir diesen Posten verliehen, und mich mit seinem Vertrauen beehrt, kann ich unmöglich dieses Amt noch länger behalten; deßwegen zerbreche ich meinen Degen noch nicht, und hoffe vielmehr, daß der Tag nichr ferne, an dem es mir gestattet seyn dürfte, ihn im Dienste meines Vaterlandes gegen die Feinde desselben zu gebrauchen." Im Jahre l835 wurde sein Bruder, der als Oberst eines berittenen Jägerregimentes in Afrika focht, in dem Augenblicke von einer feindlichen Kugel niedergestreckt, in welchem er an der Spitze seiner Vorhut die Araber unter Mu-ley-Ismael zurückgeworfen, und einen von diesen vertheidigten Hohlweg erstürmt hatce. Er selbst erhielt einige Monate später den Auftrag, nach Oran zu gehen, um dort das Commando der gegen Mas-cara ziehenden Erpedition zu übernehmen. Die Aufgabe war eine doppelte: die Franzosen hatten eine Scharte auszuwetzen, und Oudinot wollte von den Afrikanern die Leiche seines Bruders heraus haben. Mit Freuden unterzog er sich daher dem gefährlichen Auftrage, den ihm der Marschall Elauzel gegeben; in der Ausführung desselben wurde er jedoch durch eine schwere Verwundung gehindert, in Folge deren er nach Frankreich zurückkehren mußte, um sich dort einer langsamen und schmerzhaften Cur zu unterziehen. Den letzten Tag des Jahres 1835 begrüßte er als Feldmarschall - Lieutenant. Im Jahre l842 nahm er als Deputirter seinen Sitz in den Reihen der Linken; seine Opposition war hauptsächlich gegen den Nepotismus und das Protectionswesen gerichtet, in Folge dessen damals die unbedeutendsten Pelsönlichkeiten zu hohen Ehren und Würden gelangten, während das wahre Verdienst unbeachtet verkümmerte. Seine Wähler waren bei seiner Ernennung durch die Erinnerung an die glänzenden Verdienste geleitet woiden, welche er sich um das Heer, in den algierischen Feldzügen, bei den Razzias, um die Equi-tationsschule und das Militärgerichtsverfahren' auf so hervorstechende Weise erworben hatte. Oudinot ist einer der ausgezeichnetsten Generale der Jetztzeit. Seine Mußestunden pflegte er stecs den ernstesten Studien zu widmen. Die von ihm veröffentlichten Werke zeigen von eben so viel Geistesschärfe als seltenen Kenntnissen, und haben den Beifall aller Fachmänner Frankreichs und des Auslandes erlangt. Die bemerkenswertesten führen folgende Titel: »Ueber die Militärkräfte Italiens; Betrachlungen über die Verwendung der Truppen zu großen öffentlichen Arbeiten" u. s. w. Im vorigen Jahre stand General Oudinol, der mittlerweile zum Commandeur der Ehrenlegion ernannt worden war, an der Spitze der Alpenarmee; jetzr befehligt er bekanntlich das in Rom stehende Erpeditionscorps. Papeerkorb des Amüsante«. Zu N-, einem krainischen Marktflecken, entwarfen in lüngster Zeit die Burger ihre Nationalgarde-Statuten Uncer andern Paragraphen stand auch folgender.-D ie Garden müsse« sich gegenseitig mit »Sie" tituli- ren, und in der Anrede mit »Herr"! — __ Frage: Dürfen die Herren Gardisten außer Dienst wohl noch das »demokratische" und »wühlerische" D u in Anwendung bringen, oder ist über dasselbe ä loitt prix der Stab gebrochen ? — In dem nämlichen Oertchen saßen zwei schlichte Bürger bei ihrem Gläschen und — polmsirten. Mit aufgehobenem Zeigefinger und hochweiser Miene sprach nun »Herr" X die gewichtigen Worre: »Ja, ja, ich versichere Sie, dieß Jahr dürften die türkischen Maulesel noch den Rhein saufen;" worauf „Herr" P mit natürlicher Derbheit antwortete: »Was noch! sie können sich ja daheim ansaufen!" — — ^culli« II. (Gute Ausrede ei n e s P i emon tesers.) Oester-reicher. »Warum seyd Ihr bei Nooara so feige davon-gelaufen?" — Piemonrcser. „Weil sich ein echter Piemonteser mit einem Oesterreicher nie abgeben wird." Feuilleton. Gustav Adolph's, des Schweden königs Kra-gen. — Von einer Familie in Augsburg wird ein durch.-locherter Kragen mit dem Bildnisse Gustav Adolph's in Wachs unter Glas und Nahmen aufbewahrt, dem eine schriftliche Erklärung folgender Art beigefügt ist: „Diesen Kiagen, den Gustav Adolph, König in Schweden, getragen, hat derselbe meiner Eheliebsten, Iacobina Lauber, einer geborenen Augs-burgerin, verehrt, weil dieselbe zur Zeit, als höchstgedachter König in Augsburg verweilte, die schönste Jungfrau allda war, daher sie höchstgedachte Majestät gewürdigt, auf einem angestellten Balle öfters mit ihr zu tanzen. Die Ursache aber, warum der König ihr diesen Kragen verehrte, war diese: weil sie sich, als der König dieselbe gnädig liebkoset?, aus Schamhaftigkeir erwas geweigert, mithin mit ihren Fingern die in dem Kragen befindliche» Löcher gerissen hatte." — Dieser Kragen ist so durchlöchert, daß man wohl daraus schließen kann, wie viel Mühe cs dem guten König gekostet, >, die ehrbare Jungfrau Lauber von seiner Werthschätzung zu überzeugen. Von uns muß er als ein Erinnerungszeichen einzig in seiner Art betrachtet werden, da wohl in unserer Zeit nicht so leicht ein Seiceustück dazu gefunden wild. Verleger: Ignaz Alois Kleinmayr.