X. der k. k. Staats - Oberrealschule in Veröffentlicht von der Direktion am Schlüsse des Studienjahres MARBURG. Verlag (Irr k k. (HwrexUelnile. — Urad von Kilmrd Jinsclik. 1880. Beaumarchais — Figaro. F.ine kultur- und literarhistorische Skizze. (Krsto Hälfte.) Von Professor August N omeče k. Schulnachrichten. Vom Direktor. Beaumarchais — Figaro. o Eine kultur- und literarhistorische Skizze. „II fnut ótre en France marteau ou onclunio ; j’étais né enulume . . . Voltaire. „Es wurde ihm zum unabwendbaren Bedürfnis das: ridendo dicere verum.“ Büchner über Rabelais. Tojrworfe. Hm Dezember v. J. entschloss ich mich für das heurige Programm auf ein literarisches Thema zurückzulcommen, mit dem ich mich vor mehreren Jahren vorübergehend beschäftigt habe. Während der Vorarbeiten gestaltete sich aber der Gegenstand unwillkürlich um. Aus einer rein literarischen wurde eine kultur- und literarhistorische Arbeit, was übrigens, genau genommen, bei dem eigentümlichen Charakter der Beaumarchais-schen Komödien wol nicht anders kommen konnte. Das Interesse an dem Manne und seinen Werken erweckte in mir das Interesse an der Zeit, die ihn und seine Werke hervorgebracht. Dadurch gewann aber meine Arbeit eine viel breitere Basis, die zu der verfügbaren Zeit in keinem rechten Verhältnisse stand. Zu diesem Uebelstande kamen noch die Schwierigkeiten bei der Ermittlung, noch mehr aber bei der Herbeischaffung der nötigen Quellen. Es stehen wol Jedem, der arbeiten will, einige öffentliche Bibliotheken zur Verfügung, aber die Zahl derer, welche dieselben in Anspruch nehmen, ist zu gross, als dass Allo befriedigt werden könnten. Und dann hat auch nicht Jeder das Glück, au der Quelle selbst zu schöpfen. Wer im Rohre sitzt, hat leicht — reden und noch leichter arbeiten. Kommt dazu noch der peinigende Gedanke an eine streng bemessene Arbeitsfrist, so ist es leicht begreiflich, dass man hie und da aus der Fassung gerät, wenn auf wiederholtes Verlangen notwendigè Quellen ausbleiben. Deshalb fürchte ich auch, dass dieser oder jener von meinen geehrten II. H. Fachkollegen an der vorliegenden Arbeit nicht diejenige Gründlichkeit finden wird, welche ihr der Verfasser gern gegeben hätte, wenn er mit mehr Müsse und mit allen G erforderlichen Mitteln hätte arbeiten können. Trotz der kurzen Zeit und eines wiederholten Unwolseins habe ich redlich geleistet, was ich unter den nicht eben günstigen Umständen leisten konnte, und dieses Bewustsein wird mir auch eine strenge Beurtheilung erträglicher machen. Auch war ich jederzeit bemüht, nicht nur den Anforderungen der H. II. Fachkollegen, sondern auch dem Interesse eines Jeden, dem diese Programmarbeit in die Hand kommt, gerecht zu werden und deren Lektüre zu erleichtern. Die Frucht eines mehrmonatlichen, angestrengten Fleisses verdient wol nicht das traurige Loos: gedruckt zu werden, um das Programm auszufüllen und dann — im besten Falle — in dem Winkel irgend einer Bibliothek zu modern. Marburg im Mai 1880. August Nčmeček. Einleitung. Indem ich den Doppeltitel: Beaumarchais - Figaro meiner Arbeit auf die Stirne setzte, glaubte ich zugleich den Inhalt und die Richtung meines Essays umfassend zum Ausdruck gebracht zu haben. Es wird dasselbe, betreffs des Inhalts, über den Autor, über den Helden seiner historisch berühmt gewordenen Komödien und über die Wechselbeziehung beider zu Ginander, handeln. Nun ist zwar der Name Figaro im Munde der ganzen gebildeten Welt, aber es sind beinahe weniger die Lustspiele selbst, welche ihn bekannt gemacht haben, als die aus ihnen gezogenen Libretti’s zweier ebenso berühmten Tonstücke von Rossini und Mozart. Wie ehemals die Landsleute unseres Autors durch den Barbier von Sevilla entzückt, durch i'igaros Hochzeit entflammt worden waren, ebenso wurden die beiden Koryphäen der Tonkunst durch die sprudelnde Lebhaftigkeit und die mit Anmut gepaarte Mutwilligkeit der genannten Stücke zu den herrlichsten Melodien angeregt und verwirklichten lange nach Beaumarchais’ Tode, gleichsam als °b sie es geahnt hätten, den Lieblingsgedanken und die ursprüngliche Idee unseres Dichters. Sein Name wurde aber erst durch Göthe und zwar durch eines seiner Erstlingswerke, das Trauerspiel Clavigo '), auf die Bühne und ') In Beaumarchais’ Memoiren findet sich ausschliesslich die Schreibung Clavijo (8P- * laviche) u. zw. in der Ausgabe vom J. 1776, die ich in den Händen hatte. Es xvundert mich um so mehr, dass Göthe, dem diese Schreibung ebenso bekannt sein Jauste, dieselbe nicht beibehalten hat, es wäre denn, dass die späteren Herausgeber dos ^auerspiols sie der besseren Aussprache wegen auf eigene Faust geändert hätten. Ue-buSenS er Briefen, die er aus Madrid seinem Vater geschickt hat, die Schrci- ^Clavico angewendet und in Folge dessen auch sein Vater in einem Antwortschreiben, (Ma816 an ZW6i Obilen vorkommt: „Oh I mon ami, le beau present de noce pour olle ^iju^kLette) que la dee larati on de Glavico ... sa joio do voir corame tous les Franco m °UeDt et RPProuvent votre action avec le Clavico.“ An einer Stelle der Memoiren^ aber ^"marchais den Stil eines Ändern nachahmt, schreibt er selbst so, entschuldigt sich Auas "o^aich in einer Anmerkung, in der er ebenfalls die für einen Franzosen schwierige prache als Grund angiebt. (Die Franzosen können nämlich von Natur aus kein li dadurch dem Publikum zur Kenntniss gebracht. In Frankfurt, wo Göthe zu jener Zeit weilte, interessirte man sich ebenso damals, wie heute, um Alles, was im Nachbarlande vorgieng. So las man auch in einer Abendgesellschaft die Prozesspamphlete eines Mannes, der durch dieselben plötzlich in seinem Vaterlande berühmt geworden war. Eine, zum grossen Theil dialogisierte Episode aus dessen Leben, welche in die vierte Verteidigungsschrift eingeflochten war, machte auf die Gesellschaft vermöge ihrer meisterhaften Darstellung einen tiefen Eindruck und Göthe wurde von einem Fräulein, der Freundin seiner Schwester, aufgefordert, die Erzählung zu dramatisieren. Unter dem frischen Eindrücke schrieb Göthe in wenigen Tagen das obgenannte Trauerspiel, das er ebensogut hätte „Beaumarchais“ betiteln können. Aus dem Doppeltitel geht auch die doppelte Richtung der Arbeit hervor, die kultur- und literarhistorische. Beide sind eng miteinander verschmolzen, sovvol in dem Wesen und der Person des Autors, wie in dem Wesen und dem Charakter seiner Lustspiele. Um diese gebührend zu würdigen, muss man mit dem Leben und Wirken des Autors näher bekannt werden. Es lässt sich aber ein Wesen von der Eigenart eines Beaumarchais — Figaro nicht leicht anders auffassen und darstellen, als im Lichte seiner Zeit, durch die Schilderung der sozialen Zustände, die ihn gebildet haben und deren unbestreitbarer Typus er war, in seinem Leben ebenso gut wie in seinen Werken. Beaumarchais — Figaro ist die Verkörperung des Tiersetat, des Mittelstandes in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundertes ; er ist dessen Vorkämpfer, dessen Herold, dessen Sprechwart. Mit vollem Rechte hätte er den bekannten historischen Spruch Ludwigs XIV. auf sich anwenden können und sagen: „Le Tiers-état, c’est moil“ Sehr treffend nannte ihn Jemand „den Sturmvogel der Revolution“. Durch den Mund seines Figaro verkündet Beaumarchais den bevorstehenden Kampf des dritten Standes gegen die Privilegierten, und will man diesen Kampf begreifen, so muss man die beiden engagierten Parteien kennen lernen; es lässt sich ein einzelner Kämpfer aus einem historischen Gemälde nicht leicht herausreissen. Und da schliesslich Figaro, abgesehen von seiner sozialen und politischen Bedeutung, in literarischer Beziehung der letzte — der König der Lustspiel* diener (valets de Comédie) ist, so ist er auch in dieser Hinsicht nach den von de Loménie gegebenen Winken zu behandeln. Daraus ergiebt sich die Eintheiluug des ganzen Stoffes. Er wird umfassen : 1. Die Schilderung der sozialen Zustände in Frankreich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundortes und zwar: A. Das Feudalwesen. B. Die Schriftsteller, ihre Stellung in der Gesellschaft und ihr gegenseitiger Einfluss. und eli aussprechen.) Ich erinnere mich auch, dass der f Professor Tomaschok bei seinen Vorträgen sich ausdrücklich der Aussprache Clavicho bediente, was mit der Schreibung dieses Namens mit g nicht üboreinstiinmt. Ich behalte auch, wo ich später den Name" auführen muss, die Schreibung dos Originals, 2. Beaumarchais’ Leben. 3. Dessen Hauptwerke : A. Die Memoiren. B. Der Barbier von Sevilla und C. Figaros Hochzeit. 4. Würdigung der beiden Figarostücke im Hinblick auf das französische Lustspiel im 18. Jahrhundert und speziell im Verhältnis zu Molière. 5. Figaro als der letzte der valets de Comédie. Als Hülfsmittel wurden benützt: Tai ne: Les origines de la France contemporaine. I. B. Ancien regime. (Dasselbe Werk hat Hellwald zu dem Artikel: Die Gesellschaft des ancien regime in seiner Kulturgeschichte beinahe als ausschliessliche Quelle benützt.) De L o m é n i e : Beaumarchais et son temps. 2 Bde. ArndEdw.: Geschichte der französischen Nationalliteratur von der Renaissance bis zur Revolution. 2 Bde. Hettner: Geschichte der französischen Literatur im achtzehnten Jahrhunderte. 1 B. Villemain: Cours de litterature framjaise. Tableau de la littóraturo au XVIII. siede. III. B. Kreyssig: Geschichte der französischen Nationalliteratur. 1. B. Büchner A.: Französische Literaturbilder aus dem Bereiche der Aesthetik seit der Renaissance bis auf unsere Zeiten. Versuch einer Einleitung zu Beaumarchais’ Figaro von Breitingo r. (Her-rig’s Archiv B. XXVI.) Komödien und Memoiren von Beaumarchais. Komödien von Regnar d, Lesage, Piron und Gr esset. I. Abschnitt. Die sozialen Zustande in Frankreich in der zweiten Hälfte des XVIII. Jahrhunderten. ') A. Das Feudalwesen.. Es ist eine äusserst dankbare und interessante Aufgabe, sich in das Studium der sozialen Lage Frankreichs in den letzten fünfzig Jakreu vor der Revolution zu vertiefen. Eine der merkwürdigsten Phasen in dem Leben eines geeinigten Volkes entrollt sich vor unserem geistigen Auge. Nach einem vorübergehenden Aufwachen im sechzehnten Jahrhundert verfällt es wieder in den früheren Zustand der Erstarrung und wird im Laufe des achtzehnten zum vollen, schrecklichen Bewustseiu gebracht. Auf die bösen Thaten der französischen Könige und ihrer Politik folgt ihr unvermeidlicher Fluch : fortzeugend müssen sie Böses, namenlos Unheilvolles gebären — die Tage der Schreckensherrschaft. Der Orkan, der über Frankreich dahinbraust, ist nicht ohne Nachwehen für den ganzen Kontinent. Aber nach den Stürmen des Abends bricht die Morgenröte einer neuen Zeit für die Menschheit mit um so rosigerem Glanze an. Aus den Trümmern der alten Gesellschaft geht eine neue Ordnung der Dinge auf, ein neues Jahrhundert, das der Freiheit, der Gleichberechtigung, der Menschenrechte, der geistigen Aufklärung. ') Im Vorliegenden folge ich gröstontheils dem vortrefflichen, in seiner Art einzigen Werke von II. Taine: Les origines de la France contomporaino I. L'ancien regime. 1876. Hachette. Paris. Es ist dies das Produkt einer langjährigen, mühevollen Arbeit, eine geistvolle Zusammenstellung alles dessen, was irgendwie zur Kenntnis dieser Zeit beitragen kann. Nachdem der Verfasser die zahllosen Quellen angeführt, aus denen er geschöpft hat, um alle Schichten der Gesellschaft des alten Regime in ihrem Thun und Lassen kennen zu lernen, konnte er mit Recht zum Schluss der Vorrede von sich sagen : „Mit solchen Hülfsmitteln wird man fast der Zeitgenosse der Menschen, deren Geschichte man schreibt, und mehr als einmal, während ich in den Archiven, auf vergilbtem Papier ihren Schriftzügen folgte, war ich versucht, sie ganz laut anzureden. Man muss auch die Gegenständlichkeit und Klarheit der französischen Schreibweise kennen, um diesen Gedanken völlig zu würdigen. leb gestehe es gern ein, dass auch mir mehr als einmal das llerz vor Aufregung höher schlug, während ich seinen Auseinandersetzungen folgte. Ich kann nicht umhin Jeden, der Interesse an der Sache bat und das Werk zufällig noch nicht kennen sollte, auf dasselbe aufmerksam zu machen. Vor dem Ausbruche der furchtbaren Katastrophe theilte sich die französische Nation in zwei feindliche Lager. Auf der einen Seite standen die privilegierten Klassen, die Geistlichkeit und der Adel, mit dem Könige und dessen Anhang an der Spitze ; auf der ändern das Gros der Nation, die Bürgerlichen und der selbständige Theil des Bauernstandes. Die Leibeigenen kommen gar nicht in Betracht. Ein flüchtiger Blick auf die erdrückende Mehrheit der Letzteren muste lehren, auf welche Seite sich der endliche Sieg schlagen würde. Die geringen Concessionen, welche die Privilegierten im Laufe der letzten Jahrzehnte zu machen sich vcranlast fühlten, waren viel zu unbedeutend, um die jähe Kluft auszufüllen, welche der Strom der Jahrhunderte zwischen ihnen und dem dritten Stande ausgehöhlt hatte. Wie kam es aber zu diesem schroffen Abstande, zu diesem abnormen Misverhältuis zwischen den Gliedern einer und derselben Nation ? Wo ist der Ursprung der beinahe absoluten Berechtigung der Einen, wo die Quelle des glühendsten Hasses der Ändern zu suchen ? Ein rascher Blick auf die allmäliche Entwickelung der sozialen Lage in Frankreich an der Hand der Geschichte soll uns auf diese Fragen in gedrängter Kürze die gewünschte Antwort geben. Den Grundstein zu dem stolzen sozialen Bau, der erst unter Ludwig XIV. zu seiner Vollendung gediehen war, hat unstreitig die Geistlichkeit gelegt und neben ihr beinahe gleichzeitig der Adel. Zu einer Zeit der vollsten Verwilderung und Zuchtlosigkeit hat die erstem in den furchtbar verwüsteten Gegenden das Banner der christlichen Liebe aufgepflanzt, das weithin sichtbar, die Versprengten, Obdachlosen, Unterdrückten an sich zog, m ihnen wieder die Liebe zur Arbeit weckte und neue Mittelpunkte des Ackerbaues und der Industrie schuf. Die Geistlichkeit war es auch, welche den Uebormut der Grossen im Zaume hielt und ihre zügellosen Leidenschaften dämpfte ; sie nahm sich des Unterrichtes, der Gerichtspflege und vor allem der Ehe an. Ihre Klöster waren die Zufluchts- und Pflegestätten aBer kostbaren Errungenschaften des menschlichen Geistes. So war es nicht nur das körperliche, sondern und hauptsächlich das geistige Wohl, um das sie sich verdient gemacht und deshalb konnte sie mit voller Berechtigung aul die Dankbarkeit Anspruch machen, die sich in zahllosen an die Kirche Bemachten Schenkungen bothätigte. Ihr zur Seite stellte sich der Adel, das heisst eine Anzahl tapferer beharnischter Reiter, die ebenso wie die Geistlichkeit auf einem Flecken '•de sich niederlassend, anstatt zu fliehen oder Tribut zu zahlen, denselben Bogen die herumziehenden Räuberbanden und übermütigen Gesellen ihres 1 eichen zu verteidigen gewust haben. Wer sie waren, woher sie kamen, er fragte wol darnach ? Ihr persönlicher Mut und ihr gutes Schwert ossten Achtung und Zutrauen ein. Kein Wunder also, dass von allen Seiten enschen herbeiströmten, sobald irgendwo eine Umzäunung, eine Feste sich 1 mb, hinter deren Pallisaden sie in Zeiten drohender Gefahr ihr Ilab und ln Sicherheit bringen und unter der Anführung des Ritters mit der Waffe in der Hand verteidigen konnten. Auf diese Weise bildete sich ein neues Verhältnis, das der Waffengemeinschaft angesichts des Feindes und ein neues Regime — das feudale. Die stete Kampfbereitschaft des Oberhauptes veranlasste die Vasallen für ihn und seine Reisigen zu sorgen. Sie bebauten freiwillig seine Aecker, bildeten seinen Train, zahlten für die Sicherheit ihres Eigentums gewisse Abgaben. Er aber, da er die Mittel dazu besass, errichtete Wege, legte Furten an, baute eine Brücke, eine Mühle, einen Backofen, kaufte einen Stier u. s. w. und lioss sich für die Benützung eine entsprechende Entschädigung geben. Dies war recht und billig. Er nahm für sich die llutweide, die Jagd in Anspruch ; dass er seine freie Zeit damit zubrachte, die grosseu Hirsche zu erlegen, von denen die Saaten geplündert wurden, das war den Vasallen sehr angenehm. Sie nahmen auch bei vorkommenden Streitigkeiten ihre Zuflucht zu seiner weisen Einsicht; er ward ihr Richter. Sie identifizierten sich mit seiner Familie, waren stolz auf seine Holdonthaten. Ein unschätzbares Gefühl stellte sich ein, dio Liebe zu dem Flecken Erde, der dem Menschen besonders liebgeworden, zu der Grafschaft, zu dem Herzogtum, in dessen Verband er gehörte — die Liebe zum Vaterlande. Diese kleinen Ländereien brauchten sich nur in einer Hand zu vereinigen und aus dem kleinen feudalen wurde ein grosses nationales Vaterland. Das ist auch thatsächlich den Nachfolgern des hl. Ludwig so gut gelungen, dass schon unter dem vierzehnten König gleichen Namens ganz Frankreich eine einzige Domäne vorstellte, welche 26 Millionen Einwohner zählte und dem unglücklichen Ludwig XVI. eine Revenüe von 477 Mill. Francs abwarf. Was der König für das allgemeine Wohl that, das muste als eine Gnade betrachtet werden, denn er that es aus seinem Eigenen, konnte nicht dazu verhalten werden, war auch Niemand für sein Thun und Lassen Rechenschaft schuldig. Wie ehemals die freien Ansiedler ihren Beschützer, ob er den Titel Baron, Graf, oder sonst einen trug, ob er die Würde eines Abts, oder Bischofs bekleidete, als ihren Gebieter, ihren Souverän anerkannten, so erkannten jetzt Geistlichkeit und Adel, nachdem beide freiwillig oder gezwungen auf ihre Souveränität Verzicht geleistet, den König als ihren obersten Gebieter an und bildeten die beste Stütze seines Thrones. Nunmehr gab es blos zwei Klassen von Menschen, die Privilegierten und diejenigen, die es nicht waren.1) Denn nachdem der König die gesamwte Regierung des Landes mit einem streng centralistischen System in seiner Hand vereinigt hatte, so liess er die beiden, "ihm ursprünglich ebenbürtigen Stände im vollen Besitze ihrer Güter und all der feudalen Rechte, welche sie im Laufe der Zeit aus den verschiedensten, ursprünglich durchwegs ge- ') Die Zahl der ersteren betrug 270.000. Davon entfallen auf den Adel 140.000, auf die Geistlichkeit 180.000. Diese Zahlen drücken ganz deutlich das Misverhältnis au8 zwischen ihnen und den 26 Millionen, die das Volk ausmachten. */, des Landes gehör den Privilegierten und war beinahe ganz frei von Abgaben ; '/6 gehörte dem eigentho i dritten Stande, V, den Bauern, meinniitzigen Gründen erworben hatten. Dieselben waren aber allmälig zu einer Legion herangewachsen und lasteten schwer auf den Unterthanen des geistlichen und weltlichen Seigneur. Dieser batte die Gerichtsbarkeit über alles, was ihm gehörte ; er bosass die Fischerei und die Jagd, letztere aber als ausschliessliches und in der grausamsten Weise gehaudbabtes Privilegium.1) Er besass das Taubenhaus, welches Tausende privilegierter Tauben barg, die alle, ebenso wie das Wild, sich ungestraft an den Feldern der benachbarten Kleingrundbesitzcr mästen durften. Unter dem Namen Census, der ursprünglichen freiwilligen Abgabe, Carpot (Theilung der Weinlese), Kehrzehent, Grundzins, Fruchtzins, Verkaufszins u. s. f. waren die Bezüge an Geld und Naturalien ebenso verschieden, wie die Verhältnisse von ehemals und das Uebereinkommen. Die Könige haben zwar zeitweilig viele von den Beeilten und Pflichten aufgehoben, aber es blieben davon noch immer genug aufrecht, um die bisherigen oder sogar die ehemaligen Unterthanen zu brandschatzen. Denn die grosaen Herren, welche durch ihr zügelloses Leben ihre Habe verprasst hatten, behielten ihre unveräusserlichen Rechte auch dann, wenn sie ihre Güter verkauften. Die Sache gieng aber oft noch weiter — sie verpfändeten im Notfälle auch noch diese Rechte. Man kann sich da leicht den Ingrimm denken, mit welchem die armen Landbewohner diese historischen, nunmehr jedes Grundes entbehrenden Abgaben leisteten. Und das alles duldete der König, um ein soziales Gebilde aufrecht zu erhalten, das sich längst überlebt hatte. Er muste ihnen, die ehemals seines Gleichen waren, etwas von der früheren Herrlichkeit belassen — es war ja ohnedies nur ein jämmerlicher Ueberrest ihrer Souveränität. Aber das war noch nicht das Schlimmste. Der König konnte und durfte nicht die ehemaligen Herrscher des Landes, nachdem sie auf ihre Holieitsrechte verzichtet hatten, wie seine eigenen Unterthanen behandeln. Sie durften doch keine Steuern zahlen, keine Frohndienste bei Strassenbauten leisten, oder zum Kriegsdienste gezwungen werden, oder Militäreinquartie- fungen bekommen, u. s. f. u. s. f. Alle diese gemeinen Pflichten gebührten dem ^ °lke. Sie selbst waren geborene Unterbefehlshaber, Ofliziero, die Leibwächter des Königs und als solche in steter, unmittelbarer Berührung mit seiner 1 erson ; derartige plebejische Leistungen hätten sie nur in ihren eigenen Augen erniedrigen können. Und diese Lastenfreiheit bezog sich nicht nur auf Siei sondern auf alles, was mit ihnen irgendwie zusammenhieng. Es wurde ‘uen zwar auch endlich einmal eine Steuer aufgelegt, dio s. g. Vingtiemo ^ ') Das Wild, welchen Namen es auch führen mochte, war der ärgste Tyrann des ' uern. Dieser durfte wahrend der Brutzeit weder seine Wieso mähen, noch das Unkraut 11 den holderu jäten. Seinen Besitz durfte er nicht einzäunen, und wenn, so muste eine h'osso Ooffnuug für die Jagd gelassen werden; um Schaden zu verhüten, musten die 'dito lag und Nacht ihre Felder, ihre Gemüsegärten hüten.— Aus Artois, ltoutnencourt D 7 .*'er‘ehtot, dass das Wild die Saaten ganz oder zum grosson Theil vernichtet hat. bekj11 Ja^° Z" ^ Aer Graf von Artois zu Pferde quer durch die Saaten. Leute, die sich agton, verloren alles, Zeit, die Ernte und zum Schluss den Prozess. (eine Zwanzigstelsteuer) ein Pendant zum Zehent; aber wie entrichteten sie dieselbe ! Aul alle mögliche Weise wüsten die Grossgrundbesitzer, die königlichen Prinzen voran, sich dieser einzigen Abgabe entweder ganz zu entziehen, oder höchstens den zehnten, den zwölften Theil derselben zu entrichten. Die Intendanten des Königs und ihre Subdelegierten waren gefällige Leute und drückten im Notfall auch beide Augen zu, um sich mit den einflussreichen Herren nicht zu verfeinden. Sie vertheilten, um das entstandene Deficit zu decken, den Rest gewissenhaft auf diejenigen, gegen welche sie keine solchen Rücksichten zu üben brauchten. Die grösseren Städte machten es, wie die grossen Herren. Weil sie reicher waren als die ändern, so gelang es ihnen bei der beständigen Ebbe in den Staatskassen sich durch Ankauf von Privilegien gegen die Uebergriffo des Fiskus zu decken. Oft bestritten sie die gesummten Steuern durch den Eingangszoll,. welcher an den Stadtthoren erhoben wurde. Desto schwerer traf die Leistung der Abgaben die umgebenden kleinen Orte. In den Städten selbst gab es wieder gewisse privilegierte Körperschaften und Stände, für deren Freihaltung die übrigen Mitbürger büssen musten. Dazu kam die Art und Weise der Steuererhebung. Der Subdelegierte des Intendanten erwählte unter den wolhabenden Einwohnern die Taxatoren, die nach vollster Willkür und je nachdem sie Jemand Freund oder Feind waren, die Höhe der Steuerpflicht ansetzten. Selbstverständlich vergasson sie dabei nicht auf sich selbst. Daneben wurden wieder Andere mit der Eintreibung der Steuern beauftragt und für die genaue Einlieferung verantwortlich gemacht ; daher die Härte bei der Eintreibung selbst. Je mehr die Bedürfnisse des Hofes wuchsen, desto mehr waren die Finanzminister darauf bedacht, immer neue Abgaben zu erfinden. Die härteste von allen war die Kopfsteuer, da sie allo, mit Ausnahme der Privilegierten, traf, sogar die Arbeiter und Taglöhner. Der freie Landbewohner war aber doch noch am schlimmsten daran, denn sein Jahreseinkommen konnte man am sichersten festsetzen und taxieren. Taine berechnet die direkten Abgaben von einem reinen Einkommen von 100 Francs auf 53 fr. 15 c. der Zehent betrug..................................................14 fr. 28 c. ebenso viel die Feudalrechte........................................14 fr. 28 c. Im Ganzen . 81 fr. 71 c* Es blieben also 18 fr. 29 c. dem steuerpflichtigen Eigentümer, und diese Zahl spricht deutlicher als der beredtste Vortrag. Man begreift wol leicht, dass, der berühmte Kanzelredner Massilon, Bischof von Giermont, an fl°u Minister Fleury (1740) schreiben konnte : „Unser Landvolk lebt im entsetzlichsten Elend, ohne Betten, olino Möbel ; den meisten gebricht es ein halbes Jahr hindurch an Hafer- und Gcrstonbrod, das ihre einzige Nahrung aUS macht und welches sie schliesslich ihrem und ihrer Kinder Munde abbrechcn müssen, um ihre Abgaben zu erschwingen.“ In vielen Gegenden waren 6 ) es- reden, wurde für die Adeligen reserviert. ') Und schliesslich muste der Pfarrer so wie der beinahe unbesoldete Kaplan den Löwenantheil zu dem „Geschenke“ beitragen, welches die Geistlichkeit jährlich als Aequivalent für die Steuerfreiheit ihrer kolossalen Pfründen an den Staat abführte. Wollte sich Jemand dem Hof- oder Staatsdienste widmen, so brauchte er Geld, denn alle Stellen waren käuflich. Begabung konnte dabei selbstverständlich gar nicht in Betracht gezogen werden. Man kann sich da leicht den Zustand zumal der feudalen Gerichtsgebahrung vorstellen, wenn schliesslich jeder Wegelagerer sich eine Richterstello kaufen konnte, falls er nur die Mittel dazu besass. Aber das war noch nicht Alles: er konnte sich ihrer mehrere an verschiedenen Orten kaufen und von allen zugleich Nutzen ziehen. Bei den Parlamenten — so nannte man in Frankreich die obersten Gerichtshöfe — war es nicht viel anders; nur kosteten die Stellen viel mehr und wurden gewöhnlich zum erblichen Besitz verkauft. Dadurch gelangten aber diese Körperschaften zu einer Sonderstellung, die sie dem Königtume immer unbequemer machte. Je mehr dieses in dem allgemeinen Ansehen sank, desto höher stiegen jene und fühlten sich schliesslich stark genug, um den beiden ändern privilegierten Ständen den Rang steitig zu machen. Schon im Jahre 1721 schrieb Montesquieu in seinen Persischen Briefen: „Es giebt in Frankreich drei Staaten, den geistlichen (l’eglise), den militärischen (l’épóe) und den richterlichen (la robe). Jeder bezeugt den beiden ändern eine souveräne Misachtung.“ Die Reibungen derselben verursachten Ludwig XV. mitunter qualvolle Augenblicke, da es ihm schwer wurde, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen,8) Der offenkundige Widerstand, auf welchen das Königtum bei den Parlamenten stiess und dabei trotz allen militärischen Zwangsmassregeln meistens, wenn auch moralisch, den Kürzern zog, hat mehr als manches Andere die Schwäche desselben aufgedeckt und zu dessen endlichem Sturze beigetragen. Aufgelöst, exiliert, eingekerkert, kehrten diese Körperschaften immer wieder zurück, um unter den Täuschendsten Boifallsbezeugungen der Menge, als deren Organ sie sich hinstellten 3), von ihren Richterstühlen wieder Besitz zu er- ') Nur etwa fünf Bistümer, die kleinsten (man nannte sie Lakaionbistümer) waren von Nichtadeligen besetzt. J) Eines Tages sagte der König zu Mad. v. Pompadour: „Der hohe Itichterstand und die Geistlichkeit machen mich durch ihre Streitigkeiten ganz unglücklich. Aher ich verabscheue noch mehr die itichtor. Meine Geistlichkeit ist mir im Grunde ergeben und treu, aber die Andorn möchten mich unter ihre Vormundschaft bringen . . . Sie werden endlich den Staat zu Grunde richten ... Es ist das eine Versammlung von Republikanern.“ (Memoiren der Mme. de Uaussot, s. de Lomóuie I. S. 804.) ') „Früher oder später wird das Volk erfahren“, schreibt ein Parlament im J. 1764, „dass die Trümmer unserer Finanzen an meist unverdienten Geschenken verschwendet werden, an übermässig auf eine Person augehäuften Pensionen, au Mitgiften und Witwengehalten, an nutzlosen Stellen und Gagen. Früher oder später wird es diese gierigen Hände zurückstossen, die immer offen sind und sich nie voll glauben; diese unersättlichen Leute, die nur deshalb auf der Welt zu sein scheinen, um alles zu nehmen, nichts zu besitzen, Leute ohne Scham und Erbarmen.“ greifen. Da die Würde des Vaters gewöhnlich auf den Sohn iibergieng, so wurde derselbe wenigstens auf seinen Beruf, mochte er übrigens Lust oder ' Begabung dazu haben, oder nicht, entsprechend vorbereitet. Als Soldat konnte es der ltoturicr höchstens zum Offizier bringen. Dabei hatte cs aber auch sein Bewenden ; denn um den Rang eines Capi-täns zu erlangen, muste man sich mit vier Almen aus weisen. Gewöhnlich wurde ein solcher Glückspilz, um den Adeligen nicht im Wege zu sein, mit einer Pension nach Hause geschickt. Uebrigeus auch dem niederen Adel blieben die hohen Chargen unzugänglich. Wie demoralisierend ein solches Protektionswesen auf die Armee einwirken muste, lässt sich leicht bemessen. Die elende Besoldung, die noch elendere Kost und mangelhafte Verpflegung ') bewirkte eine Gährung unter den gemeinen Soldaten, die sich gelegentlich in recht unangenehmer Weise fühlbar machte ") und beim Ausbruch der Revolution die verhängnisvollsten Früchte trug. Der Gefangene, den der Soldat zu bewachen hatte, war viel besser daran als dieser; er bekam Brod ohne Kleie, der Soldat muste es mit Kleien essen Daher war es auch nur die liefe, der Auswurf des Volkes, der sich zum Soldatendienst hergab. Hiemit fand sich die Reihe der möglichen Carrieren erschöpft. Die geistige Ueberproduktion des Mittelstandes blieb, wie man sicht, rein auf die Schriftstellerei angewiesen. Aber eben diese Erscheinung lässt uns begründete Schlüsse auf den Stand selbst ziehen, aus welchem die zahlreichen Schriftsteller dieser Epoche beinahe ausschliesslich hervorgegangen sind. Er war entschieden nicht nur bildungsfähig, sondern, und das ist besonders hervorzuheben, auch bildungssüchtig. Er stellt bei der faulen Frucht, mit welcher man die damalige Gesellschaft vergleichen kann, den gesunden, fortpflanzungsfähigen Kern vor. Zu seinem Glücke hat ihn die Kluft, die ihn von den hohen Klassen trennte, vor der um sich greifenden Sitten Verderbnis bewahrt. Die bürgerlichen Familien blieben auch beinahe die einzige Zufluchtsstätte der guten, alten, patriarchalischen Sitte, und hoben sich vortheilhaft gegen die der privilegierten Kreise ab. Dem Familienoborbaupto lag vor allem die Erziehung der Kinder am Herzen ; die Söhne studierten zumeist, die Töchter wurden, zumal bei den wolhabenden Industriellen in die Klöster geschickt, wo sie zugeich mit den Töchtern der Adeligen erzogen wurden. ') Der Soldat batte 6 Sous täglich, ein enges Bett für zwei, Brod, wie für einen Hund und lange Jahre hindurch Hiebe, wie ein Hund. „Bei der Mittelmässigkeit der Soldatenlöhnung“, sagt ein Ekonomist, „bei der Art der Kleidung, der Unterkunft und der Nahrung wäre es zu grausam, einen Ändern dazu zu nehmen, als einen Mann aus dem Volke.“ Das Offizierscorps bezog au Gehalten mehr als das ganze Gros des stehenden Heeres (46 Mill. gegen 40). faine 8. 512. ’) Bei einem Festmal, das ein Prinz von Geblüt unter einem grossen Zelte veranstaltet hatte, wurden Grenadiere zur Bedienung verwendet. Der Geruch, den diese Leute verbreiteten, beleidigte die zarten Nerven des hohen Gastgebers und er sagte etwas zu laut: „Diese guten Leute riechen ganz abscheulich nach Fusssocken.“ Ein Grenadier antwortete darauf barsch: „Das kommt daher, weil wir keine tragen 1“ Ein tiefes Stillschweigen folgte auf diese Antwort, (faine 8. 514.) Der den Franzosen angeborene Ilang zum Vergnügen iiusserte sich auch damals so wie heute im Besuche des Theaters, in der Fliege der Musik, in der Lektüre der Tageserscheinungen. Zeitungen gab es zwar anfangs, mit Ausnahme der „Gazette de France“, welche zweimal wöchentlich hcrnusgcgebon wurde und eines militärischen Wochenblattes, so gut wie keine. Dafür regnete es Memoiren, Flugschriften, Broschüren und Spottlieder, jo mehr man sich der grossen Umwälzung näherte. „Mancher Nationalgardist hat die Nacht hindurch gestickt, um sich am nächsten Tage seine Lektüre bestreiten zu können.“ (Taine.) Ueberbaupt scheint die Leselust eine spezielle Tugend der Pariser zu sein. In dieser Beziehung stelle ich sie mir vor der Revolution beinahe ebenso vor, wie ich sie aus eigener Anschauung kenne. Der Pariser von heute wäre nicht selig, wenn er nicht sein Tagblatt oder Blättchen in der Tasche hätte ; gelesen wird dasselbe, wie es eben Zeit und Umstände erlauben — im Tramwaywaggon, auf der Imperiale der Omnibusse, auf dem Seinedampfer und im Notfall auf einer Bank der Boulevards oder im Gehen. Bei den öffentlichen Concerten, bei und in den Theatern verkauft man nur Zeitungen, welche die Programme nebenbei enthalten. Wie anders liesse es sich bei der grossen Anzahl der verschiedensten politischen und sonstigen Blätter erklären, dass beispielsweise das einzige „Petit Journal“ 500.000 Exemplare drucken kann. Waren die damaligen Franzosen von einem ähnlichen Lesebedürfnis beselt, so erkläre ich mir daraus sehr leicht die rasche Ausbreitung der ' neuen Lehren. Bevor noch irgend ein Kritiker im Stande war, die Echtheit der gebotenen geistigen Nahrungsstoffe zu prüfen, zu zersetzen und zu verdünnen, waren dieselben längst dem lesenden Publikum ins Blut übergegangen. Daher kommt cs auch, dass für den Erfolg der damaligen, neuen literarischen Erscheinungen nicht dio Meinung der Kritik, sondern die des Publikums massgebend war. Mochten auch strenge Censoren ihr Veto eingelegt haben, mochten einzelne Schriften auf Gehciss der Parlamente durch Henkershand verbrannt worden sein, der Inhalt war nicht mehr einzudämmen, noch zu verbrennen, denn der war längst von den Geistern der Zeitgenossen absorbiert. Und dieser Prozess vollzog sich anfangs ganz im Stillen und beinahe unmerklich im Schoosse der Familien selbst. Deshalb hat man Unrecht, den ehemaligen Pariser beinahe ganz zu ignorieren, weil er nicht gewohnt war, aus sich ein Wesen zu machen und sich mehr auf den Kreis seiner Familie beschränkte ; das öffentliche Leben wurde ja eigentlich erst durch die Revolution geschaffen. Uebrigens gab es auch damals schon Bürgerliche, die sich in dem hier geschilderten Zeiträume ziemlich stark bemerkbar machten; ich meine dio Finanzmänner. Jo mehr dieselben in der öffentlichen Meinung stiegen, desto mehr fingen auch sie an, dem raffinierten Lebensgenuss, wie ihn der Adel sich zu verschaffen wüste, zu huldigen. Sie eröffneten Salons, die in geistiger Regsamkeit den Adeligen nicht nachstanden, sie an Glanz und Prunk aber sehr oft tiberboten. Mitunter wurden dieselben sogar zu Mittelpunkten der gosammten geistigen Regsamkeit; in ihren Räumen wurde über das Schicksal Frankreichs zu Gericht gesessen, hier wurden die giftigsten Pfeile, ebenso wie die mächtigsten Sturmböcke gegen die bestehende Ordnung der Dinge, gegen den morschen Staatsbau geschmiedet. Dabei nahmen die Frauen, wo sie in solchen Reunionen den Vorsitz führten, nicht gerade den geringsten, mitunter freilich einen nicht eben vorteilhaften Einfluss auf die Werke der Schriftsteller. Auch waren es gerade und vornehmlich die Salons, d. h. der geistreiche empfängliche Theil der hohen und mittleren Gesellschaft, für welche die Schriften der Autoren berechnet, für welche sie in erster Linie verfasst waren. Daher erklärt sich auch, dass die Literatur des achtzehnten Jahrhundertes in einem gewissen Sinne eine ebenso einseitige Salonliteratur werden muste, wie die des siebzehnten eine exklusive Hofliteratur geworden war. Aber so wie diese dadurch an Erhabenheit gewann, die ihr zum unerlässlichen Postulat wurde durch die unmittelbare Berührung mit dem erhabenen Monarchen, so gewann diese an Reinheit der Sprache, an Klarheit der Diktion, an Durchsichtigkeit der Gedankenfolge, au Prägnanz des Ausdrucks, an Anmut und Eleganz. Die ernstesten Stoffe, die abstraktesten Materien musten so behandelt werden, dass eine jede Dame, wenn sie überhaupt nur lesen konnte, im Stande war, sie zu begreifen; die zwanglose, geistreiche Plauderhaftigkeit wurde darin zu einer conditio sine qua non. Deshalb ist auch die Prosa in diesem Jahrhunderte vorherrschend und hat einen so hohen Grad der Vollendung erreicht. Der Anstand, die feine Sitte, die edle Ausdrucksweise, mit einem Worte : der glänzende Firniss, mit dem auch im gewöhnlichen Leben die innere Fäulnis übertüncht wurde, durfte nirgends, nicht einmal in der krassesten Zote, fehlen ; auch diese goutirte man mit Behagen, wenn sie den erwähnten Anforderungen der Gesellschaft Genüge that. Die wütendsten Angriffe gegen die Regierung und gegen den Adel wurden rasend beklatscht, wenn sic in edle Form gefasst, mit Anstand vorgetragen, oder unter der bengalischen Beleuchtung zündender Geistesblitze und prickelnden Humors vorgeführt wurden. So hat diese Gesellschaft, für welche die äussere Form im Leben und in den Schriften Alles war, den Inhalt der Form wegen mit in den Kauf genommen. Jener war ihr nur ein Gegenstand der Unterhaltung wie jeder Andere, willkommener als jeder Andere, da er mehr Gelegenheit bot, den eigenen Geist glänzen zu lassen, Sie hätte ihr eigenes Todesurtheil bewitzelt und unterschrieben, wenn es nur mit dem gebührenden Ceremoniol, mit der nötigen graziösen Handbewegung, mit dem erforderlichen, verbindlichen Lächeln und in einer den Umständen entsprechenden Form unterbreitet worden wäre. ') Und sagen wir es nur gleich heraus — sic hat es ') Folgende Begebenheit, bei der ea sich um nichts Geringeres, als um einen Gang auf Tod und Leben handelte, mag die übertriebene Courtoisie der Adeligen illu- 1 »frieren. Der Herzog von Bourbon wurde vom Grafen von Artois, der sein Vorgesetzter war, beleidigt. Als solcher muste ihm dieser ein Rencontre anbieten. „Sobald der Graf den Herzog bemerkte“, (so erzählt nämlich Herr v. Bezeuval, der Zeuge des Duells) »sprang er aus seinem Wagen, gieng direkt auf ihn zu und sagte zu ihm mit lächelnder auch gcthan. Mit derselben Grazie bestieg sie das Schaffet und starb ein Lächeln auf den Lippen. Aber nicht nur Geist, Anmut und Eleganz wird gefordert und geboten, sondern auch diejenige Würze der Schriften und des Lebens, welche sich von Anfang an, wie ein roter Faden durch die ganze französische Literatur dahinzieht — das echte gallische Salz: Witz, Humor, Spott, Satyre. Diese, zumal die letzteren zwei liegen schon in der Natur des französischen Volkes, so dass schon Boileau ganz gut sagen konnte: „Le Framjais est né malin“, das heisst mit anderen Worten : der Franzose kommt als Satyriker auf die Welt. Thatsächlich finden wir von Beaumarchais und seinem Figaro zurück bis auf die Troubadoure und ihre Rügoliedor, dass mit wenigen Ausnahmen alle französischen Dichter und Schriftsteller mehr oder weniger Satyriker waren, wenn sie sich auch nicht direkt mit der Satyre als Dichtungsgattung befassten; und sie ragten und ragen noch um so mehr über die anderen hervor, je mehr sie ihren Schriften von dieser speziell gallischen Ingredienz zusetzen. Aber mehr als irgend wann begegnet man derselben im achtzehnten Jahrhundert. Sie findet sieh vor in allen Nüancen, von der lieblichsten Schalkhaftigkeit bis zur bittersten Entrüstung, von dem anmutigen Kräuseln der Lippen bis zum herbsten Hohn gelachter. An der reichbesetzten Tafel des philosophischen Festmals gab es kein Gericht, das nicht in irgend einer Weise damit gewürzt worden wäre. Jeder Gaumen iaud dabei seine Befriedigung, denn die Gesellschaft, die sich zu dieser Tafel setzte, verlangte vor Allem piquante Nahrungsstoffe. Darauf waren die Köche bei der Zubereitung zumeist bedacht und trafen in der Regel die rechte Mischung. Von den Lettres persanes bis zum Mariage de Figaro wurde dem verwöhnten Publikum durch Montesquieu, Voltaire, Rousseau, Diderot, Beaumarchais ein Leckerbissen nach dem ändern vorgelegt und gierig verschlungen. Um die Folgen kümmerte man sich gar nicht, wie man sich überhaupt um nichts Anderes kümmerte, als um das, was Unterhaltung und Vergnügen bot. Hie und da fielen auch einzelne Brocken unter das Volk und trieben in dem Gehirn des gemeinen Mannes den tollsten Spuck. ') Miene: „Mein Herr, die Leute behaupten, dass wir uns Buchen.“ Herr v. Bourbon er- wiederte, indem er den Hut abnahm: „Mein Herr, ich bin hier, um Ihre Befehle ent- gegenzunehmen.“ „Um die Ihrigen auazuführen“, antwortete der Graf, „müssen Sie mir gestatten, bis zu meinem Wagen zu gehen.“ Er kommt mit dem Degen in der Hand zurück. — Nach einiger Zeit trennt man sic; die Zeugen halten dafür, dass der Ehre Genüge geschehen sei. „Ich bin weit entfernt, mir darüber eine Meinung zu erlauben-Herr v. Bourbon muss sagen, was er will, ich bin da, um seine Befehle entgegenzunehmen.“ „Mein Herr“, sagt v. Bourbon, indem er die Spitze seines Degens senkt, „ich bin für Ihre Güte von Dankbarkeit durchdrungen und werde nie die Ehre vergessen, welche Sie mir erwiesen haben.“ (faine S. 184.) In einem Hanse, das Fräulein Arnoult vom Herzog v. La Vrilliòro in Pacht nahm, rauchte ein Kamin. Sie gab ihrem Diener Thomas den Auftrag, an ihrer Statt mit dem Eigentümer darüber zu sprechen. „Mein Fräulein, sagte Thomas, „ich habe den Herrn Herzog v. L. V. gesprochen und zwar als Philosoph, als Bürger.“ „Schönen Dank, mein Herr“, unterbrach ihn das Fräulein, „es wäre viel besser gewesen, mit ihm als Kaminfeger zu sprechen.“ (Breitinger.) Während aber Voltaire, Montesquieu und Diderot die Schriftsteller der entschieden gebildeten Kreise der hohen Gesellschaft waren und erst allmälich durch diese selbst, also mittelbar, ihren Ideen in die unteren Schichten Eingang verschafften, so waren Rousseau und dessen Schüler Beaumarchais diejenigen, welche direkt und wissentlich Einfluss auf die Menge übten. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass Rousseau’s Schriften nicht ebenso eifrig von den ersteren gelesen worden wären, 'faine erzählt, dass eine Dame, welche sich anschickte, zu einem Hof balle zu gehen und zufällig den auf ihrem Toilettetische liegenden pädagogischen Roman Emil in die Hand nahm, sich derartig in die Lektüre dos Buches vertiefte, dass sie Ball und Dienerschaft vergass und erst gegen vier Uhr Früh den Befehl gab, auszuspannen, um dann ungestört ihre Lektüre fortzusetzen. Rousseaus Lehren von der Rückkehr zur Natur und zur Einfachheit in den Sitten und in der Kleidung machten sich alsbald in der hohen Gesellschaft geltend. Die bunten, kostbaren Gewänder, die feinen Schuhe mit den bezeichnenden roten Absätzen wichen, wenigstens auf der Gasse, dunklen Wollanziigeu àia Franklin und grober Beschuhung. An die Stelle dek steifen Ceremoniels trat eine gesunde Umgangsform. Ein Oberst stellte z. B. den Soldaten seine Gemahlin mit den Worten vor: „Kinder, das ist mein Weib“. Die Etiquetts-maschinen von ehemals, welche nur für die parfümierte Salonluft und für die Wachskerzensonnen der Kronleuchter eingerichtet zu sein schienen, traten aus ihrem Egoismus heraus und fingen wieder an, sich in Gottes freier Natur als Menschen zu fühlen und für ihre Kinder und ihre Mitmenschen Interesse zu empfinden. So ist es wol auf Rousseaus Rechnung zu setzen, dass eines Tages der König und dessen Bruder, der Graf von Artois, einem Landmanne den eingesunkenen Karren aus dem Kote ziehen halfen. War es früher streng verpönt, vor der Gesellschaft seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen, so kam cs jetzt oft vor, dass Damen in Thränen ausbrachen, sobald sie des Verfassers der „Neuen Heloise“ ansichtig wurden, oder dass ihm die eine oder die andere weinend 11111 den Hals stürzte. Ja sogar die blasierten Dandys wurden durch Rousseau für die Natur, besonders aber für den Naturzustand begeistert, denn die Etiquette stellte sich ihnen noch immer in mancher Beziehung störend in den Weg. Aber wie ganz anders muste „der Apostel und Dolmetsch jener allgemeinen Reaktion des ungebundensten Realismus“ auf den dritten Stand einwirken. Ein Augenzeuge und competenter Richter '), Mailet Dupont schreibt darüber Folgendes: „In den mittleren und unteren Klassen hat Rousseau hundertmal mehr Loser gehabt, als Voltaire. Er allein hat den Franzosen die Doktrin der Souveränität des Volkes und ihre äussersten Consequenzen eingepfropft. Es wäre mir schwer, einen einzigen Revolutions-mann anzuführen, der nicht von seinen anarchischen Theorien fortgerissen und vom brennendsten Verlangen getrieben worden wäre, dieselben zu ver- ') S. Taine S. 414—415. wirklichen. Der Contract social, welcher die gesellschaftlichen Ordnungen auf hebt, war der Koran der schlagfertigen Sprecher von 1879, der Jakobiner von 1790, der Republikaner von 1791, sowie der grausamsten Wüteriche... Ich habe im Jahre 1785 Marat gehört, wie er auf öffentlichen Promenaden unter Beifallsgeklatsch einer enthusiasmierten Zuhörerschaft den Contract social vorlas und kommentierte." Die Angriffe Rousseaus auf die Regierung und die Gesellschaft giengen ebenso von Mund zu Mund, wie diejenigen, Voltaires gegen Staat und Kirche. „Rousseau ist aber kein langsamer Reformator, sondern ein dreister Revolutionär, der alle Begriffe auf die Spitze stellt, den Gebrauch mit dem Misbrauch verwirft, der Ueberfeinerung Barbarei, dem despotischen Staat anarchisches Waldleben entgegensetzt und sich, wie Byron sagt: ein schrecklich Monument baut aus alter Meinung Wrack, indem er Orakel entdeckt, die die Welt in Brand setzen und flammen, bis manch Königreich zerstört wird.“ ') Neben ihm entsteht und wird durch ihn hervorgerufen eine neue Gattung der Volkspoesie —- das saty rische Strasse nlied, welches auf die stammverwandten poetischen Erzeugnisse Villons „des Pariser Gamins“ zurückgreift und auf die gemütvollen Poesien Bérangers vorbereitet. Von ihm wird keine Ungerechtigkeit, kein Misbrauch, keine Schandthat verschont; denn kaum werden dieselben im Volke bekannt, so besingt man sie sofort auf Strassen und Plätzen. Die Censur kann weder sie, noch den Autor fassen, denn der ist unbekannt und der Skandal ist fertig, bevor die Polizei davon Wind bekommt. „Diese Chansons und Couplets werden eine furchtbare, von Jedem gehandhabte Waffe, ein allmächtiger, oft bis zur Erhabenheit entsetzlicher Ausdruck der öffentlichen Meinung. Ungestraft indignieren sie sich gegen den Schwindel der Finanzen, über die Maitressenwirtschaft bei Hofe. Ungestraft springen sie den Philosophen bei ihrem bald offenen, bald verborgenen Ringen mit der Polizei bei. Ihr Organ ist unverwüstlich — die Kehle des Gamins. So brechen sie eines schönen Tages aus den dumpfigen Arkaden des Palais Royal hervor, umtoben den Louvre und die Tuilerien, schweben über dem Gewühl der Boulevards und donnern an die Thore der Bastille.“ 2) Fast ebenso unmittelbar wie diese Chansons, wenn auch nicht so hinreissend, war die Einwirkung der Komödie auf die Monge. Schon früher hatten sich freisinnige Ideen auf die Bühne Bahn gebrochen und zwar in den nach englischem Muster in die französische Literatur eingeführten Rührstücken (comédies larmoyantes, tragédies bourgeoises), die seit Beaumarchais den Namen Drama (drame bourgeois, d. h. ein bürgerliches Trauerspiel mit befriedigendem Ausgang) führten. Diese treten aber vorläufig nur ganz schüchtern auf und hüllen sich in allgemeine philosophische Reflexionen. „Kühn angreifend, destruktiv im Sinne Rousseaus wurde die Komödie erst in Beaumarchais’ Figaro.“ ‘) Büchner 8. 807. ’) Büchner S. 838. II. Abschnitt. Beaumarchais’ Leben. Hat Jemand den satirischen Roman „die Abenteuer des Gii Blas von Santilana“ gelesen, so kann er sich von den wechselvollen Lehensherdehungen einen Begriff machen, welche der Verfasser von „Figaros Hochzeit“ in Wirklichkeit durchgemacht hat. Seine Jugendzeit erinnert vielfach an die Jugendjahre Rousseaus. l) Auch Beaumarchais, oder eigentlich Peter Augustin Garen, war der Sohn eines einfachen Uhrmachers Namens Andreas Garen aus der Strasse St. Denis, derselben, in welcher, oder wenigstens in unmittelbarer Nähe drei andere bekannte Schriftsteller : Regnard, Béranger und Scribe das Licht ') Es ist schade, dass Beaumarchais nicht ebenfalls eine Selbstbiographie verfasst hat, wie es Rousseau in seinen Confossions gethaa. Beabsichtigt hat er es zwar, denn unter seinen zurückgulassenen Papieren fanden sich einige wol geordnete Bündel, darunter eines mit der Aufschrift: „Papiers originaux, remis par M. de Sartines, maté- riaux pour les mémoires de ma vie. Unbegreiflich ist es, was ihn bewog, später hinzuzusetzen : „Inutile aujourd’hui“. Er hätte dadurch die vielen widersprechenden Uerüchte und mitunter nicht eben schmeichelhaften Anekdoten, die über sein Leben in Umlauf gesetzt wurden, unmöglich gemacht. Sein treuester Freund Gudin (de la Brenellerie) bereitete zwar für die von ihm veranstaltete Gesammtausgabe der Schriften unseres Autors, welche 1809 in 7 Bänden erschienen ist, eine umfangreiche Lebensbeschreibung vor, die aber auf Veranlassung der Witwh Beaumarchais im Manuskript blieb. Gleich zu Beginn unseres Jahrhundertes hat La Harpe in seinem „Cours de Littörature“ sowol die Schriften als auch das Leben seines intimen Bekannten sehr umständlich behandelt und sich redlich bemüht, dessen guten Ruf wieder herzustellen; aber er war nicht der Mann, die literarische Bedeutung und die rastlose allseitige Thätigkeit des zweiten Voltaire in das rechte Licht zu bringen und weist auch die gelieferte Lebensbeschreibung namhafte Lücken auf. Dasselbe lässt sich von einem Buche sagen, das noch zu La Ilarpo’s Lebzeiten (1802) in Paris erschienen war : „Vie privée, politique et littéraire de Beaumarchais etc.“ Paris, und ebenso von der über unseren Autor von St. Marc Girardiu veröffentlichten Abhandlung, welcher aber im Gegensatz zu La Harpe in seiner gewohnten, klaren und geistvollen Weise den wahren literarischen und sprachlichen Wert der Lustspiele festgestellt hat. Erst L. de Lomónies verdienstvolles Werk : »Beaumarchais et son temps“, Paris, Michael Lóvy frcres, 2 Bde, brachte in die Biographie Beaumarchais’ volles Licht. Do Loménie, ein Mitglied der französischen Akademie, unternahm es an der Hand der vorhandenen umfangreichen Correspondenz unseres Autor •nit seiner Familie, seinen Verwandten und vielen an Geist und Rang hervorragenden Männern ein getreues Lebensbild zu entwerfen und es gelang ihm auch vollständig. Das Werk ist doppelt interessant, da der Verfasser darin zugleich einen wertvollen Beitrag zur Kulturgeschichte jener Epoche geliefert hat. Die vorliegende Lebensbeschreibung ist daraus geschöpft worden. der Welt erblickten. Der Vater Caron stammte aus einer protestantischen Familie, kam, nachdem er kurze Zeit hindurch in einem Dragonerregiment gedient hatte, nach Paris und trat bei einem Uhrmacher in die Lehre. Schon nach zwei Monaten legte er seinen Glauben ab und trat zum Katholi-cismus Uber, wahrscheinlich deshalb, um ungehindert sein Gewerbe betreiben zu dürfen. Ein Jahr darauf hat er sich bereits als Meister etabliert. Wenn man seine geringe Abkunft und sein Vorleben bedenkt, so muss man über die Filile des Wissens staunen, das er sich offenbar durch eigenen Fleiss nach und nach erworben hat. Er war ein Mechaniker von Ruf und wurde als solcher von dem Gouverneur von Madrid über die verschiedenen Arten der Baggermaschinen zu Rate gezogen. Die literarischen Erscheinungen fanden in ihm einen eifrigen Leser; die Bekanntschaft mit denselben geht wenigstens aus den Briefen an seinen Sohn deutlich hervor. Sein Stil ist gut, oft sogar elegant und ein Hang zur Frömmigkeit macht sich allenthalben bemerkbar. Er brachte es aber nie zu einem Vermögen, zumal weil er bei dem Geldwaarongeschäfte, welches er neben der Uhrmacherei betrieb, grosse Verluste erlitten hatte. Seine Familie bestand aus fünf Töchtern und einem Sohn. Die älteste war an einen in Madrid angestellten Architekten Guilbert verheiratet und hatte ihre Schwester Marie-Louise (in der Familie schlechtweg Lisetto genannt) bei sich. Eine andere hatte einen berühmten Pariser Uhrmacher Lepine und eine dritte einen königlichen Beamten Miron. Unter den Schwestern war besonders eine, die ihren Bruder ganz besonders ins Herz gefasst hatte, aus Liebe zu ihm ledig blieb, die Vertraute seiner Herzensangelegenheiten wurde, später seine Wirtschaft führte und bis zum letzten Athemzug in Freud und Leid ihm getreulich zur Seite stand. Es war Julie, Julie von Beaumarchais, denn ihr allein hat der Bruder den Namen gegeben, den er berühmt gemacht hat ; ihr verdanken wir auch die meisten Details über die Jugendjahre unseres Dichters. Als das einzige männliche Glied der Familie qualifizierte sich dieser frühzeitig zum Haustyrann und machte von dem usurpierten Rechte oft einen ziemlich handgreiflichen Gebrauch. Julie, die sich am meisten von ihren Schwestern mit Versen befasste, berichtet in einem längeren Gedichte auch über ein Spiel, in welchem ihr kleiner Bruder in einem Fauteuil über seine Spielgenossen zu Gerichte sitzt und in ziemlich drastischer Weise seines Amtes waltet : Là, dana un fauteil peu commode, Caron, en forme de pagode, Représentait un magistrat Par la porruque et lo rabat. Chacun plaidait ù perdro tòte Devant ce juge malhonnote Quo rion ne pouvait émouvoir, Que le plaiair de faire pleuvoir Sour tona aea clienta une gréto De coup de poinga, de coups do pollo, Et l’audience no iiniasait Qu’upròa e’étro arraohó perruquea et bonnet. Damals ahnte wohl noch Niemand, dass der Knabe einst dieses Spiel in Wirklichkeit umsetzen wird, aber mehr noch als Angeklagter, denn als Richter. Der Vater Caron hielt streng auf die Zucht in seinem Hause und vor allem auf den Besuch des Gottesdienstes. Von den vier Francs, die er seinem Sohne als monatliches Taschengeld aussetzte, zog er zwölf Sous ab, wenn derselbe erst nach der Epistel in die Kirche kam, nach dem Evangelium das Doppelte, nach der Wandlung aber das ganze Taschengeld, so dass der Kleine oft ein erhebliches Defizit aufzuweisen hatte. Gudin erzählt, dass der Knabe die Schule zu Alfort besuchte, eine Art Pensionat, da er nur in den Ferialtagen nach Hause kam. Aber er verliess dieselbe schon in seinem dreizehnten Lebensjahre, also gerade in dem Alter des Pagen Cherubin in „Figaros Hochzeit“, besass auch damals alle Vorzüge und Untugenden, mit denen er dieses anmutige Figürchen ausgestattet hat. Dass Beaumarchais, als er es schuf, aus seinen eigenen Erinnerungen geschöpft hat, mag man aus dem folgenden Brief ersehen, den er um diese Zeit an seine Schwestern nach Madrid geschrieben, und den Julie durch eine Abschrift uns erhalten hat. Da ich selbst kein Dichter bin, so sei es mir gestattet, die gereimten Stellen desselben unübersetzt zu lassen. „Dame Guilbert et compagnie ') J'ai re?u la lettre polie Qui par vous me fut adressée, Et je me sena l’àme preasée D’une teile reconnaiasance, Qu’en Eapagne tout comme en France Je vous aime de tout mon coeur Et tiens à un très grand honneur D'ótre voi re ami, votre irò re ; -Songez à moi à la prióre. Euer Brief hat mir ein unendliches Vergnügen bereitet und mich aus einer finsteren Melancholie gerissen, die mich seit einiger Zeit quälte, mir das Leben zur Last machte und mich veranlasst, Euch in Wahrheit zu sagen : Quo eouvent it me prend envie D'aller au bout de l’univers, Eloignó des horames pervers, Passer le reste do ma vie I Aber dio Nachrichten, die ich von Euch bekommen habe, fangen an etwas Licht in incine Misanthropio zu werfen : Lisettcns leichte und unterhaltende Schreibweise verwandelt, indem sic mir den Geist aufheitert, meine finstere Stimmung in ein sanftes Sehnen, und cs scheint mir, ohne dass ich den Gedanken au meine Zurückziehung aufgebe, dass ein Gefährte vom ändern Geschlecht unbedingt mein Privatleben reizend gestalten könnte. ‘) Darunter ist Eisette gemeint. A ce projet l’esprit se monte, Le coeur y trouve sussi son compte, Et dans ces cbtiteaux en Espagne, Voudrait avoir gente compagne Qui joigriit à mille agróments De l’esprit et des traits charmante ; Beau corsage à couleur d’ivoire, De ces yeux stira de leur victoire, Tels qu’on volt en toi Guilbert. Je lui voutìrais cet air ouvert, Dette taille fine et bien faite Qu’ou remarque dans la Lisette ; Je lui voudrais de plus la faicheur de Fanchon ') Car, comme bien savez, quand on prend du galon . . . Jedoch aus Furcht, ihr könntet mir zum Vorwurf machen, dass ich einen zu sinnlichen Geschmack habe und der vergänglichen Schönheit wegen auf dauernde Annehmlichkeiten vergesse, so füge ich hinzu, dass Je voudrais qu’avec tant de grtice Elle eùt l'esprit de la Bacasse. ‘) Un certain gotit pour la paresse Qu’on reprocbe à Tonton a) saus cosso A mon Iris siérait assez.“ Im weiteren Verlaufe des Briefes finden sich einige unzarte Stellen, welche darthun, dass der .dreizehnjährige Beaumarchais nicht gerade an kindlicher Blödigkeit gelitten hat. Mögen die Zeitverhältnisse an dieser Frühreife mitschuldig sein oder nicht, so viel ist gewiss, dass Beaumarchais nicht weit hat suchen müssen, um Cherubin so darzustellen, wie er eben in „Figaros Hochzeit“ gezeichnet ist. Es lässt sich begreifen, dass der Vater Caron alle Mühe hatte, seines allzu lebhaften Sohnes, der frühzeitig die Bahn der unschuldigen Vergnügungen verliess, Herr zu werden. Er bestimmte ihn zum Uhrmacher, aber der Junge hatte zu allem Anderen Lust, nur nicht zu seiner Kunst ; am meisten liebte er die Musik, belästigte aber die ganze Nachbarschaft derart, dass ihm der Vater dieses Vergnügen zu verbieten genötigt war. Dadurch wurde die Sache nicht besser, denn der Bursche suchte sich anderweitig zu entschädigen und trieb es so weit, dass sich der Alte zu einem heroischen Entschluss aufraffen muste. Im Einvernehmen mit seinen Verwandten wies er eines schönen Tages unseren lieben Augustin aus dem Hause und war anfangs taub gegen alle Bitten und Versprechungen. Endlich gab er scheinbar dem Drängen der Mutter und der Verwandten nach, aber nicht eher, als bis der Sohn ein schriftliches Versprechen unterzeichnet hatte, künftighin keine Uhr zum Reparieren anzunehmen, oder auch nur einen alten Uhrschlüssel zu verkaufen ohne darüber Rechnung zu legen ; ') Die dritte Schwester, verehelichte Lépine. ’) Becassc «= Schnepfe, ein Spottname Juliens, wahrscheinlich daher, weil sie eine lange Nase hatte. ’) Die jüngste Schwester, nachmalige Frau Miro». im Sommer um sechs, im Winter um sieben Uhr aufzustehen ; nicht ausserhalb des Hauses zu soupieren, ausser Sonntags und bei Bekannten; die Musik aufzugeben bis auf die Flöte und die Viola; seine Ausgänge nie über die Zeit auszudehnen; bei seinem Vater zu speisen und von den 18fr., die er ihm monatlich geben wolle, allmälig seine Schulden zu bezahlen, Beaumarchais fügte sich rückhaltlos, versprach den pünktlichsten Gehorsam und hielt auch redlich sein Versprechen; denn seit dieser Zeit widmete er sich ganz der Uhrmacherei und machte seinem Vater alsbald eine besondere Freude mit der Erfindung einer neuen Hemmung für Pendeluhren. Er vertraute sein Geheimnis auch einem renommierten Uhrmacher, Namens Lepaute, der aber nicht Anstand nahm, sich die Erfindung anzueignen und dem jungen, unbekannten Manne, den er für ungefährlich hielt, den Rang abzulaufen. Kaum batte er sich damit im „Mercur“ — der einzigen damals erscheinenden Pariser Wochenschrift — annoncirt, als Beaumarchais, der übrigens damals noch immer den schlichten Namen seines Vaters führte, in einem geharnischten Briefe seine Erfindung gegen den Usurpator in Schutz nahm. Dieser Brief blieb natürlich nicht unerwiedert, aber Beaumarchais hielt sich tapfer; die Sache machte Lärm und der Minister des königlichen Hauses, Graf St. Florent, sah sich bemüssigt, den Streit der Akademie zur Schlichtung zu übergeben. Diese entschied zu Beaumarchais’ Gunsten und damit war auch sein Glück begründet. Denn mit dieser Hemmung war er im Staude, ganz platte, winzig kleine Uhren zu verfertigen, von denen der König (Ludwig XV.) selbst die erste ankaufte und für die Frau von Pompadour eine Uhr in Ilingform anfertigen liess. Auf diese Weise kam Beaumarchais wiederholt auf den Hof von Versailles und in die Gemächer des Königs; dieser liess sich und seinen Kavalieren bei einem Lever den Mechanismus der neuen Uhren umständlich erklären. „Beaumarchais’ angenehme Erscheinung“, schreibt dessen Freund Gudin, „seine hohe Gestalt, sein schlanker und dabei voller Wuchs, seine regelmässigen Züge, seine lebhafte, frische Gesichtsfarbe, sein sicherer Blick, etwas Imponierendes in seinem Wesen, das ihn über die Umgebung zu erheben schien und schliesslich das unwillkürliche Feuer, das der Anblick der Versailler Gesellschaft in ihm anfachte“, blieb zumal auf den schöneren Theil derselben nicht ohne lebhaften Eindruck. Die schöne, junge Frau eines alten Ilofküchcuschreibers verliebt sich in ihm, ihr Mann überlässt ihm gegen eine Leibrente, die der alto Caron sich zu zahlen verpflichtet, seine Stelle, und diese wird ihm auch durch ein königliches Dekret vom 9. November 1755 übertragen. Bald darauf (Jänner 1756) stirbt der alte Leibrentenbesitzer, der neue Hofküchenschreiber führt einige Monate später die Witwe heim, nimmt nach einem Lehen derselben den Namen de Beaumarchais an und debütiert damit bei Hofe. Wir sehen ihn da, den Degen zur Seite, den Fleischspeisen seiner Majestät ceremouiös vorangehen, um sic, bei der Tafel angelangt, eigenbändig zu servieren. Den Adelstitel, den er sieb beigelegt, trug er mit vollem Recht erst fünf Jahre später, als er um 85.000 fr. den Titel eines königlichen Sekretärs, mit welchem der Adel verbunden war, käuflich an sich brachte. Seine erste Ehe dauerte nicht lange ; schon im September 1757 wurde ihm seine erste Frau durch einen Typhus entrissen. Dieser, so wie der jähe Tod seiner zweiten Frau veranlassten später seine Feinde, ihn der Giftmischerei verdächtig zu machen, trotz dem Zeugnisse der vier oder fünf Aerzte, welche die erste Frau behandelt hatten. Thatsache ist, dass ihn der Tod derselben beinahe ruiniert hat. Es giebt Menschen, die vom Schicksale ebenso gehätschelt wie gehetzt werden, die dazu auserkoren zu sein scheinen, sich nie lange ihres Glückes freuen zu dürfen. Ein solches bedauernswerthes Glückskind war auch der zukünftige Verfasser des „Barbiers von Sevilla“, dessen Geistesund Charakterstärke durch die Launenhaftigkeit Fortunas oft auf eine harte Probe gestellt wurde. Diesmal war es ihm beschiedcn, sich bald von dem schweren Schlage zu erholen. Wir wissen, dass er mit Vorliebe Musik betrieb; er hatte eine hübsche Stimme, besass ein besonderes Talent für die Flöte und brachte es im Harfenspiel beinahe zur Meisterschaft. Die Harfe war damals gerade sehr in der Mode und Beaumarchais nahm am Pedal eine Verbesserung vor, die seinen Namen in musikalischen Kreisen bekannt machte. Das hatte zur Folge, dass die königlichen Prinzessinnen, welche die Musik besonders liebten, den jungen Controler zu hören wünschten und von seinem Spiel so entzückt waren, dass sie schliesslich bei ihm Unterricht nahmen. Als Musiklehrer hatte er zugleich die kleinen Concerte zu leiten, welche allwöchentlich in den Appartements der Mesdames de Franco von ihnen selbst in Anwesenheit des Königs, des Dauphins, der Königin Maria Leszinska und einer kleinen, auserlesenen Anzahl von Bekannten exekutiert wurden. Welche Klippe für den ehemaligen Uhrmachergehülfen — dieser allerhöchste Cirkel ! „Ich war zum Edelmann geboren“, sagte er fünfundzwanzig Jahre später durch den Mund seines Figaro und mit vollem Beeilt. Er war entschieden zum Edelmann geboren, denn mit Leichtigkeit wüste er sich seiner neuen Stellung und dem Charakter seiner Umgebung anzupassen. Selbstredend wurde er von denjenigen beneidet und angefeindet, die trotz ihrer hohen Abkunft einer solchen Ehre nicht theilhaftig wurden. Aber Beaumarchais besass nicht nur Geschick, sondern auch Geist, mehr noch als mancher von seinen Neidern und, wüste sich auf eine lbino Art aus manchem schlimmen Handel zu ziehen nicht ohne seinen Feinden eine derbe Lektion zu cr-theilen. Eines Tages, gerade als er im Hofkleide mit vielen Anderen aus den Gemächern der Prinzessinnen herauskam, zeigte ihm ein Edelmann eine kostbare Uhr und bat ihn, er möchte, da er sich ja auf die Uhrmacherei verstehe, dieselbe untersuchen; sie sei in Unordnung. „Mein Herr“, sagt Beaumarchais in ruhigem Tone, „seit ich mich nicht mehr mit dieser Kunst befasse, bin ich sehr ungeschickt geworden*! — „Ah! Mein Herr, schlagen Sie mir nicht diese Gunst ab.“— „Sei es: aber,ich sage Ihnen i»1 Vorhinein, ich bin ungeschickt.“ Dann nimmt er die Uhr, öffnet sie, hebt sie in die Höhe und macht, als ob er sie untersuchen würde; dabei wirft er sie auf den Boden, macht seinem Widersacher ein tiefes Kompliment: „Ich habe Sie auf meine grenzenlose Ungeschicklichkeit aufmerksam gemacht“, sagt er und überlässt es dem Ändern, die Trümmer seiner Uhr aufzulesen. Bei solchen blossen Böswilligkeiten blieben aber seine Neider nicht stehen ; da sie sich ihm geistig nicht gewachsen fühlten, so giengen sie zu groben Beleidigungen über. Beaumarchais muste sich schlagen und hatte das Unglück, seinen Gegner tödtlich zu verwunden. Dank der Ehrenhaftigkeit des Unglücklichen, der trotz dem Drängen seiner Familie den Namen des Partners mit ins Grab nahm, entgieng der Protégé der Mesdames de France schweren Verfolgungen. Er stieg auch von Tag zu Tag höher in ihrer Gunst, nur kostete ihm dieselbe viel Zeit und Geld, da er den Unterricht unentgeltlich ertheilte und in vielen Fällen selbst Musikalien und Instrumente herbeischaffen muste. Es erklärt sich daraus auch seine Ungeduld, aus der kostbaren Protektion Kapital zu schlagen. Wie gewöhnlich Hess auch jetzt die Gelegenheit nicht lange auf sich warten. Ein steinreicher und angesehener Finanzmann, Paris Du Verney, derselbe, welcher seiner Zeit auch den Grundstein zu" Voltaires Vermögen gelegt hatte, war vom Schicksale dazu bestimmt, auch aus Beaumarchais einen Millionär zu machen. Du Verney war in verschiedene, grosse Spekulationen verwickelt, von denen ihm eine am meisten am Herzen lag, zur selben Zeit aber nahe daran war, zu scheitern. Er hatte nämlich unter dem Protektorate der Frau von Pompadour, deren Freund er war, und kraft eines königlichen Dekretes eine grossartige Militärschule für angehende Offiziere gegründet. Das Gebäude, welches noch heute die Zierde des Marsfeldes in Paris bildet, war um 1760 beinahe fertig, eine Anzahl von Zöglingen war darin schon untergebracht, aber der Anstalt fehlte cs an einer ausgiebigen Unterstützung. Der Einfluss der Pompadour war durch den für Frankreich ungünstigen Verlauf des siebenjährigen Krieges im Sinken begriffen und die Abneigung der königlichen Familie und sogar der Minister gegen ein Werk, das unter ihrem Protektorate stand, drohte das Unternehmen im Keime zu ersticken. Der König verhielt sich dabei ganz passiv und gab den unausgesetzten Bitten Du Verneys und seiner Freunde, die Anstalt mit seinem Besuche zu beehren, kein Gehör. Da nahm der alte Finanzmann in seiner Verzweiflung Zuflucht zu dem jungen Harfenspieler, den er in Versailles bemerkte Und dessen intelligentes Aussehen ihm aufgefallen war. Und dass er den rechten Mann gefunden, zeigte der Erfolg. Was Bitten nicht vermögen, dachte Beaumarchais, das vermag die Neugierde, zumal bei Frauen. Er erzählte seinen hohen Gönnerinnen wiederholt so viel Schönes von der neuen Anstalt, forderte sie auf, sich von der Wahrheit seiner Worte zu überzeugen und bat um den Besuch 3 derselben, als um eine Gnade für sich selbst, indem er unumwunden auf die Vortheilo hinwies, welche ihm durch Du Vorneys Dankbarkeit erwachsen würden, bis die Prinzessinnen schliesslich doch seinem Drängen nachgeben musten. Ganz entzückt kehrten sie zurück, machten ihrerseits den König neugierig und brachten ihn endlich dazu, dem Verdienste Du Vcrneys gerecht zu werden. Von diesem Augenblick au zog der überglückliche Spekulant den geschickten und talentvollen jungen Mann in sein Vertrauen, weihte ihn in seine Unternehmungen ein, eröffnete ihm einen grossen Kredit, liess ihn an mehreren Spekulationen theilnehmen, stand ihm bei ändern mit seinem Rate bei ; kurz, er tliat alles, um sein Glück zu begründen und in ihm jenen Unternehmungsgeist zu wecken, der ihm zwar zu Millionen verhalt, aber zugleich auch die Quelle der mannigfachsten Trübsale wurde, die ihn bis an sein Lebensende verfolgten. Die Sachen giengen gleich anfangs so gut, dass sich Beaumarchais mit der vorerwähnten Sekretärstelle den Adel, und später, nachdem der Vater Caron, um die Carrière seines Sohnes nicht zu hemmen, auf sein Gewerbe verzichtet hatte, die Stelle eines Lieutenant generai des-chasses aux baillage et capitamene de la Varene du Louvre, d. h. beiläufig „Präsident-Stellvertreter beim obersten Jagdgericht“ — ein sehr hohes, aber wenig einträgliches Amt, kaufen konnte. Als solcher sass er in Abwesenheit des Herzogs v. La Vallière, d. h. immer, auf den goldenen Lilien im Louvre an bestimmten Tagen und in der entsprechenden Amtstracht über Wildfrevel oder sonstige Vergehen zu Gericht, welche gegen diesbezügliche königliche Ordonnanzen in der Vogtei und Forsthauptmannschaft des Louvre verübt wurden. Welche Ironie für einen politischen Satyriker von seinem Kaliber 1 In diese Zeit (1764) fällt die Episode seines Lebens, von der ich schon Eingangs Erwähnung gethan, nämlich die Reise nach Spanien und die All'aire Clavijo. Beaumarchais hat sich erst zehn Jahre später veranlasst gefühlt, und zwar auf Grund abscheulicher, während seines Prozesses mit Goüzman verbreiteter Vorläumdungen, dieselbe in das vierte Memoire aufzunehmen, aber gerade nur so weit, als es die Affaire Clavijo betraf. Ein herzzerreissender Brief der Frau Guilbort an den Vater gab zu dieser Reise dio unmittelbare Ursache. Lisotte hatte nämlich, wie man schon aus dem Trauerspiel Clavijo woiss, in Madrid dio Bekanntschaft eines talentvollen jungen Publicisten gemacht, der Jahre lang das Haus besucht und ihr das Versprechen gegeben hatte, sie zu heiraten, sobald er eine gesicherte Lebensstellung erlangt haben werde. Endlich war sein Streben von Erfolg gekrönt, er bekam die Stelle eines königl. Archivars ; das Brautpaar wurde in der Kirche verkündet, aber zur Trauung kam es nicht, denn Clavijo zog sich unter einem nichtigen Vorwand zurück. Es wurden sogar mancherlei Gerüchte in Umlauf gesetzt, die don guten Ruf dos Mädchens untergruben und das armo Wesen der Schande und der Verzweiflung prois-gaben. Beaumarchais, der ohnedies in Madrid wichtige Geschäftsunter- nelimungen sowol im Aufträge Du Verneys, wie in seinem eigenen Interesse anknüpfen sollte, reiste auf den erwähnten Brief hin sofort ab; er trug ausser einer bedeutenden Summe eigenen Geldes noch 200.000 fr. in Wechseln von Du Verney mit. Sein erster Weg war zu den Schwestern, um sich über die Angelegenheit genau zu informieren, sein zweiter zu Clavijo — genau so wie in Göthes Trauerspiel, in welchem die Freunde der Familie durch Buenco, die Freunde Clavijos durch Carlos repräsentiert sind. Die Szenen zwischen Beaumarchais und Clavijo sind beinahe wörtlich in das Trauerspiel übergegangen, ebenso die schriftliche Erklärung des Letzteren zu Gunsten Marie-Lisettens '); die Wiederversöhnung der Brautleute, der abermalige Rückzug Clavijos; die schmachvolle Verleumdung, die durch dessen Freunde ausgesprengt eine allgemeine Aufregung in der Stadt gegen Beaumarchais hervorgerufen; der Brief des französischen Gesandten, der seinen Landsmann von den geheimen Umtrieben gegen dessen persönliche Sicherheit in Kenntnis setzt und zur schleunigen Flucht rät : das Alles ist im Memoire und in Göthes Drama identisch. Von da geht aber die Dichtung von der Wirklichkeit ab. Beaumarchais war weit entfernt, seinen Widersacher zu tödten, er begab sich vielmehr zum französischen Gesandten nach Aranjuez. Als ihm dieser die brieflich gemachten Ratschläge wiederholte, ja sogar zu verstehen gab, dass er ihn vor dem Staatsgefängnisse nicht werde schützen können, bemächtigte sich eine tiefe Erbitterung des gehetzten Mannes. Er brachte die Nacht in düsterem Dahinbrüten im königlichen Parke zu und machte schon am frühen Morgen Anstalten, sich den Weg zum Könige zu bahnen. Sein Glücksstern führte ihm einen Landsmann, ein Mitglied des spanischen Ministeriums, Namens Whall, in den Weg und dieser verschaffte ihm bereitwilligst die erwünschte Audienz. Beaumarchais trug dem Könige den wahren Sachverhalt vor und die Folge davon war, dass Clavijo sofort seines Amtes entsetzt wurde. Der Zweck war theilweise erreicht, die Schwester gerächt und ihr Beleidiger, wenigstens für den Augenblick, moralisch und materiell vernichtet; aber sein Talent blieb ihm nach wie vor und bahnte ihm den Weg zu neuen Ehrenstellen und zur Wohlhabenheit, deren er sich noch lange Jahre erfreute. Deshalb war er auch nicht wenig erstaunt, als er ein Jahrzehnt nach diesem fatalen Zwischenfall erfuhr, dass man ihn auf allen deutschen Bühnen durch Beaumarchais’ Ilaud tödten lasse. Lisctte sollte nachher einen in Madrid ansässigen, französischen Kaufmann heiraten, aber die Sache zerschlug sich wieder. Beaumarchais blieb noch ein ganzes Jahr in Madrid und gieng seinen beabsichtigten Geschäften nach, konferierte mit den Ministern über eine ausschliessliche Ilandelskonzession mit Louisiana, über eine Lieferung von Negern an alle spanischen Kolonien, über eine Lieferung von Lebensmitteln an die ganze spanische Armee, verfasste Memoiren über die Kolonisation der Sierra Morena, über die Hebung des Ackerbaues, der Industrie ') Beaumarchais nennt »io in seinen Memoiren ebenfalls Marie schlechtweg. 3* und des Handels in Spanien. Dabei vernachlässigte er aber gar nicht die heitere Seite des Lehens; er war damals erst zweiunddreissig Jahre alt und mit geistigen und körperlichen Vorzügen reichlich ausgestattet, seine Rekom-mandationen öffneten ihm den Weg zu den höchsten Kreisen der Madrider Gesellschaft; wohin er kam, war er der Ilejd des Tages, überall gern gesehen, zumal im Palais des russischen Gesandten. Kurz, er spielte den Grand-seignour, den Almaviva mit all’ dem Leichtsinn, den ein solcher Salonlöwe selbstverständlich entwickeln muste. Da aber seine Unterhandlungen zu keinem befriedigenden Resultate führen wollten, so kehrte er nach Frankreich zurück. Hier knüpfte er seine Beziehungen zu einer reizenden Creolin von der Insel St. Domingo, einer Freundin seiner Familie, wieder an und war nahe daran, sie zu heiraten. Aber ihre zerrütteten Vermögensverhältnisse, so wie die grossen Verluste, welche Beaumarchais erlitt, als er dieselben heben wollte, scheinen seine Neigung abgekühlt zu haben. Es kam zum vollen Bruch und unser Spekulant büsste das verwendete Geld — ungefähr 24.000 fr. — ein. Unter dem Einflüsse dieser Neigung — ich möchte gerne sagen Liebe, aber es war dabei die Ueberlegung zu sehr engagiert — schrieb Beaumarchais, dem Tagesgeschmack huldigend und um sich von seinen Mühen und Sorgen zu erholen, zwei larmoyante Komödien (Rührstücke). Das erste, betitelt Eugénie, gieng unter gewaltigem Hochdrucke durch, das zweite, Los deux Amis, fiel platterdings und der Autor war vernünftig genug, auf dieser Bahn nicht weiter zu wandeln. ') Dafür war ihm ') Da dieso beiden Stücke verhältnismässig die schwächsten sind und ich nicht gesonnen bin, bei der Besprechung der Werke des Autors auf dieselben zurückzukommen, so sei es mir gestattet, gleich hier Einiges über dieselben zu erwähnen. Durch Diderot in die französische Literatur eingeführt, hatte das weinerliche Lustspiel, wie überhaupt jede Neuerung, grosses Aufsehen erregt. Aber Diderot war es nicht gelungen, durch Aufstellung vollendeter Muster dieser Dichtungsgattung volle Geltung zu verschaffen. Beaumarchais fühlte sich berufen, diesem Mangel abzuhelfen, verfasste zu dem ersten seiner Stücke eine Einleitung, welche gelungene Streiflichter auf das Wesen dieses Mitteldings zwischen dem Lust- und Trauerspiel warf, erfand dafür sogar den Namen Drama und hat thatsäohlich in seinen Leistungen, trotz der gegenteiligen Meinung der Zeitgenossen, seinen Meister Diderot übertroffen. Und doch ist die Benennung Drama das einzige, was davon übrig blieb. Eugénie wurde aufgeführt am 29. dünner 1767. Einige Szenen scheinen aus Verhältnisse des Autors zu der Creolin Paulino nach der Natur gezeichnet zu sein, so z. B. eine Musikszene. Das Interessante an dem Stücke ist aber, dass sich darin Beaumarchais’ eigentliche Natur, aber bislang noch ziemlich schüchtern offenbart. Sätze, wie: „Die natürliche Gerechtigkeit tritt überall da in ihre Rechte ein, wo die bürgerliche die ihrigen nicht geltend machen kann“, oder: „Sie lieben die Lords, die Leute von hoher Abkunft, ich verabscheue sie“ kündigen den seines Wertes und seiner Würde eich bowuston Ro-turior Figaro bereits an. Der Diener des Helden, der zum Schluss von seinem Herrn sagt: „Er ist hundertmal verruchter als ich!“ spielt im Stücke eine untergeordnete Rolf«, schlägt aber auch schon in die Familie der Figaros. „Die beiden Freunde“, 1770 aufgeführt, sind ein rein philosophisches und speziell kaufmännisches Drama, welches seiner Zeit auch in den deutschen Handelsstädten einigen Beifall fand, heute aber bis auf den Namen vergessen ist. Merkwürdiger Weise das Glück wieder anderweitig hold. Er heiratete wieder eine junge Witwe, die Nutzniesserin eines grosson Vermögens, das ihn in den Stand setzte, im Vereine mit seinem alten Freund Du Verney ein iiusserst lukratives Holzgeschäft, die Ausrodung des Waldes von Chinon, zu unternehmen. Es eröffnete sich ihm die Aussicht auf ein kolossales Vermögen und Beaumarchais warf sich mit seiner ganzen Kraft darauf. Da starb plötzlich (Juli 1770) sein Compagnon, vier Monate später seine Frau und die glänzenden Pläne giengen wieder in Trümmer. Er hatte glücklicher Weise noch unmittelbar vor dem Tode seines Freundes in Rücksicht auf dessen hohes Alter die gegenseitigen verwickelten Geldangelegenheiten in Ordnung gebracht; cs ergab sich dabei auf der Seite des Financiers ein Passivum von 15.000 tr., welche derselbe nach Belieben zurückzahlen konnte; zugleich verpflichtete er sich, Beaumarchais 75.000.fr. ohne Interessen auf acht Jahre zu borgen. Du Verneys Universalerbe, der Graf de la Blache, trat die Erbschaft, die sich auf eine und eine halbe Million belief, an, und das erste, was er that, war, alle Verpflichtungen seines Erblassers gegen Beaumarchais ausser Kraft zu setzen, die Richtigkeit des letzten Rechnungsausweises in Abrede zu stellen und auf den ehemaligen Geschäftsfreund seines Grossonkels geradezu den Schein der Fälschung zn werfen. Es war das ein ganz niedriger Racheakt. La Blache hegte seit langer Zeit einen inneren Groll gegen Beaumarchais, da dieser sich wiederholt zu Gunsten eines anderen Grossneffen bei Du Verney verwendet hatte. Die Sache kam vor Gericht. Beaumarchais sollte nicht nur seine 15.000 fr. verlieren, sondern den ganzen Betrag des beglichenen Passivums, 139.000 fr. bezahlen; durch die Klage selbst wurde er indirekt der Unterschriftsfälschung geziehen. Man sieht, dass es La Blache um nichts weniger zu thun war, als um den Ruin seines Gegners. Jedoch das Gericht entschied in erster Instanz zu unseres Autors Gunsten und der Graf sah sich genötigt, au die grosse Kammer des Parlaments zu appellieren. Die Sache zog sich ungemein in die Länge und La Blache, der einflussreiche Protektoren besass, liess kein Mittel unversucht, um seinen Prozess zu gewinnen. Schmähungen, Verläumdungen, Verdächtigungen wurden in Flugschriften über den Gegner verbreitet. Dieser blieb auch nicht die Antwort schuldig; daneben gieng er aber seinen Ge-, schäften nach und verfasste zu seiner Erholung den „Barbier von Se-v i 11 au, aber diesmal erst als komische Oper für das damalige italienische 1 heater. Da das Stück in dieser Form nicht angenommen wurde *), so batte Beaumarchais gerade für dieses vom Publikum am stiefmütterlichsten behandelte Stück die meiste Vorliebe und hoffte noch immer, dass es doch einmal anerkannt wird. Wiederholt machte er die Schauspieler des Théàtre-Fran^ais auf dasselbe aufmerksam und forderte sie auf, dasselbe wieder aufzunohmen, aber vergeblich. Auf die Inhaltsangabe der beiden Stücke muss ich wol dos beschränkten Raumes wegen verzichten. ') Gudin erzählt in seinen Unterlassenen Memoiren, dass Beaumarchais die Abweisung nur dem ersten Schauspieler Clairval zu verdanken hatte, welcher früher in ver- arbeitete er es um und war eben damit beschäftigt, es im Théàtre-Frangais auf die Bühne zu bringen, als ihn ein heftiger Streit mit dem Herzog von Chaulncs ins Staatsgefängnis von Fort l’Eveque brachte. Der Herzog war als rabiater Mensch bekannt und Beaumarchais wäre, obzwar er an dom Wutausbruche ganz unschuldig war, ohne seine Geistesgegenwart und die Dazwischeukunft seiner Diener im eigenen Hause von dem Wüterich umgebracht worden. Unser Gefangene legte Protest auf Protest ein, verlangte die Ursache seines Unglückes zu wissen, aber man hörte nicht auf ihn. Diesen Umstand benützte nun La Blache, um seinen Prozess zu urgicren, Der Tag der Entscheidung rückte immer näher heran und Beaumarchais verzweifelte beinahe schon bei dem Gedanken, dass er nichts zu Gunsten seiner Sache vornehmen könne, als er in der zwölften Stunde vom Minister Vrillière die Erlaubnis erhielt, unter polizeilicher Aufsicht seine Richter besuchen zu dürfen. So verlangte es die damalige Sitte. Der einzige, der ihm den Zutritt verweigerte, war der Parlamentsrat Goezman. Erst nachdem der Angeklagte durch eine Mittelsperson, einen gewissen Buchhändler Le Jay, der Frau Rätin hundert Louisd'or, eine Repetieruhr von gleichem Werte und fünfzehn Louisd’or, die sie selbst für den Sekretär ihres Mannes verlangt hatte, zukommen liess, wurde er nach mehreren vergeblichen Wegen endlich vorgelassen. Aber das ganze Wesen Goezmans liess ihn nichts Gutes ahnen. Den Tag darauf verlor er den Prozess und sein Widersacher gieng mit der grösteu Jdärtc gegen ihn vor. Die ganze Habe wurde mit Beschlag belegt, so dass Beaumarchais seine Familie anderwärts unterbringen muste. Wol wurden ihm, gemäss dem UÜbereinkommen, die hundert Louisd’or und die Uhr zurlickgestellt, jedoch die fünfzehn Louis’dor zurückbehalten. Das ärgerte den Verurthoilten, er verschaffte sich Gewissheit, dass der Sekretär sie nicht bekommen hatte und machte Skandal. Die Frau Rätin, welche offenbar diesen schmählichen Handel auf eigene Faust betrieb, hinderte ihren Mann nicht, im guten Glauben, dass ihr Unrecht geschehe, zu den äussersten Mitteln zu greifen. Dieser versuchte zuerst, sich gegen Beaumarchais, der nach seiner Freilassung wieder auf die Inszenierung des Barbiers bedacht war, einen Verhaftsbrief (Lettre de cachet) zu verschaffen, und nachdem ihm dies nicht gelungen war, klagte er denselben direkt der versuchten Bestechung und der Verliiumduug an. So hatte der grosso Prozess, der unseren Dichter beinahe um das ganze Vermögen gebracht, einen zweiten im Gefolge, der darnach angethan war, ihn um seine Stellung in der Gesellschaft und um seine politischen Rechte zu bringen. Wurde er schuldig erkannt — und das war zu erwarten, denn das damalige Parlament, welches ohnedies auf schwachen Füssen stand, konnte einen so schweren Verdacht aut einem seiner Mitglieder nicht ruhen lassen — so erwartete ihn das Aergste nach der Todesstrafe, „omnia citra mortem“ sagte das Gesetz — also der Pranger. schiedenen Pariser Offizinen als Barbier in Condition stand und einen unüberwindlichen Widerwillen besass gegen Alles, was ihn daran erinnerte. Auf diese Art begann jener Prozess, der für die spatere Entwicklung der Dinge in Frankreich von grösser Tragweite war, der in ganz Europa Sensation erregte und weit entfernt, den Angeklagten zu vernichten, ihn vorübergehend zu einer berühmten Persönlichkeit machte. Um die politische Wichtigkeit dieses Prozesses begreiflich zu machen, muss ich auf die gelegentlich besprochenen französischen Parlamente noch einmal zurückkommen. Da dieselben durch ihre Anmassung in politischen Fragen der Regierung immer unbequemer wurden, raffte sich Ludwig XV. zu einer entscheidenden That auf. Er berief einen Mann aus ihrer Mitte, Namens Maupeou, zum Kanzler und übertrug ihm die schwere Aufgabe, die Parlamente dem Willen des Königs wieder gefügig zu machen. Da dies nur durch einen Gewaltakt zu erreichen war, so drängte Maupeou mit Hülfe der Mme. Dubarry den noch zögernden König zu dem Edikt vom 7. Dezember 1770, welches die bisherige Organisation der Parlamente umgestaltete. Das Pariser, das mächtigste und tonangebende, protestierte dagegen, wurde aufgehoben, die Stellen konfisziert, deren Eigentümer verbannt und in aller Eile ein Parlament nach der neuen Ordnung eingesetzt. Da die Parlamente in den Provinzen nicht ermangelten, dem Beispiele ihres Vorbildes zu folgen, so wurde mit ihnen auf dieselbe Weise verfahren. Dies brachte einen wahren Sturm in allen, zumal in den unteren Schichten der Bevölkerung hervor, da diese in den alten Parlamenten eine Stütze ihrer Freiheit, einen Damm gegen die Willkür des Königs und seiner Minister erblickten. Alle Prinzen von Geblüt erklärten, die neu eingesetzten Richter nicht anzuerkennen, alle Advokaten gaben sich das Wort, vor dem neuen Parlamente nicht zu plädieren, von allen Seiten regnete cs Pamphlete auf den König, die Dubarry und Maupeou. Thatsächlich gab cs auch im Anfang weder Kläger noch Angeklagte; aber Maupeou liess sich dadurch nicht beirren, er rechnete darauf, dass kein Sturm ewig dauern könne, dass er sich schliesslich austoben müsse. Seine Voraussetzung traf ein; anscheinend waren die Gemüter beruhigt, aber unter der Asche glimmte es fort. Da fachte der Prozess gegen Goczmann die alten Leidenschaften wieder an. Ein Richter des verhassten Parlaments stand im Verdacht der Bestechlichkeit — das war noch nie dagewesen ! Da der Streit ein Kriminalfall, war, so sollte nach der damaligen Gerichtsordnung die Verhandlung bei geschlossenen Thüren geschehen. Eine Ordonnanz vom J. 1769 verbot zwar bei Todesstrafe die Herausgabe aufregender Schriften und schickte deren Colporteure auf die Galeeren, aber es kümmerte sich Niemand um solche Ordonnanzen, am allerwenigsten Beaumarchais. Das Parlament, dem es um seine Würde und die damit verbundene Existenz ging, muste mit den schärfsten Mitteln gegen denjenigen auftroten, welcher der Autorität eines ihrer Mitglieder nahe trat; Beaumarchais konnte also nur dann auf ein milderes Strafausmass hoffen, wenn die öffentliche Meinung hinter ihm stand, und da blieb ihm keine Wahl, er muste die Angelegenheit au die grosse Glocke hängen. Memoiren zur Aufklärung des Publikums bei Kriminalsachen, die hinter verschlossenen Thiiren gehalten wurden, waren etwas Gewöhnliches; sollten sie aber die beabsichtigte Wirkung haben, so musten sie das Publikum interessieren. Und sie interessierten es, ja noch mehr als das: „Beaumarchais wüste durch dieselben die im Publikum verbreitete Voreingenommenheit zu zerstören, die Neider zu entwaffnen, die Uebclwollenden umzustimmen, den Theilnahmsloscn Liebe einzuflössen.“ Von allen Seiten giengen ihm Beglückwünschungen, Dankschreiben, Aufmunterungen, Andeutungen, Pläne zu neuen Memoiren, sogar fertige Streitschriften zu. Voltaire, der sich ursprünglich auf Maupeous Seite geschlagen, desertierte unter dem Eindrücke dieser Prozesspamphlete. Er schrieb über ihren Verfasser an d'Alembert: „Welch’ ein Mensch! Er vereinigt Alles, Scherz, Vernunft, Frohsinn, Kraft, Rührung, aller Arten Beredtsamkeit, und sucht nicht und verwirrt seine Gegner und giebt Lektionen seinen Richtern.“ Man behauptet, dass Ludwig XV. selbst darin mit Behagen las und dass die Gonfrontationsscene zwischen Beaumarchais und der Frau Goezman bei der Dubarry aufgeführt wurde. Mit jedem neuen Memoire stieg die Popularität des Angeklagten und die Schauspieler der Comédio-Frangaise, die darin ihren Vortheil sahen, kündigten den „Barbier von Sevilla“ an. Es schien, als sollte es ihnen gelingen ; das Theater war schon mehrere Tage zuvor ausverkauft, das Publikum voller Spannung — man erwartete Anspielungen auf den Prozpss : da wird zwei Tage vor der Aufführung das Stück verboten und sogar die Plakate mit Beschlag belegt. Am selben Tag, 10. Februar 1774, veröffentlichte unser Autor sein viertes Memoire, das schärfste von allen, in welchem ausser Goezmann und seiner Frau noch einige ihrer Mitarbeiter und Parteigänger, darunter Marin, der Redakteur des „Journal de France“, der sonst auch als Censor fungierte, und ein gewisser Arnauld Baculard in beinahe unerhörter Weise angegriffen wurden. Man kann sich leicht denken, mit welcher Spannung man dem Tage des Urtheilsspruches entgegensah. In den Augen des Publikums waren die Gegner Beaumarchais’ längst verdammt und er allein freigesprochen. Man schwärmte geradezu von ihm. „Sie sind wol“, schreibt eine Dame, „diesen Leuten sehr viel Dank schuldig. Ihre besten Freunde hätten Ihnen durch ihre Lobeserhebungen und durch ihre Zuneigung nicht so viel Geltung verschaffen können, wie es Ihre Feinde gethan, indem sie Sie zwangen, über Sich Selbst zu sprechen. Grandisson, der vollständigste Romanheld, reicht Ihnen nicht bis zu den Knöcheln. Wenn man Ihnen zu diesem II. Clavijo folgt, zum H. Whall, in den Park von Aranjucz, zum Gesandten, zum König, so stockt einem der Athom, man zittert, man entrüstet sich mit Ihnen. Wie wunderbar schildern Sie das Alles, mit welcher Energie in Geist und Ausdruck, mit welcher unglaublichen Mischung von Wärme und Klugheit, von . Entschlossenheit und Empfindung, von Genie und Anmut.“ Endlich war der Tag gekommen; die Sitzung dauerte bis in die Nacht hinein. Trotzdem hatte sich eine grosse Monge Menschen vor dem Palais de Justice, auf dessen Stufen und in den weiten Gängen angesammelt, um den Urtheilssprueli aus erster Quelle zu schöpfen. Wer kann nun den Ausbruch der Wut schildern, der die Leute bei der Nachricht erfasste, dass sowol die Frau Goezmann, als auch Beaumarchais, das heisst, die Schuldige und der Unschuldige zur sog. Blume *) verurtheilt wurden. Man überhäufte die Richter, die so unvorsichtig waren, den Sitzungssaal durch den Haupteingang zu verlassen, mit Schmähungen und spuckte ihnen ins Gesicht. Sie trauten sich auch gar nicht mehr die Urtheilsceremonio an dem Angeklagten auszuführen. Am ändern Tage liess sich eine ganze Reihe hoher Persönlichkeiten bei dem Verurtheilten einschreiben. Ein Prinz und ein Herzog gaben ihm zu Ehren ein glänzendes Fest. „Wir sind“, schreibt der erstere (der Prinz von Conti) in dem betreffenden Einladungsschreiben, „aus einem genug guten Hause, um Frankreich ein Beispiel zu geben, wie man einen grossen Bürger, wie Sie, behandeln soll.“ Das geschah einem Menschen, den der verhasste Gerichtshof soeben „ehrlos“ erklärt hat. Ueborall, wohin er kam, wurde er mit Beitallsbezeugungen begrüsst. Sein Freund Gudin erwähnt noch einen viel nachhaltigeren Erfolg der Streitschriften. Eine junge Dame, aus einer angesehenen schweizer Familie verliebte sich in ihn, ohne ihn gesehen zu haben und wurde später seine Frau. Aber alle Beweise der Freundschaft und Verehrung waren nicht im Stande, die fatalen Folgen der Blàme, die sich immer fühlbarer machten, zu tilgen. Für den Augenblick durfte Beaumarchais gar nicht daran denken, um seine Rehabilitierung anzusuchen, man hätte ihn bestimmt abgewiesen und neue Memoiren verfassen durfte er auch nicht, denn das wurde ihm durch den König ausdrücklich verboten. Dafür versprach ihm dieser, sich in der Folge für ihn zu verwenden, wenn er eine für die Frau Dubarry peinliche Angelegenheit mit Umsicht und Erfolg ordnen würde. Beaumarchais durfte sich die Sache nicht lange überlegen und so trat er notgedrungen als geheimer Agent in die Dienste Ludwigs XV. Dieser Umstand wurde unserem Dichter von vielen Seiten zum Vorwurf gemacht, aber mit Unrecht; es war ja nur ein Akt der Klugheit, der Notwehr, und jeder Andere an seiner Stelle würde nicht anders gehandelt haben. Beaumarchais begab sich nach London, um mit einem Libellisten, Namens Morand, über die Auslieferung und Vernichtung einer Schmähschrift zu unterhandeln. Die Sache gieng ziemlich glatt ab und unser Autor wähnte sich schon am Ziele seiner Wünsche ; da starb plötzlich Ludwig XV. ohne sein Versprechen eingelöst zu haben. Zum Glück brauchte sein Nachfolger zu einer ähnlichen Angelegenheit einen verlässlichen Menschen und unser geheime Agent begab sich zum zweiten Male nach der Themsestadt. Dies- l) Diese Strafe kam dem Verluste aller bürgerlichen und politischen Rechte gleich und bestand in einer eigentümlichen Ceremonie. Der Verurtheilte muste in Gegenwart des ganzen Gerichtshofes knieend die Worte anhören : „La courte te blàme et te ,declare infume. mal hatte er es mit einem schlauen Juden, Augelucci, zu thun, der ihm seine Mission ziemlich sauer machte. Nachdem derselbe die ausgehandelte Summe (35.000 fr.) in der Tasche hatte, gieng er ihm in Amsterdam mit einem Exemplar des gefürchteten Pamphlets durch. Beaumarchais eilt ihm in seinem blinden Eifer nach, holt ihn bei Nürnberg ein, entreisst ihm das Papier, wird aber gleich darauf von Räubern überfallen, die ihn ausplündern und kommt nur durch einen Zufall mit dem Leben davon. In der Angst, Angelucci könnte vielleicht ein zweites Exemplar der Schmähschrift verhehlt haben, reist er ihm bis Wien nach. Sein ungestümes, hastiges Wesen macht ihn verdächtig, er wird in Gewahrsam genommen und darf erst nach Frankreich zurückkehren, nachdem man sich von der Wahrheit seiner Worte überzeugt hat. Ein grösser Diamant, den die Kaiserin Maria Theresia ihm vor seiner Abreise zukommen liess, sollte die Indignation des königlich französischen geheimen Agenten besänftigen. In Paris angelangt, unterhandelt der durch das Parlament Maupeou Verurtheilte mit den Ministern und dem König über den während seines Londoner Aufenthaltes gefassten Plan, die amerikanischen Kolonien in ihrem Kampfe mit dem Mutterlande zu unterstützen, erhält schliesslich von der Regierung eine Million, behufs Ausrüstung einer Anzahl von Schiffen, weiss sich auf diese Art unentbehrlich zu machen und seine Rehabilitierung geht beinahe von selbst vor sich. Das Verdikt des Parlaments wird kassiert, Beaumarchais in alle seine Rechte eingesetzt und wir sehen ihn wieder mit den verschiedenartigsten Projekten beschäftigt. Während er eine Flotte von vierzig Schiffen ausrüstet, arbeitet er an der so oft verschobenen Aufführung des „Barbier von Sevilla“. Man muss ihm für seine Wiener Gefangenschaft doch etwas zu Gute kommen lassen. Kaum hatte er aber die Bewilligung zur Aufführung in der Tasche, so setzte er sich noch einmal dazu, und, um den schlimmen Ruf des Barbiers zu rechtfertigen, arbeitete er das ursprünglich ganz harmlose vier-aktige Stück, das eher eine dralle Posse, als ein satirisches Lustspiel vorstellte, um, fügte Szenen, Couplets, Anspielungen, Gemeinplätze, in solcher Menge ein, dass das Stück vor lauter Ueberladuug in fünf Akte zerlegt werden muste. Diese Umarbeitung gelang ihm so gut, dass der Barbier am Tage der ersten Aufführung (23. Februar 1776) mit Pomp durchfiel und notorisch ausgezischt wurde. Nach den Memoiren schliessend, versprach sich das Publikum Wunder, fand sich aber vollständig enttäuscht und gab seinen Gefühlen unzweideutig Ausdruck. La Harpe sagt diesbezüglich: „Es ist immerhin schwer, einer grossen Erwartung zu entsprechen. Das Stück sah so ziemlich einer Posse gleich. Die Weitschweifigkeit vieler Stellen verursachte Langeweile, die schlechten Witze brachten Eckel, die Schlüpfrigkeiten Entrüstung hervor“. Hat sich der Autor, durch seine früheren glänzenden Erfolge verleitet, alle Mühe gegeben, um sein Stück zum Falle zu bringen, so war er aber auch der Mann, um die Scharte wieder auszuwetzen. Das Stück war im Grunde genommen ganz gut, aber die Zuthaten entstellten es. Beaumarchais streicht mit Entschlossenheit Alles weg, was ihm anstössig scheint, bessert aus, wo es Not thut, kürzt sein Stück auf die vier ursprünglichen Akte ab und der Barbier — doch lassen wir eine Augenzeugin sprechen. Mme. Deffant, die geistreiche Correspondentin des Ilorace Walpolo schreibt an diesen unter dem 26. Februar 1775 : „Icli war gestern in der Beaumarcliais’schen Komödie, die man zum zweiten Male gab. Das erste Mal wurde sie ausgepfiffen, gestern hatte sie einen Erfolg, der alle Gränzen übersteigt: sie wurde in den Himmel gehoben, man klatschte Beilall, so dass mir Hören und Sehen vergieng.“ Seitdem wurde der Barbier bis zum Schluss der Wintersaison, d. i. bis zum 30. März 1775 beinahe täglich gespielt und hatte fort denselben Zulauf. Es war üblich, dass bei der letzten Vorstellung eines der hervorragenden Mitglieder der Comédie-Fran^aise eine Ansprache an das Publikum richtete (das sog. Compliment de clòture), in welchem es für die bisherige Gunst dankte und auf die künftige Saison vorbereitete. Beaumarchais erbietet sich, ein Compliment zu schreiben, verfasst aber an dessen Stelle ein einaktiges Lustspiel im Geiste und mit den Personen dès „Barbier von Sevilla“. Als der Vorhang aufgeht, ist das Publikum ganz überrascht, den Schauspieler Desessarts statt in Salontoilette, im Costume des Bartholo erscheinen zu sehen, der ein Papier in der Hand hält, als ob er erst das Compliment studierte und zwischen die Coulissen den Maschinisten zuruft : „Rougcau! Renard! hebet noch nicht den Vorhang auf, ich bin noch nicht bereit“, sich dann abwechselnd über den Autor beklagt und mit harter Mühe, gleichsam aus dem Stegreif, ein Compliment zu machen versucht, bis ihm die Darsteller des Figaro und des Almavia zu Hülfe kommen. Das äusserst launige und originelle Stückchen, von dem Einiges mitzutkeileu mir leider der beschränkte Raum verbietet, gefiel ausserordentlich und der Autor hatte die doppelte Genugthuung, vor Allem die verschrobenen Traditionen des Théàtre-Frangais, auf dessen Bretter nur das steife uniforme Salonstück zugelassen wurde, durchbrochen und das verwöhnte und verzogene Publikum gezwungen zu haben, an einer Posse mit Gesang Geschmack zu finden. Er liess nämlich in dem Einakter eines von den Couplets singen, die bei der ersten Aufführung ausgezischt worden waren und rächte sich jetzt an den Zuhörern, aber in einer ganz originellen Weise. Nach der Wiederaufnahme der Vorstellungen wurde der Barbier ganz flott weitergespielt. Da meldete sich plötzlich Beaumarchais zu seinem Antheil au den Einnahmen. Es gebührte nämlich dem Autor der zwölfte Theil de^, Bruttoerträgnisses nach alleinigem Abschlag der Regiekosten ; die Schauspieler wüsten aber jederzeit durch allerlei Kniffe diesen Antheil auf ein Minimum zu reduzieren, so dass die Autoren rein von ihrer Gnade abhiengen und mitunter ganz unbarmherzig geprellt wurden. Es kam sogar vor, dass bei 'einem sehr hohen Erträgnisse dem Autor ausgerechnet wurde, er habe noch daraufzuzahlen. Um der prekären Existenz der dramatischen Schriftstoller und ihren ewigen Zwistigkeiten mit dem Thóàtre-Framjais ein Ende zu machen, nahm Beaumarchais gegen das Letztere Stellung. Man brachte ihm 4506 fr. für zweiunddreissig Vorstellungen ; er verlangte eine datailierte Rechnung; die wurde aber schlechtweg verweigert. Daraufhin berief er alle dramatischen Schriftsteller zu einer Besprechung zusammen; es fanden sich aber nur dreiundzwanzig ein, constituirten sich zu der heute noch bestehenden Socióté des auteurs dramatiques und Beaumarchais wurde zum Präsidenten erwählt und mit der Verfechtung der Interessen der Gesellschaft betraut. Nach langen Zwistigkeiten — die Sache kam sogar vor Gericht — während welcher zumal das weibliche Contingent des Théàtre-Frangais die Pläne und Anstrengungen unseres Autors zu vereiteln wüste, blieb die Angelegenheit wieder beim Alten und erst die Revolution, die alle Privilegien kassierte, verhalt" den dramatischen Dichtern zu ihrem Rechte. Aber selbst da war es Beaumarchais, der die Angelegenheit vor die Nationalversammlung brachte und die Entscheidung derselben betrieb. So fand der Dichter des „Barbiers von Sevilla“, der ohnehin genug mit seinen mannigfachen Angelegenheiten zu thun hatte, und von einem Ende Frankreichs zum ändern reisen musto seiner amerikanischen Lieferungen wegen, noch Zeit genug, sich eifrigst um fremde Interessen zu kümmern. Mittlerweile wurden die Akten seines Prozesses gegen den Grafen La Blache dem Parlament von Aix zur Revision übergeben. Beaumarchais’ Widersacher, dem der mächtig wiederaufsteigende Kredit des berühmten Memoirenschreibers bange machte, trieb mit allen Mitteln zur Beschleunigung; Dieser aber, da er seiner Sache noch nicht ganz sicher war, wüste die Entscheidung bis zu dem Augenblick hinauszuschieben, wo er in der amerikanischen Angelegenheit den Ministern vollständig unentbehrlich geworden war. Im Juli 1778 sollte die Schlussverhandlung stattfinden. Beaumarchais reiste mit seinem Freunde Gudin nach der Provence und dirigierte zugleich von Marseille aus die ersten zwei Schiffe nach Amerika. La Blache hatte durch seine sechs Advokaten ein Memoire nach dem ändern publicieren lassen. Unser Autor beeilte sich nach seiner Ankunft in Aix, auf dieselben in seiner Weise zu antworten und gewann mit einem Schlage die öffentliche Meinung. Das Urtheil wurde zu seinen Gunsten gefällt und die guten Bewohner der proven^alischcn Hauptstadt feierten Beaumarchais, wie seiner Zeit die Pariser. Freudenfeuer, Musik und Gesang wechselten ab, wie bei einem Volksfeste. Inzwischen leisteten Beaumarchais’ Schiffe die ersten und wichtigsten Dienste in dem bald nachher entbrannten Freiheitskampfe; er hatte den Amerikanern alles Nötige zur Ausrüstung einer Armee von 25.000 Mann geliefert. Bald darauf gieng er auch als politischer Agent nach London und trug wesentlich zum Ausbruche des Krieges zwischen Frankreich und England bei. In der Seeschlacht bei der Insel Granada, in welcher der französische Admiral d’Estaing einen Thoil der englischen Flotte schlug, nahm Beaumarchais’ Kriegsschiff, Le Fier Rodrigue, den thätigsten Antheil. Capitäu Montaut fiel, der zweite Capitän erhielt den hl. Ludwigs-Orden; ein dritter Offizier dos Fier Rodrigue trat in die französische Marine über, brachte cs auf Beaumarchais’ Verwendung bald zum Admiral und bewahrte auch in dieser Stellung für seinen ehemaligen Chef die vollste Ergebenheit. Dieser setzte inzwischen mitten im Kriege seine Lieferungen fort ; vertragsmässig sollten die Amerikaner die Abzahlung in Rohprodukten leisten. Beaumarchais hatte bereits um fünf Millionen Waaren geliefert, aber beinahe gar nichts zurückbekommen. Erst nach langen Kämpfen gab man ihm zwei und eine halbe Million in Wechseln, die bei der prekären Stellung des jungen Staates keinen hohen Wert hatten, und behandelte ihn im Ganzen recht krämer-mässig und illoyal. Noch zum Schluss des vorigen Jahrundertes und ganz knapp vor dem Tode muste der vielgeplagte Mann des ausständigen Restes wegen einen Prozess beginnen, der erst von seinen Erben gewonnen wurde. Während er noch mit dem Congress zu Philadelphia um Anerkennung seiner Ansprüche haderte, stürzte er sich in ein nicht minder gewagtes Unternehmen, bei dem es unter den gegebenen Umständen voraussichtlich Millionen eher zu verlieren, als zu gewinnen gab, und das ihm auch vollständig misglücken sollte, nämlich — die Gesammtausgabe der Werke Voltaires. Kaum hatte unser nimmer müde Geschäftsmann erfahren, dass der Buchhändler Panckouck auf den Vorschlag der Kaiserin Katharina die Werke des bedeutendsten französischen Schriftstellers in Russland herausgeben wolle, so stürzte er sich kopfüber in das Unternehmen. Er eilte nach Versailles, stellte dem Minister Maurepas, seinem alten Bekannten und Voltaires speziellen Verehrer, vor, welche Schande dies für Frankreich wäre, und als sich dieser verbürgte, den Verleger gegen die Geistlichkeit und die Parlamente in Schutz zu nehmen, traf Beaumarchais sofort seine Massregeln. Er kaufte von Panckouck Voltaires hinterbliebene Manuskripte um 160.000 fr., bestellte aus England um 160.000 fr. der besten Lettern, schickte einen seiner Agenten nach Holland, um dort die Papierfabrikation zu studieren, kaufte in den Vogesen drei Papiermühlen und etablierte schliesslich nach längeren Unterhandlungen in einem alten Fort bei Kehl eine grossartige Druckerei. Es wurden zwei Ausgaben veranstaltet, wovon eine billigere im Zwölftelformat, zusammen 162 Bände in 15.000 Exemplaren. Der Prospekt erschien bereits im Jahre 1780, die ersten Bände wurden aber erst 1783 herausgegeben und der Druck im Jahre 1790 vollendet. Obzwar Beaumarchais nichts unterliess, obzwar er eine bislang ungekannte Reclame in Szene setzte, um sich Subscribenten zu verschaffen, so fanden sich ihrer trotzdem nur ‘2000 zusammen. Die lange Dauer des Druckes und die immer deutlicher herannahenden Unruhen waren dem Unternehmen ungünstig und es blieb dem Herausgeber für seine fabelhaften Anstrengungen und Geldverluste eine Unmasse bedruckten Papiers, die er in seinem neuerbauten Hause aufspeichern durfte. lu die Zeit zwischen 1780 und 1790 fällt Beaumarchais’ Glanzperiode. Er stand auf dem Gipfel seines Reichtums, seines Ansehens, seiner literarischen Thätigkeit, seines Einflusses auf die öffentliche Meinung. „Nachdem er durch die eigene Lebenserfahrungen11, sagt de Loménie, „die Üebel-stände einer Ordnung der Dinge dargethan, zu Folge welcher die Intelligenz, auf ihre eigenen Kräfte angewiesen, sich nur auf Umwegen empor- schwingen kann, so wird er sich jetzt auf irgend eine Weise für die zahllosen Kränkungen entschädigen, die er erduldet, um zu einer Stellung zu gelangen, welche ilm der Eifersucht seiner Feinde preisgab, ohne ihn vor ihrer Misachtung zu schützen. Er wird die ganze Gesellschaft belangen und sie dahin bringen, dass sie über sich selbst lacht. Er wird vorübergehend iu seiner Person das allseitige Bedürfnis nach Umsturz oder Reform vereinigen, auf eine unerhört kühne Weise die soziale Form, welche morsch war zum Zusammenfallen, mit der Beize der Ironie tränken, und mit seiner Narrenkappe und seinen Schellen viel furchtbareren Umsturzmännern den Weg zeigen.® Mit anderen Worten, er wird unter den grössten Schwierigkeiten, welche ihm das persönliche Verbot des Königs in den Weg legt, kraft seiner unwiderstehlichen Taktik und Energie seinen Figaro zum zweiten Male, aber diesmal in einer weniger harmlosen Form, auf die Bühne bringen und zu dessen Hochzeit alle Schichten der Gesellschaft zusammen trommeln, um sie alle der lteiho nach mit seiner Peitsche zu bearbeiten. Figaros Hochzeit oder Der tolle Tag wurde, wie ehemals der Barbier von Sevilla inmitten der widersprechendsten Beschäftigungen verfasst, 1782 der Comódie-Fran<;aise übergeben und von den Mitgliedern derselben mit Beifall aufgenommen. Zuerst muste aber das Stück die Censur passieren und wanderto zu diesem Behufe, so wie jedes andere, auf die Polizeipräfektur. Aus den Briefen Beaumarchais’ scheint hervorzugehen, dass es schon von da aus in die Hände des Königs gelangt und auf sein Verlangen vorgelesen worden sei. Mme. Campan, welche damals als Vorleserin fungierte, verlegt diese Lectüro des Figaro in eine spätere Zeit; aber davon abgesehen, bleibt ihre Mittheilung über den Eindruck, den das Lustspiel auf Ludwig XVI. gemacht hat, nicht minder interessant. „Das ist abscheulich, rief der König aus, das wird niemals aufgeführt. Man mäste ja die Bastille zerstören, damit die Aufführung dieses Stückes nicht gefährliche Folgen hätte. Dieser Mensch spottet über Alles, was man an einer Regierung achten soll. — Man wird es also nicht spielen? fragte die Königin iu einem Tone, der eine gewisse Neigung für das Stück verriet. — Nein, gewiss nicht, antwortete der König, Sie können sich darauf verlassen.® Das Schicksal des Lustspieles schien auf diese Art entschieden und es hätte auch nie das Licht der Bühne erblickt, wenn ein Anderer, als Beaumarchais, - sich als dessen Urheber bekannt hätte. Aber wir kennen schon einigermassen seinen Charakter. Jo mehr die Hindernisse wachsen, desto höher steigt sein Mut und seine Energie und es fasst ihn eine unbezwing-zwingbare Lust, sie zu überwinden. Die Umstände waren ihm günstig; denn die entschiedene Abneigung und das ausdrückliche Verbot des Königs weckte um so mehr die Neugierde der vergnügungssüchtigen Höflinge, so wie die der Salons. Es lag nur an Beaumarchais, dieselbe zu steigern, indem er sich anfangs entschieden weigerte und erst nach langen Bitten dieser oder jener hohen Persönlichkeit versprach, das Stück vorzulesen. Der Herzog von Frousac, der würdige Sohn des famosen Herzogs von Richelieu, wurde zweimal abgewiesen und sah sich genötigt, unserem Autor brieflich mitzu- theilen, dass er im Namen der Prinzessin von Lamballo gekommen sei, welche eine Lectiire von Figaros Hochzeit wünsche. Beaumarchais selbst erzählt von einer Vorlesung bei der Herzogin von Richelieu, bei welcher die höchsten Persönlichkeiten, auch Bischöfe und Prälaten anwesend waren und den Autor ermutigten, das Stück aufzuführen. So schlägt die Neugierde und mit ihrer Befriedigung der Verdruss, das Stück nicht aufgeführt zu sehen, immer weitere Kreise. Stück für Stück erobert der gewandte Autor sein Terrain und bedrängt den König von allen Seiten ; dieser weiss sich nicht mehr zu raten und sucht sein Heil in der Verzögerung. Das Lustspiel wird drei Censoren zur Beurtheilung übergeben, aber nur einer, Suard, erklärt sich gegen dasselbe. Der König, in seiner Antipathie nur vom Grosssiegelbewahver bestärkt, hat den ganzen Hof gegen sich, von der Königin und vom Grafen Artois, seinem Bruder, angefangen. Zum Ueberfluss kommt noch der Grossfürst-Thronfolger von Russland nach Paris, lässt sich das Stück vorlesen und erklärt sich entschieden für die Aufführung. Endlich, da es schon nicht anders gehen will, glauben die hohen Herrschaften, den König überrumpeln zu müssen. Eines schönen Tages bekommen die Schauspieler den Auftrag, den tollen Tag für den Hof einzustudieren. Eine Menge zierlicher Karten — die wahrscheinlich der Autor selbst besorgt hat — wird ausgegeben, der Saal der Menus-Plaisirs ist gesteckt voll, die Vorstellung soll beginnen: da kommt plötzlich von Seiten des Königs, der offenbar erst im letzten Augenblick von der Aufführung Wind bekommen hatte, ein Abgesandter mit dem schriftlichen Verbot, das Stück auf welchem Theater immer zu spielen. Da bemächtigte sich eine wahre Wut der versammelten hohen Gesellschaft. „Zum ersten Male“, schreibt Mme. Campan, „weder früher noch später, hörte man die Worte Unterdrückung, Tyrannei, mit leidenschaftlicherer Heftigkeit aussprechen.“ Wol mit Unrecht legt man unserem Autor bei dieser Gelegenheit die Worte in den Mund: „Wolau, meine Herren, er will nicht, dass es hier gespielt werde; ich aber, ich hoffe, dass es auf dem Chore von Notre-Dame aufgeführt wirdl“ Es ist eher anzunehmen, dass er so klug war, ganz ruhig sein Manuskript in das Pult zurückzulegen und auf eine günstige Gelegenheit zu warten. Und Beaumarchais müste nicht Beaumarchais gewesen sein, wenn diese lange auf sich hätte warten lassen. Er weilte soeben in Geschäftsangelegenheiten in London, als er durch einen Courier dos Herzogs von Fronsac und dos Grafen von Vaudreuil die Mittheilung erhielt, dass der König soeben erlaubt habe, Figaros Hochzeit im Genvilliers, dem Landhause des Letzteren aufzuführen. Es handle sich nur noch um seine — des Autors — Einwilligung. Beaumarchais eilt sofort nach Paris, verlangt aber, dass mau das Stück neuerdings (damals war es erst zum dritten Male) ccnsurioren lasse; er konnte sich wol darauf verlassen, dass kein Censor cs wagen werde, ein Fest des Grafen von Vaudreuil, das zu Ehren des Grafen von Artois und der Mme. von Polignac gegeben werden sollte, im letzten Augenblicke zu stören. Andererseits konnte er aber, auf diese günstige Beurtheilung gestützt, die Erlaubnis verlangen, das Stück auch in Paris aufführen zu lassen. Der König hatte da einen Unrechten Schachzug gemacht, der ihn alsbald matt machen sollte. Er hat einmal das verhängnisvolle A ausgesprochen und muste notgedrungen im Alphabet fortfahren. Oder sollte und konnte für die Ändern ein Verbot bleiben, was den Höflingen in Genvilliers erlaubt war? Es ist richtig, dass einige prüde Hofdamen die Hochzeit Figaros, so wie sie bei der ersten Aufführung beschaffen war, nicht goutiert haben ; aber es fanden sich auch thatsächlich darin einige derbe Zoten, die Beaumarchais auf Anraten der späteren Censoren entfernte. Man kann diese gestrichenen Stellen, welche von dem Censor •Des Fontaines herrühren, in dem Manuskript der Comédie-Frangaise noch heute sehen ; aber im Ganzen blieb das Stück unverändert. Die öffentliche Meinung verlangte immer stürmischer nach der lange vorenthaltenen und verbotenen Frucht und zu dieser Zeit war die öffentliche Meinung bereits zu einer Macht herangewachsen, der schwer zu widerstehen war. Beaumarchais that wol auch das Seinige, um den allgemeinen Unmut zu schüren; er setzte im letzten Augenblicke seine ganze Bekanntschaft in Bewegung — und er hatte ziemlich hohe Bekannte, von denen viele seine Schuldner waren und für den charmanten Gläubiger Etwas thun musten. Und sie thaten es auch gern, denn ihnen lag an der Vorstellung ebensoviel, wie dem Autor selbst. Schliesslich trat Beaumarchais offenkundig mit einer Eingabe an den Polizeipräfekten Lenoir um Bewilligung einer Aufführung auf. Der König zögerte noch immer und lioss das Stück noch durch die Hände zweier Censoren gehen. Endlich des langen Widerstandes müde, gab er seine Einwilligung. Vielleicht wurde er durch die Feinde des Autors und des Stückes dazu bestimmt, welche da behaupteten, dass sich das Lustspiel unmöglich werde halten können. Welche Täuschung I Von dem fabelhaften Erfolg der Hochzeit des Figaro erzählen alle Memoirenschreiber und alle Literarhistoriker, an ihrer Spitze La Harpe als Augenzeuge, beinahe dasselbe. „Am Tage der ersten Aufführung“, sagt Do Lomenie in einer Zusammenfassung der Berichte (II. R. 324—325) „wurden die Thüren des Théàtro-Frangais seit frühem Morgen belagert. Dio grössten Damen nahmen ihr Diner in den Logen der Schauspielerinnen, um sich die Plätze zu sichern. Dio Ritter des hl. Geist-Ordens, sagt Ba-chaumont, stiessen sich in der Menge drinnen mit Savoyardon herum ; die Wachen wurden verjagt, man drückte die Thüren ein, die Eisengitter wichen dem Ungestüm der Angreifer; drei Personen kamen im Gedränge um (sagt La Harpe). Auf der Bühne, als der Vorhang aufgiong — das schönste Ensemble von Talenten, dio vielleicht jemals das Thentrc-Frangais besessen hat. Sie alle wurden in Verwendung gebracht, um eine Komödie zur Geltung zu bringen, dio von Geist übersprudelt, deren Lebhaftigkeit und Kühnheit hin-reisst, die, wenn sie auch in einigen Logen Verdruss oder Schrecken hervorrief, dafür umsomehr ein elektrisiertes Parterre entzückt, bewogt und entflammt hat.“ Und Beaumarchais? — Nachdem er mit zwei geistesverwandten Epicuräern, dem geistreichen Abbé de Calonne, dem Bruder des damaligen Finanzministers, und Abbé Sabathier ein köstliches Diner eingenommen, sitzt er in ihrer Mitte in einer vergitterten Parterreloge und weidet sich im Stillen au seinem Triumphe. Der allgemeine Enthusiasmus setzte sich eben so ununterbrochen fort, wie die Vorstellungen ; die Tageseinnahme betrug bei der sechzigsten fast ebensoviel wie bei ersten Aufführung; die Gesammteinnalinie erreichte die Zitier von 346.197 fr. und Beaumarchais bekam als Antheil des Verfassers 41.499 fr., welchen Betrag er auf eine Stiftung zum Besten junger Mütter und Säuglinge verwendete. Der Triumph sollte aber nicht lange ungetrübt bleiben, denn die Zahl seiner Neider und Feinde wurde durch die glänzenden Erfolge nicht eben vermindert. Seit der ersten Vorstellung schütteten dieselben über den glücklichen Verfasser eine ganze Menge von Epigrammen und Pamphleten in Vers und Prosa aus. Der gefeierte Dichter wehrte sich in seiner bekannten geistreichen Weise. Unter anderen hat auch der Akademiker und Uensor Suard augetrieben durch den Grafen von Provence, später Ludwig XVIII., beinahe unausgesetzt anonyme Artikel gegen Beaumarchais und sein Lustspiel in das Journal de Paris einschalten lassen. Dieser beantwortete sie eine Zeit laug, endlich meldete er an, dass er fernerhin auf anonyme Schmähungen keine Antwort finden werde und bediente sich zum Schluss seines Artikels der folgenden kühnen Antithese: »Nachdem ich Löwen und Tiger habe bewältigen müssen, um meine Komödie aufgeführt zu sehen, glauben Sie mich nach ihrem Erfolg dahin zu bringen, dass ich wie eine holländische Magd die Weidenrute jeden Morgen an dem abscheulichen Nachtinsekt abschlage?!“ Nicht nur der Kritiker Suard, der von Natur aus sehr klein war, sondern auch sein Protektor, dessen imposante Gestalt nicht gerade an eine Wanze erinnerte, bezogen das Letztere auf sich. Der Graf sann auf Bache, gieng zum König und machte ihm begreiflich, dass unter dem Löwen und Tiger er und die Königin gemeint seien-Ludwig XVI. sass eben beim Kartenspiel, liess sich ohne weitere Ueber-leguug zum Zorne hinreissen und schrieb auf einen Treffsiebner mit Bleistift den haarsträubenden Befehl, den Dichter des Figaro inmitten seiner Triumphe zu verhaften und nach St. Lazare zu bringen. Haarsträubend war dieser Befehl, weil St. Lazare damals ein Gefängnis war für junge 'Taugenichtse und verkommene Individuen, also eine Art Korrektionshaus. Der Vertraute der Minister, der Bewahrer verschiedener Staatsgeheimnisse, der angesehene und einflussreiche Handels- und Finanzmann in St. Lazare — das war keine Strafe, sondern eine Schmach, eine Entehrung ! ') Es ist derselbe, dem der Kronprinz von Schweden, später Gustav 111., nachdem er in der Akademie seine heftige Kode gegen Figaro angehört hatte, gesagt haben eoli: Sie haben uns streng behandelt, vielleicht mit Hecht; aber ich bin, fügte er lächelnd hinzu, für die Vernunft, so unzugänglich, dass ich sie verlasse, um zum dritten Male den Figaro nnzusehon. — Eine hübsche Frucht meiner Kode, Herr Prinz I orwie-derte darauf Suard. Beaumarchais wendete sich schriftlich an den Herzog v. La Valtière mit der Bitte, ihn von seiner Vicepräsidontoustello im Oberforstmeisteramte zu entheben. Der fatale Zwischenfall erregte anfangs Heiterkeit, aber da man die wahre Ursache nicht erfahren konnte — und der Regierung wäre es wol schwer gewesen, dieselbe verlautbaren zu lassen — so fieug man an zu murren und allmälig steigerte sich die Erbitterung zu einem allgemeinen Aufruhr. „Jeder“, sagt Arnault, „fühlte sich dadurch bedroht, nicht nur in seiner Freiheit, sondern in seiner Achtung.“ Die Strassenpoesie ermangelte nicht, diesen Akt der Tyrannei für die Volkssäuger in Reime zu bringen. Die Folge davon war, dass man dem Gefangenen die Freiheit an-bot, doch dieser verlangte, dass seine Sache vor die Richter gebracht werde und sträubte sich so lange das Gefängnis zu verlassen, bis ihn der König selbst, der wol schon längst sein Unrecht eingesehen, darum ersuchen liess. Am selben Tage waren auf des Königs Veranlassung alle Minister bei der Vorstellung der Hochzeit Figaros, die sich auch zur glänzendsten in der ganzen Saison gestaltete. Man lud sogar, um das Unrecht möglichst wieder gut zu machen, den Verfasser des Barbiers von Sevilla zu einer Vorstellung dieses Stückes ein, welche in Klein-Trianon en famillo gegeben wurde; die Königin selbst spielte dabei die Rosine, der Graf von Artois, der Graf von Vaudreuil und andere hohe Persönlichkeiten theilten sich in die anderen Rollen. Auch materiell suchte man ihn zu entschädigen, indem ihm die Regierung Alles auszahlte, was sie ihm noch an Entschädigungen für die amerikanischen Lieferungen schuldete. Jedoch das Unrecht war einmal begangen und aus dem Gedächtnisse der Menschen nicht auszuwischen ; es bildete, gerade so wie viele ähnliche Vorkommnisse, eine von den kleinen Ursachen, deren grosse Wirkungen sich erst in der Revolution gezeigt haben. Dies war auch die letzte, mehr prinzipielle, als spontane Aousserung der öffentlichnn Meinung zu Gunsten Beaumarchais; von da ab fängt sein Stern an zu sinken. Er wurde alt und mit dem Alter schwand allmälig jene wunderbare geistige Elastizität, die ihm jederzeit im Kampfe gegen seine Feinde zur Seite gestanden und zum Siege verhelfen hatte; wenigstens rühmen ihm unparteiische Zeitgenossen dieselbe nach. ') Den Rest seines Lebens füllt eine Reihe von Unglücksfällen und Niederlagen aus. In dem Augenblicke, wo das alte Regime unrettbar seinem Verderben entgegengieng, wo ein neues, das die pompösen Worte Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auf seine Fahnen schrieb, ihm, dem Itoturier eine seinen Verdiensten und Talenten entsprechende Stellung hätte ein räumen müssen: da wird er au* demselben Wege und mit denselben Mitteln um die Popularität gebracht, mit welchen er sie sich ehemals auf eine so glänzende Weise errungen hatte. l) „So wie mir das Geeicht La Harpes widerstanden", sagt Mino. d’überkirk, „ebenso sympathisch war für mich die offene, geistreiche, vielleicht etwas herausfordernde Miene des II. v. Beaumarchais. Man tadelte mich deshalb; man sagte, er sei ein H*u-nichtgut. Ich liiugne es nicht, es ist. möglich, aber er hat einen wunderbaren Geist, einen Mut, der jeder Gefahr trotzt, einen festen Willen, den Nichte auf hält, und das lind doch grossartige Eigenschaften,“ Auf Anregung zweier Mechaniker hat nämlich der Dichter des Figaro eine Wasserleitung nach Art der ehemaligen Londoner begründet. Das Unternehmen gedieh, die Aktien desselben stiegen bedeutend. Aber gerade dieser Umstand war einigen Pariser Banquiers nicht genehm und sie warben, um Beaumarchais zu schaden, Niemand Geringeren, als den jungen Mirabeau, den nachmaligen Volkstribun und Helden der Revolution an. Dieser war aber zur Zeit, in welche die Begebenheit fällt, ein ziemlich berüchtigtes „mauvais sujet“, ein Abenteurer im schlimmsten Sinne des Wortes, der nur auf Kosten Anderer lebte und auf den Verfasser des Figaro nicht gut zu sprechen war, weil sich derselbe geweigert hatte, ihm die Bagatelle von 12.000 fr. zu leihen. Dies benutzten die Banquiers, schossen Mirabeau Geld vor, unter der Bedingung, dass er gegen die neue Wasserleitung schreibe. Dieser ermangelte nicht, es in seiner bekannten, überschwenglichen Weise zu thun, und Beaumarchais konnte sich nicht enthalten, in seiner Entgegnung einige schlechte Witze einzuflechten ; so benannte er die flagrante Staudrede nach Analogie der Philippika des Demosthenes — eine Mirabelle. Das war für Mirabeau ein gefundener Handel. Mit der ganzen Wucht seiner Beredsamkeit warf sich dieser Titane über seinen Widersacher und zerlästerte ihn und sein ganzes Leben und Wirken in einer neuen Flugschrift derart, dass kein gutes Haar an ihm blieb. Alles war gespannt auf eine geharnischte Antwort; man wollte wissen, auf wessen Seite man sich schlagen solle. Aber — sei es, dass ihm die titanische Kraft des Gegners imponierte, sei es, dass sich in ihm das Bedürfnis nach Ruhe geltend machte — Beaumarchais schwieg. In den Augen der Menge galt er für besiegt und das allgemeine Interesse lenkte sich von ihm ab und seinem Gegner zu. Das Gefühl der Schwäche, welches sich bei ihm eingestellt zu haben schien, ermutigte Andere, mit dem Koryphäen in die Schranken zu treten und sich durch die Niederlage desselben den Weg zur Berühmtheit zu bahnen. In dieser wenig löblichen Absicht brach ein junger, ehrgeiziger Advokat, Namens Bergasse, bei Gelegenheit eines Rechtsstreites für seinen Klienten, den heruntergekommenen elsässer Bauquier Kornman, einen Streit geradezu vom Zaune, indem er Beaumarchais und um die Sache noch pikanter zu machen, sogar den Namen des damaligen Polizeipräsidenten Lenoir in eine skandalöse Affaire hineinmischte. Dies geschah im J. 1787. Ungefähr sechs Jahre früher wurde unserem Autor während eines Diners heim Prinzen von Nassau eine Bittschrift der Frau des Banquiers Kornman gezeigt, die, um an der Rettung ihrer Mitgift verhindert zu werden, von ihrem Manne unter einem schmählichen Verwände mittelst einer Lettre de cachet ins Gefängnis gebracht worden war, wo sie schon seit mehreren Monaten schmachtete. Beaumarchais verständigte sofort den Polizeipräsidenten von dem Vorfälle, lief von einem Minister zum ändern und bewirkte im Verein mit dem Prinzen die Freilassung der Frau. Diese fieng gleich nachher der Mitgift wegen mit ihrem Manne einen Prozess an, der sich hei der damaligen fatalen Gerichtsgebahrung Jahre laug dahinzog. Mittlerweile 4* fand Kornman in dem obgenannton Advokaten einen würdigen Helfershelfer, der auch vor einem elenden Bubenstück nicht zurückschreckte. Beaumarchais hatte längst auf die ganze Geschichte vergessen, als er plötzlich durch eine Reihe ehrenrühriger Pamphlete angegriffen wurde. Es blieb ihm nichts übrig, als den Verfasser derselben wegen Verläumdung und Ehrenkränkung zu belangen. Auch unterliess er nicht,, in Memoiren zu antworten, aber das Publikum fand an den satirischen, geist- und witzvollen Schriften Beaumarchais’ keinen Gefallen mehr. Es las mit Vorliebe die Werke eines Rousseau, und Bergasse schrieb in einer ähnlichen bombastischen Weise, zog Alles, was ihm in die Feder kam, von den Ministern angefangen, mit in den Schlamm hinein, versäumte nicht, alle jene Fragen, welche damals die Gemüter bewegten — die Freiheit der Presse, die Reichsstände, die Rechte der Nation und dazwischen immer wieder die Verruchtheit Beaumarchais’, des Feindes der Rechte der Nation, einzumengen und fand mit seiner lächerlichen Emphase Gnade vor dem Publikum. „Mögen sie erfahren, diese Entarteten — so donnerte er bei der Schlussverhandlung gegen Beaumarchais, Nassau und Renoir — dass ich nie aufhören werde, sie zu verfolgen, dass ich, so lange sie ungestraft bleiben, gegen sie sprechen werde; zu ihren Füssen muss man mich hinschlachten, oder sie sterben vor den mei-nigen. Der Altar der Gerechtigkeit ist in diesem Augenblick für mich der Altar der Rache und auf diesem unheilvollen Altar schwöre ich, dass kein Friede mehr unter uns herrschen wird, dass ich sie nicht mehr auslassen, dass ich nicht ruhen und rasten werde, dass ich mich an sie fesseln will, wie die Furien an das schuldbeladene Gewissen und Du, Vorsitzender dieses erhabenen Tribunals, Du Freund der Sitten und der Gesetze ... in Deine Hände lege ich meinen Schwur!“ Gegen solche Keulenschläge, die schon ziemlich stark an die Schlächterei und an den Metzgerstyl der Schreckensmänner gemahnen, ver-theidigte sich Beaumarchais mit den Wespenstichen der Ironie vergebens, und den Rat seiner Freunde, mit gleicher Waffe den Feind anzugreifen, liess der alternde Mann unberücksichtigt. Trotz aller Komplimente, die Bergasse zum Schluss seines Plaidoyers den Richtern machte, Hessen sich dieselben nicht abhalten, den rache- und feuerspeienden Redner wegen unberechtigter Verläumdung zu 1000 fr. Schadenersatz zu verurthcilen mit gleichzeitiger Androhung einer exemplarischen Strafe, im Falle er die Beleidigungen gegen Beaumarchais fortsetzen sollte. Aber wie seinerzeit im Prozess Goezmaim, stellte sich auch diesmal die öffentliche Meinung auf die Seite des Verurthoilten und der Verfasser von Figaros Hochzeit erlitt an seinem Rufe eine Wunde, von der er sich nicht mehr erholen sollte. Einen Augenblick schien cs zwar, als ob ihm das Publikum seine Gunst noch einmal zuwenden wollte. Er hat nämlich, wie er es schon in der Vorrede zum Barbier von Sevilla versprochen, den Text zur Oper Tara re verfasst und durch Salvini, einen Schüler Glucks, in Musik setzen lassen. Der bewährte Ruf des Verfassers führte die Massen ebenso der Oper zu, wie ehemals dom Théàter-Francis. Was er aber bot — und er wollte darin etwas Neues, noch nie Dagewesenes bieten — blieb hinter den gehegten Erwartungen ; „man staunte über das Genre, aber man bewunderte es nicht.“ Tarare — den Namen hat Beaumarchais einer Erzählung entlehnt — ist wieder nichts Anderes, als Figaro in der Verkleidung eines indischen Kriegers, der mit besonderen geistigen und körperlichen Vorzügen ausgestattet sich aus seiner niederen Stellung, trotz den Verfolgungen des Königs, der ihm sein Weib entreissen will und trotz anderer Hindernisse den Weg zum Throne bahnt. Beaumarchais hatte leider keine dichterische Begabung; nicht einmal in seinen jüngeren Jahren waren seine Leistungen gleichmässig; neben einzelnen guten fanden sich zumeist mittel-massige Produkte vor. Auch im Tarare blieb sein Können hinter dem Wollen. Die Verse des Textbuches waren nicht im Stande den Compositoi»' zu begeistern und liessen das Publikum wo möglich noch kälter. *) Die Revolution, an deren Einbruch der Dichter des Figaro mitgearbeitet hatte, gestaltete sich für denselben äusserst ungünstig. Nicht lange vor der Erstürmung der Bastille hatte er sich in ihrer unmittelbaren Nähe ein prächtiges Palais erbaut und einen reizenden Park nach englischem Muster angelegt ; das Ganze kostete mehr als anderthalb Millionen fr. und übte auf die neugierigen Pariser eine besondere Anziehungskraft aus.2) Von ■) Gerade in diese Zeit fällt ein kleines, herziges Gedicht, einer jener echten Herzeustöne, welche dem alten Manne die wahre Liebe zu seinem Kinde entlockte und der in den Liedern Bérangers einen tausendfachen Wiederhall fand. Da es entschieden das beste von den kleinen poetischen Erzeugnissen unseres Autors ist, so mag es hier eine Stelle finden. Die Aufschrift desselben lautet etwas breiter, als man sie gewöhnlich vor diesem Gedichte findet, wie folgt: „Eine alte gallische und bürgerliche Weise, gesungen bei der Rückkehr der Eugenie Beaumarchais aus dem Kloster in das väterliche Ilaus gewidmet ihrer Mutter und entworfen von Peter Augustin, ihrem Vater, dem ersten Dichter von Paris — wenn man bei der Porte St. Antoine hineinkommt.“ „Hier Augustin Pierre, „Quelle sotte manie, Parcourant son jardin, Du bonheur me privant, Regardaut sa chaumiùre, Reticnt mon Eugenie Disait d’un air ckagrin: Dans un fatal couvant Jo lo veux, car c'est la raison Je veux l’avoir : c’est la raison Que je sois maitre en ma maison.“ Que j’en sois maitre en ma maison.“ „Elle uso sa jeunesso A chanter du latin, Tandis que lp. vieillesso Me pousse vers ma fin. Tant que je vis, c’est la raison Que je l’ombrasse dans maison.“ ’) Unter der Korrespondenz Beaumarchais’ finden sich mehrere Schreiben von fremden Leuten, die ihn um die Erlaubnis bitten, das Haus und den Park besichtigen zu dürfen, darunter auch ein reizendes Briefchen von einem jungen Mädchen, Rosa Herraut, das für sich und die Ihrigen um Einlass bittet. Beaumarchais, der für ein zartes Entgegenkommen auch in seinem Alter empfänglich war, gab eine Antwort, die zugleich als eine kleine Probe seines Briefstyls dienen mag : „Es ist unmöglich, mein Fräulein, um da hat er jenem gräulichen Schauspiel Zusehen müssen, durch welches die Revolution inauguriert wurde. Unter der neuen Ordnung der Dinge bekamen seine verschiedenen Feinde plötzlich freie Hand und Hessen dem reichen Manne ihre Galle verspüren. Man hetzte den Pöbel auf ihn und wiederholt muste er sich gefallen lassen, dass sein Haus vom Dach bis zum Keller durchstöbert wurde; mau suchte darin vergeblich nach Gegenständen, welche die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Eine Unzahl von Menschen bettelte ilm an, oder verlangte Anlohen, und wenn er jedem tollen Verlangen nicht sofort willfahrte, so wurde er mit Drohungen überhäuft und sogar wiederholt angefallen, so dass er olino Waffe nicht mehr ausgehen durfte. Inmitten all der Drangsale suchte und fand unser Dichter Erquickung und Erholung bei seiner Muse; er kam zum dritten Male auf seine Lieblingsfigur zurück, indem er dem Ernste der Zeit gemäss im Tone der ersten Produktion ein fiinfaktiges Drama verfasste: La mòre coupable (1792). Er zeigt darin die Hauptpersonen des „Tollen Tages“ um zwanzig Jahre älter. Ein elender Heuchler, dem der Verfasser den Namen Bergearss (Anagramm von Bergasse) leiht, hat sich in das Vertrauen des Grafen Almaviva und in dessen Familie, die sich um einen Sohn und eine Tochter vermehrt hat, geschlichen und ein namenloses Unheil in derselben angerichtet. Aber er macht die Rechnung ohne Freund Figaro, der ihn in Schach zu halten weiss und schliesslich entlarvt. Da sich Beaumarchais mit den Schauspielern der Comédie-Frangaise der Gesellschaft der dramatischen Autoren wegen Überwerfen hatte, so Hess er das neue Stück in dem kürzlich in der Nähe seines Palastes errichteten Théàtre de Marais aufführen ; die schlechte Besetzung der Rollen brachte es jedoch nicht zur vollen Geltung. Erst fünf Jahre später nahm es die Comédie-Frangaise wieder auf und erlangte damit einen ziemlich bedeutenden Erfolg. Was auch La Harpe diesem letzten dramatischen Werke unseres Autors Schlimmes nachsagen mag, so ist „die schuldhafte Mutter“ unstreitig dasjenige von den Dramen Beaumarchais’, das immer noch hie und da zur Vorstellung gelangt und nicht ermangelt einen tiefen Eindruck auf das Publikum zu machen. Im selben Jahre wurde Beaumarchais veranlasst, eine Lieferung von 60.000 Gewehren für die Republik zu übernehmen. Dieselben rührten von der Entwaffnung der ehemaligen spanischen Niederlande her, lagen in Holland und wurden von Oesterreich nur unter der Bedingung verkauft, dass eine so geringfügige Kleinigkeit mit mehr Anmut zu bitten. Glücklich derjenige, den Sie einst für würdig erachten, von Ihnen etwas Anziehenderes zu erlangen. Mein Gärtchen ist weit entfernt, die Gunst Ihres Besuches zu verdienen; aber wie es auch sei, erweisen Sie ihm diejenige, es zu verschönern: es wird mir dann um so theurer und Ihre Begleitung willkommen sein. Ich finde dieselbe übrigens etwas unvorsichtig, die Vermittlung einer so geistreichen, jungen Dame nicht für wichtigere Sachen aufzusparen. Man schadet seinem Kredit, wenn man ihn auf Kleinigkeiten vergeudet. Empfangen Sie den Ausdruck der Hochachtung und des ehrfurchtsvollen Dankes von demjenigen, der die Ehre hat zu sein, mein Fräulein, Ihr etc. Beaumarchais.“ sie in die Kolonien transportiert werden. Die alte Unternehmungslust erwachte in dom greisen Spekulanten und mit jugendlichem Eifer und der gewohnten Energie stürzte er sich trotz seiner sechzig Jahre in das Wagnis, das ihm den Abend seines Lebens vollständig verbittern und sein Vermögen aufzehren sollte. Trotz der grössten Anstrengungen war er ausser Stande, die heikle Angelegenheit in der erwünschten kurzen Zeit abzuwickeln, zumal, da die Minister, die ihm anfangs jede mögliche Unterstützung versprachen, schliesslich nicht nur ihr Wort nicht einhielten, sondern ihm selbst noch Schwierigkeiten in den Weg legten. So zog sich die Sache in die Länge und bot einigen heissblütigen Patrioten Stoff zu Verdächtigungen und Anschwärzungen, in Folge welcher Beaumarchais ins Gefängnis geworfen wurde und es nur der Grossmut eines Mannes, (Jen er seinerzeit mit Epigrammen verfolgte, zu verdanken hatte, dass er dem Blutbade vom 2. September entgieng. Daraufhin brachte er seine Familie in Sicherheit; er selbst blieb aber in Paris und bestürmte die Minister, ihr Versprechen einzulösen. Auf die positive Zusicherung jedweder Beihülfe reiste er auf einem Umwege über London, wo er bei einem Geschäftsfreund eine Anleihe machte, nach Holland. Aber weder eine materielle, noch eine sonstige Unterstützung wurde ihm daselbst zu Theil. Mittlerweile wurde das Königtum gestürzt und Beaumarchais bekam die Nachricht, dass er als Mitschuldiger an einer angeblichen Verschwörung angeklagt und der Befehl ertheilt worden sei, ihn zu verhaften und nach Frankreich zu bringen ; er solle schleunigst nach England Üüchten. Sein Ilaus in Paris wurde (damals schon zum dritten Male) unter Siegel gesetzt und sein Vermögen konfisziert. Er gieug zwar nach England, wäre aber sofort nach Frankreich weiter gereist, wenn ihn sein Londoner Gläubiger, dem es um das Leben des Schuldners offenbar mehr zu thun war, als diesem selbst, nicht im Schuldengefängnis untergebracht hätte. Er liess wol den Geschäftsfreund an Nichts Mangel leiden und Beaumarchais fand Zeit, über seine Lage nachzudenken und ein Memoire zu verfassen. Mit diesem ausgerüstet kehrte er, nachdem die nötige Summe aus Frankreich angelangt war, nach Paris zurück, liess dasselbe in mehreren Tausend Exemplaren drucken und hauptsächlich an die Konveutmitglieder vertheilen. Er wies darin haarscharf seine Schuldlosigkeit nach. Doch das hätte wol wenig genützt, wenn ihn die Republikaner nicht für die Herbeischaffung der Gewehre gebraucht hätten. Aber immerhin wurde der Urtheilsspruch vom Wolfahrtsausschusse kassiert, das Vermögen herausgegeben und der unglückliche Unternehmer neuerdings in der Eigenschaft eines geheimen Agenten mit der fatalen Mission betraut; seine Familie und seine ganze Habe sollte für das Gelingen haften. Kaum war er abgereist, als die Munizipalität, welche von der geheimen Mission nicht unterrichtet worden war, den nunmehrigen Agenten des Wolfahrtsausschusses auf die Emigrantenliste setzte, sein Vermögen neuerdings einzog und die Familie ins Gefängnis schickte. Und Beaumarchais, der Emigrant, durfte gar nicht zu Hülfe eilen, sondern schlug sich drei Jahre in der Fremde herum, ohne irgend welche Nachricht von seinen Lieben, kam schliesslich nach Hamburg, wo er eine Zeit lang in der grössten materiellen Bedrängnis eine elende Mansarde bewohnte. Endlich gelang es seiner Gomalin und seinen Freunden, ihn von der Emigrantenliste streichen zu lassen und so kehrte er 1796 geistig und körperlich gebrochen nach Paris zurück. Materiell war er so gut wie ruiniert, denn seine Schuldner hatten sich inzwischen kluger Weise mit der Regierung ausgeglichen, ihm blieben nur die Gläubiger, und die gestalteten seine Existenz gar nicht beneidenswert. Mit dem Mute der Verzweiflung wagte sich der Greis in don ungleichen Kampf, um zu retten, was sich retten liess. Er hatte noch die Freude, seine Tochter Eugenie, die er über Alles liebte, an einen soliden, jungen Mann zu verheiraten und anderntheils den Schmerz, (im Mai 1798) seine theure Schwester Julie sterben zu sehen. Ein Jahr darauf, am 18. Mai 1799, fand man ihn am Morgen, nachdem er noch Ta^s zuvor im Kreise seiner Familie in der heitersten Stimmung soupiert hatte, todt im Bette ; ein Schlagfluss hatte seinem unruhigen Lohen ein sanftes Ende bereitet. Er wurde in einem Mausoleum, das er bei Lebzeiten in seinem englischen Parke errichtet hatte, von der Familie und einigen Freunden ohne irgend welchen Pomp beigesetzt. In ihm starb am Berührungspunkte zweier Jahrhunderte ein Universalgenie, ein Mann, dessen glänzende Geistesgaben in der Zeit, in der er lebte, grell gegen die Umgebung abstachen, und das Auge des ungewohnten, oberflächlichen Zuschauers beleidigten, statt ihm wohlzuthun. Wie in der Fabel die Kröte auf den Johanniswurm, dessen unfreiwilliger Glanz das Unthier reizte, schoss auch der Neid sein ganzes Gift auf den Günstling Fortunas. Das Schicksal hat den Misgriff begangen, ein Wesen, das seinem Geiste und seinen Eigenschaften .nach berufen war, in unserem Jahrhundert zur vollen Geltung zu gelangen, in einem Augenblick der Laune um ein Menschenalter zu früh auf die Welt zu setzen. Die Gesellschaft, unter welcher er aufwuchs, hatte gleich bei seiner Geburt um ihn einen Zauberkreis gezogen, aus welchem er ungestraft nicht hinaustrachten durfte. Sein feuriger Geist sprengt aber die alten, verrosteten sozialen Fesseln und die Gesellschaft beeilt sich,* ihn für diese Verwegenheit zu züchtigen. Statt seinen Weg gerade fortsetzen zu können, wird er durch die unersteigbaren Wälle gesellschaftlichen Vorurthoils genötigt, auf Umwogen zu seinem Ziele zu gelangen. Er hat gut seine Talente in dio Wagschale legen — was wiegen sie denn bei dem Sohne eines armen Uhrmachers! Etwas Anderes wäre es, wenn er eine Reihe hoher Ahnen dazu legen könnte, da würde die Schale unter ihrem wertvollen Gewichte sofort sinken. Und dabei ist er auch noch unbescheiden, bildet sich auf seinen Geist etwas ein, drängt sich in den Vordergrund, verlangt Anerkennung, erwirbt sich den Adel, kommt zu Reichtum, wird ein Vertrauter der königlichen Prinzessinnen, der Minister, des Königs selbst ; er — der Sohn einer Uhrmachers ! Ja, die niedere Abkunft! das war eine Todsünde, für die es im vorigen Jahrhundert keine Absolution gab und die erst durch die Bluttaufe der Revolution getilgt wurde. Beaumarchais mochte anfangen, was er wollte, er weckte sich überall Neider und Feinde. Was nützte es ihm, dass seine Familie und seine Angehörigen ihn vergötterten, dass diejenigen, welche die Gelegenheit hatten, ihn genau kennen zu lernen, ihr Leben lang mit ungeteilter Liebe und Achtung an ihm hiengen: der erste beste Pamphletist warf Koth auf ihn mit vollen Händen und die neugierige Menge, die den Einen ebenso wenig kannte, wie den Ändern, ergötzte sich an dem rohen Schauspiel. Was nützte es ihm, dass er, nach der Aussage seines Kassiers, im Laufe der Jahre an allerhand Arme, die gewust hatten sein Mitleid zu erwecken, nahezu eine Million fr. an Unterstützungen und Geschenken vertheilen liess? Alle Bittsteller konnte er nicht befriedigen und wurde deshalb geschmäht und ver-läumdet. Jedoch über alle Widerwärtigkeiten des Lebens trug ihn das Be-wustsein des redlichen Wollens und die Gediegenheit des Charakters siegreich hinüber, so dass er auf seinen Lebenslauf zurückblickend von sich sagen konnte: „Ich war nichts als ich und so bin ich geblieben, irei in- mitten von Fesseln, heiter in den höchsten Gefahren, jedem Sturm trotzend, mit der einen Hand Geschäfte, mit der anderen Krieg führend, faul wie ein Langohr und immer bei der Arbeit, von tausend Vcrläumdungen verfolgt, jedoch glücklich in meinem Innern, zu keiner Koterie, weder zu einer literarischen, noch mystischen, noch politischen gehörig, Niemandes Speichel leckend und doch von Jedermann zurückgestossen.“ III. Abschnitt. Beaumarchais’ Werke. A. Die Memoiren. In der Lebensbeschreibung unseres Autors ist an betreffender Stelle die Geschichte der Streit- oder Vertheidigungsschriften im Prozess Goezman, ihre Entstehung und ihr unmittelbarer Erfolg bereits erörtert worden. Man weiss, welche Rache das Parlament Maupeou an dem kühnen Angreifer genommen, sowie, dass es mit derselben in der Hälfte stehen bleiben muste. Es traute sich nicht die infamicrende Ceremonie an dem Günstling der öffentlichen Meinung vorzunehmen und gab sich dadurch eine tilösse, die anfangs ein allgemeines Gelächter, später auch die gebührende Verachtung hervorgerufen hat. Es fiel bald nach dem Tode Ludwigs XV., der es ins Leben gerufen, an den Streichen, welche ihm Beaumarchais in offener Schlacht beigebracht hatte. Eine der ersten hervorragenden Thaten des neuen Königs war, dass er der Stimme der öffentlichen Meinung gehorchend die ehemaligen Gerichtshöfe in ihre Rechte wieder einsetzte. Jedoch die Wirkung der Beaumarchais’schen Memoiren war eine viel weittragendere, als man im ersten Augenblick ahnen konnte. Es var nicht das ephemere Parlament selbst, sondern das verknöcherte Gerichtswesen überhaupt, das durch sie einen Todesstoss bekam. Denn der Verfasser enthüllte mit kühner Iland und ohne irgend welche Rücksicht alle Schäden der gerichtlichen Prozedur, welche das Prozessieren ins Unendliche zog und enorme Gerichtskosten verursachte. Das geheimnisvolle Schweigen, mit dem sich das Verfahren umgab, erregte Mistrauen und Beaumarchais zauderte nicht, gegen dasselbe den Fluch der Lächerlichkeit und auf die Richter den Verdacht der Parteilichkeit, der Lüge und der Niedertracht zu schleudern. Die Parlamente hatten zwar ehemals durch ihre wiederholte energische Einsprache in politischen Dingen sich das Vertrauen dos Publikums erworben und verstanden cs auch, aus demselben in ihren Streitigkeiten mit der Regierung Kapital zu machen. Als sie nach dem Sturze des Parlaments Maupeou in ihren früheren" gerichtlichen Schlendrian zurückfielen, muste auch auf sie der Fluch der Lächerlichkeit fallen, dem das Parlament Maupeou erlegen war. Als sie aber der vollständig veränderten sozialen und politischen Strömung entgegen, um ihre eigene Diktatur aufrecht zu erhalten, die Reichsstände, um deren Einberufung sie sich wol das meiste Verdienst erworben hatten, in die alten Gerechtsame der früheren Jahrhunderte einschränken wollten, da schlugen auch über ihnen die Wogen der neuen mächtigen Zeitströmuug zusammen, da hatte auch für sie die letzte Stunde geschlagen. So war, wie Ilettuer sagt, der Prozess Beaumarchais’ für die politischen Kämpfe von derselben Bedeutung, wie ehemals der Prozess Calas für die religiösen. Es handelte sich hei diesem bedeutungsschweren Ereignisse um nichts Geringeres, als um die Freiheit vor dem Gesetz, und es wurde schliesslich zur Wahrheit, was Beaumarchais in seiner vierten Denkschrift gesagt hat: „Die Nation sitzt (zwar) nicht auf den Bänken derjenigen, welche das Urtheil sprechen, aber ihr majestätischer Blick schwebt über der Versammlung. Ist sie auch nie die Richterin der einzelnen Menschen, so ist sie jederzeit die Richterin der Richter.“ Beaumarchais stand mit seinen Memoiren nicht allein. Schon vor ihm erregten ähnliche tendenziöse Broschüren der Generaladvokaten Mondar, Gastilion und La Chalotais allgemeine Aufmerksamkeit und Theilnahme. Der Letztere bewirkte beispielsweise durch seine Schriften, dass der Gouverneur Herzog von Aiguillon in einem Prozess gegen das Parlament der Bretagne trotz de? Protektion des Königs und der Dubarry verurtheilt wurde. „La Chalotais“, sagt Arnd (II. 465), „hatte, da er auf Befehl Ludwigs XV. ins Gefängnis geworfen und seiner Feder beraubt wurde, eine seiner Eingaben an den König mit einem Zahnstocher geschrieben und Voltaire gesagt, dass derselbe für die Ewigkeit geschrieben. Voltaire äusserte sich so, weil ihm die Unerschrockenheit und Unbeugsamkeit des bretagnischen Generaladvokaten gehol und er an diesem Kampfe als einer Aeusserung der 1* reiheit Gelallen fand. Aber die Nachwelt hat dieses Lob nicht bestätigt und La Chalotais’ Gesinnung stand weit über seinem literarischen Talent, das jetzt keinen besonderen Eindruck hervorbringen würde.“ Das Letztere liesse sich von den Produktionen der zwei erstgenannten Männer, sowie von denjenigen des Generaladvokaten Servan und des Parlamentspräsidenten Uupaty sagen, die mau gleichfalls ihrer Tendenz wegen mit Jubel begrüsste, die aber in literarischer Beziehung von den Produktionen des XVIII. Jahr-liundertes überhaupt, und von den Memoiren unseres Autors insbesondere weit überholt worden sind. Es macht sich in den Memoiren dieser Juristen eine leere Rhetorik, eine erkünstelte Beredsamkeit und eine übertiebene Deklamation geltend, was man in den Schriften Beaumarchais’ vergeblich suchen würde. Alle Literarhistoriker sind des Lobes voll, wenn sie auf die Memoiren unseres Autors zu reden kommen. (Villemain gieng in seiner Bewunderung so weit, dass er dessen Komödien vollständig übersehen hat.) Sie bilden aber auch gleichsam ein Bouquet, eine Gruppe der mannigfachsten literarischen Blüten. Roman, Satyre, Komödie, Pamphlet treiben darin ruhig ueben all den Elementen, welche einer echten Verteidigungsschrift zukommen. Geist, Phantasie, Logik, Pathos, Ironie, Alles vereint sich zu dem oinen Zweck: das Interesse des Publikums zu wecken. Wollen wir darin einen Roman finden ? Die Schilderung der spanischen Reise im vierten Memoire könnte einen recht interessanten vorstellen, wenn mau sie nicht, so wie Göthe, als ein Drama auffassen will. Wollen wir eine Komödie? Die Confrontation mit der Frau Goezman im Gerichtsaale wird von der Gerichtsszene in Figaros Hochzeit kaum übertroffen. „Heute bin ich es, Madame“, sagt darin Beaumarchais, „der den Angriff eröffnet. Mein Schlachtplan ist folgender. Wir werden Ihr Verhör und Ihre Vernehmung durchgehen; ich mache dazu meine Bemerkungen. Aber für jede Beleidigung, die Sie mir anthun, werde ich mich sofort rächen, indem ich Sie in neue Widersprüche verwickle.“ — „In neue, mein Herr? Giebt es denn welche in meinen Aussagen?“ — »Ach, du guter Himmel! Madame, es wimmelt davon darin. Aber ich gestehe ein, dass es auffallender ist, sie bei erneuerter Lektüre nicht zu gewahren, als sic beim Diktieren begangen zu haben.“ (Beaumarchais nimmt die Papiere in die Hand, um sie durchzusehen.) — „Wie! Hat denn der Herr die Freiheit, Alles zu lesen, was ich habe schreiben müssen?“ — „Das ist ein Recht, Madame, von dem ich mit aller möglichen Rücksicht Gebrauch machen werde. In Ihrem ersten Verhör, es handelte sich darum, ob Sie von (dom Buchhändler) Le Jay hundert Louisd’or erhalten haben, um II. v. Beaumarchais eine Unterredung (bei Ihrem Gemal) zu verschaffen — sehe ich, zu Ehren Ihrer Mässigung sei es gesagt, dass die sechzehn Antworten auf ebenso viele Fragen mit keiner überflüssigen Ausschmückung überladen sind. (Liest das Protokoll): Auf die Frage : ob sie hundert Louis in zwei Rollen bekommen ? Antwort: Das ist falsch! — Ob sie dieselben in einem Carton für Blumen versteckt? Das ist nicht wahr! — Ob sie bis nach Beendigung des Prozesses (n. gegen La Blacho) behalten? Freche Lüge? —> Ob sie nicht mit Le Jay für denselben Abend eine Audienz versprochen? Abscheuliche Verläumdung! — Ob sie Le Jay gesagt habe: ,das Geld war nicht nötig, Ihr Wort hätte mir genügt1? Teuflische Erfindung! etc.“ — (Beaumarchais verliest ein zweites Verhör, in welchem Frau Goezman alle früheren Fragen bejaht hat.) „Da sich die Aussagen vollständig widersprechen, so bitte ich, mir zu sagen, an welches von den beiden Protokollen Sie sich halten wollen?“ — „Weder an das eine, noch an das andere. Alles, was ich gesagt habe, ist ohne Bedeutung. Ich halte mich au die Wiederverlesung der Zeugenaussagen, als das einzige Schriftstück, das die Wahrheit enthält,“ Beaumarchais verliest das Schriftstück, bringt sie durch seine Fragen in Widerspruch mit ihren früheren Aussagen, bis sie schliesslich ängstlich und ungeduldig wird. Sie leugnet kurzwog, von Le Jay die fünfzehn Louis für den Sekretär bekommen zu haben. — „Bedenken Sie, Madame, dass es doch besser wäre, zu sagen, dass Sie nichts davon wissen.“ — „Ich behaupte, mein Herr, dass man mit mir darüber gar nicht gesprochen hat; hätte es überhaupt Sinn, einer Frau meines Standes fünfzehn Louisd’or anzubieten, mir, die ihrer noch den Abend vorher hundert ausgeschlagen hat.“ (Sie hält plötzlich inne und beisst sieb in die Lippen.) — „Am Vorabend des Tages, an dem man mit Ihnen über die fünfzehn Louis gar nicht gesprochen hat, nicht wahr?“ — (Sie erhebt sich wütend.) „Machen Sie ein Ende, oder ich gebe Ihnen ein Paar Ohrfeigen .... Was habe ich mit den fünfzehn Louis zu thun? Mit Ihren kleinlichen, verblümten Redewendungen suchen Sie mich zu verwirren und mir das Wort abzuschneiden; aber ich schwöre, kein Wort mehr zu antworten.“ Ihr Fächer bewegte sich doppelt so schnell, um das Feuer zu dämpfen, das ihr zu Kopfe gestiegen war. Der Gerichtsschreiber wollte Etwas sagen, bekam aber eine tüchtige Zurechtweisung. Der „weise“ Rath legte sich für Madame Goezman ins Mittel. Aber Beaumarchais stellt unbehindert den wahren Sachverhalt fest. Zum Schluss beweist er der Dame, dass sie nur eine Statistin sei, welche die iür sie verfaste Rolle schlecht einstudiert hat, da sie jeden Augenblick aus derselben falle. „Haben Sie, sagt er zu Ende der Confrontation, zu Protokoll diktiert: Man muss erst sehen, ob der Beweis erhärtet ist, dass man dem Le Jay die fünfzehn Louisd’or zurückgestellt hat“ und „bis dato liegt kein corpus delicti vor — corpus delicti? Grösser Gott! — und viele andere schöne Sachen, die man nicht im Kloster lernt? Ist es nicht klar, dass ich verraten bin? Man meldet mir eine schlichte Frau an und stellt mir einen deutschen Publizisten entgegen.“ Will man Beaumarchais in einfachen ernsten Worten reden hören, so lese man im zweiten Memoire die schlichte Erzählung seiner Lebensgeschichte, die er den giftigen Verläumdungen seiner Feinde entgegenhält. Im Gefühle der widerfahrenen Unbill ruft er da aus : „0 Ihr, die Ihr mich verläumdot, ohne mich zu kennen, tretet ein in den Kreis meiner Familie und höret um mich herum die Segenswünsche einer Menge guter Herzen, und Ihr werdet beschämt davon gehen.“ Die Angriffe der Feinde entlocken ihm oft wahre Herzenslaute, die man kaum lesen konnte, ohne gerührt zu worden. So wirft man ihm seine Geburt und das Handwerk seines Vaters vor. Er antwortet darauf: „Leider verband der letzte meiner Vorfahren mit mehreren anderen Handelszweigen eine ziemliche Berühmtheit in der Uhrmacherkunst. Da ich gezwungen bin, m dieser Beziehung das Vordammungsurtheil über mich ergehen zu lassen, so gestehe ich mit Schmerz ein, dass mich Nichts von dem gerechten An-wurf reinwaschen kann, den Sie mir machen — der Solin meines Vaters zu sein! Aber ich halte inne, denn ich fühle ihn hinter mir, wie er auf das herabsioht, was ich schreibe, und mich lächelnd umarmt. 0 Ihr, die Ihr uiir meinen Vater zum Vorwurf macht, Ihr habt keinen Begriff von seinem edelmütigen Herzen." Ein anderes Mal ist es bitterer Spott, mit dem er seinem Widersacher entgegentritt. Arnauld Baculard sagte in einem gegen Beaumarchais gerichteten Memoire: „Ja, ich gieng zu Fuss und bogegnete in der Rue Condé dem Herrn Carou, der in einer Carrosse sass, in seiner Carrosse!“ Darauf antwortet Beaumarchais: „In seiner Carrosse! wiederholen Sie mit einem dicken Ausrufungszeichen? Wer würde nicht aus diesem traurigen „Ich gieng zu Fuss" und aus dem dicken Ausrufungszeichen, das meiner Carrosse nachläuft, urtheilen, dass Sie der verkörperte Neid sind. Ich aber, der ich Sie als einen kreuzbraven Sterblichen kenne, ich weiss sehr wohl, dass jener Ausruf: In seiner Carrosse! nicht sagen willl, dass Sie sich darüber ärgern, mich in meiner Kutsche zu sehen, sondern darüber, dass ich Sie nicht in der Ihrigen gesehen habe.“ Aber nie war, nach der Aussage Villemains (III. 425) der Frohsinn erhabener, der Spott niederschmetternder, die Länge einer Schmähung durch die Originalität der Form erträglicher gemacht worden, als da, wo der Verfasser zu Anfang des vierten Memoire Gott bittet, Er möge wenigstens, da sein Diener ja alle Leiden mit Demut auf sich nehmen will, seine Feinde so machen, wie er — der Verfasser — sich dieselben vorstellt. Darauf folgen nach einanander die naturgetreuen Schilderungen der Charaktere des Grafen La Blachc, Goezmanns und seiner Frau, des Buchhändlers Le Jay. Schliesslich wendet er sich gegen Marin, der dabei am schlechtesten wegkommt: „... Das wäre mein inbrünstiges Gebet gewesen ; und wenn mir das Alles gewährt worden wäre, durch so viel Nachgiebigkeit ermuntert, würde ich hinzugefügt haben: Höchste Güte! Wenn es geschrieben steht, dass sich auch ein Eindringling in diese schreckliche Angelegenheit hineinmischen solle und auf die Ehre Anspruch erhebe, sie zu schlichten, dadurch, dass er einen Unschuldigen opfert und mich in eine unentwirrbare Verlegenheit stürzt: da wollte ich denn, dass dieser Mann ein linkischer und schwerfälliger Kopf sei, dass eine ungeschickte Böswilligkeit ihm seit langer Zeit zwei sonst unvereinbare Dinge aufgebürdet hätte, den öffentlichen Hass und die Verachtung; ich wollte vor Allem, dass er treulos gegen seine Freunde, undankbar gegen seine Beschützer, bei den Schriftstellern seiner Gensuren wegen verhasst, den Lesern seiner Schriften bis zum Ekel zuwider, den Geldbedürltigen wegen seiner Wucherzinsen schrecklich sei, dass er verbotene Bücher colportiere, Leute, die ihm in ihre Häuser Zutritt gewähren, ausspioniere, und, um sich zu bereichern, die unglücklichen Buchhändler in Verzweiflung bringe ; dass endlich die Menschen von ihm so denken, dass seine Anklage hinreiche, um für einen Ehrenmann zu gelten, und seine Protektion, um mit vollem Rechte Verdacht zu erregen: — gieb mir den Marin!“ Dadurch, dass sich Beaumarchais wiederholt an die Nation wendet, wie in der Eingangs zitierten Stelle, wo er ihr das Recht vindiziort, über die Richter zu Gericht zu sitzen, woiss er aus seiner privaten Angelegenheit eine Sache der Nation zu machen. „Sie nimmt ihn auch als ihren Verlhei-diger an, als den Rächer der öffentlichen Rechte. Sie unterstützt ihn bei seinen episodischen, gerichtlichen Verhandlungen, die er geschickt mit den Interessen der Freiheit zu verbinden weiss. Seine Memoiren schmeicheln sich nicht nur durch die unendliche Anmut des Sarkasmus ein, sondern auch durch die vortheilhat'te Kühnheit der neuen Prinzipien, die sie verkünden; sie verursachen auch mehr Revolution, als Skandal. Sie geben jenem Gefühle nach Freiheit und Gleichheit vor dem Gesetze, das seit längerer Zeit immer mächtiger wurde, neue Nahrung.11 (Villemain III. 426.) Als Verkünder der gesellschaftlichen Gleichberechtigung, als Herold des geistigen Adels tritt aber Beaumarchais erst in seinen Dichtungen auf, von denen Hettner treffend sagt: „Durchglüht von demselben Geiste (wie die Memoiren) packen und zünden sie überall, die stolzen Bulletins Rousseaus gewinnen hier Fleisch und Blut, persönliche Gestalt und Haltung.“ In ihnen hat sich der Dichter auf seine Weise der Gedanken entledigt, die wol in manchem unbewachten Augenblicke auf ihn losstürmten, um seine heitere Lebensphilosophie zu Schaden stellen; in ihnen rächt er, indem er dem Figaro sein Wesen leiht, auf offener Scene die Unbilden, welche ihm, dem Roturi er, von der Gesellschaft zugefügt wurden, dadurch, dass er die Verkehrtheit derselben dem allgemeinen Gelächter preisgiebt. Er hat damit nichts mehr und nichts weniger gethan, als vor ihm andere grosse Lustspieldichter. Hat er auch keine Meisterwerke ersten Ranges geliefert, so steht er mit seinem Figaro einzig da, denn er begründete in Frankreich eine Lustspielgattung, die in ändern Ländern nur durch schwache Versuche vertreten war, der Literatur seines Landes fehlte, und dennoch gerade im Wesen des französischen, des echt gallischen Geistes liegt — die Komödie als politisch-soziale Satyre. (Fortsetzung und Schluss im nächsten Jahresbericht.) t 8, . 7 Z. 8 von oben : Libretti statt Libretti’s. » 7 » 8 » unten : hat Beaumarchais st. bat er. » 12 » 8 n n gehörten st. gehörte. n 17 w 18 n n einen Laquais st. ein Laquais. » 23 » 18 n n andere st. Andere. » 26 n 2 n oben : 1779 st. 1879. » 28 n 16 n * Gold- st. Geldwaarengeschäft. » 28 n 4 n unten : sur st. sour. i» 29 n 17 n e bonheur st. honneur. » 30 n 12 n oben : on st. ou. » 82 n 8 » unten : ziehen, st. ziehen. » 84 » 21 » oben : Varenno st. Varone. » 41 » 1 n unten : déclare st. declare. » 44 n 22 n oben : dieser st. Dieser. » 46 n 15 n » Pritsche st. Peitsche. » 46 n 10 w unten: -zwing- wegzulassen. N. B. Einige Unebenheiten in der Schreibung konnten leider nicht mehr ausgeglichen werden, da die Bögen entgegen gedruckt wurden und in Folge dessen die nötige Uebersicht abgieng. S c h u 1 n a c h r i c h t e n. I. Personalstand. a) Der Lehrkörper bestand aus den Herren : 1. Josef Frank, k. k. Direktor, Gustos der SchUlerbibliothek; 2. k. k. Professoren : Josef Nawra-til, Vorstand der IV. Klasse und Gustos der naturhistorischen Lehrmittelsammlung ; Josef Jonasch, Vorstand der V. Klasse und Gustos der Lehrmittelsammlung für Geometrie ; Ferdinand Schnabl, Gustos der Lehrmittelsammlung für Freihandzeichnen ; Franz Fasching, Vorstand der II. Klasse und Gustos der Lehrmittelsammlung für Geographie; Gustav Kn ob loch, Vorstand der VI. Klasse; Gaston Ritter von Britto, Doktor der Philosophie, Gustos der physikalischen Lehrmittelsammlung ; Karl Neubauer, Vorstand der VII. Klasse; Franz Brelich, Weltpriester der fürstbischöfl. lavanter Diözese; August Nčmeček; Robert Spill er, Gustos der Lehrmittelsammlung für Chemie ; 3. k. k. wirklichen Lehrern : Anton Nagele, Vorstand der I. Klasse und Gustos der Lehrerbibliothek ; Oskar Langer, Vorstand der III. Klasse ; 4. Turnlehrer Rudolf Mar kl, Turnlehrer der k. k. Lehrerbildungsanstalt. b) Die Schuldiener: Johann Korošec und Simon Fuchsbichler. II. Lehrverfassung nach aufsteigenden Klassen. I. Klasse. Religion. 2 Stunden. I. Semester. Die christkatholische Glaubenslehre auf der Basis des apostolischen Glaubensbekenntnisses. II. Semester. Die christkatholische Sittenlehre auf Grundlage der 10 göttl. Gebote. Brelich. Deutsche Sprache. 3 Stunden. Die Wortarten; Declination und Conjugation. Der einfach nackte und erweiterte Satz. Erklärung und Besprechung zahlreicher Lesestücke. Memorieren von Gedichten, mündliches und schriftliches Wiedergeben einfacher Erzählungen oder kurzer Beschreibungen. Jeden Monat 2 Hausarbeiten und eine Schularbeit. Nagele. Slovenische Sprache. 2 Stunden. Bedingt obligat. Aussprache, Wechsel der Laute, Tonzeichen, Lehre von den regelmässigen Formen der flexiblen Itedetheile. Sprech- und Schreibübungen. Alle 14 Tage eine Haus- und eine Schularbeit. Brelich. französische Sprache. 5 Stunden. Die Regeln der Aussprache und des Lesens usit Inbegriff der Lehre vom Accente ; Abänderung des Fürwortes und des Hauptwortes, letzteres mit dem bestimmten, unbestimmten und dem Thei-luugs-Artikel, mit und ohne vorhergehendes Beiwort. Gesammte Abwandlung der Hillszeitwürter avoir und ótre, sowie der Zeitwörter der ersten regelmässigen Conjugation (donncr) in der aussagenden, verneinenden, fragenden und fragend-verneinenden Form. Aneignung eines entsprechenden Vorrathes von Wörtern und Redensarten mittelst des Memorierens. Häusliche Hebungen, bestehend aus dem oftmaligen Niederschreiben der zu lernenden Wörter und Phrasen, aus schriftlichen Hebersetzungen (aus dem Französischen ins Deutsche und vorzugsweise aus dem Deutschen ins Französische) sämmtlicher Hebungen aus Plötz’s Elementargrammatik, Lekt. 1—50. Praktische Hebungen (schriftlich) zur Erlernung der Abänderung und Abwandlung. N e m e č e k. Geographie. 3 Stunden. Elemente der mathematischen und physikalischen Geographie als Grundlage für das Verständnis der geographischen Verhältnisse der einzelnen Erdtheile und Länder, Vertheilung des Festen und Flüssigen auf der Erde. Oro- und Hydrographie und politische Eintheilung der fünf Erdtheile. Nagele. Mathematik. 3 Stunden. Dekadisches Zahlensystem. Die Grundrechnungen mit unbenannten und einnamig benannten Zahlen, ohne und mit Dezimalbrüchen. Grundzüge der Theilbarkeit, grösstes gemeinschaftliches Mass und kleinstes gemeinschaftliches Vielfaches, gemeine Brüche : Verwandlung derselben in Dezimalbrüche und umgekehrt. Rechnen mit periodischen Dezimalbrüchen und mit mehrnamig benannten Zahlen. — 16 Haus- und 9 Schulaufgaben. Knobloch. Naturgeschichte. 3 Stunden. Anschauungsunterricht in der Naturgeschichte. I. Semester: Wirbelthiere. H. Semester: Wirbellose Thiere. Nawratil. Geometrie und Zeichnen. 6 Stunden. Geometrische Formenlehre. Der Punkt, gerade und krumme Linien, gerad- und krummlinig begrenzte ebene Gebilde. Räumliche Gebilde (eckige, halbrunde und runde Körper). — Zeichnen ebener geometrischer Gebilde aus freier Hand nach Tafelvorzeichnun-gon. Das geometrische Ornament. Jeder Schüler zeichnete durchschnittlich 60 Blockblätter. Knobloch. Schönschreiben. 2 Stunden. Deutsche und englische Currentschrift mit Rücksicht auf eine deutliche und schöne Handschrift. (Grosses und kleines Alphabet.) Kno bloch. Turnen. 2 Stunden. Erste Elementarübungen, Ordnungs-, Frei- und Gorätli-übungen. Mar kl. II. Klasse. Religion. 2 Stunden. Der katholische Kultus. I. Semester: Die natürliche Nothwendigkeit und Entwicklung desselben, die kirchlichen Personen, Orto und Geräthe. II. Semester: Die kirchlichen Ceremonieu als Ausdruck des katholischen religiösen Gefühls. Brelich. Deutsche Sj)rache. 3 Stunden. Der einfache Satz, mündliche und schriftliche Reproduktion und Umarbeitung geeigneter Stücke aus dem Losebuche. Hebung im Vortrag kleiner Gedichte und prosaischer Erzählungen. Monatlich 2 Hausaufgaben und eine Schularbeit. Fasching. Slovenische Sprache. 2 Stunden. Bedingt obligat. Gosammte Formenlehre sammt den anomalen Formen. Einzelne zum Verständnis der Losestiicko nothwendige Sätze aus der Syntax. Alle 14 Tage eine Haus- und alle 4 Wochen eine Schularbeit. Brelich. Französische Sprache. 4 Stunden. Wiederholung der Lektionen 30 bis 60 der Plötz’schen Elementargrammatik. Fortsetzung der Formenlehre: Die drei regelmässigen Conjugationen ; einige Verben auf oir; Comparation ; Pronomina ; der Theilungsartikel ; Adverb ; die wichtigsten unregelmässigen Verben (Lektion 60—112 der Plötz'schen Elementargrammatik). Lektüre und Memorieren einiger leichter Lesestücke. Schriftliche Uebersetzung der meisten Uebungsstücke des Lehrbuches. 19 Haus- und Schularbeiten. 0. Langer. Geographie und Geschichte. 4 Stunden, Geographie Asiens und Afrikas. Eingehende Beschreibung der Terrainverhältnisse Europas. Geographie des südlichen und westlichen Europa, — Hebersicht der Geschichte des Alterthums. Fasching. Mathematik. 3 Stunden. Das Wichtigste aus der Mass- und Gewichtskunde, aus dem Geld- und Münzwesen, mit besonderer Berücksichtigung des metrischen Systems. Mass-, Gewichts- und Münzreduktion. Lehre von den Verhältnissen und Proportionen, letztere mit möglichstem Festhalten des Charakters einer Schlussrechnung; Prozent- und einfache Zins-, Discont-uud Terminrechnung, Kettensatz, Theilregel, Durchschnitts- und Allegationsrechnung. 10 Haus- und 10 Schularbeiten. Spill er. Naturgeschichte. 3 Stunden. Anschauungsunterricht in der Naturgeschichte. I. Semester: Mineralogie, II. Semester: Botanik. Spiller. Geometì'ie. 3 Stunden. Fundamentalaufgaben des Linealzeichnens. Kongruenz, Symmetrie und Aelinlichkeit ebener Gebilde. Verhältnisgleiche Strecken. Mittlere geometrische Proportionale. Der Kreis und seine Beziehung zu anderen ebenen Gebilden. Konstruktion regelmässiger Polygone. Grössenbestimmung und Verwandlung ebener Gebilde. Theilung derselben. Pytha-goräischer Lehrsatz. J o n a s c h. Freihandzeichnen. 4 Stunden. Elemente der Perspektive. Zeichnen nach Draht und Holzmodellen nach perspektivischen Grundsätzen. Elementare Scliattengebung. Gesammtunterricht des Flachornamentes. Schnabl. Schönschreiben. 1 Stunde. Fortgesetzter Unterricht im Schön- und Schnellschreiben mit Rücksicht auf eine fertige Handschrift. Cursivschrift. Fasching. Turnen. 2 Stunden. Ordnungs-, Frei- und Geräthübungen. Mar kl. III. Klasse. Religion. 2 Stunden. I. Semester: Geschichte der göttlichen Offenbarung des alten Bundes mit den nöthigen apologetischen Erklärungen. II. Semester: Die göttliche Offenbarung des neuen Bundes. Brelich. deutsche Sprache. 3 Stunden. Der zusammengesetzte und zusammengezogene Satz, die Periode. Lektüre pros. und poet. Lesestücke. Im Anschlüsse daran grammat. u. stilist. Analyse. Hebung im Reproduzieren des Gelesenen und im Vortrag kleiner Gedichte. Monatlich 2 Hausaufgaben und 1 .Schularbeit stilist. Art. Neubauer. Slovenische Sprache- Bedingt obligat. 2 Stunden. Systematische Wiederholung der gesummten Formenlehre. Fortgesetzte Bedungen. Prosaische und poetische Lektüre. Allo 14 Tage eine Hausarbeit, alle Monate eine Schularbeit. Brelich. Französische Sprache. 4 Stunden. Wiederholung der Formenlehre und der orthographischen Abweichungen der regelmässigen, Lehre von den unregelmässigen, Formenlehre und Syntax der rückbezüglichen und unpersönlichen Zeitwörter, Einführung in den syntaktischen Gebrauch von avoir und utre. Schriftliche Uebersetzung der meisten Uebungsstücke in der Schulgrammatik von Dr. C. Plötz. (Lektion 1—bis 28). Lektüre und Memorieren von Anekdoten, historischen und beschreibenden Lesestücken von Plötz’s Chrestomathie. 10 Ilaus- und Schularbeiten. Langer. Geographie und Geschichte. 4 Stunden. Spezielle Geographie des nördlichen, östlichen und westlichen Europa und namentlich Deutschlands und Englands, Hebersicht der Geschichte dos Mittelalters mit besonderer Hervorhebung der vaterländischen Momente. Neubauer. Mathematik. 3 Stunden. Wiederholung und Erweiterung des bisherigen Lehrstoffes, Ketten-, Gesellschafts- und Mischungsrechnung. Einübung der vier Grundoperationen in allgemeinen Zahlen mit ein- und mehrgliederigen Ausdrücken, soweit dieselben zur Begründung der Lehre vom Potenzieren und vom Ausziehen der zweiten und dritten Wurzel aus besonderen Zahlen ohne und mit Abkürzung nothwendig sind. 10 Haus- und 10 Schularbeiten. J o n a s c h. Physik. 4 Stunden. Allgemeine Eigenschaften der Körper, Wärmelehre, Magnetismus, Elektrizität. N a wratil. Geometrie. 3 Stunden. Stereometrie in ihrer vorgeschriebenen Ausdehnung. — Geometrisches Zeichnen : Nur nach Tafelvorzeichnungen, einestheils im engsten Anschluss au den Vortrag im Gegenstände, anderntheils das geometrische Ornament behandelnd. Jeder Schüler arbeitete durchschnittlich 18 Zeichenblätter. Jonascb. Freihandzeichnen. 4 Stunden. Gesammtunterricht des Ornamentes mit Belehrung über die Stilart desselben. Elemente des Kopfzeichnens, Gedächtniszeichnen und Fortsetzung von perspektivischer Darstellung einfacher technischer Objekte. Schattenlehre. Schnabl. Turnen. 2 Stunden. Ordnungs-, Frei- und Geräthübungen. Mar kl. IV. Klasse. Religion. 2 Stunden. Die Kirchengeschichte. I. Semesterr Von der Gründung der christkatholischen Kirche bis auf die Reformation. II. Semester: Von der Reformation bis zum letzten Vatikan-Concil. Brelich. Deutsche Sprache. 3 Stunden. Zusammenstellung von Wortfamilien mit Rücksicht auf Vieldeutigkeit und Verwandtschaft der Wörter, Grundzüge der Metrik und Prosodik. Geschäftsaufsätze. Allo 14 Tage eine Hausarbeit, alle 4 Wochen eine Schularbeit. Nagele. Slovenische Sprache. Bedingt obligat. 2 Stunden. Modus- und Tempuslehre. Kenntnis der wichtigsten Ableitungen und Zusammensetzungen der Wörter Alle 14 Tage eine Hausarbeit, alle 4 Wochen eine Schularbeit. Brelich. Französische Sprache. 3 Stunden. Wiederholung der unregelmässigen, reflexiven und unpersönlichen Zeitwörter. Gebrauch von avoir und ótre. Syntax des Substantivs, Adjectivs, Adverbs, des Zahlwortes und der Präpositionen. Stellung der Satztheile. Fortlaufende schriftliche Hebungen. Lektüre und Memorieren leichter, kleiner, prosaischer Lesestücke. Monatlich eine Hausund eine Schularbeit. Nemeček. Geographie uncl Geschichte. 4 Stunden. Geographie Amerika’s und Australiens. Eingehendere Behandlung der Geographie des österreichischen Kaiserstaates und seiner Verfassung. Heberblick über die wichtigsten Ereignisse der Neuzeit mit besonderer Rücksichtnahme auf die Entwicklung und die Geschicke Oesterreichs. Nagele. Mathematik. 4 Stunden. Ergänzende und erweiternde Wiederholung dos bisherigen Lehrstoffes der Unter-Realschule ; wissenschaftlich durchgeführte Lehre von den vier ersten Grundoperationen mit allgemeinen Zahlen, grösstes gemeinschaftliches Mass und kleinstes gemeinschaftliches Vielfaches; Lehre von den gemeinen Brüchen. Gleichungen des ersten Grades mit einer und mehreren Unbekannten nebst Anwendung auf praktische Aufgaben. 14 Haus- und 8 Schulaufgaben. Dr. v. Britto. Geometrie. 3 Stunden, Anwendung der vier algebraischen Grundoperationen zur Lösung zahlreicher Aufgaben der Planimetrie. Theoretische und praktische Behandlung der wichtigsten ebenen Curven mit besonderer Berücksichtigung der Kegelschnittslinien. Die Hebungen im Zeichensaale, stets gleichen Schritt mit dem Vortrage haltend, waren eine Durcharbeitung desselben. Jeder Schüler arbeitete im Durchschnitte 18 Zeichenblätter. Jonasch. Physik. 2 Stunden. Experimental-Physik. Schall, Licht, Magnetismus, Elek-tricität. Nawratil. Chemie. 3 Stunden. Hebersicht der wichtigsten Grundstoffe und ihrer Verbindungen, mit besonderer Berücksichtigung ihres natürlichen Vorkommens, jedoch ohne tieferes Eingehen in die Theorie und ohne ausführliche Behandlung der Reaktionen. Spill er. Freihandzeichnen. 4 Stunden. Hebungen im Ornamentzeichnen nach einfachen plastischen Ornamenten aus den Hauptstilarten. Gruppenunterricht. Perspektivische Darstellung von Kapitalem und Säulenbasen in Licht und Schatten. Fortsetzung dos Kopf- und Ornamentzeichnens. Gedächtniszeichnen. Schnabl. Turnen. 2 Stunden. Ordnungs-, Frei- und Geräthübungen. Mar kl. V Klasse. Deutsche Sprache. 3 Stunden. Die Grundzüge der Metük, Poetik und Stilistik, Egger s Lesebuch, I. Theil. Hebungen im Vortrage poetischer und prosaischer Schriftstücke. 7 Haus- und 6 Schularbeiten. Nagele. Englische Sprache. Bedingt obligat. 3 Stunden. Nach dem Lehrbuche von Dr. Sonnenburg: Uebersiehtlichc Darstellung der gesummten Aussprache einschliesslich der Accentlehre und der wichtigsten Unregelmässigkeiten. Formenlehre des Haupt-, Bei-, Für-, Zahl- und Zeitwortes einschliesslich der sogenannten unregelmässigon Zeitwörter. Syntax des einfachen Satzes ; einiges über die Nebensätze. Schriftliche Uebersetzuug der meisten Stücke des Uebungsbuches ins Englische. (Lektion 1—22). Lesen und Memorieren mehrerer im Uebungsbuch enthaltenen Lesestücke. 15 Haus- und Schularbeiten. Langer. Französische Sprache. Wiederholung des Lehrstoffes der III. und IV. Klasse. Gebrauch des Konjunetivs, der Participia Prsosentis und Perfecti. Syntaktischer Gebrauch des bestimmten, unbestimmten und des Thoilungsartikel und des Adjektivs (Steigerung, Concordanz und Stellung) Lektüre und Memorieren leichter prosaischer Lesestücke. Fortgesetzte schriftliche Hebungen. Monatlich eine Haus- und eine Schularbeit. Nčmeček. Geographie und Geschichte. 3 Stunden. Pragmatische Geschichte des Alterthums mit steter Berücksichtigung der liiemit im Zusammenhänge stehenden geographischen Daten. Fasching. Mathematik. 6 Stunden. A) Allgemeine Arithmetik : Zusammenfassende Wiederholung des Lehrstoffes, Gleichungen des ersten Grades mit zwei und mehreren Unbekannten; Dezimalbrüche, Kettenbrüche, Potenzen und Wurzelgrössen; Bedeutung der imaginären und complexen Zahlen und die 4 Operationen mit denselben; Verhältnisse und Proportionen, Logarithmen. B) Geometrie : Planimetrie im vollen Umfange streng wissenschaftlich behandelt. Hebungen im Lösen von Konstruktionsaufgaben mit Hilfe der geometrischen Analysis. 7 Haus- und 8 Schulaufgaben. Dr. v. Britto. Darstellende Geometrie. 3 Stunden. Die Grundelemente der darstellenden Geometrie und zwar: Orthogonale Projektion des Punktes und der Geraden. Die Lehre von der Ebene. Gegenseitige Beziehungen zwischen Punkt, Gerade und Ebene. Darstellung ebenflächig begrenzter Körper; ebene Schnitte derselben. — Die Hebungen im Zeichensaale waren eine stete Durcharbeitung des Vorgetragenen und jeder Schüler lieferte im Durchschnitt 16 Zeichenblätter. Jon a sch. Naturgeschichte. 3 Stunden. Anatomisch-physiologische Grundbegriffe des Thierreiches mit besonderer Rücksicht auf die höheren Thiore, Systematik des Thierreiches mit genauem Eingehen in die niederen Thiere. Nawratil. Chemie. 3 Stunden. Einleitung in die Chemie. Die Gesetzmässigkeiten bei chemischen Verbindungen in gowichtlicher und räumlicher Beziehung. Die Begriffe von Atom und Molekül. Wertigkeit der Elemente. Chemische Zeichen und Formeln. Die Metalloide und ihre Verbindungen unter einander, die Metalle der Alkalien, Erdkalien und Erden mit ihren Salzen mit besonderer Berücksichtigung der technisch wichtigen Körper. Spille r. Freihandzeichnen. 4 Stunden. Gesichts- und Kopfstudien. Gedächtniszeichnen. Fortsetzung perspektivischer Darstellung technischer Objekte in Licht und Schatten mit Stift, Kreide und Farbe. — Farbenlehre. — Ornamentzeichnen nach Modellen aus den Hauptstilarten. Schnabl. Turnen. 2 Stunden. Ordnungs-, Frei- und GeriithÜbungen. Markl. VI. Klasse. Deutsche Sprache. 3 Stunden. Uebersicht über die Geschichte der deutschen Literatur bis 1794 mit besonderer Berücksichtigung Ivlopstocks, Lessings, Goethes und Schillers im Anschlüsse an A. Eggers Lesebuch 11. ThL, 1. Bd. Grössere Lektüre: Goethes „Iphigenie auf Tauris“. Lektüre der in dem mhd. Lesebuch von Jauker und Noe aufgenommenen Lieder und Sprüche Walthers v. d. V. Hebungen im Vortrag poetischer Stücke nach freier Wahl. Sprechübungen an gegebenen Themen im Anschlüsse an den Unterrichtsstoff. 8 Haus- und 7 Schularbeiten. Neubauer. Englische Sprache. Bedingt obligat. 3 Stunden, Fortsetzung der Lehre von der Aussprache und den Wortarten. Syntax des Verbums (Lekt. 11—30 der Sonnenburg’schen Grammatik). Schriftliche Uebersetzung vieler Uebungs-stücke ins Englische. Lektüre leichterer Stücke in llerrig’s British Authors. 13 Haus- und Schularbeiten. 0. Langer. Französische Sprache. 3 Stunden. Wiederholung des Lehrstoffes der früheren drei Klassen. Fortsetzung und Schluss der Syntax. (Eigenthümlichkeiten im Gebrauch der Adverbien, Pronomina, Uebereinstimmung des Verbums mit dem Subjekte, Régimes der Verba, Infinitiv mit und ohne Präposition.) Lektüre und Memorieren prosaischer Lesestücke. Schriftliche Hebungen. Monatlich eine Haus- und eine Schularbeit. Nčmoček. Geographie und Geschichte. 3 Stunden. Geschichte vom VI. bis zum XVII-Jahrhundert mit steter Berücksichtigung der hiemit im Zusammenhänge stehenden geographischen Daten. Fasching. Mathematik. 5 Stunden. A) Allgemeine Arithmetik: Logarithmen; Gleichungen höheren Grades, welche auf quadratische zurückgeführt werden können, und Exponentialgleichungen; arithmetische und geometrische Progressionen mit Anwendung auf Zinseszins und Rentenrechnungen. Einiges über die Convergenz unendlicher Reihen. B) Geometrie; Goniometrie und ebene Trigonometrie, nebst zahlreichen Hebungsaufgaben in besonderen und allgemeinen Zahlen; Stereometrie mit Hebungen im Berechnen des Inhaltes und der Oberfläche von Körpern. 16 Haus- und 9 Schulaufgaben. Knobloch. Darstellende Geometrie. 3 Stunden. Gegenseitiger Schnitt ebenflächig begrenzter Körper; Erzeugung und Darstellung krummer Flächen, Tangentialebenen an krummen Flächen, ebener und gegenseitiger Schnitt der letzteren. Jeder Schüler arbeitete durchschnittlich 10 Zeichenblätter. Knobloch. Naturgeschichte. 2 Stunden. Grundbegriffe der Anatomie, Physiologie, Orga-nographie und Morphologie der Pflanzen, eingehend der Bau der Systeme, Physiograpliie und Nomenclatur des Pflanzenreiches. Systematische Bo-àik. Nawratil. Physik. 4 Stunden. Allgemeine Eigenschaften der Körper, Wirkungen der Molekularkräfte, Mechanik, Akustik. Frank. Chemie. 3 Stunden. Die Metalle der alkalischen Erden, wie allo wichtigeren Schwormotalle mit ausführlicher Behandlung der technisch-wichtigen Körper. Einleitung in die organische Chemie und Darlegung der wichtigsten chemischen Theorien. Die Cyanverbindungen, die ein und zweiwertigen Alkohole und die von ihnen abgeleiteten Säuren. S p i 11 e r. Freihandzeichnen. 4 Stunden. Fortgesetzter Unterricht des Ornamenten -Zeichnens nach Modellen. — Beginn des Zeichnens nach dem Runden. — Gedächtniszeichnou. — Perspektivische Darstellung von grösseren technischen Objekten. — Farbenlehre. Schnabl. Turnen. 2 Stunden. Ordnungs-, Frei- und Goräthübungon, Markl. VII. Klasse. Deutsche Sprache. 3 Stunden. Die deutsche Literatur seit 1780 im Anschlüsse an A. Eggers Lesebuch, II. Tbl,, 1. u. 2. Bd. Uebungen im Vortrag poetischer Stücke nach freier Wahl. Sprechübungen an gegebenen Themen im Anschluss an den Unterrichtsstoff. Grössere Lektüre : Goethes „Hermann und Dorothea.“ 8 Haus- und 7 Schularbeiten. Neubauer. Englische Sprache. Bedingt obligat. 2 Stunden. Wiederholung der unregelmässigen Verben; Syntax des Verbs, des Substantivs und dos Adjektivs. (Nach Sonnenburg’s Grammatik ) Schriftliche Uebersetzung vieler Uebungs-stücke ins Englische. Lektüre ausgewählter Stücke in Ilerrig’s British Authors. (Von Lamb, Scott, Swift, Brougham, Pitt, Macaulay, Irving ; endlich Byrons „Prisoner of Chillon.“) 15 Haus- und Schularbeiten. 0. Langer. Französische Sprache. 3 Stunden. Wiederholung und Ergänzung des grammatischen Unterrichtes. Lektüre. I. Semester : Montesquieu : Les causes de la grandeur et do la décadencc des Romains. II. Semester : Racine’s Athalie, sowie Lektüre und Memorieren kleiner poetischer Lesestücke : Monatlich eine Hausarbeit (freier Aufsatz) und eine Schularbeit. N ö m e č e k. Geographie und Geschichte. 3 Stunden. Ausführliche Behandlung der Geschichte des XVIII. und XIX. Jahrhunderts mit besonderer Hervorhebung der kulturhistorischen Momente. — Ucbcrsicht der Geographie und Statistik Oesterreich-Ungarns. — Vaterländische Verfassungsichre. Neubauer. Mathematik. 5 Stunden. A) Allgemeine Arithmetik : Grundlehren der Wahrscheinlichkeitsrechnung mit Anwendung auf die Berechnung der wahrscheinlichen Lebensdauer. B) Geometrie : Sphärische Trigonometrie nebst Anwendung auf Aufgaben der Stereometrie und der Astronomie ; analytische Geometrie der Ebene, und zwar analytische Behandlung der Geraden, des Kreises und der Kegelschnittslinien ; Durchübung der analytischen Geometrie in allgemeinen und in besonderen Zahlen, namentlich in Konstruktion der entsprechenden Aufgaben. Wiederholung des gesammten arithmetischen und geometrischen Lehrstoffes der Oberklassen mittelst zahlreicher Uobungsaufgabon. 8 Haus- und 9 Schulaufgaben. Dr. v. Britto. Darstellende Geometrie. 3 Stunden. Centralprojektion (Perspektive). Rekapitulation der gesummten darstellenden Geometrie mit praktischen Anwendungen behufs Erlernung geeigneter Darstellungsweisen technischer Objekte. 10 Zeichenblätter. Jo nasch. Naturgeschichte. 3 Stunden. I. Semester: Spezielle Mineralogie nach krystal-lographischen, physikalischen und chemischen Grundsätzen. Goognosio. II. Semester : Grundzüge der Geologie. Das Wichtigste aus der Klimatologie, der Phyto- und Zoogeographie. Nawratil. Physik. 4 Stunden. Elektricität, Magnetismus, Wärme, Optik, Grundlehren der Astronomie und mathematischen Geographie. Dr. v. Britto. Chemie. 2 Stunden. Mehrwertige Alkohole und mehrbasische Säuren. Kohlenhydrate, Benzolkörper, Glukoside, ätherische Oele, Harze, Alkaloide und Proteinkörper ; immer mit steter Berücksichtigung der einschlägigen Technologie und des Vorkommens der Körper in der Natur. Kurze Darstellung der chemischen Vorgänge beim Lebensprozesse der Thiere und Pflanzen. Nahrungsmittellehre. Kurze Wiederholung des Lehrstoffes. Spiller. Freihandzeichnen. 3 Stunden. Proportionen des menschlichen Gesichtes und Kopfes werden erklärt. Gesichts- und Kopfstudien nach Vorlagen und geeigneten Modellen (Flachrelief). Fortgesetztes Studium des Ornamentes und freie Wiedergabe desselben. Aquarelle. Zeichnen nach dem Runden in den hauptsächlichsten Darstellungsmanieren. Schnabl. Turnen. 2 Stunden. Ordnungs-, Geräth- und Freiübungen. Mar kl. III. Lehr- und Hilfsbücher nach Gegenständen und innerhalb derselben nach Klassen. 1. R e 1 i g i o n s 1 e h r o. I. Kl. Leinkauf: Kurzgefasste katholische Glaubens- und Sittenlehre. II. Kl. Terklau: Der Geist dos katholischen Kultus. III. Kl. Wappler: Geschichte der göttlichen Offenbarung. IV. Kl. A. W. Drechsl : Kurzgefasste Religions- und Kirchengeschichte für Realschulen. 2. Deutsche Sprache. I. Kl. Heinrich : Grammatik der deutschen Sprache für Mittelschulen ; Neumann und Gehlen : Deutsches Lesebuch für die I. Kl. der Gymnasien und verwandten Lehranstalten. II. Kl. Heinrich : Grammatik, wie in der I. Kl.; Neumann und Gehlen: Deutsches Lesebuch für dio II. Kl. III. Kl. Heinrich : Grammatik, wie in der I. Kl. : Neumann und Gehlen: Deutsches Lesebuch für die III. Kl. IV. Kl. Heinrich : Grammatik, wie in der I. KI. ; Neumann und Gehlen : Deutsches Lesebuch für die IV. Kl. V. Kl. Egger : Deutsches Lehr- und Lesebuch für höhere Lehranstalten, I. Theil. Einleitung in die Literaturkunde. Ausgabe für Realschulen. Janker und Noti : Mittelhochdeutsches Lesebuch für Oberrealschulen. VI. Kl. Kgger : Deutsches Lehr- und Lesebuch, II. Theil, 1. und 2. Band. Grössere Lektüre : Goethes „Iphigenie auf Tauris“ und Schillers „Wilhelm Teil“, yl. Kl. Egger: Deutsches Lehr- und Lesebuch, II Theil, 1. u. 2. Band. Grössere Lektüre : Goethe’s „Hermann und Dorothea.“ 3. Slovenische Sprache. I.—IV. Kl. Janežič: Sprach- und Uebungs-buch für die slovenische Sprache. 4. Französische Sprache. I. und II. Kl. Plötz : Elementar-Gram-niatik der französischen Sprache. III.—VII. Kl. Plötz : Schulgrammatik der ranzösischen Sprache. Plötz : Lecturos choisies (französische Chrestomathie 1Ult Wörterbuch.) Montesquieu : La grandeur et la dócadonco dos Romaines. 5. Englische Sprache. V.—VII. KL Sonnenburg: Grammatik der englischen Sprache nebst methodischem Uebungsbuche. VII. Kl. Herrig: British classical authors. 6. Goograhie. 1. 1(1. Ilerr: Lehrbuch der vergleichenden Erdbeschreibung für die unteren und mittleren Klassen der Gymnasien und Realschulen, 1. Cursus: Grundziige für den ersten Unterricht in der Erdbeschreibung. Kozenn: Geographischer Sohulatlas für Gymnasien, Real- und Handelsschulen. Ausgabe in 50 Karten. II., II., III. und IV. Kl. Herr: Lehrbuch der vergleichenden Erdbeschreibung. II. Cursus: Länder- und Völkerkunde. II. Kl. Kozenn: Wie in der I. Kl. III. Kl. Stielor. IV. 1(1. Kozenn: Wie in der I. Kl. 7. Geschichte. II. 1(1. Gindely. Lehrbuch der allgemeinen Geschichte für die unteren Klassen der Mittelschulen, 1. Band, das Alterthum. HI. Kl. Gindely: Lehrbuch etc., 2. Band, das Mittelalter. IV. Kl. Gindely: Lehrbuch etc., 3. Band, die Neuzeit; Hannak: Oesterreichische Vaterlandskunde für die unteren Klassen der Mittelschulen. V. Kl. Gindely: Lehrbuch der allgemeinen Geschichte für die oberen Klassen der Mittelschulen. Ausgabe für Realschulen, 1. Band, das Alterthum. VI. Kl Gindely: Lehrbuch etc, 2. Band, das Mittelalter und 3. Band, die Neuzeit. VII. Kl. Gindely: Lehrbuch etc., 3. Band, die Neuzeit. Hannak: Oesterreichische Vaterlandskunde für die oberen Klassen der Mittelschulen. II—VII. 1(1. Putzgcr: Historischer Schul-atlas mit 27 Ilaupt-und 48 Nebenkarten. 8. Mathematik. I., II. und III Kl. Močnik: Lehr- und Uebungsbuch der Arithmetik für Unterrealschulen. IV.—VII. Kl. Močnik: Lehrbuch der Arithmetik und Algebra für die oberen Klassen der Mittelschulen. IV. Kl. Wallentin: Methodisch geordnete Sammlung von Aufgaben aus der Algebra und allgemeinen Arithmetik, I. Theil. V.—VII. Kl. Wallentin: Aufgabensammlung, I. und II. Theil. V. Kl. Wittstein: Lehrbuch der Elementar-Ma-thematik, 1. Band, 2. Abthlg. Planimetrie. VI. Kl. Lehrbuch der Elementar-Mathematik. 2. Band, I. Abthlg, Ebene Trigonometrie. VII. Kl. Močnik: Lehrbuch der Geometrie für die oberen Klassen der Mittelschulen. V., VI. und VII. Kl. Vega-Bremiker : Logarithmiseh-trigouometrisches Handbuch. 9. Geometrisches Zeichnen und darstellende Geometrie. I. Kl. Streissler: Die geometr. Formenlehre. 1. Abthlg. II.—IV. 1(1. Streissler: Die geometr. Formenlehre. 2. Abthlg. V.—VII. Kl. Streissler: Elemente der darstellenden Geometrie der ebenen und räumlichen Gebilde. 10. Naturgeschichte. I. Kl. Pokorny: Ulustierte Naturgeschichte des Thierreichs für die unteren Klassen der Mittelschulen. II. Kl. Pokorny: Illustrierte Naturgeschichte des Pflanzen- und Mineralreiches. V. Kl. Schmidt Oskar: Leitfaden der Zoologie für Gymnasien und Realschulen. VI. Kl. Wretschko: Vorschule der Botanik für die höheren Klassen der Mittelschulen. VII. Kl. Hochstetter und Bisching: Leitfaden der Mineralogie und Geologie für die oberen Klassen der Mittelschulen. 11. Physik. III. und IV. Kl. Krist: Anfangsgründe der Naturlehre für die unteren Klassen der Mittelschulen. VI. und VII. 1(1. Münch: Lehrbuch der Physik. 12. Chemie. IV. Kl. Quadrat und Badai: Elemente der reinen und angewandten Chemie für Realgymnasien und Unterrealschulen (Effenberger). V. und VI. 1(1. Lorscheid: Lehrbuch der anorganischen Chemie. VII. KL Roscoö: Kurzes Lehrbuch der Chemie. Deutsch von Schorlemmer. 13. Schönschreiben. I. und II. Kl. Keine Vorlagen. 14. Stenographie. 2. Abthlg. Faulinaun: Die Schule der stenogrft' phischon Praxis. 16. Gesang. Kloss: Singlehre für Volksschulen und Kloss: Vierstimmige Kirchengesänge für Studierende an Mittelschulen. IV. Themen zu den Aufsätzen. V. Klasse, a) Hausaufgaben. Die Natur im Dienste des Menschen. — Was klingt uns aus den Lagen und Märchen der Vorzeit wieder ? — Besprechung der Kolonisation der 0riechen nach ihren Ursachen und ihren Folgen. — Meine Privatlektüre im Laufe des ersten Semesters. — Gedankensplitter aus dem Gedicht: „Hymne an Oesterreich“ (A. Grün) — Ilanuibals Zug über die Alpen. — Inhaltsangabe von Aeschylos’ „Eumeniden“. — b) Schulaufgaben. Stete Entwicklung, unaufhörliches Fortschreiten ist das Ziel des einzelnen, jedes Staatenvereines, der Menschheit (Erzh. Johann). — Was macht das Vaterland uns lieb und wert? — Die Bedeutung des Herzens im menschlichen und thierischen Organismus. — Wichtigere Verbindungen des Sauerstoffes in ihrer praktischen Verwendung. Nach freier Wahl. — In welchem Zusammenhang steht das Studium der Mathematik mit dem der anderen Unterrichtsfächer ? — Schilderungen aus der Alpenwelt. A. Nagele. VI. Klasse, a) Hausaufgaben. Hagen von Tronje. — Die Verkehrsmittel unserer Zeit. — Welchen Einfluss übte die Christianisierung der Deutschen auf ihre Poesie? — Das Mikroskop in der Hand des Naturforschers. — Die Bedeutung des Tunnels durch den St. Gotthard. — Der Charakter des Scherasmin in Wielands Oberon. — Die Bedeutung Italiens im Mittelalter und in der neueren Zeit. — Welche Einflüsse machten sich bei der Entwicklung des deutschen Dramas im 18. Jahrhundert geltend ? — b) Schulaufgaben. Wie sollen die Ferien benützt werden ? — Welche Ursachen bewirkten den Untergang des Römerreiches? — Das Leben des deutschen Ritters im 13. Jahrhundert. — Welche Dienste leistet die Schwerkraft den Menschen? — Der Gedankengang in der Ode „Die Etats góné-raux“ von Klopstock. — Die Bedeutung Wielands für die Entwicklung der deutschen Literatur. — Welche Rolle spielt das Wasser in der Thier- und Pflanzenwelt? Neubauer. VII. Klasse, a) Hausaufgaben. Welche Momente sind für die Entwicklung der Städte von Bedeutung? — Der sittliche Gehalt in Goethes „Iphigenie auf Tauris“. — Die Einwirkung der französischen Kultur auf die deutsche im 17. und 18. Jahrhundert. — Die Bedeutung der Meeresströmungen. — Der Charakter des Apothekers in Goethes „Hermann und Dorothea.“ — Warum streben die meisten Staaten nach dem Besitze möglichst grösser Seeküsten ? — Der Stil der Aloisiuskirche in Marburg. — Was hat die Astronomie der Optik zu danken? — b) Schulaufgaben. Das archimedische Gesetz und seine Bedeutung für die Menschen. — Die Lage und Bedeutung der Stadt Marburg a. d. D. — Die Bedeutung der Türkenkriege iür Oesterreich. — Welche Rolle spielt der Sauerstoff in der organischen Natur? — Der Freundschaftsbund zwischen Goethe und Schiller und seine Bedeutung für jeden der beiden Dichter. — Worin unterscheidet sich die moderne Republik von der antiken ? — Die Bedeutung der romantischen Dichterschule für die deutsche Nation. Neubauer. VII. Klasse. Hausaufgaben. Les commencements de la guerre do 1 rente aus. — La Mort de Waldstein. — Les machines à vapeur et les chemins de fer. — L’invention et l’importance de l’imprimerie. — La fable et lo caractòre d’Iphigónio par Goethe. — Le charme de la musique. — Les avautages des jeux nationaux grecs. — Lequel étaient le plus grand generai d’Anuibal ou d’Alexandre? — L’importauce de l’an 1526 pour 1 Antriebe. V. Freigegenstände. Stenographie. II. Abtheilung. 2 Stunden. Im I. Semester 30, im II. Semester 29 Schüler. Lese- und Schreibübungen bezüglich der Satzbildung. Schreibübungen nach allmählich rascheren Diktaten. Fasching. Analytische Chemie. 4 Stunden. 8 Schüler aus der VI. und VII. Klasse. Qualitative Untersuchungen von Lösungen und festen Substanzen mit 1 Base und 1 Säure, wie zusammengesetzter Körper. Lötlirohrproben. 2 Schüler übten auch einfache Titriranalysen. Spiller. Gesang. Eine Abtheilung mit 2 wöchentl. Stunden. Lehre von den Intervallen. Zoitmass. Uebungen im Treffen der Intervalle. Ein- und zweistimmige Lieder. Im I. Semester 35, im II. Semester 27 Schüler der unteren Klassen. Jonas ch. VI. Statistische Notizen (im engeren Sinne), a l) Auf Grund der Nach- und Wiederholungsprüfungen richtiggestellte Klassifikationstabelle für 1878/9. in der Klasso. E s e r h leiten Blieben ungeprüft o a> « 3 1. Klasse mit Vorzug I. Klasse II. Klasse III. Klasse Am Schlüsse des, Schuljahres Nach abgelegter Nachprüfung Am Schlüsse des Schuljahres Nach abgelegter Nachprüfung 1 Nach abgelegter Wiederholungsprüfung Am Schlüsse des Schuljahres Nach abgelegter Wiederholungsprüfung Nach abgelegter Nachprüfung Am Schlüsse des Schuljahres Nach abgelegter Nachprüfung I. 14 2 6 1 6 28 11. 2 10 — 1 4 1 — 18 III. 1 11 — 1 — — — 13 IV. 1 12 — — 1 — — 14 V. 2 14 — 1 2 19 VI. 1 11 — 1 4 1 — 18 VII. 1 — 8 — 1 — — -- — — — 10 Zusammen 8 1 — 80 — 7 17 1 — 7 — — 120 1879/80. a 2) Frequenz und deren Veränderung. I. Semester. K 1 n h 8 «1 1 I. 11. 111. IV. V. VI. VII. ZuAmvtv Aus der vorhergehenden Klasse aufgestiegen 12 9 6 10 17 13 67 Haben die Klasse wiederholt . 6 1 —- 2 — 4 — 13 Von auswärts gekommen . . . 22 1 >— 2 — 1 — 26 Im Ganzen eingeschrieben . . 26 13 9 10 10 21 13 102 Ausgetreten — — — — — — — — Verblieben am Endo 26 13 9 10 10 21 13 102 II. Semester. Eingetreten J — — — — 1 Ausgetreten — 1 — — 1 — — 2 Verblieben am Ende des Schul- jahres 26 12 10 10 9 21 13 101 a 3) Die Schüler nach dem Vaterlande. K 1 a s s e 11 'Zusammen 1 D- III. IV. VI. VII. I. 1 v. l Marburg 16 7 5 4 5 8 2 47 Steiermark überhaupt 6 8 2 2 8 7 6 81 Kärnten 1 _ — — _ 1 Krain _ — 2 _ 2 Küstenland 2 2 Ungarn — _ 1 1 2 2 6 — — 1 1 1 — 8 Slavonien 1 _ 1 Niederösterreich 1 1 1 _ _ — 3 Oberösterreich • . . T 1 Tirol 1 1 Böhmen I 1 Mähren I 1 Königreich Sachsen 1 — 1 a 4) Die Schüler n. d. Religionsbekenntnisse. Römisch-katholisch 24 12 10 7 7 21 12 03 Evangelisch A. Konfession Griechisch orientalisch 2 — - 1 1 2 — 1 6 2 Mosaisch — — — 1 — — 1 a 5) Die Schüler nach der Muttersprache. Deutsch 23 9 6 8 8 16 7 77 Slovenisch » 2 4 1 8 4 17 Sorbisch — 1 1 2 Grechiseli 1 1 Magyarisch j Italienisch — — 1 — 2 1 3 1 a 6) Die Schüler nach dem Lebensalter am Ende des Schuljahres. Mit 11 Jahren 4 4 » 12 „ 10 1 1 12 »18 „ 6 6 1 12 » 14 » 8 2 8 8 11 n 13 n 2 1 3 8 4 8 16 » 16 „ 1 2 2 2 8 1 11 » 17 „ — 2 7 4 18 » 18 n — 1 — 1 .—. 6 2 9 „ 19 n — 1 _ 4 4 9 n 20 „ 1 2 8 »21 „ — — — — — 1 1 a 7) Klassifikation am Schlüsse des Schuljahres. I. Klasse mit Vorzug 4 1 1 8 1 2 3 15 I. Klasse 17 10 7 7 8 ir> 10 74 H. Klasse 2 1 1 4 III. Klasse . . 2 1 2 5 Zur Wiederholungsprüfung zugelassen . . I Ungeprüft blieben 1 1 1 — — — 1 — 3 b l) Tabelle über Schulgeld und Stipendien. Klasse Zahl Befreiten im der Zahlenden im Schuigeluertrag im Zahl der Stipendien im Stipendienbetrag im 1. Sem. .1. Sem. Gulden 1. Sem. II. Sem. 1. Sem. II. Sem. Gulden l. Sem. 11. Bem. I. Sem. 11. Sem. I. — 4 26 22 208 176 11. 4 4 1 9 8 72 64 III. 5 1 4 0 82 72 IV. 2 2 8 8 64 - 64 V. 2 1 8 8 64 64 VI. 4 4 17 17 136 186 2 2 125 126 VII. 8 7 6 6 40 48 1 1 50 50 Zutainnieu 25 23 77 78 016 024 3 3 175 175 b 2) Aufnahmstaxen. Aufwand für die Lehrmittel. Beiträge für die Schülerbibliothek. Unterstützungsverein. A. Die Aufiiahmstaxen von 28 Schülern betrugen . . 58 fl. 80 kr. Hiezu die Taxen für 19 Zeugnisduplikate 19 „ — „ Zusammen . 77 fl. 80 kr. Durch den Erlass des h. k. k. steierm. Landesschulrathes vom 14. Dezember 1879, '/. 7950 wurden für das Schuljahr 1879/80 bewilligt und mit Note des löbl. Stadtrathes von Marburg vom 28. Dezember 1879, Z. 11485 angewiesen : für die Lehrerbibliothek 482 fl. 70 kr. und für die Lehrmittelsammlungen 335 fl. 10 kr., zusammen 817 fl. 80 kr., in welcher Summe obige 77 fl. 80 kr. mitinbegriffen sind. ß. Die Beiträge von 91 Schülern für die Schülerbibliothek betrugen 91 fl. C. Franz-Josef-Verein zur Unterstützung dürftiger und würdiger Schüler der Anstalt. Act iva. 878 fl. 88 kr. 81 55 n , . 58 „ 21 n Passiva. 21 fl. V kr. 16 „ 78 n » —- n . 8 n 70 » 8 » — » Summe J013 fl. 14 kr. Summe 69 fl. 48 kr. 1. Kassabestand von 1878/9 2. Beiträge der Mitglieder 8. Interessen vom eingelegten Kapital 1. Für Bücher und Requisiten 2. Kostgeld .... 8. Schulgeld .... 4. Stiefel.......................... 5. Entlohnung des Schuldieners Dazu der Kassabestand für 1880/1 . . . . . . 943 fl. 66 kr. Gibt die obige Summe . 1018 11. 14 kr. Verzeichnis der Beiträge der P. T. Mitglieder pro 1879/80. 11. kr. fl. kr. Herr A. Badi 2 — Herr Josef Martinz 2 » Dr. Baumann 1 — „ Johann Merio 2 „ Prof. Brelich 2 — „ Prof. Nemeöok 2 » Prof. Dr. v. Britto 5 — „ Prof Neubauer 2 Frau Cäcilie Büdefeldt 2 — » Dr. Orosel 2 Herr Inspektor Demmel 2 — „ II. Pototschnig 2 „ Inspektor Dubsky 8 — „ Ing. Prodnigg 1 „ Johann Erhart 1 — „Dr. A. Itak 2 „ Dir. Frank 2 — „ Dr. M. Heiser 2 „ Johann Gaisser 1 — „A. Schcikl 1 „ Johann Girstmayr sen, 2 — „A. Schilling 1 „ Dir. Gotho 2 — „ Franz Schmid 8 „ Tbom. Gütz 2 — „ Dr. J Schmiderer 1 „ Math. Grill 2 — „ Prof. F. Schnabl 1 20 » J°h. Gruber 2 — „ Wenzel Schneider 2 » Ignaz Gschaider 2 — „A. Schwarz 2 „ Dir. Gutscher „ Franz Halbärth „ Johann Isepp „ Josef Kadlik „ Prof O. Langer „ Dr. Leonhard „ Dr. Lorber „ Fr. Severa — 85 „ Dr. Terö 2 — „ Josef Wagner 2 — „ Dr. Walenta 2 — „ Franz Wels 1 — „ Michael Wrotzl 1 — Summe fl. 81 55 Ausserdem sind dem Vereine im Laufe des Jahres verschiedene Gaben an Kleidungs- stücken u. a. zugeflossen, Prof. Josef Jonasch, Kassier Prof. Ferdinand Schnabl, Oekonom des Vereines. Der Berichterstatter spricht hiomit den geehrten Gönnern und Freunden der studierenden Jugend für die empfangenen Beiträge und Gaben den wärmsten Dank aus mit der Bitte, ihr gütiges Wolwollen und ihre werktliätige Unterstützung dem Vereine auch für die Zukunft erhalten zu wollen. VII. Vermehrung der Bibliothek und der Lehrmittelsammlungen und Art der Erwerbung. A. Lehrerbibliothek. a) Geschenke. 1. Vom h. k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht: Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer in Wien für 1878, ein Band; Jahresbericht der Handels- und Gewerbekammer in Budweis für 1871—75, ein Baud; Movimento commerciale di Trieste nel 1878; Navigazione austro-ungarica all’estero nel 1878; Navigazione e commercio in porti austriaci nel 1878, je ein Band. 2. Vom h. k. k. Landesschulrathe : a) Skotitz: Oesterreich, botan. Zeitschrift. Jahrgang 1880. b) Hauer: Mittheilungen der anthropolog. Gesellschaft in Wien. 8. Bd. 3. Von der h. kais. Akademie der Wissenschaften in Wien: Den Anzeiger beider Klassen für 1880. 4. Von dem hochw. f. b. lavant. Consistorium in Marburg: Personalstand des Fürstbis- thums Lavant. 1880. 3 Expl. 6. Vom löbl. steierm. Landosausschusse: 67. Jahresbericht des steiermärk. landschaftl. Joanneums in Graz 1878. 2 Expl. 6. Von der löbl. Direktion des k. k. militär.-geograph. Institutes in Wien: Ein Werk über eine Parallel-Gradmessung in Piemont und Savoyen in den Jahren 1821, 1822 und 1823. 2 Quartbände und nebstdem 20 Tafeln. Für alle diese Geschenke wird hiemit geziemend gedankt. b) Ankauf. 1. Die Wiener Zeitung. 1880. 2. Verordnungsblatt für den Dienstbereich des h. k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht. 1880. 3. J. Kolbe: Zeitschrift für das Realschulweseu. 1880. 4. J. Gröber: Zeitschrift für romanische Philologie. III. Bd. 2., 3., 4. u. 5. (Schluss-) Heft. 6. L. Ilerrig : Archiv f. d. Studium der neueren Sprachen u. Literaturen. 62. u. 68. Bd. 6. A. Petermann : Geographische Mittheilungen. 1880. 7. Fr. v. Hellwald: Das Ausland. 1880. 8. Hoffmanu: Zeitschrift für mathem. naturwissenschaftl. Unterricht. 1880. 9. Schlömilch: Zeitschrift für Mathematik und Physik. 1880. 10. Wiedemann: Annalen der Physik und Chemie. 1880. 11. Kolbe: Journal für prakt. Chemie. 1830. 12. Arendt: Chemisches Centralblatt. 1880. 18. Lützow: Zeitschrift für bildende Kunst sammt Beiblatt. 1880. 14. v. Hefele: Conciliengeschichte. 1. und IV. Bd. 15. A. Göbel: Exogetisch-katechetisches Predigtbuch. 3 Bde. 16. G. Gervinus: Geschichte der deutschen Dichtung. 6. Bd. 17. L. Uhland: Alte hoch- und niederdeutsche Volkslieder. 2 Abtheilungen. 10. M. Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. 8 Bde. 18. L. Uhland: Gedichte und Dramen. 3 Bde. 20. J. Grimm: Deutsche Grammatik. 2 Udo in je 2 Abtheilungen. 21. J. Grimm: Deutsches Wörterbuch. VI. Bd. 4. u. 5. Liefg. 22. Fr. Miklosich: Altslovenischo Lautlehre. 1 Bd. 38. Fr. Miklosich: Ueber die Steigerung und Dehnung der Vokale in dun slavischen Sprachen. 1 Heft. 24. A. Slomšek: Werke. 8 Bde. 25. K. Bartsch: Provengalische Chrestomathie. 1 Bd. 26. E. Mätzner : Französische Grammatik. 1 Bd. 27. J. Jarnik: Index zu Diez’ etymologischem Wörterbuch 1 Bd. 28. E. Müller: Etymologisches Wörterbuch der englischen Sprache. 2 Bde. 20. Graham : Exercises on English Synonymes. 1 Bd. ”0. N. Delius: Shakspore’s Werke. 2 Bde. 81. N. Delius: Abhandlungen zu Shakspere. 1 Bd. 32. B. Tauchnitz’ Collection of british authors: Charles Dickens: Oliver Twist, Christmas stories, Somebody’s luggage, Mrs. Lirripor’s lodgings, Mrs. Lirriper’s logacy. 8 Bde. ”3. W. von Giesebrecht: Geschichte der deutschen Kaiserzeit. III. IV., 8 Bde. 84. A. Gindely : Geschichte des dreissigjährigen Krieges, 1. Abth. 3 Bde. 35- G. Waitz: Die deutsche Reichsverfassung von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts. 4 Bde 36. L. v. Ranke, Französische Geschichte, vornehmlich im 16. und 17. Jahrhdt. 6 Bde. ®7. A. Bchlossar: Erzherzog Johann von Oesterreich und sein Einfluss auf das Kulturleben der Steiermark. 1 Bd. 38. Oi Peechel : Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde. 1 Bd. 39. J. Chavanne: Die Sahara oder von Oase zu Oase. 1 Bd. 40. A. dänisch: Topograph.-statistisches Lexikon von Steiermark. 26., 27. und 28. Liefg. 41. F. Erones: Handbuch der Geschichte Oesterreichs. 6. Bd (29.—81. Liefg). Schluss. 42. E. Meyer: Vorlesungen über Wahrscheinlichkeitsrechnung. 1 Bd. 43. J. Steiner : Vorlesungen über synthetische Geometrie. 2 Bde. 44. J. Sorret : Handbuch dev höheren Algebra. 2 Bde. 45. W. Spottiswoode: Die Mathematik in ihren Beziehungen zu den anderen Wissen- schaften. 1 Bd. 46. F. Tilscher : Grundlagen der Ikognosie. 1 Bd. 47. Klingenfeld: Lehrbuch der darstellenden Geometrie. 3 Bde. 48. Aug. v. Mojsisovics: Leitfaden bei zoologisch-zootomischen Präparierübungen. 1 Bd. 49. A. Brehm: Illustriertes Thierleben. IV., V., VI. u. Vili. Bd. Schluss. 4 Bde. 50. R. Clausius: Die mechanische Wärmethorie und ihre Anwendung auf die Elektri- zität. 2 Bde. 51. J. Clerk Maxwell: Theorie der Würmci 1 Bd. 52. W. Thomson u. P. Tait: Handbuch der theoret. Physik. I. Bd. in 2 Theilen. 2 Bde. 58. Königsberger u. G. Zeuner: Repertorium der literarischen Arbeiten auf dem Gebiete der reinen und angewandten Mathematik. II. Bd. 6. Hft. 64. Graham-Otto: Ausführliches Lehrbuch der anorganischen Chemie. I. Abth. in 2 Hälften. 2 Bde. 55. H. v. Fehling: Neues Handwörterbuch der Chemie. III. Bd. 5., G., 7. u. 8. Liefg. 4 Hefte. 56. R. Fresenius: Anleitung zur quantitat. chemischen Analyse. II. Bd. 2. u. 8. Liefg. 2 Hefte. 57. W. Lübke: Geschichte der italienischen Malerei vom 4. Jahrhdte bis ins 16. 2 Bde. 68. E. Richter: Lehrbuch der Harmonie. 1 Bd. 59. A. Spiess: Turubuch für Schulen 1. II., 2 Bde. 60. Sachs: Wörterbuch II. Bd. (deutsch-französisch), 21.—27. Liefg. (Schluss). 5 Hefte. • B. Schülerbibliothek. a) Geschenke. 1. Von dem Herrn Telegraphenbeamten Anton Lankus: Das befreite Bosnien, von Paul v. Radies. 1 Bd. 2. Von dem ehemaligen Schüler Friedrich Ilger: Dos Freiherrn von Münchhausen Reisen und Abenteuer von Franz Hoffmanu. 1 Bd. Für diese Geschenke wird hiomit bestens gedankt. b) Ankauf. 1. Jules Verne: Die 600 Millionen der Begum; die Leiden eines Chinesen in China; die groasen Seefahrer des 18. Jahrhunderts. 4 Bde. 2. Dr. Friedrich Umlauft : Wanderungen durch die österreichisch-ungarische Monarchie. 8 Exemplare. 8 Bde. 3. Hellwald und Umlauft: Geographische Jugendbibliothek: a) Verkehrswege zu Wasser und zu Lande, von Dr. K. Zehden; b) Die Donau, von Dr. Ferd. Grassauer: c) Bosnien und die Nebenländer, von Gyurkovics; d) Die afrikanischen Neger, von Dr Philipp Paulitschke; e) Aus dem tropischen Amerika, Land und Leute in Mexico, von Karl Heller; f) Californion von Einst und Jetzt, ein historisch-geographisches Bild, von Dr. K. Zehden. 6 Bde. 4. Egger: Historische Jugendbibliothek: a) Maria Theresia im Erbfolgekriege, von E. Aelschker; b) Bilder aus der Vergangenheit der Siebenbürger Sachsen, von K. Reissenberger; o) Andreas Hofer und seine Kampfgenossen vom Jahre 1809, von R. Schiudi. 3 Bde. 5. Umlauft: Die Länder Oesterreich-Ungarns in Wort und Bild: a) Das Horzogthuro Steiermark, von K. Jaukor; b) Das Erzherzogthum Oesterreich ob der Enns, von F. Grassauer. 2 Bde. 6. A. Freiherr von Teuffenbach : Vaterländisches Ehrenbuch, II. poetischer Theil. 1 Bd. 7. Die Nialssaga. Nach der Dänischen Wiedergabe von 11. Lefolii, übersetzt von J- Claussen. 1 Bd. 8. F. W. Ilackländer's Werke. Erste Gosammtausgabe in 60 Bänden, in 30 Doppel- bände gebunden. 80 Bände. 9. Sophokles, Dramen, übersetzt von Donner. 2 Theile in I Bde. 10. Beckstein, ausgewählte Gedichte Walthors von der Vogelweide und seiner Schüler, 1 Bd. 11. Schäfer, Herders Cid. 1 Bd. 12. Weismann, Ernst, Herzog von Schwaben, von Uhland. 1 Bd. 18. Maschck, Grillparzers Sappho. 1 Bd. 14. Wolf, geschichtliche Bilder aus Oesterreich. II. Bd. in 2 Exemplaren. 2 Bde. C. Geographie und Geschichte. Custos: Franz Fasching. Ankauf. Spruner-Menke: Historisch-geographischer Atlas des Mittelalters und der Neuzeit. 20. bis 28. Lieferung. Schluss. D. Naturgeschichte. Custos : Josef Na w rati 1. Ankauf. I. Keller: 3 Anatomische Wandtafeln, aufgezogen mit Stäben: a) Skelett des Menschen, b) Die Haut des Menschen, c) Die Athinungsorgane des Menschen. 2. Arnoldi: I’ilzsammlung, 18., 14. und 15. Lieferung mit je 12 Stücken. 4. Gläser, Blasen, Weingeist u. s. w. E. Physik. Custos : Dr. Gaston Ritter von Britto. Ankauf. 1. Eine einstieflige Ventilluftpumpe. 2. Eine Syrenenscheibe. 3. Ein mit Harz überzogener Glasstab. 4. 2 Meter Gummischläuche und eine Kautschukblase. 5. Ein Tisch für’s Kabinet. 5. Verschiedene Werkzeuge, Glasröhren u. s. w. F. Chemie. Custos : Robert Spil le r. Ankauf. 1. Ein kleines Eudiometer. 2. Ein Schneidediamant in Fassung. 8. Ein Verdichtungsapparat mit 8 Glashähnen. 4. 2 Kautschukblasen, 5. Platintlech und Platinschwamm, Gläser, Chemikalien, Werkzeuge u. s. w. G. Geometrie. Custos : Josef Jo nasch. Ankauf. 1. Verglasung und Adjustierung von 23 Stück Rahmen für Zeichen- vorlagen. 2. 2 Reissbretter, 4 Zeichendreiecke, 2 Reissschienen und 2 Curvenliueale. 8. Andùl’s ornamentale Formenlehre. 1. Bd: Das geometrische Ornament, mit VIII. und 82 Seiten Text und 64 Tafeln in einer Mappe. H. Freihandzeichnen. Custos : Ferdinand Schnabl. Ankauf. 1. Vorhänge für 5 Fenster. 2. Eine Papierscheere. 8. Grandauer’s „Regelkopf“, 8 Seiten Text und 15 Tafeln. 4. Andel: Das polychrome Flachornament, 6., '., 8. und 9. Heft, zusammen mit 26 Tafeln. 5. Storck : Kunstgewerbliche Vorlageblätter. 18. Lieferung mit 10 Tafeln. 6. Grandauer: Elementar-Zcichenschule in 12 Folio-Heften zu je 10 Blättern ; dazu ein Heft Gebrauchs-Anleitung. J. Gesang. Gustos : Josef Jo nasch. Ankauf. 1. Kloss: Vierstimmige Kirchengesänge für Mittelschulen. 6 Explare. 2. Kirchenlieder, 47 Notenblätter. VIII. Maturitätsprüfung. Die mündliche Maturitätsprüfung pro 1878/9 fand unter dom Vorsitze des Herrn k. k. Landesschulinspektors Dr. Johann Zindler am 19. und 21. Juli 1879 statt. Von den 11 Kandidaten erhielten ein Zeugnis der Reife mit Auszeichnung 1, ein Zeugnis der Reife 6; zur Wiederholung der Prüfung aus einem Gegenstände nach Ablauf von 2 Monaten wurden zugelassen 4. Der schriftlichen Wiederholungsprüfung unterzogen sich 2 Kandidaten am 23. September 1879. Dieselben hatten dabei aus der Mathematik folgende Aufgaben zu bearbeiten : 1 2lo*. x _ glog. j- _ m . )0g x _|_ log, y = 2. 2. Es ist der Kubikinhalt eines geraden Kegels zu berechnen, dessen Gesammtoberflächo so gross ist, als die eines Kreises mit dem Halbmesser — 3