^»K 74. Dinstag ven ls. KePtemver.______________ D e u t s ch l a n v. Heidelberg, 29. August. Gestern fand aus der tb,n fertig gewordenen Bahnstrecke zwischen h>e? und Mannheim die erste Probefahrt Stall, die in jeder Hinsicht zur vollsten Zufriedenheit ausfiel. Die höchst» solide Ausführung der Bahn dürst« wenig zu wünschen üdrig lassen, und auch mit dei erreichten Geschwindigkeit — vier volle Wegstunden in 24 Minuten — dülfen wir zusrilben seyn. München, 2. September. Ihre kaiserlichen Hoheiten der Herzog und die Herzoginn von Leuch» lenberg, die erst diesen Mittag erwartet wuidcn, sind bereits gestern Abend nach ? Uhr hier einge« trofflN, und haben durch ihre unvermuthcte Ankunft ihr«« durchlauchtigen Mutter und Schwiegermutter ein« große und freudig« Ueberraschung bereitet. Das Aussehen des jungen Herzogs ist blühei'b, wie ,s ^ b.i seiner Abreise war, und seine Erscheinung gidt «in Bild kvensreiche, Kraft und ritterlicher Haltung, während Personen, die ihre Stellung bereits schon in die Nähe seiner hohen Gemahlinn führte, die Liebenswürdigkeit, der letzlern rühmen, und iu den qeislttichcn Zügen der anmulhsvollen jungen Dame AednUchkeil mit ihrer kaiserlichen Mutter find«n. Diesen Mittag ist nun auch die junge Prinzessinn Alexandra mit ihrer Aja hier ,ingelroff«n, und so herrscht nun wieder in den vollgedränglen Zimmern deS herzoglichen Palastes ein freudiges langverwißteS Leben.— Der k. preußische Slaatsminlst«r v. Kamptz mit Familie ist gestern hier angekommen. (Allg. Z.) Italien Rom, 26. August. D»r Aufenthalt deS heiligen Vaters in Caste! Gandolfo z'lgt sich für dess.n Gesundheit von Tag zu Tag vorlheilhafter. se baß All», di« das Glück hatten, ihm dort vorgestellt zu werden, nicht genug rühmen können, wie sie auß», seiner wellbekannten Leutseligkeit zugleich in Woh!-dtfindtn und Heiterkeit von ihm empfangen wurd-n. Er macht tägliche Ausfallen, bei nxlchen er oftmals große Strecken vc. Wegs so rasch zu Fuß geht, düß eher sein Gefolge als er ermüdet. Zum 8. deK nächsten Monats, Maria's Gtburlsftst, wird er hicr das Fest der Madonna in Person celebriren; ob er darnach wieder nach Lastel Gandolfo zurückkehrt, ist noch nicht entschieden. — Das gestrige Namens- u»d Geburtsfest Sr. Majestät des Königs Ludwig von Bayern wurde wie alljährlich von der» deutschen Künstlern in der Villa Malta gefeiert. Der Generalsecrelär der Münchener Akademie der schönen Künste, Professor und Ritter v. Wagner, hatte sie eingeladen. Unte? Gesang und Glaserklang wurde dem Kunst und Wissenschaft befördernd»« Fürsten wie aus Einem Munde em jubelndes Lebe« hoch ß,bracht. Der Donner von Pöllcrn verkündete der im Schleier der Nacht gehüllten Roma, daß Deutschlands Söhne dort bei Frcudenfeuer ihrem Beschützer zu Ehren ein Fest begingen, wie es keine andere Nation kann, noch Ursache Hal. — In der französischen Nationalkirche S. Luigi dei Frances» wurde das Fest des heiligen Ludwig durch »inen feierlichen Gottesdienst verherrlicht» welchem außer vielen Prälaten vi,rzehn Cardinäle veiwehnleo. In Abwesenheit des französischen AmbassadeurS vertrat der erste Secrelär, Graf v. Rayneval, dessen Stelle bei dieser Function. — Die au« Griechenland «in» getroffene Nachricht von dem Ableben des berühm» ten Altertumsforschers Olfried Müller aus Götlin-gen wird hier von seinen zahlreichen Freunden und Verehnrn schmerzlich betrauert. (Allg. Z.) Frankreich. Der Const i tutionnel enthält den Plan fur den bevorstehenden Feldzug in Nordafrika. Gewobn-! llch beginnen die Herbstoperationen erst im October, l in di'scm I"hr« aber werden sie eröffnet, sobald die ! Witterung es erlaubt. Man will dießmal d«n ehr: ' süchtigen Planen Add. El-Kaders und der Häupt-. linge unler ihm, welch« in den letzten Jahren das 330 Land verwüstet haben, elnIZlel setz,«: D«l aetlv« Divisionen werden aufgestellt und von Algier, Oran und Mostaganrm ausgehen. Die von Algier besteht aus 10,000 Mann unter dem unmittelbaren Befehl des Marschalls Valee. wenn nicht die Umstände seine Anwesenheit in Oran nothwendig machen, in welchem Falle den Befehl über diesen Theil der Expedition General Duviuier übernimmf, der andernfalls in der Stadt und in der Provinz Algier wäbrend der Abwesenheit des Marschalls den Befehl führen wild. Die Division von Oran, 42 bis 14000 Mann stack, wird von General Lamoriciere befehligt, t>er zum Oberbefehlshaber dcr Provinz ernannt ist. Sie ist die stärkste unter den drei Divisionen, weil fte gegen die kriegerischsten und dem Emir ergeden. sten Stamme bestimmt ist, und diejenigen Theile deS Bandes betreten wird, wo dessen Hauptmacht versammelt ist. Die Division von Mostaganem, 5 bis 6000 Mann, wird von General Changarl>ier be« fchligt. Die Divisionen von Algier und Oran sollen gemeinsam den Feind nach einem Punkte trei« h?n. Die von Mostaganem wird die Bewegungen , ber beiden andern Corps unterstützen, indem sie Diversionen macht oder die benachbarten Stämme im Schach hält. Die Division von Algier wicd in Mi-liana zusammengezogen und von ba in das Schelif. thal marschiren. Die Division von Oran sammelt stch bei dem Lager beim Feigenbaum, und wird zu gleicher Zeit ausbrechend, wie die von Algier, gegen Mascara ziehen. Der Hauptzweck dieser combinir-ten Bewegungen ist, den Emir in die Wüste zu treiben. Der gewesene Ksnig von Holland, Louis Vonaparte. Graf von Saint-Leu, hat an das Com« Merce folgendes Schreiben gerichtct: «Es ist e,n sonderbares und wenig passendes Mille!, seine Zu^ flucht zur Publicist zu nehmen, icb weiß es wohl; aber wenn «in alter, kranker, von Gram gebeugter, gesetzlich verbannter Vater nicht auf andeim Wege seinem unglücklichen Sohne zu Hilfe kommen kann, dann mag ein solches Mittel nur gebilligt werden von allen, die ein Valerherz tragen. Ueberzeugt, daß mein Sohn, der einzige, welcher mir verblieben, Opfer einer schändlichen Intrigue, von elenden Schmeichlern, falschen Freunden und vielleicht durch hinterlistige Rachschläge verführt ist, kann ich nicht schweigen, ohne meine Pflicht i« verletzen, ohne der bittersten Reue mich auszusetzen. Ich erkläre also, daß mein Sohn Louis Napoleon zum drillen Male in ein« abscheuliche Schlinge gerathen ist, d,nn eS ist nicht möglich, daß «in Mann, dem es nicht an gesunder Vernunft fehlt, sich so bereitwillig in eiuen solchen Abgtunb siurzen konnte. Wenn er schuldig ist, so sind >i« Schuldigsten, die eigentlichen Anstif« l«r doch die, w»lche ihn verfuhrt und irre geleitet haben. Ich erkläre, mit einem heiligen Absch«u, daß der Schlmp?, d,n man meinem Sohne angethan, indem man ihn in das Zimmer eines schandlichen MorderS sperrte, «Ine ungeheure, anti-französiche Grausamkeit, ein» eben so grobe, niedrige, als hinterlistige Beleidigung ist. Als tiefgebeugter Vakr, als gute«, durch dreißig Jahre der Verbannung z«-prufter Franzose, a!S Bruder, und wenn ich es sag«n darf. Schüler jenes Mannes, dessen Statuen man wieder aufrichtet, «mpfehle ich meinen verirrten «vd verführten Sohn seinen Richtern und allen d»N«n, weiche das Herz eines Franzosen und Vaters haben. Florenz, 24. August. (Unlerz.) Louls von Saint-seu." (Öst. B.) H p « n i e n. Ueber den gegenwärtigen Stand der Ding» w Spanien heißt es in einem Schreiben von der spa» Nischen Gränze vom 28. August: In einiger Ent» fernung von Barcelona, auf hohem Meere, empsin« gen das französische Dampfboot Tonnerr« und einig« ander« franzosische Schiffe, dasjenige, worauf sich di» Königinnen befanden, um dasselbe zu begleiten. Die Königinnen werden vie« bi« fünf Tage in Valencia bleiben, wohin ihnen General O'Donnell, «n de« Spitze von 19,000 Mann, vorangegangen ist. <35« partero schlägt sein Hauptquartier zu Martorell auf. In einem an diesem Orte mit ihren Ministern und Espartero gehaltenen Conseil hat die Königinn ver» langt, die Arme« solle auf 80,000 Mann reducirt werden, eine Kriegsmacht, die man augenblicklich für Spanien genügend halt; allein Espartero hat, unter dem Vorwand, baß die politischen Angelegenheiten EurcpaS solches verlangen, behauptet, die numerisch« Stärke dcr Armee dürf« nicht weniger als 120,000 Mann betraun, und seine Ansicht hat den Ausschlag gegeben. Man versichert, Espartero beabsichtige, unterstützt von der englischen Partei, sich sobald als möglich zum Mitregenten aufzuwerfen. Zu diesen» Zweckt liebkoset er die Armee und erhalt sich hie« sein« Anhänger, von denen eine Reduction ihm viel« entziehen würde. Dagegen legt die Königinn-Regen« tinn, von der französischen Partei unterstützt, jhl,r, seits große Energie, im Sinnc der gemäßigten Regierung, an den Tag. Bordeaux, 29. August. »Vergebens schmei» chelt sich der Hof, heißt es in einem Schreiben aus Madrid vom 23-, durch Beschwichtigung Esparlero's und durch Verwerfung Don Antonio Gonzalez's 33l «Programm, die Schwierigkeiten seiner Stellung be-sitgl zu haben. Die Gewitterwolken häufen sich seitdem nur um so düsterer üdcr den Häuptern t»«e Iovellanos, deS Gemeinderalks letzter Blschluß und die drohende Haltung dec Miliz sind die Vorläufer des früher oder später losbrechenden Sturmes. Wie vol 50 Jahren die Beschlüsse deS Gemeinderaths von Paris in allen Deparlemenlen Frankreichs widerhallten, so möcht« leicht das Beispiel d«S Ayun-tamiento von Madrid ansteckend auf alle größern Slädle Spaniens wirken. Auflösung der Cortes, Zurücknahme des Municipalgesetzes, Besetzung der Staalsämter mit Männern dee Fortschritts, Enifer. nung aller AfranctsadoS, Beibehaltung der Almee und ?lufst,llung eines starken Beobachtungheeres an den Pyrenäen __ dab sind die gebieterischen Forderungen der revolutionären Partei. Man vergesse doch nie, daß der englische Einfluß bis jetzt die Eral-taboS ausschließlich beherrscht, lenkt und vorwärts lltibt. Vielleicht gelingt es, mit Hilfe der Soldaten O'Donnels und Diego Leons die Bewegung der Unzufriedenen für kurze Z,it niedtlzuhalltni aber bei dem Haß der Partei gegen die Iovellanos, bei ihrer Gier nach Gewalt und Gold, bei der bestimmten Richtung, die ihrem Streben von außen her aufgedrückt wird, muß die Erschütterung nothwendig j» später um desto furchtbarer sey». Ich bemerke zu vorstehender Stelle, die aus ehrenwerther Feder stießt, daß die Persönlichkeit der Regenlinn, die Ta-lline und Freislnnigkeit mehrerer ihrer neue» Näihe dl«. scheinbar wenigstens, zu einigem Vertrauen be» rechtigende Haltung Csparlero's und der Einfluß un-sertS Botschafters, d«r dem Hos am Bord eines französischen Kriegsschiffs nach Valencia gefolgt ist. noch Hoffnung zu ein»r glücklicheren Wendung der Dinge lassen. — Die Plackereien und Verfolgungen gegen die amnestirtcn Carlistm dauern in mehreren Gegenden auf empörende Weise fors. Dab bewillig, «e Indulto, antwortet man ihnen hönisch, beziehe sich nur auf daS Factum der Empörung gegen den Thron. Die späteren Handlungen aber, welche die Folgen der Empörung waren, bleiben Verbrechen UNd sind als solch« zu strafen. — Ich habe seiner Zeit die Erschießung eines fünflhalbjährigen Knaben auf Befehl Valboas berichtet. Die Sache ging so zu. In einem Tagsbefehl vom 2. Juni erklärte der General, daß die im Kerker liegenden Verwandten des Guerillero Cerones als Repressaii« für die Ermordung eines Bürgers von Daymiel durch die Carlisle« zu büßen hsstlen und daß daS LooS das Opfer bestimmen werde. DaS LooS traf daS arm« Kind, daS der Commandant des Forts Fuente" ill FreSno auch sofort erschießen ließ. — Ein englische« Fahrzeug hat vorgestern Geschütz in Passages geladen und die Forcs sollten nächstens der spanischen Artillerie übergeben werden. Ueber die neuesten in London eingegangene» Nachrichten aus Spanien bemerkt die Morning» Chronicle: «Unser Correspondent in Barcelona theilt uns das Decret mit. wodurch Don Valentin Ferraz zum Conseilsprästdenten ernannt wird. Das Decllt ist «ine neue Erscheinung in der konstitutionellen Welt; es erklärt, daß die Königinn-ReglN-tinn, kraft der ihr durch die Constitution verliehenen Vollmacht, die Weigerung des Don Valentin Ferraz, in das Cabinet zu treten, nicht annehme, sonder», dem genannten Gcnelallieutenant befthle, das Aml eines Conseilspräsl'denten anzunehmen. Hier wild also das System des Pressen« in d,r Politik eingeführt. Weigert sich d«r Generaliieutenant abermals, so wird er ohne Zweifel wegen militärischer Insu» borbination in Cuarlel gesandt. Es scheint, diiß, nachdem Gonzalez seine Ernennung abgelehnt Hal, die beiden Ferraz und Onis t^e chrigen nur unt« gewissen Bedingungen annahmen. Da aber auch diese Bedingungen nicht erfüllt wmdtN, so rtithUn die beiden Fenaz ihre Entlassung ein, und nur d«r Eine von ihnen wurde mit Gewalt genöthigt, z» bleiben. Dieß ist eben so lächerlich als schimpflich und verwandelt die constitutioneUe Regierung in ein« Pupptncomödie. Die Spanier werden wahrscheinlich sehr unzufrieden damit seyn, daß man den ehrenwtt-then Gonzalez bei Seile gesetzt hat. Wir waren allerdings geneigt, zu glauben, daß Gonzalez sich etwas zu unbeugsam gezeigt habe, hofften jedoch, daß wenigstens die geringen Garantien, die man dem Halbliberalismus 5>er beiden Ferraz versprochen Hal, würden erfüllt werden. Dem war jedoch nicht so, die Königinn-Ntgtnlinn will in nichts nachgeben. Unser Madrider Correspondent sagt, daß die Königinn bei ihrer gegenwärtigen Politik und bei ihren Verhandlungen mit den neuen Ministern völlig unabhängig von Espartero handle, und daß si« selbst auf Dingen bestehe, die ihm sehr unangenehm sind, wie die Auflösung der Armee. Andererseits sind ihm darüber, daß er dieInsurreclion nicht verhindert habe, so viele Vorwürfe gemacht worden, daß er sich nicht zu rühren wagt. Es heißt, er habe sein Commando niedergelegt, woll» dieß aber nicht bekannt machen, weil er neue Tumulte fürchte. Das Resul. tat aller dieser Manöver ist unvermeidlich. Die La« marilla kann bei aller ihrer Verschmitztheit sich dem 332 Willen der vlrelnlHten Soldaten und Bürger nicht widersetzen, sie kann nur für sich selbst eine Kata.-strophe bereiten." Der Moniteur enthalt die durch den Tele< graphen eingegangene Meldung» daß die Engländer den Hafen von Passages nunmehr vollständig geräumt haben. , (Ost- B.) N. n ^ l a n V. ' Ätls Bessarabien, l9. Ä^uguß. Noch ruhen dit russischen Waffen am Kaukasus, jedoch nur noih für kurze Zeit. Die erwarteten Verstärkungen sind schon größentheils zurOperalionSarmee gestoßen, die Flußbette, welche die einzig möglichen Wege zum Vorbringen in das Inner« des Landes sind, fangen, an seicht zu werden und die Hitze nimmt allmählich ab. Die bisherigen Haupthindernisse wären damit gehoben, und so glaubt man,, daA die Operationen recht bald ihren Anfang nehmen werben. Inzwischen befestigen die Russen die verschiedenen Punkte, die sie an der Küste inne haben, so wie d!« Linie deb Kuban. General Grabbe wird, wie lch aus guter Quelle höre,, zu Anfang. deS Monats September durch das Flußbett der Laba vordringen und zu beiden Seiten Alles verwüsten, mil Eintritt des Winters abee wieder selne Canlanilung»n am Kuda.^ bl> ziehen; zu gleicher 3e>t mit General Gradde dürfte General Najewski durch dl« Gebirgsschluchten vordringen, um ersterem wo möglich die Hand zu dielen, und sich mit demselben zu vereinigen, waS ein« eben so schwierige als gefahrvolle Aufgabe ist. Auf der östlichen Seite des Kaukasus hat indeffefl der bekannte Chef der Lesgher, Schamil, feit längerer Zeit schon, die Feindseligkeiten wieder begonnen, und beunruhigt mit seinen 12 bis 15000 Mann ohn« Unterlaß den General Galatejew, der deßhalb selne Truppen concencriren mußte, und dadurch dem Anführer Schamil Gelegenheit gab in dem Lande der Tschelzenzer vorzudringen^mch, yiefe neuerdings zu insurgiren. Allein diese kleinen Vmheile der Tscher-kessen sind nur vorübergehend; ehestens wird eine Mass« von 60 bis 70000 Mann um den Kaukasus versammelt seyn, und der AuSgang des so beginnenden Kampfes ist nicht zweifelhaft, wenn gleich die /furchtbaren Beschwerden, Hitze und,Krankheiten, die Reihen der Russen sichtbar lichtm.—; Berichten aug St. Petersburg zufolge hat auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers der Minister des Innern, Graf Stloganoff, die vier Gouvernements, in welchen aus Anlaß der Mißernten Mangel und Theurung am fühlbarsten sind, persönlich bereist. Aus seinem als Ergebniß dieser Nelse erstatteten Bericht soll hervorgehen, daß die Noth und das Elend bei weitem nicht so groß seyen, als sie von vielen Seiten geschildert worden. — Die Expedition g,g«n Chiwa soll nun doch für dieses Jahr aufgegeben seyn. Das hiezu detaschirte auf dem Marsche nach Orenburg bereits begriffene Trupvencorps soll plötzlich Befehl erhalten haben, sich nach Georgien zu wenden; man weiß nicht, ob um ebenfalls gegen die Tschcrkessen oder vielleicht gegen Ibrahim Pasch» verwendet zu werben. 5"Vetlin, 30^ August. Brief« aus St. Pe- l«r«vurg bringen die wichtige Nachricht, von der russischen Admiralität sey der Befehl nach Kronstadt ergangen, baß lZ Kriegsschiffe sogleich nach dem Milcclmeer instradirr werden sollen. Wenn nun diese achtzehn Segel sich mit der englischen Flotte in der Levante vereinigt haben werden, so wirb dle unter den Befehlen Admiral Slopfords combinirl« Esc.idre aus W Segel bestehen, worunler 22 englisch?, 9 österreichisch», 4 oSmanische und lg russische. Ntbstdem sollen noch einige großbritannische Kriegsschiffe von hohem Bord nächstens nach der Levante ju» Verstärkung de« dortigen Eöeadre beordert werden. (Mg. ö) Gsmanisches Neich. Ein Supplement zum Echo de l'Oritnt vom 22. August (welches wir über Constanlina-pel erhalten haben), enthält folgendes Schreiben aus Alexandrien vom 16» August: Unsere Ahnungen scheme« in Erfüllung zu gehen,- Mehemed Ali bleibt taub gegen den Willen der Mächte; er verwirft jed'« Ausgleichung; er will den Krieg; er wird seinen Untergang, dabei sinden. — Das englische Dampsboot Cyclops,, aus Smyrna kommend, welche« die Convention vom 15. Juli überbringt, ist am 6. angelangt, und hat uns die nah« bevor» stehende Ankunft eines türkischen DampfbootS mit einem Bevollmächtigten d«r Pforte angekündigt, welche beauftragt ist, dem Pascha die Befehl« Sr. Hoheit, und den definitiven Beschluß der mit der hohen Pforte befreundeten Mächte kund zu geben. — Am, nämlichen Tage hat sich das Kciegsoampfboot Gorgon, welches nach Syrien geschickt woiden war, um das GroS der englischen Flotte mit den Schiffen, di« noch entfernt von ihr seyn dürften, zu vereini' gen, neuerdings zur Verfügung d«s englischen Hcrrn Giner.ilconsuls gestellt. — Am 7. ist das französische Dampfschiff l'Etna um 5 Uhr Nachmittags nach Toulon abgegangen. —Der Pascha hatte sich bereits unter dem Vorwande, daß gewisse Agricultur- oder Admini- 333 Abmimstrationsgeschafte seine Gegenwart erheischten, nacb Niederagvplen begeben, ln der That geschah es aber, um sich neuen Conferenzen mit den Herren Consul» ju entziehen, die nichts Angenehmes für ihn haben dürften, weil sie all« dahin abzwecken wür« den, ihn ron der falschen Bahn, ti« er leider mil so großer Hartnäckigkeit betreten hat, abzubringen. —. Mthemet» Ali hat scine Neise zu .bcnützen gesucht, indem er ssch bemühte, die unglückllchen, seiner Ver« waltung untergebenen Völker persönlich zu fanatiss-rtn. In einem Conseil, wobei die Mamurs und «we große Zahl von Häuptlingen der Beduinen versammelt waren, appelliere er an ihren Patriotismus, «n ihre Religion; er sprach vom Entschluß b,r Mäch' tt, als von einem Vorläufer des Untergangs des muselmannischen Glaubens und ber Vernichtung b,r arabischen Nationalität, beren.Witdelderstellung er sein ganzes Leben gewidmet habe und noch ferner widmen würbe, wenn Gott und seine Völker ihm ihren Bei-stand leihen wollten; er hat, mit Einem Worte, nichtS unterlassen, um Leute zu verführen, die, wenn sie sei« ner Stimm« Gchor schenkten, sich unfehlbar seinem Sturz« beigesellen würden. Drei Regimenter von der Armee von A,d milieä-li^ch organisirt werden. Das Lager soll aus ber Na-liona'.garbe der Umgegend, aus einigen Artilleristen, «rh auS einem Corps von 2U0U Beduinen bestehen, uncer Commando Achmet Pascha's und Ibrahim Kulschuk Pascha's ersterer vormaliger Generalissimus d« Armee von Mekka, letzterer ehemaliger lomman-dirender General der Division von Jemen. Alle diese Truppen haben, seit sie die heiligen Ort» geräumt haben, so viele Strapatz,n auszustehen gehabt, daß sie, wenn das Loos der Waffen entscheiden müß, le, den wohlßtleiletln Angriffen einiger europäischen Bataillons sicherlich keinen großen Niderstand leisten würden.—Die ganze Nacht vom ld. ist zum Transport von Kriegsmnnilion an Bord des Admiralschif-fts verwendet worden, welches den ägyptischen Fahr-5«ligen davon mittheilte, aus Bisorgniß eines Auf' siandeS der Mannschaft der türkische,, Flotte. — Am tl. ist das ettomannische Dampfschiff, welches Ri-faat-Bei und die verschiedenen Abgeordneten der Mächle, welche ble Convention vom l5. Juli unter» zeichnet haben, an Bord hatte, hier angelangt, ^_ Am 12. ist das französisch« Dampfboot l« Tartar«, (Zur Laib, Zeitung Nr. ?c». lä^.> mit bem Grafen Walervskp an Botb, tlt von dem Präsidenten des Conseils be« Cabinets vom «. Mär» mll einer außerordentlichen Sendung an den Pasch» beauftragt ist, in unsern Hafen eingelaufen. Altt Schritte beö jungen Abgesandten sind blshee in« lief» ste Geheimniß gehüllt. — Am nämlich,« 2ag» h«^ b,n wir das franMsche Kriegsdampfboot Lavoisier, welches mit Depeschen für Hrn. Cochelet, der zum Commandeur d,S Ordens der Ehrenlegion ernannt nxr» benist,vontSmyrna abgegangen »ar, ankommen geft. hen. Die 5)H. Jules Pastr, und Henrlcp haben dem Herrn Generalconsul ihre Glückwünsche zu der ihm zn Theil geworbenen wohlverdienten Auszeichnung dargebracht. — Die Absehung be« Hrn. Bouree, franjosischen Consuls zu Beirut, ber mit demselben Schiff» angelangt ist, hc« Sensation erregt. Hr. DesmeloizeS ist zu seinen, Nachfolger ernannt, und Hrn. Cochekt Befehl ertheilt worden, für die möglichst schnelle Installation bcS neuen Repräsentanten Frankreichs in Beirut Sorge zu tragen. — Andererseits hat btr russische Herr Generalkonsul seinen Lanbsleuten «»« gedeutet, sich bereit ju hallen, auf daS erst» Sign»! abzureisen, und zu gleicher Zeit hat der englisch, Herr Gemralconful die seinigen durch Hrn. Latkinß zusammenberufen lassen, der ihnen ein Consularschr»»? den mittheilte, worin sie aufgefordert werden, auf ihrer Hut zu seyn, und sich mit Einziehung ihr« Gelder zu beschäftigen, um Alexandiien auf den «r-sten Wink verlassen zu können. — Am <2. ist die fran» zöstsche (5orvette la Diligente, aus Beprut kommend, nachdem sie die HH. Grafen be Lbezelles und Vicom-te d'Onfrop, die in der letzten syrischen Insurrection ein» Rolle gespielt hatten, in Cppern ans Land gesetzt halle, hier eingelaufen. Wenige Augenblicke nachher ist eine ägyptische Corvette angekommen, w«l-che dreiundvicrzig der vorzüglichsten Häuptlinge ber Gebirgsbewohner an Bord hatte. Diese Unglücklichen sind sogleich nach Cairo abgeführt worden, «vo einige derselben das Verbrechen, der Unlerdrückung Widerstand geleistet, die andern die Sünde, die heilige Sacde, für deren Gelingen sie den Kampf un« lernommen hatten, verlassen zu haben, büßen werden. — Am !,. MsrgenS ist daS englisch« Linie«, schiff Bellerophon vor dem Pallaste Mebemed Ali'« vor Anker gegangen. Die Ankunft diesls Schiffes, dem vier andere Linienschiffe, dieselbe Flagge führend, folgten, hat auf die muftlmännische Bevölkerung von Alerandrien und auf die Besatzungstruppen dieser Stadt «inen unbeschreiblichen Eindruck gemacht. — Am l«. Abends war Mehrned Ali Nach Alexan» blien z«rückgekthrt. — Am 15. haben sünf Linien« schiffe cap tt ane und drei Fregattenkapitäne von der 334 Mtlfchen Flotte an Mustafa Pascha, Wekil des Gioßaomirals Said Pascha geschrieben, um ihm anzuzeigen, daß sie, nachdem sie von Sr. Excellenz Ri« faat-Vel erfahren, daß Krieg zwischen dem Sultan y«d Mehemed Ali Stall finden werde, wenn letzterer nicht binnen kurzer Frist den Befehlen der hohen Pforte gehorcht, fest entschlossen seven, keiner andern Fahne, als der ihres rechtmäßigen SouverainS zu folgen, und daß sie demnach aus den Cadres der o« lomannischen Flotte abgestrichen zu werden verlandn, falls diese zur Unterstützung einer Sache ver^ «endet werden sollten, die nie die ihrige werden könnte. — Mustafa Pascha hat von diesem Schrei. be«s sogleich Mehemed Ali in K/nnlniß gesetzt, welche« die Aufrührer verhaften und nach Abukir abführen ließ: dee Himmtl weiß, welches grausame Schick' sal ihnen bort vorbehalten istl — Werben zwölf2f« fiziere vor» verschiedenen Graden, die sich aus die als Depot für die Steinkohlen dienende englische Fre? gatte geflüchtet haben, zlücklich« sepn? wird sie, in »et Lage, in der ^wir uns befinden, ter «nglisch« Schutz der Räch« des Pascha's entziehen? — Heul« den 16. Morgens, ist daS türkische Dampfbool zu» Pr«lica zugelassen worden, und Rifaat-Bei hat sich sogleich nach dem Pallast begeben. Nach elne» Vn-terredung von mehr als einer Stund» hat sich d« Abgesandte oeS Sultans von Mehemed Ali gelrennt, welchem gegenübel er die Würd,, die einem mit einer so wichtigen Sendung beauftragten Mann« ziemt, standhaft behauptet hatt». Als Mehemeb Ali allein war, sah er sich plötzlich von Höflingen umA«> den, di, er jedoch stehen ließ, und sich in baS Innere seines Pallastes verfügte. Man bemerkt« in seinen Zügen daS Gepräge der stärksten Aufregung, die er, troy seiner Netstellungskunst, nicht bemeistern konnt,. — <3r hat Alles abgeschlagen, und will bi« Entscheidung b.n Waffen anheim stellen. — Morgen, den l?., werden sich die Herren Consult, der vier Mächt,, von Sr. Excellenz RisaatVei begleitet, zu dem Pascha begeben, um von ihm «ine definitive Anlwori auf die bereits durch den Botschafter der hohen Pforte an ihn ergangen« Aufforderung zu erlangen. ^- Noch dem Vorgehenden ist die Antwort leicht vorauszusehen,- jedenfalls kann der Widerstand, b»S Vasallen kin anderes Resultat haben, als «ine Züchtigung über sein Haupt herbeigerufen, di« um so strenger seyn »ild, l« länger sie auf sich hat war" ten lassen. (Öst. B.) Verleger: Ignaz Alois Gdler v. Kleiuniayr. GietreiV Durchschnitts - Vrnse in Laibach am »2. September lü4o. Marktpreise. Vin Wien. Mehen Weihen . . 3si. 3 '/^ kr. — — Kuturutz . — 5 — » «. — Halbfrucht . — » — . — ->- Korn ...2^4 « ^. — Geiste. . . l . 48 , ^. — Hirse . . . , „ 56 ^ , ^ — Heiden . . 2 „ 4 » » __ Hafer . . . » » «.2 » N A. NottoKiehungen. In Triest am 12. September 184a: 3o. 23. 67. 3?' 4- Die nächste Ziehung wird am 26. September iL^o in Trieft gehalten werden. Z. «34l. (3) Wohnung zu vergeben. In der Salendergasse Nr. igZ im so« genannten P^gcuschmg'schen stand. Hause ist der erste Stock, bestehend aus fünf Zimmern, 2 Cablneiten, einer Küche und Spnsgewölbe, sammt eilnm Keller und einer Holzlege, von Mlchaell d. I angefangen, in Miethe zu ver-geben. Lusttragende werden eingeladen, sich duich den Hausmeister das Quartier ausweisen zu lassen, und sich sohm mit der Inspection im deutschen Hause zu Laibach gefällig in das Einvernehmen zu setzen. Laibach am 6. September i6/,o.