Donnerstag den 3R. Jänner. Dichtersegeu. ^N-ls ich ging die Flur entlang, Lau!cheud auf der Lerchen Sang, Ward ich einen Mann gewahr. Arbeitsam, mit greisem Haar. „Segen" — rief ich — »dielem Feld, Das so treuer Fleiß bestellt! Segen dieser welken Hand, Die noch Saaten wirft >n's Land!" »Doch mir," sprich sein ernst Gesicht: «Dichterscgen frommt hier nicht; Astend, wie des Himmels Zorn, Treibt er Blumen mir, für Korn." «Freui:d! mein schlichtes Liederspiel Weckt der Nlumen nicht zu viel. Nur so viel die Aehren schmückt. - Und dein kleiner Enkel pflückt.« L> U. ^Vaterländisches. Gesammelt und mitgetheilt von L. ,/Das Cistercienser-Stift Sittich in Kram, von seiner Entstehung bis zu seiner Auf» Hebung, historisch dargestellt. Dle Gründung desCistercienser-Stiftes Sittich fällt ,n das Jahr 1135, somit fast in die Zeit der Entstehung des Cistercienscr-Ordens selbst. Pelegri-nuö oder Pcregrin, Patriarch von Aquileja, der dem damals lebenden heiligen Bernhard, dem Stifter dieses Ordens, sch, zugcchan war, und zu dessen Patriarchate auch ein Theil von Kram gehörte, ist un» ter Papst Innoccnz II., und unter Ka.ser Lothar II., der erste Stifter desselben gewesen. Unter den mannigfache Sagen, bezüglich seiner Oertlichkeit und Benennung, schont jene die glaubwürdigste zu seyn, der zu Folge Pcregrin von drei Brüdern, Namens Heinrich, Megenhalm und Die« tr>ch, mit-dem Zunamen die Sittichcr, das GutSit» tich käuflich an sich gebracht, es zur Gründung des Ordens bestimmt, und somit sein Entstehen bewirkt habe. Die Sage, daß bei Aufbauung des Klosters alles, was das Werk des Tages war, bei der Nachr zusammenstürzte, bis zum Erscheinen einer Bärinn und eines fremden Vogels, welcher, da man zauderte und unschlüßig war, wo das Kloster aufgebaut werden solle, durch den Ruf: „8it Iiic!« den Streit entschied, und durch diesen Nuf die Veranlassung zu dem Namen Sittich gab, klingt zu mährchcnhaft, als daß sie eine Würdigung des Geschichtsforschers verdienen könnte; denn will man schon der Entstehung des Namens Sittich nachspüren, so liegt die Derivation desselben weit näher und natürlicher in dem Umstände, daß die, vo>-Begründung dcsStiftcs hier ansässig gewesenen Sittiche, ihrer Besitzung auch ihren Zunamen gaben, wie solches, bekannter Maßen, in damaliger Zeit üblich war. Pcregrinus nun beschränkte sich aber nicht allein auf den Bau des Klostcrgebäudes, sondern schenkte dem Orden auch namhafte Besitzungen, und hiedurch das, zur Ernährung der Ordensglieder erforderliche Einkommen. Diesem Beispiele folgten bald hohe und ansehnllchc Personen, und trugen durch Geschenke und Stiftungen zurVcrgrößerung, und zum Empor-blühen dcsStiftcs bei. Ja, es gab keine ansehnliche Familie in Krain, die nicht etwas dem Orden geschenkt, oder etwas zu seinen Gunsten gestiftet hätte. Gleiche Unterstützung wurde aber dem Stifte auch vom Auslande zu Theil, dennKaiserFriedrich, Maximilian, Ferdinand I., Ferdinand II., Ferdinand III., und Leopold I.; Heinrich, König von Böhmen und Pohlen; Ferdinand, König von Ungarn;-im weitern die Päpste'. Innocenz III., Gregor IX,, Alexander ' IV., Urban VI., Bonifaz IX., Johannes XXIII., - Nicolaus V., Alerander VI., Julius II., Leo X. i und Alexander VII.; das Concilium zu Basel; die 18 Hirzoge von Oesterreich; die Herzoge vonKärnthen; die Grafen von Görz; die Markgrafen von Istcrreich, und überdies; noch sehr viele hohe Personen sowohl des geistlichen als weltlichen Standes, gehören in die Zahl derjenigen, die das Stift mit Privilegien und Geschenken in der Art überhäuften/ daß es in der Folge einen wahrlich fürstlichen Wohlstand erreichte, und zu einer Große und solchem Ansehen emporwuchs, daß es allen übrigen, auch den berühmtesten Klöstern des Vaterlandes, das Gleichgewicht halten konnte. DasKlostergcbäude selbst, obwohl groß und äußerst weitläufig, ist doch sehr unregelmäßig aufgebaut, und trägt offenbar das Gepräge verschiedener Zeitperiodcn seiner Entstehung ; doch zeichnen sich einzelne Gebäudetheile vorthcilhaft aus, als z. B. die in Form eines Kreuzes erbaute Kirche, der Getreid-kasten, den schon Valvasor als den schönsten des Landes anrühmt, und dann einige Säle. Belangend den jetzigen Zustand des Klostcrgcbäudes, so ist es zum Theil mittelmäßig erhalten, und zum Theil bereits so dem Verfalle preisgegeben, daß kaum mehr die Spuren vormaliger Pracht vorhanden sind. Das Ur-gcbäude selbst besteht nicht mehr, da im Jahre 147Z durch einen Einfall der Türken die ganze Gegend verheert, und das Kloster vom Grunde aus durch Feuer und Schwert zerstört wurde. Noch erübriget zu bemerken, daß Sittich der Vegräbnißort mehrerer hohen Personen sey, als: der Sophia, Markgräfinn von Isterrcich, so wie der ih« rer Aeltern und mehrerer ihrer Vorfahren; ferner dcrViridis, Gemahlinn Leopold III., Erzherzogs von Oesterreich, die nach ihres Gatten Tode, ihre letzt/n Lebenstage in Kram, bei der Kirche St. Lambert, zu Pristaviza zubrachte, und sodann in derSitticher Klosterkirche beigesetzt wurde; im weitem der Agnes, Herzoginn von Kärnthen, Gemahlinn Ulrichs, Herzogs von Karnchen, so wie endlich auch mehrereAuer-sperge und Andere, berühmten Namens, hier bc-graben liegen, wie es die Ueberreste der noch vorhandenen Grabsteine erweisen. Nach dcm bisher Vorausgeschickten folgt nun die chronologische Reihe aller Sittichcr Acbte, sowie die Geschichte des Merkwürdigsten, so sich mncr jedem zugetragen hat. (Fortsetzung folgt,) Das Schwert. Zur Schmiede ging ein junger Held, Er hatt' ein gutes Schwert bestellt. Doch als er's wog in seiner Hand, Das Schwert er viel zu schwer erftuid. Dcr alte Schmid dcn Vart sich streicht i »Das Schwert ist nicht zu schwer noch leicht, Zu schwach ist Euer Arm, ich mein', Doch morgen soll geholfei, seyn." »Nein. heut! bei aller Ritterschaft: Durch meine, nicht Durch Feuers Kraft." Der Jüngling spricht's, ihn Kraft durchdnilgt. Das Schwert er hoch in Lüften schwingt. L. U. Selbstbiographie eines Schüchternen. (Beschluß.) »Hier bin ich nun in dem Alter von fünf und zwanzig Jahren, wohl ausgerüstet mit dcr Kenntniß dcr griechischen und lateinischen Sprache und der Ma» thcmatik, als der Besitzer eines ungeheueren Vermögens, aber auch zugleich so linkisch und unbekannt mit dcr feinern Lebensart und dcm gebildeten Welttone, daß mich alle meine Bekannte nur den gelehrten und reichen Bauer nennen. Ich habe mir kürzlich hier in unserer Gegend ein Landgut gekauft, das, wie man es nennt, eine sehr modische Nachbarschaft hat. Wenn sie meine Abkunft und meine rohen Sitten bedanken, so werden sie kaum auf den Gedanken kommen, daß meine Gesellschaft von den benachbarten Familien sehr gesucht werden könnte. Indesi geschieht es doch häufig genug, und vorzüglich von solchen Familien, die Tochter haben. Von den Vätern derselben hatte ich schon oft die freundschaftlichsten und dringendsten Einladungen erhalten; und ob ich gleich heimlich wünschte, ihre mir angebothene Freundschaft annet> men zu können, so habe ich mich doch öfter damit entschuldiget, daß ich noch nicht völlig eingerichtet sey. Die Wahrheit aber ist, daß mir, wenn ich in der Absicht ausging oder ritt, Besuche zu machen, plötzlich der Muth fiel, sobald ich mich den Thoren meiner Nachbarn näherte, und ich schleunig mit dem Vorsatz nach Häuft zurückkehrte, es Morgen zu versuchen. Endlich faßte,ch den festen Entschluß, Herr über meine ängstliche Furchtsamkeit zu werden, und nahm daher vor drei Tagen die Einladung zum Mittagsmahle bei einem meiner Nachbarn an, dessen offnes ungezwungenes Wesen eine herzliche Aufnahme hoffen ließ.« »Der Baron vonGoodmann war der Mann, der mich eingeladen hatte. Er wohnt ungefähr eine halbe Meile von mir, ist mein nächster Nachbar, und lebt von den Einkünften seiner einträglichen Landgüter. Er hat mit seiner Gemahlinn zwei Sohne und fünf erwachsene Töchter, und außerdem hält sich noch seine Schwester bei ihm auf. Ich war es mir bewußt, daß ich einen ungeschickten Gang hatte, und nahm, daher, ch' ich mich in Gesellschaft wagte, wohlweislich bei cincm Tanzmeistcr Unterricht; und ob ich gleich die Kunst, die er mich lehrte, sehr schwer fand, so kam mir doch meincKenntniß derMathematlk außerordentlich dabei zu Hülfe; denn sie lehrte nuch das Gleich' 19 gewicht meines Körpers halten, und den Schwerpunct bei den fünf Stellungen richtig treffen. Sobald ich die Kunst verstand, ohne Stolpern zu gehen, und gelernt hatte, eine kunstmäßige Verbeugung zu machen, so wagte ich es k.'ck, die Einladung zum Mittagscssen beim Baron von Goodmann anzunehmen, und zweifelte nicht, dasi mich meine so eben erlernten Künste in den Stand setzen würden, in Frauenzimmer-Gesellschaft mit leidlicher Unerschrockenheit aufzutreten. Aber, ach! wie eitel sind alle Hoffnungen der Theorie, wenn sie nicht durch tägliche Uebung unterstützt wird! Als ich mich dem Hause näherte, hörte ich cine Glocke läuten. Ich glaubte, daß schon zur Tafel geläutet würde. Plötzlich entstand in mir die Besorgnisi, ich habe vielleicht aus Mangel an Pünctlichkeit meinen Wirth mit dem Essen auf mich warten lassen." »Voll von dieser Idee ward ich blutroth, als ich mich von den Bedienten anmelden hörcc. Sie fi'lhrten mich in die Bibliothek, aber ich wußte kaum, was oder wen ich sah. Bei meinem Eintritte both ich allen meinen Muth auf, und machte der Baroninn von Goodmann meine neugelcrnte Verbeugung. Aber indem ich unglücklicherweise meinen linken Fuß bei der dritten Stellung zurück setzte, trat ich dem armen Baron von Goodmann auf seine gichtischen Zehen, der gleich hinter mir herein getreten war, um mir seine Familie namentlich bekannt zu machen. Man wird sich schwerlich die Verlegenheit vorstellen können, in die mich dieser Unfall versetzte. Mein Leiden kann nur ein eben so blöder Mensch, als ich bin, beurtheilen, und deren wird es sehr wenige geben. Die Artigkeit meines Wirthes zerstreute nach und nach meine Verlegenheit, und ich erstaunte, als ich bemerkte, wie seine gute Lebensart über ihn vermochte, seine Empfindungen zu unterdrücken, und nach einem so schmerzhaften Vorfalle so ruhig zu scheinen. Die gutlaunige Froh-lichkcit der Frau vom Hause, und die trauliche Plau-derei der jungen Fräulein wirkten unbemerkt so auf mich, daß ich meine Zurückhaltung und Blödigkeit ablegte, endlich an der Unterhaltung Theil zunehmen wagte, und sogar neue Materien des Gespräches auf die Bahn brachte. Da die Bibliothek an ncugebundenen Büchern schr reich war, so hielt ich meinen Wirth für cmcn Kenner der Literatur, und wagte es daher, meine Meinung über die verschiedenen Ausgaben der griechischen Class.ker zu cwßern. Der Baron war darüber völllg meiner Meinung. Zu diesem Gespräche gab eine Ausgabe des Hcnophons. in 16 Bänden, Anlaß, die meine ganze Neugierde erregte, weil ich nie vorher etwas von einer solchen Ausgabe gehört hatte. Ich stand auf, um die Ausgabe zu unt rsuchcn. Der Varon bemerkte meine Absicht, und um mich der Mühe zu überheben, stand er gleichfalls auf, mir das Buch zu reichen. Dieß spornte mich an, ihm zuvor zu kommen. Eiligst griff ich nach dem ersten Bande und zog ihn heftig heraus. Aber, ach! statt eines Buchs stürzte plötzlich ein Brett, dem man durch einen ledernen Ueberzug und Vergoldung das Ansehen einer Reihe von sechzehn Bänden gegeben hatte, vom Bücherschränke herab, und siel unglücklicherweise auf ein Schreibzeug von Wedgeword, das auf einem darneben-stehenden Tische stand. Vergebens versicherte mich der Baron, daß es nichts bedeute. Ich sah die Tinte von dem eingelegten Tische auf einen türkischen Tcppich strömen. Ganz außer mir und ohne zu wissen, was ich that, suchte ich den Tintenstrom mit meinem Schnupftuch? zu hemmen. Unter der allergrößten Verwirrung wurden wir verständiget, daß aufgetragen sey. Während wir durch den Saal und eine Reihe von Zimmern in das Speisezimmer gingen, hatte ich Zeit, meine Besonnenheit wieder zu sammeln. Man ersuchte mich, meinen Platz zwischen der Frau vom Hause und ihrer ältesten Tochter zu nehmen. Seit dem Falle des hölzernen Xenophons brannte mein Gesicht beständig, wie ein Feuerbrand, und ich war eben im Begriffe, mich zu erholen und eine behagliche Abkühlung meiner Wangen zu fühlen, als ein unvorgesehener Unfall mein Erröthen erneuerte und meine Hitze von neuem anfachte. Ich hatte meinen Teller mit Suppe nahe an den Rand der Tafel gesetzt. Fräulein Lottchen suchte mich zu unterhalten, und fand das Muster meiner Weste sehr geschmackvoll. Ich bog mich zu ihr hin, um sie ihr näher zu zeigen, aber dabei stieß ich an den Teller, und goß mir nun die sicdhcißc Brühe auf den Schooß. Ungeachtet man sogleich meine Kleider mit Servietten wieder zu trocknen suchte, so waren meine schwarzen Beinkleider doch nicht stark genug, mich vor den schmerzhaften Wirkungen dieser plötzlichen Abbrühung zu schützen, und meine Schenkel dampften einige Minuten, als wenn sie in einem kochenden Kessel steckten. Ich erinnerte mich, daß der Baron seinen Schmerz verbissen hatte, als ich ihm auf die Zehen trat, ertrug also auch meinen Schmerz in der Stille, und blieb, unter dem erstickten Kichern der Frauenzimmer und Bedienten, steif und fest auf meinem Stuhle sitzen. Ich will hier nicht alle die Verstoße erzählen, die ich während des ersten Ganges machte, noch die Uno'.'dnungcn, die ich bei der Zerlegung eines Huhns, oder wenn ich in eine mir nahe stehende Schüssel reichen sollte, anrichtete. Bald verschüttete ich die Brühe, und bald stieß ich ein Salzfaß um. Ich will vielmehr zum zweiten Gang eilen, wo mich neue Unfälle gänzlich zu Boden schlugen. Ich hatte eben ein Stück Pudding auf meiner Gabel, als mich Fräulein Louise bath, ihr einen Teller mit Tauben zu reichen, der mir nahe stand. In der Eile 20 steckte ich, ohne zu wissen, was ich that, den Pudding in den Mund, der so heiß war, wie eine glühende Kohle. Es war platterdings unmöglich, meinen Schmerz zu unterdrücken. Meine Augen quollen aus ihren Höhlen, und endlich mußte ich, irotz meiner Scham, die Ursache meiner Qual auf meinen Teller werfen. Der Baron und die Frauenzimmer bedauerten meinen Unfall, uno jeder riech mir nun ein Lmdcrungs-mittel. Der eine empfahl mir Ocl, der andere Wasser, aber alle kamen darin überein, daß der Wem das Feuer am besten ausziehe. Zu dem Ende wurden mir von dem Schenktische ein Glas spanischer Wein gereicht, den ich heftig in den Mund stürzte. Aber, ach! wie soll ich die Folgen beschreiben? Entweder hatte sich der Bediente von ungefähr vergriffen, oder er hatte es, um mich völlig rasend zu machen, absichtlich gethan, kurz, es war der stärkste Branntwein, womit ich meinen Mund angefüllt hatte, der so schön geschunden und verbrannt war. Ueberdieß war ich hitziger Getränke ungewohnt. Was sollte ich nun mit meiner wunden Zunge, meinem Gaumen und meiner Kehle thun? Schlucken konnte ich nicht, zurückgeben wollte ich nicht, also hielt ich die Hände vor den Mund. Aber der verdammte Branntwein spritzte durch die Finger und aus der Nase, wie eine Fontäne über alle Gerichte her. Ich wurde durch ein schallendes Gelächter, das von allen Seiten ausbrach, zermalmt. Umsonst gab der Baron dem Bedienten Verweise, vergebens schmälte die Baroninn mit chrcn Töchtern; denn das Maß meiner Beschämung und ihrer Belustigung war noch nicht voll. Um mir den lästigen Schweiß, den mir dieser Vorfall ausgepreßt hatte, abzutrocknen, wischte ich mir, ohne zu bedenken, was ich that, mit dem unglücklichen Schnupftuche, welches noch immer von den Folgen des hcrabgefallcnen Xe-nophons naß war, das Gesicht ab. Natürlicherweise malte ich mein Gesicht nach allen Richtungen mit Tintenstreifen. Diesen Streich konnte der Baron selbst nicht ertragen, und stimmte mit seiner Gemahlinn in das allgemeine Gelächter ein. Verzweisiungsvoll sprang ich von der Tafel auf, stürzte aus dem Hause und rannte, von Verwirrung und Schande geängstiget, nach meiner Wohnung zurück. So muß ich, ohne von der Bahn der strengsten Sittlichkeit gewichen zu seyn, Qualen erdulden. Ich bin fast abgebrüht mein? Zunge und mein Mund ist gebraten, und auf m.iner Stirne trage ich Kains Zeichen. Aber dies; sind geringe Uebel gegen das immerwährende Gefühl der Scham, das mich ängstiget, so oft ich daran dcnke, daß dieß fürchterliche Abenteuer weiter erzählt wird. Dieser Gedanke bringt mich zu dem verzweifelten Entschlüsse, meinen Nachbarn meine Schwächen offenherzig zu be- kennen, und so zu verhürhen, daß ich nicht noch öfter die Fabel der ganzen Gegend werde; denn, wenn sie durch mein treuherziges Bekenntniß erfahren, wie viel ich bei dieser Gelegenheit gelitten habe, so werden sie Menschenliebe genug besitzen, eines armen Mannes zu schonen, dem seine ängstliche Blödigkeit so schon Seelenleiden genug bereitet hat." Feuilleton. (Whist-Notizen.) Ein russischer »Natur-Philosoph" sagt, in einem größern Aufsatz über das Whistspiel, auch Folgendes: »Das Wort »Unglück" ist in diesem Spiel ein leeres Wort! »Im Whist gibt es kein Glück," sagt ein großer Philosoph, „sondern nur die Geschickt ich keit, sein Geld zu vertheidigen." Diese stützt sich lediglich auf einige höchst einfache Grundsätze-. 1) Sich nicht är-gern, nicht streiten, und im Whist nicht sprechen, well sachkundige Leute sogleich uns, unsere Karten und unser Spielsystem errathen. 2) Die Karten nichr nach den Farben zu ordnen: dieß zeigt erstlich emen Mangel an Gedächtniß, und zweitens zählen geschickte Spieler sogleich, wie viel Karten jeder Farbe man in der Hand hat. 3) Dle Karten so halten, das; auch der scharfsichtigste unserer Gegner sie nicht errathen könne. 4) Ein so viel als möglich gleiches Spiel spielen: wer immer um 5 Nudel das Point spielt, und plötzlich in außerordentlichen Fällen sich auf ein Spiel von 5000 Rubeln das Point einläßt, und drei Rober verliert, der wird gewiß bei seinem gewöhnlichen Spiel diesen Verlust nicht in 2000 Jahren wieder einholen." (Ein amerikanischer Richter.) Da saß er, den Hut auf dem Kopfe, die Cigarre im Munde, die Arme auf der Brust zusammengelegt, und die Füße an der Wand hinangestreckr, und sah so sauer aus, wie eine unreife Citrone. »Man bringe die Angeklagten herein," sagte er; sie wurden gebracht, und er sagte zu ihnen, es sey eine Schande, und nur etwa für Engländer und andere umv'ssende Fremde zu entschuldigen, nicht aber für gebildete Amerikaner. »Ihr seyd eine Schmach für unsere große Nation, und ich hoffe, nie wieder etwas der Art zu hören. Geschieht cs doch wlcder, so mache ich Euch den Prozeß , oder ich will mich von wilden Katzen schmden lassen." Räthsel. Raubt (5'mer mich, lo b'm ich qern ihn, >i'h', Doch fall' ich l,ie düm Näubcr in die Pänd?, Vald bi„ ich e„a, bald weit ofl lieg' ich «.'ssl'» d.i Doch hat mich Keiner wohl a,esch'>, vor meinein Ende. Auflösung dcs Räthsels aus drm Illyv. Blatte Nr. 4: Hellebarde. Verleger: Hsnaj Ai. Vvler v. Aleinmavr.