5 35^ Kamstag den 3<>. August 1823. N er E rau in. (Eingesendet). ^inst träumte mir ich wäre aufgegeben Von Gatt, — vergebens wäre mein Gesuch. Wie ich gefehlt ln diesem ird'fchin Leben, Es ward im Jenseits zum gewalt'gen Fluch. N5a3 sah ich nun? — Ein Leben ohne Lebsn, Nacht war es ringö, doch ich s.ch wie am Tag; Kein Boden war — das Ganze war ein Schwebn?' Um sinst'rer Geister mürrisches Gelag. An schrofferWand, — ich konxt'nicht steh'n,nicht fallen, Nur angeblasen, ja, fo hing ich d'ran, Quecksilber gleich, das auf u>:d niederwallsll Nur muß in vorgeschricb'ner Glases Vchn. Die Lüste donnerten — doch keinen Segen, Nur Straf' und Fluch erscholl aus grausein Mund. So bangte Alles — nirgends ein Bewegen f Und wieder dunkler ward der luft'ge Grund. Urplötzlich aber schwanden die Gespenster, -Rasch floh dahin das zürnende Gebild, Die Morgensonne strahlte durch die Fenster, Und gold'lle Licht« koLten um mich mild. fti» Vögelchen auf grünen VaumeSzweigen Sang wunderlieb; — mir däucht der zarte Schall Klang so: ,Schließ' an dich nur dem frohen Neigen Und fkrchtt nicht; —Ich bin kein Gott der Qual!« Will) »Im Freiherr »on E i) b. Cürkische Art unv Wleife. Ein Ge sprach. Cm Beck , Tasch» (Btttclmönch'). <3in jüdisch e»> Arzt »m> eine türkische Frau. welche später dazu kommt. Arzt. Eure Bcfchaftigung kann sich doch milder ünfrigcn gar nicht w Vergleich stellen, Derwisch-Efftn^ dy, denn es gibt kein angcsrhenes Haus, in welchem wir niä)t Zutritt hätten, Niemand der uns nicht schätzte. Veck - Taschy. Und haben wir nicht etwa auch lei allen Großen Zutritt, um unsere Wunder vor ihnen zu zeigen? Arzt. Steht denn euch der Har,m auch offen wi< uns? Selbst der eifersüchtigste Mensch ist genöthigt, dcn Hekim (Arzt) allein mit seiner Frau zu lassey. Was sagst du zu diesem Vorrechte? Ncck - T a schy. Nede mir nicht von Frauen. Schon ihr Name verunreiniget meine Ohren. Für immer habe ich diesem verwünschten Geschlechte, der e«^ stcn Ursache alles Unbsils unter den Menschen, entsagt. Ohne die Frauen hatten wir nie Sünde und Unglück kennen gelernt. Arzt. Allerdings, wir waren aber auch bann nicht auf der Welt. Veck - Taschy. Gott hätte das auf eine andere Art einrichten können. Warum hätte denn der Mensch sich nicht wie die Pflanzen aus sich selbst vermehren können? ') Die Vcck-saschyz sind aus dem Orden der Derwische, wel>-cher während >cZ Herbst,s und Frühiahrs die Klösicr verläßt «nid im Lande umher Allmoscn erbittet. Sie vorzüglich M, ecn die ll-licnösc» Tanz? aus, wclche den Reisenden bekannt sind. ÜbngcnZ stehen sic zwar in greszer Achtung b^i den aberMubischcn Türsc», werden <,ber von dcn aufgeNärtern, »«s»>« i!?r»r schändlichenAübschwsmmaen, tben so r«lachttt. Arzt. Du bist ein ächter Derwisch! Weck « Taschy. Das wäre auch schlimm, wenns mcht so wäre. I,h bin ;w3lf Jahre im Tekkie (Kloster) geblieben, ich habe Tag und Nacht in der Kirche die- ses heiligen Orts gearbeitet, ich wiederholte dort aufs eifrigste und wiederhole noch täglich dreihunderteinmal die Worte des Ilahy, und sollt« nach allen solchen Proben nicht die Ge^ndsa^e meines Ordens kennen? Arzt. Alles das macht aber doch am Ende den Magen nicht voll. Beck - Taschy. Von einem Verse des Korans »uf Papier geschroben und einem Segen lebe ich eine ßanje Woche. Arzt. Ihr mußt tausend Märchen erzählen und «u«n armen Leib auf hundertfache Art martern , um «inige ParaS zu gewinnen, während wir Aerzte, namentlich in Konstantinopel, in einigen Tagen und ohne d:e geringste Mühe ungeheuere Summen zusammenbringen^). Beck - Taschy. Wenn wi.r uns so abmartern, so geschieht dieß nicht, um G^ld zu gewinnen, sondern «m unsec Fleisch zu todten und den Gläubigen unsere Unterwerfung unter den Willen der Gottheit zu zeig.en. Wir verlangen kein Geld von ihnen als zur Vergeltung unserer Dienste. Arzt. O D^rwisch-Effendy! es glückt euch freylich manchmal, sie so zu betrügen. Beck - Taschy. Du lügst, Djifuty ^) ! Ihr «bscheulichen Ärzte, ih^r betrügt die ganze Welt. Nach euren Reden habt ihr Gstt alle Geheimnisse abgelauscht, und das nur deshalb, weil ihr in dem Lande der Franken gewesen seyd, wo man die Heilkunst an Leichnamen lernt, oder auch nur, weil ihr einige alberne Vü-chcr durchblättert habt, worin die Verfasser behaupten, einige Krankheiten beschrieben zu haben, die ihnen eben so unbekannt sind, als dir. Arzt. Da macht ihr es freilich besser, als wir. Ihr behauptet euere Kranken zu heilen, indem ihr ihnen Wasser zu trinken gebt, in welches ihr ein Pa-> picr tauchet, auf das ihr gewisse Worte geschrieben habt. »Geck - Taschy. Unreiner! Datz sind stets göttliche Worte, Gebete an Mahomet ober Drohungen gegen die bösen Geister. Und das sind auch die einzigen wirksamen Heilmittel, die einzigen, welche Gott und sein Prophet gut heißen. Nicht indem man sich der Gottheit widersetzt, sondern indem man ') Oin Mann mit einer Pelzmühe und eine»» Dinier hinter sich, der eine kleine Büchse tragt, braucht sich nur auf dc» Strassen Konstalttinopels sehen zu lassen, um gewiss zu seyn, das, ihm die Männer den Puls, und die Frauen die IüNKt hinhalten, was dann stets sehr reichlich bezahlt wird. ") Ein SchimpfngM f«r di» Iud«n in d»r Turk»y. sie zu besänftigen sucht, kann man einen ihrer Beschlüsse zu mildern hoffen. Arzt. Da kommt eine Frau) auf mich los Beck - Taschy. Min, min, mit mir will.,sie sprechen. Mische dich nicht barein. Geht Arzt. Sie mag selbst thun waS sie will. Wir wollen sehen, an wen sie sich wenden wird. »Niemand darf das für sich benutzen, was Gott für einen ander« bestimmt hat.» Die Frau. (Sie'wendet sich an den Juden.) Hekim-Baschi, ich bitte dich, sith meine Zunge an. Arzt. Ach! was für eine Zunge! Da sieh, Derwisch, wie sie belegt ist! die arme Frau! du leidest gewiß recht sehr, das sehe ich; hast keinen Appetit, die Beine thun dir weh, wenn du zum Sultan-Vaya-site (eine Moschee Konstantinopels) gestiegen bist. Du konntest gestern nicht einschlafen, nicht wahr? Die Frau. Ja, Hekim, alles das ist vollkommen richtig. Ich habe diese Nacht in schrecklichen Krämpfen gelegen. Ein Traum hat mich fürchterlich gepeinigt. Arzt. Du muft eine Purganz einnehmen. Da, in diesem Päckchen ist ein gelbes Pulver, du nimmst es auf zwei Mal im kalten oder warmen Wasser, und wirst auf der Stelle wieder gesund werden. Es kostet nur fünf Piaster. Di« Frau. Da sind sie. Weiter soll ich nichts thun? Aej t. Nichts für jetzt. Sollte das Uebel aber doch nicht weichen, woran ich sehr zweifle, so wollen wir noch ein stärkeres Pulver versuchen. Die Frau. Und wo treffe ich dich? Arzt. Ich werde morgen ungefähr um'dieselbe Sttlnde auf dem Balik-bazar (Fischmarkte) seyn. itnd, eine RekognoSzirung bis Vurgas vorgeschoben hatten. Die Armee mußte aber den Rückzug antreten, ohne die Stadt einnehmen zu können. Als wili-tairische Stellung ist Schumla von großer Wichtigkeit für die Türkei. Es ist der Punct, wo alle Straßen von den Donaufestungen her zusammenlaufen; seine Festungswerke wären schwach und unbedeutend, wenn sie von europäischen Truppen bewacht wären; aber von Türken vertheidigt können sie Widerstand leisten. Sie haben drei (englische) Meilen in der Länge und eine in der Breite, auf einem von Anhöhen und Hügeln durchschnittenen Terrain; ihre Ausdehnung und die Unebenheit des Bodens verhindern ihre völlige Einschließung. Hier war es, wo die Türken in ihren verschiedenen Kriegen mit den Russen ihr verschanztes Lager errichteten, daß die Nusscn immer unbezwinglich fanden. Zweimal drangen sie bis Schumla vor, und wurden zurückgeworfen, ohne ie weiter gelangen zu können. Nomanzoff wu'-oe im Jahre 1??3, und Ka-menski im Jahre I8iu nach einem blutigen Tressen zum RuchuZ von dieser Stadt genöthigt.« Matur- unv Veit - NenkwUrvigkeitm. Das Herzogthum Mobena, eine mit einem Felsenkranz umgebene große Ebene, ist in naturhistorischer Hinsicht vielleicht das merkwürdigste Land-lhen der Erde. Die vielen Brunnen, welche man daselbst gegrab.cn hat, sind alle 12U Fuß tief. Das ganze Land scheint auf einem unterirdischen See in jener Tieft zu schwimmen, und auf einer allgemein verbreiteten Felsdecke (einer sogenannten Zechsteinplatte) zu ruhen. Gelangt der Vrunnengrabcr bis an diesen Stein, so durchgräbt er ihn mittelst «ines Meißels, dev eine hinlänglich weite Röhre in der Art bildet, wie die Sccinsprenger sie für ihre Pulverladungen in das Gestein zu meißeln pflegen. Bemerkt der Brunnen-grädcr, daß nun bald die letzten Hammerschläg« di,e Röhre vollenden, und den bann höchst ungestümen Zu-„ drang der Springgewässcr bewirken werden, so oezeich* net er dieß den Gehilfen, welche oben, mittelst einer Winde, den Kübel, der unten den Arbeiter aufnimmt, herauswinden, sobald der letzte Hammerschlag geschehen, und es nun Zeit ist, der Gefahr, die das dann heftig eindringende und in die Höhe steigende Wasser herbeiführt, zu entfliehen. Ucbriaens will man einen gegenseitigen Einfluß-des Wasserstandes sämmtlicher Vrunmn Modena's auf einander wahrgenommen haben. Was aber das Graben dieser Brunnen ganz vorzüglich merkwürdig gemacht hat, ist dcr Umstand , das man in der Tiefe von 20 bis 20 Fuß unter der je- tzigen Oberfläche an vielen Orten Grundmauer'. :usu'5'-licher Wohnungen und mancherlei Gcralhschafttn sin-bet, die von einer VorweltZ-Cuttur zeugen, von welcher die Geschichte keinerlei Nachricht auf uns gebracht hat. Gräbt man bei jenem Brunnenmachen lw Fuß tiefer, so finden sich abermals alle Kennzeichen einer noch früher bewohnt gewesenen Oberfläche der Erde. Man erkennt in der dortigen fußdicken, fruchtbaren schwarzen Damm-Erde allerlei Wurzelwerk von Pstan» zen und Gesträuchen, das in eine Art von Versteme« rung übergegangen ist. Selbst emm vollkommenen Feigenbaum mit Früchten will man hier gefunden haben. WeH ein unermeßlicher Zeitraum muß vergangen seyn, bevor dieser bewohnbare Boden einst mit dcr WFuß lieftnEI,'ln>^5 in Paris, hat ein Memoke herausgegeben, in welchem er zu beweisen sucht, daß die Erde ein Stern ist, von welchem nur die äußere Rinde erkaltet, und fest geworden ist, indeß das Innere sich noch fortwährend in einem geschmolzenen flüssigen Zustande befindet; die mittlere Dicke dieser Rinde betrage nicht über zwanzig Lieues. Nach Beobachtungen, die in den Kellern unter dem Observatorium in Paris an« gestellt wurden, berechnet man, daß bei tieferem Eindringen ins Innere der Erde , die Temperatur schon bei einer Tiefe von anderthalb Lieucs unter Paris, der des siedenden Wassers gleich kommen würde. Aeademie d e s Kerrn Dwan-Müller. Kammer , Virtuos Sr« Maj. des Königs von Frankreich, Profes' s^r des Gonservatoriums in Paris, Ersinder der neuen verbesserten Clarinette ic. im philharmonischen Gesellschaft^ » Saale am 25. d. M. Et gehörte unter die herrlichsten, dem künstlievendenPublieum dieser Hauptstadt seit lang^nichtzu Theil gewordenen Kunstgenüsse, Herrn I wan - Müll e r, auf der Clarinette zu höre«. Wen« schon die Kunsiwelt es demselben unendlich Dank wissen musi, die« ses rücksichtlich der Ausweichungen in entferntere Tonarten bishtt s« beschränkte Instrument in der Art verbessert zu haben, dast «< nun in der Ausführung der chromauschen Tonleiter mit der Violine Aeichsam wetteifert, und man auf dieftr mit i^ Klappen versehenen Klarinette ohne alle weitere Vorrichtung eben so gut in ll - c!»»r als in'15« oder ^ - zenden Laufe in der chromatischen Scala, die Biegsamkeit und dos Verschmelzen der Töne in den höchsten Oorden, und vor allem sN« brillanter, dem ausgesuchtesten Geschmacke angehörender Vortrag, sind Vorzüge, welche in solchem Vereine nicht leicht wieder nnzx-treffen sein dürften. Auch als Componist und als Verfasser der in Paris herausgegebenen berühmten (Uarinett? Schul« steht H«rr Iwan-Müller großartig da. Das zahlreich versammelte Publicum lohnte diesen ausgeznch' neten Künstler mit den lebhaftesten Beifallsbezeigungen und öft«< ren Hervorrufeil, und verliest den <3o»zertsaal nüt dem Heisien WlM - sche, bald wieder solchen Kunstgenusses sich erfreuen zu tonnen. > Die Direction der philharmonischen Gesellschaft — den selt» nen Ncnh dieses große» Virtuosen erkennend — würdigte die rul,m» vollen musilallschenVerdienste des Hcrrn Iwan - Mllller dadurch, daß sie ihn durch Überreichung drs Diplomes der Zahl dcr <5hl«n, mitKNid«r dieser Gesellschaft mit Vergnügen anreihte. Neyacteur: F"r. Vav. Keinrich. Verleger: Dgnssj Al. Svler v. Rleinmayr.