Prä«, mrraii»»»-Preise: Für Laibach: Ganzjährig . . . * fl. 40 kr. Halbjährig . . . 4 „ 20 „ «ierteljährig. . . 2 „ 10 „ Monatlich . . . — „ 7« , Mit der Post: H-Nzjähriz . . . 11 ft. — h. Halbjährig . . . 5 „ 50 „ vierteljährig. . . ä „ 75 „ Bür Znftellrng in* Ha»« viertel- iährig 25 kr., mcnatlid) 9 kr. —_®aiclnt Wummern « kr. Laibacher Tagolatt. Anonime Mittheilungen werden nicht berücksichtigt; Manuskripte nicht zurückgesendet. Rtlekliea tiahnbofgafle Nr. is*. HtUtlilien und 3nftrattn-ßurran: »ongretzplatz Nr. 81 (Buchhandlung »on 3. e.SIcinmaDr 6 F. Bamberg), 3nfrrlimprtift: gilr die einspaltige Petitzeile s kl bei zweimaliger Einschaltung k s kr dreimal 4 7 kr. JnsertionSsiempel jeMmal .10 kr. Bei größeren Inseralen und öfterer Einschaltung entsprechender Rabatt. Freitag, 1. September 1871. — Morgen: Stefan K. 3it. 200. Die Friedensliga. Wir toenig es auch mit den Gefühlen unserer Gegner harmonieren, wie wenig es ihnen überhaupt in den Kram passen mag, so findet kommende Woche dennoch, trotz aller Jntrigucn dagegen, die zweite Zusammenkunft der Kaiser von Oesterreich und Deutschland statt, bei der die beiderseitigen Reichskanzler zugegen sein werden. Ja wie die offiziösen dsutschen Blätter einstimmig versichern, sind die Ergebnisse der Konferenzen in Gastein von der größten Politischen Tragweite. Darnach ist in dem Wildbade eine Art F r i e d e n s Ä n n d der beiden Mächte gegen jeden künftigen Störer des europäischen Friedens zu Stande gekommen, eine Liga, der vorläufig schon nicht nur O e st e r e i ch und Deutsch' l a n d, sondern auch Italien angehören. „Italien, sagt dir „Kreuzzeitung," hat seine unbedingte Ueber« einstimmung zu der vereinbarten Politik Deutschlands und Oesterreichs ausgesprochen. Und dies ist das nämliche Italien, das seine Hauptstadt nach Rom verlegt Hat; der Staat Niktor Emanuel's würde unmöglich diesen Anschluß gutgeheißen haben, wenn die Politik Dcutschland-Oesterreich's, wie es der heißeste Wunsch unserer Feudalen und Ultra-montauen ist, eine solche wäre, welche eine Wiederherstellung der weltlichen Papstgewalt bezweckte. Ja selbst in russische Kreise erstreckt sich die Zufriedenheit mit den Ergebnissen und man gibt dort zu, daß es sich in Gastein nicht blos um Akte der Höflichkeit gehandelt habe. Fassen wir alles zusammen, was über die Resultate der Monarchenbegegnung aus den diplomatischen Kreisen herüberdringt, so kommen wir zu dein Schlüsse, daß für die Befestigung des Friedens und der guten Beziehungen der Großmächte in Europa kaum mehr geschehen konnle, als in Gastein erreicht worden ist. Dasselbe bestätigen die englischen Blätter. So Jeuill'eton. Zwei Nächte Gefangenschaft mit den Insurgenten in Versailles. Als eine gewiß nicht uninteressante Episode deö an tragischen Momenten so überreichen Schlußaktes des jüngsten Bürgerkrieges in Frankreich, zugleich aber auch als eindringliche Illustration des Charakters, den die Prinzipien und Reorganisations-Maß-regeln der siegreichen Regierung tragen, mag folgende Schilderung eines Engländers gelten, der unmittelbar nach der Einnahme von Paris das Unglück hatte, von den Versailler Truppen verhaftet und zwei Nächte in Gefangenschaft gehalten zu werden. Die Schilderung des Erlebten ist umso ansprechender, in ihrer Natürlichkeit ergreifender, als der Schreiber offenbar seinem Vorsätze, ohne jede parteiische Hinneigung oder Abneigung, ohne Erbitterung, ohne Rachegefühl, die Thatfachen zu erwähnen, aufs redlichste gerecht zu werden bestrebt ist. Welches bas Los der 30.000 Gefangenen, von denen viele bis heute vergeblich einer definitiven gerichtlichen bringt die gewiegteste englische Wochenschrift, die „Saturday Revew," einen längeren Aufsatz über Gastein, der von dem Grundgedanken ausgeht, daß in der Zusammenkunft der beiden Kaiser eine Bürgschaft für den Frieden Europa's liege. „Die drei großen östlichen Mächte, sagt sie unter anderem, wünsche» nicht den Krieg, und Frankreich ist jetzt viel zu schwach und hilflos, um im Staude zu sein oder zu wünschen, Krieg unter ihnen anzusachen. Aber, obwohl Deutschland und Rußland vortreffliche Freunde sind und bleiben mögen, so kann keiner von beiden cs unterlassen, an eine mögliche Zukunft verschiedener Art zu denken, und Deutschland kann nicht mit Gleichgiltigkeit zusehen, wie die Donau-stämme während dieser Ruheperivde ruhig russifizirt werde». Ihn im Stande zu sein, Rußland auf gleiche» Füssen im Orient entgegenzutreten, muß Deutschland aus gutem Fusse mit Oesterreich stehen; und die Ueberzeugung von dieser Notwendigkeit hat unlängst zu einer seltsamen Umgestaltung in den Ansichten geführt, welche Deutschlands Politiker betreffs der deutschen Provinzen Oesterreichs Hegten. Oesterreich ist eine Notwendigkeit für Deutschland, und Oesterreich ohne seine deutschen Provinzen würde nicht mehr Oesterreich sein." Es beruht also das glücklich erzielte vol1stän< dige Einverständniß zwischen dem deutschen Bundesund österreichischen Reichskanzler in der Behandlung aller schwebende» europäische» Frage» auf deu reellsten und darum dauerndsten aller Grundlagen, auf den gegenseitige» Interessen. Oesterreich und Deutschland sind in dem aufrichtigen Wunsche der Erhaltung des europäischen Friedens einig, und sie können diese ihre Wünsche mit Nachdruck zur Geltung bringen, von wo immer ein Gelüste nach Störung des Friedens ins künftige ausgehen mag. Da nun gegenwärtig zwischen Oesterreich und Italien, Dank der korrekten römischen Politik des Grafen Beust, ein Entscheidung harren, ist, mag man ersehen aus der Beschreibung des Innern eines der zahlreichen Gefängnisse, in denen sie nun so viele Wochen angehalten werden. Der Schreiber, der vorausgeschickt, daß er sicti eigentlich durch seine Unvorsichtigkeit sein Schicksal selbst zugezogen, erzählt folgendermaßen in dem letzten Hefte von Mac Millan’s „Magazine": „Ich vermochte so wenig als andere dem eigentümlichen Zauber zu widerstehen, der in dem Gefühle einer unmittelbaren allüberall nahen Gefahr liegt. Die unwiderstehliche Gier zu sehen, das Wesen, die Natur, den Umfang dieser Gefahr zu begreifen, treibt den Menschen mitten in ihr verheerendstes Wirkungsgebiet. Groß war der Schrecke», als die Preuße» die Stadt bombardirte»; »och größer die Neugierde, und was die Pariser während der Belagerung nach dem Mangel an Lebensmitteln wohl am schwersten trugen, war das Verbot, sich an den dem Bombardement am meisten ausgesetzten Stadttheilen einzufinden. Theilweise diesem Gefühle gehorchend, theilweise ermuthigt durch die Versicherung von Soldaten und Bauern, daß unter den Gefahren, denen ich mich aussetzte, die einer Ver- 43ai>rga^ freundschaftliches, ja geradezu herzliches Einvernehmen besteht, und bei dem Umstande, daß bei den Italienern die Sympathien für Deutschland reißend und in dem Grade wachsen und sich befestigen, als das Mißtrauen gegen Frankreich immer tiefere Wurzeln schlägt, mußte den Staatsmännern in Gastein der Gedanke nahe gelegt werden, von welchem Vortheile es für beide Mächte fein müßte, wenn Italien bei den auf Befestigung des europäischen Friedens gerichteten Bemühungen nicht Zurückbleiben, sondern als Dritter im Bunde herangezogen würde. Das Königreich Italien, das einer außerordentlichen Gunst der Umstände und den Sympathien der Völker für seine alte Kultur und die geistige Regsamkeit feiner Bewohner die rasch vollzogene Einheit verdankte, konnte in Folge der Niederlage Frankreichs den letzten Schritt thiin, um seine Macht und seinen Einfluß im europäischen Staatensystem zu begründen. Es wurde mit einem Schlage der schmachvollen Vasallenschaft gegenüber Frankreich ledig und konnte sich Rom als naturgemäße Hauptstadt wählen. Damit l.atte es freie Hand gewonnen nach Außen und im Innern, die Umsturzparteien, deren Feldgcschrei „Roma Capitale“ gewesen, mit einem male beschwichtigt. ES konnte nun ruhig an die Heilung der Schäden gehen, welche die despotische und klerikale Mißwirthschaft seit Jahrhunderten im schöne» Lande aufgehäuft, und an den Ausbau seiner Verfassung Hand anlegen. Doch die Stimmung Frankreichs gegen Italien, dem erstereö nie verzeihen wird, daß es sich seiner Bevormundung entzogen und es im letzten Kriege ohne Unter-stützuug gelassen, sowie die Kundgebungen in der Nationalversammlung zu Versailles und die zweideutige Haltung der französischen Regierung in Rom, welche die römische Kurie nicht wenig in ihrer feindlichen und herausfordernden Haltung Italien gegenüber bestärkt, stellen es außer Zweifel, daß Frank- haftung schwerlich zu fürchten sei, daß ich nur mit den hageldicht fallenden, die Lüfte zischend durchschwirrenden Geschossen zu rechne» habe, beschloß ich, die vorderste» Linie» der BelagerniigSarmee zu in-spiziren. Geraume Zeit konnte ich meinen Weg ungehindert verfolge»; mit echt französischer Höflichkeit begegneten Soldaten und Landleiitc dem Fremden. Freundlich wünschte um» mir, es möge mir glücken, der Begegnung mit Bombensplittern ober Chassepotkugeln auszuweichen. So kam ich am linken Seine-User an dem grimme» Mo»t Valerie» vorbei, passirte durch Co-lombes, das von langbefrackten, backbärtigc» Gendarmen, die, im Herzen Boiiapartiste», nicht unrühmlich für die Sache der Republik fochten, besetzt war; gelangte nach Becon, nachdem ich bas ganz zerstörte Asniöres hinter mir gelassen itub war bi« bahiit von bettt heftigen Geschütz- und Gewchrfeuer bas in meiner nächste» Nähe tobte, unversehrt geblieben. Ganz nahe, rechts von Becon, fielen die Bomben dutzendweise in der Minute über ben Hausen vo» Ruinen, ber bie frühere Stätte des schönen Schlosses unb ber reizenden Landhäuser bezeichnete. Eine kurze Strecke von Becon, unweit der ge- reich, sobald cS erstarkt ist, oder Bundesgenossen er-worden hat, zu Gunsten deö Papstes einzuschreiteil gedenkt. Bon den Staatsmännern, welche Italiens Geschicke leiten, mußte also die Gelegenheit mit beiden Händen ersaßt werden, einem starken Bunde im Herze» Europas beizutreten, der jede Friedensstörung von vorne herein unmöglich machen würde. Während so der römischen Kurie jede Aussicht versperrt wird, daß jemals wieder eine. Macht ihr seine Wasfenhilse bieten werde zur Wiedereroberung ihrer früheren Stellung, kann anderseits das erzielte Einverständniß der drei Mächte es mich den Franzosen bei Zeiten klar mache», daß sie für ihre etwaigen Rachegelüste keinen Bundesgenosse» i» Europa mehr finden werden. Abzuwarten bleibt nur noch, wie unser innerer Wirrwarr sich gegenüber diesen freundschaftlichen Berhältnifsen zu Deutschland und Italien gestalten werde. Die Ansglcichspoluik unserer Staatsmänner, deren Bestrebungen auf kirchlichem und politischem Gebiete den angedenteten großen internationalen Zwecken schnurstracks ent-gegenarbeiten, wird sich schwer mit den wichtigen Interessen, die nach außen auf dem Spiele stehen, in Einklang bringen lassen. Vielleicht fährt man sogar »och eine zeitlang fort, trotz des guten Einverständnisses der Höfe von Berlin und Wien, die Sympathien der Dentschösterreicher für dies freundschaftliche Verhältniß als Hochverrath und Preußeu-seuche zu brandmarken und darin in gewohnter Ber-blendnng eine Gefährdung unseres Reiches zu er-blicken._____________________ , Politische Rundschau. Laibach, 1. September. Inland. Sehr charakteristisch ist ein Schmerzensschrei des klerikalen „Volksfreund." Auch er beklagt, daß man von dem „Ausgleich" so gar nichts näheres wisse. Die Czcchen, meint er, die (310« vencn, die Wälschtiroler, sie alle wissen, was sie wollen, sie wollen de» Landtagen so viel und dem Reiche so wenig als möglich geben, von einer Gc-fammtvcrtrctung der nicht ungarischen ReichShälfic wollen sie gar nichts wissen, das höchste, was sie zngestehen, sind die Delegationen für die geutciiv fchaftlichen Angelegenheiten des ganzen Reicheo. Aber was wollen die katholischen Föderalisten in Steiermark, Oberösterreich u. s. w. ? Das wissen sie selber nicht, und wenn man sie fragt, wie sie sich den Ausgleich denken, so antworten sic höchstens mit der Berufung auf die historischen Rechte oder mit der ganz allgemeinen Fräse deö Oktober-Diploms. Wir sehen daher weder auf Seite der Regierung, »och auf Seite der sie unterstützenden Parteien klare Prinzipien; die sind nur auf der Seite unserer (der Klerikalen) Gegner vorhanden. Uns mahnt das ge- waltigen Batterie von Eourbevoie, sollte mich mein Geschick ereilen, wenn auch nicht in Gestalt einer Bombe oder Chassepotkugel. Gerade über die Straße war eine kleinere Batterie aufgefahren, bei der sich eine Abtheilung Linientruppen mit einigen jungen, überrnüthigcn Offizieren befand. Ich war so unglücklich, ihren Perdacht zu erregen, und weder mein ausgesprochen englischer Akzent, noch der in aller Regelmäßigkeit lautende Paß vermochten ihren Argwohn zu beschwichtigen. Zu frisch mochte ihnen die (Erinnerung an die in Deutschland in so zweifelhafter Riihmtichteit verbrachte Zeit fein, und sie ergriffe» darum mit Vergnügen eine Gelegenheit, sich einmal in anderer Rolle zu zeigen. Nachdem ich mich zu legitimircn versucht, hieß es: „tout est bien, seulement il laut regularisev la cliosc; 011 vous amenei'it devant lc maiie pour etre plus sur.“ Ein Soldat führte mich vor den Maire von Eourbevoie. Auf unserem Wege wurde ich beinahe versucht, durch eine rasche Seiteubewegulig mich jeder ferneren Unannehmlichkeit zu entziehen. Die Sache wäre so schwer nicht gewesen, da der Soldat kein Gewehr trug, und im fluchtigen Sprunge hätte ich nach wenigen Minuten die Hauptstraße von Ber- genwärtige Hin - und Hergeworfenwerden des Staalöschiffes an den alten Spruch: „incidit in Scyllam, qui yult vitare Charybdim.“ Nach und »ach läßt die „Änsgleichpartei" die Maske fallen und zeigt ihr wahres Gesicht. Was die Deutschen, die Anhänger der Verfassung und Vertheidiger des Gesetzes, zu gewärtigen hätten, wenn das in der Durchführung begriffene Experiment die Ezechcn zu Herren der Situation machen sollte, das enthüllen und, nun die „Narodni Listy." Dieses Organ der angeblich demokratischen sogenannten Jungezechen droht allen Anhängern der Dezembcr-Versassung heute mit Galgen und Austreibung. „Für diese," sagen „Narodni Listy," „ist die Deklaration nicht gemacht, für diese haben die Maurer und Zimmerleute ein anderes Instrument aufgebaut, was sie zur Raison bringen wird." Das schreibt das „liberale" unter den ezechischen Blättern. Man sieht, wie der Liberalismus ausschaut, und hat zugleich eilten Vorgeschmack von dem, wie erst die notorisch mit den Feudalen Gehenden die Staatsret-tung versuchen würden. Die Schergennatur kommt immer wieder zum Vorschein. Daneben wird von de» geboriie» Polizeiseelen in Denunziation gemacht, die verfassungstreue Partei des HochverratHca beschuldigt. Dieses Wort sollten, meinen wir, doch Leute vermeiden, die nach Moskau pilgerlen, aus Rußland ihre Hoffnungen fetzten und noch setzen, Memoranden an den napoleonische» Hof trugen und auf die Anklage der Landespreisgebuug nichts zu erwidern wußten. Es werden nachträglich Einzeluheiten der K ar-thauser As faire bekannt, welche darthuu, wie planmäßig die Exzedenten vorgingen, und daß der ganze 5irawall ein beabsichtigter war. Die Wagen der Tramway wurde» nicht nur mit Steinen beworfen, so daß Frauen und Kinder Verletzungen erlitten, es wurden sogar starke Stricke über die Straße gespannt, um die Wagen aufzuhalten mib so leichter attaquircu zu könne». Der „Mährische Kvrresp." erzählt noch folgendes Heldenstückchen: Bekanntlich war zum Empfange der zum gleichzeitig abgehaltenen Tabor nach Ezebin ausziehenden Brunner „Sokolistcn" ein Banderium vou Königsfelder Bauern auSgerückt. Dieselben nahmen auf der Straße gegen Brünn nebeneinander Aufstellung, mit dem Gesichte gegen die Straße und harrten der Ankunft der So-kolisten. Bevor diese erschienen, kam jedoch der zum Sänger feste ziehende Schöllfchitzer Veteranen-verein mit feiner Fahne in den kaiserlichen Farben. Beim Herannahen dieses Vereines machten unsere ezechischen Reiter, wie auf ein gegebenes Kommando, plötzlich „Kehrt" und ließe», mit dem Rücken gegen die Straße gewendet, den Veteranenverein vornberziehen! Später äußerten sailleö erreicht. Doch ich zog es vor, den wiederholten Versicherungen .der Offiziere und meines Begleiters zu vertrauen, „daß der Maire gcntil sein, mir einen Paß verabfolgen und mich meines Weges ziehen lassen werde." Mein Vertrauen wurde schmählich getäuscht. Der Maire konnte sich eine so gute Gelegenheit, an dem „pertido Albion“, au einem der verfluchten Fremden sein Gemüthchen zu kühlen, nicht entgehen lassen. Er sagte, die Entscheidung über mein Los hange von dem Platzkommandiren-den ab. Er bedaure lebhaft; zu feinem große» Leidwesen könne er selbst nichts für mich thun. Der Platzkommaudant erging sich in denselben höflichen Entschuldigungen und Betheuerungen. Er sei untröstlich; doch was könne er thun; er habe keine Vollmacht; sich an den Gesandten telegrafisch wenden? Alle Drähte wären zerschnitten! Als ob es sonst gar keine anderen Kommunikationsmittel für französische Truppen im Felde gäbe! So erklärte er, er wolle mich nach Versailles senden bei der nächsten Gelegenheit. Unterdessen sollte ich anständig behandelt werden. Das ganze sei mehr eine Sache der Form, da man leicht sehe, daß ich kein Spion wäre. Einige Stunden in einer Kaserne zuzubriugeu, schien mir nun das Schrecklichste auch nicht — besonnene slavische Bauern Köuigsselds laut und rückhaltslos ihren Unwillen über dieses Bubenstück der Repräsentanten des „wahrhaften Oesterrcicher-thnms." — Das qechtfche Organ in deutscher Sprache, die '„Stimmen aus Mähren" sagen über den Exzeß, sie wollen keinen Exzedenten oder Trun- i kenbold in Schntz nehmen, spreche er nun deutsch oder böhmisch, aber die moralische» Urheber solcher Wisse seien jedoch einzig diejenigen, die den nationalen Frieden durch hartnäckige Beeinträchtigung einer Nationalität nie zur Wahrheit werden lassen: die Anhänger der verfassungstreue», verlogene», ehr-»ud geldsüchtige» Klique. Natürlich! Das „Vaterland," das in der jetzigen Wahlbewegung mit voller Dampfkraft für, die Zerstückelung des Reiches arbeitet, bringt folgende drollige Notiz: „Schon vor einigen Tagen wurden wir benach- 1 richtigt, daß inan hier alle Mittel der perfidesten Hetzereien in Anwendung bringe, um unsere israelitischen Mitbürger zur entschiedensten Opposition gegen den Ausgleich aufzurcizen. Ein liberaler Hofrath sprach sich vor einigen Tagen einer jüdischen Notabilitiit gegenüber auf einem Spaziergange über die Ringstraße dahin aus: alle diese Paläste würden dem Petroleum zum Opfer fallen, wenn die „Schwarzen" ans Ruder kämen. Wir würden von solchen wahnwitzigen Fräsen keine Notiz nehmen, wenn sie nicht auch in einer hiesigen, die spezifisch israelitischen Interessen vertretenden Zeitschrift, als deren ständiger Mitarbeiter uns Herr Knranda ge®, nannt wird, Wiedcrklang fänden. Es wird da mit Hinweisung auf den SyllalniS und eine bevorstehende Judenaustreibung zum Widerstande gegen die auS-gleichsfremidliche Strömung anfgefordert. Solche Manöver, die offenbar den israelitischen Wäh'ern in beleidigender Weise gänzliche Unkenntnis der Sachlage znmnlhen, müssen ansS Entschiedenste verur-theilt und öffentlich gcbrcmdiimrkt werden. Es ist wohl überflüssig, besonders zu betonen, daß der Sylla-bn'S, der allerdings für alle Katholiken maßgebend i ist, nur das Prinzip der Gleichberechtigung aller „Konfessionen," wonach alle Glaubensbekenntnisse im Staate gleich gut oder vielmehr gleich schlecht sind, verwirft, nicht aber irgendwelche Bedrückung der Juden oder Verkürzung ihrer politischen Rechte an-ordnet." „ES geschieht Ihnen nichts," sagte der Henker beruhigend zum Delinquenten, „Sie werden nur ein wenig aufgehenkt werden." Die Bemühungen des „Vaterland," den alle Welt verfluchenden Syllabus just für die Juden im angenehmsten Lichte darzu-slellen, find hochkomisch. Also nur die Gleichberechtigung der Konfessionen soll hintangehalten werden, mehr wird gar »icht verlangt. Dieses Geständnis? doch von dem, was mich erwartete, hatte ich keine Ahnung. Als ich über de» Hof der Kaserne ging, sielen rechts und links die Bomben nieder. Im Gefängniß fand ich ein Dutzend gewöhnlicher Bauern. Gesprächig und mittheilsam, wie der Franzose allein in allen Lagen des Lebens ist, erzählten sie jeder seine Erlebnisse. Es waren das gewiß keine Insurgenten, staatsgefährliche Subjekte, oder Berräthcr. Zwei von ihnen, rohe, unwissende, ältere Männer, Arbeiter, waren verhaftet worden, weil sie ans dem Felde Bombensplitter aufgelesen; ein anderer war aufgegriffcn worden, da er für den Unterhalt seiner Familie Deckelschnecken suchte. Die übrigen alle waren keines neniienswertheu Vergehens schuldig. Wer weiß, wie lange sie fern von ihren verzweifel- ; teil, darbenden Angehörigen schmachten müssen! Auch zwei Nationalgardisten in Uniform waren hier; sie gehörten der OrdmnigSpartei an und hatten Paris unter tausend Gefahren verlassen, um sich nach Versailles zu retten. Von ihren eigenen Freunden und Parteigenossen wurden sic als Spione angesehen und als solche behandelt. (Schluß folgt.) ist von einer Naivetät, wie man sie so naturfrisch und urwüchsig selten bei den jesuitisch rassinirten Partisanen der Feudalen findet. In dieser Naivetät geht daS „Vaterland" sogar so weit, den jüdischen Herrn auf der Ringstraße die gnädige Versicherung zn geben, daß die Schwarzen jene stolzen Paläste nicht durch Petroleum zu verwüsten gedenken . . . Man hat schon Wunder von Dressur erlebt, aber zu den größten der Partei-Dressur gehört es jedenfalls, die große schwarze Katze so liebkosend mit den Mäuschen, die sie sonst so gerne zu fressen beliebt, spielen zu sehen. Seil dc» letzlcu Tagen ist gewiß an offiziösen Andeutungen über die Zwecke und Ziele der Gastei-ner Verhandlungen kein Mangel mehr. Der Vollständigkeit wegen nehmen wir auch von der Mittheilung eines deutschen Blattes Noti;, daß Fürst Bismarck eine Verständigung zwischen den Kabineten von Wien und St. Petersburg in der orientalischen und polnischen Frage zn erstreben suchte. Eine Schwenkung des österreichischen Gesandten in Konstantinopel betreffs der rumänischen Angelegenheiten und das Unterbleiben der Reise unseres Kaisers nach Galizien werden als die ersten Früchte der gedachten Politik des Fürsten Bismarck bezeichnet. Die zweite Kaiser-Entrevue in Salzburg wird, wie der „Wanderer" erfährt, nicht am 6. oder 7., sondern schon am 4. September stattfinden, und unser Kaiser wird nur von den Grasen Beust und Andrassy (also nicht auch vom Grafen Hohenwart) begleitet sein. Nach der Kaiser-Entrevue wird bekanntlich eine Begegnung des deutschen Kaisers mit dem König von Baiern in München stattfinden. König Ludwig hat, um feinem Einvernehmen mit Kaiser Wilhelm Ausdruck zu geben, den Wunsch ausgesprochen, daß feine Hauptstadt den deutschen Kaiser festlich empfange» möge. Ausland. Der Erlaß des baierische n Ministeriums gegen die Klerikalen lic.st uns im vollständigen Morttante vor. Die Regierung hat darin unzweideutig Farbe bekannt, sich, wie wir mit Vergnügen konftatimt, der liberalen Richtung entschieden angeschlossen. Ihre Zuschrift an den Erzbischof von München ist eine Kriegserklärung, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. Mit der Erklärung, das Dogma von der Unfehlbarkeit sei staatSgcsahrlich, hat das neue Ministerium Bcuerns alle Brücken hinter sich abgebrochen, der Kampf zwischen der Staats- und Kirchengewalt muß nun zum Auslrage kommen, er ist unvermeidlich geworden, unaufhaltbar. Auf das wichtige Dokument, welches diesen Kampf inangurirt, gedenken wir morgen zurückzukommen. Die Berliner „Provinzialkorrespondenz" schreibt: „Die Theilnahme der Bevölkerung wendet sich den Zusammenkünften im Bade Ischl und in Gastein mit der Hoffnung zu, daß die Begegnung der Herrscher und der leitenden Staatsminister dazu dienen werde, den Beziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich den Charakter eines aufrichtigen, festen Einvernehmens zu verleihen. Alle Anzeichen deute» darauf hin, daß die Hoffnung iu den Thatsachen ihre Bestätigung gefunden habe, obwohl offenbar zum Abschlüsse förmlicher Verträge keine Veranlassung vorlag. Ein freundschaftliches Verhältniß zwischen den Regierungen Deutschlands und Oesterreichs ist durch die vou beiden Seiten offen bekannte Ueberzeugung gesichert, daß ihr Einverständnis? gleichzeitig dem Wohle beider Reiche, wie der Erhaltung des allgemeinen europäischen Friedens zu Gute komme. — Demselben Blatte zufolge wird der Buu-desrath voraussichtlich Mitte September wieder zu-fammentrctcn. Von verschiedenen Seiten kommen beachtenswerte Aeußeruugen und Andeutungen über die Stellung Rußlands zu den Abmachungen von Ga^ stein. Aus verläßlicher Quelle verlautet, daß die beiden Reichskanzler zwar in der Ansicht sich begegnten, daß eine enteilte cordiale zu dreien, wie dieselbe zu zweie», d. H. zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland in Gastein begründet worden, wenig- stens vorläufig nicht zu verwirklichen sei, daß aber eilt solches Verhältniß wohl ersetzt werden könne durch die parallel laufenden Freundschastsbeziehungeu zwischen Oesterreich-Ungarn und Deutschland einerseits, Deutschland und Rnßlano andererseits, und daß diese indirekte, durch das deutsche Reich vermittelte Beziehung zwischen Oesterreich-Ungarn und Rußland zur Sicherstellung des Friedens auch im Orient genüge. Mit dein rapiden Wachsthnme Berlins geht auch das Ueberhandnehmen der sozia 1 - koin -in u n i ft i f ch c u Tendenzen in der immer mächtiger anschwellenden Arbeiterbewegung Hand in Hand. Die Arbeiterbewegung, die man vor wenigen Jahren, da Schnlze-Delitzsch sie noch beherrschte, für ganz ungefährlich hielt, wird jetzt für einen Faktor anerkannt, nüt dem man rechnen muß. Beweis hiefür liefern die eigenen Abteilungen, welche die Regierungsblätter als ständige Rubrik au hervorragender Stelle der Arbeiterbewegung widmen. Die „Nord. Allg. Ztg." zeichnet sich an Genauigkeit und Übersichtlichkeit in ihren Darstellungen unter allen am meisten aus. Verfolgt man solchergestalt jede Regung im sozialistischen Leben mit Argusaugen, so ist mau andererseits wiederum bemüht, die Erfahrungen zn verwerthen, um den dahinbraufenden Strom einzudämmen, aufzuhalteu. Das beste Mittel, ein Mittel von nachhaltiger Wirkung wäre unbedingt eine radikale Umgestaltung des Steuersystems, verbunden mit politischen Freiheiten, welche die Entfaltung der Individualität sichern, man würde hiedurch nicht blos den Strom eindämmen, sondern ihn in glücklichere Bahnen lenken. Die Pariser Nachrichten hat man nicht so ernst zu nehmen. Weder ist Herr Thiers geneigt, aus Rücksichten des unbefriedigten Stolzes auf die heiß ersehnte Präsidentenwürde zu verzichten, noch wird die Nationalversammlung, schon in Anbetracht der Beziehungen zu Deutschland, die dadurch sehr getrübt würden, es aufs äußerste ankommen lassen. Zuletzt werden die Männer in Versailles schon einen Kompromiß ausfindig machen, der Allen den Rückzug mit Ehre» anzutrete» gestattet. Und in diesem ungefährlichen Sinne scheint man auch die Sache in Berlin aufzufassen. Ein Telegramm aus der preußische» Hauptstadt meldet nämlich, daß der bisherige Vertreter Deutschlands in Versailles, Graf Waldersee, der bekanntlich Militär ist, abberufen und durch beit Freiherr» v. Arnim, der den militärischen Dinge» ganz ferne steht, ersetzt werden wird, was sicherlich nicht geschehen wäre, würde matt in Berlin die Situation in Frankreich für kritisch halten. Glais-Bizoin hat au Gambctta, seinen Kollegen in der Regierung der National-Vertheidigung, einen Brief gerichtet, in welchem er ihn ausfordert, feiue Stimme zur Verteidigung der Revolution des 4. September gegenüber dem Geschrei und den Anklagen der Kammermajorilät zn erheben. Am Schlüsse dieses Brieses heißt es: „Die republikanische Partei bildet eine starke Minorität in der Kammer. Sie besitzt sicherlich Männer von Talent und Ueberzeugung ; aber sei eS ans Unersahrcnheit in parlamentarischen Dingen, oder aus anderen Ursachen, lassen sie die Reaktion an Terrain gewinnen und bleiben stumm gegenüber den täglichen Angriffen auf die Revolution vom 4. September. Keiner hat mehr als Sie, mein werther Kollege, das Talent und das nöthige Ansehen, um das Prinzip dieser großen und einzig dastehenden Revolution geachtet zu machen. Möge die Majorität dieselbe im Grunde ihrer Seele verfluchen, aber daß sie cs laut, öffentlich, in Worten uiid Thaten thim, das darf die wahrhaft republikanische Partei und der ausgezeichnete Mann, in den sie ihr Vertrauen gesetzt hat, nicht länger dulden." Zur Tagesgerichte. — Eisenbahn Bozen-Meran, Vor einigen Wochen ist das Projekt einer Eisenbahn von Bozen I nach Meran dem Handelsministerium zur Genehmi- gung und Konzessionirung Seitens des bezüglichen Konsortiums vorgelegt worden. Mit der Trazirung dieser Bahn war Ingenieur Alfons v. Stefenelli aus Trient betraut. Die Linie 'ist 28.500 Metres lang mit 2 Galerien, 2 Viadukten, 8 kleinern und einer großen eisernen Brücke, 3 kleinem und einer großen Station versehen und auf 4 Mill. Gulden veranschlagt. Die Steigungen sind nicht stärker als zwischen Verona und Bozen, so daß mit denselben Maschinen von Verona bis Meran gefahren werden kann. Die größte Steigung ist von 10 zu 1000 bei Burgstall, die übrigen unbedeutend. Herr Alfons von Stefenelli, durch seine Leistungen beim Eisenbahnbau der Strecke LaviS-Neumarkt in Tirol rühmlichst bekannt, hat obiges Projekt im Zeitraum von 35 Tagen ausgearbtitet und wird, wie verlautet, vom Konsortium auch mit dem Bau dieser Bahnstrecke betraut werden. Se. Majestät der Kaiser hat dem Konsortium die Unterstützung der Jntereffen-Garantie-Frage zugesagt. — Bolksschullehrerknrs nndSch weine-fütterung. Der Lehrknrs für Volksschullehrer in Klanfenburg wurde am 8. August d. I. eröffnet; Leiter desselben ist Professor Franz Paal. Unter den anwesenden Schullehrern gibt es viele, welche die erhabene Pflicht des Volksmtterrichtes für ein volles Jahr um 30 Viertel Kukuruz und 5 fl. Barbezahlung erfüllen. Ein Viertel Kukuruz enthält 22 Maß; die Naturalbezahlung macht daher 660 Maß Kukuruz aus; zum Mästen eines mittelmäßigen Schweines sind auf den Tag 4 Maß Kukuruz erforderlich; mit dem Naturalgehalte eines Schullehrers könnte also ein solches Schwein nur 165 Tage das AxSlangen finden; rechnet man nun die fünf Gulden in Kukuruz umgewandelt noch dazu, so kann mit dem Totalquantum nicht einmal ein mittelmäßiges Schwein ordentlich gefüttert werden, selbst dann nicht, wenn man das Füttern auch ohne Dienstboten besorgt. Was soll man dann von einem Volkserzieher erwarten, welcher schlechter als ein Schwein gestellt ist? Soll er sich im Spanferkel-Alter abstechen lasten oder die Stütze einer Volkswehr werden? — In Rom wurden nach amtlichen Erhebungen bei dem Putsche am 23. und 24. August zwei Personen getödtet und acht schwer oder leicht verwundet. In der Untersuchung wegen des eine ungeheuere Aufregung verursachenden Todes des Koches Ferrero, welcher zufällig unter die Menge gerieth, wurde konstant, daß Ferrero durch einen Schuß aus einem Fenster und nicht durch die Hand eines Soldaten fiel, da sich bei der Durchsuchung der Patrontaschen der Soldaten, welche ein der Stelle pvstirt waren, wo Ferrero fiel, herausstellte, daß nicht eine von den gefaßten Patronen fehlte. Mit Tognetti (dem Bruder des im Jahre 1867 Hingerichteten Tognetti) wurden an 16 Aufwiegler verhaftet, die mit den Jesuiten in direkten- Beziehungen stehen. — Die „TimeS" theilt folgenden merkwürdigen Fall mit: Im Bezirke von Eunell-lane, l‘/8 englische Meilen von Preston iu Lancashire, liegt eine Hütte, in welcher ein junges Weib schon seit drei Jahren bettlägerig ist und seit 1 bis 2 Jahren nichts gegessen hat. Ihr Nante ist Anna Riding; sie ist 33 Jahre alt und wohnt bei ihrer Tante. Vor ihrer Krankheit war sie ein kräftiges und gesundes Weib, das nie einen Arbeitstag versäumte und in der Mühle der Herren Horroks, Miller und Kompagnie zu Preston beschäftigt war. Kurz nach dem Eintreten der Krankheit gab sie die Arbeit auf, sah sich genöihigt, das Bett zu hliteu, wurde ärztlich behandelt und nahm durch aufeinanderfolgende drei Jahre fortwährend ab. Mehrere Aerzte versuchten ihre Heilung, aber keiner war im Stande, ihr eine wirkliche Erleichterung zu verschaffen, und schon seit sechs Monaten sind alle Heilverfuche aufgegeben und der Fall ist sich selbst überlassen, da es die Meinung der Tante ist, daß es „das Werk des Allmächtigen" sei und die Krankheit ohne Aussicht auf Genesung nur umsonst Auslagen verursache. Sechzehn Monate lang hat das junge Weib gar keine Nahrung zu sich genommen, und das einzige, was sie vertragen konnte, war ein Tropfen Waffer, um ihre Lippen zu befeuchteu. Sie wird häufig be- fragt, ob sie nicht« zu sich nehmen wolle, schlägt eS aber beständig auS und trägt kein Verlangen darnach. Es bleibt in der That ein Geheimniß, wie sie seit so langer Zeit bestehen könne, ohne irgend etwas zu genießen, was auch nur die entfernteste Aehnlichkeit mit einer Speise hat. Sie ist vollkommen bei sich, aber sehr schwach, schläft nur wenig und ist nicht im Stande, eine angezündete Kerze auch nur ins nächste Zimmer zu tragen. — Ihre Verwandten sind arme, ehrliche Leute und machen durchaus kein Aufheben von diesem Falle, der selbst im eigenen Bezirke nur wenig bekannt ist. — St. Louiser Blätter bringen ausführliche Berichte über eine erstaunliche Leistung, die im Eisenbahnsache am letzten Sonntag im Juli ausgeführt wurde. ES galt der Reduktion der Spurweite der St. Louis und Cincinnati verbindenden, 840 Meilen langen Ohio- und Mississippi-Eisenbahn von 6 auf 4 Fuß 9 Zoll, um die Bahn den von Osten kommenden Bahnen konform zu machen, und den Wagenwechsel in Cincinnati zu vermeiden. Bei Tagesanbruch wurde mit der Arbeit begonnen und bis Mittag war das ganze Werk vollendet. Die ganze Strecke der Bahn war in Sektionen von je einer Meile ab-getheilt worden und sieben Mann standen an jeder dieser Sektionen bereit, mit dem ersten TageSgrauen die Arbeit in Angriff zu nehmen. Im Ganzen waren etwa 2500 Mann längs der Bahnlinie vertheilt. Alle Vorbereitungen waren getroffen worden, um die Arbeit so schnell als möglich zu Ende zu bringen. Die Klammern, mit welchen die Schienen festgemacht waren, wurden abwechselnd gelockert und an jeder Stelle, wo die Klammern eingeschlagen werden sollten, waren die Löcher gebohrt worden. Am Sonntag Morgen wurden nun die übrigen Klammern gelockert, herausgenommen, die Schienen von jeder Seite um 7 */* Zoll nach Innen gerückt und festgemacht. Die Durchschnitts« zeit für die Vollendung jeder Sektion betrug 7 Stunden. Die erste Sektion bet Adamson Station war um 4 Uhr 25 Minuten Morgens fertig. Viele an-dere Stationen wurden ebenfalls in den frühen Morgenstunden fertig. In der Nacht zuvor waren alle Wagen und Lokomotiven auf die Seile geschafft und an den drei Stationen zufammengebralbt, an welchen sich die Maschinenwerkstätten der Bahn befinden, wo sie abgeändert werden. Am Sonntag Abends kam der erste Expreßzug von New-Uork in Cincinnati an, welcher die Fahrt über das veränderte Geleise nach St. Louis machte, und am Montag dort eintraf. fach für die Theilung des Unterrichte« in die beiden Landessprachen zu erklären. Außerdem beantragte Dr. Bleiwei«, e« fei an da« Unterrichts-Ministerium das Ansuchen zu richten, ti möge den Verfassern der nßthigen slouenischcn Schulbücher eine Unterstützung anS Staatsmitteln gewähren, wie es seinerzeit in Kroatien geschehen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. Schließlich konnte es Dr. Costa nicht unterlassen , zu Protokoll zu erklären, jene Professoren, welche der flovenifchen Sprache nicht mächtig feien, hätten kein Recht, über die zu wählende Unterrichtssprache mitzusprechen; Dr. Wretschfo habe die Absichten des Ministerialerlasses vom 12. Juli d. I. vollkommen falsch gedeutet, auch stehe nur dem Landtage von Krain da« Recht zu, die Frage der Unterrichtssprache endgiltig zu entscheiden. — (FleischtarisproSeptember.) Das Pfund Rindfleisch bester Qualität von Mastochsen kostet 27 kr., mittlere Sorte 23 kr., geringste Sorte 19 fr.; von Kühen und Zugochse» kosten die drei Sorten Fleisch 24, 20 und resp. 16 kr. — (S o ir6e.) Die Regimentsmusik FZM. Hartung Nr. 47 gibt heute Abends 8 Uhr im Kasino-garten eine Offizierssoiröe. — (Bergnügnngszüge.) Am 7. September geht von Wien ein VergnügnngSzug nach Salzburg-Reichenhall und München zur Schlußvorstellung der berühmten, nur alle 10 Jahre statlsindenden Ober-ammergauer Passionsspiele, sowie nach der Schweiz zur weltberühmten Rigibahn. Der letztere Zug wird auch den Rheinfall bei Schafshausen, Zürich und Luzern berühren. Der Fahrpreis ist auf 50 Perz. ermäßigt, und kann jeder Teilnehmer beliebig einzeln innerhalb 14 Tagen auch mit Unterbrechung die Rückfahrt antretett. Theilnehmer aus den Südbahn- Stationen Bruck, Leoben, Graz, Cilli, Marburg, Laibach, Agram genießen für die Fahrt nach Wien und zurück ebenfalls die Begünstigung des halben Fahrpreises, wenn sie sich mit einer Teilnehmerkarte von dem Speditionsbureau der k. t. priv. Franz-Josephsbahn, Wien, Stadt, Bäckerstraße Nr. 7, auSweisen. Es ist leicht erklärlich, daß die Theilnahme eine außerordentliche zu werden verspricht. Ausführliche Programme sind hier am StationSplatze und auch durch die Expedition unseres Blattes gratis zu bekommen. — (Das Postamt Bitinja) ist mit heutigem Tage aufgehoben. Der Bestellungöbezirk desselben wurde dem Postamte zu Jllyrisch-Feistriz zugewiesen. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. Lokal-Chronik. — (Der LandeSschulrath für Krain) hielt, wie die „Novice" berichtet, am 29. August eine außerordentliche Sitzung. Gegenstand derselben bildete die Frage der Unterrichtssprache an den Mittelschulen Krains. Das Unterrichts-Ministerium hatte in seiner diesbezüglichen Anfrage den Vorschlag gemacht, den sogenannten, von einer vernünftigen Pädagogik längst verdammten Utraquismus einzuführen, daß heißt, die eine Hälfte der Lehrgegenstände solle in deutscher, die andere Hälfte in slovenischer Sprache vorgetragen werden. Zugleich hatte der LandeSschulrath von den Lehrkörpern sämmtlicher Mittelschulen Krains ein Gutachten in dieser Frage abverlangt. AuS den eingelaufenen Gutachten wurde nun vom k. k. Landesfchulinfpektor Dr. Wretfchko die Antwort an das Ministerium folgendermaßen formulirt: An den Realgymnasien zu Ära in bürg und Rudolfswerth, sowie in den untern Klassen der Oberrealschule zu Laibach soll der Unterricht ein utraquistischer fein. Am Obergymnasium in Laibach jedoch sollen slovenische Parallelklassen errichtet oder aber das jetzige deutsche Gymnasium beibehalten und ein selbständiges slovettisches Gymnasium errichtet werden. Der zur Berathung dieser Frage vom Lan-desschulrathe gewählte Ausschuß (Dr. Pogacar, Prof. Aolar und Dr. Costa) beantragte in obiger Sitzung die Fassung ter Antwort an das Ministerium, wie sie Dr. Wretschko vorgeschlagen, abzulehnen und sich ein» tztngescndet. Betrachtet der Eigeiilhiimer des interessanten Hauses Nr. 1 Gradischavorstadt, deutscher Platz, „zur Stadt Agram" den sehr rein gehaltenen Platz als eine Marktstätte oder als Schottergrube? Im erste» Falle hat er mit dem fast zwei Klafter hohen, beinl Einfahrtsthor ausgcschlichteten Trümmerhaufen, bestehend aus rußigen Ofenkacheln, zertrümmerten Ziegeln, Äatzenköpsen und Bausteinen das erbärmlichste Aus. stellnngsobjekt gewählt; im zweite» Falle wäre wohl erst die Bewilligung der Behörde einzuholen gewesen. Einige Schritte weiter im Hosraume ist hinreichend Platz für diese Herrlichkeiten, welche der Herr Hauseigenthlliner so malerisch (die hundertjährigen rußige» Ofenkacheln krönen die Schuttpyramide) de» Vorübergehenden zum Verkauf ausstellt. Wir meinen, daß das Haus Nr. 1 „zur Stadt Agram" an sich bereits den deutsche» Platz, respektive die Landeshauptstadt Laibach erschöpfend verunstalte, um dazu noch der weiteren Pracht des an die Hauptfronte angelehnten Schutthaufens zu bedürfen. Mehrere tnflUnj Vorübergehende. Unterlcibsbruchleidende werden auf die in dieser Nummer enthaltene bezügliche Annonce von (8. Still itiu Cnncv aufmerksam gemacht Witterung. Laibach, 1. September. Nachts sternhell, Morgens theilweiser Nebel, Vormittags zunehmende Bewölkung, schwacher Nordwind. SBarrne: Morgens 6 Uhr -f- 10.ti", Nachmittags * Ulic -f- 19.0 G. Barometer im Steigen 744.14 Millimeter. Das gestrige Tagesmittel der Wärme + 14.9", n>» 2.4” unter dem Normale. Anaekommeue Fremde. Am 31. August. Elefant. Pigotti, Steiu. — ZdeSar, Brezovca. - Ettel, Triest. - Picco, Villach. — De Giorgio, k. f. Oberst, und Brandenburger, k. k. Licntenaut-Adjutant, Klagen» surt. — Leonhardi, Kfm., Nürnberg. — Verini, Udine. — v. Kuttner, Sachsenfeld. — Graf Barbo, k. k. Kämmerer, Kroisenbach. — Ridl, Privatier, Wien. — Lapajne, Lehrer, Lutteuberg. — Graf Lichtenberg, Prapretschhof. — Zepelka, Kfm., Wien. — Supaniic, k. k. Major, Unter« krain. Stadt Wien. Dr. Weichsebaum, k. k. Oberarzt, und Dr. Grassauer, Wie». — Dr. Kretschmayer, k. k. Direktor der Lehrerbildungsanstalt. — Braun, Bürgermeister. — Pogacer, Gutsbesitzer. — Urbancic, Gutsbesitzer, Ober-krain. — Skarja, Postmeister, Kraiubura. — Böhm, ^Ksm^Ludenscheid. — Heller, Wien Gedenktafel über die am 3. S e p t e m b e r 18 71 stattsindrndrn Lizitationen. 1. Feilb., Koiianiic'sche Real,, Großpölland, BG. Nas-senfui;. — 1. Feilb., Zalar'sche Real., Korvsce, BG, Laas. Freiw. Feilb, Pogainik'sche Real., Kropp (loco), BG. Rad-mannsdorf. — 3. Feilb., PernuK'fche Real., Mitterdorf, BG Krainburg. - Freiw. Feilb., Schaffer'fche Real., Lai-bach, LG. Laibach. - 3. Feilb., Pojc'fche Real., Oberdorf, BG. Nastenfuß. Telegramme. (Orig.-Telegr. deö „Laib. Tagblatt.") Paris, 31. August. Die National Versammlung nahm den gesammten Gesetzentwurf betreffs der Gewaltverlängerung ThierS einschließlich deS Amendements DufaureS mit 480 gegen 03 Stimmen an. Fragte r Wird das löbl. Magistrats-Kollegium Personen, welche nach dem Ausspruche des SanitätsratheS das Vertrauen deS Publikums nicht genießen, in der Apothekerfrage noch unterstützen? (386) X /6r intcrlribsbruchlribrnüt. Die Brnchsalbe von G. Sttir$cnt6ltcr in teriSau, Schweiz, hat in Folge ihrer vorzüglichen Sirtfamteit bei ttntcrlctbsbrilchen, Muttervorfällen und Hämorrhoiden vielseitigsten Dank geerntet. Zahlreiche Atteste bestätigen eine vollständige Heilung selbst bei veraltete» Fällen. Auf frankirte Anfragen wird Gebrauchsanweisung gratis versendet. — Zu beziehen in Töpfen zu 3 fl. 20 kr ö. W. sowohl durch den Erfinder selbst, als durch Herrn Joses WeiS znr Mohrenapotheke, Tnchlaubeu Nr. 27 in Wien. (177-9) Wiener Börse vom 31. August. Staatsfonds. 5-erc. Rente, öst.Pap. bto. dto. öst.inSilb. e von 1854 e von 1860, ganze e von 1860, Fünft. Prämiensch. v. 1864 Orundentl.-Obl. Steiermark zukpÄt. Kärnten, Ärain ».Küstenland 5 „ Ungarn . . zu 5 „ Nroat.u. Slav.5 „ Siebenbürg. * 5 , Aotlen. /tattonaldank . . . Union - Bank . . . Kreditanstalt . . . 11. ö. EScompte-Ges. Luglo-österr. Bank . Oest. Bodencred.-A. . Oest. Hyvoth.-Bank. Steter. E-compt.-Bk. Franko - Austria . . ktais. Yerd.-Stordb. . Sübbahn-Gesellsch. . »aif. Elisabeth-Bahn. Krrl-Ludwig-Bahn Siebend. Eisenbahn . Staatsbahn.... ktais. Franz-IosefSb.. Fünfk.-Barcser E.-B. Ülföld-Fium. Bahn . Pfandbriefe. Matton. ö.W. verloSb. dna. Bod.-Creditanst. Ällg.öst.Bod.-Credtt. dto. m 33 d. rUckz. . Geld ! IBare <0.10 6 /.SO,Oest. Jpt?poth.‘löant . 70 30 70 50 94.f,0 95. 102 10 1(2 40 »eld 1 *5.- 116 — UO $5 93.- 8;.75 feO.—I 66 2 »' 77 25 116 60 140 50 94.— 86.— 80 50 *6 5 ' r<7 5t 771 — 775.— 271.-871.20 $9i 8(',2W7.-938 - 942 — *61.10 Ml 40 .— 859 Prlorlt&ts-Obllg. i Südb.-Ges. zu 500 Fr. dto. BonS6pLt. Nordb. (100 fl. EM.) Sieb.-B.(200fl.ö.W.) StaatSdahn Pr. Stück StaatSb. pr. St. 1867 RudolfSd.(300fl.ö.W.) Franz-Iof. (200 fl.S.^ Lose. Kredit 100 fl. ö. W. . Don.-Dampfsch.-Ges. zu 100 fl. CM. . . Triester 100 fl. TM. . dto. 50 fl. ö.W. . Oiener . 40 fl. ö.W. Ware 65 iO 75.->35 -184. -*148 77.- 1S480 3146 181 6 )'l«t.80 236 —j 236 50 256 — 256 25 174 75i175 --3-<6.50 387.50 209 — j 21 9 50 176 — 17K.5V 182.25 182.75 91.40 91 60 8J.25 89.50 108. —1108.50 88.25| fcS 76 109.— 109.50 239.— 240.— 106.-1C6 20 90.fo! 90.75 140.60 141.50 Salm PalffY . i, Llarv . „ St. GenoiS H Windischgrätz waldflern . »eglevich . Rudolfststift. 10 ö.W Wechsel (3 Mon.) flugdb. 100 fl. fiibb.to. Franks. 100 fl. . , Bonbon 10 Ps. Sterl. Paris 100 Francs . BXttnxen. rtaif. Müuz-Ducateu. 80-FrancSstück. . . BereinSthaler . . Silber . . 140..'0 141.- Hl.80 92.— 99.10 9« 60 184.75 185 25 91.— 100 — 120 50 121 50 59.— 60.- 34.— 35.— 43.- 44.- 31.— 31 50 38.50 39.- 80.— 31.— 8*.— 86.— 21.- 22.— 15.— 17.— 15.— 15.60 102 20 102 30 108. >5 102.35 120 30 121.40 46 90 47.— 551 5 82 9.62» 9.63 s 1.80 5 1.81 119.75 120.— Dert elegrafische Wechselkurs ist uns bis zum Schlüsse deö Blattes nicht zugekommen. Druck ecu Jgn. v. Kleinmayr * geb. Samberg in Laibach. Verleger und für die Redaktion verantwortlich: Ottowar Bamberg.