aibcher TaMatt. Redaction und Expcditivn: Bahnhvsgasse Nr. 15. Nr. 97. LränumerationSpreise: Für Laibach: Ganzj. fl. 8-40; Zustellung ins HauS vrtlj. 25 kr. Mit der Poft: Ganzjähr. fl. 12. DiNÄag, 29. April 1879. — Morgen: Satt). S. Insertion« Preise ivaltige Petitzeile ä i Wiederl ' ‘ ’ iederholnnge» i» 3 zeigen bi« 6 Zeile» 20 Tr 12. Jahrg. Aus dem czechischen Lager. „Sein oder Nichtsein? Sollen wir den Reichs-rath beschicken oder nicht?" Das ist die Frage: ob es edler ist, die langjährige Passivitüts- und Abstiiienzpolitik, die Demonstration gegen die österreichische Reichsverfassung, den Kamps gegen die Ausbreitung des österreichischen Staatsgedankens, gegen die einheitliche Constructiou und Einrichtung der österreichischen Staatsmaschine anfzngeben, oder die unfruchtbare, unpatriotische, aufregende, die Parteien verhetzende, Hader und Zwietracht predi- ?,ende und das czechische Volk bereits anekelnde, höfliche Agitation noch weiter fortzusetzen. Dr. Eduard G r e g r, Besitzer der Druckerei, in welcher das Organ der Jungczechen, „Narodni Listy", gedruckt wird, und Führer der Jungczechen, greift in einer Broschüre einen von seinem Bruder Dr. Julius Gregr in den „Narodni Listy" redigierten Artikel an, welcher gegen den projektierten bedingungslosen Eintritt der Eichen in den Reichsrath die Waffen erhebt. Wir ersehen aus nachstehenden, der erwähnten Broschüre entnommenen Stellen, daß der Bruder-zwist im Hause der Czechen bereits hochgradige Dimensionen angenommen hat. Dr. Eduard Gregr sagt: »Seit zehn Jahren vertrete ich im privaten wie im öffentlichen Leben mit dem geschriebenen wie mit deni gesprochenen Worte meine innigste Ueberzeuguug, daß der passive Widerstand nicht nur in Bezug auf den böhmischen Landtag, sondern auch in Bezug aus den Reichsrath ein großer politischer Fehler ist, aus dem unserem Volke bereits schwere Schäden erwachsen sind; daß es ferner nothwendig sei, den falschen Weg zu verlassen, und daß die böhmischen Abgeordneten in den Reichsrath eintreten müssen. Ich gehöre also zu denjenigen, welche für die uubediugte Beschickung aller uns zugänglichen Parlamente sind. Die „Narodni Listy" theilen nun alle jene böhmischen Politiker, welche meine Ueberzeuguug theilen, in drei Kategorien, und zwar 1.) in die Kategorie von Lnmpen (därebaku), welche von der Regierung bestochen worden sind; 2.) in die Kategorie von Feiglingen und 3.) in die Kategorie politischer Narren. In den Reichsrath gehören vor allem jene, welche unser Volk zum Betreten der unglückseligen Bahn der politischen Unthütigkeit verleiteten — für diese möge er eine gerechte Strafe, für diese ein Fegefeuer zur Abbüßung all' der schweren Sünden, die sie begangen, sein. Indem ich eine lange Reihe von Männern kenne, an deren Ehrlichkeit, Unbemakeltheit und reinem, alles Egoismus barem Patriotismus auch die eingefleischtesten Gegner nicht zu zweifeln wagen würden, und die gleich mir die Nothweudigkeit der Beschickung des Reichsrathes anerkennen; ja, indem mir eine ganze Reihe von Bezirken bekannt ist, welche derselben Ueberzeuguug sind, kann ich nur mit Verachtung die Verleumdung zurückweisen, daß diese Ueberzeuguug in der Bestechung seitens einer Regierung oder in welch' einem anderen persönlichen Interesse ihren Grund haben würde. Uebrigens sollten die „Narodni Listy" am allerwenigsten mit dieser Säbelscheide uinherfuchteln, denn es ist ja nicht lange her, wo auch ihnen öffentlich der Vorwurf zugeschleudert wurde, daß sie sich der Regierung zu dem Zwecke verkauften, um für die Beschickung des Landtags schreiben zu können. Die „N. L." erklären, „daß sie es nicht verhehlen wollen, daß die Majorität aller politisch denkenden Köpfe in unserem Volke für die Beschickung des Reihsrathes sei, und daß sie selbst zu denjenigen gehören, welche den Wunsch hegen, der Eintritt in den Reichsrath möge sich vollziehen — aber mit einem Vorbe- halte", und dieser Vorbehalt sei ein Gesetz zum Schutze der Nationalitäten. Uebrigens ließe sich darüber discutiereu, ob ein solches allgemeines Gesetz zum Schutze der Nationalitäten praktisch und ob es ein wirkliches Palliativ der Nationen gegen jede Art von Regierung wäre? Als allgemeines Gesetz würde gewiß der § 19 der Staatsgrundgesetze hinreichen. Schließlich, wer kann ein Gesetz zum Schutze der Nationalität geben? Doch nur der R e i ch s r a t h , und wenn das jetzige Ministerium in Wirklichkeit konstitutionell ist, dann muß und kann es nur antworten: Kommt in den Reichsrath und helft dort eine solche Majorität schaffen, welche geneigt wäre, ein solches Gesetz auszuarbeiten — ich selbst kann und darf ein solches Gesetzes nicht octroyieren. Wir wollen aber weder infam kapitulieren, noch das Volk in die Wüsteneien der Passivität führen, in denen es sichtlich immer mehr und mehr geschwächt wird. Wir wollen, daß das böhmische Volk auf jenem Plane erscheine, auf dem einzig und allein es Erfolge erkämpfen kann, aber größere Erfolge, als sie die „N. L." fordern. Das ist keine unehrenhafte Capitulation, das ist der Beginn neuer Kämpfe. Wir wissen, daß der Eintritt in den Reichsrath keine Schande für das böhmische Volk ist, noch sein wird, sondern blos eine Schande für diejenigen, welche unser Volk auf den unsinnigen Pfad des passiven Widerstandes geführt, und daß man unserem Vvlke nichts anderes vorwerfen kann, als ein blindes Vertrauen zu denen, in deren Hand es sein Geschick gelegt. Es gibt also noch eine Kategorie böhmischer Politiker, welche für die Beschickung des Reichsrathes eintreten, und diese besteht aus jenen Männern, welche mit tiefer Betrübnis ob des unleugbaren Verfalles des böhmischen Volkes, als Folge der verfehlten Politik der Führer, erfüllt sind; aus Feuilleton. Der Festzug zn Ehren des Kaiserpaares. Sonntag den 27. April 1879 fetzte die Bevölkerung der kaiserlichen Haupt- und Residenzstadt Wien im Verein mit ausübenden Theil-nehmern aus allen Theilen der Monarchie zur Feier der kaiserlichen silbernen Hochzeit den Hul-digungs-Festzug in Szene. Um halb 9 Uhr erhielt die am Ostrande der Rotunde ausgestellte erste Abtheilung des Festzuges das Zeichen zum Ausbruche. Der Festleiter hatte bei Bestimmung der Aufstellungsplätze und der Marschlinien für die Festzugstheilnehmer die Rücksicht walten lassen, daß es jeder Abtheilung ermöglicht wurde, die übrigen zu sehen. Die erste Abtheilung nahm, dem entsprechend, ihren Weg längs des Lagerhauses nach der Weitaus-stelluugsstraße, zog in dieser an den Gruppen der kostümierten Abtheilung vorbei und passierte wenige Minuten nach 9 Uhr den Viaduct. Allen voran, unmittelbar den Herolden der Stadt Wien folgend, schreiten mehrere tausend Studenten unter lauten, ununterbrochenen Hnrrahs. Ein Bannerträger, umgeben von den in voller Wichs prangenden Führern sämmtlicher Burschenschaften und Corps, eröffnete den Zug. Ohne Aufenthalt und Störung schob sich nun eine Abtheilung nach der ändern in den Zug ein. Bevor jedoch die letzten Gruppen des Kostümzuges den Prater verließen, wurde — es war eben 10 Uhr — der Zug zum Halten gebracht. Um 11 Uhr setzte sich derselbe wieder in Bewegung, und um halb 12 Uhr war die letzte Abtheilung in die Praterstraße ein-gerückt. Der Festzug in Bewegung. In den eleganten Palais der Jägerzeile wie ans den zahlreichen Tribünen dieser dem Prater zunächst gelegenen Festzugsstraße hatten sich die Zuschauergäste am frühesten versammelt. Hier erwartete man den Festzug gleichsam aus erster Hand, und jene glücklich situierten Zuschauer, welche den Anblick von der Mitte der Jägerzeile bis zum Praterstern hatten, konnten die erste öffentliche Regung des Festzuges, der doch endlich aus dem waldigen Coulisfenduukel heraustreten mußte, beobachten. Endlich erklang der Ruf von allen Lippen: „Der Festzug ist in Sicht!" Die Masse» gerieten in heftige Bewegung, die Spannung und Aufregung der ganzen vergangenen Woche schienen sich noch einmal in eine Minute couccntrieren zu wollen: Wirb das Farbenwuuder aus dem Mittelalter endlich zur Wahrheit werden? Wird der langersehnte, der vielverkündigte erste Herold, der dem Festzuge als reitender Prologus bienen soll, wird er endlich aus dem Programm und aus dem Zeitungsblatt frisch und frei ins wirkliche Leben springen? Da blitzt es am Saunte des Praters goldig auf. Es sind die in Weiß-Roth gekleideten Bläser, welche mit ihren im Sonnenlichte schimmernden Trompeten sichtbar werden. Der stattliche Herold der Reichshaupt-und Residenzstadt — heute verdient sie den vollen Titel — Wien erscheint auf prächtig geschirrtem Rosse; auch er ist in den Farben der Stadt, Roth-Weiß, gekleidet. Sein purpurnes Sammt-wamms ist reich mit Silber durchwirkt und weiße Kreuze find dareingewirkt. Ein Hurrah-Ruf be- Männern, welche schwer es tragen, daß unser Volk einigen eitlen und eigensinnigen Oligarchen zulieb sich weiter schleppt durch die Sümpfe der parlamentarischen Abstinenz; aus Männern, welche so viel patriotische Selbstverleugnung besitzen, daß sie keinen Anstand nehmen, sich zu dem großen und verhängnisvollen Fehler, der begangen wurde, zu bekennen, und welche wenigstens so viel guten Willen haben, um jeue große» Schaden mit steter, unerschrockener, unverwüstlicher Arbeit auf jenem Felde zu sühnen, auf dem sie sich sühnen lassen — im Reichsrathe. Es gibt auch eine Kategorie von Männern, welche, unabhängig von Vereinen oder der anderen politischen Partei, den einzigen Ehrgeiz haben, ihr eigenes Urtheil, ohne Rücksicht auf die öffentliche Meinung, zu besitzen, welche keine Rücksicht nehmen ans die Gunst oder Mißgunst dieses oder jenes Herrn, oder dieser, jener Zeitschrift. Auf diese Kategorie der böhmischen Politiker haben die „N. vergessen, und weil diese Kategorie von Tag zu Tag an der Zahl sich mehrt uud insbesondere in den entschiedensten und fortgeschrittensten nationalen Bezirken an Boden gewinnt, darum hielten wir es als Pflicht, die Classification der „Nar. Lifty" hiemit zu ergänzen." Zustände in Rußland. Die Verhältnisse in Rußland haben, wie der „Köln. Ztg." aus Petersburg berichtet wird, seit kurzem eine so ernste Gestalt angenommen, daß man auf das schlimmste gefaßt sein muß. Binnen drei Tagen haben Petersburger Bewohner ihre sämmtlichen Waffen auszuliefern oder deren Vorhandensein beim Bezirksvorsteher anzuzeigen. Es wird dort entschieden werden, wem die Waffen zu lassen sind und wem nicht, und es sollen demnächst die schon in Kraft getretenen strengen Polizeimaßregeln über Bewachung der Hauseingänge, nächtliche Revisionen und dergleichen noch dahin verschärft werden, daß sich nach 9 Uhr abends niemand mehr auf der Straße zeigen darf ohne eine Bescheinigung, auf der geschrieben und beglaubigt sein muß, von wannen er kommt und wohin er geht. Wenn diese von Gurko geplante Verfügung wirklich erlassen wird, dann wird einem wol nichts anderes übrig bleiben, als abends ruhig in seinem Kämmerlein zu hocken, denn woher soll man eine solche Bescheinigung und Beglaubigung nehmen? Jetzt kommen gerade die schönen Hellen Frühjahrsnächte; vor halb 10 Uhr braucht man schon kein Licht mehr anzustecken, und um 9 Uhr soll jedermann zu Hause sein, und nach 10 Uhr, wie in den Kasernen, kein Licht mehr brennen! jrüßt den Herold unserer Stadt, und ebenso ympathisch werden die Studenten der Universität, )er technischen Hochschule und der Hochschule für Bodenkultur begrüßt. Es ist ein sinniger Gedanke gewesen, den Festzug der Stadt Wien, welcher die Blüte der Kunst und des Gewerbes darzustellen hat, durch unsere akademischen Bürger eröffnen zu lassen. Hier schreitet jugendkräftig eine kleine Armee von künftigen Juristen und Medizinern, von Professoren in spe aller Fächer vorüber. Vielleicht sind auch einige künftige Excellenzen darunter; aber heute wandeln sie alle noch gar nicht beamtenhaft offiziell, sondern mit freiem, hellem Auge und frohgemuther Stirne einher. Es waren mehrere tausend Musensöhne, die, mit einigen Präsides in voller Wichs an der Spitze, im schwarzen Festkleide einherschritten. Die Studenten marschierten flott vorwärts, bis eine Stockung auf dem Schwarzenbergplatze eintrat, die durch das dort improvisierte photographische Atelier hervorgerufen wurde. Durch diese Störung traten oft längere Intervalle im ganzen Festzuge ein, welche Ivie eine Feuerprobe für das ganze Unternehmen Die Maßregeln sind allerdings scharf, aber i die Unsicherheit in Petersburg ist auch täglich im Wachsen begriffen. Vor dem Winterpalast hat man vorgestern wiederum zwei Bomben aufgefunden. Obwol ihre Lunten abgebrannt waren, haben sie sich glücklicherweise nicht entzündet. Die Insassen einer abends vorüberfahrenden Equipage sollen diese Geschosse in Netzen ans dem Knlschsenster hinaus auf das Pflaster niedergelassen und sich sodann im scharfen Trabe entfernt haben. Am ändern Morgen fand man die Bomben mit aus-gebrannten Lunten und in Netze eingewickelt vor. Von Petarden, die in dieser und jener Straße explodiert sind, hört man täglich; zum Glück sind keine ernsten Unfälle infolge dessen zu beklagen. Es soll vorderhand nur in der Absicht der Nihilisten liegen, die Schutzmannschaften der Residenz itt steter Aufregung zu erhalten und sie nicht zu Athem kommen zu lassen. Es werden solche Gerüchte ausgestreut, welche die Polizei und die Garden wie am Narrenseil hemmführen. So wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag in der Nähe der Theater und an den Ecken der belebtesten Straßen Placate aufrührerischen Inhalts angeschlagen, und obgleich Stadtpolizei und Geheimpolizisten sofort tjerbeieilten und die Bekanntmachungen des Executivcomitcs Herabrissen, so erschienen dieselben doch wie aus der Wand gezaubert wieder von neuem. Neugierige Vorübergehende blieben stehen, um die Anschläge zu lesen, und die Polizei verhaftete in dieser einen Nacht über 150 Personen, aber bei keinem der Abgeführten fand man auch nur ein Papierschnitzel, das wie zu einer Proclamation gehörig ausgesehen hätte. Der geheimnisvolle „Litfaß" arbeitete da--gegen unverdrossen weiter, und die Polizei konnte ihn nicht erwischen. Der Spuk wurde schließlich so toll, daß zwei Kompagnien unter dem Obersten von Berg ausrückten, welche die Siraßeu- und Hänserein- und Ausgänge besetzen mußten, aber wenn die Wachen rechts sahen, dann saßen die Zettel links, und wenn sie die auf der linken Seite abgerissen hatten, dann prangten auf der rechten schon wieder die Publikationen der Revolntioiis-mättner. Seit dem Mordanfall auf den Kaiser sind Tag und Nacht die Truppen consiguiert. Zwei marschfertige Kompagnien eines jeden Regimentes, mit scharfen Patronen und allem Kriegszubehör ausgerüstet, haben die ständige Wache in den Easernements. Batterien stehen angeschirrt und ausgeprotzt in den Höfen der Kasernen. Bon jedem Kavallerieregiment ist immer eine Schwadron „fertig zum Aufsitzen", und Tag und Nacht patrouillieren Kofakenabtheilnngen durch die Straßen. Am Mittwoch den 16. d. M. wurde ein Bauer ab- gelten konnten. Die Herrlichkeiten des eigentlichen Festzuges, jene des kostümierten Theiles nämlich, waren so überwältigend, daß ihre Wirkung durch halb- und gauzstüudige Pausen nicht aufgehobeu werden konnte. Als die wackere Schar der Turner und Schützen erschien, wurde es immer lebendiger im Publikum. Die weiß^roth kostümierten Zieler und Warner, die prächtige Musikbande in Schützenkostüm wurde schon mit Jubel begrüßt, und lauter Zuruf scholl auch den Schützen, welche zu Pferde daherspreugteu, entgegen. Rauschend einfallende Musik erhöhte jedesmal die Stimmung des Zuhörers, und noch mehr Musik hätte keinesfalls geschadet, denn es war nicht eben ein Ueberfluß an musikalischer Begleitung bei dem Festzuge zu bemerken. An die durch Studenten, Turner und Schützen gebildete Einleitung des kostümierten Festzuges schlossen sich die Deputationen der Vereine und gewerblichen Genossenschaften im Festkleide. Wieder eine Armee, und diesmal eine große Armee von Wienern in Frack und Mindern. Die Wiener Bürger schritten heiter und selbstbewußt ein- gefaßt , in dessen Taschen sich die Dispositionen für die Revolutionstruppen (!) vorfan den. Danach sollte in der Nacht vom 16. zum 17. d. M. losgeschlagen werden. Die Revolntionspartei hatte 2000 Mann bestimmt, den Angriff zu eröffnen, und zwar sollten 500 Mann die Peter-Pauls-Festung, 500 Manu den Winterpalast und 500 Mann die dritte Abtheilung stürmen. Der Rest sollte sich der Stadthauptmannschaft bemächtigen. Die Regierung ergriff auf der Stelle die umfassendsten Gegenmaßregeln. Der General- Feldmarschall Großfürst Nifolaj Nikolajevic quartierte sich am selben Tage noch mit seinem gesammten Stabe im Gebäude des Generalstabes ein, welcher bekanntlich dem Winterpalast gegenüberliegt; in der Reitbahn des Gardecorps wurde das Garde-Hußareuregiment nntergebracht, die Kasernen der Regimenter Pawlow und Preobraschenski wurden mit Truppen vollgepfropft, und die gestimmte anwesende Artillerie des Gardecorps erhielt Befehl, sich bereit zu halten. Inzwischen ist auch der ans dem Prozeß Sasulic her bekannte Vertheiöiger derselben, der Advokat Alexandross, als verdächtig eingezogen worden. Ein gleiches Schicksal traf einen Äb-theilnngschef der Reichsbank, Herrn Petliu. Bei diesem will man eine Million gesunden haben, die Hälfte des Barvermögens der Nihilisten. Seine Verhaftung wurde dadurch herbeigeführt, daß man bei feinem Bruder, der im Gouvernement Pleskau angestellt ist, mehrere Schriften verdächtigen Inhalts entdeckte; daraufhin entschloß man sich zur Haussuchung bei Petlin, die obigen Ecsolg gehabt haben soll. Eine der sonderbarsten Verhaftungen wurde aber am 19. April nachmittags 4 Uhr an der Wosuefsenskibrücke ausgeführt. Ein Herr und eine Dame wandelten nämlich Arm in Arm durch die Straßen der Residenz und wurden aus Schritt und Tritt von einem Herrn verfolgt, der sie nicht aus dem Gesichte verlor. Die Dame sah sich mehrere male nach ihrem Verfolger um, doch dieser hielt sich hartnäckig in einer Entfernung von zehn Schritten hinter ihr. An der Wosnessenskibrücke endlich blieb die Dame stehen, lehnte sich über das Brückengeländer und sah in den Kanal hinab. Da fiel ihr der Hut vom Kopf und ins Wasser hinein. Schnell entschlossen sprang sie ihrer Kopfbedeckung ohne Zaubern nach. Der „Unbekannte" indessen auch. Im Wasser erhob sich nun ein hartnäckiger Kampf zwischen der Dame und ihrem unerbittlichen Verfolger, der schließlich mit der Festnahme der ersteren endigte. Die Dame entpuppte sich darauf als ein kräftig gebauter junger Mann, als ein Nihilist, der, als er sah, daß er von einem „Geheimen" erkannt und verfolgt wurde, seinem Leben her; sie waren imposant, nicht durch ihre Menge allein, sondern vielmehr durch den Gedanken, der in dieser ausgezeichneten Vertretung des heimischen Gewerbefleißes sich aussprach: eine Coalition des Bürgerthums zu einem festlichen Thun, das Kunst uud Gewerbe der Stadt in seiner edelsten Blüte zeigen sollte'. Wieder erschallt Musik, und die dritte Abtheilung, der kostümierte Theil des Festzuges, beginnt. Der Kostümzug. Die mit Sehnsucht erwartete dritte und Hanptabtheilnng des Festzuges trat nun glänzend in Action. Sie kam, wurde gesehen und siegte. Ihr voran wurde das österreichische Reichsbanner, das Banner der Stadt uud — zu Ehren der Kaiserin — das Banner der Herzoge in Baiern getragen. Pagen schreiten den Bannerträgern znr Seite, und 15 junge Wiener Bürger in den jenen drei Bannern entsprechenden Farben sprengen zugleich auf edlen Rossen heran. Sie sehen schmuck aus, diese wackeren Kinder der Großstadt Wien in atterthümlichen Kostümen — manche junge Dame mochte sich denken, als sie die durch den Sprung ins Wasser ein Ende bereiten wollte. Auch der Begleiter der „Dame" wurde verhaftet. Der Thronfolger hat Drohbriefe erhalten, in denen ihm angerathen wird, für einige Zeit nach dem Auslände zu reisen, wenn er nicht wünsche, daß ihm Unangenehmes widerfahre. Tatzesnenigkeiten. — Kaiser-Stiftung. Der Kaiser hat nachfolgendes Handschreiben erlassen: „Lieber Graf Bylcuibt-Rheibt! Ans Anlaß der Feier Meiner silbernen Hochzeit finde Ich Mich bestimmt, ein Kapital von dreimalhnndertzehntansend Gulden in notenverzinslichen Rentenobligatioucn der einheitlichen Staatsschuld ans Meinem Privatvermögen zu widmen, ans dessen Erträgnisse zwanzig Freiplätze in den Offizierstöchterinstituten zn Hernals und Oedenbnrg, welche allmählich nach Zniäsfigkeit der Räumlichkeiten zu besetzen fein werden, nnd zehn Freiplätze im Militärwaisenhanse zn Fischern zu bestreiten sind. Die Verleihung dieser Plätze, welche den Namen „Franz Joses-Elisabelh-Stistplätze" zn führen haben, behalte Ich Mir über Ihre Anträge vor. Sie haben Mir daher bei Erledigung solcher Plätze Ternavorschläge zu erstatten und die von Mir resolvierten Verleihungen jederzeit Meiner Privat- nnd Familiensondsdireetion zur Ausfertigung der Verleihungsdekrete mitzntheilen. Bezüglich der sofortigen Deponierung des obigen Widmungskapitals bei Meinen Fondskafsen erlasse Ich gleichzeitig die erforderliche Weisung an Meinen Fondsdirektor. Wien am 21. April 1879. Franz Joseph m. p.“ — Eine Schrecken st hat. Am 26. d. M. morgens wurde die Stadt Graz durch die Nachricht über einen in der Josefigasse Nr. 45 verübten Mord und Mordversuch allarmiert, welche Verbrechen gegen 4 Uhr früh bei der städtischen Sicherheitsbehörde zur Anzeige gebracht wurden. In dem erwähnten Hause wohnte iu einem Dachzimmer die von ihrem 64jährigen Gatten Josef Ferba — einem gewesenen Hausbesitzer in der Bienengasse Nr. 5 — freiwillig getrennt lebende 69jährige Eva Ferba und die Geliebte desselben — seine ehemalige Magd — mit welcher er zwei Kinder, einen 13jährigen Sohn und eilte 5jährige Tochter, hatte. Vorgestern abends kam Ferba in aufgeregtem Zustande in die Wohnung seines Weibes und bat es mit Unterstand, der ihm auch gewährt wurde. Bald fing er an, seinem Weibe und seiner Geliebten Vorwürfe über ihre Mißwirtschaft zu machen, die allein der Grund sei, daß er abgewirthschaftet habe. Nach längerem Streite legte er sich zu Bette. Nach Mitternacht fing er neuerdings Streit au und bedrohte alle Anwesenden am schlanken und kraftvollen Reiter durch die breiten Festzngsstraßen reiten sah, daß sich heute im Hellen Sonnenschein das sogenannte „finstere Mittelalter" sehr heiter und anmnthig ausnehme. Um den langen kostümierten Festzug zu schildern, müßten wir den Lesern ein ganzes Buch mit eittgeschlosseuen Malereien von Meisterhand bieten. Alle Zeichnungen, die bisher erschienen, können nur ein schwaches Abbild der leuchtenden Farbenpracht, der entzückenden Mannigfaltigkeit der Kostüme geben. Ein großes Gedenkbuch, von Künstlern und Dichtern gemeinsam geschaffen, sollte fürwahr der Nachwelt alle Gestalten dieses unvergeßlichen Schauspiels erhalten. Wir aber werden hier nicht nochmals das Programm ab-schreiben, welches die vierzig Gruppen des weit über 2000Theilnehmer haltenden kostümierten Zuges unseren Lesern bereits vor acht Tagen ausführlich aufzählte. Während wir noch über die richtige Wahl der hervorstechendsten Gruppen sinnen, sind wir schon mitten drin in all' diesen bewegten Gruppen. Munterer Hörnerklang ertönt in dichtester Nähe, und alles spitzt die Ohren und reckt die Hülse. (Fortsetzmtg folgt.) Leben. Er führte auch feine Drohungen zum Theile ans, indem er dem Weibe, das aus Furcht auf-gestauden war und sich vor dem Bette niedergesetzt hatte, einen Stich mit einem Messer in den Unterleib versetzte, so daß es tobt zusammensank. In der anderen Hand hielt er eine scharf geladene Pistole und wollte seine Geliebte erschießen, versetzte ihr aber nur einen Stich in den Vorderarm mit beit Worten: „Da hast du auch einen Denkzettel!" Der Unmensch ließ sich nun zwar durch das Bitten nnd Flehen seiner Geliebten nnd ihrer Kinder bewegen, von weiteren Mordversuchen abzustehen, und verlangte unter dein Gebote, sich ruhig zu verhalten, daß ihn sein dreizehnjähriger unehelicher Sohn znm Hausthore hinauslasse, was das geängstigte Kind auch thnt. Gestern um halb 9 Uhr fand der Sicherheitswachmann Steinbacher nächst der Ohmeier-schen Pappcndeckelmühle Ferba, der zeitweilig beit I Eindruck eines Geisteskranken machte, ans einer Bank | sitzend; er erbrach sich heftig und hatte eine scharfgeladene Doppelpistole, zum Abdrücken bereit, bei sich. Cr gestand, eine große Dosis Arsenik genommen zn haben, nnd bat den Wachmann, er möge ihn erschießen. Ferba wurde mittelst Wagens zur Sicherheitsbehörde gebracht, wo er seine greuliche That dem Stadtrathe 9t. v. Wiser eittgestaitd, der sofort die ärztliche Behandlung desselben durch den Polizeiarzi Dr. Steiner anordnete und wegen dringender Gefahr die protokollarische Einvernehmung des Mörders durch den k. k. Untersuchungsrichter Dr. Steiner veraulaßte. Lokal-undprovitt)ial-I.ngelegenheitett. Original-Korrespoudenz. Bischof lack, 26. April. Die silberne Hochzeit des erlauchten Kaiserpaares wurde auch hier iu würdiger Weise gefeiert; doch wollen wir unter den mehreren Festlichkeiten nur jene hervorheben, welche ans der spontanen Initiative der Stabtbewohner hervorging und daher das schönste Zeugnis für deu Patriotismus der hiesigen Bürger ablegte. Es war dies die Illumination der Stadt und Vorstädte und einiger naher Gebirgshöhen. Liebet Anregung der hiesigen Feuerwehr wurde die freiwillige Beleuchtung der Stadt beschlossen, welche Idee alsbald allseitig lebhaften Anklang fand und schließlich auch vom Gemeindeamte aeceptiert wurde. Aeußerst angenehm wurden wir nun am 23. d. M. abends überrascht, als wir die ganze Stadt und auch die Vorstäbte im Lichterschimmer erglänzen, im Flaggcn-schmucke, Transparenten re. prangen sahen nnb Pöller-salven bie Bedeutung der Feier iu weiter Ferne signalisierten; denn wahre Siebe und Anhänglichkeit an das Kaiserhaus war es, welche sich in dem Umstande knudgab, daß kein einziges Hans unbeleuchtet blieb, obgleich, wie gesagt, die Illumination der Stadt nur eine freiwillige war. Ein mächtiges Freudenfeiter ant nahen „Ramenitnit" und bas voll-stänbig beleuchtete Schloß Lack gaben weithin Kunde von bem erhebenden Feste, welches Lack diesen Abend beging; fröhliches Gewoge auf den Plätzen und in den Gassen der Stadt zeugte von der gehobenen Stimmung der Bevölkerung. Den Ciilininations-pnnkt erreichte endlich dieser Festabenb, als bie Feuerwehrmannschaft, bei 40 Mann stark, einen Fackelzug formierend, die Stadt durchzog und schließlich singend und in Hochrufe ausbrechend mitten am Hanptplatze Halt machte. Der Eindruck, welchen diese Szene machte, wird gewiß lauge in der Erinnerung der Städter nachklingen, zumal der regelmäßig gebaute Hauptplatz mit seinen durchaus zweistöckigen gleichmäßigen Häusern im Lichterglanz nnd vielfachem Schmucke sich ausnehmend hübsch präsentierte. Mit Stolz kann daher Lack und seine Feuerwehr auf diese patriotische Manifestation blicken. — (Kaiserliches Da itksch reibe it.) Der Kaiser hat unterm 27. d. nachstehendes Handschreiben an den Minister des Innern erlassen: „Lieber Gras Taaffe! Während Meiner mehr als dreißigjährigen Regierung habe Ich nebst manchen trüben Stunden auch viele Freuden mit Meinen Völkern getheilt, aber eine reinere, innigere Freude konnte Mir wo! kaum geschafft werden, als in den letztverflossenen Tagen. Sie ward Mir durch die Liebe Meiner Völker bereitet. Ties bewegt fühlen Wir Uns, Ich und die Kaiserin, von diesen spontanen Kundgebungen aufrichtiger Liebe und treuer Anhänglichkeit. Von Einzelnen und Vereinen, Korporationen, Gemeinden und Behörden, Vertretern aller Länder, ans allen Ständen und Schichten der Bevölkerung wurden Uns die rührendsten Beweise aufrichtiger Freude, die herzlichsten Glückwünsche entgegengebracht. Ich bin stolz und glücklich zugleich, Völker, wie sie dieses Reich umfaßt, als Meine große Familie betrachten zu können, in bereit Uns heute umgebenden | Liebeszeichen Wir auch eine Wirkung jenes himmlischen Segens erblicken, den Wir vor 25 Jahren am Trau-Altare für Unseren Bund erflehten und den Wir von ber Gnade Gottes für Unser bisheriges Familienglück, für Unsere geliebten Kiitber sowie zum Heile des Vaterlandes auch fernerhin erhoffen. Die raufchcnbeit Festlichkeiten sind vorüber, aber bie dankbare Erinnerung an diese Tage wird nie aus Unseren Herzen schwinden. Nur wenigen von den Millionen konnten Wir mündlich Unfern Dank anssprechen; verkünden Sie es allgemein, daß Wir allen, allen innigst und herzlichst danken." — (Kronprinz Rudolf) hat gestern nicht mit einem Separatzuge, sondern mit beut Wien-Triester Schnellzuge die Reise von Wien nach Spanien angetreten. Um 6 Uhr nachmittags traf der Eilzng in der Südbahnstation Laibach ein. In Begleitung des Erzherzogs Rudolf befanden sich: der Schwager des Kronprinzen, Prinz Leopold, Herzog in Baiern, Obersthosmeister Graf Bombelles, Graf Hans Wilezek, Flügelabjutant Major Bakalovich, Dr. Brehm, Hofreisemarschall R. v. Elauby und 7 Hofbebienstete. Die Südbahnhof-Restauration Fleischntann servierte ein Diner, welches int Hofwaggon eingenommen würbe. Obgleich ber Kronprinz jeben Empfang abgelehnt hatte, fmtbeit sich doch auf dem Perron und nächst den Bahnhoflokalitäten Hunderte Personen aus allen Gesellschaftskreisen Laibachs ein. Nach 15 Minuten langem Aufenthalte fetzte Erzherzog Rudolf, von der Bevölkerung mit Hoch- und Zivio-Rnfen begrüßt, freundlichst dankend bie Reise nach Triest fort. — (Hulbignngsab resse bes Beamtenverein s.) Der Verwaltungsrath des ersten allgemeinen Beamtenvereins ber österreichisch-ungarischen Monarchie hat anläßlich ber silbernen Hochzeit bes Kaiserpaares, in Vertretung bes Centrales sowie aller Lokalausschüsse ttnb Konsortien des Vereins, eine sehr kunstvoll ansgestattete Glückwunsch-und Hnlbigungsabresse burch das Präsidium in der Kabinetskanzlei des Kaisers am 23. April überreichen lassen. — (Fe st alb um.) Unter den verschiedenen Pitblicationcu, welche anläßlich des Kaiserjubiläums erschienen sind, nimmt bas von R. v. Walbheint in Wien herauSgegebene Album einen hervorragenden Platz eilt. Dasselbe enthält in 28 Bilbern bie Zeichnungen sämmtlicher Gruppen bes Festzuges nach beit Makart'schen Skizzen, emsgeführt von Ambros. Es ist bies die einzige von Professor Makart autorisierte Vervielfältigung ber wundervollen Entwürfe. Das mit einem prächtigen Farben-bruck-Umschlage geschmückte Albuin ist in zwei Ausgaben erschienen; itnb zwar in einer kleinen ä 30 kr. ttnb in einet großen ä 80 fr. Diese interessante Publication wirb sich sicher der größten Theilnahme aller Bevölkernngskreise zu erfreuen haben und ist auch burch die hiesige Bnchhandlnug v. Kleinmayr & Bamberg zu beziehen. — (Beschw »«cde.) Seit welcher Zeit gehört der Petersdamm , zum Rayon des Morast-grundes? Die Beschotterung biefcS Vorstabttheiles ist briitgeitb nothwendig geworden, man watet dort in einem Moraste. — (DiesogenannteNuschak-Kaserne in Laibach,) gerichtlich geschätzt auf 45,000 fl., wurde gestern im Executionswege um 8000 ft. Verkauft. — (Aus dem Verein slebeu.) Der Arbeiter-Krankenunterstütznngs- und Jnvalidenverein in Laibach hält Sonntag den 4 Mai um 2 Uhr nachmittags im Gasthause „zur Sternwarte" eine Hauptversammlung ab. Tagesordnung: 1.) Geschäftsbericht pro 1878; 2.) Neuwahl des Ausschusses ; 3.) Antrag auf Statutenänderung; 4.) Anträge einzelner Mitglieder. — (Der Julicoupon) der Leykam-Jo-sefsthaler Aetien wird mit 6 fl. eingelöst werden, Wornach sich die Gesammtdividende mit 10 fl. beziffert. — (Falsche Geldnoten.) Die Grazer „Tagespost" erfährt, daß in jüngster Zeit in Trifail bei einem Bäckermeister und einem Kaufmanue falsche Guldennoten ausgegeben wurden, u. z., wie man vermuthet, von einem alten Bergarbeiter ans Krain, welchem gegenwärtig uachgeforscht wird. Zur Lottofrage. Abgeordneter E. S u e ß ergriff in der am 21. d. stattgefundenen Sitzung des Abgeordnetenhauses das Wort, um die Aufhebung des Lottos zu beantragen, wie folgt: „Man spricht immer davon, daß Oesterreich ein armes Land sei; aber man nimmt gar keinen Anstand, um eines verhältnismäßig geringe» Netto-Erträgnisses willen auf das verheerendste von Jahr zu Jahr die ersten und kostbarsten Keime der Sparkraft zu zerstören.. Von Frankreich sagt man, es sei ein reiches Land. Blicken Sic zurück, wie Frankreich sein letztes Drei-Milliar-deu-Aulcheu aufgebracht hat. In den kleinsten Appoints mit monatlichen Nachzahlungen bis znm Betrage von 3 Fraues 50 Centimes, nur um den kleinsten Besitzer heranziehen zu können und die Sparkraft im Volke zn vermehren und die eigene Rente ins eigene Volk zu bringen, nicht international verschuldet zn sein, wurden die Noten ausgegeben. Das ist der Weg, welcher, wenn er auch einige technische Schwierigkeiten für die Finanzbehörden bildet, dazu führt, um ciu Land wohlhabend zu mache». Im Jahre 1870 hatten wir im Kaiferthnm Oesterreich 3230 Spielstellen oder Collectnren; im Jahre 1877, von welchem die letzte ziffermäßige Zusammenstellung herrührt, hatten wir nicht weniger als 3874, d. H. während hier Resolutionen aller Art gefaßt worden sind, während die Regierung uns zugesagt hat, wenigstens nach der Reorganisation der direkten Stenern das Lotto anszuheben, während die Regierung selbst keinen Anstand genommen, diese Einrichtung fort und fort zu tadeln, sind in diesen sechs Jahren nicht weniger als 644 neue Collectnren errichtet worden. Mit der Zahl der Colleetnren vermehrt sich die Zahl der Einsätze, denn während wir im Jahre 1866 70 Millionen Einsätze hatten, d. H. 70millio-nenmal eingezahlt wurde und durch fünf Jahre bis zum Jahre 1870 ihre Zahl um 4 Millionen gestiegen ist, ist in den nächstfolgenden sieben Jahren, d. H. Vom Jahre 1870 bis 1876 die Zahl der Einsätze um 34 Millionen gestiegen, so daß im Jahre 1876 bei einer Bcvölkernngszahl von einigen 20 Millionen nicht weniger als 108 Millionen Einsätze in das Lotto gemacht wurden. Damit ist auch der Betrag der Einlagen gestiegen, Summe der eingezahlten Gelder ab, während die Zahl der Einlagen zunimmt, d. H. es sinkt die Spielwnth noch immer in tiefere und tiefere Klassen; der Mensch, der ärmer geworden ist, setzt nur einen geringem Betrag, so daß die durchschnittliche Höhe der Einlagen von 20 kr. auf 18 kr. herabging. Der Rechnungsabschluß für das Jahr 1877 gesteht das ein. Er schreibt diese Erscheinung der Vermehrung der Lottocolleetnren in Galizien und Niederösterrcich zu, und bemerkt, die Regierung habe eine weitere Vermehrung untersagt. Allein mir ist im Gegensätze dazn bekannt, daß in Niederösterrcich noch im Jahre 1878 nicht weniger als 88 neue Collecturcn errichtet wurden. Ich will Sr. Excellenz dem Herrn Finanzminister keinen Vorwurf machen. Das, was ich verlange, ist nur, daß diese Schmach für Oesterreich endlich einmal ein Ende nehme, und ich darf wol die bestimmte Erwartung aussprechen, daß wir im nächsten Jahre in dieser Beziehung irgend welche positive Vorschläge erhalten. Ich stelle selbst keinen Antrag, weil ich erstens Sr. Excellenz die Freude der Initiative in einer so schönen Sache überlasse» will, und weil, wenn es sich schon darum handeln sollte, daß das hohe Haus mit der Initiative hervortrete, diese auf jeden Fall dem hochverehrten Abg. Dr. Roser gebührt." Laibacher freiwillige Feuerwehr. 5118 unterstützende Mitglieder haben den Jahresbeitrag pro 1879 geleistet: Herr Carl Tanzher...............................mit 10 fl. „ Wilhelm Mäher ..............................„ 5 „ Frau Jeannette Recher............................„ 10 „ Herr Gustav Fischer............................. „ 5 „ „ Max. Giinzlcr...............................„ 3 „ „ Josef Häuften...............................„ 5 „ „ H. Halbcnstemer.............................„ 3 „ Frau Fanny Kottntk...............................„ 2 „ Herr Anton Moschek.................................. 5 „ Frau Fannh Galle . . ...........................„ 5 „ Herr Panl Skale.................................., 5 „ (Wird fortgesetzt.) Witterung. Laibach, 29. April. Regen anhaltend, schwacher Nord. Wärme: morgens 7 Uhr + 7 6». nachmittags 2 Uhr + 102" C. (1878 -f- 17 8»; 1877 + 14 8» C.) Barometer im Steigen, 729 96 Millimeter. Das gestrige Tar>esmittel der Warme + 9 2", um 1'7° unter dem Normale; der gestrige Nie-verschlag 15 00 Millimeter Regen. Aitgekommene Fremde am 28. April. Hotel Stadt Wien. Kaiser und Biach, Kflte., Wien. — Langer, Gefchttstsleiter, Margarethendorf Hotel Elefant. Fre» nnd Fischer, Reisende, Wien. — •Habe, Pfarrer, OvsiZe. — Beildiner, Reis., Hiebaum, Bermessungsbeamter, nnd Shkora, k. k. Geometer, Graz. — Lackner, k. k. Geometer, Laibach. — Baron Decken s. Gemahlin, k. f. Marine-Offizier, Pola. — Allmayer von Allstem , Herrschastsbesitzcr, Obererkcnstein. — Kurz, Bauunternehmer, Tarvis. Hotel Europa. Maller. Kfm., Gladbach. Baierischer Hof. Jgliö, Realitätenbesitzer, Aich. — Ba-tovee, Materija. Kaiser von Oesterreich. Kette, Zoll. — Dolinar, Lehrer, Zabnica. — Kmet, Lehrer, Neumarktl. — Pifar, Brod Mohren. Broch, Warasdin. — Kerfchischnik Helena und Slhoirt Angela, Neumarktl. — Omann, Krainburg, — Hartmann, Fischlack. — Tolazzi, Tolmezzo. — Po-graitz, Divazza. Wiener Börse vom 28. April. Allgemeine Staat»-j (Auttl. üapiertente j Silberrente........... Goldrenle............. StaalSlose. 1854. . . 1860. . . „ l860(5tel) * 1864. . . ®rtmtUnlIu|tunfl#~ Obligationen. Galizien.............. Siebenbürgen . . . Temeser Banat . . . Ungarn ................ Geld 6540 65 85 77 40 118 50 119 50 128'— 15625 Verstorbene. Den 28. April. Bartholomäus Jakop, Arbeiter, 61 I., Bergweg Nr. 6, Lungenschwindsucht. Den 28. Vlpul. Franz Kamnar, Pfründner, 67 I., Tirnanergasse Nr. 15, plötzlich an Blutsturz. Andere öflenttidi« AnMicn. Donau-Regnl.-Lofe üng. Prämienanlehen Wiener Anlehen . . Adieu v. /tanken. Kreditanstalt f.H.n.G Lscompte-Ges., n.ö. Nationalbank. . . . Aetien v. Transport UnlerncBmanoen Alföld-Dahn .... Donau - Dampfschiff -Elisabeth-Westbabn Ferdinands-^cordb. Franz^ Joseph-Bahn Äaliz. Karl-Ludwigb. Lemberg -- Czernowitz 2lovd-Hesellschaft . Ware 65-50 66 -77-50 114 — 119 75 128*50 156 25 88 50 >9— 78 75 78*20 80 50 81 — 84 75 «5 25 107-7? 96 75 11280 249 25 807 — 129- 563-182 ~ 2215 lü8-— 97-113- 249 90 808 - 129 50 565 182 50 22 20 139-—1139 50 234 50 234 75 Nordwestbahn .... Nudolfs-Bahn . . . Staatsbahn .... Südbahn............. Ung. Nordostbahn . Pfandbriefe. Bodenkreditanstalt in Gold........... in österr. Währ. . Nationalbank.... Ungar. Bodenkredit- Elisabethbahn. l. ifitii. Ferd.-Nordb. t. Silber Franz-IosepbBavn . Galiz.K'^ndwigb.i.>L. Oest. Nordweft-Bahn Siebenbürger Bahn . Staatsbahn, 1. Em. . Südbahn & 3 Perz. 5 „ . . Priuutfufe. Kreditlose . . . Nndolfsstiftung. Geld 123 50 128 50 266 — 68 50 122 25 114 50 99 — 100 65 98 25 94 50 103-25 91-60 101-75 92 67 75 165 116 30 102 75 166.- 17- Ware 124 — 129 — 266*25 68-75 122 50 Devisen. London 115 — 99 25 100 85 89-50 95— 103-50 9175 102.— 92-25 68 — 165*50 11650 103'— 166 50 17-25