Laibchtr TMatt. Redaction und Expedition: Bahnhosgafle Nr. 15. Nr. 234.8LUMZS Freittaa, II.Oktob« 1878.—Morgen: M-ximili-m. LWWtziL 11. Jahrg. Mit der Post: Gan,jähr.fi.l2. ^ ^ zeigen bis 5 Zeilen 20 kr. I ns ertionS preise: Ein- Zur Lage. Die Situation ist eine trübe, die ganze öster-reichisch-ungarische Politik eine zerfahrene, an Un-erquicklichkeiten reiche, durch die in beiden Reichshälften aufgetretenen Ministerkrisen ist die Lage Oesterreich-Ungarns eine unsichere, unerträgliche geworden. Ob es der Krone gelingen wird, aus dem Labyrinthe herauszukommen? Diese Kardinalfrage steht nun auf der Tagesordnung, und versetzt die Lösung derselben die Bevölkerung der Gesammtmonarchie in fieberhafte Aufregung. In allen Theilen des Reiches wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß den Grafen Andrafsy seine Staatskunst verlassen hat, daß er Bahnen entweder aus eigener Initiative oder hiezu gedrängt betrat, die der Monarchie keinen Segen bringen. Oesterreich-Ungarn hat im Verlaufe der abgelaufenen drei Monate große Summen Geldes und viel kostbares Blut feiner tapferen Söhne geopfert, und ungeachtet dieser Opfer sind wir bis heute nicht im Besitze des uns octroyierten gelobten Landes. Mögen die offiziellen Nachrichten immerhin die vollendete Pacification melden, die traurigen Thatsachen constatieren das Gegentheil. Werden sich hüben und drüben Männer finden, die in die Kabinette eintreten und Portefeuilles übernehmen, um das Geschehene vor den Parlamenten zu verantworten? Wird sich ein „Lamm Gottes finden, welches die Sünden der Welt — des auswärtigen Amtes — hinwegnimmt?" Hoffen wir, daß die Austria lebensfähig aus den gegenwärtigen Wirren hervorgeht. Es wird ein schweres Sück Arbeit geben! Der Kampf auf dem Oecupationsschauplatze, die finanzielle und volkswirthschastliche Noch, das gänzliche Darniederliegen der Industrie, des Handels und der Gewerbe, alle diese Calamitäten erfordern im Rathe der Krone tüchtige, ganze Männer, um diese Uebelstände zu beseitigen. Möge es der Krone gelingen, solche Männer, begabt mit Staatsweisheit, mit aufrichtigem Willen, patriotischer Ausdauer und selbstloser Hingebung, aufzufinden, die ernstlich Hand anlegen zur Wiederherstellung des Friedens, der Wohlfahrt der Monarchie und ihrer Gesammtbevölkerung! Zu den Ministerkrisen. Die Grazer „Tagespost" bringt Bericht über eine Unterredung, welche der Redacteur derselben vor einigen Wochen mit dem Ministerpräsidenten Fürsten Auersperg gehabt hat. Der Fürst rechnete es danach dem gegenwärtigen Ministerium zum Verdienste au, daß niemand mehr von der Möglichkeit eines Ministeriums Hohenwart spricht, daß eine conservativ-liberale Regierung möglich geworden, daß die Ezechen in den Landtag und vielleicht auch in den Reichsrath gehen. Der Ausgleich mit Ungarn sei nur durch die Solidarität der Kabinette erzielt worden. Kurz, der Fürst ist stolz auf die Erfolge des Ministeriums. Trotz aller guten Absichten aber sei dasselbe von Presse und Parlament, besonders vom Fortschrittsklub, angegriffen worden. Die Führer der Versassungs-partei seien Führer ohne Partei und die Partei sei führerlos. „Wir Minister wurden oft recht unzart behandelt und sind nun regierungsmüde." Der Fürst konnte aber, wie er sagte, der Krone keine regierungsfähigen Männer, welche die Parlamentsmajorität hinter sich hätten, Vorschlägen. Die offiziöse Presse koste keinen Kreuzer, aber die Oppositionspresse nehme Schweiggelder. Bei der Berathnng des Ausgleichs haben der Regierung noch einige Stimmen im Abgeordnetenhause gefehlt, und das habe viel gekostet. Der „Pester Korr." wird aus Wien mit-getheilt, daß am 9. d. Koloman Ghyczy und B. Ludw. Simon yi in je einstündiger Privataudienz von Sr. Majestät empfangen wurden. Beide gewesene Minister trugen ihre Meinungen über die äußere Politik und die in Ungarn beobachtete Stimmung vor, welche dieselbe hervorrief. Ghyczy gab der Meinung Ausdruck, daß im Landtage fowol, wie auch in den Delegationen die Art und Weise, wie die Regierung ihre Politik vertreten werde maßgebend erscheinen dürfte, und daß die Motivierung der geschehenen Schritte auf die Fassung der Beschlüsse jedenfalls Einfluß nehmen werde. Baron Simonyi nahm der Occupa-tionsfrage gegenüber seinen bekannten Standpunkt ein. Er mißbilligt dieselbe und ist der Ansicht, daß die Occupation, so weit dies nur irgendwie thnnlich ist, so bald als möglich beendet werde. Vom Oecupationsschauplatze. Am 8. d. M. sand, wie der Spezial-Bericht-erstatter der „Deutschen Ztg." meldet, inTrav-nik die feierliche Vertheilnng von Tapferkeitsmedaillen an die Unteroffiziere und Mannschaften statt. Die Truppen waren hiezu auf einer Wiese hinter der Kaserne ausgerückt. Um halb 10 Uhr erschien der Herzog von Württemberg mit einer glänzenden Suite und ritt, von dem Divisionär begrüßt, die Fronten ab. Hierauf traten die zu decoriereuden Soldaten vor. Das OffizierScorps sammelte sich um den Herzog, der jedem Manne die Medaille an die Brust heftete und jedem einzelnen der Tapferen die Hand drückte. Nachdem auch der gesummten Mannschaft die belobende Anerkennung ausgesprochen worden war, hielt der Corpskommandant eine Ansprache. Er lobte den Muth und die Tapferkeit der 7. Division, welche die alten österreichischen Soldatentugenden zur Geltung gebracht habe. In neuen Gefechten engagiert, war sie stets siegreich und ist keinen Moment zurückgewichen. Der Herzog lobte in begeisterten Worten die geniale Führung des Armeekommandanten, dem es gelungen sei, in 19 Tagen die Hauptstadt Bosniens zu erreichen und zu erobern. Die Decorierten, die nun das Bild des obersten Kriegsherrn auf der Brust tragen, mögen sich dieser Ehre würdig erweisen und auch ferner Muster der Tapferkeit sein. Der Herzog schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, „für den wir jeden Feuilleton. Die neue Erziehung und ihr Recht. (Fortsetzung.) Diese alte, seit der Reformation herrschend gewesene, nur den konfessionellen, socialen und dynastischen Particularinterefsen dienende Volkserziehung hatte allmälig das Volk um alles nationale Bewußtsein, um alle Fähigkeit zu selbstständiger Action gebracht und es in eine geistige Abhängigkeit von fremden Mächten versetzt, die am Anfang unseres Jahrhunderts seiner politischen Selbständigkeit den Untergang zu bringen drohte. Unser Volk war m dreifacher Beziehung zerrissen und zerfleischt: konfessionell, social und politisch. Endlose Streitigkeiten über Taufe und Abendmal, Ehe und Kindererziehung, Kirchen und Gottesäcker, Lehren und Gebräuche, welche eigentlich den religiösen Frieden in der Menschheit befestigen sollten, hatten dem Volke den Glauben an den Einen Gott, den Vater aller, verdunkelt. Ta es in den Schulen nicht über den Horizont seiner Kirchthürme hinausgeführt wurde, konnte es zuletzt auch nicht mehr anders denken, als daß Gott selbst den unversöhnlichen Haß zwischen den verschiedenen Confessionen wolle und die Aufreizungen, welche es zu solchem Haß von seinen Geistlichen empfing, im Aufträge Gottes geschehen. Wurde nun diese religiöse Beschränktheit von den kleinen Dynasten noch benützt, um ihre Privilegien als von Gott verliehene Vorrechte dem Volke erscheinen zu lassen, wie hätte es da auf anderem Wege zu einem seiner nationalen Würde entsprechenden Zustande gelangen können, als durch die furchtbare Leidensschule, welche der sremde Eroberer über unser Vaterland gebracht? Wir erinnern uns mit Verehrung und Dankbarkeit der Königin Louise von Preußen, der Mutter des deutschen Kaisers. Diese Perle unter den deutschen Fürstinnen, wie viel hat sie unter den Zustäuden unseres Vaterlandes, und zwar mcht blos denen, welche das Unglück der deutschen Waffen, sondern auch vorzüglich denen, welche der Mangel einer echt nationalen Volkserziehung erzeugt hatte, leiden müssen! Wenn ihr hundert- jähriger Geburtstag (10. März 1876) einen Segen für unser Vaterland bringen soll, so können wir keinen besseren wünschen, als den, daß die in dem zu begründenden Louisenstift gegebene Anregung zur Hebung der Volksbildung die durchschlagendsten Wirkungen auf die Reform unserer deutschen Volkserziehung üben möge, weil Geistesbildung nur auf der Grundlage gediegener Erziehung segensreiche Früchte bringen kann. Sie war eine vom reinsten und kräftigsten Patriotismus beseelte Laudesmutter; eine Fürstin voll bewun-dernswerther Entschlossenheit und Thatkrast, eine Dulderin, die auch die schwersten Schicksalsschläge als Züchtigungen des allweisen Gottes mit Ergebung hinnahm. Und doch konnte sie bei dem Hinblick ans die inneren Zustände des deutschen Volkes, diesen Mangel wahrer Nationalkraft, diese innere Fäulnis, welche die alte und veraltete Volkserziehung erzeugt und unter allen Ständen verbreitet hatte, sich wiederholt des schmerzlichen Ausruses nicht erwehren: „Hoffen kann ich nicht mehr! Ach Gott, wohin ist es mit Preußen gekommen! Verlassen aus Schwachheit, verfolgt Augenblick Leben und Gut zu opfern bereit sind." Die Soldaten fielen begeistert in die Hochrufe ein, während auf dem Kastell 21 Salven gelöst wurden. An den Spitzen der Front der dekorierten Soldaten standen die Fahnenträger mit den Fahnen der Regimenter Erzherzog Leopold und Sachsen-Meiningen. Während der Decorierung spielten beide Kapellen. Nachdem die Truppen defiliert hatten, verfügten sich der Herzog, General Müller und Generalstabschef Albori in dar Spital, um mehreren kranken und verwundeten Soldaten TapferkeitSmedaillen anzuheften. Es wurden 12 große und 87 kleine silberne Tapferkeitsmedaillen vertheilt, u. z.: an das 46. Infanterieregiment 4 erster und 40 zweiter Klasse; an das 53. Infanterieregiment 3 erster und 36 zweiter Klasse; an die GebirgLbatterie Nr. 3/12 1 erster und 2 zweiter Klasse; an die GebirgLbatterie Nr. 1/3 1 erster und 4 zweiter Klasse; an die leichte Batterie Nr. 10/12 I erster und 7 zweiter Klasse; an Soldaten des 5. Uhlanenregiments 4 erster und 6 zweiter Klasse; an die Tragthier-EScadron Nr. 5 2 und an die SanitätSabtheiluug 3 zweiter Klasse. Das Sozialistengesetz. Der deutsche Reichstag nahm am 9. d. die zweite Lesung des Socialisteugesetzes vor. Fürst Bismarck nahm an der Debatte theil und erklärte: er sei jeder Förderung der Lage der Arbeiter und auch deren Vereinen zugethan, wenn diese Vereine ihren Zwecken dienten, aber nicht, wenn die Vereine den Staat, die Gesellschaft und das Eigenthum untergraben. Er würde jeden positiven Vorschlag der Socialdemokraten zur Besserung der Lage der Arbeiter prüfen; aber man stehe einer reinen Negation, einer prinzipiellen Untergrabung der staatlichen und gesellschaftlichen Zustände gegenüber. Die Socialdemokratie habe keinen solchen positiven Vorschlag; sie habe leichtes Spiel mit den halbgebildeten, uuwissenden Massen, wo sie alle Ideale verwischen, den Glauben an Gott, die Anhänglichkeit an das Vaterland und die Familie vernichten könnte. Das Evangelium der Negation habe 1870, nachdem die Pariser Commune durch die Regierung niedergeworfen worden, einen geeignetem Boden in Deutschland gesucht und gefunden. Durch geschickte Mittel komme man leicht dazu, auf die gefährlichen Jn-stincte des gemeinen Mannes zu wirken, das Preßgefetz und die Milde des Strafgesetzes thäten dabei noch das ihrige, niemand habe inehr an die Vollstreckung eines Todesnrtheils geglaubt; er sei dem Kronprinzen dankbar, daß er nicht Gnade vor Recht ergehen ließ. Im Treiben der socialisti-schen Vereine sehe er ein Motiv für die schlimme Lage der wirtschaftlichen Zustände; durch sie werde die Arbeitslosigkeit gefördert. Man solle an die Zirkel der Verbrechen denken, die daraus entstehen und in den Mordversuchen gegen den Monarchen gipfeln, der sein ganzes thatenreiches Leben unter Hintansetzung seines Lebens und seiner Krone an das Wohl seines Volkes gesetzt. Und da will man keine Gefahr sehen und die Bedürfnisfrage leugnen? Im weiteren Verlaufe seiner Rede sagte der Reichskanzler: er habe den Reichstag aufgelöst, um eine Verständigung zwischen den Wählern und den Abgeordneten herbeizuführen. Eine Tendenzpolitik liege ihm gänzlich fern, er verfolge greifbare politische Zwecke. Er erwarte von den beiden conservativen Parteien und den National-Liberalen das Zustandekommen des Gesetzes. „Sie müssen", sagt Bismarck, „indem Sie uus das Gesetz geben, Vertrauen zu uns haben; das läßt sich nicht erzwingen, aber verdienen. Haben Sie mehr Furcht vor mir und den Bundesregierungen, als vor den Socialdemokraten, dann freilich müssen andere an unsere Stelle treten, die Ihr Vertrauen mehr besitzen. Mein Bestreben geht noch über dieses Gesetz hinaus; ich wünsche, daß die drei Parteien, die uns das Zustandekommen des Gesetzes ermöglichen, sich überhaupt die Hand reichten, um eine vereinte Schutzwehr zu bilden gegen alle Stürme, denen das deutsche Reich ausgesetzt ist." Tagesneuigkciten. — Aus der Triest er Landtagsstube. In der am 8. d. M. abgehaltenen Sitzung des Triestiner Landtages wurde die Resolution, betreffend die Nothwendigkeit einer Verbindung derRudols -bahn zum Meere mit der Tauernbahn und der Bahn Triest-Karlstadt-Novi nach Antrag des Laudesausschusses mit einigen Amendements der Abgeordneten Wittmann und Geiringer angenommen. Die Debatte streifte das politische Gebiet. Die Gallerten waren unruhig. Abg. Wittmann wies die Anschuldigung des Abg. Comolo, daß der Reichsrath Triest vernachlässige, zurück. Ans heftige Anklagen der Abgeordneten Consolo und Goracucchi gegen die Regierung bemerkt der Regierungsvertreter Statthaltereirath Rinaldini, daß diese Anklagen schon durch ihre Heftigkeit sich richte», weist u. a. auf die wiederholten Predilvorlagen der Regierung hin, deren erste aus in Triest wohlbekannten Gründen (wegen der Absentierung der Triester Abgeordneten mit den Föderalisten im Jahre 1870 aus dem Reichsrathe) ohne die geringste Schuld der Regierung nicht zur Annahme gelangte. — Telegrafenstationen in Bosnien sind für den unbeschränkten Verkehr in Banjaluka, Buzovaca, Dervent, Doboj, Kiseljak, Kotorsko, Maglaj, Mokro, Serajewo, Travnik, Seniea und Zebce, ferner ist eine Feldtelegrafenstation zu Vije-grad eröffnet worden. — Von der Pariser Weltausstellung. Die Liste der Personen, welche aus Anlaß der Weltausstellung von der französischen Regierung decoriert werden sollen, ist im Handelsministerium definitiv festgestellt. Sie umfaßt 568 Personen, und zwar sollen 260 französische und 208 fremde Aussteller das Ritterkreuz, 40 französische uud 60 fremde Aussteller das Offizierskreuz der Ehrenlegion erhalten. — Am Sonntag war die Weltausstellung von 144,694 Personen besucht, von denen 131,847 ihren Eintritt bezahlt hatten. — Der Turnunterricht in Frankreich. Ein Erlaß des französischen Unterrichtsministers an die Rectoren besagt, er sei von verschiedenen Seiten auf die Gefahren aufmerksam gemacht worden, welche die Uebungen am Trapez im Turnunterricht mit sich brächten; er habe die Frage deshalb durch die Central-Tnrnkommission prüfen lassen, diese hätte jedoch entschieden, daß die Trapezübungen, wenn sie nur gehörig überwacht würden, keine ernstliche Gefahr böten, hingegen der Entwicklung der Muskelkraft sehr förderlich und daher bei aufmerksamer Beobachtung des Programms unbedingt beiznbehalten wären. In diesem Sinne erläßt der Minister eingehende Instructionen. — Unglücks fälle auf Eisenbahnen. Aus Rußland wird von einem großen Eisenbahnunglücke berichtet. Dasselbe ereignete sich am 5. d. auf der Woronefch-Rostowbahn. Es liegt bisher nur ein Telegramm aus Nowotscherkask vor, welches folgendermaßen lautet: „Von einem mit Spiritus beladenen Warenzug, der aus Kamensk abgelassen Worden, rissen sich 22 Waggons los, welche zurück-rollten uud in Kamensk auf einen mit Laudwehr-männern ungefüllten Zug stießen. Als der Zusammenstoß erfolgte, entzündete sich der Spiritus. Zwei Offiziere, zwei Aerzte und fünfzehn Soldaten sind todt, zwölf Manu schwer verwundet. Die ersten drei Waggons sind zertrümmert. Der dadurch her-vorgerufene Eindruck ist deprimierend." — Ein Extrazug, welcher mit zwanzig Wagen von Silver-Lake nach Boston zurückkehrte, stieß mit einem Güterzuge zusammen. Ueber 25 Personen sind todt, 150 verletzt. — Handel iu Meuschenhaar. Unter den vielen eigenthümlichen Produkten, die im interneu und externen Handel China's erscheinen, nimmt das Menschenhaar eine nicht unbedeutende Stelle ein. Der Handel in diesem Artikel datiert seit einigen Jahrzehnten: seit dem Jahre 1871 jedoch hat derselbe einen ganz ungeahnten Aufschwung genommen. Die Ausfuhr richtet sich zumeist nach Frankreich, woselbst die Erzeugung von Chignons, Haarzöpfen und Einlagen eine nennenswerthe Zahl von aus Uebermuth, geschwächt durch Unglück, — so müssen wir untergehen. Unser Todesurtheil ist gesprochen!" Nur in einigen Männern lebte in jener trüben, gefahrvollen Zeit die Hoffnung auf ein siegreiches Wiederauferstehen der damals so zerrissenen und zu Boden getretenen deutschen Nation, Männern, die unser Volk kannten und die Ursachen kannten, die es so geschwächt und so herunter-^bracht hatten. Zu den vorzüglichsten dieser ^annerträger unserer nationalen Hoffnung gehörte Mann Gottlieb Fichte, damals Professor der ^ ^r neugegründeten Universität zu Er. der Sohn eines armen Webers in ^ Jugend auf und dann spater als Prwatlehrer das deutsche Volk bis in die untersten Schichten und in den innersten Kern kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hatte und wußte, welche Kräfte m chm schlummern; der aber auch die druckenden Fesseln kennen gelernt hatte, die bis dahin die Entwicklung seiner geistigen und Physischen Kräfte ihm unmöglich und es zu einem siegreichen Widerstand gegen den fremden Eroberer unfähig machten, dieser echte deutsche Volksmann trat im Winter von 1807 auf 1808 vor seine Zuhörer in Berlin und hielt „Reden an die deutsche Nation". Die französischen Emissäre, die damals jede Regung des deutschen Geistes mißtrauisch überwachten, die Aengstlichkeit der preußischen Regierung, die nichts mehr fürchtete, als neue Conflicte mit den fremden Machthabern, die geringe Zahl der damals zur Fassung des nationalen Gedankens befähigten Jünglinge und Männer: nichts konnte ihn abhalten, diese tiefergreifenden Reden zu wagen. „Sie," sagte er in der ersten derselben zu seiuen Hörern, „Sie sind meinem leiblichen Ange die ersten unmittelbaren Stellvertreter, welche die geliebten Nationalzüge mir vergegenwärtigen, und der sichtbare Brennpunkt, au welchem die Flamme meiner Rede sich entzündete. Mein Geist versammelt den gebildeten Theil der ganzen deutschen Nation um sich her; ich erblicke diese Einheit schon als entstanden, vollendet und gegenwärtig dastehend." Man hat diesen Mann einen Idealisten genannt. Wir dürfen aber jetzt sagen, daß die na- tionale Idee, welche unfern Johann Gottlieb Fichte begeistert hat, die realste ist, die ein deutsches Herz erfüllen kann, und daß wir dieser Idee vorzüglich die Realität unseres neuen deutschen Reiches verdanken. Es ist die schöpferische Idee, ohne welche die Befreiung unseres Vaterlandes von dem fremden Joch und die Erhebung unseres Volkes zu der Kraft und Einigkeit, deren es sich jetzt in gerechtem Stolz erfreut, gar nicht denkbar gewesen wäre. Am 19. Mai 1862, dem hundertjährigen Geburtstag Johann Gottlieb Fichte's, wurde die Bedeutung seines nationalen Auftretens und die fortwirkende Kraft seiner nationalen Idee tausendfältig aller Orten, „so weit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt," bezeugt und dadurch der erhabene Moment vorbereitet, in welchem bei der abermals drohenden Invasion der Franzosen Süd und Nord, Preußen und Baiern sich die Hände zum treuen Bunde reichten, um gemeinsam zu des Vaterlandes Sicherheit das Schwert zu ziehen. (Fortsetzung folgt.) Arbeitern beschäftigt. Die Ausfuhr Chiua's an Menschenhaar betrug im Jahre 1871 286 Piculs, 1872 1012 Piculs, 1873 2241 Piculs, 1874 5610 Piculs, 1875 7016 Piculs, im Jahre 1876 aber nicht weniger als 11,254 Piculs zu 133 Pfund englisch. Bekanntlich ist das Haar der Chinesen grob, struppig und von schwarzer Farbe. — Revolutionäre Bewegung inRuß-laud. Im vorigen Jahre wurde zu Genf die „Slavjanska gramada"^ ein Verein der russischen Flüchtlinge, gegründet, welcher u. a. Flugschriften gegeu die russische Regierung verbreitet. Das letzte Schristchen führt den Titel: „Wie weit ist es gekommen!" und werden darin folgende acht Punkte aufgestellt: 1.) Unverletzlichkeit der Person und der Wohnplätze durch die Polizei; 2.) Unverletzlichkeit der Nationalität im öffentlichen und Privatleben; 3.) Freiheit und Gleichheit aller Religionsbekenntnisse ; 4.) Freiheit der Presse, des Unterrichtes, des Vereinswesens; 5.) Autonomie der Gemeinden un^ der Landschaftsgilden (Zemstvich); 6.) Volksvertretung und Verantwortlichkeit aller Beamten gegenüber derselben und den Gerichten; 7.) Controlle der öffentlichen Fonds; 8.) vollkommene Amnestie für alle politischen Verbrecher. Lokal- und Provinzial-Angelegenheiten. — (Aus dem Krainer Landtage.) In der heutigen Sitzung wurden die Wahlen der Abgeordneten Dollhoff, Pakiz und Dr. Den als giltig erklärt und bestätigt. — (Grundsteuer-Regulierungs-arbeiten.) Im Monate September 1878 wurden im Rayon der k. k. Grundsteuer-Landeskonimission für Krain folgende Einschätzungsergebnisse erzielt, und zwar: In der Einschätzung der ökonomischen Kulturen: Im Schätzungsbezirke Gurkfeld 4 Gemeinden mit 8610 Parzellen, Gottschee 2 Gemeinden mit 8266 Parz,, Adelsberg 5 Gem. mit 8164 Parz., Tschernembl 2 Gem. mit 8002 Parz., Loitsch 10 Gem. mit 7815 Parz., Rudolfswerth 6 Gem. mit 7214 Parz., Laibach (Land) 4 Gem. mit 6614 Parz., Krainbnrg 9 Gem. mit 5995 Parz., Littai 2 Gem. mit 5219 Parz., Stein 7 Gem. mit 4981 Parz., Radmannsdorf 3 Gem. mit 3528 Parz., zusammen 54 Gemeinden mit 74,408 Parzellen. L. In der definitiven Einschätzung des Waldlandes: Im Schätzungsbezirke Tschernembl 2 Gem. mit 5634 Parz., Gurkfeld 9 Gem. mit 3880 Parz., Littai 9 Gem. mit 2275 Parz., Gottschee 12 Gem. mit 1598 Parz., Rudolfswerth 5 Gem. mit 1434 Parz., Laibach (Land) 2 Gem. mit 1088 Parz., Loitsch 8 Gem. mit 1003 Parz., Krainburg 3 Gem. mit 845 Parz., Adelsberg 9 Gem. mit 300 Parz., Radmannsdorf 5 Gem. mit 290 Parz., zusammen 69 Gemeinden mit 18,347 Parzellen. — (Ordensverleihung.) Dem Landes-schuliuspektor Herrn Karl Holzinger in Graz wurde in Anerkennung seiner vorzüglichen Dienstleistung der Orden der eisernen Krone dritter Klasse verliehen. — (Selbstmord.) In der Strafanstalt am hiesigen Kastellberge machte vorgestern der 51jährige Sträfling Josef Markusic durch Erhenkeu seinem Leben ein gewaltsames Ende. — (Leitfaden für Gemeindevorsteher.) Herr Anton Globocnik, Bezirkshauptmann in Adelsberg, unterzog sich der mühevollen Arbeit der Verfassung eines Leitfadens für Gemeindevorsteher in ihren Geschäften des selbständigen und übertragenen Wirkungskreises (Laibach, Druck und Verlag von Klein L Kovac, Preis 80 kr.). Die der deutschen Sprache mächtigen Gemeindevorsteher im Lande Krain werden dem Herrn Verfasser für diese Arbeit auf dem Gebiete der Gemeindeverwaltung zum großen Danke verpflichtet sein, denn dieser aus 107 Octav-druckseiten bestehende Leitfaden leistet denselben bei Führung ihrer Amtsgeschäfte wesentlichen Nutzen. Der formelle Theil des Leitfadens beleuchtet die Stellung und Competeuz des Gemeindevorstehers, der Gemeinderäthe, Gemeindeausschüsse, Bezirks-hauptmaunschast, Landesregierung, des Landesaus-schusses, Landtages, Reichsrathes, bringt Formula-rieu von Protokollen, Zustellungen, Gemeindesitzungen, Berichten, Relationen, Wahllisten,Geldgebarnngs-ausweiseu u. s. w. Der materielle Theil desselben erklärt den selbständigen und übertragenen Wirkungskreis der Gemeinden, bringt Normalien über die Verwaltung des Gemeindevermögeus, über das Feuer- und Paßpolizei-, Straßen-, Schub-, Sani-täts-, Gesinde-, Armen-, Heimats-, Schul-, Militär-, Steuerwesen, und folgt sofort eine Serie von 47 verschiedenen Formnlarien. Der Werth dieses äußerst verständlich und kurz gefaßten Leitfadens empfiehlt daS Werkchen der allgemeinen Beachtung. Die Druckerei Klein L Kovac bereitet soeben die Auflage dieses Leitfadens in flovenischer Sprache vor. — (Zur Verwendung von Stempel-markeu.) Die Finanz^Bezirksdirectionen (Gebüren-bemessuugsämter) wurden ermächtigt, in Fällen einer gegen die Vorschriften der Ministerialverordnung vom 25. März 1854 verstoßenden Verwendung von Stempelmarken auf amtlichen oder auf Privat-Ausfertigungen von der nochmaligen Forderung der ordentlichen Stempelgebür abzugehen, sofern kein Verdacht einer anderweitigen Uebertretung des Gesetzes, insbesondere nicht der Verdacht obwaltet, daß die Marke erst nachträglich wegen der Notwendigkeit des amtlichen Gebrauchs oder einer drohenden Gefahr der Entdeckung auf die Urkunde oder Schrift befestigt wurde und die Gebürcusteigerung nicht gänzlich nachgesehen werden soll. Die Bestimmungen der HH 20 und 2> des Gesetzes vom 8. März 1876 (welche Paragraphe von den nachtheiligen Folgen der Uebertretungen des Gesetzes handeln) werden hiedurch selbstverständlich nicht berührt. — (Die „Laibacher Schulzeitu ng") bringt iu ihrer heurigen l9. Nummer die Fortsetzung des Berichtes über die zweite kraiuische Laudes-Lehrerkouserenz. An zweiter Stelle begegnen wir einem gediegenen Artikel: „Die Pflege des patriotischen Gefühles in und außer der Schule", vom Oberlehrer Schiller in Semic. Der Verfasser erinnert die Lehrerschaft, sic möge bei jeder Gelegenheit, besonders bei den Lese-Uebuugen und der Geschichte, den patriotischen Gefühlen Ausdruck geben. In erster Linie soll die Jugend die um Oesterreich und die Dynastie sich verdient gemachten Männer kennen lernen, die Jugeud soll die Helden des Geistes und der Waffen zu nennen wissen, sie soll beizeiten lernen, daß die Liebe zum gemeinsamen Vaterlande Oesterreich zu den ersten Bür-gertugenden zählt. In den Jugendbibliotheken sollen die Schüler Nahrung zur Stärkung des patriotischen Gefühles finden. — An dritter Stelle finden wir einen den geehrten Lesern des „Laib. Tagblatt" bereits bekannten Bericht des Pros. Frischauf über die Besteigung des Grintovc. — Ans den Lokalnachrichten heben wir hervor, daß wegen herrschender Diphtheritis die Schulen in Oberlaibach und Dobrava geschlossen bleiben und Lehrstellen an den Volksschulen in Hotederschiz, Sairach, Planina, Go-dowitsch, Heiligenkreuz bei Thurn-Gallenstein, Pöl-land, Terstenik, Mautschitsch, Großlaschiz, Soderschiz, Rieg, Ebenthal, Götteniz, Aich, Budajne, Hreno-wiz, Untersemon, Suhorje, Ostroschnoberdo und Dornegg zu besetzen sind. — (Ausden Nachbarprovinzen.) Nach Bericht der „Südd. Post" unternimmt der Villacher Velocipedeklub am 12. d. eine Nachtreise von Villach nach Udine und zurück mit dem von Erlach in Korpitsch bei Villach erzeugten Sicherheitsvelocipede, u. z : von Villach über Tarvis, Pontasel, Gemona nach Udine. Die Abfahrt von Villach ist auf 10 Uhr abends festgesetzt, die Ankunft in Udine erfolgt am 13. d. gegen Mittag. Da dieses Velocipcde, mit welchem man bequem eine deutsche Meile ohne Anstrengung in 25 Minuten zurücklegen kann, mit Laterne, Bremse, Koffer und Dach versehen ist, so dürfte diese große Tour für die Theilnehmer mit keinen großen Schwierigkeiten verbunden sein. — Die k. k. Assentkommission Nr. 1 wird am 17ten Oktober 1878 in Klagenfurt den Ankauf von Artil-lerie-Befpannungspferden vornehmen. Die Pferde müssen correet und stark gebaut, dabei gutgängig sein, nicht unter 161 Lentimeter (15 Faust > Zoll) und nicht über 168 Centim (16 Faust) groß sein, im Alter zwischen 4*/, und 7 Jahren. Artillerie-Stangenpferde werden bis zu 350 fl., Mittel- und Vorauspferde von 250 bis 320 fl. bezahlt. — (Aus der Alpenwelt.) Nach Bericht der „Blätter für die Alpenländer Oesterreichs" wurde am 30. v. M. das Glöckner Haus geschlossen. Die in diesem nassen Sommer weniger angestrengte und beschäftigte Führerschaft hat wieder ihre Winterbefchäftigungen ausgenommen, denn nur wenige Tonristen haben in unserer vorgerückten Zeit noch die Luft, die bereits zum größten Theile beschneiten Alpen aufzusuchen. Schon am 22. v. M. war es sehr winterlich um das Glocknerhaus, es schneite herunter bis zur BricciuSkapelle, und wenngleich sich das Wetter seither freundlicher gestaltete, blieb es doch so empfindlich kalt, daß die Wirthschaft im Hause den sehnlichsten Wunsch zu erkennen gab, dasselbe zu verlassen und in's Thal zu fahren. Trotz der gezählten schönen Sommertage in der diesjährigen Reisezeit war der Besuch im Glockner-hause dennoch ein sehr lebhafter und wird daS schönere Vorjahr an Zahl der Gäste übertroffeu haben. — (Landschaftliches Theater.) Das erste Debüt der slovenischen Schauspieler, der Herren Kocel und Schmidt, auf unserer deutschen Bühne hatte nicht jenen günstigen Erfolg zu registrieren, welcher die Theaterdirection Ludwig bestimmen könnte, beide Schauspieler der deutschen Theatergesellschaft als ständige erste Mitglieder einzuverleiben. Beide verdienstvolle Mitglieder der aufgelösten slovenischen Bühne besitzen immerhin Eignung auch für deutsche Vorstellungen, beide erwiesen bei der gestrigen Aufführung des bekannten Lembert'fchen Schauspieles „Wahn und Wahnsinn" besonderen Eifer beim Rollenstudium, beide Debütanten traten wirksam auf, beide brachten ein vollkommenes Verständnis der denselben obliegenden Aufgabe mit, Herr Schmidt gab den wahnsinnigen „Lord Harleigh" mit leidenschaftlichem Ausdruck und Herr Kocel erledigte den Part des „Doktor Jolack" mit Würde und Wärme, aber die ungewohnte deutsche Sprache ließ Störungen zutage treten, brachte Jncorrectheiten auf die Tagesordnung, die vonseite des Publikums nicht immer mit jener Nachsicht entgegengenommen werden dürften, wie gestern. Das Publikum zeichnete beide Debütanten durch mehrmalige Horvorrufe aus. Durch öftere Ueberuahme minder wichtiger, minder hervorragender Rollen dürften die Herren Schmidt und Kocel die Sprachincorrectheiteu abwerfen und bei weiteren Vorstellungen recht gute Dienste leisten. Fräulein Wilhelmi hatte gestern eine Glanzrolle, jene der „Lady Anna", durchzuführen; die geschätzte, auf höherer Stufe stehende Schauspielerin löste ihre Aufgabe, insbesondere in der Szene des zweiten Actes mit „Lord Harleigh", vorzüglich. Fräulein Solwey zählt zu den besten Repräsentanten des naiven Wesens; die Rolle der „Nelly" kann nicht besser gegeben werden. Herr Sedlmayr scheint von seinem „Wahne" — ein guter Schauspieler zu sein — noch nicht geheilt worden zu sein, er zeigte sich gestern nochmals als „Lord Maxwell." Es wäre wahrlich „Wahnsinn", dem hiesigen Publikum sich aufzudrängen ! — Suppe's komische Operette „Flotte Bursche" erfocht gestern einen glänzenden Sieg, Solopiecen, Ensembles und Studentenchöre gingen präcise uud lebendig. Frl Ulrich sang mit Feuer und fand in den übrigen „Collegen", namentlich in Frl. Meyer, treue Genossen. Recht gut bei Stimme waren Frl. Massa (Lieschen) und Herr Arenberg (Anton); Herr Friedmann (Fleck) war löblich, wie immer, und Herr Melzer als „Hieronymus Geier" ganz am Platze in Wort, Gesang und Spiel; Herr Jahn bewegte sich als „Wirth zum Kameel" ganz gut. Die Aufnahme der Operette war eine sehr beifällige. Eine neue Landesumlage. Der krainische Landtag wird sich im Verlaufe dieser Session unter anderen auch mit der Vorlage des Landesausschusses, betreffend die Einhebung einer Landesumlage vom Bier- und Br an nt-we i uv ersch leiße, zu beschäftigen haben. Die diesfälligen Landesausschußauträge lauten, wie folgt: Der hohe Landtag wolle beschließen: 1.) Zur Deckung der Erfordernisse des Landes-fondes im Jahre 1879 ist für dieses Jahr eine Abgabe von in Krain mit Einschluß der Landeshauptstadt Laibach zum Ausschanke oder zum Klein-Verschleiß kommenden Biere und gebrannten geistigen Flüssigkeiten einzuheben und an den Landesfond abzuführen. 2.) Verpflichtet zu der Aufgabe sind alle jene Personen, welche gewerbsmäßig, sei es als Erzeuger, sei es als Handels- oder Gewerbsleute, wie insbesondere Gast- uud Schankwirthe, Buschenschänker, oder sogenannte Leitgeber, Bier oder gebrannte geistige Flüssigkeiten, solche mögen eigenes oder fremdes Erzeugnis sein, ausschänken, oder den Verkauf dieser Getränke im Kleinen, das ist in jeweiligen Mengen unter 50 Liter, betreiben. 3.) Die zu dieser Abgabe verpflichtenden Handlungen sind also: a) bei Getränken in Gebinden die Anzapfung derselben zum Ausschanke oder zum Verschleiße; b) bei Getränken in Flaschen die Einlagerung derselben im Verschleißlokale, sei es im unverpackten Zustande, sei es in Verpackungen von weniger als 50 Liter. 4.) Der Betrag dieser Abgabe ist nach dem Ausmaße von einem Gulden vom Hektoliter Bieres, und mit 5 fl. 50 kr. vom Hektoliter gebrannter Flüssigkeiten im Gehalte von 55 Graden des huu-derttheiligen Alkoholometers zu entrichten, und dieser Gebürenbetrag bei größerer oder geringerer Grad-hältigkeit der gebrannten Flüssigkeiten um je zehn Kreuzer Gradunterschied zu erhöhen oder zu ver mindern. Bruchtheile eines Grades werden voll berechnet. Von versüßten gebrannten geistigen Flüssigkeiten, wie insbesondere Rum, Arak, Punschessenz, Liqueur, beträgt die Abgabe 6 fl. pro Hektoliter. 5.) Für die Einhebung dieser Landesabgabe haben jene Gesetze und Verordnungen in Anwendung zu kommen, welche für die vom Weinausschanke zu entrichtende Verzehrungssteuer des Staates gelten, und cs sind insbesondere die Strafen für lieber» tretungen dieser Abgabenpflicht nach dem Strafgesetze für Gesällsübertretungen vom Jahre 1835 zu ahnden; sollten jedoch derlei Uebertretungen in unerlaubtem, uicht gewerbs- und gesällsamtlich an-gemeldetem Getränkeverschleiße sich ereignen, so ist auf Grund des die Gebürenübertretung constatie-renden Befundes von den gesetzlich zur Zahlung der Gebür oder zur Haftung für dieselbe verpflichteten Personen zur ungetheilten Hand das Zwanzigfache der verkürzten Gebür einzuheben. 6.) Der Landesausschuß hat die Einhebung dieser Abgabe, sei es durch Verpachtung oder Abfindung oder iu eigener Regie, zu verfügen, übrigens im Einvernehmen mit der k. k. Finanzdireetion für Krain dieserwegen besondere Normen zu erlassen, welche den Einhebnngsorganen noch nöthig fein sollten. Der Landesansschuß wird beauftragt, die Allerhöchste Sanction dieser Beschlüsse zu erwirken, Verstorbene. d°.s—^ Im Zivilspital: Am 1. September : Rosalia v. Schöpfer 60 -r -rn-stitutSarme, Lungentuberkulose; Johann Pi'rnat 3 7 Händler, sterbend überbracht; Johann Pekar. 78 ^ ' Sve-diteur, Urämie. — Am 2,: Josef Kastelic, 30 I, 'B„ch. drncker, Lungen- und virntuberkulose; Martin Kopavnik 62 I,, Inwohner, Wassersucht; Mathias Rakovc, 50 I,' Arbeiter, Prämie. — Am 3.: Johann Gabravsek, 42 I., Inwohner, Lungentuberkulose. — Am 5.: Maria Mahovne, 14 Mon., Arbeiterstochter, Atrophia; Luzia Bodnik, 65 I., Inwohnerin, Lungentuberkulose. — Am 8.: Johann Za-den, 66 I., Inwohner, Marasmus ; Ludwig Hudecck, 22 I., Uhrmacher, Morbus Brightii. — Am 9.: Georg Pleuuig, 52 I., Diurnist, Lungentuberkulose: Anton Skucfa, 16 Mon., Dienstbotensohu, Atrophia. — Am 10.: Thomas Jevee, 62 I., Inwohner, Morbus Brightii. — Am 14.: Franz Tunik, 62 I., Inwohner, Marasmus. — Am 15.: Johann Marinii?, 34 I., Diurnist, Lungentuberkulose. Wiener Börse vom 10. Oktober. Alkgtmeine 8laal»-s-kukä. Papierrente............ Silberrente............ Goldrente.............. Staatslose, 1839. . . „ 1854. . . „ 1860. . . „ 1860(5tel) „ 1864. . . Eruaäentkaslungr- Obligationen. Galizien........... Siebenbürgen . . . Temeser Banat . . Ungarn.............. Geld 61-62 70 7170 324— 106 50 111— 12125 139 50 82 50 73— 74 75 77 75 Ware 6110 62-80 7180 325— 107— 111 25 121 75 140 73 50 75 50 78 25 Hnäere öffentliche ^ Anteilen. Donan-Regul.-Lose . llng. Prännenanlehen Wiener Anlehen . . . Aetien v. Lanken. Kreditanstalt f.H.u.G. Escompte-Ges., n.ö. . -iationalbank........ Aetien v. Traarport Ünternekmangen. «lföld-Vahn......... Donau - Dampfschiff -Elisabeth-Weftbahn . Kerdinands-Nordb. . Kranz-Zosevh-Bahn . Galiz. Karl-Ludwigb. Lemberg - Czernowitz -Lloyd-Gesellschaft . . 104 80 77-25 89 25 225 60 786— 105-10 77 75 89 50 225 80 788'- 116-482'-159— 1990 128 75 230 — 126 5b 559 — 116 50 483 — I80-— 1995 129 25 230 25 127— 560 - Nordweftbahn .... Rudolfs-Bahn .... Staatsbahn............ Südbahn............... Ung. Nordostbahn . . Psanübriese. Bodenkreditanstalt in Gold............. in österr. Währ. . . Nationalbank.......... Ungar. Bodenkredit- . PrioritäLr-Obkig. Elisabethbahn, l.Em. Ferd.-Nordb. i. Silber Franz-Ioseph-Bahn. Galiz.K-Ludwigb.I.E. Oeft. Nordwest-Bahn Liebenbürger Bahn LlaatSbahn, 1. Em. Lüdbahn L 3 Perz. Privattose. Kreditlose........... Rudolssftiftung. . . Devisen. London .............. Gekäsorten. Dukaten........... 20 Francs .... 100 d. Reichsmark Silber............ Geld 110 75 11825 254 — 69 75 113— 108— 92 50 96 55 92 50 91-50 104 75 85- 100 50 85-50 64' 158 50 112 40 94 50 160 25 14 117 10 559 9'35>, 57 85 100 — Ware 111 25 11875 254-50 70— 113 25 10850 93— 96 70 93 — 9175 105 — 85 25 101— 85 75 64 25 159'— 112 70 94 75 160 50 14 50 117 20 5-60 9 36»., 57-90 100 10 Witterung. Laibach, 11. Oktober. Seit morgens 6 Uhr Regen anhaltend, schwacher SO. Wärme: morgens 7 Uhr -s- 112', nachmittags 2 Uhr -i- 14 1° 6. (1877 -4- 10-2°; 1876 -l- 20 4° 6.) Barometer im Steigen, 740 80 wm. Das gestrige Tagesmittel der Wärme -s- 13 4', um 11° über dem Normale; der gestrige Niederschlag 100 mm. Regen. Gedenktafel über die am 14. Oktober 1878 stattfindenden Licitationen. 3. Feilb., Rozmann'sche Real., Rosenberg, BG, Nas-senfuß. — 2. Feilb., Herxel'sche Real., Laibach, LG. Laibach. — 1. Feilb., Pnhar'sche Real., Krainburg, BG. Krainburg. Theater. Heute (gerader Tag): Drei Paar Schuhe. Lebensbild in 3 Acten und einem Vorspiele mit Gesang von Görlitz, für die österr. Bühnen bearbeitet von Berla. Musik von Millöcker. Morgen (ungerader Tag): Angot, die Tochter der Halle. Komische Oper in 3 Acten von Clairville, Siraudin und Roning. Musik von Charles Lecocq. Telegrafischer Luirsbericht am 11. Oktober. Papier-Rente 6110. — Silber-Rente 62 60. — Gold-Rente 7145. — 1860er Staats-Anlehen 110'50. — Bank-actien 784. — Kredilacticn 226—. — London 117 15. — Silber 100'—. — K. k. Münzdukaten 5 58'/z. — 20-Francs-Stücke 9'36. —100 Reichsmark 57-90. Jr. Io^. Nex. Vogek8 VolkskslkSkl 1879. Redigiert von Dr». 25. Jahrgang. Preis 65 kr. In Laibach vorräthig in Kleinmayr L Sambergs Buchhandlung. Der Gassenschank von Eigenbauweinen aus dem Stadtberge bei Rudolfswerth, bisher im Kuscher'schen Hanse, Burgstallgasse Nr. 15, befindet sich vom 10. Oktober d. I. an iu dem anstoßenden ehemals Stubcnbcrg'scheu Hause, Burgstallgasse Nr. 13. (458) 3-2 AngekommeneFremde am 10. Oktober. Hotel Stadt Wie». Kramer, Pfarrer, Oberkrain. — Gutfreund, Püringer, Polland und Maschncr, Kflte, Wien. — Claviere, Postdirektor i. P.. Venedig. — Fellpiebel, Kaufmann, Schönberg. — Braune, Privat, Gottschee. — Vuk-koviö, Triest. — Schwarz, Holzhäudler, Trauniz. — Müller, Kfm., Pest. Hotel Elefant. Unterkircher, k. k. Bezirksrichter, s. Familie, Kirchheim. — Pera-toner, k. k. Forstsekretär, s. Sohn, Görz. — Surz, und Ogoreuz, Kflte., Ru-dolfswerth. — Aljancik, Dolina. — Fleischmann, Reis., Wien. — Pretten-hoser, Mühlbauer, Graz. Hotrl Europa. Klaic und Müller, Pakraz. — Ter-lep Maria, Triest. Fracht- UNd Druck von Jg. v. Kleinmatzr L Fed. B ° mb Eilgutbrieft mit 8üä- »Nll Klliiokfkll^nsiemxek stets vorräthig in MM L MM Buchhandlung in Laibach. kür vMkii sehr ^eacHten8weri^! Ich habe die Ehre, dem hohen Adel und den geehrten Damen kund zn geben, daß ich mich gegenwärtig zum Einkäufe in befinde binnen nüt einer Anzahl neuester Lloäv-Vaineii- nnd m.lüolivii-rlir-, 8ammt-, 8eiäen- und 8toM>H1e, Damen-1iexeili»!ku1el, Vamen-I'aletot8, auch IierreiiroekartiNer, .lacke« und .Ia8vl,etten und Lr'-ixs», Damen- und Hei-i-eul.emlte», Ho86ii.' I.eiiicii- und Ikatl8ttüolier, vameii- und Xi„(Ivr8«!,Hrreu, i.»ii8, /opke und Ilaarnetre, Ila»r8inl»»e,voii«, allen Gattungen ^ »nd Huttoi-,»vii und allen in die Mode ein- Ichlagendeii Artikeln zuruckkehren werde. ^ Vertrauen, welches mir die geehrten Damen bis letzt geschenkt haben, empfehle mich ferner Ihrer Gunst. Hochachtungsvoll (455) 3-8 Laibach, Presch er n-Platz. erg. Verleger: Ottomar Bamberg. Für die Redaction verantwortlich: Franz Mülle,