STADTBILDANALYSE. ZWEI VERFAHREN ZUR BEGUTACHTUNG DES ERSCHEINUNGSBILDES VON STRASSENZUGEN - DARGESTELLT AN EINEM BEISPIEL AUS DER INNENSTADT VON FRANKFURT AM MAIN Michael Bross* IZVLEČEK UDK 911.37.001(430.1) =30 ANALIZA MESTNE MORFOLOGIJE - DVE METODI VREDNOTENJA ULIČNIH PROČELIJ, PREDSTAVLJENI NA PRIMERU MESTNEGA SREDIŠČA FRANKFURTA NA MAINI Prikazani metodi temeljita na fiziognomski, arhitekturni, socialni in organizacijski analizi. Predvsem naj bi sintetsko in kvantitativno predstavili najbolj identičen geografski aspekt mestne zgradbe. ABSTRACT UDC 911.37.001(430.1) =30 CITY MORPHOLOGY ANALYSES - TWO METHODS OF STREET FRONT WALL EVALUATION PRESENTED ON THE ČASE OF FRANKFURT UPON MAIN CITY CENTRE The presented methods base on physiognomy, architecture, social and organising analvses. Its aim is to show synthetically and quantatively the most identical aspect of a city building. Das Erscheinungsbild einer Stadt, die Gestaltung ihrer Strassen und PlStzen ist mehr als nur schmuckendes Beiwerk. Vielmehr gehOrt ein "unverwechselbares Stadtbild zu den Grundbedürfnissen eines Stadt- 'Benutzers' an seine Umwelt" (STADT FRANKFURT AM MAIN 1976, 85). Mehr und mehr wird erkannt, dass die Stadt nicht nur funktionieren muss, dass nicht nur bestimmte Standards hinsichtlich der Sicherheit, Hygiene, Belüftung und Besonnung der Wohnungen, oder der Erreich-' barkeit, der Parkm6glichkeiten für Autos und eine mSglichst grosse Angebotsvielfalt für die Konsumenten eine Stadt als Lebensraum ausmachen. Vielmehr muss die Stadt auch die Bedurfnisse ihrer BUrger nach Orien-' tierung, Abwechslung und Anregung im Stadtbild, SchOnheit und der M6glichkeit einer emotionalen Beziehung zur gebauten Umwelt erfullen (STADT FRANKFURT AM MAIN 1976 85). * Dipl.geogr., Hessischer Sparkassen- und Giroverband, Frankfurt - 175 - M. Bross Stadtbildanalyse . . . Vor dem Hintergrund eines allgemeinen Wertewandels in der westdeutschen Gesellschaft, in der nunmehr au ch. clie gebctute Umwelt zuneh mend starkere Beachtung findet, bieten sich gerade die Stadtzentren indenen noch vielfach Bausubstanz erhalten geblieben ist die Hpn r™^ bedurfnissen eines Stadt-Benutzers am ehesten entgegenkommet als Operationsfelder für Stadtbildanaly^en an. Im folgenden sollen nun einige Ergebnisse einer solchen physiognomi-schen Betrachtung, die am Beispiel eines Teilgebietes der Frankfurter Innenstadt gewonnen wurden, vorgestellt werden. Bei der Untersuchung der nordlichen Innenstadt von Frankfurt kam zunSchst eine von Spengelin und Wunderlich im Auftrag des Bundesmini sters für Raumordnung, Bauwesen und Stadtebau vorgestellte Methode zum Tragen. Diese Methode wurde von den Autoren bei der Analyse der Altstadt von Hameln eingesetzt (STADTBILD UND GESTALTUNG 1983). Ziel der Stadtbildanalyse ist es, rSumliche Eindrücke (sowohl raumlich als auch Ssthetisch und optisch) festzuhalten: "Das Erscheinungsbild ist mit seinen positiven und negativen Komponenten zu beschreiben Erfasst werden vor allem Fragen der rSumlichen Abgrenzung und der Oualitat optisch-Ssthetisch erlebbarer Bereiche wie z.B. Raumstrukturen, Strassen- und PlatzrSume, homogene Bereiche Erscheinungsbild von GebSuden und GebSudeensembles Blickbeziehungen sowie raumlich wirksame Vegetation" (STADTBILD UND GESTALTUNG 1983 28) Im Rahmen der Untersuchung in Frankfurt wurden folgende "Komponen-ten" oder "Bestandsfaktoren" kartiert: - Raumbildende Wande - Geschlossen wirkende Platz- oder StrassenrSume - Raumlich wirksame Baume und Grünanlagen - Gestorte oder Fehlende rSumliche Begrenzungen - Ungeordnete Bereiche sowie - Unattraktive Zufahrten und Anlieferzonen. Will man die Ergebnisse dieser ersten Untersuchung kurz zu s amm en -fassen, so lasst sich feststellen, dass lediglich die Schillerstrasse und der Borsenplatz im Westen des Untersuchungsgebietes von jeglichen stSdtebaulichen M&ngeln frei sind. Alle anderen Strassen sind durch mehr oder weniger gravierende Gestaltungsmingel belastet, MSngel, die sich mit der Vorstellung vom Geschaftszentrum als dem reprasentativem "Herz" der Stadt nicht so ganz vereinbaren lassen (siehe Abb. 1). - 176 - Abbildung 1: STADTBILDANALYSE DER NÖRDLICHEN INNENSTADT VON FRANKFURT AM MAIN tlfMl (Mal Mi HM KarltH«r«««tfr StWIkark t » Urtairwl.it HickMl Irtr) M- Bross_______________________________________Stadtbildanalyse ... Die Ergebnisse, die mit einer solchen Stadtbildanalyse gewonnen werden haben in der praktischen Verwendung also eine Art "Aufforderungscha- , rakter" für die Stadtplanung, die daraufhin wirken müsste solche MSngel zu beheben, bzw. auf die Behebung durch die Privatei,gner der betroffenen Grundstücke zu drangen. Dies lag ja auch durchaus in der Intention der Autoren, die dieses Verfahren entwickelten: Es war als bereitende Bestandsaufnahme konzipiert, auf der aufbauend sie Vorschlage zur Gestaltung entwickelten. Der schwerwiegendste Mangel der zuvor dargestellten Analyse liegt in der nicht vorhandenen Möglichkeit der vergleichenden Bewertung verschiedener Erscheinungsbilder begründet, da lediglich das Vorhandensein oder Fehlen formaler Elemente - in einer Art Null/Eins-Beschreibung - "ausgezShlt" wird. Nun kOnnen aber formal gleiche oder zumindest sehr Shnliche Strassen-bilder beim Betrachter gSnzlich unterschiedliche Eindrücke hinterlassen Natürlich wird jeder Besucher einer bestimmten Strasse zu einem ihm . eigenen Urteil kommen, und es ist auch mehr als wahrscheinlich dass solche Urteile bei einer Vielzahl von Personen relativ Shnlich sin,d. Entsprechend gibt es in der Literatur auch zahlreiche Beispiele für Versuche, das Urteil von Bewohnern und Besuchern festzustellen und den anhand "objektiver" Kriterien gemessenen Umweltqualit§ten gegenfberzustellen (z.B. TEMLITZ 1975). Ein solches Vorgehen ist natürlich ausgesprochen aufwendig. Ich habe mir bei der Konzipierung der Untersuchung die Aufgabe gestellt ein Verfahren zu entwickeln, das ebenfalls einfach und rasch zu bewaltigen ist, das aber etwas weitergehende Ergebnisse liefert als die oben angesprochene Stadtbildanalyse. Die Bewertung des Erscheinungsbildes solite anhand eines einheitlichen und explizit dargestellten Schlüssels erfolgen Die Erstellung dieses Bewertungsschlüssels erzwingt nun aber ein gewisses Mindestmass an theoretischer Reflexion. Zunachst ist die Frage zu klären, was denn nun eigentlich das Erscheinungsbild eines stadtischen Raumes ausmacht, welche Komponenten also ursächlich für den Eindruck beim Betrachter verantwortlich sind. Die Grundelemente des stadtischenJErscheinungsbildes lassen sich in den GebSuden und den st&dtebaulichen Raumen identifizieren. Die Unterschiede in den visuellen OualitSten verschiedener "Raum-Gebaude-Komplexe" einer Stadt gehen somit auf die Eigenschaften dieser beiden Grundele mente zurück. - 178 - M. Bross Stadtbildanalyse ... Damit uberhaupt der Eindruck eines (štadtischen) Raumes entsteht mussen die Gebaude - zwischen denen er ja besteht - raumbildend sein. Hier schliessen diese Uberlegungen also an die oben dargestellte Stadtbildanalvse an, in der ja dem Vorhandensein oder Fehlen raumbildender WSnde grosse Bedeutung zukam. Für die Ausarbeitung des Verfahrens zur Bewertung stadtebaulicher Zustande ist nun von Bedeutung, dass die erlebbare Erscheinungsform eines štadtischen Teilgebietes als eine Gestalt - i. S. der Gestaltpsychologie - begriffen werden kann. Die Grundelemente, aus denen sich solche Gestalten unserer štadtischen Umwelt aufbauen, wurden in den Raumen und den BaukSrpern identifiziert. Daneben existieren natfrlich weitere Elemente, die die Gestalt zwar nicht grundlegend aufbauen wohl aber zu ihrem spezifischen Charakter beitragen. Die Wahrnehmung von Gestalten kann nun als ein Informationsprozess interpretiert werden, in dessen Verlauf das Individuum Informationen über seine Umwelt aufnimmt und verarbeitet. Als Informationsträger, wenn man so will, funktionieren die Elemente die die Gestalt oder den Gestaltskomplex aufbauen und seine jeweils individuelle Eigenart bestimmen . Die Informationsmenge und ihre Qualitat h&ngt von der Zahl und den Anordnungseigenschaften der wahrgenommenen Elemente ab. Dieses Informationspotential soli nun bestimmt und mit Hilfe von Zahlenwerten für die verschiedenen Strassenraume vergleichbar gemacht werden. Die vielfaltigste Raumausstattung soli dabei die hOchsten Zahlenwerte erhalten, die undifferenzierteste entsprechend die niedrigsten. GEYER (1983) entwickelte ein Verfahren zur Bestimmung des Informationsgehaltes von Naturlandschaften. Diese Methode soli im folgenden dahingehend modifiziert werden, dass sie auf "Stadtlandschaften" anwendbar wird. GEYER selbst hat diese Transformation durchaus für mOglich gehalten (1983, 270). Er arbeitete bei seiner Analvse der Eindruckswirkung von Naturlandschaften mit zwei Hauptdimensionen und einer Anzahl von sekundaren (akzessorischen) Merkmalen. Entsprechend wird auch hier mit zwei Hauptdimensionen und jeweils den beiden Dimensionen zugeordneten Gruppen von akzessorischen Elementen gearbeitet. - 179 - M. Bross____________________________________________Stadtbüdanalyse .. . Die beiden Hauptdimensionen ergeben sich - wie ich glaube eindeutig -aus den oben angeführten Bestimmungen der Grundelemente stsdtischer Erscheinungsbilder. Es handelt sich um die RSume - dargestellt durch die Dimension "raum-liche Organisation" und die Gebaude, an denen aber nur das Informati--onspotential der Fassadengestaltung interessieren soll- die "gestalterische Organisation". ------------------- Die akzessorischen Elemente beider Hauptdimensionen wurden im Prinzip rein empirisch ermittelt und stellen eine AufzShlung dessen dar was in dem Untersuchungsgebiet registriert wurde. Im folgenden sollen die beiden Hauptdimensionen und die akzessorischen Elemente im Zusammenhang vorgestellt werden (Tab. 1 und 2, Abb 2 und 3). Bei der Bewertung wurde innerhalb jeder Reihe nur das jeweils hochstwertige Element in die Z&hlung aufgenommen. Die IntensitStsabstufungen wurden dabei so gewahlt, dass auffalligere, das Stadtbild starker pragende Elementausbildungen mit hSheren Werten belegt wurden. Hieraus werden die sogenannten Aspektwerte berechnet und zwar nach folgender Formel: A = li, (Hi + L nji i = l j =1 mit: Hj • IntensitStswert der jeweiligen Hauptdimension *y = Intensitatswerte der akzessorischen Elemente der jeweiligen Hauptdimension Das Ergebnis der Aspektwertanalyse für die nordliche Innenstadt in Frankfurt ist in einer Karte wiedergegeben (Abb. 4). Bei aller gebotenen Vorsicht, kann man m.E. doch sagen dass durch die Bestimmung der Aspektwerte, die das Informationspotential stadtischer Raume fUr einen Betrachter messen soli ein Vergleich der Gestaltungsquaitfiten erleichtert wird. Attraktivere, reichhaltiger ausgestattete Strassen und Platze zeigen höhere Aspektwerte, und eine rein gefuhlsmSssige Bewertung durch den Betrachter wird vermieden. - 180 - %a* a* >- O LJLaf 1 I ¦ KJ J O LU *!¦¦¦J UJ M,mJ E II *¦ | LU l t lu L— -•H (D -l-l C (D D) » Q (U .C i 1 in •i-t c 0) ¦a«""» 4-> CD O CO ~\ co en ir O) :C0 O i c ¦ C 3 s -g a Ai o-o 1 X 2 C C 3 C a • -o • JC • s a» avl *D .o ¦ « « —) A s ¦ •X m 3 *- a *< m 1 ¦ z aj m «¦ . m • -t C t« ¦ C «w • .O « » os —1 *• 6 -J • "4 •O -K « —• •9 3 ¦ e* ¦2 M • ¦ ¦ .-» o C -C C -O -o > h o -a*. C UJ 3 C J< S 3 B —« « B ¦1 ¦o ¦ u UJ • Z • 3 CZ • C C •- ¦ » ¦ —1 ti •o C u C • • a -^ :3 -v» O JC o 3 3 « fc- av> •—l ¦ 3 C fi j « -t 5 » ¦ •> C o C -» -* a O O s B • < » -3 avl "D — •C V *4 3 » •* B a u •¦« Ü a -- *j a A C a» ¦ S -O > E S 3 J« A S ¦ -^ a» ¦>L B o o O ai « B U Z a - JC ¦ a —4 C a L* C — C ai ¦o •a UJ -4 • A* • • i UJ C u • O. • a ** ta i a • 3 >. O ¦ 3 C 3 3 a OC • Ai *-* o ¦ ¦ u ¦ C • A a-« o Ü VTJ X> i* ; ; Si —* S ¦*- « • ** i ¦ Al Z ¦ * aa» •X n W •t v, „ .. M «. M H a, ** 1»» (NI —i r 3 t- L • *J U. inj i ¦o m m «C \j aa C --N* t* C o. ^ C t« U 'O 3 • r. C B 3 ¦ -v» « C s W L*a «1 t« C -X -O •v --t -X -• C E ¦ U b C 3 C K ¦ h. -5J C — -*- C D«-a« § z e )>. u V •9 O» s o Un ^3 C j S "O -C aV» « L a ta U CT ¦¦1 ¦ N 3 -^ U XI aVJ ta — ta a. U *J ta -o 01 a« C u- ta aJ ¦ v ti aC •» 3 C aVl a-*. V ¦ .C -« U t?) *0 a *o T3 U J 9NL ta 3 t. .Y avl aV C L~ -C — C aV U 11 'O •o » U ¦ —1 .o m CJ v 3 01 U9 C C -« E O aVl E O ¦D -i 01 a-i -H 3 Je 09 40 -^ U. «a. 0 3 a3 ta o •« •a *N| V --i C JI c a : +* *j aC (-• -Q « « ta «u -vi m *• U < *w o —t B —« C •• C -a". aw) ^ o B ^ tO avl ¦ a. e avl tv u : -n 4) (0 C CD 3 ta Jf aa' __t ¦D C? N aW U -^ M S *J aVl O CT1 i» B U C "^ ,w 3 «J O. X u tc -• tiO *a» 3 a JC 0) :« J-> 03 tU "O •< 0) CU N- O a C w^ 13 L. —^ *o C ¦ ahJ "Ü ta Jt t) UJ M u ¦« m ^A- ¦ a>J a t> O* avl U avl X ^ C v— t) n a*^ O) da* —a •1 ta (D l/l u (T1 C ia» *a^ a —' B :tB "O L Ü CU *aH "D U ¦O 3 3 w u ¦ > —t C C K (U V aVJ (U C o cs a> UJ CO 01 JL "D aa( V D "O "D 1) ¦ ce . »* *0 C t L7* U CT> la E O^ *H w C s E B C DO ^ âl ta 9 O —a -» o 10 ^H C ¦^ C 3 "4 C ta v D C > aO s C (T1 A ¦ C U CP ia* * ° U C B a. a. M H » .. „ ^r t>~* rx |N| r\ ¦!»¦ < < < GD CJ e_) U ta aV ta C - 181 Tabelle 2: DIE AKZESSORISCHEN ELEMENTE DER GESTALTANALYSE li Akzessorische Elemente der Raumorganisatlon als einzelne Bäume - a2: geschlossene Baumreihe - ai! Park oder Anlage bl: Bänke oder Blumenkübel im Straßenraum - b2t beides d! Straßencafe, Marktstand, Verkaufsbude - e2: Kombination von Elementen unter e1 d1î beB. gestaltete Laternen, Statuen oder Brunnen - d2: Kombination aus zwei Elementen -d3: Kombination aus allen Elementen ei! Litfaßsäule oder Telephonzelle - e2i beides f1i leicht gekrümmter Raumverlauf - f2i stark gekrUmmter Raumverlauf (nur bei StraBen C2 bla C4) gl s parkende Autos - g2: fahrende Autos hit verweilende Menschen - h2i Passanten 13« Bauwerk Im StraBen- oder Platzraura (Turn b.ä.) 2. Akzessorische Elemente der gestalterischen Organisation aal : einfache Schriftreklame oder Aushänger - aa2: beleuchtete Schriftreklame oder Neonaushänger -aa3s Kombination aus allen Elementen bbl! einzelne Schaufenster - bb2i unterbroohene Schaufensterfront -bb3: geBchloseene Schaufensterfront cc2: Passagen dd1: Markissen - dd2: Vordächer - dd3î Arkaden ee1i Blumenkästen am Haus - ee2: kleine Balkons oder Erker - ee3t große Balkons, Erker oder Loggien ff2s mehrere auffallend gestaltete, in alch abwechslungsreiche Fassaden g'g2; vom Raumanspruch her dominantes Gebäude in der StraBen- oder Platzwand gg3: wie gg2, Jedoch mit besonders auffallender Geetaltung Abbildung 2: GRUNOLAGEN DER ASPEKTWERTANALYSE Grundelemente des Erecheinungsbildes stadtebauliche Raume .Gebaude Akzessorische Elemente des Erscheinungsbildes als ganzheitllche Objekte der Wahrnenmung ¦ Verhaltensaußerungen der Menschen - 183 - M. Bross Stadtbildanalyse . , , Abbildung 3: DIE MATRIX DER ASPEKTWERTE 368 --- Damit ist es dann doch möglich, ansprechend gestaltete RSume von solchen zu trennen, die weniger interessant erscheinen. Die vorgestellte Aspektwertanalyse stadtischer RSume versteht sich als ein erster Versuch in diese Richtung einer quantitativen, vergleichenden Bewertung von stSdtebaulichen ZustSnden. Jeder erste Versuch ist mit einer Reihe von Mangeln behaftet. Zwei davon habe ich bei der Konzipierung und Bearbeitung der Analyse selbst bemerkt. 1. Das Untersuchungsgebiet ist trotz seiner internen, visuellen Hetero-genitat noch zu gleichiormig beschaffen. Um ein Verfahren der Bestimmung Ssthetischer Informationspotentiale stadtischer RSume ad3quat testen zu konnen, müssten einerseits verschiedene StadtgrSssen - von der Kleinstadt bis zur Metropole -bearbeitet werden. Andererseits müsste versucht werden, innerhalb einer Stadt ein reprasentatives Profil durch die verschiedene Gebietstvpen einer Stadt - 184 Abbildung 4: DAS ERSCHEINUNGSBILD DER STRASSEN IN DER NÖRDLICHEN INNENSTADT VON FRANKFURT AM MAIN dargestellt anhand von Aspektwerten MOm K«rt«nfrundl«gti Sta4tt*rt« 1| 5000 Intwurfi B. Brol Kartocraohlai N. SelTaoaajr 200 Aspektwertatufen 300 400 500 30 70 110 150 1B0 Ouallai tlg.n« Erhabunfan DK M. Bross Stadtbildanalyse . . . - also von der Altstadt im Kern bis zu den Hochhaus-Neubaugebieten am Standrand - zu legen. Nur dann k5nnte auch angenommen werden, dass die entwickelten Intensitatsabstufungen und Formenreihen allgemein verwendbar sind und nicht nur für das Gebiet, an dem sie hier erprobt wurden. 2. Ein zweiter Kritikpunkt ist mir selbst erst aufgefallen, als die Arbeit bereits abgeschlossen war. Es handelt sich dabei um folgendes: Das hier gemessene visuelle Informationspotential lasst sich in zwei Teilkomponenten aufteilen (Abb. 5): So kann man zum einen solche Informationen aus der Vielfalt herausfiltern, die einen funktionellen Charakter haben, die also für den Menschen in der Strasse eine Handlungsaufforderung darstellen oder ihm verwertbare Informationen bieten. Gemeint sind hiermit Schaufenster und Reklame der ansSssigen Betriebe Hinweistafeln Haltestellenschilder von Strassenbahnen, TelefonhSuschen etc. Alle diese Informationen sind handlungsrelevant. Der zweite Typ von Informationen dagegen hat keinen funktionellen oder handlungsbezogenen Charakter, er ist - wenn man so will -handlungsneutral, nur asthetisch, nur emotional. Er spricht also ausschliesslich die GefUhlswelt der Menschen an, ohne sie zum Kaufen Verweilen oder sonst etwas aufzufordern. Mit dieser Trennung - die naturlich rein analvtisch ist - sollen auf keinen Fall die vielf<igen Querverbindungen zwischen den beiden Typen von Informationen negiert werden. Das Fehlen eines Types wirkt sich immer negativ aus: Ein unverhSltnismSssiges Uberwiegen der funktionsbezogenen Informationen lasst eine kalte, rein am Prinzip des Funktionieren orientier-te, Atmosphare entstehen. Die Dominanz nur asthetischer Informationen, die keinen Handlungsbezug aufweisen, führt zu einer hObschen, romantischen Umwelt, in der nicht mehr agiert wird, die für die Menschen keine Funktion hat die ausschliesslich konsumiert wird. - 186 - • C t» CD •O CD •c a> i s +> O E rt 3d | j, co o > x! cd rt rt CD 0) CD JO en ¦P-Prt cJJTS B CD CO CD -i m _i •P E (H « 1-133 E 3 E l-l » •O O CD E U E E » O rt BI •o l-l o 3 3 O j—i ¦P E •• o s « :rt -P < z CD U SS O ¦P 3 LU e u a 3 CO LU " rt a> * X CJ rt B B t-» 3 O O > cn M ca ¦H > B ¦rt +» cd CO LU r- 3 >- (4 O +» a ¦o IB co < B CD Z < LU Z +» rt B 09 Z cd a ¦p S rt O rt oc LU § O rt E a LU CO D a> O 3 • LU cs •Ö h T B a > •• CD z ~4 CD B B rt CD O B U_ H-» m CD C -M 3 *4 Ort rt |H 3 ¦P CD E rt -o "D •^ E ¦P f-i +> CD U 01 CO GS (H CO 3 CD 1 1 1 1 1 i—i X O ¦p M ¦ rt ¦a «H l-l CD S3 od l-l - 187 - M. BroBS____________________________________________Stadtbildanalyse . . . Literatur: GEYER, M., 1983: Eine Methode zur Gestaltdifferenzierung von Landschaften als Hilfsmittel zur Bestimmung ihres Informationspotentials. - Petermanns Geogr. Mitt. 127, 261-271 STADT FRANKFURT AM MAIN, 1976: Stadtteilentwicklungsplan Innenstadt. Frankfurt am Main STADTBILD UND GESTALTUNG, 1983: Stadtbild und Gestaltung Modellvorhaben Hameln. • Schriftenreihe des Bundesministers fur Raumordnung, Bauwesen und StSdtebau: Stadtentwicklung 02 033 Bonn TEMLITZ, K., 1975: Aaseestadt und Neu-Coerde. Bildstrukturen neuer Wohnsiedlungen in Münster und ihre Bewertung. Munster. ANALIZA MESTNE MORFOLOGIJE - DVE METODI VREDNOTENJA ULIČNIH PROČELIJ, PREDSTAVLJENI NA PRIMERU MESTNEGA SREDIŠČA FRANKFURTA OB MAINI Mesto naj bi ne bilo le zgledno organizirana in urejena urbana celota temveč naj bi meščanu nudilo doživljajske spremembe in vzpodbude Mestni izgled, predvsem pa izgled posameznih mestnih ulic pripomore k pozitivnim ali negativnim emocionalnim odnosom meščanov in obiskovalcev. Geograf bi moral biti sposoben vrednotiti pritegovalne dejavnike nekega mesta, med katere nedvomno sodijo tudi ustrezno urejena pročelja ulic, mestni trg, drevesa, parki in zelenice itd. Analiza mestnega izgleda pa mora vsebovati tudi moteče elemente, kot so neurejene četrti in mestna območja neatraktivne dostavne in 'tranzitne ™h ud v članku poizkuša avtor analizirati izgled severnegai dela frankfurtskega središča. Geografska analiza mestnega izgleda mora biti usmerjena v prikazovanje prostorske organizacije poslopij in oblikovne posebnosti uličnih fasad. Frankfurtsko središče je, po opravljeni analizi, preveč homogeno saj ne nudi vizualno pestre podobe. Le obrobno pa je raziskava upošte- vala izložbena okna kot elemente pestrejšega izgleda ulice in bogatejše ga .psihofizičnega učinka na obiskovalce Avtor predlaga dva postopka za geografsko analizo mestnega izgleda: prvi naj poi t k™ 5» nni«ati cni.B, izgled mesta, drugi pa naj analizira in vrednoti»«1,^ «^ ! mesta: pročelja, ceste, trge, parke ... Metodo je L*nbL opredeliti empirično in kartografsko. 188 M. Bross____________________________________________Stadtbildanalyse . . . Lite ratu r: GEYER, M., 1983: Eine Methode zur Gestaltdifferenzierung von Landschaften als Hilfsmittel zur Bestimmung ihres Informationspotentials. - Petermanns Geogr. Mitt. 127, 261-271 STADT FRANKFURT AM MAIN, 1976: Stadtteilentwicklungsplan Innenstadt. Frankfurt am Main STADTBILD UND GESTALTUNG, 1983: Stadtbild und Gestaltung. Modellvorhaben Hameln. ¦ Schriftenreihe des Bundesministers für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau: Stadtentwicklung 02.033, Bonn TEMLITZ, K., 1975: Aaseestadt und Neu-Coerde. Bildstrukturen neuer Wohnsiedlungen in Münster und ihre Bewertung. Münster. ANALIZA MESTNE MORFOLOGIJE - DVE METODI VREDNOTENJA ULIČNIH PROČELIJ, PREDSTAVLJENI NA PRIMERU MESTNEGA SREDIŠČA FRANKFURTA OB MAINI Mesto naj bi ne bilo le zgledno organizirana in urejena urbana celota, temveč naj bi meščanu nudilo doživljajske spremembe in vzpodbude. Mestni izgled, predvsem pa izgled posameznih mestnih ulic pripomore k pozitivnim ali negativnim emocionalnim odnosom meščanov in obisko-valcev. Geograf bi moral biti sposoben vrednotiti pritegovalne dejavnike nekega mesta, med katere nedvomno sodijo tudi ustrezno urejena pročelja ulic, mestni trg, drevesa, parki in zelenice itd. Analiza mestne-tra izpleda pa mora vsebovati tudi moteče elemente kot so neurpienp fetrt7in mestna območja nLrakt^ne dosane ^tranzitne pot? Ud V čTanku notuša avtranalizirauTzXd severaem de" fraScfSr skeea BrediSeT analizirat! izgled severnega frankfurtskega Geografska analiza mestnega izgleda mora biti usmerjena v prikazovanje prostorske organizacije poslopij in oblikovne posebnosti uličnih fasad. Frankfurtsko središče je, po opravljeni analizi, preveč homogeno, saj ne nudi vizualno pestre podobe. Le obrobno pa je raziskava upoštevala izložbena okna kot elemente pestrejšega izgleda ulice in bogatejšega .psihofizičnega učinka na obiskovalce. Avtor predlaga dva postopka za geografsko analizo mestnega izgleda: prvi naj poizkuša opisati splošen izgled mesta, drugi pa naj analizira in vrednoti posamezne sestavine mesta: pročelja, ceste, trge, parke ... Metodo je potrebno opredeliti empirično in kartografsko. - 188 -