3«-TaJ*v pl*£*n* » gmorinl.l Organ für die deutsche Minderheit im Dravabanat ■ftriftMiuf ntfe BcnMltang i frtUmoor. nlätc S, Itiejjhan Rr. 21 (Initrurbon) 1 8tjag*pt«(f* fit da« Inland: Vierttljährig tv Din, halbjährig 80 Din, ganz-»«den w der W««aU»ng M dtlltgften Gebühr«» entgegengenommen s iahrig 100 Din. Air da» Tu»land entsprechend» Erhihvng. Einzelnummer Din l.öv Erscheint wöchentlich zweimal: Donnerstag früh und Samstag früh mit dem Datum vom Sonntag Nummer 6 Celje, Sonntag, den 18. Jänner 1931 56. Jahrgang um Von Kramarsch zu Radl Prag, Anfang 19:11, In den letzten Tagen ist der siebzigjährige Tschechenführer Kramarsch Gegenstand zahlreicher Ehrungen und noch viel zahlreicherer Leitartitel in der deutschen wie in der tschechischen Presse gewesen, die größtenteils auf den Ton gestimmt waren! sie ttanstt gloria mundi. Es ist auch zu auffallend, wie still eigentlich der einstmals so laute und rührige Politiler geworden twu; ab und zu einmal führt er den Sudetendeutschen mit einem verbissenen Haß und ausgesuchten Hohn die Tatsache vor Augen, daß sie die Beherrschten find, und noch viel grim-miger. daß sie diese Herrschast so zahm und fromm ertrügen. Aber von diesen gelegentlichen Ausbrüchen, die wie ein wildes ingrimmiges Trostsuchen an-muten, abgesehen, zeigt er durch sein Schweigen wie gelegentlich durch seine Reden, daß er mit dieser Gegenwart gar nicht zufrieden ist. Man hat das oft auf persönliche Kränkung zurückgeführt, als könne Kramarsch nicht verzeihen, baß nicht er, sondern Mafaryk der Gründer und erste Präsident des Tschechenstaates geworden war, und es fehlt nicht an Stimmen, die den Romantiker Kramarsch gegen den Realpolitiker Masaryk herab-fetzen wollen. Und die Gegenwart schein! ihnen recht zu geben: thront nicht Masaryk als Staats-Oberhaupt am Hradschin und in anderen Schlössern, die einst die Könige von Böhmen gebaut hatten, während Kramarsch nach wie vor als Privatmann in seiner schönen, ganz Prag überschauenden Villa ptzt, auf den Hradschin blickt wie einst und vielleicht noch immer vom großen Slawenreich träumt, das seinen Mittelpunkt in Rußland hatte und dessen Statthalter oder Vasallen in Prag und Warschau herrschen wollten! Ein Menschenalter im 20. Jahr-hundert Versuch eines Ueberblicks Von Dr. Walter Schnees»Kraz Das erste Menschcnalter im 20. Jahrhundert ist vergangen und man kann bereits einen Blick darauf tun und in vagen Umrissen seine Gestalt zu zeichnen versuchen, soweit sich übechaupt jemals die Gestalt eines Zeitalters in Worte bannen läßt. Soviel aber kann gesagt werden: das 20. Jahr-hundert steht zum 19. in diametralen, Gegensatz, i. h. seine geistigen Entwicklungslinien führen z. T. bewußt in die entgegengesetzte Richtung. Das 19. Jahrhundert war wesentlich bestimmt durch die mit ^windelnder Eile siegreich fortschreitende Wissen-schast: erst im neuen Jahrhundert hat sie ihre Grenzen gefunden, erkannt, daß sie überhaupt Grenzen hat. Grenzen vor allem im Bedürfnis des Men-schen. Während die ausschließlich diesseitige Welt-anschauung immer weitere Kreise der Halb- und Ungebildeten erfaßt und überwältigt, ist bei den geistig Selbständigen und Führenden die Erkenntnis erwacht, daß Wissen allein nicht glücklich machen es ist ein metaphysisches, ein religiöses Bedürfnis wieder erwacht. Und wenn sich zunächst eine noch undurch-sichtige Wolke von Okkultismus, Spiritismus, Theo-sophie, Anthroposophie (Steiner wurde als Ueber- Dieser Traum ist ausgeträumt: das große russische Reich ist in dem Chaos von Revolution, Bürgerkrieg und Bolschewismus versunken und man kann kaum erwarten, daß es in absehbarer Zeit die Bolschewistenherrschast abschüttele. Also haben die Masaryk und Benesch recht, die die Tschechoslowakei begründeten ohne Rücksicht auf Rußland als eine demokratische Republik, die ihre innen- und außen-politischen Richtlinien wie ihre Heeresausbildung von der Republik Frankreich übernahm! Ob aber auch die Zukunft so urteilen wird, ist mehr als fraglich. Sie wird dem Politiker, der sein Volk entschlossen über alles, auch über den Staat gesetzt, ihre Achtung nicht versagen; sie wird vielleicht dem in österreichischen Kerkern gefangenen Kramarsch ein höheres Maß davon entgegenbringen, als jenen Politikern, die den völkischen Freiheits-kämpf gegen den Staat, in dem ihr Volk nicht mehr leben wollte, im sicheren Ausland ausfochten. Sie wird aber auch seine Gedankengänge würdigen und verstehen und vor denen der heute Regie-renden den Vorzug geben. Denn, wenn wir über die Gegenwartsbetrachtung hinaus größere Zeit-räume ansehen, wenn wir vor allem die natürlichen Gegebenheiten berücksichtigen, dann verstehen wir die Sorgen eines verantwortungsbewußten tsche-chischen Politikers. Schließlich umfaßt sein Volk 7 Millionen Seelen: selbst wenn man die Slo« waken dazurechnet, was ethnographisch wie politisch gleich unrichtig ist, sind es nur 9 Millionen. Und ringsumher sitzt das deutsche 70-Millionenoolk, 16 Millionen Polen, 19 Millionen Magieren; die Entwicklungslinien. elbe- und oderabwärts nach Norden wie die Bahnverbindungen zur Adria, führen durch deutsches Gebiet. In so einer crpo-nierten Stellung ist ein Volk in ständiger Gefahr, denn die so günstige Situation des Augenblicks kann nicht ewig dauern, das wissen und fühlen winder Haeckeis angesehen), Mystik, Aberglauben usw. breit machte, in der auch heute noch kaum Gut und Böse zu sichten ist, so fanden sich bald die Gemüter in überraschender Menge zu den positiven Religionen und — da sich Reubnddhismus und andere orientsuchende Spielereien bald nur als (kr-perimente erwiesen — zu den christlichen Kirchen zurück, vielleicht am stärksten zur katholischen. Auch die Kunst des neuen Jahrhunderts kehrt sich von der des vorigen bewußt ab; man erkennt, daß Technik allein nicht genügt nnd sucht wieder einen geistigen Inhalt. Vielleicht Iaht sich da» ganze vielfach verworrene Gebiet des Erpressio> nismus als Protest am einfachsten fassen: Protest gegen das Frühere, bewußtes, oft gewaltsames Be° tonen des Seelischen, Suchen nach neuen Fonnen. Dieses Suchen führt im Zeitalter des Weltverkehrs zu einem Herumstöbern in den Kunstformen aller Länder und oller Zeiten, der Künstler wird zum ..Fachmann der Kunst", eine Spezialisierung im höchsten Maß tritt ein. Der Künstler spricht nur zu den engsten Fachgenossen — I'art pour l'art! — und all das Suchen und Irrlichtelieren findet nur m rasch wechselnde Kunstmoden und erst mühsam in stetem Ringen findet die Kunst zu sich selbst, das heißt zu dem Mutterboden, dem sie entstammt, der Welt, in der sie lebt. Die Literatur stellt mit der sogenannten H e i m a t k u n st und der religiösen Dichtung zwei mächtige Wegweiser auf. Die Ar-chitektur verkündet mit ihrem letzten Ziel, dem heute alle politischen denkenden Menschen, trotz Pan-europa und Völkerbund. Wie kann nun das ijchechische Volk der drohen-den Umklammerung entgehen? Wenn man nicht phantastischen unrealisierbaren Plänen wie dem einer Eroberung Oesterreichs nachhängen will, so scheint es nur die Möglichkeit eines Anschlusses an eine« der beiden großen Völker zu geben: die Russen oder die Deutschen. Kramarsch hat, über Polen hinweg, das erstere gewollt: das ist der alte Sehn-suchtswunsch des Panslawismus. Diese Kombina-tion hat, wie so viel anderes, der Bolschewismus zerschlagen und unter den Trümmern des alten Rußland begraben. Denn ohne Rußland bleibt der Panslawismus ein Traum, weil z. B. Tschechen und Polen einander nie eine Führerstellung zuge-stehen werden. Und Masaryks Ziel, unter dem Schutz Frankreichs die kleinen flawischen und nicht-slawischen Völker Mitteleuropas zu sammeln, ist eine so künstliche Konstruktion, daß man später einmal über diese politische Zielsetzung sehr die Köpf« schütteln wird. Das, was Franzofen und Tschechen ver-bindet, ist doch nichts anderes als der gemeinsame Gegensatz zu den Deutschen, und auf so etwas Re-gatioem läßt sich kein gesunder Zustand schaffen. Stein, es bleibt dann doch nur noch das eine übrig, was heute für sich ja auch Franreich anstrebt und was, vorläufig als einzelner, der tschechische Professor Radl aus sorgenvoller Ueberzeugung seinem Volk predigt: ehrliche Aussöhnung mit den Deutschen. Schließlich hat es lange Zeiten der böhmischen Geschichte gegeben, wo die beiden Völker sich recht gut vertrugen, und der Vorteil einer solchen Aussöhnung dürste wohl am ehesten beim tschechischen 7 Millionen-voll liegen, das nur durch sie der deutschen Um-llammerung entgehen kann. Der Schlüssel dazu liegt bei den Sudetendeutschen: man kann nicht diese als Unterworfene betrachten und behandeln und dabei Städtebau als Ganzem, das gleiche Evangelium der Harmonie, des Einklangs von Kunst und Leben -und dem tapfer Kundschafterdienste leistenden Kunst-gewerbe scheint jetzt auch die Malerei zu den, neuen Ideale zu folgen, das man „neue Sachlichkeit" nennt. Selbstbesinnung — dieser Begriff ist in die Kunst wie in die Wissenschaft eingekehrt. Wie ihre Schranken in der menschlichen Seele, so hat sie auch die Grenzen ihrer Erkenntnis in der Welt «faßt: Einsteins.Relativitätstheorie, die Minkowskiwelt und alles, was damit zusammenhängt, haben bei allen unendlich weiten Ausblicken doch einen Abschluß des Erkennen? gezeigt und den Jkarusflug der Wissen-schaft auf festen Boden zurückgeführt. Dieser nalur-wissenschaftlichen Erkenntnis entsprach auf dem Boden der Geschichte Spenglers „Untergang des Abend-landes'': auch er hat den Menschen von einer unendlichen Leiter einer Entwicklung von unbekannten Tiefen in unbekannte Höhen — „von der Amöbe zum Uebermenschen!" lautete des 19. Jahrhunderts letztes Erkennen — heruntergerissen auf den festen Boden seiner eigenen, räumlich und zeitlich begrenzten, aber in sich geschlossenen und harmonischen Welk. Den einzelnen aufs Ganze weisen, aber auch das Erkennbare, feste Ganze, dem er abgehört — Volk, Vaterland, Glaube, Kulturgemeinschaft, Rasse das scheint sich auch die neue Philosophie, au» langer Erstarrung wieder erwacht, zum Ziele gesetzt zu haben, aber nicht in der früheren hochmütigen Seite 2 «twa die Freundschaft Deutschland, suche«, sondern man mutz sich auf den Standpunkt Radl« stelle«, der in eindringlicher Prägnanz da» Wort geprägt hat: Ich Herr, du Herr! Da» heißt: jedem sein Recht, keine Beherrschung, ehrlich« Gleichberechtigung beider Völker. Nur so ist die Herstellung normaler freundschaftlicher, dauernd beruhigender Beziehungen möglich, die zum Heil beider Völker und schließlich zum Heil Europas beitragen können, besser als die raffiniertesten diplomatischen Kunststücke und Bund-nksysteme. S. Politische Rundschau Inland Dr. Kramer Gesandter in Prag S. M. der König hat den früheren Minister Dr. Albert Krämer, Direktor des Ljubljanaer Tag-»lattes „Jutro" zum auherordenllichen Gesandten und bevollmächtigten Minister in Prag ernannt. Ausland Handelsminister Iuraj Demetrovic Mitglied des Ehrenausschusses der Panenropabewegung Der Präsident des Zentralamts für Paneuropa Graf Coudenhooe Calerghi hat den jugoslawischen Handelsminister Juraj Demetrovic schriftlich ersucht, in den Ehrenausschuß der Paneuropabewegung ein» zutreten, dessen Ehrenpräsident der französische Außen, minister Briand ist. Minister Demetrovic hat seinen Gintritt zugesagt. Aus Stadt und Land Da» neue Königsschloh in Zagreb. Am 14. Jänner wurde da» für Zwecke der Hof. Haltung angekaufte Palais Pongratz formell der Stadt übergeben. Nach der Uebergabc nahm eine aus technischen Fachleuten bestehende Kommission einen Rundgang durch das Palais vor, um die notwendigen Adaptienmgsarbeiten für die Zwecke der Hofhaltung festzustellen. Die Arbeiten dürften schon im Laufe dieses Monates besinnen und ist für sie im städtischen Voranschlag ein Betrag von t Million Din vorgesehen. »ine Apothekerkammer wird auf Grund des H 25 des Gesetzes über die Apotheken mit dem Sitz tit Beograd errichtet werden. verbot des Remarqucfilms in Jngo« Bawien. Die für den 14. Jänner angesetzte Auf-hrung de» Films „Im Westen nichts Neues" in einem der ersten Kino» in Beograd wurde von der Zensurstelle in erster Instanz verboten. Das Verbot dejieht sich nicht nur auf Aufführungen in Beograd, Abgeschlossenheit, sondern in neuen Formen, wie Keyserlings „Schule der Weisheit" und die Fühlung mit dem Volk, die ja die ganze Wissenschaft erstrebt (Volkshochschulen Aus dein Gebiete der Technik wäre zunächst die Entdeckung des Radiums zu nennen, die, Abschlusz und Umsturz der Wissenschaft zugleich, neue Wege auch der Heilkunde wies. Das Wesent» lichste auf technischem Gebiete aber dürfte die Er-»borung des Luftmeeres fein, denn nach der unge-Heuren Entwicklung, die das Flugwesen während und nach dem Kriege nahm, kann man von einer selchen ohneweiteres sprechen. Und doch liegt zwischen dem Brand von Echterdingen und dem Amerikaflug des „Z RIII" nicht mehr als ein halbes Menschcnalter und seither sind «ine ganze Reihe Flieger seinen Spuren gefolgt. Fluglinien, Flugverbindungen wendet sich das Interesse der Menschheit zu, besonder» seit Nord- und Südpol erreicht wurden. Zu entdecken gibt es kaum mehr etwas Wesentliches auf der Erde — der Kampf mit dem Mount Eoerest ist wohl nur als sportliche Leistung zu würdigen —, die Erschließung fast aller Länder ist weit fortgeschritten und hat den Verkehr, dessen Höchstleistung am Ausgang de» 19. Jahrhunderts die Kontinentalbahnen waren (transsibirische, Pacificbahnen, Kap-Kairoprojekt) zum Weltverkehr verdichtet. Aber seit neuestem, richtiger: seit Henry Ford scheint die Bedeutung der Eisen-bahnen von jener des Auto» (und damit der Landstraßen) wieder eingeholt zu werden, das im »O»tsch» Zeit»»ß sondern auf da» ganze Gebiet de» jugoslawischen Staate». Hne Begründung de» Verbote» fft nicht erfolg«. Gegen diese Verfügung wurde die Berufung an du Oberfilmprüfstelle eingelegt. Wenn di« Entscheidung der ersten Instanz bestätigt wird, bleibt noch die Berufung an den Ministerpräsidenten offen. Na>tlerwafler« die Skrbaaunatorflrtite »u ngtlmä&iger Tangteit zurück und erleichterl so, dah die Nährstoffe in» Blul gelangen. Vergliche Fachurteile Heden hervor, bah sich das ?ra»»-3«sef-Wasser bei Leuten, die zu wenig Bewegung haben, besonder« nusUich erweift. gr«»z.Iosef Äilterwafier ist in Apotheken, Drogerien und Spezereihandlungcn erhältlich. Celje „Dirndlball" des Münnergefangve-reine». Der Männergesangverein bringt hiermit allen seinen Freunden und Gönnern als Voranzeige zur Kenntnis, daß er am Faschingsamstag, dem 14. Februar l. I-, einen „Dirndlball" veranstaltet; es wird schon beute gebeten, sich den genannten Tag für diese Veransiallung frei halten zu wollen. Mitgeteilt fei auch schon heute, daß absolut kein Kostümzwang herrschen wird, daß diese Veranstaltung als vollkommen zwanglos und gemütlich gedacht ist, doch sind selbstverständlich auch Masken- und sonstige Verkleidungen — dem Faschingende entsprechend — herzlich willkommen. Weitere Mitteilungen in den nächsten Blattfolgen. Die Konzerte der „Wiener Sänger« knaben" haben in unserer Stadt, wie jedesmal, wenn diese lieben und reizenden Kinder mit ihrer zauberhasten Kunst vor uns auftreten einen voll-gedrängten Saal entzückter Zuhörer gefunden. Wir werden die drei Konzerte (Kirchenkonzert und die Konzerte am Dienstag und Donnerstag) in unserer nächsten Folge eingehend würdigen. Der Bann» in Celje. Der Banus de» Draubanats Herr Dr. Marusic traf am Donnerstag in Begleitung des Vüebanus Herrn Dr. Virkmajer, des Sekretärs Herrn Dr. Brolih und des Vertreters des Zentralpreßbüros Herrn Anton Zober mit dem Sanntaler Zug in Celje ein, wo er am Bahnhof vom Gemeinderat, den Vertretern der Behörden und der öffentlichen Korporationen begrüßt wurde. In d«r Bezirkshauptmannschaft fand sofort nach der wesentlichen ein Kind des neuen Jahrhunderts ist. Stand ferner das 19. Jahrhundert im Zeichen von Kohle und Eisen, so das 20. in de»n von Elektrizität und Petroleum. Hier, vor allem auf elektrischem Gebiet, scheinen noch gewaltige Fortschritt« erwartet werden zu können. Die Volkswirtschaft, natürlich von den tech-nischen Veränderungen betroffen, hat sich zur Welt-wirtschaft verdichtet und der Weltkrieg hat alle diese Bindungen nicht zerrissen, im Gegenteil nur verwirrt und dadurch noch sester geknüpft, noch fühl-barer gemacht. Die Wirtschaft beeinflußt die Politik — stärker als je, droht sogar mit der Herrschaft über alle anderen Gebiete des Lebens. Und zwar nicht mit der Herrschaft der schaffenden Wirtschaft, der Maschine, deren Weiterentwicklung durch erhöhte Lebensbequeinlichkeit auch de» Arbeiter» zum Teil die Wunden heilt, die sie ihm mit der Entfremdung von seiner Arbeit schlug, sondern mit der des Geldes, denn die Wirtschaftsmacht scheint immer mehr vom Unternehmer auf den Kapitalisten, vom schaffen den Kapital auf das Leihkapital überzugehen. In geogra-phischer Hinsicht scheint sich das wirtschaftliche Schwergewicht von den drei europäischen Industrie-staaten (England, Deutschland, Frankreich) nach Amerika zu verschieben, aber auch diese» nicht vor Krisen zu bewahren. Um ein Bild über die Entwicklung der P o» litik erhalten zu können, wird man von den äugen-blicklichen Folgen des Weltkrieges absehen müssen, Ankunft ein Empfang von Partei«, und Abordnung«» statt, der von l l bi» '/»* Uhr andauerte. Außer zahlreichen Vertretern namentlich auch der Landge-meinden und der Nachbarbezirke wurden vom Banus empfangen u.a. der Stadtkommandant Harr Obers furic, der Regimentskommandant de» 39. I. R err Oberst Kostic, der Präsident de» Verwaltung»-gerichtshofs Herr Dr. Vrtacnik, der Abt von Telje Herr Peter Jurak, der orthodor« Pfarrer Herr Cutic, die Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Herr Dr. Zangger und Herr Josef Weren, eine Deputation des Sokol unter Führung der Herren Dr. Hrasovec, Smrtnik und Poljsak, die Vertreterinnen des Vereines „Kolo jugoslovenskih sester" Frau Doktor Sernec und Frau Stermecki, ferner Abordnungen de» Gemeinderate» Telje und Celje Umgebuno. Der Um-gebungsbürgermeister Herr Mihelcic brachte in seiner Ansprache die Ergebenheit der bäuerlichen Bevölke-rung des hiesigen Bezirks gegenüber S. M. dem König und der kgl. Regierung zum Ausdruck; die Bevölkerung werde mit Freuden bei der Konsoli' dierung des Staates im Sinn« der hohen Ideen S. M. des Königs vom 6. Jänner mitwirken. Um 'L 5 Uhr fuhr der Banus mit seiner Begleitung nach St. Juni ob j. L ab, wo er die dortig« land-uMrtichiiftliche Schule besichtigte. Um 7 Uhr abend» kehrte der Banus mit seiner Begleitung nach Ljub-ljana zurück Amtsstunden am Magistrat für Par-teien. Der Stadtmagistrat verlautbart: Vom 20. Jänner 1931 weiter findet Empfang von Parteien statt beim: 1. Stadtoorsteher: an jedem Mitt-woch und Samstag von '/, l2 bis 18 Uhr; 2. Magistratsdirektor: an jedem Arbeitstag von 10 bis 12 Uhr; 3. anderen Referenten: an jedem Arbeitstag von 9 bis 12 Uhr. Au» nahmen: Der Leiter der technischen Abteilung empfängt wegen der Arbeiten im Terrain an jedem Arbeitstag bloß von 10 bi» 12 Uhr, der Stadtökonom wegen Arbeiten i» Terrain nur am Dienstagen und Freitagen von 10 bis 12 Uhr, der Stadtförfter nur an Mitt-wochen und Samstagen von 10 bi» 12 Uhr, der städtische Veterinärreferent an jedem Ar-beitstag von 9 bis 10 Uhr, von 1ö bis 16 Uhr im städtischen Schlachthaus. Die Einläufst eile ist für Parteien geöffnet: an jedem Arbeitstag, ausgenommen Samstag, von 9 bis 12 Uhr und von 16 bis 17 Uhr, an Samstagen von 9 di» 13 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 di» 11 Uhr. Anmeldung der Motorfahrzeuge. Zu' folge Vorschrift der Banalverwaltung werden alle Motorfahrzeuge für das Jahr 1931 neu registriert bzw. mit neuen Eoidenztafeln versehen. Die Ewen-tümer von Motorfahrzeugen, die m dem hiesigen Polizeirayon wohnen (Celje, Gaberje, Zaoodna, Lisce, Breg und Lava) melden ihre Fahrzeuge bi» 20. l. M. bei der Vorflehung der Stadtpolizei in Telje auf Meldeformularen an. die bei der Vorstehung der Stadtpolizei erhältlich sind. Einrcichung der Anmeldungen im Sinne des Gesetzes über die Junggesellen» steuer. Die Steuerverwaltung in Celje verlautbart und nur die ganz großen Arnderungen in, Auge fassen können. Da wird man zunächst feststellen, daß die übernationalen Staaten, Türkei, Rutzland. Oesterreich, zerfallen sind, ihre Reste im wesentlichen national« Gebild« darstellen. Da» „Zeitalter de» Nationalismus" scheint also noch nicht überwunden und, wie manche glaubten, von einem solchen de» Imperialismus überwunden iu sein. Im Gegenteil: es scheint, als ob sich die Böller erst jetzt Organe schüfen, neben den Staaten, oder diese Staate» zu ihren Organen machen wollen. Den Faschi»-mus und alle ihm wesensähnlichen Erscheinungen kann man als solche neue Organe der Staatsvölker auffassen, während die Fremdoölker in den Staate» um eine Selbstverwaltung ringen, etwa nach Muster der in übernationalen Staaten um die Jahrhundert-wende entstandenen Volksräte. Diese Volksorgani-sationen sind während und nach dem Weltkriege al» handelnde, staatszerstörende und staatsbildende Faktoren aufgetreten: überhaupt scheint die Heiligkeit des Staatsbegriffes mit dem heutigen und sicht-baren Entstehen neuer Staaten verschwunden und auf die Völker übergegangen zu sein (Volksverrat statt Landesverrat). Als Auseinandersetzung zwischen der alten Wett der Staaten und der neuen der Völker kann man das europäische Problem der Minderheiten auffassen. Wie jede alte Welt, so strebt auch jene der Staaten nach Zusammenfassung und Organisation und al» Fortsetzung und Erfüllung früherer Beftre- V] 111* . ■ g.| n ,■ i 1 JlUWlmsT O Deutsche Zeitung Seit« 3 INVENTUR-VERKAUF KEINER VERSXlJME DIESE GUNSTKME KAUF6ELEGENHEIT- JEDER FINDET DEN PASSENDEN SCHUH-UNSERE VERKAUFSSTELLEN ERWARTEN IHRE WÜNSCHE I Celje, Alel ulioa I. wurde der 62-jährige SBOrftcnbinbcr Tlnlon ström aus Kroatien ^vechaftet und dem Gericht eingeliefert. — In der Stadt wurde ein goldener Ring, vor der Kapuzinerkirche eine Damenhandtasche mit 110 Din Inhalt verloren. — In der Stadt wurde I Hunderldinarschein gefunden. Am Montag wurde die 20-jährige Josefa V.aus Razvanje bei Maribor wegen Landstreicherei und geheimer Prostitution verhaftet. Die Verhaftete hatte sich als Handelsrei-sende ausgegeben und führte zwei Bestellbücher von zwei Firmen in Maribor bei sich, in die sie Auf-träge von Personen einschrieb, die nicht »Pieren. — ferner verhaftete die Polizei die 25-jährige Mana Z. aus Grize, die scheinbar auch von kauf-licher Liebe lebte. Da sie der Ant als krank befand, wurde sie in das Spital nach Maribor abgegeben. — Aus dem Gefängnis des hiesigen Kreisgerichts wurde ^am Dienstag der 20-jährige Mechaniker Albin S. in das Landeskrankenhaus nach Ljubijana überführt, weil er in selbstmörderischer Absicht den Stiel seines Eßlöffels verschlungen hatte. — Der Chauffeur Herr Oswald Ramskugler verlor dieser Tage einen Autoaufwinder im Wert von 250 Din. — Frau Grete Iglar verlor ein goldenes Armband im Wert von 400 Din. Todesfälle. Im Allg. Krankenhaus sind der 42-jährige Arbeitslose Thomas Ribii aus So. Jurij ob Taboru und der 72 jährige Gemeindearme Anton Jeraj aus Ljubno gestorben. — Im Allg. Krankenhaus find die 38- jährige Köchin Helena Priianc aus So. Iurij ob j. z. und der 11-jährige Keuschlerssohn Franz Mastnak aus Kalobje gestorben. — Im hiesigen Allgemeinen Krankenhau» sind gestorben die 7-jährige Lehrerstochter Bogdana Stubin aus Lepa njioa bei Aioziye, der 54-jährige Unterbeamte des Militärbezirkskommandos in Celje Anton Magdic und der 72-jährige Ignaz Veltavsky aus Gaberje. greiwUlia« Feuerwehr Telje, Telephon 9«. Den Äzch„idtraft iibernimmt an, 17. Ziin. der lll. Zax ltommondant: Edmund Bandet. Stadtkino. Heule Samstag und morgen Sonntag der Ufa-Großfilm „Der weiße Teufel" und der Gebäudesteuer tzgrada-rina); Auf Grund des K 6 des Gesetzes über die Steuer für Ledige fordern wir die Zahler der Grundsteuer und der Gebäudesteuer in der Stad und in den Märkten auf, Hieramts in der Frif vom 10. Jänner bis 10. Februar 1931 Anmel-düngen mit. nachfolgenden Daten vorzulegen: 1. Warne, Vatersname, Zuname. 2. ob verheiratet, ltzdig, verwitwet oder geschieden, 3. Geburtsjahr, 4. ob im Besitz von ehelichen Kindern. Die Geschie-denen haben anzuführen, ob die Ehe gerichtlich auf-gehoben oder gHchieden ist und ob sie nach gerichtlichem llrteil einen Erhaitungsbeitrag für die Kinder oder für die Frau zu zahlen haben. Wenn der Ledige. Witwer oder Geschiedene Miteigentüiner eines Grundes oder eines Gebäudes bezw, Gesell-schafters eines Unternehmens oder Betriebes ist, hat er anzuführen, mit welchem Anteil bezw. in welchem Verhältnis er Miteigentümer oder im Un-:emehmen bezw. Betriebe beteiligt ist. Das betref-sende Objekt bezw. Unternehmen ist hiebei genau zu bezeichnen. Die Steuerpflichtigen, die die Anmel-oungen nicht rechtzeitig vorlegen oder die nicht die genauen Daten anführen, werden von den geset;-lichen Folgen betroffen werden. Diucksorten für diese Anmeldungen stehen bei der Steuerverwallung zur Verfügung. -Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 1«. Januar, - findet der Gemeindegottesdienst um 10 Uhr und im Anschluß daran der Kindergottes-dienst im Gemeindesaale statt. Polizeinachrichten. Eine gewisse Anna J>. aus Dobrooa bei Celje bestellte im Geschäft Kudis auf der Kralja Petra cesta um 500 Din Manusak-turwaren, die ihr der Lehrling in die Wohnung bringen sollte, wo sie, wie sie sagte, die Ware bezahlen werde. Dem Ueberbringer übergab sie ein geschlossenes Kuvert, in dem angeblich das Geld sein sollte. Im Kuvert war jedoch bloß ein Zettel, auf dem geschrieben stand, daß sie später zahlen werde, well sie jetzt kein Geld habe. Später be-hauptete sie, die Ware nicht zurückgeben zu können, weil sie sie der Näherin in die Arbeit gegeben habe., Erst als man ihr mit der Anzeige bei der Gendarmerie drohte, stellte sie die Ware wieder zurück. — Wegen Betteins und Landstreicher! ren, Juwelen, Qold-und Silberwaren, Silber-und Chinasilber - gerate, £estecke und T)osen Standuhrwerke C)ptlh a | jTernik I MC» W #7# #V Celje, Q/avni trg Ls 1 düngen präsentiert sie, mangelhaft genug, der Völkerbund von Genf. Zvenn er auch vielfach, ja fast immer, ein Spielball der Interessen der Mächte ist, so bildet er doch zugleich einen Ansatz zu einer europäischen Rechtsordnung, der wir — wenigstens in der Theorie — doch etwas näher gekommen sind. Im ewig schwankenden Spiel der Staaten aber sind wir in ganz ähnlicher Lage wie zu Beginn des Jahrhunderts: der Gegensatz Englands und Rußlands beherrscht die Welt. Aber 1900 stand zwischen beiden das Deutsche Reich als Mitbewerber um die füh-rende Stellung unter den Großmächten: heute ist Rußland, durch den japanischen Krieg, durch Tannen-berg und Gorlice und vor allem durch den Bolsche-wismus, zu Boden geworfen, ja aus der europäischen Kulturwelt hinausgedrängt und nur durch seine E'graphischen Gegebenheiten noch ein bedeutender ktor in der Weltpolitik; Deutschland, jäh aus seiner Bahn gerissen, entwaffnet, in der Möglichkeit seines Aufstieges gehemmt, hat zwar dank seiner wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung seinen Rang als Großmacht behauptet, ist aber aus der Welcholitik zunächst völlig ausgeschaltet. Aber England ist nicht allein an der Spitze der Mächte geblieben; Amerika. 1900 wie Japan kaum noch als Groß-macht anerkannt, ist zumindest an seine Seite getreten. Innere Politik ist zu einem beherrschenden Faktor des Gesellschaft,wesens geworden: die alten auf Tradition beruhenden Formen der Gesellschaft scheinen sich überall in Auflösung zu befinden und die Parteien, ihre Arbeiten und Ziele in immer weitere Sphären ausdehend, scheinen neue Gesell-schaftsblldungen zu beeinflussen, ja zu bestimmen, man denke an die „proletarischen" Geselligkeit»', Wander-, Turnvereine, die parteimäßigen Theater-gemeinden usw., während sie selbst immer mehr Klassencharakter annehmen. Die wichtigste Erscheinung st vielleicht die Umbildung des revolutio. nären Sozialismus zum kleinbürgerlichen, eine natürliche Begleiterscheinung der höheren Lebenshaltung der Handarbeiter. Der Staat hat gegenüber dem Individualismus des 19. Jahr-junderts an Bedeutung gewonnen, und zwar ge° rade als Richter, als unparteiische Ausgleichsinstanz -wischen Unternehmen und Arbeiterschaft. Selbst in England ist aus dem Ideal des Rachtwächterstaates auch bei denen, die den Machtstaat ablehnen, längst ein Richterstaat geworden. Freilich versuchen — zu-mindesten auf dem Kontinent — Wirtschaftsmächte Einfluß auf den Staat zu gewinnen und tretet» Neuerscheinungen, Verbände verschiedenster Art, mit Erfolg neben den Parteien auf. Die Auflösung der alten Gesellschaftsformen ist durch den Siegeslauf des Kinos und des Radios, an Stelle des die Zuhörer innerlich doch irgendwie zusammenschließenden Theaters oder Kon-zertes (wobei die Möglichkeit einer künstlerischen Auf-wärtsentwicklung des Kinos nicht bestritten werden soll» gefördert worden: an Stelle des Kunstwerkes tritt der darstellende Künstler in den Vordergrund der Aufmerksamkeit und der Künstlerbetrieb artet zu einem Spezialistentum au», da» in Abhängigkeit von den Agenten und damit von Geld und von Geschäft gerät. Aehnlich hat sich der Sport unge-Heuer entwickelt und verzweigt, um schließlich in einen Kampf um den Rekord auszuarten, ohne daß eine gesellschaftsbildende Kraft der Sportvereine sich in der Art der alten Kulturgemeinfchaften um ein Theater oder ein künstlerisches Ereignis durchgesetzt hätte. Vielleicht ist eine solche Neubildung, wie über-Haupt die alten Gesellschaftsformen, daran gescheitert, daß der soziale Ausstieg im 19. Jahrhundert einfach zu groß war und die Formen sprengte. Die Tendenz der Auflösung, deren Auswirkun-gen vielleicht gerade das Geistige auf die Suche nach neuen Bindungen gedrängt haben, zeigt sich auch im Verhältnis von Mann und Frau. Die Emanzipation der Frau macht reißende Fortschritte: ihr stehen fast alle Berufe offen und ihr Eindringen in das Erwerbsleben, durch den Weltkrieg wie alle anderen Entwicklungstendenzen nur gefördert, nicht hervorgerufen, hat die Arbeit»-losigkeit noch erhöht, damit die Arbeitseinkommen gedrückt und die Rückkehr der Frau in» Hau» sehr erschwert. Vielfach auch hat die Frau Freude am Berufsleben gefunden und ist mit der Freiheit, von manchem Vorurteil fteigeworden, von manchem Gefühlsgut, das. als unpraktischer Gefühlballast ab-geschüttelt, doch ein unersetzbares sittliches Gut be» öcta 4 Deutsch» Ztltnng Kind unserer allen Draustadt ist sie allgemein bekannt und beliebt. Die Jubilantin wurde allgemein zu ihrem Arbeitsjubiläum beglückwünscht und auch wir stellen uns gerne in die Reihe der Gratulanten. Die Tat,ach« einer so langjährigen Mitarbeiterschast ehrt aber auch die Firma, die Wert darauf legt, sich einen Stab von verläßlichen Mitarbeitern zu halten. Versetzung. Der Polizeirat Herr Karl Pestoosek ist zum Polizeirat l. Klasse (1/4) ernannt und von Maribor nach Ljudljana versetzt worden. Die Frage, wo da» neue Zollgebäude errichtet werden soll, ist nunmehr entschieden. Da die Wiese zwischen der Kärntnerbahn und der Pensionsanstalt zu klein ist. mußte man zum ursprünglichen Plan zurückkehren. Das neue Gebäude wird also dort errichtet, wo sich jetzt das provisorische Hauptzollamt befindet. Vom Gericht. Am 15. Jänner stand vor dem Dreiersenat des hiesigen Kreisgerichts der 2ü jährige Ardeiter Franz Klobasa aus Osek wegen Totschlags. Im Oktober des Vorjahres hatte er bei einer Rauferei dem Grundbesitzer Franz Vogrin mit einer Haue einen so wuchtigen Schlag auf den Kopf versetzt, daß der Getroffene an den Folgen der Verletzung verschied. Klobasa wurde zu fünf Jahren schweren Kerkers und zur Zahlung der Be-gräbniskoften verurteilt. Die Untersuchungshaft wurde eingerechnet. — Der 37'jShrige Zahntechniker Oskar Hermer aus Murska Sodota stand vor Gericht, weil er gegen Entgelt eine Zahnbehandlung durch-führte, die ausschließlich Zahnärzten vorbehalten ist. Er wurde zur Zahlung von KW Din, bedingt auf drei Jahre, verurteilt. Ansteckende Krankheiten. Im Laufe des vergangenen Jahres wurden vom hiesigen Stadt-physikat insgesamt 179 Fälle von ansteckenden Krank-heilen festgestellt, und zwar 24 Erkrankungen an Scharlache 45 Diphtherie. 5 an Typhus, 2 an Ruhr, 3 an Mumps, 2 an Masern, 7 an Trachom, 1 an Gehirnhautentzündung. Von den Erkrankten sind 4 gestorben. In Beobachtung standen 16 Per-svnen, die von wutverdächtigen Hunden oder Katzen gebissen worden waren. Unsere Rettungsabteilung hat bis zum 15. Jänner in nicht weniger als 90 Fällen int-er venieren müssen. Es ist dies die für unsere Ver-Hältnisse hohe Anzahl von 6 Fällen pro Tag. Frw. Rettungsabteilung, Fernsprecher 2336. Zum Feuerwehrbereitschaflsdienst in der kommenden Woche, und zwar vom 1«. bis ein-schließlich 24. Jänner, ist der l. Zug kommandiert. Kommandant: Brandmeister Martin Ertl. Bereit-schast in Reserve: ll. Zug. Upothekeunachtdienst. Den Slpotheken-nachtdienst in der kommenden Woche, und zwar vom 18. bis einschließlich 24. Jänner, versieht die „Magdaleneapotheke". von Mr. Säst, am Kralja Petra ttg. In eine Futterschneidmaschine ist in Limbuö bei Maribor ein gewisser Alois Deutschmann geraten. Dem Bedauernswerten wurden dabei die deutet hat. Dazu gehört vor allem die innere Bin-dung in der Ehe, die von dem Zurücktreten des Heimes vor dem — beiderseitigen — Beruf, mit seinen oft verschiedenen Interessen und von der zweifellos gewachsenen Zügellosigkett des Geschlechts-leben», die auch zu raschem und unyeprüftem Schlie-ßen und oft genug baldigem ^chciven einer Ehe führt, in gleichem flltoßc beeinträchtigt wird. Das „Ausleben" gehört überhaupt zu den Kennzeichen einer Zeit, die alte Formen zerbrochen und neue noch nicht gefunden hat: auch in der Erziehung ist ein ..Ausleben lassen" ein Berücksichtigen der Wünsch«. Triebe. Anlagen des Kindes maßgebend geworden und das 20. Jahrhundert hat sich selbst den Titel „Jahrhundert des Kindes" als Ehren-titel beigelegt, was wir in anderem Sinne auf-nehmen können, al» Jahrhundert des Werdenden, denn die müde Altersstimmung des „sin de siecle" hastet dem iO. Jahrhundert jedenfalls nicht an. Die Tatsache der Unsicherheit in allen heutigen Zustän-den, kulturell, politisch und wirtschaftlich, prägt der Gegenwart den Charakter des Wartens auf: sie fühlt sich nicht am Ende einer Entwicklung, sondern vielmehr — Kindern zu Weihnachten vergleichbar — vor den noch verschlossenen Toren einer Zukunft, der alle und neue Generation in gleicher Weise entgegenschauen. Finger der linken Hand zerfleischt. Di« herbeigeellte Rettungsabtellung leistete ihm die erste Hilfe. Sin Knecht entmannt sich selbst mit einem Rasiermesser. In einem Dorfe in den Slov. Gorice hatte ein Knecht ein sehr flottes Leben geführt und bis zur Grenze des Möglichen gelebt und gellebt. Plötzlich bekam er es mtt der Reue zu tun. Was hiezu den Anlaß gab, ist nicht bekannt. Jedenfalls war er sehr zerknirscht und gelobte sich, von nun an ein neues Leben zu beginnen. Ader das Bravsein viel ihm furchtbar schwer, so daß er sich ständig vor Rückfällen in sein früheres Lotter-leben fürchtete. Es wird schon so gewesen sein, daß der Teufel, wahrscheinlich in Gestalt eines Weibes, es an Versuchungen nicht fehlen ließ, und dem armen Mann da» Leben sauer machte. In dieser einer Seelennot gebar er den furchtbaren Gedanken, ich selbst zu entmannen, um dadurch gegen alle >iese Gefahren gewappnet zu sein. Kurz entschlossen ergriff er sein Rasiermesser und nahm die folgen-schwere Amputation vor, die ihm fast das Leben gekostet hätte. Die klaffende Wunde vernähte er sich mit einer gewöhnlichen Nähnadel und mtt Zwirn. Nach einigen Tagen bekam er natürlich fürchterliche Schmerzen und mußte einen Arzt aussuchen. Dank seiner gesunden Körperkonstitution war er schon nach zwei Tagen außer Gefahr und auf dem Wege zur Genesung. Der Gattenmörder Friedrich Koöar, der vor einigen Tagen seine von ihm getrennt le-bende Frau erschossen hat, ist am Dienstag abends in der Nähe seiner Wohnung in Pobrezje verhastet worden. Ptul Ein Kredit für die Wasserleitung. Die Regierung hat einen Kredit von 1ü Millionen Din für den Bau einer Wasserlettung in Ptuj und Umgebung bewilligt. Mit den Bauarbeiten wird im Frühjahr begonnen werden, so daß Ptuj und seine Umgebung bis zum Herbst eine moderne Wasser-leitung haben wird. Slovenjgradec Den Wiener Sängerknaben wurde von der hiesigen Gemeinde der Besuch des Hugo Wolf > Hauses ^»erboten. Der weltberühmte Chor der Wiener Sängerknaben gab am vergangenen Sonntag in Slovenjgradec ein Kirchenkonzert. Bei dieser Gelegenheit sollte von den Kindern eine rein private Besichtigung des Geburts-Hauses von Hugo Wolf erfolge», wobei im Ge-burtszimmer des berühmten Tondichters allenfalls ein Psalm von Schubert gesungen worden wäre. Von einem Umzug oder von einem Singen vor dem Hause war natürlich keine Rede, weshalb diese Besichtigung auch nicht angemeldet noch irgendwie veröffentlicht worden war. Es war nur der Ver-watter des Hauses verständigt worden und es sollten bloh die Kinder und ein Förderer ihrer Kunst aus Cche anwesend sein. An irgendeine „Demonstration" gegen den bekannten Beschluß des Gemeinderats, der die Benennung einer Straße nach dem berühmten Sohne der Stadt verweigert hatte, dachte niemand. Wer wird denn gegen einen solchen Beschluß de-monstrieren! Sondern es war einfach selbstverständlich, daß die Wiener Kinder das Andenken de» Meisters, der in Wien gelebt, gewirkt und gelttten hat, durch einen Besuch seines Geburtshauses ehren wollten I Diese Besichtigung ist durch zwei Dekrete des hiesigen Bürgermeisteramtes an die Veranstalter des Kirchenkonzertes verhindert worden, von denen das eine (in deutscher Uedersetzung) nachfolgend lautet: „In der Stadt werden Stimmen laut, daß der Chor der „Wiener Sängerknaben" auch vor dem Hugo Wolf-Hause bzw. in den Jnnenräumen des Hauses singen will. Da dies von Seite der Gemeindedürger al» Demonstration dagegen betrachtet würde, daß der Gemeinderat keine Straße nach dem Komponisten Hugo Wolf benannt hat, machen wir Sie als Arrangeur der ganzen Veran-staltung höflich darauf aufmerksam, daß Sie jede» derartige Auftreten, da» unangenehme Folgen haben könnte verhindern. Der Sängerchor soll streng das bewilligte Program einhalten, das in der hie-sigen Pfarrkirche ausgeführt wird. Der Bürgermeister: Dr. Bratkvvic m. p." Das zweite Dekret lautet: „Da Sie das Arrangement des Kirchenkonzertes, das der Chor der „Wiener Sängerknaven" am Sonntag, dem 11. l. M, in der Pfarrkirche in Slovenjgradec abhätt, übernom-men habe», werden Sie höflich aufgefordert, dafür zu sorgen, daß sich der Sängerchor bloß auf das Kirchenkonzert beschränkt. Jeder Marsch durch die Stadt, wie auch da» Singen vor und auch im Hause, an dem sich das Relief Hugo Wolf» be-findet, wird entschieden verboten, weil dadurch die öffentliche Ruhe und Ordnung gestört werden könnte. Slovenjgradec, am 8. Jänner 1931. Der Bürger-meister: Dr. Bratkovic m. p." Diese Dekrete des Bürgermeisters der Stadt Slovenjgradec, die al» Geburtsstadt Hugo Wolfs der gesamten musikalischen Welt bekannt geworden ist, bedürfen keine» Kom-mentars. Für diejenigen aber, denen die Bedeutung des Wiener Sängerknabenchors bisher fremd ge-blieben ist. möchten wir bemerken, daß diese herzigen Kinder Weltruf genießen, der in begeisterten Anerkennungen der deutschen, französischen, italie Nischen, schweiznischen, polnischen, schwedischen, dä-nischen, norwegischen und spanischen Presse seinen wiederhotten Ausdruck gefunden hat. Das Panier „Le Journal" schreibtz. B.: „Dieser Knadenchoc erregte eine gerechte Bewunderung durch die In telligenz und das reine musikalische Gefühl, das der Chor bei der Aufführung der Krönungsmess« von Mozart unter Beweis stellte. Das Erscheinen dieser Knaben aus Wien ist ein Ereignis, das lange Zeit in Erinnerung bleiben wird". „La vie" schreibt u. a.: „Eine dichte Menge von Menschen . . . Musiker, Weltdamen, Amerikaner. Jeder hat teuer bezahlt und ist heldenmütig frühmorgens aufgestanden, um die Wiener Sänqerknaben zu hören . . . Hier hört man etwas Frisches. Reines, das unendlich rührt!" Das Stockholmer „Soenska Morgonbladel' schreibt: „Diese kleinen Meisterfinger, wie man sie wohl nennen kann, erwecken die lebhafteste Bewunderung, wo immer sie auftreten." Das Blatt „Social-demokraten" in Stockholm: „Entzückend! Bezaubernd! Sie haben unsere Stadt vollständig erobert!" Das polnische Blatt „Kurjer Poranny": „Die Borfüh rungen trugen neben dem Zeichen echten Künstler-tums den Charakter kindlichen Spiele»". „St. Gal-lener Tagblatt": „In ihrer Veranstaltung boten sie dem Publikum köstlichen, erlesenen Genuß . . . man muß immer wieder staunen ...!" Die Tntwicklung de» Fremdenverkehr» in einer Gegend hängt bekanntlich nicht in letzter Linie davon ab, welchen Ruf diese Gegend bezüglich der Duldsamkett gegenüber dem Fremden besitzt, namentlich wenn die es Fremde übernationale», also vollkommen unpolitiches Kulturgut jener Nation darstellt, die bei der Fremdenoerkehrsmopaganda in erster Reihe in Betracht kommt. Die Erinnerung an Hugo Wolf und der Wiener Sängerknaben-chor, der das Geburtshaus des Meisters besuchen wollte, stellen naturgemäß, wie die Musik überhaupt, ein solches übernationales Kulturgut dar, weil sie nicht nur dem deutschen Volke, sondern in musikalischer Beziehung ganz Europa angehören. Da nun die oben erwähnten Maßnahmen unserer Gemeinde behörde ihren Niedrschlag auch in den großen Zettungen gefunden haben, u. a. in der Wien« „Neuen Freien Presse", fürchten wir, daß sie sich auf unsere Fremdenverkehrspropaganda bezüglich ganz Sloweniens ungünstig auswirken könnten. Die große Welt, die unsere intimeren Verhältnisse natür lich nicht kennt, dürfte sich wundern, daß solche Maßnahmen in Verbindung mtt Hugo Wolf und dem Wiener Knabenchor möglich waren, nnd daher unverwünschte und unzutreffende Schlüsse auf unser ge samte» Fremdenverkehrsland ziehen. Außerordentlich verständlich wäre es im Gegenteil, wenn unsere Stadt die Tatsache, die Geburt»stadt Hugo Wolfs zu sein, au » nützenund au» ihrKapital s ch l a gen würde! Bei einigermaßen geschickter Haltung ließe sich Slovenjgradec zu einer Pilgerstätte der internationalen Musikwelt machen. Gerade die Musik, in weit größerem Maße noch al» die schöne Lite-ratur, erfüllt die Menschen mit einer Hingedungs-vollen Begeisterung und die Anhänger dies« wahrhaftig internationalen Kunst fühlen sich ständig ge drängt, die Stätte zu besuchen, wo einer der großen Meister das Licht der Wett erblickt hat. Statt also den Ruf von Slovenjgradec als der Geburtsstadt Hugo Wolfs schamhaft zu verschleiern, mutzte eine kluge Fremdenverkehrspolitik gerade dies« Tatsache in den ersten Vordergrund stellen. Da e» recht wenige so begnadete Orte auf Erden gibt, so wäre es mehr al» begreiflich, daß man — au» sehr praktischen Gründen! — geradezu einen Kult mit dem Geburtshau» des großen Künstler» treiben würde — man braucht wohl nicht Beispiele anzu-führen, wo das überall zum Wohle de» Geldbeutel» der betreffende Bevölkerung selbstverständlich geschieht! — und man würde uns um einen solchen Schlager der Fremdenverkehrspropaganda beneiden. Hoffen wir, daß diese Sache in unserer Stadt auch einmal von dieser sehr realen Seite betrachtet werden wird! ftavma t> »»»tsche Zettung S«fk ü 86 Sibirien Erinnerungen aus dem Weltkrieg und aus Ruhland von einem ehemaligen Siebzehner Auf unserem Schiff machte die Reise auch ein Mann in der alten russischen Beamtenuniform mit. Er bewohnte mit seiner Frau und seiner Tochter «ine Kabine oberhalb des Hinteren Mannschafts-«umes. Da unsere Leute ziemlich rot angehaucht «oren, sahen sie mit nicht sehr freundlichen Blicken auf diese Russen. Der Mann soll ein hoher Beamter der ftoltittuilreflimmg gewesen sein. Die Familie hielt sich aber meistens in den Räumen auf. die den japanischen Schisssoffizier« und unseren italienisch« Offizieren als Wohnung dienten. In den heißen Nächten, die wir auf Deck zu-brachten, konzertierte allabendlich eine Musikkapelle -zwischen den dicken Rauchschloten und dem Ausbau der Offizierskabinen. Wir hörten der Musik zu, Hauten in das leuchtend« Wasser und atmeten die warme feuchte Lust unter dem unerhörten Sternen-Himmel. Dieser Teil der Seereise zog sich ziemlich in die Länge. Da wir quer durch den Indischen Ozean fuhren, verlor ich während dieser Zeit das Gefühl des Landes am meisten. Es wurde ein bischen langweilig. Die Hitze hatte womöglich noch zuge-kommen und ich bewunderte die japanischen Heizer, wie sie es im Maschinenraum vor den glühenden Kesseln aushalten konnten. Schweißbedeckt und ver-fallen krochen sie bei den Ablösungen an Deck, um sofort in der weiß ausgekachelten Badekabine zu »erschwinden, die mir der luiuriöfeste Raum an Bord zu sein schien. Ich guckte oft bei dem runden Ochsenauge hinein und beneidete dann die im kühlen Nasser Plätschernden. Im übrigen war die japanische Mannschaft gemütlich. Die Matrosen trugen immer ein Lächeln auf dem Gesicht, auch am Morgen, wenn sie mit langen Feuerwehrschläuchen das Deck wuschen und Uns Herumstehende dabei anspritzten. Dann und wann schienen sie einen Feiertag zu haben. Da zogen sie sonderbare Rüstungen an, und komisch mit (espreizten Beinen vor und rückwärts springend, roschen sie die hölzernen Schwerter einander auf die dicken Helme, di« so aussahen wie Taucherhelme. In Singapur hatten verschiedene von unseren Leuten Affen gekauft, die sie auf dem Dach unseres Lokushäuschens angekettet hielten. Mit diesen Tieren, die wir mit Bananen fütterten, hatten wir die ?öi änste Kurzweil. Besonders ein ganz kleines Aeffchen, da« dem Triester Juden Brunner gehörte, erfreute M allgemeiner Beliebtheit. Wie das kleine Kerlchen gescheit war! Um es zu lustigen Bewegungen zu »eranlassen, zogen einige von uns immer an der Kette, an der es mit seinem Halsband hing. Wenn das Aeffchen spürte, daß jemand zerren wollte, er-Griff e» blitzschnell ein Stück der Kette und fing so die Zerrungen am Halsband ab. Dabei hustete und pfauchte es höchst erbittert auf unsere Schar herab, die darob immer wieder in lautes Gelächter ausbrach. Der Kleine merkte sich aber genau seine Ouälgeister. Einmal hatte auch ich an der Kette gezogen und der Affe sah mir dabei zuerst erstaunt, dann zähnesleischend in das Gesicht. Einige Tage toter, al» wir uns wie gewöhnlich an Deck wuschen, «anden wir ein- ganze Zahl von halbnackten Men-schen unter dem Sitz des Aeffens und versuchten es mit Worten aus seiner verachtungsvollen Ruhe zu bringen. Es achtete nicht auf uns, sondern blickte mit ftinen unglaublich menschlichen Augen herum. Viele gingen mtt ihrem Gesicht ganz zum Aeffchen heran, e» schaute philosophlich herab und verzog leine Miene. Ich stand unter dem Menschenhaufen und blickte auch zum Affen empor. Da auf einmal dtieb sein Auge auf meinem Gesicht hängen, der Asse fuhr gegen mich los und Huftete aus Leibes-kräften. Der kleine Bursche hatte in mir einen von denjenigen erkannt, die einmal an sein-r Kette ge-zogen hatten. Leider kam von allen Affen nur dieser Kleine nach Trieft an. Ich kann mich noch erinnern, »ie ihn Brunner an der Kette einfach am Boden «ttschleiste, weil ihm das Laufen auf dem schmutzi-*n Hafenpflaster nicht paßte. Die anderen größeren Arfen waren all« schon am Schiff zugrundegegangen. Kein Wunder bei soviel« Rährvätern, die diesen Kindern Indien» alles mögliche zu fressen gaben! In Eolombo auf Ceylon ging unsere Kamerad-Schaft wieder an Land. Hier war ein großer über-dach,« Landungssteg ins Wasser gebaut, der wie «ine Eisendohnhalle aussah. Nur natürlich viel zier- licher. Durch die Hitze gewarnt, zog ich diesmal nichts an als meine Khakiuniform. Kein Hemd, keine Unterwäsche, nur dieses papierdüne gelb« Kleid und einen Tropenhelm. Eine Khakiuniform hatte nämlich jeder von uns schon in Wladiwostok gefaßt. Nur kam uns damals nicht der Gedanke, wie wir sie einmal verwenden würden. An Bord der „England Maru" waren aber die schweren grünen Tuchuniformen schon gleich nach Shanghai verschwunden. Wir trugen bloß die Khakihosen und Rctzleibchen. die wir in Singapur gekauft hatten. Als wir, Meneghini, Schweighofer und ich, am sengenden Mtttag in die Stadt Colombo kamen, war uns so heiß, daß wir nur im Schatten der Häuser gehen konnten. Noch da kam mich öfters ein Schwindel an. so daß ich glaubte, es müsse mich der Schlag treffen. Deshalb trachteten wir schleunigst von den Straßen wegzukommen, die nach allem möglichen dufteten, hauptsächlich nach Früchten und Ananas. In einem Restaurationslokal setzten wir uns an einen Tisch und der singhalesische weiß gekleidete Kellner drehte an der Wand einen Knopf auf. Sofort setzten sich über dem Tisch zwei große Propeller in Bewegung, die um durch ihren Wirbel Luft zufächelten. Solche Propeller waren über jedem einzelnen Tisch der Bude angebracht. Wir tranken Sodawasser, in dem große Eisstückchen schwammen. Diese Eisstückchen auf der Zunge zergehen zu lassen, war die größte Wonne. Das eiskalte Getränk, das sonst keinen Geschmack hatte, war herrlicher als jeder Champagner. Schon auf der Straß« hatten uns allerhand braune Burschen verfolgt, di« sich uns als Führer in gewisse Häuser aufdrängten. Einer war uns auch in dieses Lokal nachgelaufen, wo er mit Händen und Füßen vor uns herumarbettete. Schließlich machte er Schießbewegungen: „Bumm-Bumm!" und zeigte mit dem Zeigefinger stolz auf seine Brust. „German — dumm! bumm!" Ich fragte ihn auf englisch, ob er auch im Feld gewesen sei. Er war ganz beleidigt, daß wir daran Zweifel ausdrücken könnten, und schrie ganz in E-tase: „Yes, yes! German — bumm! bumm! French! French!" Als ich seinen Redestrom abschnitt: „Wir sind auch Deutsche!" war er zuerst ganz verblüfft, dann zog ein freudiges Grinsen über sein Gesicht. „You Ger-man?!" — „Yes!" — „German friend! friend!« Sein Gesicht verzog sich zu einem haßvollen Ab-gründ. Er schüttelte die Faust, schrie „Oh. England!" und spuckte aus. Wir konnten den Kerl nur los werden, indem wir gingen. Auf der Straße lief er noch eine Weile neben uns her, als er aber sah, daß mit uns kein Geschäft zu machen war, blieb er plötzlich stehen und wir gingen weiter. Die Liebe für England und die Alliierten schien bei den Sing-halesen überhaupt recht gering zu sein. Gleich als wir in die Stadt gekommen waren, hatte ich junge weißgekleidete Männer mit roten Fezen am Kopf gesehen, die in Gruppen an den Straßenecken stan-den. Jede dieser Gruppen spuckte ostentativ vor uns aus. Zuerst beachtete ich e» gar nicht, ich hielt es für einen Zufall, dann aber, als sich bei jeder Gruppe di« Ausjpuckerei wiederholte, dämmerte mir doch auf, daß sie am Ende damit uns ihre Ver-achtung zeigen wollten. Wir trugen die militärische Khokiunisorm, dazu den Tropenhelm, natürlich mußten sie un« für alliierte Soldaten halten. Ich fragte später in einem Lokal, wer diese jungen Leute feien. Man sagte mir, es seien Stud«ten der Universität. Wir schlenderten in der Stadt herum, sahen uns den prachtvollen botanischen Garten an, in dem Pflanzen standen, von deren Eiistenz ich mir nie-mal» hatte was träumen lassen. Auch zu englischen Kasernen kamen wir. vor denen einige Soldaten standen, die wir neugierig anstarrten. Das Jnter-esfanteste war aber der Früchlenmarkt, eine unge-heure Halle, in der zu Haufen die mannigfaltigsten tropischen Früchte lagen. Die Halle war mit be-täubenden Düften erfüllt. Ich kaufte mir eine Ana-nas, di« so groß war wie ein Kinderkopf. Meine Kameraden kauften Kokosnüsse. Kaufen hätte man hier die unerhörtesten Dinge können, aber mein Geldbeutel war schon in Shanghai und durch die Käufe im Hafen von Singapur ziemlich maqer geworden. Daher begnügte ich mich mtt der Ananas, von der ein Geruch aufftieg, der mir alle Gerüche der Tropen zu beinhalten schien. Auf den Straßen von Colombo. durch di« sich schwere zweiräderige Ochs«nkarren schoben, fahrn wir fast gar keine Weißen. Deshalb staunten wir, |a schöne Häuser «i sehen, die offenbar mtt alle« eur» päischen Komfort ausgestattet waren. Von d«a schwarzen oder Braunen hatten wir bi» dahin doch das Gefühl gehabt, daß sie in runden Stcohmeilerv oder auf den Bäumen wohnen müßten! Hier aber war eine hohe Zivilisation unter den Braunen vor-Handen. Als wir gegen den etwas kühleren Abend auf den schönen Promenaden die Spaziergänger ansahen, mußten wir glauben, daß sich darunter Unioersitätsprofessoren. Doktoren. Beamte, Spieß-Kürzer, kurz alle jene Stände befinden, die auch m Europa zu sehen find. Nur hatten diese Herr«, die graue kastanartige Sackkleider trugen, etwas »n ihren Haaren, was wir uns auf dem Haupte eines europäischen Professors oder Medizin-doktors nicht vorstellen können: nämlich einen runde» Schildkrötkamm. Sein Halbbogen steckte aufrecht im Haar wie ein kleines Hütchen. Die gewöhnliche Straßenmenschhett war halb-nackt. Besonders gefielen mir die ganz nackte« Knaben, die mtt ihren schönen glänzend braunen Körpern aussahen wie Bronzestatuetten. Die Buben waren sehr zudringlich, wett sie. wie ich erfuhr, hier allgemein die Dienerinnen der Liebe ersetzen. Jeder Europäer, der in das sündhaft schöne Paradies vvn Ceylon kommt, soll sich angeblich bald zur Knaben liebe bekehren. Ein Standpunkt, den ein lang« Aufenthalt in dieser erschlaffenden Hitze oielleuht verständlich macht, dem wir aber keinen Geschmack abgewinnen konnten, so daß bei un» jede Lockung versagte. Am Abend war die Hauptstraße, di« zum Haftn hinunterführt, feenhaft beleuchtet. Da» Licht kam von den unzähligen Juwelenläden her, die hier einer neben dem anderen funkeln und strahlen. Colombo erscheint in meiner Erinnerung die Stadt der Juwelen zu sein. Einige von unseren Leuten ließen sich beschwatzen, Ringe zu kaufen, wobei sie sicherlich ordentlich über» Ohr gehauen wurden. Etwas hätte ich mir gerne gekauft und damit in Europa gewiß ein gutes Geschäft gemacht: Seide»-schals. Es gab hier die farbenbuntesten indischen Seidenschals, die man, wenn man handelte, um t Dollar pro Stück kaufen konnte. Ueberhaupt war Handeln hier die Hauptsache. Wenn ein Verkäufer einen Ring um 5 Dollars verkaufen wollte, mußte man 50 Cents bieten, dann bekam man ihn um 1 Dollar. Es war schon dunkel, al» wir, benommen von den schwülen Eindrücken der Stadt, zum Landung», steg zurückgingen. Er war hell beleuchtet und da sah ich. wie ein Engländer mtt einem Stecken rück» sichtslos in die zudringlichen Eingeborenen hinein-prügelte. Der Engländer sah ganz gelb au» wie ein Leichnam. Ebenso seine Frau, die er am Arm« führte. Eine schrecklich ausgemergelte Zitrone. Trotz-dem hieb er mtt großer Kraft auf die braun« Rücken der Eingeborenen nieder, die sich ihm i« der zudringlichsten Weise zu Diensten anboten. Von Colombo bi» Aden dauerte die Fahrt sehr lange. Mir dauerte eine Fahrt nie lange genug bis zum nächsten Hafen. Am liebsten wäre ich aus hoher See, umgeben nur von Wasser, Licht und Lust, mein ganzes Leben lang so dahingefahr«. Immer die an die Schiffswände anraufchcnd« Wellen des azurblauen Meeres, die fchwirr«d« Farbenpracht der fliegenden Fische, in der warm« duftenden Nacht die funkelnden Sternbilder am lichten hohen Himmel zu schauen, was konnte e» Schönere« geben? I« mehr unser Schiff über die aus Ozeanen bestehende Erdkugel dm Weg w«tt« gegen Europa rückte, ein um so bangere» Gefühl begann meine Seele zu drücken. Ich fürchtete mich vor der Heimat. Oft sah ich stundenlang auf da» Meer hinaus, ohne zu sehen, und dachte bekümmert darüber nach, wa» ich wohl in der Heimat würde anfangen. Mtt 21 Jahren war ich zu Militär ein-gerückt, damals lag die Wett wie ein Blumengarten vor mir und keinen Zweifel gab es, daß ich auf ihren Wegen wetterkommm würde. Jetzt war ich 30 Jahre alt geworden, fast ein Jahrzehnt hatte ich im Rock des Soldaten zugebracht, aber diese Zeit war trotz aller Härten noch leicht gewesen, weil ich nie um eine Eristenz au» eigenem Willen *u sorgen hatte. Hier auf diesem wunderbar« Meere erfaßte mich auf einmal diese fremde Sorge und ließ mich nicht mehr los. Sie wurde so drück«d, daß ich später an der Fahrt durch das Mitteln»«« und durch die Adria keine Fr«d« mehr hatte. Ver» stärkt wurde sie auch durch die Angst vor d«t Ankunft in Trieft, wie dort di« B«hörd« mein Einschleich« in die Legion auffassen würd«. Seite 6 v-»tsch» Z«tt»»g Nummer V Slovenska Bistrica Gründung einer Ortsgruppe der «nti. tuberkulokenliga. Am Sonntag, dem U.d.M., fand hier die Gründungsversammlung einer Anti-Kberkuloicnligenollsaruppe statt. Zum Obmann bieser vom volksgcsundhcttlichm Standpunkt aus Suherft wichtigen Einrichtung wurde Herr Mag. pharm. Bruno Mondini, Apotheker, gewählt. Femer wurden in den Ausschuh gewählt der Oberstleutnant Herr Prohaska als Obmannstellvertreter, die Ober-lehrerin Frau Feige! als Schriftführerin und der Schmiedemeister Herr Arsenscheg als Kassierer. Dem erweiterten Ausschuß gehören an die Herren Dr. Iagodic, Dr. Schaubach, Vaupotii, Mlinar und Rumez. Aus dem Schuldienst. An der hiesigen Anabenvolksschule hat der Lehrer Herr Ttopar feinen Dienst angetreten. Sein bisheriger Dienstort war Pertoca (Prekmurje) gewesen. Einen dreitägigen Gastwirtekursus beabsichtigt die hiesige Gastwirtegenossenschaft An-fang Februar im Hotel „Beograd" abzuhalten. Zur theoretischen und praktischen Behandlung gelangen das Servieren, der Fremdenverkehr, die Grundbe-griffe über die direkten und indirekten Steuern sowie die Körper- und Wohnungshygiene. Der Kursus ist allgemein zugänglich, für Gastwirte und deren Nachwuchs jedoch unentgeltlich. Anmeldungen sind schriftlich bis spätestens 20. d. M. an die Gastwirte-Genossenschaft zu richten, die den Kursusbeginn den Teilnehmern rechtzeitig bekanntgeben wird. Schadenfeuer. Kürzlich brach auf dem An-wesen der Maria Zorko in Zg. Prebukovje ein Feuer aus, welches das Wohnhaus und das Wirtschaftsgebäude in Asche legte. Die Besitzerin hatte ihre Objekte erst vor kurzem gegen Brandschaden versichert. Scheu gewordene Pferde eines Militär-suhrwerkes rannten kürzlich in den Kiosk des Süd- VVUtiKohoii Ni« Ihr Geld gut ausiuseben, dann verlangen Sie beim Einkaufe von Bonlions, Schokolade o. Kekse die Marke Sclllllldt Für wenig Geld erhalten Sie die besten und feinsten Erzeugnisse der Firma Victor £4elmiiB Schöne Maskenkostüme in sehr grosser Aiswahl vorhanden, verleiht zu niedrigen Preisen Anna Staudiuger, Aleksandrova uiica7. Schöne Herrschaftsvilla bei Cßlje 6 Zimmer mit Neben-räumen, Badezimmer, Elektrische, Parkett, Wasserleitung, Keller, grosser tiarten, Obstbäume günstig zu vet kaufen. Breznik, Celje, Dolgo-polje Nr. 1. Mißfarbene Zähne «rtledn bM Wrnp« «»III». Obtai «Wundster*® airti ab1i.».ii^eV» Irin Wich bdtiliat oll xho» bnrtt einmalig« Putze» mit ver herrlich erw chend schmeckende» ^ahnvlilit. 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