«) - *) } ' ») / i i 1 1906 (Jänner). ^ CI t t q Kolge 25. für JHmilungsumcmcbi Herausgeber: prof. Rudolf 6. Poorz, k. k. Bczirksschulinspektor in Laibach. Die „Blätter für Abteilmigsnnterricht" erscheinen als Beilage zur „Laibacher Echulzcitung" monatlich. Bezugsgebühr 2 K jährlich. Einzelnummer 30 h. 3 n h n 11: 1.) Lehrcrchen — Lehrerelend. — 2.) Aus bcm Lchrernlbum. — 8.) Die clntlafsige Schule. — 4.) «prachunrtch-tigteltcn. — 5.) Dle 8. Frage. — 6.) Die Wcchsclrcdc. — 7.) Landschule und Leben. — 8.) Briefkasten. — 9.) Van Schule zu Schule. Es ist kein leerer, schmeichelnder Wahn, erzeugt im Gehirne der Toren; im Merzen kündet cs laut sich an: Zu was Bessern! sind wir geboren. Schiller. Lehrerehen Lehrerelend. Prinz Karneval schwingt den Herrscherstab — auch über dein Haupte manches jungen Pädagogen und im bunten Reigen der Tänzer flattern zwischen den Lodenröcken, zwischen Bändern und Spitzen auch die Rvckschvße des Landlehrers. Des Wirtes Töchterlein liegt am Arm des Bebrillten, es glüht vor Wonne, es glüht vor Stolz, denn keine der Schönen hat der „Herr Lehrer" so oft zum Tanz genommen wie just sie; kein Zweifel, sie werden ein Paar. Der Karneval zieht grämlich ans dem Lande, cs kommt die Zeit der Fasten, — Lehrer N. ist Bräutigam geworden. Die Partie ist ja nicht schlecht: Geld, Schönheit, Frische, Häuslichkeit — ich gratuliereI Und buch will uns der junge Amtsbruder nicht glücklich scheinen. Ach, als er noch hinter den Büchern saß, da träumte er von einer holden Maid, die ihm Geist, Liebe und Poesie ins Hans bringen sollte. Wie herrlich werden sich die Abende gestalten, da er und sic miteinander sich an den Dichtungen unserer Großen laben werden, da jede innige Stelle ans der Bühne einer stillen Häuslichkeit ihre Darstellung finden wirb, da der klassische Odem das Heim durchströmen sollte. Und nun? Was wird die Wirtstochter bringen? Geld! „Ohne Geld kein Glück!" raunt der Genosse. „Ohne Glück kein Geld!" gibt der glücklichseinsollende Bräutigam zurück. Doch der Berater weicht nicht, er weiß den jungen Bruder, der noch ein bißchen Idealismus ins Leben hinübergerettet hat, zu beschwätzen — und ehe die Osterglocken noch verklungen, ist des Wirtes Töchterlein „Frau Lehrerin" geworden. Ein goldener Lenz zieht herauf — leider der letzte der „goldenen", denn der nächste wirft schon Schatten in die Stube des Lehrers N.: Mit dem Gelbe, von dem man so viel gesprochen hatte, war nichts; der Schwiegervater meinte, er brauche es im Geschäfte und erst nach seinem Tode könne die versprochene Summe ausbezahlt werden; ein paar Gulden könne er monatlich schon entbehren, doch mehr nicht. Als der Schwiegersohn darauf hinweist, bei den verschiedenen Krankheitsfällen und Auslagen für den Familienstand reiche der Gehalt nicht, wird der „Alte" grob und weist dem Klagenden die Tür: Die Zwietracht, der Zank, der Groll und all die verwandten Genossen halten Einzug in das Dorfschulhaus und heften sich wie Furien an die Fersen des Lehrers, um auch in der Schulstnbe ihre Haare zu schütteln. Arme Kinder! Es tl Vf T fr hagelt Strafen, Scheltwort?, hagelt Schlage; die Schule wird zum Ort der Marter für die Kleinen und für ihn, der vorher so glücklich war. Die Arbeit ist ihm eine Qual geworden, das Heim eine Holle und er weiß nur noch eine Zufluchtsstätte: Die Wirtsstube. Dort verbringt er bei Spiel und Gelage die freie Zeit, den kostbaren Tag, die Nacht, dort vergräbt er den letzten Rest der Ideale, dort, gräbt er auch sich selbst das Grab. . . . Wer war schuld daran, daß der hoffnungsvolle Lehrer so elend zugrunde ging? Trifft „sie" der Vorwurf? Er hat sie ja gefreit! Hätte sie „nein" sagen sollen? Und doch war sie es, die den ersten Spatenstich zum Grabe getan. Er sah sich betrogen, enttäuscht, an ihrer Seite geistig verlassen, in einer Öde, durch nichts gehalten. Der ungleiche Bildüngsstand hatte sich in seiner Wirkung furchtbar gezeigt. Nicht.immer begegnet uns dasselbe Schlnßbild, doch niemals eines, das uns gefällt. Der eine jener Amtsbrüder, die sich die Frau aus der Tiefe holen, verfällt in Melancholie, der andere in tolles Treiben, ein dritter in geistlose Behaglichkeit, ins Vcgitieren, der vierte in Verdruß, keiner fühlt sich im Scheine des Glückes; will er sich von ihm auch nur streifen lassen, so muß er herabsteigen zur Gattin und auf alles verzichten, was ihn einst zur Höhe trieb. Wie sieht es aber dann in der Schule ans? Wer nicht Gelegenheit findet, alles, was sein Inneres bewegt, einer fühlenden, gleichgestimmten Seele mitzuteilen, sich auszusprechen, im Gedankenaustausch Gedanken zu läutern, Selbsterdachtes zunächst vor jenes Forum zu stellen, das den Schleier der Verschwiegenheit über das Erzeugnis zieht und liebend anerkennt, liebend tadelt: Der fühlt sich einsam und weicht allmählich aus dem Gebiete des Geistes. Die Schule wird eine Werkstatt, das Amt ein Handwerk. — Wie anders sieht es im Heim des Bruders ans, in das eine geistvolle Hausfrau trat! Sie mußte ja nicht viel gelernt haben, aber sie hat den gesunden Witz der Eltern geerbt und in geistiger Luft die Kinderjahre verlebt. Woran sie zuweilen nur gerade nippen konnte — am Born der Poesie des Volkes, da kann sie nun schlürfen, schlürfen mit ihm, zu dem sie in Verehrung emporblickt. „Und herrschet weise im häuslichen Kreise" — sie, die die Mutter mit dem Wenigen, das der Vater heimbrachte, Haushalten sah, sie, die sich selbst den Aufputz machen mußte, sie, die im Rauch der Küche der Mutter Stütze, in der stillen Dämmerstunde des Vaters Vorleserin war oder im Sonneuglanz als Sonnenkind an seiner Seite durch Busch und Wald streifte. Lehrerehen — Lehrerelend! Welche Welt von Leiden erschließt sich uns bei diesen Worten, die wir noch draußen stehen und nur gerade hinter diesen oder jenen Vorhang verstohlen blicken! Wie muß es erst zuweilen anssehcn, da die ganze Szenerie offen steht! Daneben gibt es aber auch Bühnen des Glückes. Wollt ihr sie bauen, so seht euch nach einer ebenbürtigen Baumeisterin um! Tellheim und Minna, der Wachtmeister und die Wachtmeisterin — Die Einer zu den Einern, die Zehner zu den Zehnern: Nur so wird richtig gerechnet. — Aus dem Ecbreralbum. 8. Fischen, Ingen, Kegelspiel; Instruieren, Hofieren und Schwadronieren; Politik, Dorfkritik, flotter Chik: Alles, alles kann und tut der Mann — der Lehrer in S. — Die Schule hält ihn vier Stunden im Tage seinen „Hauptbeschäftigungen" fern, die lästige Schule. Zwar zwackt er des Morgens ein halbes Ständlein ab — der „gute Alte" gestattet's, muß es wohl gestatten — und ein gutes akademisches Viertel muß auch nach dem Mittagessen gelten; immerhin grämt es ihn jedoch, daß gerade mitten im besten Gaudium die blöde Schulglocke ertönt. Indes das Schulehalten hat auch sein Gutes: Man kann endlich die Zeitung mit Muße lesen und die Korrespondenz erledigen. Für den Inspektor stehen immer ein paar Pa-radepscrdchen gesattelt da; es wird nicht fehlen: Wenn der „Alte" geht, wird R. Oberlehrer... Der Alte ist gegangen, R. hat es schlau verstanden, ihn zu heben; die Stelle wird ausgeschrieben, wird besetzt mit — lt., einem Schulgenossen Rs.------ Leiden des Einklaßlers. (1. Bild.) Vom Schulleiter H. Malloth in Goggau (Kärnten.) In der besten Kraft, Kopf und Herz noch voll jugendlicher Ideale, zieht der neuernannte Lehrer hinauf in das weltverlassene Gebirgsdörfchen oder hinein in den entlegenen Graben an die einklassige Volksschule. Ein trautes Weib, erst vor kurzem erkoren, ist seine Begleiterin. Was er da nun antrifft, ist freilich nicht darnach angetan, sich seinen neuen Posten als Paradies vorzustellen oder es muß eben die Phantasie sehr entwickelt sein. — Das Haus ist schlecht und ungesund, vielleicht ein Überbleibsel aus der Konkordatszeit. Die Schule ist überfüllt; Lehr- und Lernmittel fehlen. Der Schulgarten ist klein, oft ganz verwahrlost. So sieht das Erbe aus, das er von seinem Vorgänger übernimmt. Seinem Weibe, dem die Welt noch ein verschlossenes Buch ist, ergeht es nicht besser. Vergebens sucht sie im Orte den Fleischer, den Bäcker, ja oft vergeblich den Krämer, um die Bedürfnisse des kleinen Haushaltes zu decken. Fast müßte es unter diesen Umständen scheinen, daß den beiden Leutchen die Hoffnung auf ein besseres Erdenlos vergehen und die Arbeitsfreude schwinden müsse. Doch davon kann vorläufig nicht die Rede sein. Je mehr Übelstände zutage treten, desto mehr wachsen Mut und Kraft; denn noch steht die jugendliche Energie in ungebrochener Stärke da. Noch waltet jene eiserne Beharrlichkeit in dem Willen des Mannes, die Berge zu versetzen glaubt. Jedes Übel wird zum Bessern gedeutet. Die überfüllte Schule, so träumt der Mann, wird bald zweiklassig werden, die elende Hütte wird zur Schulvilla entstehen, der winzige Schulgarten wird sich in einen schönen und erträglichen Zier-und Nutzgarten verwandeln. Ja auch dein Vorgänger, der sich vielleicht aus dieser Einöde durch die Flucht gerettet oder den sie an einem stürmischen Wintertage sang- und klanglos unter einen stillen Hügel gebettet haben, hat diesen Traum geträumt. Doch den Nachfolger beirrt das nicht. Unverdrossen in treuer Pflichterfüllung gegen seine Vorgesetzte Behörde, wie gegen seine Schulgemeinde, erfüllt er seine Pflicht und sucht in ruhigem Tempo seine Pläne zu verwirklichen. Allein gar zu balde merkt er die schroffe Klippe, woran seine und des Vorgängers Träume scheiterten, woran unser gesamtes Schulwesen stillesteht: Der Ortsschulrat will weder vom Schulhausbau, von der Klassen- und Gartenerweiterung, noch von der Anschaffung von Lehrmitteln etwas wissen; es fallen die ersten Wermutstropfen in den Tagestrunk des Lehrers. Das Weib, die treue Stütze des Mannes in solcher Einsamkeit, wirkt als Mutter und, um auch leben zu können, als Magd aufopfernd und sich mühend, unverdrossen im Haushalte. Auch sie hat geträumt und gehofft — und fast scheint es, als würden in ihren Schoß noch mehr Enttäuschungen fallen. Ihre Lieblinge erkranken in der feuchten, engbegrenzten Stube. Selbst das Notwendigste für dieselben, die Milch, ist oft nicht aufzutreiben. Ein frisches Gebäck oder Fleisch fehlt gänzlich; denn einen eigenen Boten erschwingt der arme Lehrer nicht, um aus dem entfernteren größeren Orte das Fehlende holen zu lassen. Vor Jahren, mitten im Winter, besuchte ich einen solchen abgelegenen, einklassigen Kollegen; acht Kinder nannte er sein Eigen, und die arme Mutter, so klagte sie mir, mußte in der Vorwoche, da ein anderthalb Meter tiefer Schneefall jeden Zugang abgesperrt hatte, ihre zwei Kleinsten mit Zuckerwasser statt mit Milch nähren. Fürwahr, eine solche Klage spricht das ganze Elend aus! Daß das Weib unter derartigen Umständen gar bald das Vertrauen verliert, zaghaft und mürrisch, ja zuletzt kränklich wird, liegt auf der Hand. Sie, die die einzige Stütze des Mannes sein sollte, beschwert noch dessen Schultern mit dem stillen Vorwurf oder der lauten Klage. Doch trotz aller dieser Widerwärtigkeiten läßt der Mann die Zuversicht nicht sinken; sein Hoffen liegt bei der vorgesetzen Behörde. Sein Gedanke: Durch Jahre habe ich die schönste Zeit meines Lebens in schwerer Arbeit, Entsagung und Einsamkeit verbracht, gibt ihm aufs neue Hoffnung auf Anerkennung und Beförderung. Ob dieser Traum nicht wieder zerrinnen, ein Traum bleiben wird? Es muß anerkannt werden, daß die Vorgesetzte Behörde derartige Kompetenten stets in besondere Berücksichtigung zog und sie durch bessere Posten entlohnte.1 Ob sie das aber auch unter allen Umständen und zu richtiger Zeit tut . . . In jenem Dörfchen dort auf der Bergeshöh’, es liegt so hoch, daß man glaubt, der Lehrer sehe schon zum Himmel hinein, wirkt ein solch einklassiger Lehrer durch viele Jahre in treuer Pflichterfüllung. All die Widerwärtigkeiten, die früher berührt wurden, hat auch er getragen. Er kompetiert und kompetiert, fällt aber regelmäßig durch. Sei es, daß durch die übergroße Schülerzahl oder schon beginnende Kränklichkeit der Unterrichtserfolg sich teilweise mangelhaft erweist oder daß ihm gewisse Vorzüge als Sänger, Vereinsmeier usw. — man sagt, daß dies bei Kompetenzen oft sehr maßgebend sei — infolge seiner Weltabgeschiedenheit abgehen; kurz, er kommt nicht weiter. Schon durchschwirren Dantes Worte „Laß jede Hoffnung sinken“ sein Gehirn und es treten die ersten Zeichen der Berufsunzufriedenheit auf. Die Berufsfreude schwindet von Tag zu Tag, die Taglöhnerarbeit in der Schule beginnt; auf die methodischen Werke legt sich der Staub. Statt Erholung in Gottes freier Natur zu suchen, sich an Nachbarkollegen anzuschließen, geht der Verdrossene ins Wirtshaus; er ist auf die schiefe Bahn geraten. Bierglas und Spielkarten treten in ihre Rechte; die Unzufriedenheit artet in Wirtshauskrakeelerei und häuslichen Zwist aus. Und je häufiger dieser das Schulhaus durchtobt, desto häufiger wiederholt sich der Gang zum Sorgenbrecher. — — — Junge, vielversprechende Naturen sind solcherart auf Abwege geraten. Hier liegt der Schlüssel zum psychologischen Rätsel und wo liegt die Schuld? — Aus diesen Ausführungen spricht ein deutlicher Wink, man lasse jüngere, aufstrebende Lehrpersonen nicht zu lange auf einklassigen Posten. Noch die Frage: Wer taugt an die einklassige Schule? Junge Lehrer am allerwenigsten; denn sowohl methodische Tüchtigkeit, wie ein ausgeprägter Charakter bilden sich erst im Laufe der Jahre in Anlehnung an gute Vorbilder. An der Einklassigen ist der junge Mann ganz auf sich angewiesen; zur geistigen Weiterbildung fehlt ihm infolge der Überbürdung die Lust sowie Anregung und zur Charakterbildung die Gesellschaft. An die einklassige Schule gehören Männer, in der Vollkraft des Lebens stehend, tüchtig methodisch und allseitig gebildet, ausgeprägte Charaktere. Nur ein solcher Mann wird imstande sein, die Schwierigkeiten der Einklassigen zu bewältigen und den in so einsamen Winkeln lauernden Gefahren zu entgehen. Jede Arbeit ist aber auch ihres Lohnes wert. Was ein Lehrer an der Einklassigen leisten, entbehren und dulden muß, wurde klar gezeigt; daß er in dem verlassenen Orte unter erschwerten Lebensbedingungen viel teurer lebt, sieht jedermann ein, denn die vielgerühmte ländliche Lebensweise ist bloß eine Idylle auf Papier. In kleinen Orten haben die Bewohner infolge der kümmerlichen Ertragsfähigkeit des Bodens 1 In Kärnten geht man diesbezüglich gerecht vor. Der „Einklassige" steht bei der Bewerbung um Oberlehrerposten in der Regel voran und rückt auch im Gehalte rasch vor oder hat zunächst das Anrecht auf den ziemlich beträchtlichen Dispositionsfond in Kärnten! D. Sch. meistens selbst nicht viel. Wenn bei Gehaltsaufbesserungen die Lehrer einklassiger Schulen besonders bedacht werden, so wird damit nur ein Gebot der Gerechtigkeit erfüllt. Es möge daher die Forderung der Lehrer einklassiger Schulen, diese durch eine entsprechende Personalzulage für ihre erhöhte Leistung, wie erschwerte Lebensweise zu entschädigen, an maßgebender Seite gehörig gewürdigt und anerkannt werden. „Dem Verdienste die — Kronen!“ Man sollte dieses Leitwort der „Blätter“ von Folge 9 den Mächtigen unter das Kopfkissen legen. SpracbtmricbtigReittn. Das ü ortet teuer! Ungeheuer! Was kostet Ihr Hut? (Zehn Kronen.) Das ist viel. Der Hut kostet also viel. — Was kostet Ihr Hut? (Vier Kronen.) Das ist wenig. Der Hut kostet wenig oder nicht viel. Wie ist der Hut des A.? (Teuer.) Wie ist jener des B.? (Billig.) — Da haben wir's: Das Wort „kosten" zielt auf die Zahlgröße entweder im besonderen oder im allgemeinen; „teuer" gibt die Eigenschaft an und diese verknüpft sich mit dem Gegenstände mittelst des Hilfszeitwortes „ist". Demnach zur Merke: Das kostet viel. Das ist teuer. — Die 3. Frage. Ungeteilte einßkasrtge Uolksschnke oder Halbtags schule! (Abschließende Berichte.) Der leider zu früh dahingeschiedene Oberlehrer Kranz Kraßnig in Pontafel hat die H. an empfindlichen Seiten gefaßt. Vor allem betrifft das die vermehrte Arbeitsleistung des Lehrers an Zeit und mit Rücksicht darauf, daß er in der H. des Tags zweimal in den Haupt-gegenständen schaffen muß. Vormittag ein abgeschlossener Unterrichtskurs, nachmittag ein zweiter; vormittags Rechnen, nachmittags Rechnen usw. In der „Ungeteilten" wird von 9 bis 12 fest angezogen; dafür gibt es nach dem Essen Zeichnen, Schreiben, Abschreiben, Singen u. bergt. Damit zersplittern wir aber auch Herrn Kraßnig eine Lanze; denn wird nur der Vormittag so recht ernst genommen und am Nachmittage Siesta gehalten, so sieht es mit dem Erfolge nicht besser aus, als wenn ich die Halste der Schüler beit halben Tag für sich tüchtig einspanne und sie den anderen halben Tag daheim lasse. Man muß bedenken, daß die Hälfte von direktem Unterrichte, die ihnen auf diese Weise mehr zufällt, ungleich mehr gilt, als die Hälfte von indirektem, den sie in der „Ungeteilten" erhalten. Sv steht es mit dem Erfolge. — Wie gestaltet sich die Müheleistung? Wer vormittags mit drei und mehr Abteilungen drei und mehr Stunden gearbeitet hat, ist sicherlich müde und wir halten ihm die zwei Kanapeestündchen am Nachmittage zugute. Wer jedoch vor der Mittagspause drei Stunden mit zwei Abteilungen in Ruhe gewechselt hat, wobei er ab und zu auch ein paar Minuten der Refft für sich in Anspruch nehmen durfte, ohne daß die Maschine stockte, der kann mit derselben Ruhe nach der Mittagspause den Schultag en miniature abwickeln. Ruhe, Ruhe! Das ist die Signatur der einfachen Arbeit und die Losung für unsere hastende, aufgeregte Zeit. Dieses Zappeln und Hinundhergerissenwerden im komplizierten Apparate der ungeteilten einklassigen Volksschule bringt viele Genossen ins Grab, hat leider auch den geistvollen Kraßnig in bester Schaffenskraft zur ewigen Ruhe gebettet. Non multa, sed multum! Der vielgebrauchte Mahnruf sollte auch jene bekehren, die im Übereifer mehr bieten wollen, als sie können. Mnu mißverstehe mich nicht! Dies alles gilt nur im allgemeinen und fürs Allgemeine. — Herr Kraßnig befürchtet auch, daß die freie Zeit die Schüler dein Nichtstun zuführe. Da müssen wieder die Sonderverhältnisse in Rücksicht gezogen werden. Im allgemeinen gibt es reichlich Arbeit für die Großen, reichlich unschuldige Spiele für die Kleinen. Das erstere fordert die Zeit, das letztere sollen wir den Glücklichen gönnen. Ich muß bei dieser Gelegenheit noch eine falsche Meinung vorweg zunichte machen:, Wenn ich die Halbtagsschule in den Mittelpunkt unserer Betrachtung stelle und auf sic alles projiziere, was als Strahlenkranz aus allen Teilen des Reiches hereinschoß, so will ich damit nicht im vorhinein mit Zwang alles herbeiziehen, was für sie spricht, und jede gegen sie gekehrte Spitze abbrechen oder abfeilen, sondern ich folge lediglich der Einsicht, daß eine von den beiden Einrichtungen der Erörterung zur Grundlage dienen muß, um „Für" und „Wider" zu verteilen, um Einheitlichkeit in die Besprechung zu bringen und die Schlußfolgerungen klar zu führen. Wenn da und dort Sympathie durchschimmert, so ist sie nicht unberechtigt; man muß, wenn man ein Ding dem Mantel der Voreingenommenheit entwindet, es deswegen nicht sogleich ans Herz drücken. Und Voreingenommenheit ist beim Kapitel „Halbtagsschulc" vielfach im Spiele n. zw. zum Schaden der Schule und der Lehrerschaft. — „Wohltätig ist des Feuers Macht..." Die tUecbselrcde. Zur 5. Aragc. (Soll das 3. Schuljahr zur Mittel- oder Unterstufe gerechnet werden?) 12. Urteil. Ein Einklaßler in Nordmähren: „Eines schickt sich nicht für alle.“ Dieses Sprichwort dürfte sich auch in Bezug auf die Zuteilung des 3. Schuljahres zur Unter- oder Mittelstufe bewahrheiten. Es sei mir gestattet, mit Bezug hierauf die Verhältnisse der einklassig-geteilten Volksschule, wie sie hier bestehen, darzulegen. Nach den bestehenden Lehrplänen ist bei dieser Schul-kategorie der Untergruppe das 1. Schuljahr als erste, das 2. und 3. Schuljahr als zweite Abteilung, der Obergruppe, das 4. und 5. Schuljahr als erste und das 6., 7. und 8. Schuljahr als zweite Abteilung zugewiesen. Meiner Meinung nach ist diese Verteilung entsprechend und glaube ich, daß an der einklassig-geteilten Volksschule das 3. Schuljahr in die Untergruppe, bezw. Unterstufe gehört. Gründe, u. zw. a) Gründe, welche außerhalb der Schule liegen: Die einklassigen Schulen befinden sich nur in kleinen Orten, und je kleiner der Ort desto weniger gebildet ist gewöhnlich die Bevölkerung, denn der Umgang mit anderen Personen ist beschränkter, die verschiedenen Vorkommnisse entbehren der Mannigfaltigkeit und die Bevölkerung, welche aus ihren kleinen Verhältnissen selten herauskommt, weiß den Wert der Bildung nicht so zu schätzen. Aus diesem Grunde und weil sie meist von früh bis abends um das tägliche Brot ringen muß, gibt sie sich weniger mit ihren Kindern ab, so daß dieselben geistig nicht so entwickelt zur Schule kommen wie in größeren Orten. Es kommt oft vor, daß die kleinen Abc-Schützen nicht bis 5 zählen können. Es ist daher eine längere Zeit notwendig, um sie so weit zu bringen, daß sie dem Unterrichte auf der Mittelstufe mit Verständnis folgen können. b) Gründe, welche in der Schulorganisation liegen: Wohl ein mehr nebensächlicher Grund wäre der große Kontrast bezüglich der Schülerzahl der Unter- und Obergruppe. Würde nämlich das 3. Schuljahr der ersten Abteilung der Obergruppe zugewiesen, so befänden sich, wenn man vom 8. Schuljahr, welches hier während des Sommers vom Schulbesuche befreit ist, auch absieht, in der Untergruppe nur 2/7, in der Obergruppe dagegen B/7 sämtlicher Kinder. Wie steht es nun bezüglich der einzelnen Unterrichtsgegenstände ? Vom Schreiben, Zeichnen, Singen und Turnen will ich ganz absehen und auch die Verhältnisse bezüglich Erd- und Naturkunde nur kurz berühren. Die Mittelstufe hat dem bestehenden Lehrpläne nach aus Erdkunde unter anderen auch Mähren und Österreich zu bewältigen. Würde das 3. Schuljahr unter den angegebenen Verhältnissen diesem Unterrichte mit Verständnis folgen können? Ich glaube nicht. Ebenso dürfte es sich beim naturkundlichen Unterrichte verhalten. Mit Bezug auf den Sprachunterricht wäre eine Zuteilung des 3. Schuljahres zur Mittelstufe noch eher möglich, wenn man in der Sprachlehre mehr auf richtige Anwendung als auf Sprachregeln sieht. Mir wenigstens scheint cs viel wichtiger zu sein, daß die Kinder die einzelnen Fälle des Hauptwortes richtig anwenden, als daß sie wissen, zu welcher Biegung das betreffende Hauptwort gehört; oder daß sie sagen „sang“ und nicht „singte“, wie es häufig vorkommt, als daß sie wissen, daß das Zeitwort „singen“ zur starken Abwandlung gehört. Wie steht es nun mit dem wohl zu den wichtigsten Unterrichtszweigen gehörenden Rechenunterrichte? Auch Herr Kollege Fohl meint in Folge 10 dieser Blätter, daß sich beim Rechenunterrichte am ehesten Bedenken einstellen, das 3. Schuljahr zur Mittelstufe zu ziehen. Um nun gründlich nachweisen zu können, daß bei diesem Gegenstände eine Zuziehung des 3. Schuljahres zur Obergruppe erste Abteilung geradezu unmöglich ist, sei mir gestattet, denselben ausführlich zu behandeln und klarzulegen, wie ich es mit diesem wichtigen Gegenstände an meiner Schule halte. Ich gehe bei jedem Gegenstände und insbesondere beim Rechnen von dem Grundsätze aus, daß der Unterricht praktisch sein soll und daß die Volksschule hauptsächlich jene Kenntnisse zu vermitteln habe, welche der erwachsene Mensch im Leben braucht. Deshalb nehme ich mit der zweiten Abteilung der Obergruppe Flächen- und Körperberechnungen, Zins-, Haushaltungs-, landwirtschaftliche und gewerbliche Rechnungen einschließlich der Kranken- und Unfallversicherungsberechnungen. Um diesen Stoff bei 2/s wöchentlichen Unterrichtsstunden und Verteilung auf zwei Jahreskurse nur halbwegs bewältigen zu können, ist es notwendig, daß die Schüler der ersten Abteilung der Obergruppe (Mittelstufe) sämtliche Rechnungsoperationen mit Ganzen und Dezimalzahlen inne haben. Um nun in dieser Abteilung das Ziel erreichen und auch die so notwendigen Schlußrechnungen in 3/s wöchentlichen Unterrichtsstunden berücksichtigen zu können, müssen die Schüler, welche in diese Abteilung aufsteigen, das Vervielfachen, Messen und Teilen im Zahlenraume bis 100 gründlich können. Dazu gehört aber meiner Meinung nach mehr als ein Jahr bei wöchentlich 3/s Stunden direktem Unterrichte. Um die Schüler so weit zu bringen, nehme ich im 1. Schuljahre entgegen dem Lehrpläne bloß Zu- und Wegzählen, aber im Zahlenraume bis 20. Das Vervielfachen, Messen und Teilen verursacht in diesem Schuljahre dem Lehrer und den Schülern große Mühe und die Erfolge stehen zu derselben in gar keinem Verhältnisse, während die Schüler des 2. Schuljahres dasselbe sozusagen spielend lernen, um so mehr da das Zu- und Wegzählen im Zahlenraume bis 100 dann viel weniger Zeit beansprucht, wenn es im Zahlenraume bis 20 gründlich geübt wurde. Vom 2. Schuljahre verlange ich dann Kenntnis des Vervielfachens wenigstens der Reihe nach und Messen und Teilen nur so weit, daß der Quozient höchstens 10 beträgt, während das 3. Schuljahr das Vervielfachen sprungweise können und auch größere Zahlen unter Zerlegung messen und teilen muß. Aus diesen Gründen und hauptsächlich wegen Erreichung des Lehrzieles im Rechnen bin ich bei der einklassig-geteilten Volksschule für die Belassung des 3. Schuljahres bei der Untergruppe zweite Abteilung. Zur (i. Krage. (Welche Stoffmassen jKapitelj sollen aus dem jetzt bestehenden Lehrpläne ausgeschieden oder zngcschnitten werden.) 7. Urteil. Lehrer K. Weinbauer in Traun, O. Ö.: Was unsere Lehrpläne betrifft, so kann hier, — weil sie eben zu verschiedenartig sind — wohl nur allgemein darüber gesprochen werden. Aber es soll und muß in den „Bl.“ darüber gesprochen werden, denn so viel steht fest, daß sie sehr verbesserungsbedürftig sind. Es muß einen nur Wunder nehmen, daß die Schulbehörden mit solch veraltetem Zeug, wie es unsere Lehrpläne sind, nicht schon längst aufgeräumt haben und dies um so mehr, als es gar kein Geld kostet und die Arbeit ja hiebei die Lehrer selbst mit Vergnügen besorgen würden. — Ich möchte vor allem die Realienlehrpläne verbessert wissen. Wenn man einen Lehrplan für Realien durchgeht und im Verlaufe eines Schuljahres mit den Kindern durcharbeitet, so kommt man auf das Unglaublichste. Das Unnötigste ist aufgenommen worden, um dem Zweckmäßigen den Platz zu rauben. - Auf das Rechnen übergehend, sei es mir gestattet, die Frage an der Hand der Beantwortung durch Herrn Schulleiter Franz Jakober in Nr. 7 zu beleuchten. Mit dessen Ausführungen bin ich nämlich nicht ganz einverstanden. Das systematische Bruchrechnen aus dem Lehrpläne der Volksschule auszuschalten, wäre nach meiner Ansicht zu weit gegangen. Der größte Teil des Volkes ist auf die Volksschule angewiesen; darum soll diese dem Volke auch so viel als möglich, aber nicht so wenig als möglich bieten. Und dann bietet ja das Bruchrechnen, in der Unter-und Mittelstufe gehörig vorbereitet, überhaupt keine Schwierigkeiten mehr. Über das Rechnen mit mehrnamigen Zahlen brauchen wir uns auch nicht aufzuregen, denn das geht ja ohnehin in den meisten Fällen in ein Rechnen mit Dezimalen über. Aber dieses Überleiten in eine Dezimalrechnung muß eben auch der Mensch können, der nur eine Volksschule besucht hat, weil er sich sonst oft tatsächlich im praktischen Leben nicht zu helfen weiß. Dividieren mit Stellenwertbestimmung ist sehr wichtig, ja noch mehr: ich kann mir ein das Denken anregendes Dividieren ohne Stellenwertbestimmung überhaupt nicht vorstellen. Anderenfalls würden wir ja wieder zum pursten Mechanismus zurückkehren, die reinsten Schablonenmenschen erziehen! Einer gründlichen Verbesserung bedarf auch der Unterricht in der Mutter spräche, denn hier erzielen wir, weil naturgemäß die größten Hindernisse walten, leider die geringsten Erfolge. Wieviele können sich denn beim Austritte aus der Schule oder gar ein Jahr später nur halbwegs mündlich oder schriftlich fehlerlos ausdrücken, wieviele können denn wirklich lesen, wieviele richtig schreiben, wieviele sind, die keine Angst vor einer Postkarte haben? usw. Also da täte Abhilfe wirklich not. Aber ich glaube, daß das, soweit es die Einzelbestimmungen betrifft, Sache der einzelnen Länder ist und bleiben wird. Von der Landesschulbehörde eigens zu diesem Zwecke einberufene Lehrerkonferenzen hätten sich damit zu befassen, u. zw. so bald als möglich!1 — Hiebei wäre dann auch die Bücherfrage in der Volksschule aufzurollen. 8. Urteil. Oberlehrer Georg Erker aus Mitterdorf bei Gottschee: Unser Lehrplan enthält solche Forderungen, daß ihnen der fleißigste Lehrer auch beim besten Schulbesuche nicht leicht gerecht werden kann. Will der Lehrer aber trotzdem alles Vorgeschriebene erreichen, so muß er rasch vorwärts schreiten. Wo bleibt aber dann die Gründlichkeit? Der Lehrstoff kann wohl durchgenommen, aber nicht genug geübt, wiederholt werden, da es an der notwendigen Zeit fehlt. Deswegen bleibt nichts anderes übrig, als einige Kapitel in dem Lehrpläne zu streichen oder zuzuschneiden. Aus dem Rechnen wäre auszuscheiden: 1. Das Aufsuchen des größten gemeinschaftlichen Maßes. — 2. Das Zerlegen in Primfaktoren. — 3. Das Verwandeln der Dezimalbrüche (periodischen Dezimalbrüche) in gemeine Brüche. 4. Das zu weitläufige Rechnen mit den gemeinen Brüchen. — 5. Die Berechnung des Kreisausschnittes, des Pyramidenstumpfes und des Kegelstutzes. — 6. Zugeschnitten sollte werden das Rechnen mit mehrnamigen Zahlen. Dann kommt in unseren Rechenbüchern zu viel Unpraktisches vor, was man im späteren Leben gar nicht braucht. Also mehr Praktisches! — Aus der Sprachlehre wäre auszuscheiden: 1. Die Einteilung der Hauptwörter in Stoff-, Gattungs-, Begriffs-und Sammelnamen. — 2. Die persönlichen, unpersönlichen, rückbezüglichen, wechselbezüglichen, bezüglichen und unbezüglichen Zeitwörter. - 3. Die Einteilung des mehrfachen Satzes, als zusammengesetzter und zusammengezogener, ferner die Einteilung der Nebensätze. Besonders und vielseitig zu behandeln wären die Geschäftsaufsätze als: Quittungen, Gesuche, Rechnungen, Zeugnisse, Schuldscheine und Ähnliches, sind ja viele Schüler nicht einmal imstande, eine einfache Quittung aufzustellen. — Vorgenanntes wäre also im Lehrpläne zu streichen oder zuzuschneiden. Aber diese Vorschläge sind schon seit langem ein frommer Wunsch der Lehrerschaft, den die maßgebenden Personen zu wenig berücksichtigen.3 9. Urteil. K. k. Oberlehrer K. F. Emmer in Abbazia. Der Frage 6 habe ich ganz besonderes Interesse entgegengebracht und von einer Nummer d. Bl. zur anderen war ich gespannt auf die Äußerungen der Kollegen; leider liefen bis jetzt nur sehr wenige ein, so daß ich fast glaube, man weicht der Frage ein wenig aus. In der Form — „Was kann aus dem bestehenden Lehrpläne ausgeschieden werden“ - kann die Frage eigentlich nicht ausreichend beantwortet werden; unbedingt verlangt sie einen notwendigen Zusatz, nämlich, — „und was soll in dieselben neu aufgenommen werden“.3 Insbesondere berührt diese Frage die Landschulen, die bei überfüllten Klassen, schlechten Schuleinrichtungcn und schlechten Schulverhältnissen überhaupt, mit dem bestehenden Lehrpläne stets auf Kriegsfuß leben müssen. Doch läßt sich eine solche Schule nicht besser machen, wenn ich auch dem Lehrpläne mit dem „wegstreichenden Bleistifte“ an den Leib rücke. Könnten wir so unsere Schulen verbessern, wäre es freilich schnell und leicht getan; es wäre aber ein verfehltes und gefährliches Unternehmen und wir würden gerade das Gegenteil von dem erreichen, was wir anstreben. Unser ganzes Bestreben geht doch dahin, die Schule zu verbessern und weiter auszugestalten; Schritthalten wollen wir mit dem Fortschritte und dem Zeitgeiste und auch der entfernteste Gebirgswinkel soll dabei nicht vergessen werden. Damit will ich sagen, daß wohl der Lehrplan reformbedürftig ist, daß er erweitert und ergänzt werden muß, nicht aber bloß einer Operation mittelst des Bleistiftes bedarf. Allerdings gebe ich zu, daß die detaillierten Lehrpläne, insbesondere die Wochenlehrpläne zu weit gehen — und dem 1 Richtig! Die Lehrerschaft weiß am besten, was das Volk braucht, was das Kind verdauen kann und was in den Bereich der gründlichen Bewältigung fällt. D. Sch. 2 Warum? Weil der Wunsch immer nur vereinzelt kam und sich nicht mit entsprechender Sachlichkeit rüstete. Daß unser gemeinsames Vorgehen, mit dem wir die schwebende Frage allseitig beleuchten, zum Erfolge führen wird, ist zweifellos. D. Sch. 3 Für das Aufnehmen sind die Herren am grünen Tische gleich zu haben; wenn wir sie nur einmal für das Zustutzeu gewonnen hätten! Übrigens, vielleicht kriegen wir sie leichter herum, wenn wir für den Abfall auch sogleich etwas Neues bieten. In diesem Sinne stimme ich dem Herrn Kollegen Emmer zu. P. Lehrer jeder Freiheit bei der Wahl des Stoffes berauben, allerdings nur scheinbar, denn schließlich und endlich kommt es ja doch noch auf die Auslegung und Auffassung des geschriebenen Wortes an. Mein letzter Satz soll mit einigen Beispielen näher beleuchtet werden. Der Lehrplan schreibt z. B. die Biegungsarten des Hauptwortes vor. Früher hat der Lehrer in Hauptwörtern die Regel erklärt und schließlich die Regel selbst gegeben. Die Regel war die Hauptsache und wehe dem Schüler, der nicht hersagen konnte, daß zur starken Biegung jene Hauptwörter gehören, welche . . . Heute behandeln wir auch die Biegungsarten des Hauptwortes, genau wie es der Lehrplan vorschreibt; natürlich von einer Regel sagen wir nichts, wir zeigen vielmehr die Änderungen in den verschiedensten Formen, zwingen unsere Schüler, ähnliche Wörter aufzusuchen und umzubilden und lassen endlich diese Wörter mündlich und schriftlich richtig gebrauchen. Damit habe ich doch auch dem Lehrpläne vollkommen genüge geleistet. Zu den gefurchtesten Kapiteln des Rechenunterrichtes gehört das Bruchrechnen. In der letzten Nummer d. Bl. schrieb Obi. H. in W., welche Qual dem Lehrer die Erklärung des Verwandelns der Dezimalbrüche in gemeine Brüche verursache. Es ist in der Tat so; aber deshalb braucht das Bruchrechnen noch lange nicht aus dem Lehrpläne gestrichen zu werden. Nur der Lehrer ganz allein macht sich und seinen Schülern die Qual, wenn er das praktische Rechnen vergißt und dafür mit Brüchen ins Feld zieht, daß einem die Haare zu Berge stehen. Die Rechenbücher enthalten allerdings solche Kapitalskerle wie usw. Wer wird sich aber mit derartigen Brüchen plagen? Hier muß der Lehrer eben den Gescheiteren spielen und solche Aufgaben, wenn er sie schon rechnen muß, mit praktischen Zahlen brauchbar machen. Geschieht das aber nicht, so hat der Lehrer ■die Schuld, nicht aber der Lehrplan, denn der schreibt nur einfache Bruchrechnungen vor, so wie sie im Verkehre Vorkommen. Nach meiner Überzeugung enthält der Lehrplan nichts, was nicht wissenswert wäre. Zum Schlüsse lenke ich die Leser noch auf die Notwendigkeit wirklich praktischer Lese-und Rechenbücher, da die jetzt eingeführten weder dem Lehrpläne noch den Anforderungen der heutigen Schule entsprechen. Zur 7. Krage. (Inwieweit kann das Helferwesen im Abteilungsunterrichte Geltung haben?) 3. Urteil. Lehrer K. Weinbauer in Traun, O. Ö.: Aus dem Helferwesen möchte ich nicht so viel Wesens machen. Wer will, soll’s versuchen. Paßt es ihm, wird er es behalten, wenn nicht, wird er es fallen lassen. In manchen Fällen werden sich ja gutbefähigte Schüler zur Hilfeleistung beim Unterrichte heranziehen lassen. Aber hier Normen aufzustellen, würde ich nicht gutheißen, außer die eine: — nicht zu ausgedehnt anwenden! Landschule und Leben. ii. MorVemerKung: Tie Fotsetzung hat lange auf sich warten lassen; sie vertrug es, beim die abgerissenen Gedanken halt nicht die strenge Folge. Damit jedoch der Anschluß hergestellt werde, bringe ich in Erinnerung, daß von den bei der Bezirkslehrerkonferenz in Mitterdorf bei Gottschee von mir gegebenen Anregungen hier bereits zwei mitgeteilt worden sind: 1.) Über die Fürsorge für austretende Schüler, — 2.) Geistige Kost für das Volk! — Bon den zwanzig Punkten, die im Vorrat sind, kann heute nur einer Platz finden. 3.) Das Gesetz a) — des Schülers Rüstung. Es wächst uns dem Besonderen durch die Abstraktion empor und wirkt mit der geistigen Kraft, die es schuf, auf das Besondere zurück. Das Gesetz hält die Stvffmasseu im Unterricht zusammen, es kittet im Leben die Volksmassen zur Einheit. Ist aus den konkreten Fällen, aus den Beispielen die Regel geschaffen worden, dann muß sie in jedem Falle Geltung haben. Die gesunde Norm schafft sich die Achtung selbst, wenn sie in ihrer Entstehung erkannt und gewürdigt worden ist; darum geht ja der Lehrer den induktiven Weg nach der Schnur des begründenden, des entwickelnden Verfahrens. Nicht anders soll er's machen, wenn er das Gesetz der Schulordnung ins Auge faßt; der Schüler soll erkennend gehorchen, sobald er die geistige Reife besitzt, in die Erkenntnis zu dringen. Das Kleinste, was die Schule als Gebot oder Verbot hinstellt, soll sich wenigstens insoferne parlamentarisch entwickeln, als der Gehorchende zum Gebote geführt wird. Daß die Kappe immer auf dem bestimmten Nagel hängen soll, daß niemand zu spät kommen darf, daß man die Schuhe reinigen muß: Dies und manches andere wird auch der Abc-Schütze begreifen. Sache des Lehrers ist es nun, das geschaffene Gesetz festzuhalten; denn nur dann rechtfertigt er auch den Namen, der seinen Schülern beigelegt wird, — sie seien „kleine Staatsbürger". „Die Schule ein Staat im kleinen!" Vor diesem Satze erschrak einst ein Prüfniigskandidat. Wie nahe liegt die Deutung! — Es ist eines bedauerlich: Die Lehrer schaffen für die Schüler zuweilen Gesetze und halten sie dann nicht ein. Solche Inkonsequenz zeitigt schlechte Früchte, schlechte Staatsbürger. Die Schuld liegt oft darin, daß das Gesetz wegen Mangels an reiflicher Vorbereitung flüchtig hingeworfen und in seinen Schwächen erst dann erkannt wird, da es bereits zu wirken begonnen. Damit derlei nicht vvrkomme, ist es jedenfalls am besten, es greifen alle Lehrer des Bezirkes zusammen und schaffen sich für ihre Verhältnisse eine „Schulordnung", die, sofern sie allgemein gilt, auch den Vorteil hat, den verschiedenen Schulen dasselbe Gepräge anfzudriicken. Wandert sodann ein Schüler von M. nach N., so kommt er nicht in neue Verhältnisse, guckt ein schmähsüchtig' Bäuerlein in diese und dann in jene Schule, so sieht es überall dasselbe und findet nicht Stoff zur Kritik. Sv wollen wir denn daran gehen, eine Schulordnung festznlegen, die unsere Schulen einigt und auch uns zusammenhält! b) des Lehrers Waffe. (Es mangelt leider an Raum; darum ein andermal darüber!) Briefkasten. Die Jahreswende hat ei» paar kleine Veränderungen gebracht: 1.) (Sin neuer Kopf ist über unsere Erörterungen gesetzt morden, aber kein neuer Geist. Der alte Titel war wirklich zu lang. Wenn ich mit jemandem über unsere „Blätter" sprach, so sagte jeder: Die „Blätter für Abteilungsunterricht" und die „Förderung" wurde verschluckt; sie liegt ja schließlich schon im „für". Auch war es nicht gut, daß das wichtigste Wort „Abteilungsunterricht" im 2. Falle erschien. Nach dieser Erklärung glaube ich mir für die Kürzung die Stimme aller erworben zu haben. — 2.) Das Leitwort rückt in die rechte Ecke, auf den rechten Platz. Es soll ein Weckruf sein und daher gut hervortreten; man hat es zuvor vielleicht zum Kopf gerechnet und dabei übersehen. — 3.) Die „Urteile" kommen reichlich; sie erscheinen darum in Kleindruck, aber streng nach Fragen geordnet, auf daß man sie leicht überblicke. — (Mir. S. in 2.1.: Ob nun Ihr Urteil sein zugedrechselt ist oder nicht — das ist gleichgültig; Hauptsache bleibt der Inhalt. Dieses „Trau-michnicht" ist schuld daran, daß die Landschule bisher zit wenig beachtet wurde; die „pädagogischen Schriftsteller" kannten sie nicht, die Landlehrer brachten sic nicht ans Licht. Nur heraus mit den Schätzen! Wenn Sic wollen, so werde ich sie putzen. —