Lmbacher Ieiwng. ^M R3s>. Dounerstag nm 5. Qctober »848. Hcr;ogthum Snnn. Hai bach, a,n 4. October. Unser als stabil gewonnener EorrespDtident aus Wien ^) berichtet uns nachstehende Novitäten aus der Nesidel'z- Wien, Sonnabend den 30. September 1848 Die gestrige Nummer des hiesigen Tagsblattes „die Konstitution" wurde vomStaatsanwalte eines Artikels wegen consiscirt, welcher über den an Lichnowsky und Ancrswald verübten Todtschlag handelt. Der Verfasser, Herr Ni ed erh u bc r, glaubt, wenn er auch diesen Vorfall bedauern müsse, doch daß, wcnn der Monarch ein Recht zur Tödtuna, eines Menschen besitze, dieses jedenfalls auch einem Volke nicht abge-sprochcn werden könne, wenn es seine Wissen gegen Männer richtet, die ihm stets entschiedene Feinde ge. Wesen und welche die deutsche Ehre mit dem Stämpel der Feigheit brandmarkte."!. Der Aufsatz schließt mit den vom Staatsanwaltc für als frevelhaft bezeichne.-ten Worten: »Wo bleibt denn die Erinnerung an Spandau, Epiclbevg, Munkacz? Wo bleibt denn das bejammcrnswctthe Schicksal der Männer, die als Opfer dcs Absolutismus gefallen? Wir erinnern an Jordan, an Silvio Pellico, wir erinnern an die fünfhundert durch sirbenzchn Jahre in der Festung Szcgedin wegen Veidachtcs der Neigung zu gcfetz. widrigen Handlungen eingekerkerten Italiener? Wo bleibt die Erinnerung an das Gemetzel zu Berlin in der Märznacht? Denkt ihr nicht mehr an den Ehur-si'irsten von Kassel und seine blutgierigen c,'nill,ll.> unttr kcm Titel „W i c. er lä orr,spo„ d»n z« u»s.'rn ^'snn das Ät< u c st e aus «>,en vvliusuhisn Oc!rg,»h befindet sich mit der Avantgarde seiner Armee nin noch 3 Stunden von Ofen und macht bedrohliche ScitenbcwlMngen, aus denen zu entnehmen ist, daß er über die Donau setzen und dann geraden We. ges nach Prsth marschiren will. Der ganze Felozugs-plan scheint in tiefes Dunkel gehüllt. Die Erwartungen, daß es zwischen Wesprim und Stuhlweißenburg zu einer Schlacht kommen werde, scheinen nicht in Erfüllung gehen zu wollen. Ie llaöi« vermeidet nicht ohne Urfache eine offene Feldschlacht, deren Aus.-gang sür ihn in der jetzigen Situation gewiß vernichtend seyn würde. Anders verhält es sich, wenn er glücklich über die Donau gelangt. Die Ungarn scheinen in ihre Kräfte kein Vertrauen zu haben, sonst könnten sie mit einem Angriffe nicht mehr länger zögern. Feldmaischall Baron Piret wurde seiner Stelle als commandircnder General im Banale enthoben und als Commandant der 2. Reservearmee nach Italien übersetzt, wohin er auch bereits abgegangen ist. /?a die Ordner des Reichstages den Journalisten wieder einen anständigen Eingang in ihre Logen ! angewiesen haben, womit letztere einverstanden sind, !so können wir in unseren Blättern die Rcichstagsbe-j richte wieder lesen. In Venedig sind neuerlich vier Dampsboote mit 4000 französischen Soldaten an Bord angekommen. __ Am 18. September fand zwischen dem Feldmar. schall Radctzky und der Prinzessin Belgiujoso eine Zusammenkunft Statt, welche aber keinen poli. tischen Charakter hatte, und welcher nur die Neugierde der Prinzessin zu Gnmde lag. Dieselbe wurde von Radetzky in guter Freundschaft empfangen und schied nach Besichtigung der österreichischen Truppen wieder von jenem Manne , aus dessen Haupt sie vor einigen Monaten den Preis von 20.000 Scudi gesetzt hatte. — Die Kriegsrüstunqen des Sarden-königs dauern fort und ein neuer Krieg ist wohl unvermeidlich. Aus den Stationen der Nordbahn Lundenburg und Gänscrndors sind bedeutende Truppcnmasjen con-centrirt, die unter dem Vorwandc dcr Deckung der Gränze gegen Ungarn täglich verstärkt werden. In der Umgebung von Ried sollen die Bauern, über die Einquartirungen erbittert, das Militär aus ihren Häusern vertrieben haben, welches hierauf zu campiren gezwungen war. Einer an den Kriegsminister abgegangenen Deputation soll derselbe über die Frage: warum in Wien so viel Militär zusammen gezogen werde, geantwortet haben, es werde noch mehr kommen. Das Militär-Platzcommando hat den Austrag ertheilt, daß dcr Stadtgraben von den daselbst durch Private depositirtcn Holzquantitäten ll. dgl. sogleich geräumt werden soll. Von einem Thore der Stadt zum andern werden Telegraphen. Linien errichtet. Diese Umstände, so wie andere in den letzten Tagen angeordnete Maßregeln und betriebene Rüstungen haben wesentlich zur Verbreitung des Gerüchtes beigetragen, man wolle die Stadt Wien bei dem nur im Mindesten vorkommenden Anlasse in Belagerungszustand erklären. Es geschehen auch deßhalb schon in vielen Privathäuscrn Einkäufe verschiedener Lebens-mittel, um sür eine so bedrängte Zeit gesichert zu seyn. Leider! ist diese Besorgniß nicht ganz ungegründct. Eine künstlich erzeugte Spannung und Aufregung im 8'vlke, welche nur die um ihr eigenes Wohl unermüdct besorgte Eamarilla durch die Aristocratic hervorgerufen hat, scheint den baldigen Ausbruch bereits unvermeidlich gemacht zu haben. Eine andere Gestaltung der Dinge scheint beinahe nicht mehr möglich. Morgen Nachmittag 3 Ul,r wird der dcmocrati-sche Verein im Ooeon eine Versammlung abhalten, wobei sich die Mitglieder aller hiesigen liberalen Vereine cinfiiiden, S» eben verbreiten sich hier nachstehende Gerüchte: Erzherzog Stephan soll zum Statthalter in Böhmen ernannt worden seyn (?); — zwischen den Ungarn und Croaten soll es gestern zu einer Schlacht gekommen seyn, in welcher die letzteren Sieger blie, ben. — H eckcr soll in der Nähe von Etraßburg über den Nhein gegangen seyn mit 4000 Mann und Geschütz. Die dem Fürsten Met tern ich gehörige Herr» schast Königswatt in Böhmen wurde eingezogen und als Staatsgut erklärt. Die Beamten werden in die Reihe der Staatsbeamten gestellt. Jene Licitationcn, welche hicr bei Staatsdedürf-nissen derart abgehalten wurden, daß nur Eapitali-sten die Lieferungen erstehen konnte», sind auf die Zeit des Nothstandes eingestellt. Das Ministerium wird Sorge tragen, daß derlei Arbeiten und Lieferungen dem minder bemittelten Gewerbsl und Handelsmanne zu Theil werden. Die gestern mitgetheilten Grundrechte werden mit wenigen Ausnahmen beifällig ausgenommen. Die Katzenmusiken nehmen hier gar kein Ende und treten auch unter Tags ein. Gestern wurde ein als ehemaliger Polizeispion bekannter Mensch von dem auf der Aula versammelten Volke seiner bedenklichen Reden wegen arretirt und unter fortwäh-render Katzenmusik einer großen Menge Volkes, das ihn begleitete, aus die Hauptwache gebracht. Die aus dem Iellaeiö'schen Lager crpedirten, von den Ungarn aufgefangenen Briefe, dcren Inhalt heute alle Tagsblätter bringen, haben wesentlich bei. getragen, die Aufregung zu vermehren. Der Schleier des Geheimnisses wäre also gelüstet, der Kriegsmini, ster wortbrüchig! — denn mit österreichischem Gelde wird dcr I e llavi«Vsche Kricgsaufwand bestritten. Ein an die Erzherzogin Sophie gerichteter Brief wird aus Achtung für die hohe Person der Adressa-tin nicht veröffentlicht, wie uns Nachrichten aus Pcstl) versicbern. Die heutige Ncichstagssitzung begann mit dem Vortrage von Urlaubsgesuchen sür >6 Abgeordnete, welchcs zu allgemeiner Unruhe Veranlassung gab. 44 Urlaube wurden bewilliget. Bor rösch wünscht ein Maximum für Urlaube festzustellen, damit nicht einmal der ganze Reichstag auf Urlaub sey. Wird seinen Antrag schriftlich einbringen. An der Tagesordnung war die Stcucrfrage. Palazki betrachtet die Stcucrfrage nicht vom finanziellen, sondern vom po, litischen Standpuncte als die wichtigste Frage sür das Wohl und Weh' des Volkes. Man könne die Steuern in Pansch und Bogen sür ein Jahr durch, aus nicht ohne Voranschlag annehmen. Nach sehr lan. ger, zum Theil unverständlicher Ncde schließt derselbe mit dem Wunsche, so schnell als möglich zur Versas-smigsscststellung zu schreiten u. s. w. Strasser wünscht eine Aenderung dcr Verzehrungsstcucr, weil dicsc Steuer eine ungerechte sey, da sie nicht alle Eonsuinentcn gleich treffe; er stellt den Antrag, die Einbringung der Aerzehrungöstcuer jeder Provinz selbst «536 zu überlassen. Trummer stimmt für den Antrag >p des Finanzausschusses und will die Ausschreibung der !< Steuer auf ein Jahr. Will die Gültigkeit dieses bis zu einem neuen Anschluß dcr Neichsvcrsammlung; v auch er verlangt baldigste Aufhebung der Verzehrungs^ ^ stcuer, und wünscht eine Verminderung des Urkun. »1 dcnstämpels. Er verlangt, das Ministerium soll wegen > )lushebung der Verzehrungssteuer in Kürze einen Ge- j> sttzentwlirf vorlegen. Auch wünscht tr die Aushebung t dcr Judenstcuer. Purtscher erklärt sich in Humorist«', c scher Weise gegen die Ausschreibung der Steuer ohne e Voranschlag. Hierauf wurde interpellirt, ob das Ge.- < rücht auf Wahrheit beruhe, daß Doblhoff aus ' dem Ministcriuln tretet Wessen berg erklärt, das; ? das Gerücht unwahr, Doblhofs wohl aber krank > sey? - < Borrosch will seine 3 Fragen vom 5. Sept. s einmal beantwortet sehen. Wach läßt sich dazu nicht herbei. Borrosch will einen Protest gegen das Mi- 5 nisterium. Bach versteht ihn abzulehnen und wird j ausgezischt. Nun intcrpellirt Borrosch der aufgc- > fangcnen I c l la<'> i ö'schen Briefe wegen. La tour antwortet ausweichend; wir, von Wessen berg unterstützt, welcher erklärt, daß man Hoffnung habe, den Frieden auf alle Nationalitäten auszudehnen. Wien, Sonntag den l. October «848. Gleich nach dcr Ankunft des als königlichen Vermitte. lungs Kommissär nach Pesth gesendeten Grasen Lambcrg rottete sich das, durm die Abdankung des Palatin sehr erbitterte Volk zusammen und wollte sicl> der Person des Grafen versickern. Derselbe flüchten nach Ofen in das General. Eommandogebäude, wollte aber, auch dahin verfolgt, nach Pesth in Eivililci drrn wieder zurückkehren. 'Auf dcr Brücke wurde cr erkannt; man schrie: „Hier ist der neue kaiserliche Vcrräther! haut ihn nieder!" Wüthend siel das gereizte Volk über den Grafen her und streckte ihn durch Sensen- und Kl'.ittelhiebe zu Boden. Baron Vay entkam dem Volkssturme, welcher tobend um scine Wohnung braus'te. Die Wuth der Ungarn in Pcsth und Ofen ist fürchterlich und hat jenen Grad erreicht, wie sie einst den Türken so sehr gefährlich war. Kos-suth steht an der Spitze dcr ncu gebildeten Regie-rung und wird von dem aus's Höchste fanatisirten Volke beinahe vergöttert. So viel von gestern. Heute Nachts aus Pesth eingelangte Nachrichten widcrsprc. chcn sich hin u»d wicdcr. Nach Ermordung Lam-berg's soll es dem Baron Vay gelungen seyn, einen Truppenaühang in Ofen zu gewinnen, mit welchem cr am 2l>, um i l Uhr in Pesth einzog, die neue Re gierung stürzte und Kossuth in Anklagestand vcr setzte. Dcr Ban rückt jetzt rascl) gegen Pesth. Am 29. fand ein Scharmützel mit ungar. Truppen Statt, welche zurückgedrängt wurden. Die über Hinrichtung Struve's mitgetheilte Nach. richt bestätigt sich. Derselbe wurde am 25. Scpt. früh bei Slauscn nach standrechtlichem Urtheil erschossen! — Köln ist seit 26. im »Belagerungszustand"; auch uns summen schon seit einer Woche die Ohren von diesem wunderlichen Worte, und wir können nur stall' neu über die Menge des sechs- und zwölspfündigen Geschützes, welches „zur allgemeinen Beruhigung" über Gänserndorf daher gefahren kommt, und hoffen, daß wir von der MilitärhcrrsclM dennoch verschont bleiben. Dcr Kriegsminister La tour hat zu einer Studenten - Deputation, welche ihm die Mittheilung machte, daß zu befürchten sey, es könnte ihm dcr angehäuften Truppen wegrn eine Katzenmusik gemacht werden, gesagt: „Das wird die letzte Katzenmusik seyn,« — »und dcr die Wie- ner! Die Katzenmusik unterblieb, aber auch zur Belagerung fanden sich noch immer keine Veranlassungen. Die Wahlen für den neuen Gemcindcrath Wiens si"den Montag Statt, Dieselben sind nicht politischer, sondern rein administrativer Natur. DerHosrathKram-mer-Auerrath wurde uon einem Wahlbezirks dessen Wahlen cr leiten wollte, zurückgewiesen, weil man ihm das Verfassen das gegenwärtig noch bestehenden Stan,.- elgesetzes, welches, wie bekannt, zum Vortheile der begüterten berechnet ist, zur Last legte. Gestern Abends wurde die erste Nummer dcr on Ignaz Kuranda redigirten Zeitung „Ost-Deutsche >ost" ausgegeben. Wir können aus dieser Nummer ichls Vorzügliches entnehmen. Kuranda sagt: „Die Ost.-Deutschc Post" ist aufrichtig monarchisch; denn 'ner Radikalismus unserer Presse und Volksvcrtrc-?r, welche die Republik im Herzen und die Monar-)ie auf der Zunge haben, ist am verderblichsten, weil r durch unwürdige Mittel die Kraft der Democra-ie schwächt u. s. w." Was das heißen soll, konnten oir bis jetzt nicht entziffern, und nach dem ersten blatte zu urtheilen, müssen wir sehr enttäuscht mit Ledaucrn bemerken, daß auch die „Ost - Deutsche Post" >us dem Kreise der gewöhnlichen Sammlcrinen nicht ehr heraus zu treten gedenke. Heute war Fahnenweihe der Nationalgarde des lleubauerbezirkes, zu welcher Festlichkeit die academi-che Legion ausrückte, weil der Neubauerbezirk cincr »on jenen ist, die mit der acad. Legion sympathisiren. Privatnachrichten aus Turin zu Folge soll der König zu Gunsten seines ältesten Sohnes am 20. Sept. abgedankt und sich bereits auf der Reise in die Schweiz >esinden; ein Umstand, welcher für die österreichisch-talienische Sache von äußerster Wichtigkeit wäre. Die Tclcgraphcnlinicn in Wien werden nun auch Ulf die Verbindung der in verschiedenen Vorstädten zelegenen Kasernen ausgedehnt. Jeder Reichstags-Abgeordnete, der ein Staats-imt angenommen hat, so wie jeder zum Abgeordneten gewählte Staatsbeamte, der in eine Höhcrc Dien-stcs - Eathegorie tritt, oder außer der graduellen Vor-i-ückung einen höhcrn Gehalt erhält, oder bei seiner Wahl den Umstand, daß cr aus Regierungscassen m,cn regelmäßigen Gclobezug genießt, verschwiegen hat, muß sich einer neuen, von den frühern Wahl-männcrn vorzunehmenden Wahl unterziehen. Ein Beschluß des Neichstages, welcher gewiß volle Anerken« nuilg verdient. Aus Anlaß der Katzenmusik, welche in der Schot tengasse dein ArmenvaterZwierzina gemacht wurde, sind 15 Nationalgarden durch Steiuwürse der Katzen-Musikanten mehr oder minder verwundet worden. Es wäre zu wünschen, daß derlei Excesse einmal ihr Ende fänden. Der sehr gedrückte Zustand, in welchem die mitt-leren Elassen dcr Wieucr sich befinden, macht sie sch> geneigt, jeden Plan, der ihren Zustand zu verändere verspricht, anzunehmen u»d die wildesten, unsinnig sten Theorien sinden sogleich ei» Häuflein Anhängci und Verfechter. Es predigte heute ein unbekannter Mann einer kleinen, vor dem Odcon versammelte, Volksmenge, die auf Eröffnung der Versammlung des dcmocratischcn Vereins wartete, von einer neuel Organisation der Gesellschaft, dcren erstes Gesetz wäre daß der Etaat jeden Bürger mit Allem, was fü ihn das Beste sey, versehen müsse. Neben mir stanl ein dickköpsigci, ernsthafter Mann, welcher der Elassc de Handwcrrcr angehört haben dürste, und, als er die ses tröstliche Princip hörte, halblaut ausricf: „Bc Gott! das ist tiefsinnig." Der Redner fuhr fort ./Alle Strafen sollten abgeschasst, alle Kinder auf Staats kosten erzogen werden." Dcr arme Mann neben mil dcr wahrscheinlich ein Dutzend Kinder hat, konnte seil Entzücken kaun» verbergen und murmelte: „Wahrhaf tig, der ist ein Prophet!" Wahrlich Niemand konnt einem Propheten weniger ähnlich sehen, als diese Mann, aber dcr Gedanke an alle die Herrlichkeit un> das Gefühl ihrer gedrückten, verzweifelten Lage bracht die Leute außer sich; und wehe dem, dcr es gewag hätte, in dein Augenblicke des Entzückens diesen An sichten zu widersprechen, cr hätte dadurch sein Lebe, in Gefahr gebracht. Würde aber aus der ganzen Prc digt ein Erawall hervorgegangen seyn, man hätte ih> ohne waters aufRcchnung des dcmocratischen Verein geschrieben, der adcr dabei nicht im Entferntesten bc theiligt gewesen wäre. Von einigen Nationalgardm wurde beschlossen, bei dem Ober-Eommando den Antrag zu stellen, daß der gewöhnliche Männergruß aus dcr Straße durch Hutabnchmen nicht mchr beobachtet, dafür vas militärische Grüßen auch im bürgerlichen Costum angenommen werde. In Siebenbürgen ist es bei der Rekrutirung neuerlich zu blutigen Conflicten gekommen. Die Eommis-säre mußten mwerrichtctcr Sache abgehen. Mit den Zügen der Nordbalm kehren theilwcise jene Freiwilligen aus Ungarn zurück, welche an dem Frcischarenzuge der Slaven im nördlichen Ungarn An. thcil genommen haben. Ihrer Angabe nack sollen sie bei Miave, im Neutrarer Eomitate, vom Militär, vereinigt mit dcr Preßburger Nationalgarde, angegriffen worden seyn, und da sic die slavischen Ballern im Stiche ließen, wurden sie bald zersprengt. Hierbei sollen mehr als l<10 Todte auf bciocn Seiten gcblie« ben seyn. Unter dcn Zurückgekehrten befinden sich viele schwer Verwundete. Das hiesige Studcnten.-Eomitee hat eine Adresse an die Ungarn c^.isscn, worin versichert wird, daß, wenn die acadcmische Legion nicht zur Beschirmung der Freiheit in Wien nöthig wäre, sie gewiß für die Ungarn gckämpft hatte. Die Werbungen von Frei. willigen für die Ungarn währen mit günstigein Erfolg noch fort. Herr Saphir, den die Wiener dcn politischen Hanswurst nenucn, derzeit Redacteur dcs eingehen-den „Humoristen,« will eine große politische Zeitung auf Acticn gründen. Wenige dürften sich finden, die ihr Geld dem Herrn Saphir aus ein politisches Untcmehmen anvertrauen werden. Dem Fürsten Dietrich stein wurde scine Casse gestohlen. Die lccre Truhe und einige Schriften, welche eine geheime Verbindung mit Metternich in London andeuten und dcn Fürsten sehr compromittl'c ren sollen, fand man in einem nahen Wäldchen au ßcr den Linien Wicns. Eine Bekanntmachung des Militär - Eomman-danten zu Mailand, Grasen Wimpfen, fordert alle Einwohner auf, ihre Waffen emzuliescrn. Ein Je-dcr, bei dem in dcr Folge Waffen gefunden werden, wird vor ein Kriegsgericht gestellt und binden 24 Stunden erschossen. Die an dcn Kriegsminister wegen der Strenge dcs Martialgcsctzcs in Italien jüngst gerichtete Interpellation zcigt, daß in dieser Beziehung in einzelnen Fällen Uebergriffe geschehen, die wohl vermieden werden könnten. Das deutsche Reichsministerium hat an die Iu-stizministerien der Emzelnstaatcn ein Eirculare erlas-seu, in welchem es auffordert, dahin zu wirken, daß der Mißbrauch dcr freien Presse und dcs Associations-rcchtes nach Maßgabe dcr bestehenden Strafgesetze zur Untersuchung und Ahndung gezogen werden soll. Die Eholera fordert in Galizien noch sortwä'h-rend ihre Opfer. Vom 20. bis 2i. September Abends sind in Lcmbcrg l2l> Eholrrakranke in Behandlung gewesen; in dieser Zeit starben l5 Personen. Der Ausschuß der Wundärzte des Kreises U. M. B. hat eine Petition an die RcichZvcrsammIuna. überreicht um Alishebung dcs Erlasses des Unterrichts-Ministeriums wcgcu Einstellung der niedern chy-rurg. Studien. Heute erschien die l. Nlimmer der von dem Arbeiter Allton S ch m i t rcdigirtcn Arbeiter Zeitung. „Furchtlos und frei" ist dcr Wahlspruch derselben. Wien, Montag, dcn 2. October. Heute sand keine Rcichstagssitzling ^tatt. Ein großes Ercrcicrmanöver wurde heute an» Glacis abgehalten. Die Truppen haben aber nicht, »vie man besorgte, Lager geschlagen, sondern sind wie» der in die Easernen gerückt. — Neue beunruhigende Gerüchte durchziehen die Stadt. Die Türkenschanze, ein aus den Türken - und Franzoscnkricgen als zm" Bombardement Wiens besonders gut geeigneter Punct/ soll zu einem ähnlichen Zwecke bereits mit dem Erforderlichen versehen seyn. Eine Versammlung sammt-licher Ossiciere der Garnison im Gcneralcommando' 637 Gebäude, die heute abgehalten wm0c, gab zu den, Gerüchte Veranlassung, es werden denselben die Or.-drc's ertheilt, wie sie sich bei der Belagerung Wiens zu benehmen haben Wir können aber aus guter Quelle versichern, daß vom Letzteren keine Rede war, sondern, daß den Officieren wiederholt bedeutet wmde, sich jeder Bemerkung, welche die Constitution feindlich berührt, strengstens z„ enthalten. — Ein aller Militär versickerte schon zu verschiedenen Malen, jüngst auch auf der Aula, er wisse es ganz sicher, daß die l)ohe Militärbehörde den Entschluß gefaßt habe, bei der geringsten Unruhe sogleich die Thore der Stadt zu verrammeln, um den Nationalgarden aus den Vor städten den Zugang zu wchrcn, von welcher Maßrc-gel man sich den günstigsten Erfolg verspreche. Die Auswechslung der Banknoten grgcn Sil' bermünze wird auf der hiesigen Bank sehr langsam bewerkstelliget. Man must noch immer halbe Tage lang warten, um fünf Gulden gewechselt zu bekom men. Der Mangel an Silbcrgeld steigt bei der Bank so hoch, daß sie sich solches bereits gegen Procentc von Privaten durch Agenten einwechseln lassen must. Der Rücktritt Doblhofs's aus dem Ministerium wird als vollkommen entschieden bezeichnet. Der nach Wien berufene Graf Wicken bürg wird als sein Nachfolger genannt. Schwarzer's Stelle bleibt vorläufig vacant. Der aus dem ehemaligen Sichcrheitsausschusse hervor gegangcne Verein zur Wahrung der Aolks-rechte wird heute Nachmittag seine siebente Sitzung abhalten. In der am 28. Sept. abgehaltenen Sitzung waren Gegenstände der Berathung'. Vorkehrungen gc-gen die ruhestörenden Katzenmusiken; Aufforderung aller Wahlbezirke der im Frankfurter Parlament vcr^ tretcnen östcrr. Länder, von jenen Vertretern, welche für die Nichtsistirung des Waffenstillstandes von Mal-mü am 5. Sept., oder für Nichtverwcrsung desselben am !7. Sept. gestimmt haben, die Mandate zurück zu verlangen; Einbringung einer Gegcnpctition auf jene Petition, welche die Geistlichkeit dem Reichstage wegen N'ichtaushcbung der Klöster überreichte. Die Nachrichten aus Ungarn über einen von denselben nächst Pcsth über I ella<:i<-'sche Truppen erfochtenen Sieg scheinen sich zu bestätigen, (y W i e n. Es taucht von Neuem das Gerücht auf, daß Se. Majestät der Kaiser aus Wien sich zu entfernen beabsichtigte. Wir erklären hiemit auf das Bestimmteste, daß dieses Gerücht vollkommen ungcgründet ist. In dem „Abendblatts der allgemeinen östcrrei-chischcn Zeitung" vom 30. September wird gemeldet, daß dumpsc Gcrüchse die Stadt durchziehen, es werde Montag das Militär auf dem Glacis ein Lager auf-schlagen, und man wolle unter dem Schutze von Bajonnctccn und Kanonen ein neues Preß- und Associationsgcsetz vc,künden, Diese böswilligen, dumpftn Gerüchte, welche ob-benannte Zeitung gestern gegeben, und die in den heutigen ultra-radicalen Blättern nachgedrückt wur-den, sind auf gar nichts gegründet und scheinen nur erfunden worden zu seyn, um die Gemüther zu be-lluruhigcn, wcßhalb icb mich auch verpflichtet finde, denselben zu widersprechen, und die Versicherung zu geben, daß man nicht die Absicht hat, Kanonen auf das Glacis zu bringen, und eben so wenig das Mi litär ein Lager daselbst beziehen zu lassen. Jedenfalls wird man aber die Erfinder und Verbreiter dieser, die Bevölkerung beunruhigenden Lügengcrüchtc vor das ordentliche Preßgericht ziehen. Wien, am I. October l848. Feldmarschall.-Lieutenant Graf Auerspcrg, commandircndcr General. Wien l. October. Familien, die auf dcrFluclt aus Pesth lmr eintrafen, bestätigen, daß Graf Lam-berg wirklich in Stücke gehauen, sohln nicht bloß schwer verwundet worden sey. Offiziell ist darüber noch nichts bekannt. Ein Wiener Student soU zuerst Hand an ihn angelegt, aber rurz d.u,!lis auch verhaftet worden seyn. Der ungarische Reichstag ist ausgelöst, und nur der Umstand, daß Baron ^ay, welcher von dem Kaiser an Batthyany's Stelle nur der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt gewesen, am 29, Sept. die kaiserlichen Truppen, welche gegen Iella<-i<- bestimmt waren, in die Stadt zog, führte die Katastrophe des Koffuth'schen Sturzes herbei. Wien. Circular des Kriegsministers an sämmtliche Herren commandi ren den Generäle :c.) Es sind seit einiger Zcit, selbst auf dem Reichstage wiederholte Klagen über Aeußcrun-gen von Militä'rindividuen vorgekommen, welche ge-eignet sind, die öffentliche Meinung und alle wohlgesinnten Staatsbürger zu beunruhigen, indem sie die Gesinnungen der k. k. Armee und insbesonders eines Theils des Officicrcorps als den von Sr. Ma-icstät dem Kaiser seinen Völkern gegebenen constitu. tioncllcn Institutionen abgeneigt darzustellen trachten. Es ist mcine ernste Pflicht, in der Armee jene Einheit der Gesinnungen, des Pflichtgefühls, des unbedingten Gehorsams gegen die allerhöchsten Anordnungen des erhabenen Monarchen, folglich auch die Achtung vor den consiitutionellen Einrichtungen und Verfügungen im Staate aufrecht zu erhalten und nicht zu dulden, daß Einzelne sich erlauben, gegen den ausgesprochenen Willen des Monarchen, gegen die neue Gestaltung des Staatsgebäuocs sich aufzusprechen. Ich finde mich daher um so mehr veranlaßt, sämmtliche commaudnendcn Herren Generäle, Divi-sionärs, Brigadiers, Regiments- und Eorpscomman-danten, dann überhaupt alle Ehcss von Mililärbran-chcn auf das Bestimmteste aufzufordern, ihre Untergebenen allen Ernstes anzuhalten, in diesem Sinne stets pflichtgemäß zu handeln und sich zu benehmen, als unvorsichtige, unsere konstitutionellen Einnchtun gen nicht angemessene Aeußerungen stets benutzt wer-den, um den Geist ganzer Truppen zu verdächtigen. Ich darf mich mit Vertrauen der Hoffnung überlasse!,, es werde die Ueberzeugung, daß fernerhin jeder Anlaß zn solchen Anklagen zu vermeiden sey, allgemein als eine Pflicht gegen dcil Thron und das Vaterland erkannt werden , nnd daß sämmtliche Herren Vorgesetzte eifrigst in diesem Sinne auf ihre Untergebenen zu wirken bemüht seyn werden. R n g a r u. Die »Gratzer Zeitung« vom 2, Oct. enthält Folgendes: Nach Berichten aus Pesth soll Ban Iel -laöi«! mit seiner Armee am 29. September Mittags ohne jeden Kampf in Ofen eingerückt seyn(??) Die ungarischen Truppen, welche gegen ihn fechten sollten, schlugen sich auch zum Ban, und rückten als Avant-garde nach Ofen und Pcsth. .Beide Städte empfingen den Ban mit Jubel, fast alle Fenster fchmückten die kaiserlichen Fahne» und überall wird der kaiserliche Adler vor den Amtsgebäudcn sichtbar. Kossuth soll gefangen und in Anklagestand versetzt seyn. So endet die Laufbahn eines politischen Träumers, den nicht wahre Vaterlandsliebe, sondern nur eitle Selbst sucht leitet. Weilers erweise sich die aus der »Wiener Zeitung« auch in unsere übergegangene Nachricht: Graf Lam berg sey ermordet, als unwahr. Er sey nur auf die von uns angeführte Weise tödtlich verwundet, man zweifle jedoch an seinem Aufkommen. Unsere Briefe schweigen über die obangcführtcn Nachrichten, die wir daher nicht verbürgen können. (Gras Lambcrg ist allen neuesten Nachrichten zu Folge ganz sicher todt.) Die,)Allgem.österr. Zeitung« vom i.Oct. enthält folgende Eorrrsp. aus Pesth: v. 28. Sept. Abends: Ich wollte mcine Briefe hente noch mit der Post entsenden, wurde aber durch die Ereignisse verhindert, und muß dahcr meine Hoffnungen aui'6 Dampsboot setzen. Ich gehöre nicht zu den Furchtsamen — aber ich zittrc vor innerer Ausregung. Wir durchlebten heute ein großes Blatt der Geschichte. Doch zur Thatsache: Heute Morgens — um welche Stunde wtiß ich nicht — laul Gra> ^nnoerg in O>en ohne alle B^wtung an. Kcilu menschliche Seele wnßte darum; Sitzung wurde ni.l t geyatten, denn man vernahm, daß Bat-thyany einen 24siündigen Waffenstillstand geschlossen, — und erwartete daher Nachrichten; — l/loß in dcn Vorzimmern und auf der Altane spazirten einige De-pucirce herum, als sich in der innern Stadt die Nachricht vcrdrenete, Lamberg sey angekommen. Niemand glaubte daran, —besonders da wir kcin Militär be-merttcn, und weil man sich seit gestern ohnehin zugeflüstert: Lamberg sey ins Lager gcreis't, und dieß wuroe unserer guten Sache schaden. Nach klirzer Frist ramen aber Nationalgardisten aus Ösen und erzählten, Lamberg hatte die Offiziere der Nationalgarde zu sich ru>cn lassen, und ihnen angezeigt, von mm an werde cr ihnen befehlen. Die Offiziere erklärten einstimmig, sie erkennen ihn nicht an lind werden anch seinen Be,ehlen nicht gehorchen. — Diese Nachricht, wie Übelhaupt die, daß Lamberg in Ofen sey, regte die Gemüther auf, und es singen an, sich Gruppen zu bilden. .- Das Volk sammelte sich beim Brücken, lopl und der B>,uckgasse und schrie: «Hinüber nach O>en, den muffen wir festhalten, damit er uns nicht entkömmt." — In einem Nu waren Hunderte von Sensenmännern, Garden mit Bajonuettwasscn und deutsche Studenten auf den, Platze und zogen in Masse über die Brüac. In einer kurzen Zcit kamen viele zurück und brachten die Nachricht, die Fcstungsthore wärcn ge-sperrt, — was sich nicht zu bestätigen schien. — In Pesth wurde es immer lebhafter; bewaffnete Schaaren strömten zu, die Kaufläden wlirden gesperrt und die Sache, anfangs so gering, fmg an ernstlich zu wcr-ocn. Indcsscn war Lambcrg bei Hrabovsky, der sich in nichts einlassen wollte und ihn an das Ministerium wies. — Er nahm einen Fiaker und fuhr zum Thore hinaus; wohin er wollte, weiß man noch nicbt, ob entfliehen oder nach Pcsth, das muß erst ermittelt werden Genug, ein bewaffneter Volkshaufe hielt den Fiaker — weil er schnell fuhr — auf, und einer der Bewaffneten erkannte Lamberg trotz seiner Gvilklei-dung. Oer Wagcn wurde umrungen und etwa ?0 Gardisten, die dazu kamen, bewachten ihn und wollten ihn ills Landhaus (Redoutengebälide) führen; da drang von der Pcsther Seite ein starker Volkshause gegen den Fiacre — die ganze Masse konnte sich nicht weiter bewegen, und wir sahen aus dem ersten Stocke unheimliche Bewegungen------------mit cinem Worte: das Volk war nicht zu beschwichtigen, denn es drohte auch Jenen, die es beruhigen wollten. — Man zog Lambeig aus dein Wagen und er siel unter unzahligen Stichen todt nieder. Das Volk sah Blut und es ward noch wilder und nicht mehr im Zaum zu halten. — Weiter sahen wir nichts und hörten nur, daß der verstüünnelte Körper in die nahe gelegene Earlscaserne gebracht wurde. Viele Dcpulittc versammelten sich im Sitzungssaale, wo diese ganze That mißbilliget wurde, wenn die Ernennung Lambcrg's auch ungesetzlich war. Es machte aus Alle einen schmerzlichen Eindruck. — Aber wer ist im Stande, einer ^olksjustiz zu gebieten'i Lamberg fiel als erstes Opfer der aufgereizten Volkswulh, Die Repräsentanten hatten keine Geduld mehr, viel zu verhandeln, nur frug der Präsident, ob das Haus den in der Konferenz gefaßten Beschluß auch in der öszentüchen Sitzung anerkenne: da erhoben sich Alle von ihren Sitzen. Der Beschluß ist folgender: In Ermangelung einer Regierung ernennt das Haus die Sechser-Commission, welche Batthyany schon' vor 2 Wochen inKricgsangelegcnhciten zngtthnlt wurde — zur provisorischen Regierung mit unumschränkter vollkommener Macht Gegen 3 Uhr (um 2'/^llhr geschah diese That) wurden alle Nationalgarden consignirt, und -Abends — da die Stadt immer mehr in Aufregung kam - die Stadt beleuchtet, damit Unruhen vorge^ beugt wurde. — Es ist cilf Uhr Nachts; es ist nichts Besonderes vorgefallen. Aufruf dco Wiener conjtitntioncllen Vereines „n siimmt-lichc PromnM, in Dc^ug auf die Dildling mm F i 1 i a l - D e r c i n c n. Die drückende Lage, in wclchc unser in den glorreichen Märztagen befreites Vaterland durch die, im Scbooßc der Kaiscrstadt wühlenden Parteien bc< rcits gestürzt worden ist, hat in Wien die Bildung eines eonstitntionellen Vereines ins Leben gerufen , der es sich zur heiligsten, unverbrüchlichsten Ausgabe gestellt hat, in Verbindung mit, in allen Provinzen zu gründenden Filial-Vereinen , das constirntiunell-monarchische Princip im wahren Sinne des Ättortes zum Besten des a.e-samntten Kaiserstaates aufrecht zu erhalten 637 und iln gcsetzlicl»en We^e weiter nuszubil-deu, sonach jeden, nnsere errunsseue Freiheit bedrohenden Nüclschrltt zum Absolutismus, eben so, wie jeden Ucberssriss ^«r Nepublik als Verrath amVaterlande und der constitntionellen Freiheit zu erklären, und dem Einen wie dem Andern mit allen Kräften entssessen zu arbeiten. Der Anklang, den die Gründung dieses Vereines in allen Classen der Bevölkerung Wiens findet, ist ein Beweis, daß er ein drinssendes (Erfordernis? der Heit ist, ein Ersordcrniß, dessen gebiete-rischc Nothwendigkeit die für il)r Vaterland so glü hend begeisterten Bewohner der Provinzen gewiß auch anerkennen werden. Es ergeht demnach von dem Wiener konstitutionellen Vereine hiermit an. alle Gutgesinnten, nicht mir in den Provinzial - Haupt - und Kreisstädten, sondern auch in allen anderen Provinzial - Städten und größeren Gemeinden , der dringende Ausruf! ungesäumt zusammenzutreten, und sich in brü derllchcr Eintracht die Hände zu reichen, um in inniger Vcrbinduuss mit dem IViener consti-tutionellen Vereine die Nettunss des bedrohte» Vaterlandes anzustreben, und die im Mtärz errungene Freiheit zu bewahren. Die in dein Programme des constitutionellen Vereines vom 8. September I»48 ausgesprochenen Tendenzen werden auch den, von den Gutgesinnten in allen Städten und größeren Gemeinden der '»pro.-vinzen in's lieben zu rufenden Filial - Vereinen zur Grnndlage dienen, auf welcher der weitere Aufbau der Filial-Vereine nach Maßgabe der Local-Verhältnisse Statt findet. Es wi>» daher die erste Sorge der sich bilden den Filial-Vereine seyn: iln vorläufig auf den aus' gesprochenen Hauptgrundsätzen ruhendes politisches Amtretcn ungesäumt dem Wiener constitutionellen vereine anzuzeigen, welcher iknen sodann seine Sta^ tuten mittheilen und in brüderlicher Wechselwirkung mit ilv.icn dc,n großen Ziele zlistrcbeil wird, welches das (Gemeinsame aller Vereine s nn musi. „Freiheit, Gesetzlichkeit und Ordnung" 's! die Devise des consiituticmellen Vereines. Diese De vise zur schönen, segenbringcnden Ä'yirklichkeit für das gesammte groste, freie Oesterreich zu Nlache'u; diesi ist die heilige Ausgadc des Vereines lind musl daher auch die Aufgabe aller Filial-Vereine selin! — Auf denn, ihr Gutgesinnten! schaart euch um das heilige Banner der »Freiheit , Gesetzlichkeit und Ordnung" lmd wirket in dem Bruderbünde zur Rettung, zur segen bringenden Beglückung unseres gemeinsamen Vaterlandes! »Hoch unser freies, constitutionelles Oesterreich!« »Hoch «user constitutioneller Kaiser!!« Wien, am 22. September 1848. Vom prov. (5o>nitl! des constitutionellen Vereine? in Wien, (Entwurf der Grundrechte, vom Constitutions« usschlisse dem Reichs tage vorgelegt. tz, ,. Alle Menschen haben gleiche, angcbornc und unveräußerliche Rechte, dercn wichtigste sind', das Recdt auf SrN'sttrhaltung, auf persönliche Frei--heit , Unbcscholtenhcit und aus Förderung des eigenen geistigen und materiellen Wol,lcs. Die Ausübung dieser Rechte findet nur in den gleichen Rechten jedes Andern ihre natürliche und nothwendige Beschränkung. §. 2. Diese Rechte wirksam zu schützen und zu fördern , ist Aufgabe des Staates, die einzelnen Staatsbürger übertragen von dcr Gesammtheit ihre, Rechte nur so viel an den Staat, als zu dessen Zwecke nothwendig ist. §. 3. Die Gesammtheit dcr Staatsbürger ist das Volk, alle Staatsgewalten gehen vom Volke aus, und werden «us die in der Constitution festgesetzte Weise ausgeübt. §. 4. Die österreichische Staatsbürgerschaft wird nach den Bestimmungen dieser Eoustitlitionöurkun.-de und eines besonderen Gesetzes erworben, aus-geübt und verloren. §. 5. Vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich. Alle Standesvorrcchte und alle Arten von Adeläbezeichnungcn sind abgeschasst und dürfen nicht mehr verliehen werden. Alle Staatsbürger haben ein gleiches Recht z» allen öffmttichcn Aemtern. Zu öffentlichen Auszeich, l'u'lgen oder Belohnungen berechtigt nur das persönliche Verdienst, f , tz 9 ^as Hausrecht »st unverletzlich. Eine Durchsuchung'dcr^Wohnung und der Papiere oder eme Beschlagnahme der leeren kann nur über richter.cheVerord-mma in den vom Gesetze best,mmten Fallen und auf ?ic vom Gesevc bestimmte Art vorgeiwmmen werden. Die Unverletzlichst des Hausrechtes ist kein Hin.-oerniß der Verhaftung eines gerichtlich Verfolgten. tz !0. Das Briefgeheimnis) dars nicht verletzt >md die Beschlagnahme von Briefen nur auf Grund .ines richterlichen Befehles und nach den Bestimmungen des Gesetzes vorgenommen werden. §. I I. Das Recht der Petition und dcr Samm-lllna von Unterschriften auf Petitionen ist unbefchräntt. §. »2 Die Freizügigreit der Person und des Vermögens innerhalb des Staatsgebietes unterliegt ,,ur den von den Gemeindcordnungen seslge,etzttl> Beschränkungen. Von Seite dcr Staatsgewalt wird .'ic Auswanderung nicht beschränkt; es darf lnsbc,on-oere kein Absahrtsgeld gefordert werden. « 13. Die österreichischen Staatsbürger haben oas Recht', sich ohne vorläufige Anzeige an eine Be-M-de friedlich und ohne Massen zu versammeln. Volksversammlungen unter freiem Himmel dur-cn nur in Fällen dringender Gefahr für die öffent-iche Ordnung und Sicherheit untersagt werden. Kein bewaffnetes Eorps dars über politische Fra-aen berathen oder Beschlüsse fassen. « ,4 ^>e Vereinigung dcr Staatsbürger m Gesellschasten^^"<>"n'i.m) ist freigestellt, und darf oon keiner behördlichen Bewilligung abhängig gemacht werden. Dicscs Recht dars durch das Gesetz nicht anders ocschränkt werden. als in so ferne seine Ausübung dem gleichen Rechte Anderer, dcr öffentlichen Sttt-lichkeit oder dem Staatszwcckc überhaupt entgegen steht. § 15. Jeder Mensch hat ein unverletzliches Recht, Gott nach seiner Einsicht und seinem srcigcwähltcn Bekenntnisse zu verehren ^ede Religions-Gesell,chast ist nach den im §. l4 sür Associationen ausgestellten Grundsätzen zu behandeln. . . .... . .^ §. >i>. Eine Staatsklrche gibt es nicht. Niemand ist gezwungen, an den Handlungen, Feierlichkeiten und'Vrrpslicbtxngen eines Cultus, zu l?em er sich nicht bekennt, Theil zu nehmen, oder die Ruhetage desselben zu beobachten. tz 17. Die Religions Verschiedenheit begründet keinen Unterschied in den Rechten und Pflichten der Staatsbürger. tz ,8 Die Gültigkeit dcr Ehe ist bedlngt durch die förmliche Einwilligung beider Brautleute vor der vom Staate zur Ausnahme dcs Ehevcrtrages bestell Ewe^kirchliche Trauung kann erst nach Schlier ßung der Eivilehe Statt finden. Verschiedenheit der Religionsbekenntnisse lst kein Hinderniß der Eivil Ehe. z. N>. Der Uüterrlchi >>t irel; ledc vorgreifende Maßregel gegen die i^chrfreiheit ist untersagt. Die Unterdrückung des Mißbrauches wird nur durch das Äeseli geordnet. Der öffentliche Unterricht ist unentgeltlich zu erheilen und wird durch ein Gesey geregelt werden. Keiner religiösen Gesellschaft darf ein leitender 3influß auf öffentliche Lehranstalten eingeräumt werden. §. 20. Jedermann hat das Recht, seine Gedanken frei auszusprechen, niederzuschreiben, bildlich darzustellen und in jeder beliebigen Art lind Form zu ocröffcntlichen. Dieses Recht darf unter keinen Umständen und n keiner Weise, namentlich weder durch Ecnsur, nocb )urch Eonccssicmcn, weder durch Sicherheitsleistungen, !,och durch Stämpelgebührcn beschränkt, sufpendirt c>dcr aufgehoben werden. Der Mißbrauch dicses Rechtes wird nach den allgemeinen Gesetzen und nickt anders, als über Urtheil eines Schwurgerichtes bestraft. Wenn der Verfasser einer Schrift oder der Ur-Heber einer bildlichen Darstellung bekannt ist, und im Staate seinen ordentlichen Wohnsitz hat, dars kein Anderer wcgcn derselben verfolgt werden. Bis zur Erlaffung eines revidirtcn Strafgesetzes gelten über den Mißbrauch dcr Presse die provisori. schcn Prefworschristcn. §, 21. Jeder Volksstlnnm hat ein unverletztliches Recht auf Wadrung lind Pflege seiner Nationalität überhaupt und seiner Sprache insbesondere. Die Gleichberechtigung aller landesüblichen Sprachen in Schale, Amt und öffentlichem Lcbcn wird vom Staate gewährleistet. § 22. Das Eigenthum ist unter den« Schutze des Staates. Niemand d.nf aus seinem Eigenthume verdrängt werden, außer :») in Vollzug eines richterlichen Er. kenntnisses, oder !,) durch Enteignung (kxj»l-ozii'iu-lion) aus Gründen dcs öffentlichem Wohles. Letztere darf nur nach den .Bestimmungen eines besonderen Gesetzes und gegen angemessene, in der Regel vorausgehende Schadloshaltung vorgenommen werden. §. 23 Das Eigenthum dars weder durch das Le-hensvcrhältniß, nocl> durch das Institut dcs Familim-Fidcicommisscs beschränkt seyn. Dic Ausiösung dcs Lchciibandcs wird durch ein besonderes Gesetz geregelt. Familien--Fidcicommisse werden ungethciltes Ei-gcnthuin in der Hnid derjenigen, welchen dieselben am Tage dcr Kundmachnng dieses Grundgesetzes an-heiln gefallen waren. z, 24 Der Staatsbürger ist in der freien Ver-, fügung über sein Vcrinögcn nicht anders beschränkt, als durch die Bestimmungen des Civil-Rechtes und die besonderen Gesetze über Grundzcrtheilung. Die Theilung dcs Eigenthumes in ein Ober-und Nutzungse'lgenthum ist für immer untersagt. §. 25. Jedermann hat nach Maßgabe seines Ncrmögens und Einkommens zu den Lasten dcs Staates beizutragen, tz. 26. Jeder Staatsbürger und jedes Grundstück muß einem Gemcindeverbanoe angehören. Die Grundrechte jedcr Gemeinde sind: :l) Die Wahl ihrer Vorsteher und Vertreter, l») Die selbstständige Verwaltung ihrer Angelegenheiten und die Handhabung der O'tspolizei, (die Beschränkungen hinsichtlich der Veräußerung oder Belastung dcs Stammocrinögcns enthalten die Ge-ineinde Ordnungen). <>) Die Veröffentlichung ihres Haushaltes und in der ' Regel Oeffcntlichkcit der Verhandlungen, §. 27 Zll'n Schutze dcs Staates und dcr Con-stitution bestcht die Volkswchr, welche in das Heer und die Nattonalgardc getheilt, und durch besondere Gesell geregelt wird. Die Volkswehr wird auf die Constitution beeidet und kann zur Unterdrückiing innerer Unruhen nur über Aufforderung der Eivilbchördcn in den gcsetzbcstimm-ten Fällen und Formen verwendet werden. §. 28. Jeder Staatsbürger ist zum Dienste im Heere persönlich verpflichtet. Ausnahmcu davon werden durch das Heergcfetz bestimmt. §. 29. Das Heer untersteht den bürgerlichen Gesetzen und Gerichten. Militärgerichte haben nur im Kriege und de« Disciplinarvergchen in Wirksamkeit zu treten. §. 30. Alle wehrhaften Männer, die nicht »n Hccre dienen, haben in der Regel gleichcs Recht u»d eine gleiche Pflicht, in der Nationalgarde zu dienen. Die nähern Bestimmungen und Ausnahmen von dieser Regel enthält das Gesetz über die Nationalgarde. Jedermann, der nach diesem Gesetze von den, Dienste in der Nationalgarde nicht ausdrücklich au^ geschlossen ist, hat das Recht, Waffen zu tragen. Verlege«: Ign. Al. Edler v. Kleinmayr. - Verantwortlicher Nedacteur: Leopold Kordesch.