190« (Juni). .: Sie stechen ans Folge 25 einen Druckfehler heraus „Pohl" statt „Fohl" und stellen richtig auf Seite 4 statt 3/2 die Verteilung a/a. Der Drucker, ich, der Seher, der Setzerlehrling: Wir alle sind Ihnen dankbar, wir alle sind auch schuld; doch büße» wird es der arme Junge müssen. In seinem Vorstellnngskreise wird die Reproduktion von Pohl und 8/a wahrscheinlich eine Schmerz und Gehörsempfindung auslösen. — zsienerakdiretitor 6. in (>>.: Es freute mich, daß unsere Freundschaft so halt wie unsere Arbeit. Sie der Papiermensch, ich der Mann am Tintenfaß: Wenn nur das, was auf die von Ihnen geschaffene Fläche kommt, mich immer ihrer Güte würdig wäre! — Allen Mitunterzeichneten Dank und Gruß! — Deine „Kreunde"!: Und darunter finde ich eine Luise, eine Pcpi, eine Ottilie: Ist das sprachrichlig? Oder sollte sich das weibliche Geschlecht jemals dem männlichen unterordne» wollen? Niemals, selbst in der Grammatik nicht! — Übrigens allen Eingeschriebenen Hand und Herz! — Lehrer A. Sch. in 2?.: Zwingen kann Sie der Oberlehrer zum Hutabnehinen beim Gebetläute» allerdings nicht. Aber auf dem flachen Lande, in einer frommen Gegend, in Gegenwart der Kinder, denen doch das Entblößen eingeschärft worden ist: Was diktiert da der pädagogische Takt? — Sdiffl. 25. in A.: Ihre Bitte ivill ich gern erfüllen, wenn die Schrift der Fürsprach würdig ist. Sie dermalen zu prüfe», ist unmöglich; es sind sünfunddreißig Geister vor mir aufgcschlagen, die für den Lehrerberuf geimpft und geeicht werden müssen. — An die Abnehmer des zweiten und dritten Jahrganges: Die „Blätter", sind stückweise ein Stückwerk und gerade mit Ausschluß des ersten Jahrganges in manchen Teilen unverständlich. Daher sende ich Euch den ersten Jahrgang im „Auszüge" unter Kreuzband zu. Wollt Ihr ihn nicht, so schreibt nur den Vermerk „Nicht angenommen!" darauf und er segelt wieder zurück. Doch bevor Jhr's tut, seht ihn einmal durch; vielleicht wirft er dann Anker. Kreuz und quer von Schule zu Schule. 5. Zur €inklas$lgeit über dem Torbogen der 6l$en$tra$$e. „Grüßen Sie mir mein schönes HeimatlandI" Mit diesem Zurufe hatte uns der Getreue an der „Schule unter den Zinnen des Mangarts" Über die Grenze seines Arbeitsgebietes entlassen. Der Wald zog über den ganzen Talkessel dahin, bald die Höhe erklimmend, bald den tiefen Grund ansfüllend, in dem es toste, pfiff und pfauchte: Wir fühlten die Nähe des Eisenbahnknotenpunktes. „Ei, sehen Sie doch, dort müht sich so ein Eisengaul die Höhe hinan; wollen einmal sehen, wie mir stehen: Sonnenstand, Stunde, Weltgegcnd? Aha, Norden! In diese Richtung müssen wir uns ja heute noch schleppen lassen." „Hätt' nichts dagegen, wenn wir bald im Karren säßen," seufzte mein Genoß, dem wie dem Bergriesen manch Bächlein von der Stirne floß. „Nu, da schlagen wir denn einen Abkürzungsweg ciiil" „Sehr verbunden; allein ich furcht', ich iverd' dabei noch mehr geschunden." „Wenn ich nur die Station sehen konnte! Da, dem Geleise nnchstapfen, ist doch nicht recht geheuer; fährt uns nicht eine Lastenschlange zwischen die Beine, so kann »ns doch der Wächter beim Kragen nehmen." „Also drüber über das Eisenzeug und dann schnurstracks zur jenseitigen Waldlehne empor!" Mein Freund hatte leicht reden, ihn trugen lange Stelze»; aber ich, wie werde ich in einer Viertelstunde über das Gervllc zappeln? Indes, die „Abkürzung" — die Abkürzung! Wir zweigten keck von der Straße ab und stolperten bald an einem Felsklninpe», bald über einen querliegenden Baumstamm. So, nun waren wir bei der Rnnse augelangt, in der der Sänger des Talkessels dahinrauschte. „Er hemmte des Wanderers Tritte" und kein Graf war leider zur Stell', der uns in einen Sattel gesetzt hätte. „O weh, o weh, Brüderleiu fein, das sind wir tüchtig gefallen hinein!" — Als wir ratlos dastanden und zu neuen Eut-jchliisicii sammelten Prämissen, ging plötzlich ein schriller Pfiff durch den Wald, es begann zu zischen und z» pusten, zu klappern, zu donnern, zu brausen unser Eisenrvß war dahin, dahin nach dem ersehnten Norden. . . „Saprrrmcnt, da sitzen wir jetzt schön in der Klemme!" — Der „Anti" mar mißmutig geworden. Wie ganz anders hatte die Enttäuschung auf den Rebensäftler gewirkt: Der lachte hell auf, ließ sich ruhig nieder, nahm sein Büchlein ans der Tasche und trug ein Versieht ein: Bleib im fremden Lande Hübsch fein auf der Straße vom Sande! Zwei Wanderer haben es einst anders gemacht; Drum wurden sic brav ausgelacht. . . . brav ansgelacht, doch von einer schmucken Maid des Alptales. Sie kam von der Höhe mit Trällern und Singen. Wie schnell waren da alle Falten geglättet! „Hvb'ns Jhna epper verirrt?" „Leider, leider!" wollte Herr P. intonieren; doch ich fuhr gleich mit dem Schmeichelworte dazwischen und nannte es eine glückliche Fügung, die uns zur „Rose des Waldlandes" geführt hat. „Reden's »it so g'spassig! Wohin woll'ns denn?" „Ach, Gott, jetzt wollen wir gar nirgendwohin hin; wir haben ja das schönste Ziel erreicht: das klare Bächlein, den stillen Wnldesgrnnd und darin die holde Fee." Die poetische Deklamation, die der durch das Wasser und die Fee Begeisterte aus dem Ärmel geschüttelt, fiel auf unfruchtbares Erdreich — unter oder über die Bildungsschwelle der Dorfniaid und sie stellte uns daher kurz vor die Entscheidung: „I denk, Sö wvll'n uiiti zur Station; na so koinm'ns g'schwind, i führ Jhna übr's Bacherl."---------- Ha ha, ein schönes Bacherl, das uns samt und sonders in den Schlund gerissen hätte. Hit, wie lief es uns da kalt über den Rücken, als wir auf dem Brett balancierten, das über dem Gischte lag! Die kecke Führern voraus, wir pendelnd hinterdrein: sonderbare Expedition! Ein herzhaftes „Grüß Gott!" und verschwunden war die Fee im Waldesrauschen und Windesweh'n. „Hm, l)iit!" sprach der eine jetzo, „War nicht schlecht das Intermezzo." Der andere knirschte: „0 Saprrrmcnt! Schade, daß sie davon gereimt." „Ei, seht doch, wie poetisch! Ob die ganze Poeterei der Welt nicht aus eben der Stimmung erwacht sein mag, wie wir sie gerade genossen? Sehen Sie nur: Der Vogel singt sein Weibchen au, der Bursch sein Mädel, — im, und wer Worte findet, schmiedet ein Versleiu für die Angebetete. Aber ach, dieses Verseschmiedeu ist eben eine Bersüudigung an der schönen Kunst. „Singe, wein Gesang gegeben . . .!" „So streng," warf der ächzende Genoß ein, „würde ich nicht urteilen. Wenn dem Vogel der Ausdruck gestattet ist, dem Bursch im Dorf sein Lied, warum sollte nicht auch der Gebildete sein Fühlen i» eine Form bringen dürfen?" „O, gewiß kan» und mag er dichten, soviel ihm beliebt; aber er soll nicht alles auch sogleich in die Welt senden und es als Ware feilbieten. Darin steckt eben die Versündigung. Gefühle sind des Menschen eigenstes Eigentum; man soll sie hüten wie einen kostbaren Schatz." „Wenn aber alle so gedacht hätten, dann gäb' es ja kein schöngeistiges Schrifttum, keinen Dichtcrborn, in dem sich der Gebildete erquickt." „Ja, die hundert großen Geister, die an dem Urquell poetischen Schaffens genippt, schließt natürlich die Erörterung ans. Für die Gottbegnadeten ist es geradezu Pflicht, von dem der Welt einen Teil zu bieten, was ihnen eine höhere Fügung in reichem Maße verliehen. Wieviel tausend und abertausend Menschen laben sich an dem Strom, der ans dem deutschen Dichterwalde rauscht! Was sie längst im Herzen fühlen, was nach Ausdruck drängte, ans dem Strome blinkt es ihnen hell und klar entgegen. Wie in einem Spiegel bester Art besieht sich das Gemüt des einzelnen mit Wohlgefallen, der Druck nach Äußerung und Fvrmen-gebimg wird ausgelöst, im Gedichtlein des Meisters blitzt der ganze Schatz des Herzens." Und die Moral von der Geschieht’? Es schreibe niemand ein Gedicht, der nicht den Genius über sich weilen fühlt, dem nicht des Urquells Tropfen in den Adern fließen »nd des Schaffens Perlen von selbst wie frischer Tan hervorqneüen. Verseschmiedeu und Reimedrechseln machen noch kein Gedicht, Sinnen und Minnen auch nicht, der grübelnde Geist kann es nach vielem Hinundher vielleicht in eine schöne Form bringen: Fehlt jedoch dem Geist das Fühlen, fehlt der Form der Gehalt, so gleicht das Werk einer Blume ans Papier. — Wieviele gibt es, die solche Industrie betreiben und glauben, sie hätten die Natur übertrumpft! Leider ist auch unser Stand voq dem Wahne nicht verschont geblieben. Das Wort „Lehrer-Dichter" ist nun einmal ausgegeben worden und schon klammern sich Hunderte daran; sie dünken sich Dichter und vergessen, daß sie in erster Linie Lehrer sind und sein sollen. In schwindelnde Höhen entrückt, flieht die „kleine Arbeit" ans dem Gesichtsfelde und, indes hinter dem Katheder der bleiche Mann die Silben zählt und den Gleichklang prüft, zirpen drunten die Federn der armen Kleinen, die von weiter Ferne hergepilgert kamen und sich nun verlassen sehen. Zur Versündigung tritt die Sünde, die gröbste, die der Bildner des Volkes begehen kann. Freund P. wischte sich den Schweiß von der Stirne — das Klettern den Hang herauf war gar beschwerlich gewesen — und meinte: „Na, ich bin für die paar Verslein, die ich heute verbrochen, schon gestraft genug. Wenn solche Vergeltung alle Dichterlinge träfe, dann müßten sie mit Haut »nd Haar zerfließen." Wär' nicht schade; jeder, dem das Ansehen und das Wirken des Lehrers etwas gelten, würde diesen poetischen Niederschlag gern in eine tiefe, tiefe Grube leite». Herausfleber und verantwortlicher Schriftleiter: Rudolf E. Peerz. Druck von Joses Pcrvliöek ln Gotischer.