„/rtihtit, Wthll»««», str All»." »r »V Kr-ttag, »8. J«ut tS«V. VI. Jahrgang Die.Marbnrger Atikttng" erscheint jede» Sonntag, Mittwoch und Kreitoq. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 fl.. halbjährig 8 fl.. vierteljährig 1 fl. 50 kr; sür Zustellung ins Hans monatlich 10 tr. — mit Postversendnng: ganzjährig 8 fl., halbjährig 4 fl.. vierteljährig Z fl. Die ein Mal gespaltene Garmondzeile wird bei einmaliger Einschaltung mit 10, bei zweimaliger mit 15, bei dreimaliger mit 20 tr. berechnet, wozu sür jedesmalige Einschaltung S0 tr. Inseraten-Stempelgebühr kommen. Zur Geschichte di»« Tages. Bon der Ergänzung beS Ministerium S hört man jetzt wenig mehr in parlamentarijchen Kreisen. Wa» den Eintritt de» Hof' rathes von HaSner betrifft, so kann auf Grund der neuesten Mittheilungen derselbe zlvar nicht als untvahrscheinlich. aber auch nicht als unmittelbar bevorstehend bezeichnet »Verden. Feststehend ist HaSnerS Er. nennung noch nicht, iviewohl auf der andern Seite auch gesagt »vird, daß die Besetzung deS Unterrichtsministeriums doch unabhängig von der Besetzung der anderen Ministerposten erfolgen dürfte, zumal gerade dieses Ministerium lveniger als .Ule anderen mit der Ausgleichsfrage zu-sammenhSngt, die jetzt noch das Hindcrniß der Ergänzung aus der par-lamentarische» Mehrheit bildet. Velch' bedeutungsvollen Umschwung die politische Stim-mung Berlins vollzogen, ersetzen wir aus einem Beschluß der Gc-meindevertrelnng. In der lctzteti Sitzung »vurde nämlich der Antrag ge-stellt, zur Feier der Kundmachun,^ der NundeSverfaffung dem Grafen Bismarck das Chrenbilktierrecht der Stadt Berlin zu ertheilen. Die Mehrheit lehnte den Antrag ab. Dieser Beschluß hat deshab Aufselzen erregt, weil die Mehrheit nicht auS Fortschrittsmännern besteht, und tveil ein gewisser Muth d^u gehört, den mächtigtn Minister und Günstling des Königs, denselben Mann, den das Abgeordnetenhaus mit Viermalhundert' tausend Thaler« bedachte, mit einem so entschiedenen Mißtrauen zu beehren. — Die Spenersche Zeitung erhält zur Nachricht von dieser M-lehnung folgende Mittheilung: „Es wurde von verschiedrnen Seiten darauf angetragen, über daS Ergebniß des Beschlufses AmtsvcrschtviegeN' heit zu beobachten, inzwischen lehnte der Borfttzende, Bürgernieister Hede-mann, eine Protlamalion dieser Art ab. In der Verhandlung wurde einerseits uamentilch hervorgehoben, daß der Staat bereits die Verdienste des Minister'Prästdenten anerkannt habe, daß die Stadt dies nur thun^ dürse, »Venn besondere Verdienste um dieselbe vorlägen. Dies könne man nicht zugestehen, vielmehr habe sich der Minister Präsident durch seinr Mitwirkung bei der Nichlbcstätigung der Sladträthe. bei der Preßver-ordnung. bei der Duldung polizeilicher Uebergrisfe. durch Erlässe, welche der Stadttaffe die größten Opfer auferlegt haben, gerade nicht als ein Freund des Bürgerthums gezeigt." Bezeichnend für die Zustände in Hannover ist folgendes Schriftstück, welches in dortigen Kreisen zirtulirt: „Die freie Bereinigung" ist eine Verbindung hannover scher Männer, um einzeln und gemeinschast. lich und systematisch für die innige Verbindung Hannovers mit dem deutschen Einheitsstaat Preußen zu wirken. Die sreie Bereinigung ver« folgt dabei keine Parteirichtnng. keine Parteizwecke, will und soll keine politische Parteiverl)indung sein, sondern fie öffnet den Beitritt allen Han» noveranern, welche den festen Willen haben, offen, ehrlich und entschieden und mit allen Kräften für den Bercinszweck zu wirken. Die Vereinigung ist der königlichen Regierung gegenüber eine offene, während die Mit-glieder derselben dem Publikum unbekannt bleiben. Die freie Berein gung wird durch ein Zentralkomite (in Hannover) geleitet. Jedes Mitglied der freien Bereinigung, welches mehr als zehn Mitglieder für den Verein anwirbt, wird dadurch Sektionsführer derselben. Mehre SektionSführer an einem Orte treten zu einem Lokalkomite zusammen. Das Lokalkomite vermittelt die Verbindung mit dem Zentralkomite. Die Mitglieder ver-pflichten sich durch Unterschrift dieser provisorischen Statuten, durch Wort, Schrift und Tlzat. auch nach gegebener Instruktion, für den Vereinszweck unausgesetzt zu wirken, insbesondere auch ein richtiges Berständniß der hannover'schen Bevölkerung lvegen der Verbindung mit Preußen anzubahnen, dafür zu sorgen, daß dasselbe immer mel)r im Lande Wurzel s'ßt. gegen preußenfeindliche Agitationen. Kundgeliung^n und Ansichten entschieden auszutreten und wo möglich viele Mitglieder dem Vereine zuzuführen". Der Vertreter Italiens in Rom. General Durands, soll dem Kardinal Antonelli erklärt haben, daß die italienische R»gierung. sobald auf irgend einem Punkte des Kirchenstaates ein Aufstand ausbrech. n würde, ihre Truppen über die Grenze senden tverde. um den Heiligen Stuhl zu vertheidigen; die königliche Regierung könne keiner fremden Macht das Recht Zugestehen, in die inneren Angelegenheiten der Halbinsel sich einzumischen. Diese unerwartete Eröffnung habe, heißt eS, auf den Kardinal einen lebbasten Eindruck gemach», weil er glanbe, daß dieselbe im vollen Einverständnisse mit Napoleon abgegeben worden. Die Befestigung von Montlouis an der Mosel, welche im Plane der preußischen Regierung liegen soll, »vürde Frankreich als eine Verletzung des Londoner Vertrages ansehe«. Pariser Blätter warnen Preußen vor dem Glauben, daß Frankreich demselben Vergebung pseisenhannes. «on Ä H. te««t. (Fortsetzung.) Der rothe Paul. In dem linken Flügel deS »veitläufigen Schlosses Boltenhagen hatte der Baron Paul von Mahloiv. der Oheim des Gutsherrn, für sich und seine Familie seine abgesonderte Wohnung. Der Baron Paul tvar der eigentliche Herr auf Boltenhagen. oder vielmehr er war es gewesen. Er war es gewesen seit dem Tode seines ältkreu Bruders, des Baters des Baron Rudolph. Dieser, sein Reffe, war ein gntmüthiger und etwas schwacher Mann, den Jeder regieren konnte, wer wollte, und der Baron Paul tvollte Herr auf Boltenhagen sein. Er war es aulh lange, bis in die neueste Zeit geblieben, seitdem der Baron Rudolph sich vermählt hatte. Die Baronin war zwar eine stolze, herrschsüchtige Dame, die Riemanden neben sich, vlcl »veniger über stch anerkennen konnte. Allein der Baron Pciul hatte seinen Kontrakt mit ihr zu machen gewußt. Er gehorchte ihr scheinbar und schmeichelte ihren Launen. So konnle er wenigstens ßch mit ihr in die Herrschaft theile». Das war ihm jedoch in der letzteren Zeit nicht mehr genug ge-tveftn. Er wurde manchmal anmaßend gegen fie, seine eigentliche Ratur kehrte sich auch gegen sie heraus. Dazu kam. daß Fräulein Fanny ihn mehr nnd «ehr hetzte; das Fräulein »»,ar von der Baronin mit einem fast empö-renden kalten und schneidenden Uebermuth behandelt worden. So war in mnefter Zeit ei» sehr gespanntes Verhällniß zwischen der Baronin einerseits nnd oe« Baron Paul nnd seiner Tochter «»derer-seits entstanden, nnd die Anderen im Schlöffe erwartete» täglich Szenen. Rur der Baron Rudolph kümmerte sich nicht darttm; er war seinen eigenen Weg gegangen. Der Baron P^inl hatte übrigens nur zwei Kinder, Fräulein Fanny und einen Sohn Wilibald, der Offizier bei der Garde in der Residenz tvar. Stlne Frau »var längst todt; die Leute sagten, er habe sie z»l Tode mißhandelt. — Es war am späten Rachmittage ; die Obduktion war beendet. Der Baron Paul war allein in seinem Fainilienwohnzimmer. Er »var ein starker, kräftiger Mann in der Mitte der fünfziger Jahre. Er hatte nicht viel Cdelmät^nischeS. weder in seinen Gesichtszügen, noch in seiner Gestalt, noch in seiner Haltung. Sein Körper »var plump, von dem dicken Halse bis zu den großen und breiten Füßen. Sein starkknochiges Grsicht war so roth. lvie seine Haare, die Augen waren hell« grau, die Nase hoch aufgestützt. Der ganze Mann »var die rohe, aufgeblasene Gemeinheit. Er ging in dem Zimmer umher und sah manchmal durch das Fenster auf den Hos hinaus, als wenn er dort etwas erwarte. Aber er war nicht unruhig dabei, er sali vielmelir vergnügt und zufrieden aus. In skiner Freude sprach er mit sich selbst. „Es tuht vortrefflich! Die Eine find wir los, die Andere werden »vir los. Man mnß nur Muth in der Welt haben, und auch vorsichtig muß man s.in. Ja. ja, aber die richtige Borsicht ist die Einsicht, wie weit man gehen darf, tvas man riskiren kann. Und man kann viel ristiren. — Ach. es ,ft doch ein Glück. Edelmann zu sein, freilich «o der Edelmann noch etwas gilt. DaS verdammte Dcmokratengesindel! Run. hier zn Lande »verde« wir schon mit ihnen fertig. Anderswo wird es ja auch schon wieder werden, obliLtv! — Ah, da kommt er ja! Draußen war unter dem Fenster der lange, hagere Gerichtsschreiber vorbeigekommen. Ein paar Augenblicke nachher wnrde a» die Thür des Zimmers geklopft, auf das Herein des Barons erschien darin der dürre Blntsanger. „Unterthänigen gnten Morgen. Herr Baron." fs.r di'f Vcl.^liNj^ettheit zugestantlen habe. Es möge ja nicht durch neue Attiplttche oder Pmhlcrelcu dciS voll machen. Es war cin groftcS Cmgttifi. den König von Preußen in Paris spazieriu gelicn zn scl)ctt, ol)ttc daß cine Kundgebung srine Zusrildenlicil trillite, und dennoch kannte man die Versprechungen von Compiegne und die Luxcinbnrger Angelegen-lzeit. Frankreich wisse seinen Feinden Gastfreundschaft zu g^waliren. aber sie mögen ja nicbt auf dessen Langmntlj rechnen. Frankreich lialte auf den Frieven. aber weniger denn jemals, nnd besonders nach Mexiko und nach dem Znt^eständniffe in der Luxemburger Angelegenlieit. ivilrdc es den geringsten beleidigenden Schritt oder die mindeste bei)ro1)liche Haltung dulden. In der französischen Kammer bietet die Verl)andlung über den HauSl)alt des Staates Anlaß zu einer eingeljenderen Erörterung, der mexikanlschen Politik Napoleon s. Berrycr ni?terzog daö nuxikanische Anlelien einer einschneidenden Kritik; noch einschneidender aber ist die einfache Zusammenstellung der Summen, welche das verfehlte Unternehmen Frankreich gekostet. Die Regierung gibt die Auslageu auf .237 Millionen Franken an ; außer diesem Betrage bringt aber au«^ das Mariucministcrium so beträchtliche Auslagen in Rechnnng. daß mau die ruude Summe der eigentlichen Ezpeditjonskosten auf 3-«) Millionen ansej^en mnß Dazn kommen an Forderungen, welche bis zum 1. Juli 1864 Frankreich an Mexiko zn stellen liatte. insoweit dieselben nicht bereits beglichen lvurden, 2l6 Mittionen; an nicht zuri'ickbezal)lten Varauslagen und Vorschüssen für die mexikanische Armee, die Berivaltung, den Eistnliahnbau von Vera-Cruz weitere 39 Millionen. Diese Summe von 555 Millionen umsaßt aber noch lange nicht den gcsammten Anfwand, der für Mexiko gemacht wurde; dieser kann erst bestimmt werden, wenn der uugelieure Verbrauch von kostspieligem Material vou Seite der in Mexiko verwendeten Gesl.t)lvader und Landtruppen genau sestgestellt sein, wenn man cine Ucbttsicht der ungelieuren Verluste gewonnen, ivelche Privatpersonen durch den Schlvindel der mexikanischen Anlehen. durch Handels-Spekulationen. ivelche auf das Kaiserreich berechnet waren, erlitten. Dann dürste sich wohl jene SchäKuitg als nicht fehlgegriffen erweisen, ivelche die Cinbuhe. die Frankreich durch die mexikanische Expedition erleidet, auf mehr als 700 Millionen veranschlagt. Die Vorgänge in Bulgarien betreffend wird auS ganz zuverlässiger Quelle beuchlet, daß die Türken unter den von ihnen besiegten aufständischen Vulg^uen in Braila zwe»undzlr>anzig russische Kanonen gefunden. Auf der andern Seite herrscht auch in Serbien große Auslegung gegen die Türken, weil dieselben zwanzig Serben, welche sich »ittter den aufständischen Bulgaren bcfanden. in Rustschuk haben erschießen lassen. Ueberall sind die Stoffe znm Ansbmche eines neuen großen BrandeS aufgehäuft: in den Händen Auplands liegt es. ob deiselbe ausbrechen wird. Aur Verantwortlichkeit der Minister. il> Marburg, 27. Juni. Außer den zu engen Grenzen der Verantwortlichkeit ist es wohl hauptsächlich die Bildnng deS Gerichtshoseö, welche der Vorlage über die Verantwortlichfrit der Minister die bestigslen Gegner erweckt. Das ung.irlsche Gesej^. ivelches gleichfalls Mitglieder deS i^berhauses zu Richtern uiier angeklagte Minister bestellt, hat ivenigstens hinsichtlich der Zzhl und Ablehnung der Richter dem Grundsape gehuldigt^ ans „Guten Moi^gen. Häring. Nun. wie steht'S?" „Alles gut. Herr Barou. Zch komme von der Obduktion der Leiche; lvir sind damit fertig. Es ist Alles klar." „Erzählen Sie." „Die Person ist reif. DaS auch daS Gift in ihrem Taschentuche gefunden ist. wissen Sie." „Ich weiß es. Was sagt sie dazu?" „WaS wird sie sagen? Bon dem Gifte will sie nichts wissen. Aber sie hat ihr Tuch anerkennen und zugestehen müssen, daß sie es dort ver« loren habe, wo es mit dem Gifte gesunden ist. WaS hilft ihr da da» Leuguen ?" „Wenn die ülirigen Umstände stilnmeii. l)offentlich ilichtS." „Sie stimmen; lassen Sic mich zusammeuzahleu. Herr Barou. Nach der Aussage deS Kammerdieners .Conrad, deö ehrlichsten und glaubwür-diqsten Menschen, den man i» der Welt finden mag. war die Mörderin ein Frauenzimmer in einem grauen Kleide. Sie. die Gouvernante, trug zu jener Zeit ein graues Kleid, wie sie zugcsteht. Ferner muß sie zuge-stehen, daß sie zu derselben Zeit im Parke, nicht weit von dem Orte deS Verbrechens sich aufgehalten hat. Sie will zwar an eiiler andern Stelle qewesen sein, aber sie kann es nicht beweisen. Wir haben also Anwesen-lieit am Orte und zur Zeit der That; dazn kommt jener Vesip d^s GlfteS. Die Obduktion der Leiche ist vorgenommen, daS Gift in dem Magen gefunden, genau von derselben Beschaffenheit, ivie der Rest in der Tasse, aus welcher die Baronin getruiiken hatte, und wie der iN dem Tuche der Gouvernante gefundene. Das ist die zlveite nahe Anzeige. Hierzu kommen die vielen offenbaren Lügen und Widrrsprüchc. in die die ÄNl^kjchuldigte fortwährend in allen ihren Verhören sich verwickelt hat. d,e eine dritte Anzeige bilden. Hinzu tritt ferner ein klar erkennbares Motiv: deit Herr Baron hat ihr die Kour gemacht, sie hoffte, gnädige grau hier zu »Verden. Grade ein solches Motiv erzeugt bekanntlich die meisten Giftmorde. CS ist die vierte dringende Anzeige. Ans den Grund von zwei nahen Anzc gen könne» und müssen die Gerichte auf Strafe erkrn-»e«. lve»n noch e,n böser Leumnnd des Augeschuldigten hinzukommt, vermöge defsen. wie daS Gesetz sagt, man sich der That zu ihm mag Ver i ivelchem die Schwurgerichte beruhen. Das ungarische OberhaliS tvählt lin gegebenen Falle sccbSunddreißig Mitglieder nud der Ankläger wie der Angeklagte hat daS Recht, je zivölf derselben von der Liste zu streichen. Wie unsere Regiernng sich entschtießen konnte, die Zahl der Richter auf zwölf festzusepen. nur vierundzwanzig Mitglieder ivählen nnd von jeder Partei nur sechs veriverfen zu lassen, vermöge» lvir einzig und allein aus dcm Maugel an Grundsätzlichkeit zu erklären. Nach der Regierungsvorlage kann der Gerichtshof nur mit elner Mehrheit von zivei Dritteln cin Schuldig sprechen, während daS ungarische Gesetz sich mit einfacher Mehrheit begnügt. Wird die Vorlage über die Bildung deS Gerichtshofes angeuommen. dann möchten wir dey Glücklichen sel)en, der in der West halste des Reiches eine Berurtheiluug angeklagter Minister erlebt, so lange dle jetzige Zu-sammensetzung deS HerrenhanseS bleibt. Wäre die betreffende Vorlage sct)on zum geltenden Recht erhoben gewesen. alS man im Jahre 1865 die Verfassung außei. Krast gesetzt und wäre nuu das Scptembrr-Mini' sterium ivegen Verletzung der Verfnfsung angeklagt — würde der vom Herrenhaus getvählte, auS zwölf Mitgliedern desselben bestehende Gerichtshof die Angeklagten fchutdig finden, in welchen das Herrenhaus nllr politische Freunde erblickt? Würdeu künftig die Mitglieder deS Herrenhauses so sel)r ihre ganze, tief innerste Nalur verläugnen. daß sie politische Gegner eines Ministeriums sein könnten, welches in Sachen der Verfassung anderer, nicht Verfassungsmäßiger Ansicht ist, als daS HanS der Abgeordueten — der Gegner deS Herrenhauses? Verwiest das Unterhaus die Vorlage und beschließt es zum Bei« spiele, das; ein StaatSgerichtShof Anklagen wider Minister entscheiden soll — wird das Herrenhaus diesem Beschlüsse zustimmen?—dasselbe Herrenhaus, in dessen Hand nach dem nrsprüngltchen Antrage der Re-giernng daS Schicksal der Verfassung gegeben werden solUe? Beharrt daS Abgeordnetenhaus bei seinem Beschtusie. so kann nur dann ein Gesch über Verantwortlichkeit der Minister geschaffen werden, wenn daS Herrenhaus durch einen zahlreichen Schub sich wesentlich, daS heißt: zu Gunsten der sreiheitlichen Entwicklung unserer Verfassung geändert. Der Entwnrf des nene« Ttrafgefetze» ist vom Justizminister dem Hause der Abgeordnete» vorgelegt worden. Ritter von Komers sagte in der Rede, die er zur Begründung deS Ent« wurfeS hielt, u. A. Folgendes: Daö gegenlvärtig geltende Strafgeseh trägt sichtlich das Gepräge der Zeit, in der eS entstanden; seit jener Epo..ie ist die staatliche Ge-staltung der Monarchie auf einer ganz andere» Grundlage aufgebaut worden. Was von einem jeden Gesetze gesagt werden kann, gilt in erster Linie von dem Strafgesetze, daß dasselbe dem jeweiligen Kulturgrade der Bevölkerung, dem entlvickclten allgemeinen Rechtsbewußtsein und der verfassungStnäßlgeu Stellung der Bürger in einem Rechtsstaate entsprechen muß. Diesem Bedürfnisse ist in dem neuen Entwürfe volle Rechnung getragen. Die Regierung ist den Forschuugen der Wissenschaft, namentlich der deutschen Wissenschaft, mit hohem Änteresse gefolgt, und war bemüht, die Ergebnisse dieser Forschungen in dem Entwürfe auch praktisch zuver-werthen. Man mag in der StrafrechtSlheorie was immer für einer Ansicht huldigen — des Gedankens, daß die Strafgesetze zum Schutze der ÄM' ger und der staatlichen Gesellschaft gegeben »Verden und durch Androhung sehen können. Wir habe» auch dieS hier: ein jnngtS Frauenzimmer, die einem jungen verheiratheten Manne geheime Zusammenküuste gestattet. dcS Nachts, im Walde an abgelegener Stelle — hm. Herr Barou. mit deren Moralität ist eS nicht weit her." Der GerichtSschreiber lachte vergnügt; vergnügter noch lachte der Baron, und sie waren Beide so ljäßlich in ihren Lachen. „Also sie ist reif zur Strafe?" fragte der Barou. „Zum Schwerte mindestens, eigentlich zum Rade; jedenfalls dem Scharsrichter versallen." „Hm. hin. da wird der Andreas Graumann sich freuen; er hat lange nichts zn thnn gehabt. Zum Rade gar! — Aber EinS «och. lieber Häring. ivie steht es mit meinem Neffen?" „Cr ist noch nicht vernommen." „Er dars unter keinen Umständen mit in die Sache verwickelt «Verden." „Er wird nicht; seien Sie bernhigt, ich werde dafür sorgen. Der gnädige Herr sind ja unschnldig." Der GerichtSschreiber lachte wieder. Der Baron 'vollte sich zum Lachen zwingen, abcr er blirb ernst. „Haben Sie mir sonst nichlS mit« zutheilen?" fragte er den Gerichtsbeamten. „Vorläufig nichts. Haben auch der Herr Barou nichts weiter ermittelt?" „Nein. — Aber halt: die GutSberrschast von Aalkenhagen will die entlaufene Dirne, die Ehristine. nicht herauSgebeu. und ich muß. ich will sie wieder haben. Ich habe der Person einmal die fünfundzivanzig diktirt. und sie soll sie haben." „Nicht mehr als Recht. Hcrr Baron. Und Recht muß sein. Wir werden uns bei dem Landrath beschweren; ich setze Ihnen nachher daS Schreiben auf und bringe eS zur Unterschrift." „Thun Sie das. Häring." „Bis dahin empfehle ich mich zu fernerer Gnade." „Adieu! Machen Sie Ihre Sache gut. Die Gouvernante auf daS Rad, mein Neffe frei!" „Lassen der Herr Baron mich sorgen." von Strafen von Rechtsverleßungen abhalten sollen, dieses Gedankens wird man sich nicht erwehren. Allein dieser Gedanke, dieser Zweck darf nicht der allein maßgebende sein, wenn man nicht der maplosen Ab-schrecknngS-Theoric verfallen will, wenn die Strafe, statt einer gerecht-fertigten Süljne. nicht eine rechtSwidrij^e Marter werden soll. Die StantSttewslt muß für sich das Recht in Anspruch nelimen, gegen den-jenigen, der daS Gesetz verletzt hat, die im Gesetze angedrohte Strafe zn verhängen, sie erkennt aber auch die Verpflichtung an. dafür zu sorge»,, daß dec Verirrte durch den Strafvollzug nicht verschlechtert, sondern womöglich wieder als ein nützliches Glied für die bürgerliche Gesellschaft gewonnen werdr. Neben der lKinwirkung auf daS sittliche und religiöse Gefühl während des Strafvollzuges muß daher schon im Strafgesetze das Ehrgefühl, eine der mächtigsten Triebfedern menschlicher Handlungen, dort, wo eS vorhanden, geschont, dort, wo es erstorben, wiedergeweckt und gepflegt werden. Diese Ansichten sind es, welche die Regierung bestimmt haben, die körperliche Züchtigung und die Kettenstrafe abzuschaffen nnd bei drr Anordnung der Strafgrade wesentlich darauf Rücklicht zu nehmen, ob die strafbare Handlung aus einer verächtlichen Gesinnung entstanden ist oder nicht. Auf die a. h. Anordnung, in die Strafprozeß-Ordnung daS Institut der Grschwornen aufzunehmen, wurde bei der Redaktion des neuen Strafgesetzes gehöriger Bedacht genommen und eS wurden die Begriffe der einzelnen strafbaren Handlunt^en derart aufgestellt, daß der That-bestand durch die an die Geschwornen zn stellenden Fragen erschöpft wer-den kann. Wer je in der L»ige war, sich an legislativen Arbeiten zu betheili' gen, wird die Schwierigkeiten zn würdigen wissen, mit denen man. namentlich bei Strafgefeden, zu kämpfen hat. Ueber eine und dieselbe Bestimmung huldigen oft die l)ervorragendften Autoritäten verschiedener Meinung. Es handelt sich darum, einerseits die itinzeUien nnd die bi',r-gerliche Gesellschaft in ihren Rechten zu schützen, andererseits dafür zu sorgen, daß nur derjenige dem Gesetze verfalle, der dasselbe wirklich verletzt hat. Vermischte Nachrichten. (Jnarez.) Ein Franzose, welcher sich unter den Gcfangencn des Juarcz befand, gibt von il)M folgende Schilderung: Cr schonte unS so Viel als möglich; rr verwendete sich häufig für unS. aber er wurde überschrien. Iel)tn Ani^cnblick deschilldigten ihn die Banden, sie zn vcr-rathen, unser Leben zu schonen, um sich daraus clne Geisel zu machen sür einen spatcren Unglücksfall; die Anführer drohten auszureißen. Sor« genvoll. erzürnt, machtlos durchschritt er die Trümmer des DorjeS. fieber-haften, doch leichten Schritt'S, ungeachtet seiner 04 Jahre und seiner Belcibthrit. Gr schüttelte den Kahlkopf, st^unpste den Boden, ballte die Fäuste; dann kam er schriniiar rutiiger zu uns zurück, aber wir fühlten es. daß sein Lächeln erzwungen war und wir zitterten, denn eS gab daS Zeichen zu drn Erschießungen. Nach der letzten Salve fuhr Iuarez mit den Händen über sein mit Schweiß und Koth bedecktes Gesicht, dann murmelte er vor sich hin. Manchm^il verjiasj er gänzlich unsere schreckliche Lage, nnd mit weicher, verschleierter Stimme erzählte er nns Relsc-Anek' doten. insbesondere aus Frankreich, wo er unter Miramon und unter der dritten Präsidentschnst des Santa Anna gewesen. Dann wnrde er der liebenswürdigste Weltmann, und wir lachten sogar von ganzem Herzen. Juarcz ist ein unermüdlicher Plauderer und sehr unterrichtet, aber er sieht Alles falsch. Cr stammt ja auS einer verkommenen Race. deren Merkmale seine hervorspringenden Backenknochen, seine niedrige Stirn mit glattem grauen Haar, seine Nase, seine schwarzen kleinen Augen sind, woraus von Zeit zu Zeit ein blutiger Blitz fährt. Er ist von mittlerer Größe und ein häßliches Eninplar drr indischen gekreltzten Race. Seine Sitten sind rein, seine Nüchternlicit ist außerordentlich; er arbeitet gern nno viel. Seine seltenen Erholungen bestehen in Lesen, in einem langen Spaziergang oder Spazierritt, in einer Partie Schach, welches er herzlich schlecht spielt. (Zur bürgerlichen Gleichberechtigung der Weiber.) Der Engländer Mill hat mit seinem Borschlage. daS allgemeine Stimmrecht auf die Weiber auszudehnen, natürlich einen tiefen Eindruck auf die schönere Hälfte des menschlichen Geschlechtes gemacht. Mill hat die Sache auch gar zu erllst genommen. Kürzlich nun sollte ein alter Herr eine Rede über die Rechte der Weiber halten, und der Saal füllte sich zur ans^escigten Stunde mit Personen beiderlei Geschlechtes. Eine Dame tritt herein, deren sester Gang zur Genüge ihren FreiheitS- und Unab-hängigkeitSsinn bekundet. Sie findet keinen Platz mehr. Ein Herr erhebt sich, um ihr den seinigen zu überlassen. „Gehören Sie auch zu den Frauen." fragt er, „welche die gleichen Rechte wie die Männer bean-lpruchen?" — „Gewiß", entgegnete die Dame mit keckem Ton. — „Sie sind der Meinung, daß eine Frau dieselben Privilegien genießen sollte, wie der Mann?" — „Ja mein Herr." — „Nun dann, meine Dame, bleiben Sie gefälligst stehen und genießen Sie die Freuden unserer Rechte." Dainit nahm er seinen Platz wieder ein. (W e i n be r e i t u n g.) Die schon früher gemachte Beobtichtung deS belgischen Botanikers Marren, daß der Farbstosf der blauen Weinbeeren in den Zellen der Schallen in kleinen Bläschen abgelagert ist. die etwaS Flüssigkeit nnd gleichzeitig kleine Körnchen enthalten, bestätigt Prillieux. ^ilse Flüssigkeit ist blaßroth. die Körnchen sind schön violet. In Wasser ist der Fnrbstoff ui^löslich. mit Säuere» behandelt wird er roth. durch Alkalien blau. Der Farbstoff löst sich indessen in Alkohol. Es ist daher erklärlich, tvarnm die Winzer bei Erzeugung des RothweineS den Trauben-saft. der farbloS auS der Presse läuft, über den Schalen gähren lassen, denn der in Folge der Gährung sich bildende Alkohol dient dem Färb« ftoffe als Lösungsmittel, welcher den Wein nun zu färben im Stande ist. (L a n d w i r th s ch a ft.) Den „Bernijchen Blättern für Landwirth« schaft" ivird geschrieben; Es bestehen in Melchnan in Bezug auf die Obstsorten auch noch jene alten, meist schlechten Sorten. Die Gemeinde hat deßhalb dieses Frühjahr beschlossen, sätnmtllche in» Stammregister enthaltenen Sorten einzuführen, und zwar in der Weise, daß sie von allen Sorten Pfropfreiser kaufte und sie unentgeldlich unter diejenigen Bewohner vertheilte. ivelche ulnzupfropsen gedachten. So wurden nun sämmtliche Sorten in der Gemeinde elNs^eführt. Die Obslbaumbesitzer mupteu jedoch die Verpflichtung eingehen, im Frühjahre an Andere von ihrer Sorte Reiser abzUt^eben, haben aber umgekehrt daS Recht, von Anderen ihte Sorten ebensalls zu verlangen. So wird Melchnau binnen 6 bis 8 Jahren einen ganz neuen Obstwachs besitzen, und zwar auf eine sehr einfache Weise. Möchten andere Gemeinden daS Borgehen MelchnauS nachahmen. (Für das Uhland Denkma l.) welches man in Tübingen zu errichten beabsichtigt, sind bei dem Schwäbischen Sängerbund 16.939 fl. nnd eine ähnliche Snmme bei dem Bereine in Tübingen eingegangen. (DaS UebNNgs luger be» Bruck a. d. Leitha) besteht aus 19 Stationen, welche bereits vollkommen zur Aufnahme der bestimmten Truppen hergerichtet sind, nnd zwar: anS dem Hauptzelten- und Barnken-lager nächst Bruck, dem Zeltenlager bei Pakfurt und den Stationen Der Gerichtsschreiber ging. „Der Schurke ist zu Allem zn gebrauchen." sprach der Baron hinter ihm her. Dann lvutde sein Gesicht vergnügter, zufriedener, als eS gewe fen war. Und es follte noch vergnügter tverden. Er war wieder an das Fenster getreten und blickte hindurch; schnell trat er zurück. „Teufel, die hat ihre Sache loS! DaS darf man nicht stören. Wie vertraulich sie ihm ist. und wie zärtlich gegen die Kinder, als »venn sie schon die Mntter wäre! Und er! — wahrhaftig, man könnte sie schon für ein Paar halten. Wenn nur die verdammten Trauermonate Nicht tvären!" Er hatte sich hinter den Vorhängen des FensterS verborgen, um Von da aus, ohne selbst gefehen zu werden, den iveiten Hof ülierblicken zu können. Ein Herr und eine Dame kamen über den Hos. beide nocl» zienllich jung. Si^;ingen neben einander, die D^nne führte an jeder Hand ein Klnd. ein Mädchen von sieben nnd einen Knaben von süns Jaliren. Der Herr war der Gutsherr, der Baron .Rudolph von Mc,hloir>. die Dame^ war Fräulein Fanny von Malhoiu. di. Tochter deS Baron Paul, und die Kinder Ovaren dje deS Gutsherrn. Alle kamen auS dem Zchloß.jnten. in dem sie wohl einen gemeinschaftlichen Spaziergcurg gemacht l)atten; der Baron mit seinen Kindern begleitete VaS Fräulein zn ihrer Wohnung. Der Barou sah ernst und traurig auS. aber er war nicht mibr niedergeschlagen. Hatte das schöne Fräulein ihn getröstet? Schön lvlir sie. und sie g»g so theilnehmend neben ih«. und ihre Tlieilnahme war eine so trannge und doch so zärtliche, und gegen seiue Kinder war sie so freundlich und liebevoll; freundlich ivaren auch die Kinder zu ihr. man sah eS lhnen an. daß die Liebe deS FränleinS ihnen wohlthat. AuS l de» Auge« det Barons konnte für Momente die Trauer entweichen, wenn! er dem süße« Geplauder der Kinder mit der Tante lauschte; und ivenn die Kleine» dann lächelten, wie h«'Nte er nicht, wen» auch leise und noch! schmerzlich, doch danktiar der schönen Kousine zulächeln müssen, die so mitleidig gegen ihn. so liebevoll zu seinen Kindern war? Das Alles sah der Baron Paul hinter seinen Fenstervorhängen. „Eine dumme Einrichtung, diese offiziellen Trmermonate". meinte er. „Einen Gimpel fangen ist leicht, aber ihn halten, kann oft verdammt fchtver werden." Aber dann leuchtete sein rotlies Geficht wieder. Die Spaziergänger waren bis zu der Thür seiner Wohnung gekom-men und blieben dort nahe an seinem Fester stehen, um sich zu verab« schieden. Fräulein Fanny nahm erst daS Mädchen, dann den Knaben in ihre Arlne. „Arme ThnSoelda! Ja. Du fühlst schon den schweren Verlust, den Du erlitten hast Du h»ist ja auch »nn meisten verloren — nächst Deinem gnten Bater. — Ein Mädchen ohne Mutter, in Deinem zarten Alter Sie konnte vor Rührung nicht weiter sprechen. Sie küßte daS Kind fast leideaschastlich. Und der Batcr des KindeS konnte sie und ihren Schlnerz und ihre Liebe zu dem Kiiide oline Rührung nicht ansehcn^ Sic naiim dann von dem Knaben Abschied und küßte auch ihn. !„Du lvarst oft heftig. Kuno. Sei es nicht mehr. Sieh, wie Dein Bater traurig ist; Du wirst iiin noch trauriger inachen. O. Kinder, gebt ihm Eure doppelte Litbe für DaS, waS er verloren bat; nur die Liebe der Kinder kann il)M seligen Berlnst — nein. nein, sein Berlust ist ein unersetzlicher; kein Herz in der Welt kann —" Sie mußte laut aufschluchzen und konnte kein Wort iveiter hervor-bringen. Stumm ergriff sie die Hand deS BaronS. die sie drückte, ivah« rend sie ihm einen innigen Blick zuwarf. Darauf stürzte sie fort in das Haut. Der Barotl ging mit seine» Kindern sinnend dem großen Portale des Schlosses zu. — (Fortsetzuug folgt.) l ! ^ WilfleinSdorf. KönigShof, SaraSdorf, Stix-Neufledl. ArbeSthal. GöttelS« br«nn. Goiß. Parndorf, Winden, Rohrau. Hollern. Schöntibrunn, Hofleiu. Prellentirchen. Neudorf, PoKneusiedel, Haslau und Neusiedel am See. Das ganze Lager ist für eine Truppcnanzahl von 20—25,000 Mann bestimmt und wird von der Infanterie am 20. und 21. Juli, von der Kavallerie jedoch erst am 4. August bezogen werden. Die Haupt- und Gksammtmanöver finden Ende Septcmlitr statt. (Die Triester Handelskammer) l)at sich in dem bezüg-lichrn Bcrichte an daS Ministerium sür die Zultissung auswärtiger VcrsicherungS Gesellschaften auSgksprochen; jedoch folgende Bedingungkn gestellt: Alle im Kaiserstaate zugclnsscnen fremden VcrsicherungS' Geftll-schasten haben angemessene Kautionen zu liintcrlegen — sie haben sich allen für die einheimilchcn in Kraft bestehenden Verfügungen bezüglich der Satzungen und deö Betriebes zu unterziehen. Marbnrger Berichte. (Au« dem Weh stände.) Vor acht Tagen kam ein hiesiger EiscnbahN'Schaffner in fpater Nachtstunde nach Hause und entkleidete sich im Finsteren. Seine Ehefrau klagte über plöKlicheS Unwohlsein und bat ihn. den Arzt zu holen, tvaS auch geschal). Auf dem Rückwrge von der Wohnung des Arztes beschloß der Ehemann, seine Betrübniß durch ein Sridel Wein zu lindern. Im Gasthause angekommen, wurde er von Bekannten ge» fragt, warum er denn graue Hosen trage und nicht blaue? Er griff als Schaffner und Ehemann in den Sack deS neuen Beinkleides und förderte eine Brieftasche anS Licht, in welcher sich 120 fl. befanden. Nachdem er in seine Wohnung zurückgekehrt und die Kerze angezündet, entdeckte er. daß die Erkrankte während seiner Abwesenheit verschwunden. (Einbruch.) Am vorigen SamStag verkaufte eine Grundbefiperin in Frauheim ihr bestes Pferd um 180 fl. und legte daS Geld zu ihrer Baarschast von 20 fl. in die Truhe. Nachmittag, als die Eigenthümerin fammt ihren Leuten auf der Wiese beschäftigt und Niemand im Haufe war. deckten mehrere Gauner das Ziegeldach ab. brachen ein und stahlen die 200 fl. Die übrigen Gegenstände bliebm unberührt. (Zum Selbstmorde in der Kaserne.) Der Soldat, welcher stch am 24. d. M. in der Kaserne erhängt, war einer genaueren Mittheilung zu Folge nicht ein Säger, sondern ein Gemeiner vom Regiment Härtung. (Konzert.) Der kausmönnische Berein hat durch seinen Beschluß, am 26. d. M. ein Konzert zu veranstalten, sich um die Förderung unse-res geselligen Lebens ve»dient gemacht. Der Besuch und die Ausführung des Programms übertrafen die Erwartung. Wir entsinnen unS nicht, hier jemals bei einem Konzerte so viele Theilnehmer gezählt zu haben und freuen wir unS des schönen Geschlechtes wegen, daß der vorgestrige Abend bewiesen, die Vereine seien nicht bloS für Männer gegründet. Herr Kapellmeister Brava hatte mit seinem ausgezeichneten Klavierspiele den bekannten Erfolg. Der Opernfänger Herr MelkuS aus Wien besitzt eine kräftige, klangvolle Baßstimme von bedeutendem Umfang; er trug sieben Liedrr vor: „Der verbannte Polenfürft" von Weidt. „Der schlesische Zecher und der Teufcl" von Reißiger. „Dcr Mönch" von Meyerbeer, „Leicht Gepäck" von Schäffer. „Tief unten im Meere" von A. Müller. „L'mdlich, sittlich" und „Die Flucht deS Schwarze»" von Suppv. Diese Lieder wurden mit rauschendem Beifall aufgenommen: „Der schlesische Zecher nnd der Teufel", „Leicht Gepäck" und „Ländlich, sittlich" mußten wiederholt werden. Die Mitglieder deS Männergesangvereins. welche dem guten Rufe desselben entsprechend mitwirkten, waren die Herren: Simonitsch, Brava. Kokoschinegg und Pöschl. Bon diesem Quartett wurden gesungen; „Der Wunsch" von Witt und die „Abendfeier" von Kreuzer. Herr Professor Rieck ergötzte die Zuhörer durch seine „Bilder aus einer mensch, lichen Menagerie". Das Konzert dauerte von 8'/, bis 11 Uhr und ist es sicher ein Beweis für die Gediegenheit der Leistungen, daß ungeachtet der drückenden Hitze und des beengten Raumes vor dem Schluße kein Zuhörer sich entfernte. Letzte Vost. Der Ausschuß für dt» Berath»«a des Wehraefetzes hat beschlossen, dieselbe z» vertage«, bis bie Krage «der die staatsrecht» liche Stellui^ der diesseMge» NeiehsySlste z» de« LA«der» der ungarische« Krone gelbst sei« wird. Auf eine A«srage Deaks wurde »sm «ugarische« Mi«isteriu« erklärt, daß «ach dem E«de der Vertaguug die Gesetze«twiirse über die Berei«igung Tiedenbitraens mit ««gar«, über die Statio» nalitäte« - Krage und die Gleichberechtigung der I»de« vorgelegt werden. Die Partei Dea? ist entschlösse«, i« die Delegatio« ?et«e Beamte« des Ministeriums zu wählen. Die franzöfische SIegierung verlangt eine« Kredit vo« KS8 Millio«e« für die «eue Bewaffuung. Gwgefandt. An das löbliche Kasino Komite! Wäre es nicht möglich, Herrn F. Melkus für einen Familienabend zu gewinnen. Mehrere Kasino Mitglieder. Telegraphischer. Wiener Cours vout 27. Juni. Metalliquet ..... 60.80 Krediiaktien........188.70 Bankaktien.......7Sö.— K. 5l. Münz-Dukaten .... 5.90 »' Edikt. Vom k. k. Bezirksgerichte Marburg wird mit Bezug auf die Edikte vom 2. April l. 3., Z. 3147, und 20. Mai l. 3., Z. 5690, bekannt gemacht: ES werde am IS. Juli d. I. Bormittags von 11—12 Uhr an Ort und Stelle der dem Hrrrn Anton und der Frau Katharina Hoinig gehörigen Realität C. N. 107 »ä Magistrat Murburg in der Burggafse zu Marburg zur dritten exekutiven Feilbietung derselben ge-schritten und bei dieser Ta^apung die Realität auch unter dem Schäß« wert he per 28.460 fl. ö. W. liintangegeben werden. Marburg am 16. Juni 1867. Samstag den 29. Juni 1867: I« navi» Zusammenkunft um 2V, Uhr Nachmittags in der Magdalena-Borstadt beim Perko'schen StüÄ ober der Brücke. Bei ungünstiger Witterung findet selbe Sonntag den 30. statt. 339) I. N. Koptiwa. garten - Anzeige. Unterzeichneter erlaubt sich hiemit ergebenst anzuzeigen, daß «Ae Sonn' und Feiertage bei günstiger Witterung «aetviiiniiAM von der Kapelle der Südbahn Werkstätte ohne Entrees und ohne Sammlung abgehalten wird, wobei nur das frisch vom CiSkrller geschenkte MArzeubier daS Krügl s. 10 kr., echte gute Weine und geschmackvolle Speisen um den gewöhnlichen Preis servitt werden. Er ladet daher das hochverehtte ?. I'. Publikum zum recht zahlreichen Besuche höftichst ein und wird stets bemüht sein, die geehrten Gäste in aller und jeder Beziehung bestens zufrieden zu stellen. DM'' Backhendl 36 kr. und frischgebackene Spripstrauben find stets zn haben. Anfang der Mufik um 6. Ende um 11 Uhr. Es wird auch fortwährend unter dcr Woche alle Abende eine Auswahl von Speisen bereit sein und stets seines Märzenbier das Krügl 27t;) «astwirth i« der GrazervorstAdt. Pferde-Verkauf. "Mlk Zwei Schimmel, Wagenpferde, 15 I. 1 St. und 15 I. 2 St. groß, stlirk und kräftig, sehr wohl erh^Uten, frisch und gesund, fehlerfrei, fiir Kalesche und schweren Zug, besonders aber als WirtlischaftSpferde noch sehr brauchbar, sind billig zu verkaufen. Näheres beim Kutfcher Georg in Marburg, im Pachner'schen Hause in der Postgaffe. (340 Anempfehlung. Der Gefertigte empfiehlt sich den P. T. Hochwürdigen Herren Dechanten und Pfarrern der Lavanter Diözese zur Besorgung kirchlicher Beftellungen, Geldbehebungen und dergleichen Kommifsionen allhi,r. Graz, im Juni 18K7. Josef Larmer, Pens. Pfarrer. wohnt: Rößlmühlgafse. Nr. 847.1. Stock. Die Restauration zum Mrntuerbahuhof in der Magdalena-Borstadt ist zu verpachten. Näheres beim Eigcnthümer in der Alleegafse. Daselbst sind auch ein Paar brave Pferde sammt Wagen zu vkrkaufen. (324 Eisenbahn-Fahrordnung für Marburg. Räch Wien: Räch Trieft: Abfahrt: « Uhk Lü Min Früh. Abfahrt: 8 Uhr 14 Mi«. Früh. 7 Uhr !t Mi» Abends. 8 Uhr 48 Min. Abends. Räch «illach: Abfahrt: 9 Uhr Krüh. D»e gemischten Zllge verkehrt» täglich in der Richtung «ach Wien: Trieft: Abfahrt: 12 llh» 34 Min. Mittags. Abfahrt: 1 Uhr Mi«. Mittags. Die Eilzüge verkehren täglich zwischen Wie« «nd Trieft. Nach »le«: R«ch Trieft: Abfahrt: Z Uhr 4« Mi«. Mittags. »bs«hrt: 1 Uhr 5Z Mi». Wittags. Z. 3942. (^^2 Aahr«Ue» - Versteigerung. Bom k. k. Bezirksgerichte Marburg wird bekannt gemacht: Es sei die exekutive Feilbietung der dem Michael Steflitsch gehörigen, mit gerichtlichem Pfandrecht belegten und auf 651 fl. gefchä^ten Fahrnifse. alS: Pferde, Ochsen, Kühe. Kälber, Wagen ze. bewilliget, und seien hiezu zwei Feilbietungstagsatzungen. die erste auf dea H., die zweite auf den »V. 18K7 jedesmal von 10—12 Uhr Vormittags im Wohnorte des Eirekuten zu Graßnitz. Haus Nr. 15. mit dem Beisätze angeordnet worden, daß die Pfandstüllte bri der ersten Fkilbietung nur um oder ilbee de« Schätzungswerth. bei der zweiten Feilbietuug aber auch unter demselben gegen sogleiche Barzahlung und Wegschaffuug hintangegeben werden. Marburg am 17. Mai 1867. Feuer-Signale ftir Marburg. An der großen Glocke des Stadtpfarr-Thurmes: 4 Schläge bei ei»em Brande in der inneren Stadt, g ... . „ . Graj...«»ft-dt 2 „ „ „ „ . „ «äri!«»tr Borstadt. 1 Schlag.....Magtalei-B-rftadt. Verantwortlicher Redakteur: Kranz Wie st h«ler. H. N. St. G. Druck und Verlag v»« td»ard Ja«fchiß in Ward>rß. Verantwortlicher Redakteur: Kranz Wie st h«ler. H. N. St. G. Druck und Verlag v»« td»ard Ja«fchiß in Ward>rß.