ANMERKUNGEN ZU EPIPACTIS NORDENIORUM ROBATSCH SOME NOTES ON EPIPACTIS NORDENIORUM ROBATSCH Stefan HERTEL1 ZUSAMMENFASSUNG Anmerkungen zu Epipactis nordeniorum Bei mehreren Reisen nach Slowenien und Kroatien werden verschiedene Fundorte von Epipactis nordeniorum aufgesucht. Die gesehenen Pflanzen entsprechen vollumfänglich dieser Art und liegen in ihrer Variationsbreite innerhalb der bekannten Formen aus Österreich und Ungarn. Keywords: Orchidaceae; Epipactis, Epipactis nordeniorum, Verbreitung, Ökologie, Flora Sloweniens ABSTRACT Some notes on Epipactis nordeniorum During several trips to Slovenia and Croatia certain locations of Epipactis nordeniorum have been visited. The plants observed there can be regarded as variation of the forms of the same species seen in Austria and Hungary. Keywords: Orchidaceae; Epipactis, Epipactis nordeniorum, distribution, ecology, flora of Slovenia 1 Lerchenbergerstr. 18, D-83527 Haag, Deutschland, e-mail: kus-hertel@t-online.de FOLIA BIOLOGICA ET GEOLOGICA 56/3, 137-148, LJUBLJANA 2015 1 EINLEITUNG ANMERKUNGEN ZU EPIPACTIS NORDENIORUM ROBATSCH Der Autor beschäftigt sich seit über 15 Jahren intensiv mit der Gattung Epipactis. Die ersten Pflanzen von Epipactis nordeniorum sah er in dem bekannten und für die Art untypischen Sekundärbiotop im Schlosspark von Pinkafeld (Burgenland, Österreich), wenige weitere Exemplare in ursprünglichen Biotopen der weiteren Umgebung, im Günser Gebirge (Burgenland, Österreich). Danach begegnete ihm die Art mehrfach auf zwei Reisen 2004 und 2005 nach Ungarn, sowohl am Locus classicus von Epipactis tallosii bei Nyirad, insbesondere aber im Mecsek-Gebirge (Pecs, Ungarn). Epipactis nordeniorum wird gerne von anderen Auwaldarten der Gattung Epipactis begleitet. Dies sind im Einzelnen Epipactis albensis im Günser Gebirge, Epipactis tallosii bei Nyirad und Epipactis mecsekensis im Mecsek-Gebirge. 2008 wurde er von Roko Cicmir, Zagreb, gebeten, einige Populationen in Kroatien und Slowenien zu begutachten, über deren Zuordnung keine absolute Sicherheit bestand. Insbesondere war aufgefallen, dass die vermuteten Epipactis nordeniorum unterschiedlich ausgeprägt waren. Ein weiteres Ziel war das Auffinden weiterer Populationen von Epipactis rivularis und das genaue Studium dieser Art am Locus typicus. Epipactis nordeniorum ist durch die fast kugeligen Blütenknospen und die rundlichen Früchte sowohl im knospigen, als auch im verblühten Zustand gut von den anderen, sie begleitenden Epipactis-Arten zu unterscheiden, die länglichere Knospen, bzw. schmalere Früchte aufweisen (Robatsch 1991, Delforge 2005, AHO Bayern e.V. 2014). Das ist sehr hilfreich, da man die Pflanzen nicht immer blühend vorfindet. Dagegen ist eine Zuordnung anhand von Habitus und Laubblättern nicht sicher möglich. Als feuchtigkeitsliebende Art wächst Epipactis nordeniorum gerne entlang von Bächen und in Bachschluchten. Sie kann aber auch an anderen Stellen mit ausreichender Wasserversorgung beobachtet werden, wie z.B. in lehmig feuchten Bergwäldern (Mecsek-Ge-birge, Ungarn), in Sumpfwäldern (Krakovski Gozd, Slowenien) oder sogar in halbschattigen Wiesen mit ausreichend Feuchtigkeit (Pinkafeld, Österreich). Auch weitere Auwaldarten der Gattung Epipactis wie Epipactis moravica bei Stupava (Slowakei) oder Epipactis albensis bei Görlitz (Deutschland) wachsen bisweilen in ausreichend feuchten Wiesen (Hertel, persönliche Beobachtungen). Nach intensivem Studium von Epipactis rivularis am Locus classicus sollte eine weitere, der wenigen bekannten Populationen dieser Art untersucht werden. Ein einsetzendes Gewitter zwang uns allerdings, das Vorhaben abzubrechen, kaum dass wir die Pflanzen erreicht hatten. Allerdings konnten wir noch feststellen, dass es sich dabei ausschließlich um Epipactis nordeniorum und nicht um Epipactis rivularis handelte. Am Medvednica, einem Bergmassiv nördlich von Zagreb (Kroatien) wurde eine weitere Stelle aufgesucht, die sich ebenfalls als Epipactis nordeniorum herausstellte. Mit einer Höhe von 760 m ü. N.N. war der zweite dieser Fundorte ein ungewöhnlich hoch gelegener Standort dieser Art. Am nächsten Tag studierten wir zwei individuenreiche Populationen von Epipactis nordeniorum im Krakovski Gozd südwestlich von Krško (Slowenien), die uns Jože Kosec (aus Šinkov Turn, Slowenien) zeigte. Dabei wurden unterschiedliche Ausprägungen festgestellt, die bereits früher in Österreich und Ungarn beobachtet wurden: Typ A:Im bereits erwähnten Schlosspark von Pinkafeld hat Epipactis nordeniorum eher ein rötliches Epichil mit relativ krausen Kalli und gezähnten Epichilrändern. Der Durchgang vom Hypochil zum Epichil ist eher eng Typ U:In Ungarn ist das Epichil eher weiß mit meist nur leichter rosa Tönung, die Kalli sind völlig glatt und die Epichilränder ungezähnt. Der Durchgang vom Hypochil zum Epichil ist eher breit. Bisher konnte an einem Standort oder sogar in einer Gegend immer nur einer der beiden Typen gefunden werden. Auch im Krakovski Gozd schien dies auf den ersten Blick der Fall zu sein. Die eine Population tendierte mehr zu Typ A, die andere mehr zu Typ B. Bei genauerer Betrachtung der Pflanzen zeigte sich aber, dass die Pflanzen vom Typ A weniger krause Höcker hatten und die Lippenränder kaum bis gar nicht gezähnt waren. Die Pflanzen vom Typ U hatten dagegen etwas stärkere, wenn auch glatte Kalli. Letztendlich variieren die Pflanzen dort in einer Bandbreite die zwischen den beiden Typen liegt, ohne jedoch die Extremformen aus Österreich und Ungarn zu erreichen. Angeregt durch die Erstbeschreibung von Epipac-tis autumnalis unternahmen Helmut Presser und ich vier Wochen später eine weitere Exkursion, die uns im weiteren Verlauf auch nach Kroatien und Slowenien führte. Uns war bekannt, dass alle bisher beobachteten sogenannten Auwald-Epipactis-Arten nach der normalen Blütezeit vereinzelt bis in den November blühen konnten. Nachdem dies Roko Čičmir, Zagreb, auch bei Epipactis rivularis beobachtet hatte, lag die Vermutung nahe, dass das bei Epipactis nordeniorum ebenfalls der Fall ist. Eine erste aufblühende Pflanze fanden wir am 52 FOLIA BIOLOGICA ET GEOLOGICA 56/3 - 2015 ANMERKUNGEN ZU EPIPACTIS NORDENIORUM ROBATSCH 29.08.2008 am Stausee bei Soteska, südöstlich von Žužemberk in unmittelbarer Nähe des Wassers. Auch im Krakovski Gozd blühten in beiden Populationen am 29.08.2008 noch wenige Pflanzen. Da hier bereits vier Wochen früher ein Teil der Pflanzen fruchtend war, erstreckt sich die Blütezeit über mindestens 6 Wo- chen. Auch am Medvednica und nördlich des Ivanscica in Kroatien konnten wir am 31.08.2008 an mehreren Stellen noch letzte blühende Epipactis nordeniorum finden. Auch hier war der Großteil der Pflanzen bereits fruchtend. Die Pflanzen waren hier alle eindeutig vom Typ U. 2 SUMMARY The author get to know Epipactis nordeniorum during trips to Austria and Hungary in 1998, 2004 and 2005 and studied the differences between Epipactis nordeniorum and similar species. At the beginning of August 2008 he was invited by Roko Cicmir, Zagreb, Croatia, to analyse some populations of Epipactis nordeniorum in Croatia and Slovenia. We concluded after seeing all populations (Krakovski Gozd, Slovenia, Medvednica, Croatia) that all plants really are Epipac-tis nordeniorum also at one location where it was thought to be Epipactis rivularis before. We also realised that there are two types of Epipac-tis nordeniorum, one like in Austria (type A) and one like in Hungary (type H). Type A: reddish epichile with curly calli and dentate margins. The connection between hypochile and epichile is usually narrow. Typ U:whitish epichile with only slightly rose shading, completely smooth calli and plain margins. The connection between hypochile and epichile is usually broad. The author has undertaken a second trip with Helmut Presser to Slovenia and Croatia at end of August 2008 to visit the same populations again. They wanted to see if there were late flowering plants in the same places as in other related species. We could confirm the latter and discovered some new populations especially around Mount Ivanščica in the very North of Croatia and a single plant near Soteska, southeast of Žužemberk, Slovenia. DANKSAGUNG - ACKNOWLEDGEMENTS Ich danke Dr. Matej Lipovsek, Maribor für die Anregung zu dieser Arbeit und für seine Hilfe beim Verfassen des englischen summary. Helmut Presser, Eichstätt hat dankenswerter den Artikel Korrektur gelesen. Dr. Matej Lipovšek, sowie Roko Čičmir, Zagreb und Jože Kosec, Ljubljana haben mir freundlicherweise verschiedene Fundorte von Epipactis nordeniorum gezeigt. 3 LITERATUR - REFERENCES AHO Bayern e.V., 2014: Einblicke in die Gattung Epipactis. http://www.aho-bayern.de/epipactis/fs_epipactis_1. html Croce, A., L. Bongiorni, R. De Vivo & S. Fori, 2011: Epipactis nordeniorum subsp. maricae, una nuova sottospe- cie dal Vulcano di Roccamonfina (Campania, Sud Italia). Jour. Eur. Orch. (Stuttgart) 43 (4): 833 - 846. Delforge, P., 2005: Guide des Orchidées d'Europe d'Afrique du Nord et du Proche Orient (3). Delachaux et Niestlé S.A. Lausanne - Paris. Robatsch, K., 1991: Epipactis nordeniorum K. Robatsch, spec. nova, eine neue Epipactis-Art aus der Steiermark. Mitt. Abt. Bot. Landesmus. Joanneum Graz (Graz) 20: 31-35. 52 FOLIA BIOLOGICA ET GEOLOGICA 56/3 - 2015 ANMERKUNGEN ZU EPIPACTIS NORDENIORUM ROBATSCH w fr» Epipactis nordeniorum, Soteska 29.08.2008 \ > 54 FOLIA BIOLOGICA ET GEOLOGICA 56/3 - 2015 Epipactis nordeniorum Typ A, Krakovski Gozd 03.08.2008 ANMERKUNGEN ZU EPIPACTIS NORDENIORUM ROBATSCH Epipactis nordeniorum Typ A, Krakovski Gozd 30.08.2008 Epipactis nordeniorum Typ U, Ivanščica 31.08.2008 52 FOLIA BIOLOGICA ET GEOLOGICA 56/3 - 2015 FOLIA BIOLOGICA ET GEOLOGICA 56/3 - 2015 119