5 aibacher Wochenblatt zum Nußen und Vergnügen. Freytag den ^Z.October. i3'Z. Vorposten- Freundschaft. 3?ls der Marschall Massena 5n Porw gu. eingerückt war, traf er ans den englischen Feldherrn Wellington, der sich am jenseitigen Ufer des Ta^o ernstlich verschanzt hatte. Jedes unternehmen gegen ihn wurde ein mißliches Wagsiück gewesen seyn; und Massona hielt es daher für rathsamer, am d:eßsctt:gen Ufer erst abzuwarten, bis Vc:stärku«gstruppen zu ihm stoßen wurden. Dieß verzögerte sich indessen doch von einer Woche zur sndern; und da man, nach gewohnter Wcise, sich nicht mit hiniä'ngNchcn Nahnmgsnnt-teln versehen hatte, brach endlich eine solche Hunqerönoch im französischen Lager ein, daß jeder, der eino Maus oder eine Ratte zum Schmause erhäschen konnte , sich vor seinen andern Kameraden glücklich pries. Drüben lebten die Engländer in Ueberfiuß, und wußten wohl, wie es am Ende noch komrmn könne mit den Feinden. Eines Tages stand ein Franzose ans den Vorposten des dießsei-tigen Users des Flusses; ein Engländer «m jenseitigen Ufer gmg aus und ab. Ie< ner mochte vor Hunger nicht gehen; dieser wollte nicht stehen um der Verdauung willen. Auf einmal wendete er sich um, hielt dem Franzosen einen voAen Beutel entgegen, und rief ihm in gebrochenem Französisch zu: „Franzmann! brauchst Du Taback?" —„O ja! antwortete dieser , gib ihn her." — „Kannst Du schwimmen , riefjener wieder, so komm herüber!" Das sagte er in einem so ehrlichen Tons , daß der Franzose es weiter nicht bedenklich fand, sich auszuziehen, und über den Fluß ans jenseitige Ufer zu schwimmen. „Bravo Kamrad! rief ihm der Britts entgegen und schüttelte ihm die Hand, Du hast doch noch die Courage ! Da nimm den Beutel. Brauchst wohl auch noch Brod und Rum?" — „Vch, ja wohl!" antwortete der Franzmann. — „Hier nimm diese Flasche, sie ist voll; und da ist auch Zwie-back." So sprach der Engländer, wickelte alles sorgfältig in ein Tuch, befestigte ihm das Dündelchen am Halse, und schickte ihn mit den Worten wieder fort: „Nun schwimm' in Gottes Nahmen wieder hinüber; Du bist ein wackerer Kam-rad!" Der Franzost bedankte sich, und ttat seine Rückreise, zum Erstaunen fti- M , nsr Arisgsgenossen, wieder an, die ihm für einen Äusreisser gehalten hatten, und ihn nun wieder fo sonderbar bepackt daher schwimmen sahep. Freilich wohl hatte er Straft verdient. Als er aber ansparte, und den Hinptmann auch einen kleinen Antheil von dem unschätzbaren G'-schenke darreichte war alles vergeben und bevgössen; und der Soldat fand seine Kühnheit reichlich dadurch belohnt, daß er nun doch auf einige Tage wenigstens gegen den Hunger gesichert war. In der Folge des Krieges wurde sein Regiment fast ganz aufgerieben, und mit Wenigen , die mit heiler Haut davon gekommen wa-wen., kam er nach Frankreich zurück. In Toulon, wo er einige Ieit bleiben mußte, hörte er, daß in dem dasigen La-zarethe verwundete Engländer lägen ; und da er seit jener Begebenheit eine gewisse Liebe zu dieser Nazion gefaßt hatte,, beschloß er, hinein zu gehen, um die verwundeten Gefangenen zu besuchen. Kaum aber war er in das Zimmer getreten, als er, zn seinem nicht geringen Erstaunen, denselben Engländer, der ihn so großmüthig beschenkt hatte, mitten unter den Kranken fand. Auch dieser erkannte den Franzosen sogleich, und die Freude über ein so unverhofftes Wiedersehen war unbeschreiblich. Täglich besuchte nun der Franzose seinen B.itten, bis das Gebot zum weitern Marsch das Freundschafts-bundniß auf immer löste. Noch am lez-ten Tage tätowirte der Englander mit einer Nadel d^eAnfangsbuchstaben seines Namens und das Englische Wappen sehr geschickt auf des Freundes Arm; und dieser war stolz darauf, sin solches Andenken zu haben, und zeigte es unter andern seinem Wirthe in Leipzig , dem er auch die Geschichte erzählt, die wir unsern Lesern hier mitgetheilt haben. Theateranecdote. Ich spielte sinst mit Iemble in einem Trauerspiele auf dem Coventgardner Thas tek, erzählte dec uniängst verstorbene Schauspieler ^ook. Wir waren Beide zusammen allein auf der Bühne, als ich zu meinem großen Schrecken gewahr ward, daß wir eine Szene im zweiten Act spielten, die erst im dritten vorkommen sollte. Halb von Sntnen über diese Entdeckung, fiüsterte ich Kenchle'n zu: „wir sind irre!" — ,, spklt nur fon," flüsterte er; und so spielten wir denn in Gottes Namen die ganze Azene,zu Ende. „Wißt ihr, was wir gemacht haben? rief ich ihm zu, so wie wir nur glücklich hinttr den Coulissen waren, wir haben eine Szene aus dem dritten Akte jezt gespielt." — „Ich weiß es wohl," erwiederte Freund John ganz gelassen. ^— „Aber was in aller Welt sollen wir jezt im dritten Akt beginnen ?" f.agte ich wieder. — „Die Szene cms dem zweiten spielen ," war sein Antwort. Das tha-Zen wir denn auch, und es ging glücklich ab; Nieman)von denInschau^rn vemerkts es, nicht einmal die Theatevkritiker, dis uns doch immer auftaun.«!,, um etwas für ihre Zeitungsartikel zu sinden. — Auf einem deutsch m Theater wars solch ein Versetz?«, des SouPeurs wegen, nicht .leicht möglich, in England aber wohl, wo sein Kostn: auf d>r Vühne gar nicht geduldet wird, sondern er blos mit dem Buchs in der .Hand hinter der Szene sieht, um nur eittzuhelfen, wenn der Schauspieler stockt; so lange sie rasch fortreden , halt er seine Hülfe für überflüssig, und laßt sie gewahren, ohne sich sonder? lich um hen Inhalt dessen, was sie sagen zu kümmern. Indessen muß es doch HM wunderliches Trauerspiel seyn, das "man so gscichsc'm unwenden kann, und das doch an Zusammenhang nicht verliert. ^ Kcmble hatte sich cine "Zsillanq anqe-wohnt, eine Mcngs Bricss und Billette zu schreiben, und sie erst naclcher.mil ih--ten Adressen zu versehen. Dabei machte er oft Mißgriffe, die zu manchsr komischen Situation Anlaß gaben.- Cook, der im Fache der Tyranen und großer Bö-sewichter das war, was Kemble in Heldenrollen und als erster Liebhaber in der Tragöoie L^och ist, erhielt einmahl einen Brief von ihm, wie er sich fthr über die Frechheit wunderte, mit der es wage, sich abermahls an ihn zuwenden, da er ihm doch eben aus tcistigen Gründenden Abschied gegeben habe, während ein armer unbedeutender Schauspieler eine herzliche Einladung empfing, zu seiner .Gesellschaft zu treten und die Haljte des Gewmnstes mit ihm zu theilen. Seine Haushälterin bekam den Befehl, sich zur Nolle des Clytus bereit zu halten, und einer der ersten Schauspieler den , darauf zu sehen daß seine Zimmer in Ordnung gebracht und gehörig gelüftet würden. Einiges aus Paris im August 1316. Gewöhnlich sind unsere Erwartungen größer, als man es nachher findet. Bey Paris bleibt unsere Einbildungskraft hinter der Wahrheit zurück. .Kein Panorama aibt es so schön, als es ist. Ist man Abends zwischen 7 und 10 Uhr auf den Boulevards, so hat man den höchsten Lebensgenuß, der denkbar ist. Man sitzt oder geht zwischen 10,000 schonen Weibern und 20,000 geputzten Herren. Die Beleuchtung ist bezaubernd an den Kaf-fchäusern, die Luft in diesen Augustaben- den unter den schönen Linden herrlich. In dcn Strassen rollen die Wagen auf und ab, und in den Trottons, deren Alleen obcn wie Lanbengänge zusammen grenzen und vom Schimmer der Lampe« .erleuchtet sind, woaen unabsehbare Massen in den, eine Stunde langen, Boulevards auf, und ab. Alle Zo bis 100 -Schritte trifft man auf Spiele, Musik, kleine Theater,, und sollten es Hundsko-mödien seyn. Besteigt man vottends die Vendome-Gäule, dann schwindet Vle Welt vor unsern Blicken. Dieser steinerne Kegel von ungefähr. 150 Schutz Höhe, mit einer Wendeltreppe von 173 Stufen, ragt über ganz Paris hervor, und, ist für Paris, was Wien sein Stephansthurm ist, nur, daß man hier auf der höthsten Höhe eine Gallerie hat. Das ist ein Meer von Häusern, eine Unendlichkeit der Aussicht; d,ie Erde verliert sich hier in den, Himmel. Dieser, mit einer Rinde von eroberten Metall umgürtete Kegel ist wirklich eine grosse Zierde für Paris, und wird , ihm daher"wotzl auch nicht Mtriffm werden. Der iGeisterbanner. Ein Mann, Her Key seinen Bekannten in grosser Achtung stand, versicherte sie einst, daß er im Stands sey, die Geister der Verstocheneu hervor zu rufen- und da sie hierauf sehr begierig wurden, von dieser -seiner mächtigen Kunst eine Probe zu sehen, so lud er sie auf den künftigen Abend zu sich S:e erschienen. Er führte sie in em dunkles Zimmer, undsprach: „Daß ich uu.Stande bin, die Ge-ster zu rufen, darüber, meine Herren, werden Sie wohl keinen Beines forder»; denn das ksnnen Sls ssuch, und das kann Jedermann, und ss braucht keines andern Beweises, als daß ich in Ihrer Gegenwart wirklich rufe Allein, wenn sie den Erscheinungen selbst beywohnen wollen, so müssen Sie schon so lang2 warten, bis ich meiner Kunst auch noch die zweyte hinzu fuge, zu machen, daß die Geister auch kommen , wsnn «h sie rufe. Anekdote. Maximilian Sforza hatte die Abgesandten der Schweizer, von denen er im Jahr 15 l2 wieder inMn, den Franzosen wieder abgenommenes Herzogthum Mailand eingssezt worden war, zur Tafel geladen. Als er beim Nachtische bemerkte , daß feine Gäste ihre Verwunderung über einen Teller mit prächtigen Feigen zu erkennen gaben, sagts er mit selbstgefälligen Tone zu ihnen : „das brin-aen meine Staaten jährlich zwei Mal hervor." Hierauf rief der Gesandte von Unterwalden seinen Bedienten und raunte ihm etwas ins Ohr, worauf dieser hinaus ging, «nd bald mit einem prächtigen Käse zurück kam, den ihm sein Herr vor den Herzog hinzitstellen befahl, und sagte: „Das, Ew. Eurchlaucht: sind Frncbte, dis unsere Berge das ganze Jahr hindurch , alle Tage zwey Mahl bringen." Zur Zeit der mailändischen Kriege bemächtigten sich 5N0 schweizerische Freiwillige , unter demu sich 300 von Schwy; bcsandcn, unter dem Kommando Ptter-manns Rysig, eines tapfern, ebenfalls ans dem Kanton Schwyz gebürtigen Of" siziers, im Jahre 1425 der Stadt Do-«0 d'Qsfela und blieben in diesem u>n- haltbaren, bemahs gar nicht befestigtes Orte als Besatzung. Dsr Herzog von Mailand schickte ein zahlreiches Korps hin, um die Schlv^er wieder aus dem Städtchen zu vertreiben. Der mcnländ^ fche General sing damit an, daß er sie -zur Uebergabe aufforderte, und in einem weitläufigen Vortrage ihnen anerbot, sis mit Waffen und Gepäck abziehen zu lassen. "Glaubt ihr dsnn, antwortete ihm Rysigf man komme mit Schweizern durchWorte zum Ziel^" Tags darauf ließ der Gcnsral einige Galgen aufrichten , und mit Stricken behängen , um der Besatzung anzudeuten, was für ein Loos ihrer warte. "Gestern ließ Nysig ihm sagen , seid ihr nicht im Stande gewesen, uns mit Worten zu fangen heute sollt ihr es auch mit Schlingen nicht können." Wirklich vertheidigte sich Rysig mit seinen Waffenbrüdern so gut, daß eine Armee von 12,000 zhrer Landsleuts Zeit gewann, sich zu bilden, über das Gebirge 5« mcn'schnen, die am Eingänge des Thales ausg2worfenen V-.'r schanzun-gen zu erstürmen s Domo d'Ossola znentsetzen, und den Mailändern einen Frieden vorzuschreibsn, deffsn Bedmgniffe sur die Kantone ungemein vorchnlhaft waren. ' Charade. Im Ersicn nndest w der Gottheit Frieden,. Die Seelestrcot vollAndcicht himmelwärts; Gewinnst, von'.Weltgetümmel abgeschieden^ Dort reinen Balsam für dein wundes Herz. Dumpf rasseln in den Aveitcn schwere Ketten. Der MeniMeit Abschaum ist dahin gebannt, Verbrecher lagern da auf Eisenbeten, Und modern an der feuchten Kerkerwand. Doch einen Beide sick, s» steigt das Zweite Hochprangcnd von des Ersten Rücken auf; Berichtiget schon in die fernste Weite Des müden Wandrers irrgewordencn Lauf.