Machkr TMllitt^ Rcdaction und Expedition: Bahnhosgasse Nr. 15. ^ Nr. 35. Dienstag, 12. Februar 1878. — Morgen: Katharina. 11. Jahrg. Mt der Post: Ganzjahr.fl.IS. ^ ^ ^^________________________zeigen bis s Zeilen L0 kr._______^ »1 JnsertionSpreise. Sin- Der erste und der zweite Friede von Adrianopel. Nahezu vor einem halben Jahrhundert, in den ersten Tagen des September 1829, stand eine russische Armee in denselben Positionen zwischen Adrianopel und Konstantinopel, die sie jetzt bei Abschluß des Waffenstillstandes eingenommen. Von Adrianopel hatte Diebitsch Truppen gegen Kir-kilissa einer- und Demotika andererseits vorgeschoben. Jener linke Flügel bei Kirkilissa setzte sich mit der Flotte in Verbindung, welche mittlerweile in die Bucht von Midia eingelaufen war, der andere rechte Flügel aber marschierte gegen Enos am Aegäischen Meer, das er auch am 7. September erreichte. Das Centrum rückte auf der großen Straße nach Konstantinopel vor, besetzte Eski-Baba und Lüle-Burgas, die Avantgarde kam nach Karistran und streifte bis Tschorlu und Rodosto. Die russische Armee befand sich auf dem halben Wege von Adrianopel nach der Hauptstadt des türkischen Reiches und hielt mit ihren Flügeln Midia am Schwarzen und Enos am Aegäischen Meer besetzt. Da wurde am 14. September der Friede unterzeichnet. Dies war der erste Friede von Adrianopel, dessen zweite verbesserte Auflage nunmehr geliefert worden ist. Es wird sich ein gewaltiger Unterschied zwischen jenem ersten Frieden von Adrianopel und demjenigen Herausstellen, der wahrscheinlich den Namen des zweiten Friedens von Adrianopel tragen dürfte. Schon die militärische Lage der russischen Armee ist Ende Jänner 1878 eine ganz andere gewesen, als Ende August 1829. Diebitsch befand sich zwar in stetem Vorrücken und bald in der Nähe der Hauptstadt — doch, wenn je von irgend einem Heerführer gesagt werden konnte: er sei nur vorwärts marschiert, weil er nicht zurück gekonnt, so war dies bei dem russischen General der Fall, der im Sommer 1829 mit russischen Truppen zuerst den Balkan überschritten. Diebitsch hatte die türkische Armee nördlich des Balkans bei Kulewtscha geschlagen und dieselbe über das Gebirge zurückgedrängt; doch wie sie deroutiert und in Abtheilungen aufgelöst hinter dem Balkan angekommen war, wichen bedeutende Theile derselben, statt in der Richtung gegen Konstantinopel vorzugehen, nach Westen aus, gingen an den Balkan zurück, blieben also im Rücken der vorrückenden russischen Armee. Bei Philippopel stand überdies der mit 40,000 Arnau-ten aus Epirus herbeigekommene Mustapha Pascha von Skodra. Cholera und bösartige Fieber wüthe-ten indessen in den Reihen der Russen. Die Effektivstärke des russischen Heeres schmolz täglich mehr und mehr zusammen. In Adrianopel angekommen, zählte die Armee nur noch 20,000 Mann, und nur mit 13,000 Mann brach Diebitsch gegen Konstantinopel auf. Mit so geringen Kräften konnte er sich wol nicht schmeicheln, Konstantinopel zu nehmen; aber vorwärts mußte er, weil hinter ihm Mustapha Pascha stand, bereit, ihm den Weg zu verlegen, wenn er sich es einfallen ließe, umzukehren. Nur ein rasch unter dem Eindruck des russischen Vormarsches abgeschlossener Friede konnte Diebitsch retten. In Konstantinopel herrschte eine große Panik; was hinter dem Rücken der russischen Armee vorging, davon wußte man wenig oder nichts. Die Diplomaten arbeiteten Diebitsch eifrigst in die Hände, denn wie wir aus den Aufzeichnungen, die Gentz hinterlassen, wissen, lag den europäischen Großmächten alles daran, einen Krieg beendet zu sehen, welcher nun schon zwei Jahre lang den europäischen Frieden bedrohte und von welchem Gentz überzeugt war, daß er, im Falle er damals nicht beendet würde, im nächsten Frühjahr ganz Europa in Flammen setzte. Preußen leistete damals Rußland den ersten großen Dienst: es war vornehmlich das Verdienst Preußens, daß der Friede so rasch zu stande kam. Für die russische Armee war aber gerade dieses rasche Zustande-kommmen des Friedens sehr wesentlich. Einem Friedensschluß selbst war Zar Nikolaus schon im Sommer 1829 nicht abgeneigt gewesen. 1828 hatte Rußland Schlappen erlitten, den zweiten Feldzug 1829 unternahm es nur, um sich zu rehabilitieren. Dies war schon im Juli gelungen; kein Grund also, noch weiter etwas zu riskieren. Die Diplomaten, die in Konstantinopel die Sache Rußlands führten, konnten dem Sultan die Versicherung geben, daß der Zar sehr gemäßigte Forderungen stellen werde. Dies war nun nicht ganz der Fall; denn als die türkischen Unterhändler am 28. August im russischen Hauptquartier zu Adrianopel eintrafen, überraschte sie Feldinarschall Diebitsch mit harten und weitgehenden Forderungen, von welchen er jedoch, die Schwächen seiner militärischen Lage wohl kennend, bald so viel nachließ, daß ein Friede zu stande kam, der für Rußland ehrenvoll war, ohne, wie man heute wol sagen kann, für die Türkei drückend zu sein. Rußland stellte der Pforte die Moldau und Walachei zurück, in Asien das Paschalik von Kars und jene von Erzerum und Bajasid. Dagegen behielt es die Festungen und Städte Achalzik, Anapa, Poti n. a. Die Pforte zahlte die Kriegskosten an Rußland und außerdem eine Entschädigung von 1'/, Millionen holländischen Dukaten an russische Unter-thaueu, welchen in einem besonderen Artikel die vollste Handelsfreiheit im türkischen Reiche zugesichert wurde. Die beiden für die Pforte wichtigsten Bestimmungen betrafen ihr Verhältnis zu den Fürstenthümern und jenes zu Griechenland. Den Fürstenthümern wurden nicht nur ihre früheren Privilegien neuerdings bestätigt, sondern es ward auch bestimmt, daß, um den Verhältnissen mehr Stetigkeit zu geben, die Hospodare nicht mehr, wie bisher, auf 7 Jahre, sondern aus Lebenszeit gewählt werden sollten; daß die Hospo-dare ferner sich nur mit ihren Divans zu bera- Jeuilleton. Eines Tauchers Bericht aus der Meerestiefe. (Schluß.) Ich ging vorwärts. Ich kam an die Kajütenthür. Ich trat in den Vorsaal, sah aber nichts. Ein Gefühl der Verachtung gegen Rimmer beschlich mich; den Feigling nehme ich nie wieder mit, dachte ich- Doch, Schauer erfaßte mich. Denn da unten in dem Abgrunde, da ist nur Schweigen, und welch' ein feierliches Schweigen! Ich durchschritt den langen Saal. Wie hat der, dachte ich, von dem Geschrei der untersinkenden Passagiere widergehallt! Nur der Seemann, der mit solchen Szenen vertraut ist, kaun empfinden, was die Seele iu solchen Momenten fühlt. Ich gelangte endlich an die Hinterkajüte und trat ein. ' O Gott im Fimmel! Hätte ich mich nicht mit der krampfhaften Gewalt, die der Todesschreck gibt, an dem Griff der Thür festgehalten, ich wäre zu Bodeu ge- sunken. Ich stand wie angenagelt. Denn vor mir starrte ein Haufen Menschen, Männer und Weiber, erfaßt in dein letzten Todeskampf von den überwältigenden Fluten; jeglicher an den Fleck gebannt, jeglicher in der Stellung, worin der Tod ihn getroffen. Jeglicher war bei dem Ruck des sinkenden Schiffes von seinem Sitz aufgesprungen, und alle hatten sich nach der Thür gedrängt. Allein das Wasser war schneller als sie. Schau, wie sie in wilder Angst, die einen sich an-den Tisch, die ändern an die Balken, wieder andere an die Kajütenwände klammern — und da blieben sie stehen. Noch an der Thür muß das Gedränge furchtbar gewesen sein; hier lagen sie über einander gehäuft; einige auf dem Boden, andere über sie wegrasend, um in wahnsinniger Hast den Ausgang zu gewinnen. Einer hatte über den Tisch zu klettern versucht, war aber darauf geblieben, sich an einem eisernen Pfosten festhaltend; keiner batte das, was er mit krampfhaftem Griff gepackt, losgelassen; jeglicher stand und schaute wirren Geistes die Thür an — die Thür, guter Gott, mich, mich! Aus mir hafteten diese angsterfüllten, schrecklichen Augen alle! Diese Augen, in welchen das Feuer des Lebens dem Eisglanz des Todes gewichen war. Diese Augen, die, gleich den Augen des Wahnsinnigen, ausdruckslos stierten. Unter diesem stieren Blick gefror mir das Blut zu Eis. Diese Verzerrung der Gesichter, in denen sich Angst, Schreck, Verzweiflung, kurz alle Seelen-stürme ansprägten, stand mit den erfrorenen, verglasten Augen in einem um so schrecklicheren Gegensatz. Der Anblick des Menschen auf dem Tische war scheußlicher, als der aller übrigen; das lange schwarze Haar flatterte ihm aufgelöst um die Schultern, und der wilde Kinn- und Knebelbart gaben ihm das grausige Aussehen eines Dämons. Ach, welches Weh und welche Marter, welch' unsäglicher Todeskampf stand auf diesen verzweifelten Gesichtern geschrieben! Ich achtete nicht der gefährlichen See, die schon in leichter Aufregung war, als ich den Dampfer betrat. Doch hätte der Sturm mit zehnfach stärkerer Wuth darüber rasen müssen, sollte er hier in dieser schauerlichen Tiefe nur einigermaßen merklich sein. Jndeß hatte er allerdings zugenommen und die Bewegung ließ sich auch in dem Abgrunde verspüren. Plötzlich bekam der then haben und von der Pforte in der Verwaltung der inneren Verhältnisse nicht gestört werden dürfen. Griechenland betreffend, mußte sich die Pforte herbeilassen, dem Londoner Vertrag der Mächte vom 6. Juli 1827 beizutreten. So wnrden Griechenland ganz und die Donau-Für-stenthümer zum großen Theile dem Szepter des Sultans entrissen; aber die Moldau und Walachei ingen schon ohnedies nur lose am Reich, und er Verlust des entlegenen Griechenlands ließ sich am Ende auch verschmerzen. Keinesfalls bedrohte der Verlust desselben das Leben des Reiches. In England war man dennoch mit den Friedensbedingungen höchst unzufrieden. Lord Wellington schrieb: daß dieser Friede die Interessen, die Machtstellung, ja selbst die Unabhängigkeit und Würde der Pforte verletze. Nicht weniger war Lord Aberdeen beunruhigt: er bemühte sich in der Folge sogar, eine große Allianz der Mächte zu stande zu bringen, um den Frieden im Orient zu sichern und die Integrität und Unabhängigkeit der Türkei zu garantieren. Sein Projekt fand jedoch wenig Anklang; selbst in Oesterreich be-urtheilte man es dahin: daß England sich um die Unabhängigkeit der Türkei bekümmert stelle, während es eigentlich nur darum bekümmert sei, daß die Türkei nicht mehr in dem Maße wie bisher von England abhängig sein werde. Die Türkei kam denn auch bald für ein Jahrzehnt unter russische Vormundschaft; die englischen Staatsmänner hatten die richtige Witterung gehabt. Immerhin war der Friede von Adrianopel noch durchaus nicht der Anfang vom Ende, und es war Ueber-treibung, wenn Wellington sagte: er hätte lieber den Einmarsch der Russen und die Auflösung des türkischen Reiches gesehen; denn dann würden die Mächte doch gezwungen gewesen sein, sich zu einer Neugestaltung des Orients zu entschließen. Wir meinen: Lord Beaconsfield würde heute gern etwas dafür geben, wenn der zweite Friede von Adrianopel nicht schlimmer wäre, als es der erste gewesen, und würde gern darauf verzichten, die Russen so nahe vor Konstantinopel zu sehen, geschweige denn, daß er sie in Konstantinopel selbst sehen wollte. Europa fürchtete 1829 den Ausbruch eines allgemeinen Krieges, wenn der Friede zwischen Rußland und der Türkei nicht zu stande komme, jetzt ist es gerade umgekehrt. Der abgeschlossene Friede rückt die Gefahr einer europäischen Con-flagration erst recht nahe. Der Friede von 1829 war für die Türkei eine Eapitnlation mit Ehren, der Friede aber, den Rußland ihr heute aufzwingt, ist eine Capitulation auf Gnade und Ungnade. Den Verlust Bulgariens wird der entkräftete Staatskörper kaum mehr zu ertragen im stande Dampfer einen Stoß und erzitterte unter dem Wogenanprall. All' die gräßlichen Gestalten schwankten und stürzten. Die Leichenhaufen wichen auseinander. Die Teufelsfratze auf dem Tische schien stracks auf mich einen Satz nehmen zu wollen. Ich floh mit einem Zetergeschrei: ich dachte, sie sind alle hinter mir her. Ich stürzte hinaus, mit dem einzigen Gedanken, davon zu kommen. Ich suchte meine beschwerenden Gewichte abzuwerfen und aufzusteigen. Ich konnte sie nicht losmachen; ich riß daran mit wahnsinniger Heftigkeit — sie wichen nicht. Die eisernen Klammern waren steif geworden. Eines hatte ich bei dem krampfhaften Winden und Ringen richtig losgerissen; aber das andere hielt mich noch immer nieder. Ich fühlte unter der vergeblichen Anstrengung meine Kräfte und fast alle Hoffnung schwinden, und die Schauerszene in der Kajüte lag mit ihrer ganzen Wucht auf meiner Seele. Wo war Rimmer? Der Gedanke fuhr mir wie ein Blitz durch die Seele. Er war nicht mehr da. Er war aufgestiegen. Zwei Gewichte lagen da, welche in schrecklicher Hast abgeworfen schie- fem, und gegenüber dem Rußland, das auf den Höhen des Balkans, vielleicht sogar am südlichen Fuße des Gebirges, Stellung genommen hat, wird der Sultan in Stambnl kaum mehr etwas anderes sein, als ein geduldeter Vasall mit einem Lehen auf Zeit. Wir begreifen es vollkommen, daß Rußland seine Erfolge ausnützt: die Verantwortung und der Schaden fallen auf jene, welche es zugelassen, daß es so große Erfolge errungen. Der Friede, zu welchem Rußland heute die Türkei zwingt, steht ganz im Verhältnis zu seinem Sieg und der militärischen Position, die es im Januar in Adrianopel eingenommen und die durchaus nicht jene schwachen Stellen zeigt, welche die militärische Lage Diebitsch' 1829 besessen. Weil der Friede 1829 für Rußland nicht sonderlich günstig ausgefallen, so konnte es seitdem mit der Behauptung die Welt täuschen: es trachte gar nicht nach Erwerbungen in der europäische» Türkei und habe dies auch bei jenem Friedensschlnß bewiesen; auch jetzt ist es unter derselben Maske in den Krieg gezogen und würde anch sicherlich uneigennützig geblieben sein, wenn es den Krieg nicht so glücklich geführt hätte und nicht bis an die Thore Kon-stantinopels gedrungen wäre. Jetzt kann es der Versuchung nicht widerstehen und will die Frucht pflücken; sicherlich ist dieselbe nahezu reif — das Jahr 1877 hat ihre Reife wesentlich gefördert, — und wer indifferent der Sache gegenübersteht und überdies im Vollgefühl seiner Kraft keinen Grund hat, irgend etwas fürchten zu müssen, der könnte wol eher heute jener Ansicht Wellingtons sein: daß es besser wäre, statt ein Ende, das unabänderlich erscheint, hinauszuschieben, dasselbe rasch herbeizuführen, den Theilnngsprozeß einzuleiten, damit Europa nicht noch einmal all' dies durchzumachen habe, was cs im letzten Jahre durchgemacht. Der Arzt darf uichts thun, um das Ende eines Kranken zu beschleunigen, möge sein Tod noch so sicher sein und er noch so sehr leiden: gegenüber Staaten ist aber das Mittel erlaubt, und die politischen Heilkünstler haben es bereits einmal, vor etwas weniger denn einem Jahrhundert, bei Polen in Anwendung gebracht. _____________________________________(A. A. Z.) Aus dem Abgeordnetenhause. Sitzung vom 8. Februar: Dr. Giskra referiert über den an den Ausgleichsausschuß zurückgewiesenen Artikel 102 des Bankstatuts. Der Ausschuß beantragt, die Frage der Achtzigmillionen-Schuld durch ein besonderes Gesetz an die Quotendeputation zu verweisen, ferner dem Art. 102 des Bankstatuts eine Fassung zu geben, durch welche die Frage der Theilung des Reingewinnes einem eigenen, zwischen den beiden Regierungen ab- nen. Ja, Rimmer war fort. Ich schaute aufwärts; da schwebte und schwankte das Boot unter den Wogen. — Länger konnte ich hier nicht bleiben, und wäre alles Gold von Golkonda in dem Fahrzeuge gewesen. Ich wollte nicht länger in Gesellschaft mit den schrecklichen Todten weilen. Zurück also! — Die Furcht lieh meinen Füßen Schwingen. Ich raste die Leiter hinab, durchmaß den Kielraum noch einmal mit meinen Schritten und ging bis an die Stelle zurück, wo ich zuerst hinunter gestiegen war. Es war finster — ein neues Schauergefühl durchzuckte mich: die Fallthür war verschlossen! Himmel, war sie von sterblicher Hand zugeschlagen? Oder hat es irgend ein gräßliches Wesen aus der Kajüte gethan? Hat der Satan, der auf mich zusprang — ? Ich eilte in Angst zurück. Hier aber konnte ich nicht bleiben; ich mußte fort, mußte aus dieser Höhle der Schrecken entrinnen. Ich sprang die Leiter hinauf und suchte die Thür zu heben. Sie widerstand meinen Anstrengungen, ich stemmte meinen behelmten Kopf dagegen, die Leiter unter mir knackte, doch die Thür wich nicht. Mein zuschließenden Ueberenckommen Vorbehalten bleibt, und endlich in den Art. 4 des Einführnngsgesetzes zum Bankstatut die Bestimmung aufzunehmen, daß das Bankstatut nur gleichzeitig mit einem die Achtzigmillionen-Schuld definitiv lösenden Gesetzentwürfe ins Leben treten könne. Nach längerer Debatte wurde das vom Ausschüsse vorgeschlagene Gesetz, wodurch die Achtzigmillionen-Schuld an die Quotendeputation gewiesen wird, sowie die nene Stilisierung des Art. 102 des Bankstatuts angenommen, dagegen die Berathung und Beschlußfassung über das Einführungsgesetz zum Bank--statut bis zu dem Zeitpunkte vertagt, wo der Bericht der Quotendeputation wegen der Achtzig-milliouen-Schuld dem Hause vorliegen wird. In der Sitzung vom 9. Februar begann die Berathung über den Zolltarif. Der erste Redner, Abg. Baron Walterskirchen, bekämpfte den Tarif vom Standpunkte des Freihandels. Er erklärte, er müsse entschieden einen Vertrag mit Deutschland dem vorgelegten Zolltarif vorziehen, und so lange nicht erwiesen sei, daß die Vertrags-Verhandlungen an den unannehmbaren Forderungen Deutschlands gescheitert seien, könne er die Verhältnisse nicht als gegeben betrachten, unter denen man nach einem autonomen Tarif greifen könne. Die Jndustriezölle seien kein geeignetes Compen-sationsobjekt für Opfer, die Cisleithanien der anderen Reichshälfte bringen soll. Redner bekämpfte dann einzelne Tarifposten als willkürlich aufgestellt und erklärte schließlich, er werde gegen den Tarif stimmen. Abg. Zschok bekämpfte die Vorlage vom Standpunkte des Schutzzöllners. Er vermisse in derselben die Grundprinzipien eines schutzzöll-nerischen Tarifs, uämlich Zollfreiheit für Roh- und Hilfsstoffe, welche im Jnlande nicht erzeugt werden, dann mäßige Finanzzölle für Luxusartikel. Redner erklärt, ebenfalls gegen die Vorlage stimmen zu wollen. Abg. Hallwich vertheidigte die Vorlage und empfahl das Eingehen in die Spezialdebatte, in welcher das Haus in der Lage sein würde, die entsprechenden Verbesserungen im Tarif anzubringen. Nächste Sitzung heute den 12. d. M. Ein Rendezvous in Konstantinopel. Die Nachricht von der Besetzung aller Verteidigungslinien Konstantinopels durch Rußland hat die englische Regierung zur Entsendung der Flotte an den Bosporus bestimmt, und umgekehrt wirkt dieser späte Entschluß auf die russische Actton zurück. Rußland erklärt durch deu Mund der „Agence Russe", daß es durch diese Demonstration Englands die Freiheit seiner Action gewonnen habe, was wol so viel heißen will, als daß es sich durch seine früheren Zusicherungen, Byzanz starkes Rohr gerieth zwischen die Spalte; ich faßte eine eiserne Barre, die ich als Hebel handhabte, die Thür hob sich ein wenig, war aber nicht weiter zu bringen. Ich sah mich um und fand einige Holzblöcke, mit deren Hilfe ich die schwere Thür allmälig hob und, um die gewonnene Oeff-nung zu erhalten, schob ich immer einen Block dazwischen. Die Arbeit ging aber langsam und mühselig von statten; nach langer Arbeit hatte ich sie kaum vier Zoll gehoben. Die See wogte stärker und stärker. Das versunkene Fahrzeug fühlte ihre Gewalt und erzitterte. Plötzlich schwankte es über und lag auf der Seite. Ich rannte umher, irgend einen anderen Ausgang zu finden, auf das Deck zu gelangen; ich fand keinen. Ich kehrte zur Fallthür zurück, setzte mich in Verzweiflung hin uno erwartete den Tod. Ich sah keine Hoffnung, zu entrinnen. Es sollte mein Ende sein. Allein der Dampfer, von der Fluten Gewalt geschüttelt, bekam einen Ruck. Er stand nun wie auf der Schaukel, und der leiseste Stoß des Wassers war hinlänglich, ihn überzukippen. nicht besetzen zu wollen, nicht mehr gebunden erachte. Wir werden also in Kürze die Flotten aller europäischen Mächte im Bosporus versammelt finden, während Rußland die Landseite besetzen und somit der Ring um den in den letzten Zügen liegenden kranken Mann geschlossen sein wird. Ob freilich die Theilnng der Beute nicht noch in letzter Stunde Schwierigkeiten erregen wird, ist eine offene Frage. Bisher sind die Mächte, wie es scheint, einig in der Ansicht, daß der „kranke Mann" als dem Tode nahe zu betrachten sei, über die Hinterlassenschaft haben sie sich wol kaum noch geemigt, und je näher scheinbar der Friede, desto näher ist auch der europäische Krieg! Tagesneuigkeiten. — Garibaldi's Befinden beunruhigt seine Freunde. Vielleicht wird auch der dritte der drei großen Kämpfer um Priesterherrschnft oder nationale Einheit bald den letzten Gang antreten. — Nähmaschinenunterricht wurde in Antwerpen von der städtischen Verwaltung für die oberen Klassen der Mädchenschulen eingeführt. — Die älteste Frau der Welt heißt Eulalia Perrez, ist 140 Jahre — schreibe hundertvierzig Jahre — alt und wohnt in San Francisco. Wie der Name der würdigen Dame schon zeigt, ist sie spanischer Abkunft, jedoch eine wackere amerikanische Patriotin. Eulalia ist eine gute Katholikin, die ihre» Rosenkranz fleißig betet und bei ihrem Padre oftmals beichtet. Die gute Dame ist für ihr Alter ansnehmend kräftig. Dem Newyorker „Interviewer", der sic aufsuchte, schüttelte sie so kräftig wie ein Mann die Hand. Noch vor zwei Jahren fertigte sie die feinsten Stickereien und führte die Nadel nnermüdlich. Jetzt sind ihre Auge» etwas schwächer geworden. Sic war zweimal verheiratet, ist seit 53 Jahren Witwe und war vor 100 Jahren bereits Mutter von drei Kindern. Die Figur der Frau Eulalia ist untersetzt und natürlich zusammen» geschrumpft. Ihre Kleidung besteht in einem Ca-lieorock, einem grauen Shawl und grauen Pantoffeln; ihr Kopf ist von einer schwarzen, inwendig weiß gefütterten Merinohaube bedeckt, unter der man auch uicht die Spur eines Haares sieht. Ihre Hautfarbe ist braun, wie die einer Mulattin, und mit einer Million Nnnzeln und Falte» besät. Die Augen Eulalia's sind klein und so ohne Glanz, daß man zuweilen meint, sie hätten sich ganz in den Kopf zurückgezogen, nnr hie und da blitzt ein matter Schein von Leben aus ihnen, wenn sie Fragen stellt, oder wenn sie etwas besonders interessiert. Diese würdige Dame spricht übrigens kein Wort englisch, sondern nur spanisch. Uns Kindern des rasch lebigen Er krachte, dröhnte, arbeitete und drehte sich auf seiner Seite herum. Während er nun mit seinem Deck lothrecht auf dem Boden stand, klimmte ich die Leiter hinan und drückte die Fallthür auf. Sie sprang auf und berührte den Seegrund. Es war hohe Zeit; denn noch ein Augenblick, und die Masse schlug noch einmal über. Mit der letzten Anstrengung aller Kräfte riß ich an meinen Gewichten, sie lösten sich, brachen, fielen. Im Moment begann ich zu steigen, und in wenigen Minuten schwamm ich auf dem Wasser. Dem Himmel sei Dank! Da wiegte sich das starke Boot mit meinen kühnen, wackeren Mannen! Sie spürten, daß ich ausstieg; sie erblickten mich, kamen heran, und ich war gerettet. Rimmer war von dem greulichen Schauplatz eslohen, als ich in die Kajüte trat, blieb aber in em Boot, um hilfreich bei der Hand zu sein. Er giny nie wieder in die Tiefe, sondern wurde See-kapltän. Ich blieb beim Handwerk, tauche aber nur auf solche Fahrzeuge, deren Schiffsmannschaft gerettet ist. Ich brauche wol nicht zu bemerken, daß der „Marmion" nie wieder besucht wurde. l ö. Jahrhunderts aber kommt die ganze Eulalia Perrez mit ihren 140 Jahren recht spanisch vor. Lokal- und ProviiiMl-Ängelegenheilen. — (Landtagseinberufung.) Der Landesausschuß erhielt die offizielle Verständigung, daß die Landtage in der Zeit zwischen Ostern uud Pfingsten l. I. einberufen werden, bis zu welcher Zeit die parlamentarische Thätigkeit des Reichsrathes und der Delegationen zum Abschlüsse kommen dürfte. — (Theaterconcurs.) Um die Ueber-nahme der deutschen Theaternnternchmung in Laibach für die Saison 1878/79 haben sich die Theaterdirektoren Dorn von Marburg, Kietzing von München, Skriwanek von Mödling, BeZke von Wiener-Neustadt und Ludwig von Jglau beworben. Herr Fritzsche ist nicht unter den Bewerbern. — ( P erfonal Nachricht.) Hiesige Gesellschaftskreise dürfte die Nachricht interessieren, daß dem kaiserlichen Flügeladjutanten und österreichischen Militärbevollmächtigten in Berlin, Obecstlieuteuant Fürsten Liechtenstein, vor einigen Jahren Gcneralstabs'Obervffizier in Laibach, der preußische rothe Adlerorden zweiter Klasse verliehen wurde. — (Im hiesigen Zwangsarbeitshause) sind Tischzeug, Haudtuchzeug, Servietten, Zwilch, Leinwände nnd andere Gegenstände zu verkaufen. — (Der Tod des Papstes) wurde heute morgens kirchlicherseits durch Glockengeläute auf allen hiesigen Kirchthürmen der Bevölkerung Laibachs knndgegeben. Die Trauerfeierlichkeiten finden in den nächstfolgenden drei Tagen — Mittwoch, Donnerstag und Freitag in den hiesigen Kirchen statt. — (Generalversammlung.) Der Verein „Slovenska Matiea" hält Mittwoch den 13. d. nachmittags 4 Uhr in den hiesigen Citalnica-Lokali-täten eine Plenarversammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen: Ansprache des Vereinsvorstandes, Vortrag des Berichtes über die Thätigkeit dieses Vereines im Vorjahre 1877, Vortrag der Vereins-rechnnng pro 1877, Vortrag des Voranschlages pro >878 inbetreff der Einnahmen und Ausgaben in Geld und der hinauszugebenden Druckwerke, Wahl der Rcchnnngsrevisoren und Wahl von 16 Ausschußmitgliedern. — (Zu besetzende Stellen:) 1.) Eine Assistentenstelle der Physik an , er Marine-Akademie in Fiume, Gesuche bis 25. d. M. an das Reichs-Kriegsministerium (Marinefection); 2.) eine Heb-ammenstclle in Weißenfels, Gesuche bis Ende Februar an die Bezirkshauptmannschaft Radmannsdorf. — (Ein Wolf) wurde am 9. d. im guts-herrlichen Jagdgebiete zu Mokriz erlegt. — (Aus dem Schwurgerichtssaale.) Margaretha Rollich aus Podstenje, Bezirk Feistriz, wurde heute des Verbrechens des Kindsmordes nichtschuldig erkannt und wegen Unterlassung der pflichtmäßigen Anzeige vom Tode ihres unehelichen Kindes zu vierwöchentlicher Arreststrafe verurtheilt — In dem gestrigen Berichte soll es anstatt „Vin-eenz Mejac" richtig „Primus Aimkuc" lauten. — (Landschaftliches Theater.) Gestern lernten wir in Rofens vieraetigem Schwank „Größenwahn" Herrn Kraft in einem nenen Fache kennen; er gab die Rolle des Professors Ander, bei deren Darstellung mehr der Liebhaber als der trockene, steife Professor iu den Vordergrund trat. Mit günstigem Erfolge spielte Frl. N. Butze, obgleich von ihrem Halsleiden noch nicht gänzlich befreit, den 16jährigen Konrad Waller. Das genannte Fräulein wurde beifällig empfangen. Zu dessen Vortheil geht morgen Mittwoch das auf allen größeren Bühnen Oesterreichs und Deutschlands gerne gesehene Charakterbild „Rosa und Röschen", ein vorzügliches Bühnenwerk der Frau Birch-Pfeiffer, in Szene. Frl. Anselm spielt die Rolle der „Rosa" und Frl. N. Butze jene des naiven „Röschens", eine Glanzpartie der Bencfiziantin. Obgleich dieses Bühnenwerk aus älterer Zeit stammt, so wird dasselbe dem Publikum deuu doch einen heiteren Abend verschaffen und die zahlreichen Gönner und Gönncrinnen der verdienstvollen, reich talentierten, fleißigen jungen Schauspielerin, die sich der Sympathien des gefammten. das Theater besuchenden Publikums erfreut, werden morgen nicht säumen, die Verdienste des Fräuleins N. Butze durch ihr Erscheinen im Schauspielhause anznerkennen. Aus dem Schwurgerichtssaale. Laibach, N. Februar. Heute wurde die erste diesjährige Schwurgerichtssession eröffnet. Der Schwurgerichtshof besteht unter dem Vorsitze des OLGR. Kapretz aus den Votanten LGR. Freiherr v. Rechbach und Rannicher; Schriftführer Gerichtsanscultant Andolschek, Obmann der Ge-schworncnbank Handelskammerpräsident Alexander Dreo, Vertreter der Staatsanwaltschaft Staatsanwaltsubstitut Schetina, Vertheidiger des Angeklagten Dr. Mnnda. Die Anklage ist gegen den 24jährigen ledigen Burscheu Primus Zimkuc aus Kraxen gerichtet und lautet auf Verbrechen des Todtfchlages. Die Erhebung des Thatbestandes ergibt: daß Primus Limkuc am 27. Oktober 1877 sich in einer Gesellschaft, die an diesem Tage bis spät in die Nacht hinein sich dem Trnnke ergab, befand, mit Vincenz Mejac in Streit gerieth und im Verlaufe desselben dem letzteren mit einem Messer einen Bauchstich versetzte. Vincenz Mejac starb infolge dieser erlittenen schweren körperlichen Verletzung am 8. Novbr. v. I. Der Angeklagte Primus Simkuc gesteht, mit Vincenz Mejac in Wortstreit gerathen, auf denselben einen Angriff unternommen uud demselben mit einem Messer einen Bauchstich versetzt zu haben, entschuldigt sein Attentat durch den angeblich völlig trunkenen Zustand, in dem er sich infolge Uebergenufses von Wein und Schnaps befand. Die Zeugenaussagen bestätigen in objektiver und subjektiver Beziehung den dargestellten Sachverhalt. Der Gerichtshof stellt an die Geschworne» eine einzige Hauptfrage, dahin lautend: ob der Angeklagte Primns Simknc schuldig sei, in der Nacht zum 27. Oktober 1877 den Vincenz Mejak in feindseliger Absicht das Bauchfell durch einen Messerstich verletzt und hiedurch eine strafbare Handlung begangen zu haben? Weiter stellt der Gerichtshof die Zusatzfrage: ob der Angeklagte Primus Ainikuc diese Handlung im Zustande voller Berauschung verübt habe? Der Staatsanwalt beleuchtet den Straffall auf Grund der vorliegenden Acten des näheren und beruft sich auf das Geständnis des Angeklagten. Der Vertheidiger des Angeklagten gibt zu, daß die Beantwortung der Hauptfrage bereits jetzt schon klar vorliege, daß weder in objektiver noch in subjektiver Beziehung gegen die Anklage eine Einsprache zu erheben sei. denn der Angriff ist unternommen und der Messerstich in den Bauch Mejak' vollzogen worden; jedoch hinsichtlich der Zusatzfrage habe er — der Vertheidiger — mehreres ins Treffen zu führen: die Beantwortung der Frage über die Zurechnungsfähigkeit des Uebelthäters ist eine schwierige. Jene Männer, welche hierüber zu entscheiden haben, die Geschwornen, sind weder Zeugen der That noch Zeugen des körperlichen und geistigen Zustandes des Angeklagten gewesen. Es liegt erwiesen vor, daß der Angeklagte und seine Zechgenossen am 27. Oktober 1877 ein ausgiebiges Quantum Wein und Schnaps verzehrten und der Angeklagte Primus Zimkuc im Zustande völliger, totaler Berauschung, die eine Zurechnungsfähigkeit ausschließt, sich befunden haben dürfte. Es liegt erwiesen vor, daß Simknc und Mejac vor der That nicht im feindlichen Verhältnisse zu einander standen und dem Simkuc eine Absicht, den Mejac zu tödteu, nicht zur Last gelegt werden könne; überhaupt könne die Frage: ob die Berauschung des Ämkuc eine totale Ivar, sehr schwer beantwortet werden, die vorliegenden Zeugenaussagen geben nur geringe Anhaltspunkte. Der Vertheidiger Dr. Munda bemerkt weiter, daß «simkue während des Vollzuges des Attentats die Folgen desselben gar nicht iu Erwägung nahm; man müsse in vorliegendem Falle mit den Verhältnissen rechnen. Der Gerichtshof-Präsident rekapituliert den ganzen Straffall. Die Geschwornen ziehen sich zur Berathung zurück, und nach kaum eiuviertclstüudiger Berathuug verkündet der Obmann der Geschwornen das Resultat derselben: die Haitptfrage wurde einstimmig mit „Ja" uud die Zusatzfrage einstimmig mit „Nein" beantwortet. Der Fuuctionär der Staatsanwaltschaft beantragt ein Strafausmaß von fünf bis zehn Jahren schweren Kerkers, der Angeklagte bittet um ein mildes Urtheil, und der Vertheidiger desselben ersucht den Gerichtshof, bei dem Strafausmaße unter fünf Jahre Kerkers herabgehen zu wollen. Der Gerichtshof verkündet nach kurzer Berathung sein Urtheil, dahin lautend: daß Primus