Nr. 73. Donnerstag, den 9. September 1880. V. Jahrgang. (sillirr Zeitung. Prä n ii merations-Bedingungen. Jlür (5illi t 1> ie« iia ... — Vinteliahrig. . 1.64) tz»ld»ithr»ß ... » — Ga»„äh„lz. . . G.— Mit Poft. Versendung: BierteilSdr,q . . l.fio Halbjahr,q . . . 3.»» Ga»,zahr»g . . . «.40 W»wr H*Ofüxitf (Fittzelne Nummern 7 kr. Erscheint jeden Donnerstag und Sa»»tag Morgens Inssrsts >vsrilö» angenommen >» der Skpedllto« »er ..Silier Heilung", Her» »»,»ffe Rr. « <«»l«»ruSe,ei edu Johann IlMiDi ■iifaäri« »«»««> I»«cr»le »tir «>r ..«l»ie, .>«-,»1»«" »»! «. M»l,« i» ifcen, unb aStn :<:iutcnt>>»«,»'. J«j. *«11- i ttiA in -l. Cwxlit »ud M.tu. * 'i.mc, >» Ktfien. i. «tu« joniiti«* Agentur !i id«S. * - — - ■» Potttischc Rundschau. CiUi, 8. September. Die Landesregierung für Bosnien und die Herzegowina hat die Gerichisbehöide» i» den occu> pirlen Landern angewiesen, künftighin im Verkehr mit den österreichischen Gerichten die betreffenden Ersuchsschreiben unmittelbar an dieselben z» richten, alle von den österreichischen Gerichten an sie gelangenden Ersuchsschreiben der unmittelbaren Er« ledigung zuzuführen und sich im Verkehre mit den östemichiichen Gerichten, mit Ausnahme Dal-matien«, der deutschen Sprache zu bedienen, sowie den etwa in der LandeSjprache abgefaßten Beilagen deutscke Uebersetzungen beizuichließen. Da« Justiz« Ministerium hat demnach angeordnet, daß auch die österreichischen Gerichte sich im Falle vorkommender Requisitionen unmittelbar an die betreffende Gerichisbehöide der occupirlen Länder zu wenden und die Autwon,schreiben aus die allenfalls von diesen Gerichtsbehörden an sie gelangenden Requisitionen unmittelbar an die requirircnde Gerichtsbehvrde einzusenden haben, welche sich im Verkehr mit den österreichischen Gerichten der deutsten Sprache zu bediene» haben. Wie an» Linz berichte t wird, hat der Unter« richlSmuiister die Schulbehörden beaufiragt, da-rüber zu wachen, daß der ReligioSunlerricht keine Verkürzung in de-. Slnndenzahl erleide. Wie reimt sich das? Während >>em Mini-sterium 32 Gesuche vorliegen, czechische kommunal-Mittelschulen aus Staatskosten zu übernehmen, er-theilt der Unierrichtsminister der Stadt EzaSlau die Zustimmung zur Errichtung eines neuen cze- chifchen Gymnasiums. Die E,a«la»r ca'culi-en offenbar, daß. wenn einmal das Gyrinesium in-sialliit ist. Herr Riqee auch mächtig genug sein wird, stall 32 auch 33 cjechische Mittelschulen der Staalsregie aufzubürden. Auch in Mähren gestallen sich die Dinge immer heil«er. Die Stadt Brün» hat schon vor Jahren erklärt, sie sei bereit, czechische Parallel-(Stoffen au einer Volksschule zu «öffnen, wenn sich auch nur 50 Eltern fänden, welche den be-«reffenden Wunsch der czechischen Agitatoren unter-stützen, «vo lange Oesterreich da« Glück hatte, daß Graf Taasse ai» Statthalter in Tirol und nicht als Minist« Präsident sungirte, ließ sich die czechische Vcvö.kcrung in Brün» nicht gegni ihr wohlverstandenes Interesse von de» czcchiichen Hetzern zu nationalen Demonstrationen benützen. Das ist nun in der VersöhnungS-Acra anders ge° worden. So grotesk sich auch die Versammlung von 200 Männern, Weibern und Kindern aus-nahm, welche heute unter dem Vorsitze deS Reich«. rathSabgeordneten Dr. Kusy eine Resolution für czechische Schulen in Brün» beschloß, so beweist dir« doch, welch' merkwürdige Anstrengungen die Czechen mach'«, um, wie Dr. Kusy ausdrücklich au«sprach. ihrem Ziele, der Ezechisirung Mähren», nahezukommen. Die slavischen Vereine verschicken Briefe an Familienväter, in welchen diese ge-beten w«den, ihre Kinder in die piojectirlcn czechische» Classen zu schicken. „Es wäre eine Schande," so schreibt die Orlice" das Organ de« Ministers Prazok, „wenn diese Classen leer stünden und damit die Agitation gerade hart vor ihrem Ziele Fiasko machen würde." So werden künstlich Schüler für czechische Schulen zusammen« getrommelt! D« Kamps gegen das deutsche Theater in Ungar» dauert im geschwächt fort. Die deutsche Zei-tung bemerkt: Mit einer Brutalität. die man dem ritterlichen Volke d« Maiyuen nicht zngemuthet hätte, wird einfach die Fortführung deutscher Bühnen verboten. Das Pest« deutsche Tbeat« ist bereit« geschlossen; nun hat TiSza definitiv entschieden, daß in HermaniistaSt. der H.mrtstadt der 200.000 Giebenbürg« Sachsen, das deutsche Theater nicht mied« irvffnet wird. Man weiß nicht ob ».an m hr über die Angst der an Bildung den deutschen Element inferioren Raren lächeln soll, welche sich mit den kleinlichst-,, uiO erbärmlichsten Mitteln gegen da» Oeulschlhum wehren, um nicht von demselben hinmeggespült zu zu werdtn, oder ob man mehr empört sein soll über diese Riedertrelung aller Gesetze des Rechtes und der Gebote d«s gesunden Menschenverstandes. Allein vielleicht ist e» gut. daß gerade jetzt die Früchte reifen, die au« der Gewährung der „Gleichberechtigung" an die Halb-gebildeten sprießen, vielleicht ist eS gut. daß ven geduldigen Deutschen in Oesterreich die Gefahr winkt, fall« die Ez chen die Ob«liand gewinnen. — „Mähren muß czechifin werden." sagte un-längst der Abgeordnete Kusy. Daß ein rzechischer Staat ln Böymen ganz ebenso, wie dies in Pest und Lemberg geschehen ist. die Schließung deutscher Schulen unv teutscher Theater anordnen wird, «scheint uns ohne Frage. Wie haben nicht da« Herz, angesichts dies« Perspektive un« auf die brüderliche Gesinnung de» edle» czechi'chen Volke« zu verlassen. Ende dies« Woche soll die glottentemonstration gegen die Türkei in Scene gehen. Auö der Er-klärung Gladstone'S über die Türkei geht ziemlich klar hervor, daß England entschlossen ist allein zu Feuilleton. ? i e Gouvernante. Roman von S. M e l n e c. (21. Fortsetzung.) — Ich habe Mr«. Boxton gesagt, daß ich nicht ihrer Hilfe bedarf, um zu «forschen, ob Sie unwissend sind od« nicht ... daß ich mich von d«gltichen Dingen selbst zu überzeugen pflege, und, wenn ich zu diesem Resultate gekommen bin, ebenfalls ohne Mr«. Boxlon« Hilfe, kurzen Proceß mache. — Und wovon hoben Sie f.ch überzeugt, Lady Lake? My aty schnitt eifrig ein Blatt nach dem andern auf. — Daß Mr«. Boxton eine niedrige, bös« artige Person ist. -- Unb wa« folgt au« dies« Ueberzeugung? — Daß ich „kurzen Proceß" gemacht habe, Miß Orlandi. Mr«. Boxion hat sich in mir ge« irrt, wie ich mich in ihr. Letztere« hoben Sie büßen müssen, was ich aufrichtig bedauere . . . Erstere« büßt sie selbst. Sie wird mein Haus nicht wird« betreten. Bianca wünschte Ml«. Boston nicht« Böse«, und doch siel ihre eine Last vom Herzen, al« fie hörte, sie sei von ihrer Peinigerin befreit. Aber sie selb»!? Würde die tady sie nicht dennoch fort« schicken? Sie faßte sich ein Herz und sagte: — Ich bedau«e, die Veranlassung zu Mr«. Boxion'« Entlassung gewesen zu sein, wenn auch gewiß unabsichtlich . . . wenn sie nun mit ihrir Behauptung Recht gehabt hätte, Laty Lake? Die Lady blickte Bianca mit ihrem eigen-thümlich fesselnden Blicke, der Letztere stet« s« eigen berührte, fest in'« Auge. — Sie hat nicht Recht. Antworten Sie mir aufrichtig — ich weiß, daß Sie nicht lügen können — fühlen Sie sich fähig. Daify'« Uni«, richt zu leiten? Bianca dankte Gott, daß diese Frage nicht drei Monate früh« an sie gerichtet war . . . heute konnte sie dieselbe ehrlich mit „ja" beant« worlen. — Ja, Lady. Lake, ich fühle mich fähig dazu. — Da» freut mich ... ich glaube Ihnen, Miß Orlandi, und werde mich auch später von Daisy'« Fortschritten überzeugen, indem ich wöchentlich ein Mal dem Unterricht beiwohne. Daß Sie Daisy'« Erziehung ausgezeichnet zu leiten »«stehen, haben Sie bereit« bewiesen, und wenn Sie bisher auch de« Erziehen« und Unter« richten« ganz unkundig waren, so haben Sie sich doch erstaunlich schnell hineingefunden und werden da« täglich mehr unb leichter, nun Sie Daisy unl« Ihrer alleinige» Aufsicht haben. Ich habe Ihnen da« bisher erschwert, indem ich M>«. Boxlon neben Ihnen ließ, vielleicht aber auch viel dadurch genützt . . . Noch Eine«, Miß Orlandi. fuhr sie ausstehend und dadurch zugleich Bianca da» Zeichen ihr« Entlassung gebend, fort, ehe Sie gehen! Ich habe Ihnen ein . . . Unrecht abzubitten. Wir find im Allgemeinen nicht gewohnt, viele Umstände mit den Gouoer-nanten unserer Kinder zu machen, wa« nicht unsere Schuld allein ist, denn wir verlangen, eine Lady um un« zu haben, und finden sie meist nur im Kleide, nicht in der Person. Ihre Er« scheinung nun war ganz au«nohm«weise nicht im Geringsten die einer gewöhnlichen Gouvernante, sondern vielmehr die einer Dame au« den höchsten Kreisen der Gesellschaft. So sehr mich da« einen Augenblick anheimelte, so sehr fürchtete ich im nächsten, Sie würden nicht die zweite Stelle in irgend einem Hause einzunehmen v«< mögen, da Sie zu sehr gewohnt schienen, die erste zu bekleiden. Ich fürchtete, Sie würden mit all' den Ansprüchen auftreten, zu denen nicht allein die Natur, sondern auch Ihre Erziehung Sie augenscheinlich berechtigt halte, und ich. Miß Orlandi, liebe e« nicht, Rücksichten zu nehme» . . . ich habe Sie da« fühlen lassen, und Sie handeln und eventuell Gewalt zu gebrauchen. Der englische und der russische Admiral sollen sogar entschlossen sein, eventuell Marine-Infanterie in Dulcigno auszuschiffen. Zwei Bnsuche der Albanesen, Dulcigno in Brand zu flecken, wurden von den tüikischen Be hörden vereitelt. — Der Medschliß (Grineinderolh) von Dulcigno wurde von Riza Pascha verständigt, daß die Utbergäbe dieser Stadt an Montenegro am 12. d. erfolgen wird. Au« Irland werden neue agrarische Gewalt-thaten gemeldet. ^>er Entscheidung«kawps zwischen Ey»b Khan und General Robert« in Afghanistan hat »unm'hr stattgefunden und mit einem glänze«;«» Siege für die englischen Waffen geendet. Robert« soll zehnlausend Gefangene gemacht haben. Kleine Chronik. Lilli, 8. September. (Personalnachricht.) vorgestern traf mit dem Wiener Eilzuge FML. Baron Görz zur Jnspicirung de« Landwehrbalaillon« hier ein. Der» selbe wird vor seiner Abreise auch den Landwehr-koserttenbou besichtigen. (Ernennung.) Da« Finanzministerium hat den (. (. StcueramtS-Eontrolor in Tiiffer, Anton kukoviö zum k. k. Hauptsteue>amt»-Eon-trolor ernannt. (Berg- und Hüttenmännischer Verein.) Wie bereit« schon einmal mitgetheilt wurde, hat der Berg- und Hüttenmännische Ber» ein für Kärnten und Steiermark beschlossen in Cilli seine diesjährige Wanderversammluug abzu» halten. Au« diesem Anlasse hat sich bereit« hier ein Comitö gebildet, dessen Aufgabe e« ist, für einen herzlichen Empfang der unsere Stadt de-ehrenden Gäste zu sorgen. Die Ankunft der Herren Berei»«mi»glieber, deren Wanderversamm-lang den 19. d. stattfindet, wird mit dem Nacht» postiuge am 18. d. «> folgen. Da gerade zu der gleichen Zeit hier die Geschworen:» eintreffen und andererseits auch noch immer viele Sommer-gälte sich hier aufhalten werden, unsere Gasthöfe daher kaum ausreichen dürsten, alle ankommenden Bergmänner aufzunehmen, so ergeht an die so oft de-währte Gastfreundschaft unserer Einwohnerschaft der Appell für die Herren Bereinemilglicder. welche mit besonderer Borliede unsere schöne Stadt al« Versammlungsort wählten, alles auf-zubieten, um sowohl den Aufenthalt hier angenehm zu machen, als auch für eine nothwendig werdende Privatunterkunft zu sorgen. Der Casino-, der Männergesang- und der Musikverein haben bereits ihre unterstützende Mitwirkung zugesagt. Nun gilt es nur noch sich mehrerer Privatwohnungen zu versichern. Ueberzeugt, daß die Bewohner von Cilli ermigen e«, „wie man so viel Un.angcn.hinl« im Leben ertragen muß". Sie haben sich nicht die zweite, sondern ganz einfach Ihre Stellung in meinem Hause geschaffen, ohne e« selbst zu wissen, glaube ich. Ich habe eingesehen, daß Sie gar keine Ansprüche machen uus da«, wa« Sie nicht finden ; daß Sie, wie selbstverständlich, hinnehmen, wa» man Ihnen on Rücksichten entgegen brii gt; daß Sie immer und überall den rechten Tact haben, nicht Kleinigkeiten übel nehmen, noch Un-arten nachtragen ... ich habe eingesehen, daß ich mich geirrt habe. Miß Orlandi, und . . . bitte Sie um Verzeihung. Bianca glaubte, zu träume». War da« die-selbe Frau, die sie seit vier Monaten zu kennen glaubte? Die Lady nahm Bianca'S Lopf lieb-reich zwischen ihre Hände und sagt-, sie küssend, in bewegtem Ton: — Ich habe Sie sehr lieb gewönne». Miß Orlandi! Versuchen Sie da« auch ein wenig bei mir . . . wollen Sie? Und noch Eine« ! Ich w«iß, daß Sie fast immer bi« gegen Morgen auf-bleiben und studirea . . . englisch ohne Zweifel. Ich habe Ihnen schon gesagt, daß Sie sich unsere Sprache überraschend schnell und gründlich ange-eignet haben . . . lassen Sie also in Ihrem Eiser nach und schonen Sie Ihre Kräfte für . . . un«. Sie haben sich zu viel zugemuthet und sehen schlecht au«. ihren weitbekanntenRus derLiebenSwürdigkeitGemüth-lichkeit und Gastfreundschaft auf« Neue bekunden werden, stellen wir im Namen de» Comit^« an unsere hochherzige Bevölkerung, — die immer» wenn c« {alt da« Ansehen der Htadt zu fördern, in »n-igennützigster Weis« da« Beste aufbot und Cilli in weitesten Kreisen den Namen eine« lieblich gemüthlichen Aufenthaltsortes verschaffte, — die Bitte, die allbekannten schönen Eigenschaften auch diesmal zu bethätign* und den willkommene» Gästen die nothwendige Privaluntcrkunft zu bieten. (Deutscher Schulverein.) Der Ge-meindcralh in Marburg ^trat dem deutschen Schul -vereine als gründendes Mitglied mit dem Betrage von 100 fl. bei. Gegen diesen Beitritt stimmte nur der deutsche Baron R a st. Er nannte den deutschen Schulverein eine Demonstration. Es will un» fast scheine» al« ob der genannte Herr aus das Ehrenslovcnendiplom, wie seinerzeit Dr. Duchatsch andeutete, aspirire. (Schloß Maierberg ) Das landiäfliche Schloß Maierberg. gerichtlich auf 26.000 fl. ge-schätzt, wurde bei der am 6. d. in Graz staitge-fundenen exeruliven Feitbietnng von der hiesigen Sparkasse um 13.900 fl. erstanden. (Socialistische Umtriebe.) Wie aus Laibach gemeldet wirb, wurde ein an den dortigen Ardeite-bildungsverein adresfirte« Schreibe» im Auftrage der Wiener Polizeibehörde confiscirt. Der coi'fiscirte Brief enthielt 20 Exemplare einer in Loaden gedruckten socialistischen Zeilschrift. (Au« Nebermuth) ließen mehrere Bursche in Bresno beladene Üohlenwaqea (Hunde) die Bergbahn hinunterlaufen. Da gerade zur selben Zeit eine größere Arbeiterzahl auf der Bahn beschäftigt war, so wäre ein größete« Un-glück die unausbleibliche Folge de« Muthwillens gewesen, wenn nicht glücklicher Weise die Wagen in geringer Entfernung von dem Arbeitsplätze entgleist vnd gestürzt wären. Der verursachte Schaden beträgt über 150 fl. (Früh übt sich, was ein Meister werden will.) Mathias und Carl Supancic, Söhne des wegen Diebstahls iuhaftirlen Winzer« Andrea« Supanöiö au» St. Martin im Rosen-thale, von denen der erstere 12 der andere 10 Jahre alt ist. drangen in der Nacht vom 2. d. durch die schmale für die Mühlräder angebrachte Maucröffnung in die Mühle feS Mathäu« Polensak und entwendeten dort eine nicht unbe-trächlliche Quantität Mehl nebst einem ledernen Sack. Die beiden jugendliche» Diebe werben auch beschuldigt in der gleiche» Nacht gemeinschastUch mit ihrer Mutter Maria Supanöiö beim Grund-besitze? Max HraSan in Weixeldors eine» Effecten-diebstahl verübt zu habe». Bianca wurde nach diesen Worten, halb im Scherz, zur Thüre hinausgeschoben und ging wie im Traum auf ihr Zimmer, um Gott zu dauken aus tiesster, tiefster Seele, daß er „so treu ge-do!fen au» aller Noth" ... ihm zu danke» für die unerwartete, glückliche Weutung ihre« Ge-schickt« iu dem Augenblicke, wo sie anfing, olle Hoffnung aus einen Erfolg ihre« redliche» Streben« aufzugeben . . . Gott besonder« dafür zu danke», daß er ibr das Herz dieser ellsame», widerspruchsvollen Frau, die doch so edel gesinnt war, zugewendet. Bianca hatte sich vom ersten Augenblick an zu ihr hingezogen gefühlt, trotzdem die Lady sie so kalt, mit so verletzender Gleichgiltigkeit be-handelte, ohne je auch nur mit eiuem Worte oder Blick zu verrathen, daß sie ein gleiche« Interesse für Bianca hegte, sie schätzte und lieb gewonnen. Von Letzterer unbemerkt, hatte sie jedoch scharf und unablässig beobachtet und geprüft, hatte sich au« dieser Beobachtung ein eigene«, unumstöß-liche« Urtheil gebildet und gestaut nun ehrlich und ohne Rückhalt ihren Irrthum ein, wie sie im audern Falle ihre Unzufriedenheit ^dargelegt und „kurzen Proceß" gemacht haben würde. 'Sir Heniy halle Recht gehabt: Lady Lake folgte in neun kleinen Fällen rücksichtslos ihrer Lauue, ihrem eigensinnigen Willen; sie war in neun kleinen Fällen ungerecht, verletzend . . . aber im tLiterarische«.) Das 12. Heft des vierten Jahr-ganges der im Verlage Leytam-Josefsthal in Graz er-scheinenden Monalsschriit Heimgarten herausgegeben von P. K. Rosegger. enthält sollende lesensiveNde flitisätzc: Eine glücklich« Ehe. Vovelle von Luise Lecher < Schluß). — Alte Bekannt« Erirmerung von fl. Rosegger. — Sag' nichts den Leuten . . . Gedicht von Robert Homer-ling. — Die Böge! in Mylbe und Dichtung Von B. Ehiavaeei l Schluß ! — Sin vergessener .Hamlet". 3tui< au? einem fteirischen flünstlerleben von Ernd fleiter — D-os flalserschloß an der Adria. Von Otto diitttt von Leitged. — Die Heimfahrt von der Alm. Sin Volks-bild vom Raturdichter Jobann Kain, Bachwirih in ?llt-A>,ste. ■- Wie Kindlein spricht. Ein Plaud.rcapitel für Mütter von Slly Gregor. Dresden. — Rariertaseln. Bon P. fl Rosegger. — Bollsgestalten >0 fr. ö. W, per Jahrgang ft. 3.60; nach Auswarrs 60 kr. für Franco-Zusenbung mehr. — Auch sind ele. gante Einbanddecken ;u den bereits erschienenen Jahr- gangen von der Verlagshandlung herausgegeben. * ■ » Wie wir erfahren, hat der ailerfeiis gefeierte Bolksschrisisteller P. ä. Rosegger. Herausgeber der be-liebten Monatschrist „Heimgarten" soeben «inen Roman „Der Gottsucher" vollendet. Die Eigenartigleii nnd Reich-haitigleit deS Stoffe» gab bem Dichter Gelegenheit, in diesem Romane oll« Vorzüge seines Talentes zu e»t-falten. Mit dem vctoberjeste obgenannter Monatschrist beginnt der Abdruck diese« Romanes in derselben. Buntes. (Ein medicinifcher Comparativ.) Ein Herr, so erzählt der „Gaulois", ging kürzlich an der Klinik der Medicinischen Facultät vorüber und hörte, wie die Stuteulen einem Professor frenetischen Beifall klatschttn. Er erkundigte sich nach der Ursache. „E« handelt sich', fagie ein Student, „um eine sehr schwere abtr vollkommen gelungene Entbindung." — Und wie befindet sich die Mutter?" — wj>ie ist an pen Folgen der Operation gestorben". — .Und da« Kind?" — „Auch todt." — — Der Herr geht ganz verblüfft davon. Wenige Tage später begegnete er demselben . zehnten, großen Falle folgte sie stets ihrem | «besseren Ich", dem groß™ edlen Zuge ihre« Eharakler», der freien, vorurtheilSlcsen Ueberzeugung, traf unbedingt da« Gute, das Rechte, und wog durch die strenge Gerechtigkeit, welche sie nicht nur Andere», sonder» auch sich selbst widerfahren ließ, alle neun vorhergehende» Fälle in eine», großen freimüthigen Augenblick auf. Sie hatte Bianca nicht im Geringsten geholfen, sich eine unantastbare Stellung in ihrem Hiuse. sich den Weg z» ihrem H.rzen, ihrer Achtung zu bahnen: al« dieselbe aber trotz aller Schwierig-leiten nicht nur unbeirrt, mit unbeugsamen, stählernem Willen, sondern auch so einfach und bescheiden, sich kaum de» wachsenden Erfolge« de-wußt, diesen Weg verfolgte und zurücklegle, da füllte sie, daß die Gouvernante einen ihr innig verwandten Zug besitze, der sie sympathisch berührte, ihr Achtung und Liebe abnöthigte, und da zögerte sie auch keinen Augenblick, da« offen und herzlich auSzusprechcn. Bianca war noch lange nicht aus der Spitze de« Berges angelangt; aber eine Windung de« Wege» führte sie plötzlich au« dem Dunkel de« Walde« auf einen nicht geahnten Aussichtspunkt, der ihr einen freien Blick gewährte auf den steilen, mühevollen Weg, den sie zurückgelegt, wie aus den. welcher noch vor ihr lag. Wie dunkel und erschreckend, der erstere auch noch jetzt er- Studenten, der ganz niedergeschlagen aussieht. „Nun, mein Sieder. was haben Sie oenn heule vorgehabt?" — „Eine Entbindung, die einen schlechten Au»gang gehabt hat." — „Ach ich ver-stehe, diesmal ist auch der Pater drousgegangen." (Zoll'Euriosuw.) Der „Niederscykesischt Anzeiger" meldet au» Glogan Folgeilde»: „Unsere Oelmüller bezogen bisher die leeren Petroleum-fasser au» Oesterreich, von >vo sie zollfrei ein-gingen. Jetzt aber müssen dieselben mit 20 Mark versteuert werden, denn die Fässer sind be-kanntlich mit blauer Farbe angestrichen, und man behandelt sie als bemalte HolzgcfSsse. (Nachtseiten einer Großstadt.) Jedermann weiß, daß in einer Stadt mit vier Millionen Einwohnern die Zahl der Verbrechen und Verbrecher keine gering« sein kann, allein überraschend dürfte d:nn doch die dem Gerichte ver LondonerPolizeidirektion entnommene Thatsache sein, daß im Jahre 1879 mehr al» vierzig Personen »odt in den Straßen von Von?on gefunden wurden, welche durchaus nicht idenlificiri werden konnten trotz Photographien, trotz aller Anstrengungen der Behörden. Gänzlich unbemerkt ver« loren oder verstoßen, gingen diese vierzig Per-sonen i» dem Strudel der Weltstadt unter, ohne daß auch nur eine menschliche Seele sich um die-selben bekümmert hätte. (Ein frommer Wunsch.) Bei», achten badische» Feuerwehrtaz. der jüngst in Heidelberg abgehalten wurde, hat die folgertet kleine, etwa« boSdafte Jnschnst beistimmende Heiterkeit hervorgerufen: Die Feuerwehr. Die ist zum Löschen stet» zur Hand. Hätten wir ei:ie Steuerwehr, Wären wir nicht so abgebrannt l (Dtt Erdvieke im Weingarten.) Ja der Gersammtung de» internationale» land, wirthschaftlichen Kongresse» zu Pari» (1878) machte Frau de Bompar eine mit großem Beifall aufgenommene Mittheilung, welche bei dem so begreifliche» Streben, die Phylloxera zu bekämpfen, da» gegenwärtig die betheiligten kreise «stillt, wohl nicht ohne Interesse sein dürfte. Frau de Bompar äußerte sich solgendcrmaZe»: „Meine Herren! Ich verlange von der Natur, wa« die Männer der Wissenschaft jumuthen; ich bin ni»t gelehrt, doch oft bedient sich Gott unbedeutender Werkzeuge, um Große» zu erreichen. Ich habe die Bemerkung gemacht, daß an alle» Orten, wo sich in den Weingärten Erdbeere» befinden, wc>» in der Hälfte der französischen der Fall ist, keine Phylloxera vorkommt, und daß dagegen in den von diesem Schädling befallene» Weingärten die Kultur der au» Amerika importirten Ananas-Erd-beere nicht im Großen betrieben wird. Noch mehr: eben auf der AnanaS-Erdbeere habe ich die Arach-nide gefunden, welche di>> Phylloxera vertilgt. Die schien, sie wußte nun, daß sie ihn nicht umsonst ; gegangen, nicht vergebens ihr Bestes eingesetzt hatte, und zum Sohne für ihr redliche» Mühen sah sie nun den Pfad im warmen Sonnenlichte sich sanft und mühelos zum Gipfel winden. „Erst Du das Deine ... dann Gott das Seine!" Bon jenem Tage an begann für Bianca ein neue« keben. Nicht, daß Sady Sake sich in ihrem Benehmen gerade wesentlich geändert hätte, da» konnte sie nicht, dazu war sie bereit» zu alt — wollte e» auch höchst wahrscheinlich gar nicht, sie war nun einmal so. Bianca wußte nun, daß da» nur die schroffe Außenseite sei, die mit dem Inneren nicht» oder wenig zu thun habe, und fühlte sich nicht mehr dadurch gedrückt und ver« letzt. Dennoch begrenzte sie auch ferner Sady Lake'S Rücksicht« kosigkit sehr entschieden. Sie that ihr nie den Gefallen, sie zu ver stehen, ober auch nur zu hören, wenn dieselbe, ihrer Gewohnheit gemäß, eine Anrede halblaut über die Schulter zurückwarf, oder ihre „Wünsche" in der befehlen-den Form de» Imperativ» aussprach. Aber Lady Lake schien da» durchaus nicht übel zu nehme", sondern an Bianca'» Art, ihren Launen negativ ober immer höflich Einhalt zu thun, vielmehr Ge-fallen zu finden. Auch mit Daisy kam Bianca weit besser vorwärt», nun sie mit derselben allein verkehrte. E« war immer noch ein sehr wilde«, Amerikaner sagen e» bei jederGelegenheit: „Wir haben keinePhylloxera, doch allerwäri» Erdbeeren", und ganz SaSfeivt mflMWtff Ich V»M KiMTfnf Mff B»neM< Die betreffende Erdbeerenforte stammt au» Amerika, und überall in Frankreich, wo die Phyllo-k