tnr Aunst^ Literatur^ Theater «.geselliges Leben. Nedigirt von Leopold Kordesch. M 5V . Montag am A8 . November H.8^lZ. FA<^" Von dieser Zcilsckrift erscheinen wöchenilick zwei Nummern, iedes Mal ein halber Bogen, Der Preis des Blattes ist in Laiback ganzjähria i, »^-^ halbjährig li ft. ^nrch die f. f. Post inner 0<,eiv«rt nnl »oriofreier Zusendunu aanzjäbrig », balbiäbrig 4 si, C,M., nno w,ro dlllb,»br,a üoraus­ 3ln den Misanthropelt. ^Jinsam im Känimerlcin Lebst du für dich allein Glucklich und f,oh; Sagst, i» der großen Welt, Wo'j a» Geräusch nie fehlt. Lebt man nicht so. Denk' nn die Jugendzeit, Warst du nicht auch erfreut. Denke zurück! Seinnähe nicht Spiel und Tanz, Lnfus und Modenglanz, Nutze dein Glück. Ist dir die Well zu rund, Dunll dich ihr Glanz zu bunt, Grämlicher Herr? Sog' mit Bescheidenheit, Wer die Gesellschaft scheut, Was ist wohl der? — Bist du der Freuden satt. Weil man getäuscht dich hat. I n den, W.wi'chl? Sehnt sich dein Herz nach Ruh', Eile dem Kirchhof zu. Stehst du am Ziel. Waren wir All' so Nöd' Slünde die Welt bald öd', Wir sind es nicht; Fehlt's dir an Freud'gefühl, Weine und schweige still Schnicrzengestchi! Lebe wie's dir gefällt. Fern von der großen Welt, Hier ist l>in Platz; Bleib' nur im Kämmerlein, Schließ' dich in, Käfig ein» Ein sanier Spatz! Fraß d. Ehrfcld. Die Aussteuer. Erzählung frei nack dem Franzöfischen. Von E. Straube. (Fortsetzung.) Der Schauplatz unserer Erzählung verändert sich nun, und aus einem hohen glanzbedccktcn Saale treten wir in eine niedrige, dürftig meublirte Wohnstube. Ein Fremder, welcher dieselbe zum ersten Male erblickt hatte, würde sich in die Höhle einer Zauberin versetzt geglaubt haben. I n der Tiefe des Zimmers an einem Fenster, dessen Scheiben durch einen dunkelfarbigen Vorhang verhüllt wa­ren, gewahrte man ein offenes Klavier, an welchem die Tasten, wahrscheinlich durch die Ausgüsse einer regellosen Inspiration, ziemlich abgenützt erschienen. Auf dem Deckel lagen in bunter Verwirrung eine Menge elend gekritzelter Musikalien, deren Titel man kaum zu lesen vermochte: Mozart's ,>ii-it,»5 f!>milnn-i,-< dieses Gemaches sich eine boshafte Freude gemacht habe, Talente hier in Eintracht zu bringen, welche durch ihre Nebenbuhlerschaft in der Kunst von einander völlig entfernt waren. I n der Mitte stand ein Tisch voll Papiere, die mit Tintenkletsen und Staub überdeckt waren; allein so unscheinbar sie auch aussahen, so enthielten sie doch den ganzen Geist eines ausgezeichneten Menschen, die Vorurtheile und Ansichten eines, wenn gleich bizarren, dennoch sehr achtungswerthen Genius, das volle Gemüthsleben eines echten Poeten. — Links neben dem Eintritte war ein verhängtes Bett. Die übrige Einrichtung bestand in einigen morschen Sesseln, einem Großvaierstuhle, mehreren Teufelöfratzen von Callot , alterthümlichen Waffenstücken, einer gebro­ chenen Violine und einem lebensgroßen Abbilde des Gott­ seybeiuns. Wenn übrigens die Stube allerdings so ziem­ lich nach Hercrci roch, so kündigte doch nichts an, daß sie für den Augenblick bewohnt scy; denn mit Ausnahme eines beständigen Knurrens, herrschte das tiefste Schwei­ gen darin, und ein alter Kater, welcher behaglich auf den Manuskripten ausgestreckt lag, war das einzige lebende Wesen, dessen man ansichtig wurde. Dieser Kater aber war so schön, seine langen, schwar­ zen Haare zeigten sich so glänzend und die Würde seiner Haltung so ernst, daß sie beinahe eine Fruchi der gereif­ ISO ten Ueberzeugung von seiner Wichtigkeit zu seyn schien, und daß es nur einer geringen Nachgiebigkeit bedurft hätte, um dieses Thier in die Reihe der denkenden Geschöpfe zu setzen. Es warf kluge Blicke hierhin und dorthin und war sich mindestens gewiß seiner jetzigen Behaglichkeit be­wüßt. Außerdem war dieser Kater auch mit einer wirklich brechenden Physiognomie ausgestattet, und das schlaue Rollen seiner Augen kündete eine Katze pni- exeeiicnce an. Aber er war auch der Liebling und Vertraute eines Man­nes, welcher Dichter, Maler und Musiker zugleich war; es war der Hauskobold, der einzige Freund eines originel­len Menschen, es war E. T. A. Hoffmann's berühmter Kater Murr. Wenn man von dem Thiere auf den Herrn schließen konnte, so mußte Hoffman n zuverläßig ein eleganter Weltmann, eine Art Fashionable seyn; Mur r wenigstens erschien in einem recht eigentlichen Comfort. Ein Schlüssel knarrte eben im Schloße; des Katers Augen richteten sich auf die Thüre und Hoffman n trat ein. Seine Gesichtszüge, wenn man ihn zum ersten Male sah, oder sich nicht damit befaßte,, aus der äußerlichen Hülle die Empfindungen zu analysiren und den Geist des Inneren zu erratycn, trugen keineswegs das Gepräge je­nes wilden Feuers, welches das Blut in seinen Adern auf­wühlte, noch auch jener seltsamen Gebilde, welche in sei­nem Hirnschädel gährcen; nichts verkündete den Schrift­steller, der eine neue Bahn zu brechen verstand, dessen Gemüth von eben so vielen Regungen erbrauste, als Fi­bern seinen Körper durchzuckten, dessen Leidenschaften fort und fort aufloderten und immer wieder anderen neuen den Platz einräumten, dessen Kopf ein Chaos, dessen Ideen einen Ozean, dessen Talent eine Welt umfaßte! Beim flüchtigen Anschauen der Runzeln, die seine Stirne furchten, würde man ihn für einen Menschen ge­halten haben, wie tausend Andere, deren Antlitz Alter oder Sorgen entstellten; allein der Psycholog las in Hoff­mann's Falten die ganze Geschichte seiner Vergangenheit, das Räthsel seiner Zukunft; dem competenten Forscher-Auge zeigte sich eine bewegliche, unstäte Organisation, eine Natur, die neuer Gefühle bedarf, wie der Alltagsmensch der Ruhe, die eine Veränderung des Himmels wünscht, wie der Kranke jene der Luft, ein Mann endlich, der al­lenfalls Gott um eine andere Seele gebeten hätte, um sie wieder in rastloser Anstrengung, in neuen Bahnen ver­schwenden zu können. Sein starrer Blick hatte etwas grim­mig Lüsternes, wie von einer Schlange und wirkte gleich­ sam magnetisch; im Uebrigcn konnte Hoffman n keines­wegs für eine jener Gestalten gelten, die ihr Jahrhundert beherrschen, und deren Ruf einen Nachklang für die Ewig­keit erweckt, für einen Genius, wie sie kaum jedes Jahr­tausend ein Mal hervorbringt. Klein von Wuchs, mit schwar­zen Haaren und gelber Haut, verlor er sich völlig in dem gemeinen Hausen. Seiner Gattin eine gute Nacht zurückrufend, schloß er die Thüre und begann mit langsamen Schritten seine Stube zu durchwandern. Alsogleich erhob sich der Kater aus seiner ruhigen Lage, warf ein Tintenfaß um und sprang seinem Herrn entgegen. »Ei, guten Abend, mein lieber, mein getreuer Murr» lächelte Hoffmann , fuhr aber sodann wieder in seiner bedächtigen Promenade und in seinem Sinnen fort. Murr , der wohl erwartet hatte, gestreichelt oder gar, bewirthet zu werden, schmiegte sich mit gekrümmte»! Rücken um seinen Herrn; doch dieser schien von Gedanken zu sehr in An­spruch genommen, um dieses Manöver zu bemerken, und der Kater verfügte sich wieder auf seinen Posten, rollie sich zusammen und nahm ebenfalls eine ernste, nachdenkli­che Miene an. Der Poet ergriff eine lange Pfeife, stopfte sie, und bald verwandelte sich das Zimmer in eine dichte Masse von Dampf, in -welchen der Kater wohlgefällig hinein­schaute, wie in ein ihm längst vertrautes Element. Theodor Hoffman n setzte sich nun in den Armstuhl und leerte in wenig Zügen einen Ungeheuern Krug Bier, dann sank er wieder düsterbrütend zurück, — dies war seine gewöhnliche Weise, sich zu begeistern. Seine bräun­liche Gesichtsfarbe erhielt einen Anflug von Roth, sein starres Auge stammte, wie Wetterleuchten; er ergriff eine zweite Kanne des beliebten Gerstentrankes und stürzte sie ebenfalls mit einem einzigen Schlucke hinab. Das erste Stadium der Exstase war nun vorbereitet. Nun erst pflegte sich Hoffmann seines gewöhnlichen Daseyns zu entäußern und in seine poetische Existenz über­zutreten; dann war er ein König, wacher sein schlichtes Hauskleid abthut, um sich in Gold und Purpur zu hüllen, oder der, nachdem er im Garten gejätet und gebaut, jetzt die Stufen seines Thrones majestätisch hinansteigt. Mit gewaltigen Schritten maß er wieder die Länge des Ge­maches, sein Blick verschlang jeden Gegenstand, seine Ge­danken umfaßten alle Reiche der unendlichen Natur. Wenn man den Zustand eines Menschen, der das mattglimmende Feuer seines PfeifenkopfeZ, eben da es dem Erlöschen nahe ist, vom Neuen anfacht, der seine Ideen erweitert, seinen Gesichtskreis ausdehnt und müde einer fla­chen, beschränkten Welt, sich das göttliche Recht des Schö­pfers anmaßt, sich eine neue Welt erschafft, in derselben gebcuc, ihr seine innere Kraft mittheilt, ihre Leidenschaf­ten verhundertfacht,«!^ sie aufsieden macht, bis der über­füllte Kessel zerplatzt — wenn man diesen Zustand Trunken­heit nennen kann, so gestehen wir willig, daß Hoff­mann in diesem Augenblicke ein wenig betrunken seyn mochte. Aber erst, so behaupteten manche seiner Verehrer -— erst, wenn es so weit mit ihm gekommen war, lebte, dachte, fühlte er. Dann setzte er sich an den Schreibtisch, seinem Kater gegenüber, und beide sahen sich an, als ver­ständen sie einander. (Fortsetzung folgt.) Der Dorfavzt. Humoreslc »on Joseph Buche »Hain. (Fortsetzung.) "Ja, ja, sehen Sic mich nur an; sind Sie nicht al­lein der Abtrünnige, welcher sich zurückzieht, statt in dieser TZi verhängnißvollen Zeit für das Vaterland zu streiten? Wäh­ rend Alles zu den Fahnen eist, haben nur Sie keine Ein­ sicht vor der drohenden Gefahr.,, ""Ich, gnädige Frau, ich hätte keine Einsicht? Ich bitte zu bedenken, daß ich diplomirt bin, indessen was den mör­derischen Krieg anbelangt, muß ich offen und frei gestehen, daß ich die Notwendigkeit, Soldat zu werden, gar nicht einzusehen brauche, zumal, da der Staat in dieser Zeit noch mehr als sonst tüchtiger Aerzte bedarf, und ich über­dies noch eine besondere Antipathiam vor dem Schießen habe, welches mich bewog, den Gedanken auf sothanen Stand gänzlich —" " „Stille Doktor," nahm das neckische Röschen das Wort, indem sie den Sprecher sanft auf den Mund schlug, daß der Schluß der Rede ihm in der Kehle erstarb. „Alle verkennen den Herrn Pankratius. Er brennt vor Be­gierde, dem Vaterlande seine ganze Kraft zu weihen, so versicherte mich Liese." — „„Liese?""—stöhnte der Gefolterte, unruhig auf sei­nem Stuhle hin und her wetzend, und wußte sich Rös­chens schelmischen Blick nicht recht zu deuten. „Ja, ja Liese," wiederholte sie nochmals lächelnd. „Sie versicherte mich ganz gewiß, Sie wollen dem Ehren­rufe folgen." „Bravo," riefen alle einstimmig! „Pankratiu s soll leben, hoch!" scholl es in der Runde herum, und die vol­len Gläser klangen noch einmal so lustig. Auch Pankra­tius mußte anstoßen; ihm aber war's doch nicht, recht wohl, er wußte nicht, wie ihm geschah, besonders, als ein junger Offizier, den Pankratiu s erst jetzt bemerkte, auf­stand, zum Schreibepulte trat, etwas schrieb — und dem­selben eine Karte überreichte. Es war eine Anweisung an die Oekonomie-Commission. „Sie können morgen mit mir abreisen, wo Sie in Eid und Pfiicht genommen werden sollen." — „„Morgen schon?"" — sprach aufspringend der Dorf­arzt. „Ja, eilen Sie, Ihr Gepäcke zu besorgen!" hiermit schob er den ängstlich Fragenden, welcher die Anweisung noch immer zitternd in seinen Händen hielt, mit echt mili­tärischer Würde zur Thüre hinaus, wo ihn alsogleich eine Ordonnanz übernahm. „Liese!" rief er, an derKüchenthüre vorübergehend, „Liese, was hast du gethan! Ich fühle den Schlag von der Zirbeldrüse durch beide Ellbogenmuskeln und bis zu den Fußsohlen-Nerven. Und du mein Röschen! — Ja mit allen meinen 32 Zähnen möchte ich diesen Offizier zer­malmen, diesen blauäugigen Liebhaber der Frau Bcllo­na. Wer mag er nur seyn? Er schaute so dick in Rös­chens klare Auge, ich wette, daß er nicht weiß, was er geschrieben hat. Mich so, dir und mir nichts, zum Solda­ten zu machen! — Doch warte, kömmst du einmal in mei­ne Klauen, es soll mich nicht reuen, ein Paar Un;en Opium für dich ausgelegt zu haben!" Unter diesem ärgerlichen Selbstgespräch gelangte er an den Ort seiner Metamorphose. Man steckte ihn in eine Uniform, und bald darauf war er zu der Landwehr als Feldscherer zugetheilt, welche außer den Marken des Vaterlandes gegen den Feind stand. Pankratiu s ließ mit sich geschehen, was erforder­lich war und bald steckte er in dem braunen Uniform-Rocke mit einem steifen, bis über die Ohren hinaufreichenden Kragen von schwarzem Sammt, über dem sich ein Hut er­hob, dessen beide Krempen aufwärts gebogen, den Kreis einer halben Elypse bildeten, an dessen einer Seite eine ungeheuere weiß- und grüne Kokarde befestiget war, welche ein frischer Eichcnzweig überragte. So ließ sich Pankra ­tius am folgenden Tage sehen. „Wenn ich lange in die­sem Gehäuse werde stecken müssen, so muß ich vergehen," stammelte er unter ängstlichen Schweißtropfen, als er mit tiefen Bücklingen des andern Morgens von dem Herrn Ortörichter und seiner Familie Abschied nahm. „Reisen Sie glücklich, Herr Doctor, und kommen Sie wenigstens mit einem — Orden geschmückt zurück," sagte Röschen, indem sie ihn ermuthigend auf die Schulter klopfte. „Ade!" schluchzte Pankratiu s und wankte die Treppe hinab. Vor dem Schloße aber stand mit gesenktem Haupte sein Ackergaul, schon zweimal majoren, von mellirter Farbe, mit etwas langen, zottigen Ohren, sonst beinahe haarlos, und schien in gemächlichster Ruhe auf seinen vier bocks­steifen Füssen auf den metamorphosirten Aeskulap zu war­ten. Er kam und schwang sich hinauf, doch der Ackergaul, vielleicht allzufrühe aus seinen Betrachtungen geweckt, setzte seinen starren Kopf auf, und konnte, da er überdies noch hartmäulig war, nicht von der Stelle gebracht werden. Zufälligerweise kam der Reiter demselben mit seinen Spornen etwas zu nahe. Diesen ungewohnten Reiz konnte der Eigensinnige nicht ertragen. Er bäumte sich einige Male, dann feuerte er hinten aus und trabte, ganze Erd­schollen den müßigen Gaffern an den Kopf werfend, mit ihm auf und davon. Einige Wochen dauerte die Reise, bis Pankratiu s in dem Hauptquartiere anlangte, wo man ihn sogleich, nachdem er schon ausübender Arzt war, in ein Spital be­orderte. Täglich mehrte sich die Anzahl der Verwundeten und Pankratiu s war wegen Mangel eines andern Arz­tes bald o» cü><-l in demselben, er hatte somit Tag und Nacht vollauf zu thun. „Wenn es wahr ist, daß jede schlaflose Nacht den Menschen um fünf Unzen geringer im Gewichte macht, so werde ich in einigen Tagen wie eine Seifenblase in der Lufr tanzen können," bemerkte der Arzt, indem er seine langen Hände aus den durch Zeit und sonstige Elementar-Ereignisse allzukurz gewordenen Ermeln seiner Uniform jammernd gegen den Spiegel ausstreckte, worin er seine Gestalt betrachtete. Ich will mir's bequemer machen. Ge­sagt, gethan. Seit diesem Tage verordnete er allc» Ver­wundeten doppelte Dosis von Purgantien, wodurch sich sein Krankenstand täglich minderte, und er dadurch immer mehr Ruhe gewann. „Kommt der General, dann kann ein Orden mir gar n,cht entgehen," sagte er nach einigen Mo­ TZ2 naten zu sich selbst, mit verschränkten Armen in dem beinahe ganz leeren Krankenzimmer auf- und abgehend. „Ich kann Hofchirurg oder wenigstens ein Leibarzt werden, und dann heirathe ich Röschen, das ist eine ausgemachte Sache." Der kommandirende General kam und erstaunte nicht wenig über die ihm ganz devotest überreichte Anzahl der in dieses Spital gelangten und nicht mehr hinausgegange­ nen Kranken, wie nicht minder über die angewendete Cur­ methode. „Was macht Er für Dummheiten!" rief aufgebracht der Kommandirende. „Behandelt man Verwundete auf diese Art?" „„Ercellenz! der Uebel Größtes ist im — Magen."" „Er ist ein Schafskopf." — „„Ercellenz, ich habe die Humaniora absolvirt, bin diplomirt worden."" „Man sollte Ihn hängen, und jene dazu, die Ihm das Diplom ertheilten. — Marsch! packe Er sich fort!" Weg war der Orden, der Hofchirurg, der Leibarzt, Röschen, Alles! und unser Dorfarzt lernte in wenig Stunden hinter einer Erbsen-Hecke auf einem vom Feinde erbeuteten, halblinden Rosse die ersten Regeln der Reiter­tunst als Gemeiner. — (Beschluß folgt.) Nevue des Mannigfaltige«. Se. Majestät, der Kaiser von Oesterreich, haben dem Dr. Ludwig G aj, Herausgeber der kroatisch-illyrischen Zeit­schrift: „x-li-ucwe Knvinß" und des Beiblattes „Ullllicll Iii!'«llli" als Anerkennung des Verdienstes um die Literatur seines Va­terlandes einen Brillantring übersenden lassen, welcher ihm durch Se. Excellenz, dem Banus und Landeskapitan, Frei­herrn von Vlasic , mit einer dem Gegenstande cmgemesse. nen Feierlichkeit überreicht wurde. Wir haben in unserm letzten Blatte von einer ver­größerten Auflage der in Wien erscheinenden vortrefflichen Zeitschrift: „Der Adler« erwähnt, in der dieses Blatt mit i . Jänner 1840 erscheinen sollte. Eine der neuesten Nummern des Adlers (Nr. 268) aber bringt die An­zeige, daß, um dem allgemein geäußerten Wunsche zu ge­nügen, das bisherige Format fortan beibehalten werden, dagegen aber jede Nummer einen ganzen Bogen Text ent­halten sott. Alle übrigen Bestimmungen der unlängst er­schienenen neuen Ankündigung bleiben dieselben. Korrespondenz. Teplitz nm öl. October lL5y. Die Saison ist vorüber und es sieht nun wieder leer und beinahe öde in »»fern Strassen aus. Der Bewohner einer Nadessadt hat vor an­dern Menschenkindern das vorans, daß er von Jugend auf an alle Varie­täten des geselligen Lebens gewohnt wird, und wo anders hin verpflanzt, sowohl als Kleinstädter wie als Rcsidcnzialc, immer in eine eingeübte Rolle tritt. Das Line ist er durchweg und mit allen Nuancirungen das ganze Jahr hindurch, dos andere lernt er alle Jahre für die Dauer der Sai­son zu senn; und es verdrießt ihn, daß es überhaupt eine Saison gibt, eine scharf abprägende Zeit nämlich, über welche das «Hinaus « ein »Hinab « für seine Freuden ,st; denn ihm recht zu Ihn», sollten am Himmel niemal ^chnecwolken hängen und die Nodezei! au, l . Jänner sogleich wieder an­fangen, nachdem ste eben erst am 21. December geendet hat. Indcß verdient der eben Heimgegangene Sommer, auf die Frequenz unseres Badeortes allein Rücksicht genommen, eben nicht in's goldene Buch geschrieben zu werden, und ich glaube, es ist auch Heuer ungleich weniger ausländisch Gold hier zurückgeblieben, als in frühere» Jahrgängen. Die Carlsbadcr aber sollen um so zufriedener gewesen seyn mit der Adhäsious­ traft ihres Sprudels in, Jahre 1L23 , und wenn dies so fort geht, dürfte,, wir auf sie nicht gut zu sprechen werden. Ich wüßte auch in der Thal nicht, was Karlsbad vor Teplitz voraus hat, wenn es nicht etwa das ist, daß dort die Kurgäste mehr beisammen bleiben müssen, weil eine Vicricl­ mcile über Karlsbad hinaus es nichts mehr gibt, was man öfter, als ein Mal ansehen mag. Bei uns aber — wer kann unser» Schloß berg, unsere Sch I»ckc n l> u rg, unsere N 0 senburg , unsere W i lhclm s h ö he, >,»­ fern D onners bc rg zu oft besteigen, wer an der sogenannten Freß­ quelle bei Mariaschein sich jemals satt trinken — und wer dort ge­ trunken hat, vermag sich auch den Tag über nicht mehr satt zu essen, woher die Quelle ihren etwas wunderlichen Nomen hat — wer kann im Waffensaale zn Dur jemals zu oft beweinen die Pygmäennarur des jetzt lebenden Ge­ schlechtes ? Ach! es ist so erbaulich, sich vors Gedächtnis) zu führen, wie kräftig die Urväter gewesen sind, und der schneidende Gegensatz, der wir zu ihnen sind/ so rührend! Als ich eben in diesen» Waffensaale das Schwert zum ersten Male sah, mit welchem Rittmeister Deverou p den, mächtige,! Fricdländer den Tod gab, füllten meine Augen sich in Wahrheit mit Thrä­ ncn ^ nicht weil das tragische linde des Herzogs mein Gemüt bewegte — er entging vielleicht nur einem traurigeren Schicksale — aber daß wenigste,^ dre i de,» ic>. Jahrhunderte angehörende Arme dazu nothwendig wäre,,, jetzt dies Schwert z» bewegen; solche Betrachtung griff mir in's weiche Herz und versetzte »uch in eine köstliche, elegische Stimmung! Nun zurück auf das, was ich eigentlich mit den. Allen habe sage,, wollen — wo slidet sich dies oder Aehnliches in , oder in der Nähe 00,1 Carlsbad? Und — die Rivalin ist zwar älter als Teplitz, aber allere Rio«­ line» sind selten die reizenderen ^ darum verehrte Leser der Carniolia ! wen» Sie jemals in ein Bad gehen, ohne ein Bad zu bedürfen, d.h. wc,m Sie Vergessenheit häuslicher Scrgen und amtlicher Kümmernisse suche» u»l> finden wollen, ohne eben ein ärztliches Parere Ihrer Reiserouie zum Grunde legen z» müssen, kommen Sie getrost hie her — es bedarf nichts wciier, als daß Sie nebst Ihren sämmllichen Titeln und dem dazu Gehörigen,c,,e, noch einrücken lassen: »und Pränumerant auf die Zeitschrift Carniolia « wodurch ich unsere gegenseitige Rappor,fäh!gseit erkenne,! will; — Sie werde» dann leinen bcrcnwilligcre» Cicerone fmden, als Ihre» ergebenen Diener 5 . Ottober gehalten, wo um 10 Uhr Abends der erste Schnee fiel; sehr zur Ueberraschung Aller, da wir nur wenige Tage vorher es noch so heiß halte», wie im tiefsten Sommer. Nun, ein früher Winter verspricht ein zeitliches Frühjahr, und wir habe,! Heuer der schönen Zeit so viel gehabt, das, es mi r wenigstens ordentlich wohl geworden ist, nls sie endlich aufhörte. So ist der Mensch, auch das Gute und Schöne bchogt ihm nicht, wenn es lang dauert. Auf einer meiner letzten Ausflüge in die Nachbarschaft kam mir ein alter Isroclite vor, welcher tut Jahr alt ist. Seine,» Aussehen, seiner Beweglichkeit und seinem raschen Geberdcnspicl zu Folge, hätte ich ihn für einen wo h le r h ü! t e nc » Sechziger gehalten. Er hat sich in seinem 7z, Jahre zum zweiten Male verehelicht, nachdem er früher in einer 52jcihrigcn, tindcrlosen Ehe gelebt hatte. Sein ältester Sohn ist ty , seine jüngste Toch­ter V Jahre alt. Er versicherte, stets sehr mnjng gelebt zu haben, ein ge­legentliches Weinspitzchcn abgerechnet—denn eigcnilich berauscht sei) er nie gewe­sen. Er ifl arm. I n früheren Tagen Fleischhauer, stehen jetzt sein Alterund seine Vermögenslosigkeit de,» Fonbelricbe dieses Gewerbes entgegen. Bel all' den Entsagungen, welche seine beschränkte Lage erfordert, befindet er üch dennoch vollkommen wohl und gesund. Ihm scheint das Leben noch immer sehr zu behagen, obgleich es auch schon hübsch lange dauert. Wobl ihm. Nehmen Sie für jetzt dies Wenige Von Ihrem N"'r. Auflösung der Cbarade im Blatte Nr. 57. Immergrün. Laibach. Druck und Verlag von Joseph Vlasnik.