Nr. 35. SamÄüg den 3. September M5. 9. Jahrgang. (Beilage zur «Laibachcr Zeitung.") Die „Blatter aus Krain" erscheinen jeden Samstag, und ist der Pränumcrationsprcis ganzjährig 2 si. ostcrr. Währ. Flauenliebe und Leben. „Das ist die letzte Liebessinnd', Ihr folgt das bange Scheiden. Noch einen Knß auf Deinen Mund, Dann leb' ich meinen Leiden; Doch eh' Du gehst, vernimm den Schwur: Dich liebt' ich tief nnd wahr, Dich nur — Kein Andrer soll mit Minnen Mein Herz jemals gewinnen!" So rief sie. Eine Thränenfluth Floß über ihre Wangen, Indeß mit brünstig heißer Gluth Die Arme ihn umschlangen. Dann ging sie in ihr Kämmerlcin; Der Kummer ging mit ihr hinein. Es währte ihre Klage Viel' Monden und viel' Tage. Doch endlich kam sie, still nnd mild, Gleich wie nach Hochgcwitlcrn Aus Wolken tritt des Mondes Bild Mit sanftem Strahlenzittcrn. LZ war die Wange wohl gebleicht, Allein ein Lächeln spielte leicht Auf ihrer Lippen Saume Wie LicbeSgliick im Traume. Und sieh', in gar nicht langer Zeit Vernarbten alle Wunden. Sie kos'tc wieder, ja, nud freit, Als sich der Mann gefunden. Wie sie ihn herzt, wie sie ihn küßt! Ach, wenn er ihr Geheimniß wußt', Es würd' die Licbcsfrcudcn Ihm sicherlich verleiden. Jedoch,,sie ist ein gutes Weib, Als Mutter unvergleichlich; Sie ist besorgt für seinen Leib Und pflegt ihn gut und reichlich. Was sie im süßcu Iugcndwahn, Iu heißer Liebcsgluth Man, P Vergessen sci'ö, begraben! Nur — ich möcht' sie nicht haben.- Nlrad und Margret. Märlein von Ludwig Vowitsch. (Schlu ß.) AIs Ulrad aufwachte, Mlte er von eisiger Luft sich angeweht. Er blickte um sich, griff an die Stirne^ sich fragend, vb die Erscheinungen alle, die ihn umgaukelt und aufaMgt, ' ein Traum gewesen, oder ob er zur Stunde jetzt träume. Von ! Schloß und Garten keine Spur. Der Grund, den er trat, war ! Eis. Kein Rosenstrauch versandte seine Düfte, kein Frauenauge ! blickte sehnend nnd begehrend auf ihn nieder! Er stand auf der ^ Schneekoppe und ringsumher ragten in die Morgennebel die zackigen, weißen Kronen der zerklüfteten Felsen empor. Todten-^ stille — nur zuweilen rauschte der Flügclschlag eines Geiers durch ! die Einsamkeit. ! Er betastete, er prüfte sich, fast an seine eigene Eristenz > nicht mehr glaubend. Das war das Wams, das Varet, das ! Schwert ynd der Alpcnstock, mit welchen er iu die Schänke ^ getreten. - ^ Auch das Bündel hatte sich äußerlich nicht verändert, nur ^ schwerer Hcß-B sich heben. Er forschte nach und traf auffunkelndes Gold. „Hundert sechs und neunzig Kremnitzer — das ! macht sieben Wochen, vier auf den Tag. Entsetzlich, es war doch kein Traum!" „Ihr habt also meine Dienste verlassen?" frug plötzlich eine wohlbekannte Stimme, und der Alte mit dem langen, silberweißen Barte griff nach des Jünglings Hand. Dicscr aber vermochte kein Wort über die Lippen zu bringen. „Ihr habt Euch treu und echt bewiesen, das soll gewürdigt sein. Folgt diesem Pfad — er führt hinab nach Schlesiens Marken. Brotlosen Bergleuten werdet Ihr begegnen, die nehmt in Eueren Sold. Wo Euch der Schlüssel winkt, den Ihr bc- wabrt, dort rüstet Euch zur Einfahrt. Das Weitere wird sich ^ finden, und wcnn'Z Euch wohl ergeht, gedenkt des Berggeistes!" Noch stand Ulrad wie betäubt, als das Wurt längst vcr- ! klungen und die Erscheinung im Nebel zerflossen war. Mechanisch griff er endlich nach seinem Stäbe und folgte der vorgezeichneten Bahn. Schroffen und Schrunde mußteu über- wunden werden, Dornen uud Wurzeln hemmten den Fuß: den- ' noch gings ohne Unfall thalniedcr, schien es doch, als wenn eine unsichtbare Hand das Führeramt übte. Erst als die Sonne ! sich zu.fcnken begann, suhlte der Wanderer sich an Ermattung und Hunger gemahnt. Günstiger Wehe zeigte sich einc'ein- , samc Sennhütte, die zwar wenig, aber doch das Dringendste bot. Mit den ersten Morgcnstrahlen brach Ulrad lo^der auf. ! Kaum war er jedoch cmige 'Schritte im Walde vorgedrungen, ! als singend und plaudernd eine Schaar von Grubcnlcutcn des ^ Weges zog. . . Des Alten Mahnung zuckte durch des Jünglings Stirne, „Wo eilt Ihr din?" „Wir suchen Arbeit." ' ^ ,'Geht mit MF und laßt mich.sorgen." ' 138 Erst als das Wort gesprochen war, bedachte er die Un- ! sicherheit, das Planlose seines eigenen Strebens. „Ist es nicht ! Sünde, so unbedingt auf die Worte eines räthselhaften Berggeistes zu bauen! ? — Doch hat er nicht auf mein Vertrauen Anspruch? Erwies er sich nicht seinen Worten treu? — Seltsam, ich fühle es, seine mächtige Hand waltet über mir; meine Thaten sind nicht die Ausflüsse einer freien Wahl: e r denkt mit meinen Gedanken, er spricht mit meinen Lippen!" Da funkelte es aus den hohen, dunkelgrünen Farrcnkräutern. Ulrad forfchte und entdeckte den Schlüssel, defsen Verwahrung sich so verhängnißvoll erwiesen hatte. Noch ein Blick, und ein seltsam Schloß war zu schauen. Der Schlüssel griff ein, das Granitgestein krachte aus den Fugen — und ein hoher Stollen mit glitzernden Wänden lag offen. „Hier gilt's einzufahren!" rief Ulrad den Bergleuten zu. „Hier wollen wir eine Niederlassung gründen. Mit Gott und des Berggeistes Segen ans Werk!" Der Schacht gewährte, was er versprochen hatte, und öffnete den Fäusteln seine reichsten, üppigsten Eilberadcrn. Ehe das zweite Jahr versunken, hatte sich ein neues Dorf gefügt und seitab auf einem Vergestogel prangte Ulrads schmuckes Schlöhlein. Trotz dem Reichthum jedoch, der stündlich sich mebrte, war der junge Grubenherr nicht eigentlich glücklich. Wie hart er auch Margret zu beurtheilen sich mühte, ihre Augen leuchteten durch seine Träume, die Schauer der Oedc zogen durch seine Brust. So wandelte er einst freud- und friedlos in später Mondnacht an der Lichtung des Hochwaldes, als eine Stimme, deren Schall nie in seinem Ohre verklnngen „Ulrad!" rief. Der Alte mit dem silberweißen Barte, feierlicher noch im bleichen Mondenschcine, trat aus den Tannen. „Geh' nach Prag an den Königshof," lautete seine Mahnung, „es drängt die Zeit!" Bevor noch Ulrad einer Erwiderung sich besonnen, fand er sich allein und sah nichts weiter, als einen weißen Nebelstreifen, der in der Niederung des Thales zerrann. Des andern Tages rüstete er zur Reise. Sein Meinen ging dahin, daß der Berggeist einen Theil der Ausbeute dem Könige dargebracht wissen wolle. Gleichgiltig durchschritt er die Trabantcnreihen, die dem fremden Manne in der reichen, gleißenden Tracht willig Raum gewährten. Da trat ihm eine Hosdame entgegen. Wie vom vollsten Sonnenstrahl getroffen, schlug er seine Augen nieder und stützte sich. nicht zu stürzen, an dic hohen dehnen eines goldenen Stuhles. . „Ulrad, mein Ulrad!" rief die Dame. „Hat der Alte vom Berge Dich verstoßen— bist Du —" „Nein — Du bist es nicht — ilnv doch — Tu bist's — ' waZ sprichst Du?" „Der Schlüssel — hat Er dich nicht zermalmt?" " ' „Du zuckst im Fieber —" ' , . „Wo warst Du, Margret?" - ! „Mich Deiner Nähe zu entziehen, zwang mich der Vater ! an diesen Hof. Ein reicher Graf bemüht sich um meine Hand. Ich bin Dir treu geblieben. Mag der Vater grollen, der König zürnen — eher eine Nonne, als in fremden Armen. Morgen nehme ich den Schleier!" „Du — Margret? Was hör' ich! Du lebtest nicht in der hohen, prächtigen, entsetzlichen, einsamen Burg? Du bist nicht — nicht des Berggeist's Ehefrau?" „Ich hab', seit ich von Dir geschieden, dieses Haus noch nie verlassen!" „Du warst es nicht, die zu Verrath und Wortbruch mich verleiten wollte?" „Dir träumt!" „Ich lebte nicht sieben qualvolle Wochen an Deiner Seite?" „Mein Auge hat Dich seit dem Scheidegruße in der Marien-kirche nicht mehr gesehen." Ulrads offener Bericht erhellte endlich das Dunkel. „Du bist alfo Rübezahls Günstling. Der Geist des Riesen gebirges hält schirmend seine Hand über Dich!" rief Margret. „Des edlen Erzes ward mir ein reiches Maß zu Theil — nur mein Herz schlug unbefriedigt und bange. Du fehltest mir noch, um mein Glück vollständig zu machen! Ich hab' Dich also nie verloren — ich besitze Dich noch?" „Gold ist der Weg zum Herzen meines Vaters, waä er dem armen, fahrenden Schüler versagt, wird er dem reichen Gewerlen —" „Dein Herz ist mein — Dein treues, reines, unent-weihtes Herz. — Nicht zag' ich mehr, und gegen eine Welt —" Wie die Jungfrau geurtheilt, verhielt es sich. Der reiche Ulrad traf auf keinen harten, väterlichen Widerstand. Auch der König zürnte nicht, daß Margret den Grafen zurückwies und sich für den Mann ihrer ersten, freien und einzigen Wahl entschied. Der Silberbau in Ulrads Stollen entwickelte sich aber zu noch höherer Bedeutung, seit auf dem schmucken Schlößlew Margret als milde, treue Hausfrau waltete. Der Berggeist selber ließ sich nicht mehr schauen. Sein Segen jedoch blieb dem Hause, und wenn wir den Berichten der Sage und der Chronik Glauben schenken, so waren Ulrad eben und Margret die Ahnen eines Geschlechtes, das ehrenhaft in Krieg und Frieden Jahrhunderte hindurch im schlesischen Erzgebirge blühte. Die StMrechte von Krainlmrg im Mittelaltcr Unser gute alte Mronist Valvasor (XI. Buch, S. 112) ist gar übel auf die alte Markgrafenstadt zu sprechen, welche „ihre unterschiedlichen Freiheiten und schönen Privilegien eher den Schaben und Motten, als einem Anton communiciren wolle." Wie verderblich dieses HcimlichkeitZsystem sei, zeigt er in einem Beispiele. Die Krainburger besaßen das Präsentationsrecht zu dem 1478 in Aachen gestifteten Veneficium der Heiligen Cyrill und'' Methud und verloren es wegen ihrer Unkenntmß durch Nichtausübung. Was der tressliche Valvasor im Interesse der Wissenschaft so lebhaft bedauert, hat ein glücklicher Zufall in dem von mir durchforschten sogenannten Vicedomarchive der hiesigen k. l. Landesregierung mir in die Hände gespielt, nämlich eine Denkschrift der Stadt Krainburg, verfaßt um das Jahr 1505, wie aus der Beziehung auf den Vicedom Jörg v. Eck hervorgeht, und enthaltend „all vnd jeglich Privilegia, Freiheit und altherlommen Gebrauch," um deren Bestätigung die Bürger den Landesfürsten bitten und dabei zugleich ihre sonstigen Wünsche und Beschwerden vortragen. Wir erhalten so zugleich manchen culturgeschichtlichen Seitenblick in eine uns noch wenig aufgeschlossene Periode unserer Landesgeschichte. Die Rechte und Freiheiten der Stadt Krainburg beziehen sich auf nachstehende Punkte: 1. Die Wahl eines Stadtrichters: 2. dessen Gerichtsbarkeit,- 3. das Gerichtsgeld: 4. das Landgericht und dessen Grenzen: 5. das Recht der Bürger, nur vor ihrem eigenen Richter belangt zu werden: ' 6. die Verpflichtung von Priestern und Edelleuten zur Mittragung der Stadtlasten: 7. das Recht der Aufnahme fremder Holden und Handwerksgesellen zu Bürgern: 8. Handelsprivilegien gegenüber der Bauernschaft und dem Adel: 9. Forstrechte der Bürger. Laut einer von weil. Professor Richter in Hormayer's Archiv, Vand XVIII, S. 572, mitgetheilten Urkunde des Krainburger Stadtarchivs bestätigte Herzog Ernst Phintztag vor St. Pauli m der Veste zu Laibach, den Krainburgern ihre Freiheiten insonderheit, daß sie die neue Mauth, welche Herzog Rudolf von Et. Veit in Kärnten gegen Laibach gelegt hat, nicht geben sollen. Der Ursprung der Stadtrechte geht also jedenfalls in eine ältere Zeit, wenigstens in das vierzehnte Jahrhundert zurück, wie auch die uns vorliegende Quelle im Vlcedomarchiv andeutet. Laut Urkunde vom Jahre 1421, Laibach, Montag vor Aschtag, gestattete Erzherzog Ernst von Oesterreich den Bürgern Von Krainburg, sich ihren Stadtrichter selbst wählen zu dürfen. Die Bürger von Krainburg hatten nemlich das Recht, alljährlich am St. Iorgentage einen ehrbaren, redlichen, ver- < Nünftigen Mann aus ihrer Mitte zum Richter zu wählen. Der Vicedom hatte ihn zu bestätigen und der Landeshauptmann als Vorsitzender der beiden Gerichtshöfe des Landes, der Land- und Hofrechte, verlieh ihm, „wo das die Noth heischte," Bann und Acht im Namen des Landesfürsten, damit er Arme und Reiche, Witwen und Waisen richten, nnd das göttliche Recht und alle Billigkeit ergehen lassen solle. Der Landeshauptmann nahm in diesem Falle dem Stadtrichter den Eid zu Handen des Landes-sürsten ab, daß er Niemand „zu unbilliger Gier annehmen, es sei dann auf wahr Anzeigen, das Recht also oft mit tauglichen uud verständigen Leuten „besitzen," dem Reichen wie dem Armen ein gleiches Recht ergehen lassen und darum nicht Gab, Freundschaft, Feindschaft, noch Ichtes Anderes ansehen solle." So lautet eine Urkunde Kaiser Maximilians, Wien, Montag Sebastianstag nach Christi Geburt 1494. Das Recht der Stadtrichterwahl wurde schon 1423 Montag vor Aschtag zu Laibach durch Erzherzog Ernst wiederholt bestätigt, („daz Sy alle Jahr zu der Zeit als dann gewöhnlich ist amen vnder In der In dazu ge-vallet, zum Statrichter erwelen vnd lyßen mügen") zuletzt vom Kaiser Ferdinand III. mit Urkunde vom 23. November 1637. In der uns vorliegenden Quelle des Vicedomarchivs berufen sich die Bürger auch auf einen Vestätigungsbrief Kaiser Friedrichs IV., dessen Wortlaut aber nicht angegeben wird. Die Einnahme von den gerichtlich auferlegten Confiscationen und Geldstrafen, das sogenannte Gerichtsgeld, hatte die mit der Gerichtsbarkeit betraute Stadt Krainburg als landesfürstliches Kammergut an den Vicedom abzuliefern, doch durfte sie die Kosten für Atzung in der Frohnfeste, für den Urgicht-Schreiber und Leser, den Freimann und seinen Geleitsmann, den Frohnboten und andere, „so zu solchem Gericht geholfen," in Abzug bringen. Der Viccdom Jörg v. Eck, der seinen Pfand-scbilling auf dem Krainburger Gerichtsgclde hatte, wollte diesen Abzug nicht gestatten. Wir erfahren bei diesem Anlasse, daß die an den Vicedom jährlich abzuführende Summe „200 Mark Schilling einziges phenning" betrug. Das Landgericht, .sagt unsere Quelle, ist vor langen Jahren, des tM Mann gedenkt, von den durchlauchtigen Fürsten und Herren des löblichen Hauses Oesterreich hochlöblicher Gedächtnuß saligen, dieser Stadt Krainburg, wie deshalb Brief und Siegel ausweisen' auch die Vcstattbrief von Kaiser Friedrich und Kaiser Maximilian hochl. Gedächtnuß saligen darum aus-gangen vermügen, dasselb in Ihrer fürstlichen Gnaden Namen inne zu haben, zu verwalten und gerichtlich zu handeln zugestellt (übergeben) worden. Es sind auch brieflich Urkunden vorhanden von Kaiser Friedrich saligen ausgangen, wo sich in dieser Stadt oder Gericht Gefecht oder Todtschlag durch der Herren und Landleut Diener oder Andere begeben, daß dieselben Ursacher und Todter kein Hauptmann (Landeshauptmann, Verweser) noch Niemand Anders zu pussen (büssen), zu strafen und zu peenfällen hat, dann der Stadtrichter in des Gericht sich die Aufruhr begeben, Tadt (That) und Frevel bescheben. Die Vorwaltung des Landgerichts geschah nach Stadt-und Landrechten, wie Professor Krones in seinen vortrefflichen „Umrissen des Gefchichtslebens der deutfch-österreichischen Ländergruppe," S. 435, treffend bemerkt, weil das Stadtrecht msvrünglich aus dem landschaftlichen Gewohnheitsrechte floß und daher eine Quelle mit dem Landrechtc hatte, aus welchem es auch ergänzt wurde. Der Umfang des Krainburger Landgerichtes beschränkte sich nicht auf das städtische Weichbild, sondern griff weit über dessen Grenzen hinaus, so vah es auch an öfteren Conflicten mit benachbarten Landgerichten, insbesondere jenen von Lack und Radmannsdorf :ncht fehlte. Die Anwälte der bischöflich Frci-singischen Stadt Lack erhoben Ansprüche auf die LandgerichtZ-herrlichkeit eines großen Flecken Landes, enhalb des Wassers I4tt Saw, VeZniz genannt, mit sammt St. Iosten und St. Margarethen Perg, der „Wasser Saig" nach. Schon unter Kaiser Friedrich und Kaiser Maximilian wurde dicsfalls verhandelt, wobei die Stadt Krainburg an die tausend Gulden aufwendete. Diese streitige Gerichtsbarkeit wurde dem Landeshauptmann Hans von Auersperg zur einstweiligen Verwaltung bis zur Austragung der Rechtsansprüche übergeben. Darüber beschwerten slch Die von Krainburg, weil das Gerichtsgcld 2cm von Eck Pfandschillingsweise versetzt worden und der Stadtrichter es ihm ohne Abzug auszahlen müsse, daher er gezwungen sei, das Seinige zuzusetzen, um so mehr, da er die Gebühren (als: Ab -geld von den Wäldern, Krecktagrecht auf St. Iost und Marga-rethcnberg in der Fesniz) ans den streitigen Gegenden nicht beziehe. Auch haben die Anwälte von Lack der Stadt Krainburg im Dorf zu Okroglach dishalb der Saw zunächst Krainburg einen Theil des Landgerichtes und den Krechtag daselbst entzogen und handeln gerichtlich über das ganze Dorf „a u ß e r-halbderDachtraff (Dachtraufe)." Die Krainburgcr wehrten aber ihr Necht, besonders auf den „Krechtagen" mit Gewalt. Ferner hatten sie einen Streit mit dem Viccdom Jörg von Eck, der auf den beiden Aemtern Nackl (Naklas) und, Kreuz seinen Pfandschilling hatte, daß er sich die Gerichtsbarkeit über diese Aemter von dem öden Schloß Neuburg in der Kanker, „welches, kein Ansehen mehr hat, noch Niemand nutz ist" zumesse in der Gestalt, daß er ^im^Falle eines Aufgebotes und einer Muste^mg des Landgerichtes die'Urbarslcntc dieser Aemter, welche doch- dem Krainburgcr Landgericht sammt den „Edlingern" und „geuogten Leuten" s/N undenklichen Zeiten zu Vcfehdung und Beistand, mit Nabuet, Wacht und Vehuct und aller Gerichtshandlung zustehen, nach Schrottenthurn üdcr Lack zur Musterung vorforderc. Ebcnfo maße sich Jörg von Eck an, von seinem öden Schloß Newnburg in der Kanker einen „Krcchwg" in Vellach sammt den davon entfallenden Gebühren in Anspruch zu nehmen und Gerichtshandlung durch seine Landlcute zu üben. Auf demselben Schloße war vor Zeiten ein Pfleger, der Denen von Krainburg den Krechtag entziehen wollte, Namens von Nawmschüsscl, da hat Der von Eck als Vice-dom die Krainburger selbst dagegen in Schutz genommen. Daß in diesem Rechtsstreite das Necht auf Seite der Krainburger war, bestätigen die beiden Urkunden Kaiser Friedrichs III. (Samstag nach St. Alexitag im Feld bei Vuchholt in Flandern), welche den Krainburgern das Landgericht in dem Revier zwischen der Kanter und Save über die Dörfer Na kl, Okroglach, Jauchen und die Revier herdishalb der Feistriz, und jene Kaiser Maximilians (1494 St. Antonitag zu Wien), welche das nämliche Recht, mit dem Beisätze: zwischen Kanker und Save, bestätigt. (Fortsetzung folgt.) Ein Pokal aus Duchsbaum. Auf der Dresdner Kunstausstellung befindet sich ein treffliches Werk des Bildschnitzers Johann Nint in Linz, ein großer aus dem Ganzen geschnittener Pokal aus Buchs. Der Haupt- theil desselben enthält in vier sauber ausgeführten Reliefs Darstellungen aus der deutschen Kaisergcschichte: Die Krönung Karls des Großen mit der abendländischen Kaiserkrone: die Ucbergabe der Neichskleinodien an den Sachscnherzog Heinrich den Finkler; die Demüthigung und Zerstörung Mailands durch Friedrich Barbarossa, sowie das bekannte Vegegniß zwischen Rudolf von Habsburg und dem Priester, welches den Stoff zur Schiller-schen Ballade hergab. Ein königlicher Verleger. Die Partitur zu „Tristan und Isolde" soll dem Comvo-nisten für 60000 Gulden vom König Ludwig II. von Baicrn abgekauft worden sein. Die „Signale für die musikalifche Welt" bemerken dazu: Wir sind fest überzeugt, daß jeder ehrliche Zukunftsmusiker den König um das vortheilhafte Geschäft beneidet, welches Se. Majestät mit diesem Ankauf abgeschlossen, während die deutschen Verleger sich ärgern werden, daß ihnen eine solche Gelegenheit, reich zu werden, entging. Literatur. Liederbuch von Ludwig Vowitsch. Wien, Druck uud Verlag von A. Pichlcrö Witwe k Sohn. 1866. L. ,1. Das Erscheinen cincS ncucn „Liederbuches" in der jetzigen, poesiearmcn Zeit wäre geeignet, Sensation zn erregen, wcun matt ! nicht schon wüßte, daß fort und fort ans dem Born der Lieder ge-^ schöpft uud" dabei gar kciuc,Nncksicht auf die Zeit und deren Tendenz ! genommen wird. Die Poeten, namentlich die Lyriker, kümmern sich blitzwcnig um jene Fragen, - die gegenwärtig alle Welt beschäftigen: wic man die Maatöfinanzcif regelt, die Vcrfassnngöwirrcn beseitigt, die Industrie Hebt, den Volkswohlstand vermehrt, die Iustizpflege rcformirt :c. ,>sie singen „wie dcr Vogel singt" nnd sind in gewisser Beziehung.zi^Hnpdcn nm ihre sorglosen Gemüther. So Mancher, der „im Drang der Jugend sang," hat über dem Erust des Lcbcus j vergessen, fciu Denken und Fiihlcn in Verse zu bringen. Ludwig ! Vowitsch scheint nicht zu denselben zu gchörcu; er hat den Dienst > der Musen nie verlassen und alljährlich erscheint irgend ciu Werk vou j ihm, durch welches die Welt erfährt, daß er uoch uicht aufgehört hat, zu dichten. Das vorliegende „Liederbuch" ist so recht ein Beweis von der Uucrschüpflichkcit sciueö Licderauclls. Natur und Leben, Liebe und Lcuz, Hoffcu nnd Sehnen, kurz alle jene Iugrcdieuzcu, auö denen Lieder gewoben werdcu, stehen ihm immer zn Gebote, uud jeden, wcuu auch noch so kleinen poetischen Gedanken, weiß er iu ciu Ncim-gcwaud zu kleiden. Manche der tlcincn Lieder, dic das vorliegende Werk enthält, sind den Leser» schou bckauut, indem wir sie als Origiual-bciträge iu diese» Blättern brachten. Dic Leser kennen somit auch dic aumuthigc, leichte Diction des Dichters; seine Ausdrucksweise, dic mauchmal sich zu eiucr kühnen, schwunghaften steigert, meist aber das Maß des Eiufachen, Schlichten, Treuherzigen nicht verläßt; dic eben so einfache als ausftrcchendc Form, ganz cutsprcchcud dem sinnigen, deutuugsvollcn Inhalte. Sie werden das Alles iu dem „Licderbuchc" wieder finden und sich daran erfreuen. Was uns an dicscu Liedern vor Allem behagt, das ist, daß sie frei vou krankhafter Sentimentalität und dennoch voll warmer Empfindung sind nud daß sie jene Innigkeit besitzen, die sie namentlich zur Composition geeignet macht. Licdcrcompouistcu dürften daher in dem hübsch ausgestatteten WcrkcheN mauchcu ihueu willkommenen Text finden. Wir wollen hier eines der kleinen Lieder anfiigcn und glauben, es wird das die passendste Empfehlung für daö „Liederbuch" sciu. Es führt den Titel: „Ich deute Dein." Ich denke Dein, wie man der Todten denkt — In meinem Herzen hab' ich Dich begraben! Schou viel des Thcu'rcu ruht dariu versenkt. So magst auch Du ein Ruhcplätzchen haben. Ob Du vergiftet mir des Lebens Mai Und feine Blüthcu all' im Keim gebrochen — Du bist gestorben — und der Todten sei Nur der Versöhnung Segen nachgesprochen! Berichtigung. Im letzten slovcnischcn Sonett, Seite 136, 2. Strophe, 1. Zeile, soll es statt „xcxiov»" heißen: „/»voll»." Verantwortlicher Redacteur I. v. Meinmayr. — Druck und Verlag von Ign. v. Kleinmayr se F. Bamberg in Laibach.