Ä.I. 84 »84«. Der erste Entdecker Brasilien's ein Deutscher. (Aus dem Wocbsnblatte der New-Yorkrr „Tcl'ncllpost.") "vielleicht nur wenigen unserer Leser ist cs bekannt, daß die Ehre der erste» Entdeckung Amerika's einem Deutschen zugehört. Die portugiesischen und spanischen Geschichtschreiber behaupten fest, daß Martin Behaiin, ein Nürnberger von Geburt, schon 1484, also volle acht Jahre vor Colum-buS Landen auf der Insel Guanahani, die Praias von Pernambuco besucht habe. Behaim, oder wie ihn die Portugiesen „Behem" und die Spanier »Bcnehira" ') nennen, war seines Standes cin Kaufmann, zugleich aber ein tüchtiger Mathematiker lind aufgezeichneter Astronom. Während eincr Reihe von Jahren, bi5 zu 1480, machte er Reisen in Geschäften seines Standes, i" welchem ll'tzreren Jahre er sich nach Lissabon wandte, wo ihn Don Iono II. mit hervorstechenden Ehren aufnahm und zum Ritter ernannte. — Die wichtigsten Dienste leistete er auf den zu diesem Zwecke bestimmten Flotten, in den Azoren und an den Küsten Afrika's, besonders an der von Conqo, deren Entdeckung man ihm ausschließlich zuschreibt. Auf einer dieser Reisen wurde er durch Stürme und anhaltend starke Ostwinde so weit westlich getrieben, daß er die Flachlande Brasilien's (Praias) in der Gegend des jetzigen Pernambuco's entdeckte. Nur wenig findet sich über die von ihm im Namen Portugall's gemachte Besitznahme des neu entdeckten Landes in den Archiven; so viel jedoch, das; die Existenz der (geglaubten) Insel bekannt war, und vielleicht der Bestätigung bedürfend, oder aus Rücksichten, die uns heute nicht bekannt sind,''verheimlicht wurde. Die von ihm an Bartolo Perestrella, Colum-bus Schwiegervater, gegebenen, zwar sehr unvollkommenen Karten der Küsten dieser Insel, deren Columbus sich auch bedient haben soll, und die Behaim gleichzeitig dem von »hm zuerst gemachtes Globus übertrug — sind der beste Beil (3ui-cil2«u äe 1» Vez«. Uizwl'i» äo peiu. weis von der Echtheit dieses historischen Factums. — Dieser Globus, der jetzt noch in der Nürnberger Bibliothek vorhanden seyn soll, trägt natürlich die unverkennbaren Anzeichen der Mängel der Zeit. worin er gemacht wurde; die darauf angezeichneten Küsten Brasilien's sollen jedoch unter dem Namen: »Terras Occidentales," bis fast an die Meerenge von Magellan ziemlich genau unter die gehörigen Längen- und Breiten-Grade skizzirr seyn. Daß also dieser Globus das beste Zeugniß von B e-haim's Priorität unter den bekannten Entdeckern Amerika's herstellt, ist unbestreitbar klar. — Derselbe trägt ferner auch die Aufzeichnungen der früher von ihm gemachten Encdeckun» gen, und befand sich schon im Jahre 1492, demselben, worin Christoph Columbus seine erste Reise nach Amerika unternahm — in Nürnberg. — Daß Behaim sich nicht der Reisen, noch der darüber bekannt gemachten Berichte Columbus bedienen konnrc, ist ferner klar: denn zur Zeit, wo Behaim mit genügender Correctheit seinen Globus schon mit den Nissen der Küsten Brasilien's bedeckt hatte, irrte der Andere noch auf dem Meere herum — die westlichen Lande suchend.— Columbus stützte, auf den von ihm gesehenen Globus hin, sl'ine Lehre von der runden Form der Erde, und seine Behauptungen von dem Daseyn anderer, jenseits des Oceans liegender Lander, für deren Auffinden er die Hilfe verschiedener Höfe Europa's ansprach. Es ist fer-ner erwiesen, daß Columbus dann erst nur an das Unternehmen einer Re>se nach dem westlichen Indien dachte, nachdem er in Madeira, wo er sich mit der Verfertigung von Karten beschäftigte, durch Bchaim und den Steuermann (pilnln) Alfonso Sanchez de Huelva, denselben, der zuerst die Insel Dominica sah, von deren Existenz unterrichtet wurde. 2) Daß Brasilien durch gleichartige Zufälle schon früher von Europäern gesehen und besucht war, unterliegt keinem Zweifel; daß jedoch Behaim wirklich der Erste gewesen, welcher der Welt positive Kunde darüber und die geographische Lage angegeben habe, beweist Vorstehendes. — Ihm, nichr Christoph Columbus, oder Amerigo Vespucci, gebührt Reliein 11>e n»o liveg«« m««t>»6a » duininlio. IViu^iuli. LeoZl-as. i-eclil. I.IK. 3 z>»F. 90. 334 die Ehre der ersten Entdeckung dieses Welttheiles im fünf-zehnten Jahrhunderte. ^) Robertson, in seiner IIIswi'V al ^!N6l'l<'2, selbst auch Washington Irr in g in seinein I^il« nl ('«!>!,n-bil«, und noch andere Geschichcsschreiber nnd Forscher haben diese Behaupcuug angegriffen und ihr widersprochen. Die spanischen und portugiesischen dagegen, auf ihre Archive gestützt, halcen dieselbe aufrecht, und weßhalb sollte ihnen nicht der meiste Glaube beigemessen werden, besonders wenn man weis;, wie schwer es Fremden in Spanien und Portugal! wird, in das Innere der, wichtige Urkunden und Do-cumente enthaltenden, Archive und Bibliotheken dieser Länder einzudringen? Robertson sagt ohne Grund und Beweis, das; das von Behaim vorgeblich gefundene Land eine fabelhasre Insel sey.— Ist Behaim'? Angabe, durch conträre Winde andasselbe verschlagen worden zu seyn, nicht sehr glaubwürdig, wenn es bewiesen ist, das? die 16 Jahre später erfolgte, wirkliche Entdeckung desselben durch gleiche Umstände, von einer nach Ostindien bestimmten Erpedition uncer Pedro Alvarez Cabra!, gemacht wurde? Southey, in seiner ^»iN'lo Ili^lnl'v nl'lii:>xü, ein veraltetes und vorurrheilvolles Werk, das mrhr Anspruch auf Reinheit des Styles, als anf Originalität und Forschung in historischer Hinsicht machen kann, erwähnt Behaim's mic keiner Sylbe, deßgleichen die Franzosen Alp h o n se de B ea u-champ ^) lind Ferdinand Denis ^), letzteres ein mehr aus andern Werken gerissenes, skizzeuaniges Curiosum ohne Leitfaden, das jedoch der vielen Kupfer halber von gewissen, Werthe ") ist. Ein brasilianisches Werk gibt für bestimmt Behaim als ersten Entdecker an. Ware Behaim Franzose oder Engländer gewesen, so würden die Stammgenossen des Eineu oder des Andern laugst sämmtliche Archive und Bibliotheken Spaniens und Portu-galls durchstöbert haben, um der Wahrheit des Factums auf den Grund zu kommen, lind die>er Welttheil trüge dann sicherlich den Namen »Behemia;" zumal da die Ungerechtigkeit des Gevatcerstehens Amerig o's anerkannt ist. C o-lumbus hac der Welt somit keine Vorwürfe zu machen : daö Uurecht, Amerika nicht Eolumbia genannt zu haben, ist, nachdem man Behaim'ö Geschichte kennt, nicht so schreiend. Er hätte Behaim als seinen Wegweiser nnd Rachge-ber nennen sollen, was am Ende ihm sein Entdeckungs-Verdienst nur »venig geschmälert hätte. Der noch leere Platz vor der Ostscite des Capicols zu Washington, zur Linken des Eolumbus, sollte einer Statue Behaim's geweiht werden. Das amerikanische Volk ist zu großherzig, ihm nicht dieses Recht widerfahren zu lassen, und die Deutsch-Amerikaner sollten durch eine über sämmtliche Scaacen zu erstreckende Subscription die Statue zur 3) .^I'l'll"e:'! IUl>!'.i! !-<.,-! llü l' kui'uj,«?. I'o,nl> 6, P2F. 265 ä 275. lliili. I>-.x. 352 » 362. h) Ili^loii« li'l Li^il. 3 Vul. p-i'Iü 1815. Zierde des National-Pallastes zu New-York von einem deutschen Meister anfertigen lassen und darauf autragen, solche dort aufstellen zu dürfen. Behaim ging 1492 in sein Vaterland zurück und starb um das Jahr 1506 — nach Einigen in Nürnberg, nach Andern in Lissabon. Die Tänzerin unter den Wäubern. (H:off zu einem neu,n Balletc.) Marie Taglioni hatte in Stockholm eilf Vorstellungen gegeben und verließ min Schweden, um bald auch Rußland zu ihren Fußeu zu sehen. Ihr schwerbepackter Reisewagen rollte langem die Ufer des Mälar-Sees entlang. Marie, welche sich, um die wilde, winterliche, vom eisigen Wind durchwehte Gegend zu betrachten, an das Wagenfenster vorgebogen, zog sich bald zurück, nachdem sie ihren zwei B.dienten, die, mic Pelzen versehen, sich auf dein hintern Wagensitze breit machten, anempfohlen, die Postillone anzutreiben und die Trinkgelder nicht zu sparen; Zizine, Marien's Kammerfrau, war eingeschlafen. »Ich werde mir henre wohl ohne meinen Geheimse-cretär behelfen müssen," sagte Marie lächelnd und nahm aus ciner der Wagentaschen ein elegantes Kästchen von Perlmutter, reich mir Gold eingelegt, hervor. Im Kästchen lagen Briefe, die sie am vorhergehenden Tage mir Blumensträußen zu ihren Füßen regnen gesehen, aber nicht erbroch"' harre. Sie that es jetzt. Es waren Liebeserklärungen russisch"' Großen und große Geldanerbiecungcn. Marie spöttelte darüber und legte sie weg, als sie jetzt einci, Brief »ahm, dessen Unterschrift ihr einei, durchdringenden Schrei abnöthigce; es war die Unterschrift des berüchtigten Räubers Christian Wasa, und der Brief lautete also: „Ich werde mich auf dem Wege, welchen die erste »Tänzerin Enropa'ö nehmeu wird, morgen einsinden, um »ihr meine Hochachtung zu bezeugen und sie um eiue »Gnade zu bitten, welche sie hoffentlich mir nicht verwei-»gern wird." Die vom Schrei ihrer Gebieterin erweckte Kammerfrau rief nun: »Zurück, denselben Weg znrück! Madame befiehlt es!... Doppelte Trinkgelder, wen» wir in einer Stunde zn Stockholm sind..." aber in demselben Augenblicke, als der Postillon dein Befehle folgen »rollte, befahl ihm eiue furchtbare Stimme, still zu halten, nnd aus dem uahen Gebüsche zielceu zwanzig Flintenläufe auf ihn. Schon seit längerer Zeit fuhr der Wagen in einem Gebirgswege dahin; ein dunkler Tannenwald säumte die Straße zu beiden Seiten; ein Waldbach, der sich tosend in eine tiefe Schlucht stürzte, übertäubte das Geschrei der Reisenden. Ein Reiter, von hoher, edler Gestalt, auf einem Fuchshengste, ritt jetzt an den Kutschenschlag heran und grüßre Taglioni verbindlichst. Es war Christian Wasa selbst, welchem die Polizei von Schweden schon seit zwei Jahre» vergebens nachstellte. (Bchlu» folgt.) 335 Trajan und Ivsua. Ein Zireigesprach. Einst sprach Kaiser Trajan zu dem gelehrten Rab. bi Ioslia: »Du lehrst, Dein Gott sey überall, mid lüdnist Dich sogar, er sey mitten in Eurem Volke. Ich möchte ihn doch ein Mal sehen." „Gott ist überall," erwiederte der Nabbi, »denn er ist allgegenwärtig, sehen aber kann ihn rein sterbliches Auge; seine Gottheit, seine Majestät und He'.r!ichreir ist nur den Auswählten vorbehalten." „Das sind Ausflüchte,« enrgegnete der Kaiser; „soll ich Deinen Worten glauben, so muß ich ihn erst gesehen halvn." „Wohlan denn," erwiederte Iosua, „ich will Dir vorerst einen seiner Gesandten zeigen und sehen, ob Du, ci'hab'ner Kaiser, im Stande bist, seine Herrlichkeit zu schauen." Der Kaiser war es zufrieden und der Rabbi führte ihn des Mittags hinaus in's Freie und ersuchte ihn, in die Sonne, die in ihrem rollen Glänze strahlte, hinaufzu-dücken. — »Das kann ich nicht, ihr Licht blendet mich,« rief Trajan. »Du bist nicht vermögend, großer Kaiser," sprach der weile Rabbi, „das Licht von einem seiner Werke zu schauen und willst versuchen, die glänzenden Strahlen des Schöpfers selbst zu ertragen? Würde Dich seiu Anblick nicht sogleich vernichten i" Der Kaiser verstummte. Hcliodor. Der Dichter. Geschätzt >vie Du. »var niemals cin Poe!, Wohin 2u koinmsi, steht Alles auf und — gcht. H i l a r i ll s. Feuilleton. (Nekrolog.) So eben lief uns eine, wahrlich fm-die ganze Provinz Krain höchst betrübende Nachricht ein: Seine Ercellenz, der hochwohlgeborne Herr Joseph Ca-millo Freiherr von Schmidburg, k. k. wirkl. geheiiner Ztach und Kämmerer, Ritter des Ordens der eisernen Krone erster Classe, jubilirter Gouverneur im Königreiche Illyrien, Erbschenk von Trier, Herr und Landmann in, Königreiche Böhmen, Karinen und Krain :c. :c. :c., ist nicht mehr! Am I I. October d. I. starb dieser thätige, um Krain hochverdiente Staatsmann, dieser freundliche, humane Protcccor alles Nützlichen und Schönen, in Wien, 6? Jahre alt, an allgemeiner Entkräfcung. Friede der Asche dieses Biedermannes und hohen Menschenfreundes! (Oiue Frau), gekleidet wie eine Arbeiterin, stahl unlängst in Paris einen Apfel. Zur Polizei geführt (ste heißc Charlot und ist Witwe) wollte der Commissär sie wegen der Geringfügigkeit der Sache schon entlassen, als ihm ihr Familienname, Glatigny, auffiel. Er entdeckte nun, das; Charlot bereits wegen Diebstahl verurrheilt worden, und bei weiterer Untersuchung, daß sie die Witwe eines wegen Meuchelmord verfolgten Individuums sey. Im September 1844 wurde ihr Mann verhaftet, wobei er einen Selbst-Mord versuchte. Deßhalb in's Spital gebracht, machte er einen wiederholten, sehr schlauen Versuch, sein Leben zu en-ben. Die Aerzte hatten ihm Opiumpillen verschrieben. An- statt sie nach Vorschrift zu nehmen, sparte er selbe zusammen und vergiftete sich dann mittelst einer großen Menge derselben. — Diese Nachweisungen bestimmten den Commissär zu einer Hausdurchsuchung bei der Witwe Cbarlot. Wiegroß war seine Ueberraschmig, in ihrer Wohnung eine vollständige Niederlage feiner Papierwaren zu finden, welche mit dem Fabrikszeichen versehen und sorgfältig in Kisten rangirt waren, wie zum Verkaufe hergerichter. Wirklich hat die Charlot seit l2 Jahren bei den vorzüglichsten Parier-Händlern in Paris gearbeitet, welche sie Alle für eine redliche und geschickte Arbeiterin hielten. Während dieser Zeit hat sie unbemerkt so Vieles entwendet, um selbst einen Papierhandel zu errichten. Dieser Plan war ihr schon ziemlich gelungen, als der fatale Apfel sie in's Verderben brachte. Die Wiiwe Charlor besitzt überdies; l4,000 Francs in Brüsseler Bankactien und 600 Fcs, bar. Außer ihres anerkannten Fleißes ist sie sehr sparsam. Obschon sie einen guten Taqlohn verdiente, lies: sie sich in den Häusern, wo sie arbeitete, die Brotkrusten schenken, um beim Bäcker kein Brot kaufen zu müssen. (Heinrich Nrbnni), Redacteur der „Erinnerungen,« des „Naiionalkalenders," des „Leitmerisier Wirthschaftska-lenders," ist am 4. October in Leitmeritz gestorben. (In Prag vor dem Kornthvre) steht gegenwärtig ein ganzci Kornacker in Blüte, indem nach der Ernte der ausgefallene Same neue Pflanzen crieb, so wie die daneben stehende angebaute Gerste bereits in Aehren steht, die zum Theile schon in Früchre übergehen. Dies; berichtet die Zeitschrift „Ost und West« vom !. October. Papierkorb des Amüsanten. Vor einigen Tagen kamen in Wien zwei eigenthümlich aussehende Herren in ein Gasthaus in der Stadt. Man konnte sie für Engländer halten. Besonders war der Eine auffallend groß, stark und überhaupt im Ganzen monströs. Der herbeigeeilce Kellner fragte eilends, was die Herren befehlen ; der Monströse antwortete ganz einfach: „Den Speisezettel.'" — Der Kellner brachte diesen — die Herren sahen ihn m'cht an. AIs der Erstere dieses einige Zeit mit angesehen, fragte er noch ein Mal: »Sie wünschen?" —> „D.'n Speisezettel," erwiederte der Monströse wieder ganz einfach. „Der ist ja schon da!« antwortete der Kellner. — „Nun ja, darum eben bringen Sie mir den Speisezettel!«—-Der Kellner sah erstaunt die Beiden an, entfernte sich kopfschüttelnd und ging zum Wirth, denn er hielt die sonderba.-ren Gäste für verrückt. Der Wirth kam — das Fragen mit dem „wünschen" uud das Antworten mit dem „Speisezettel« ging von vorne an. — Endlich wurde der große Gast unwillig. „Verstehen Sie denn nicht deutsch! den Speisezettel, das heißt ganz einfach — Alles, waS auf dem Speisezettel steht, Alles nach der Ordnung: alle Suppen, 'Assietten, Mehlspeisen, Braccn :c., bringen Sie und machen Sie nur, daß ich 's bekomme." Der Wirth schüttelte auch ungläubig den Kopf uud dachte, der Monsieur wäre verrückt — da sie ihm aber Beide nobel genug aussahen, ließ er richtig mit dem Auftragen anfange». Aber wie erstaunte er, als der Monströse zu essen anfing und richtig eine Speise nach der andern, wie man sagt — rein wegputzte. Der Mann ward in der Ordnung mic dem Speisezettel fertig, und der Andere l'ah die zwei — drei Stunden ganz gelassen, ohne ein Wort zu reden, zu. — Nach Beendigung rief dieser: „Zahlen! »bezahlte die Rechnung und gab dem Esser ein Papier—man weis; nicht, ob einen Hunderter, Tausender oder Tausend" pfunder. — Es waren also — zwei Wettende. Der Himmel segne diesen Magensack! — Der Wirth sah den Beiden erstaunt nach und wünschte sich mehrere solche Gäste! — 336 Theater in Laibach. Der amplisicirte, ncu und herrlich geschmückte Tempel Thaliens steht endlich dein Vergnügen des thealerliebenden Publikums geöffnet. — Samstag am 1?. dieses fund die festliche Inauguration desselben unter dem größten Zudrange Stalt. Mit diesem einleitenden Satze ist bei einer ersten dramatischen Vorstellung, bei der Eröffnung ein^r Theatersaison, auch fast Alles gesagt, wenn ma» nickt in das Technisch? der neuen Decorirung des innern und äußern Schauplatzes eindringen will — ein Gegenstand, der einen eigenen, abgesonderten Artikel verdient. Die neue, schön geschmückte Schale bietet uns auch einen neuen Kern; die Gesellschaft, die unser strebsame Thea, terdirector Thi^m«: für das Theater>.'ergnüqen dieses Winters aequirirte, ist uns fremd und neu, wenigstens zum größten Theile; sie ist uns ein Spie! bunlgll'ildcrter. neucr Karten, noch unversucht, noch niemals aus-gespielt. Wie eine schwalbe feine» Sommer machi, so manifestiren e, n e Vorstellung, das einmalige .'luflreten des Schauspielers, oder eine Rolle noch kein kunstricht, r.iches Urtheil, Wir werden daher vorerst mehreren Vorstellungen besondere Aufmerksamkeit widmen, die Charaktere der Darsteller werden indeß heraustreten, aus dem chaotischen Knäuel der sich noch fremden Kräfte wird das so nothwendige, ja unerläßliche En° semble sich gestalten-, die Mitglieder werden mit einander, mit ihrer Umgebung , und wir mit ihnen näher bekannt werden, und dann erst wird die besonnene, parteilose, so anständig zurechtweisende, als ermunternde Kritik dem Streben der neuen Priester und Priesterinen des eben eröffneten Kunsttempels auf der Ferse folgen und am Platze seyn. Bereits in einem der frühern Plätter haben wir erwähnt, daß Herr Ioh- Gab Seidl zur Feier der Eröffnung unsers ständischen Theaters ein allegorisches Festspiel geschrieben habe. Mit diesem Festspiele nun, ..Carniolia» betitelt und in 1 Aufzuge bestehend, wurde das neue Theater eingeweiht. Allegorische Schaustücke sind nie auf schlagenden Theatereffect berechnet, weil das Zarte, Sinniae der Allegorie mit dem sog?« nannten Schlageffect nur indirect in Verbinduna stehen kann. Im gedachten Festspiele seh.-n wir Narnjolia, als Schutzaöttin von Krain, umgeben von Nymphen und Genien, die herbeikommen, »m ihr über das Ve-sckehene Bericht zu sagen- Eine Nymphe legt d.r Göttin, als Beleg für die Worte, Kränze, Laubzweige, Embleme der Jagd :c. > eine andere Metall-liangen, Erze :c., eine dritte Aehrenkränze. Körbe mit Mais, Haide-korn ?c-, eine vierte Sinnbilder der Viehzucht :c. zu Fützen. Zufriedenen Vlickes erhebt sich nun Carniolia und spricht zum Chor der Nymphen und Genien: „Mit Freuden theil' ich euren frommen Wunsch kür mein geliebtes Schooßkind: Krain! mit Freuden Bemerk' ich, was ihr wirkt für dessen Woh! ; Das Land verdient es, uud das Volk. Mein Krain Iit gar ein seltsam räthselhaftes Land, Niä't w wie andre Lander liegt es da, Ein aufgescklagen's Buch, von dessen Blättern Das Aug' im Flug den klaren Inhalt hascht; Nein. hinter unscheinbaren Zeichen birgt Es hohen Werth und kaum geahnten Sinn: Begreifen musi man l. um il,n einzuweihen. Aus de» Wolken entwickelt sich eine freic Geg.nd mit der Ansicl't dcr Stadt Laibacb geben von seinem männlichen Pcrion>,le. vorlrit: und eine herzliche Anrede an das Publicum hält, an deren Schluß schwebend im Gewölk? die Carniolia mit den Musen sichtbar wird. Mit einem (Zhorqesang schließt nun das Festspiel, sDie alte. verblichene Wolkendecoralion . worin die Carniolia mi: den Musen am 3cblusse schwebend erscheint, stand zu den übrige» neuen, hübschen Dekorationsstücken eben nicht sehr im Einklanae.) Das kleine Ge-legenheitsstück macht der bekannte» und beliebten Firma: ,.I o h. Gab. Scidl" keine Unehre. es ist so sinnia gedacht, als gut aucqeführi. Der Dialog (meist sechsfüßige Iamben) könnte wohl hie und da blumenreicher seyn. läßt aber doch den erprobten Dichter nicht verkennen. Die Musik ist vom k- k. Hofop?rn:C>>pe!Imeister Heinrich P roch. Lebhafte Acclamationen folgten dem Festspiele am Tcklusse; darauf kam das hier schon bekannte wirksam? Lustspiel ..Donna Diana« von C- A, West, welches sehr gerundet in die Scene ging. Am folgenden Tage würd? das Fest«' spiel wiederholt- Wir sind der Meinung, daß Gelegenheilsstücke sich, wie Gratulationen, nur zuin b e t r e ffe n b en Tage. nicht aber zur W i c-derholung eignen. Nebenher wurde gegeben: ,.Der Weltmarkt, oder das Hotel de Wibourg," Lustspiel ron C l a u r e n. Die Vorstellung war noch gerundeter, besser, wie die vcrtäaige- Wir sagen: Glückauf! Auf die Details werden wir zurückkomme,,. Der Maler und Decorateur. Hcri Cobecasa. wurde bei jeder neuen Decoration gerufen. Das Haus war. wie es sich denken läßt, übergewöhnlich stark besucht, Leopold Korde sch. Der Mnemoniker, G. Lichtenstein, der am verflossenen Mittwoch im Saale des deutschen Rilter-Ordenshaus.s einig? seiner Schüler, zum Staunen aller Zuhörer. ?ine Vedächtnißprobe ablegen liest, die in d?r That di? Erwartungen des Auditoriums weit übertraf, hat nun von der hohen Behörde die Bewilligung erhalten, seinen Lehrcurs auf noch weiter? 3 Woch?n verlängern und ihn auck bei der studierende» Jugend in Anwendung bringen zu dürfen. —- d — Verleger: Ignaz Alois Gdler v. Kleinmayr.