M »8 Ilreitag den IS. Mai 1874. xm. Jahrgang Die zyMurburger Zeitung" erscheint jeden Ssnntag, Mittwoch und Areitag. Preise — für Marburg: ganzjährig 6 si,,halbjährig S fl., vierteljährig 1 fl.so kr; sürZustelluag ins Haus monatlich tv kr. — mit Postversendung: ganzjährig 3 fl., halbjährig 4 fl., viert^liährig 2 fl. Jnsertionrlngen, schliehltch uur der Himmel hels'N kann. In Oesterreich-Ungarn liegen die D'nge thatjächlich so, daß nur der Himmel öaS Land durld einen reichen Erntescgen vor noch tieserem Verfall retlen kann. DtUlschland ist zwar nicht ganz so schlimm daran, aber es ist auch den deutschen Land wirthen und Weinbauern, d»e schlechte Jahre gepug durchgemacht, ein guter Jahrgang com Herzen zu gönnen, und wird der Rückschlag davon aus die gejammte volkswirthschastliche Ent- wicklung, besonders aus den Verkehr der Bahnen, sicher nicht ausbleiben. l!S ist daher nlcht ju verwundern, daß mit dem fallenden Thermometer auch die Kourse fallen, daß die nach kurzem Sommcrnachts-Traum wieder zurückgekehrte winterlich rauhe Witterun^i, die an Obst und Reben schon mannigfachen Schaden angerichtet, die Hoffnungen sehr herabgestimmt, welche der rasch zu Grabe gegangene herrliche Frühling erzeugt halte. Heller Sonnenschein und sprossendes Grün beleben den Mulh und die Hoffnung, rauhe Lüfte und ersrorenc Blüthen stimmen sie herab. Und da dle Bölse Von Stimmungen ebenso abhängig lft als der Einzelne, wie sie ja nur ein Gesammt' auSdruck vieler einzelner Personen lst, so dars die Herabsetzung ihreS Wärmegrades, der sich in den Iltzlln Tagen vollzog, knum viel überraschen. Zur Geschichte des Eages Der Kultusminister hat durch eigene Rundschreiben die ..K^rcheufürsten" ver-ständigt, daß die konsesiionelltn Gesetze nun in» Leben treten. Reichsgrjstze werden durchs Reichs» gesetz-vlatt tundgemach! und im NcchtSstaate Oesterreich sind alle SlaatSbürger vor dem Geletze gl«ich. Müssen die beiondkle E!jle und huldvolle Ausnahme die Älentalen nicht im Gluubcn an ihren Vorzug bestärken? Ungarn soll nun sich enlschlojsen haben, in die Theiinng der gemeinsamen Aktiven zu lviÜigen und zwar nach dem Bcrhältniß, wie eS zu den Koiteu sür die gemeiltsamen Angelegeti heiten beisteuert, nämlich von dreißig zu siebzig. Damit war' eine Frage gelöst, die seit dem Aus« gleich streitig ge'vesen. Der Reinmerth dieses Vermögens soll sünszig Millionen Gulden betragen und erhielte somit Oesterreich fünfunddreißig, Ungarn sünszehn Millionen. Tausend Zntungen streiten sich herum wegen der Worte, die Bismarck zu Viktor Emanuel übrr die Schioachung Frankreichs gesprochen habere soll. Geiviß ist, daß der Kanzler Deutschlands so gesprochen haben kann, daß er bei der einigen Rachedroliung Frankreichs an die Schivä-chung desselben denkt und denken muß. Warten ivir den nächsten Krieg und den Schluß des nächsten Friedens ab. Nermifchte Nachrichten. e u e r Minne-Dienst.) Eine nord-ameriktinische Zeituug schreibt: ,Jn St. Louis haben achtlz.>.e und vorwurfssreie Jünglinge eine Verbindung gestist't z:» dem Zivecke, junge Damen, die sich keines „regulären Bean" oder einer sonstigen Begleiiung erfreuen, nach der Kirche, zu Konzerleii, Voilcsun^^en oder andere Vergnügung«» Plätze zu geleiten. Alle, die der Verliindung bei-zutr-ten beabsichtigen, hab»a sich einer strengen Prüfung in Bezug aus iöh'^rakter, LebenSgeivohn-heilen u. f. w. zu unleriverseii und sind ver-pflichtei, den vom Ezekutivkomite gegebenen Ver-haltungsmaßiegeln streng a.chzukoinmen. Eine Z)ame. die eine Bes.leiiung wülNchk, hat sich deß« H.Ub an s'en Präsidenten der Gesellschast zu w'nden und den Abknd und Ort välzer anzuge-bkn, worauf ihr cin Beschützer beigeorc^net wlrd. Soiiald ein jui'ger Mann sich verlobt, scheidet er unö der Verbindung auS. In der Theorie ist Aeutlleto«. Aas Ttflameal des Verrückteil. Vom Verfasser der „neuen deutschen Zeitbilder". (gorlsitzung<) Er Horchte auf bei der Frage. Cr dachte nach ; eS war daS Nachdenken des Irrsinnes. „In welchem Gefechte?" fragte er. „Das im Jahre 1813 in der Nähe deS Dorfes stattfand." ..Ah, l"." „Zwisihen den Franzosen und Kosaken." .,AH ja. Es war eine Französin." „Erzählen Sie mir doch von ihr." Er lächelte eine Weile Mit den irren Augen vor sich hin; dann sa;)te er: „ES war ein hüb» scheS Ding und noch so jung; eS mar Schade um sie." Er schlvieg, still weiter lächelnd. „Was war Schade?" sragte ich. .Ah bah!" „Sie antivorten mir nicht." „Fragten Sie mich etwaS?" „Nach der jungen Französin." „Ah so l" „Sie sagten, es sei Schade um sie geivesen?^' „Grwiß, daS irar es." „WaS war Schade?" „Sprach ich davon?" ..Frnlich." „Ja, ja, dann muß eS lvohl so sein." „Ader lvas muß so sein 7" „Nun, was ich gesagt habe.'' „WaS haben Sie denn gesagt?" „Nun, Sie wisitN et ja." Auf diesem Wege w^n er zu dem, waS et Halle s.,gsn ivollen, nicht zurückzubringen; ich mußte andtlS fragen. „Die junge Franziisin war dem Kampfplätze entronnen?" „DaS war sie." ..Ein Frauenzimmer?" „Eine Dame l" „Line Dame?" „Eine seine Dame!" .Wie war sie in den Kampf gerathen?" ,Ei, sie hatte ja uicht von seiner Seile weichen wollen." „Von ivessea Seite?" „Nun, von der deS sranzösischen Kommandanten, der in dem Gesechte blieb. Sie ivar ja seine Gelitbte." „Wie?" „Ja, ja, seine Geliebte, nicht seine Frau; die Leute lügen, wenn sie das sagen. Warum halte sie dann Knabenkleidung getragen? Tr gerieth beinalje in Eifer, während er dies sprach. „Sie trug Knabenkleidung?" fuhr ich mit meinen Fra^ien fort. „Gewiß, uod sie licßen ihr recht hübsch. Aber lSr schlvieg wieder, vor sich hin lächelnd. „Aber?" sragte ich. „Aber ich sah gleich, daß sie kein K'iabe war." „Sie sahen sie also?" „Gewiß. Sie kam ja zit mir in mein Haus." „Sie kam zu Ihnen V" „Wie ich Jhlien sage." „Un:> ivaS sührie Sie zu Ihnen?" „WaS sie zu mir sührle? Sie geaaS in meinem Hause von elnem Tüchterchen. „Marianne?" mußte ich unwillkürlich rufen. „Ah, Sie kennen sie?" „Marianne ist die Tochter jener Dame?^ „Wir ließen sie Marianne taufen." „Wer ließ sie so tausen?" „Ich s'lbst " Line sürchterliche Ahnung ergriff »ich. „Und ivaS wurde auS jener Unglücklichen?" „Aus lvelchcr Unglücklichen?" „Der Französin, der Mutter Marianneus?" „Ich sagte es Ihnen ja." das wt»«d«rstdSa, wir siad aber so Verdorben, zu glaube», daß es über Jahr und Tag von mantew dieser privilegilteu SUlldichetns heißen wird: Ge-legeubeit macht Diebt." (3 ur Handelskrise in Ungarn.) Aus Ptst-Ofen wird bkrichlet: .Die Ursache dts Aersolls unseres Handels liegt in der Unehrlichkeit der Koufleute und Agenten, daher weidet das Ausland sorgfällig jede nähere Berührung, erwägend unsere schl'chte Justiz, vor Allem die Krelftätte, wo Betrug und Diebstahl osfen geduldet wird. Warum finde» unsere Wrine im Auslande keine» Markt? Weil die Probe gut, die effektiv bezogene Waare jedoch gefälscht ist. So geht es mit unjerer Wolle u. s. w. Dagegen Helsen weder Vorschnßtafsen, noch Aushilssvereine, noch was immer für ei'ie GtaalShiife, weil diese eben die Leute nicht ehrlicher machen." (Advokatur in Kroatien.) Die Advokatenkammer zu Agram hat eine neue Ad-Vokatenordnung entworfen und ersucht die Regierung. dieselbe dem Landtag vorzulegen. Der Vntltmrf ist uach dem Bordilde des österreichischen Gesetzes ausgearbeitet; der Hauptantrag lautet auf yreigebung der Advokatur nach fünfjähriger Praris. (Zur Fleisch frage.) Das Wiener Stadtamt hat den Gastwirthen besohlen, auf den Speisekarten mit voller Bestimmtheit anzugeben, ob eine Aleischspeise aus Rindsleisch oder auö Pferdeftelfch bereitet worden. (Leichenverbrennung.) Der Wiener Thierschutzvereiu beabsichtigt, mit einem Thiere den Versuch der Leichenverbrennung zu machen und soll diele vor der Matzieinsdorfer Linie stattfinden. Marburger Berichte. (Sitzung des Gemeinderathes vom 12. Ma i.) Der Bürgermeister, Herr Dr. M. Reiser, legt die Gemeinderechnung für 1873 zur Prüsung vor und ivi>d nach dem Antrage her Herren: Direktor Franz Perko und Max Baron Rast beschlossen, die Revision einkm Ausschüsse von dr,i Mitgliedern zu übkrtragen. Diesen Ausschuß bilden die Herren: Dr. Joseph Schmi-dertr, Franz Bindlechner und Albenöberg. Der Unlernelimer der GiStirlcvchtung, Herr Georg Troff, erklärt ans den Veschluß deS Ge-meinderathes vom 17. April d. Z.. betreffend die Beleuchtung bei abnormer Wiit,rung, daß dee» gleichen zu beliebiger Zeit »ngeordnete Beleuchtungen nicht zu seinen vertragsmäßigen Ueber«! nahmen gehören. Um jedoch den Wünschen des^ „Sie haben mir nichtS gesagt." „Sie haben mir ja vorhin selbst gesagt, es sei Schade um fie geiveseu." „Ich Ihnen?" „Besinnen Sie sich nur." „Was war denn eigentlich Schade um sie?" „5tun, daß sie sterben muhte." „Sie mußte steiben?" .Nun ja." Es überlief mich kalt. Dem Sekretär standen dicke Schlveißtropfen aus der Stirn. Der Irre lächelte vergnüt^t vor sich hin. Die junge Dame, eine verlassene, unglückliche Fremde, die in der schiversten Stunde ihreS Lebens Schutz und Hülfe gesucht hatte, die Mutter jener Marianne, hatte in dem Hause, in dem sie Scht^ und Hülfe suchte, sterben müssen! Und der Mann, bei dem sie gestorben war, tvar seitdem aus einem armen Manne ein reicher Mann getvordenl Und er tvar seit jener Zeit dem Wahnsinne Versalien! Und jeneS böse Weib, das seitdem den Wahnsinnigen von aller Welt fern hielt, das auch mich nicht mit ihm allein hatte lassen wollen, war schon damals bei ihm gewesen, allein bei ihm mit der Unglücklichen! Sie hatte mich zu ihm lasien müssen, weil sie ohne sein Testament einen neuen Verbrecherischen Zweck nicht erreichen konnte, vielleicht denselben Zweck, der sie schon zn jener Zeit zum Verbrechen löblichen Vemeinderathes entgegenzukommen, wolle er freiwillig und bis auf Widerruf nach Möglichkeit enlsprechen. Auf jede solche Beleuchtung dürften aber die besiehenden Gasverträge keine Anwendung finden und beansprucht er bei gleichem Preise, d,»ß eine kürzere Dauer als vier Stunden nicht stattfinden soll, eine angefangene Stunde wär' als eine volle zu rechnen. Der Berichterstatter Herr Max Baron Rast beantragt, aus diese Bedingungen nicht einzugehen und möge die RechtSsektion begutachten, ob der Unternehmer im RechtSivege Verhalten werden könne, vem Beschlüsse des Gemeinderathes sich zu fügen. Herr Dr. Lorber bezweifelt nicht daS Recht der Stadtgemeinde; sie könne veelangen. daß bei abnormer Witterung beleuchtet werde und sei Herr Graff nicht zu fragen, ob er beleuchten wolle, sondern sei ihm auszutragen, daß er beleuchten müsse und wenn er sich weigere, dann könne die Gemeinde klagen auf Grund deS Vertrages. Herr Direktor Perko theilt diese Ansicht und fügt bei, Herrn Graff die Antwort zu gelten: wenn er nicht entspreche, so werde augenblicklich geklagt, da sich die Gemeinde nicht könne daS Recht nehmen lassen, in besonderen Fällen die Beleuchtung zu sordern. Herr Bitterl von Tessenberg spricht für den Antrag der Sektion. Es sei noch fraglich, ob auf Grund des Vertrages geklagt tvßrden könne. Herr Dr. Lorber entgegnet: der Vertrag bestehe; der Unternehmer sei zur Lieferung verpflichtet, die Gemeinde sei d r Abneljm'r. Der GeMkinderath möge die Sache nicht verschieben. Herr Bitterl von Tessenberg hält den Unter-nehmet allerdings für verpflichtet, daS Gas zu liefern, aber nur unter den im Vertrag festgestellten Bedingungen; ob die Bedingung, bei ab« Normer Witteeung zu beleuchten, auch im VertN'g stehe, wisse die Mehrlieit der Versammlung nicht. Herr Max Baion Rast findet, daß die Verhältnisse des VertiageS nicht so klar seien; ihm wenigstens sei keine Bestimmung vorgekommen, tvelche präeiS dadin ausgelegt werden dürfe, daß man Herrn Graff zwingen könne, bei abnormer Witterung zu beleuchten. Es hantele sich um eine Rechtsfrage und die RechtSsektion hade zu be-rathen, ob sie einen Antrag stellen könne, welcher die Gemeinde in einen Prozeß verwickelt. Der Antrag der KotitrolSkommission wird zum Beschluß erhoben. Herr G-org Graff hat die ziveite GaSglocke weder in Betrieb ges'tzt, noch dieseltie vollendet. Da sür diesen F.ill der (Semeindtlath eine Konventionalstrafe von täglich ö fl. vorgeschrieben, so geleitet hatte! Ja, mußte ich nicht in einen Abgrund blicken, in dem ein schweres, entsetzliches Verbrechen lag? Und der Irre lag so freundlich lächelnd vor mir. Ich müßie weiter gehen. „Die fremde Dame war in Ihr HauS gekommen ?" fragte ich. „Gewiß, in mein HauS.^ „Wer hatte sie zu Ihnen gebracht?" „Ein Bursche auS dem Dorse." „Sprach sie deutsch?" „EtivaS.^' „Was wollte sie bei Ihnen?" „Ich sagte eS Ihnen ja schon." ,WaS hatte Eie dem Burschen gesagt?" „Sie hatte ihn nach dem Friedensrichter deS OrteS gefragt." „Und was sagte sie zu Ihnen?" Er lachte laut auf, ulS wenn er sich an etwas recht LustigeS erinnere. „WaS sagte sie zu Ihnen?" iviederholte ich. „Sie wollte auch ihr Testament machen." „Ihr Testament? „Ich war ja Friedensrichter, und ein Notar war nicht im Dorfe." „Machte sie ihr Testament? Fh bah l" „Sie machte eS nicht?" „Sie hatte keine Zeit dazu." „Warum nicht?" beantragt die Kontrolkowmissto«, durch Herru Max varou Rast, dem Unternehmer deßhalb eiue Konventionalstrafe von 1650 fl. (10. April bis 12. Mai) aufzuerlegen und soll Herr Dr. Lorber als Rechtsfreund der Gemeinde bevollmächtigt werden, die Klage zu überreichen, falls Herr Graff widerspricht, wozu er vertragsgemäß binnen vier Wochen berechtigt ist. Dieser Autrag »vird angenommen. Der Turnverein erwidert, daß er mit dem Beschlüsse des GeM'inderathes, betreffend die Errichtung eines Sommer-Turnplatzes nicht einverstanden sei und macht folgenden Vorschlag: 1. „Die Gemeinde überläßt auf fünf Jahre unentgeltlich dem Turnverein den von ihm ange-suchten Platz und eine dazu geeignete Geräthe-tammer, sowie den am Platze vorhandenen offenen Schuppen als Ankleidelokal, weist innerhalb des anstoßenden Gebäudes einen Abort an, übernimmt alle zutt Herrichtung erforderlichen Erdarbeiten, sowie die Anbringung eines Thores gegen die Schillerstraße auf ihre Kosten und zahlt dem Turnverein als Entschädigung für die Benützung der Turnlokalität und der Geräthe des Vereins für das laufende Schuljahr (vom 1. Oktober 1873 bis Ende Juli 1874) dreihundert, für die kommenden vier Schuljahre je zweihundert Gulden. 2. Der Verein verpflichtet sich hingegen, die zum Turnunterricht an der hiesigen Ober-Realschule nöthigen Geräthe auf seine Kosten herzustellen und zu erhalten und der Anstaltung zur Benützung zu überlassen." Zum ersten Punkte wird in der Erividerung bemerkt, „daß die Geräthe keineswegs im offenen Schuppen untergebracht werden können, da die l.icht beweglichen nnter denselben, tvie: Taue, Reckstangen, ebenso auch die Leder-Beftandtheile d r schweren Geräthe dort höchst unsicher aufbewahrt ivären. Ferner würde die Anweisnng eines AborteS im Hause durchaus nicht durch die Aufstellung eines solchen auf dem'Platze selbst ersetzt iverden, da bei letzterem sehr zu befürchten stünde, daß eine verunreinigte Atmosphäre sich mit dem Zivecke eines Sommer-TurnplatzeS in iViderspruch setzen könnte". Die Sektion i^Berichterstatter Herr Ferdinand Baron Rast) findet eS nicht rathsam, nach Erwerbung des Kaiiduth'schen HauseS einen Verlrag auf fünf Jahre abzuschließen und stellt den Antrag. von den Vorschlägen deS Turnvereins abzn-sthen und nur für ein Jahr 300 fl., für die übrigen 200 fl. zu bewilligen — insolange die Gemeinde nicht einen eigenen Turnplatz besitz». He^r Max Baron Rast wendet sich gegen .Nui», sie starb vorher", lächelte er zusrieden. .Wie starb die Arme?" fragte ich entsetzt. „Sehr gefaßt", antwortete er Mit selnem Vergnügten Lächeln. Ein neuer Schauder überlief mich. „Sie eikannle ihren Tod?" „Und ergab sich mit wahrhaft christlicher Gesinnung in ihr hartes Schicksal." „Sie selbst nennen eS ein harteS?" „Ja, sie war doch noch so jung." „Aber ivarum mußte sie sterben?" „Warum stirbt der Mensch? Ich muß ja auch sterben. Sterben müssen wir alle." „Ich meine, 'vaS die Ursache ihreS TodeS war?" „Ich sage Ihnen ja, sie mußte sterben." „Starb sie eineS natürlichen TodeS?" .Ah, der Tod ist immer natürlich. Er ist ein Gesetz der Natur." „Aber er hat natürliche oder widernatarliche, gewaltsame Ursachen." „Auch das ist nicht richtig. ES ist freilich ein sehr gewöhnlicher Jrrthum." Er lächelte nicht mehr; aber er sah mich mit einem wichtigen Ernste an. (Fortsetzung folgt. den Avtrag der Settio«, wie gegev jeueu dts Turnverkins. Der Veret« stelle Fordtruagen, wtlche über das Maß dessen hinausgehen, was vom VeMkinderath am 23. April d. I. zngtficher» worden und würden dadurch neue Kostrn verursacht. Eine Subvention von 200 fl. entsprecht so jtitmlich Allem, was vom Turnverein verlaugt werden kann. Auf sünf Jahre könne man sich anch deßwegen nicht eialassea, weil der Gemkindk-rath schon tiaeu Gegeubeschluh gefaßt. Der Red-ncr stkllt dtN Antrag: bei dem letzten Beschlüsse zu beharren und mit Hinweisung aus denselben das Gesuch obweislich zu beichnden. Herr Direktor Gutjcher erklärt, der Turnverein sei bei seinen beschränkte» Mitteln nicht im Stande, zu leisten, was nothwendig. Die Ansprüche des Vereins seien nicht übertrieben. Der Turnverein habe «ine jährliche Ausgabe von sünshuudert Gulden und Hobe sich der Kreis seiner Thätlgkeit erweitert, da jetzt die erste Klasse der Ober-Realschule in zwei Abtheilungen zerfalle, also der Unterricht für sieben Klaffen ertheilt werden müssk. Herr Direktor Gutscher empfiehlt, die Borschläge des Turnvereins anzunehmen. Wolle die Versammlung den Bertrag nicht aus fünf Jahre abschließen, so möge daS VerlragSver-hältniß doch wenigstens so lange fordanern, bis die Gemeinde selbst einen geeigneten Platz herriHtet. Herr Direktor Perko besürwort den Antrag des Herrn Max Baron Rast. Herr Karl glucher weist auf die Unbrauch-barktit vieler Turngeräthe hin, aus die Gefährlichkeit derselben. Der Berein habe durch siiae bisherige Wirksamkeit ein Recht auf Anerkennung sich erworben und käme die Gemeinde in arge Verlegenheit, wenn der Verein im Falle der Nichtgewährung den Vertrl'g kündigen würde. Herr Johann G>rstmoyr ist überzeugt, daß der Turnverein nicht so bei Kasse sei, wie ei'S wüniche — ist aber auch überzeugt, daß die Bürger Marburgs sreiwillig beisteuern werdeo. Zu Anbetracht, daß der Verein jOALA-TOB8TELL(ISCi zum Benelice des Clrcus-DIrektors Josef Deresln. P R O G Zum ersten Male: Die Engländer nehmen Reitlectionen in einer französischen Manege, grosse komische Scene zu Pferd, ausgeführt von d. Herren Juul und Horn. Auftreten der jungen Parforce-Reiterin Betti Stocklas. Zum ersten Male: Othello, holländische Racepony, in Freiheit dressirt und vorgeführt von dem Beneficianten Dir. J. Derssin. Herr August in seinen vorzüglichen Leistungen zu Pferde. Albinos uud Cäsar, zwei russische Hengste, zu gleicher Zeit dressirt und vorgeführt von dem Beneficianten Dir. J. Dersin, Grosses komisches Entree, ausgeführt von dem Clown Hrn. Chelli und der beliebten kleinen Erminia. Zum ersten Male: Calif, Apportirpferd, arabische Race, unübertrefflich in seiner Dressur, welcher aus einem Amper Wasser einen Metallthaler, einen eisernen Drahtstift u. einen lebenden Fisch apportiren wird, und auch den mit Wasser voll gefüllten Amper aus der Bahn heraustragen wird. Zum ersten Male: Die gefährliche Leiter, haarsträubende luftgymnastische Productionen, ausgeführt von den Gebr. Briatore. ramm: Grosses indianisches Pas de deux auf 2 Pferden, mit athletischen Productionen, ausgef. von den Damen Susanna Pary u. Lina. Fräulein Fanni Allingcr in ihren schwierigen Leistungen auf un-gesatteltem Pferde, endigend mit dem Schenkelritt in grösster Carriere. Der Neger-Virtuose, grosse komisch-musikalische Parodie, ausgeführt von dem musikalischen Clown Herrn Briatore. Zum ersten Male: Die Doppelschule, auf zwei ausgezeichneten Schulpferden zu gleicher Zeit geritten von Frl. Susanna Pary und dem Beneficianten Director J. Derssin. Zum ersten Male: Heinrich Williams sen,, mit seinen staunenswerten Leistungen auf 2 Pferden, mit Sprüngen, halben u. ganzen Pirouetten vor- und rückwärts. Die staunenswerthen equilibristischen Productionen auf der persischen Stange, ausgeführt von d. Herren Briatore u. Natalini. Zum ersten Male: Emir, Araberhengst, in allen Gangarten der hohen Schule dressirt und geritten im andaluiischen Natio-nalcostume von dem Beneficianten Director J, Derssin. ?um Lebluss äer Vorstellung, »«in v?»tVN «nil lUalv: rosssr ^ s ^ L 2^seben äem Herrn vslelier am 21. 5änner 1861 äen borilUmten kinglcämpkvr I^aromaläi unä am 3. I^ov. 1861 äen Xonig äer Ringer, äen k'ran^osen öliarles, nisäergevorten bat, gegen äen ICkv^uit im (üraus Vvr»»iQ, äer einen ?r«1» vo» SV A. ö. >V. äem^enigen ^usiebe^, äer ikn naob äen ALQxkamvkreeel» meäer^verfen virä; ä. ll. Slvxor ist äer^enige, äer seinen Oegner 2>vingt, mtt dsiüs» LoliuItvrQ avQ «oüsQ »u dvrit!»rvu. Bediugniffe des Ringkampfes: dern nur mit der Brust oder mit den Ballen der Hönde berühren, so ist es gestattet, wieder aufzustehen und den Kampf, aber nur unter den obigen Bedingungen fortzusetzen. 6. Sollten 1b Minuten verstreichen, ehe der Kampf beendet ist. bleibt derselbe unentschieden und es bleibt den Kämpfern frei, einen anderen Tag, welcher bekannt ge-geben wird, zur Beendigung deS Kampfes zu bestimmen, an welchem Tage derselbe aber entschieden werden mnß. 7. Der Sieger hat das Recht, den am Anschlagzettel bednngenen Preis zu verlangen. 8. Sine Kommission wird den Erfolg deS Kampfes bestimmen. ä. Ein sich im betrunkenen Zustande befindender Kämpfer wird nicht angenommen. 10. Es ist streng verboten, gegen das Publikum beleidigende Worte zu richten. 11. Wer eine dieser Be^ingnngen nicht einhält, ist deS Preises, wenn er auch Sieger, verlustig. ?. ?. In äsr Icur?en ^eit meines Hierseins in äer freunälioben Ltaät Marburg var ieb unä weine Kesellsebat't so glüoll-lieb, uns äas '^oblivollen äes boebverebrten unä Icunstsinnigen ?. I'. ?ublilcums 2U erverben. lob küble micb angenebm verpiliobtet, für äiese» VVoblvollen meinen värmsten Danlc aus2uspreeben unä erlaube wir ^ugleieb, 2u äer sm Lamstag l!sn lk. lilsl als mvin8m LKrvNAdvNl!^ stattknäenäen vorletzten meiue boÜiebste Linlaäung 2u maoben unä Icann äie Versieberung ausspreoben, äass sin bovbverebrtes ?. ?ub1ilcum geviss ^uirieäengestellt äen Oireus verlassen virä, inäem in äieser Vorstellung gan2 neue, noob niebt gegebene Lxeroitien stattünäen veräen. Iloodaodtullxsvoll or^sbsnst viroktor 6os Ic. ottom. Lirous. Lovlltsx ävll 17. ilsi um 4 Ilbr l^avkwittaxs, in äer eixens äMr neuerbautena VV^ettrevllen-^rella, suk äem Lxvr- eierplstLe näokgt äem ^rieäkofe uviviäerruAieb letztes xrogseZ 1. Die zwei Rinakämpfer werden sich freundlich die Hände reichen und sich auf einige Schritte Entferuung stellen, um den Angriff zu beginnen. 2. Beim Angriffe und während der ganzen Zeit des Ringens ist es gestattet, sich vom Giirtel bis zum Kopfe zu fangen, ohne aber die Hände so zu gebrauchen, um fich die Nägel der Kinger in das Aleisch zn bohren; auch ist eS nicht gestattet, sich mit den Händen in das Gesicht zu fahren oder fich am Halse oder be» den Haaren zn fassen. 8. Es ist nicht gestattet, fich bei den Fussen anzugreifen oder den Kuß untenustellen. 4. Sieger ist derjenige, der den Gegner zwingt, mit beiden Schultern den Boden zu berühren. 5. Sollte einer oder beide Kämpfer fallen und den Bodeu nicht mit den Schultern, son» mit Theilnahme von 60 Pferden und 80 Personen, worunter auch viele hiesige Herren mit eigenen Pferden. Es wird besonders aufmerksam gemacht, dass das Wettrennen nur bei trockenem Wetter abgehalten werden kann, sollte es aber am nächsten Sonntag regnen, so finden an demselben Tage im Circus auf dem Sofienplatze um 4 Uhr Nachmittags und um halb 8 Uhr Abends unwiderruflich die letzten zwei Gala-Vorstellungen statt, sollte es aber am nächsten Sonntag nicht regnen, so wird das Wettrennen präcise um 4 Uhr Nachmittags in der Wettrennen-Arena stattfinden und an demselben Tage findet um halb 8 Uhr Abends die unwiderruflich letzte grosse Gala-Vorstellung im Circus auf dem Sofienplatze statt. Näheres die Anschlagzettel. __________Achtungsvoll Josef Derssin. Hesterr. Aktien-Hesellschast zur Erzeugung von künstlichem N?ospyat-Z>ünger. MMgn /«drik. GypShältiger Compost - Streudünger für Wiesen nnd Kleefelder, per Centner t fl. ö. W. Bestellungen ersucht man an daS Bureau der Gesellschaft in Marburg, Tegetthosfstraße 35, oder an das Grazer Bureau, Schmied-giffe 2S, zu richten. Dik Verpackung geschicht in Säcken, welche mit 2S kr. berechnet und bei Francv'Riickstelluug mit 20 kr. zuiückgenommen werden. ^323 Die GeschästSleitung der Marburgtr Kon>!dü»grr-/atlrik. Edikt. Von dem gefertigten k. k. Notar alS Ger.-Kommissär tvird bekannt gemacht, daß in Folge Bewilligung dcS k. k. Bezirksgerichtes Marburg vom 22. April 1874 Z. 7218 die Lizitation deS zur Konkursmasse des Herrn Eduard Kahn, Schneidermeisters in Marburg gehörigen beweglichen Vermögens, b'stehetid in fertigen Männer-kleidern, verschiedenen Waarenvorräthen und Ein« richtungsstücken, am IV. Mai d. 3. und nöthi-genfallS am folgenden Tage Vormittag von 9 bis 12 und Nachmittag von 3 biö 6 Uhr im Schraml'ichen Hause gegen sogleiche bare Bezah-lung und Hinwegnahme der erstandenen Gegen« stände stattsindet. Marburg am 5. Mai 1874. Dr. Mullö. Una»t»orUich« RedaNto«, Dr»< und Verlag von Tduard Z«nschiß iu Marburg. ». «. St. G.