IV- 7« Ireitag den S6. Juni 1874. MI. Jahrgang Die „M.irhurge? Zeitung" erscheint jede» Sonntag, Mittwoch nnd Freitag. Preise — fiir Marburg: ganzjährig 6 sl..halbjah?ig 3 fl., vierteljShrig 1 fl.50k?; fürSustett«« in» Haus monatlich 10 kr. — mit Postversendung: ganzjährig 3 fl., halbjährig 4 fl., vierteljährig 2 fl. Iusertionsgebühr 6 kr. pr. Zeile. Die so)ialt /rage. Bei der sozialkn Frage handelt eS sich um die wirthschastllche Zusammrnsehung deS in einer StaatS-GeMkinschaft zusammenjjehaltknen BoltS. Mißstände haben nun freilich immer existirt; namentlich Untten der neuen Ordnung ivünschen muhte! Hier sah man, wie zwar Vereinzelte sich aus diesen Reihen zu Wohlstand und Unabhängigkeit emporschwangen, aber im Ganzen blieb trotz des Prinzips der Freiheit ein großer Bruchlh^il der Bevölkerung besitzlos und unsklbsiävdig, d. h. !virtt)schaftllch unfrei, und lrotz dkS Prinzips der Gleichheit wurde die Zu-samnu'.tsetzung der Bevölkerung nach Btsitzes-Kicssen Nicht tileichmäßiger. Vielfach l'eß sich sogar eine d^m neuen Prinzip entgegengesetzte Bewe-lmng beobachten. Wir haben also aus der einen Seite das Zeii-Jdeal: die rechtliche Freiheil und Gleichheit, verwirklicht durch die Niederrelsiung der beengenden Schranken l'er Volkswirthschaft; und sind andererseits der thatsächlichen Elktwick-lung der rechtlichen um nichts näher gerückt, ja haben eher ut»s von ihr entsernt. Mußl« dieser Widerspruch nicht allmällig zuin Bewußtsein kommen? Mußle dies Belvußlsein nicht in irgend einer Zeit so kräftig auftreten, daß es als eine zu lösende Frage sich gebieterisch der ganzen Gesellschaft ausdrän^jt? — U"d so haben wir unsere soziale Frage, welche da laulet: „Wie bringen wir die Bewegung mlserer Aeuilleton. Kit jtiimme Sigiiora. ' Von K. Wartenburg. (Schluß.) D?s Zeugeaverhör begann und als Haupl-entlaslungszeuge erschien jener englische Arzl. Der Angeklagte erklärte mit voller Cntschiedenlieit, den Zeugen nie gesehen zu hoben, wordurch er denselben so verblüffte, daß dieser in der Tha: schwankend wurde, zumal da der Ueberfall de; Nacht stattgefun-sn und daS Koupe nachlässiger Weise nicht ell«uchtet geivesen, so daß der Arzi die Gestalt des Raubmörders nur bei dem Mondschein, der in deit Wagen fiel, gesehen hatte. Da stellte der Generalprokurator bei dem Präsidenlen des Gerichtshofes den Antrag, dem Angeklagten einen Todtschläger zu geben und diesen gegen den Zeugen erheben zu lassen. Ueber das Gesicht deS Matteo de Gustiani zuckte eS, ein Schauer schüttelte seine Gestalt. Man konnte deutlich watjrnehmen, ivie peinlich ihm der Antrag deS Generalprokurators lvar. Der Todtschläjier wurde gebracht, der Angeklagte mußte ihn ergreifen und die Gcberde deS Zu-schlagenö gegen den Zeugen machen. „Ja, ja ... er ist es .. . ich erkenne ihn . . . ich kann es mit tausend Tiden beschwören", rief der Arzt im tiefsten Tone der Ueberzeugu »g. während meinen Lippen unwillkürlich der Ruf „Prokop Makovetzky l" cnifloh. Proko" Mako-V'/tzky l So halte er vor uns gestanden, mit dem Äeil in der Hand in jenet Dezembernacht, in der R'Uchwaarenhalle zu .»zig. Prokop Makovetzky" tv' verholte ich nou einmal, die Szene um Mich ver^e.,end. Ich glaube Nicht, daß Jemand AnderS als der Angeklagte, in dessen Nähe ich ^''?nd, den Namen geh .t oder meinem AuSruf eine Bedeutung beigeie t hat, aber die Wirkung, die dieser Name auf den Angeklagten hervorbrachte, w^r unbeschreiblich. „Ja, ich bin der Mörder ... ich habe auch die Anderen ermordet ... ich will alles g'stehen." Die Sitzung wurde sodann auf Antrag des Prokurators aufgehoben und der Angeklagte ins UnkersuchungSgefäNttniv zurück geführt. lÜline neue Untersuchung über die früheren Eiseni)ahn» morde begann. Vielleicht ein paar Monate später erhielt ich aus Sli^ahburg den „Kourir des Nib.i-tern und A beit^^eber enischeiden. Deuischland ist in 12 Altise mit ven Borokten Berlin, Lieslau, Karlsruhe, Köln, Frankfurt e». M., Hall«', H m-burg-Altona, Hannnoer, Leipzig, München, Stellin und Stuttgart etngelhetlt; -s können jedoch außer den KreiSjchirdSämterr, nach erfolgter Zustimmung des Einigungsamtes auch Lokal-schiedsämter eingerichtet werben. Folgende Bar, schriften bestimmen das Zchiedsverfat?ren: 1) Wer das Schievsamt anruft, hat sich der Entscheidung dessetberi zu sügen oder den Rekurs an das Cinl« gungsamt zu ergre'sen. 2) Die Berufung an daß Slyikdsamt ist unter kurzer und deuilicher Dailegung der Sache schriftlich an einen der beidiN VorsißendtN zu richten. Hierbli ist der Nachweis der Mitgliedschaft eines qualifizlrten Vereins, resp. eine von dem betreffenden Schi,ds« omte zu bestimmende Summ« btizusügev. 3) Die Parteien haben daS Recht, und im Falle einer an sie ergangenen Einladung die Pflicht, persönlich zu erscheinen. In beiden Fällen ist Vertre-lung durch einen Bevollmäch igten zulässig. Die Anwesenhkit der Parteien ist j doch nur so lange gestattet, alS zu ihrer Anhörung erforderlich. Erscheint eine Plirte» nicht, so hat sie sich dadurch weiterer Einreden dem SchievSamte gegenüber begeben. 4) Die ClUscheidung des SchiedSamteS erhält binnen 6 Tagen nach Publikation derselbtN bindende Krast, lvenn nicht innerhalb dieser Zeit seitens der Betheiligten der Rekurs an das Eini-gungSamt angemeldet wird und dem Vorsitzend-n deS SchitdsamteS Mittheilung hierüber zugegr.«-gen ist. Der Rekurs an dos EinigungSamt ist binnen 15 Tagen nach erfolgter Anmeldung desselben und ebenfalls bei dem betreffenden Vor-sißenden des EinigungSamteS zu erheben. — Erfolgt der Rekurs »roß vorheriger Anmeldung in ditser Zeit nicht, so ivird die Frist alS versäumt betrachtet und es verblcibt bei dein Entscheid des SchtedsamteS. (S ch a d h a s t e S t a a t S n o t e n.) Bei Thcilzahlungen sür beschädigte Staatsnoien sol! kü »ftigbin folgende Verordnung gelten: Jedes Feld, dessen Raum durch die unter daS Neß g« legte Stntiisnote nicht wenigstens bts zur Hälfte nus» gesülli wird, ist bei den Stnaisnoten zu ö0 ft. mit 25 kr., bei den Staatenolen zu 5 fl. und jenkn zu 1 fl. Mit 5 kr. von dem ganzen Nominalbeträge der Note iN Adzug zu bringen. F h-tknde Ttzeile, welche an den BerührungSpunkien von zwei oder mehrertN Feldnn liegen, sind llicht mit d«n für die einzelnen Felder e«»tsollet-oen Thkilbeiräg'N zu veranjchl.'gen, iondern mit jenem '^'e rigk in Abzug zu bringen, wUcher den fehlenden The len zusammengenommen entspricht. Solche St.'otS"0ten, aue welche« Strrifen heraus-gelchnillln oder ivelche aus zwei oder met^reveu Ltrrlfer, zu'ammengeießt erscheinen, sind dem gemeinsamen Finanzministerium vorzulegen. (vureaukratischer GefchäftS-gan g.) Ein Postbeamter in Prag schreibt — 15. Juni — der „N. Fr. Presse^ : „Seit dir R gultruni der Beamtenge hatte ist bereilS ein volirs Jahr vei^flossen, und die dem Frai.z-Zoseph vahntlofe zu Prag zugeth'iltrn Poftdeamten harren bis ljeute vergebens auf einen Blscheid bezüglich ihrrS Anfangs Juli vorigen JohreS beim hohen Handrlsministerium eingebrachten Gesuches Unier den Kliffecstämmen gibt eS viele ein-heimtsche Schmiede, ihre metallurgischen Kenntnisse aber sind sehr u'tliümlicher Ari. Zwei lunde Grunstelnrotlstückk dienen alS AmboS, auf d-nen das rotlzg'Uhenve Eisen mit eir,eln rohen Hammer gelchl'igtN lvird, ivahrtnd ,iN anderer Kaffer das Hoizko^t nfeaer unteihält, daS sich stets in eiriem kleinen Loch im Boden b'findet. Zwei Zi.genfelle werdtN sorgfällig zusammengenähi unc» vereinigen sich in eiNtM au^gehöhlieri Ochsrniiorn, beffkN eineS Ende d.m Feuer zugek hrt ist. Indem man nun das eine Z egenfell obivartS driickt und daS andere aufwärts stößt, dringt die Luft kräftig unter die Kohlrn ein, und es wird auf diese Art eine gkvug'Nde Hiße fi'le die Arbeit ent'r-ick'lt. Solche ursprüngliche Werkstätten finden si^ in ganz ttaffsalj.', in Natal nnd im Zulu-Lande, u»d ebenso liaben die ttoffcrn am Z^mbrsl, obgleich sie seit drei Jahihu"dellen Mit drl» Por-tugesen in Z^erührung sini', doit Nie die europäische Methode der Beurb'itung der Metalle angenommen. Sämmtliche Assagkirn der Kaffern und di? Pf'ilip p'N der nö'diichen Siämme wrrden von tinhetMiichen Sl^m eden Verftrtigi, und zivar die meisten derselben dadurch, d^ß man das Eilen unmittelbar auS dem Erze schmilzt. Auch auf Herstellung des DrahtS verstehen sich die Einge-dornen; zu diesem Zwecke gebrauchen sie kleii^e Eiscnplatt'n, in welche sie Löcher bohlen. Einige der nördlichrn Stämme, die ArnaSwazi und Amandebtli, k'nnen die Kunst Metalle zu mischen, so diß sie eine Art Bronze oder Messing erzeugen. In gewissen Gegenden sind sie auch mit dem Zinn tirkannt. Die Buschmänner gebrauchen noch immer Waffen ans g'ftäriten Knochen, und vrrwend.n nur selten eiserne Pseilspißrn; sie verfertigen dies« aber nie s-lbst, sondern erhalten sie von be-nai,barttn Stämmen. An der Seeküste von Natal und im Delta des Zambesi hat man steinerne Pf'ilspiKen gesunk'en, 'vohrsazeinlich Ueb.rreste eines sruheren VvlksstammeS. Ein eigenthümlich tl'staltkleS W-rkzeug wild von den Buschmännern benüßl; es besieht aus einem abgerundeten Stein, ivelchtk durchboli't «st, um rinen Stock hindurch-ichieben zu können. Man gebraucht es zum Ausgraben von Wurzel", thrilweise auch als Waffe. Die Töpferwaaien Südafrika's werden stets nur Mit der Hand veiftrligt, und titMeiniglich ciuS dem Thon g' bildet, den man in der Nähe der Ameisenhügeln findet. Andere Gefäße tveiden aus Kalebassen gemacht. Hübsch ausgeschnitzte hölzernk Löffel sind ebenfalls im Gebrauch. Ein kluner, aber gut geschnittener Elsenbeinlöffel, der Arhn-lichkeit Mit einem Eilöffcl hat, wird im Haar um Rückversetzung aus der vierten in die dritt Klasse der Aktivitätszulage. Es ist unbegreiflich, daß gerade die Postbeamten verurtheilt sein sollen, aus die Erledigung dieses für sie so lvichtizen Gegenstandes vielleicht noch jahrelang warten zu müsie". Nicht genug daran, daß die Kollegen vom Zollamte von Seite deS Finanzministeriums als Erponirte mit der z veiteu Aktivitätsklaffe auf dem Bahnhose belassen wurden und daher jährlich eine Bene von 60 fl. genießen, können es nach Jahresfrist die Postbeamten nicht einmal so weit bringen, daß ihnen die dritte AktivitÜtSklaffe, welche ihnen von lechtSwegen gebührt, angewiesen wird, und doch find beide Beamten-Kategorien soivohl wegen der Wohnungen als auch tvegen drr andern Lebensmittel nur einzig und allein aus die Stadt angetvi'sen." (Eisenbahnwesen. Beleuchtung der Wagen.) Auf der Kerdinands-Norbbahn werden Versuche gemacht, in den Wagen die Gasbeleuchtung einzuführel». (Aus dem sozialen Leben in Wien. Armuth und Kindersegen.) Auf 1000 FraUkN kommev in der inneren Stadt 447 Kinder, ia den Bezirken mittleren Wohlstandes 826» im Fabriksrayon 651, in den ärmsten Bezirken 932 Kinder. ivtarburger Terichte. (Verhandlung des Gemeinderat h e s über den Ankauf der Villa Langer.) Der wichtigste Gegenstand, über welchen der Ge-meinderath in der Sitzung vom 23. Zvni verhandelte, bktraf din Ankauf der Villa Langer. Der Bürgermeister Herr Dr. M. Reiser erklärte, daß rr als Antragsteller nach Sage der Geschäftsordnung dlN Vorsitz seinem Stellvertreter H rrn Viee'Bürgtrmeister Dr. F rd. Duchatsch überlaste. Ter Redner lvünschte, daß der GeM-stand Mit vollster Ruhe und in objektivster Weise bel^andelt ive:den möge. Ob ein Mitglied sich iür oder gegen den Antrag ausspreche, so möge 'S nur das Jntteifse der Gemeinde iM Auge haben und von jeder periönlichen Bemrttung ubsehrn ; eS mög' Nieuiand verletzt werden, um der Sache nicht Schaden zu bringen. Der Viee-Burgermeister Herr Dr. Duchatsch übernahm den Borsitz und Herr Dr. Lorber be-richirte iM Namen der Finauzs.ktisu und der Mit dieier vereinigten Bausektion. Er verlas zuerst der BrrtrogSentwurf, welcher zwischen dem Bürgermeister Herrn Dr. M. Reiser alS Vertreter der StadtgtMtlnde und Herrn Dr. Duchatsch als Vertreter der Lang^r'schen Erben vereinbart wor- get ragen und von den Zulu« zum Schnupftabak-nehmen gebraucht; auch tragen sie ein kletnes aadelartigeS Elfenbeinwertzeug, daS sie hauptsächlich zum Ordnen ihreS ivolligeu Haares, sowie zu anderen Toilettezivecken gebrauchen. EiN beständiger Artikel Zulu'scher Hausgeräthe ist ein eigens zugertchteteS Stück Holz, welches als ein Kissen dient und ost sehr verziert und geschnitzt ist; der obere Theil zeigt die Gestalt zweier Halbmonde. Das Getreide ivird st.ts ztvischen zivei Steinen gemahlen, von welchen der eine zur Aufnahme deS Korns ausgehöhlt ist. Solche Steine »Verden von den Buschmännern nie gebraucht, da fie den Ackerbau nicht kennen. Einige der nördlichen Stämme, welche vorgeschrittener sind, als die Zulu's, zermalmen ihr Korn in hö zernen Mör. sern. Die sämmtlichen F^ldarb iten verrichtet man Mit einer Art kreisrunder EpitzaLt, die an eine hölzerne Handhabe miitelst eineS StückeS be« kestigt wird, das durch einen Knoten im Holze getrieben ist. DaS einzige Werkzeug der Buschmänner scheint dcr Stock mit seii em Steingelvicht am Ende zu sein. Die von den Zulu's getragenen Kiiorren-Stöcke sind diesen Stöcken analog, tverden aber nicht auf dieselbe Welse gebraucht, und scheinen in der That mehr zur Zierde zu dienen, als nützlich zu sein. den. Diesem Entwurf zufolge würde die Villa sammt allen Fahrnissen um 11,000 fl. ^von der Ttmelnde onftekauft und müßte der Preis in nachslehender Weise bezahlt werden: die eine Hälfte — 5500 fl. — binnen Vitt Monosen, der Rest — Üö00 ft. — biS 31. Dezemöc. 1875 ; die Zinsen würden aus 6°/^ festgesetzt. Herr Dr. Losber thellte mit, daß dle Set» tionen nicht einig gewesen und sechs Mltt,lieder gegen den Avtauf, vi»r aber zu Gunsten desselben gestimmt. Herr Dr. Lorb-r, zum Bericht, erstatter gewählt, mußte sich dieser Pflicht uriter-ztehen, trotzvem er pkrsönlich den Ankauf befürwortet : eS wollte kein andrreS Mitglied die Verichterstattung für die Mehrheit übernehmen. D>e Minderheit hatte den H-rrn Max Baron Rast zum Beiichterstatter gekürt. Die vereinigte 3. und 4. Stktion bka?-tragte Abweisung. 1. weil kein Geld zum Ankauf vorhanden ist, 2. tvell der Ertrag nicht die Erhaltungskosien deckt, 3. weil die Zinsen deS Kapitals dadurch verloren gehen, 4. weil, w,nn diese kopitalisirt würden, dadurch ein solches Kapital geschaffkn weid'N könnte, daß man einen solchen Komplex zu erwerben vermöchte, 5. tveil der Ankauf nicht nothwendig ist. Der Bürgermeister Herr Dr. M. Rkiser erinnerte, daß er schon in der letzten Sitzung mitgetheilt, es sei bei der Lizitation di«ser Villa kein Angebot gemacht worden und habe er an die Erben daS Ansuchen gestellt, ob sie vielleicht bereit ivaren, die Villa sammt Fahrnissen an die Gemeinde um 11.000 si. zu verkaufen. Von Seite» deS TestamentSrr^kutorS sei dann im Einvernehmen mit den Erben die Zustimmung erfolgt und hieraus der Vertrag in der bekannten Form ausgefertigt worden. Der Redner führte an, waS ihn zur vor, läufigen Abschließung deS Vertrags bewogen. Er sei Von der Anschauung ausgegangen, daß die Gemeinde alS moralische Köiperschaft nicht bloS für fünfzig Jahre, sondern für Jahrhunderte mit deo Verhältnissen rechnen müss-. Hier handle eS sich'S um er« Objekt, welches schon in fünf oder zehn Zahren nicht um den drei- biS fünffachen Preis, vielleicht gar nicht mehr zu erwerben sei. Die Gemeinde habe die Pflicht, nicht bloS an die Gegenwart, sondern auch an t>ie Zukunft zu denken, tihr Augenmerk schon jetzt auf die Entwicklung der Stadt zu richten und Fürsorge zu treffen, daß alle Stadttheile Gelegeoheit finden, sich auszudehnen, daß die Ausdehnung auS Schön» heitSgründen und nuS gesundheitS-polizeilichen Rücksichten erfolgen könne. Gerade in dieser Be» ziehung biete die Villa Langer der Stadtgemeinde Musikinstrumente flrrd sehr spärlich in Südafrika vorhanden, und nur selten findet man sie unter den Kaffern, in s^ewöhnlicherem Gebrauch aber sind sie bei ven nördlichen Stämmen, waS vermuthen laßt, daß sie wahrschrinlich von den Arabern, die häufig dorthin kommen, herrühren. Die Zulu'S gebrauchen ein Instrument, daS auS einem Vogen mrt einer Saite besteht, an nelche eine kleine offene Kalabasse befestigt ist, um a>s Resonanzboden zu dienen. Wo die Koffern mit den Arabern in Berührung kommen, findet man Trommeln und Tamburine, desgleichen ein aus einer halben K'labttjse, über welche drei oder vier Saiten gespannt sind, gebildetes Instrument. daS man wie eine Quitaree spielt. Die Stämme am Zambesi besitzen auch ein mit der i^yinbel, oder dem Schallbecken verwandtes Instrument, Mit einem auS kleinen Kalabassen Verfertigten Resonanzboden. DieseS Instrument wird dadurch gespielt, daß man mehr oder weniger Wasser in diese Kalabassen thut. Allem Anscheine nach sind bei den Buschmänner oder Hottentotten niemals Musikinstrumente irgend einer Art im Gebrauch gewesen. die Gtlkgenheif, sich in Zukunft auch westlich auszudehnen. Die Gemeinde sei rierpflichttt, dem Jammer in der Kärntner-Vorstadt Rechnung zu tragen, die im Vergleich mlt der Grazer-Vorstadt Sher vernachläßigt worden. Die Klage der ^tärntner-Vorstadt sei nicht ganz unbegründet. Eine Hauptursache, die hier die Entwicklung gehindert, sei der Friedhof. Die Verlegun., deS Friedhofes, die Erweibung deS Langer schen Gartens verschaffe der Gewende die Möglichkeit, neue Straßen anzulegen: auf der Westseite deS FliedhofeS, parallel mit der verlän^terten Bür-gerstraße, von diesem gegen die Kärntner Hauptstraße. Der Ankauf der Villa Langer sei auch wegen des EzerzierptatzeS dringend zu empfehlen. Dieser Platz sei Eigenthum der Gemeinde und habe linen Flächenraum von 4^/^ Joch, sei aber jetzt derart von ollen Seiten eingeengt, daß er nach einer Reihe von Jahren nur dann als Bauplatz Verivendet werden kann, wenn d>e Ge» mei'tve noch daS fragliche Objekt erwerbe. Gehe die Gemeinde auf den Antrag nicht ein, dann weide der Weith deS Exerzierplatzes (gegenwä'tig per Joch auf 300 fl. geschätzt) stch nicht erhöhen. Wenn dieses Projekt nicht durchdringe, io werde die Kärntner-Vorstadt auf Jahrzehnte hlnauS eine Stadt der Todten sein. Der Redner bittet zu bedenke», daß Sani-tätSrücksichten schon in den Vierziger Jahren die Beseitigung des Friedhofes gefordert. Das Gutachten der Aerzte sei maßgebend. Die Bevölkerung müsse aufgeklärt tverden über die Noth-wendigkeit der Verlegung und sei eS ein Unglück, wenn der Friedhof noch länger an dieser Stille bleibt. Augenblicklich sei der derselbe allerdings nicht zu beseitigen, eS sehlen die Geldmittel und müssen ivir mit den Verhältnissen rechi,en; da jedoch die Aerzte in ihrem Gutachten sich dahin auStiesprochen, daß auS sanitären Gründen eine Verlegung deS Friedhofes in thunlichft^r jlmze stttttsinden müsse, so müsse die Gemeinde sich dazu entschließen, sobald die Finanzen eS erlauben. Der Aulragsteller empsahl die Ainahme aufs Wärmste und schloß mit der Versicherung, daß keine Privatrücksicht, sondern nur daö Wohl der Gemeinde ihn geleilet. Herr Max Baron Rast sprach als Berichterstatter der Minderheit. Nach der gediegenen Auseinandersetzung deS Vorredners habe er nicht viel mehr zu sagen ; er mache die Herren jedoch auf EineS nufmerkiam — darauf nämlich, daß eS stch auch um ein? Frage handle, die nicht aus der Tagesordnung steht — um die Friedhofs-frage. Vor Jahren sei eS ein allgemeiner Wui'sch der Bevölkerung gewesen, duß der Friedhof verlegt werde; das Zünglet» der Wage habe lange hin und her geschwankt, biS man für die Erweiterung sich entschieden. Der Friedhof in seiner j^tzitjen Gestalt sei einer Erveiierung fähig» nicht allein nach dem Exerzierplätze hm, sondern auch, wenn die Villa Langer früher oder später ii'. die Hand eines Besitzers kommt, welcher geiieigt wälS, diesen Grundtheit zu FriehofSzwecken zu widmen; eine Eriverbung nach der anderen Seite hin s^i Nicht denkbar, weil die Btsitzer ihre Grundstücke für den Friedhof nicht abtreten würden. Es i^e-stehe zwar ein Geietz. welches die Entscheidung der Friedhofsfraqe in die Hände der Stadtgc-meinde legt. Das Gesetz sei der Ausdruck der herrschenden Stimmung; die Stimmung in Oesterreich habe aber schon so viele Wandlunt^ea erfahren, daß ivir aus die Autonomie d'r Gemeinde nicht Felsen bauen dürfen. Diese Aulo^ nomie sei jenes Get)iet, tvo die scharfe Strömuns^ von Norden nach Süden kreuzt und zum Wirbelwind werden kann, welcher m^mchen Halrn knickt. Der Redner ivies auf Graz hin, wo jetzt die Erbauung eines Rinjtvsens mitten in der Stadt gegen den Willen der autonomen Gemeinde die Gemüther aufrege. Der F->U sei nicht undenkbar. daß s. Z. ivegen deS Friedhofes andere Verordnungen erfließen; die Gemeinde möge also dasür sorgen, daß sie die Erweiterunt, in der Hand habe, waS aber nur dann möglich sei, wenn die Villa Langer gekauft werde. Herr Anton BaU sprcich für die Erwerbung der Villa, weil dann die FriedhosSfrage bald erledigt werde. Manche reden von der ungeheuren Schuld der Gemeinde, welche sich durch diesen Ankauf noch mehr belaste; so bald aber der Friedhof verlegt werde, habe die Villa einen Werth nicht von 12,000 fl., sondern von 50,000 fl. Die Erwerbung dieser Villa erhöhe auch den Werth deS Exerzierplatzes; die Möglichkeit, geeignete Bauptätze ankaufen zu können, wecke die Baulust und fe» darum der Antrag des Herrn Bürgermeisters mit Freuden zu begrüßen. Herr Ludivig Bitterl von Tesseuberg befür« wortete den Antrag der Minderheit; alle Gründe sprechen für den Ankauf, die Eriverbung sei eine Lebensfrage sür den ganzen westlichen Theil der Stadt Marburg. Herr Direktor Perko stimmte den Ausführungen des Herrn Bürgermeisters vollkommen bei und beleuchtete die finanzielle Seite deS FalleS. Die Villa habe einen Flächenraum von 12,121 Quadratklaftern; rechnen wir für ein Joch nur achthundert Gulden, so kaufe jn finanzieller Hinsicht ein gutes Geschüft, abgesehen von allen übrigen Vorthcilen und könne nicht nur daß Kapital, sondern auch ZinS und ZinseSzinS herausschlagen. Herr Stampfl hatte die Villa Langer besucht und den Weg durch die verlängerte Bürgerstraße genommen: Er schilderte die Vortheile, weiin diese Straße biS zur Kärntner-Straße sort-gtfühiet «verde — schilderte die Annehmlichkeiten für Familien und Kinder, wenn die Villa Langer als ^^holungsort beibehaltei» werde. Diele Villa sei seit dreißig Jahren ivohl gepflegt worden und dürfe die Gemeinde ein so iverthvolleS Or>jett nicht aus der Hand lassen. Wenn man noch so kritisch rechtie, so bringe man doch ein ZinSer-trägn ß von 500 fl. heraus. Habe die Gemeinde in Betreff deS Exerzierplatzes wieder srei zu verfügen, so steige der Werth desselben und zugleich dcr Werth der Villa. (Schluß folgt.) (Waldbrand.) Im GutSwalle bei Tüffer ist durch die Nachlässigkeit der Köhler ein Brand entstanden, welcher einen großen Theil desselben in Asche gelegt. Auch die italienischen Arbeiter, seit Monaten dort lieschästigt, haben beträchtlichen Feuerschaden erlilterr. (S a u e r b r u n n b e i R o l) i l sch.) In Sauerbrunn sind bis jetzt 441 Personen angekommen. (Holzarbeiter.) Am Sonntag 8 Uhr Vormittag wird in t'er „Trüb" eine freie Versammlung der Holzarbeiter abgehalten. Gegenstände der Tagesordnung sind: 1. Die Lage der Holzarbeiter und insbesondere der Zimmerleute. 2. Gründung einer ErwerbSgenosseuschast (Pro» dvkliv-Assoziaii0l>) der Holzarbeiter in Marburg. (Evangelische Gemeinde.) Sonn-tag den 28. Juui finoet in der hi sigen evangelischen Kirche wie geivöhnlich ein Gottesdienst um 10 Uhr Vormittags statt. «-tzt- »Kost. Die Statthalterei hat die Verordnung, betreffend die Durchführung der konfesfionellen Gesetze bereits empfangen. In vielen Bczirke» GalizienS wird ge-fordert, eS möge daS VolkSschul-Wesen alS Reichssache erklärt werten. Die MilitärkanUei soll, wie sie unter Grilne bestanden, reaktivirt werden. Zu vermiethen: Eine Sommer Wohttuilg eine Stunde außer Marburg mit 4 eleganten Zimmern und Küche zc. bis 1. Juli 1674. (607 Auskunft im Comptoir dieses BlatteS. Wer 27 kr.? Was SS kr.? Kti» Achwiiiitl^ sündtrii Thatsiichtli bkwriseii! Ikiir IS kr. echte amerikanische Kleiderstoffe iw6 tS Ilr^ echte Leinen- und feine französische Battisttucheln (608 Vinci d«l Äer un«I I»elm in livi' »sfrengaZZö. Schvn am I. erfolgt die I. Aslmile Haupt-tl'tffcr der Wiener KommunalMnlehcns« Prämienlvsl', soqtnaiutte s«« ««« a HVlen«r U<««v Diese Lose haben jährlich 4 Ziehungen mit Haupttreffern von LvlI.llöl), ZW.likl), 200.000, 200.000, 50.000, 30.000 fl. -c. JcdcS Los muß mit mindestens IZV fl. verlost werden. Asna« ?!ae/i ^aASsoo?»?'» ?«. z. /isute e!?'cK ^0^ Kiit' IRatoi» inlt IS 51. j Bti Erlag der Angcibe spielt man schon in der unä llvi- kost in !l) ßisonatsraton a l0 1. Zieliunt, auf all^ Gewinne mit 2YH Ayy ii 2 k. 5« ki.S.:ü?p, Wtchjtlstllbt dcr k. k. pr. Wiciicr Handrlsbaill», voim. /s//. S0?!öF^, S^-aSen /s. ?rowo»»0Q und OriKiQS.1'I»o»o siud auch zu beziehen durch .I«I» Hvltvaan in Oilasbufg, Herrengasse Nr. 123. (568 550) vvrüvQ UQtor Var»ut1v dostor yu»IitätvQ Kchajwoll-Kleiderstoffe, I^üstztrv, Zktp», »»ttlNt, LrNIttntli»«, «k»v«i>vt, OO»in»ii«»«r ?VrIl»N einsiiltiff «liei' rl. lul'klscl! (sslr 8ellI.'isweK<), Kii»ck Hpitzevi»» Voi^IkttUA«, LvttzevuK, I^SZi»vn-IU»i»ck» tüvl»«r K»»«I Gvrvlvttvn, OltlA««, lSopI»»» UZiick Nk»ti^»t«vl»»Vr«ÄI, I.KUII-M gM-Mückr. LlrWkk. Llickii. M Lkdarn!! iied^t vielen nnllei'en KexenslAiKjen ilbxexeden im 37 Kr. 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Wahl der BereinSleitung. 4. Anträge der Mitglieder. Stimm- und wahlberechtigt find die Gründer ^Taze 30 fl.) und Theilnehmer (Jahresbeitrag 3 fi.) Die ?. I. Bewohner Marburgs, welchen das Gedeihen des Vereitles und seiner Schöpfungen am Herzen liegt und welche dem Vereine ihre Unterstüßung bisher nicht angedeihen ließen, werden freundlichst zum Beitritte eingeladen. — Beitrittserklärungen und Beiträl^e werden vom Vereinskassier Herrn Ed. Janschitz entgegengenommen. (558 Marburg im Zum 1874. Ar. D-chatich, Aitiii /eh, Obmann. Schriftführer. Verantwortliche «edaktton. Druck und «erlag von «duard Zauschitz i« Marburg. ^ Lafs ?orstsr empfielilt slch zu recht zahlreichem Zuspruch?. Daselbst wird feinster Mocca Kaffee, Kaiser-thee, Punsch, Chotolade, alle Gattu"gen Liqueure und erflischenden Gelriinke von vorzüglichster Quili^ät nebst ausgezeichnetem Kaffeebrode kredenzt; der dazu gehörige ^assttgarttN, der einzige Marburgs, bietet jedrm geehrtni Vksucher Gelegenheit, seinen Kaffee im kühlenden Schatten bei frischer gesunder Luft einzuschlürfen. Alle Sonn« und Feiertage bei schöner Witterung GkfrorencS. Auch liegen alle politischen uud humo-listischen Journale auk. Für prompte Bedienung ist besten« gesorgt. 606 Hochachtungsvoll 0»rl rorHt«, Pliliztimllllll-Altstllhlllt. Die vier OrtSgemeinden in den Pf.^rren Maria Wüste und St. Lorenzen a. d. K. B. 'v rden einen Poliz imann gegen eine jährliche Besoldung von 300 fl., Brzug der B'ontur und Armatur, dann Naturalqnartier aufnehmen. Die Bewerber um diefe Stelle müssen körperlich rüstig und gesund sein nnd haben stch mit Dokumenten b's 10. Juli l. I. in der AmtSkanzlei von Kumeu (H. Nr. 46 im Markte St. Lorenzen) zu melden. __(596 Ein Lehrjunge, der slovenischrn Sprache mächtig, findet sogleich Aufnahme bei I. N. Spitzy jun. in St. Leonhard W. B._(600 eingelöschter, gut abgelegener, ist in großen und kleinen Panhien zu verkaufen: Mrllingerftraße Nr. 180. (576 z Zu verkaufen find: vi'rschitdene Möbel aus weichem Holz um billigen Preis in der Tischlerei im Heller'schen Hause nächst dem Exerzierplätze. DoleSal. Eiseilbtihil-Fahrordnuilg Marburg. Von Trieft nach Wien: Ankunft 6 U. 11 M. Früh nnd L ll. 4S M. Abends. Abfahrt 6 U. 23 M. Friih uud 6 U. b7 M. Abend». Von Wieu nach Tr iest: Ankunft 8 U. 31 M. Früh und V ll. S M. Abend». Abfahrt 8 ll. 4b M. Früh und 9 U. 18 M. Abend». Nach Franz en»fe ste: 9 U. b M. Vormitt. und S U. 80 M. Nacht», «ach Villach: 2 U. 40 M. Rachmitt. S. «. St »